Beantwortung einer schriftlichen Anfrage der SPD-Fraktion aus der Sitzung des Gesundheitsausschusses vom 05.03.2024 (AN/0353/2024) betreffend "Kinder- und Jugendpsychiatrische Beratungen"
Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss) 1286/2024 vom 19.04.2024
Stand: Am 23.04.2024 im Gesundheitsausschuss beraten. Ein Ergebnis ist nicht angegeben.
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Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss)
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Dezernat, Dienststelle V/53 Vorlagen-Nummer 19.04.2024 1286/2024 Beantwortung einer Anfrage nach § 4 der Geschäftsordnung öffentlicher Teil Gremium Datum Gesundheitsausschuss 23.04.2024 Beantwortung einer schriftlichen Anfrage der SPD-Fraktion aus der Sitzung des Gesundheitsausschusses vom 05.03.2024 (AN/0353/2024) betreffend "Kinder- und Jugendpsychiatrische Beratungen" Mit der Anfrage AN/0353/2024 stellt die SPD-Fraktion folgende Fragen an die Verwaltung: 1. Wie ist der aktuelle Sachstand in Bezug auf die Arbeit der Kinder- und Jugendpsychiatri- schen Beratungen? 2. Wie ist der Stellenplan des KJPD, und sind alle Stellen besetzt? 3. Reicht die derzeitige Stellenbesetzung der KJPD aus, um die Aufgaben zu erfüllen? 4. Welche Beobachtungen hat die KJPD seit der letzten Antwort in der Entwicklung der phy- sischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen gemacht? Die Verwaltung antwortet hierauf wie folgt: 1. Wie ist der aktuelle Sachstand in Bezug auf die Arbeit der Kinder- und Jugendpsy- chiatrischen Beratungen? Die Aufgaben des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes (KJPD) bestehen im nieder- schwelligen, möglichst frühen Erkennen psychisch hoch belasteter Kinder und Jugendlicher. Eine interdisziplinäre Ersteinschätzung sowie die Aufklärung und Beratung Betroffener und deren Angehörigen soll zu einer möglichst passgenauen und zeitnahen Vermittlung behand- lungsbedürftiger Kinder und Jugendlicher in das etablierte Versorgungs- und Behandlungs- system führen. Aktuell bietet der KJPD Schulsprechstunden an insgesamt 54 Kölner Schulen an: - 17 Förderschulen mit den Förderschwerpunkten „emotionale und soziale Entwicklung“, „Lernen“, „geistige Entwicklung“, „Sprache“; - 9 Grundschulen; - 28 weiterführende Schulen. Neben den aufsuchenden Beratungen an Schulen bietet der KJPD, auf Anfragen vieler Schu- len konzipiert, Fachvorträge zu einzelnen Störungsbildern, z.B. zu Ängsten, Panikattacken, Depression, ADHS, Schulabsentismus, Essstörung, Autismusspektrumsstörung, nicht suizi- dales selbstverletzendes Verhalten und Suizidalität, Trauma an. Psychische Störungen im Kindes- und Jugendalter sind normal in dem Sinne, dass jeder Mensch im Laufe seines Lebens eine entsprechende Episode erleben wird. Nicht aus jeder Krise erwächst ein medizinisch-therapeutischer Behandlungsbedarf. Bei Bedarf und im Ein- zelfall werden seitens des KJPD kurzfristig und kurzzeitig kinder- und jugendpsychotherapeu- tisch orientierte Interventionen angeboten (jenseits der Richtlinien-Psychotherapie) als Vo- 2 raussetzung, dass eine Überleitung in eine medizinisch-therapeutische Regelversorgung ge- lingen kann. Eine Vernetzung des KJPD ist durch Teilnahme an verschiedenen Arbeitskreisen gewährleis- tet. In Kitas wird der KJPD bislang nur in Einzelfällen tätig. Im Jahr 2023 ergaben sich 785 Fälle, darunter Beratungen, Kurzinterventionen, Begleitun- gen. Im Zeitraum vom Start des KJPD 2009/2010 bis Ende 2023 wurden insg. 5.900 Kinder und Jugendliche, darüber hinaus deren Angehörige sowie beteiligte Fachkräfte beraten. Der KJPD wurde in 2023 in 51 Fällen gutachterlich tätig. Auf Antrag und auf gesetzlicher Grundlage erfolgten gutachterliche Stellungnahmen, z.T. in Kooperation mit dem schulärztli- chen Dienst. 