V/0377/2018
Straßenbenennungen im Gebiet des Bebauungsplans Nr. 509 Wolbeck - Am Steintor / Petersheide / Petersdamm
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Übersichtsplan
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Hof fmannweg Petersdamm Baumgartenweg Weinbergweg Heilbronnweg Philippsweg Jacob-von-Korbach-W eg Jacob-von-Korbach-W eg
Beschlussvorlage
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V/0377/2018 V/0377/2018 Öffentliche Beschlussvorlage Betrifft Straßenbenennungen im Gebiet des Bebauungsplans Nr. 509 Wolbeck - Am Steintor / Petersheide / Petersdamm Beratungsfolge 19.06.2018 Bezirksvertretung Münster-Südost Entscheidung Beschlussvorschlag: I. Sachentscheidung: Die Straßen im Bebauungsplan Nr. 509, Wolbeck – Am Steintor / Petersheide / Petersdamm erhal- ten die Straßennamen Jacob-von-Korbach-Weg, Baumgartenweg, Weinbergweg, Heilbronnweg, Philippsweg und Hoffmannweg entsprechend der Darstellung im Übersichtsplan. II. Finanzielle Auswirkungen: Es entstehen keine Kosten und keine Folgekosten. Begründung: Der Bebauungsplan Nr. 509 ist seit dem 23.06.2017 in Kraft. Die Straßenbenennungen sind erforderlich, weil bereits Grundstücke verkauft und Bauanträge gestellt wurden. Ein häufig wiederkehrendes Thema der letzten Jahre in Wolbeck war die Aufarbeitung der G e- schichte der jüdischen Familien. Frau Dr. Gudrun Beckmann-Kircher, Frau Monika Simonsmeier und Herr Peter Schilling haben intensive Recherchearbeit in Archiven angestellt, Gespräche mit Zeitzeugen und den Nachfahren der Familien geführt. Wolbecker Bürger haben die Verlegung von 33 Stolpersteinen unterstützt. Die Arbeiten mündeten in einem Buch -Projekt, das die G e- schichte der Wolbecker Juden erzählt und mit vielen Dokumenten, Fotos und persönlichen Brie- fen belegt. Deshalb wandte sich die Verwaltung an Frau Dr. Beckmann -Kircher mit der Bitte um Vorschläge für Straßennamen. Demnach könnten die Straßen die Namen Jacob von Korbach, Baumgarten, Hoffmann, Weinberg, Philipps und Heilbronn erhalten. Fr au Beckmann -Kircher schreibt dazu: Vermessungs- und Katasteramt 28.05.2018 Ihr/e Ansprechpartner/in: Herr Zimmermann Telefon: 492 62 42 ZimmermannBernhard@stadt- muenster.de - 2 - V/0377/2018 "Diese Namen stehen beispielhaft für die jüdische Geschichte des Ortes. Jakob von Korbach war der erste nachweisbare Jude in Wolbeck. Die anderen Namen sind ebenfalls schon früh erwähnt. Die Familien waren über Generation en in Wolbeck ansässig oder Mitglieder der Familien haben sich um den Ort verdient gemacht. Die zeitliche Spanne reicht von der ersten Erwähnung bis in die NS-Zeit." Zu Jacob von Korbach und den jüdischen Familien finden sich ausführliche Informationen in dem Buch „ Spuren der Erinnerung an jüdische Familien in Wolbeck“ von Peter Schilling, Gudrun Beckmann-Kircher, Monika Simonsmeier, Münster 2016. Die unten angegebenen Seitenzahlen beziehen sich auf dieses Buch. Jacob-von-Korbach-Weg Als 1541 am Ende der Täuferherrschaft alle Juden aus der Stadt Münster verwiesen wurden, nahm Jacob von Korbach seinen Wohnsitz in Wolbeck. Das Aufenthaltsrecht in Münster wurde immer nur für kurze Zeit erteilt. Deshalb konnte Jacob von Korbach seinen „medizinischen Tätigkeiten“ in Müns- ter nur vorübergehend nachgehen und musste die Stadt wieder verlassen. Sein Wohnsitz in Wolbeck ist vom 7. Oktober 1556 bis 20. Dezember 1558 nachweisbar. Damit gilt er als erster Jude in Wol- beck. Quelle: Spuren der Erinnerung an jüdische Familien in Wolbeck, Seite 7 Baumgartenweg Familie Her(t)z Baumgarten gehörte zu den alteingesessenen Familien in Wolbeck. Es gab enge ver- wandtschaftliche Beziehungen zu den Familien Pins und Philipps. Der Sohn Elias und seine Frau Toni Baumgarten lebten im Haus Münsterstraße 49 in ärmlichen Verhältnissen. Das Ehepaar blieb kinderlos und adoptierte den sechsjährigen Friedrich Pins (*1889 in Dülmen) nach dem Tod seiner Mutter. Seit Ende der 30er Jahre lebte Antonie Baumgarten zusammen mit der siebenköpfigen Fami- lie Pins in ärmlichen Verhältnissen. Als am 