0022/2020
Konzept zum Wettbewerb zur Sichtbarmachung von Heinrich Böll und Karl Marx im Stadtbild
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Konzept zur Sichtbarmachung von Karl Marx und Heinrich Böll im Stadtbild Kölns
37950 Zeichen
1
Konzept zur Sichtbarmachung von Karl Marx
und Heinrich Böll im Stadtbild Kölns
Gliederung
1. Einführung
2. Ratsaufträge
2.1. AN/1860/2017
2.2. AN/0620/2018
3. Thema
3.1. Allgemeine Einordnung
3.2. Marx und Böll in Köln
3.3. Bedeutung
4. Bestandserfassung
4.1. Marx und Böll im Stadtbild, Vorüberlegungen u nd Maßnahmen
5. Ziele und Kriterien
5.1. Gesamtheitliche Lösung
5.2. Auflistung der Ziele und Kriterien
5.3. Zielgruppen
6. Erinnerungskultur
7. Augmented Reality App (AR App)
7.1. Vor- und Nachteile einer AR-App
7.2. Weitere Aspekte und Kriterien
8. Wettbewerb
8.1. Wettbewerbsaufgabe
8.2. Zusammenfassung
9. Erfolgskontrolle
Anlagen
_________________________________________________________________________
2
1. Einführung:
In den Ratssitzungen am 19.12.2017 und am 03.05.2018 wurden aus Anlass des
100. Geburtstags des Literaturnobelpreisträgers Heinrich Böll am 21.12. 2017 und
des 200. Geburtstags des Philosophen und Gesellschaftstheoretikers Karl Marx am
05.05.2018 beschlossen, beide Persönlichkeiten dauerhaft im Stadtbild Kölns
sichtbar zu machen.
Die im Anschluss stattgefunden Gespräche zwischen der Verwaltung, den beteiligten
Vertretern der Ratsfraktionen und anderen Akteuren wie dem Böll-Archiv, dem
Museum der Stadt Köln, dem Kunstbeirat und Vertretern der Kölner Kunst- und
Kulturszene, mündeten in der Überlegung ein 'gesamtheitliches' beziehungsweise
übergeordnetes Konzept zur Sichtbarmachung berühmter Persönlichkeiten zu
erarbeiten. Dabei wurde die Idee einer neuen solitären künstlerischen Ausgestaltung
kritisch hinterfragt, weil sie dem Auftrag nicht gerecht würde. Eine "Sichtbarmachung
im Bereich digitaler Möglichkeiten" sei eine "brauchbare und verlässliche
Möglichkeit", wobei der Gebrauch von Augmented Reality auf smarten Endgeräten
als zukunftsweisend erachtet wird. Hierzu "soll ein Wettbewerb, zum Beispiel in Form
eines Einladungswettbewerbs" durchgeführt werden 1.
Das vorliegende Konzept dient als Diskussionsgrundlage zur Sichtbarmachung von
berühmten Persönlichkeiten im öffentlichen Raum der Stadt Köln.
2. Ratsaufträge
Die in den oben genannten Ratssitzungen beschlossenen fraktionsübergreifenden
Anträge für Heinrich Böll sowie für Karl Marx lauten wie folgt:
2.1. Ratsauftrag AN/1860/2017
2
Aus Anlass des 100. Geburtstag des Literaturnobelpreisträgers und Kölner
Ehrenbürgers Heinrich Böll am 21.12. 2017 beschließt der Rat, Heinrich Böll in
„seiner“ Stadt dauerhaft sichtbar zu machen und dazu in einem ersten Schritt
folgende Maßnahme durchzuführen:
1. Der Rat beauftragt die Verwaltung mit der Entwicklung eines Konzepts, im
öffentlichen Raum an Heinrich Böll zu erinnern und dabei die wichtigsten Orte seines
Schaffens in der Stadt sowie die grundlegenden Themen seines Werks darzustellen.
Dazu wird die Verwaltung aufgefordert, einen Wettbewerb, z.B. in Form eines
Einladungswettbewerbs, durchzuführen und dazu den Kunstbeirat, Vertreter/innen
der im Ausschuss Kunst und Kultur stimmberechtigten Ratsfraktionen, das Böll-
Archiv und die Erbengemeinschaft Böll einzubeziehen.
2. Das Konzept einschließlich eines Umsetzungsvorschlags wird dem Rat zur
Beschlussfassung vorgelegt.
2.2. Ratsauftrag AN/0620/2018
3
Aus Anlass des 200. Geburtstag des großen und international bekannten und
einflussreichen Philosophen, Ökonomen, Gesellschaftstheoretikers, politischen
Journalisten und Flüchtlings Karl Marx am 05.05.2018 beschließt der Rat der Stadt
1 s. Sachstand zu den Beschlüssen v.25.06.2019:
https://ratsinformation.stadt-koeln.de/getfile.asp?id=724029&type=do&
2 https://ratsinformation.stadt-koeln.de/getfile.asp?id=641081&type=do&
3 https://ratsinformation.stadt-koeln.de/getfile.asp?id=658988&type=do&
3
Köln, Karl Marx in Köln dauerhaft sichtbar zu machen und dazu folgende
Maßnahmen durchzuführen:
1. Die im Jahr 1983 vom Rat der Stadt Köln beschlossene und 1989 entwendete
Gedenktafel an der Cäcilienstraße 37 (VHS) wird erneuert.
2. Der Rat beauftragt die Verwaltung mit der Entwicklung eines Konzepts, wie am
geeignetsten im öffentlichen Raum an Karl Marx erinnern werden kann.
Dabei sollen die wichtigsten Orte seines Lebens und Schaffens in Köln in den Jahren
1842 bis 1849 eine besondere Würdigung erfahren. Zudem soll hierzu ein
Wettbewerb, z.B. in Form eines Einladungswettbewerbs, durchgeführt werden, in
dem der Kunstbeirat, Vertreter/innen der im Ausschuss Kunst und Kultur
stimmberechtigten Ratsfraktionen, das Kölnische Stadtmuseum und der
Landschaftsverband Rheinland (LVR) einbezogen werden sollen.
