3639/2017
Jahresbericht 2016 Mobiler Medizinischer Dienst
KI-Zusammenfassung
Klicken Sie, um eine KI-Zusammenfassung dieses Vorgangs zu erstellen.
KI-Analyse läuft...
vergangen
Was passiert gerade?
- 📄 Dokumente werden analysiert...
- 🤔 KI denkt nach (Reasoning-Modell)...
- ✍️ Zusammenfassung wird geschrieben...
- ⏳ Das dauert etwas länger bei komplexen Dokumenten...
Dieser Vorgang kann 1-3 Minuten dauern. Bitte lassen Sie die Seite geöffnet.
Mitteilung Ausschuss
789 Zeichen
Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle V/53/530/1 Vorlagen-Nummer 27.11.2017 3639/2017 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Gesundheitsausschuss 12.12.2017 Ausschuss Soziales und Senioren 14.12.2017 Jahresbericht 2016 Mobiler Medizinischer Dienst Der Mobile Medizinische Dienst (MMD) des Gesundheitsamtes ist ein zentraler Baustein in der Be- treuung und Versorgung von obdachlosen Menschen im Kölner Stadtgebiet. Im Nachgang zum Vortrag des Leiters des Mobilen Medizinischen Dienstes in der Sitzung des Ge- sundheitsausschusses am 13.12.2016 wird dem Gesundheitsausschuss nunmehr der Jahresbericht 2016 zur Kenntnis gegeben. Der Bericht ist auch unter < http://www.stadt-koeln.de/service/produkt/mobiler-medizinischer-dienst-1 abrufbar. Gez. Dr. Rau
Anlage Jahresbericht 2016 MMD
24213 Zeichen
rw vaapı
in ll
Mobiler Medizinischer. Dienst
Medizinische Versorgung
wohnungsloser Menschen
| \ Jahresbericht 2016
Medizinische Grundversorgung wohnungsloser Menschen in Köln im Jahr 2016
Grundlegende Voraussetzungen
Menschen, die unter den Bedingungen der Wohnungslosigkeit leben, oft zusätz-
lich in Verbindung mit einer gravierenden Suchterkrankung, leiden unter einer er-
höhten Krankheitslast. Zudem ist ihnen der Zugang zum etablierten System der
medizinischen Versorgung oft verschlossen oder zumindest erschwert (s.u.), was
die Problematik noch verschärft.
Aus diesem Grund bietet der mobile medizinische Dienst des Gesundheitsamtes
in Köln seit 1993 eine medizinische Grundversorgung für diesen Personenkreis
an, die — den besonderen Lebensbedingungen entsprechend - niederschwellig,
aufsuchend, akzeptierend, unentgeltlich und auf Wunsch auch anonym die be-
troffenen Menschen bzw. Patienten in ihrer jeweiligen psychosozialen Situation
erreicht.
Die Diagnose behandlungsbedürftiger Erkrankungen vor Ort beruht hierbei in der
weit überwiegenden Zahl der Fälle auf einer genauen und gezielten Anamnese
sowie einer körperlichen Untersuchung, die bei den gegebenen Arbeitsbedingun-
gen unter erschwerten Verhältnissen erfolgt (u.a. häufig Suchtmittelintoxikation,
mangelhafte Hygiene, beengte Räumlichkeiten), unterstützt durch einfache diag-
nostische Hilfsmittel (Teststreifen-Diagnostik etc.). Eine ergänzende apparative
Diagnostik (Sonographie, Röntgen, EKG, Lungenfunktion, Labor) steht im Ge-
sundheitsamt zur Verfügung, falls allein aufgrund der Anamnese und des klini-
schen Befundes eine ausreichende diagnostische Sicherheit nicht erreichbar ist,
oder aber falls diese Diagnostik vor einer spezifischen weiteren Behandlung er-
forderlich ist. Für viele Patienten ist jedoch bereits dieses Angebot zu hoch-
schwellig, sodass dann eine gewisse diagnostische Unsicherheit verbleibt.
