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V/0745/2010

Umbenennung der Straße Carl-Diem-Weg in Am Sportpark Sentrup

Vorlagen 08.10.2010

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Nächste Beratung: Bezirksvertretung Münster-West, Sitzung am 04.11.2010, TOP 4.2

5-Übersichtsplan-M-1-5000

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Ansehen

4-Antrag-A-W-0027-2010

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2-Antrag-A-W-0016-2007

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Ansehen

Beschlussvorlage

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3-Antrag-A-W-0022-2010

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1-Antrag-A-W-0011-2008

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4-Antrag-A-W-0027-2010

1151 Zeichen

A-W [0027/2040

FDP
in der BV West

Münster, 30.9.2010
An die
Bezirksbürgermeisterin des Stadtbezirks Münster —- West
Frau Elisabeth Westrup
Pantaleonplatz 7

48161 Münster

Antrag auf Umbenennung des „Carl-Diem-Wegs“ in „Am Sportpark Sentrup“

Die Unterzeichneten beantragen, die Straße „Carl-Diem-Weg“ umzubenennen in:

Am Sportpark Sentrup

Begründung

Der Rat der Stadt Münster hat eine Kommission eingesetzt, die möglicherweise aus der NS-
Zeit geschichtsbelastete Straßennamen untersuchen soll; der Kommission gehören u. a. der
OB Markus Lewe und die Professoren H. U. Thamer und A. Kenkmann an. Die Kommission
hat der für den Carl-Diem-Weg zuständigen BV West die Empfehlung gegeben, den
Straßennamen zu ändern. -
Um die bisher sehr engagiert diskutierte Umbenennung der Straße „Carl-Diem-Weg“ aus dem
aktuellen politischen Streit zu nehmen, beantragen wir, die Straße neutral und ortsbezogen in
„Am Sportpark Sentrup‘“ umzubenennen.

gezeichnet

P. Koch-Tölken
K. Poll

FDP in der BV West

FDP-Fraktionsgeschäftstelle - Geringhoffstr.48 - 48163 Münster
Tel. (0251) 9873060, Fax (0251) 9873061
fdp-bv.muenster@web.de

http://www.fdp-muenster.de

2-Antrag-A-W-0016-2007

5115 Zeichen

A-W/o046/ 200F

SPD-Fraktionin der Bezirksvertretung Münster-West SPD |

Thorsten Kornblum 48161 Münster, 23.05.2007
 Toppheideweg 12

An die BV Münster-West
- z.Hd. Frau Bezirksvorsteherin -

Schelmenstiege 1-3
48161 Münster

Betr.: Umbenennung des Carl-Diem-Weges

Die Bezirksvertretung wolle beschließen:

Der Carl-Diem-Wege wird in Julius-Hirsch-Weg umbenannt.
Begründung:

Das Anliegen dieses Antrags ist nicht eine Schuldzuweisung, sondern die Beendigung einer
Ehrung und der damit verbundenen fragwürdigen Vorbildfunktion für den Sport in einer
demokratischen Gesellschaft.

Die nie verstummte, seit den 90er Jahren verstärkt geführte Kontroverse um den
Sportfunktionär und -wissenschaftler Carl Diem kreist um die Frage, wie die sportpolitische
Rolle Diems im Nationalsozialismus einzuordnen ist und wie sie im Zusammenhang mit
seinen Verdiensten nach 1947 zu gewichten ist.

Folgende Erkenntnisse zu seiner Rolle innerhalb des NS Regimes sind dabei unbestritten:

Diem, u.a. aufgrund der jüdischen Verwandtschaft seiner Frau nie Mitglied der NSDAP
gewesen und anfangs als politisch unzuverlässig eingestuft, wurde ab 1936 zur
Schlüsselfigur der NS-Sportideologie und deren Organisationen. Unter seinen zahlreichen
Publikationen stellt sein Hauptwerk, „Die Olympische Flamme“ (Berlin 1936), das wichtigste
Zeitdokument der NS-Sportpropaganda dar.