3. Das Konzept einschließlich eines Umsetzungsvorschlags ist in einem zeitlich
vertretbaren Maße dem Rat zur Beschlussfassung vorzulegen.
3. Thema
3.1. Allgemeine Einordnung
Die Stadt Köln hat aus fast allen Epochen der Stadtgeschichte Persönlichkeiten
vorzuweisen, die sich in den unterschiedlichsten Lebensbereichen von der Kultur und
Politik, bis zur Wissenschaft und Wirtschaft für die Stadt und über die Stadtgrenzen
hinaus verdient gemacht haben. Zum Teil sind sie im öffentlichen Bewusstsein
präsent, zum Teil sind sie, trotz internationaler Bekanntheit, nicht ausreichend in der
Kölner Öffentlichkeit sichtbar. Um diese berühmten Persönlichkeiten der Stadt nicht
zu Unrecht aus dem Gedächtnis der Nachwelt zu verdrängen, gilt es ihnen eine
angemessene Anerkennung zu gewähren.
Das Leben und Wirken berühmter Personen Kölns dauerhaft sichtbar und erlebbar
zu machen, ist nicht nur für die Stadt und ihre Bürger identitätsstiftend, sondern
transportiert eine spezifische Stadt- und Kulturgeschichte, ihre Besonderheiten und
Eigenheiten und bewahrt das kulturelle Gedächtnis.
Die Kultur und Geschichte einer Stadt erlebbar zu machen, ist nicht nur für die
eigenen Bürger, sondern auch für Reisende und Zugezogene interessant. Da Köln
mit über 1,1 Millionen Einwohnern, nicht nur wegen seines vielfältigen touristischen
Angebots, sondern auch als wichtige Kongress- und Messestadt zu den fünf
meistbesuchten Städten in Deutschland zählt, gilt es auch seine bedeutenden
Persönlichkeiten als kulturellen Wirtschaftsfaktor zu bedenken. Ein attraktives
Angebot für Kulturtouristen nutzt nicht nur dem Tourismus und der damit
verbundenen Wirtschaft, sondern auch den Kultureinrichtungen.
Die kulturelle Identität eines Standortes herauszuarbeiten ist hilfreich, um bei den
globalen Bedingungen von Stadtentwicklungen mitdiskutieren zu können und einer
merkantilen Einheitskultur entgegenzuwirken.
3.2. Marx und Böll in Köln:
Karl Marx und Heinrich Böll sind zwei international bekannte Persönlichkeiten, die in
Köln gelebt und gearbeitet haben. Während Bölls Werke und Leben in Köln
allgemein vertrauter sein dürften, ist die wichtige Verbindung von Marx mit der Stadt
Köln oft wenig bekannt.
4
Marx wurde 1818 in Trier geboren und starb 1883 in London. Er lebte in den Jahren
1842 und 1843 in Köln, wo er als Redakteur der "Rheinischen Zeitung für Politik,
Handel und Gewerbe" in der Schildergasse 99 gearbeitet hat. Ein zweiter Aufenthalt
in der Stadt fällt in die Jahre 1848 und 1849, in denen er als Chefredakteur bei der
Wiederbelebung der Vorgängerzeitung "Neue Rheinische Zeitung. Organ der
Demokratie" (am Heumarkt 65) arbeitete, bis er am 16.5.1849 nach dem Scheitern
der Märzrevolution von der preußischen Regierung aus Deutschland ausgewiesen
wurde. Diese Arbeitsphasen markieren seine ersten Auseinandersetzungen mit den
ökonomischen, gesellschaftlichen und politischen Fragen, die das Wesen seiner
späteren Arbeit ausmachen.
Nicht nur die Arbeit für die beiden Zeitungen sind Wegmarken in Marx Leben: von
großer Bedeutung ist auch die Begegnung mit seinem späteren Weggefährten
Friedrich Engels im November 1842 in der Redaktion der Rheinischen Zeitung
4 in
der Schildergasse 99. Zusammen haben sie in den nachfolgenden Jahren
gesellschaftstheoretische Schriften herausgegeben und das weltweit folgenreiche
'Manifest der kommunistischen Partei' ausgearbeitet. Ob Marx am 6. Mai 1849 im
Gürzenich dieses Manifest verlesen hat, und dieser Ort deswegen eine besondere
Würdigung im Kontext von Marx Leben erhalten sollte, ist allerdings umstritten 5.
Heinrich Böll, 1917 in Köln geboren, hat dagegen die meiste Zeit seines Lebens in
Köln gelebt und gearbeitet. Er starb in Kreuzau-Langenbroich und wurde in Merten
beigesetzt.
Der Inhalt seiner frühen Werke ist geprägt durch die Erfahrungen im
Nachkriegsdeutschland. Als sogenannter Vertreter der Trümmerliteratur erhielt er
1951 den Literaturpreis der Gruppe 47. In seinem Werk schildert er die Schicksale
der Schwachen, Armen und Abgehängten. Als Literat bemühte er sich um die
Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit Deutschlands und übte Kritik an
gesellschaftlichen und politischen Missständen. Werke wie 'Ansichten eines Clowns'
(1963), 'Gruppenbild mit Dame' (1971), 'Die verlorene Ehre der Katharina Blum oder:
Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann' (1974) wurden international
rezipiert, vertont und verfilmt. In öffentlichen Äußerungen setzte er sich kritisch mit
der Politik und Gesellschaft seiner Zeit auseinander. Seine Äußerungen über den
politischen Umgang mit RAF-Terroristen hat ihm seinerseits in Deutschland viel Kritik
eingebracht. Das Verhältnis zu seiner Stadt und der deutschen Öffentlichkeit war oft
kontrovers. 1971 wurde er zum Präsidenten des internationalen PEN-Clubs gewählt
und erhielt 1972 den Literaturnobelpreis.
