V/1210/2019
Abschlussbericht über die Untersuchungen von multiresistenten Keimen in Gewässern im Stadtgebiet Münster-Hiltrup
KI-Zusammenfassung
Klicken Sie, um eine KI-Zusammenfassung dieses Vorgangs zu erstellen.
KI-Analyse läuft...
vergangen
Was passiert gerade?
- 📄 Dokumente werden analysiert...
- 🤔 KI denkt nach (Reasoning-Modell)...
- ✍️ Zusammenfassung wird geschrieben...
- ⏳ Das dauert etwas länger bei komplexen Dokumenten...
Dieser Vorgang kann 1-3 Minuten dauern. Bitte lassen Sie die Seite geöffnet.
Anlage A
1746 Zeichen
Anlage A zur V/1210/2019 Kurzüberblick In einem Bericht werden die Ergebnisse der Untersuchung zum Vorkommen von multiresistenten Keimen in Gewässern in Münster-Hiltrup in der kalten Jahreszeit vorgestellt. Ziele/Teilziele/Zielerreichung Mit der Untersuchung von multiresistenten Keimen in Gewässern im Stadtgebiet Münster-Hiltrup wird das ISM-Ziel „Wir werden Münster zu einer Stadt mit höchster Lebens- und Erlebnisqualität weiterentwickeln“ mit dem Fokus der „hohen Umwelt- und Naturqualität“ verfolgt. Das Teilziel lautet: Schutz der Gesundheit von Mensch und Tier durch unbedenkliche Oberflä- chengewässer. Zielerreichung: Die von der Bezirksvertretung Münster-Hiltrup vorgeschlagenen Wasseruntersu- chungen wurden durchgeführt. Die Untersuchungsreihe dauerte von Dezember 2018 bis Februar 2019 und von Mai 2019 bis Juli 2019. Dabei wurden in nahezu monatlichen Abständen an allen neun in der Vorlage benannten Entnahmestellen Proben entnommen. Finanzierung Produktgruppe: 0701 Gesundheitsdienste Auswirkungen auf den Ergebnisplan Ja X Nein Auswirkungen auf den Finanzplan Ja X Nein Im beschlossenen (Nachtrags-)Haushaltsplan 2019 enthalten? Ja X Nein Teilw. Im Entwurf des (Nachtrags-)Haushaltsplan 2020 enthalten? Ja X Nein Teilw. Belastungen in zukünftigen HH-Jahren? Ja X Nein Bereits veranschlagt? Ja X Nein Diese Vorlage hat keine finanziellen Auswirkungen. Pflichtigkeitsgrad Die Maßnahme/Leistung ist vollständig pflichtig überwiegend pflichtig X überwiegend freiwillig vollständig frei- willig Infektionsschutzgesetz Ratsbeschluss vom 19.9.2018 Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen (Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration)
Berichtsvorlage
2378 Zeichen
V/1210/2019 V/1210/2019 Öffentliche Berichtsvorlage Betrifft Abschlussbericht über die Untersuchungen von multiresistenten Keimen in Gewässern im Stadtgebiet Münster-Hiltrup Beratungsfolge 23.01.2020 Bezirksvertretung Münster-Hiltrup Bericht 28.01.2020 Ausschuss für Umweltschutz, Klimaschutz und Bauwesen Bericht 05.02.2020 Ausschuss für Soziales, Stiftungen, Gesundheit, Verbraucher- schutz und Arbeitsförderung Bericht Bericht: Am 30.08.2018 hat die Bezirksvertretung Münster -Hiltrup angeregt, Gewässer -Untersuchungen im Stadtbezirk Hiltrup zum Vorkommen von multiresistenten Keimen vorzunehmen. In der Anregung der Bezirksvertretung Münster-Hiltrup werden neun Probenahmestellen (Obe rflächengewässer und A b- wasser) aufgeführt. In der Ratssitzung vom 19.09.2018 wurde die Anregung der Bezirksvertretung Hiltrup: „Untersuchung über das Vorkommen von multiresistenten Keimen im Stadtbezirk Hiltrup“ vom 30.08.2018 zur Bea r- beitung an die Verwa ltung und Berichterstattung im Ausschuss für Umwelt schutz, Klimaschutz und Bauwesen verwiesen. Beteiligt wurden die Dezernate/Ämter III, V, VI, Amt für Mobilität und Tiefbau , Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit unter Federführung des Gesundheits - und Veteri- näramtes. Mit der Öffentlichen Berichtsvorlage V/0300/2019 vom 23.04.2019 wurde ein Zwischenbericht in der Bezirksvertretung Hiltrup, im Ausschuss für Soziales, Stiftungen, Gesundheit, Verbraucherschutz und Arbeitsförderung und im Ausschuss fü r