3101/2023
Freiraumkonzept Mülheimer Süden
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Beschlussvorlage Ausschuss
4450 Zeichen
Dezernat, Dienststelle VI/613 Vorlagen-Nummer 3101/2023 Freigabedatum 08.11.2023 Beschlussvorlage zur Behandlung in öffentlicher Sitzung Betreff Freiraumkonzept Mülheimer Süden Beschlussorgan Stadtentwicklungsausschuss Gremium Datum Beschluss: Der Stadtentwicklungsausschuss beschließt das Freiraumkonzept Mülheimer Süden als ver- bindliche Planungsgrundlage für die weiteren Planungen. Bezirksvertretung 9 (Mülheim) 27.11.2023 Stadtentwicklungsausschuss 30.11.2023 2 Haushaltsmäßige Auswirkungen Nein Auswirkungen auf den Klimaschutz Nein Ja, positiv (Erläuterung siehe Begründung) Ja, negativ (Erläuterung siehe Begründung) Begründung: Mit dem vielschichtigen Wandlungsprozess des Mülheimer Südens von einem ehemals indust- riell geprägten Stadtteil hin zu einem neuen, lebendigen, durch Wohn - und Gewerbenutzung geprägten Stadtteil entstehen urbane, verdichtete Quartiere. Diese gilt es gesamtheitlich zu vernetzen, individuell zu entwickeln und insbesondere vor dem Hintergrund der Herausforde- rungen des Klimawandels nachhaltig, resilient zu stärken. Bereits im Werkstattverfahren Mülheimer Süden inkl. Hafen 2013/2014 wurde ein städtebauli- ches Konzept erarbeitet, wie das zuvor industriell genutzte und städtebaulich isolierte Areal zu einem urbanen und durchgrünten Stadtquartier aufgewertet werden kann. Es wurden sechs sogenannte „Grünkorridore“ als Leitbild für den Freiraum formuliert. Mit dem Rheinboulevard als räumlicher Ausgangspunkt, stellen die Freiraumkorridore eine stadträumliche Öffnung des Quartiers zum Rhein dar und fungieren als neue Grün- und Freiraumverbindungen. Der Wandlungsprozess des Mülheimer Südens von einer Industriebrache zu einem neuen Stadtquartier ist zu einem vielschichtigen und langjährigen Planungs- und Realisierungsprozess geworden. Die heterogenen Strukturen und die unterschiedlichen Entwicklungsstände in den einzelnen Teilgebieten erfordern eine Weiterentwicklung und Anpassung der Leitidee der Grün- korridore aus dem Werkstattverfahren an die aktuellen Planungsstände und die zukünftigen Herausforderungen. Mit dem nun erstellten Freiraumkonzept werden Leitziele und Zielvorgaben für den öffentlich erlebbaren Freiraum im Mülheimer Süden als Grundlage für eine integrierte Planung aller öf- fentlichen Flächen (Verkehrs- sowie Frei- und Aufenthaltsräume) formuliert und die Ideen aus dem Werkstattverfahren weiter qualifiziert. Das Freiraumkonzept ist neben dem Gestaltungs- leitfaden ein weiteres verbindliches Planungswerkzeug, das nicht nur Planern und Investoren, sondern auch der Ständigen Jury Mülheimer Süden als Planungshilfe und Beurteilungsgrund- lage für die Gestaltung des öffentlichen Raumes im Mülheimer Süden dient. Diese hat auch bei der Erarbeitung des Freiraumkonzeptes intensiv mitgewirkt. Das Freiraumkonzept entwickelt ein freiraumplanerisches Raumkonzept mit räumlichen Ach- sen und stadtraumprägenden Knotenpunkten, die die Quartiere und die angrenzenden Nach- barschaften miteinander vernetzen. Aus dem Raumkonzept werden unterschiedliche Raumty- pologien (Verkehrsflächen, Stadt- und Freiraumplätze, Frei- und Grünflächen) entwickelt und deren Entwicklungspotentiale insbesondere unter dem Leitbild einer „Grünen, wassersensib- len und resilienten Stadt“ herausgearbeitet. Es werden konkrete Gestaltungsprinzipien für die Themen Vegetation, Materialität und Aus- stattung aufgezeigt. Hierbei fließen neben der industriellen Geschichte des Ortes mit seinem robusten Industriecharakter und den herrschenden Bestandsmaterialien auch die Themen Freiraumqualifizierung des Straßenraumes und die wassersensible Stadtraum- und Grünflä- chengestaltung in die Gestaltungsprinzipien für die Freiraumplanung mit ein. Das Vegetationskonzept liefert gestalterische Vorgaben zur Einbindung von Stadtbäumen, die Verwendung von klimaresilienten Zukunftsbäumen und Vegetationsflächen im öffentlichen 3 Raum um langfristig einen gesunden Baubestand zu sichern. Es setzt sich zusammen aus ei- ner raumbildenden Begrünung, bestehend aus Bäumen und Sträuchern sowie einer horizon- talen Begrünung aus Pflanzflächen und Unterpflanzung. Das Freiraumkonzept steht zukünftig auf der Internetprojektseite zum Mülheimer Süden (https://www.stadt-koeln.de/politik-und-verwaltung/stadtentwicklung/muelheimer-sueden) zum Download zur Verfügung. Anlagen: Anlage 1 Freiraumkonzept Mülheimer Süden
2023-11-08_Anlage1__Freiraumkonzept_barrierefrei_kl
136045 Zeichen
Freiraumkonzept
Mülheimer Süden
Entwicklung von Zielvorgaben
für den Freiraum
6
8
1.1 Ausgangslage 9
1.2 Werksta ttverfahren 2013/2014 11
1.3 Städtebaulich-freiraumplanerisches Konzept 2014 14
1.4 Status Quo 2023 18
2. Der Charakter des Ortes 20
2.1 Konflikte als Identitätssuche 21
2.1.1 Urbane Dichte 21
2.1.2 Grünflächenunterv ersorgung 21
2.1.3 Potential der urbanen Stadt neu denken 22
2.2 Identifikationsmerkmale des öffentlichen Raumes 22
2.2.1 Gestaltung – Nutzung – Frequentierung 23
2.2.2 Atmosphäre/Iden tität 24
2.3 Spuren einer Identität 25
3. Das Leitbild: Grüne Stadt über Freiraum denken 28
3.1 Menschlicher Maßstab 29
3.2 Urbanes Grün 30
3.3 Grün-blaue Infrastruktur 30
3.4 Gesundheit und Wohlbefinden 31
3.5 Soziales und Kultur 32
3.6 Kunst im öffentlichen Raum 33
3.7 Nachhaltigkeit 33
Inhalt
3
Prolog
1. Bisherige Entwicklung des Gebietes Mülheimer Süden
4. Die Entwicklungsperspektive: Verbundenheit durch Struktur 34
4.1 Gesamtdarstellung: Leitziele 35
4.2 Raumkonzept 38
4.3 Raumtypologien 39
5. Die Entwicklungspotentiale für den Mülheimer Süden 42
5.1 Entwicklungspotentiale 44
5.2 Einzelbetrachtung Raumtypologien 45
6. Gestaltungsprinzipien 68
6.1 Charakter des Ortes – Spurensuche 70
6.2 Grundlagen 71
6.3 Planungsgrundsätze Freiraumqualifizierung Deutz-Areal 72
6.3.1 Straßenraumplanung 72
6.3.2 Straßenraumbegrünung 72
6.3.3 Wassersensible Stadtentwicklung und Starkregenvorsorge 73
6.3 Konzeption 74
6.4.1 Wassersensible Stadtraum- und Grünflächengestaltung 74
6.4.2 Vegitationskonzept 76
6.4.3 Charakteristisches Material- und Ausstattungskonzept 101
7. Ausblick 106
Literaturverzeichnis 108
Abbildungsverzeichnis 109
Impressum 111
4
Prolog
4
7
Unser
e Zeit ist von großen und neuen Herausforderungen geprägt. Ökonomische und öko-
logische Anpassungsprozesse – bedingt durch den weltweiten Klimawandel, einen akuten
demografischen Wandel, einer Neuorientierung der traditionellen Formen des Zusammen -
lebens und der zunehmenden Digitalisierung – stellen immer höhere Anforderungen an die
Leistungsfähigkeit urbaner Räume. Damit verbunden ist eine intensivere und intelligentere
Nutzung urbaner Freiräume, die sich besonders auf ökologische und soziale Funktionen
bezieht.
Ein durch die Pandemie noch verstärktes Gefühl von Vereinsamung und Verunsicherung
prägt unser Zusammenleben – aber speist auch die Suche nach Alternativen. Die Sehnsucht
nach dem Ursprünglichen, dem greifbar Lebendigen, dem Natürlichen wächst besonders in
urbanen Räumen. Der Freiraum ist längst keine passive Ressource mehr. Gemeinsam mit
dem Grün in der Stadt positioniert er sich zunehmend als neuer urbaner Entwicklungsmotor.
In diesem Zusammenhang erfährt der öffentliche Freiraum in urbanen Systemen eine
vielschichtige Verantwortung als strukturgebendes stadträumliches Element, als Lebens-
und Begegnungsraum für Gesundheit und Soziales und vor allem im Hinblick auf Klimawan-
delanpassung zur Stärkung der Resilienz urbaner Systeme.
Die Entwicklung des Mülheimer Südens steht im Kontext dieser Herausforderungen.
Mit dem vielschichtigen Wandlungsprozess des Mülheimer Südens von einem ehemals in-
dustriell geprägten Stadtteil hin zu einem neuen, lebendigen, durch Wohn- und Gewerbe-
nutzung geprägten Stadtteil entstehen urbane, verdichtete Quartiere, die es gilt gesamt-
heitlich zu vernetzen, individuell zu entwickeln und nachhaltig, resilient zu stärken.
Eine neue Wertschöpfung des öffentlichen Freiraums aus Kultur und Natur stellt die
Grundthese für die Entwicklungsperspektive des Mülheimer Südens dar: aus der geschicht-
lichen, räumlichen und funktionellen Überlagerung entsteht ein stabiles Raumkonzept, das
bestehende Qualitäten standortgerecht und zukunftsweisend integriert, verwebt und mit
Leitzielen einer grünen, wassersensiblen und resilienten Stadt neue Entwicklungsperspek -
tiven aufzeigt.
Zielsetzung
Das durch die Stadt Köln, Dezernat Planen und Bauen, in Auftrag gegebene „Freiraumkonzept
Mülheimer Süden“ dient als Studie der Entwicklung von Zielvorgaben für den öffentlich erleb-
baren Freiraum des Mülheimer Südens.
Die sich in unterschiedlichen Planungsstadien befindlichen Quartiere sind aufzuzeigen,
räumlich-strukturell zusammenzuführen und freiraumplanerisch zu qualifizieren.
1. Bisherige Entwicklung des
Gebietes Mülheimer Süden
6
9
1.1 Ausgangslage
Der zentral im Stadtgebiet gelegene Mülheimer Süden liegt rechtsrheinisch nur etwa 2 Kilo -
meter Luftlinie von der Kölner Innenstadt entfernt. Die Zoobrücke im Süden sowie die Mül -
heimer Brücke im Norden verbindet Mühlheim Süd mit dem linksrheinischen Köln. Räum -
lich-begrenzend und verkehrsstrukturell von Bedeutung ist die ICE-Trasse, die über einen
Damm von Südwesten nach Nordosten durch das Gebiet verläuft. Im Norden knüpft das
Gebiet an die Wohnstruktur des Mülheimer Südens an. Östlich limitieren der Pfälzische und
der Bergische Ring das Plangebiet, an welchen die in den 50er Jahren gebaute Volks-Wohn-
siedlung Stegerwald liegt, die durch jahrelangen Teilleerstand der Ladengeschäfte stadt -
strukturell geschwächt ist. Im Süden grenzt das Quartier an die neuen und alten Messehallen,
welche eine übergeordnete nutzungs- und stadtstrukturelle Bedeutung haben. Westlich des
Gebietes verläuft der Rhein mit dem bestehenden Rheinboulevard, mit dem Jugendpark auf
einer Außenmole sowie dem Gelände des Mülheimer Hafens. Der Rhein ist in diesem Ab -
schnitt gewerblich genutzt und für die Stadt ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor.
Die Deutz-Mülheimer Straße und der Auenweg bilden verkehrsinfrastrukturell neben der ICE-
Trasse wichtige stadträumliche Verbindungen. Der Rheinboulevard mit einer stadträumlich
übergeordneten Fuß- und Radwegeverbindung und der Grünzug Charlier stellen die vorhan-
denen öffentlichen Grünflächen dar. Durch die direkte Nachbarschaft zu bestehenden Struk-
turen, wie dem Mülheimer Hafen und dem Rheinpark bietet das Areal ein hohes Potential, die
vorhandene Standortqualität durch freiräumliche Akzentsetzung neu zu definieren und in ein
quartiersübergreifendes System einzubinden. Aus diesem Grund ist das Plangebiet des Mül-
heimer Südens, in dem sich in den vergangenen beiden Jahrzehnten vieles gewandelt hat,
von besonderem Interesse für die Stadtentwicklung.
Aufgrund seiner besonderen Lage kommt dem Mülheimer Süden stadtentwicklungspolitisch
eine hohe Bedeutung zu. Die industrielle Nutzung wurde vor geraumer Zeit aufgegeben, so -
dass das Gelände brach liegt. Einige denkmalgeschütze und erhaltenswerte Gebäude sind
erhalten und bezeugen die industrielle Bedeutung des Geländes. Für das historisch gewerb-
lich-industriell genutzte Gebiet ergibt sich die einmalige Chance, sich in den kommenden
Jahren zu einem urbanen, lebendigen und nachhaltigen Quartier mit eigener Identität weiter
zu entwickeln.
Auf der Grundlage des Rechtsrheinischen Entwicklungskonzeptes (2008) und dem Master -
plan von Albert Speer und Partner wurde in den Jahren 2013/2014 ein „Interdisziplinäres,
dialogisches Werkstattverfahren zur Erstellung einer Planungs- und Entwicklungskonzeption
für den Mülheimer Süden inklusive Hafen als Fortschreibung des Rechtsrheinischen Entwick-
lungskonzeptes Teilraum Nord (REK-Nord)“ durchgeführt, dessen Ergebnisse in ein städte-
baulich-freiraumplanerisches Konzept (2014) für den Mülheimer Süden überführt wurden.
Der Mülheimer Süden umfasst derzeit folgende sieben Quartiere, die über die Deutz-Mül -
heimer Straße und dem Auenweg erschlossen sowie über den Rheinboulevard miteinander
räumlich vernetzt sind.
• Lindgens Areal
• Windmühlenquartier
• Deutz Areal
• Otto-Langen-Quartier
• Nördlich Grünzug Charlier
• Euroforum West
• Euroforum Nord
10
Die sieben Quartier
e werden in der Bauleitplanung und den Objektplanungen Architektur
und Freiraum der jeweiligen Baufelder mit unterschiedlichen InvestorInnen, Projektentwick-
lerInnen und ArchitektInnen sowie LandschaftsarchitektInnen entwickelt.
Abb. 1 Luftbild Situation des Projektraums Mülheimer Süden im Jahr 2014
Abb. 2 Blick auf die Hafenstraße und industriell ge-
prägte Bausubstanz (2014)
Abb. 3 Grünwildwuchs auf Brachflächen (2014)
Abb. 4 Ausbau Rheinboulevard als verbindendes
Grün- und Freiraumelement (201 4)
Abb. 5 Brachgefallene Industriegebäude (2014)
Lindgens Areal
Windmühlenquartier
Deutz-Areal
Otto Langen Quartier
Nördlich Grünzug Charlier
Euroforum Nord
Euroforum West
11
Abb. 3 Grünwildwuchs auf Brachflächen (2014)
Abb. 5 Brachgefallene Industriegebäude (2014)
1.2 Werkstattverfahren 2013/2014
Das Werkstattverfahren mit der Bezeichnung „Interdisziplinäres, dialogisches Werkstattver-
fahren zur Erstellung einer Planungs- und Entwicklungskonzeption für den Mülheimer Süden
inklusive Hafen als Fortschreibung des Rechtsrheinischen Entwicklungskonzeptes Teilraum
Nord (REK-Nord)“ in den Jahren 2013 und 2014 wurde auf Veranlassung der Stadt Köln (unter
Beteiligung verschiedener Ausschüsse und der Bezirksvertretung Mülheim) durchgeführt.
Die zwei Planungsbüros Bolles+Wilson, Münster und ksg, architekten und stadtplaner, Köln
zeigten unter Beteiligung von Landschaftsarchitekten und Verkehrsplanern eine Planungs-
und Entwicklungskonzeption für den Mülheimer Süden inklusive des Hafens auf. In einem mit
der Öffentlichkeit durchgeführten dialogorientierten Verfahren wurden Konzepte erarbeitet,
wie das zuvor industriell genutzte und städtebaulich isolierte Areal zu einem urbanen und
durchgrünten Stadtquartier aufgewertet werden kann.
Aufbauend auf dem Rechtsrheinischen Entwicklungskonzept REK wurden neun sogenannte
„Grünkorridore“ als zentrale grün- und freiraumplanerische Vernetzungsaufgabe mit dem
Ziel der stadträumlichen Öffnung des Areals zum Rhein hin und der Anbindung an den beste-
henden Rheinboulevard, als Leitbild formuliert.
• K1 “Der Hafen-Park”
• K2 “Der grüne Boulevard”
• K3 “Villa Charlier”
• K4 “Möhring Gasse”
• K5 “Die KHD-Passage”
• K6 “Main Square”
• K7 “Der Urban-Garden”
• K8 “Meeting Green”
• K9 “Shared Green”
(Grafik Verortung der neun Korridore zum Rhein folgt auf Seite 10)
Das Ergebnis war ein umfassendes Planungs- und Entwicklungskonzept als Gesamtpers-
pektive für die künftige Entwicklung des Mülheimer Südens. Das gesamte Verfahren wurde in
Form einer Dokumentationsbroschüre zusammengefasst: Stadt Köln (2014): “Werkstattver-
fahren Mülheimer Süden inklusive Hafen“: https:/ /www.stadt-koeln.de/mediaasset/content/
pdf61/mhh_dok_barrierefrei_stk_dina4_140727.pdf [04.04.2023].
12
Abb. 6 Masterplan „Grüner Kamm“ – die 9 Grünkorridore zum Rhein (2014)
K1 “Der Hafen-Park”
K2 “Der Grüne Boulevard”
K3 “Villa Charlier”
13
Beitrag: ksg architekten und stadtplaner / KLA kiparlandschaftsarchitekten
K4“Möhring Gasse”
K5 “Die KHD -Passage”
K9 “Shared Green”
K6 “Main Square”
K7 “Der Urban Garden”
K8 “Meeting Green”
14
1.3 Städtebaulich-freiraumplanerisches Konzept 2014
Die Ergebnisse aus dem interdisziplinären und dialogischen Werkstattverfahren wurden im
Anschluss an das Verfahren 2014 unter Beteiligung der o.g. zwei Planungsbüros in ein städ-
te-baulich-freiraumplanerisches Konzept für den Mülheimer Süden überführt. Das städte -
bauliche Konzept und die freiraumplanerische Leitidee der neun Grünkorridore wurden hin -
sichtlich der Grundstücksverhältnisse und deren Realisierungsmöglichkeiten überprüft und
zu sechs - statt zuvor neun - Freiraumkorridoren weiterentwickelt.
• K1 „Die Promenade zum Hafen“
• K2 „Der Grüne Boulevard“
• K3 „Grünzug Charlier“
• K4 „An der Möhring-Gasse“
• K5 „Am Lindgens Areal“
• K6 „Am neuen Park“
Mit dem Rheinboulevard als räumlicher Ausgangspunkt, stellen die sechs Freiraumkorridore
eine stadträumliche Öffnung des Quartiers dar und fungieren als neue Grün- und Freiraum -
verbindungen. Der Grad ihrer Durchgrünung unterscheidet sich, wodurch sich unterschiedli-
che Atmosphären und Charaktere in den Korridoren manifestieren. Jeder Korridor erhält
dadurch eine eigene Freiraumqualität. Wiederkehrende Freiraumelemente verbinden private,
privat-öffentlich zugängliche und öffentliche Räume wie Innenhöfe, grüne Plätze, schattige
Aufenthaltsbereiche, Vegetationsinseln, Straßenräume und die Uferbereiche miteinander in
ein gesamtheitliches Planungs- und Entwicklungskonzept.
