0233/2026
Bericht zur Umsetzung des Beschlusses AN/0936/2024 "Politikpraktikum für Mädchen und Frauen"
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Anlage 1 - Dokumentation_Politikwochen 2025
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Politikwochen für Mädchen* Dokumentation Im Auftrag des Amts für Gleichstellung von Frauen und Männern der Stadt Köln konzipierte, organisierte und moderierte das Team von Junge Stadt die „Politikwochen für Mädchen*“. An drei Kölner Schulen wurden diese im 2. Halbjahr 2026 umgesetzt. Ziele der Politikwochen waren, Mädchen* in einem geschützten Raum zu stärken, ihre Selbstwirksamkeit zu fördern, sie für politische und gesellschaftliche Teilhabe zu sensibilisieren, ihnen Perspektiven zu eröffnen und ihre Stimme sichtbar zu machen. Die Wochen waren geprägt von kreativer Arbeit, Forumtheater, Begegnungen mit Lokalpolitikerinnen, intensiven Reflexionsphasen, gemeinschaftlichem Frühstück und einer Abschlussveranstaltung. Köln, im Januar 2026 Das Junge Stadt-Team sagt „DANKE“ für die sympathische, konstruktive und kreative Zusammenarbeit! Mare Tsakiroglou, Charlotte Burmester, Frank Liffers, Uli-Lisa Eisbrenner, Katharina Martin, Romina Weiler und von Forumtheater inszene e.V. Friderike Wilckens-von Heyn. junge Stadt Köln e. V. Hansemannstraße 17-21, 50823 Köln www.jungestadtkoeln.de Anlage 1 Dokumentation “Politikwochen für Mädchen* 2025” 2/15 1. Inhalte und Ablauf der Politikwochen Die Politikwochen wurde an drei Kölner Schulen durchgeführt und jeweils an die örtlichen Gegebenheiten (zeitliche und räumliche Kapazitäten, Zusammensetzung und Dynamik der Gruppe) angepasst. Es gab jedoch einige Kernelemente, die in allen Schulen identisch waren. Eingesetzte Themen & Methoden Inhaltlicher Fokus Erreichte Ziele / Wirkungen Forumtheater Alltagsnahe Theater-Szenen zu Geschlechter- ungerechtigkeit, Sicherheit, Familie, Schule, Freizeit entwickeln • Sensibilisierung für strukturelle Ungleichheiten • Stärkung von Selbstwirksamkeit („Ich kann eingreifen“) • Entwicklung konkreter Handlungsstrategien • Förderung von Empathie und Perspektivwechsel Austausch mit Politikerinnen Begegnung auf Augenhöhe, Einblicke in politische Praxis • Abbau von Berührungsängsten gegenüber Politik • Politik wird als nahbar und zugänglich erlebt • Motivation zur politischen Beteiligung Auseinandersetzung mit weiblichen Vorbildern Biografien aus Politik, Gesellschaft, Familie • Stärkung der Identifikation • Erweiterung von Rollenbildern • Ermutigung, eigene Wege zu gehen Gemeinsames Frühstück & Rituale Vertrauensaufbau und Gemeinschaft • Schaffung eines geschützten Raumes • Förderung von Offenheit und Austausch • Stärkung des Gruppenzusammenhalts Abschluss- veranstaltung & Öffentlichkeit Präsentation der Ergebnisse • Sichtbarmachung der Stimmen von Mädchen* • Stärkung von Stolz und Anerkennung • Erleben gesellschaftlicher Wirksamkeit Der weitere Verlauf der Politikwoche variierte je nach Schule: • Stadtrundgang mit interaktiver App zur Sichtbarmachung weiblicher Persönlichkeiten in der Kölner Stadtgeschichte. • Visionsarbeit / Biografiearbeit: Wo sehe ich mich in 20 Jahren? • Diskussion zu Gleichstellungs-Themen, die am Kölner Alltag der Mädchen ansetzen. Dokumentation “Politikwochen für Mädchen* 2025” 3/15 Besondere Methode: „Forumtheater“ Forumtheater und Legislatives Theater sind emanzipatorische Theaterformen, die von dem brasilianischen Theaterpädagogen Augusto Boal in den 1970er Jahren entwickelt wurden. Forumtheater wird weltweit als Methode der Bewusstseinsbildung und der Friedensförderung eingesetzt. Die Teilnehmerinnen der Politikwochen haben mit der Theaterpädagogin Friderike Wilckens-von Hein vom Verein Forumtheater inszene Situationen aus ihrem Alltag identifiziert, bei denen sie als Frauen Diskriminierung