13. Dezember 1941 Familie Pins nach Riga deportiert wurden, blieb die 81-jährige, kranke Antonie Baumgarten allein zurück. Im Juli 1942 wurde sie ins Ghetto Theresienstadt deportiert und kam dort um. Von den im Stammbaum der Familie Her(t)z Baumgarten genannten Personen sind dreizehn deportiert worden und in verschiedenen KZ oder Ghettos ermordet worden oder später für „verschollen“ erklärt worden. Quelle: Spuren der Erinnerung an jüdische Familien in Wolbeck, Seiten 75 bis 83 Heilbronnweg Im Oktober 1906 heirateten Siegfried Heilbronn und Selma Sara Goldbach. Das Paar wurde in Wol- beck ansässig, hatte später zwei Kinder, Arthur (*1907 in Wolbeck) und Helene Hella (*1910 in Wol- beck) und wohnte im Haus von Salomon Steinberg in der Münsterstraße 11. Familie Heilbronn lebte in vielfältigen Beziehungen zu den anderen jüdischen Familien und war in Wolbeck beliebt. Siegfried Heilbronn, der vermutlich als Soldat im Ersten Weltkrieg diente, engagierte sich später im Kriegerver- ein, gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr und engagierte sich zusammen mit seinem Schwager Hermann Marx als Vertreter der jüdischen Gemeinde im Synagogenbezirk des Landkreises Münster. Die Familie war ortsverbunden und bodenständig. Nach der Machtergreifung durch die Nazis musste die Familie Heilbronn – Siegfried war Viehhändler mit eigenen Stallungen - Einschränkungen erdulden. Ihr Wohnhaus Münsterstraße 11 wurde verkauft. Der Stammbaum der Familie zeigt, dass Siegfried und Selma Sara Heilbronn und der Sohn Arthur, die Schwiegertochter Marianne und viele weitere Verwandte im Holocaust ermordet wurden. Nur Tochter Hella Heilbronn überlebte in England. Quelle: Spuren der Erinnerung an jüdische Familien in Wolbeck, Seiten 116 bis 129 - 3 - V/0377/2018 Philippsweg In den 1880er Jahren zog Gustav Philipps, Metzgergeselle aus Oberhausen, nach Wolbeck, wohnte und arbeitete beim Metzger Michel Baumgarten, Neustraße 5. Im November 1891 heiratete er die Tochter Fanny Baumgarten. Nach Fannys frühem Tod heiratete Gustav deren Schwester Johanna Baumgarten. Die Familie hatte später fünf Kinder. Die Kinder gingen in Wolbeck zur Schule, nahmen am örtlichen Leben in Wolbeck teil und pflegten auch die Traditionen ihrer jüdischen Religion. Gustav übernahm die Metzgerei seines Schwiegervaters. Als mit Beginn der NS-Zeit die Bedrohungen auch in Wolbeck zunahmen, verließen die drei Töchter Jenny, Helene und Clara Wolbeck. Jenny emigrierte in die Niederlande. Dort heiratete sie Ari Cohen. Das Paar emigrierte 1937 nach Schweden. 1947 kehrten sie mit ihren Kindern nach Deutschland zurück und engagierten sich auch politisch für den Aufbau der DDR. Die Tochter Lene Philipps zog es nach Köln. Dort lernte sie Artur Salm kennen. Nach den Zerstörungen der Pogromnacht emigrierte das Paar nach Argentinien. Die Mutter Johanna Philipps (geb. Baumgarten) konnte erst 1939, 74 Jahre alt zu ihrer Tochter Clara Haase nach Amsterdam emigrieren. Nach der Besetzung der Niederlande durch deutsche Truppen im Mai 1940 wurden Clara Haase und ihr Mann Samuel Haase sowie Johanna Philipps von Wester- bork aus in verschiedene Konzentrationslager deportiert und kamen dort um. Hermann Philipps wur- de vom Sammellager Drancy (bei Paris) nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Quelle: Spuren der Erinnerung an jüdische Familien in Wolbeck, Seiten 130 bis 160 Hoffmannweg Familie Hoffmann war seit Ende des 18. Jahrhunderts in Wolbeck ansässig. Im Jahr 1802 besaß Si- mon Aaron Hoffmann ein Haus an der Drostenhofstraße. Im 19. Jahrhundert gelangte die Familie zu gewissem Wohlstand. Um 1863 war Familie Hoffmann als einzige jüdische Familie Wolbecks im Handelsregister eingetragen. Mitglieder der Familie übernahmen immer wieder Aufgaben für die jüdi- sche Gemeinde. Zum Beispiel Simon Aaron und Salomon Hoffmann als Vorsteher. Simon Aaron Hoffmann überließ eins seiner Grundstücke für den Bau der Synagoge. Während der Judenverfolgung änderte sich das Leben für Familie Hoffmann völlig. Im Jahr 1936 emi- grierte der