1936 war er als Generalsekretär des Organisationskomitees der verantwortliche Gestalter der
olympischen Spiele in Berlin. 1938 bis 1945 war er Leiter des Olympischen Instituts. Seit
1939 hatte er die Funktion des Gauleiters im NS-Bund für Leibesübungen, zuständig für
Auslandskontakte, inne. Andere wichtige Funktionen, in denen er die Gleichschaltung des
Sports betrieb, kamen hinzu.

Sport war für Diem in erster Linie Wehrsport. Krieg und Sport waren für ihn aufs Engste
miteinander verbunden: „Der Krieg ist der vornehmste, ursprünglichste Sport, der Sport par
exellence und die Quelle aller anderen Sportarten (...)* (in: Markus Wiskus: „Der Krieg ist der
vornehmste Sport“, Leibeserziehung, Heft 12,1971, S. 409 ff.). In einer Denkschrift von 1941
fordert Diem die Beibehaltung der Olympischen Spiele auch während des Krieges; „Ich meine

SPD-Fraktionin der Bezirksvertretung Münster-West SPD I

aber, dass man den Herrschaftsstandpunkt der überlegenden Rasse nur dann auf Dauer
durchhält, wenn auch eine körperliche Gesundheit und Kraft dahinter steht und darum sehe
ich in den Spielen für Europa genau das, was Coubertin in ihnen für Frankreich gesehen hat:
die immerwährende Prüfung im härtesten Feuer und der stachelnde Anreiz, es den besten
Völkern gleich zu tun (...)“

In seinem Aufsatz im „Reichssportblatt“ vom 25.06.1940, drei Tage nach dem offiziell
verkündeten Sieg der deutschen Truppen über Frankreich, rühmt er „mit atemloser Spannung
und steigender Bewunderung diesen Sturmlauf, diesen Siegeslauf‘ und steht „staunend vor
den Taten des Heeres“ und versichert, dass „der sportliche Geist, in dem Deutschlands
Jungmannschaft aufgewachsen ist“ erst den „Sturmlauf durch Polen, Norwegen, Holland,
Belgien und Frankreich“ und den „Siegeslauf in ein besseres Europa“ ermöglichte.

Carl Diem zitiert in seiner am 18.3.1945 vor dem HJ-Volkssturmlehrgang auf dem
Reichssportfeld in Berlin gehaltenen Rede den spartanischen Dichter Tyrtaios, dessen
Gedicht u.a. die Zeilen enthält: “Schön ist der Tod, wenn der edle Krieger für das Vaterland
ficht, für das Vaterland stirbt.“ (LG Darmstadt vom 17.1.2002).

Auch Sätze wie "Sport ist freiwilliges Soldatentum" belegen Diems militaristische Haltung. In
dem im Jahr 2000 erschienenen Buch von Achim Laude und Wolfgang Bausch "Der
Sportführer: Die Legende um Carl Diem" erscheint der NS-Sportfunktionär als brauner
Karrierist, der maßgeblichen Anteil an der Gleichschaltung des Sports hatte und
bedingungslose Vaterlandsliebe predigte (Quelle: Der Tagesspiegel v. 10.07.2001).

Nach der öffentlichen Distanzierung (1995) des Leiters der 1947 von Carl Diem gegründeten
Deutschen Sporthochschule in Köln begannen zahlreiche Umbenennungen von Schulen,
Straßen, Sporthallen und Ehrenplaketten.

Die nationalistische, militaristische und rassistische Haltung Diems ist vorstehend
herausgestellt.

Es stünde der Friedensstadt Münster wohl an, dem Beispiel der Kommunen Würzburg
(Geburtsstadt Diems), Mannheim, Hanau, Düren, Frechen sowie des Deutschen
Leichtathletik Verbandes zu folgen und damit ihrerseits einen Beitrag zu einem humanen,
gewaltfreien und der Völkerverständigung verpflichtetem Sport zu leisten.