oder Grenzen erfahren. Aus diesen Situationen wurden in kleinen Theaterszenen. Die Idee des Forumtheaters ist, dass diese Szenen einem Publikum präsentiert werden, um dann gemeinsam mit dem Publikum eine Veränderung der Szene und damit der Situation herbeizuführen: Das Publikum wird Teil der Szene oder gibt Vorschläge, mit welcher Reaktion, mit welchen Worten, mit welcher Aktion sich die vorgestellte Situation verändern könnte. Das schafft Bewusstsein für Lebenssituationen anderer und stärkt alle Beteiligten, dass Veränderung möglich ist und selbst angestoßen werden kann. 2. Produktergebnis Pixie-Buch: „Rana macht Mädchenpolitik in der Schule“ Um die Politikwoche zu dokumentieren und ihre Inhalte über das Projekt hinaus erlebbar zu machen, wurde ein Pixie-Buch entwickelt, gestaltet und gedruckt. In diesem erzählt die fiktive Figur Rana von ihren Erlebnissen während der Politikwoche. Trotz der fiktionalen Rahmenhandlung gibt die Geschichte die Politikwoche inhaltlich und atmosphärisch wieder. Das Buch wurde gedruckt und unter den Projekt-Beteiligten verbreitet. Dokumentation “Politikwochen für Mädchen* 2025” 4/15 3. Ablauf der Politikwoche am Humboldt Gymnasium 06.10.25 - 10.10.25 | 9 Teilnehmerinnen Montag, 06.10.25 – Kennenlernen und Vorbilder Am Montag starteten wir mit einer etwas kleineren Gruppe als erwartet (9 Mädchen*) mit dem gemeinsamen Frühstück und Kennenlern-Bingo. Wir sprachen über den Ablauf der kommenden Woche und was die Mädchen* selbst für Erwartungen und Ideen in Bezug auf die Thematik und das Projekt haben. Wir sprachen über weibliche Vorbilder der Mädchen* und tauschten uns über berühmte Frauen aus der Geschichte aus, die ihnen bereits irgendwo begegnet waren und sie inspiriert hatten. Wir sammelten Themen, die die Mädchen* beschäftigen und hielten sie schriftlich fest, für das morgige Treffen mit den Politikerinnen. Dienstag, 07.10.25 – Treffen mit den Politikerinnen im Kuppelsaal (Neptunbad) Heute fand das aufregende Treffen mit den Politikerinnen statt. Die Mädchen* dürften sich selbst Rollen überlegen, die sie während des Treffens übernehmen wollten. Beispielsweise, haben zwei der Mädchen die Politikerinnen vor der Türe in Empfang genommen und hereinbegleitet. Eine weiteres Mädchen* übernahm teilweise die Moderation, als es um die Kommunikation der Anliegen der Mädchen* ging. Es gab einen wunderbaren Austausch zwischen den Politikerinnen, den Mädchen* und uns als Junge Stadt-Team und alle sind mit einem empowernden Gefühl nach Hause gegangen. Wir haben als Abschluss und auch als Reflexion, ein gemeinsames weibliches Politik-Universum gegründet und es „Femmetopia“ genannt. Hier konnten alle Beteiligten, ihre Wünsche und Anforderungen hinschicken (siehe 2.2. Forderungen / Wünsche an „Femmetopia“). Mittwoch, 08.10.25 – Forumtheater Der Tag startete wie immer mit dem Ritual des gemeinsamen Frühstücks. Beim Frühstück stieß die Theaterpädagogin Friderike Wilkens von Heyn dazu, die den Mädchen* erklärte, was Forumtheater ist und wieso wir es für unser Thema als Methode gut verwenden können. Im Forumtheater werden Szenen konstruiert, die Soziale Probleme darstellen. Das Publikum kann jederzeit eingreifen und die Geschichte verändern. Es ist eine gute Methode, verschiedene Blickwinkel in Betracht zu ziehen und so umfangreichere Lösungsansätze zu ermöglichen. Die Mädels brauchten eine Weile, um mit der Methode vertraut zu werden, hatten aber jede Menge Spaß. Freitag, 10.10.25 – Abschluss & Reflexion Am Freitag gab es noch einen gemeinsamen Abschluss und eine Feedbackrunde. Dokumentation “Politikwochen für Mädchen* 2025” 5/15 4. Ablauf der Politikwoche am Dreikönigsgymnasium 17.11.25 - 20.11.25 + 26.11.25 | 20 Teilnehmerinnen Montag, 17.11. und Dienstag, 18.11.2025 – Kennenlernen, Vorbilder, Forumtheater