Umweltschutz, Klimaschutz und Bauwesen zum Fortschritt der Untersuchungen gegeben. Der nachfolgende Abschlussbericht wurde in enger Zusammenarbeit des Instituts für Hygiene (Prof. Dr. Thorsten Kuczius) der Universitätsklinik Münster mit dem Gesundheits- und Veterinäramt der Stadt Münster erstellt. Die Anregung an den Rat ABV/0010/2018 „Untersuchung über das Vorkommen von multiresistenten Keimen im Stadtbezirk Hiltrup“ ist hiermit erledigt. Gesundheits- und Veterinäramt 10.01.2020 Ihr/e Ansprechpartner/in: Herr Dr. Schulze Kalthoff Herr Dr. Lürwer Herr Dr. Neumann Telefon: 492-5301 gesundheitsamt@stadt- muenster.de - 2 - V/1210/2019 In Vertretung Gez. Cornelia Wilkens Stadträtin Anlagen: Abschlussbericht über die Untersuchungen von Multiresistenten Keimen in Gewässern im Stadtgebiet Münster-Hiltrup
V-1210_2019_multiresistende keime-Abschlussbericht
25506 Zeichen
Abschlussbericht über die Untersuchungen von multiresistenten Keimen in Gewässern im Stadtgebiet Münster -Hiltrup (12/2018 – 08/2019) Verfasser: Prof. Dr. Th. Kuczius, Institut für Hygiene des Universitätsklinikums Münster Gesundheits- und Veterinäramt 2 Inhalt 1. Einleitung ..................................................................................................................... 3 2. Methodik ...................................................................................................................... 4 3. Ergebnisse .................................................................................................................. 5 4. Vergleich der Ergebnisse aus Münster mit der bundesweit angelegten HyReKa-Studie ................................................................................................................................... 9 5. Fazit ............................................................................................................................ 9 6. Empfehlungen ........................................................................................................... 10 7. Ausblick ..................................................................................................................... 10 8. Abkürzungen ............................................................................................................. 11 9. Literaturangaben ....................................................................................................... 12 3 1. Einleitung Bakterien können beim Menschen Infektionen verursachen. Diese Infektionen lassen sich in der Regel mit Antibiotika behandeln. Einige Bakterien sind jedoch inzwischen unempfindlich gegenüber mehreren Antibiotika. Man spricht in diesem Fall von multiresistenten Erregern. Am bekanntesten sind der Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) und die multiresistenten gram-negativen Bakterien (MRGN). Bei diesen Erregern wirken die meisten Antibiotika nicht mehr. Für gesunde Menschen ist der Kontakt zu diesen Keimen in der Regel ungefährlich. Sie erkranken nicht, auch wenn sie mit diesen Keimen besiedelt sind. Wenn die Erreger zum Beispiel auf der Hautoberfläche getragen werden, können diese unbewusst an andere Menschen weitergegeben werden. Wenn auch meist ungefährlich, stellen die Erreger ein erhöhtes Risiko für die menschliche Gesundheit bei Personen dar, die ein geschwächtes Immunsystem haben. Zu diesem Personenkreis zählen vorerkrankte Personen mit einem geschwächten Immunsystem, Schwangere, Kleinkinder und ältere Menschen. Vor allem aber sind Patienten bei Krankenhausaufenthalten mit schweren Erkrankungen verstärkt einem Infektionsrisiko ausgesetzt, wie z.B. im Rahmen eines operativen Eingriffs oder bei schweren Erkrankungen wie Krebs. Wenn sich diese Personen mit derartigen Erregern infizieren, ist eine Behandlung deutlich erschwert, weil nur noch sehr wenige Antibiotika wirken. Im schlimmsten Fall kann die Infektion sogar tödlich verlaufen. 