2720/2024
Szenebericht Literatur
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Anhang 1 Szenebericht Literatur
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Anlage 1 Szenebericht Literatur Stand August 2024 1 Bericht der Sparte Literatur für den Ausschuss Kunst und Kultur der Stadt Köln am 17.9.2024 Vorbemerkung: Seit dem letzten Szenebericht im Jahr 2019 hat die Kölner Literaturszene einen weiteren deutlichen Entwicklungsschub erlebt. Die Kulturform „Buch“ konnte während der Corona-Pandemie ihre Stärken behaupten; Literaturveranstaltungen erlebten Einschränkungen wie alle KulturvermiƩlungsbereiche, fanden allerdings sehr rasch zu angepassten VermiƩlungsformaten. Viele Akteur*innen nutzten die Pandemiezeit zum Ausbau von neuen technischen / digitalen Voraussetzungen und zur Entwicklung neuer Formate. Dieser Bericht nimmt vor allem neue Entwicklungen und Formate in den Fokus, sowohl die Schreibenden als auch die Szene der (häufig jüngeren) VermiƩler*innen, die für das Sichtbarwerden der Literatur(-szene) und deren Fortbestand maßgeblich wichƟg sind. Die Förderung seitens des Kulturamts der Stadt Köln sowie auch andere Förderquellen wurden tatkräŌig genutzt. Die Förderung der Stadt ist in reellen Zahlen gesƟegen, beläuŌ sich aber nach wie vor auf lediglich 4 Prozent der FördermiƩel des Kulturamts, die für die Literatur ausgegeben werden. Zustandsbeschreibung & Entwicklung: Die Literaturszene Kölns ist seit 2019 nochmals entschieden gewachsen und vielfälƟger geworden. Die Zahl der Schreibenden in Köln steigt, es werden neue Literaturorte und -formate erschlossen, Buchhandlungen werden – trotz sinkender Buchverkaufszahlen – eröffnet (zum Beispiel manulit, liƩy Kupido Depot), das Publikum kommt zahlreich und erfährt durch neue Formate eine Erweiterung im Sinne kultureller Teilhabe. Köln zeigt sich als gestärkter und akƟver Ort der Literatur. Die etablierten Literatur-Anbieter*innen – etwa die Zentralbibliothek, das Literaturhaus Köln oder die Lit.Cologne – haben am interessanten Angebot ihren beträchtlichen Anteil und entwickeln weiterhin neue Formate. KooperaƟonen und KollaboraƟonen spielen hierbei eine wichƟge Rolle. Die 2018 gegründete Interessenvertretung Literaturszene Köln e.V. hat die Möglichkeiten für Vernetzung und Austausch akƟv ausgebaut und informiert über ihre Website und Social Media-Kanäle über Veranstaltungen, stellt Akteur*innen der Szene und deren AkƟvitäten vor (www.literaturszene-koeln.de). Der Verein ist bereits auf gut 200 Mitglieder angewachsen. Der Studienschwerpunkt „Literarisches Schreiben“ an der KHM (repräsenƟert von der Böll-Preisträgerin Kathrin Röggla und der Lyrikerin Monika Rinck) und das Studienprogramm „Theorien und PrakƟken professionellen Schreibens“ der Universität zu Köln (iniƟiert u.a. von Prof. Christof Hamann) erhöhen die Zahl jüngerer Schreibender. Diese entwickeln auch aƩrakƟve neue VermiƩlungsformate. Man kann feststellen, dass Literaturveranstaltungen zunehmend an Bedeutung für das kulturelle und gesellschaŌliche Leben in Köln gewinnen, auch im Hinblick auf die Möglichkeiten kultureller Teilhabe und ParƟzipaƟon eines zunehmend diverseren Publikums. Auch der Aufwuchs an SƟpendien (neben Rolf-Dieter-Brinkmann seit 2018 auch zwei Dieter-Wellershoff-SƟpendien sowie zwei Kinder- und JugendbuchsƟpendien – eines finanziert durch die Imhoff-SƟŌung) stärkt die Literaturszene. Im Zusammenspiel der Fördermaßnahmen, Vermi Ʃlungsformate und Entwicklung der Szene wird Köln miƩlerweile wieder als literarisch lebendiger Ort mit großer Angebotsvielfalt wahrgenommen. Die Szene hat sich professionalisiert und