15
Abb. 7 Das Gebiet prägende historische Backsteinarchitektur (2023)
Abb. 8 Erschließung überwiegend über ehemalige Werksstraßen (2023)
16
Abb. 9 „6 Grüne Korridore für Mülheim – Ein integriertes System zwischen Wasser und Landschaft“
(Städtebaulich-freiraumplanerisches Konzept 2014)
K1 “Die Promenade zum Hafen”
K2 “Der Grüne Boulevard”
K3 “Grünzug Charlier”
K4 “An der Möhring-Gasse”
Auenweg
17
Bolles+Wilson / ksg architekten und stadtplaner / KLA kiparlandschaftsarchitekten
K1 “Die Promenade zum Hafen”
K2 “Der Grüne Boulevard”
K3 “Grünzug Charlier”
K4 “An der Möhring-Gasse”
K5 “Am Lindgens Areal”
K6 “Am neuen Park”
Deutz-Mülheimer Straße
Rheinboulevard
18
1.4 Status Quo 2023
Der Wandlungsprozess des Mülheimer Südens von einer Industriebrache zu einem neuen
Stadtquartier ist zu einem vielschichtigen und langjährigen Planungs- und Realisierungs-
prozess geworden.
Die im Werkstattverfahren 2014 formulierte städtebaulich-freiraumplanerische Leitidee be-
darf daher einer Weiterentwicklung und der Formulierung zeitgemäßer Leitziele und Gestal-
tungsprinzipien. Aufgrund der heterogenen Strukturen und Entwicklungsstände muss ein
räumlich-visuell zusammenhängendes und wahrnehmbares Stadtquartier entwickelt werden,
welches sich im Kontext der Gesamtstadt Köln und der angrenzenden Nachbarschaften inte-
griert, vernetzt und eine nachhaltige Stadtentwicklung als Prämisse gewährleistet.
Der Mülheimer Süden ist ein für die Stadt Köln und im internationalen Kontext historisch
einzigartiges Areal. Hier wurde Industriegeschichte geschrieben, welche sich an vielfältigen
Bebauungsstrukturen ablesen lässt. Noch heute stehen architektonische Zeugen für diese
Geschichte im Stadtraum und potenzieren sich mit neuzeitlicher Architektur zu einem indivi-
duellen, atmosphärisch besonders geprägten Areal.
Es zeigte sich in den letzten Jahren der Gesamtbetrachtung und der verschiedenen Projekt-
entwicklungen der sieben Quartiere, dass die Leitidee der Grünkorridore aus dem Werkstatt-
verfahren 2014 weiterqualifiziert und differenziert werden muss.
Freiraum schafft Stadtraum
Ein lebendiges Stadtquartier wird durch den Freiraum und der dort zusammenlebenden
Menschen geschaffen. Der Freiraum ist längst keine passive Ressource als Überbleibsel
mehr. Es geht darum, von Freiräumen im urbanen Gefüge aus verstärkt in die Gesamtplanung
einzusteigen. Gemeinsam mit dem Grün in der Stadt positioniert er sich als neuer urbaner
Entwicklungsmotor. Freiraum ist „urbane Landschaft“ , an der sich Städte für ihre zukünftige
Entwicklung orientieren und die Verantwortung tragen, Lebenswelten und -räume von mor -
gen zu schaffen.
Freiraum bedeutet Gemeinschaft. Dabei steht der Mensch im Fokus einer nachhaltigen Ent-
wicklung (menschlicher Maßstab). Es geht um ein Leben im Grünen und in der Stadt – nicht
als entweder oder – sondern als neues Verständnis des Freiraums. Der öffentliche Raum be-
kommt in dieser Betrachtung eine erhebliche Wichtigkeit und kann und muss die Rolle ein -
er zu Zeiten des Klimawandels gesunden, sozialen und nachhaltigen, urbanen Entwicklung
übernehmen!
19
Abb. 10 Luftbild Situation des Projektraums Mülheimer Süden im Jahr 2022
Abb. 11 Blick auf den bestehenden Rheinboule-
vard am Lindgens-Areal
Abb. 12 Blick auf das Lindgens-Areal
Abb. 13 Industriell-historisch geprägte Bausubs-
tanz im Lindgens-Areal
Abb. 14 Sanierung und Umbaumaßnahmen
2. Der Charakter des Ortes
18
21
2.1 Konflikte als Identitätssuche
2.1.1 Urbane Dichte
Aufgrund des Grundstücksmangels kommt es in der heutigen Zeit zwangsläufig zu einer
Nachverdichtung unserer Städte. Die letzten innerstädtischen Freiflächen werden mit neuen
Nutzungen überbaut und tragen somit zu einer Erhöhung der Flächenversieglung bei. Auf -
stockungen im baulichen Bestand verändern die Luftzirkulation im Klimagefüge der Stadt
und Verkehrsflächen werden stärker frequentiert.
Das Verantwortungsbewusstsein zur mutigen Flächenentsiegelung im Rahmen von Neubau-
maßnahmen sowie die Quantifizierung und Qualifizierung von Grün- und Vegetationsstruk -
turen im städtischen Kontext steht an oberster Priorität.
Der Stadtraum Mülheimer Süden weist verschiedenartige Quartiersentwicklungen auf. Eine
hohe städtebauliche Verdichtung bildet einerseits den Bedarf an Wohnraum in der Stadt ab,
spiegelt jedoch andererseits die Notwendigkeit eines öffentlichen Raumes mit einem hohen
Grünflächenanteil wider.
Die Verantwortung liegt darin, nicht an traditionellem Stadt-Bauen festzuhalten, sondern
durch ein neues, zukunftsfähiges Denken multikodifizierte Stadträume und Bezugssysteme
zu schaffen.
2.1.2 Grünflächenunterversorgung
Grün in der Stadt ist eine Umweltressource, die oftmals ungleich verteilt ist. Die umweltbezo-
gene Gerechtigkeit verfolgt das Ziel, einen gerechten Zugang zu Umweltressourcen für alle
zu schaffen und somit die soziale Dimension der ungleichen Verteilung zu minimieren bzw.
auszugleichen.
Die stadträumliche Entwicklung des Mülheimer Südens zeigt einen im Verhältnis der ur -
banen Dichte geringen öffentlichen Grünflächenanteil. Bei der Entwicklung vom „Grünen
Kamm“ mit anfangs neun Grünkorridoren (Werkstattverfahren 2013/2014), entschied sich
die LAND Germany GmbH (ehemals KLA kiparlandschaftsarchitekten) im Zuge des städte -
baulich-freiraumplanerischen Konzeptes 2014 zu einer Reduzierung der Grünkorridore auf
insgesamt sechs. Dabei stellt sich die Frage nach der Realisierung von öffentlichem Grün für
die jeweiligen Quartiersentwicklungen und der bauleitplanerischen Sicherung.
Dabei zeigt sich, dass die bisherigen Planungen bereits eine deutliche Unterversorgung an
Grünflächen aufweisen. Dem gilt es zukünftig entgegenzuwirken.
22
Abb. 15 Schwarzplan bebauter Raum (Planung
Stand 2023)
Abb. 16 Potential öffentlich-erlebbarer Raum
Es ist Zeit das Potential der urbanen Stadt über den Freiraum neu zu denken: Der Freiraum ist
längst keine passive Ressource mehr. Gemeinsam mit dem Grün in der Stadt positioniert er
sich zunehmend als neuer urbaner Entwicklungsmotor.
Zum Erlebnis von öffentlichem Raum und zum Leben in der Stadt gehören gerade in Zeit -
en des Klimawandels auch die Aufklärung des Nutzens von Natur im urbanen Raum. Land -
schaftsarchitektur hat also nicht nur eine architektonische Dimension, sondern ist auch eine
gesellschaftliche Pflicht. Die Bedeutung des öffentlichen Raums für das Zusammenleben in
den Städten rückt immer weiter in den Fokus.
Es gibt viele Gründe, um die Bedeutung von Landschaft zu unterstreichen. Landschaft fun-
giert als Spiegel der Gesellschaft, indem sich Leben entwickelt. Um genau dieses Leben han-
delt es sich bei der Entwicklung von Freiraumqualitäten in zukünftigen Quartieren. Es entste-
hen neue Stadtlandschaften und Quartiere in unterschiedlichen Maßstabsebenen.
Die Herausforderung besteht in der Dichte der Stadtstruktur. Ziel ist die Entwicklung einer
Stadt der kurzen Wege, die ein großes soziales und kulturelles Angebot für seine Bewohner
und Bewohnerinnen und seine Besucher und Besucherinnen bietet. Eine weitere Aufgabe
hat das urbane Grün. Durch eine Steigerung der Vegetations- und Biotopmasse wird der
öffentliche (Grün)Raum weiter qualifiziert. Die anstehenden Herausforderungen müssen als
Potentiale begriffen werden. Eine gesteigerte Freiraumqualifizierung beispielsweise trägt in
großem Maße zu einer resilienten und verantwortungsbewussten Entwicklung des urbanen
Raumes bei.
2.2 Identifikationselemente des öffentlichen Raumes
Der öffentliche Freiraum definiert die grundlegende räumliche Struktur der Stadt. In diesen
Räumen findet das öffentliche Leben statt, dort entstehen verschiedene Atmosphären der un-
terschiedlichen Orte, die in Summe den besonderen Charakter einer Stadt und im Mülheimer
Süden eines Stadtquartiers prägen. Die Atmosphäre oder „Stimmung eines Ortes“ ist zwar
eine subjektive Bewertung, sie lässt sich aber objektiv mit dem Zusammenspiel aus den im
2.1.3 Potential der urbanen Stadt neu denken
23
Folgenden erläut
erten Faktoren Nutzung, Frequentierung und Gestalt beschreiben. Die
Wahrnehmung des öffentlichen Raumes erfolgt auch über die privaten, öffentlich zugängli -
chen Flächen. Daher wird im Folgenden vom öffentlich erlebbaren Raum gesprochen.
2.2.1 Gestalt – Nutzung – Frequentierung
Öffentlicher Raum ist eine Voraussetzung städtischen Lebens. Durch ihn wird Stadt zur ge-
lebten Stadt. Dabei wird der öffentlich erlebbare Raum in seiner Nutzung und Gestalt durch
seine jeweilige Frequentierung voneinander unterschieden. Er wird erst durch das Verhalten
der Menschen räumlich konkret und bietet als weitere Eigenschaft Multifunktionalität.
Wurde in den 1980er Jahren der öffentliche Raum als Außenraum zur Präsentation von
Skulpturen und für Kunst am Bau genutzt, so wird er heute selbst zum Gegenstand der Kunst.
Durch den Wettbewerbsdruck entstehen immer faszinierende Gestaltungsformen von öffen-
tlichen Räumen. Je nach Nutzung und Frequentierung ändert sich seine Gestaltung. Die Ge-
stalt eines Raums hat einen enormen Einfluss auf das Verhalten und dessen Nutzung durch
den Menschen.
Die Nutzung des öffentlichen Raumes ist an gesellschaftliche Transformationsprozesse ge -
koppelt, welche Einfluss auf Wandlung, Wahrnehmung und Gebrauch des Raums nehmen. Er
wird heutzutage sehr unterschiedlich und oft unbewusst als Verkehrsraum, als Konsumraum,
als Kommunikationsraum, als Erholungsraum etc. genutzt. Ein qualitativ hochwertiger Raum
unterstützt den Prozess der Aneignung durch das Angebot an Aufenthaltsqualität, Nutzun -
gen, Infrastruktur und Interaktionsmöglichkeiten mit anderen Personen.
2
Aus Gestaltung und Nutzung ergeben sich die Frequentierung des öffentlichen Raumes.
Dabei sind Durchgangs-, Verkehrs- und Erholungsräume stärker frequentiert als beispiels -
weise Vorplätze vor Wohn- und Geschäftsgebäuden. Stark frequentierte Räume deuten wie-
derum auf eine hohe Aufenthaltsqualität oder gute innerstädtische Lage hin.
Abb. 17 Atmosphäre und Identität bildende Elemente
24
Abb. 18 Lenauplatz in Neuehrenfeld - ein identitätsstiftender Ort
Wir empfinden einen Raum als schön, anregend, geschichtsträchtig, lebendig, langweilig
oder trostlos. Doch was macht die Identität eines Raumes oder Ortes aus?
Mit Identität wird die Atmosphäre eines Raumes beschrieben. Die Identität eines Raumes
wird maßgeblich von seiner Stimmung oder Geschichte vorgegeben.
Je geschichtsträchtiger ein Ort ist, desto mehr spüren wir die Identität eines Raumes. Doch
letztendlich ist die Identität eines Ortes immer eine subjektive Wertung. Der Raum an sich
besitzt keine Identität, sondern die Menschen, die ihn nutzen, geben ihm eine Identität. In
diesem Zusammenhang zeigt sich, wie wichtig partizipative Verfahren in der Planung sind.
Gestalt, Nutzung und Frequentierung bilden im Zusammenspiel die Atmosphäre eines Rau -
mes. Die Atmosphäre des öffentlich erlebbaren Raums formt das Stadtbild und nimmt Ein -
fluss auf die Wahrnehmung des Freiraums und der ihn umgebenden Gebäude. Über die At -
mosphäre wird Identität ermöglicht. Die Beständigkeit der Identitäten ist maßgeblich für die
Qualität, die für die Wahrnehmung eines Ortes wichtig ist.
3
2.2.2 Atmosphäre/Identität
25
2.3 Spuren einer I dentität
Der Mülheimer Süden zeichnet sich durch besondere architektonische Zeitzeugen einer
vergangenen industriell geprägten Geschichte aus. Fragmentartig finden sich heute diese
Zeitzeugen wieder, verwebt mit neuzeitlichen Entwicklungen lassen sie aber einen vergan -
genen Charakter des Ortes spüren, welcher heute in der Neuinterpretation dessen eine be-
sondere Atmosphäre und Identität schaffen kann.
Kühle, massive Materialien wie Stahl, Beton, Ziegel- und Backstein von teils verfallenen aber
auch erhaltenen und sanierten Gebäuden zeigen das enorme Entwicklungspotential. Über -
lagerungen an Zeitgeschehen sind hier erleb- und spürbar: hier und da blitzen kleine Details
hinter den massiven Backsteingebäuden auf, die facettenreich sind und mit viel Charme den
Charakter des vergangenen Ortes nachzeichnen: wiederkehrende historische Oberflächen-
materialien und Grünstrukturen brechen sich ruderal und vehement zwischen bebauten und
versiegelten Strukturen durch.
Diese Facetten sind einzigartig, wertvoll, erhaltenswert und neuinterpretierbar – so kann
eine vergangene Geschichte des Ortes ergänzt und neugeschrieben werden, als ein atmos-
phärisches und identitätsstiftendes Detail einer nachhaltigen Entwicklung des Mülheimer
Südens.
Abb. 19 Verwilderte Bausubstanz und Pioniervegetation als Zeitzeu-
gen einer v ergangenen industriell geprägten Geschichte
Abb. 20 Historisch ge-
prägte Bausubstanz
Abb. 21 Hafenstraße als historisch-industriell geprägte Erschließungsstraße
Historisch geprägte
Bausubstanz
26
Industriebauten Rheinboulevard Rheinboulevard
Ziegel Kopfsteinpflaster, Grauwacke Betonflächen
Abb. 22 Charakteristische Vegetations- und Oberflächenstrukturen im Mülheimer Süden
In Abbildung 21 treten die Spuren einer Identität des Mülheimer Südens durch eine foto-
basierte Übersicht der Bestandsmaterialien vor Ort deutlich in Erscheinung. Eine Fortführung
dieser Gestaltungsprinzipien innerhalb der einzelnen Raumtypologien und somit die For -
mung und der Erhalt einer eigenständigen Identität erfolgt in Kapitel 6 Gestaltungsprinzipien.
27
Flächen Rheinboulevard Rheinpark
Wassergebundene Wegedecke Wiesen Baumgruppe, Gehölze
3. Das Leitbild: Grüne Stadt über
Freiraum denken
26
29
3.1 Menschlicher
Maßstab
Unsere Zeit ist von großen Herausforderungen geprägt. Klimawandel, soziale Ungerechtigkeit-
en und zunehmend digital geprägte Wandlungsprozesse lassen die Suche der Menschen
nach dem Ursprünglichen, dem Lebendigen, dem Natürlichen besonders in urbanen Räumen
wachsen. Wir Menschen stehen wieder in der Mitte. Es geht um ein Leben in grünen Stadt -
landschaften und nicht zwischen von ein bisschen Grün umgebenen Gebäuden.
Was für jede Baumaßnahme im Zusammenwirken von Landschaft, Architektur und Kunst
Voraussetzung sein sollte, gilt umso mehr für Stadtquartiere: der menschliche Maßstab. Er
ist maßgebend für die räumlich-strukturelle Dimensionierung und Ausgestaltung von öffent-
lichem Raum und ist zudem bedeutend für die Entwicklung des Individuums in urbanen
Zusammenhängen. Das Stadtquartier kann und wird eine Laborfunktion für die idealtypische
Entwicklung des menschlichen Lebensraumes haben.
„Der Mensch ist der Maßstab für die Stadt. “ (Jan Gehl, Kopenhagener Architekt)
Grüne Stadt über
Freiraum denken
Nachhaltigkeit
Urbanes Grün
Gesundheit und
Wohlbefinden
Blau-grüne
Infrastruktur
Soziales und
Kultur
Menschlicher
Maßstab
Grüne Stadt
über Freiraum
denken
Abb. 23 Bestandteile „Grüne Stadt über Freiraum denken“
30
Bedingt durch den Klima
wandel ergeben sich erhöhte Anforderungen an die Stadt, was wie-
derum infrastrukturelle, ökonomische und ökologische Anpassungen erfordert. Eine zentrale
Rolle spielt hier die Ausformulierung von urbanem Grün als Vegetations- und Biotopmasse.
Ein erhöhter Grad an urbanem Grün ist nicht nur aus klimatechnischen Gründen wertvoll,
beispielsweise die positive Beeinflussung der Versickerung von Regenwasser, sondern fördert
zusätzlich auch die Biodiversität durch eine größere Lebensraumvielfalt. Zur Förderung
und Unterstützung vorhandener Arten und zur Ansiedlung neuer und heimischer Tier- und
Pflanzenarten berücksichtigt die künftige Entwicklung der Stadt die biologische Vielfalt.
Auch die Sicherung sozialer Funktionen ist von großer Bedeutung. Erlebbare Grünflächen
fördern die physische und psychische Gesundheit und steigern im Sinne der „Grünen Stadt“
die Standortqualität.
3.3 Grün-blaue Infr astruktur
Im Jahr 2013 hat die Europäische Union mit der Veröffentlichung der Kommissionsmittei -
lung „Grüne Infrastruktur (GI) – Aufwertung des europäischen Naturkapitals“ einen Perspek-
tivwechsel für die Beurteilung der gesamtgesellschaftlichen Bedeutung von Natur und Land-
schaft eingeleitet. Die Wirkungen von natur- und landschaftsbezogenen Maßnahmen sind
mehrdimensional und beeinflussen vielfältige Bereiche des öffentlichen Lebens.
Grüne Infrastrukturen sind ein multifunktionales, strategisch geplantes Netzwerk aus natürli-
chen, naturnahen und gestalteten Flächen, welches im urbanen und ländlichen Raum wich -
tige Ökosystemdienstleistungen gewährleistet und die biologische Vielfalt schützt. Ökosys-
temdienstleistungen sind die Nutzen, die der Mensch von Landschaft und Natur beziehen
kann (beispielsweise eine gute Luftqualität oder sauberes Wasser). Das multifunktionale Sys-
tem grüner Infrastrukturen ist in der Lage, auf ein und derselben Fläche mehrere Funktionen
und Nutzungsansprüche (zum Beispiel Erholung und Naturschutz) miteinander zu kombinie-
ren.
Blau-grüne Infrastrukturen sind eine aktuelle und zukünftige urbane Notwendigkeit. Sie las -
sen sich gerade im Stadtquartier im adäquaten Maßstab realisieren und können auch als Ge-
staltungselement fungieren. Dazu gehören unter anderem das Stadtgrün und die städtische
blaue Infrastruktur, aquatische Ökosysteme, Entwässerungssysteme als Überflutungsschutz
gegen zunehmenden Starkregen und Regenrückhaltung zur dauerhaften Begrünung des
Quartiers.
Derart gestaltete Freiflächen verbessern die örtliche Wasserbilanz und tragen in Summe zur
Reduktion von Hochwasserrisiken bei. Zunehmende Extremwetterereignisse haben in den
letzten Jahren aufgezeigt, wie wichtig es ist, Freiräume klimaangepasst zu gestalten. Jeder
vor Ort versickerte oder zurückgehaltene Niederschlag hilft, Überflutungen vorzubeugen.
3.2 Urbanes Grün
31
Der Ein
fluss der Ausprägung von Stadträumen und dessen Einfluss auf die Gesundheit von
Menschen (Quartierseffekte) ist groß. Die Zusammenhänge werden, je kleiner der Maßstab
wird, umso deutlicher.
Dabei geht es, neben den physischen Faktoren, wie etwa Luftqualität, Schutz vor Hitzeein-
wirkung und Lärmbeeinträchtigungen auch um den geförderten sozialen Zusammenhalt, der
zum Beispiel das Sicherheitsbefinden erhöht sowie die Bewegungsangebote und -möglich -
keiten im öffentlichen Raum.