2018 hat das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) eine Studie zur Krankheitslast durch multiresistente Erreger (MRE) für ganz Europa veröffentlicht Die Studie basiert auf europaweiten Zahlen aus dem Jahr 2015. Den Hochrechnungen zufolge erkranken demnach in Europa jedes Jahr ca. 670.000 Menschen an Infektionen durch MRE. In Deutschland sind es rund 54.500 Menschen pro Jahr. Etwa zwei Drittel dieser Infektionen steht nach Angaben der Autoren mit einer medizinischen Behandlung in Zusammenhang. (Exner, Schmitthausen, 2019). Im Rahmen einiger aktueller Studien wurden multiresistente Keime in Wässern, die sich über Abwässer oder Mastbetriebe in der Umwelt ausbreiten, nachgewiesen. Die Erreger aus der Umwelt können unter bestimmten Umständen zurück zu den Menschen gelangen. Resistente Bakterien treten gehäuft dort auf, wo intensiv Antibiotika verwendet werden. Zunehmend werden multiresistente Bakterien auch bei der ambulant behandelten Bevölkerung isoliert. Dies lässt vermuten, dass humanpathogene Erreger, die in die Umwelt gelangt sind, wieder auf den Menschen übertragen werden. Für die Durchführung der geplanten Wasseruntersuchungen konnte das Institut für Hygiene des Universitätsklinikums Münster gewonnen werden. Gegenstand des Vertrags mit der UKM waren 33 Beprobungen im Stadtbezirk Hiltrup mit mindestens 150 differenzierten mikrobiologischen Analysen. Für die ersten Untersuchungen auf das Vorhandensein von MRGN und MRSA boten sich Krankenhausabwässer und Oberflächenwasser an. Aufgrund der niedrigen 4 Temperaturen in den Herbst- und Wintermonaten konnte diese erste Untersuchungsreihe jedoch nur einen ersten vergleichenden Eindruck liefern. 2. Methodik In einem ersten Schritt wurden orientierend an zwei Entnahmestellen (Nr. 1 und Nr. 7 in der nachfolgenden Tabelle) am 06.12.2018 und 19.02.2019 Wasserproben entnommen. Diese zwei Probenahmestellen sollen exemplarisch die gewählten Wasserarten Oberflächengewässer (z. B. Emmerbach) und Abwasser (z. B. Herz-Jesu-Krankenhaus) abbilden. Die Probennahmestellen wurden in den Frühjahrs- und Sommermonaten 2019 um sieben Probenahmestellen erweitert. Daher wurden in einem zweiten Schritt im Mai bis Juli/ August 2019 in monatlichen Abständen an den neun in der nachfolgenden Tabelle (Tab. 1) benannten Entnahmestellen Proben entnommen und untersucht (Untersuchungsdaten: 28.05.2019, 26.06.2019, 06.08.2019). Der Gesamtumfang der Probennahmestellen ist in der folgenden Tabelle abgebildet (Tab. 1). Tab.1: Probenahmestellen (auf Anregung der BV Münster-Hiltrup) Lfd.- Nr. Probenahmeort Wasserart 1 Emmerbach Im Bereich des Zuflusses auf das Stadtgebiet (Bereich Davertstraße/ zum Klosterholz) Oberflächengewässer 2 Emmerbach Im Bereich Hiltrup-Ost nach Durchfluss der Kanalinsel südlich Paul-Klee-Weg Oberflächengewässer 3 Emmerbach In Höhe des Lailly-en-Val-Platzes in Amelsbüren Oberflächengewässer 4 Hiltruper See Im Bereich der Sandstrände im Südwesten und Osten Oberflächengewässer 5 Dortmund-Ems-Kanal (DEK) Im Bereich Freibad Hiltrup/ südlich der Kanalinsel Oberflächengewässer 6 Kannenbach Im Bereich Feuerstiege/ Wilbrenning Oberflächengewässer 7 Probenahme aus dem Abwasser des Herz-Jesu- Krankenhauses Abwasser 8 Probenahme aus dem Zufluss der Kläranlage auf der Kanalinsel in Hiltrup Abwasser 9 Probenahme aus dem gereinigten Abfluss der Kläranlage auf der Kanalinsel in Hiltrup Abwasser 5 Um eine Vergleichbarkeit mit den HyReKA-Studienergebnissen sicherzustellen, wurde in Münster dieselbe Probenahme und dieselbe Untersuchungsmethodik wie die in der HyReKA-Studie