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Kinder– und Jugendgesundheit in Köln – Bericht 2017/2018
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Die Oberbürgermeisterin Kinder und Jugendgesundheit in Köln – Bericht 2017/2018 Kinder - und Jugendgesundheit in Köln Bericht 2017/2018 Gesundheitsamt Gesundheitsamt Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Kontakt: Elisabeth Ostermann E-Mail: elisabeth.ostermann@stadt-koeln.de Bezugsadresse: Gesundheitsamt Gesundheitsberichterstattung Neumarkt 15-21 50667 Köln Gesamtredaktion des Berichts: Elisabeth Ostermann Fachliche Beiträge: Dr. Andrea Eulgem, Sven Feddern, Dr. Angelika Heinemann- Schopen, Patrick Heitkemper, Dr. Sabine Leger, Dr. Marcus Lorbacher, Margarete Quistorp-Prömper, Michaela Schulz, Barbara Treunert, Dr. Martin Zimmermann Satz: de haar grafikdesign, www.dehaar-grafikdesign.de Fotos: Dr. Martina Baggelmann, Uschi Hering/Fotolia, Hans-Dieter Hey/ R-mediabase, lu-photo/Fotolia, R. Ostermann Druck: Pieper GbR, Köln www.stadt.koeln 13-Si/53/500/08.2018 Die Oberbürgermeisterin Impressum Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 3 Inhalt Vorwort ...................................................................................................................................................................5 1 Schwerpunkte und Aufbau des Berichts ........................................................................................................6 2 Start ins Leben und erste Lebensjahre – Angebot Frühe Hilfen im Gesundheitsamt ........................................9 2.1 Aufgabe und Ziele ......................................................................................................................................9 2.2 Aktueller Stand .........................................................................................................................................10 2.3 Fallbeispiele ..............................................................................................................................................15 2.4 Fazit und Empfehlungen ...........................................................................................................................17 3 Kinderzahngesundheit – Angebot Kinder- und Jugendzahnärztlicher Dienst ...............................................18 3.1 Aufgabe und Ziele ....................................................................................................................................18 3.2 Aktueller Stand .........................................................................................................................................20 3.3 Fallbeispiel ................................................................................................................................................26 3.4 Fazit und Empfehlungen ...........................................................................................................................27 4 Gesundheit der Kinder vor Schuleintritt – Angebot Schuleingangsuntersuchung ........................................28 4.1 Aufgabe und Ziele ....................................................................................................................................28 4.2 Aktueller Stand ........................................................................................................................................29 4.2.1 Impfschutz ......................................................................................................................................30 4.2.2 Früherkennungsuntersuchungen .....................................................................................................35 4.2.3 Gewicht ...........................................................................................................................................36 4.2.4 Entwicklungsstand ..........................................................................................................................41 4.3 Fallbeispiele .............................................................................................................................................48 4.4 Fazit und Empfehlungen ...........................................................................................................................48 5 Gesundheit der zugewanderten Kinder bei Schuleintritt – Angebot Seiteneinsteigeruntersuchung .............51 5.1 Aufgabe und Ziele ....................................................................................................................................51 5.2 Aktueller Stand ........................................................................................................................................51 5.3 Fallbeispiele ..............................................................................................................................................54 5.4 Fazit und Empfehlungen ...........................................................................................................................55 6 Kinder und Jugendliche mit psychischen Auffälligkeiten – Angebot Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst ......................................................................................................................56 6.1 Aufgabe und Ziele ....................................................................................................................................56 6.2 Aktueller Stand .........................................................................................................................................57 6.2.1 Landesprojekt Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst Köln im Verbund: früh erkennen – nachhaltig helfen ....................................................................................................57 6.2.2 Daten ...............................................................................................................................................60 6.2.3 Perspektiven ....................................................................................................................................65 6.3 Fallbeispiel ................................................................................................................................................66 6.4 Fazit und Empfehlungen ...........................................................................................................................67 7 Stadtweite Projekte mit Gesundheitsbezug .................................................................................................68 8 Stadtteilbezogene Übersicht der Auswertungen zur Kindergesundheit .......................................................70 Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 4 9 Zusammenfassung, Ausblick und Empfehlungen .........................................................................................77 9.1 Wichtigste Ergebnisse zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen im Überblick ..................................77 9.2 Aktuelle Entwicklungen ............................................................................................................................78 9.3 Ausblick und Empfehlungen .....................................................................................................................81 10 Anhang .......................................................................................................................................................82 10.1 Abbildungsverzeichnis ..............................................................................................................................82 10.2 Tabellen ....................................................................................................................................................85 10.3 Literaturverzeichnis ..................................................................................................................................87 Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 5 Vorwort Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser, vor Ihnen liegt der aktuelle Kölner Bericht 2017/2018 zur Kinder- und Jugendgesund- heit. Köln ist Wachstumsstadt und wird dies auch weiterhin bleiben. So hat auch die Zahl an Kindern und Jugendlichen, die in Köln leben, in den vergangenen Jahren zugenom- men. 2016 wurde laut Amt für Stadtentwicklung und Statistik mit über 11.810 Geburten ein neuer Höchst- stand an Neugeborenen erreicht. Ähnliche Tendenzen zeichnen sich für das Jahr 2017 mit 11.784 Geburten ab. In den vergangenen Jahren wurde eine erhebliche Anzahl an Geflüchteten – darunter auch viele Kinder und Jugendliche – bei uns aufgenommen. Weiterhin werden Zuzüge von Kindern und jungen Menschen aus dem Ausland erwartet. Damit hat auch das wichtige Thema Kindergesundheit in Köln noch weiter an Bedeutung gewonnen. Gesundheit bildet die Grundlage für das körperliche, seelische und geistige Wohlbefinden, die weite- ren Entwicklungsprozesse sowie für Bildungs- und Berufschancen und den gesamten Lebensweg der heranwachsenden Menschen. Dem Gesundheitsamt Köln als untere Gesundheitsbehörde kommt dabei die gesetzliche Aufgabe zu, Kinder und Jugendliche in Köln vor Gesundheitsgefahren zu schützen und ihre Gesund- heit zu fördern. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung führt dazu aus: „Die meisten Jungen und Mädchen in Deutschland wachsen gesund auf. 15 bis 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen haben jedoch einen schlechteren Gesundheitszustand oder zumindest größere Risiken, krank zu werden…Diese Kinder und Jugendlichen leben besonders häufig unter schwierigen sozialen Bedingungen.“ Das Gesundheitsamt legt daher nach wie vor einen besonderen Schwerpunkt darauf, die Gesundheitschan- cen der Kinder und Jugendlichen in ungünstigen sozialen Lebenssituationen zu verbessern. Dementsprechend wird das Angebot – beispielsweise im Rahmen der Frü- hen Hilfen und des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes – laufend weiterentwickelt. Dieser aktuelle Bericht zur Kinder- und Jugendgesund- heit greift ausgewählte Ergebnisse der Frühen Hilfen im Gesundheitsamt, der Zahngesundheit, der Schulein- gangs- und Seiteneinsteigeruntersuchungen sowie des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes auf. Diese datengestützte Bestandsaufnahme bildet die Basis für die weiteren Planungen der Gesundheitsförderung und Prävention. Anliegen des Berichts ist es, die vorhandenen Ressour- cen sowie auch Mittel, die zum Beispiel auf Grundlage des Präventionsgesetzes erschlossen werden, im Sinne einer gesundheitlichen Chancengleichheit zielgerichtet einzusetzen. Er soll dazu beitragen, dass diese Heraus- forderung von allen Entscheidungsträgerinnen und -trä- gern und den Beteiligten der Gesundheitsförderung und der Prävention bestmöglich bewältigt werden kann. Dr. Harald Rau Beigeordneter für Soziales, Integration und Umwelt Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 6 1 Schwerpunkte und Aufbau des Berichts In dem vorliegenden Kinder- und Jugendgesundheitsbe- richt werden die aktuelle Datenlage und die Entwicklun- gen in den Aufgabenbereichen „Kinder- und Jugendärzt- licher Dienst“, „Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst“, „Kinder- und Jugendzahnärztlicher Dienst“ und „Frühe Hilfen im Gesundheitsamt“ der Stadt Köln dar- gestellt. Die Ergebnisse dienen als Grundlage für eine gezielte und früheinsetzende Gesundheitsplanung, die das Ziel anstrebt, die Situation der Kinder und Jugendli- chen in Köln nachhaltig zu verbessern. Dieser Bericht knüpft im Rahmen einer regelmäßigen Gesundheitsberichterstattung zur Kindergesundheit an den „Kinder- und Jugendgesundheitsbericht in Köln“ aus dem Jahre 2013 an und vergleicht die aktuellen Ergeb- nisse mit den dort aufgeführten Auswertungen. Wie im Bericht 2013 werden am Ende jeden Kapitels die Ergeb- nisse zusammengefasst. Der Kinder- und Jugendgesund- heitsbericht schließt mit einer Zusammenfassung, einer Diskussion der wesentlichen Ergebnisse und einem Aus- blick mit Empfehlungen. Allgemeine Hintergrundinformationen, die im Bericht 2013 bereits ausführlich dargestellt wurden und die nach wie vor Gültigkeit haben, bilden die Basis für die aktuelle Situation und sind zur besseren Übersichtlich- keit und schnelleren Lesbarkeit des Textes grau unter- legt. Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 7 Überblick über die Aufgaben und Angebote des Öffentlichen Gesundheitsdienstes in der Stadt Köln 1 Die Aufgaben des öffentlichen Gesundheitsdienstes auf kommunaler Ebene sind vielfältig und werden in der Stadt Köln vom Gesundheitsamt wahrgenom- men. Zu den Arbeitsschwerpunkten gehört gemäß § 12 ÖGDG 2 NRW die Kinder- und Jugendgesundheit. Um diesem Auftrag nachkommen zu können, werden aussagekräftige Grundlagen benötigt. Von der Gesund- heitsberichterstattung werden daher Daten zur gesund- heitlichen Situation von Kindern und Jugendlichen fol- gender Arbeitsbereiche erfasst und ausgewertet: Frühe Hilfen 3 Das Angebot richtet sich an werdende Eltern sowie Eltern mit Kindern bis zum 3. Lebensjahr und bietet für diese in besonders belasteter Situation niedrigschwellige Hilfe an. Die gesetzliche Grundlage bildet neben § 11 ÖGDG NRW das Bundeskinderschutzgesetz (BKiSchG) in Verbindung mit der Verwaltungsvereinbarung zu der „Bundesinitiati- ve Frühe Hilfen“ auf Bundes- und Landesebene 4 . Das frühzeitige Unterstützungsangebot „Frühe Hilfen“ im Gesundheitsamt soll zum gesunden Aufwachsen von Kindern beitragen und die Entwicklungsmöglichkeiten von Kindern und Eltern nachhaltig verbessern (www. fruehehilfen.de). Kinder- und Jugendzahnärztlicher Dienst Der Kinder- und Jugendzahnärztliche Dienst führt im Auftrag des Arbeitskreises Zahngesundheit 5 auf Grund- lage des § 13 ÖGDG NRW in Verbindung mit § 21 SGB V 6 Reihenuntersuchungen und gruppenprophylaktische Maßnahmen in Kindertageseinrichtungen und Schulen durch. Bei den Reihenuntersuchungen werden Daten zur Zahngesundheit erfasst. Die Auswertungen dieser Ergebnisse geben Hinweis darauf, wie sich die Kinder- zahngesundheit insgesamt entwickelt hat und in wel- chen Einrichtungen sich besonderer Handlungsbedarf äußert. Auf der Grundlage der gewonnenen Ergebnisse zur Zahngesundheit werden die gruppenprophylakti- 1 An dieser Stelle wird ein Überblick gegeben, in den nachfolgenden Kapiteln werden die Angebote mit dem aktuellem Stand differenziert dargestellt, im Rahmen dessen werden zur besseren Lesbarkeit und Handbarkeit Aufgaben und Ziele der Angebote nochmals aufgegriffen. 2 Gesetz über den öffentlichen Gesundheitsdienst des Landes Nordrhein-Westfalen 3 hier: Frühe Hilfen im Gesundheitsamt 4 Verwaltungsvereinbarung Fonds Frühe Hilfen über die Bundesstiftung Frühe Hilfen 2017, Verwaltungsvereinbarung Bundesinitiative Netzwerk Frühe Hilfen und Familienhebammen 2012 bis 2015, (gemäß § 3 Absatz 4 des Gesetzes zur Kooperation und Information im Kinderschutz) 5 An dem „Kölner Arbeitskreis Zahngesundheit“ nehmen das Gesundheitsamt, Kran- kenkassen sowie niedergelassenen Zahnärztinnen und Zahnärzte teil und stimmen auf Grundlage eines gemeinsamen Vertrages Zielsetzungen, Vorgehensweisen und Aktionen im Stadtgebiet Köln ab. 6 Sozialgesetzbuch, Fünftes Buch schen Präventionsmaßnahmen dort fokussiert, wo es die meisten Kinder mit erhöhtem Kariesaufkommen gibt. Kinder- und Jugendärztlicher Dienst Zu den Aufgaben des Kinder- und Jugendärztlichen Dienstes gehören die Schuleingangsuntersuchungen. Diese Untersuchungen sind ein gesetzlich vorgeschrie- bener Bestandteil des Schulaufnahmeverfahrens gemäß § 54 des Schulgesetzes für das Land Nordrhein-Westfa- len in Zusammenhang mit § 12 ÖGDG NRW. Die Schuleingangsuntersuchung hat das Ziel, festzu- stellen, ob Gesundheit und Entwicklungsstand des Kindes den Anforderungen in der Grundschule ent- sprechen oder ob eine gesundheitliche Fördermaß- nahme einzuleiten ist. In Einzelfällen kann auch aus gesundheitlichen Gründen eine Rückstellung von der Schulpflicht empfohlen werden. Bei Kindern mit Behin- derungen dient die Schuleingangsuntersuchung dazu, festzustellen, welche gesundheitlichen Gesichtspunkte bei der Entscheidung über eine eventuelle sonderpäda- gogische Förderung zu berücksichtigen sind. Ausgewählte Ergebnisse, die bei den Reihenuntersu- chungen zum Impfschutz, zur Teilnahme an Früherken- nungsuntersuchungen, zum Körpergewicht sowie zum Entwicklungsstand erfasst und ausgewertet wurden, sind hier dargestellt. Mit Hilfe von Vergleichen mit Ergebnissen der Vorjahre lassen sich Trends und Ent- wicklungen innerhalb Kölns aufzeigen. Darüber hinaus wird die aktuelle Situation in Köln mit Landes- und Bundesdurchschnittswerten verglichen. Neu zuwandernde Kinder und Jugendliche werden als sogenannte „Seiteneinsteigende“ beschult. Wenn sie sich in dem Alter kurz vor Beginn der Schulpflicht befinden, erhalten sie die Schuleingangsuntersuchung. Für ältere Kinder und Jugendliche gibt es eine entspre- chende „Seiteneinsteigeruntersuchung“, die in der Regel zeitnah zur Einschulung stattfindet. Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst Zunehmend werden seelische Störungen bei Kindern und Jugendlichen wahrgenommen. Insbesondere Kinder und Jugendliche psychosozial belasteter Fami- lien finden jedoch häufig keinen Zugang zu entspre- chenden Beratungs- und Therapieangeboten. Daher wurde der „Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienst“ als niedrigschwelliges Angebot für Familien mit psy - Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 8 Anliegen des Gesundheitsamtes ist es, anhand der oben dargestellten Angebote zu einem möglichst frühen Zeit- punkt flächendeckend Risiken sowie Entwicklungsauffäl- ligkeiten bei Kindern und Jugendlichen zu erkennen und Maßnahmen zur Förderung einer gesunden Entwicklung einzuleiten. Dadurch kann abgewendet werden, dass sich Fehlentwicklungen chronifizieren oder fortschrei- ten. Anhand rechtzeitiger Hilfen kann vermieden wer- den, dass psychosoziale Auffälligkeiten sich verstärken, im Laufe der Entwicklung Probleme in der Schule sowie in der Schullaufbahn entstehen und soziale und berufli- che Teilhabe im weiteren Lebenslauf beeinträchtigt wird. chisch auffälligen Kindern und Jugendlichen sowie als Beratungsangebot für pädagogische Fachkräfte verschiedener Institutionen eingerichtet. Ziel ist es, zum einen den Bedarf der betroffenen Kinder und Jugendlichen festzustellen und sie dementsprechend in ein geeignetes Angebot des etablierten Beratungs- und Versorgungssystem zu vermitteln, zum anderen in verschiedenen Institutionen durch kinder- und jugendpsychiatrische Kompetenz passgenaue Hilfe- stellungen zu ermöglichen. Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 9 2 Start ins Leben und erste Lebensjahre – Angebot Frühe Hilfen im Gesundheitsamt 2.1 Aufgabe und Ziele Die „Frühen Hilfen“ zielen darauf ab, Entwicklungsmög- lichkeiten von Kindern und Eltern in Familie und Gesell- schaft frühzeitig und nachhaltig zu verbessern. Das Angebot der Frühen Hilfen richtet sich an Familien ab der Schwangerschaft bis zum dritten Lebensjahr der Kinder. Im Jahre 2007 wurde das „Nationale Zentrum Frühe Hilfen“ vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) im Rahmen des Aktions- programms „Frühe Hilfen für Eltern und Kinder und soziale Frühwarnsysteme“ gegründet, mit dem Ziel, den präventiven Kinderschutz und die Fachpraxis beim Auf- und Ausbau der Frühen Hilfen zu stärken. Träger des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen (NZFH) ist die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Kooperation mit dem Deutschen Jugendinstitut e.V. (DJI). Das NZFH unterstützt Institutionen und Fachkräf- te dabei, bedarfsgerechte Angebote insbesondere für Familien in belastenden Lebenslagen zu entwickeln. Die Vernetzung von Angeboten des Gesundheitswesens, der Kinder- und Jugendhilfe sowie anderen relevanten Akteurinnen und Akteuren in den Frühen Hilfen wie der Schwangerschaftsberatung und Frühförderung nimmt dabei einen hohen Stellenwert ein 7 . Das Nationale Zentrum Frühe Hilfen führt zu den Auf - gaben und Zielen der Frühe Hilfen aus: „Frühe Hilfen bilden lokale und regionale Unterstützungssysteme mit 7 Nationales Zentrum Frühe Hilfen, https://www.fruehehilfen.de/wir-ueber-uns/ziele-und-auf- gaben abgerufen am 26.06.2018 koordinierten Hilfsangeboten für Eltern und Kinder ab Beginn der Schwangerschaft und in den ersten Lebens - jahren mit einem Schwerpunkt auf der Altersgruppe der 0- bis 3-Jährigen … Neben alltagspraktischer Unterstüt - zung wollen Frühe Hilfen insbesondere einen Beitrag zur Förderung der Beziehungs- und Erziehungskompetenz von (werdenden) Müttern und Vätern leisten. Damit tragen sie maßgeblich zum gesunden Aufwachsen von Kindern bei und sichern deren Rechte auf Schutz, Förde - rung und Teilhabe. 8 “ Die gesetzliche Grundlage bildet neben § 11 ÖGDG NRW das Bundeskinderschutzgesetz (BKiSchG), das seit 2012 in Kraft getreten ist und Kinder vor Vernachlässigung, Verwahrlosung und Misshandlung schützen soll. Dazu soll das Angebot Frühe Hilfen laut BKiSchG in Verbindung mit der Verwaltungsvereinbarung zu der „Bundesstiftung Frühe Hilfen“ auf Bundes- und Landesebene beitragen 9 . Die zunehmende Bedeutung des Themas Frühe Hilfen hat in den letzten Jahren auch in Köln zu sichtbaren Veränderungen geführt. Ämterübergreifend vernetzten sich in diesem Bereich Jugend- und Gesundheitshilfe mit den freien Trägern sowie Akteurinnen und Akteuren im medizinischen und sozialen Versorgungssystem. So wur- de 2013 das bereits bestehende Frühwarnsystem mit dem Schwerpunkt „Kinderschutz“ zu einem Netzwerk der Frühen Hilfen (Köln für Kinder) unter Federführung des Amtes für Kinder, Jugend und Familie ausgebaut 10 . Die Gesundheitsberufe wie beispielsweise Ärztinnen und Ärzte, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen und -pfleger sowie Hebammen bilden eine wichtige Grund- lage für die „Frühen Hilfen“. Familien, die Unterstützung benötigen, können darüber leicht erreicht werden. Vor diesem Hintergrund bilden die „Frühe Hilfen im Gesundheitsamt“, ein multiprofessionelles Team aus Akteurinnen und Akteuren des Gesundheitswesens und 8 Nationales Zentrum Frühe Hilfen, Auszug aus verabschiedeter Begriffsbestimmung des wis- senschaftlichen Beirats des NZFH 2009, die den derzeitigen Stand der Diskussion über Frühe Hilfen widerspiegle, https://www.fruehehilfen.de/fruehe-hilfen/was-sind-fruehe-hilfen/, abgerufen am 25.06.2018, siehe auch Pott E, Fillinger U (BZgA), Paul M (Nationales Zentrum Frühe Hilfen), „Herausforderungen bei der Gesundheitsförderung im frühen Kindesalter“ Bundesgesundheitsbl 2010 · 53:1166–1172 9 Verwaltungsvereinbarung Fonds Frühe Hilfen über die Bundesstiftung Frühe Hilfen 2017, Verwaltungsvereinbarung Bundesinitiative Netzwerk Frühe Hilfen und Familienhebammen 2012 bis 2015, (gemäß § 3 Absatz 4 des Gesetzes zur Kooperation und Information im Kinderschutz) 10 Verwaltungsvereinbarung Fonds Frühe Hilfen über die Bundesstiftung Frühe Hilfen 2017, Verwaltungsvereinbarung Bundesinitiative Netzwerk Frühe Hilfen und Familienhebammen 2012 bis 2015 (gem. § 3 Absatz 4 des Gesetzes zur Kooperation und Information im Kin- derschutz) Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 10 psychosozialen Fachkräften 11 , einen wichtigen Baustein des Netzwerkes „Köln für Kinder“. Das offene, kostenlo- se und für die Familien freiwillige Angebot „Frühe Hilfen im Gesundheitsamt“ in enger Kooperation mit dem Amt für Kinder, Jugend und Familie dient dazu, entsprechend des oben genannten Auftrages die Entwicklungsmög- lichkeiten von Kindern und ihren Eltern in belastenden Situationen frühzeitig zu erkennen und nachhaltig zu verbessern. Es richtet sich an werdende Eltern und Eltern von Kindern bis zum 3. Lebensjahr. Insbesondere durch die aufsuchende Arbeit zu Hause oder bereits in der Geburtsklinik gelingt es nahezu immer, einen guten Kontakt zu den jungen Familien herzustellen. Die Frühen Hilfen im Gesundheitsamt umfassen folgen- de Arbeitsschwerpunkte, auf die unter 2.2. detailliert eingegangen wird: − „Clearingstelle“ als erste Anlaufstelle, die den Bedarf der Betroffenen abklärt und an geeignete Angebote vermittelt und überleitet, für (werdende) Eltern mit Unterstützungsbedarf und ihren Kindern (bis zum drit- ten Lebensjahr), − das Angebot der Familienhebammen (maximal bis zum Ende des ersten Lebensjahres des Kindes), − das Angebot „jusch – jung und schwanger“ für minder- jährige und sehr junge (werdende) Mütter (bis 23 Jahre), − Angebote für Geflüchtete, vor dem Hintergrund der hohen Anzahl an neuankom- menden Geflüchteten in Köln wurde dieser Arbeits- schwerpunkt 2015 eingerichtet. Zusätzlich bieten die Frühen Hilfen im Gesundheitsamt eine regelmäßige Sprechstunde im Heilig Geist-Kran- kenhaus in Köln-Longerich an, so dass Frauen, die dort entbinden, das Angebot frühzeitig kennenlernen und niedrigschwellig in Anspruch nehmen können. 2.2 Aktueller Stand 2.2.1 Clearingstelle Wie oben bereits erwähnt, dient die Clearingstelle als erste Anlaufstelle für werdende und „junge“ Eltern mit Unterstützungsbedarf. Der Bedarf wird geklärt und eine Vermittlung in geeignete und individuell passgenaue Angebote vorgenommen. Im Jahr 2015 wurden in der Clearingstelle 134 Familien mit 228 Kindern neu in das Angebot aufgenommen. Bei 21 Prozent der Frauen kam der Kontakt mit der Clearingstelle bereits in der Schwan- 11 Das multiprofessionelle Team der Frühen Hilfen im Gesundheitsamt verfügt über Ärztinnen mit fachärztlicher Kompetenz der Kinderchirurgie und der Kinder- und Jugendmedizin, Gesundheits- und Krankenpflegerinnen/-pfleger, Kinder-Gesundheits- und Krankenpflege- rinnen/-pfleger, Familienhebammen, sozialarbeiterische Fachkräfte gerschaft und damit sehr frühzeitig zustande. Bei 55 Prozent der Frauen, die 2015 aufgenommen worden waren, war das (jüngste) Kind unter einem Jahr, bei 23 Prozent der Frauen ein Jahr und älter. Die Anzahl neuer Beratungsfälle entsprach in etwa dem Jahr 2012 (121 Familien). Wie in den Vorjahren wurde auch 2015 der überwiegen- de Teil der Anmeldungen bereits über die Geburts- und Kinderkliniken initiiert. Des Weiteren kam etwa ein Zehntel der Familien über niedergelassene Hebammen zur Clearingstelle. Weitere Zugangswege waren sozial- pädiatrische Zentren und kinderärztliche sowie gynäko- logische Praxen. Etwa jede siebte Familie meldete sich aus eigener Initiative bei der Clearingstelle. Frühe Hilfen im Gesundheitsamt, Köln, Clearingstelle, Anmeldung in 2015, Zugang über … 46 % 11 % 2 % 8 % 15 % 13 % 5 % n Krankenhaus n Sozialpädiatri- sches Zentrum n Hebamme n Kinderärztin/-arzt n Selbstanmeldung n andere n Frauenärztin/ -arzt Quelle: Gesundheitsamt Stadt Köln Abbildung 1: Frühe Hilfen im Gesundheitsamt, Köln, Clearingstelle, Anmeldung in 2015, n=134 Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 11 len, dass die Betroffenen bei dem geeigneten Angebot „ankommen“. Je nach Bedarf wurde dabei die interdis- ziplinäre Kompetenz innerhalb der „Frühen Hilfen im Gesundheitsamt“ genutzt sowie die anderen Fachdiens- te des Gesundheitsamts, zum Beispiel der Sozialpsychia- trische Dienst und der Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienst, beratend hinzugezogen (siehe Abbildung 3). 0 10 20 30 40 50 60 70 80 Sucht Betreuungsprobleme Frühgeburt Gewalt junge Mutter andere Beziehungsprobleme ungeplante Schwangerschaft Sprachschwierigkeiten Aufenthaltsstatus psychische Erkrankung medizinische Gründe alleinerziehend wirtschaftliche Probleme Wohnverhältnisse Überforderung 65 (48,5 %) 55 (41,0 %) 53 (39,6 %) 38 (24,6 %) 38 (24,6 %) 33 (24,6 %) 28 (20,9 %) 26 (19,4 %) 23 (17,2 %) 20 (14,9 %) 16 (11,9 %) 12 (9,0 %) 10 (7,5 %) 9 (6,5 %) 6 (4,5 %) 3 (2,2 %) Frühe Hilfen im Gesundheitsamt, Köln, Clearingstelle, vorkommende Probleme und Risikokonstellationen in 2015, Mehrfachbenennungen pro Beratungsfall möglich Quelle: Gesundheitsamt Stadt Köln Abbildung 2: Frühe Hilfen im Gesundheitsamt, Köln, Clearingstelle, vorkommende Probleme und Risikokonstellationen 2015, n=134 Nach wie vor zeigte sich eine breite Streuung der Prob- leme. Am häufigsten traten Überforderung, Wohnungs- probleme und wirtschaftliche Probleme auf, gefolgt unter anderem von sozialen Risikofaktoren wie alleiner- ziehend, psychische Erkrankung oder junge Elternschaft. Bei nahezu einem Viertel der beratenen Frauen lag bereits bei der Anmeldung eine diagnostizierte psy- chische Erkrankung vor. Darüber hinaus wandten sich zunehmend Frauen an die Clearingstelle, die eine psy- chische Problematik aufwiesen, jedoch (noch) keine Dia- gnose und keine Anbindung an eine Therapeutin/einen Therapeuten oder eine Ärztin/einen Arzt hatten. Entsprechend gab es eine Vielzahl an Hilfen, die benötigt wurden, und je nach Bedarf wurden die Familien auch an mehrere Hilfeangebote vermittelt. Über ein Drittel der beratenen Eltern wurde auf Grund der komplexen Prob- lematik zunächst durch die Clearingstelle selbst intensiv unterstützt – unter anderem auch durch aufsuchende Arbeit und Begleitung der Betroffenen zu Terminen. Dies war notwendig, um die Situation umfassend zu klären, eine passgenaue Lösung zu entwickeln und sicherzustel- Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 12 2015 wurden wie in den Vorjahren Familien aus allen Stadtbezirken in der Clearingstelle beraten, überpro - portional häufig aus den Bezirken Mülheim, Innenstadt und Kalk. 2.2.2 Die Familienhebammen Die Familienhebammen leisten durch regelmäßige Hausbesuche Unterstützung für Familien in Belastungs- und Überforderungssituationen. Die Mütter werden – je nach Bedarf – von der Schwangerschaft an bis maximal zum Ende des ersten Lebensjahres des Neugeborenen begleitet und beraten. Bei diesem Angebot kann das Gesundheitsamt auf langjährige Erfahrung zurückbli- cken. So wurde bereits 1998 die erste Familienhebam- me eingesetzt, um Frauen in belastender Situation um die Geburtssituation herum zu unterstützen. Seit dem im Jahre 2012 in Kraft getretenen Bundeskin- derschutzgesetz konnte dieses Angebot im Rahmen der Frühe Hilfen im Gesundheitsamt um eine Stelle ausge- baut werden und umfasst derzeit insgesamt 2,5 Stellen. Die neu hinzugekommene Stelle ist eingebunden in ein stadtweites Versorgungskonzept, das den Einsatz von 0 10 20 30 40 50 Rehabilitation Ehrenamt/Nachbarschaftshilfe andere Haushaltshilfe durch Krankenkasse Betreuungsangebote Familienbildung/Eltern-Kind-Gruppen Frühfördernde Maßnahmen Anbieter Ausstattung Schwangerschaftsberatung Ärztinnen/Ärzte Familienhebammen ASD* Beratungsstelle Nachsorgehebammen Intensive Begleitung Clearingstelle 49 (36,6 %) 33 (24,6 %) 28 (20,9 %) 23 (17,2 %) 19 (14,2 %) 13 (9,7 %) 10 (7,5 %) 10 (7,5 %) 9 (6,7 %) 8 (6,0 %) 8 (6,0 %) 6 (4,5 %) 4 (3,0 %) 3 (2,2 %) 2 (1,5 %) Frühe Hilfen im Gesundheitsamt, Köln, Clearingstelle, 2015, intensive Begleitungen durch die Clearingstelle selbst und Vermittlungen in andere Angebote, Mehrfachnennungen pro Beratungsfall möglich *ASD: Allgemeiner Sozialer Dienst des Amts für Kinder, Jugend und Familie Quelle: Gesundheitsamt Stadt Köln Abbildung 3: Frühe Hilfen im Gesundheitsamt, Köln, Clearingstelle, intensive Begleitungen/Hilfestellungen durch die Clea- ringstelle selbst und Vermittlungen zu anderen Angeboten, 2015, n=134 Nippes 4 % Chorweiler 6 % Lindenthal 6 % Rodenkirchen 8 % Ehrenfeld 9 % Porz 10 % Kalk 15 % Innenstadt 18 % Mülheim 24 % Frühe Hilfen im Gesundheitsamt, Köln, Clearingstelle, 2015, Anmeldungen nach Stadtbezirken Quelle: Gesundheitsamt Stadt Köln Abbildung 4: Frühe Hilfen im Gesundheitsamt, Köln, Clea- ringstelle, Anmeldungen nach Stadtbezirken 2015, n=134 Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 13 orientierte Gruppenangebote für diese Zielgruppe ein soziales Netzwerk. Im Jahre 2015 erhielten 202 junge Mütter im Alter bis 23 Jahre sozialarbeiterische Beratungen im Rahmen von „jusch – jung und schwanger“. Es fanden insgesamt 492 Beratungskontakte statt. Etwa ein Drittel dieser Mütter war minderjährig. Zu den Themenschwerpunk- ten der Beratungen gehörten unter anderem Proble- matiken wie psychische Erkrankung, Drogenkonsum, HIV-Infektion, Obdachlosigkeit, Heimunterbringung und Gewalterfahrung. Die Anzahl der Beratungsfälle im Jahr 2015 entsprach in etwa der im Jahr 2012 (199 Mütter). Die Anzahl der Beratungskontakte war 2015 gegenüber 2012 (540 Kontakte) etwas gesunken. Dies ist – ebenso wie bei den anderen Angeboten der Frühen Hilfen im Gesundheitsamt – auf die komplexeren Problematiken der beratenen Frauen zurückzuführen, die in der Regel längere Beratungskontakte erfordern. 2.2.4 Angebote für Geflüchtete Aufgrund der hohen Anzahl von Geflüchteten in den ver- gangenen Jahren hat die Stadt Köln kurzfristig zusätzlich Notunterkünfte für Geflüchtete eingerichtet. In dem Zeitraum von 2015 bis Juni 2017 mussten auch Turn- hallen längerfristig zur Unterbringung von Geflüchteten genutzt werden. 29 Notaufnahmen für Geflüchtete waren in Höchstzeiten mit Familien belegt. Bei über der Hälfte der Bewohnerinnen und Bewohner von Familien- unterkünften handelte es sich um Kinder und Jugendli- che. Darüber hinaus lebten in jeder dieser Unterkünfte mehrere Schwangere. Die Frühen Hilfen im Gesundheitsamt sind seit 2015 vor Ort in den Unterkünften für Geflüchtete tätig. Die Ärztin- nen, Familienhebammen, Gesundheits- und Kinderkran- kenpflegerinnen und -pfleger der Frühen Hilfen beraten die schwangeren Frauen sowie die jungen Familien und leiten die jungen Mütter in der Säuglingspflege an. Einen besonderen Schwerpunkt nehmen Fragen zum Schutz der Kinder und zur medizinischen Versorgung ein: Versorgung von Neugeborenen In Zusammenarbeit mit dem Amt für Wohnungswesen sollte vermieden werden, dass Neugeborene in Turn- hallen untergebracht werden. Gemeinsam mit dem Deutschen Roten Kreuz wurde ein „Erstlingspaket“ für die geflüchteten Familien mit Grundausstattung an Kleidung und Hygieneartikeln für den Säugling und die Mutter zusammengestellt. Mütter mit Neugeborenen insgesamt fünf Familienhebammen mit einer bezirk- lichen Zuordnung und Vernetzung vor Ort vorsieht. Dieses stadtweite Versorgungskonzept wurde 2013 vor dem Hintergrund der Bundesinitiative „Netzwerke Frühe Hilfen und Familienhebammen“ in den Kölner Stadtbe- zirken für Familienhebammen flächendeckend installiert. Gemäß Ratsbeschluss vom 18.06.2013 wurde die dafür neu geschaffene Familienhebammenstelle beim Gesund- heitsamt schwerpunktmäßig für die Stadtbezirke Innen- stadt, Nippes und Lindenthal vorgesehen. Die übrigen vier Familienhebammenstellen im Rahmen des Versorgungs- konzepts wurden bei vor Ort tätigen freien Trägern in den anderen Stadtbezirken eingerichtet. In jedem Stadtbezirk wurden Netzwerke „Frühe Hilfen“ aufgebaut, an dem das Gesundheitsamt, unter anderem in seiner Funktion als Vermittler zum Gesundheitswesen, beispielsweise zu Krankenhäusern, Arztpraxen, freiberuflichen Hebammen, aktiv mitwirkt. Dieser Bericht konzentriert sich ausschließ- lich auf die Frühen Hilfen im Gesundheitsamt, daher beziehen sich die weiteren Ausführungen auf die oben genannten Familienhebammen beim Gesundheitsamt. Durch die Familienhebammen der Frühen Hilfen im Gesundheitsamt wurden im Jahr 2015 durchschnitt- lich monatlich 40 Familien betreut. Im Rahmen dieser Betreuungen gab es 2015 insgesamt über 850 aufsu- chende Kontakte, in erster Linie Hausbesuche, aber auch Begleitungen, beispielsweise zu Arztterminen. Wie in der Clearingstelle war auch hier zu beobachten, dass bei den Frauen, die das Angebot in Anspruch nehmen, der Anteil an Frauen mit psychischer Problematik zuge- nommen hat. Das Angebot wurde von Frauen jeglichen Bildungsstands angefragt. Die Betreuungen erforderten bei zunehmend komplexe- rer Problematik eine intensive Beziehungsarbeit, in der Regel längere Kontakte sowie eine insgesamt längere Betreuungsdauer der Mütter. Im Rahmen der interdiszip- linären Kompetenz im Gesundheitsamt sind ein fundier- ter fachlicher Austausch und kurze Wege, beispielsweise bei psychiatrischen und medizinischen Fragestellungen, gewährleistet. 