Die Neubenennung erinnert an den jüdischen Sportler Julius Hirsch, der 1933 aus dem
Karlsruher Sportverein ausgeschlossen wurde und 1943 nach Auschwitz deportiert wurde.

Stellvertretend für die Generation ausgeschlossener und ermordeter Sportler schuf der DFB
2005 an ihn erinnernd den Julius-Hirsch-Preis. Er soll jährlich an.Personen und / oder
Vereine verliehen werden, die sich besonders "für Freiheit, Toleranz und Menschlichkeit
sowie gegen nationalsozialistische, rassistische, fremdenfeindliche oder extremistische
Erscheinungsformen" einsetzen.

gez.: Thorsten Kornblum und Fraktion

Beschlussvorlage

2633 Zeichen

V/0745/2010 
DER OBERBÜRGERMEISTER 
Vermessungs- und Katasteramt 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Betrifft 
 
Umbenennung der Straße Carl-Diem-Weg in  Am Sportpark Sentrup 
 
 
 
Beratungsfolge 
 
 
04.11.2010 Bezirksvertretung Münster-West Entscheidung
 
 
Beschlussvorschlag: 
I. Sachentscheidung: 
 
1. Der Carl-Diem-Weg, der den Sportpark Sentruper Höhe erschließt, wird umbenannt und 
erhält den Straßennamen Am Sportpark Sentrup. 
2. Die Anträge der SPD-Fraktion lfd. Nr. A-W/0016/2007 vom 23.05.2007, Anlage 1 
  lfd. Nr. A-W/0011/2008 vom 25.02.2008 , Anlage 2 
  lfd. Nr. A-W/0022/2010 vom 19.07.2010,  Anlage 3 
und der Antrag der FDP-Fraktion lfd. Nr. A-W/0027/2010 vom 30.09.2010, Anlage 4 
sind damit erledigt.  
 
II. Kosten/Folgekosten 
 
Es entstehen keine Kosten und keine Folgekosten.  
 
 
Begründung: 
 
Die SPD-Fraktion in der BV-Münster-West beantragte mit drei inhaltlich gleichen Anträgen die 
Umbenennung des Carl-Diem-Wegs in Julius-Hirsch-Weg. Julius Hirsch war ein Sportler, der 
1933 wegen seiner jüdischen Abstammung aus dem Sportverein Karlsruhe ausgeschlossen 
wurde und 1943 ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert wurde.  
Mit Schreiben vom 30.09.2010 beantragte die FDP-Fraktion in der BV-West die Umbenen-
nung des Carl-Diem-Wegs unter Hinweis auf eine neutrale und ortsbezogene Benennung in 
Am Sportpark Sentrup.  
Vorlagen-Nr.: 
V/0745/2010 
Auskunft erteilt: 
Herr Zimmermann 
Ruf: 
492 62 42 
E-Mail: 
ZimmermannBernhard@stadt-muenster.de  
Datum: 
27.10.2010 
Öffentliche Beschlussvorlage

- 2 - 
V/0745/2010 
Die Kommission „Straßennamen“ hat in ihrer Sitzung am 25.09.2010 die Straßennamenprob-
lematik und in dem Zusammenhang insbesondere die Themenbereiche Verstrickung in die 
Unrechtstaten des NS-Regimes, Distanzierung von den Handlungen nach Kriegsende sowie 
das Verhältnis zwischen Schuld und Verdiensten ausführlich beraten. Die Kommission hat 
daraufhin einstimmig beschlossen, den politischen Gremien (hier der BV-West) zu empfehlen, 
den Straßennamen „Carl-Diem-Weg“ zu ändern.  
Die Verwaltung schlägt vor, die Straße neutral und ortsbezogen „Am Sportpark Sentrup“ zu 
benennen um die bisherige, teilweise kontrovers geführte Diskussion zur Umbenennung der 
Straße Carl-Diem-Weg aus dem politischen Streit zu nehmen.  
Von der Umbenennung sind ausschließlich Grundstücke betroffen, die im Eigentum der Stadt 
Münster stehen.  
 