Die Politikwoche am Dreikönigs-Gymnasium begann wie die anderen Wochen auch, mit einem gemeinsamen Kennenlernen und Frühstück, das an allen Tagen ein zentrales Element darstellte und von den Teilnehmerinnen sehr positiv wahrgenommen wurde. Die Atmosphäre war offen, wertschätzend und entspannt, was den Einstieg in die oft sensiblen Themen erleichterte. Da die Mädchen* zwar alle auf derselben Schule, aber teilweise in unterschiedlichen Stufen waren, starteten wir nach dem gemeinsamen Frühstück mit einem “Kennenlernbingo” (siehe Anhang), was sich als eine gute und lockere Methode herausstellte, die den Mädchen auf spielerische Weise das Kennenlernen erleichterte. In den anschließenden Einheiten am Montag und Dienstag arbeiteten die Mädchen* mit der Methode des Forumtheaters. Die Theaterpädagogin Friderike Wilkens von Heyn, kam in die Schule und stellte den Mädchen* die Methode des Forumtheaters vor. Dabei wurden persönliche Erfahrungen, Beobachtungen und politische Fragestellungen in Szenen umgesetzt, gemeinsam reflektiert und weiterentwickelt. Dokumentation “Politikwochen für Mädchen* 2025” 6/15 Mittwoch, 26.11.25 – Austausch mit den Politikerinnen im Kuppelsaal des Neptunbads Eine Woche später fand ein Austausch-Treffen mit vier Politikerinnen, verschiedener Parteien statt (Eva Caspers - Die Linke, Friederike Steinmetz und Kerstin Preuss - CDU und Michelle Achour - Die Grünen). Es kamen 20 Schülerinnen vom Dreikönigs-Gymnasium und 20 Schülerinnen der Katharina- Henoth Gesamtschule. In einem Speed-Dating kamen die Schülerinnen in Kleingruppen mit den Politikerinnen ins Gespräch. Einstiegsfragen wie “Wer war deine Kindheitsheldin?” ermöglichten ein anschließendes Gespräch auf Augenhöhe. Diese Fragen sollten in erster Linie “nahbar” machen. Danach stellten sich die Politikerinnen nacheinander vor und die Schülerinnen konnten Fragen stellen. Besonders interessant war, dass die Themen und die Fragen, die die Schülerinnen beschäftigten, auch bei den Politikerinnen präsent waren. In einer anschließenden Gesprächsrunde kamen verschiedene Themen zur Sprache, sowohl zum Thema Frauen in der Politik (Ist es in der CDU als Frau schwieriger, als z.B. in der Linken?), als auch zu den erarbeiteten Themen (Wo kann man ansetzen, damit sich Mädchen in der Stadt sicherer fühlen?). Abschließend gab es noch eine Übung zur Evaluation. Wir erstellten gemeinsam ein „Femmetopia“-Plakat. „Femmetopia“ ist ein weibliches Politikuniversum, in das jede ihre Wünsche abschickte: So soll die perfekte Politik aussehen! Dokumentation “Politikwochen für Mädchen* 2025” 7/15 Donnerstag, 20.11.25 – „Female Cologne“-Ausflug Ergänzt wurde das Programm durch einen Ausflug am Donnerstag, bei dem wir rund um den Kölner Dom gemeinsam die Digitale Stadttour durch Köln, „Female Cologne“ durchführten. Hierbei werden durch ein interaktives Spiel Biografien von Frauen präsentiert, die einen wichtigen Beitrag zur Kölner Geschichte beigetragen haben. Dokumentation “Politikwochen für Mädchen* 2025” 8/15 5. Katharina-Henoth-Gesamtschule 24.11.25 – 28.11.25 | 18 Schülerinnen Montag, 24.11.25 - Kennenlernen und Forumtheater Zunächst haben wir uns vorgestellt und das Ziel, sowie den Ablauf der Politikwoche vorgestellt. Durch eine Vorstellungsrunde und ein kleines Kennenlernspiel, haben wir eine gute Einstimmung gefunden, die auch eine Verbindung zwischen den Mädchen hergestellt hat, die sich zum Teil noch nicht / kaum kannten. Anschließend hat Friederike mit der Gruppe verschiedene Themen herausgearbeitet, die kommunalpolitisch relevant sind und in ihrem eigenen Alltag und Lebensumfeld vorkommen. Wir haben diese Themen gesammelt und sind darauf eingegangen, was die Schülerinnen sich jeweils in diesem Themengebiet wünschen würden / was ihnen fehlt. Besonders die Themen ÖPNV (unzuverlässige / fehlende Verbindungen) und Sicherheit, wie auch fehlende Sport- und Freizeitangebote für Mädchen wurden hier genannt. Anschließend haben die Mädchen einzelne Themen ausgewählt und das Problem szenisch eingeübt und der Gruppe präsentiert. Dienstag, 25.11.25 - Forumtheater: Girl Power Am zweiten Tag haben wir mit den Schülerinnen erarbeitet, in welchen Situationen sie eine Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern wahrnehmen / welche konkrete Situation sie erlebt haben, in der sie sich als junge Frau aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert gefühlt haben. Hierzu hat Friederike die Gruppe zunächst in einem meditativen Setting (ruhige Musik, alle schauen aus dem Fenster) eine konkrete Situation erinnern lassen. Diejenigen, denen eine Situation eingefallen ist, haben sie anschließend in einer Kleingruppe geteilt und sich darüber ausgetauscht. Jetzt hatten die Kleingruppen ausreichend Zeit, um die Situation szenisch einzuüben. Anschließend hat jede Gruppe ihre Szene in einem Forumtheater der Gesamtgruppe präsentiert. Interessanterweise kamen die meisten Szenen zu Geschlechterungerechtigkeiten aus der Familie und bezogen sich häufig auf den Vergleich mit Brüdern. Die gezeigten Szenen waren: • Ausgehen: Jungen dürfen länger ausgehen und müssen sich weniger dafür rechtfertigen, mit wem und wohin sie gehen. Mädchen müssen ihre Ausgehpläne im Detail erklären, sich für ihre Kleidung rechtfertigen und deutlich früher wieder zuhause sein als ihre Brüder. • Hausarbeit: In Bezug auf Hausarbeit wird deutlich, dass einige Mädchen zuhause wesentlich mehr mithelfen müssen als ihre gleichaltrigen Brüder. • Bewerbungsgespräch: Bei einem Bewerbungsgespräch wurde ein Mädchen, welches sich selbst als deutlich qualifizierter wahrgenommen hat als den männlichen Mitbewerber, abgelehnt, mit der offenen Begründung es sei doch eher ein Job für Männer Dokumentation “Politikwochen für Mädchen* 2025” 9/15 • Berufswahl: Ein Mädchen muss sich in ihrer Familie dafür rechtfertigen, dass sie sich für einen Job in der IT Branche interessiert • Fitnessstudio: Ein Mädchen fühlt sich im Fitnessstudio unwohl, weil die anwesenden Jungs über sie sprechen und sich über ihr Training lustig machen. Es war beeindruckend zu sehen, wie die Mädchen sich über die geteilten Erlebnisse verbinden und solidarisieren. Die szenische Darstellung der Männer (Väter, Brüder, Vorgesetzte,…), die Ihnen in Ihrem Alltag begegnen, hat die Gruppe nicht nur amüsiert und verbunden, sondern wirkte für alle Beteiligten auch selbstermächtigend. Durch die Methode des Forumtheaters konnten die Schülerinnen sich anschließend in die Szene einbinden lassen und in eine selbstgewählte Rolle einspringen um einen Lösungsansatz auszuprobieren. Diese Methode hat wertvolle Ideen geliefert, wie die Mädchen in bestimmten Situationen handeln können und ihnen gezeigt: Du kannst etwas tun! Abschließend haben wir gemeinsam Fragen für den nächsten Tag / das Treffen mit den Lokalpolitikerinnen erarbeitet. Mittwoch, 26.11.2025 - Austausch mit Lokalpolitikerinnen Der Ausflug ins Ehrenfelder Neptunbad erfolgte gemeinsam mit den Schülerinnen des Dreikönigsgymnasiums. Die Beschreibung ist oben eingefügt. Das Bild zeigt die Wünsche der Schülerinnen an das weibliche Politikuniversum „Femmetopia“. Die Ergebnisse sind weiter unten dokumentiert. Donnerstag, 27.11.2025 - Weibliche Vorbilder Am vierten Tag beschäftigten wir uns mit der Bedeutung weiblicher Vorbilder. Nach einem gemeinsamen Frühstück tauschten die Schülerinnen zunächst Eindrücke vom Vortag aus. Anschließend sammelten wir in einer Assoziationsrunde, welche Gedanken sie mit dem Begriff Vorbild verbinden und diskutierten, warum Vorbilder wichtig sind und welche Herausforderungen – etwa durch unrealistische Rollenbilder