Böll gilt als einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller der Nachkriegszeit. Mit
dem Nobelpreis für Literatur für seine literarische Arbeit sollte insbesondere dem
zeitgeschichtlichen Weitblick in Verbindung mit einem sensiblen
Einfühlungsvermögen geprägte Darstellungskunst gewürdigt werden. Böll ist nicht
nur durch sein Geburtshaus und Wohnhaus postum in Köln präsent. Die Stadt bildet
mehrfach den Schauplatz für seine Romane, so dass sein Werk eng mit der Stadt
Köln verbunden ist.
3.3. Bedeutung
Die nachhaltige und weltweite Bedeutung von Marx zeigt sich allein schon in der
fortwährenden Erforschung seiner Theorien in den Wissenschaften. Nicht nur
Jahres-Feierlichkeiten entfachen Diskussionen über seine Thesen. Seine präzisen
4 Karl Marx - Geschichte seines Lebens: Biografie, Boer Verlag, Grafrath, 2018, S. 77
5 siehe Artikel http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=25223
5
Beobachtungen bieten immer wieder Anknüpfungspunkte. Und so scheinen seine
Publikationen für viele Menschen Orientierung, nicht nur in den wiederkehrenden
Wirtschafts- und Finanzkrisen, zu bieten.
Auch Bölls anhaltende Bedeutung geht weit über seine Auszeichnung mit dem
Literaturnobelpreis hinaus. Nach wie vor ist Böll Gegenstand aktueller Studien und
Leitfigur der nach ihm benannten Heinrich-Böll-Stiftung, deren Kernaufgaben die
"politische Bildung im In- und Ausland zur Förderung der demokratischen
Willensbildung" ist. Zeitlebens reflektierte und kritisierte Böll die Entwicklung der
Bundesrepublik mit hoher öffentlicher Wirksamkeit. Er galt als kritischer Intellektueller
und als moralische Instanz. Auch für eine jüngere Generation hat er unbedingt das
Potenzial zur Begegnung mit der eigenen Geschichte. Sein schriftstellerisches und
persönliches Archiv befindet sich zur wissenschaftlichen Auswertung und
Aufbewahrung bei der Stadt Köln.
Die Stadt Köln ehrt seit 1985 mit dem Heinrich-Böll-Preis jeweils herausragende
literarische Leistungen Lebenswerk und ist aktuell mit einer Preissumme von 30.000
Euro dotiert.
4. Bestandserfassung
Jede Stadt weist Formen des Gedenkens, Erinnerns und der Ehrung auf. Sei es
durch Denkmäler, Gebäude, Platz- oder Straßennamen oder zum Beispiel durch
Führungen, einmalige oder wiederkehrende Veranstaltungen, die den Besucher zum
Bleiben einladen und die ihm eine tiefergehende Auseinandersetzung ermöglichen.
Die Stadt Köln listet beispielsweise ihre Denkmalarten wie folgt auf
6:
• Baudenkmäler
• Garten-, Friedhofs- und Parkanlagen sowie andere von Menschen gestaltete
Landschaftsteile
• Historische Ausstattungsstücke, sofern sie mit dem Baudenkmal eine Einheit
von Denkmalwert bilden
• Bewegliche Denkmäler
• Bodendenkmäler
Hinzu kommen Archive, Stiftungen und Nachlässe, die zusätzliche Informationen für
die Öffentlichkeit und Nicht-Öffentlichkeit aufbereiten. Das Interesse an Geschichte
und ihren Persönlichkeiten ist groß und begegnet uns in einer Fülle von kulturellen
wie auch geschichtspolitischen Formaten (Preisverleihungen,
Straßennamendebatten, Denkmalkontroversen, Rekonstruktionsbauten,
Zeitzeugenveranstaltungen, etc.). In diesem Fall sind die benannten Jahrestage
Anlass für Erörterungen über das Gedenken an Marx und Böll.
4.1. Marx und Böll im Stadtbild
Bisher lassen sich die folgenden Standorte und Überlegungen, sowie bereits
begonnene Maßnahmen zum Gedenken an Marx und Böll und ihre Wirkung
auflisten
7
Karl Marx:
6 https://www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/planen-bauen/denkmalschutz/denkmalarten-koeln
7 https://ratsinformation.stadt-koeln.de/getfile.asp?id=724029&type=do&
6
• 1842/1843, Redaktionssitz 'Rheinische Zeitung', Sc hildergasse 99 - bisher
ohne Hinweis (der damalige Wohnort von Marx war in Bonn)
• 1848 Wohnorte: zunächst Apostelnstraße 7, zunächst allein zur Untermiete -
bisher ohne Hinweis (in der Nähe steht heute eine Konrad Adenauer-Statue),
später Cäcilienstraße 7, zusammen mit seiner Familie (Das Haus ist nicht
mehr vorhanden).
• Redaktionssitz der 'Neuen Rheinischen Zeitung', zu erst in An St. Agatha 12,
später Unter Hutmacher 17 - heutiger Name: Heumarkt 65 8
• Eine im Jahr 1983 vom Rat der Stadt Köln beschloss ene und 1989
entwendete bronzene Gedenktafel soll an der Cäcilienstraße 37 (VHS
Gebäude) erneuert werden. Die Kulturverwaltung befindet sich zurzeit
diesbezüglich im Rechercheprozess zur Rekonstruktion der Tafel sowie in
einem Abstimmungsprozess mit der hiesigen Gebäudewirtschaft.
• Eine anvisierte Schenkung von drei Karl Marx-Büste n des in Köln ansässigen
Künstlers Klaus Kammerich wurde vom Künstler zurückgezogen.
• An der Südfassade des Rathausturms ist Marx durch eine Statue (1988,
Schenkung SPD, Unterbezirk Köln) des Bildhauers Helmut Moos vertreten
(zusammen mit 123 weiteren Steinfiguren berühmter Personen).
• Weiter verfolgt wird die Umsetzung der Idee des eh emaligen
Stadtkonservators Ulrich Krings, der eine Lichtinstallation zur Beleuchtung der
Figuren am Rathausturm vorgeschlagen hat.