 
 
In Vertretung 
 
 
 
 
Schultheiß 
 
 
 
 
Anlagen: 
1. Antrag A-W/0016/2007 vom 23.05.2007 
2. Antrag A-W/0011/2008 vom 25.02.2008 
3. Antrag A-W/0022/2010 vom 19.07.2010 
4. Antrag A-W/0027/2010 vom 30.09.2010  
5. Übersichtsplan im Maßstab 1 : 5.000

3-Antrag-A-W-0022-2010

7128 Zeichen

SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung Münster-West SI D | |

Manfred Rösmann, Mitglied der BV-West Münster, 19.07. 2010
-Fraktionsvorsitzender-
s.a. Anträge vom 23.05. 2007/25.02. 2008

An die BV Münster-West j
- z.Hd. Frau Bezirksvorsteherin Elisabeth Westrup -

Pantaleonplatz 7
48161 Münster

Umbenennung des Carl-Diem-Weges

Die Bezirksvertretung wolle beschließen:
Der Carl-Diem-Weg wird in Julius-Hirsch-Weg umbenannt.

Begründung:

Die SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung Münster -West hatte seinerzeit zur Sitzung der BV-
West am 31.05. 2007 einen Antrag zur Umbenennung des Carl-Diem-Weges in den „Julius-
Hirsch-Weg“ eingebracht.

In der Sitzung der BV-West am 23.08. 2007 hat die BV bei Stimmengleichheit (9 Für- und 9
Gegenstimmen) den Antrag der SPD-Fraktion abgelehnt. Ebenso wurde von der BV-West der
Beschlussvorschlag der Verwaltung (s. V/0540/2007 vom 24.07. 2007), nach der die Entscheidung
auf Umbenennung zurückgestellt werden solle, bis hierzu Forschungsergebnisse der UNI-
Münster vorlägen, bei Stimmengleichheit abgelehnt.

Die von der SPD-Fraktion beantragte „Aktuelle Stunde“ am 17.01. 2008 zu dem Thema:
„Weshalb behindert der Oberbürgermeister die Entscheidung in Sachen Carl-Diem“, brachte
kein Ergebnis.

In der Sitzung am 06.03. 2008 wurde der Antrag von Thorsten Kornblum mit der Vorlage eines
anhängenden Gutachtens von Dr. Peter Dohms, Staatsarchivdirektor a.D. des Landes NRW,
erneut eingebracht.

Eine Abstimmung ist bis heute nicht erfolgt, weil it. Protokoll vom 11.03. 2008 keine
Stellungnahme der Verwaltung vorlag. Es wurde aber in der Sitzung gleichzeitig interfraktionell
vereinbart, die Entscheidung über die Umbenennung zurückzustellen, bis die entsprechenden
Forschungsergebnisse der UNI-Münster hierzu vorlägen.

Diese Forschungsergebnisse liegen nun vor.

In einer dreijährigern Forschungsarbeit hat sich der Historiker Prof. Dr. Becker mit dem Leben
und Wirken von Carl Diem auseinandergesetzt. (s. a. Spiegel 25/2010)

Die Ergebnisse der Forschungen bestätigen die Auffassung der SPD-Fraktion, dass Männer,
die u.a. zu Ende des Krieges mit Durchhalteparolen vor Hitlerjungen ihren Tod billigend in Kauf
genommen haben, in unserer demokratischen Gesellschaft Dee durch eine
Straßenbenennung posthum geehrt werden dürfen.

Die SPD-Fraktion hält demnach ihren Antrag aufrecht.

SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung Münster-West N] D ||

Das Anliegen dieses Antrags ist nicht eine Schuldzuweisung, sondern die Beendigung einer
Ehrung und der damit verbundenen fragwürdigen Vorbildfunktion für den Sport in einer
demokratischen Gesellschaft.