Abb. 24 Eigenschaften von Biodiversität
3.4 Gesundheit und Wohlbe finden
*
* NBS = Nature-based solutions (naturbasierte Lösungen oder natürliche Klimaschutzlösungen) sind Maßnahmen, mit denen die globale
Erwärmung und dessen Auswirkungen auf die Umwelt und den Menschen reduziert werden
32
Abb. 25 Anziehungspunkt im öffentlichen Raum: Der Rathenauplatz in Neustadt-Süd
Freiräume sind ein essentielles, gemeinschaftsstiftendes Element, jedoch ist elementar, in
wie weit sie einladend wirken und welche Aufenthaltsqualität sie bieten. Grün kann hier eine
Wegbereiterin zur Aneignung von Räumen sein, denn es bietet Gemütlichkeit, Schutz, spen-
det kühle und frische Luft und trägt zum Wohlbefinden bei.
Öffentliche Räume sind zentrale Elemente der sozialen Infrastruktur eines Quartiers. Sie fun-
gieren als Treff- und Kommunikationsraum und leisten somit einen wesentlichen Beitrag zur
sozialen Kohäsion. Das öffentliche Leben findet hier statt. Zudem tragen sie mit einer be -
sonderen Atmosphäre oder einzigartigen Struktur zur kulturellen Identität eines Quartiers
bei. Aus besonderen sozialen oder kulturellen Ereignissen entstehen Erinnerungen, die als
Emotion mit dem Stadtteil in Verbindung gebracht werden können.
3.5 Soziales und Kultur
33
3.6 Kunst im öffentlichen Raum
Die teilweise erhaltene Bausubstanz im Projektgebiet zeugt von einer bewegten industriellen
Geschichte entlang des gesamten Projektgebiets. Die herausragende historische Rolle des
Mülheimer Südens soll im Bereich von öffentlichen Plätzen und Grünflächen mit Kunst im
öffentlichen Raum herausgestellt werden.
Dafür wird in Zukunft ein tragfähiges Konzept zu diesem Thema aufgestellt, Wettbewerbsver-
fahren sollen eine kreative und hochwertige Gestaltung sicherstellen.
3.7 Nachhaltigkeit
Meist werden mit dem Begriff der Nachhaltigkeit ökologische Themen assoziiert. Dennoch ist
es wichtig, im Sinne der drei Säulen der Nachhaltigkeit zu handeln:
Ökologische Nachhaltigkeit
Durch mehr Grün in der Stadt wird die ökologische Nachhaltigkeit gefördert. Eine intelligente
Planung mit biologischer Vielfalt, dem Schutz von Flächen und deren langfristiger Nutzung
sind Grundprinzipien. Die ökologische Nachhaltigkeit umfasst darüber hinaus stadtklima -
tische Aspekte, wie beispielsweise Fassaden- und Dachflächenbegrünung (Schutz vor Hit -
zeinseleffekt, Einstauen von Niederschlagswasser für Trockenperioden) und Niederschlags-
wassermanagement.
Ökonomische Nachhaltigkeit
Strategien des Recyclings vor Ort und ein ressourcenschonender Umgang können ökolo-
gische Mehrwerte auslösen, wie beispielsweise Wiederverwertung von Abwässern, konse-
quente Mülltrennung oder das Recycling von Abfallstoffen. Ziel ist es, Rohstoffe, Waren und
Kapital auch in Zukunft im gleichen Ausmaß und in gleicher oder besserer Qualität zu er-
halten.
Soziale Nachhaltigkeit
Freiflächen mit einer hohen Qualität für die Menschen der Quartiere sind von großer Be -
deutung. Durch den Einbezug der Nutzenden, durch eine aktive Mitgestaltung ihrer Umge -
bung/Freiflächen werden identitätsstiftende Orte geschaffen. Durch die Eigeninitiative oder
Baumpatenschaften wird die Bindung zum Freiraum gestärkt und der Nachhaltigkeitsgedan-
ke positiv beeinflusst. Auch Bildungsangebote für Kindergärten und Schulen im Bereich
„Richtiger Umgang mit der Natur“ festigen die Bindung zum urbanen Freiraum.
4. Die Entwicklungsperspektive:
Verbundenheit durch Struktur
32
35
Auf
Grundlage der vorherigen Status Quo Betrachtung und Leitbildentwicklung werden im
folgenden Kapitel übergeordnete Leitziele für die Gesamtentwicklung des Mülheimer Südens
abgeleitet. Aus den Leitzielen entstehen wiederum Entwicklungspotentiale für das struk -
turelle Raumkonzept mit seinen einzelnen Raumtypologien, welche dann in konkreten Ge -
staltungsprinzipien Anwendung finden.
4.1 Gesamtdar stellung: Leitziele
1 | Öffentlich erlebbarer Freiraum als Grünes Freiraumnetzwerk
Schaffung eines Grünen Freiraumnetzes als Strategie zur Verknüpfung der Quartiere und
Nachbarschaften und als Instrument zur Entwicklung des Mülheimer Südens.
2 | Grün-Blaue Infrastruktur als Wachstumskatalysator für eine resiliente Entwicklung
Entwicklung von ökologisch ästhetischem, wassersensiblem urbanem Grün zur Schaffung
von grünen Lebensräumen und zur Reduzierung der Folgen des Klimawandels.
3 I Urbane Räume erlebbar gestalten
Vorhandene Strukturen nutzen, besondere Atmosphären herausarbeiten und mit neuen ge -
stalterischen Elementen inszenieren. Vertrauen, Ordnung und Wohlbefinden im öffentlichen
Raum gewährleisten – Der Mensch als Maßstab.
4 | Identität des Ortes entdecken und inwertsetzen
Wiederverwendung von historischen Spuren im Stadtraum als atmosphärische Elemente
und als Wiedererkennungsmerkmale.
5 | Sehen und Gesehen werden
Die Geschichte des Ortes erlebbar gestalten und durch Kunst im öffentlichen Raum insze -
nieren.
Abb. 26 Gesamtdarstellung – Verortung der Plangebiete
Lindgens Areal
Windmühlenquartier
Deutz-Areal
Otto Langen Quartier
Nördlich Grünzug Charlier
Euroforum Nord
Euroforum West
36
Abb. 27 Gesamtdarstellung (Stand September 2022)
37
Legende
Innenhöfe
Öffentliche Grünflächen
Private Grünflächen
Spielplätze
Freiräume
Plätze
Schulen
38
Das K
onzept sieht vor, den Mülheimer Süden mit seinen unterschiedlichen Quartieren und
Freiräumen als ein gesamtheitliches, nachhaltiges Stadtquartier räumlich-strukturell und für
den Menschen wahrnehmbar zu gestalten. Es verbindet die Quartiere miteinander und ver -
netzt den Mülheimer Süden mit seinen angrenzen Nachbarschaften und fügt das Areal über
ein neuinterpretiertes Freiraumnetzwerk in den Gesamtkontext ein.
Die historisch bedeutende und zentral gelegene Deutz-Mülheimer Straße wird somit zum
Rückgrat der stadträumlichen Entwicklung. In Ergänzung des Auenwegs und dessen zukünf-
tiger Verlängerung durch das Deutz-Areal über die Planstraße A an den Bergischen Ring
entsteht ein strukturgebendes Erschließungssystem. Verschiedene charakteristische Stadt-
und Freiraumplätze reihen sich hier wie Perlen an einer „Perlenkette“ auf und schaffen urban
– grüne zentrale Freiräume für Aufenthalt, Treffpunkte und Kommunikation (siehe Abbildung
26).
Der bestehende Rheinboulevard und dessen Verlängerung über weitere öffentliche Grün -
flächen als sog. „Grünes Band“ stellt im Kontrast zum urbanen Rückgrat der Deutz-Mülheimer
Straße die landschaftliche, grüne Stadtkante zum Rhein hin dar. Ausgehend hiervon werden
vier Freiraumkorridore als Abfolge öffentlicher Platz- und Grünflächen in unterschiedlichen
Ausprägungen geschaffen, die eine Anbindung an den Rhein und in das Stadtquartier hinein
gewährleisten. Quartiersstraßen als „Cool Green Streets“ und Quartiersgassen als „informelle
Kommunikationsorte“ ergänzen und vernetzen das Raumkonzept als ein feindifferenziertes
und orientierbares System des öffentlichen Raums.
Das Raumkonzept bildet die Struktur zur Qualifizierung und Inwertsetzung des öffentlich
wahrnehmbaren Raums mit dem Leitbild einer „Grünen, wassersensiblen und resilienten
Stadt“ .
4.2 Raumkonzept
39
4.3 Raumtypologien
Aus dem Raumkonzept entwickeln sich folgende sieben Raumtypologien, die im nachfolgen-
den Plan visualisiert werden:
1 I Erschließungsachsen
• Deutz-Mülheimer Straße
• Auenweg / Planstraße A, Deutz-Areal
2 | Perlenkette (Stadt- und Freiraumplätze)
• Perle 1: Auftakt am “Euroforum West”
• Perle 2: Eingang “Grünzug Charlier”
• Perle 3: Schnittstelle “Grünes Band und Otto-Langen-Quartier”
• Perle 4: Stadtplatz P0 “Zentraler Platz Lindgens-Areal”
• Perle 5: Stadtplatz P1 “Deutz Areal”
• Perle 6: Stadtplatz P2 “Platz am Boulevard”
• Perle 7: Stadtplatz P3 “Platz am Grünzug”
• Perle 8: Stadtplatz P4 “Auftakt am Bergischen Ring”
3 | Grünes Band – Vernetzte Grünräume (Rheinboulevard und Grünflächen
Otto-Langen-Quartier und Euroforum West)
4 | Freiraumkorridore
• Grünzug Mülheim-Süd (Verlängerung über Lindgens-Areal bis zum Rheinboulevard)
• Boulevard „Deutz-Areal“
• Grünzug Charlier
• Boulevard „Euroforum Nord / West“
5 | Öffentlich zugängliche private Frei- und Grünflächen
6 | Quartierstraßen
7 | Quartiergassen
40
Abb. 28 Raumkonzept – Freiraumnetzwerk mit Darstellung der Raumtypologien
Perle 1
Perle 2
Perle 3
Quartiersgasse
Quartiersstraße
Deutz-Mülheimer Straße
Auenweg
“Grünes Band” /
Vernetzte Grünräume
Rheinboulevard
Grünzug Charlier
Boulevard
“Euroforum Nord / West”
41
Quartiersgassen
Quartiersstraße
Quartiersstraßen
Öffentlich zugängliche
private Grünflächen
Planstraße A
Hafenstraße (Quartiersstraße)
“Grünes Band” /
Vernetzte Grünräume
Rheinboulevard
Grünzug Mülheim-Süd
Boulevard “Deutz-Areal”
Grünzug Charlier
Perle 4
Perle 5
Zuglinie
Straßenbahn
Legende
Erschließungsachsen
Quartiersstraßen
Quartiersgassen
Fahrradwege, übergeordnet
Bushaltestellen
Stadtbahnhaltestellen
Grünflächen
Private und öffentlich zugängliche Grünflächen
Freiraum
Stadtplätze/Perlen
Öffentliche Platzfläche
Spielplätze
KiTa
Potentieller Treffpunkt
Schulen
Potentieller Platz
Eingangsplatz
Perle 6
Perle 7
Perle 8
5. Die Entwicklungspotentiale für
den Mülheimer Süden
40
43
Im
vorherigen Kapitel 4: „Die Entwicklungsperspektive: Verbundenheit durch Struktur“ wurde
auf Grundlage der analysierten und benannten Leitziele ein strukturelles Raumkon-
konzept für den Mülheimer Süden entwickelt.
Das freiraumplanerische-städtebauliche Konzept stellt eine Weiterentwicklung und Quali-
fizierung der Ideen, Konzepte und des Masterplans aus dem Werkstattverfahren 2013/2014
und den nachfolgenden Quartiersentwicklungen dar.
In Hinblick auf eine Qualifizierung und Inwertsetzung des öffentlich wahrnehmbaren Raumes
mit dem Leitbild einer „Grünen, wassersensiblen und resilienten Stadt“ gilt es, Entwicklung -
spotentiale für die jeweiligen Raumtypologien zu benennen und Gestaltungsprinzipien zu
entwickeln.
44
Der Char
akter der einzelnen Teilräume des Mülheimer Südens ist maßstabsgebend für die
identifizierten Entwicklungspotentiale. Diese wiederum sind individuell angepasst an die in
Kapitel 4.3 beschriebenen sieben Raumtypologien. Einige wiederholen sich dabei, andere
finden sich einzigartig innerhalb einer Raumtypologie wieder. Sie ergänzen sich gegenseitig
und schaffen so eine neue Identität, basierend auf den Spuren des Ortes, die als Relikt der
Vergangenheit auch in der Zukunft erhalten bleiben sollen.
Vegetative Funktionen
• Schaffung eines begrünten Freiraumkorridors mit öffentlichen Grünflächen und Stadt -
plätzen
• Schaffung einer öffentlichen Parkanlage
• Kombination von Baumpflanzungen und Entwässerungsanlagen zur Schaffung von blau-
grüner Infrastruktur
• Begrünung und Schaffung von Vegetations-Biotopmasse
Soziale Funktionen
• Schaffung von urbanen, begrünten und ruhigen Quartiersräumen
• Schaffung von Aufenthaltsräumen, Treffpunkten als Orte der Kommunikation sowie gas-
tronomische Nutzungen
• Flexible Nutzungen, Aneignungsorte für private Initiativen
• Spielangebote als öffentliche Spielplätze integrieren
Verkehrliche Funktionen
• Verkehrsberuhigung zugunsten von Aufenthaltsbereichen und Kommunikationsorten
• Schaffung von urbanen, begrünten Verkehrsflächen als Stadträume
Bauliche und erhaltende Funktionen
• Schaffung von urbanen Stadtplätzen
• Akzentuierung der Eingangssituationen und der Zentralität von Platzflächen
• Erhalt des historischen Charakters in Teilabschnitten, Inszenierung von historischen Ge-
bäude(fassaden)
• Potential für Kunst im Raum
• Retentionsflächen für Niederschlagswasser und Starkregenereignisse
Verknüpfende Funktionen
• Anbindungen im Gesamtstadtraum Köln schaffen
• Verbindungen zwischen den Quartieren schaffen
• Durchgängigkeiten in Quartieren schaffen
• Übergänge der Freiraumkorridore schaffen
5.1 Entwicklungspotentiale
45
Um das Raumk
onzept zu verstehen und näher betrachten zu können, wurden insgesamt sie-
ben unterschiedliche Raumtypologien identifiziert, die im Folgenden näher erläutert werden:
1 I Erschließungsachsen
• Deutz-Mülheimer Straße
• Auenweg / Planstraße A, Deutz-Areal
2 | Perlenkette
• Perle 1: Auftakt am “Euroforum West”
• Perle 2: Eingang “Grünzug Charlier”
• Perle 3: Schnittstelle “Grünes Band und Otto-Langen-Quartier”
• Perle 4: Stadtplatz P0 “Zentraler Platz Lindgens-Areal”
• Perle 5: Stadtplatz P1 “Deutz Areal”
• Perle 6: Stadtplatz P2 “Platz am Boulevard”
• Perle 7: Stadtplatz P3 “Platz am Grünzug”
• Perle 8: Stadtplatz P4 “Auftakt am Bergischen Ring”
3 | Grünes Band – Vernetzte Grünräume (Rheinboulevard und Grünflächen
Otto-Langen-Quartier und Euroforum West)
4 | Freiraumkorridore
• Grünzug Mülheim-Süd (Verlängerung über Lindgens-Areal bis zum Rheinboulevard)
• Boulevard „Deutz-Areal“
• Grünzug Charlier
• Boulevard „Euroforum Nord / West“
5 | Öffentlich zugängliche private Frei- und Grünflächen
6 | Quartierstraßen
7 | Quartiergassen
Innerhalb dieser Raumtypologien tauchen die zuvor beschriebenen Entwicklungspotentiale
individuell auf und finden ein einheitliches B
ild schaffend ihre Anwendung. Maßgeblich für
den Charakter und die Atmosphäre der jeweiligen Räume (Raumtypologien) ist die Qualifi -
zierung, Nutzung und Neuorientierung des Raumes sowie seine (neue) Identität. Dabei wird
unterschieden in Straßenräume, Stadt- und Freiraumplätze, Freiräume und Grünflächen.
Eine Verortung der Raumtypologien finden sich in Abbildung 28
: Raumkonzept – Freiraum-
netzwerk mit Darstellung der Raumtypologien auf den Seiten 38 und 39.
5.2 Einzelbetrachtung Raumtypologien
46
Die Deutz-Mülheimer Straße stellt im Mülheimer Süden sowohl räumlich-strukturell als auch
historisch, durch ihre frühere Funktion als Industriestraße, das Rückgrat der Quartiersentwick-
lung dar. Historisch-industriell und bis heute als öffentlicher Verkehrsraum geprägt, entwick-
eln sich räumlich entlang der Deutz-Mülheimer Straße die unterschiedlichen Quartiere. Die
Deutz-Mülheimer Straße ist charakterlich in drei Abschnitte zu unterteilen, die jeweils indiv -
iduell betrachtet in ihrem ursprünglichen Charakter erhalten und gestärkt werden sollen. In
allen drei Abschnitten verläuft zukünftig die neue Stadtbahntrasse.
Der sogenannte erste Abschnitt im Bereich des Lindgens- und Deutz-Areals ist als öffentli -
che Verkehrsfläche im Wesentlichen durch seine verkehrliche Funktion, aber vor allem auch
durch seinen alten, charakteristischen Baumbestand geprägt, welchen es zu schützen und
inwertzusetzen gilt. In diesem Abschnitt verknüpfen sich räumlich die Quartiere Lindgens-
und Deutz-Areal, sodass stadträumliche Übergänge für die Menschen zu schaffen sind.
Abb. 29 Schnitt, Verortung und Axonometrie Abschnitt 1
1 I Erschließungsachsen – “Deutz-Mülheimer Straße”
Abschnitt 1: Lindgens Areal / Deutz-Areal
Neubau Neubau
47
Zugehörigk
eit: Quartiersübergreifend
Zweckbestimmung: Öffentliche Verkehrsfläche
Entwicklungspotential:
• Schaffung eines stadträumlichen Rückgrats als urbaner Raum
• Individuelle Charaktere der urbanen Räume stärken
• Schutz und Inwertsetzung des Baumbestandes
• Erhalt des historischen Charakters in Teilabschnitten
• Stadträumliche bauliche Markierung der Eingänge in die Quartiere
• Übergänge der Freiraumkorridore (Grünzug Mülheim-Süd und Boulevard „Deutz-Areal“)
baulich schaffen
48
Abb. 30 X
1 I Erschließungsachsen – “Deutz-Mülheimer Straße”
Abschnitt 2: Otto-Langen-Quartier / Nördlich Grün-
zug Charlier / Deutz-Areal
Der sogenannte zweite Abschnitt der Deutz-Mülheimer Straße ist im Bereich zwischen
Otto-Langen-Quartier und dem Deutz-Areal stark durch die bestehende historisch-indus-
triell geprägte Bausubstanz charakterisiert. Dieser Abschnitt stellt als Zeitzeuge im be -
sonderen Maße die industrielle Geschichte des Gesamtquartiers dar. Der enge, nicht be -
grünte Straßenraum ist als „Nukleus“ der Gesamtentwicklung zu verstehen und in seinem
Potential zu schützen, inwertzusetzen und neu zu interpretieren.
Zugehörigkeit: Quartiersübergreifend
Zweckbestimmung: Öffentliche Verkehrsfläche
Entwicklungspotential:
• Erhalt eines stadträumlichen Rückgrats als urbaner Raum
• Individuelle Charaktere der urbanen Räume stärken
• Erhalt des historischen Charakters (Bausubstanz/Fassaden) sowie Zeitzeugen der indus-
triellen Geschichte (Fassadengestaltung und keine Begrünung)
• Stadträumliche bauliche Markierung der Eingänge in die Quartiere
Historisches
Gebäude
Historisches
Gebäude
Schnitt, Verortung und Axonometrie Abschnitt 2
49
Der sogenann
te dritte Abschnitt der Deutz-Mülheimer Straße zwischen dem Euroforum Nord
und der bestehenden Stegerwaldsiedlung weitet sich räumlich im Gegensatz zum Abschnitt
2 auf und stellt somit einen anderen stadträumlichen Charakter dar. Wie die vorhergehenden
zwei Abschnitte wird auch dieser Abschnitt im Wesentlichen durch seine verkehrliche Funk-
tion geprägt, verfügt aber über das Potential eines begrünten Stadtraumes, der öffentliche
und private Freiflächen miteinbezieht.
