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V/1018/2005

Bericht der Feuerwehr Münster zur Einsatzlage "Schneesturm" vom 25. - 28.11.05

Vorlage 07.12.2005

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Nächste Beratung: Ausschuss für Umweltschutz und Bauwesen, Sitzung am 06.12.2005, TOP 4.22

Berichtsvorlage

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Berichtsvorlage

10770 Zeichen

V/1018/2005 
DER OBERBÜRGERMEISTER 
Feuerwehr 
 
 
 
 
 
 
 
Betrifft 
 
Bericht der Feuerwehr  Münster zur Einsatzlage "Schneesturm" vom 25. - 28.11.05 
 
 
 
Beratungsfolge 
 
 
06.12.2005 Ausschuss für Umweltschutz und Bauwesen Bericht 
 
 
Bericht: 
 
Bericht der Feuerwehr Münster zu  den Ereignissen und Gefahrenabwehr-
maßnahmen  anlässlich des Schneesturms am 24.11.05 
 
 
1. Allgemeine Lage 
Die in der Nacht zum 24.11.2005 einsetzenden Schneefälle haben in Verbindung mit dem 
Sturm (Stärke 8) zu erheblichen Beeinträchtigungen des öffentlichen Lebens geführt und 
in drei Landkreisen des Regierungsbezirks Münster die Feststellung des Großschadens-
ereignisses (Katastrophenalarm) erforderlich gemacht. Auch in der Stadt Münster waren 
witterungsbedingte, besondere Einsatzlagen zu verzeichnen, welche den Einsatz von 
zahlreichen Einheiten der Feuerwehr sowie der Hilfsorganisationen erforderlich gemacht 
haben. Die formale Feststellung eines Großschadensereignisses (Katastrophenalarm) 
war in Münster jedoch nicht erforderlich. Wesentliches Kriterium hierfür war die kontinuier-
liche Stromversorgung, auch wenn diese zeitweise erheblichen Spannungsschwankungen 
unterworfen war, welche auch kurzzeitig zum völligen Spannungsabfall bei einzelnen 
Endverbrauchern führten. 
 
2. Besondere Einsätze in Münster 
2.1 Überhitzung einer Gasturbine in der GuD-Anlage der Stadtwerke am 25.11.05, 09.21 Uhr: 
 Als Folge der Spannungsschwankungen im Netz der RWE kam es zur Fehlfunktion der 
Steuerung einer Gasturbine in der GuD-Anlage der Stadtwerke. Als Folge der Überhit-
zung gerieten Teile der Turbine in Glut, das Dichtungssystem wurde leck und es trat Öl 
des Kühlkreislaufes in das Abgassystem ein, wo es unvollständig verbrannt wurde. Unter 
Einsatz von Kohlendioxid, Löschschaum, Löschpulver und Wasser konnten die überhitz-
ten Anlagenteile heruntergekühlt werden, eine explosionsfähige Atmosphäre unterbunden 
und der Folgebrand im Bereich der Abgasführung gelöscht werden.  
Vorlagen-Nr.: 
V/1018/2005 
Auskunft erteilt: 
Herr  Fritzen 
Ruf: 
20 25 80 00 
E-Mail: 
FritzenB@stadt-muenster.de 
Datum: 
02.12.2005 
Öffentliche Berichtsvorlage

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2.2 Kollision eines Bauzuges der Bahn-AG mit einer 15-kV-Leitung, 25.11.05, 12.23 Uhr: 
 Auf der Bahnstrecke, welche das Stadtgebiet östlich umfährt, kam es in Höhe der Eisen-
bahnbrücke an der Warendorfer Straße zur Kollision eines Bauzuges der Bahn AG mit ei-
ner gerissenen 15-kV-Oberleitung der Bahn. Durch den Spannungsüberschlag wurde die 
Klimaanlage des Bauzuges in Brand gesetzt, der Lokführer erhielt einen Stromschlag. Der 
verletzte Lokführer wurde durch Einsatz einer Drehleiter von der Warendorfer Straße aus 
von der Bahnüberführung gerettet und vom Rettungsdienst versorgt. Das Feuer konnte 
durch Bahnbedienstete mit Handfeuerlöschern gelöscht werden. 
 
2.3 Aufgrund der extremen Wetterlage kam es zu einem leichten Anstieg von rettungsdienstli-
chen Notfällen (Stürze von Fußgängern und Radfahrern etc.) 
 Allerdings mussten alle Reserven des Rettungsdienstes aktiviert werden, da die Abwick-
lung jedes einzelnen Rettungsdiensteinsatzes aufgrund der besonderen Witterungslage 
etwa die doppelte bis dreifache Zeit erforderlich machte. 
 