in sozialen Medien – entstehen können. Dokumentation “Politikwochen für Mädchen* 2025” 10/15 Daraufhin wählten die Schülerinnen jeweils eine weibliche Person, die sie persönlich inspiriert, und stellten diese in kleinen Gruppen vor. Die gesammelten waren meist Frauen aus dem eigenen familiären Umfeld. In einem nächsten Schritt recherchierten die Schülerinnen in Kleingruppen Frauen aus Politik, Sport und Gesellschaft und präsentierten ihre Ergebnisse in Form einer kurzen Laudatio (Fiktive Wahl zur Power-Frau des Jahres 25). Gemeinsam wurde anschließend diskutiert, welche Eigenschaften diese Frauen verbinden – wie Mut, Ausdauer oder der Einsatz für wichtige Themen – und ob sich die Schülerinnen durch die vorgestellten Vorbilder repräsentiert fühlen. Hier kamen wir auch darauf zu sprechen, dass viele dieser Frauen in typischen Männerdomänen erfolgreich sind und auch deshalb zum Teil große Widerstände überwinden mussten. Die Schülerinnen stellten heraus, dass viele von den dargestellten Frauen mehrfachdiskriminierten Gruppen zugehören und, dass viele sich vor allem durch einen unbedingten Willen und durch Bildung ihren Erfolg erarbeitet hatten. Freitag, 28.11.2025 - Abschluss und Vision Nach einer kurzen Reflexion der einzelnen Tage der Politikwoche sollte es jetzt wieder um die Schülerinnen selbst gehen. Nachdem wir nun so viele tolle Frauen kennengelernt hatten, ging es darum, die eigenen Ressourcen zu aktivieren. Zunächst reflektierten die Mädchen selbst: Welche Stärken habe ich? Welche Widerstände könnten wir im Wege stehen? Und anschließend: Wenn ich an mich selbst in 10 oder 20 Jahren denke: Wo könnte ich stehen, wenn ich es schaffe, meine Stärken auszubauen? In 2/3er Gruppen sollten die Schülerinnen dann ein konkretes Bild von sich selbst in 10 oder 20 Jahren entwerfen und dieses gemeinsam darstellen. Hierzu spielten sie die Szene eines „Wiedertreffens“ ihrer alten Schulkameradinnen und den anschließend Austausch über die jeweiligen Lebensumstände. Nach jeder Szene konnten die Zuschauerinnen vertiefende Fragen stellen und abschließend wurde für jede Vision ausgiebig applaudiert und lobende Worte gefunden. Es war spannend zu sehen, dass die meisten Mädchen in ihrer Zukunftsvision möglichst frei und ungebunden waren, nur wenige hatten einen Partner oder Kinder, viele hatten studiert oder sich nach einer Ausbildung selbstständig gemacht. Die Schülerinnen konnten hier auch die Inspiration aus den vergangenen Tagen mit einfließen lassen und sie für sich stimmig einbauen. Dokumentation “Politikwochen für Mädchen* 2025” 11/15 6. Ergebnispräsentation Im Rahmen der Abschlussveranstaltung „Politikpraktikum“ am 2. Dezember 2025 im Saal im Bezirksrathaus Köln- Mülheim wurden auch die Ergebnisse der Politikwochen durch die Teilnehmerinnen präsentiert. Sie stellten ihre Forumtheater-Szenen dem Publikum vor. Kern des Abends war ein Interview mit der Gleichstellungsbeauftragte Julia Pedersen sowie eine der Autorin Tannaz Falaknaz mit ihrem Buch „Zu anders für die Macht“. Moderiert wurde der Abend von Aisha Camara. Es entstand ein wunderbarer Austausch von Frauen für Frauen. Dokumentation “Politikwochen für Mädchen* 2025” 12/15 7. Zentrale Themen und Forderungen der Mädchen Zentrale Themen und Szenen aus dem Forumtheater 1. Fehlende Sport- und Freizeitangebote für Mädchen Die Mädchen haben kritisch angemerkt, dass es insbesondere im Bereich Sport, vor allem beim Fußball, zu wenige Angebote für Mädchen gibt. Dargestellt wurde die Situation eines Mädchens, das gerne in einer Mädchenmannschaft spielen wollte, dort jedoch keinen Platz mehr bekam. In der Jungenmannschaft fühlte sie sich nicht ernst genommen und wenig berücksichtigt. Diese Erfahrung führte schließlich dazu, dass sie ganz mit dem Fußballspielen aufhörte. Die Szene machte deutlich, wie stark fehlende Strukturen und mangelnde Gleichberechtigung Mädchen von Freizeit- und Sportangeboten ausschließen können. 