weiß, wie sie öffentliche MiƩel für das Kölner Publikum und mit Wirkung über Kölner Stadtgrenzen hinaus einsetzt. Die (Selbst-)ErmächƟgung der Literaturszene hat im Verlauf der letzten Jahre an Fahrt aufgenommen; sei es durch Vernetzung und Weiterbildung (wie zum Beispiel die stark nachgefragten Workshops im Schreibraum der Literaturszene Köln) oder durch die zunehmende Beteiligung an Gestaltungsprozessen der Arbeitsbedingungen in der freien Szene. Impulse für eine weiterhin posiƟve und produkƟve Entwicklung der Literaturszene Kölns: Grundsätzlich ist eine Erhöhung der Literaturförderung gewünscht, um die posiƟve Entwicklung der letzten Jahre zu versteƟgen. Die Szene wünscht sich weiterhin akƟve und gestärkte Unterstützung seitens des Kulturamtes Köln für den Ausbau der Angebote und von sicheren Strukturen, die die Qualität des literarischen Lebens in Köln stärken, Vielfalt garanƟeren und Außenwirkung enƞalten. Nicht zuletzt, weil Literatur und der Diskurs über ihre Themen in gegenwärƟgen gesellschaŌlichen Diskursen wichƟg sind. Folgende Aspekte der Förderung sind besonders erwünscht: Anlage 1 Szenebericht Literatur Stand August 2024 2 FerƟgstellung des Förderkonzepts Literatur unter Einbeziehung der Szenevertretung mit Entwicklung neuer Schwerpunkte Flexibilisierung und Sicherstellung von Fördermöglichkeiten – z.B. im Format der SƟpendien (Reise-, Recherche-, ArbeitssƟpendien in variablen Höhen), sie sollten auch für Akteur*innen im Bereich der VermiƩlung / VeranstaltungskuraƟon geöffnet werden. Damit einhergehend auch Stärkung und Anerkennung von Kurator*innen-Arbeit in der Literatur. ErmiƩlung der Bedarfe junger Schreibender nach dem Abschluss des Studiums und ersten PublikaƟonen, mit dem Ziel, etwa durch den Ausbau gezielter Förderung, Köln auch längerfrisƟg als wichƟgen Literaturstandort zu fesƟgen. MiƩelfrisƟg: Entstehung eines „ProdukƟonszentrum Literatur“. Das Produzieren wird – mit guten Gründen – in der Literatur wesentlich als das Schreiben von Literatur wahrgenommen. Eine lebendige und produkƟve Literaturszene wird aber auch wesentlich von jenen gestaltet, die Literatur vermiƩeln, übersetzen, veranstalten. Einen Ort zu schaffen, der der Literaturszene den unmiƩelbaren kreaƟven Austausch, Raum zum Schreiben, Übersetzen und Vernetzen, zum Proben und Ausprobieren bietet, würde einen Quantensprung für die Kölner Literaturszene bewirken und eine starke Signalwirkung über Köln hinaus enƞalten. Leider sehen wir keinen aktuell geplanten Ort, an dem die Literaturszene bisher mitgedacht wird. InflaƟonsausgleich in den Bereichen Projekƞörderung und insƟtuƟonelle Förderung. Weitere Offenheit für interdisziplinäre Konzepte; Begleitung größerer Projekte, KooperaƟonen über Köln hinaus sowie zusätzliche Finanzierungsquellen ermöglichen und erschließen. Wegen der weitgehenden „Kleinteiligkeit“ der Literaturszene ist eine weitere Stärkung der gemeinsamen Szene- Interessenvertretung sinnvoll, um für die Szene effiziente Formate des Know How-Transfers zu entwickeln und Rahmenbedingungen auch strukturell zu opƟmieren. Maßnahmen gegen das Raumproblem in der Literaturarbeit. Ein „Produk Ɵonszentrum Literatur“ könnte auch in der Literaturveranstaltungsszene das exisƟerende Raumproblem lindern. Mehrsprachigkeit gewinnt im Bereich der Literatur als Ausdruck einer vielfälƟgen GesellschaŌ zunehmend an Bedeutung; auch dies sollte miƩelfrisƟg in die Überlegungen für eine zeitgemäße Literaturförderung einbezogen werden. Vorstellung neuer Formate (Auswahl): Zur Veranschaulichung der oben beschriebenen posiƟven Entwicklung, hier eine Auswahl neuer Literaturformate