Um eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Patienten zu erreichen ist der
Aufbau einer vertrauensvollen und tragfähigen Beziehung, häufig nach einer lan-
gen Kontaktanbahnung im Lebensumfeld der.Betroffenen, erforderlich. Dabei
muss immer damit gerechnet werden, dass der aktuelle Behandlungskontakt der
Einzige bleibt und der Versuch einer Vermittlung an weiter behandelnde Ärzte
oder andere medizinische Hilfen im sog. Regelsystem der Versorgung nicht er-
folgreich ist.
Aus diesem Grund wird eine erfolgreiche medizinische Behandlung nur dann
möglich sein, wenn das psychosoziale Umfeld der Betroffenen mit berücksichtigt
wird, ähnlich wie dies regelmäßig bei chronisch Kranken oder bei der psychiatri-
schen Krankenversorgung praktiziert wird. Dazu gehört auch die Einbeziehung
sozialer Ressourcen bis hin zum Training lebenspraktischer Fertigkeiten in Zu-
sammenarbeit mit Sozialarbeitern. Letzteres gilt insbesondere auch für pflegeri-
sche Hilfen, die hier in hohem Maße über die eher somatisch ausgerichtete am-
bulante Grund- und Behandlungspflege hinausgehen (Kontaktanbahnung, psy-
chosoziales Krisenmanagement, Einüben lebenspraktischer Fähigkeiten und an-
deres).
Aufgrund des breiten Spektrums der Versorgungsaufgaben ist eine Begrenzung
der Behandlungsdauer vorab in der Regel nicht zu definieren. Ziel der aufsu-
chenden medizinischen Versorgung ist es aber, den durch vielfältige psychosozi-
ale Probleme belasteten Menschen den Zugang zur medizinischen Regelversor-
gung (wieder) zu öffnen. Ein wichtiges Mittel hierbei ist die zuverlässige Erreich-
barkeit der Versorgungsangebote und die Behandlungskontinuität. Oft werden
erst nach langen Zeiträumen und unter enger Begleitung auch weiterführende
Kontakte in das etablierte medizinische Hilfesystem möglich.
Erschwerende Faktoren bei der medizinische Versorgung Wohnungsloser
e Misstrauen gegenüber institutioneller Hilfe
e häufig schlechte Körper- und Kleidungshygiene
oe Veränderte Bewusstseinslage durch Suchtmittel, dadurch erschwerte Diag-
nostik und Behandlung
e Fremd- und eigenaggressives Verhalten
e Erschwerte Arbeitsbedingungen in den Einrichtungen der Suchthilfe und
Wohnungslosenhilfe (tlw. hoher Geräuschpegel, Unruhe, tlw. in einem Be-
handlungsbus - und noch gelegentlich Zigarettenrauch)
e Beengte räumliche Behandlungsbedingungen, tiw. alternierend gemeinsame
Raumnutzung mit anderen Diensten
e Verschiedene Einsatzorte mit z.T. längeren Anfahrzeiten, Arbeit innerhalb
verschiedener Teamstrukturen, deren Einbindung in die medizinischen Maß-
nahmen dennoch kaum möglich ist
Präventive Maßnahmen
e Impfungen (Influenza, Tetanus, Hepatitis etc.)
e Ernährungsberatung
e Hygieneberatung (Körperhygiene, Hygiene des Schlafplatzes, Kleidungshygi-
ene, „safer use“ bei i.v.-Drogenabhängigkeit, etc.)
e .Venenpflege / Injektionstechnik bei i.v.-Drogenabhängigen
e Aufklärung zur Vermeidung von übertragbaren Krankheiten {u.a. STD, Hepati-
tiden, HIV, Tuberkulose)
e Problematisierung lebenslagenspezifischer Verhaltensweisen bezüglich ihrer
gesundheitlichen Relevanz (Umgang mit Drogenkonsum nach erzwungener
Abstinenz durch Haft / veränderte Opiattoleranz; Unterbleiben erforderlicher
Dauerbehandlung chronischer Erkrankungen wie Hypertonie, Diabetes mell.,
COPD, Psychosen mit sich hieraus ergebenden Konsequenzen; Alkoholkon-
sum etc.)