Die nie verstummte, seit den 90er Jahren verstärkt geführte Kontroverse um den
Sportfunktionär und -wissenschaftler Carl Diem kreist um die Frage, wie die sportpolitische
Rolle Diems im Nationalsozialismus einzuordnen ist und wie sie im Zusammenhang mit seinen
Verdiensten nach 1947 zu gewichten ist.

Folgende Erkerintnisse zu seiner Rolle innerhalb des NS Regimes sind dabei unbestritten:

Diem, u.a. aufgrund der jüdischen Verwandtschaft seiner Frau nie Mitglied der NSDAP
gewesen und anfangs als politisch unzuverlässig eingestuft, wurde ab 1936 zur Schlüsselfigur
der NS-Sportideologie und deren Organisationen. Unter seinen zahlreichen Publikationen stellt
sein Hauptwerk, „Die Olympische Flamme“ (Berlin 1936), das wichtigste Zeitdokument der NS-
Sportpropaganda dar.

1936 war er als Generalsekretär des Organisationskomitees der verantwortliche Gestalter der
olympischen Spiele in Berlin. 1938 bis 1945 war er Leiter des Olympischen Instituts. Seit 1939
hatte er die Funktion des Gauleiters im NS-Bund für Leibesübungen, zuständig für
Auslandskontakte, inne. Andere wichtige Funktionen, in denen er die Gleichschaltung des
"Sports betrieb, kamen hinzu.

Sport war für Diem in erster Linie Wehrsport. Krieg und Sport waren für ihn aufs Engste
miteinander verbunden: „Der Krieg ist der vornehmste, ursprünglichste Sport, der Sport par
exellence und die Quelle aller anderen Sportarten (...)“ (in: Markus Wiskus: „Der Krieg ist der
vornehmste Sport“, Leibeserziehung, Heft 12,1971, S. 409 ff.). In einer Denkschrift von 1941
fordert Diem die Beibehaltung der Olympischen Spiele auch während des Krieges; „Ich meine
aber, dass man den Herrschaftsstandpunkt der überlegenen Rasse nur dann auf Dauer
durchhält, wenn auch eine körperliche Gesundheit und Kraft dahinter steht und darum sehe ich
in den Spielen für Europa genau das, was Coubertin in ihnen für Frankreich gesehen hat: die
immerwährende Prüfung im härtesten Feuer und der stachelnde Anreiz, es den besten Völkern

gleich zu tun (...)"

In seinem Aufsatz im „Reichssportblatt“ vom 25.06.1940, drei Tage nach dem offiziell
verkündeten Sieg der deutschen Truppen über Frankreich, rühmt er „mit atemloser Spannung
und steigender Bewunderung diesen Sturmlauf, diesen Siegeslauf“ und steht „staunend vor
den Taten des Heeres“ und versichert, dass „der sportliche Geist, in dem Deutschlands
Jungmannschaft aufgewachsen ist“ erst den „Sturmlauf durch Polen, Norwegen, Holland,
Belgien und Frankreich“ und den „Siegeslauf in ein besseres Europa“ ermöglichte.

Carl Diem zitiert in seiner am 18.3.1945 vor dem HJ-Volkssturmlehrgang auf dem
Reichssportfeld in Berlin gehaltenen Rede den spartanischen Dichter Tyrtaios, dessen Gedicht
u.a. die Zeilen enthält: "Schön ist der Tod, wenn der edie Krieger für'das Vaterland ficht, für das
Vaterland stirbt.“ (LG Darmstadt vom 17.1.2002).

SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung Münster-West SPD I

Auch Sätze wie "Sport ist freiwilliges Soldatentum" belegen Diems militaristische Haltung. In
dem im Jahr 2000 erschienenen Buch von Achim Laude und Wolfgang Bausch "Der
Sportführer: Die Legende um Carl Diem" erscheint der NS-Sportfunktionär als brauner
Karrierist, der maßgeblichen Anteil an der Gleichschaltung des Sports hatte und
bedingungslose Vaterlandsliebe predigte (Quelle: Der Tagesspiegel v. 10.07.2001).