verwendeten Methodik, angewandt. Dafür wurde die Gesamtkeimzahl aller kultivierbaren Mikroorganismen ermittelt, die bei 22°C auf DEV Nähragar (Nähragar zur Kultivierung und Keimzahlbestimmung) anzüchtbar waren. Gegen verschiedene Antibiotikagruppen multiresistente Enterobakterien (Darmkeime) wurden auf spezifischen Nährböden kultiviert. Zur Prüfung wurden stichprobenartig morphologisch unterschiedlich aussehende Bakterienkolonien isoliert, charakterisiert und identifiziert. Die Untersuchungen in Münster können allerdings nur eine Momentaufnahme zu den genannten Zeitpunkten an den definierten Stellen darstellen, da es sich bei der Probennahme um unabhängige Stichproben handelt. 3. Ergebnisse Wasserproben von Oberflächenwasser und Klinikabwasser wurden in den Winter-, Frühjahrs- und Sommermonaten 2018 - 2019 an zwei ausgewählten Probenstellen entnommen. Das umfangreiche Untersuchungsspektrum umfasste Oberflächenwasser am Beispiel des Emmerbachs, Klinikabwasser am Beispiel des Herz-Jesu- Krankenhauses und Abwasser einer Kläranlage am Beispiel der Kläranlage Hiltrup auf der Kanalinsel. Im Rahmen der Untersuchungen wurde die Gesamtkeimzahl (GKZ) in 1 ml Proben- wasser nach Inkubation der (Bebrütungs-)Platten bei 22°C und bei 36°C bestimmt. In den nachfolgenden Tabellen werden nur die bei 36°C bebrüteten Keime (Keimzahlen) aufgeführt, da hier die eher humanpathogenen Keime nachgewiesen wurden. Bei den 22°C-Keimzahlen fanden sich meist Keime, die der Gruppe der Umweltkeime zuzurechnen sind. Coliforme Bakterien zählen zu den Enterobakterien, die zum Teil Anzeiger von Fäkaleinträgen sind und zum Teil Umweltkeime repräsentieren. Die Zahlen entsprechen der Anzahl an Coliformen Keimen in 1 ml. ESBL-Bildner sind Bakterien, die ein erweitertes Spektrum an Resistenzen gegen β- Laktam-Antibiotika aufweisen. Die angegebenen Zahlen entsprechen der Keimanzahl in einem 1 ml Probenvolumen. VRE sind Vancomycin-resistente Enterokokken und MRSA sind Methicillin-resistente Staphylokokken. Die Zahlen der Keimanzahl beziehen sich auf 1 ml Probenvolumen. Weiterhin wurde die Temperatur des Wassers bei Probennahme bestimmt und in Grad- Celsius (°C) angegeben. Die einzelnen Ergebnisse der Untersuchungen an den verschiedenen Probenahmestellen sind in den folgenden Tabellen aufgelistet. 6 Probennahme am 06.12.2018 Tab. 1: Ergebnisse der Probennahme vom 06.12.2018 Lfd.-Nr. GKZ (36°C) Coli- forme ESBL VRE MRSA Temp. (°C) 3 Emmerbach Lailly-en-Val-Platz 0 100 1 0 0 6,0 7 Herz-Jesu- Krankenhaus 91333 9000 550 4 0 19,1 Probennahme am 19.02.2019 Tab. 2: Ergebnisse der Probennahme vom 19.02.2019 Lfd.-Nr. GKZ (36°C) Coli- forme ESBL VRE MRSA Temp. (°C) 3 Emmerbach Lailly-en-Val-Platz 400 65 1,9 0 0 5,9 7 Herz-Jesu- Krankenhaus 54000 5000 1100 10 0 19,1 Probennahme am 28.05.2019 Tab. 3: Ergebnisse der Probennahme vom 28.05.2019 Lfd.-Nr. GKZ (36°C) Coli- forme ESBL VRE MRSA Temp. (°C) 1 Emmerbach Zum Kloster-holz 200 65 2 0 0 15,6 2 Emmerbach Paul-Klee-Weg 1090 50 11 0 0 15,4 3 Emmerbach Lailly-en-Val-Platz 500 230 4 0 0 13,8 4 Hiltruper See 30 60 1 0 0 17,4 5 Dortmund-Ems-Kanal 10 1 1 0 0 16,9 6 Kannenbach 900 50 3 0 0 12,1 7 Herz-Jesu- Krankenhaus 183000 3500 1900 15 0 24,1 8 Kläranlage Hiltrup - Zufluss 280000 240000 4700 13 0 15,6 9 Kläranlage Hiltrup - Abfluss 0 40 10 0 0 17,4 7 Probennahme am 26.06.2019 Tab. 4: Ergebnisse der Probennahme vom 26.06.2019 Lfd.-Nr. GKZ (36°C) Coli-forme ESBL VRE MRSA Temp. (°C) 1 Emmerbach Zum Kloster-holz 500 46 1 0 0 24,6 2 Emmerbach Paul-Klee-Weg 920 6 1 0 0 23,1 3 Emmerbach Lailly-en-Val-Platz 1500 630 5 0 0 25,1 4 Hiltruper See 200 7 1 0 0 27,6 5 Dortmund-Ems- Kanal 100 7 0 0 0 25,1 6 Kannenbach ausgetrocknet 7 Herz-Jesu- Krankenhaus 160000 710000 1200 16 0 26,1 8 Kläranlage Hiltrup - Zufluss 80000 102000 4200 12 0 19,4 9 Kläranlage Hiltrup - Abfluss 700 4100 110 6 0 22,4 Probennahme am 06.08.2019 Tab. 5: Ergebnisse der Probennahme vom 06.08.2019 Lfd.