2.2.3 „jusch – jung und schwanger“ Minderjährige und sehr junge Mütter erhalten im Rah- men des Angebots „jusch – jung und schwanger“ auf- grund ihrer häufig noch ungefestigten psychosozialen Situation – je nach Bedarf – neben der Begleitung durch die Familienhebamme sozialarbeiterische Unterstüt- zung. Darüber hinaus schaffen wöchentliche themen- Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 14 erhalten dieses Paket kostenlos. Desweitern wurde initiiert, dass Babybetten für die Säuglinge zur Verfü- gung gestellt werden. Im Winter 2015/2016 konnten in Zusammenarbeit mit dem Amt für Kinder, Jugend und Familie über 200 Baby-Schlafsäcke in den Unterkünften (insbesondere in den Turnhallen) ausgegeben werden. Kindersicherheit Von den Frühen Hilfen im Gesundheitsamt wurde in Zusammenarbeit mit der Bundesarbeitsgemeinschaft „Mehr Sicherheit für Kinder“ ein Projekt der Bundeszen- trale für gesundheitliche Aufklärung begleitet. Dabei ging es darum, in verständlicher Art und Weise auf Gefahren für Kinder innerhalb der Gemeinschaftsunter- künfte hinzuweisen. So konnte in Kölner Unterkünften für Geflüchtete durch die Bundesarbeitsgemeinschaft „Mehr Sicherheit für Kinder“ gemeinsam mit den dort lebenden Kindern und Erwachsenen entsprechende Pik- togramme entwickelt werden, die jetzt bundesweit im Einsatz sind. Ebenso wurde die Aktion „WDR for you“, begleitet, bei der über potenzielle Unfallquellen und Sicherheitsregeln für Kinder in Wohnheimen für Geflüchtete berichtet wurde. Dieser Beitrag wurde in mehreren Sprachen ins Internet eingestellt. Er kann eingesetzt werden, um Eltern und Kinder auf mögliche Gefahren in Unterkünf- ten für Geflüchtete hinzuweisen. Fachärztliche und soziale Beratung in Gemeinschafts- unterkünften In den Wohnheimen für Geflüchtete gibt es einen hohen Bedarf an Beratung und Vermittlung rund um die Bereiche Schwangerschaft und Geburt, Versorgung der Kinder, Erkrankungen, psychische Probleme, Traumata und Behinderungen. Es geht aber auch um Themen wie unterschiedliche Formen der Gewalt in Unterkünften, kulturelle Besonderheiten wie Mehrfrauen-Ehe, Minder- jährigkeit der (Ehe-)Frauen. Die unterschiedlichen Pro- blematiken erfordern ein breites Spektrum an Maßnah- men, wie Vermittlungen zu niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, Weiterleitungen zu Spezial-Ambulanzen der Kliniken und die Organisation stationärer Aufnahmen ins Krankenhaus. Darüber hinaus sind interne Vermitt- lungen innerhalb des Gesundheitsamtes, Abstimmung weiterer Maßnahmen mit dem Amt für Wohnungswe- sen sowie sozialarbeiterische Beratungen und das Ein- beziehen weiterer Unterstützungssysteme wie das Amt für Kinder, Jugend und Familie, Flüchtlingsberatung und Schwangerschaftsberatung erforderlich. Ausschnitt aus WDR: www.Wdrforyou.de, Stand: 12/2016 Auf Grund zunehmender Beratungs- und Unterstüt- zungsanfragen in den Unterkünften für Geflüchtete bei den Frühen Hilfen im Gesundheitsamt wurde gemeinsam mit dem Amt für Wohnungswesen die Entscheidung getroffen, zunächst vom 08.07.2016 bis 30.09.2016 ein Projekt „Fachärztliche Beratung in Flüchtlingsunterkünften“ durchzuführen. Dabei wurden in diesem Zeitraum 21 Notunterkünfte für Familien auf- gesucht, es fanden über 160 Beratungen vor Ort statt. Auf der Grundlage des Beschlusses des Gesundheitsaus- schusses vom 13.09.2016 wurde ab November 2016 mit Personalzusetzung ein fachärztliches und sozialar- beiterisches Beratungsteam eingerichtet, das die Arbeit entsprechend fortführt und alle Flüchtlingsunterkünfte regelmäßig aufsucht. Durch die Präsenz in den Unter- künften werden auch Geflüchtete erreicht, die beson- dere Versorgungsbedarfe aufweisen, diese aber nicht artikulieren können. In dem Zeitraum vom 01.09.2016 bis 30.06.2017 wur- den 231 Kinder betreut. Darüber hinaus wurden 69 ge- flüchtete Familien mit gesundheitlichen und sozialen Unterstützungsbedarfen von der im Team tätigen Sozial- arbeiterin in enger Abstimmung mit den Ärztinnen und Ärzten beraten und begleitet. Nahezu jedes siebte der betreuten Kinder wies schwerste Beeinträchtigungen Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 15 2.3 Fallbeispiele Frühe Hilfen im Gesundheitsamt Köln Frau D 12 ., bei Anmeldung schwanger mit Zwillingen, wohnhaft in einer Flüchtlingsunterkunft Situation: Die Anmeldung von Frau D. bei der Clearingstelle der Frü- hen Hilfen im Gesundheitsamt erfolgt im Jahr 2014 über die gynäkologische Praxis, bei der sie sich in Behandlung befindet. Beim ersten Kontakt ist Frau D. schwanger mit Zwillingen in der sechsten Woche. Frau D. ist aus ihrem Hei- matland in Afrika geflüchtet, hat in Deutschland Asylantrag gestellt und lebt zum Zeitpunkt der Anmeldung bereits seit zweieinhalb Jahren in Köln in einer Unterkunft für Geflüch- tete. Ende Juli 2015 werden die Zwillinge geboren und müs- sen noch circa sechs Wochen stationär in der Kinderklinik bleiben. Danach lebt Frau D. mit den Kindern zunächst wie- der in der Unterkunft für Geflüchtete. Mittlerweile besuchen die Kinder eine Kindertageseinrichtung und Frau D. ist in eine eigene Wohnung mit genügend Platz für sich und ihre Kinder umgezogen. Problematik und Intervention der Frühen Hilfen im Gesund- heitsamt: Neben Belastungen, die sich durch das enge Zusammen- leben in der Unterkunft für Geflüchtete , eingeschränkte Deutschkenntnisse, den ungesicherten Rechtsstatus und die ungewissen Perspektiven ergeben, leidet Frau D. während der Schwangerschaft unter massiven Ängsten und Sorgen, sie könne ihre Kinder verlieren. Dies ist unter anderem dar- auf zurückzuführen, dass Frau D. vor einigen Jahren, damals noch im Heimatland, ihr erstes Kind im fünften Schwanger- schaftsmonat verloren hatte. Aufgrund von starker Übelkeit hat sie häufige Aufenthalte in der Klinik. Es kommt erschwerend hinzu, dass während eines Klinikaufenthalts ihre gesamten Unterlagen (unter anderem der Asylantrag, Zeugnisse, die eigene Geburtsur- kunde), die in einer Unterkunft für Geflüchtete geblieben sind, versehentlich aufgrund eines Missverständnisses „ent- sorgt“ werden. Daher muss entsprechender Ersatz beschafft werden. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Angelegenheiten zu klären, bei denen sie sich überfordert fühlt und Hilfe benötigt, unter anderem weil sie sich im Gesundheits- und Hilfesystem Deutschlands noch nicht auskennt. Die Clearingstelle unterstützt Frau D. und/oder vermittelt entsprechende Hilfeangebote: 12 Bei diesem wie auch nachfolgenden Beispielen wurde Namen und Daten geändert, damit kein Rückschluss auf die Person möglich ist. wie Cerebralparesen (Störung in Folge einer frühkindli- chen Hirnschädigung), schwere Entwicklungsretardie- rungen (Verzögerung der körperlichen, geistigen oder seelischen Entwicklung), Muskelatrophien (Muskel- schwund) oder verschiedene Formen von Autismus auf. Etwa ein Zehntel der 231 Kinder war von verschiedenen Formen der Kindeswohlgefährdung betroffen. Dieser hohe Anteil ist unter anderem auf zusätzliche Belas- tungen des familiären Systems zurückzuführen, zum Beispiel durch die räumliche Enge und fehlende Rück- zugsmöglichkeiten, aber auch psychische Faktoren wie Traumatisierungen und Zukunftsangst. Bei der Arbeit mit den Familien ist zudem aufgefallen, dass die Familien und Mütter häufig Probleme bei der Versorgung der Kinder haben, zum Beispiel bei Fragen der Ernährung, Hygiene und Gesundheit. Insbesondere junge Mütter, die durch die Flucht von ihren Herkunfts- familien isoliert wurden, sind ohne Unterstützung und Wissen des familiären Umfelds in vielen Fällen völlig überfordert. Zusammen mit der Ernährungsberaterin des Gesundheitsamtes wurde für die Sozialarbeite- rinnen, Sozialarbeiter und Krankenpflegekräfte ein Fach- und Informationstag in der Kölner Innenstadt zum Thema „Ernährung von Neugeborenen, Säuglingen und Kindern bis zum ersten Lebensjahr in Gemeinschaftsun- terkünften“ ausgerichtet, der auf hohe Resonanz stieß. Darüber hinaus stehen die Mitarbeiterinnen und Mitar- beiter der Frühen Hilfen des Gesundheitsamtes auch als Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für die in den Unterkünften tätigen Sozialarbeiter und Sozialarbei- terinnen zur Verfügung. Notaufnahme Flüchtlingsunterkunft für Familien in Köln Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 16 Während der Schwangerschaft − Anbindung an eine Schwangerschaftsberatungsstelle − Unterstützung bei den Behörden-/Ämtergängen − Vermittlung an eine Geflüchteten-/Migrationsberatungs- stelle, die ihr unter anderem bei (Wieder-)Beschaffung ihrer Unterlagen und Anträge behilflich ist − Unterstützung bei der Organisation einer Erstausstattung für die Babys − Vermittlung einer Nachsorgehebamme über das Hebam- mennetzwerk − Ermutigung, in der Klinik die Frühgeborenen-Station anzu- sehen und den Kontakt zu den Ärztinnen/Ärzten zu suchen − Begleitend aufsuchende Tätigkeit der Clearingstelle mit Gesprächen, vor allem in Zeiten, in denen es ihr gesund- heitlich (physisch und psychisch) nicht gut geht nach der Geburt der Zwillinge: − Unterstützung bei Terminen im sozialpädiatrischen Zent- rum nach der Entlassung der Kinder aus der Klinik − Anbindung an eine Praxis für Physiotherapie, die auch Säuglinge behandelt − Anbindung an einen Kinderarzt, der noch Kapazitäten für Zwillinge hat − Unterstützung bei der Beantragung von Geldern für die Kinder − Unterstützung bei der Vaterschaftsanerkennung − Abwendung einer Vollstreckung, die dadurch droht, dass Frau D. keine Rundfunkbeiträge bezahlt und Zahlungsauf- forderungen ignoriert hat − Unterstützung bei der Anmeldung der Kinder in einer KiTa − Vermittlung einer ehrenamtlich tätigen Frau über das Deutsche Rote Kreuz, damit Frau D. zumindest tagsüber entlastet werden kann − Unterstützung im Umgang mit den neugeborenen Zwil- lingen, unter anderem auch um praktischen Herausfor- derungen des Alltags gewachsen zu sein, Beispiel: die Bewältigung des Bahnfahrens mit dem „Zwillingskinder- wagen“, um kinderärztliche Termine wahrzunehmen − Unterstützung bei Änderung der Wohnsituation. Kurzfristiger Effekt: Frau D. fasst Vertrauen und wendet sich bei Hilfebedarf immer wieder an die Frühen Hilfen, so dass sie bei Bedarf unterstützt werden kann. Frau D. erfährt durch die Unterstützung seelische Stabilisie- rung und Entlastung, die sie zur Bewältigung ihrer Situation der Zwillings-Schwangerschaft und -Mutterschaft dringend benötigt. Dies kommt den Kindern zugute. Es gelingt die Überleitung an die Schwangerschaftsbe- ratungsstelle im Gesundheitsamt und die Anbindung an die Migrationsberatung der Diakonie, die Frau D. bei allen Angelegenheiten rund um ihren Asylantrag, dem Aufenthalt der Kinder und sonstigem Reglungsbedarf mit Behörden unterstützt. Die neugeborenen Zwillinge werden angemessen medizi- nisch und therapeutisch versorgt und gefördert. Langfristiger Effekt 13 : Die zweijährigen Kinder sind wohlauf. Die Gesundheits- und Teilhabechancen der jungen Familie sind trotz schwieriger Ausgangssituation durch Schaffung entsprechender Rah- menbedingungen (Frühe Hilfen als Ansprechpartner, leben- spraktische Unterstützung, Anbindung an Hilfeangebote) deutlich verbessert. Familie K. mit ihrem Sohn Oskar (8 Wochen alt) Situation der Kindesmutter: Frau K. meldet sich telefonisch selbst in der Telefonsprech- stunde der Frühen Hilfen. Sie hat die Empfehlung in einer psychiatrischen Ambulanz erhalten. Ihr Sohn Oskar wurde als erstes Kind der Akademikereltern komplikationslos in einer Geburtsklinik geboren. Zum Zeitpunkt der ersten Kon- taktaufnahme mit den Frühen Hilfen im Gesundheitsamt ist der Junge acht Wochen alt. Problematik und Intervention der Frühen Hilfen im Gesund- heitsamt: Frau K. war in der psychiatrischen Ambulanz vorstellig, da es ihr in den ersten Lebenswochen ihres Kindes zunehmend schlechter erging und zunächst Unsicherheit bestand, ob es sich um eine Wochenbettdepression handelt. Dies wurde jedoch ausgeschlossen. Die Mutter beschreibt am Telefon, dass sie Stillprobleme habe und sehr unsicher sei, ob ihr Sohn satt werde. Sie müsse daher nach jedem Stillen Flaschennahrung zufüttern, um beruhigt zu sein. Das Kind schreie sehr viel. Sie könne mit ihm nicht allein rausgehen, denn sie habe immer Angst, das Kind nicht beruhigen zu können. Nichts sei so, wie sie es sich vorgestellt habe. Sie sei völlig überfordert, hilflos und genervt von dem ständigen Geschrei. Ihr Partner habe einen langen Arbeitstag und könne sie wenig unterstützen. Es käme dadurch häufig zu Streitigkeiten zwischen ihr und ihrem Partner. Die gesamte Situation löse starke Ängste in ihr aus. Die Mutter nimmt das Angebot einer Betreuung 13 Da Frau D. bei Hilfebedarf immer wieder Kontakt zu den Frühen Hilfen aufnimmt, ist es möglich, eine Rückmeldung über ihre Situation über zwei Jahre nach Start des Hilfeange- bots zu erhalten. Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 17 durch eine Familienhebamme gerne an. Beim Hausbesuch dieser wird eine tief verunsicherte Stillbeziehung deutlich, nach Einschätzung der Mutter stellt dies die größte Belas- tung dar. Sie wirkt beim Stillen angespannt, der Säugling ist unruhig: Dies scheint regelmäßig eine stressige Stillsituation für Mutter und Kind auszulösen. Im Gespräch mit der Familienhebamme während der Still- mahlzeit kann sich die Frau nach und nach entspannen, ihr Sohn kann ohne Schreien trinken. Die Mutter nimmt wahr, dass sie in der Lage ist, ihr Kind zu beruhigen und dass sie genug Milch hat. Zunächst vereinbart Frau K. zweimal wöchentlich Hausbesuche mit der Familienhebamme. Die Aussicht, dass sie die Begleitung bei Bedarf ein Jahr lang in Anspruch nehmen kann, beruhigt sie von Anfang an sehr. In den folgenden Besuchen werden der Alltag von Mutter und Kind reflektiert und Stillmahlzeiten beraterisch begleitet und praktisch unterstützt. Zudem kann die Mutter durch das gemeinsame Wiegen des Jungen Woche für Woche sehen, dass er altersentsprechend zunimmt. Es geling der Mutter, nach zwei Wochen auf das Zufüttern von Flaschennahrung zu verzichten, ohne beunruhigt zu sein. Die Hausbesuche der Familienhebamme erfolgen einmal wöchentlich und ab dem fünften. Lebensmonat des Sohnes auf Wunsch der Mutter alle 14 Tage. Die Themen erstrecken sich neben dem Stillen jetzt auch auf die Einführung der Beikost, die moto- rische Entwicklung des Kindes und sein Schlafverhalten. Eine Betreuung durch die Familienhebamme ist bis zum Abschluss des ersten Lebensjahrs geplant. Kurzfristiger Effekt: Die seelische Verfassung der Mutter stabilisiert sich. Die Eheleute teilen mit, dass sie nach etwa 4 Wochen den All- tag mit dem kleinen Kind nun häufiger genießen und dass sie sich als Eltern deutlich sicherer fühlen. Der Sohn macht einen zunehmend entspannten und offenen Eindruck. Langfristiger Effekt: Die Eltern haben mehr Sicherheit im Umgang mit ihrem Sohn gewonnen. Dies trägt positiv zur Bildung einer stabi- len Eltern-Kind-Beziehung und einer entspannten Stimmung in der Familie bei. 2.4 Fazit und Empfehlungen Frühe Hilfen im Gesundheitsamt Köln: Die Frühen Hilfen im Gesundheitsamt mit den Arbeits- schwerpunkten Clearingstelle, Familienhebammen und „jusch – jung und schwanger“ wiesen 2015 ebenso wie in den Vorjahren eine hohe Inanspruchnahme auf. I nsbesondere werdende und „junge“ Eltern in belasten- den Lebenssituationen konnten durch dieses Angebot frühzeitig erreicht und in passgenaue Angebote vermit- telt werden. Dabei zeichnet sich ab, dass die Problematiken der betreuten Frauen und Familien komplexer werden. Immer häufiger wird beobachtet, dass psychische Beeinträchtigungen auftreten, teilweise liegen bereits diagnostizierte psychische Erkrankungen vor. Dieser Trend, der sich bereits 2012 zeigte 14 , hat sich nochmals verstärkt. Dadurch werden intensivere und längere Begleitungen der betroffenen Frauen und Familien erfor- derlich. Die multiprofessionellen Kompetenzen und die interdisziplinäre Zusammenarbeit des Teams der Frühe Hilfen im Gesundheitsamt sowie die enge Kooperation mit anderen Fachdiensten des Gesundheitsamtes, zum Beispiel dem Sozialpsychiatrischen Dienst, gewinnen zunehmend an Bedeutung. Ein neuer Schwerpunkt der Frühen Hilfen im Gesund- heitsamt liegt in der aufsuchenden Arbeit in Unterkünf- ten für Geflüchtete: Mit Unterstützung der Frühen Hilfen im Gesundheitsamt wurde die Grundversorgung von Neugeboren verbessert und die Entwicklung von Präventionsmaßnahmen zur Kindersicherheit in Kölner Wohnheimen für Geflüchtete unterstützt. Auf Grund des hohen Bedarfs an Beratung und Unter- stützung, insbesondere in den Notunterkünften, wurde von Juli bis September 2016 ein Projekt zur fachärztli- chen Beratung in Unterkünften für Geflüchtete einge- richtet und auf Grundlage des Beschlusses des Gesund- heitsausschusses am 13.09.2016 mit entsprechender Personalzusetzung von einem fachärztlichen und sozial- arbeiterischen Beratungsteam weitergeführt. Es wird ersichtlich, dass es den Frühen Hilfen im Gesund- heitsamt nicht nur gelingt, werdende Mütter und junge Familien in besonderen Belastungssituationen frühzeitig und niedrigschwellig zu erreichen und zu unterstützen, sondern auch in Situationen extremer Herausforderung, wie der Notunterbringung von Geflüchteten in Köln, Zugänge zu notwendigen Hilfen zu erschließen und sicherzustellen. 14 siehe Stadt Köln „Kinder- und Jugendgesundheit in Köln“, 2013: 40 ff. Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 18 3 Kinderzahngesundheit – Angebot Kinder- und Jugendzahnärztlicher Dienst 3.1 Aufgabe und Ziele Eine gute Mund- und Zahngesundheit ist die Voraus- setzung, um sich wohlfühlen, deutlich sprechen und beschwerdefrei essen zu können. Ein krankes Zahnge- biss hingegen verursacht Schmerzen und kann weitere Beschwerden sowie Folgeerkrankungen nach sich ziehen. Der Kinder- und Jugendzahnärztliche Dienst des Gesund- heitsamts führt im Auftrag der Stadt Köln und des Arbeitskreises Zahngesundheit 15 kariesprophylaktische Maßnahmen nach § 13 ÖGDG NRW in Verbindung mit § 21 SGB V 16 in Kindertageseinrichtungen und Grundschu- len, aber auch in weiterführenden Schulen mit Schwer- punkt Haupt- und Förderschulen durch. Dazu gehören Reihenuntersuchungen – gegebenenfalls mit Hinweis auf notwendige Behandlungsmaßnahmen und bei Bedarf eine Fluoridierung der Zähne, des Weiteren die Unterwei- sung in Mund- und Zahnhygiene sowie Ernährungsbera- tung. Ziel der Kariesgruppenprophylaxe ist es, die Mund- und Zahngesundheit der Kinder in Köln zu verbessern. Grundlagen der Datenerhebung zur Kinderzahngesundheit Der Kinder- und Jugendzahnärztliche Dienst erhebt bei den Reihenuntersuchungen laufend Daten zur Kinder- zahngesundheit. In den Schulen wird der Zustand der Zähne der Kinder erfasst und dokumentiert 17 . Ein „natur- 15 Am „Kölner Arbeitskreis Zahngesundheit“ nehmen das Gesundheitsamt, Krankenkassen sowie niedergelassene Zahnärztinnen und Zahnärzte teil. Sie stimmen auf Grundlage eines gemein- samen Vertrages Zielsetzungen, Vorgehensweisen und Aktionen im Stadtgebiet Köln ab. 16 Sozialgesetzbuch Fünftes Buch 17 Der Zustand der Zähne wird mit Hilfe des „DMF-T“ bzw. des „dmf-t“ erfasst und dokumen- tiert. Dieser Wert dient der Beurteilung der Zahngesundheit und basiert auf der Grundlage des international gebräuchlichsten Messinstrumentes zur Beurteilung der Zahngesundheit, dem „DMF-T-Index“ für bleibende Zähne und dem „dmf-t-Index“ für das Milchgebiss. Der „DMF-T-Index“ für bleibende Zähne, und der „dmf-t-Index“ für das Milchgebiss geben die Zahl der kariösen, fehlenden und gefüllten Zähne wieder. Dabei bedeutet: D (d) = decayed (kariös), gesundes Gebiss“ liegt vor, wenn das Gebiss komplett gesunde Zähne aufweist und kein Zahn kariös war. Bei den Reihenuntersuchungen in Kindertageseinrichtun- gen wird unterschieden zwischen einem naturgesunden, behandlungsbedürftigen oder sanierten Gebiss, und es wird festgestellt, ob im Einzelfall der Bedarf einer kiefer- orthopädischen Frühbehandlung besteht. Die Quote an „naturgesunden Gebissen“, unter anderem in Grund- schulklassen, dient als Indikator für die Zahngesundheit. Die kariesepidemiologischen Daten werden in Köln sowohl stadteilbezogen 18 als auch einrichtungsbezo- gen ausgewertet. Für die konkrete einrichtungsbe- zogene Arbeit werden die einrichtungsbezogenen Ergebnisse herangezogen, da diese Ergebnisse klein- räumiger und genauer sind als die Mittelwerte auf Stadtteilebene, bei denen die Werte aller entsprechen- den Institutionen des Stadtteils einbezogen werden. Die Ergebnisse auf Stadtteilebene erweisen sich ins- besondere für die einrichtungsübergreifende, sozial- raumbezogene Arbeit als aufschlussreich und werden für die Stadtkarte (siehe Abbildung 6 unter 3.2) zugrunde gelegt. Fokus des Kinder- und Jugendzahnärztlichen Dienstes auf „Risikoeinrichtungen“ Mit den Gesundheitsberichten 2012 und 2013 19 wurde auf Basis der (erreichten) Zielvorgabe der WHO für 2000 (50 Prozent naturgesunde Gebisse bei Kindern im ersten Schuljahr) über die Zahngesundheit in Köln berichtet. Die Zahngesundheit in Köln hat sich im letzten Jahr- zehnt bei den Kindern in Kindertageseinrichtungen sowie bei den Schulkindern deutlich und nachhaltig verbessert. Handlungsbedarf zeigt sich jedoch bei einer relativ kleinen Risikogruppe mit erhöhtem Kariesauf- kommen. Überproportional häufig betroffen sind Kinder aus sozial benachteiligten Familien. In den weiterfüh- renden Schulen sind dies überwiegend Kinder, die För- der- und Hauptschulen besuchen. Die Ergebnisse in Köln entsprechen den Trends auf Landes- und Bundesebene. M (m) = missing (fehlend), F (f) = filled (gefüllt), T (t) = teeth (Zähne). 18 Für die stadtteilbezogene Auswertung werden die kariesepidemiologischen Daten der Kin- der aller Einrichtungen im Stadtteil für den jeweils genannten Zeitraum ausgewertet. 