Heinrich Böll:
• 1917-1922: Geburtshaus, Teutoburger Str. 26 - dort befindet sich ein
graviertes Portrait und eine kurze Information auf der Glastür
• Weitere Wohnorte, die nicht mit einem Hinweis vers ehen sind 9: Kreuznacher
Str. 49 (1922-1930), Ubierring 27 (1930-1931), Maternusstraße 32 (1931-
1936), Karolingerring 17 (1936-1942), Kleingedankstraße 20 (1942),
Neuenhöfer Allee 38 (1942-1945), Schillerstraße 99 (1945-1954),
Belvederestraße 35 (1954-1969). Ab 1982 lebte er in Merten.
• Sein Wohnort in der Hülchrather Straße 7 (1969-198 2) ist mit einer
Plexiglasplakette versehen.
• Nach ihm benannt ist der Heinrich-Böll-Platz, gele gen zwischen dem
Hauptbahnhof und dem Museum Ludwig, ohne weiteren Hinweis oder
Denkmal.
• Ebenfalls benannt nach ihm ist die Heinrich-Böll-G esamtschule in Köln-
Chorweiler.
• In der Stadtbibliothek Köln befindet sich das Hein rich Böll Archiv
(Dokumentations- und Informationsstelle über das Leben und Werk Heinrich
Bölls, Leitung Gabriele Ewenz, in Kooperation mit der Heinrich Böll
Erbengemeinschaft (Ansprechpartner: René Böll) und der Heinrich Böll
Stiftung, Berlin).
• Dort befindet sich auch Bölls Arbeitszimmer aus se inem Wohnhaus in
Bornheim-Merten.
• Seit 1980 wird von der Stadt Köln der Heinrich-Böl l-Literaturpreis verliehen.
8 François Melis, Edition unbekannter Nummern, Flugblätter, Druckvarianten und Separatdrucke. K.
G. Saur, (Dortmunder Beiträge zur Zeitungsforschung. Bd. 57), München, 2000, S. 369, sowie Anlage:
Stadtplan von Köln (1851) mit Wohn- und Wirkungsstätten von Karl Marx, aus: Heinrich Billstein, Marx
in Köln, Köln, 1983, S. 6 und 7.
9 Die Wohnorte sind in der Anlage des Ratsbeschlusses AN/1860/2017 beigefügt worden
7
• Seit 1992 ist Böll durch eine Steinfigur des Bildh auers Olaf Höhnen am
Rathausturm vertreten.
• Diverse Stadtführungen werden zu Böll online angeb oten.
• Verschiedene Veranstalter bieten oder boten Stadtf ührungen zu Böll an.
• WDR1 bietet auf seiner Homepage eine 4-teilige Aug mented Reality
Entdeckungsreise an: "Böll folgen - eine interaktive Spurensuche in Köln 10
• Eine Privatinitiative in Köln bemüht sich darum, e ine Bronzebüste Bölls vom
Künstler Oliver Graine in Nähe des Geburtshauses aufzustellen. Der Kontakt
zur Initiative wurde gesucht.
Die Auflistung zeigt, dass besonders bei Marx Nachholbedarf bei der
Sichtbarmachung seiner Wirkstätten und Wohnorte (gemeinsam mit seiner Frau
Jenny Marx) in Köln besteht. Das Angebot zu Böll erfordert eine gezielte Suche und
richtet sich somit an ein Publikum, das schon ohnehin über eine gewisse Kenntnis
über Böll verfügt und gezielt nach seinen Spuren zu suchen weiß.
Zusammenfassend ist daher festzustellen, dass angemessene Maßnahmen zu
Ehren der beiden Persönlichkeiten und zur Wissensvermittlung über ihr Werk und
ihren Einfluss nicht ausreichend vorhanden sind. Bestehende Maßnahmen bleiben
separiert, liegen über die Stadt verstreut und fügen sich nicht zu einem Gesamtbild.
Vor diesem Hintergrund ist ein Konzept zur Verbesserung der Situation sinnvoll.
5. Ziele und Kriterien
5.1. Gesamtheitliche Lösung
Bei Marx und Böll sollen die wichtigsten Orte ihres Lebens und Schaffens verknüpft
mit den grundlegenden Themen ihrer Werke eine besondere Würdigung erhalten.
Wie oben bereits erläutert wurde, hatte Marx in Köln seine späteren Themen
gefunden und seinen späteren Weggefährten Friedrich Engels erstmals getroffen.
Böll war nicht nur als Kölner Nachkriegsliterat, sondern als öffentlichkeitswirksamer
engagierter Bürger von Bedeutung.
Wie die Anzahl der 124 Figuren am Rathaus aufweist, gibt es viele weitere mit der
Stadt verknüpfte Persönlichkeiten, deren Bekanntheitsgrad und Sichtbarkeit
unterschiedlich ist. Und auch in der Zukunft werden weitere Persönlichkeiten
hinzukommen, die sich um die Stadt verdient gemacht haben. Einzelne Denkmäler
oder Kunstwerke, Stadtführungen, Informationstafeln bieten dabei immer singuläre,
separierte Lösungsansätze und verbinden nicht alle Besonderheiten der Stadt, die
sich an verschiedenen Orten der Stadt befinden. Wie aber nach den
Ratsbeschlüssen von den verschiedenen Akteuren diskutiert wurde, besteht der
Wunsch nach einer gesamtheitlichen Lösung zur Sichtbarmachung verdienter
Personen der Stadt Köln: "Denn im umfassenden Reigen dieser Prominenz erfährt
das Wirken und Schaffen jedes Einzelnen eine breitere Kenntnisnahme und höhere
Wertschätzung als bei jeder und jedem Einzelnen für sich allein genommen."
11
10 https://www1.wdr.de/kultur/buecher/heinrich-boell/boell-folgen-vier-videowalks-100.html
11 s. Sachstand zu den Beschlüssen der Sichtbarmachung von Karl Marx und Heinrich Böll
(25.06.2019): https://ratsinformation.stadt-koeln.de/getfile.asp?id=724029&type=do&
8
5.2. Weitere Auflistung der Ziele und Kriterien
- Ziel ist es, die Persönlichkeiten in ansprechender und moderner Form dauerhaft
und stärker im Bewusstsein der Bürgerinnen, Bürger und Gäste der Stadt zu
verankern.