-Nr. GKZ (36°C) Coli-forme ESBL VRE MRSA Temp. (°C) 1 Emmerbach Zum Kloster-holz 3200 210 0 0 0 20,2 2 Emmerbach Paul-Klee-Weg 3700 445 7 0 0 19,8 3 Emmerbach Lailly-en-Val-Platz 1750 307 1 0 0 20,4 4 Hiltruper See 2480 52 1 0 0 23,8 5 Dortmund-Ems- Kanal 168 24 0 0 0 23,1 6 Kannenbach ausgetrocknet 7 Herz-Jesu- Krankenhaus 2280000 2000000 8000 10 0 25,6 8 Kläranlage Hiltrup - Zufluss 1830000 200000 3900 35 0 20,3 9 Kläranlage Hiltrup - Abfluss 390 87 25 3 0 21,8 8 Zusammengefasst zeigen die Ergebnisse • In nahezu allen Wasserproben wurden Bakterienkeime gefunden. Die Anzahl war erwartungsgemäß im Oberflächengewässer deutlich geringer als in den Abwasser- proben. • Es wurden sog. coliforme Keime nachgewiesen. Coliforme Keime sind Bakterien, die u.a. über definierte Säure- und Gas-bildende Eigenschaften verfügen. Dazu zählen unter anderem die Gattungen Citrobacter, Enterobacter, Klebsiella so wie auch die Bakterienart Escherichia coli (E. coli). Erstgenannte Gattungen stellen typische Darmkeime aber auch klassische Umweltkeime dar. Diese sowie E. coli gelten als Indikatororganismen für die sanitäre Qualität von Wasser. • In keiner der untersuchten Proben wurde der Methicillin- und multi-resistente Staphylocuccus aureus (MRSA) nachgewiesen. • Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE) wurden nur vereinzelt isoliert. • Die Proben „Oberflächengewässer Emmerbach“ waren bei allen Probenahme- Zeitpunkten sehr gering mit Enterobakterien und multiresistenten Erregern belastet. Im Emmerbach wurden überwiegend sog. „Umweltkeime“ gefunden, d. h. keine Fäkalkeime. Vereinzelt fanden sich auch Darmbakterien, die z. B. durch Tiere eingetragen worden sein konnten. Der Temperatureinfluss war nur von geringer Bedeutung. • Im Hiltruper See und im Dortmund-Ems-Kanal wurden in den Proben ebenfalls überwiegend „Umweltkeime“ gefunden. Nur vereinzelt fanden sich Darmbakterien, die durch Tiere oder Menschen eingetragen worden sein konnten. • Die Bakterienlast in Abwässern (Klinik und Kläranlage) war grundsätzlich höher ist als in Grund- und Oberflächenwässern. Die nachgewiesenen Bakterien wiesen gehäuft multiresistente Eigenschaften auf. • Im Klinikabwasser und im Zulauf der Kläranlage wurden vorwiegend Fäkal- und Darmkeime bestimmt. • Es gelangen noch vereinzelt E. coli und coliforme Keime (Darmbakterien, die Resistenzen aufweisen können) in den Vorfluter (hier: Emmerbach) trotz sehr guter Reinigungsleistung der Kläranlage. • Die meisten der isolierten multiresistenten Keime zeigten ESBL-Eigenschaften mit einem erweiterten Spektrum an Antibiotika-Resistenzen. Zahlreiche Isolate wurden der Gruppe der 3MRGN zugeordnet mit Resistenzen gegen 3 der 4 Antibiotikagruppen (Penicilline, 3./4. Generations-Cephalosporine und Fluorochinolone) und ein Isolat konnte mit dem 4MRGN-Phänotyp mit zusätzlicher Resistenz gegen Carbapeneme bestimmt werden. Bei der Interpretation der Ergebnisse ist zu berücksichtigen, dass es sich jeweils um einmalige Stichproben in den Monaten Dezember, Februar, Mai, Juni und August handelt. 