19 Stadt Köln, Gesundheitsamt (Hrsg.) „Zahngesundheit bei Kindern in Köln“, Gesundheitsbe- richt 2012: 4, 10 ff, „Kinder- und Jugendgesundheit in Köln, Bericht 2013“: 35 ff., www.stadt-koeln.de Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 19 Gruppenprophylaktische Maßnahmen Auf der Basis einer einrichtungsbezogen Auswertung der kariesepidemiologischen Screening-Daten aus dem Schuljahr 2011/2012 wurden im Stadtgebiet Köln bei den Kindertageseinrichtungen und bei den Grundschulen die „Risikoeinrichtungen“ identifiziert. Das waren jeweils die 10 Prozent aller Einrichtungen, die die geringste Quote an Kindern mit naturgesunden Gebissen aufwiesen. Ent- sprechend wurde ausgewertet, in welchen Einrichtungen die Quote an naturgesunden Gebissen am höchsten lag (ebenfalls 10 Prozent aller Einrichtungen). Seit Beginn des Schuljahres 2012/2013 wird die Kariesgruppenprophyla- xe intensiviert bei „Risikoeinrichtungen“ durchgeführt 20 , entsprechend wurden die Einrichtungen mit den höchsten Werten der Zahngesundheit weniger betreut. Ziel ist und bleibt es, weiterhin die Zahngesundheit der Kinder – ins- besondere in den „Risikoeinrichtungen“ – zu verbessern. Folgendes Programm wird bei der Gruppenprophylaxe des Kinder- und Jugendzahnärztlichen Dienstes durch- geführt: 20 Stadt Köln, Gesundheitsamt (Hrsg.) „Zahngesundheit bei Kindern in Köln“, Gesundheitsbe- richt 2012: 18 ff; „Kinder- und Jugendgesundheit in Köln, Bericht 2013“: 35 ff., www.stadt-koeln.de Programm der Gruppenprophylaxe seit Schuljahr 2012/2013 Kindertageseinrichtungen seit Schuljahr 2012/2013 Einrichtungen mit erhöhtem Betreuungsbedarf (10 % aller Einrichtungen) jährlich: 1 x Reihenuntersuchung Zahnärztin/Zahnarzt 2 x Prophylaxe (Anleitungen zur Zahnpflege mit prak- tischen Übungen, Ernährungsberatung u.a.) Einrichtungen mit besten Werten der Zahngesund- heit (10 % aller Einrichtungen) jährlich: 1 x Reihenuntersuchung Zahnärztin/Zahnarzt Ggf. 1 x Prophylaxe (jedes 2. Jahr) Alle übrigen Einrichtungen (80 %) jährlich: 1 x Reihenuntersuchung Zahnärztin/Zahnarzt 1 x Prophylaxe Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 20 Gesamtschulen seit Schuljahr 2012/2013 jährlich: 1 x Reihenuntersuchung Zahnärztin/Zahnarzt Klasse 6 Ggf.1 x Fluoridierung Realschulen seit Schuljahr 2012/2013 jährlich: 1 x Reihenuntersuchung Zahnärztin/Zahnarzt Klasse 6 Gymnasien seit Schuljahr 2012/2013 Ggf. 1 x Reihenuntersuchung Zahnärztin/Zahnarzt Klasse 6 (bedarfsorientiert) Flyer des Kinder- und Jugendzahnärztlichen Dienstes 3.2 Aktueller Stand In diesem Bericht werden exemplarisch die Reihenunter- suchungen der Kindertageseinrichtungen und Grund- schulen in Köln ausgewertet, − zum einen die Entwicklung der Kinderzahngesund- heit in diesen Altersgruppen im Schuljahr 2016/2017 gegenüber Schuljahr 2011/2012 − zum anderen die Entwicklung in den jeweiligen „Risikoeinrichtungen“ der Kindertageseinrichtungen sowie der Grundschulen, in denen sich im Schuljahr 2010/2011 bei den Kindern ein erhöhtes Kariesauf- kommen zeigte. Die Werte werden entsprechend den Mittelwerten aller Kindertageseinrichtungen bzw. aller Grundschulen in Köln gegenübergestellt. Grundschulen seit Schuljahr 2012/2013 Einrichtungen mit erhöhtem Betreuungsbedarf (10 % aller Einrichtungen) jährlich: alle Klassen: 1 bis 2 x Reihenuntersuchung Zahnärztin/Zahnarzt 2 x Fluoridierungen 2 x Prophylaxe Einrichtungen mit besten Werten der Zahngesund- heit (10 % aller Einrichtungen) jährlich: 1 x Reihenuntersuchung Zahnärztin/Zahnarzt (im 1. und 3. Schuljahr) 1 x Fluoridierungen (alle Klassen) Prophylaxe nach Absprache Alle übrigen Einrichtungen (80 %) jährlich: 1 x Reihenuntersuchung Zahnärztin/Zahnarzt im 1. und 3. Schuljahr 1 x Fluoridierungen (alle Klassen) 1 x Prophylaxe (im 2. und 4. Schuljahr) Förderschulen seit Schuljahr 2012/2013 Differenzierung nach Förderschulform und karies- epidemiologischen Werten: Bei Schulen mit Durchschnittswerten der Zahnge- sundheit unter denen der Hauptschulen: jährlich: Klasse 1 bis 6: 1 bis 2 x Reihenuntersuchung Zahnärztin/Zahnarzt 1 bis 2 x Fluoridierung 1 x Prophylaxe Klasse 7 bis 10: 1 x Reihenuntersuchung Zahnärztin/Zahnarzt 1x Fluoridierung Ansonsten Programm wie bei Hauptschulen (siehe unten) Hauptschulen seit Schuljahr 2012/2013 jährlich: 1 x Reihenuntersuchung Zahnärztin/Zahnarzt Klassen 5 bis 10 1x Fluoridierung Möglichkeit zur Beratung durch Zahnärztin/Zahnarzt Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 21 Gruppenprophylaktische Maßnahmen Kindertageseinrichtungen: − Ergebnisse der Kindertageseinrichtungen insgesamt In Kindertageseinrichtungen sind im Zeitraum des Schuljahres 2016/2017 insgesamt 18.409 Kinder unter- sucht worden. Der Anteil der Kinder mit naturgesunden Gebissen an den untersuchten Kindern aller Einrichtun- gen liegt in diesem Schuljahr bei 81,7 Prozent und ist damit gegenüber Schuljahr 2011/2012 (81,9 Prozent) in etwa gleichgeblieben. − Ergebnisse der „Risikoeinrichtungen“ Da das Augenmerk insbesondere auf den intensiv betreuten „Risikoeinrichtungen“ liegt, werden deren Ergebnisse separat betrachtet und mit dem Mittelwert aller Kindertageseinrichtungen in Köln verglichen. Dabei wird ersichtlich, dass sich der Anteil an Kindern mit naturgesunden Gebissen in den „Risikoeinrich- tungen“ erhöht hat, und zwar von 58,4 Prozent im Schuljahr 2011/2012 auf 66,7 Prozent im Schuljahr 2016/2017. Damit liegt der Anteil an Kindern mit naturgesunden Gebissen in diesen Einrichtungen immer noch weit unter dem Kölner Durchschnittswert (81,7 Prozent, s.o.). Er konnte jedoch in dem beobach- teten Zeitraum um etwa 8 Prozentpunkte gesteigert und damit erheblich verbessert werden. Dies kann unter anderem auf die intensivierten gruppenpro- phylaktischen Maßnahmen während des KiTa-Aufent- halts zurückgeführt werden. Grundschulen − Ergebnisse der Grundschulen insgesamt Im Schuljahr 2016/2017 sind in den Kölner Grund- schulen 18.469 Kinder untersucht worden. In den Klassen 1 bis 3 wurden die Reihenuntersuchungen flächendeckend bei 16.271 Kindern durchgeführt. Davon weisen 58,8 Prozent der Kinder ein naturgesun- des Gebiss auf. Dies bedeutet eine leichte Verbesse- rung der Zahngesundheit gegenüber dem Schuljahr 2011/2012 (54 Prozent). − Ergebnisse der „Risikoeinrichtungen“ Auch hier wurde überprüft, inwieweit sich die Zahnge- sundheit in „Risikoeinrichtungen“ entwickelt hat. Bei den Schulen mit besonderen Risiken beträgt der Anteil an Kindern mit naturgesunden Gebissen 2016/2017 37,1 Prozent und hat sich ebenfalls gegenüber 2011/2012 (34 Prozent) verbessert. Jedoch auch hier liegt der Anteil an Kindern mit naturgesunden Gebis- sen in den Risikoeinrichtungen weit unter dem Kölner Durchschnittswert (58,8 Prozent, s.o.) Beim Vergleich des Mittelwerts der Zahngesundheit aller Grundschulen mit dem der „Risikoeinrichtun- gen für den Zeitraum der Schuljahre 2007/2008 bis 2016/2017 zeigt sich folgende Entwicklung: Im Zeit- raum der Schuljahre von 2007/2008 bis 2011/2012 verbesserte sich die Zahngesundheit zwar insgesamt, in den „Risikoeinrichtungen“ jedoch nicht im gleichen Maße wie in den anderen Einrichtungen. Die Schere zwischen „Risikoeinrichtungen“ und den anderen Einrichtungen klaffte immer weiter auseinander. So erhöhte sich der Unterschied zwischen dem Durch- schnittswert der Zahngesundheit in allen Einrich- tungen und dem Wert der „Risikoeinrichtungen“ in diesem Zeitraum von 15 auf 20 Prozentpunkte 21 . Seit 21 Anteil an Kindern mit naturgesunden Gebissen und Schuljahre (Auswahl relevanter Schuljahre): 2007/08 alle Grundsch. 47 Prozent, „Risikoeinrichtungen“ 32 Prozent, Unterschied 15 Pro- zentpunkte, 2011/12 alle Grundsch. 54 Prozent, „Risikoeinrichtungen“ 34 Prozent, Unterschied 20 Pro- zentpunkte 2015/16 alle Grundsch. 56 Prozent, „Risikoeinrichtungen“ 37 Prozent, Unterschied 20 Pro- zentpunkte 2016/17 alle Grundsch. 58,8 Prozent, „Risikoeinrichtungen“ 37,1 Prozent, Unterschied 21,7 Prozentpunkte Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 22 0 10 20 30 40 50 Schuljahr 2011/2012 Schuljahr 2016/2017 Prozent 1 Klasse 3 Klasse Gemeinschaftsgrundschule Zehnthofstraße, Anteil an Kindern mit naturgesunden Gebissen der 1. und 3. Klasse im Vergleich Zur besseren Lesbarkeit wird nur der Abschnitt 0 bis 40 Prozent dargestellt. Quelle: Gesundheitsamt Stadt Köln 0 10 20 30 40 50 60 Schuljahr 2011/2012 Schuljahr 2016/2017 Prozent 1 Klasse 3 Klasse Kölner Grundschulen, Durchschnittswert, Anteil an Kindern mit naturgesunden Gebissen, 1. und 3. Klasse im Vergleich Zur besseren Lesbarkeit wird nur der Abschnitt 0 bis 60 Prozent dargestellt. Quelle: Gesundheitsamt Stadt Köln Abbildung 5: Kinder- und Jugendzahnärztlicher Dienst Köln, Ergebnisse Reihenuntersuchungen, Quote an Grundschul- kindern mit naturgesunden Gebissen in der Klasse 1 und 3, Vergleich Durchschnittswerte Köln und Werte der Gemein- schaftsgrundschule Zehnthofstr. 2011/2012 werden die gruppenprophylaktischen Maßnahmen in den „Risikoeinrichtungen“ intensiviert durchgeführt. Seitdem konnte bis zum Schuljahr 2015/2016 ein weiteres Auseinanderdriften der Zahn- gesundheitswerte zwischen den „Risikoeinrichtun- gen“ und der allgemeinen Entwicklung vermieden werden. Erst im Schuljahr 2016/2017 ist wieder eine Erhö- hung der Differenz zwischen den beiden Werten auf 21,7 Prozentpunkte zu verzeichnen. Dies ist jedoch möglicherweise auf einen hohen Anteil an Kindern aus geflüchteten Familien in den „Risikoeinrichtungen“ zurückzuführen, bei denen die Kinder eine unter- durchschnittliche Zahngesundheit aufweisen (siehe unten: Zahngesundheit von Geflüchteten). Beispiel Gemeinschaftsgrundschule Zehnthofstraße Seit Start der Intensivprophylaxe in „Risikoeinrichtun- gen“ zeigen sich auch einrichtungsbezogen messbare Effekte der positiven Veränderung. Am Beispiel der Gemeinschaftsgrundschule Zehnthofstraße sei dies verdeutlicht. Die Zahngesundheitswerte liegen dort erheblich unter den Kölner Durchschnittswerten. Im Vergleich zum Schuljahr 2011/2012 (noch ohne Inten- sivprophylaxe) hat sich die Situation bei den Kindern im Schuljahr 2016/2017 jedoch erheblich verbessert. Darüber hinaus gab es weitere Effekte im Laufe der Schulzeit, die die Nachhaltigkeit der Intensivprophyla- xe in der Gemeinschaftsgrundschule Zehnthofstraße bestätigen. Während im Kölner Durchschnitt der Anteil an Kindern mit naturgesunden Gebissen im dritten Schuljahr gegenüber dem ersten Schuljahr abfällt, konnte in der Gemeinschaftsgrundschule Zehnthofstraße der Anteil an Kindern mit naturgesun- den Gebissen in der dritten Klasse im Vergleich zu dem Wert der ersten Klasse sogar gesteigert werden (siehe Abbildung 5). Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 23 Gruppenprophylaktische Maßnahmen, Vielfach bestehen dort bereits Kontakte mit den Eltern. Dies erleichtert den Zugang zu den Betroffenen. Darüber hinaus hat der Kinder- und Jugendzahnärztli- che Dienst wie in den Vorjahren auch im Jahre 2017 im Rahmen der Veranstaltungen zum „Weltkindertag“ eine Aktion in der Kölner Innenstadt mit „Kariestunnel“ und „Putzbrunnen“ durchgeführt, um Kinder und Jugendli- che zur Zahnpflege zu motivieren. Zahngesundheit von Geflüchteten Seit Mitte 2015 werden die Unterkünfte geflüchteter Familien in Köln vom Kinder- und Jugendzahnärztlichen Dienst aufgesucht und die Kinder, die dort wohnen, wer- den gruppenprophylaktisch betreut. Laut den Ergebnis- sen der Reihenuntersuchungen betrug 2015 der Anteil an Kindern mit naturgesunden Gebissen 21 Prozent, im Jahr 2016 35,8 Prozent und in 2017 (bis 31.08.) liegt er bei 30,2 Prozent. Es wird deutlich, dass die Zahngesund- heit der geflüchteten Kinder stark variiert, jedoch weit unter dem durchschnittlichen Wert der Kinderzahnge- sundheit in Kölner Grundschulen (Anteil naturgesunder Gebisse von 58,8 Prozent) liegt. Vergleich der Kinderzahngesundheit der Stadt Köln mit Werten auf Bundesebene und mit Werten von Nordrhein 22 Laut einer Erhebung der Deutschen Arbeitsgemein- schaft für Jugendzahnpflege 23 liegt im Jahr 2016 in der ersten Klasse der Anteil an Kindern mit naturgesunden Gebissen in Nordrhein bei 61,1 Prozent (auf Basis einer Stichprobe, n=4.870) und auf Bundesebene bei 53,8 Prozent (n=151.555). Um für Köln einen vergleichbaren Wert zugrunde legen zu können, wurden die Ergebnisse der Kölner Reihenuntersuchungen von den Kindern der ersten Klasse des Schuljahrs 2016/2017ausgewertet. Bei diesen Kindern (n=8.039) betrug der Anteil mit naturge- sunden Gebissen 60,6 Prozent. Damit liegen die Zahngesundheitswerte der Stadt Köln über den Bundeswerten und geringfügig unter den Wer- ten von Nordrhein. Die Ergebnisse auf Bundesebene, von Nordrhein und der Stadt Köln unterscheiden sich noch deutlich von der Zielvorgabe der Weltgesundheits- organisation für 2020, die eine Quote von 80 Prozent an Kindern mit naturgesunden Gebissen bei der Altersgrup- pe der Schulkinder des ersten Schuljahres anstrebt. Vernetzung und Teilnahme an Präventionsveran- staltungen Wie bereits in den vergangenen Jahren nimmt der Kin- der- und Jugendzahnärztliche Dienst – insbesondere in den „Risikoeinrichtungen“ – an Veranstaltungen wie ein „Elterncafé“ am Vormittag, Elternabende oder „Tag der offenen Tür“ teil, um die Eltern für Zahngesundheit zu sensibilisieren, über Zahnpflege zu informieren und zu beraten. Der Kinder- und Jugendzahnärztliche Dienst hat die Zusammenarbeit mit den Fachkräften vor allem in den „Risikoeinrichtungen“ ausgebaut. Wenn bei der Rei- henuntersuchung ein auffälliger Zahnbefund festgestellt wird, erhalten die Eltern ein Schreiben, mit der Bitte die notwendige zahnärztliche Behandlung durchführen zulas- sen. Häufig kann den Kindern nur dann geholfen werden, wenn es gelingt, die Eltern zu erreichen und zur Mitarbeit zu motivieren. Die Vernetzung vor Ort, insbesondere mit den Schulsozialarbeiterinnen und den Schulsozialarbei- tern erweist sich nach wie vor als besonders hilfreich. 22 Die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege weist Nordrhein und Westfalen unabhängig voneinander aus, daher ist ein Vergleich auf Landesebene nicht möglich. 23 Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege e.V. „Epidemiologische Begleit- untersuchungen zur Gruppenprophylaxe 2016“ (die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege e. V., DAJ, ist eine bundesweit tätige Organisation, die die Erhaltung und Förderung der Zahn- und Mundgesundheit von Kindern und Jugendlichen zur Aufgabe hat) www.daj.de/fileadmin/user_upload/PDF_Downloads/Epi_2016/Epi_final_BB1801_final.pdf, abgerufen am 18.06.2018 Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 24 Gruppenprophylaktische Maßnahmen in Flüchtlingswohnheimen Stadtteilbezogene Auswertung Bereits im Gesundheitsbericht 2012 zeigten sich stadt- teilbezogene Unterschiede bei der Zahngesundheit in Köln 24 . Auch für das Schuljahr 2016/2017 wird bei den flächendeckenden Reihenuntersuchungen der ersten und dritten Klasse die stadtteilbezogene Quote der Kinder mit naturgesunden Gebissen ermittelt. Dabei werden im Stadtteil nicht die Wohnorte der Kinder, sondern die Adressen der Grundschulen, die die Kinder besuchten, zu Grunde gelegt. Die stadtteilbezogene Quote an Grund- schulkindern mit naturgesunden Gebissen variiert von 28,9 Prozent bis 82 Prozent. In den Stadtteilen Marien- burg, Raderthal, Hahnwald, Fühlingen, Volkhoven/Weiler, Westhoven, Elsdorf, Lind und Libur gibt es keine Grund- schulen, daher sind diese Stadtteile bei der Auswertung nicht berücksichtigt. Alle anderen Stadtteile wurden in die Auswertung einbezogen, die Zahl der untersuchten Kin- der im Stadtteil liegt dabei in allen Stadtteilen über 50 25 . 24 Siehe „Zahngesundheit bei Kindern in Köln“, Gesundheitsbericht 2012, Stadt Köln: 14 ff. 25 Bezieht sich auf die absolute Zahl der vom Kinder- und Jugendzahnärztlichen Dienst unter- suchten Kinder der Klassen 1 und 3 aus Grundschulen des Stadtteils aus dem Schuljahr 2016/2017 Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 25 Abbildung 6: Kinder- und Jugendzahnärztlicher Dienst Köln, Reihenuntersuchung aus dem Schuljahr 2016/2017, stadtteilbezogene Auswertung zur Zahngesundheit, Quote an Grundschulkindern mit naturgesun- den Gebissen in der Klasse 1 und 3 (n=16.271 26 ) Quelle: Gesundheitsamt, Amt für Statistik und Stadtentwicklung, Stadt Köln 26 Anmerkung zur „Ampel“-Legende: Das Drittel der Stadtteile, in denen die Quoten an Kindern mit naturgesunden Gebissen am niedrigsten liegen, ist rot eingefärbt, das Drittel der Stadtteile, in denen die Quoten an Kindern mit naturgesunden Gebissen am höchsten liegen, grün, das „Mittelfeld“ entsprechend gelb. Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 26 Gruppenprophylaktische Maßnahmen 3.3 Fallbeispiel Kinder- und Jugendzahnärztlicher Dienst Köln Tom, 5 Jahre alt Situation: Die Zahnärztin des Kinder- und Jugendzahnärztlichen Dienstes lernt Tom als Vorschulkind im Rahmen einer zahn- ärztlichen Reihenuntersuchung in einer KiTa kennen. Problematik und Intervention: Das Kind weist umfangreiche Zahndefekte auf. Dies veran- lasst die Zahnärztin, die Mutter über die Gruppenleitung zu kontaktieren und zu einem Gespräch in die Einrichtung ein- zuladen. Ziel ist es, die Ursachen für die Befunde zu ergrün- den und eventuell gezielt Hilfe anbieten zu können. Die Mutter ist sich der Problematik bewusst ist: Tom hat Schmerzen, wird von den anderen Kindern gehänselt, und die Sprachentwicklung des Jungen ist deutlich beeinträch- tigt ist. Bei Schmerzen gibt sie ihrem Kind Tabletten, dosiert nach Gefühl. In der Vergangenheit gab es gelegentliche Anläufe, das Kind einer Behandlung zuzuführen. Dies scheiterte letztendlich jedoch an „Rückziehern“ aus Angst vor der Behandlung, vergessenen Terminabsprachen sowie der Überlastung und dem deutlich reduzierten Gesundheitszustand der Mutter von insgesamt vier Kindern. Die Zahnärztin des Kinder- und Jugendzahnärztlichen Diens- tes bietet an, einer Praxis, die auch unter Vollnarkose behan- delt, den Besuch der Familie anzukündigen. Die Mutter erklärt sich mit Zögern bereit, das Angebot anzunehmen, und gibt der Zahnärztin des Kinder- und Jugendzahnärztlichen Diens- tes ihre Handy-Nummer, damit sie in Kontakt bleiben kön- nen. Des Weiteren wird vereinbart, mit Tom ein gemeinsames Gespräch zu führen, um ihn zur Behandlung zu motivieren. Dieses Gespräch findet statt, und Tom zeigt sich offen dafür, die Zahnarztpraxis aufzusuchen und seine Zähne behandeln zu lassen. Der erste Termin in der Praxis findet statt und der Zahnärztin gelingt es, das Vertrauen von Tom zu gewinnen. Zur weiteren Behandlung kommt es, da der Junge fest ent- schlossen ist, die angebotene Hilfe anzunehmen. Die Zahnärztin des Kinder- und Jugendzahnärztlichen Dienstes trifft Tom im ersten Schuljahr wieder. Er ist nach der Behandlung mit einer Zahnspange versorgt, die zum Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 27 Kinder aus „Risikoeinrichtungen“, dort hat sich die Zahngesundheit verbessert. − Bei den Grundschulkindern in Köln haben sich im Schuljahr 2016/2017 im Vergleich zum Schuljahr 2011/2012 die Werte der Zahngesundheit sowohl in den „Risikoeinrichtungen“ als auch in den anderen Einrichtungen erhöht. Dies entspricht dem Trend der vergangenen zehn Jahre, der Durchschnittswert der Zahngesundheit ist in diesem Zeitraum kontinuierlich angestiegen. In der Zeit bis zum Schuljahr 2011/2012 hatten sich allerdings die durchschnittlichen Zahnge- sundheitswerte in einem höheren Maße verbessert als in den „Risikoeinrichtungen“. Für den Zeitraum vom Schuljahr 2012/2013 bis zum Schuljahr 2015/2016 konnte ein weiteres Auseinanderdriften der Werte der „Risikoeinrichtungen“ und des Durchschnittswerts vermieden werden. Aus fachlicher Sicht wird das bestehende Konzept der Gruppenprophylaxe als wirkungsvoll und eine Fortfüh- rung als sinnvoll erachtet. Der Kinder- und Jugendzahnärztliche Dienst betreut darü- ber hinaus seit Mitte 2015 mit gruppenprophylaktischen Maßnahmen Kinder in Flüchtlingswohnheimen. Allein auf Grund der erheblich unterdurchschnittlichen Zahnge- sundheit dieser Kinder ist die Notwendigkeit einer Fort- führung dieser frühzeitigen Betreuung gegeben. einen als Platzhalter für die bleibenden Zähne, zum ande- ren durch Ersatz der fehlenden Zähne als Kinderprothese dient. In einem gemeinsamen Termin mit der Mutter und dem Schulsozialarbeiter wird besprochen, dass der Schulsozialarbeiter Tom unter anderem bei dem Thema Zahngesundheit unterstützt. Der Schulsozialarbeiter hilft in den folgenden Jahren dem Jungen beim Einhalten von Behandlungsterminen. Im Rahmen der Reihenuntersuchung das Kind im vierten Schuljahr stellt die Zahnärztin des Kin- der- und Jugendzahnärztlichen Dienstes fest, dass das Kind über eine deutliche Aussprache verfügt. Tom berichtet, er werde nicht mehr als „Opi“ aufgezogen und er habe eine Realschul-Empfehlung erhalten. Der Schulsozialarbeiter bestätigt die Realschul-Empfehlung und erzählt, Tom habe schnell die gute Aussprache gelernt und sei jetzt gut in der Klassengemeinschaft integriert. Kurzfristiger Effekt: Tom erhält die notwendige Zahnbehandlung, wird schmerzfrei und kann besser sprechen. Langfristiger Effekt: Mit der Zahnbehandlung werden grundlegende Vorausset- zungen dafür geschaffen, dass Tom sich wohler fühlt und dass es ihm gelingt, deutlich sprechen zu lernen und sich dadurch sozial zu integrieren. Dies unterstützt ihn bei der Bewältigung der Anforderungen der Grundschule und trägt dazu bei, dass für Tom Voraussetzungen geschaffen/verbessert werden, eine Realschule als weiterführende Schule zu besuchen. 