e Rehabilitation nach schweren Erkrankungen (z.B. Unfälle, Amputationen)
Kurative medizinische Versorgung
e Diagnostische Maßnahmen zur Erkennung und Behandlung von Krankheiten
unter besonderer Berücksichtigung der medizinischen Schwerpunkte in der
Versorgung Wohnungsloser und Drogenabhängiger
e Behandlung häufig auftretender Erkrankungen gemäß den aktuellen medizini-
schen Standards und Leitliniienempfehlungen
e Grund- und Behandlungspflege, fördernde Pflege
°e Kontrollierte Ausgabe von ärztlich verordneten Medikamenten und Hilfsmitteln
sowie Überwachung des Therapieverlaufs
e Ausstellung von Bescheinigungen für Ämter, Einweisungen und Überweisun-
gen
e Begleitung in Krankenhäuser, Krankenhausbesuche
Beratung und Vermittlung im Erkrankungsfall
e Beratung zur Inanspruchnahme der Hilfen medizinischer Regelleistungen
e Beratung und Vermittlung zur Suchtmittelentgiftung und Langzeitentwöhnung
e Vermittlung zur Inanspruchnahme von Sozialberatung in den entsprechenden
Einrichtungen, aber auch Ämtern (u.a. Sozialamt, Jobcenter)
e Vermittlung zu weitergehender Diagnostik und Behandlung in Krankenhäuser,
Praxen, Gesundheitsamt (Röntgen/Tuberkuloseüberwachung, STD-Ambulanz
etc.) he
Vernetzung, Koordination und Kommunikation
e Teamsitzungen und Supervisionen mit den Kooperationspartnern sowie
dienstintern
°e Teilnahme an unterschiedlichen Arbeitskreisen und Planungsgruppen (z.B.
PSAG-Sitzungen, Planungsgruppen auf kommunaler und Landesebene,
Dienstbesprechungen innerhalb des Gesundheitsamts)
e Kooperation mit ehrenamtlich tätigen Initiativen und Vereinen
e Kooperation mit anderen Einrichtungen des Gesundheitswesens in ambulan-
ter und stationärer Versorgung
e Kooperation mit Einrichtungen des Sozialhilfewesens
e Vernetzung mit vergleichbaren Projekten und Initiativen in anderen Städten
e \WVeiterentwicklung des Konzeptes, Anpassung an Änderungen der jeweiligen
Rahmenbedingungen
e Kommunikation mit Medien und interessierter Öffentlichkeit zu Positionierung
der Arbeit im Hilfesystem und im städtischen Umfeld.
e Weiterbildung externer Helfer in medizinischen Fragen (bspw. auf Tagungen,
durch Vorträge bei Polizei, sozialen Einrichtungen, Ämtern etc.,
e Vorlesungen für Studierende der Sozialen Arbeit und der Medizin, Famulatu-
ren, Ausbildungsabschnitte von Schülerinnen / Schülern der Krankenpflege)
Dokumentation und statistische Aufarbeitung
EDV-gestützte Befund- und Behandlungsdokumentation
Datenbankentwicklung und -administration
Erstellung von Berichten (Kostenträger etc.)
Logistik
Bestellung und Bestandhaltung von medizinischem Verbrauchsmaterial (Me-
dikamente, Verbandsstoffe u. ä.) ggf. für verschiedene Einrichtungen
oe Instrumentenpflege und -aufarbeitung
e Bestandhaltung im Behandlungsfahrzeug
e Fahrten zu verschiedenen Einsatzorten
e Fahrzeuglogistik und Fahrzeugunterhaltung, -pflege
Fortbildung
Teilnahme an regionalen und überregionalen Kongressen und Tagungen zu
relevanten Themen
Teamsupervision
Interne Fortbildung mit Schwerpunkt auf zielgruppenspezifischen Behand-
lungsstrategien
Patienten und Behandlungen
Im Jahr 2016 hat der Mobile Medizinische Dienst (MMD) in den Einrichtungen der
Wohnungslosen- und Suchthilfe (dort i.S. einer drogentherapeutischen Ambu-
lanz/DTA) 1408 Personen behandelt, davon 1175 (83,45%) Männer und 233
(16,55%) Frauen. Insgesamt ergaben sich 9056 Behandlungskontakte, bei denen
14963 verschiedene Diagnosen gestellt und 14214 Behandlungen durchgeführt
wurden. 555 Personen, davon 453 Männer und 102 Frauen, wurden im Jahr
2016 erstmals vom Mobilen Medizinischen Dienst behandelt, entsprechend
39,42% der insgesamt behandelten Patienten.