- Die Inhalte und Themen ihrer Auseinandersetzung sollen angemessen vermittelt
werden. Dabei ist der historische Kontext und die Stadtgeschichte zu
berücksichtigen.
- Die Bedeutung ihres Wirkens soll in ihrer Aktualität erfahrbar werden.
- Es sollen sowohl bereits Interessierte mit Informationen versorgt, als auch neue
Zielgruppen angesprochen und für die Themen der Persönlichkeiten sensibilisiert
werden.
- Die Informationen sollen ästhetisch ansprechend präsentiert werden.
- Die Informationen sollen zusammengeführt werden
- Eine lebendige Begegnung mit Geschichte soll ermöglicht werden, so das Köln mit
seinen historischen Facetten erfahrbar wird.
5.3. Zielgruppen
Die Zielgruppen sind die Bürger und Bürgerinnen der Stadt Köln und Zugezogene,
sowie Touristen und andere Besucher der Stadt. Es sollten sich möglichst alle
Altersgruppen und Bildungsgruppen angesprochen fühlen und einer Ausgestaltung
barrierefrei begegnen können. Auch sollte sie zugänglich für alle sozialen Schichten
sein.
Die zunehmende Nutzung digitaler Medien zur Informationsbeschaffung, nicht nur
bei einem jungen Publikum, sollte hierbei berücksichtigt werden. Auf diese Weise
können die aufgeführten verschiedenen Zielgruppen angesprochen werden.
6. Erinnerungskultur
Seit über fünfzehn Jahren gibt es in den Kulturwissenschaften eine angeregte
Diskussion über die Zukunft der Erinnerungskultur oder Gedächtnisformen im
digitalen Zeitalter, die sich bereits verändert hat und weiterhin verändern wird. Das
Internet, das eine immense Archivierungsmöglichkeit von beispielsweise
Zeitzeugenbefragungen oder historischen Hintergrundinformationen bietet und immer
mehr Informations-, Kommunikations- und Speicherungsaufgaben der Gesellschaft
übernommen hat, wird über Computer, Tablets und Smartphones von nahezu allen
Altersgruppen immer stärker genutzt. Zu den meist genutzten Optionen gehören
unter anderem Kommunikationsprogramme, die Nutzung von Suchmaschinen,
Online-Shopping, sowie die Nutzung von Apps
12 . Die Prognose, dass auch bei
nachfolgenden Generationen das Internet als Informationsmedium immer wichtiger
wird, liegt nahe.
Deswegen stellt sich die Frage, was diese Entwicklung für die Zukunft der
Erinnerungskultur bedeutet. Und wie steht eine virtuelle Erinnerungskultur in
Konkurrenz zu einer klassischen beziehungsweise analogen?
Drei kurze Beispiele erörtern die Sichtbarmachung von Karl Marx und Heinrich Böll
als virtuelle oder als figürliche Ausarbeitung.
12 https://www.bvdw.org/fileadmin/user_upload/BVDW_Marktforschung_Digitale_Nutzung_in_
Deutschland_2018.pdf, Seite 20
9
Nach einer 17 Jahre andauernden öffentlichen und zum Teil erhitzten Debatte über
die Planung eines Berliner Holocaust-Denkmals wurde im Mai 2005 ein Beton-
Stelenfeld nach einem Entwurf von Richard Serra und Peter Eisenmann eingeweiht.
Die begehbare weiträumige Skulptur ermöglicht ein visuelles und physisches
Erlebnis, das zunächst auf die Emotionen des Besuchers abzielt, um sie dann in
einem unterirdischen Informationszentrum für die historischen Fakten zur
Massenvernichtung der Juden zu sensibilisieren. Emotion und Kognition sollen hier
antithetisch zu neuen Erkenntnissen führen. Das Stelenfeld hat darüber hinaus eine
identifikatorische Bedeutung in Berlin erlangt, da es mit jährlich ca. 470.000
Besuchern zu einer wichtigen Touristenattraktion geworden ist
13 . Auch wenn der
Erlebnisfaktor in diesem Raumkunstwerk hoch ist, so ist er nicht an eine singuläre
Person gebunden. Die Emotionalisierung eines Besuchers, dem hier auch Raum
zum Gedenken gegeben wird, kann dazu dienen, sich in die Opfer einzufühlen und
sich weiter mit der Epoche des Nationalsozialismus zu befassen. Gedenkstätten
dieser Dimension sind geeignet zur Vermittlung historischer Ereignisse.
In Gedenken an einen der berühmtesten Bürger Frankfurts, den Philosoph Theodor
W. Adorno, hat der Künstler Vadim Zakharov dort, in einem Glaskubus, einen
Schreibtisch, einen Stuhl und eine Tischlampe platziert, die nachts leuchtet. Auf dem
Schreibtisch befindet sich unter anderem eine Manuskriptseite, ein Notenblatt sowie
eine Ausgabe der 'Negativen Dialektik' (1966). In umlaufend labyrinthartig
angeordneten schwarzen und weißen Bodenplatten sind Zitate aus seinen Werken
als Inschriften eingelassen. Die gesamte Inszenierung, die sich heute auf dem
Campusgelände der Universität befindet, ist ein Entwurf des Künstlers aber keine
Nachstellung seines Originalarbeitszimmers. Sie regt zur Auseinandersetzung mit
dem Leben und dem Werk Adornos an, vermittelt aber nur rudimentär dessen
Themen und Inhalte. Die Zitate bleiben kommentarlos. Das Denkmal, auch wenn es
an eine Persönlichkeit gebunden ist, setzt in dieser künstlerischen Form eine
Kennerschaft voraus. Für Laien ergibt sich ein rätselhaftes Bild, das verschiedene
Assoziationen zulässt.