Nach der öffentlichen Distanzierung (1995) des Leiters der 1947 von Carl Diem gegründeten
Deutschen Sporthochschule in Köln begannen zahlreiche Umbenennungen von Schulen,
‚Straßen, Sporthallen und Ehrenplaketten.

. Die nationalistische, militaristische und rassistische Haltung Diems ist vorstehend
herausgestellt.

Es stünde der Friedensstadt Münster wohl an, dem Beispiel der Kommunen Würzburg
(Geburtsstadt Diems), Mannheim, Hanau, Düren, Frechen sowie des Deutschen Leichtathletik
Verbandes zu folgen und damit ihrerseits einen Beitrag zu einem humanen, gewaltfreien und
der Völkerverständigung verpflichteten Sport zu leisten.

Die Neubenennung erinnert an den jüdischen Sportler Julius Hirsch, der 1933 aus dem
Karlsruher Sportverein ausgeschlossen wurde und 1943 nach Auschwitz deportiert wurde.

Stellvertretend für die Generation ausgeschlossener und ermordeter Sportler schuf der DFB
2005 an ihn erinnernd den Julius-Hirsch-Preis. Er soll jährlich an Personen und / oder Vereine
verliehen werden, die sich besonders "für Freiheit, Toleranz und Menschlichkeit sowie gegen
nationalsozialistische, rassistische, fremdenfeindliche oder extremistische
Erscheinungsformen" einsetzen.

gez.: Manfred Rösmann und Fraktion

1-Antrag-A-W-0011-2008

1216 Zeichen

} A-w[ceA]2 oo8

SPD-Fraktionin der Bezirksvertretung Münster-West SI D | |

Thorsten Kornblum 48149 Münster, 25.02.2008
Eupener Weg 14

An die BV Münster-West | STA,

- z. Hd. Frau Bezirksbürgermeisterin -

Schelmenstiege 1-3 | ainsse Sn
48161 Münster nn Ever Hahn

Betr.: Umbenennung des Carl-Diem-Weges - SPD legt Gutachten vor

Die Bezirksvertretung wolle beschließen:
Der Carl-Diem-Wege wird in Julius-Hirsch-Weg umbenannt.
Begründung:

Nach Ablauf der vermeintlich in Gang gesetzten Sperrfrist stellen wir erneut den Antrag. Zur
Begründung verweisen wir zum einen voll inhaltlich auf unseren Antrag vom 25.05.2007.

Zum anderen nehmen wir Bezug auf das anhängende Gutachten von Dr. Peter Dohms,
Staatsarchivdirektor a.D., Staatsarchiv des Landes Nordrhein-Westfalen. Dieses Gutachten
war ausschlaggebend für die Umbenennung der Carl-Diem-Halle in Würzburg.

Besonderes Augenmerk gilt den umfangreichen Urkundsbeweisen als Primärquellen am
Ende des Gutachtens. Sie zeigen eindrucksvoll die Einstellung Diems und zwingen zu einer
Umbenennung, gleichgültig, wie man in etwaiger Sekundärliteratur das Leben und Werk
insgesamt bewerten mag. .

gez. Thorsten Kornblum, Petra Seyfferth und Fraktion

Anlage:
Gutachten

Beratungsverlauf (1)

04.11.2010 Bezirksvertretung Münster-West
TOP 4.2 Entscheidung Entscheidung

Beschluss: einstimmig geändert beschlossen

Zur Sitzung

Orte (5)

  • Geringhoffstraße
  • Toppheideweg 12
  • Eupener Weg 14
  • Schelmenstiege 1
  • Sentruper Höhe

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Details

Vorlagen-Nr.
V/0745/2010
Typ
Vorlagen
Datum
08.10.2010
Erstellt
06.10.2020 14:37