Der MMD vernetzt die niedrigschwelligen Kontaktangebote der Suchthilfe- und
Wohnungslosenhilfeträger in Köln mit den medizinischen Angeboten des städti-
schen Gesundheitsamtes, niedergelassener Ärzte und der Krankenhäuser.
Sprechstundenangebot
Medizinische Sprechstunden werden in verschiedenen Kontaktcafes, Kontakt-
stellen oder Anlaufstellen etc. für unterschiedliche Zielgruppen, darunter eine Ein-
richtung für Jugendliche und junge Erwachsene, eine Einrichtung mit frauenspe-
zifischem Hilfeansatz und eine Einrichtung für „Jungs, die anschaffen“, angebo-
ten. Mit dem Behandlungsbus werden in drei weiteren Angeboten / Einrichtungen
für wohnungslose Menschen medizinische Sprechstunden angeboten.
2x wöchentlich
n. Vereinbarung
Beratungsbus B.O.J.E.
Auf Achse e.V. / Behandlungsbus;
Krankenwohnung Salierring
(Diakonie)
Cafe Victoria
(Drogenhilfe Köln e.V.)
Straßensprechstunde am Appellhofplatz
(Gesundheit für Wohnungslose e.V. / Behandlungsbus)
Wohnheim / Notschlafstelle in der Annostrasse
Johannesbund
Kontakt- und Beratungsstelle für männliche Prostituierte
| (Looks e.V.)
Kontakt- und Beratungsstelle für Wohnungslose
Oase Benedikt Labre e.V.)
Caf& MäcUp
Sozialdienst kath. Frauen)
Cafe Rochus
Sozialdienst kath. Männer)
Kontakt- und Beratungsstelle für Drogenabhängige
Sozialdienst kath. Männer, Hauptbahnhof)
Kontakt- und Beratungsstelle für Wohnungslose
(Sozialdienst kath. Männer, Hauptbahnho:
Notschlafstelle Notel / Krankenwohnung Kosmidion
Spiritaner-Stiftun
Straßensprechstunde in Köln-Meschenich, „Kölnberg“
Vision e.V. und Sozialdienst kath. Frauen / Behandlungsbus) |.
Begegnungs- und Beratungsstelle 1x wöchentlich
(Vringstreff e.V.)
5x wöchentlich
2x wöchentlich
5x wöchentlich
2x wöchentlich
2x wöchentlich
2x wöchentlich
2x wöchentlich
5x wöchentlich
5x wöchentlich
5x wöchentlich
1x wöchentlich
Nach Vereinbarung werden Betroffene auf der Straße, auf ihrer „Platte“, besucht.
Auch erfolgen nach vorheriger Absprache Hausbesuche im betreuten Wohnen
etc. Im Gesundheitsamt selbst werden nach Vereinbarung Untersuchungen
durchgeführt (s.u.).
Als wichtige präventivmedizinische Maßnahme werden Schutzimpfungen durch-
geführt: Bei ungenügendem oder unklarem Impfschutz nach Verletzungen erfol-
gen Tetanus-Schutzimpfungen. Im Herbst wird die Grippeschutzimpfung insbe-
sondere älteren Patienten oder Patienten mit bekannten chronischen Erkrankun-
gen angeboten. In Jahr 2016 wurden 146 Patienten geimpft. Darüber hinaus
können nach Absprache mit den entsprechenden Trägern zusätzliche Impfaktio-
nen, z.B. für Patienten im „betreuten Wohnen“, durchgeführt werden.
