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2010/0107

Wilhelm-Loth-Preis 2009

Magistratsvorlage 26.02.2010

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2010/0107

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2010/0107

5186 Zeichen

Magistratsvorlage 
 
Eingang Magistrats- 
geschäftsstelle: 
03.03.2010 
an den Magistrat 
   zur Kenntnis 
   zur Beschlussfassung 
 
Beteiligt vor 
Magistratsbeschlussfassung: 
Dezernat I  an die Stadtverordnetenversammlung 
   OBW zur Befassung 
   zur Kenntnis 
   zur Beschlussfassung 
   zur abschließenden Beschluss-        
fassung Fachausschuss 
 
Amt: Kulturamt 
Behandlung in  
öffentl. Sitzung 
Ja 
 
Nein 
 
 OBW bei abschl. 
Beschlussfassung Magistrat 
 
 
 
Ja 
 
Nein  
Internetfähig     
Verteiler: 
 
 
Vorlage-Nr. 2010/0107 
 
Magistratsbeschluss-Nr. 
  
 
 
Betreff: Wilhelm-Loth-Preis 2009 
 
Vorlage vom: 26.02.2010 
 
Beschlussvorschlag: 
 
1. Der Magistrat nimmt Kenntnis vom dem Ergebnis der Jury-Sitzung für die Verleihung des  
     Wilhelm-Loth-Preises 2009. 
 
2. Der Filmemacher Harun Farocki wird mit dem Wilhelm-Loth-Preis/Kunstpreis der 
    Stadt Darmstadt ausgezeichnet. 
 
 
Anlagen:   
 
Datenschutzrelevante Anlage:  
 
Beschluss des Magistrats vom

2 
... 
 
Begründung zur Magistratsvorlage vom 26.02.2010: 
 
Gemäß Satzung für den Wilhelm-Loth-Preis/Kunstpreis der Stadt Darmstadt verleiht die 
Wissenschaftsstadt Darmstadt ab 2007 alle zwei Jahre die mit 12.000 Euro dotierte Auszeichnung.  
 
Die Jury unter Vorsitz von Oberbürgermeister Walter Hoffmann den Wilhelm-Loth-Preis/Kunstpreis der 
Stadt Darmstadt hat am 9. Februar 2010 getagt. Dem Auswahlgremium gehörten ebenfalls an der 
Direktor des Instituts Mathildenhöhe Dr. Ralf Beil, für das Hess. Landesmuseum Dr. Klaus Pohl, der 
Direktor der Kunsthalle Dr. Peter Joch, die Vorsitzende des Kulturausschusses Stadtverordnete Ruth 
Wagner sowie die überregional tätigen Kunstsachverständigen Rudolf Schmitz und Dr. Reinhard 
Spieler. 
 
Das Auswahlgremium hat den Filmemacher Harun Farocki zum Preisträger gekürt. Die Begründung 
der Jury lautet wie folgt: 
 
„Die Entscheidung der Jury für einen Filmemacher mag ungewöhnlich erscheinen, doch Harun 
Farocki behandelt Film wie die Bilder einer Ausstellung. Er ist nicht nur Filmemacher, sondern immer 
auch Filmanalytiker. 
 
„Es ist mit den Bildern wie mit den Worten“, sagt er, „in jedem Wort ist das vorher Geschriebene, 
Gesagte anwesend“. Ob er einer Playboy-Fotosession zusieht, der rumänischen Revolution 
nachspürt, die Schöpfer der Einkaufswelten bei ihren Planspielen beobachtet oder sich ins Auge von 
Fernlenkwaffen versetzt – stets geht es darum, wie Welt gesehen und durchs Gesehene 
instrumentiert wird.  
 
Harun Farocki zeigt dabei unter anderem, dass die Untersuchungsprinzipien der Kunstgeschichte 
längst Allgemeingut geworden und zum Beispiel vom militärisch-industriellen Komplex zu eigenen 
Zwecken genutzt werden. Seit Mitte der neunziger Jahre präsentiert Harun Farocki seine Arbeiten 
zunehmend in Kunsträumen und macht damit das Museum zum Laboratorium des Kinos. Dabei wird 
deutlich, wie sehr seine Art der Bildmontage zum visuellen Erbe für die zeitgenössische Videokunst 
geworden ist. Zugleich aber, und das ist das Besondere seiner Arbeit, überschreitet Harun Farocki 
den Kunstkontext: Seine Sehuntersuchungen sind grundsätzlicher Art und lassen sich auf sämtliche 
Bereiche des menschlichen Lebens beziehen.  
 
Indem Farocki die Macht der Bilder befragt und das vermeintlich Vertraute wieder fremd erscheinen 
lässt, arbeitet er an einem umfassenden anthropologischen Projekt: es geht um nicht weniger als die 
Testsituation „Leben“ und wie sie sich in bewegten Bildern darstellt, verbirgt, verkleidet.“ 
Harun Farocki, geboren 1944 in Nový Jicin (Neutitschein) im damals vom Deutschen Reich 
annektierten Teil der Tschechoslowakei, ist einer der wichtigsten Filmemacher, Filmkritiker und 
Videokünstler Deutschlands.  
Seit 1966 hat Harun Farocki über 100 Produktionen allein für Fernsehen und Kino realisiert. Nach 
dem Studium der Theaterwissenschaft, Soziologie und Publizistik an der Deutschen Film- und 
Fernsehakademie Berlin/West von 1966 bis 1968 arbeitet er von 1974 bis 1984 als Autor und 
Redakteur für die Zeitschrift „Filmkritik“. Von 1993 bis 1999 lehrt er als Visiting Professor an der 
University of California, Berkeley. Seit 1996 ist Farocki international mit seinen Filmen und 
Videoinstallationen bei zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen in Museen und Galerien 
vertreten. 2007 nimmt er mit seiner Videoinstallation „Deep Play“ an der documenta 12 teil. Seit 2004 
ist er Gastprofessor, seit 2006 ordentlicher Professor an der Akademie für Bildende Künste Wien.  
Zu seinen zahlreichen Ehrungen und Preisen gehören der „Deutsche Dokumentarfilmpreis“ 
(1969/1988/1990), der „Adolf-Grimme-Preis“ (1994), der „Peter Weiss Preis“ für sein Lebenswerk 
(2002) sowie der Spezialpreis der Jury des Internationalen Film Festes Locarno (2007).  
 
Der Wilhelm-Loth-Preis ist mit einem Preisgeld von € 12.000 Euro sowie einer Ausstellung mitsamt 
Katalog auf der Mathildenhöhe Darmstadt verbunden. Die Preisverleihung findet Mitte Juni 2010 im 
Ausstellungsgebäude der Mathildenhöhe Darmstadt statt, die Ausstellung wird von März bis Juni 2011 
ebendort zu sehen sein.

3 
... 
Darmstadt, den 26.02.2010 
41/415 20 08 05 
 
 
Der Dezernent I  
 
 
 
 
Walter Hoffmann 
Oberbürgermeister

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Details

Vorlagen-Nr.
2010/0107
Typ
Magistratsvorlage
Datum
26.02.2010
Erstellt
29.09.2026 00:00