2. Hohe Kosten für Periodenartikel und Schulmaterial Ein weiteres Thema, welches die Mädchen beschäftigte, war die finanziellen Belastung durch Periodenartikel und Schulmaterialien. Viele Mädchen erleben, dass diese Dinge für Familien eine große Herausforderung darstellen. In der Diskussion wurde deutlich, dass Schulen hier besser ausgestattet sein müssten – etwa durch kostenlose Periodenartikel oder Leihmaterialien. Zudem wurde der Wunsch geäußert, mehr Informationen über günstige und akzeptierte Alternativen bereitzustellen, um Chancengleichheit im Schulalltag zu fördern. 3. Angst im öffentlichen Raum Das zentrale und emotional präsenteste Thema für die Mädchen, war die Angst von Mädchen im öffentlichen Raum. Viele Teilnehmerinnen berichteten, dass sie sich besonders im Dunkeln unsicher fühlen und bestimmte Orte meiden. In der Szene wurde eine Situation an einer Bahnhaltestelle gezeigt, in der Mädchen belästigt werden, ohne dass Außenstehende eingreifen. Dabei wurden Faktoren wie schlechte Beleuchtung, Baustellen und unübersichtliche Wege als zusätzliche Gefahren benannt. Die Szene verdeutlichte, wie sehr fehlende Sicherheitskonzepte den Alltag junger Frauen einschränken. Hier präsentierten die Mädchen ein selbstgedrehtes Video, in dem sie Orte nannten, an denen sie Angst empfinden. Unterlegt wurde das Video mit dem Lied „3 Sekunden“ von Paula Hartmann. Ziel war es, die Allgegenwärtigkeit von Angst im Alltag junger Frauen sichtbar zu machen und öffentlich zu thematisieren. 4. Geschlechterrollen innerhalb der Familien Insbesondere die Teilnehmerinnen der Katharina-Henoth-Gesamtschule, von denen die meisten aus Familien mit Einwanderungsgeschichte stammen, fanden viele Themen geschlechtsspezifischer Ungleichheit innerhalb ihrer Familien. In den szenischen Darstellungen wurde sichtbar, dass Mädchen häufig strengeren Regeln unterliegen als ihre Brüder – etwa in Bezug auf Ausgehzeiten, Kleidung oder Dokumentation “Politikwochen für Mädchen* 2025” 13/15 Verantwortung im Haushalt. Auch ungleiche Erwartungen an Zukunfts- und Berufswünsche wurden thematisiert. Durch den Rollenwechsel und das aktive Eingreifen in die Szenen konnten die Mädchen alternative Handlungsstrategien erproben und gemeinsam reflektieren, wie sie mit diesen Ungerechtigkeiten umgehen können. Der Austausch führte zu einem starken Gefühl von Solidarität und machte deutlich, dass individuelle Erfahrungen Teil größerer gesellschaftlicher Strukturen sind. Das Forumtheater ermöglichte es den Mädchen, familiäre Geschlechterrollen kritisch zu hinterfragen und erste Schritte zu mehr Selbstbestimmung und Handlungssicherheit zu entwickeln. Forderungen und Wünsche an Femmetopia • Umfassende Gleichstellung und Stärkung von Frauen*rechten, weltweit und von klein auf mitgedacht • Sichtbarkeit, Schutz und Selbstbestimmung für Mädchen* und Frauen*, z. B. durch Aufklärung (Menstruation), Schutz vor Gewalt, Ablehnung von Body Shaming und das Recht, „einfach man selbst zu sein“ • Abbau von Geschlechterstereotypen durch gendersensible Erziehung, Einbezug nicht-binärer Perspektiven sowie verpflichtende Sensibilisierungs- und Präventionsarbeit, insbesondere für Jungen • Struktureller Wandel in Politik und Gesellschaft, u. a. durch bezahlte und gerechter verteilte Care-Arbeit, mehr weibliche Führung, eine kooperative politische Kultur und Fokus auf Qualität statt Quantität • Ausbau von Sport- und Freizeitangeboten speziell für Mädchen* • Kostenlose Periodenartikel und bessere materielle Ausstattung an Schulen • Mehr Information und Sichtbarkeit von Unterstützungs- und Hilfsangeboten (z. B. Heimwegtelefon, Taxischein) • Geschlechtersensible