In 29 Fällen war eine Notfallbehandlung erforderlich, wobei es sich meist um
Drogennoffälle handelte.
Kostenträger / Versicherungsstatus
Ein wesentlicher Hinderungsgrund, der wohnungslosen Menschen den Zugang
zu niedergelassenen Ärzten erschwert, stellt vielfach die Kostenträgerfrage dar.
So scheitern viele Patienten bereits an der Patientenannahme einer Arztpraxis,
weil sie keine Versicherungskarte ihrer gesetzlichen Krankenkasse vorlegen
können, obwohl in vielen Fällen ein Anspruch gegenüber einer gesetzlichen Ver-
sicherung oder dem Sozialamt besteht. Auch sonst ist die Akzeptanz der Men-
schen, die das herkömmliche Hilfesystem trotz der eingangs beschriebenen
Probleme aufsuchen, oft gering: Dieser Patientenkreis beansprucht oft viel Zeit
und stört damit den Praxisablauf, manche Mitpatienten fühlen sich verständli-
cherweise durch das äußere Erscheinungsbild oder das Verhalten der Woh-
nungslosen beeinträchtigt, mitgeführte Hunde oder andere Tiere können nicht
geduldet werden, und viele Patienten stehen bei Behandlungsbeginn unter dem
Einfluss von Alkohol u./o. Drogen. Vielfach beruhen hierauf im Sinne einer ge-
genseitigen negativen Verstärkung die Vorurteile der Betroffenen gegenüber dem
etablierten medizinischen System, da sie sich mit ihren Beschwerden nicht aus-
reichend ernst genommen fühlen. Um die Akutbehandlung trotzdem sicherstellen
zu können ist hier eine unbürokratische Vorgehensweise erforderlich, bei der die
aktuelle Erkrankung und keinesfalls die Kostenfrage im Vordergrund stehen darf.
Vielfach führt aber auch eine gestörte Selbstwahrnehmung, sei es durch psychi-
sche Störungen oder kaschierendem Drogenkonsum, zur Bagatellisierung kör-
perlicher Symptome. .
Von den 1408 Patienten, die im Jahr 2016 in den Sprechstunden medizinisch
versorgt wurden, gaben 29 (2,1 %) an, über das örtliche Sozialamt versichert zu
sein, 830 (58,9 %) hatten Ansprüche gegenüber einer gesetzlichen Krankenver-
sicherung. 389 (27,6 %) der Patienten gaben an derzeit nicht versichert zu sein.
Versicherungsstatus MMD 2016 [n=1408)
ungeklärt 2 Bas
k.Angabe EEE 6,5
keine V27,8
Sozialamt I2ı
GKV | 8,9
EHE: Fa L PA
0,0 10,0 20,0 30,0 40,0 50,0 60,0
| Prozent
L
Besonders nach Haftentlassung kann es zunächst zu einer „Versicherungslücke“
kommen, wenn die Patienten sich nicht sofort beim Jobcenter oder dem örtlichen
Sozialhilfeträger melden, um bei einer gesetzlichen Krankenversicherung ange-
meldet zu werden.
91 (6,5 %) machten keine Angabe zu ihrem Versicherungsstatus.
Es ist anzunehmen, dass die Verteilung bei den Patienten „ohne Angabe“ ähnlich
ist, wie bei denen, deren Kostenträger bekannt ist, so dass die überwiegende
Anzahl der Patienten Ansprüche gegenüber einer gesetzlichen Krankenversiche-
rung, oder dem Sozialamt haben.
Erfahrungsgemäß haben ca. 20% der Patienten beim Erstkontakt Schwierigkei-
ten ihren Kostenträger zu benennen. Bei wiederholten Kontakten sind dies nur
noch etwa 3-4% der Patienten. So lässt sich bei häufigerer Inanspruchnahme der
medizinischen Versorgung in aller Regel ein Kostenträger ermitteln.