Ein jüngeres Beispiel zur Würdigung einer berühmten Persönlichkeit, ist die
überlebensgroße 5,5 Meter hohe Karl Marx Bronze-Statue auf dem Simeonstiftplatz
in Trier, ein Geschenk der Volksrepublik China im Jahr 2018.
Allein ihre Materialität und Monumentalität markiert erkennbar einen Wertigkeits- und
Herrschaftsanspruch, der nicht zeitgemäß erscheint. Die Figur bleibt in ihrer
lebensgetreuen Darstellung rein äußerlich abbildend und gehört damit eher zum
klassischen Kanon der Persönlichkeitsdenkmäler. Sie vermittelt per se keinen Inhalt
und impliziert auch keine kritische Auseinandersetzung mit den Auswirkungen des
Kommunismus, als dessen geistiger Vater er gilt.
Mit Denkmälern und Gedenkstätten ist ein didaktischer Auftrag und die Hoffnung
verbunden, dass ihre Vorbildfunktion oder Erinnerungswürdigkeit auch für zukünftige
Generationen erhalten bleiben möge. Die Ausformung dieser Denkmäler ist
allerdings einem ständigen Wandel unterworfen und bedarf meist schon im Vorfeld
einer klärenden Debatte. Diese kann bereits als Teil einer Würdigung verstanden
werden, bevor eine Entscheidung zur richtigen Form getroffen wird.
In beiden Ratsaufträgen kommt nicht nur der Wunsch nach Sichtbarmachung,
13 https://www.stiftung-denkmal.de/presse/pressemitteilungen/detail/article/unveraendert-hohe-
besucherzahlen-am-holocaust-denkmal.html
10
sondern auch die Forderung der Vermittlung von Inhalten ihrer Werke zum Ausdruck.
Diese Forderung entfernt die Ratsaufträge vom klassischen Kanon des Gedenkens,
bzw. der Sichtbarmachung bedeutender Persönlichkeiten. Hinzu kommt der Wunsch
nach einer erweiterbaren Lösung, die in Zukunft andere Persönlichkeiten
einbeziehen soll.
Informationen, Lerninhalte oder Original-Töne lassen sich in digitaler Form am
ehesten kombinieren und vermitteln. Eine Augmented Reality App könnte zunächst
als zeitgemäßes, zukunftsweisendes und zusammenfassendes Tool gedacht
werden. Sie muss dabei einen künstlerischen Anspruch nicht ausschließen, der sich
auch in einer digitalen App finden kann. Ein Künstlerwettbewerb mit digitaler
Ausrichtung bietet Anknüpfungsmöglichkeiten zu weiteren digitalen Tools. Ein
digitaler Wettbewerb, der künstlerisch gedacht und ausgeschrieben werden kann,
muss einer späteren künstlerischen figürlichen Ausarbeitung nicht widersprechen.
Eine alleinig figürliche Ausarbeitung erfüllt die Ratsaufträge nicht, da sie per se
weniger Inhalt vermittelt und bestenfalls eine persönliche Interpretation eines
Ereignisses, Inhalts, etc. bietet. Je nach Abstraktion einer künstlerischen
Ausarbeitung würden weitere Erklärtafeln benötigt.
Ein Kunstwerk kann Emotionen und weiteres Interesse wecken aber nicht die Fakten
zu Personen und Orten veranschaulichen und erlebbar machen. Eine digitale Lösung
ist modern, zeitgemäß, lebendig und spricht die Jugend an. Sie kann dem Vorwissen
des Nutzers angepasst werden. Die schwerpunktmäßige Ausrichtung auf den
Informationsgehalt und wechselnde Bildinhalte wären in einer App möglich.
Es müsste allerdings im Vorfeld der politische Umgang mit einer solchen App geklärt
sein, damit die Gewichtung der Personen und Inhalte nicht zur Durchsetzung
ideologischer Ziele oder gezielter Desinformationen missbraucht werden kann.
7. Augmented Reality App (AR App)
Eine Augmented Reality App (Erweiterte Realität Applikation) kann mit einem
Smartphone oder Tablet genutzt werden. Mit ihr kann die Umgebung mit digitalen
Inhalten mittels Überblendung auf die visuelle Realität angereichert werden. Bei
einem Blick auf den Bildschirm überlagert die App die reale Umwelt mit
computergenerierten bzw. -simulierten Einblendungen. Informationen werden in
Form von Texten, Bildern, Audios, Videos und animierten 3D-Objekten lebendig und
erlebbar gemacht. Eine solche App verfügt über Kartenmaterial, das die Navigation
durch die Stadt inklusive Routenplaner per Augmented Reality erleichtert und
anreichert. Stadtführungen oder Themenführungen können so individuell
zusammengestellt werden oder man ruft nur zu einzelnen Punkten die gewünschten
Informationen auf. Die Nutzer können sich frei und selbständig durch die Stadt
bewegen. Die App bietet ein interaktives Format der Wissensvermittlung, in der
Inhalte auf komplexe und zugleich unterhaltsame Weise wiedergegeben werden
können. Die Alleinstellungsmerkmale einer Stadt wären somit überschaubar in einer
App zusammengefasst.
7.1. Vor- und Nachteile einer AR App
Mit einer solchen App lassen sich nicht nur die Geschichten berühmter historischer
Persönlichkeiten, sondern auch lokale und traditionelle Ereignisse einbinden. Mit
11
ihrer Hilfe kann man ein weites Publikum auf unterschiedlichen Informationsebenen -
von Texten in einfacher Sprache bis zu komplexen Inhalten - ansprechen.
Historische Inhalte können in einer ansprechenden und für die breite Öffentlichkeit
verständlichen Präsentation vermittelt werden. Sie kann inklusiv geplant werden, so
dass eine barrierefreie Erkundung der Stadt möglich wird. Dies kann auch
mehrsprachig erfolgen, da sie in jede Sprache erweiterbar ist.