3.4 Fazit und Empfehlungen Kinderzahngesundheit in Köln Der Kinder- und Jugendzahnärztliche Dienst, der die grup- penprophylaktischen Maßnahmen in Kindertageseinrich- tungen und Schulen durchführt, setzt seit dem Schuljahr 2012/2013 bedarfsorientiert den Fokus auf die Betreu- ung der „Risikoeinrichtungen“. Das sind Kindertagesstät- ten und Grundschulen mit überproportionalem Anteil an Kindern mit erhöhtem Kariesrisiko. Häufig handelt es sich dabei um Kinder aus sozial benachteiligten Familien. Die Ergebnisse der zahnärztlichen Reihenuntersuchungen in den Kindertageseinrichtungen und Schulen belegen, dass die intensivierten gruppenprophylaktischen Maß- nahmen in den „Risikoeinrichtungen“ nachweisbare Effekte zeigen: − Bei den untersuchten Kindern in den Kindertages- stätten sind die Werte der Zahngesundheit in Köln im Schuljahr 2016/2017 im Vergleich zu dem Schuljahr 2011/2012 in etwa gleichgeblieben. Es zeigen sich jedoch positiven Entwicklungen bei den Werten der Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 28 4 Gesundheit der Kinder vor Schuleintritt – Angebot Schuleingangsuntersuchung 4.1 Aufgabe und Ziele Der Übergang in die Schule stellt für Kinder einen wich- tigen Meilenstein dar und setzt Fähigkeiten in unter - schiedlichsten Bereichen voraus. Die Schuleingangs - untersuchung zielt darauf ab, vor Schuleintritt den Entwicklungsstand festzustellen und mögliche gesund- heitliche Beeinträchtigungen sowie Entwicklungsrisiken aufzudecken. Diese Untersuchung ist ein gesetzlich vorgeschriebener Bestandteil des Schulaufnahmeverfah- rens gemäß § 54 des Schulgesetzes für das Land Nord- rhein-Westfalen in Zusammenhang mit § 12 ÖGDG NRW. In der Regel wird daher jedes Kind vor der Einschulung dem Kinder- und Jugendärztlichen Dienst vorgestellt. Ein besonderer Fokus der Untersuchung liegt dabei auf der körperlichen Entwicklung und der allgemeinen gesundheitlich bedingten Leistungsfähigkeit. So werden beispielsweise Tests zum Hören und Sehen durchgeführt. Beim Einschulungsjahrgang 2017 gibt es dabei allein 977 Kinder (10,3 Prozent der vorgestellten Kinder), die einen Befund bei der Überprüfung der Sehschärfe aufweisen und sich noch nicht in Behandlung befinden. 435 Kindern (4,6 Prozent) haben einen Befund bei der Überprüfung, ob eine Hörstörung vorliegt, und sind ebenfalls noch nicht in Behandlung. Die Schuleingangsuntersuchungen dienen in erster Linie der Entwicklungsbeurteilung des Kindes, der Beratung der Eltern und gegebenenfalls der Empfehlung weiterer Maßnahmen, zum Beispiel der dif- ferenzialdiagnostischen Abklärung eines Befundes durch niedergelassene Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte. Sie bilden dadurch aber auch die Basis für eine Vollerhe- bung gesundheitlicher Daten zum Entwicklungsstand aller Kinder eines Einschulungsjahrganges. Grundlagen der Datenerhebung Seit Einschulungsjahrgang 2012 wird auch in Köln das von der Universität Bremen im Auftrag des Landes Nordrhein-Westfalen entwickelte „SOPESS-Verfah- ren – Sozialpädiatrisches Entwicklungsscreening für Schuleingangsuntersuchungen 27 “ eingesetzt und differenziert ausgewertet. Dieses Verfahren wird vom Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen (LZG NRW) als Standard empfohlen und kommt bisher bei 52 der 53 Kreise und kreisfreien Städte in Nord- rhein-Westfalen zur Anwendung. Das LZG NRW wertet die Ergebnisse aller beteiligten Kommunen zentral aus, so dass die Werte aus Köln mit den Landeswerten 28 ver- glichen werden können. Bei den Einzelauswertungen des vorliegenden Berichts wird die Grundgesamtheit der auswertbaren Datensätze jeweils separat angeben. Wenn nicht anders erwähnt, wurden die hier verwand- ten Daten vom Kinder- und Jugendgesundheitsdienst erfasst und vom LZG NRW ausgewertet. Bei den Eltern der untersuchten Kinder wird zusätz- lich der Sozialstatus erhoben. Hier handelt es sich um den Sozialstatus nach Bildungsstand. Im Rahmen der Schuleingangsuntersuchung werden die Eltern zu ihrer beruflichen und schulischen Bildung befragt. Die Befragung ist für die Eltern freiwillig. Aus den Antworten dieser Fragen wird vom LZG NRW ein Bil- dungsindex berechnet und den Kommunen für die Gesundheitsberichterstattung zur Verfügung gestellt. Die Berechnung des Indexes erfolgt auf Grundlage der Empfehlungen der Arbeitsgruppe „Epidemiologische Methoden“ der Deutschen Gesellschaft für Sozialme- dizin und Prävention e.V. (DGSMP) und der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS). Der Bildungsindex wird zunächst getrennt für jedes Elternteil ermittelt. Der jeweils höhere Index-Score wird dann dem Haus- halt zugeordnet, in dem das Kind lebt 29 . 27 Screening ist eine Untersuchung, die Angaben zur Wahrscheinlichkeit des Vorliegens von bestimmten Krankheiten oder Risikofaktoren ermöglichen soll. Wenn auffällige Werte vorliegen, werden zur genaueren Überprüfung diagnostische Untersuchungen bei nieder- gelassenen Ärztinnen und Ärzten eingeleitet. 28 Da bei Berichterstellung die Ergebnisse des Einschulungsjahrgangs 2017 auf Landesebene noch nicht vorliegen, wurden die Jahrgänge 2015 in NRW und Köln bei dem Vergleich zugrunde gelegt. Die Anzahl der ausgewerteten Datensätze vorgestellter Kinder des Jahr- gangs NRW betrug beim Einschulungsjahrgang 2015 NRW 143.122, Quelle LZG NRW. 29 Quelle und genaue Darstellung des Berechnungsschemas: Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit, „Jahresbericht 2006 zur Schulärztlichen Untersuchungen in NRW“: 45, unter Landeszentrum Gesundheit NRW, www.lzg.gc.de. Beim Einschulungsjahrgang Köln 2017 wurde bei 69,9 Prozent der Eltern oder Sorgebe- rechtigten der vorgestellten Kinder (n=6.660) der Sozialstatus erhoben, davon wurden 1.033 einem niedrigen Sozialstatus, 2.304 einem mittleren Sozialstatus, 3.323 einem hohen Sozialstatus zugeordnet. Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 29 Schuleingangsuntersuchung Dadurch lassen sich Hinweise auf Zusammenhänge zwi- schen der gesundheitlichen Situation, Bildung und der sozialen Lage darstellen. 4.2 Aktueller Stand In Köln sind 9.530 Kinder bei den Einschulungsuntersu- chungen des Jahrgangs 2017 30 vorgestellt worden. Seit dem Einschulungsjahrgang 2012 mit 8.694 Kindern hat sich die Anzahl der vorgestellten Kinder deutlich erhöht. Dies ist auf eine steigende Zahl der Kinder dieser Alters- gruppe in Köln 31 zurückzuführen. Im Jahrgang 2017 beträgt der Anteil an Mädchen 49,1 Pro- zent und der Anteil an Jungen 50,9 Prozent. Alle Auswer- tungen werden nach Geschlecht getrennt durchgeführt. Wenn sich relevante Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen zeigen, werden diese erwähnt. Bei der Schuleingangsuntersuchung wird darüber hinaus festgehalten, ob das Kind mit der deutschen oder einer anderen Erstsprache 32 aufgewachsen ist. Eine andere Erstsprache als Deutsch weist auf eine familiäre Migra- tionsgeschichte hin. In der Schuleingangsuntersuchung 30 Jahrgang 2017: Kinder, die im Sommer 2017 (für das Schuljahr 2017/2018) eingeschult werden 31 So lag die Anzahl der 5-Jährigen in Köln im Jahre 2012 (31.12) bei 9.229 Kindern, im Jahre 2017 (31.12) bei 9.804 Kindern, Quelle: Amt für Stadtentwicklung und Statistik, Stand 04/2018. 32 Die Erstsprache ist die Sprache, die das Kind in den ersten vier Lebensjahren überwiegend gesprochen hat. Köln 2017 beträgt der Anteil an Kindern mit einer ande- ren Erstsprache als der deutschen Sprache 38,3 Prozent (Jahrgang 2012: 39,9 Prozent). 886 der in der Schulein- gangsuntersuchung Köln 2017 vorgestellten Kinder wurden nicht in Deutschland geboren. Deutschkenntnisse In der Schuleingangsuntersuchung werden die Deutsch- kenntnisse bei den Kindern, die eine andere als die deutschen Sprache als Erstsprache haben, qualitativ durch die Schulärztin oder den Schularzt anhand der Spontansprache des Kindes eingeschätzt. Die Vorgaben im Rahmen des von der Stadt Köln eingesetzten „Sozial- pädiatrisches Entwicklungsscreening für Schuleingangs- untersuchungen“ (SOPESS, siehe 4.1) umfassen fünf Kategorien: − Das Kind spricht fehlerfrei und flüssig Deutsch. − Das Kind spricht flüssig Deutsch, jedoch mit leichten Fehlern. − Das Kind spricht flüssig Deutsch, jedoch mit erhebli- chen Fehlern. − Das Kind spricht nur radebrechend Deutsch. − Das Kind spricht kein Deutsch. Diese Einschätzung führt im Anschluss zur Entschei - dung über das weitere Vorgehen in der Untersuchung. Wenn keine entsprechenden Deutschkenntnissen vorliegen (das Kind spricht kein Deutsch oder rade - Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 30 brechend Deutsch), ist eine Durchführung der beiden Einzeltests zu „Präpositionen“ und „Pluralbildung“ im Rahmen des SOPESS in der Regel nicht sinnvoll (siehe hierzu unter 4.2.4 „Sprache und Sprechen“) und wird daher unterlassen. Des Weiteren wird im Rahmen der Untersuchung bei Kindern mit unzureichenden Deutschkenntnissen je nach situativem Bedarf auf die Deutschkenntnisse der begleitenden Personen sowie der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kinder- und Jugendärztlichen Dienstes zurückgegriffen oder es wird zur Übersetzung der Video- dolmetscher eingesetzt. 2,9 % 6,1 % 6,2 % 8,9 % 26,2 % 25,1 % 47,5 % 40,5 % 17,2 % 19,4 % 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 2012 2017 Schuleingangsuntersuchungen Köln 2012 und 2017, Deutschkenntnisse der Kinder mit einer anderer Erstsprache als Deutsch in Prozent Quelle: Gesundheitsamt Stadt Köln n spricht fehlerfrei Deutsch n spricht flüssig, mit leichten Fehlern, Deutsch n spricht flüssig, aber mit erheblichen Fehlern, Deutsch n spricht radebrechend Deutsch n spricht kein Deutsch Abbildung 7: Schuleingangsuntersuchung Köln, Jahrgänge 2012 (n= 3.224) und 2017 (n= 3.652), Deutschkenntnisse der Kinder mit anderer Erstsprache als Deutsch in den Schul- eingangsuntersuchungen Auf Basis dieser Einschätzung der Deutschkenntnisse liegt beim Einschulungsjahrgang Köln 2017 der Anteil an Kindern mit unzureichenden Deutschkenntnissen, das heißt, der Anteil der Kinder, die flüssig Deutsch jedoch mit erheblichen Fehlern sprechen, radebre- chend Deutsch sprechen oder kein Deutsch sprechen, bei 40,1 Prozent (Jahrgang 2012 bei 35,3 Prozent). 223 Kinder des Einschulungsjahrgangs 2017 sprechen kein Deutsch. Der Anteil dieser Kinder an allen Kindern mit einer anderen Erstsprache als Deutsch beträgt 6,1 Prozent und hat sich damit gegenüber Einschulungs- jahrgang 2012 (2,9 Prozent) mehr als verdoppelt 33 . Dies ist unter anderem auf die hohe Anzahl an neu zugewan- derten geflüchteten Familien zurückzuführen, deren Kin- der vor der Erstbeschulung noch nicht die Möglichkeit hatten, Deutschkenntnisse zu erwerben. 4.2.1 Impfschutz Nach wie vor bieten Impfungen den besten Schutz vor gängigen Infektionskrankheiten und vermeiden schwer- wiegende Komplikationen. Sie haben einen dreifachen Nutzen. Zum einen schützen sie vor Erkrankungen, für die es keine oder nur beschränkte Behandlungsmög- lichkeiten gibt. Des Weiteren schützen sie ungeborenes Leben, wenn die werdende Mutter geimpft ist. Darüber hinaus bieten sie einen kollektiven Schutz der Menschen, die zusammen leben, wenn ein ausreichender Anteil von ihnen geimpft ist. Das Bundesministerium für Gesund- heit hat die „Ständige Impfkommission“ (STIKO) als Gre- mium von Expertinnen und Experten für Impfempfeh- lungen berufen. Diese sieht für Kinder und Jugendliche Impfungen gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis (Keuch- husten), Hepatitis B, Polio (Kinderlähmung), Rotaviren 34 , Hib (Haemophilus influenzae Typ b), Masern, Mumps, Röteln, Varizellen (Windpocken), Meningokokken und Pneumokokken vor. Für Mädchen im Alter von zwölf bis siebzehn Jahren und für Jungen zwischen neun und vier- zehn Jahren werden darüber hinaus Impfungen gegen Humane Papillomaviren (HPV) empfohlen. Eine gesetzliche Impfpflicht existiert in Deutschland nicht. Deutschland bekennt sich zu den Zielen der WHO EURO und hatte bereits für das Jahr 2015 die Eliminierung der Masern und Röteln angestrebt. Dieses Ziel konnte noch nicht erreicht werden. So wurden im Jahr 2015 bundes- weit allein 2.604 Masernfälle dem RKI gemeldet, im Jahr 2016 waren es 361 Masernfälle. Im Jahr 2017 gab es 1.037 Masernfälle, davon in Köln 17 Masernfälle. Im laufenden 33 Im Einschulungsjahrgang 2016 lag der Anteil der Kinder, die kein Deutsch sprechen, bei 306 und bei einem Anteil von 8,9 Prozent aller vorgestellten Kinder mit einer anderen Erst- sprache als Deutsch, damit noch höher als im Einschulungsjahrgang 2017. 34 Für die Durchimpfungsrate gegen Rotaviren liegen im Rahmen der Schuleingangsuntersu- chungen keine Ergebnisse vor. Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 31 Vorlage Impfpass Bei der Einladung zur Schuleingangsuntersuchung wird darauf hingewiesen, dass die Eltern und Sorgeberech- tigten den Impfpass zum Untersuchungstermin mit- bringen sollen. Nur bei Kindern mit Impfpass kann der Impfstatus festgestellt und ausgewertet werden. Alle nachfolgenden Auswertungen zur Durchimpfungsrate beziehen sich ausschließlich auf die vorgelegten Impf- pässe. Es ist allerdings zu vermuten, dass die Durchimp- fung bei den Kindern, die ihren Impfpass nicht vor- gelegt haben, geringer ausfällt. Diese Annahme wird durch Erhebungen des Robert Koch-Instituts bestätigt 36 . Beim Einschulungsjahrgang 2017 legen 8.560 Kinder und damit ein Anteil von 89,8 Prozent den Impfpass vor. Damit ist die Vorlagequote des Einschulungsjahrgangs 2017 gegenüber dem Jahrgang 2012 (90,6 Prozent) geringfügig gesunken und gegenüber dem Jahrgang 2016 (89,3 Prozent) etwa gleichgeblieben. Bei Erstellung dieses Berichtes liegen Landeswerte bis Einschulungsjahrgang 2016 vor 37 . Daher werden für den Vergleich mit Landeswerten die Ergebnisse des Einschu- lungsjahrgangs Köln 2016 zugrunde gelegt. Gegenüber NRW 2016 (91,2 Prozent) ist der Anteil an vorgelegten Impfpässen in Köln mit 89,3 Prozent im Einschulungs- jahr 2016 leicht unterdurchschnittlich 38 . Übersicht über die Impfquoten Genaue Werte der Impfquoten der Schuleingangsunter- suchungen Köln 2015, 2016 und 2017 sind im Anhang unter 10.2, Tabelle 1, aufgeführt und werden dort den Ergebnissen der Schuleingangsuntersuchungen 2016 auf Landes- und Bundesebene gegenübergestellt. Die darauf folgende Tabelle 2 gibt Auskunft über die zugrun- de liegenden Impfempfehlungen der STIKO (Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut). Impfschutz gegen Masern, Mumps Röteln Vollständiger Impfschutz ist laut der Ständigen Impf- kommission bei je zwei Impfungen Masern, Mumps und Röteln gegeben. Im Kölner Einschulungsjahrgang 2017 verfügen 94,3 Prozent der Kinder mit vorgelegtem Impf- pass über vollständigen Impfschutz gegen Masern (siehe Abbildung 8). Damit hat sich die Durchimpfungsrate der 36 Gesundheitsberichterstattung des Bundes (RKI und DESTATIS), http://www.gbe-bund.de, abgerufen 02.02.2018 37 Gesundheitsberichterstattung des Bundes, www.gbe-bund.de, abgerufen am10.07.2018 38 Land NRW, Einschulungsjahrgang 2016: n=152.063 Kinder, vorgestellte Kinder mit Impf- pass: n=138.682, Quote der vorgestellten Kinder mit Impfpass: 91,8 Prozent Jahr 2018 sind gemäß Meldung an das RKI bundesweit 381 Masernfälle gemeldet worden, in Köln sind 121 Masernfälle aufgetreten (Stand 20.06.18 35 ). Die Eliminierung der Masern und Röteln wird jedoch wei- terhin angestrebt. Anhand des „Nationalen Aktionsplan 2015 – 2020 zur Elimination der Masern und Röteln in Deutschland“ des Bundesministeriums für Gesundheit vom Juni 2016 werden dazu die strategischen und mess- baren Ziele sowie zahlreiche Vorschläge für Maßnahmen zur Zielerreichung konkretisiert. Zu den vorgeschlagenen Strategien der WHO gehören das Erreichen und die Auf- rechterhaltung von sehr hohen Impfquoten für die zwei- fache Masern- und mindestens einmalige Rötelnimpfung bei mindestens 95 Prozent der Bevölkerung. Laut dem nationalen Aktionsplan 2015 – 2020 sollte entsprechend bei Kindern in den Schuleingangsuntersuchungen eine 2-Dosen-Impfquote bei Masern, Mumps und Röteln von über 95 Prozent vorliegen. Robert Koch-Institut, www.rki.de, Broschüre „Nationaler Aktionsplan“ 35 Quelle zur Anzahl der bundesweiten Masernfälle: Robert Koch-Institut, www.rki.de, abge- rufen am 20.06.2018, Quelle zur Anzahl der Masernfälle in Köln: Gesundheitsamt der Stadt Köln, Stand 20.06.18, Unterschied zu den in den Medien kommunizierten Fallzahlen kön- nen durch verzögerte Meldung im Ausbruchgeschehen bedingt sein. Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 32 2,2 Prozent der Kinder mit vorgelegtem Impfpass des Kölner Jahrgangs 2017 haben keine Masernimpfung erhalten, im Jahrgang 2012 waren es 3,2 Prozent. Impfschutz gegen Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Hib, Polio, Hepatitis B Vollständiger Impfschutz gegen Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Hib und Polio lag beim Einschulungsjahrgang Köln 2012 zwischen 90,6 und 96,2 Prozent der Kinder mit Impfpass vor 41 . Auch für den Kölner Jahrgang 2017 können Durchimpfungsraten von über 90 Prozent bestä- tigt werden. Kontrollbedürftig ist allerdings der zu beob- achtende Rückgang bei Diphtherie, Tetanus und Pertus- sis um über 3 Prozentpunkte im Einschulungsjahrgang 2017 gegenüber Einschulungsjahrgang 2012 (siehe Abbildung 9, genaue Werte siehe 10.2, Tabelle 1) 42 . Bezogen auf Hepatitis B kann beim Jahrgang 2017 im Vergleich mit Jahrgang 2012 (74,3 Prozent) eine Erhö- hung der Durchimpfungsrate um über 8 Prozentpunkte auf 82,8 Prozent festgestellt werden. Impfschutz gegen Varizellen, Meningokokken und Pneumokokken Der Anteil an Kindern mit vollständigem Impfschutz gegen Varizellen (Windpocken) beim Einschulungs- jahrgang Köln 2017 beträgt mittlerweile 87,7 Prozent. Beim Einschulungsjahrgang Köln 2012 lag er noch bei 66,5 Prozent. Die aktuelle STIKO-Empfehlung für eine zweifache Impfung datiert vom Juli 2009 43 . Ebenso hat sich der vollständige Impfschutz gegen Pneumokokken 44 bei den vorgestellten Kindern von 67,2 Prozent im Jahrgang 2012 auf 73,9 Prozent im Jahr- gang 2017 gesteigert. Hinsichtlich Meningokokken 45 verfügen 89 Prozent der Kinder des Einschulungsjahrgangs Köln 2017 über einen vollständigen Impfschutz. Damit hat sich die Durchimp- fungsrate gegenüber dem Jahrgang 2012 (86,8 Prozent) geringfügig erhöht. 41 Siehe „Kinder- und Jugendgesundheit in Köln“, Gesundheitsbericht 2013, Stadt Köln: 12 42 Vollständiger Impfschutz liegt laut STIKO vor: Hib, Hepatitis B, Polio mindestens vier Dosen (mindestens 3 Dosen bei Verwendung von Impfstoffen ohne Pertussiskomponente), Dipht- herie, Tetanus Pertussis mindestens vier Dosen. 43 Sie ergänzt die STIKO-Empfehlung einer allgemeinen Varizellenimpfung vom Jahre 2004. 44 Pneumokokken vollständige Impfung: mindestens 2-mal 45 Meningokokken vollständige Impfung: mindestens 1-mal, bei erster Dosis nach Vollendung des 1. Lebensjahres oder mindestens 3mal, bei erster Dosis vor Vollendung des 1. Lebens- jahres Vorschulkinder bei Masern gegenüber dem Jahrgang 2012 (92,3 Prozent) und Jahrgang 2013 (93 Prozent, siehe Abbildung 8) nochmals leicht gesteigert. Der vollständige Impfschutz beträgt bei Mumps 94,2 Pro- zent, bei Röteln 94,1 Prozent und hat sich ebenfalls gegenüber dem Einschulungsjahrgang 2012 (Mumps: 92,2 Prozent, Röteln: 92,1 Prozent) erhöht 39 . Stadtbezirksbezogene Angaben zu den Impfquoten bei Masern im Rahmen der Schuleingangsuntersuchung 2017 befinden sich im Anhang unter 10.2, Tabelle 3, eine stadtteilbezogene Auswertung zum Zeitraum der Schuleingangsuntersuchungen 2015 bis 2017 ist in Abbildung 10 dargestellt. 0 20 40 60 80 100 2017201320092005 72,9 % 90,8 % 93,0 % 94,3 % Schuleingangsuntersuchungen Köln 2005, 2009, 2013, 2017, Quote an Kindern mit vollständigem Impfschutz gegen Masern, prozentuiert auf vorge- legte Impfpässe Quelle: LZG NRW, Gesundheitsamt Stadt Köln Abbildung 8: Schuleingangsuntersuchung Köln, Vergleich Jahrgänge 2005, 2009, 2013, 2017, Anteil an Kindern mit vollständigem Impfschutz (zweifache Impfungen) gegen Masern bei vorgelegten Impfpässen in Köln nach Einschu- lungsjahrgängen 40 Im Kölner Einschulungsjahrgang 2017 beträgt der Anteil der Kinder mit einer Impfdosis gegen Röteln 97,5 Pro- zent, der Anteil an Kindern mit einer Impfdosis gegen Masern 97,8 Prozent. Verglichen mit dem Einschulungs- jahrgang 2012 (eine Impfdosis gegen Röteln: 96,6 Pro- zent, eine Impfdosis gegen Masern: 96,8 Prozent) sind diese Werte angestiegen. 39 Eine fast identische Quote bei Masern, Mumps und Röteln ist darauf zurückzuführen, dass nahezu ausschließlich Kombinationsimpfstoffe für diese drei Impfungen verwendet werden. 40 Einschulungsjahrgang 2012 (vollständiger Impfschutz gegen Masern bei den Kindern mit vorgelegten Impfpässen: 92,3 Prozent) wurde in diese Abbildung nicht aufgenommen, da hier die Entwicklung in 4-Jahres-Intervallen dargestellt ist. Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 33 wertung, inwieweit vollständiger Impfschutz gegen Masern besteht (siehe Abbildung 10), werden die drei Einschulungsjahrgänge 2015 bis 2017 zusammenge- fasst, um insbesondere bei den „kleinen“ Stadtteilen mit wenig untersuchten Kindern das Risiko zufallsbedingter Schwankungen zu reduzieren. Die stadtteilbezogene Durchimpfungsrate variiert von 84,4 bis 100 Prozent. Bei der Zusammenfassung der drei obengenannten Jahr- gänge liegt die Zahl der Kinder mit Impfpass im Stadtteil Libur unter 30, in den Stadtteilen Elsdorf, Fühlingen, Hahnwald und Immendorf zwischen 40 und 49, in allen anderen Stadtteilen über 50 48 . Im Anhang sind die Impfquoten der Schuleingangs- untersuchung 2017 pro Stadtbezirk aufgeführt (siehe 10.2, Tabelle 3). 48 Bezieht sich auf die absolute Zahl der in den Schuleingangsuntersuchungen 2015 bis 2017 vorgestellten Kinder im Stadtteil mit Impfpass Vorwort 0 20 40 60 80 100 Hepatitis BPolioHibPertussisTetanusDiphtherie 95,7 % 92,3 % 96,2 % 92,4 % 95,7 % 92,0 % 90,6 % 90,0 % 92,4 % 91,0 % 74,3 % 82,8 % Schuleingangsuntersuchungen Köln 2012 und 2017, Quote an Kindern mit vollständigem Impfschutz Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Hib, Polio, Hepatitis B, prozentuiert auf vorgelegte Impfpässe, in Prozent Quelle: LZG NRW, Gesundheitsamt Stadt Köln n 2012 n 2017 Abbildung 9: Schuleingangsuntersuchung Köln, Einschulungsjahrgänge 2012 (n=7.881) und 2017 (n=8.560), Anteil an Kindern mit vollständigem Impfschutz gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Hib, Polio, Hepatitis B in Köln, prozentuiert auf vorgelegte Impfpässe Vergleich mit den Landeswerten Die Kölner Durchimpfungsraten des Einschulungsjahr- gangs 2016, bezogen auf die vorgelegten Impfpässe, liegen bei Masern, Mumps und Röteln etwa im Landes- durchschnitt (2016), sie unterschreiten die Landeswerte 2016 bei Hepatitis B um etwa 3 Prozentpunkte, bei den Impfungen gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Hib und Polio um etwa 1 Prozentpunkt. Bei Varizellen liegen die Durchimpfungsraten Kölns des Einschulungsjahrgangs 2016 mehr als 1 Prozentpunkt über den Landeswerten (siehe Tabellen unter 10.2). Impfschutz und Sozialstatus Im Einschulungsjahrgang Köln 2017 beträgt der Anteil von Kindern, die einen kompletten Impfstatus aufwei- sen, bei Familien mit hohem Sozialstatus 78,7 Prozent, bei Familien mit mittlerem Sozialstatus 89,2 Prozent und bei Familien mit niedrigem Sozialstatus 86,9 Prozent 46 . Stadtteilbezogene Auswertung Bereits in den Gesundheitsberichten 2009 und 2013 zeigten sich stadtteilbezogene Unterschiede bei den Durchimpfungsquoten in Köln 47 . Bei der aktuellen Aus- 46 Prozentuiert auf den vorgelegten Impfpass, Impfungen komplett: Diphtherie, Tetanus, Hib, Hepatitis B, Polio mindestens vier Dosen (mindestens 3 Dosen bei Verwendung von Impf- stoffen ohne Pertussiskomponente), Pertussis mindestens vier Dosen, Masern, Mumps, Röteln mindestens zwei Dosen; zu Sozialstatus siehe 4.1 47 Siehe „Kindergesundheit im Vorschulalter“, Gesundheitsbericht 2009, Stadt Köln: 69 ff., „Kinder- und Jugendgesundheit in Köln, Bericht 2013“, Stadt Köln: 35 ff. Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 34 Abbildung 10: Schuleingangsuntersuchung Köln, Jahrgänge 2015 bis 2017, stadtteilbezogene Auswertung zum vollständigen Impfschutz gegen Masern 49 49 Anmerkung zur „Ampel“-Legende: Das Drittel der Stadtteile, in denen die Quoten an Kindern mit vollständigem Impfschutz gegen Masern am niedrigsten liegen, ist rot eingefärbt, das Drittel der Stadtteile, in denen die Quoten an Kindern mit vollständigem Impfschutz gegen Masern am höchsten liegen, grün, das „Mittelfeld“ entsprechend gelb. Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 35 Vorwort 0 20 40 60 80 100 U9U8U7U6U5 94,0 % 93,7 % 93,6 % 94,1 % 92,1 % 94,1 % 94,0 % 94,4 % 91,0 % 91,6 % Schuleingangsuntersuchungen Köln 2012 und 2017 Teilnahmequote U5 bis U9 bei Kindern mit vorgelegtem Untersuchungsheft im Jahrgangsvergleich Quelle: LZG NRW, Gesundheitsamt Stadt Köln n Jahrgang Köln 2012 n Jahrgang Köln 2017 Abbildung 11: Schuleingangsuntersuchung Köln, Jahrgänge 2012 (n=7.947) und 2017 (n= 8.525), Vergleich Teilnahme- quote der U5 bis U9, bei den Kindern mit vorgelegten Untersuchungsheften 4.2.2 Früherkennungsuntersuchungen Die Früherkennungsuntersuchungen bei der Kinder- und Jugendärztin oder dem Kinder- und Jugendarzt dienen dazu, mögliche gesundheitliche Beeinträch- tigungen bei Kindern frühzeitig zu erkennen und die erforderlichen Behandlungen einzuleiten. Seit 1971 sind sie im Leistungskatalog der Krankenkassen enthalten und bedeuten für die Eltern daher keine zusätzlichen Kosten. Alle Kinder sollten möglichst lückenlos bei den Früherkennungsuntersuchungen U1 bis U9 und später auch bei der J1 sowie der J2 vor- gestellt werden, damit sie bei Bedarf entsprechende Förderung und Versorgung erhalten können. Um die Verbindlichkeit der Früherkennungsuntersuchungen zu erhöhen, ist seit 2008 verbindlich vorgeschrieben, dass niedergelassene Ärztinnen und Ärzte die Daten der Kinder, die bei der U5 bis U9 vorgestellt werden, an das Statistische Landesamt Nordrhein-Westfalen übermitteln. Dort erfolgt ein Datenabgleich über die Kinder, die nicht an den Früherkennungsuntersu- chungen teilgenommen haben; diese Kinder werden den Jugendämtern gemeldet. Als Rechtsgrundlage dient die Verordnung zur Datenmeldung der Teil- nahme an den Früherkennungsuntersuchungen vom 10.09.2008 in Verbindung mit § 32a des Heilberufs- gesetzes. Die Jugendhilfe ist verpflichtet, bei Gefähr- dung geeignete Maßnahmen einzuleiten. (Die für die einzelnen Früherkennungsuntersuchungen vorgese- henen Altersspannen, in denen das Kind vorgestellt werden sollte, finden sich im Anhang). Bei der Schuleingangsuntersuchung kann nur bei den Kindern mit vorgelegtem Untersuchungsheft festgestellt werden, inwieweit diese an Früherken- nungsuntersuchungen teilgenommen haben. Bei der Einladung zur Schuleingangsuntersuchung wird daher ausdrücklich darauf hingewiesen, dass das Untersu- chungsheft bei dem Termin vorzulegen ist. Dennoch kommen nicht alle Sorgeberechtigen dieser Aufforde- rung nach. Bei der Schuleingangsuntersuchung 2017 legten 8.525 Kinder ihr Untersuchungsheft vor. Die Quote der vorgeleg- ten Untersuchungshefte beträgt damit in diesem Jahrgang 89,5 Prozent und ist gegenüber 2015 (91,5 Prozent) und 2012 (91,4 Prozent) leicht gesunken. Die nachfolgenden Auswertungen beziehen sich ausschließlich auf die unter- suchten Kinder mit vorgelegten Untersuchungsheften. Die Teilnahmequote der Kinder mit vorgelegtem Unter- suchungsheft an den Früherkennungsuntersuchungen 5 bis 9 betrug beim Einschulungsjahrgang Köln 2012 bereits über 90 Prozent. Bei den Früherkennungsun- tersuchungen U6 bis U9 hat sie sich im Jahrgang 2017 nochmals verbessert, bei der U5 ist sie etwa gleich geblieben (siehe Abbildung 11). Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 36 Die U7a, die um den dritten Geburtstag des Kindes statt- findet, wurde zusätzlich am 01.07.2008 eingeführt. Seit 2010 ist sie in das Pflichtprogramm aller gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen. Im Einschulungsjahrgang Köln 2017 nehmen 92,1 Prozent der Kinder mit vorgeleg- tem Untersuchungsheft daran teil (2015: 89,6 Prozent), damit kann eine Steigerung von über 27 Prozentpunkten gegenüber dem Einschulungsjahrgang 2012 (64,8 Pro- zent) festgestellt werden. Die Quote der vorgelegten Untersuchungshefte in Köln liegt etwa im Landesdurchschnitt. Die Teilnahmequoten der U5, U6, U7 U8 und U9 in Köln unterschreiten die Landeswerte geringfügig um etwa 1 bis 2 Prozentpunkte (Referenzwerte: Einschulungsjahrgang 2015, da auf Lan- desebene Werte zum Einschulungsjahrgang 2016 noch nicht vorliegen 50 ). Die U8 wird für die folgenden Auswertungen exemplarisch ausgewählt, da sie um den vierten Geburtstag und damit in der Regel vor der Schuleingangsuntersuchung stattfindet. U8-Teilnahme und Erstsprache Im Kölner Einschulungsjahrgang 2017 nehmen 96,8 Pro- zent aller Kinder mit deutscher Erstsprache und 90,2 Pro- zent aller Kinder mit anderer Erstsprache an der U8 teil. Der Unterschied in der U8-Teilnahmequote ist mit 6,6 Pro- zentpunkten gegenüber dem Jahrgang 2012 (5,7 Prozent- punkten) etwa gestiegen. U8-Teilnahme und Sozialstatus Wie bereits in den Vorjahren 51 lässt sich im Jahrgang 2017 zwischen der Teilnahme an der Früherkennung und sozialer Lage ein Zusammenhang erkennen. Die Differenz zwischen der Teilnahmequote der Kinder von Eltern mit niedrigem Sozialstatus und dem Durchschnittswert hat sich jedoch gegenüber den Vorjahren reduziert. So liegt die Teilnah- mequote von Kindern von Eltern mit niedrigem Sozial- status (93,7 Prozent) um 0,7 Prozentpunkte unter dem Durchschnittswert von 94,4 Prozent. Beim Jahrgang 2012 betrug die Differenz noch über 2 Prozentpunkte. Stadtteilbezogene Auswertung Bereits in den Gesundheitsberichten 2009 und 2013 zeigten 50 Land NRW, Einschulungsjahrgang 2015, n=143.122, der Anteil der vorgestellten Kinder mit vorgelegten Untersuchungsheften betrug 91,2 Prozent (n mit vorgelegtem Heft=130.528), Teilnahmequoten U5: 95,5 Prozent, U6: 96,2 Prozent, U7: 96,1 Prozent, U8: 96,2 Prozent, U9: 93,4 Prozent. Köln, Einschulungsjahrgang 2015: n=9.115, der Anteil der vorgestellten Kinder mit vorgelegten Untersuchungsheften betrug 91,5 Prozent, n mit vorgelegtem Heft= 8.308), Teilnahmequoten U5: 94 Prozent, U6: 93,6 Prozent, U7: 92,1 Prozent, U8: 94 Prozent, U9: 91 Prozent. 51 Siehe „Kindergesundheit im Vorschulalter“, Gesundheitsbericht 2009, Stadt Köln: 32; Kinder- und Jugendgesundheit in Köln, Bericht 2013, Stadt Köln: 16, zu Sozialstatus siehe 4.1 sich stadtteilbezogene Unterschiede bei der U8-Teilnahme- quote der Kinder in der Schuleingangsuntersuchung 52 . Bei der aktuellen Auswertung (siehe Abbildung 12) werden die drei Einschulungsjahrgänge 2015 bis 2017 zusammenge- fasst, um insbesondere bei den „kleinen“ Stadtteilen mit wenig untersuchten Kindern das Risiko zufallsbedingter Schwankungen zu reduzieren. Die stadtteilbezogene Quote der Kinder mit vorgelegten Untersuchungsheften, die an der U8 teilgenommen haben, variiert von 85 Pro- zent bis 98,6 Prozent. Bei der Zusammenfassung der drei obengenannten Jahrgänge liegt die Zahl der Kinder in dem Stadtteil Libur bei 25, in den Stadtteilen Elsdorf, Fühlingen, Godorf, Hahnwald, Immendorf und Lind zwischen 35 und 50, in allen anderen Stadtteilen bei über 50 53 . 4.2.3 Gewicht Ein ausgewogenes Körpergewicht bildet die Grundlage für einen guten Gesundheitszustand und bietet damit die Voraussetzungen für die erfolgreiche altersgemä- ße Entwicklung. Bei der Schuleingangsuntersuchung werden das Gewicht und die Körpergröße des Kindes festgestellt und anhand des gängigen Modells wird nach Kromeyer-Hausschild 54 bewertet, inwieweit ein ausgewogenes Gewicht vorliegt. Danach wird zwischen Normalgewicht, Untergewicht/erheblichem Unter- gewicht und Übergewicht/erheblichem Übergewicht unterschieden. Unter Übergewicht ist ein im Vergleich zur Norm erhöhtes Körpergewicht zu verstehen, das durch einen vermehrten Körperfettanteil bedingt ist. Erhebliches Übergewicht oder „Adipositas“, die ausgeprägte Form des Übergewichts, gilt als chronische Krankheit. Durch Adipositas wird das Risiko für zahlreiche Krankheiten, beispielsweise Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankun- gen, Störungen des Fettstoffwechsels, Diabetes Typ 2 und Erkrankungen des Bewegungsapparats erhöht. 52 Siehe Stadt Köln „Kindergesundheit im Vorschulalter“, Gesundheitsbericht 2009, „Kinder- und Jugendgesundheit in Köln“, Bericht 2013: 20 53 Bezieht sich auf die absolute Zahl der in den Schuleingangsuntersuchungen 2015 bis 2017 vorgestellten Kinder mit Untersuchungsheft im Stadtteil 54 Referenzwerte nach Empfehlung der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (2001): Als Messgröße für das Gewicht wird der in der Schuleingangsunter- suchung berechnete Body-Mass-Index herangezogen. Der Body-Mass-Index (BMI) wird berechnet, indem das Körpergewicht (kg) durch die quadrierte Körperlänge (m²) geteilt wird. Da bei Kindern das Körpergewicht stark vom Alter abhängt, wird zusätzlich das Alter und Geschlecht des jeweiligen Kindes berücksichtigt. Auf Basis der Durchschnittsnormkur- ven wurde ein Modell entwickelt, das in 100 Gewichtszonen, „Perzentilen“, unterteilt ist. Als normalgewichtig gilt ein Kind, dessen errechneter Wert zwischen der 10ten und der 90ten Perzentile liegt. Kinder mit Wert über der 90ten Perzentile werden als übergewichtig oder (ab der 97ten Perzentile) als erheblich übergewichtig (oder adipös) eingeordnet. Kinder, deren Wert unterhalb der 10ten Perzentile liegt, gelten als untergewichtig oder (unterhalb der 3ten Perzentile) als erheblich untergewichtig. Das Perzentilen-Modell (von Kromeyer-Hausschild und anderen) wurde auf der Grundlage einer empirischen Erhebung entwickelt. Quelle: Kromeyer-Hausschild K, Wabitch M et al. „Perzentile für den Body-Mass- Index für das Kindes- und Jugendalter unter Heranziehung verschiedener deutscher Stich- proben“, Monatsschrift Kinderheilkunde (2001) 149: 807-818 Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 37 Abbildung 12: Schuleingangsuntersuchung Köln, Jahrgänge 2015 bis 2017, stadtteilbezogene Auswertung zur U8-Teilnahmequote, prozentuiert auf die vorgelegten Untersuchungshefte 55 55 Anmerkung zur „Ampel“-Legende: Das Drittel der Stadtteile, in denen die Quoten an Kindern mit U8-Teilnahme am niedrigsten liegen, ist rot eingefärbt, das Drittel der Stadtteile, in denen die Quoten an Kindern mit U8-Teilnahme am höchsten liegen, grün, das „Mittelfeld“ entsprechend gelb. Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 38 In den Industrieländern stellt das Ausmaß von erhebli- chem Übergewicht in der Bevölkerung ein besonderes Problem dar. Laut Robert Koch-Institut sind bundesweit nahezu ein Viertel aller erwachsenen Frauen und Män- ner von Adipositas betroffen 56 . Übergewicht und Adipo- sitas sind bereits bei Kindern und Jugendlichen zu einem wachsenden Problem geworden, wie die bundesweite „KIGGS-Studie 57 “, aber auch die Auswertungen der Schuleingangsuntersuchungen in Nordrhein-Westfalen 58 belegen. Oftmals verstärken sich die Gewichtsprobleme im Jugend- und Erwachsenenalter. Dies wird durch die aktuelle KIGGS-Längsschnittstudie bestätigt. Kinder, die bereits im Kindergarten- und Vorschulalter bei der Basiserhebung (2003 bis 2006) mitgewirkt hatten, wur- den in der KIGGS-Studie Welle 2 (2014 bis 2017) erneut befragt und untersucht. Es zeigte sich, dass der Anteil an Kindern mit Übergewicht und Adipositas im Laufe des Schulalters bis zum Jugendalter deutlich anstieg. Mehr als die Hälfte derjenigen, die bereits als 2- bis 6-Jährige adipös oder übergewichtig waren, wiesen auch noch als Jugendliche ein entsprechend erhöhtes Gewicht auf 59 . Bei Diabetes mellitus (kurz Diabetes) wird Typ 1 und Typ 2 unterschieden. An Diabetes Typ 2 erkranken überwiegend ältere Menschen. Der Typ 2 wird daher umgangssprachlich als „Altersdiabetes“ bezeichnet. Laut dem „Deutschen Gesundheitsbericht Diabetes 2018“ tritt Diabetes Typ 2 in Deutschland jedoch zunehmend auch bei jüngeren Menschen auf. Dies wird unter anderem auf die hohe Verbreitung von Übergewicht, Fehlernährung und auf weniger Bewegung im Kinder- und Jugendalter zurückgeführt. Die Anzahl der Typ-2-Diabetes-Neuer- krankungen hat sich in den letzten 10 Jahren bei Jugend- lichen verfünffacht. Es gibt bundesweit in dieser Alters- gruppe etwa 90 Neuerkrankungen der Typ-2-Diabetes jährlich, die Tendenz ist steigend. Des Weiteren wird von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen 60. Ein etwas anderer Sachverhalt liegt bei Untergewicht vor. Bei der aktuell verwendeten Grundlage, dem Modell nach Kromeyer-Hausschild (siehe oben), können dort 56 Quelle Robert-Koch-Institut, www.rki.de, „Gesundheit in Deutschland“ Berlin 2015: 202 57 Kurth B-M, Schaffrath R „Die Verbreitung von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland, Ergebnisse des bundesweiten Kinder- und Jugendgesundheits- surveys“ (KIGGS): Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforsch – Gesundheitsschutz 2007 50: 736– 743, auch Lampert Th, in „KIGGS Die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen“ 2013, Robert Koch-Institut: 14 58 Landeszentrum Gesundheit NRW, Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchungen, www.lzg. gc.nrw.de 59 Quelle Schienkiewitz,A u.a., Hrsg. Robert-Koch-Institut, „Journal of Health Monitoring”·2018 3(1) DOI 10.17886/RKI-GBE-2018-013, Berlin, https://www.kiggs-studie.de/ergebnisse/kig- gs-welle-2/johm.html, abgerufen am 21.03.2018 60 Danne Th, Ziegler R, „Diabetes bei Kindern und Jugendlichen“ in „Deutscher Gesundheits- bericht Diabetes 2018“, Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und Deutsche Diabetes-Hilfe (Diabetes DE) Mainz 2017 als untergewichtig klassifizierte Kinder je nach Kons- titution sehr wohl gesund sein. Unterwichtigkeit wird dann zu einem Problem, wenn sie auf Mangelernäh- rung zurückzuführen ist. Dies bedeutet, dass das Kind nicht die für eine gesunde Entwicklung erforderliche Nahrung oder erforderlichen Nahrungsbestandteile im ausreichenden Maße erhält (oder verarbeiten kann). Schuleingangsuntersuchung Köln 2017, Anteil über- und untergewichtiger Kinder Schuleingangsuntersuchung Köln 2012, Anteil über- und untergewichtiger Kinder Untergewicht 6,0 % Untergewicht 4,7 % Normalgewicht 80,8 % Normalgewicht 80,7 % erhebliches Untergewicht 3,4 % erhebliches Untergewicht 2,6 % Übergewicht 5,5 % Übergewicht 6,6 % erhebliches Übergewicht 4,3 % erhebliches Übergewicht 5,4 % Quelle: LZG NRW, Gesundheitsamt Stadt Köln Abbildung 13: Vergleich Schuleingangsuntersuchung Köln 2017 (n=8.492) und 2012 (n=8.694), Körpergewicht, Anteil über- und untergewichtiger Kinder (Modell nach Kro- meyer-Hausschild) Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 39 Vorwort 0 2 4 6 8 10 12 Referenzwert201720162015201420132012 4,7 % 5,9 % 5,6 % 5,8 % 6,4 % 6,0 % 7,0 %2,6 % 3,4 % 3,1 % 3,0 % 4,1 % 3,4 % 3,0 % Schuleingangsuntersuchungen Köln 2012 und 2017 im Vergleich, Anteil Kinder mit Untergewicht/ erheblichem Untergewicht in Prozent Zur besseren Lesbarkeit wird bei der Teilnahmequote nur der Ausschnitt 0 bis 12 Prozent dargestellt. Zum Referenzwert siehe Fußnote 54 Quelle: LZG NRW, Gesundheitsamt Stadt Köln n U n t e r- gewicht n erhebliches Unter- gewichtAbbildung 14: Schuleingangsuntersuchung Köln, Überblick Jahrgänge 2012 bis 2017, Entwicklung des Anteils untergewich- tiger Kinder (Modell nach Kromeyer-Hausschild) Vorwort 0 2 4 6 8 10 12 Referenzwert201720162015201420132012 6,6 % 6,2 % 6,3 % 6,8 % 6,1 % 5,5 % 7,0 % 5,4 % 4,3 % 4,2 % 4,5 % 4,7 % 4,3 % 3,0 % Schuleingangsuntersuchungen Köln 2012 bis 2017 im Vergleich Anteil Kinder mit Übergewicht/erheblichem Übergewicht in Prozent Zur besseren Lesbarkeit wird bei der Teilnahmequote nur der Ausschnitt 0 bis 12 Prozent dargestellt. Zum Referenzwert siehe Fußnote 54 Quelle: LZG NRW, Gesundheitsamt Stadt Köln n U n t e r- gewicht n erhebliches Unter- gewichtAbbildung 15: Schuleingangsuntersuchungen Köln, Überblick Jahrgänge 2012 bis 2017 im Vergleich, Anteil übergewichtiger Kinder in Prozent (Modell nach Kromeyer-Hausschild) Eine Mangelernährung kann auch bei normalgewich- tigen oder übergewichtigen Kindern vorliegen und zum Problem werden, wenn diese Kinder zwar ausrei- chend Nahrung erhalten, aber fehlernährt sind. Dies kann ebenfalls an der Zusammensetzung der Nah- rung liegen oder daran, dass notwendige Nahrungs- bestandteile nicht verarbeitet werden. Bei der Schuleingangsuntersuchung 2017 in Köln mit einer auswertbaren Grundgesamtheit von 8.492 Kin- dern weist der überwiegende Anteil aller Kinder, 80,8 Prozent, ein normales Gewicht auf. Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 40 Untergewichtige Kinder Bei der Schuleingangsuntersuchung 2017 sind 9,4 Pro- zent der untersuchten Kinder untergewichtig oder erheblich untergewichtig. Damit liegt der aktuelle Wert unter dem Richtwert des zugrunde liegenden Referenz- modells von 10 Prozent 61 . Gegenüber dem Einschulungs- jahrgang 2012 hat sich die Quote untergewichtiger Kin- der an allen in der Schuleingangsuntersuchung vorge- stellten Kindern von 7,3 Prozent auf 9,4 Prozent erhöht (siehe Abbildung 14). Der Anteil an untergewichtigen Kindern ist bei Familien mit hohem Sozialstatus (11 Prozent) am höchsten, bei Familien mit niedrigem Sozialstatus (7,3 Prozent) am geringsten. Untergewichtigkeit kann durch viele Fakto- ren bedingt sein, unter anderem durch genetische Fak- toren, Erkrankungen, Unterernährung. Wie bereits oben ausgeführt, lässt sich über den Wert „untergewichtig oder erheblich untergewichtig“ aller- dings nicht abbilden, ob eine Mangelernährung besteht. Die Quote an untergewichtigen Kindern liegt beim Ein- schulungsjahrgang Köln 2015 mit 8,8 Prozent über dem Landesmittelwert 2015 62 (8,4 Prozent). Übergewichtige Kinder Der Anteil an übergewichtigen Kindern bei der Schu- leingangsuntersuchung 2017 beträgt 9,8 Prozent und unterschreitet in dem Zeitraum seit Schuleingangs- untersuchung 2012 erstmals den Referenzwert von 10 Prozent 63, , allerdings liegt dabei die Quote der Kinder mit erheblichem Übergewicht (4,3 Prozent) wie in den Vorjahren weit über dem Referenzwert von 3 Prozent 64 . Seit Einschulungsjahrgang 2012 mit einem Anteil von 12 Prozent übergewichtiger Kinder ist eine leicht rück- läufige Tendenz festzustellen. So schwankt der jährliche Wert, liegt aber seit Einschulungsjahrgang 2013 kons- tant unter 11,4 Prozent (siehe Abbildung 15). 61 Vgl. Stadt Köln, Kinder- und Jugendgesundheit in Köln, Bericht 2013: 18, Referenzwerte nach Empfehlung der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (2001). Grundlage des hier verwendeten Modells von Kromeyer-Hausschild (und andere, 2001) ist eine Erhebung bei Kindern in Deutschland, die in den Jahren 1985 bis 1999 untersucht wurden. Dabei wurden 7 Prozent der Untersuchten als Kinder mit Untergewicht und 3 Pro- zent der Untersuchten als Kinder mit erheblichem Untergewicht eingestuft. 62 Vergleich der Einschulungsjahrgänge 2015, da auf Landesebene Werte zum Einschulungs- jahrgang 2016 noch nicht vorliegen, Land NRW, Einschulungsjahrgang 2015, n=140.197 63 Vgl. Stadt Köln, Kinder- und Jugendgesundheit in Köln, Bericht 2013: 18, Referenzwerte nach Empfehlung der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (2001), Grundlage des hier verwendeten Modells von Kromeyer-Hausschild (und andere, 2001) ist eine Erhebung bei Kindern in Deutschland, die in den Jahren 1985 bis 1999 untersucht wurden. Dabei wurden 7 Prozent der Untersuchten als Kinder mit Übergewicht und 3 Pro- zent der Untersuchten als Kinder mit erheblichem Übergewicht (Adipositas) eingestuft. 64 Siehe vorherige Fußnote Der Anteil an übergewichtigen Kindern beträgt im Jahr- gang 2017 bei Mädchen und bei Jungen gleichermaßen 9,8 Prozent. Allerdings sind die Jungen häufiger von erheb- lichem Übergewicht betroffen als die Mädchen (Quote bei den Mädchen: 4 Prozent, bei den Jungen: 4,6 Prozent). Die Quote an Kindern mit Übergewicht und Adipo- sitas liegt beim Einschulungsjahrgang Köln 2015 mit 11,3 Prozent leicht über dem Landesmittelwert 2015 65 (10,9 Prozent). Übergewicht und Erstsprache Im Gesundheitsbericht 2009 und 2013 wurde bereits erwähnt, dass bei Kindern mit Migrationshintergrund Übergewicht und Adipositas überproportional häufig auftreten. Im Jahrgang 2017 zeigt sich die gleiche Ten- denz wie in den Vorjahren. Während bei den Kindern mit deutscher Erstsprache der Anteil an Kindern mit Gewichtsproblemen mit 7 Prozent den Richtwert von 10 Prozent (siehe oben) sogar unterschreitet, liegt bei Kindern mit einer anderen Erstsprache der Wert mit 14 Prozent weit über dem Richtwert. Übergewicht und Sozialstatus Gemäß der „KIGGS“-Studie auf Bundesebene 66 sind Kinder mit niedrigem Sozialstatus überproportional häufig von erheblichem Übergewicht betroffen. Dies bestätigt sich für Köln – ebenso wie in den vergangenen Jahren – auch beim Einschulungsjahrgang 2017 (siehe Abbildung 16). Stadtteilbezogene Auswertung Beim Jahrgang Köln 2017 variiert die stadtteilbezogene Quote übergewichtiger Kinder von 2,1 Prozent bis 23,8 Prozent. Bereits in den Gesundheitsberichten 2009 und 2013 zeigten sich stadtteilbezogene Unterschiede bei der Quote übergewichtiger Kinder in der Schuleingangs- untersuchung 67 . Bei der aktuellen Auswertung (siehe Abbildung 17) werden die drei Einschulungsjahrgänge 2015 bis 2017 zusammengefasst, um insbesondere bei den „kleinen“ Stadtteilen mit wenig untersuchten Kindern das Risiko zufallsbedingter Schwankungen zu reduzieren. 65 Land NRW, Einschulungsjahrgang 2015, n=140.197. 66 In der bundesweiten „KIGGS“-Studie des Robert Koch-Instituts zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen aus dem Untersuchungszeitraum 2003 bis 2006 sowie in der KiGGS-Stu- die Welle 2 aus dem Untersuchungszeitraum 2014 bis 2017 ließen sich Zusammenhänge zwischen Sozialstatus und erhöhtem Gewicht feststellen, Quellen: Kurth, B.-M., Schaffrath Rosario, A., Die Verbreitung von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. In: Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforsch – Gesundheitsschutz 2007 50: 736 – 743; Schienkiewitz A, Brettschneider A-K, Damerow S, Schaffrath Rosario A, in Robert Koch-Institut (Hrsg) “KiGGS Welle 2: Ergebnisse im Journal of Health Monito - ring”, Gesamtausgabe 1/2018, „Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter in Deutschland – Querschnittergebnisse aus KiGGS Welle 2 und Trends“: 18, https://www. kiggs-studie.de/ergebnisse/kiggs-welle-2/johm.html, abgerufen am 23.03.2018 67 Siehe Stadt Köln „Kindergesundheit im Vorschulalter“, Gesundheitsbericht 2009, „Kinder- und Jugendgesundheit in Köln, Bericht 2013“: 20 Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 41 Bei der Zusammenfassung der drei obengenannten Jahr- gänge liegt die Zahl der Kinder in dem Stadtteil Libur bei 28, in den Stadtteilen Elsdorf, Fühlingen, Hahnwald und Immendorf zwischen 35 und 50, in allen anderen Stadt- teilen über 50 68 (siehe Seite 42, Abbildung 17). 4.2.4 Entwicklungsstand Bei der Schuleingangsuntersuchung werden unter anderem der kognitive sowie der sozio-emotionale Ent- wicklungsstand erhoben, um festzustellen, ob bei dem Kind gesundheits- und schulrelevante Beeinträchtigun- gen und Risiken vorliegen. Auffälligkeiten oder Störun- gen in der Entwicklung der Sprache, Wahrnehmung, Motorik und im Verhalten haben in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Häufig treten sie in Kombination auf. Sie stellen eine erhebli- che Beeinträchtigung für den weiteren schulischen und beruflichen Lebensweg dar. Auch in Köln zeigte sich in den vergangenen Jahren ein hoher Anteil an Kindern, die zumindest in Teil- 68 Bezieht sich auf die absolute Zahl der in den Schuleingangsuntersuchungen 2015 bis 2017 vorgestellten Kinder im Stadtteil bereichen Auffälligkeiten aufwiesen 69 . Wie eingangs unter 4.1 erwähnt, wurden die mit SOPESS, „Sozial- pädiatrisches Entwicklungsscreening für Schulein- gangsuntersuchungen“, erfassten Ergebnisse bei dem Jahrgang 2012 erstmalig differenziert ausgewertet. Die Erhebung des Entwicklungsstandes basiert auf den Kriterien der Systematik von Entwicklungsstö- rungen nach „ICD 10 70 “, der gängigen Klassifikation von Krankheiten in Deutschland. Dabei werden Ent- wicklungsstörungen in den Teilbereichen Sprechen und Sprache, schulrelevante Fähigkeiten und moto- rische Fähigkeiten besonders berücksichtigt (siehe Abbildung18). Wenn die Tests im Screening auf einen behandlungsbedürftigen Befund hinweisen, bildet dies neben sonstigen Untersuchungsergebnissen die Grundlage für den Gesamtbefund des Kinder- und Jugendärztlichen Dienstes. Die Schulärztin oder der Schularzt entscheidet auf dieser Basis, ob für das betroffene Kind – soweit noch nicht in Behandlung – eine weitere differenzialdiagnostische Abklärung 69 Siehe „Kindergesundheit im Vorschulalter“, Gesundheitsbericht 2009, Stadt Köln: 47ff, 86 70 „International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems”, internatio- nale Klassifikation der Krankheiten: „Die Internationale statistische Klassifikation der Krank- heiten und verwandter Gesundheitsprobleme, 10. Revision, German Modification (ICD-10- GM) ist die amtliche Klassifikation zur Verschlüsselung von Diagnosen in der ambulanten und stationären Versorgung in Deutschland. Seit dem 1. Januar 2018 ist die ICD-10-GM in der Version 2018 anzuwenden“ (Quelle: Deutsches Institut für Medizinische Dokumentati- on und Information, DIMDI, www.dimdi.de/static/de/index.html, abgerufen 07/2018) 0 20 40 60 80 100 niedriger Sozialstatus mittlerer Sozialstatus hoher Sozialstatus 1,7 % 5,1 % 95,4 % 87,8 %7,1 % 83,1 %9,0 % 7,9 % 2,9 % Schuleingangsuntersuchung Köln 2017 Anteil Kinder mit Übergewicht/erheblichem Übergewicht nach Sozialstatus Quelle: LZG NRW, Gesundheitsamt Stadt Köln n Kinder mit erheblichem Übergewicht n Kinder mit Übergewicht n übrige Kinder Abbildung 16: Schuleingangsuntersuchung Köln 2017, Anteil Kinder mit Übergewicht/erheblichem Übergewicht nach Sozialstatus 67 Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 42 Abbildung 17: Schuleingangsuntersuchung Köln, Jahrgänge 2015 bis 2017, stadtteilbezogene Auswertung zur Quote übergewichtiger Kinder 71 71 Anmerkung zur „Ampel“-Legende: Das Drittel der Stadtteile, in denen die Quoten an übergewichtigen Kindern am höchsten liegen, ist rot eingefärbt, das Drittel der Stadtteile, in denen die Quoten an überge- wichtigen Kindern am niedrigsten liegen, grün, das „Mittelfeld“ entsprechend gelb. Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 43 durch niedergelassene Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzten empfohlen wird. Insbesondere für diese Kinder kann die Schuleingangsuntersuchung zu einer entschei- denden Gesundheitschance werden. Denn dadurch kann eine bisher nicht behandelte Entwicklungsauffällig- keit abgeklärt und noch vor Einschulung die Therapie in die Wege geleitet werden. Die Einzeltestergebnisse wei- sen auch darauf hin, in welchen Bereichen zusätzlicher Förderbedarf bei der Einschulung notwendig sein wird, wenn es nicht gelingen sollte, die bestehenden Defizite in der Zeit bis zur Einschulung erfolgreich zu beheben. Bereiche des Entwicklungsstandes, die in der Schuleingangsuntersuchung getestet werden Sprache und Sprechen Schulrelevante Fähigkeiten Motorik Selektive Aufmerksamkeit Visuomotorik Visuelles Wahrnehmen Zahlen-/ Mengenwissen Abbildung 18: Systematik der Bereiche des Entwicklungsstan- des, die in der Schuleingangsuntersuchung getestet werden Die Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchung Köln 2017 zum Entwicklungsstand werden kurz dargestellt. Da bei Fertigstellung dieses Berichts die Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchung NRW vom Landeszentrum Gesundheit NRW bis Jahrgang 2015 vorlagen, werden bei Vergleichen die jeweiligen Ergebnisse der Schulein- gangsuntersuchungen 2015 zu Grunde gelegt. Sprache und Sprechen Beim Entwicklungsstand der Sprache 72 wird unter- schieden zwischen der Beeinträchtigung beim Verste- hen der gesprochenen Sprache (Rezeptive Sprachstö- 72 Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit, „Sozialpädiatrisches Entwicklungsscreening für Schuleingangsuntersuchungen – SOPESS, Theoretische und statistische Grundlagen zur Testkonstruktion, Normierung und Validierung“ Düsseldorf 2009: 21, 25 rung), dem aktiven sprachlichen Ausdrucksvermögen (Expressive Sprachstörung) sowie der Aussprache (Artikulation), zum Beispiel Stottern und Stammeln. Altersentsprechendes Sprach- und Sprechvermögen bildet die Grundlage für die aktive Teilnahme am Unterricht, für die Vermittlung von Lerninhalten und erleichtert den Erwerb der Schriftsprache. Getestet werden zum Beispiel grammatikalische Kenntnisse und Fähigkeiten zur Wortbildung anhand von Ein- zeltests zur „Pluralbildung“ und zur Anwendung von „Präpositionen“. Ebenso wird das phonologische Arbeitsgedächtnis anhand eines Einzeltests über- prüft, indem das Kind „Pseudowörter“ nachspricht. Pseudowörter sind Kunstwörter, denen sprachlich keine Bedeutung zugeordnet werden kann. Die Ein- zeltests „Plural“ und „Präpositionen“ wurden nur bei den Kindern mit nicht deutscher Erstsprache durch- geführt, die entsprechende Kenntnisse der deutschen Sprache aufweisen 73 . Bei 58,2 Prozent aller untersuchten Kinder im Einschu- lungsjahrgang Köln 2017 zeigt sich bezogen auf die Sprach- oder Sprechentwicklung eine altersgemäße Entwicklung ohne Auffälligkeit. 16,9 Prozent der Kinder weisen einen nicht behandlungsbedürftigen Befund und 24,9 Prozent einen auffälligen Befund auf. Gegenüber Einschulungsjahrgang Köln 2012 mit einem Anteil an Kindern mit auffälligem Befund von 20 Prozent und einen nicht behandlungsbedürftigen Befund von 10 Pro- zent hat sich die Anzahl der Befunde erhöht. Insgesamt 596 Kinder mit einem auffälligen Befund in der Einschulungsuntersuchung 2017 waren noch nicht in Behandlung. Sie erhielten eine Empfehlung zur weite- ren ärztlichen Abklärung. Der Anteil an auffälligen Befunden bezogen auf die Sprach- oder Sprechentwicklung liegt bei den Tests zu Präpositionen und Pluralbildung geringfügig über dem Landesdurchschnitt, bei dem Test mit Pseudowörtern geringfügig unter dem Landesdurchschnitt 74 . 73 Siehe Deutschkenntnisse unter 4.2, bei Kindern mit nicht deutscher Erstsprache werden in der Regel die Einzeltests „Plural“ und „Präpositionen“ nicht durchgeführt, wenn die Kinder radebrechend Deutsch sprechen oder kein Deutsch sprechen. 74 Land NRW, Jahrgang 2015, Ergebnisse Einzeltests: Kinder mit auffälligem Befund bei Test Pseudowörter 9,7 Prozent, Test Pluralbildung 10,3 Prozent, Test Präpositionen 11,9 Prozent; Köln, Jahrgang 2015: Ergebnisse Einzeltests: Kinder mit auffälligem Befund bei Test Pseu- dowörter: 7,7 Prozent, Test Pluralbildung: 12,1 Prozent, bei Test Präpositionen: 13,3 Prozent Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 44 0 20 40 60 80 100 Präpositionen Plural Pseudowörter 79,6 %8,2 % 12,2 % 73,5 %12,9 % 13,6 % 78,3 %15,2 % 6,5 % Schuleingangsuntersuchung Köln 2017 Sprache, Einzeltests, Anteil an Kindern mit Befunden Quelle: LZG NRW, Gesundheitsamt Stadt Köln n auffällig n grenzwertig n unauffällig Abbildung 19: Schuleingangsuntersuchung Köln 2017, Sprache, Einzeltests, Anteil an Kindern mit Befunden, Test Pseu- dowörter n=9.220, Test Pluralbildung n=8.642, Test Präpositionen n=8.676 Bei den Einzeltests des Jahrgangs 2017 gab es gegen- über dem Jahrgang Köln 2012 einen geringfügigen Anstieg der auffälligen Befunde bei den Einzeltests zu „Präpositionen“, „Pluralbildung“ und „Pseudowörtern“ 75 . Schulrelevante Fähigkeiten 76 Zu den schulrelevanten Fähigkeiten in den Bereichen Selektive Aufmerksamkeit, Visuomotorik, Visuelles Wahrnehmen, Zahlen- und Mengenwissen werden Einzeltests durchgeführt. Selektive Aufmerksamkeit beinhaltet die Fähigkeit, sich konzentrieren und kurzfristig die Aufmerksamkeit fokussieren zu können. Sie stellt eine Grundvorausset- zung dar, um schulische Lernprozesse und kognitive Anforderungen bewältigen zu können. Bei Visuomotorik handelt es sich um das Zusammen- spiel von visuellen Wahrnehmungskomponenten und motorischer Leistung. Dabei werden unter anderem eine ausreichende Auge-Hand-Koordination, die gra- 75 Köln, Jahrgang Köln 2012, Ergebnisse Einzeltests: Kinder mit auffälligem Befund bei Test Pseudowörter: 7 Prozent, Test Pluralbildung: 11,6 Prozent, Test Präpositionen: 14 Prozent 76 Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit, „Sozialpädiatrisches Entwicklungsscreening für Schuleingangsuntersuchungen – SOPESS, Theoretische und statistische Grundlagen zur Testkonstruktion, Normierung und Validierung“ Düsseldorf 2009: 21-26 phomotorische Leistung sowie die feinmotorische Bewegungskoordination erfasst. Diese sind erfor- derlich, um Buchstaben sowie Zahlen erkennen und schreiben zu können. Visuelles Wahrnehmen und logisches Schlussfolgern bedeuten Erkennen und Einordnen von optischen Sig- nalen, logisch schlussfolgerndes Denken sowie Erken- nen von Zusammenhängen und Regeln. Zahlen- und Mengenwissen umfasst Zahlenwissen, automatische Mengenerfassung sowie schnellen Men- genvergleich und bildet die Basis für den Rechenerwerb. Bei den Ergebnissen der Einzeltests des Jahrgangs Köln 2017 zu „Selektiver Aufmerksamkeit“, „Visuomotorik“ und „Zählen“ liegt der prozentuale Anteil der auffälligen Befunde höher als beim Jahrgang 2012 77 . 