9 4. Vergleich der Ergebnisse aus Münster mit der bundesweit angelegten HyReKa-Studie Untersuchungen Münster HyReKA MRSA keine Vereinzelt Abwässer der Kläranlage belastet mit multiresistenten Bakterien im Zufluss belastet mit multiresistenten Bakterien im Zufluss Abwässer der Klinik Hohe Belastung mit multiresistenten Bakterien Hohe Belastung mit multiresistenten Bakterien Oberflächenwässer Geringe Belastung mit Multiresistenten Bakterien Geringe Belastung mit Multiresistenten Bakterien (ohne Zufluss von Tierställen) In den Untersuchungen der HyReKa-Studie waren Klinikabwässer am stärksten mit multiresistenten gram-negativen Bakterien belastet (Schreiber u.a., 2019, Kliniken und andere Krankenhäuser). Krankenhausbereiche mit hohem Antibiotikaverbrauch sind ein Hot-Spot für multiresistente fakultativ pathogene Bakterien (3-fach und 4-fach MRGN) (Schwartz u.a., 2019, Kommunale Kläranlagen/ Behandlungsverfahren). Mehrere Publikationen weisen darauf hin, dass eine nachhaltige Kontrolle erst unter Einbeziehung von Maßnahmen am Abwasser-führenden System gelang (Hyg. Med. 2018). Hohe Belastungen mit multi-resistenten Keimen finden sich in Kläranlagen, vor allem im Zulauf (Schreiber u.a., 2019). Dieses Phänomen war auch in Münster mit hoher Keimbelastung und dem Nachweis zahlreicher multi-resistenter Bakterien erkennbar. Im Ablauf der Kläranlage Hiltrup sind diese hochresistenten Bakterien aufgrund sehr guter Reinigungsleistung (3 log-Stufen = 99,9 %) nur noch vereinzelt nachweisbar. Dieses Ergebnis wurde auch in der HyReKA-Studie gezeigt, denn in den Kläranlagen wurden die Keime um 3-4 log-Stufen reduziert. 5. Fazit Antibiotikaresistente Bakterien und Resistenzgene sind in Abwässern weit verbreitet. In Oberflächengewässern sind die Resistenzen ebenfalls nachzuweisen, jedoch in geringen Keimzahlen. Die höchsten Keimzahlen und Anzahlen multiresistenter Keime wurden in Klinikab- wasser und Zulauf der Kläranlage gefunden. In Oberflächenwasser (Fluss, Bach, See), finden sich geringe Keimzahlen (Umweltkeime, Wasserkeime) und geringe Werte an multiresistenten Keimen. Kliniken erscheinen als Schwerpunkt-Emittenten für multiresistente Keime. 10 In Kläranlagen werden Keim-Reduktionen um 3-4 log-Stufen erreicht. Dennoch werden, wenn auch nur in geringer Anzahl, multiresistente Keime ins Gewässer geleitet. In der Untersuchung in Münster wurde kein MRSA nachgewiesen. Bei der HyReKA- Studie wurden sehr vereinzelt MRSA-Keime nachgewiesen Eine Gefährdung des Trinkwassers ist derzeit nicht zu befürchten, wenn die anerkannten Regeln der Technik eingehalten werden und das Trinkwasser den gesetzlichen hygienisch-mikrobiologischen Anforderungen entspricht. Es ergaben sich keine Hinweise auf akute Gesundheitsgefahren für die Allgemeinbevölkerung. 6. Empfehlungen • Die Gefahr einer Infektion über multiresistente Wasserkeime ist ebenso gering wie die Infektionsgefahr über klassische Wasserkeime aus Oberflächen- gewässern. Diese Gefahr kann deutlich minimiert werden, wenn die üblichen bekannten Hygieneregeln beachtet werden. • Beim Gießen von Pflanzen sowie beim Bewässern von Gemüse ergeben sich aus den Untersuchungsergebnissen keine über die bekannten Hygieneregeln hinausgehende Empfehlungen. Grundsätzlich gilt die Empfehlung, Ernteprodukte immer vor der Nutzung als Lebensmittel mit Trinkwasser waschen bzw. spülen. • Beim Baden sind die allgemein bekannten Hygieneregeln zu beachten (Duschen nach Baden in Flüssen, Bächen, Seen). Hier ergeben sich aus den Untersuchungsergebnissen in Münster keine weiteren Vorsichtsmaßnahmen. • Eine regelmäßige Aus-, Fort- und Weiterbildung von medizinischem und pharmazeutischem Personal für den verantwortungsvollen und rationalen Einsatz von Antibiotika in Form eines „Antibiotic Stewardship“ wird empfohlen. • Reserveantibiotika (s. WHO Model List of Essential Medicines, Juni 2019) sollten Notfällen vorbehalten sein. 7. Ausblick Aus Vorsorgegründen sollte grundsätzlich sowohl in der Tier- als auch in der Humanmedizin ein verantwortungsvoller und umsichtiger Umgang mit Antibiotika angestrebt werden. Soweit konkrete Quellen für einen erheblichen Eintrag von multiresistenten Bakterien bzw. klinisch relevanten Antibiotikaresistenzgenen (z.B. bestimmte