Stadtplanung mit stärkerem Fokus auf Beleuchtung, Sicherheit und sichere Heimwege Dokumentation “Politikwochen für Mädchen* 2025” 14/15 8. Feedback der Teilnehmerinnen Die positiven Rückmeldungen zeigen, dass sich die Teilnehmerinnen während der Politikwochen durchgehend sehr wohl und angenommen gefühlt haben. Besonders die reine Mädchengruppe wurde als großer Gewinn erlebt: Durch die Abwesenheit männlicher Mitschüler entstand eine geschützte Atmosphäre, in der sich die Mädchen freier, offener und selbstbewusster einbringen konnten. Viele trauten sich dadurch mehr, aktiv mitzumachen, sich im Theater auszuprobieren und ihre Meinungen zu äußern. Das Theaterarbeiten wurde als zentraler Höhepunkt wahrgenommen. Statt nur zu reden, konnten die Teilnehmerinnen praktisch, kreativ und spielerisch arbeiten, was als abwechslungsreich, lustig und nicht anstrengend beschrieben wurde. Die Theaterstücke, Präsentationen und Methoden wie das Mindset-Kartenspiel förderten Austausch, Selbstreflexion und Gruppenzusammenhalt. Die gute Stimmung und Harmonie in der Gruppe wurden mehrfach betont. Viele Teilnehmerinnen verstanden sich untereinander sehr gut, fühlten sich akzeptiert und hatten das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Die Leiterinnen wurden als sehr nett, nicht streng und unterstützend wahrgenommen, wodurch eine Atmosphäre entstand, in der Lernen Spaß gemacht hat. Auch die Rahmenbedingungen wurden positiv hervorgehoben: die gute Organisation, passende Uhrzeiten, der Ausflug, das Neptunbad sowie das gemeinsame Essen und Frühstück stärkten das Wohlbefinden und boten Raum für informellen Austausch. Insgesamt wurden die Politikwochen als lebendig, gut strukturiert und bereichernd erlebt – so positiv, dass einige Teilnehmerinnen die Dauer als zu kurz empfanden. Kritisch angemerkt wurde vor allem das Treffen mit den Politikerinnen, das mehrfach als langweilig oder zu langgezogen beschrieben wurde. Dokumentation “Politikwochen für Mädchen* 2025” 15/15 9. Fazit Die Politikwochen boten den Teilnehmerinnen einen geschützten Raum, um politische und gesellschaftliche Themen aus ihrer eigenen Lebensrealität heraus zu bearbeiten. Durch kreative Methoden, intensiven Austausch und gemeinsames Erleben konnten zentrale Problemlagen sichtbar gemacht und in konkrete Forderungen übersetzt werden. Die Mädchen* erlebten, dass ihre Erfahrungen relevant sind, gehört werden und politische Bedeutung haben. Besonders deutlich wurde, wie wertvoll ein Raum ausschließlich für Mädchen* ist: ohne Konkurrenz, ohne äußere Zuschreibungen und ohne Hemmungen. In dieser Atmosphäre konnten sich die Teilnehmerinnen frei ausdrücken, solidarisch miteinander verbinden und neue Perspektiven entwickeln. Das Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Gruppe, das Selbstbewusstsein der Mädchen* sowie ihre Motivation, sich auch über die Projektwochen hinaus politisch einzubringen, wurden nachhaltig gestärkt. Die Woche machte sichtbar, wie viele Themen, Gedanken und Forderungen in den Mädchen* schlummern – und dass es Räume braucht, in denen diese gehört und ernst genommen werden. Gleichzeitig zeigt die Politikwoche deutlich, dass einmalige Projekte nicht ausreichen. Um die entstandene Offenheit, das Engagement und die Motivation der Mädchen* aufzufangen und weiterzuentwickeln, braucht es anschließende Folgeangebote. Kontinuierliche Formate, Anknüpfungspunkte in Schule und Stadt sowie niedrigschwellige Beteiligungsmöglichkeiten sind notwendig, damit die gemachten Erfahrungen vertieft und in langfristige politische Teilhabe überführt werden können. Das Junge Stadt-Team sieht den Wert und die Chancen in diesem Konzept „Politikwochen für Mädchen*“ und wird sich dafür einsetzen, Förderanträge bei Stiftungen zu stellen, um weiteren Schulen dieses Angebot zu eröffnen.