2.4 Am 25.11.05, gegen 22.00 Uhr, forderte die Bezirksregierung Münster drei Einsatzeinhei-
ten (Sanitäts- und Betreuungszüge) der Hilfsorganisationen zur überörtlichen Hilfe in den 
Kreis Steinfurt an. Aufgabe der Helfer war die Betreuung von eingeschneiten Kfz-
Insassen am Schöppinger Berg.  
 Durch die Leitstelle der Feuerwehr Münster wurde Vollalarm für alle fünf Einsatzeinheiten 
der vier Sanitätsorganisationen (ASB, DRK, JUH,  MHD) ausgelöst. Drei Einsatzeinheiten 
wurden in Absprache mit der Bezirksregierung Münster in den Kreis Steinfurt entsandt. Da 
zahlreiche Bundesstraßen durch Schneeverwehungen und herabgestürzte Stromleitun-
gen blockiert waren, setzte die Berufsfeuerwehr Münster Erkunder ein, welche mit gelän-
degängigen Einsatzleitfahrzeugen die Anfahrt erkundeten. Ferner wurden drei Rüstwagen 
der Freiwilligen Feuerwehr alarmiert, welche mit Schneeketten ausgestattet wurden, um 
die Einsatzfahrzeuge der Hilfsorganisationen bei Bedarf zu ihren Einsatzorten schleppen 
zu können. 
 
2.5 Am 25.11.05, um 23.00 Uhr, meldete sich der Bahnhofsmanager des Hauptbahnhofes 
Münster telefonisch in der Leitstelle der Feuerwehr Münster und bat um Unterstützung bei 
der Betreuung von ca. 500 Reisenden, welche am Bahnhof Münster „gestrandet“ waren. 
Nachdem ein Zugverkehr sowohl in Richtung Norden und auch in Richtung Süden nicht 
mehr möglich war und auch der Busverkehr sowie die Taxis ihre Fahrten eingestellt hat-
ten, saßen zahlreiche Fahrgäste am Bahnhof Münster fest. Innerhalb von 1 ½ Stunden 
wurde die Zivilschutzanlage (Bunker) unter den Gleisanlagen im Bahnhof in Betrieb ge-
nommen und den Reisenden als Aufenthaltsort angeboten. Im Verlauf der nachfolgenden 
48 Stunden wurden ca. 200 Personen im Bunker untergebracht, verpflegt und betreut. 
Einzelne Personen haben in der Anlage übernachtet. 
 
2.6 Auf Anforderung der Bezirksregierung wurden zwei Stromerzeuger mit einer Leistung von 
50 bzw. 60 kVA zur überörtlichen Hilfe in den Kreis Steinfurt entsandt. Der Feuerwehrkran 
wurde auf der BAB A 1 eingesetzt, um fest gefahrene LKW frei zu schleppen.  
 
2.7 In einer Kaserne der britischen Streitkräfte in Münster stürzte unter der Schneelast ein 
Baum um und begrub zwei PKW unter sich. 
 
2.8 Eine Drehleiter der Berufsfeuerwehr wurde auf der BAB A 1 in Höhe des Rastplatzes 
Pluggerheide eingesetzt, um eine 110 kVA-Zubringerleitung der Bahn-AG vom Eis zu be-
freien.

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2.9 Am Schifffahrter Damm brach das Glasdach einer Gärtnerei unter der Schneelast zu-
sammen.  Nach Erkundung konnte jedoch festgestellt werden, dass hier eine unmittelbare 
Hilfe nicht erforderlich ist. 
 
2.10 Für die durch die Bezirksregierung Münster angeforderten Einsatzeinheiten der Hilfsorga-
nisationen aus dem gesamten Regierungsbezirk Münster wurden an den Feuerwachen 1 
und 2 Bereitstellungsräume eingerichtet. Die externen Kräfte versammelten sich hier, 
wurden zu Verbänden zusammengestellt, betreut, mit Kartenmaterial ausgestattet und 
nach Auftrag durch die Bezirksregierung in die Einsatzgebiete entsandt. 
 
2.11 Für die aus anderen Bundesländern anrückenden Einsatzkräfte hatte des Innenministeri-
um NRW das Institut der Feuerwehr (IdF) in Münster als Bereitstellungsraum festgelegt. 
Die Betreuung und das Management des Bereitstellungsraumes erfolgte durch die Be-
diensteten des IdF. Die auswärtigen Kräfte wurden ab dem Autobahnkreuz Münster-Süd 
durch Lotsenfahrzeuge der Berufsfeuerwehr Münster zum IdF geführt. 
 Aufgrund des unerwartet hohen Kontingents der Hilfskräfte aus Hessen richtete die Feu-
erwehr Münster auf Bitten des IdF kurzfristig einen weiteren Bereitstellungsplatz auf dem 
Ratio-Parkplatz am Albersloher Weg ein. 
 
3. Einsatz der Hilfsorganisationen 
 Wie bereits unter Ziffer 2 ausgeführt, lag der Schwerpunkt der überörtlichen Hilfe bei den 
Sanitätsorganisationen, welche mit ihren Einsatzeinheiten insbesondere im Aufgabenbe-
reich „Betreuungsdienst“ eingesetzt wurden. Im Verlauf des mehrtägigen Einsatzes ka-
men alle fünf Einsatzeinheiten der vier in Münster ansässigen Sanitätsorganisationen 
(zwei Einsatzeinheiten des DRK sowie je eine Einsatzeinheit von ASB, JUH und MHD) 
zum Einsatz. Insgesamt stellten die vier Sanitätsorganisationen aus Münster ca. 250 
Einsatzkräfte. 
 