Sie ist unabhängig von Öffnungszeiten nutzbar, was eine höhere Selbstorganisation
und ein besseres Zeitmanagement, auch in der Vor- und Nachbereitung einer Reise,
ermöglicht. Eine App ist flexibel, da sie ständig technisch aktualisierbar und inhaltlich
oder optisch erweiterbar ist. Sie ist nachhaltig, da wichtige Ressourcen (Print,
Werbung, Zeiteffizienz) geschont werden.
Eine AR App ist oftmals unbürokratischer, denn Genehmigungsverfahren für
beispielsweise Denkmäler, Plaketten und Kunst im öffentlichen Raum erübrigen sich.
Ihre Funktionen lassen sich zudem in der App hinterlegen, so dass nicht zwingend
eine permanente Internetverbindung notwendig ist. Eine Anbindung an vorhandene
Internet- oder Serviceangebote, wie öffentliche Verkehrsmittel, freischaltbare In-App-
Funktion z.Bsp. zu Museums-Eintrittskarten und Konzerttickets, Verknüpfungen zu
sozialen Medien, sowie die Möglichkeit einer direkten Interaktion bzw. direkten
Kommunikation mit den Nutzern (Chat, Emailverknüpfung, etc.) kann zusätzlich
eingebunden werden.
Darüber hinaus schafft ein zeitgemäßes und weltoffenes Angebot ein positives
Stadtbild und steigert ihre Attraktivität.
Dennoch gibt es Nachteile zu berücksichtigen. Der Besitz eines Smartphones oder
Tablets ist Voraussetzung für die Nutzung der App. Es könnte sich zunächst ein eher
jüngeres Publikum für die App interessieren, da sie mehr Erfahrung im Umgang mit
digitalen Medien mitbringen. Dem steht aber entgegen, dass immer mehr ältere
Nutzer der digitalen Technik aufgeschlossen gegenüber stehen.
Hinsichtlich des Datenschutzes gibt es ein verständliches Misstrauen gegenüber der
Nutzung von digitalen Anwendungen. Die Kriterien hinsichtlich der Speicherung und
Nutzung von Daten sollte der DGSVO entsprechen und transparent sein.
Die Nutzung der App kann eine riskante Ablenkung sein. Die virtuellen Erlebnisse
dürfen nicht von den realen Erfahrungen, wie zum Bespiel dem Straßenverkehr,
ablenken. Die Infopoints müssen in dieser Hinsicht genau durchdacht werden.
7.2. Weitere Aspekte und Kriterien
- Die Applikation sollte zumindest in Teilen offline nutzbar sein.
- Um Datenmengen beim Nutzer zu sparen, könnten neue Funktechnologien und
Minisender im Zusammenspiel mit einer App zum Einsatz kommen
- Ihre Bedienung sollte intuitiv verständlich sein.
- Interaktive Sprachassistenz (deutsch und mehrsprachig)
- Eine nachhaltige Finanzierung für technische und inhaltliche Updates muss
gewährleistet sein
- Ob eine solche App kostenfrei zu nutzen ist, oder über Werbung finanziert soll,
steht zur Diskussion
- Technische Sicherheit und Datenschutzstandards müssen gewährleistet sein
- Die App kann an bestehende Angebote, z.Bsp. die App Köln Guide der
KölnTourismus GmbH angeknüpft werden. Oder an die Kultur-App 'Via Culturalis' der
Stadt Köln mit 30 Hörstücken. Sie beinhaltet allerdings keine AR Funktion, sondern
führt mittels GPS und integriertem Kartenmaterial zu den einzelnen Stationen.
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- Es muss eine stadtweite Strategie zu AR vorausgedacht und mit der Stabstelle
Digitalisierung abgesprochen werden. Dies zum einen um zukunftsfähige
Kompatibilität und Modularität auch für andere städtische Projektplanungen zu
gewährleisten, als auch um einen zukunftsfähigen Service sicher zu stellen,
beispielsweise bei einem Anbieterwechsel.
8. Wettbewerb
Ein Wettbewerb liefert einen anschaulichen Vergleich unterschiedlicher Lösungen
und erleichtert Entscheidungen über ein Vorhaben. Er kann ein effizientes Format
sein, um Ideen von Experten und Kreativen zu einer Aufgabe zu sammeln und das
beste Anwendungskonzept zu finden. Dies gelingt bei einer klaren Definition der
Rahmenbedingen, der Vorgehensweise und des Prozessablaufs in der Auslobung.
Der anschließende Rahmen von Bekanntmachung und Auszeichnung eines
Favoriten, stellt wiederum eine öffentlichkeitswirksame Möglichkeit dar, um das
Anliegen zu kommunizieren und bekannt zu machen.
Um Ideen für die Ausarbeitung der oben aufgelisteten Ziele und Kriterien zu erhalten,
empfiehlt sich die Auslobung eines Wettbewerbs als geeignetes Mittel. Ein
Ideenwettbewerb, dem sich zunächst keine Beauftragung anschließt, kann als
Einladungswettbewerb an ausgewählte Bewerber ausgerufen werden.
Dazu wird die Verwaltung aufgefordert unter Einbeziehung des Kunstbeirats, der
Vertreter/innen der im Ausschuss Kunst und Kultur stimmberechtigten
Ratsfraktionen, für Marx des Kölnischen Stadtmuseum und des Landschaftsverband
Rheinland (LVR) sowie des Böll-Archivs und der Erbengemeinschaft Böll die
genauen Konditionen über die Wettbewerbsart und -stufen, die Verfahrensform und
Vergütung und Auszeichnungsvergabe durch eine zu bestimmende Jury für die
Wettbewerbsteilnehmer zu beschließen. Die Finanzierung eines Ideenwettbewerbs
wird von der Verwaltung mit rund 20.000 € geschätzt. Darin sind noch nicht Kosten
für eine weitere Umsetzung enthalten. Eine verbindliche Kostenschätzung sollte
deswegen Teil der Wettbewerbsleistungen sein.
Die Mittel für das gesamte Projekt sind noch nicht Bestandteil des städtischen
Haushaltes und bedürfen einer zusätzlichen Bewilligung durch den Rat.