Zugehörigkeit: Quartiersübergreifend
Zweckbestimmung: Öffentliche Verkehrsfläche
Entwicklungspotential:
• Schaffung eines stadträumlichen Rückgrats als urbaner Raum
• Individuelle Charaktere der urbanen Räume stärken
• Begrünung der öffentlichen Verkehrsflächen durch neue Baumstandorte und stadträum-
lich-gestalterische Einbeziehung der angrenzenden privaten Freiflächen
• Erhalt des historischen Charakters in Teilabschnitten
• Stadträumliche bauliche Markierung der Eingänge in die Quartiere
Abb. 31 Schnitt, Verortung und Axonometrie Abschnitt 3
1 I Erschließungsachsen – “Deutz-Mülheimer Straße”
Abschnitt 3: Euroforum Nord / Stegerwaldsiedlung
Neubau Bestand
50
1 I Er
schließungsachsen – Auenweg
Der Auenweg ist eine Verkehrsachse von gesamtstädtischer Bedeutung, die den Mülheimer
Süden erschließt. Sie ist als strukturelle Ergänzung zur Deutz-Mülheimer Straße zu sehen, da
sie die Erschließung einzelner Quartiere übernimmt. Geprägt wird der Auenweg durch einen
großzügigen Verkehrsraum mit Verbindungscharakter. Als öffentliche Verkehrsfläche bietet
er das Potential für Begrünungsmaßnahmen und die Nutzung als urbaner grüner Stadtraum.
Wiesen entlang des Gehwegs tragen zu einer deutlicheren Trennung verschiedener Verkehr-
smodi bei und erhöhen damit das Sicherheitsgefühl von Fußgänger*innen.
Zugehörigkeit: Quartiersübergreifend
Zweckbestimmung: Öffentliche Verkehrsfläche
Entwicklungspotential:
• Schaffung eines stadträumlichen Rückgrats als urbaner Raum
• Individuelle Charaktere der urbanen Räume stärken
• Markierung der Eingänge in die Quartiere
• Übergänge der Freiraumkorridore schaffen
• Begrünung und Schaffung von Vegetations-Biotopmasse
Abb. 32 Schnitt, Verortung und Axonometrie Auenweg
Bestand
51
Die Plans
traße A besitzt eine direkte Anbindung an den Auenweg und ist eine Verkehrsachse
mit gesamtstädtischer Bedeutung, da sie die Erschließung des Deutz-Areals ermöglicht und
das Quartier mit dem Bergischen Ring verknüpft. Geprägt durch ihren Verbindungscharak -
ter bietet sie ebenso wie der Auenweg das Potential für Begrünungsmaßnahmen und eine
Nutzung als urbaner grüner Stadtraum.
Zugehörigkeit: Quartiersübergreifend
Zweckbestimmung: Öffentliche Verkehrsfläche
Entwicklungspotential:
• Schaffung eines stadträumlichen Rückgrats als urbaner Raum
• Individuelle Charaktere der urbanen Räume stärken
• Markierung der Eingänge in die Quartiere
• Übergänge der Freiraumkorridore schaffen
• Begrünung und Schaffung von Vegetations-Biotopmasse
Abb. 33 Schnitt, Verortung und Axonometrie Planstraße A
1 I Erschließungsachsen – Planstraße A, Deutz-Areal
Neubau Neubau
52
2 | Perlenkette – Perle 1: Auftakt Euroforum West
Bei der Perle 1 handelt es sich um eine Platzfläche die am Euroforum West / Auenweg durch
ihren architektonischen Hochpunkt stadträumlich entsteht und als sogenannter Auftakt eine
Eingangssituation zum Mülheimer Süden bildet. Aus diesem Grund besitzt sie das Potential,
den Freiraum als Eingangssituation für den menschlichen Maßstab im Stadtraum ablesbar
zu gestalten. Dies geschieht in Form einer begrünten Platzfläche mit Aufenthaltsfunktion
im Sinne von Treffpunkten und Nutzungen im Freiraum in Ergänzung zur Architektur (Erdge-
schossnutzungen).
Zugehörigkeit: Quartier „Euroforum West“
Zweckbestimmung: Private, öffentlich zugängliche Platz- und Grünfläche
Entwicklungspotential:
• Stadträumliche Akzentuierung der Eingangssituation in das Stadtquartier
• Urban-grüner Freiraum als Platzfläche
• Aufenthalt, Treffpunkt, Kommunikation, gastronomische Nutzungen
• Begrünung und Schaffung von Vegetations-Biotopmasse
• Retentionsflächen für Niederschlagswasser und Starkregenereignisse, Hochwasser-
schutz
• Potential für Kunst im urbanen Raum
Abb. 34 XAxonometrie und Verortung Perle 1: Auftakt Euroforum West
53
2 | Perlenk
ette – Perle 2: Eingang Grünzug Charlier
Perle 2 markiert als Freifläche am Auenweg die Eingangssituation zum bestehenden Grünzug
Charlier. Ihr Potential liegt in der Sichtbarmachung des Grünzugs im erweiterten Straßen -
raum und auf Niveau des Auenwegs als direkte Verknüpfung. Zudem bietet sie Raum für
Begrünung und Retention in Kombination mit Aufenthaltsbereichen im Sinne von Orten der
Zusammenkunft im Quartier.
Zugehörigkeit: Quartiersübergreifend
Zweckbestimmung: Öffentliche Grünfläche
Entwicklungspotential:
• Akzentuierung und deutlichere Sichtbarmachung des Grünzug Charliers
• Grüne Freiräume für Aufenthalt, Treffpunkt und Kommunikation
• Begrünung und Schaffung von Vegetations-Biotopmasse
• Retentionsflächen für Niederschlagswasser und Starkregenereignisse, Hochwasser-
schutz
Abb. 35 Axonometrie und Verortung Perle 2: Eingang Grünzug Charlier
54
Perle 3 bilde
t eine weitere Freifläche am Auenweg, die die räumliche Verbindung zwischen
dem bestehenden Rheinboulevard als öffentliche Grünfläche und dem Otto-Langen-Quar-
tier mit seinen zukünftigen privat-öffentlich zugänglichen und öffentlichen Grünflächen
darstellt und stadträumlich zu gestalten ist. In ihrer Funktion als Typologie “Grünes Band” ist
die Freifläche maßgeblich für die stadträumliche Verknüpfung verantwortlich: Auf der Seite
des Rheinboulevards als Grünfläche und im Bereich des Otto-Langen-Quartiers als grüne
Platzfläche.
Zugehörigkeit: Quartiersübergreifend / Quartier „Otto-Langen-Quartier“
Zweckbestimmung: Öffentliche Grünfläche und private, öffentlich zugängliche Grünfläche
Entwicklungspotential:
• Akzentuierung der Eingangssituation zum „Grünen Band“ und Vernetzung
• Grüne Freiräume für Aufenthalt, Treffpunkt und Kommunikation
• Begrünung und Schaffung von Vegetations-Biotopmasse
• Retentionsflächen für Niederschlagswasser und Starkregenereignisse, Hochwasser-
schutz
Abb. 36 Axonometrie und Verortung Perle 3: Schnittstelle Grünes Band / Otto-Langen-Quartier
2 | Perlenkette – Perle 3: Schnittstelle Grünes Band /
Otto-Langen-Quartier
55
2 | Perlenk
ette – Perle 4: Stadtplatz P0 Lindgens-Areal
Die zentrale Platzfläche am Knotenpunkt Deutz-Mülheimer Straße und Auenweg / Plan-
straße A besitzt eine wichtige Bedeutung für die Gesamtquartiersentwicklung. Die öffentli-
che Platzfläche im Bereich des Lindgens-Areals bietet das Potential einer gesamtstadträum-
lichen Betrachtung mit dem gegenüberliegenden Otto-Langen-Quartier und dessen his -
torischer Bausubstanz. Eine genauere Betrachtung und Qualifizierung der Platzfläche erfolgt
in einem freiraumplanerischen Qualifizierungsverfahren zu einem späteren Zeitpunkt.
Zugehörigkeit: Quartier „Lindgens-Areal“ / Quartier „Otto-Langen-Quartier“
Zweckbestimmung: Öffentliche und privat öffentlich zugängliche Platzflächen
Entwicklungspotential:
• Schaffung eines urbanen Stadtplatzes
• Akzentuierung der Zentralität der Platzfläche durch ein zusammenhängendes Platzver -
ständnis auf Stadtquartierebene
• Durchgängigkeiten in Quartiere schaffen
• Freihalten und Integration der denkmalgeschützten Fassade Otto-Langen-Quartier
• Aufenthalt, Treffpunkt, Kommunikation, gastronomische Nutzungen
• Retentionsflächen für Niederschlagswasser und Starkregenereignisse
Abb. 37 Axonometrie und Verortung Perle 4: Stadtplatz P0
56
2 | Perlenk
ette – Perle 5: Stadtplatz P1
Bei der Perle 5 handelt es sich um eine öffentliche Platzfläche im Deutz-Areal, bei der
der Stadtraum über die Planstraße A hinaus als Gesamtplatzfläche verstanden wird und
stadträumlich die Eingangssituation in das Deutz-Areal markiert. Sie bietet das Potential
eines urbanen, begrünten Stadtplatzes, welcher die Anforderungen verschiedenster Nutz-
ungen aufnimmt und einen Treffpunkt und Aufenthaltsbereich schafft. Die Betrachtung und
Qualifizierung der Platzfläche erfolgt in einem freiraumplanerischen Qualifizierungsverfahren
zu einem späteren Zeitpunkt.
Zugehörigkeit: Quartier „Deutz-Areal“
Zweckbestimmung: Öffentliche Verkehrsfläche besonderer Zweckbestimmung, öffentliche
Platzfläche
Entwicklungspotential:
• Schaffung eines urbanen, begrünten Stadtplatzes
• Akzentuierung der Zentralität der Platzfläche durch ein zusammenhängendes Platzver -
ständnis auf Quartiersebene
• Aufenthalt, Treffpunkt, Kommunikation, gastronomische Nutzungen
• Flexibilität, Freiraum als Eingang zur Schule
Abb. 38 Axonometrie und Verortung Perle 5: Stadtplatz P1
57
2 | Perlenkette – Perle 6: Stadtplatz P2
Die öffentliche Platzfläche ist im räumlichen, funktionalen und gestalterischen Zusammen -
hang mit dem Boulevard Deutz-Areal zu verstehen und zeichnet sich durch ihre Zentralität
im Deutz-Areal aus. Potentiell kann sie sich als Aufenthaltsfläche mit hoher Begrünungsqua-
lität und stadträumlicher Trittstein ausbilden. Die Platzfläche stellt eine direkte Verbin-
dung zwischen dem Boulevard mit seiner begrünten, öffentlichen Platzfläche, Planstraße A
und den privaten, öffentlich-zugänglichen Freiflächen dar und fördert die Durchgängigkeit
im Deutz-Areal. Eine Betrachtung und Qualifizierung der Platzfläche folgt in einem freiraum-
planerischen Qualifizierungsverfahren zu einem späteren Zeitpunkt.
Zugehörigkeit: Quartier „Deutz-Areal“
Zweckbestimmung: Öffentliche Verkehrsfläche besonderer Zweckbestimmung, öffentliche
Platzfläche
Entwicklungspotential:
• Schaffung eines grünen, urbanen Stadtplatzes
• Anbindung zum Boulevard und zu den Grünen Fugen schaffen
• Aufenthalt, Treffpunkt, Kommunikation, gastronomische Nutzungen
• Potential für Kunst im urbanen Raum
Abb. 39 Axonometrie und Verortung Perle 6: Stadtplatz P2
58
2 | Perlenk
ette – Perle 7: Stadtplatz P3
Perle 7 stellt als öffentliche Platzfläche und gleichzeitig als urbaner „Trittstein“ im Zusam -
menhang mit dem Grünzug Mülheim-Süd und der Eingangssituation durch den architek -
tonischen Hochpunkt eine Zugänglichkeit ins Deutz-Areal über den Bergischen Ring und die
Planstraße A her. Sie wird als begrünter Stadtraum durch die visuelle Zugehörigkeit von Geh-
wegen mit den öffentlichen Verkehrsflächen verstanden, bietet jedoch das Potential einer
Begrünung. Stadtplatz P3 bildet den Trittstein in die angrenzende Parkanlage und schafft
einen neuen Treffpunkt im Quartier. Eine Betrachtung und Qualifizierung der Platzfläche er-
folgt in einem freiraumplanerischen Qualifizierungsverfahren zu einem späteren Zeitpunkt.
Zugehörigkeit: Quartier „Deutz- Areal“
Zweckbestimmung: Öffentliche Verkehrsfläche besonderer Zweckbestimmung, Platzfläche
Entwicklungspotential:
• Schaffung eines grünen, urbanen Platzes
• Anbindung zum Grünzug Mülheim-Süd schaffen
• Aufenthalt, Treffpunkt, Kommunikation
• Begrünung und Schaffung von Vegetations-Biotopmasse
• Retentionsflächen für Niederschlagswasser
Abb. 40 Axonometrie und Verortung Perle 7: Stadtplatz P3Axonometrie und Verortung Perle 7: Stadtplatz P3
59
2 | Perlenk
ette – Perle 8: Stadtplatz P4
Die öffentliche Platzfläche befindet sich am Bergischen Ring und der Planstraße A und leitet
als sogenannter „Eingang“ in das Deutz-Areal mit den stadträumlichen Herausforderungen
der schwer ablesbaren räumlichen Abgrenzung. Auch sie bietet das Potential der Begrünung,
allerdings mit weniger Aufenthaltsmöglichkeiten als Treffpunkte und einer freiraumplaneri-
schen Gestaltung der Eingangssituation. Eine Betrachtung und Qualifizierung der Platzfläche
erfolgt in einem freiraumplanerischen Qualifizierungsverfahren zu einem späteren Zeitpunkt.
Zugehörigkeit: Quartier „Deutz-Areal“
Zweckbestimmung: Öffentliche Verkehrsfläche besonderer Zweckbestimmung, Platzfläche
Entwicklungspotential:
• Schaffung eines urbanen, begrünten Stadtplatzes
• Stadträumliche Akzentuierung der Eingangssituation in das Stadtquartier
• Aufenthalt, Treffpunkt, Mobilitätsangebote
• Begrünung und Schaffung von Vegetations-Biotopmasse
Abb. 41 Axonometrie und Verortung Perle 8: Stadtplatz P4
60
• Anbindungen im Gesamtstadtraum Köln schaffen
• Aufenthalt, Treffpunkt, Kommunikation
• Spielangebote als öffentliche Spielplätze integrieren
• Begrünung und Schaffung von Vegetations-Biotopmasse
• Retentionsflächen für Niederschlagswasser und Starkregenereignisse, Hochwasser-
schutz
Abb. 42 Grünes Band – Foto und Verortung
Das sogenannte „Grüne Band“ wird als ein „Grünes Rückgrat“ der Gesamtquartiersentwick-
lung des Mülheimer Südens angesehen. In Addition und Verknüpfung von bestehenden öff-
entlichen Grünflächen (Rheinboulevard) und geplanten privaten, öffentlich zugänglichen und
öffentlichen Grünflächen (Otto-Langen-Quartier, Euroforum Nord und West) sowie der Ein -
bindung
von öffentlichen Spielplatzflächen bietet es das Potential einer hohen Begrünung,
stadträumlichen Durchlässigkeit sowie einer Verwebung von Bestand und Neuplanung.
Zugehörigkeit: Quartiersübergreifend/„Otto-Langen-Quartier“/„Nördlich Grünzug
Charlier“/ „Euroforum West“/„Lindgens-Areal”
Zweckbestimmung: Öffentliche Grünfläche
Entwicklungspotential:
3 | Grünes Band – Vernetzte Grünräume (“Rheinboulevard,
Grünflächen Otto-Langen-Quartier und Euroforum West”)
61
4 | Fr
eiraumkorridor – Grünzug Mülheim-Süd
Schnitt und Verortung Grünzug Mülheim-SüdAbb. 43
Der Freiraumkorridor Grünzug Mülheim-Süd stellt als öffentliche Grünfläche mit öffentlichem
Spielplatz und Parkanlage eine übergeordnete stadträumliche Grünverbindung zwischen
dem Mülheimer Stadtgarten, über das Deutz-Areal und Lindgens-Areal bis hin zum beste -
henden Rheinboulevard im räumlichen Zusammenhang mit den angrenzenden beruhigten
Verkehrsflächen als Stadtraum dar. Hier lassen sich verschiedenste Nutzungen und An-
sprüche in einer Parkanlage integrieren. Aufenthalts- und Spielbereiche werden dabei mit
Retentionsflächen und einem hohen Anteil an Baumpflanzungen kombiniert.
Zugehörigkeit: Quartier „Deutz-Areal“/Quartiersübergreifend
Zweckbestimmung: Öffentliche Grünfläche, öffentlicher Spielplatz
Entwicklungspotential:
• Schaffung einer öffentlichen Parkanlage
• Anbindungen im Gesamtstadtraum Köln schaffen
• Aufenthalt, Treffpunkt, Kommunikation
• Spielangebote als öffentliche Spielplätze integrieren
• Retentionsflächen für Niederschlagswasser und Starkregenereignisse
• Potential für Kunst im Raum
Neubau
Neubau
62
4 | Fr
eiraumkorridor – Boulevard “Deutz-Areal”
Die öffentliche Verkehrsfläche besonderer Zweckbestimmung und Platzfläche mit inte-
griertem Grün bildet einen räumlichen Zusammenhang mit einer angrenzenden Platzfläche
aus. Das Verständnis des Raumes von Gebäudekante zu Gebäudekante zeichnet sich als
Stadtraum mit Verbidnungsaufgabe zwischen dem Deutz- und dem Lindgens-Areal aus und
führt räumlich zum historischen Standort der Lindgens Linde. Der Freiraumkorridor bietet
Begrünungspotential in Kombination mit einer erhöhten Aufenthaltsqualität.
Zugehörigkeit: Quartier „Deutz-Areal“
Zweckbestimmung: Öffentliche Verkehrsfläche besonderer Zweckbestimmung, öffentliche
Platzfläche
Entwicklungspotential:
• Verbindungen zwischen den Quartieren schaffen
• Aufenthalt, Treffpunkt, Kommunikation, gastronomische Nutzungen
• Gestalterische Einbindung der privaten Freiflächen in die Wahrnehmung des Raumes
• Begrünung und Schaffung von Vegetations-Biotopmasse
Abb. 44 Schnitt, Verortung und Axonometrie Boulevard „Deutz-Areal“
Neubau Neubau
Schnitt, Verortung und Axonometrie Boulevard „Deutz-Areal“
63
4 | Fr
eiraumkorridor – Grünzug Charlier
Die bestehende öffentliche Grünfläche übernimmt als Freiraumkorridor eine Verbin-
dungsaufgabe, indem sie eine direkte Anbindung an den Rhein (Verknüpfung zum Grünen
Band) schafft und zusätzlich die Durchwebung und Durchlässigkeit des Gesamtquartiers
sowie den Begrünungsgrad erhöht. Durch das wachsende grüne Netz wird eine nachhaltige,
aktive Mobilität gefördert und bietet zudem neue Lebensräume für die urbane Flora und Fau-
na.
Zugehörigkeit:
Quartiersübergreifend, Otto-Langen-Quartier, Euroforum West, Euroforum
Nord
Zw
eckbestimmung: Öffentliche Grünfläche
Entwicklungspotential:
• Sicherung und Inwertsetzung einer öffentlichen Parkanlage
• Verbindungen zwischen den Quartieren schaffen
• Aufenthalt, Treffpunkt, Kommunikation
• Retentionsflächen für Niederschlagswasser und Starkregenereignisse
Abb. 45 Schnitt, Verortung und Axonometrie Grünzug Charlier
Neubau Neubau
64
4 | Freiraumkorridor – Boulevard “Euroforum Nord / West”
Der Freiraumkorridor stellt eine Freiraumverbindung als direkte Abfolge der Durchwegung
von öffentlichen Platz- und Grünflächen dar. In seiner Verbindungsaufgabe fördert er eine
Durchwebung und Durchlässigkeit des Gesamtquartiers und stellt gleichzeitig eine direkte
Anbindung an den Rhein, also eine Verknüpfung zum Grünen Band, her. Sein Potential be-
steht in der Begrünung in Kombination mit Aufenthalt und einer Multikodierung von Flächen.
Zugehörigkeit: „Euroforum Nord“ / „Euroforum West“
Zweckbestimmung:
Öffentliche Verkehrsfläche besonderer Zweckbestimmung, Platzfläche/
öffentliche Grünfläche
Entwicklungspo
tential:
• Schaffung eines begrünten Freiraumkorridors mit öffentlichen Grünflächen und Stadt-
plätzen
• Verbindungen zwischen den Quartieren schaffen
• Aufenthalt, Treffpunkt, Kommunikation
• Spielangebote als öffentliche Spielplätze integrieren
• Begrünung und Schaffung von Vegetations-Biotopmasse
• Retentionsflächen für Niederschlagswasser und Starkregenereignisse
• Potential für Kunst im urbanen Raum
Abb. 46 Schnitt, Verortung und Axonometrie Boulevard „Euroforum Nord / West“
Neubau Neubau
Schnitt, Verortung und Axonometrie Boulevard „Euroforum Nord/West“
65
5 | Öffentlich zugängliche private Frei- und Grünflächen
Die privaten Freiflächen, hier insbesondere im Deutz-Areal, sind öffentlich zugänglich und
fungieren im Sinne des Raumkonzeptes. Dabei stehen sie im qualitativen Zusammenhang
mit den öffentlichen Flächen. Durch ihr Begrünungspotential und ihre Zugänglichkeit unter-
stützen sie die Integration von privaten, wohnraumbezogenen Freiflächen in das Gesamtge-
füge.