der letzten Jahre, die – neben den bekannten und etablierten FesƟvals wie „PoeƟca“, dem „Europäisches LiteraturfesƟval Kalk (ELK)“ und Lesereihen wie „Literatur zur Zeit“ im King Georg und dem „Literarischen Salon“ im Stadtgarten – den lebendigen Geist der Szene zeigen. Viele dieser Formate wurden und werden vom Kulturamt Köln durch Rat und Förderung begleitet. Die Akteur*innen der Literaturszene akquirieren zur Realisierung ihrer Ideen weitere MiƩel in maßgeblicher Höhe. Der Land in Sicht e.V. bringt 1) bei den STREET ART LESUNGEN Kölner Literatur mit Murals im öffentlichen Raum zusammen. Auf literarischen Spaziergängen hört das Publikum literarische Texte, die eigens zu den Kunstwerken, vornehmlich Street Art, entstanden sind. Ein Kunstexperte erzählt Wissenswertes zur Street Art Szene. Im Kölner Weissmann Verlag wird eine Auswahl der Texte voraussichtlich im Winter 2024 erscheinen. 2) stellt Land in Sicht e.V. bei der SHORT STORY NIGHT die Kurzgeschichte in den MiƩelpunkt. Im sehr gut besuchten Kölner Rheinauhafen lesen je fünf Autor*innen, moderiert von Mona Ameziane, ihre kurzen Texte. Darüber hinaus organisiert der Land in Sicht e.V. 3) den LiteraturweƩbewerb „Kölner Förderpreis für junge Literatur“ sowie 4) die Reihe „Zwischen den Klassen“, die sich an drei Terminen mit Formen des Klassismus im Literaturbetrieb (Diskriminierung aufgrund von sozialer HerkunŌ, sozialem Status, Bildungsgrad oder finanzieller SituaƟon) auseinandersetzt. Das „Literarische Forum für feministische Stimmen (LiFo)“ ist ein literaturpolitisches Forschungs- und Praxisprojekt von Svenja Reiner und anderen. Das LiFo fragt, welche Wirkungen die Förderinstrumente wie Aus- und Weiterbildungsangebote, das Veranstaltungswesen sowie Preise, Residenzen und Stipendien für und in der freien Literaturszene in NRW entfalten. Die Arbeit des Forums wird von Veranstaltungsformaten begleitet. Anlage 1 Szenebericht Literatur Stand August 2024 3 Mit den „unruly readings“ startete im August 2024 eine neue Reihe für Literatur und Performance im Orangerie Theater Köln – kuraƟert von Son Lewandowski, Michaela Predeick und Katharina Stahlofen. Interdisziplinär arbeitende Autor*innen performen ihre Texte im Zusammenspiel mit Sound, Video, Kulinarik und anderen Künsten. [OHNE PRONOMEN] setzt sich als queer-feminisƟsche, intersekƟonale Literaturplaƪorm kriƟsch mit dem literarischen Kanon & normaƟven Strukturen auseinander. Neue, marginalisierte literarische SƟmmen kommen zu Wort. Bei den von Jennifer de Negri, Leonie Hoh und Suse Itzel kuraƟerten Veranstaltungen im Freien WerkstaƩ Theater treffen sich Menschen aus der queeren Community & Literaturbegeisterte. Die „Auswärtslesungen“ bringen Autor*innen, die an der KHM Literarisches Schreiben studieren, raus aus der Institution und rein ins Gespräch - mit Publikum und Literaturszene. Einmal im Monat lesen und sprechen drei Studierende bzw. Alumni der KHM sowie ein*e weitere*r Autor*in aus dem Raum Köln über ihre Arbeit. „Quadrat im Kreis“: Bryan Kessler und Nico Feiden laden monatlich zwei bis drei Autor*innen in die Factory im Belgischen Viertel ein und lassen sie mit einem Jazz-Trio interagieren – auf einem Podium inmi Ʃen des Publikums. Die Reihe möchte Literatur entertainmenƞähig machen. Read together! bringt – mit deutlichem Entertainmentcharakter – unter der ModeraƟon von Nada Assaad neue Text zu Gehör und in die Diskussion. Im Juni 2024 fand in Köln mit „Schreiben, was kommt. Poetiken der Gegenwart“ das erste große Gipfeltreffen der deutschsprachigen Schreibinstitute statt: Eine Initiative der KHM, mit Schreibinstituten in Leipzig, Wien