2. Wie ist der Stellenplan des KJPD, und sind alle Stellen besetzt? Aktuell umfasst der Stellenplan: 2 Fachärzt*innen, davon eine mit Leitungsfunktion (Sachgebietsleitung) 1 Psycholog*in 4 Sozialarbeiter*innen 1,5 Medizinische Fachangestellte Die Sachgebietsleitung wird zum 01.07.24 nachbesetzt. Einzelne Stellenanteile sind durch Teilzeittätigkeit in den Berufsgruppen Facharzt/Fachärztin, Psycholog*in, Sozialarbeiter*in frei. Eine Nachbesetzung der Stellenanteile wird die neue Sachgebietsleitung ab dem 01.07.24 übernehmen. 3. Reicht die derzeitige Stellenbesetzung der KJPD aus, um die Aufgaben zu erfüllen? Der aktuell hohe Bedarf kann mit dem vorhandenen Personal nicht vollständig gedeckt wer- den. Um ein flächendeckendes Angebot in allen 9 Kölner Stadtbezirken analog zum sozialräumlich orientierten Angebot in den Stadtteilen Innenstadt, Kalk und Mülheim zu realisieren, werden zusätzliche Stellen benötigt. 4. Welche Beobachtungen bzgl. Entwicklung der psychischen Gesundheit werden sei- tens KJPD gemacht? In Köln bieten 3 Kliniken und ca. 20 Facharztpraxen ein breites, jedoch nicht bedarfsdecken- des Angebot an stationärer, teilstationärer und ambulanter kinder- und jugendpsychiatrischer Versorgung. Deren Angebot wird ergänzt durch Angebote niedergelassener Kinder- und Ju- gendlichen-Psychotherapeut*innen, diversen Beratungsstellen sowie ambulanter, (teil-) statio- närer Angebote der Jugendhilfe. Viele der von seelischer Behinderung betroffenen Kinder und Jugendlichen kommen auch ohne einen evidenten Therapeutenmangel primär nicht bei niedergelassenen Kinder- und Ju- gendlichen-Psychotherapeut*innen an, sondern nehmen vorrangig Hilfen (ambulant, (teil-) sta- tionär) im Rahmen des SGB VIII in Anspruch. Eine medizinisch-therapeutische Unterversorgung besteht vor allem bei Kindern und Jugendli- chen aus ressourcenarmen, belasteten Familien, die oft nicht den Zugang zur medizinisch- therapeutischen Regelversorgung oder zu den Angeboten der Beratung und des Jugendhilfe- systems finden. Im Bereich kinder- und jugendpsychiatrischer Störungsbilder ist eine frühe Di- agnostik und Behandlung vom Engagement der Eltern abhängig, d.h. Kinder und Jugendliche aus ressourcenarmen Familien werden in Prävention, Frühintervention bislang nicht ausrei- chend einbezogen. Hier setzt der niederschwellige, aufsuchende, in den Sozialräumen veror- tete Ansatz des KJPD an. Eine ebenfalls kaum Aufmerksamkeit auf sich ziehende, unterversorgte Gruppe stellen Kinder und Jugendliche mit Intelligenzminderung dar. Psychotherapie nach den Richtlinienverfahren berücksichtigt nicht die speziellen Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen mit einer intel- lektuellen Behinderung. Dabei ist die Komorbidität einer psychischen Störung mit einer Intelli- genzminderung ca. um das 10-fache höher als die Erkrankungshäufigkeit bei intellektuell nicht beeinträchtigten Menschen. Es scheint eine Zunahme von Autismusspektrumsstörungen (ASS) zu geben. Die Wartezeiten sowohl auf eine autismusspezifische Diagnostik als auch auf spezialisierte Therapieplätze lie- gen z.T. bei.1-2 Jahren. 3 Eine weitere Unterversorgung besteht bei der Gruppe der Geflüchteten. Die Situation von kriegstraumatisierten ausländischen Kindern und Jugendlichen wird öffentlich kaum zur Kenntnis genommen und findet damit keinen Eingang in eine Bedarfsplanung. Dabei wäre eine differenzierte Betrachtung in Hinblick auf Anzahl und Ausmaß kriegstraumatisierter Kin- der und Jugendlicher, mit besonderem Augenmerk auf die Gruppe unbegleiteter Minderjähri- ger, aber auch von Kindern, die in Deutschland geboren wurden und durch traumatisierte El- tern belastet sind, notwendig. Mit dem KJPD schließt die Stadt Köln eine ernstzunehmende Versorgungslücke, indem er durch fachärztlich- interdisziplinäre Expertise Störungen mit Krankheitswert identifizieren und entscheiden kann, welche Maßnahmen entsprechend betroffene Kinder, Jugendliche und de- ren Angehörige benötigen. Infolgedessen konnten Brücken zur etablierten Versorgungsland- schaft gebaut und zugänglich gemacht werden. Gez. Dr. Rau
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