Zunehmend nutzen EU-Bürger besonders aus den östlichen Ländern Europas,
die, von Notfällen abgesehen, in Deutschland keinen Anspruch auf medizinische
Regelversorgung haben, das Angebot des MMD. Es gibt zwar internationale Ab-
kommen, die die Inanspruchnahme des Gesundheitssystems in anderen Ländern
regeln, wenn entsprechende Bescheinigungen bzw. Versicherungsnachweise
aus den Herkunftsländern vorgelegt werden können. Diese Möglichkeit ist den
Patienten entweder unbekannt, oder die Beschaffung im Heimatland ist schwierig
zu bewerkstelligen und mit Kosten verbunden, sodass sie letztlich unversichert
bleiben. Diese Patientengruppe macht seit 2013 ca. 20% der Patienten aus.
Behandlungskontakte
Die durchschnittliche Zahl der Behandlungskontakte lag bei 755 pro Monat. Im
November 2016 war die Inanspruchnahme der Sprechstunden in den Einrichtun-
gen mit 813 Kontakten am höchsten. Die geringste Anzahl mit 650 Kontakten
er
war im Juli 2016 zu verzeichnen. Eine jahreszeitliche Häufung ist aber auch wei-
terhin nicht feststellen.
Behandlungskontakte nach Monat 2016
| [n=9056]
Dezember Terme
November =
Oktober ums
September
August
. Juli
Juni
Mai
April
März
Februar
Januar
L
Die Zahl der Behandlungskontakte ist im Vergleich zu den Vorjahren leicht ange-
stiegen (9056 Behandlungen). Die Intensität der Kontakte ist hoch, da immer
mehr Patienten auch mit tlw. gravierenden chronischen Erkrankungen die
Sprechstunden in Anspruch nehmen. So ist die Versorgung chronischer Wunden,
z.B. nach injektionsbedingten Infektionen / Abszessen oder von chronischen
Beingeschwüren (Ulcera crurum), sehr zeitaufwendig und führt teilweise zu War-
tezeiten für andere Patienten, die nicht immer toleriert werden -ähnlich wie im
Regelsystem. i
Altersstruktur
Bei der Altersstruktur ergab sich im Jahr 2016 eine Spannweite von 7 - 88 Jah-
ren, der Mittelwert lag bei 44 Jahren. 7 Patienten waren jünger als 18 Jahre, 135
älter als 60 Jahre, 27 über 70 Jahre und 3 Patienten über 80 Jahre.
Das Durchschnittsalter der Frauen (40 Jahre) lag um 5 Jahre niedriger als das
der Männer (45 Jahre).
Dies spiegelt auch der geschlechtsbezogene Vergleich in den Altersgruppen wi-
der: Während bis zum 40. Lebensjahr der prozentuale Anteil der Frauen höher
ist, in der Altersgruppe bis 27 Jahre sogar fast doppelt so hoch (17,2% : 9,3%),
steigt ab einem Alter von 40 Jahren der Anteil der Männer deutlich an.
Altersgruppen 2016 (prozentual) [n= 1408]
) 5 10 15 20 25 30 35 40
k.A
<18
18-27
Altersgruppen
u > IS]
u y8
gs 8 5
a
m
S
{=}
71-80
>80 ;
u weiblich% "männlich %
Überweisung und Vermittlung
In 209 Fällen wurde eine Mit- oder Weiterbehandlung bei niedergelassenen Ärz-
ten veranlasst. 240 Patienten wurden wegen somatischer Erkrankungen ins
Krankenhaus eingewiesen, 24 Einweisungen erfolgten in die allgemeine Psychi-
atrie, 28 in die qualifizierte Entgiftung. 125-mal wurde im Gesundheitsamt eine
weiterführende Diagnostik (Röntgenuntersuchung der Lunge, Ultraschall, EKG,
Labor) durchgeführt, immer dann wenn eine Vermittlung an niedergelassene Ärz-
te nicht möglich war, oder die Kostenträgerschaft unklar war, die Art der Erkran-
kung ein Abwarten bis zur Klärung aber verbot. 71 Patienten, bei denen der Ver-
dacht auf eine sexuell übertragbare Krankheit bestand, wurden an die STD-
Ambulanz des Gesundheitsamtes überwiesen. 18 Patienten wurden zur Frage
einer Substitution in den Methadonambulanzen bzw. bei niedergelassenen Ärz-
ten vorgestellt. Bei 66 Patienten ergaben sich aus der medizinischen Behandlung
heraus Probleme, die Sofortvermittlung an einen Sozialarbeiter erforderlich
machten, um eine adäquate Behandlung erst zu ermöglichen. 35-mal erfolgte ei-
ne Vermittlung zur zannmedizinischen Akutversorgung. 77 Patienten wurden in
die Sprechstunden der Malteser Migranten Medizin weiter verwiesen.