Zugehörigkeit: Quartier „Deutz-Areal“
Zweckbestimmung: Private, öffentlich zugängliche Flächen
Entwicklungspotential:
• Schaffung eines grünen, ruhigen Stadtraums
• Gestalterische Einbindung der privaten Freiflächen in die Wahrnehmung des Stadtrau-
mes
• Aufenthalt, Treffpunkt, Kommunikation
• Begrünung und Schaffung von Vegetations-Biotopmasse
• Retentionsflächen für Niederschlagswasser und Starkregenereignisse
• Kombination von Baumpflanzungen und Entwässerungsanlagen zur Schaffung von blau-
grüner Infrastruktur
Abb. 47 Schnitt, Verortung und Axonometrie öffebntlich zugängliche private Frei- und Grünflächen
Neubau Neubau
66
6 | Quartierss
traßen
Die Quartiersstraßen sind teilweise verkehrsberuhigte, öffentliche Verkehrsflächen, die als
Stadtraum den Wohnnutzungen zugordnet sind, entsprechend stark begrünt werden und
zudem Aufenthaltsqualitäten aufnehmen sollen. Als multikodierter Stadtraum bieten sie das
Potential die Themen Regenwassermanagement und Begrünung im Straßenraum zu inte-
grieren. Durch eine wassersensible Straßenraumgestaltung können starkregenbedingte
Überflutungsschäden minimiert werden.
Zugehörigkeit: Quartier
sübergreifend, einzelne Quartiersstraßen sind den jeweiligen Quar-
tieren zugehörig
Zweckbestimmung: Öffentliche Verkehrsflächen
Entwicklungspotential:
• Schaffung von urbanen, begrünten Verkehrsflächen als Stadträume
• Verkehrsberuhigung zugunsten Aufenthalt, Kommunikation
• Begrünung und Schaffung von Vegetations-Biotopmasse
• Retentionsflächen für Niederschlagswasser und Starkregenereignisse
• Kombination von Baumpflanzungen und Entwässerungsanlagen zur Schaffung von blau-
grüner Infrastruktur
Abb. 48 Schnitt, Verortung und Axonometrie Quartiersstraßen
Neubau Neubau
Schnitt, Verortung und Axonometrie Quartiersstraßen
67
7 | Quartiersgassen
Innerhalb der Quartiersgassen befinden sich private, öffentlich-zugängliche Freiflächen als
Erschließungsflächen. Eine gerechte Verteilung der Freiräume innerhalb des Quartiers be-
einflusst die erzielbaren klimatischen Wirkungen. Auch der innerstädtische Biotopverbund,
grüne Trittsteine sowie Verknüpfungen mit anderen Grün- und Freiflächen bieten gute
Voraussetzungen für den Erhalt vielfältiger Lebensräume. Die Quartiersgassen zeichnen sich
durch ihren ruhigen Charakter aus und bieten Raum für Aufenthalt mit gleichzeitiger Be -
grünung im Zusammenspiel mit teils historischer Bausubstanz.
Zugehörigkeit: Quartiersübergreifend, einzelne Quartiersgassen sind den jeweiligen Quar-
tieren zugehörig
Zweckbestimmung: Private, öffentlich zugängliche Flächen
Entwicklungspotential:
• Schaffung von urbanen, begrünten und ruhigen Quartiersräumen
• Inszenieren von historischen Gebäude(fassaden)
• Aufenthalt, Kommunikation
• Flexible Nutzungen, Aneignungsorte für private Initiativen
• Begrünung und Schaffung von Vegetations-Biotopmasse
• Retentionsflächen für Niederschlagswasser und Starkregenereignisse
Historisches
Gebäude Neubau
Abb. 49 Schnitt und Verortung Quartiersgasse
Schnitt und Verortung Quartiersgasse
6. Gestaltungprinzipien
66
69
In
Anbetracht der historischen Wiedererkennung der städtebaulichen industriellen Entwick-
lungen ist insbesondere der vorherrschende Industriecharakter prägend für den Ort und die
Identifikation einer zukünftigen Quartiersentwicklung. Wichtig ist es, den Mülheimer Süden
räumlich-visuell ablesbar für die Menschen zu gestalten, um ein einheitliches Gestaltungs-
prinzip mit individuellen Räumen und Charakteren mit einer nachhaltigen Identität zu schaf-
fen.
Darüber hinaus ist die klimaresiliente Qualifizierung des Areals, vor allem in Bezug auf die
„grünen Qualitäten“ des öffentlichen Raumes grundlegend wichtig, um eine nachhaltige
und zukunftsorientierte Gesamtquartiersentwicklung zu initiieren und den zukünftigen
städtischen Herausforderungen gerecht werden zu können.
Räumliche Achsen, Knotenpunkte sowie Raumsequenzen können die Leitfähigkeit der Be -
wegungsräume hinsichtlich ihrer Orientierung und Wiedererkennung im Raum, der Identität
und dadurch Aneignung der Lebensräume durch den Menschen sowie die Flächen in ihrer
Biodiversität, Wassersensibilität und Zukunftsfähigkeit stärken.
In den nachfolgenden Kapiteln werden die Gestaltungsprinzipien für die Themen Vegetation,
Materialität und Ausstattung als strukturelle, stadtökologische und den Charakter des Ortes
wertschätzende Leitlinien formuliert:
• Vernetzung und Durchgängigkeit im Stadtraum durch Grün- und Freiraumsysteme
• Entwicklung und Sicherung von verfügbaren und qualitätsvollen öffentlichen Grünflächen
• Reduzierung der versiegelten Flächen auf das Mindestmaß und Erhöhung der begrünten
Flächen im öffentlichen Raum
• Schaffung von Vegetations- und Biotopmasse, Erhöhung der Biodiversität
• Schaffung von Retentionsflächen für Niederschlagswasser und Starkregenereignisse
• Gewährleistung von Sicherheit im öffentlichen Raum
• Ermöglichung von Naturerfahrung im Stadtraum
70
6.1 Charakter des Ortes – Spurensuche
Mit der besonderen industriellen Geschichte des Ortes wird dessen Wiederentdeckung und
Neuinterpretation in der Wahrnehmung des öffentlich erlebbaren Raumes als ein sehr hohes
Potential verstanden. Der Wiedererkennungswert in der Gestaltung von Stadt- und Grün -
räumen ist hinsichtlich einer Zugehörigkeit im Stadtquartier wünschenswert. Dabei fließen
der Industriecharakter des Areals, Industriedenkmäler, der robuste Charakter sowie die vor-
herrschenden Bestandsmaterialien in die Auswahl geeigneter Gestaltungsprinzipien ein. Das
gesamte Gelände ist spannungsbehaftet, was sich in den Aufenthaltsbereichen und Anlauf -
punkten widerspiegelt. Es ergibt sich ein kontrastreiches Zusammenspiel aus Ruhe und Beo-
bachtung, Spiel und Abenteuer, Bewegung und Sport, Freiflächen mit Weitblick, Geborgen -
heit und Rückzug.
Das Konzept sieht ein einfaches, modulares System auf drei Ebenen vor. Hierbei bildet die
„Fläche“ den betrachtenden und zur Gestaltung zur Verfügung stehenden Stadtraum. Es
werden verschiedene Elemente als “Grüne Inlets” konzeptioniert, die das urbane Grün mit
blau-grüner Infrastruktur sichtbar und erlebbar machen. In Anlehnung an die Spuren des Or-
tes und dem ruderalen „Durchbrechen von Grün“ dürfen und sollen diese möglichst naturnah
und biodivers gestaltet werden.
Die Einrahmung und die Ausgestaltung von Aufenthaltsbereichen können in der Wiederver-
wendung von ortstypischen Oberflächenmaterialien aus dem historischen Kontext geschaf-
fen werden.
“Grüne Inlets “/ „Grün bricht durch“
Blau-Grüne Infrastruktur mit Vegetations- und
Biotopmasse sowie Flächen für Versickerung
und Retention. Grüne Lebensräume
Biodiversität, Flächen für Flora und Fauna
Einrahmung / Langsamkeit
Wiederverwendung von ortstypischen Ober -
flächenmaterialien aus dem historischen Kon-
text
Natursteinpflaster, Grauwacke für Aufent-
haltsbereiche und Einfassungen von Flächen
Flächen / Schnelligkeit und Lebendigkeit
Asphalt, Beton und Pflasterflächen für Bewe -
gungsflächen als Gestaltungselement
Abb. 50 Materialien Raumkonzept und die Idee der „grünen Inlets“
71
6.2 Grundlagen
Die Basis für das Aufstellen und Benennen von Gestaltungsprinzipien wird einerseits durch
den individuellen Charakter und die Spurensuche vor Ort gebildet. Anderseits müssen im
gesamtstädtischen Kontext die Prinzipien und Vorgaben der Stadt Köln berücksichtigt und
mitaufgenommen werden, um eine einheitliche Verwendung von Vegetation, Materialien und
Ausstattung aus den vorliegenden Gestaltungshandbüchern der Stadt Köln garantieren zu
können. Insbesondere zum Thema Pflege und Unterhaltung sowie eine ressourcensparende
Verwendung von oben genannten Themen kann so im Sinne der Nachhaltigkeit gewährleistet
werden.
Grundlagen/vorliegende Gestaltungshandbücher
Die vorliegenden Gestaltungshandbücher und Leitfäden der Stadt Köln sind zu berücksich -
tigen und in einer weiteren, differenzierten Planung anzuwenden. Die nachfolgenden Gestal-
tungsprinzipien beziehen sich hierbei auf die Grundsätze der vorliegenden Dokumente:
Gestaltungshandbuch. Gesamtstrategie für den öffentlichen Raum der Stadt Köln
(2018): https:/ /www.stadt-koeln.de/mediaasset/content/pdf-dezernat6/gestaltungshand-
buch-04-2018.pdf [24.03.2023].
Grünhandbuch Köln (2020):
https:/ /www.stadt-koeln.de/mediaasset/content/pdf67/gr%C3%BCnhandbu-
ch_k%C3%B6ln_2020.pdf [24.03.2023].
Zukunftsbäume für die Stadt. Auswahl aus der GALK-Strassenbaumliste (2020):
https:/ /www.galk.de/arbeitskreise/stadtbaeume/themenuebersicht/zukunftsbae-
ume-fuer-die-stadt [24.03.2023].
Leitfaden für eine wassersensible Stadt- und Freiraumgestaltung in Köln (2017):
https:/ /steb-koeln.de/Redaktionell/ABLAGE/Downloads/Brosch%C3%B-
Cren-Ver%C3%B6ffentlichungen/Geb%C3%A4udeschutz/FirstSpir-
it_1489560439762LeitfadenPlanung_ES_140217_web.pdf [24.03.2023].
MURIEL – Multifunktionale Retentionsflächen (2017):
https:/ /steb-koeln.de/Redaktionell/ABLAGE/Downloads/Brosch%C3%B-
Cren-Ver%C3%B6ffentlichungen/Geb%C3%A4udeschutz/MURIEL-Multifunktionale-Re-
tentionsfl%C3%A4chen.pdf [24.03.2023].
Leitfaden der StEB Köln zur Dimensionierung öffentlicher Entwässerungsanlagen und
zum Starkregennachweis
[Technische Anforderungen an Anlagen der Stadtentwässerung und zur Starkregenvorsorge
- wird projektbezogen von den StEB Köln zur Verfügung gestellt und wiederholt aktualisiert]
Wie inklusiv ist das Quartier? Kriterienkatalog für barrierefreie und generationengerechte
Quartiere (2019):
https:/ /www.stadt-koeln.de/mediaasset/content/pdf16/pdf161/brosch%C3%BCre_kriter-
ienkatalog_inklquartiere_bfrei_-_02.04.2020.pdf [02.10.2023].
72
6.3 Planungsgrundsätze Freiraumqualifizierung Deutz-Areal
6.3.1 Planungsgrundsätze S traßenraumplanung
Grundsätzlich sind die Belange des Fußverkehrs sowie die Aufenthaltsqualität des Straßen -
raums, gegenüber der Leistungsfährigkeit des fließenden Verkehrs zu bevorzugt zu priorisie-
ren:
• Sichere und eindeutige Verkehrsverhältnisse, verkehrsberuhigte Bereiche sowie beschil-
derte Mischverkehrsflächen.
• Bauliche Lösungen zur Reduzierung der Fahrgeschwindigkeit des fließenden Verkehrs,
gestalterisches Unterstreichen der Aufenthaltsfunktion.
• Eindeutige Gestaltung von Verkehrsberuhigten Bereichen - Gestalterische Zäsur und Ein-
heit, Bereiche werden nicht nur durch Schilder deutlich.
• Betonung der Aufenthaltsqualität durch geeignete Straßenraumgestaltung und Möbil -
ierung sowie Integration von Straßenraumbegrünung.
• Besondere Rücksicht bei der Gestaltung auf sensible Nutzungen im Umfeld wie Kinder -
betreuung oder Schulen.
• Reduzierung von öffentlichen Kfz-Stellplätzen.
• Sicherung des öffentlichen Raums vor illegalem Parken durch bauliche Maßnahmen.
• Berücksichtigung der Barrierefreiheit (2-Sinne-Prinzip).
• Berücksichtigung von Anlagen für den ruhenden Verkehr
• Straßenraum als Wassersammler (angepasstes Profil zur Straßenentwässerung und
Rückhaltung bei Starkregenereignissen)
• Feuerwehraufstellflächen grundsätzlich auf privaten Freiflächen übernehmen
6.3.2 Planungsgrundsätze S traßenraumbegrünung
Die Qualifizierung des Freiraums im Bereich von Verkehrsflächen ist als Funktionserweiter -
ung der Verkehrsflächen zu betrachten und ersetzt nicht die Deckung des Bedarfs an öffen-
tlichen Grünflächen.
• Ein grundsätzliches Ziel besteht unter anderem mit dem Platzieren von maximaler Bio -
topmasse im Bereich von versiegelten bzw. nutzungsbelegten Verkehrsflächen, weil hier-
durch im Sinne einer zeitgemäßen und klimaangepassten Freiraumplanung für Verkehrs-
flächen wichtige Funktionen übernommen werden wie beispielsweise die Staubbindung,
der Kühlungseffekt, die Vermeidung durch Aufheizung durch Schattenwurf, die Steigerung
der Aufenthaltsqualität oder die unterstützenden Funktionen bei Starkregenereignissen.
• Bei der weiteren Planung in diesem Zusammenhang können bisherige Standards über -
dacht werden, soweit diese hinsichtlich der dauerhaften Unterhaltung plausibel als um -
setzbar bzw. machbar dargestellt werden können.
• Hinsichtlich der Planung von Straßenbäumen gilt der Grundsatz, Bäume in regelmäßigen
Abständen in den Straßenraum zu platzieren. Ein leichter Kronenschluss der Bäume ist
anzustreben.
• Der Standort eines Straßenbaumes hat für die Realisierung der vorgenannten Planungs-
grundsätze immer Vorrang vor privaten Belangen des Bauvorhabens wie beispielsweise
der Sicherung von Feuerwehraufstell- und Bewegungsflächen. Die Begründung für diese
Aussage besteht darin, dass für den Bereich von öffentlichen Flächen auf der Ebene der
Bauleitplanung die Daseinsvorsorge den privaten Interessen vorzuziehen ist.
73
• Zusätzlich zum vorgenannten Planungsgrundsatz gilt, dass im Bereich von öffentlichen
Grünflächen keine Aufstell- und Bewegungsflächen für die Feuerwehr zu berücksichtigen
sind.
• Die Planung der Straßenraumbegrünung hat sich an den Vorgaben des Grünhandbuches
der Stadt Köln - Amt für Landschaftspflege und Grünflächen in seiner jeweils aktuellen
Fassung zu orientieren.
6.3.3 Planungsgrundsätze w assersensible Stadtentwicklung und Starkregenvorsorge
• Die StEB Köln fordert die Anwendung eines Wasserbilanzmodells, zur Unterstützung
der Planung von Maßnahmen der Regenwasserbewirtschaftung von Baugebieten. Die
Wasserbilanz des bebauten Zustandes wird mit der Wasserbilanz des unbebauten Zu -
standes verglichen. Ziel ist die Berücksichtigung von Maßnahmen der Regenwasserbe -
wirtschaftung, die eine möglichst geringe Abweichung vom unbebauten Zustand ermögli-
chen. Grundlage dafür ist das Merkblatt DWA-M 102-4/BWK-M 3-4
• Für bebaute, unbebaute oder befestigte Grundstücke, die der Bauordnung unterliegen
und 800 m² abflusswirksame Fläche überschreiten, verlangt die DIN-Norm 1986-100
grundsätzlich einen Überflutungsnachweis. Die Fachplaner müssen nachweisen, dass
Starkregenabflüsse – in der Regel bis zu einem 30-jährlichen Niederschlagsereignis
- auf dem Grundstück schadlos zurückgehalten werden. Für neu entstehende öffentli -
che Flächen muss grundsätzlich ein Starkregennachweis für ein 100-jährliches Nieder -
schlagsereignis erbracht und den StEB Köln zur Prüfung vorgelegt werden.
• Die StEB Köln verlangen den Überflutungsnachweis auch bei kleineren Grundstücken,
wenn die Gefährdungslage, Kanalsituation oder Lage des Grundstückes es erfordern.
Diese Überflutungsnachweise stehen dann für den Bebauungsplan zur Verfügung.
Beispielsweise können einzuhaltende Geländehöhen oder Flächen für den Rückhalt von
Starkregen festgesetzt werden.
• Für öffentliche Grünflächen muss der Fachplaner nachweisen, dass die Straßenquer -
schnitte – oder auch dafür extra vorgesehene Notwasserwege - geeignet sind, einen
Starkregenabfluss bis zu einem 100-jährlichen Niederschlagsereignis schadlos abzuleit -
en. In einem zweiten Nachweis muss gezeigt werden, dass dieses abfließende Wasser
an geeigneter Stelle aufgefangen und schadlos gespeichert werden kann. Solche Stellen
können zum Beispiel Quartiersplätze sein, die für diesen Zweck multifunktional gestaltet
werden.
• Die StEB Köln können festlegen, dass auch bei Veränderungen innerhalb langjähriger
Bestandsbebauung vorrangig die Versickerung des anfallenden Niederschlagswassers
umzusetzen ist.
• Nichtklärpflichtiges Niederschlagswasser ist gem. § 44 Landeswassergesetz von Grund-
stücken zu versickern. Dies ist , vornehmlich auf dafür ausgelegten Bereichen wie Mulden,
Tiefbeete und Baumscheiben vorgesehen. Es findet keine flächendeckende Versickerung
über versickerungsfähige Deckschichten auf den übrigen Verkehrsflächen statt.
74
6.4 Konzeption
Die nachfolgende Konzeption des neuen Mülheimer Südens ergibt sich aus den Bausteinen
Raum – Char
akter – Prinzip. Es entsteht durch die Berücksichtigung und gleichwertiger Be-
trachtungsweise aller drei Faktoren eine besondere Identität und Nachhaltigkeit.
Die im
nachfolgenden Kapitel verorteten Ideen sind Vorgaben konzeptioneller Art, es
handelt sich um lediglich anschauliche Beispiele. Jedes freiraumplanerische Vorhaben
wird in
der Ausführungsplanung vom Grünflächenamt der Stadt Köln und von
Arbeitsgruppen wie der Baumkomission der Stadt Köln geprüft. Standorteignung,
Unterhaltungsfähigkeit und Kosten sind Faktoren, die in die abschließende Abwägung
einfließen. Ein solches Konzept kann eine Richtung vorgeben, die getroffenen Aussagen
gelten vorbehaltlich einer abschließenden Prüfung.
6.4.1 Wassersensible Stadtraum- und Grünflächengestaltung
Immer wieder werden die Auswirkungen von Extremwetterereignissen sichtbar, dass der all-
gegenw
ärtige Klimawandel unsere Städte und ihre BewohnerInnen mehr und mehr belas -
te
t. Das multifunktionale Netzwerk grüner Infrastrukturen beinhaltet auch ein breites Sys -
tem an blauen Infrastrukturen und kann durch die Umsetzung einiger zum Teil einfacher
Maßnahmen das Stadtklima positiv beeinflussen. Es gilt, das Gesamtareal des Mülheimer
Südens lebenswert sowie klimagerecht und resilient zu entwickeln. Neben der Stimulierung
einer aktiven
und passiven Freiraumnutzung, die die Menschen mit der Natur im Stadtraum
und miteinander verbindet, sind zukunftsorientierte Lösungen anzuwenden:
Prinzip Schwammstadt konzeptionieren und Retentionsräume scha ffen, so dass Regenwas-
ser zurückgehalten, gespeichert und verzögert in die Kanalisation abgeführt wird.