4. Führungsorganisation 
 Die ständige Vorhaltung von drei Führungskräften (gehobener bzw. höherer feuerwehr-
technischer Dienst), insbesondere aber die Funktion des Lagedienstes als rückwärtige 
Führungsfunktion hat sich bewährt. Die Feuerwehr Münster konnte auf alle lokalen 
Einsatzlagen sowie überregionalen Anforderungen unverzüglich reagieren. Die Zahl der 
Führungskräfte konnte in der Nacht vom 25. auf den 26.11.2005 aufgrund der unentgelt-
lich geleisteten Rufbereitschaft aller Führungskräfte der Berufsfeuerwehr innerhalb von 30 
Minuten von drei auf sechs Funktionen verdoppelt werden. Die Ausstattung der Leitstelle 
der Feuerwehr Münster mit fünf ständigen Funktionen sowie die zusätzliche Bereitstellung 
von ausgebildeten Disponenten aus dem Einsatzdienst gewährleistete eine jederzeit kurz-
fristige Abfrage von Notrufen sowie die Abwicklung aller zusätzlichen, durch die Bezirks-
regierung Münster erbetenen Funktionen im Bereich Führung und Leitung.  
 
5. Erkenntnisse 
5.1 Die in den Jahren 2003 und 2004 bei den Übungen „Großschadensereignis“ erprobte Zu-
sammenarbeit aller in Münster ansässigen Hilfsorganisationen hat sich bewährt. Die Füh-
rungsstrukturen haben sich als tauglich und belastbar erwiesen.  
 
5.2 Die Stadt Münster muss (wie alle unteren Katastrophenschutzbehörden) Einsatzplanun-
gen auch für extreme und eher unwahrscheinliche Ereignisse betreiben, um im Ereignis-
fall systematisch agieren zu können. 
 
5.3 Die eigenen Einsatzlagen in Münster, insbesondere aber auch die Beobachtung und 
Schilderung von Einsatzlagen in den benachbarten Landkreisen machen deutlich, dass 
die in Münster verfügbare personelle und technische Infrastruktur zwingend erforderlich 
ist. Insbesondere zu nennen sind hier:

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5.3.1 Personal:  
5.3.1.1 Multifunktionaler Einsatz aller Beamten der Berufsfeuerwehr in den Bereichen Brand-
schutz, Technische Hilfeleistung und Rettungsdienst. 
 
5.3.1.2 Drei ständig verfügbare Führungskräfte sind als Grundvorhaltung zwingend erforder-
lich. Bei Großschadensereignissen muss eine Verstärkung kurzfristig möglich sein.  
 
5.3.2 Technik:
 
5.3.2.1 Die Feuerwehr benötigt eine eigene, von der öffentlichen Telekommunikation unab-
hängige und redundant ausgelegte IuK-Technik. 
 
5.3.2.2 Die Ausstattung fast aller Einsatzfahrzeuge des ersten Zugriffs mit Allradfahrgestellen. 
 
5.3.2.3 Die Ausstattung beider Feuerwachen mit eigenen (Notstrom versorgten!) Tankstellen. 
 
5.3.2.4 Die Vorhaltung von Sonderlöschmitteln in größeren Mengen, auch für selten eintreten-
de Ereignisse (Gasturbinenbrand GuD-Anlage). 
 
5.3.2.5 Die Betreuung größerer Personengruppen („Wärmestuben“) muss vorbereitet sein 
(Einsatzplanung). 
 
5.3.3 Die Bevölkerung erwartet in Notsituationen ein auf allen staatlichen Ebenen perfekt arbei-
tendes Katastrophenmanagement. Angesichts der (eigenen) Not ist die Akzeptanz von 
Minimalkonzepten nicht sehr ausgeprägt. Auch der Hinweis der Verantwortlichen, dass 
ein System nach den anerkannten Regeln der Technik betrieben wird, reicht nicht aus, um 
Akzeptanz oder gar Vertrauen in der Öffentlichkeit zu erlangen. In Krisen ändern sich die 
persönlichen Wertesysteme und Erwartungen an die politischen Entscheidungsträger 
schlagartig. 
 
 
gez. Joksch

Beratungsverlauf (1)

06.12.2005 Ausschuss für Umweltschutz und Bauwesen
TOP 4.22 Bericht Entscheidung

Beschluss: zur Kenntnis genommen

Zur Sitzung

Orte (3)

  • Warendorfer Straße
  • Schifffahrter Damm
  • Albersloher Weg

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Details

Vorlagen-Nr.
V/1018/2005
Typ
Vorlage
Datum
07.12.2005
Erstellt
06.10.2020 14:37