Ein besonders wichtiges Angebot für wohnungslose Patienten sind die Kranken-
wohnungen der Diakonie und der Spiritaner-Stiftung („Kosmidion“), in die Patien-
ten mit Krankheitsbildern, die zwar keine stationäre Behandlung erfordern, die je-
doch bei.einem Leben auf der Straße, „auf der Platte“, auch nicht ausheilen kön-
nen, in eine kurzfristige „häusliche Pflege“ vermittelt werden können.
-10 -
| Vermittlungen 2016 [n=806]
Migrantenmedizin
Gesundheitsamt STD
| Praxis OST EEeTE ee HET | 209
Sozialarbeiter
Zahnarzt
Psychiatrie
Methadonambulanz
Krankenwohnung
Krankenhaus
EntgiftungDrogen
| Entgiftung Alkohol
100 E 150 200 250
Anzahl "
Konsultationsgründe
Betrachtet man die Konsultationsgründe in den Sprechstunden des Mobilen Me-
dizinischen Dienstes nach den Hauptgruppen der „Internationalen statistischen
Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme“ (ICD 10),
so dominieren neben Verletzungen durch Unfälle, Schnittverletzungen und kör-
perliche Auseinandersetzungen, Erkrankungen der Haut und Unterhaut, vor-
nehmlich entzündlicher Genese, Allergien, seltener Epizoonosen, Erkrankungen
Klassifikation nach ICD 10 (Hauptgruppen) (n=14963)
{Rh Infektiöse und parasitäre Erkrankungen 1056 |
(A00-B99)
I. Neubildungen 66
C00-D48)
Krankheiten des Blutes und der blutbildenden Organe sowie bestimmte Störungen
des Immunsystems (D50-D89
IV. Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselerkrankungen
(E00-E90)
V. Psychische- und Verhaltensstörungen
(FOO-F99)
davon Suchtkrankheiten (F10-F19)
Vi. Erkrankungen des Nervensystems
(G00-G99)
=41 =
Fortsetzung: ICD 10 (Hauptgruppen)
Krankheiten des Auges und des Ohres
(HO0O-H95
VIL+VIN.
...davon Augenkrankheiten (HOO-H57)
Ber ...davon HNO-Krankheiten (H60-H93)
Krankheiten des Kreislaufsystems
IX.
100-199)
X. Krankheiten der Atmungssystems 1135
(J00-J98)
xl. Krankheiten des Verdauungssystem
(K00:K93)
s ...davon Zahnkrankheiten (K00-K08)
xl. Krankheiten der Haut ünd Unterhaut
(LOO-L99)
XI. Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes
(MOO-M99)
Krankheiten des Urogenitalsystems
NOO-N99
Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett
000-099)
Bestimmte Zustände, die ihren Ursprung in der Perinatalperiode haben
PO0O-P86)
Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien
Q00-Q99
Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die andernorts nicht klassifi-
ziert sind
XIV.
Äußere Ursachen von Morbidität und Mortalität
VO1-Y99
xxl. Faktoren die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des 947
Gesundheitswesens führen
Z00-299
der Atmungsorgane, des Herz-Kreislaufsystems, gastrointestinale Erkrankungen
und Erkrankungen des Bewegungsapparates. Psychiatrische Erkrankungen wa-
ren weitere Gründe die Sprechstunden des Mobilen Medizinischen Dienstes auf-
zusuchen. Auffällig ist, dass viele Patienten Mehrfacherkrankungen an verschie-
denen Organsystemen aufwiesen.