• Multifunktionale Muldenflächen für Regenwasser in öffentlichen Grünflächen (Anwen-
dung: Raumtypologien „Grünes Band“ und „Freiraumkorridore“)
• Multifunktionale Retentionsflächen (Anwendung: Raumtypologien „Stadtplätze“)
• Drainage-, Speicher-, Versickerungselemente und Baumrigolen, unter anderem auch
für die Bewässerung von Baumstandorten (Anwendung: Raumtypologien „Stadtplätze“ ,
„Quartiersstraßen“ und „Quartiersgassen“)
• Offene Ableitung von Regenwasser (Anwendung: Raumtypologie „Quartiersgassen“)
Niedriger Versiegelungsgrad sorgt dafür, dass Regenwasser gut versickern kann und die
Grundwasservorräte aufgefüllt werden.
• Ausgestaltung von Grünen Stadtplätzen (Anwendung: Raumtypologien „Stadtplätze“ und
„Quartiersgassen“)
• Versickerungsfähiges Pflaster (Anwendung: Raumtypologien „Stadtplätze“ und „Quar-
tiersgassen“)
Ökologische Korridore und grüne Trittsteine im Stadtraum bieten eine vielfaltige, arten-
reiche Landschaft und erfüllen gleichzeitig die hydrologischen Anforderungen des Standorts.
• Biodiverse Vegetationsflächen (Anwendung: Raumtypologien „Grünes Band“ und „Frei-
75
raumk
orridore“)
• Vernetzung und Verbindung von Grünflächen (Anwendung: Raumtypologien „Grünes
Band“ , „Freiraumkorridore“ und „Stadtplätze“)
• Multifunktionale Muldenflächen für Regenwasser in öffentlichen Grünflächen (Anwen-
dung: Raumtypologien „Grünes Band“ und „Freiraumkorridore“)
Verdunstung und die Schattenspendung von Baumkronen und Vegetationsflächen reduzie-
ren den Abfluss und senken die Umgebungslufttemperatur.
• Verwendung von klimaresilienten Stadtbäumen
• Maximale Anzahl von Baumstandorten (Anwendung: Raumtypologien „Grünes Band“ und
„Freiraumkorridore“ , „Stadtplätze“ , „Quartiersstraßen“ und „Quartiersgassen“)
• Biodiverse Vegetationsflächen (Anwendung: Raumtypologien „Grünes Band“ , „Freiraum-
korridore“ , „Stadtplätze“ , „Quartiersstraßen“ , „Quartiersgassen“)
76
6.4.2 Vegetationskonzept
Das Ziel des Vegetationskonzeptes ist es, aufbauend auf stadtökologischen und gestal -
terischen Grundlagen und unter den sich verstärkenden Veränderungen der Umwelt- und
Klimabedingungen – ein für das Gesamtareal langfristig gesunden Stadtbaumbestand und
einen individuellen Wiedererkennungswert und somit eine Identität für das Gesamtareal zu
entwickeln.
Gestalterische Vorgaben zur Einbindung von Stadtbäumen, die Verwendung von klimare-
silienten Zukunftsbäumen und Vegetationsflächen im öffentlichen Raum sowie die Schaffung
von möglichst optimalen baulichen Voraussetzungen bilden hierbei die Gestaltungsprinzi-
pien.
Das Vegetationskonzept setzt sich zusammen aus einer raumbildenden Begrünung, beste -
hend aus Bäumen und Sträuchern sowie einer horizontalen Begrünung aus Pflanzflächen
und Unterpflanzung.
Eine Fassadenbegrünung wird empfohlen und ist hinsichtlich der Schaffung von vielfälti -
gen, nachhaltigen Grünstrukturen wünschenswert, jedoch ist sie individuell, quartiers- und
architekturabhängig sowie hinsichtlich des Denkmalschutzes zu prüfen und entsprechend
umzusetzen. Die Fassadenbegrünung ist somit über die jeweiligen Baufelder im privaten
Bereich zu realisieren und hinsichtlich der Wechselwirkung und positiver Effekte auf die Um-
weltaspekte, Wahrnehmung und Gestaltung des öffentlichen Raumes in enger Abstimmung
mit der Stadt Köln zu planen und realisieren.
Die vorliegende Konzeption umfasst das Vegetationskonzept als Gestaltungsprinzip für
den öffentlichen Raum und der zuvor entwickelten und genannten Raumtypologien. Ge-
samtheitlich gilt es, den Mülheimer Süden als Quartiersentwicklung über ein einheitliches
und in den Raumtypologien individuell interpretiertes grünes Gesamtkonzept zu konzeptio-
nieren.
Jeder Raum übernimmt im grünen Gesamtkonzept eine individuelle Verantwortung mit ei -
nem besonderen Stellenwert, einer Wiedererkennung und Orientierung und gesamtheitlicher
Betrachtung hinsichtlich der Themenbereiche Nachhaltigkeit und Biodiversität.
Das Vegetationskonzept für die gesamtheitliche Quartiersentwicklung des Mülheimer Südens
sieht vor, das Quartier als grünen und resilienten Stadtraum zu stärken und die jeweiligen
Charaktere und Potentiale der Raumtypologien individuell herauszuarbeiten.
Die Erschließungsachsen als historische Entwicklungsachsen für
die industrielle Ansiedlung und der Quartiersentwicklung werden
als starkes, robustes und solides Rückgrat des Gesamtquartiers
verstanden, welches in seinen individuellen charakteristischen
Raumabschnitten auch über die entsprechende Bestandsvegeta -
tion darstellt, erhalten und gestärkt werden soll.
Die Perlenkette mit ihren Stadtplätzen, welche unterschiedliche
Raum- und Funktionsanforderungen aufweisen, werden individuell
in der Vegetation und somit auch im Wiedererkennungswert her -
ausgearbeitet. Jeder urbane oder grüne Stadtplatz zeichnet sich
durch eine charakteristische, aber robuste und teils raumprägende
Bepflanzung mit verschiedenen Farbaspekten aus.
77
Das
sogenannte “Grüne Band” mit den vernetzten Grünräumen der
verschiedenen Quartiere stellt sich als „lichten“ und weitläufigen
Grünraum dar, der in direkter Nachbarschaft zum Rhein die „grüne
Stadtkante” ausbildet.
Die Freiraumkorridore als öffentliche Grünflächen und Raumabfol-
gen durch öffentliche Grün- und Stadtplatzflächen sprechen die
gleiche Vegetationssprache wie das “Grüne Band“ , stellen sich aber
vielfältiger und biodiverser dar. Die Vernetzung ins Gesamtquar-
tier hinein und die Anbindung an den Rhein prägen den vegetativen
Charakter dieser Räume.
Im Gegensatz dazu stehen die sogenannten Quartiersstraßen, die
vielfältig und bunt durchmischt einen ruhigeren und wohnlicheren,
vegetativen Charakter erhalten.
Die Quartiersgassen nehmen mit ihrem privateren und vegetativ
kleinmaßstäblicheren Charakter Bezug auf die angrenzenden pri -
vaten Nutzungen und Anforderungen.
Die Schaffung von quantitativ zahlreichen und qualitativ hochwertigen Vegetationsflächen
zur Flächenentsiegelung und somit zur Förderung von Biodiversität, Retentionsraum und
schattenspendenden und Kleinklima positiv bewirkenden Flächenbegrünungen stellt die Ba-
sis und Grundlage des Vegetationskonzeptes dar.
Nachfolgend werden die oben genannten Leitziele für das Vegetationskonzept auf die jewei-
ligen Raumtyppologien als Prinzipien angewendet und mit beispielhaften Gehölzarten kon-
kretisiert.
Tabellarisch wird Bezug auf den Bestand, Neupflanzungen und Ergänzungen des Bestandes
genommen und beispielhaft die unter Kapitel 6.2 Grundlagen genannten Vorgaben der Stadt
Köln zitiert.
Ein differenziertes Bepflanzungskonzept ist jedoch im Weiteren durch jeweilige Qualifi -
zierungsverfahren und Objektplanungen im Bereich „Freiraumplanung“ zu konkretisieren.
Welche Bepflanzung sich für ein Vorhaben im Genauen eignet, wird abschließend und fach-
gerecht in der Ausführungsplanung, unter Anderem durch das Grünflächenamt der Stadt
Köln sowie der Baumkomission der Stadt Köln, entschieden. Deswegen handelt es sich bei
den vorgeschlagenen Baumarten um beispielhafte Vorgaben.
78
Abb. 51 Vegetationskonzept
79
Legende
Erschließungsachsen
Perlenkette | Platz
Perlenkette | Grüner Treffpunkt
Perlenkette | Eingangsplatz Bestandsbäume
Perlenkette | Eingangsplatz Neupflanzung
Grünes Band | Vernetzte Grünräume
Freiraumkorridor | Biodiversität
Freiraumkorridore
Öffentlich zugängliche private Frei- und Grünflächen
Quartiersstraßen
Quartiersgassen
80
Raumbildende Bepflanzung
Bestand:
Großkronige Platanen, straßenbegleitend
Neupflanzung (neue Bepflanzungsarten):
Keine Neupflanzungen
Ergänzung (Bestand auffüllen):
z.B. großkronige Platanen, straßen-
begleitend, raumlückenfüllend
Mehrwert/Wirkungsgrad:
• Schatten- und kleinklimabildend
• Achsenführend, hoher Wiederken-
nungswert
• Lärmschutz durch Platanen (lärm- und
staubschluckend)
Horizontale Bepflanzung
Bestand:
Wassergebundene Flächen als Baumschei -
ben, eingewachsen in angrenzende Pflaster-
und Aspahltflächen
Neupflanzung (neue Bepflanzungsarten):
Keine Neupflanzungen
Ergänzung (Bestand auffüllen):
z.B. Baumscheibenerweiterung, wasserge-
bundene Flächen mit Schaffung von unterir-
dischen Durchwurzelungsraum
Mehrwert/Wirkungsgrad:
• Regenwasserspeicherung durch ent-
siegelte Flächen (wassergebunden) und
Baumsubstrat
• Langlebigkeit der Gehölze durch Ver-
größerung Wurzelraum, Standhaftigkeit
Abb. 52 Vegetationskonzept Erschließungsachsen Abschnitt 1
Vegetationskonzept
1 I Erschließungsachsen – “Deutz-Mülheimer Straße”
Abschnitt 1: Lindgens Areal / Deutz-Areal
Welche Pflanzarten sich für eine Neupflanzung oder Ergänzung eignen wird im Rahmen der
Ausführungsplanung vom Grünflächenamt und der Baumkomission abschließend Geprüft.
81
Vege
tationskonzept
1 I Erschließungsachsen – “Deutz-Mülheimer Straße”
Abschnitt 2: Otto-Langen-Quartier / Nördlich Grünzug
Charlier / Deutz-Areal
Erhalt der städtebaulichen, architektonische, industriegeprägten Raumcharakter, daher keine
straßenbegleitende Bepflanzung
82
Raumbildende Bepflanzung
Bestand:
Linden, kleinkronig gehalten, straßenbe-
gleitend (öffentlicher Raum)
Säulenbuchen und mehrstämmige Groß-
sträucher sowie Linden (angrenzender pri-
vater Raum)
Neupflanzung (neue Bepflanzungsarten):
Keine Neupflanzungen
Ergänzung (Bestand auffüllen):
z.B. Bestand aus vorhandenen Arten im
öffentlichen und privaten Raum ergänzen,
straßenbegleitend, raumlückenfüllend
Mehrwert/Wirkungsgrad:
• Schatten- und kleinklimabildend
• Achsenführend, hoher Wiederken-
nungswert
• Lärmschutz durch mittelkronige Gehöl-
ze (lärm- und staubschluckend)
Horizontale Bepflanzung
Bestand:
Wassergebundene Flächen als Baumschei -
ben, eingewachsen in angrenzende Pflaster-
und Aspahltflächen (öffentlicher Raum)
Unterpflanzung mit Vorgartencharakter,
Rasen- und Staudenflächen (privater Raum)
Neupflanzung (neue Bepflanzungsarten):
Keine Neupflanzungen
Ergänzung (Bestand auffüllen):
z.B. Baumscheibenerweiterung, wasserge-
bundene Flächen mit Schaffung von unter-
ir-
dischen Durchwurzelungsraum (öffent-
licher Raum)
Empfehlung: Unterpflanzung mit boden-
deckenden Stauden und Kleingehölze
Mehrwert/Wirkungsgrad:
• Regenwasserspeicherung durch ent-
siegelte Flächen und Baumsubstrat
• Biodiverse Vegetationsflächen im priva-
ten Raum
• Langlebigkeit der Gehölze durch Ver-
größerung Wurzelraum, Standhaftigkeit
Abb. 53 Vegetationskonzept Erschließungsachsen Abschnitt 3
Welche Pflanzarten sich für eine Neup -
flanzung oder Ergänzung eignen wird im
Rahmen der Ausführungsplanung vom
Grünflächenamt und der Baumkomission
abschließend Geprüft.
Vegetationskonzept
1 I Erschließungsachsen – “Deutz-Mülheimer Straße”
Abschnitt 3: Euroforum Nord / Stegerwaldsiedlung
83
Raumbildende Bepflanzung
Bestand:
Großkronige Pappeln, straßenbegleitend
Kleinkronige Linden, fuß- und radwegbe-
gleitend
Neupflanzung (neue Bepflanzungsarten):
Keine Neupflanzungen
Ergänzung (Bestand auffüllen):
z.B. mittelkronige Linden, straßen-
begleitend
Mehrwert/Wirkungsgrad:
• Schatten- und kleinklimabildend
• Achsenführend, hoher Wiederken-
nungswert
Horizontale Bepflanzung
Bestand:
Wiesenflächen als Unterpflanzung
Neupflanzung (neue Bepflanzungsarten):
Keine Neupflanzungen
Ergänzung (Bestand auffüllen):
z.B. Wiesenflächen als Unterpflanzung
Mehrwert/Wirkungsgrad:
• Regenwasserspeicherung durch ent-
siegelte Flächen und Baumsubstrat
• Biodiverse Vegetationsflächen
• Langlebigkeit der Gehölze durch ange-
messenen Wurzelraum
Abb. 54 Vegetationskonzept Erschließungsachsen - Auenweg
Vegetationskonzept
1 I Erschließungsachsen – Auenweg
Welche Pflanzarten sich für eine Neup -
flanzung oder Ergänzung eignen wird im
Rahmen der Ausführungsplanung vom
Grünflächenamt und der Baumkomission
abschließend Geprüft.
84
Raumbildende Bepflanzung
Bestand:
Kein Bestand vorhanden
Neupflanzung (neue Bepflanzungsarten):
z.B. Amerikanische Linde (Tilia americana
‚Nova‘), straßenbegleitend als beidseitige
Baumallee
Ergänzung (Bestand auffüllen):
Keine Ergänzungen
Mehrwert/Wirkungsgrad:
• Schatten- und kleinklimabildend
• achsenführend, hoher Wiederkennungs-
wert (Lindenallee, Blütenzeit)
• Lärmschutz durch mittelkronige Gehöl-
ze (lärm- und staubschluckend)
Horizontale Bepflanzung
Bestand:
Kein Bestand vorhanden
Neupflanzung (neue Bepflanzungsarten):
Keine Neupflanzungen
Ergänzung (Bestand auffüllen):
z.B. Wiesenflächen als Unterpflanzung
Mehrwert/Wirkungsgrad:
• Regenwasserspeicherung durch ent-
siegelte Flächen und Baumsubstrat
• Biodiverse Vegetationsflächen
• Langlebigkeit der Gehölze durch ange -
messenen Wurzelraum
Abb. 55 Vegetationskonzept Erschließungsachsen - Planstraße A
Vegetationskonzept
1 I Erschließungsachsen – Planstraße A, Deutz-Areal
Welche Pflanzarten sich für eine Neupflanzung oder Ergänzung eignen wird im Rahmen der
Ausführungsplanung vom Grünflächenamt und der Baumkomission abschließend Geprüft.
85
Raumbildende Bepflanzung
Bestand:
Spontanvegetation
Neupflanzung (neue Bepflanzungsarten):
z.B. Baumgruppen aus großkronigen Bäu -
men, zum Beispiel Gleditschien oder
Robinien
Ergänzung (Bestand auffüllen):
Keine Ergänzungen
Mehrwert/Wirkungsgrad:
• Schatten- und kleinklimabildend
• Raum in Raum bildend, Aufenthaltsqua-
litäten
• Wiedererkennungswert, individueller
Charakter des Stadtplatzes
Horizontale Bepflanzung
Bestand:
Spontanvegetation
Neupflanzung (neue Bepflanzungsarten):
z.B. wassergebundene Baumscheiben in
Platzflächen, Gräser- und Staudenpflanzung
Ergänzung (Bestand auffüllen):
Keine Ergänzungen
Mehrwert/Wirkungsgrad:
• Urbane Aufenthaltsqualität
• Regenwasserspeicherung durch ent-
siegelte Flächen und Baumsubstrat
• Biodiverse Vegetationsflächen
• Langlebigkeit der Gehölze durch ange-
messenen Wurzelraum
Abb. 56 Vegetationskonzept Perle 1
Vegetationskonzept
2 | Perlenkette – Perle 1: Auftakt Euroforum West
Gleditschie Robinie
Welche Pflanzarten sich für eine Neupflanzung oder Ergänzung eignen wird im Rahmen der
Ausführungsplanung vom Grünflächenamt und der Baumkomission abschließend Geprüft.
86
Raumbildende Bepflanzung
Bes
tand:
Teils offene, teils baumüberstandene Ra-
senfläche
Neupflanzung (neue Bepflanzungsarten):
z.B. in Reihen gepflanzte oder als Baum-
karree (Vegetationsarchitektur) angelegte,
mittelkronige Gehölze, raumbildend,
zum Beispiel Felsenbirne (Farbigkeit
durch Blühaspekte, Wiedererkennung im
Stadtraum)
Ergänzung (Bestand auffüllen):
Keine Ergänzungen
Mehrwert/Wirkungsgrad:
• Schatten- und kleinklimabildend
• Raum in Raum bildend, Aufenthaltsqua-
litäten
• Wiedererkennungswert (Blühaspek-
te), individueller Charakter des grünen
Platzes
Felsenbirne
Horizontale Bepflanzung
Bestand:
Teils offene, teils baumüberstandene Ras-
enfläche
Neupflanzung (neue Bepflanzungsarten):
z.B. Gräser- und Staudenpflanzung, einge-
fasst mit Rasenflächen
Ergänzung (Bestand auffüllen):
Keine Ergänzungen
Mehrwert/Wirkungsgrad:
• Wiedererkennungswert im Stadtraum,
Markierung Eingangssituation
• Biodiverse Vegetationsflächen
• Langlebigkeit der Gehölze durch ange-
messenen Wurzelraum
Abb. 57 Vegetationskonzept Perle 2
Vegetationskonzept
2 | Perlenkette – Perle 2: Eingang Grünzug Charlier
Welche Pflanzarten sich für eine Neup -
flanzung oder Ergänzung eignen wird im
Rahmen der Ausführungsplanung vom
Grünflächenamt und der Baumkomission
abschließend Geprüft.
87
Raumbildende Bepflanzung
Bes
tand:
Baumstandorte (nur auf der rheinseitigen
Fläche vorhanden)
Neupflanzung (neue Bepflanzungsarten):
z.B. in Reihen gepflanzte oder als Baum-
karree (Vegetationsarchitektur) angelegte,
großkronige Gehölze, raumbildend, zum
Beispiel Eichen, Linden, Eschen oder ähn-
liches (Farbigkeit durch Grünabstufungen
im Laub, Wiedererkennung im Stadtraum)
Ergänzung (Bestand auffüllen):
Keine Ergänzungen
Mehrwert/Wirkungsgrad:
• Schatten- und kleinklimabildend
• Raum in Raum bildend, Aufenthaltsqua-
litäten
• Wiedererkennungswert, individueller
Charakter des grünen Platzes
Eiche Linde Esche
Horizontale Bepflanzung
Bestand:
Offene baumüberstandene Rasenfläche
Neupflanzung (neue Bepflanzungsarten):
z.B. Rasenflächen, vereinzelt auch Gräser-
und Staudenpflanzungen
Ergänzung (Bestand auffüllen):
z.B. offene baumüberstandene Rasenfläche
Mehrwert/Wirkungsgrad:
• Wiedererkennungswert im Stadtraum,
Markierung Eingangssituation
• Regenwasserspeicherung durch ent-
siegelte Flächen und Baumsubstrat
• Langlebigkeit der Gehölze durch ange-
messenen Wurzelraum
Abb. 58 Vegetationskonzept Perle 3
Vegetationskonzept
2 | Perlenkette – Perle 3: Schnittstelle Grünes Band /
Otto-Langen-Quartier
Welche Pflanzarten sich für eine Neup -
flanzung oder Ergänzung eignen wird im
Rahmen der Ausführungsplanung vom
Grünflächenamt und der Baumkomission
abschließend Geprüft.