Krankenhaus- oder Tiermastbereiche) identifiziert werden können, erscheinen Maßnahmen zur Reduktion bzw. Vermeidung „an der Quelle“ besonders effektiv und effizient zu sein. So legte die KRINKO kürzlich einen Entwurf mit zahlreichen Empfehlungen vor, die das Risiko einer Exposition und nachfolgender Kontamination, Besiedlung oder Infektion mit multiresistenten Keimen in medizinischen Einrichtungen senken sollen. Es werden sowohl baulich-funktionelle bzw. –technische sowie betrieblich-organisatorische 11 Maßnahmen empfohlen. Die Empfehlungen der KRINKO stellen den wissenschaftlichen Kenntnisstand dar und sind für die Krankenhäuser und andere medizinische Einrichtungen bindend. Die Einhaltung der Vorgaben der KRINKO-Empfehlungen ist Gegenstand wiederkehrender Prüfungen des Gesundheits- und Veterinäramtes. Bei dem für die Krankenhäuser gerade zu erwerbenden euregionalen Qualitätssiegel EQS-4 stellt der rationale und verantwortungsvolle Einsatz von Antibiotika im Sinne des Antibiotic Stewardship ein Schwerpunktthema dar, welches durch das Gesundheitsamt in Zusammenarbeit mit dem Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen nach- geprüft und bewertet wird. In einer Zwischenbilanz der Deutschen Antibiotika-Resistenzstrategie werden erste Erfolge dokumentiert. So verordnen niedergelassene Ärzte, die in Deutschland ca. 85 % aller Antibiotika verordnen, in den vergangenen Jahren signifikant weniger systemisch wirkende Antibiotika. Es konnte bezogen auf alle Altersklassen ein Rückgang um 21 % verzeichnet werden. Besonders stark sind die Verschreibungen für Kinder zurückge- gangen. „Insgesamt zeigten sich in den letzten Jahren ein deutlicher Rückgang der Abgabe- mengen von Antibiotika an Tierärztinnen und Tierärzte und ein Rückgang der Kenn- zahlen der Therapiehäufigkeit, die nach dem Arzneimittelgesetz erfasst werden müssen. Auch bei den Resistenzraten gegen verschiedene Antibiotika deutet sich in vielen Bereichen eine rückläufige Tendenz an“ (aus: Lagebild zur Antibiotikaresistenz im Bereich Tierhaltung und Lebensmittelkette, Juli 2018, Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft). Die Abgabemengen von Antibiotika-Grundsubstanzen an Tierärzte konnten in Deutschland von 2011 bis 2018 um 983,2 Tonnen (!) reduziert werden (Deutsches Tierärzteblatt, 2019). Die Fachstelle für das Veterinärwesen im Amt 53 führt seit 2014 betriebliche Kontrollen der Dokumentation („Tierarzneimitteldatenbank“) über den Einsatz von Antibiotika durch. Der rückläufige Antibiotikaverbrauch in der Tiermast kann auch für Münster bestätigt werden. Die derzeit bekannten Verfahren im Rahmen einer „4. Reinigungsstufe“ zur weiter- gehenden Abwasserbehandlung in Kläranlagen sind nach gegenwärtigem Kenntnisstand nicht zuverlässig geeignet, um Antibiotikaresistenzen zu entfernen. So stellt ein Aktivkohlefilter keine Barriere für Keime dar. Durch Ozonung kann es zu einer ungewollten Selektion von resistenten Keimen kommen. Auch Resistenzgene werden durch die üblichen Ozondosen kaum reduziert. Mit Ultrafiltrationsmembranverfahren kann mit hohem Aufwand die Zahl der Keime zwar stark reduziert werden, sie stellen jedoch keine Barriere für Resistenzgene dar (Stellungnahme der Emschergenossen- schaft/Lippeverband, 13.6.18). Das Amt für Mobilität und Tiefbau weist in diesem Zusammenhang auf die besonderen Herausforderungen bei der Klärung von Abwässern in Kläranlagen in Zeiten besonderer Wasserknappheit sowie auf Risiken im Zusammenhang mit Mischwasserentlastungsanlagen hin. 8. Abkürzungen BMBF = Bundesministerium für Bildung und Forschung HyReKa = BMBF-Verbundprojekt zur Erforschung der biologischen und hygienisch- medizinischen Relevanz und Kontrolle Antibiotika-resistenter Krankheitserreger