Beim überwiegenden Anteil der psychiatrischen Erkrankungen (ca. 75%) handel-
te es sich um Abhängigkeitserkrankungen. Psychosen, Angst- und Zwangsstö-
rungen, affektive Störungen haben einen Anteil von’ca. 25%. Krisengespräche .
und Erörterungen in Zusammenhang mit chronischen Erkrankungen machten ca.
20% der Konsultationen aus.
Behandlungen nach Fachgebieten
Die Inanspruchnahme nach Fachgebieten zeigt die Grafik. Erkrankungen im Be-
reich Chirurgie, Innere Medizin, Dermatologie und Psychiatrie werden sehr häufig
beobachtet.
-42-
Behandlungen nach Fachgebiet 2016 [n=14214]
Zahnmedizin
Urologie
Psychiatrie
Orthopädie
Neurologie
Innere Medizin
HNO
Haut
Gynäkologie
Chirurgie
Augen
7 192
3 717
FI 443
3
a
_—.
9.155 |
EEE 537
E AS 3 2310
55
E 5 272
8
u
4811
0 1000
2000 3000
Anzahl Behandlungen
4000 5000
|
-13 -
Fazit
Nur die enge Verzahnung sozialarbeiterischer und medizinischer Hilfen führt
letztlich zu einer Verbesserung der Lebenssituation wohnungsloser Menschen.
Die Verhinderung von Erkrankungen im Vorfeld ihres Entstehens sowie die Ver-
meidung einer Exazerbation bestehender Erkrankungen tragen insgesamt zur
gesundheitlichen Stabilisierung wohnungsloser Menschen bei. Die Motivation
und Bereitschaft von Patienten mit Suchterkrankungen, sich für eine Entgiftung
oder Langzeitentwöhnung zu entscheiden, wird so gesteigert. Sind erst einmal
körperliche Schäden eingetreten, die eine dauerhafte Minderung der Leistungs-,
und damit oft auch der Erwerbsfähigkeit, zur Folge haben, sinkt die Bereitschaft
der Betroffenen eine längerfristige Perspektive zum Ausstieg aus der Lebenssi-
tuation zu entwickeln.
Der Mobile Medizinische Dienst (MMD) des Gesundheitsamtes sichert auch den
Patienten, die Schwierigkeiten mit der etablierten ambulanten medizinischen
Versorgung haben, eine angemessene und qualitativ hochwertige Behandlung.
Durch die Vernetzung mit niedergelassenen Ärzten, Krankenhäusern und psy-
chosozialen Hilfen der freien Träger der Suchthilfe bzw. Wohnungslosenhilfe,
aber auch mit den zuständigen Behörden, ist eine optimale Ausschöpfung der
Ressourcen und Weiterentwicklung der Behandlungsansätze gewährleistet. Der
Zugang zu den Klienten über die ärztliche und pflegerische Versorgung erweist
sich als äußerst effektiv. Er bietet eine zusätzliche Möglichkeit, Personengrup-
pen, die bisher vom Hilfesystem nicht erreicht wurden, gesundheitlich und psy-
chosozial zu stabilisieren. Dies ist häufig ein erster, aber entscheidender Schritt
in Richtung Reintegration. Bewährt hat sich insbesondere das trägerübergreifen-
de Konzept mit Nutzung gewachsener Strukturen in den Einrichtungen der Sucht-
hilfe und der Wohnungslosenhilfe. Die gewünschten Synergieeffekte können aber
nur im ständigen Diskurs zwischen den Partnern in den unterschiedlichen Hilfs-
angeboten für wohnungslose u./ o. drogenabhängige Menschen sinnvoll genutzt
werden.
-14-
Beratungsverlauf (2)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 3639/2017
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 27.11.2017
- Erstellt
- 23.11.2017 10:44