88
Raumbildende Bepflanzung
Bestand:
Bestandbäume, großkronige Roßkastanien
Neupflanzung (neue Bepflanzungsarten):
z.B. mittelkronige Gehölze, raumbildend
Ergänzung (Bestand auffüllen):
z.B. Bestandsbäume erhalten und integrie-
ren
Mehrwert/Wirkungsgrad:
• Schatten- und kleinklimabildend
• Raum in Raum bildend, Aufenthaltsqua-
litäten
• Wiedererkennungswert, individueller
Charakter des grünen Platzes
Horizontale Bepflanzung
Bestand:
Kein Bestand vorhanden
Neupflanzung (neue Bepflanzungsarten):
z.B. Wiesen- und Rasenflächen, Gräser-
und Staudenpflanzung
Ergänzung (Bestand auffüllen):
Keine Ergänzungen
Mehrwert/Wirkungsgrad:
• Wiedererkennungswert im Stadtraum,
Markierung Eingangssituation
• Urbane Aufenthaltsqualitäten
• Regenwasserspeicherung durch ent-
siegelte Flächen und Baumsubstrat
• Biodiverse Vegetationsflächen
• Langlebigkeit der Gehölze durch ange-
messenen Wurzelraum
Abb. 59 Vegetationskonzept Perle 4
Vegetationskonzept
2 | Perlenkette – Perle 4: Stadtplatz P0 Lindgens-Areal
Welche Pflanzarten sich für eine Neupflanzung oder Ergänzung eignen wird im Rahmen der
Ausführungsplanung vom Grünflächenamt und der Baumkomission abschließend Geprüft.
89
Raumbildende Bepflanzung
Bestand:
Kein Bestand vorhanden
Neupflanzung (neue Bepflanzungsarten):
z.B. großkronige Laubbäume als Gruppen-
pflanzung, zum Beispiel Japanische Blüten-
kirsche, Taschentuchbaum oder ähnliches
Ergänzung (Bestand auffüllen):
Keine Ergänzungen
Mehrwert/Wirkungsgrad:
• Schatten- und kleinklimabildend
• Raum in Raum bildend, Aufenthaltsqua-
litäten
• Wiedererkennungswert, individueller
Charakter des urbanen Stadtplatzes
Horizontale Bepflanzung
Bestand:
Kein Bestand vorhanden
Neupflanzung (neue Bepflanzungsarten):
z.B. Baumscheiben mit Rasenflächen, Gräs-
er- und Staudenpflanzung sowie begehbare
Baumscheiben
Ergänzung (Bestand auffüllen):
Keine Ergänzungen
Mehrwert/Wirkungsgrad:
• Wiedererkennungswert im Stadtraum
• Urbane Aufenthaltsqualitäten
• Regenwasserspeicherung durch ent-
siegelte Flächen und Baumsubstrat
• Biodiverse Vegetationsflächen
• Langlebigkeit der Gehölze durch ange-
messenen Wurzelraum
Abb. 60 Vegetationskonzept Perle 5
Vegetationskonzept
2 | Perlenkette – Perle 5: Stadtplatz P1
Blütenkirsche Taschentuchbaum
Welche Pflanzarten sich für eine Neup -
flanzung oder Ergänzung eignen wird im
Rahmen der Ausführungsplanung vom
Grünflächenamt und der Baumkomission
abschließend Geprüft.
Vegetationskonzept Perle 5
90
Raumbildende Bepflanzung
Bestand:
Kein Bestand vorhanden
Neupflanzung (neue Bepflanzungsarten):
z.B. großkronige Laubbäume als Gruppen-
pflanzung, zum Beispiel Blauglockenbaum
oder ähnliches
Ergänzung (Bestand auffüllen):
Keine Ergänzungen
Mehrwert/Wirkungsgrad:
• Schatten- und kleinklimabildend
• Raum in Raum bildend, Aufenthaltsqua-
litäten
• Wiedererkennungswert (Farbbildendes
Blütenbild), individueller Charakter des
urbanen grünen Stadtplatzes
Horizontale Bepflanzung
Bestand:
Kein Bestand vorhanden
Neupflanzung (neue Bepflanzungsarten):
z.B. Baumscheiben mit Rasenflächen, Gräs-
er- und Staudenpflanzung sowie begehbare
Baumscheiben
Ergänzung (Bestand auffüllen):
Keine Ergänzungen
Mehrwert/Wirkungsgrad:
• Wiedererkennungswert im Stadtraum
• Urbane Aufenthaltsqualitäten
• Regenwasserspeicherung durch ent-
siegelte Flächen und Baumsubstrat
• Biodiverse Vegetationsflächen
• Langlebigkeit der Gehölze durch ange-
messenen Wurzelraum
Abb. 61 Vegetationskonzept Perle 6
Vegetationskonzept
2 | Perlenkette – Perle 6: Stadtplatz P2
Blauglockenbaum
Welche Pflanzarten sich für eine Neup -
flanzung oder Ergänzung eignen wird im
Rahmen der Ausführungsplanung vom
Grünflächenamt und der Baumkomission
abschließend Geprüft.
91
Raumbildende Bepflanzung
Bestand:
Kein Bestand vorhanden
Neupflanzung (neue Bepflanzungsarten):
z.B. großkronige Laubbäume als Gruppen-
pflanzung, zum Beispiel Baummagnolie
oder ähnliches
Ergänzung (Bestand auffüllen):
Keine Ergänzungen
Mehrwert/Wirkungsgrad:
• Schatten- und kleinklimabildend
• Raum in Raum bildend, Aufenthaltsqua-
litäten
• Wiedererkennungswert (Farbbildendes
Blütenbild), individueller Charakter des
urbanen grünen Stadtplatzes
Horizontale Bepflanzung
Bestand:
Kein Bestand vorhanden
Neupflanzung (neue Bepflanzungsarten):
z.B. Baumscheiben mit Rasenflächen, Gräs-
er- und Staudenpflanzung sowie begehbare
Baumscheiben
Ergänzung (Bestand auffüllen):
Keine Ergänzungen
Mehrwert/Wirkungsgrad:
• Wiedererkennungswert im Stadtraum
• Urbane Aufenthaltsqualitäten
• Regenwasserspeicherung durch ent-
siegelte Flächen und Baumsubstrat
• Biodiverse Vegetationsflächen
• Langlebigkeit der Gehölze durch ange-
messenen Wurzelraum
Abb. 62 Vegetationskonzept Perle 7
Vegetationskonzept
2 | Perlenkette – Perle 7: Stadtplatz P3
Baummagnolie
Welche Pflanzarten sich für eine Neup -
flanzung oder Ergänzung eignen wird im
Rahmen der Ausführungsplanung vom
Grünflächenamt und der Baumkomission
abschließend Geprüft.
92
Raumbildende Bepflanzung
Bestand:
Kein Bestand vorhanden
Neupflanzung (neue Bepflanzungsarten):
z.B. Baumgruppen aus großkronigen Bäu-
men, zum Beispiel Gleditschien oder Rob-
inien
Ergänzung (Bestand auffüllen):
Keine Ergänzungen
Mehrwert/Wirkungsgrad:
• Schatten- und kleinklimabildend
• Raum in Raum bildend
• Wiedererkennungswert, individueller
Charakter des Stadtplatzes
Horizontale Bepflanzung
Bestand:
Kein Bestand vorhanden
Neupflanzung (neue Bepflanzungsarten):
z.B. wassergebundene Baumscheiben in
Platzflächen, Gräser- und Staudenpflan-
zung
Ergänzung (Bestand auffüllen):
Keine Ergänzungen
Mehrwert/Wirkungsgrad:
• Wiedererkennungswert im Stadtraum
• Urbane Aufenthaltsqualitäten
• Regenwasserspeicherung durch ent-
siegelte Flächen und Baumsubstrat
• Biodiverse Vegetationsflächen
• Langlebigkeit der Gehölze durch ange-
messenen Wurzelraum
Abb. 63 Vegetationskonzept Perle 8
Vegetationskonzept
2 | Perlenkette – Perle 8: Stadtplatz P4
Gleditschie Robinie
Welche Pflanzarten sich für eine Neup -
flanzung oder Ergänzung eignen wird im
Rahmen der Ausführungsplanung vom
Grünflächenamt und der Baumkomission
abschließend Geprüft.
93
Raumbildende Bepflanzung
Bestand:
Einzelbaumstandorte, unter anderem Lin-
den, Pappeln, Weiden oder ähnliches
Neupflanzung (neue Bepflanzungsarten):
Unter Berücksichtigung künftiger Planun-
gen: z.B. Einzelbaumpflanzungen oder
Baumgruppen, mittel- bis großkronig, zum
Beispiel Eichen, Linden, Erlen oder ähnli-
ches an den Rändern
Ergänzung (Bestand auffüllen):
Keine Ergänzungen
Mehrwert/Wirkungsgrad:
• Schatten- und kleinklimabildend
• Freiflächen Weitblick, lichte Grünräume
• Überflutungsgesicherte Baumpflan-
zungen
Horizontale Bepflanzung
Bestand:
Rasenflächen
Neupflanzung (neue Bepflanzungsarten):
z.B. Rasenflächen, vereinzelt Ergänzung
durch Feuchtwiesen oder Wiesenflächen
Ergänzung (Bestand auffüllen):
Keine Ergänzungen
Mehrwert/Wirkungsgrad:
• Freiflächen mit Weitblick, lichte Grün-
räume
• Regenwasserspeicherung und Überflu-
tungsraum durch großflächige Rasen-
flächen
• Biodiverse Vegetationsflächen
• Langlebigkeit der Gehölze durch ange-
messenen Wurzelraum
Abb. 64 Vegetationskonzept Grünes Band
Vegetationskonzept
3 | Grünes Band – Vernetzte Grünräume (Rheinboulevard
und Grünflächen Otto-Langen-Quartier und Euroforum West)
Eiche Linde Erle
Welche Pflanzarten sich für eine Neup -
flanzung oder Ergänzung eignen wird im
Rahmen der Ausführungsplanung vom
Grünflächenamt und der Baumkomission
abschließend Geprüft.
Vegetationskonzept Grünes Band
94
Raumbildende Bepflanzung
Bestand:
Kein Bestand vorhanden
Neupflanzung (neue Bepflanzungsarten):
Unter Berücksichtigung künftiger Planun-
gen: z.B. Baumgruppen mittel- bis großkro-
nigen Gehölzen, wie Linden, Eichen oder
ähnliches, Einzel- und Baumgruppenp-
flanzungen oder ähnliches an den Rändern
Ergänzung (Bestand auffüllen):
Keine Ergänzungen
Mehrwert/Wirkungsgrad:
• Schatten- und kleinklimabildend
• Freiflächen mit Weitblick, lichte Grün-
räume
• Retentionsflächen gesicherte Baum-
pflanzungen
Horizontale Bepflanzung
Bestand:
Kein Bestand vorhanden
Neupflanzung (neue Bepflanzungsarten):
z.B. Rasenflächen, vereinzelt Ergänzu-
ng durch Wiesenflächen, Gräser- und
Staudenpflanzungen im Bereich der Baum-
standorte
Ergänzung (Bestand auffüllen):
Keine Ergänzungen
Mehrwert/Wirkungsgrad:
• Freiflächen mit Weitblick, lichte Grün-
räume
• Regenwasserspeicherung durch groß-
flächige Rasenflächen
• Biodiverse Vegetationsflächen
• Langlebigkeit der Gehölze durch ange-
messenen Wurzelraum
Abb. 65 Vegetationskonzept Freiraumkorridor - Grünzug Mülheim-Süd
Vegetationskonzept
4 | Freiraumkorridor – Grünzug Mülheim-Süd
Eiche Linde
Welche Pflanzarten sich für eine Neup -
flanzung oder Ergänzung eignen wird im
Rahmen der Ausführungsplanung vom
Grünflächenamt und der Baumkomission
abschließend Geprüft.
95
Raumbildende Bepflanzung
Bestand:
Kein Bestand vorhanden
Neupflanzung (neue Bepflanzungsarten):
z.B. Einzel- und Baumgruppen mit mittel-
bis großkronigen Gehölzpflanzungen, zum
Beispiel Schnurbäume oder ähnliches
Ergänzung (Bestand auffüllen):
Keine Ergänzungen
Mehrwert/Wirkungsgrad:
• Schatten- und kleinklimabildend
• Raum in Raum bildend, Aufenthaltsqua-
litäten
• Wiedererkennungswert (Fruchtbild),
individueller Charakter des urbanen
grünen Stadtplatzes
Horizontale Bepflanzung
Bestand:
Kein Bestand vorhanden
Neupflanzung (neue Bepflanzungsarten):
z.B. Baumscheiben als Grüninseln mit
Wiesen- und Rasenflächen, Gräser- und
Staudenpflanzung sowie begehbare Baum -
scheiben
Ergänzung (Bestand auffüllen):
Keine Ergänzungen
Mehrwert/Wirkungsgrad:
• Wiedererkennungswert im Stadtraum
• Urbane Aufenthaltsqualitäten
• Regenwasserspeicherung durch ent-
siegelte Flächen und Baumsubstrat
• Biodiverse Vegetationsflächen
• Langlebigkeit der Gehölze durch ange-
messenen Wurzelraum
Abb. 66 Vegetationskonzept Freiraumkorridor - Boulevard „Deutz-Areal“
Vegetationskonzept
4 | Freiraumkorridor – Boulevard “Deutz-Areal”
Schnurbaum
Welche Pflanzarten sich für eine Neup -
flanzung oder Ergänzung eignen wird im
Rahmen der Ausführungsplanung vom
Grünflächenamt und der Baumkomission
abschließend Geprüft.
96
Raumbildende Bepflanzung
Bestand:
Einzelbaumstandorte und Baumreihen
Neupflanzung (neue Bepflanzungsarten):
Keine Neupflanzungen
Ergänzung (Bestand auffüllen):
Unter Berücksichtigung künftiger Planun-
gen: z.B. Einzel- und Baumgruppenpflanzu-
ngen von mittel- bis großkroningen Gehöl-
zen, zum Beispiel Rotdorne, Weißdorne,
Magnolien, Blasenbäume, Erlen, Rotahorne
an den Rändern
Mehrwert/Wirkungsgrad:
• Schatten- und kleinklimabildend
• Freiflächen Weitblick, lichte Grünräume
Horizontale Bepflanzung
Bestand:
Rasenflächen
Neupflanzung (neue Bepflanzungsarten):
Keine Neupflanzungen
Ergänzung (Bestand auffüllen):
Keine Ergänzungen
Mehrwert/Wirkungsgrad:
• Freiflächen mit Weitblick, lichte Grün-
räume
• Regenwasserspeicherung durch groß-
flächige Rasenflächen
• Biodiverse Vegetationsflächen
• Langlebigkeit der Gehölze durch ange -
messenen Wurzelraum
Abb. 67 Vegetationskonzept Freiraumkorridor - Grünzug Charlier
Vegetationskonzept
4 | Freiraumkorridor – Grünzug Charlier
Rotdorn Magnolie Blasenbaum
Welche Pflanzarten sich für eine Neup -
flanzung oder Ergänzung eignen wird im
Rahmen der Ausführungsplanung vom
Grünflächenamt und der Baumkomission
abschließend Geprüft.
97
Raumbildende Bepflanzung
Bestand:
Kein Bestand vorhanden
Neupflanzung (neue Bepflanzungsarten):
z.B. Einzel- und Baumgruppen mit mit-
telkronigen Gehölzpflanzungen, zum
Beispiel Schnurbäume oder ähnliches
Ergänzung (Bestand auffüllen):
Keine Ergänzungen
Mehrwert/Wirkungsgrad:
• Schatten- und kleinklimabildend
• Raum in Raum bildend, Aufenthaltsqua-
litäten
• Wiedererkennungswert (Fruchtbild),
individueller Charakter des urbanen
grünen Stadtplatzes
Horizontale Bepflanzung
Bestand:
Kein Bestand vorhanden
Neupflanzung (neue Bepflanzungsarten):
z.B. Baumscheiben als Grüninseln mit
Wiesen- und Rasenflächen, Gräser- und
Staudenpflanzung sowie begehbare Baum -
scheiben
Ergänzung (Bestand auffüllen):
Keine Ergänzungen
Mehrwert/Wirkungsgrad:
• Wiedererkennungswert im Stadtraum
• Urbane Aufenthaltsqualitäten
• Regenwasserspeicherung durch ent-
siegelte Flächen und Baumsubstrat
• Biodiverse Vegetationsflächen
• Langlebigkeit der Gehölze durch ange-
messenen Wurzelraum
Abb. 68 Vegetationskonzept Freiraumkorridor - Boulevard „Euroforum Nord / West“
Vegetationskonzept
4 | Freiraumkorridor – Boulevard “Euroforum Nord / West”
Welche Pflanzarten sich für eine Neupflanzung oder Ergänzung eignen wird im Rahmen der
Ausführungsplanung vom Grünflächenamt und der Baumkomission abschließend Geprüft.
Vegetationskonzept Freiraumkorridor - Boulevard „Euroforum Nord/West“
98
Raumbildende Bepflanzung
Bestand:
Kein Bestand vorhanden
Neupflanzung (neue Bepflanzungsarten):
z.B. Baumreihen mit mittelkronigen Gehölz-
pflanzungen, zum Beispiel Felsenbirne oder
ähnliches
Ergänzung (Bestand auffüllen):
Keine Ergänzungen
Mehrwert/Wirkungsgrad:
• Schatten- und kleinklimabildend
• Raumachsenbildende Bepflanzung,
Aufenthaltsqualitäten
• Beruhigender Stadtraumcharakter
Horizontale Bepflanzung
Bestand:
Kein Bestand vorhanden
Neupflanzung (neue Bepflanzungsarten):
z.B. Rasenflächen sowie Gräser- und
Staudenflächen
Ergänzung (Bestand auffüllen):
Keine Ergänzungen
Mehrwert/Wirkungsgrad:
• Ruhige, grüne Aufenthaltsqualitäten
• Regenwasserspeicherung durch ent-
siegelte Flächen und Baumsubstrat
• Biodiverse Vegetationsflächen
• Langlebigkeit der Gehölze durch ange-
messenen Wurzelraum
Abb. 69 Vegetationskonzept öffentlich zugängliche private Frei- und Grünflä-
Vegetationskonzept
5 | Öffentlich zugängliche private Frei- und Grünflächen
Felsenbirne
Welche Pflanzarten sich für eine Neup -
flanzung oder Ergänzung eignen wird im
Rahmen der Ausführungsplanung vom
Grünflächenamt und der Baumkomission
abschließend Geprüft.
99
Raumbildende Bepflanzung
Bestand:
Kein Bestand vorhanden
Neupflanzung (neue Bepflanzungsarten):
z.B. Baumreihen mit mittelkronigen Ge-
hölzpflanzungen, straßenraumbegleitend,
zum Beispiel Spitzahorne, dornenlose Gled-
itschien, Purpurerlen, Roteschen, Grüne-
schen, Ungarische Eichen, Tulpenbäume
oder ähnliches
Ergänzung (Bestand auffüllen):
Keine Ergänzungen
Mehrwert/Wirkungsgrad:
• Schatten- und kleinklimabildend
• Raumachsenbildende Bepflanzung,
Aufenthaltsqualitäten
• Beruhigender Stadtraumcharakter
• Vielfältige Blüh- und Farbaspekte
Horizontale Bepflanzung
Bestand:
Kein Bestand vorhanden
Neupflanzung (neue Bepflanzungsarten):
z.B. Rasenflächen sowie Gräser- und
Staudenflächen als Baumscheiben
Ergänzung (Bestand auffüllen):
Keine Ergänzungen
Mehrwert/Wirkungsgrad:
• Ruhige, grüne Aufenthaltsqualitäten
• Regenwasserspeicherung durch Mulden
und Baumsubstrat
• Biodiverse Vegetationsflächen der
Baumscheiben
• Langlebigkeit der Gehölze durch ange-
messenen Wurzelraum
Abb. 70 Vegetationskonzept Quartiersstraßen
Vegetationskonzept
6 | Quartiersstraßen
Spitzahorn Gleditschie Tulpenbaum
Welche Pflanzarten sich für eine Neup -
flanzung oder Ergänzung eignen wird im
Rahmen der Ausführungsplanung vom
Grünflächenamt und der Baumkomission
abschließend Geprüft.