und Hildesheim in Kooperation mit dem Kölner Literaturhaus. Mehr als 60 Gäste der literarischen Praxis und Theorie erörterten maßgebliche Fragen zur Literatur der Zukunft. Mit dem „Literarischer Sommer“ hat der Verein Literaturszene Köln in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt Köln 2023 im gelben Pavillon auf dem Neumarkt an 60 Tagen in Folge Lesungen von Kölner Autor*innen organisiert. Das 2023 neu installierte Format lit.pop bietet im Rahmen der lit.COLOGNE ein eigens kuraƟertes Programm, das Literatur und Kultur erlebbar macht – performaƟv, diskursiv, queer und divers. Das andere Café (früher Cafe fremdwOrte) im Literaturhaus soll Anderer Literatur und anderen Erfahrungen die Möglichkeit bieten, sichtbar zu werden. Ein starker inhaltlicher Fokus liegt weiterhin auf MigraƟons-, Flucht- und Auswanderungserfahrungen, aber auch Fragen nach dem Schreiben aus queerer oder anderweiƟg anderer PerspekƟve haben in dem Café ihren Platz. Im „Kölner Literaturlabor“ erhielten Akteur*innen der Literatur im Literaturhaus Köln (in KooperaƟon mit Insert Female ArƟst) sachkundige Anleitung zur Entwicklung neuer Veranstaltungsformate. 2023 fand, auf IniƟaƟve von Lina Thiede, im Literaturhaus das Workshop-Format „Frauen:zimmer“ staƩ, das acht jungen Autorinnen die Möglichkeit bot, mit erfahrenen Autorinnen an ihren Texten zu arbeiten und diese bei einer späteren Lesung vorzustellen. Mit dem Jahr 2024 en ƞallen die Interna Ɵonalen Kinder- und Jugendbuchwochen der SK S ƟŌung. Ein Verlust für die sehr lebendige Szene. Der vom Literaturszene Köln e.V. organisierte Kinder- und Jugendbuchtag, seit 2022 alle zwei Jahre ein besonderes Highlight, erhält in diesem Zusammenhang besondere Bedeutung. Das Literaturhaus Köln hat 2023/2024 mit dem Offenen Literaturhaus in einem besonderen Pilotprojekt seine Räume für Akteur*innen der Kulturszene geö ffnet und hiermit vierzig Veranstaltungen ermöglicht, die ansonsten aufgrund mangelnder Räume bzw. von Raumkosten nicht staƩgefunden häƩen. Der Bericht ist im Austausch zwischen Literaturhaus Köln e.V. und Literaturszene Köln e.V. sowie mit Akteur*innen der Kölner Literaturszene entstanden.
Mitteilung Ausschuss
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Dezernat, Dienststelle VII/41/41/21 Vorlagen-Nummer 06.09.2024 2720/2024 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss Kunst und Kultur 17.09.2024 Szenebericht Literatur In seiner Sitzung am 07.09.2010 hat der Ausschuss Kunst und Kultur die Verwaltung beauftragt, den Sparten Musik, Darstellende Kunst (Theater und Tanz), Bildende Kunst (Fotografie), Me- dien (Film, Literatur) und Kulturelle Teilhabe (Diversität und Interkultur) die Möglichkeit zu ge- ben, „regelmäßig über das Geschehen, die aktuelle Situation und die Perspektiven ihrer Arbeit zu berichten“. Dabei sollen die Spartenvertretungen in ihren jeweiligen Bereichen auch die in- terkulturellen Aktivitäten und Entwicklungen berücksichtigen. Die Berichte sollen in Form eines schriftlichen Berichts (maximal drei Seiten) und einer Erläu- terung in der Sitzung sowie ggf. ergänzt durch eine ca. 5-minütige PowerPoint-Präsentation oder Videobotschaft dem Ausschuss Kunst und Kultur vorgestellt werden. Für die Sparte Literatur werden Bettina Fischer (Literaturhaus Köln, Literaturszene Köln e.V.) und André Patten (Land in Sicht e.V., Literaturszene Köln e.V.) berichten und Fragen beant- worten. Gez. Charles Anlage: Anlage 1Szenebericht Literatur
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 2720/2024
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 06.09.2024
- Erstellt
- 04.09.2024 13:33