älteste Sohn Arnold nach Johannesburg. Im Frühjahr 1938 schlugen Wolbecker Mitbürger die Fenster des Hauses ein, zerstörten Möbel, das Klavier und Teile der Ladeneinrichtung. Deshalb zog die Familie Salomon und Martha Hoffmann nach Münster. Den Söhnen Erich, Ludwig und Fritz Rudi gelang es zu emigrieren. Salomon und Martha Hoffmann gelang die Emigration nicht. Sie wur- den am 13. Dezember 1941 in das Ghetto Riga deportiert und ermordet. Quelle: Spuren der Erinnerung an jüdische Familien in Wolbeck, Seiten 45 bis 61 Weinbergweg Die Familie Levi Weinberg war eine alteingesessene Familie in Wolbeck. Die Söhne Herz und Abra- ham Weinberg lebten in Wolbeck. Herz Weinberg war einer der Vorsteher der jüdischen Gemeinde. Siegfried Weinberg fiel als Gefreiter im Ersten Weltkrieg am 6. Mai 1915. Sein Name steht auf dem Wolbecker Krieger-Ehrenmal an der Münsterstraße. Ende des 19. Jahrhunderts verzogen die Fami- lien Herz und Abraham Weinberg nach Münster. Die weitere Geschichte der Familie Weinberg ist in dem Buch „Jüdische Familien in Münster – 1918 – 1945“ von Gisela Möllenhoff und Rita Schlaut- mann-Overmeyer nachgewiesen (Nr. 538). Quellen: Spuren der Erinnerung an jüdische Familien in Wolbeck, Seiten 10,11 - 4 - V/0377/2018 Weitere Quellen: Aschoff, Diethard: Westfalia Judaica, Quellen und Regesten zur Geschichte der Juden in der Stadt Müns- ter 1530-1650/1662, Münster 2000 Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe, hrsg. von S. Freund, F.-J. Jakobi und P. Johanek, darin: Münster-Wolbeck, bearbeitet von Gisela Möllenhoff, S. 515 Möllenhoff, Gisela; Schautmann-Overmeyer, Rita: Jüdische Familien in Münster 1918-1945, Münster 1995-2001 Die bestehenden Adressen an der Straße Petersdamm werden nicht verändert. Allerdings ist vorge- sehen, auf der Ostseite des Baugebietes eine Lärmschutzwand zur Bahnstrecke zu errichten. Dadurch wird das Grundstück Am Steintor 66 vom neuen Jacob-von-Korbach-Weg erschlossen und wird dann die Adresse Jacob-von-Korbach-Weg 17 erhalten. In Vertretung Denstorff Stadtbaurat Anlagen: Übersichtsplan
Anlage A
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Anlage A zur V/0377/2018 Kurzüberblick Sechs Straßen im Baugebiet Petersheide / Petersdamm erhalten Straßennamen mit Bezug zur Geschichte der früheren Juden in Wolbeck. Ziele/Teilziele/Zielerreichung Die Benennung von Straßen mit Bezug zur Geschichte der Juden, speziell zu den jüdischen Op- fern des Nationalsozialismus, ist ein Beitrag zur Aufarbeitung der NS-Zeit und zur öffentlichen Erinnerungskultur in der Stadt Münster und dient damit dem Ziel, »Münster auf der Basis unserer Geschichte und des Prinzips von „Toleranz durch Dialog“ zu einer weltoffenen Stadt weiterzuent- wickeln«. Finanzierung Produktgruppe: Nr. der PG 09 02 Bezeichnung der PG Auswirkungen auf den Ergebnisplan Ja x Nein Auswirkungen auf den Finanzplan Ja x Nein Im beschlossenen (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja x Nein teilw. Im Entwurf des (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja x Nein teilw. Belastungen in zukünftigen HH-Jahren? Ja x Nein Bereits veranschlagt? Ja x Nein Durch den Beschluss entstehen der Stadt Münster keine Kosten. Pflichtigkeitsgrad Die Maßnahme/Leistung ist x vollständig pflichtig überwiegend pflichtig überwiegend freiwillig vollständig frei- willig Die Aufgabe der Straßenbenennung beruht rechtlich auf dem § 4 Straßen und Wegegesetz NRW in Verbindung mit § 126 Abs. 3 Baugesetzbuch.. Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen (Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration) keine.
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungOrte (11)
- Münsterstraße 11
- Neustraße 5
- Drostenhofstraße
- Petersdamm
- Philippsweg
- Baumgartenweg
- Weinbergweg
- Heilbronnweg
- Hoffmannweg
- Am Steintor 66
- Petersheide
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Details
- Aktenzeichen
- V/0377/2018
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 16.05.2018
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37