100
Raumbildende Bepflanzung
Bestand:
Kein Bestand vorhanden
Neupflanzung (neue Bepflanzungsarten):
z.B. Baumgruppen mit mittelkronigen Ge-
hölzpflanzungen, und Strauchgruppen, zum
Beispiel Rotdorn, Magnolien, Großsträucher
oder ähnliches
Ergänzung (Bestand auffüllen):
Keine Ergänzungen
Mehrwert/Wirkungsgrad:
• Schatten- und kleinklimabildend
• Architekturbetonende Bepflanzung, Auf-
enthaltsqualitäten
• Beruhigender Stadtraumcharakter
• Vielfältige Blüh- und Farbaspekte
Horizontale Bepflanzung
Bestand:
Kein Bestand vorhanden
Neupflanzung (neue Bepflanzungsarten):
z.B. Gräser- und Staudenflächen
Ergänzung (Bestand auffüllen):
Keine Ergänzungen
Mehrwert/Wirkungsgrad:
• Ruhige, grüne Aufenthaltsqualitäten
• Regenwasserspeicherung entsiegelte
Flächen, Vegetationsfläcgen
• Biodiverse Vegetationsflächen der
Baumscheiben
• Langlebigkeit der Gehölze durch ange-
messenen Wurzelraum
Abb. 71 Vegetationskonzept Quartiersgassen
Vegetationskonzept
7 | Quartiersgassen
Rotdorn Magnolie
Welche Pflanzarten sich für eine Neup -
flanzung oder Ergänzung eignen wird im
Rahmen der Ausführungsplanung vom
Grünflächenamt und der Baumkomission
abschließend Geprüft.
101
6.4.3 Charakteristis ches Material- und Ausstattungskonzept
Das Materialkonzept für den Mülheimer Süden folgt den Gestaltungsgrundsätzen des Gestal-
tungshandbuchs der Stadt Köln. Daraus resultiert, dass die Materialien im öffentlichen Raum
in Form, Farbe und Material aufeinander abgestimmt sein müssen. Mit der Zielsetzung ei-
ner gesamtheitlich räumlich-visuell wahrnehmbaren Gesamtentwicklung des Areals und der
Stärkung des individuellen Charakter des Ortes, gilt es auch in der Materialwahl für den öffent-
lichen Raum Prinzipien zu entwickeln und diese zur Widererkennung eines Raumes anzuwen-
den.
Die charakteristischen Spuren der Identität (Kapitel 2.3) werden im Wesentlichen durch vor -
handene zeitlich unterschiedlich entstandene und angewandte Bestandsmaterialien be-
stimmt. Um die Geschichte des Ortes „weiter zu erzählen“ und zukunftsorientiert zu entwic-
keln, sind diese Materialien im Weiteren zu verwenden und in ihren Prinzipien anzuwenden.
Industriebauten Rheinboulevard Rheinboulevard Flächen Rheinboulevard Rheinpark
Ziegel Kopfsteinpflaster, Betonflächen Wassergebundene Wiesen Baumgruppe,
Grauwacke Wegedecke Gehölze
Abb. 72 Bestandsmaterialien im Mülheimer Süden
Wie der Abbildung 70 zu entnehmen ist, werden die charakteristischen Bestandsmaterialien
durch roten Klinker, Grauwacken-Kleinsteinpflaster, Asphalt und Beton-Plattenbeläge gebil -
det.
Inwiefern sich die unterschiedlichen Materialien im Freiraum und öffentlichen Raum mit- und
untereinander kombinieren lassen, zeigt ein Foto des Rheinvboulevards (Abbildung 71). Hier
findet sich ein Mix aus Betonflächen als Wegefläche und der Einfassung von Aufenthaltsbere-
ichen eingefasst in ein Kopfsteinkleinpflaster, Grauwacke. Diesem Prinzip folgend, können
im gesamten Mülheimer Süden Flächen eingefasst und im selben Stil Ausstattungselemente
platziert werden.
102
Dementsprechend werden für die verschiedenen Raumtypologien folgende Prinzipien für
die Materialstruktur und -auswahl empfohlen. Hierbei werden exemplarisch die Typologien
„Freiraumkorridore“ , „Quartiersgassen“ und „Platzflächen“ aufgezeigt:
Freiraumkorridore
• Einfassung der Bewegungsflächen (Wege, Platzflächen
oder ähnliches) oder Grünflächen durch Kleinsteinpflaster,
Grauwacke oder ähnliches, 10 x 10 cm
• Ausgestaltung der Bewegungsflächen, individuell durch
Asphalt-, Beton- oder Plattenbelägen
• in öffentlichen Grünflächen: Ausgestaltung der Wege-
flächen als wassergebundene Wegedecke, eingefasst
durch Kleinsteinpflaster, Grauwacke oder ähnliches, 10 x
10 cm
• Positionierung von Ausstattungselementen (beispiels-
weise Sitzbänke) in Kleinsteinpflasterflächen
Abb. 73 Materialkonzept Rheinboulevard
Abb. 74 Gestaltungstypen von Freiraumkorridoren
103
Quartiersgasssen
• Ausgestaltung der Bewegungsflächen, individuell durch Asphalt-,
Beton- oder Plattenbelägen
• Einfassung der Bewegungsflächen (Wege, Platzflächen oder ähn-
liches) oder Grünflächen durch Kleinsteinpflaster, Grauwacke oder
ähnliches, 10 x 10 cm
• Flächen zur Führung von Regenwasser in der Oberfläche als Rinne
mit Kleinsteinpflaster, Grauwacke
• Positionierung von Ausstattungselementen (beispielsweise Sitz -
bänke) in Kleinsteinpflasterflächen
Platzflächen
• Ausgestaltung der Bewegungsflächen, individuell durch Asphalt-,
Beton- oder Plattenbelägen
• Einfassung der Bewegungsflächen (Wege, Platzflächen oder ähn-
liches) oder Grünflächen durch Kleinsteinpflaster, Grauwacke oder
ähnliches, 10 x 10 cm
• Flächen zur Führung von Regenwasser in der Oberfläche als Rinne
mit Kleinsteinpflaster, Grauwacke
• Positionierung von Ausstattungselementen (beispielsweise Sitz -
bänke) in Kleinsteinpflasterflächen
Abb. 75 Gestaltungstypen von Quartiersgassen
Abb. 76 Gestaltungstypen von Platzflächen
104
Abb. 77 Ottoplatz Blickrichtung Bahnhofsgebäude
Abb. 78 Materialverwendung Ottoplatz
Der Ottoplatz, Bahnhofsvorplatz des Bahnhofs Köln Messe/Deutz zeigt, wie die zuvor be-
schriebenen Prinzipien angewendet werden und der Bestand neu interpretiert wird. Er ist ein
gutes Beispiel dafür, wie die Materialien (unabhängig von der Vegetation) im öffentlichen Raum
angewendet werden können.
105
Das
Ausstattungskonzept des Mülheimer Südens folgt den Grundsätzen des Gestaltungs-
handbuchs der Stadt Köln.
Ziel des Gestaltungshandbuchs ist es, für die Planung des öffentlichen Raumes An-
forderungen und Leitlinien zu definieren sowie Standards festzulegen, die den Stadtraum
ordnen, Arbeitsprozesse erleichtern und dessen gestalterische Qualität gewährleisten
und nachhaltig verbessern. Der Bedeutungsplan, als Teil des Gestaltungshandbuchs,
definiert und hierarchisiert die öffentlichen Räume im Bereich der Kölner Innenstadt.
Der Bereich des Mülheimer Südens ist bisher noch nicht Bestandteil des Be -
deutungsplans. Es ist vorgesehen, diesen fortzuschreiben und absehbar auch
den Mülheimer Süden als “Raum mit stadtweiter Bedeutung” zu ergänzen.
Bis zum endgültigen Beschluss der Fortschreibung des Gestaltungshandbuches sind für den
Mülheimer Süden die Gestaltungsgrundsätze und Standards für Räume mit stadtweiter Be-
deutung anzuwenden.
In den Stadträumen mit stadtweiter Bedeutung hat die Aufenthaltsqualität eine hohen Stel -
lenwert. Der Anspruch an die Gestaltung und an die Instandhaltung der öffentlichen Räume
ist deshalb hoch. Daher ist in Einzelfällen die Umsetzung einer qualitätsvollen Sonderlösung
nicht ausgeschlossen.
Der Stadtraum soll nachhaltig und gestalterisch gradlinig beruhigt werden. Das Mobiliar und
die Materialien im öffentlichen Raum sollen in Farbe und Material aufeinander abgestimmt
werden. Die Anzahl der Elemente ist auf das Notwendige zu reduzieren.
Um eine zeitlose Farbe zu garantieren, ist ein zurückhaltendes Farbenspektrum (anthrazit -
farben: DB 703) für Mobiliarelemente wie Bänke, Absperrungen, Fahrradabstellanlagen und
Abfallbehälter (Kapitel H im Gestaltungshandbuch der Stadt Köln) zu wählen. Durch die ein -
heitlich zurückhaltende Farbgebung der unterschiedlichen Ausstattungselemente treten die
einzelnen Objekte in den Hintergrund und der Stadtraum wird beruhigt.Es ist eine klare, re -
duzierte Formensprache zu wählen und es sind langlebige, bewährte und unterhaltungsfre -
undliche Materialien zu benutzen.
H2.1.1 Bank Stadtraum,
Standard,
H1.1.2 Gehweg Sonderraum: historischer Be-
reich, Grauwackenpflaster
H2.4.1 Abfallbehälter
Stadtraum, Standard
H2.3.1 Anlehnbügel,
Standard
H2.2.1 Ab-
sperrelement,
Standard
Abb. 79 Gestaltungshandbuch der Stadt Köln, Beispiele Kölner Standards
7. Ausblick
104
Trotz einer hohen Bebauungsdichte und daraus resultierend wenigen Frei- und Grünflächen,
können mit Hilfe des Freiraumkonzeptes hochwertige Freiräume und öffentliche Flächen
generiert werden, die sich zukünftig eigenständig zu identitätstiftenden Räumen entwickeln
können.
Es gilt, das Freiraumkonzept in der Bebauungsplanung festzusetzen und die weitere Detail -
planung auszuarbeiten.
Es wurden Gestaltungsleitlinien aufgestellt, die es ermöglichen, die Identifikation des Ortes zu
stärken. Dies erfolgt durch eine einheitliche Gestaltung und eine Aufstellung von Baum- und
Pflanzleitlinien, wie beispielsweise durch Leitbäume, die die unterschiedlichen Straßenhier -
archien visuell hervorheben. Dabei bleiben historische Strukturen erhalten und werden durch
eine geeignete Auswahl an Grün in Szene gesetzt. Die Gestaltungsleitlinien müssen im Fol -
genden im Rahmen der weiteren Objektplanung der einzelnen Räume in den Außenanlagen
konkretisiert werden.
107
108
Literaturverzeichnis
(1) Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (2016): Grün in der Stadt als Thema
umweltbezogener Gerechtigkeit. Gefunden in: https:/ /www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/veroef-
fentlichungen/izr/2016/6/Inhalt/downloads/koeckler-engelhardt-dl.pdf?__blob=publica -
tionFile&v=1) [22.08.2022].
(2) Bundeszentrale für politische Bildung (2018): Das Prinzip des öffentlichen Raums. Ge-
funden in: https:/ /www.bpb.de/themen/stadt-land/stadt-und-gesellschaft/216873/das-
prinzip-des-oeffentlichen-raums/ [23.08.2022].
(3) MOBILON: Verkehr | Mobilität | Raum (2015): Identität und Raum. Gefunden in: https:/ /
mobilon.ch/?p=55 [22.08.2022].
109
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1 Luftbild Situation des Projektraums Mülheimer Süden im Jahr 2014 ......................................................... 10
Abb. 2 Blick auf die Hafenstraße und industriell geprägte Bausubstanz (2014) .................................................... 10
Abb. 3 Grünwildwuchs auf Brachflächen (2014) ........................................................................................................... 10
Abb. 4 Ausbau Rheinboulevard als verbindendes Grün- und Freiraumelement (2014) ....................................... 10
Abb. 5 Brachgefallene Industriegebäude (2014) ........................................................................................................... 10
Abb. 6 Masterplan „Grüner Kamm“ – die 9 Grünkorridore zum Rhein (2014) .........................................................12
Abb. 7 Das Gebiet prägende historische Backsteinarchitektur (2023) .................................................................... 15
Abb. 8 Erschließung überwiegend über ehemalige Werksstraßen (2023) .............................................................. 15
Abb. 9 „6 Grüne Korridore für Mülheim – Ein integriertes System zwischen Wasser und Landschaft“ (Städte-
baulich-freiraumplanerisches Konzept 2014) .................................................................................................... 16
Abb. 10 Luftbild Situation des Projektraums Mülheimer Süden im Jahr 2022 ......................................................... 19
Abb. 11 Blick auf den bestehenden Rheinboulevard am Lindgens-Areal .................................................................. 19
Abb. 12 Blick auf das Lindgens-Areal ................................................................................................................................. 19
Abb. 13 Industriell-historisch geprägte Bausubstanz im Lindgens-Areal .................................................................. 19
Abb. 14 Sanierung und Umbaumaßnahmen ..................................................................................................................... 19
Abb. 15 Schwarzplan bebauter Raum (Planung Stand 2023) ....................................................................................... 22
Abb. 16 Potential öffentlich-erlebbarer Raum .................................................................................................................. 22
Abb. 17 Atmosphäre und Identität bildende Elemente ................................................................................................... 23
Abb. 18 Lenauplatz in Neuehrenfeld - ein identitätsstiftender Ort .............................................................................. 24
Abb. 19 Verwilderte Bausubstanz und Pioniervegetation als Zeitzeugen einer vergangenen industriell gepräg-
ten Geschichte .......................................................................................................................................................... 25
Abb. 20 Historisch geprägte Bausubstanz ........................................................................................................................ .25
Abb. 21 Hafenstraße als historisch industriell-geprägte Erschließungsstraße .........................................................25
Abb. 22 Charakteristische Vegetations- und Oberflächenstrukturen im Mülheimer Süden .................................26
Abb. 23 Bestandteile „Grüne Stadt über Freiraum denken“ .................................................................................. .......29
Abb. 24 Eigenschaften von Biodiversität ...........................................................................................................................31
Abb. 25 Anziehungspunkt im öffentlichen Raum: Der Rathenauplatz in Neustadt-Süd ........................................32
Abb. 26 Gesamtdarstellung – Verortung der Plangebiete .............................................................................................35
Abb. 27 Gesamtdarstellung (Stand September 2022) ....................................................................................................36
Abb. 28 Raumkonzept – Freiraumnetzwerk mit Darstellung der Raumtypologien .................................................40
Abb. 29 Schnitt, Verortung und Axonometrie Abschnitt 1 .............................................................................................46
Abb. 30 Schnitt, Verortung und Axonometrie Abschnitt 2 .............................................................................................48
Abb. 31 Schnitt, Verortung und Axonometrie Abschnitt 3 .............................................................................................49
Abb. 32 Schnitt, Verortung und Axonometrie Auenweg .................................................................................................50
Abb. 33 Schnitt, Verortung und Axonometrie Planstraße .. ...........................................................................................51
Abb. 34 Axonometrie und Verortung Perle 1: Auftakt Euroforum Westt ....................................................................52
Abb. 35 Axonometrie und Verortung Perle 2: Eingang Grünzug Charlier .......................................................... ........53
Abb. 36 Axonometrie und Verortung Perle 3: Schnittstelle Grünes Band / Otto-Langen-Quartier .....................54
Abb. 37 Axonometrie und Verortung Perle 4: Stadtplatz P0 .........................................................................................55
Abb. 38 Axonometrie und Verortung Perle 5: Stadtplatz P1 ..........................................................................................56
Abb. 39 Axonometrie und Verortung Perle 6: Stadtplatz P2 .........................................................................................57
Abb. 40 Axonometrie und Verortung Perle 7: Stadtplatz P3 .........................................................................................58
Abb. 41 Axonometrie und Verortung Perle 8: Stadtplatz P4 ................................................................................. ........59
Abb. 42 Grünes Band – Foto und Verortung .....................................................................................................................60
Abb. 43 Schnitt und Verortung Grünzug Mülheim-Süd ..................................................................................................61
Abb. 44 Schnitt, Verortung und Axonometrie Boulevard „Deutz-Areal“ .....................................................................62
Abb. 45 Schnitt, Verortung und Axonometrie Grünzug Charlier .......................................................................... ........63
Abb. 46 Schnitt, Verortung und Axonometrie Boulevard „Euroforum Nord / West“ ...............................................64
Abb. 47 Schnitt, Verortung und Axonometrie öffebntlich zugängliche private Frei- und Grünflächen ...............65
Abb. 48 Schnitt, Verortung und Axonometrie Quartiersstraßen ..................................................................................66
Abb. 49 Schnitt und Verortung Quartiersgasse ................................................................................................................67
110
Abb. 50 Materialien Raumkonzept und die Idee der „grünen Inlets“ ...........................................................................70
Abb. 51 Vegetationskonzept......... ............................................................................................................................... .........78
Abb. 52 Vegetationskonzept Erschließungsachsen Abschnitt 1...................................................................................80
Abb. 53 Vegetationskonzept Erschließungsachsen Abschnitt 3...................................................................................82
Abb. 54 Vegetationskonzept Erschließungsachsen - Auenweg....................................................................................8 3
Abb. 55 Vegetationskonzept Erschließungsachsen - Planstraße A..............................................................................84
Abb. 56 Vegetationskonzept Perle 1......................................................................................................................................85
Abb. 57 Vegetationskonzept Perle 2....................................................................................................................................8 6
Abb. 58 Vegetationskonzept Perle 3....................................................................................................................................8 7
Abb. 59 Vegetationskonzept Perle 4....................................................................................................................................88
Abb. 60 Vegetationskonzept Perle 5....................................................................................................................................8 9
Abb. 61 Vegetationskonzept Perle 6.................................................................................................................................... 90
Abb. 62 Vegetationskonzept Perle 7.....................................................................................................................................91
Abb. 63 Vegetationskonzept Perle 8....................................................................................................................................92
Abb. 64 Vegetationskonzept Grünes Band.........................................................................................................................93
Abb. 65 Vegetationskonzept Freiraumkorridor - Grünzug Mülheim-Süd...................................................................9 4
Abb. 66 Vegetationskonzept Freiraumkorridor - Boulevard „Deutz-Areal“ .................................................................95
Abb. 67 Vegetationskonzept Freiraumkorridor - Grünzug Charlier...............................................................................96
Abb. 68 Vegetationskonzept Freiraumkorridor - Boulevard „Euroforum Nord / West“ ............................................97
Abb. 69 Vegetationskonzept öffentlich zugängliche private Frei- und Grünflächen..................................................98
Abb. 70 Vegetation skonzept Quartiersstraßen...................................................................................................................99
Abb. 71 Vegetationskonzept Quartiersgassen...... ...........................................................................................................100
Abb. 72 Bestandsmaterialien im Mülheimer Süden........................................................................................................ 101
Abb. 73 Materialkonzept Rheinboulevard.........................................................................................................................102
Abb. 74 Gestaltungstypen von Freiraumkorridoren.......................................................................................................102
Abb. 75 Gestaltungstypen von Quartiersgassen..............................................................................................................103
Abb. 76 Gestaltungstypen von Platzflächen.....................................................................................................................103
Abb. 77 Ottoplatz Blickrichtung Bahnhofsgebäude......................................................................................................104
Abb. 78 Materialverwendung Ottoplatz............................................................................................................................104
Abb. 79 Gestaltungshandbuch der Stadt Köln, Kölner Standards................................................................................105
Kontakt
Stadt Köln Stadtplanungsamt
Willy-Brandt Platz 2
50679 Köln
T: 0221 221-23194 und -32785
F: 0221 221-22450
stadtplanungsamt@stadt-koeln.de
www.stadt-koeln.de
Dezernat Planen und Bauen
Stadtplanungsamt
Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Gestaltung
LAND Germany GmbH
Druck
Stadt Köln, Druckservice
13-St/61/Dezernat VI/200/10.2023
Sachstandsbericht Rat /Ausschuss
633 Zeichen
Dezernat, Dienststelle
VI/613
Vorlagen-Nummer
3101/2023
Stand: 14.08.2025
Sachstandsbericht
Freiraumkonzept Mülheimer Süden
Beschluss: Der Stadtentwicklungsausschuss beschließt das Freiraumkonzept Mülheimer Sü-
den als verbindliche Planungsgrundlage für die weiteren Planungen.
Status in Bearbeitung
erledigt
Aktueller Bearbeitungsstand:
Das Freiraumkonzept wird als Arbeitsgrundlage für die Planung und weitere Qualifizierung im
Mülheimer Süden berücksichtigt.
Nächste Schritte:
Der nächste Sachstandsbericht ist geplant für den:
Ein erneuter Sachstandbericht ist nicht mehr erforderlich.
Beratungsverlauf (2)
Beschluss: ungeändert beschlossen
Zur SitzungBeschluss: ungeändert beschlossen
Zur SitzungOrte (13)
- Hafenstraße
- Deutz-Mülheimer Straße
- Industriestraße
- Lindenallee
- Auenweg 17
- Lenauplatz
- Ottoplatz
- Bahnhofsvorplatz
- Willy-Brandt-Platz 2
- Mülheimer Hafen
- Rathenauplatz
- Zoobrücke
- Straße A
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Aktenzeichen
- 3101/2023
- Typ
- Beschlussvorlage Ausschuss
- Datum
- 08.11.2023
- Erstellt
- 27.09.2023 07:27