8.1. Wettbewerbsaufgabe
Die Wettbewerbsaufgabe zielt in diesem Fall auf eine innovative, zukunftsweisende
Lösung im Bereich der Digitalisierung. Bei ihrer Umsetzung in moderner und
dynamischer Form, soll sie den Ökonomen Karl Marx und den Schriftsteller Heinrich
Böll, sowie weitere Persönlichkeiten in das Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger
Kölns sowie der Gäste der Stadt bringen. Bei den Ideeneinreichungen wäre eine
Projektbeschreibung inklusive von Visualisierungsbeispielen notwendig. Ob ein
Beitrag Weiterentwicklungspotenzial hat und wie groß die Chancen der Umsetzung
und Realisierung sind, sollten in der Einreichung mit bedacht werden. Der oder die
Gewinner/in müssen auf lange Sicht ein digitales Angebot pflegen und technisch
anpassen können, beziehungsweise die technischen Mittel zur Verfügung stellen.
8.2. Zusammenfassung
Im Rahmen eines Wettbewerbs sind insbesondere für folgende Punkte Vorschläge
zu entwickeln:
- Sichtbarmachung von Marx und Böll im Stadtraum Kölns
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- Ganzheitliche Lösung für die Hinzunahme weiterer historischer Persönlichkeiten
und Orte
- Ansprechen unterschiedlicher Alters- und Bildungsgruppen, sowie sozialer
Schichten
- Digitale Lösung im Rahmen der Augmented Reality
Dazu im Einzelnen:
- intuitive, barrierefreie und benutzerfreundliche Applikation
- interaktive mehrsprachige Bedienung
- grafisch ansprechendes Design
- einfacher Anmeldeprozess
- neuester Stand bei Datenschutz und Sicherheitsstandards
- Ideen zu weiteren Implementierungen
- Auswertungsmöglichkeiten
Die Ausformulierung eines Wettbewerbs sowie deren Abwicklung findet in
Zusammenarbeit mit dem Zentralen Vergabeamt der Stadt Köln statt.
9. Erfolgskontrolle
Zum Erfolg eines Projektes tragen die regelmäßige Evaluierung und eine
Qualitätsverbesserung bei. Dies ist ein kontinuierlicher Prozess. Nach 6 Monaten
sollte eine erste Evaluation erfolgen, in der die Daten direkt aus der App mit
beispielsweise anonyme Downloadzahlen, Nutzungsdauer und
Kommunikationsnutzung in einem Bericht analysiert und ausgewertet werden soll.
Weitere Möglichkeiten um den Erfolg einer App einzuschätzen, könnten
Presseartikel, soziale Medien, Bewertungsportale oder eventuelle
Kooperationspartner (z.Bsp. KölnTourismus) liefern. Direkte Befragungen durch die
App können ein Feedback geben. Die Erfolgskontrolle sollte in regelmäßigen
Abständen erfolgen. Der Bericht sollte allen beteiligten Akteuren zur stetigen
Qualitätsbesserung vorgelegt werden. Bei positiver Resonanz kann das Projekt stetig
und im Prozess ausgebaut und erweitert werden.
Anlage
Stadtplan von Köln (1851) mit Wohn- und Wirkungsstätten von Karl Marx, aus: Heinrich Billstein, Marx
in Köln, Köln, 1983, S. 6 und 7.
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Beschlussvorlage Ausschuss
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle VII/VII/2 Vorlagen-Nummer 0022/2020 Freigabedatum 13.01.2020 Beschlussvorlage zur Behandlung in öffentlicher Sitzung Betreff Konzept zum Wettbewerb zur Sichtbarmachung von Heinrich Böll und Karl Marx im Stadtbild Beschlussorgan Ausschuss Kunst und Kultur Gremium Datum Beschluss: Der Ausschuss Kunst und Kultur nimmt das Konzept zum Wettbewerb zur Sichtbarmachung von Heinrich Böll und Karl Marx im Stadtbild (Anlage 1) zur Kenntnis und beauftragt die Verwaltung mit der Umsetzung des Wettbewerbsverfahrens. Ausschuss Kunst und Kultur 28.01.2020 2 Haushaltsmäßige Auswirkungen Nein Auswirkungen auf den Klimaschutz Nein Ja, positiv (Erläuterung siehe Begründung) Ja, negativ (Erläuterung siehe Begründung) Begründung: Der Ausschuss Kunst und Kultur hat in seiner Sitzung am 26.11.2019 beschlossen, die Vorlagen zur Durchführung eines Wettbewerbs aus den Ratsanträgen AN/1869/2017 und AN/0620/2018 zurückzu- stellen und die Verwaltung beauftragt, ein Konzept zu den Wettbewerben vorzulegen. Das beigefügte Konzept soll als Grundlage für den nachfolgenden Wettbewerb dienen, dieser soll einen anschaulichen Vergleich unterschiedlicher Lösungen liefern und Entscheidungen über ein Vor- haben erleichtern. Er ist das effiziente Format, um Ideen von Experten und Kreativen zu einer Aufga- be zu sammeln und das beste Anwendungskonzept zu finden. Dies gelingt bei einer klaren Definition der Rahmenbedingen, der Vorgehensweise und des Prozessablaufs in der Auslobung. Um Ideen für die Ausarbeitung der oben aufgelisteten Ziele und Kriterien zu erhalten, empfiehlt sich die Auslobung eines Wettbewerbs als geeignetes Mittel. Ein Ideenwettbewerb, dem sich zunächst keine Beauftragung anschließt, kann als Einladungswettbewerb an ausgewählte Bewerber ausgeru- fen werden. Die Mittel für das gesamte Projekt sind noch nicht Bestandteil des städtischen Haushaltes und bedür- fen einer zusätzlichen Bewilligung durch den Rat.
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: endgültig abgelehnt
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 0022/2020
- Typ
- Beschlussvorlage Ausschuss
- Datum
- 13.01.2020
- Erstellt
- 08.01.2020 10:57