Mitteilung Ausschuss
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Dezernat, Dienststelle II/03 Vorlagen-Nummer 29.01.2026 0233/2026 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss für die Gleichstellung von Frauen und Männern 02.02.2026 Ausschuss Schule und Weiterbildung 02.03.2026 Jugendhilfeausschuss 10.03.2026 Bericht zur Umsetzung des Beschlusses AN/0936/2024 "Politikpraktikum für Mädchen und Frauen" Die Verwaltung wurde mit Beschluss vom 24. Juni 2024 zu „Politikpraktikum für Mäd- chen und Frauen, AN/0936/2024“ beauftragt, ein Programm für ein Praktikum in der Kommunalpolitik zu entwickeln, das gezielt Mädchen* und Frauen* anspricht und ge- winnt. Das Amt für Gleichstellung von Frauen und Männern startete mit ersten Überlegungen Ende 2024 und ging eine Kooperation mit dem Kölner Jugendring und Junge Stadt Köln e. V. ein. Das daraus resultierende Programm setzte sich aus verschiedenen Bausteinen zu- sammen und wurde über das Jahr 2025 umgesetzt: 1. Erarbeitung eines Kompasses mit Informationen und Zugängen für ein Flinta*sen- sibles Politikpraktikum durch den Kölner Jugendring. Dieser ist noch nicht ab- schließend und bedarf weiterführender Inhalte und Materialien, um eine tragfähige Grundlage für eine breitere öffentliche Nutzung zu schaffen. 2. In drei Kölner Schulen, dem Humboldt-Gymnasium, der Katharina-Henoth-Ge- samtschule und dem Dreikönigsgymnasium fanden empowernde Projektwochen statt, in denen Kommunalpolitikerinnen ihre Erfahrungen mit den Schülerinnen tei- len konnten. Der Junge Stadt Köln e. V. konzipierte die ganzheitlichen Projektwo- chen und setzte diese in den drei vorgenannten Schulen im Zeitraum Oktober bis November 2025 zusammen mit einer Theaterpädagogin um. Die Dokumentation (Anlage 1) und das entstandene Heft „Rana macht Mäd- chen*politik in der Schule“ des Junge Stadt Köln e. V. (Anlage 2) sind der Mittei- lung beigefügt. 2 3. Am 2. Dezember fand die öffentliche Abschlussveranstaltung „Mehr wir. Mehr Wir- kung – FLINTA* verändern Politik! Ein Abend mit weiblichen Perspektiven, Inspi- rationen und Austausch“ in der VHS Mühlheim statt. Dabei wurden insbesondere die folgenden Leitfragen diskutiert: Wie gelingt es, dass Lokalpolitik weiblicher wird? Wie können wir Barrieren abbauen, damit es gelingt, dass mehr Frauen* in der Politik aktiv werden? Wie gelingt politisches Engagement, das sich mit Alltag, Beruf und Care Arbeit vereinbaren lässt? Was motiviert Frauen* sich noch mehr einzumischen – und was hält sie noch zurück? Wie schaffen wir politische Räume, in denen Frauen* gehört statt überhört werden? Wesentliche Elemente der in Kooperation mit dem Junge Stadt Köln e. V. organi- sierten Veranstaltung war die Präsentation der Ergebnisse aus den Projektwo- chen bzw. den Forumtheaterszenen und eine Vernetzung von der Zielgruppe mit Politiker*innen. Zudem fand eine Lesung zu dem Buch „Zu anders für die Macht – Wie mutige Frauen für Gleichberechtigung in der Politik kämpfen“ der Europäischen Akade- mie für Frauen in Politik und Wirtschaft Berlin e. V. (EAB) statt. Stellungnahme der Verwaltung: Der inhaltliche Schwerpunkt des Projekts lag auf der Zielgruppe von Mädchen*, um als frühzeitigen Ansatz politische Bildung mit dem Ziel, politische Teilhabe, Engage- ment und Einmischung zu fördern. Die parallele Entwicklung eines umfassenden Pro- gramms für die Zielgruppe Frauen* erwies sich aufgrund begrenzter Ressourcen als herausfordernd, da hierfür differenzierte Zugänge sowie spezifische Formate einer zielgruppengerechten Ansprache erforderlich sind. Die im Projektverlauf erarbeiteten konzeptionellen Grundlagen stellen einen ersten Ausgangspunkt dar, der in zukünftigen Vorhaben weiterentwickelt und vertieft werden könnten. Die im Rahmen der Projektwochen eingesetzten interaktiven Bildungsformate in Ver- bindung mit kulturellen Kommunikationsformen, wie dem Forumtheater, haben sich als bewährte Praxis (Best Practice) erwiesen. Diese Formate eignen sich in besonde- rer Weise für den Einsatz an Schulen sowie bei weiteren Bildungsträgern und sollten verstetigt und weiterverbreitet werden. Fazit: Aus feministischer Perspektive ist die Einbeziehung vielfältiger sozialer und ge- schlechtsspezifischer Perspektiven in politische Entscheidungsprozesse und die För- derung von unterrepräsentierten Gruppen wie Frauen*, Menschen mit Migrationsbio- grafie, Menschen mit Beeinträchtigungen und andere marginalisierte Gruppen von zentraler Bedeutung. Nur durch eine pluralistische Repräsentation können die unter- schiedlichen Bedürfnisse der Gesamtbevölkerung angemessen berücksichtigt und lo- kale Lebensrealitäten aktiv und demokratisch mitgestaltet werden. Gez. Prof. Dr. Diemert
Anlage 2 - Rana_Politikpraktikumswochen_Junge Stadt 2025
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Anlage 2
Beratungsverlauf (3)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 0233/2026
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 29.01.2026
- Erstellt
- 22.01.2026 09:25