in 12 klinischen, landwirtschaftlichen und kommunalen Abwässern und deren Bedeutung in Rohwässern MRSA = Methicillin-resistente Staphylococcus aureus ECDC = Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (European Centre for Disease Prevention and Control) MRE = Erreger mit Vielfachresistenzen gegen Antibiotika (Multiresistente Erreger, MRE) sind Bakterien, gegen die die meisten Antibiotika unwirksam geworden sind. UKM = Universitätsklinikum Münster MRGN = Abkürzung für multiresistente gramnegative Stäbchenbakterien. Zu diesen gehören Darm bakterien (wie Klebsiella pneumoniae, Escherichia coli) und andere Keime (Acinetobacter baumannii, Pseudomonas aeruginosa) DEV-Nähragar = Der gebrauchsfertige Nähragar nach DEV ist zur Kultivierung und Keimzahlbestimmung - auch im Gussplattenverfahren- von Bakterien mit durchschnittlichen Nährstoffansprüchen aus Wasser und Lebensmitteln geeignet. Er entspricht den Anforderungen nach § 35 LMBG, des DEV – Deutsches Einheitsverfahren und der DIN 38411. ESBL steht für Extended spectrum ß-lactamase. Diese Laktamasen sind Enzyme, die von verschiedenen sog. gramnegativen Bakterien (z. B. Escherichia coli oder Kebsiella pneumoniae und andere im Darm vorkommende Bakterien) produziert werden können und gegen zahlreiche Antibiotikagruppen resistent sind. ESBL-Bildner = ESBL-bildende Erreger VRE = Die Abkürzung VRE steht für Vancomycin resistente Enterokokken. Der wichtigste Vertreter dieser Gruppe von Bakterien ist der Enterococcus faecium. Resistent bedeutet, dass die gängigen zur Behandlung eingesetzten Antibiotika nicht wirksam sind. 9. Literaturangaben Antrag der Partei „Bündnis 90/ Die Grünen/ GAL“ an den Rat der Stadt Münster „Multiresistente Keime im Grundwasser, 15.02.2018 Anfrage der Partei „Die Linke“ vom 18.02.2018 Berichtsvorlage V/0300/2019 vom 23.4.2019 mit Anlage M. Exner, R. Schmithausen, C. Schreiber, u.a.; Zum Vorkommen und zur vorläufigen hygienisch-medizinischen Bewertung von Antibiotika-resistenten Bakterien mit humanmedizinischer Bedeutung in Gewässern, Abwässern, Badegewässern sowie zu möglichen Konsequenzen für die Trinkwasserversorgung; Zeitschrift Hygiene und Medizin, S. 46 - 57, Mai 2018 Anhörung des Umweltausschusses im Deutschen Bundestag am 13.6.2018: Stellungnahme der Emschergenossenschaft/Lippeverband; BT-Drucksache 19/1159 13 K.Westphal-Settele, S. Konradi, u.a.: Die Umwelt als Reservoir für Antibiotika- resistenzen; Bundesgesundheitsblatt 2018-61:533-542 Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz: Orientierende Untersuchung über das Vorkommen multiresistenter Bakterien an niedersächsischen Kläranlagenstandorten und in Oberflächengewässern; 09/2018 C.Schreiber, R.Schmithausen, M.Exner, 2019: Kliniken und andere Krankenhäuser T.Schwartz, J.Pinnekamp, C.Hiller, 2019: Protokoll zur Diskussionsinsel „Kommunale Kläranlagen/ Behandlungsverfahren“ zur HyReKA-Abschlussveranstaltung am 3.4.2019 Entwurf einer Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut: „Anforderungen der Hygiene an abwasserführende Systeme in medizinischen Einrichtungen“; Stand: 3.10.2019 Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie – Eine Zwischenbilanz; Deutsches Ärzteblatt, 1662-1664, 8.Nov. 2019 Antibiotikamengenerfassung von Antibiotika in Deutschland 2018; Deutsches Tierärzteblatt, 2019; 67 (8); S.1082 ff
Beratungsverlauf (3)
Beschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungOrte (6)
- Davertstraße
- Paul-Klee-Weg 1090
- Lailly-en-Val-Platz 0
- Zum Klosterholz
- Feuerstiege
- Wilbrenning
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Aktenzeichen
- V/1210/2019
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 19.12.2019
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37