77 Köln, Jahrgang 2012: Ergebnisse Einzeltests: Kinder mit auffälligem Befund bei Test Selekti- ve Aufmerksamkeit: 7 Prozent, Test Visuomotorik 9,3, Prozent, Test visuelle Wahrnehmung 6,7 Prozent, Test Zählen 6,8 Prozent, Test Mengenvergleich 6 Prozent Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 45 0 20 40 60 80 100 Mengenvergleich Zählen Visuelle Wahrnehmung Visuomotorik Selektive Aufmerksamkeit 82,0 %7,9 % 10,1 % 75,0 %13,6 % 11,4 % 81,6 %6,6 % 11,8 % 76,2 %7,9 % 15,9 % 77,3 %6,2 % 16,5 % Schuleingangsuntersuchung Köln 2017 schulrelevante Fähigkeiten, Einzeltests, Anteil an Kindern mit Befunden Quelle: LZG NRW, Gesundheitsamt Stadt Köln n auffällig n grenzwertig n unauffällig Abbildung 20: Schuleingangsuntersuchung Köln 2017, schulrelevante Fähigkeiten, Einzeltests, Anteil an Kindern mit Befun- den, Test Selektive Aufmerksamkeit n=9.401, Test Visuomotorik n=9.408, Test Visuelle Wahrnehmung=9.382, Test Zählen n=9.404, Test Mengenvergleich n=9.317 Kinder, bei denen im Rahmen des Screenings ein auffäl- liger Befund festgestellt wird und die sich (noch) nicht in Behandlung befinden, erhalten eine Empfehlung zur weite- ren ärztlichen Abklärung. Das betrifft beim Einschulungs- jahrgang Köln 2017 in Bezug auf „Selektive Aufmerksam- keit“ 160 Kinder, in Bezug auf „Visuomotorik“ 446 Kinder, in Bezug auf „Visuelles Wahrnehmen“ 214 Kinder, in Bezug auf „Zahlen- und Mengenwissen“ 138 Kinder. Der Anteil an auffälligen Befunden bezogen auf die schul- relevanten Fähigkeiten liegt im Einschulungsjahrgang Köln 2015 in den Einzeltests mit Ausnahme des Tests „Visuo- motorik“ geringfügig unter dem Landesdurchschnitt 78 . Körperkoordination Zu der Körperkoordination 79 gehören die Grobmotorik und der Gleichgewichtssinn. Ergebnisse unterschied- 78 Land NRW, Jahrgang 2015, Ergebnisse Einzeltests, Kinder mit auffälligen Befunden: Test Selektive Aufmerksamkeit 7,9 Prozent, Test Visuomotorik 11,5 Prozent, Test Visuelle Wahr- nehmung 7,9 Prozent, Test Zählen 8,3 Prozent, Test Mengenvergleich 7,8 Prozent; Köln, Jahrgang 2015, Einzeltests, Kinder mit auffälligen Befunden: Test Selektive Aufmerk- samkeit 7 Prozent, Test Visuomotorik 10 Prozent, Test Visuelle Wahrnehmung 5,9 Prozent, Test Zählen 7,2 Prozent, Test Mengenvergleich 6,2 Prozent 79 Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit, „Sozialpädiatrisches Entwicklungsscreening für Schuleingangsuntersuchungen – SOPESS, Theoretische und statistische Grundlagen zur Testkonstruktion, Normierung und Validierung“ Düsseldorf 2009: 21, 28 licher Studien weisen auf Zusammenhänge zwischen der Körperkoordination und anderen Entwicklungs- bereichen hin. Motorisch geschickte Kinder genießen häufig ein hohes soziales Ansehen bei Gleichaltrigen. Möglicherweise gibt es auch einen Zusammenhang zwischen kognitiven und guten motorischen Leis- tungen im Vorschulalter, dies zeigte sich anhand von Ergebnissen diverser Studien. Motorische Leistungs- fähigkeit und Bewegung dienen darüber hinaus der Prävention – beispielsweise von Herz-Kreislaufer- krankungen und Adipositas – sowie der generellen Gesundheitsförderung. Der Anteil der auffälligen Befunde ist gegenüber dem Jahrgang Köln 2012 (7,9 Prozent) gleichgeblieben. Insgesamt 158 Kinder mit einem auffälligen Befund waren noch nicht in Behandlung. Sie erhielten eine Em - pfehlung zur weiteren ärztlichen Abklärung. Der Anteil an auffälligen Befunden des Kölner Einschu- lungsjahrgangs 2015 bezogen auf die „Körperkoordina- tion“ unterschreitet insgesamt gesehen mit 7,4 Prozent den Landesdurchschnitt (9,1 Prozent). Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 46 0 20 40 60 80 100 Körperkoordination 74,6 %7,9 % 17,5 % Schuleingangsuntersuchung Köln 2017 – Körperkoordination, Einzeltests, Anteil an Kindern mit Befunden Quelle: LZG NRW, Gesundheitsamt Stadt Köln n auffällig n grenzwertig n unauffällig Abbildung 21: Schuleingangsuntersuchung Köln 2017, Körperkoordination, Einzeltest, Anteil an Kindern mit Befunden, n=9.198 0 20 40 60 80 100 niedriger Sozialstatus mittlerer Sozialstatus hoher Sozialstatus 80,9 %19,1 % 70,4 %29,6 % 51,9 %48,1 % Schuleingangsuntersuchung Köln 2017 – Angaben zum Entwicklungsstand, Anteil Kinder mit auffälligem Punktwert bei mindestens einem Test zum Entwicklungsstand, nach Sozialstatus Quelle: LZG NRW, Gesundheitsamt Stadt Köln n Anteil Kinder mit auffälligem Punktwert bei mindestens einem Test zum Entwicklungs- stand n übrige Kinder Abbildung 22: Schuleingangsuntersuchung Köln 2017, Angaben zum Entwicklungsstand, Anteil an Kindern mit auffälligem Punktwert bei mindestens einem Test zum Entwicklungsstand nach Sozialstatus 83 , n=6.110 Angaben zum Entwicklungsstand – Gesamtauswer- tung von Einzeltests Bei der Gesamtauswertung „Angaben zum Entwick- lungsstand“ werden die Ergebnisse der Untertests „Selektive Aufmerksamkeit“, „Zählen“, „Zahlen- und Mengenwissen“, „Visuomotorik“, „Visuelles Wahrneh- men“, „Pseudowörter nachsprechen“, „Körperkoordina- tion“ einbezogen. Bezogen auf die Einschulungsunter- suchung 2017 haben 30,3 Prozent der Kinder einen auf- fälligen Punktwert bei mindestens einem der Untertests zum Entwicklungsstand, davon 26 Prozent der Mädchen und 34,5 Prozent der Jungen. Diese tendenziellen Unter- schiede zwischen Jungen und Mädchen stellen eine generelle Tendenz dar und zeigten sich bisher sowohl im Gesundheitsbericht 2009 und 2013 80 als auch beim Durchschnittswert auf Landesebene 81 . 80 Siehe Stadt Köln „Kindergesundheit im Vorschulalter“, Gesundheitsbericht 2009: 49, Stadt Köln, „Kinder- und Jugendgesundheit in Köln, Bericht 2013“: 22 ff. 81 Land NRW, Jahrgang 2015, Angaben zum Entwicklungsstand, Anteil an Kindern mit auf- fälligem Punktwert bei mindestens einem Wert zum Entwicklungsstand: Mädchen: 26,6 Der Anteil an Kindern der Kölner Einschulungsunter- suchung 2015 mit einem auffälligen Punktwert bei mindestens einem der Untertests zum Entwicklungs- stand beträgt 27 Prozent und unterschreitet den Durch- schnittswert auf Landesebene von 31,5 Prozent um 4,5 Prozentpunkte. Angaben zum Entwicklungsstand und Sozialstatus Wie bereits im Kölner Bericht „Kinder- und Jugendge- sundheit 2013“ und in der bundesweiten KIGGS-Studie bestätigt sich auch hier, dass Kinder mit niedrigem Sozi- alstatus einen überproportionalen Anteil an auffälligen Befunden zum Entwicklungsstand aufweisen 82 . Prozent, Jungen: 36,1 Prozent 82 Vgl. Stadt Köln, „Kinder- und Jugendgesundheit in Köln, Bericht 2013“: 26 Lampert Th, Hrsg. RKI, „KIGGS – die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutsch - land – 2013“: 15 Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 47 Abbildung 23: Schuleingangsuntersuchung Köln, Jahrgänge 2015/2016/2017, stadtteilbezogene Aus- wertung zur Quote von Kindern mit einem auffälligen Punktwert bei den Tests zum Entwicklungsstand 83 83 Anmerkung zur „Ampel“-Legende: Das Drittel der Stadtteile, in denen die Quoten an Kindern mit einem auffälligen Punktwert bei den Tests zum Entwicklungsstand am höchsten liegen, ist rot ein- gefärbt, das Drittel der Stadtteile, in denen die Quoten an Kindern mit einem auffälligen Punktwert bei den Tests zum Entwicklungsstand am niedrigsten liegen, grün, das „Mittelfeld“ entsprechend gelb Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 48 Stadtteilbezogene Auswertung zu Angaben zum Ent- wicklungsstand Anhand der Stadtkarte wird deutlich, dass es bei den Angaben zum Entwicklungsstand stadtteilbezogene Unterschiede gibt. Bei der aktuellen Auswertung (sie- he Abbildung 23) werden die Einschulungsjahrgänge 2015/2016/2017 zusammengefasst, um insbesondere bei den „kleinen“ Stadtteilen mit wenig untersuchten Kindern das Risiko zufallsbedingter Schwankungen zu reduzieren. Die stadtteilbezogene Quote von Kindern mit einem auf- fälligen Punktwert bei den Tests zum Entwicklungsstand variiert von 9,2 Prozent bis 51,9 Prozent. Bei der Zusam- menfassung der oben genannten Jahrgänge liegt die Anzahl der Kinder im Stadtteil Libur bei 27, in den Stadttei- len Elsdorf, Fühlingen, Godorf, Hahnwald und Immendorf zwischen 35 und 49, in allen anderen Stadtteilen über 50 84 . 4.3 Fallbeispiele Schuleingangsuntersuchung beim Kinder- und Jugendärztlichen Dienst Köln Amelie, 6 Jahre alt Amelie wird in der Schuleingangsuntersuchung vorgestellt. Bei der Überprüfung des Hörvermögens äußert sich der Hinweis auf eine beidseitige Hörstörung. Eine Nachfrage bei den Eltern ergibt, dass das Mädchen bereits mehrfach an Mittelohrentzündungen erkrankt sei. Der Untersuchungsbe- fund bestätigt die Anamnese. Hinter beiden Trommelfellen ist ein Erguss zu sehen. Folge: Empfehlung zur zeitnahen Hals-Nasen-Ohren(HNO)-ärztli- chen Vorstellung Rückmeldung 85 : Bestätigung der Diagnose: Paukenergüsse beidseits, Anlage von Paukenröhrchen zur Drainage der Ergüsse und Wieder- herstellung des Hörvermögens. Kontrollen im Verlauf sind durch den HNO-Arzt vereinbart. Kurzfristiger Effekt: Notwendige Diagnostik/Behandlung des Hörvermögens bei HNO-Ärztin/Arzt wird erkannt und eingeleitet. Langfristiger Effekt: Wiederherstellung/Stabilisierung eines ausreichenden Hör- vermögens und damit einhergehend verbesserte Chancen der Teilhabe, u.a. der Bewältigung der Lernanforderungen und des Kommunikationsvermögens. 84 Bezieht sich auf die absolute Zahl der in den Schuleingangsuntersuchungen 2015 bis 2017 vorgestellten Kinder mit Untersuchungsheft im Stadtteil 85 In Einverständnis mit den Eltern telefonischen Austausch zwischen Kinder- und Jugendärzt- lichem Dienst und fachärztlicher Praxis Anna, 5 Jahre alt Anna wird in der Schuleingangsuntersuchung vorgestellt. Ihr äußeres Erscheinungsbild lässt auf eine Übergewichts- problematik schließen. Die grobmotorische Entwicklung ist auffällig. Die Eltern berichten, dass das Mädchen sich kaum körperlich betätige, einen sehr gesunden Appetit habe und gern Süßigkeiten zu sich nehme. Der Zahnstatus ist deutlich kariös und höchst sanierungsbedürftig. Diagnose auf Basis der Untersuchungsergebnisse (Größe, Gewicht, Blutdruck): Adipositas pemagna (starke Fettleibigkeit), Karies Folge: Kinder- und jugendärztliche Anbindung, Ernährungsbera- tung und Weiterleitung an andere Fachdisziplinen, zahnärztliche Behandlung Rückmeldung 86 : Feste Anbindung an eine kinder- und jugendärztliche Praxis mit Ernährungsberatung, zahnärztliche Behandlung wird durchgeführt. Kurzfristiger Effekt: Notwendige Diagnostik/Behandlung wird eingeleitet. Langfristiger Effekt: Behandlung der Karies durch Zahnsanierung; Behandlung der Adipositas: Verbesserte Ausgangssituation für eine ausgewogene Ernährung und eine gezielte Gewichts- kontrolle, dadurch gegebenenfalls mehr Beweglichkeit, Stärkung der sozialen Akzeptanz bei Gleichaltrigen, Stärkung des Selbstwertgefühls, ein besserer allgemeiner Gesundheits- zustand und die Prävention weiterer Erkrankungen. 4.4 Fazit und Empfehlungen Schuleingangsuntersuchungen Köln 2017: Situation der Vorschulkinder, die in der Schulein- gangsuntersuchung vorgestellt werden − Der Anteil an Kindern mit einer anderen Erstsprache als Deutsch ist seit 2012 leicht zurückgegangen. − Bei den Kindern mit einer anderen Erstsprache als Deutsch ist der Anteil an Kindern mit ausreichenden Deutschkenntnissen geringfügig gesunken. − Von den Kindern mit einer anderen Erstsprache als Deutsch hat sich der Anteil der Kinder, die kein Deutsch sprechen, verdoppelt. Kinder sollten bei der Einschulung über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen, um ihre Bildungschancen 86 siehe vorherige Fußnote Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 49 wahrnehmen zu können. Auch vor dem Hintergrund, dass in den vergangenen Jahren viele Familien neu zuge- wandert sind, deren Kinder teilweise noch nicht ausrei- chende Deutschkenntnisse bis zur Einschulung(-sunter- suchung) erwerben konnten, bestätigt sich ein steigen- der Sprachförderbedarf – sowohl in den Kindertagesein- richtungen als auch im Grundschulbereich. Impfschutz (bezogen auf vorgelegte Impfpässe) − Bei Masern, Mumps, Röteln konnte die Durchimp- fungsrate seit Einschulungsjahrgang 2012 nochmals geringfügig um etwa zwei Prozentpunkte auf über 94 Prozent erhöht werden. Die Vorgaben im „Nationalen Aktionsplan 2015 – 2020 zur Elimination der Masern und Röteln in Deutschland“ sind damit allerdings noch nicht erreicht. − Die Durchimpfungsraten bei Hib und Polio sind mit geringen Schwankungen gegenüber Schuleingangs- untersuchung 2012 etwa gleichgeblieben, bei Teta- nus, Diphtherie, Pertussis sind sie um mehr als drei Prozentpunkte gesunken. − Bezogen auf Hepatitis B, Varizellen und Pneumokok- ken hat sich der Durchimpfungsgrad gegen über Jahr- gang 2012 deutlich verbessert, bei Meningokokken ist er leicht gestiegen. Es ist weiterhin anzustreben, den Durchimpfungsgrad gemäß den Empfehlungen der Ständigen Impfkommis- sion zu verbessern. Mit Impfaufklärung und gegebenen- falls bedarfsgerechten Impfangeboten, beispielsweise im Setting Berufsschule, aber auch in Wohnheimen für Geflüchtete vor Ort und bei den Untersuchungen der sei- teneinsteigenden Kinder wird dieses Ziel weiterverfolgt. In städtischen Unterkünften für Geflüchtete werden bei Bedarf durch den Kinder- und Jugendärztlichen Dienst – bis Herbst 2017 auch mit Unterstützung von nieder- gelassenen Kinderärztinnen und -ärzten – eine Vielzahl regelmäßiger Impfsprechstunden angeboten. Bei Bedarf werden Riegelungsimpfungen 87 durchgeführt. Teilnahme an Früherkennungsuntersuchungen (bezogen auf die vorgelegten Untersuchungshefte) − Die Teilnahmequoten an den Früherkennungsunter- suchungen U5 bis U9 konnten auf hohem Niveau über 90 Prozent gehalten werden, die Teilnahmequoten der U6 bis U9 haben sich sogar gegenüber dem Einschu- lungsjahrgang 2012 verbessert. 87 Riegelungsimpfungen werden örtlich begrenzt nach dem Ausbruch einer Erkrankung durchgeführt und dienen dem Gesundheitsschutz der Bevölkerung (siehe Robert Koch Ins- titut https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2001/Ausgabenlinks/29_01. pdf?__blob=publicationFile , abgerufen am 30.03.2018, und Infektionsschutzgesetz, IfSG) − Die Teilnahmequote an der Früherkennungsuntersu- chung U7a hat sich in den vergangenen Jahren erheb- lich auf über 90 Prozent erhöht. − Bei Kindern mit deutscher Erstsprache liegt wie in den Vorjahren die Teilnahmequote an der U8 höher als bei Kindern mit anderer Erstsprache. − Die U8-Teilnahmequote ist bei Kindern mit niedrigem Sozialstatus leicht unterdurchschnittlich. Weiterhin sollte darauf hingewirkt werden, dass alle Kinder bei der Früherkennungsuntersuchung vorgestellt werden, beispielsweise mit gezielten Erinnerungs- und Informations- maßnahmen. Die frühzeitige Einbindung in den regelmäßi- gen Turnus der Untersuchungen stellt insbesondere bei den geflüchteten Familien eine besondere Herausforderung dar. Gewicht − Der Anteil untergewichtiger Kinder unterliegt jährli- chen Schwankungen, er ist zwar tendenziell gegenüber Einschulungsjahrgang 2012 angestiegen, liegt beim Einschulungsjahrgang 2017 aber immer noch unter dem Referenzwert 88 von 10 Prozent. Am häufigsten tritt Untergewichtigkeit bei Kindern aus Familien mit hohem Sozialstatus auf. − Wie auch in den Vorjahren zeigt sich im Einschulungs- jahrgang 2017 das Problem übergewichtiger und adipöser Kinder. Die Situation in Köln hat sich in den letzten vier Jahren tendenziell verbessert, der Anteil an übergewichtigen Kindern ist leicht zurückgegangen. Dies kann jedoch nicht als Entschärfung der generellen Problematik betrachtet werden, zumal die Quote der Kinder mit erheblichem Übergewicht, Adipositas, wie in den vergangenen Jahren über dem Referenz wert liegt. − Übergewicht/erhebliches Übergewicht tritt – nach wie vor – besonders häufig auf: − bei Kindern mit einer anderen Erstsprache als die deutsche Sprache, − bei Kindern aus Familien mit niedrigem Sozialstatus. Mit dem Item „Körpergewicht“ wird nur ein Teilbereich unausgewogener Ernährung erfasst, viele weitere Formen der Fehl- und Mangelernährung werden dadurch nicht abgebildet. Daher kann der Anteil an Kindern, die Über (- oder Unter)gewicht aufweisen, nur als „Spitze des Eisber- ges“ betrachtet werden, hinter dem sich eine hohe Dunkel- ziffer von weiteren Kindern mit Ernährungsproblemen und mangelnder Bewegung vermuten lässt. 88 Referenzwerte nach Empfehlung der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (2001). Grundlage des hier verwendeten Modells von Kromeyer-Hausschild (und andere, 2001) ist eine Erhebung bei Kindern in Deutschland, die in den Jahren 1985 bis 1999 untersucht wurden. Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 50 Entwicklungsstand Bei Untersuchungen zum Entwicklungsstand zeigen die Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchung Köln 2017 eine leichte Erhöhung der Befunde gegenüber der Schuleingangsuntersuchung Köln 2012 auf. Diese Abweichungen bewegen sich im Rahmen der jährlichen Schwankungen, sie sollten dennoch beobachtet werden, falls sich hier der Beginn eines Trend abzeichnen sollte. − Wie in den vergangen Jahren treten auffällige Befunde in den getesteten Bereichen des Entwicklungsstandes häufiger auf: − bei Jungen, Entwicklungsrückstände in einzelnen Teilbereichen schulrelevanter Fähigkeiten können unter anderem auch Ausdruck einer oft nur vorüber- gehenden Reifeverzögerung zelebraler 89 Funktionen sein. Die Spanne der Entwicklung zwischen den Geschlechtern kann gerade im Einschulungsalter sehr differieren. Daher können sich bei Jungen häu- figer durch Entwicklungsverzögerungen bedingte Befunde im Screening ergeben. − bei Kindern aus Familien mit niedrigem Sozialstatus. − Wie auch bei der Schuleingangsuntersuchung Köln 2012 befindet sich beim Einschulungsjahrgang 2017 eine nicht unerhebliche Anzahl an Kindern, die einen abklärungsbedürftigen Befund aufweisen, (noch) nicht in Behandlung. Sie erhalten eine entsprechende Emp- fehlung zur weiteren ärztlichen Abklärung und bekom- men dadurch die Chance einer gezielten Förderung – noch vor Schulbeginn. Auch im „Gesundheitscheck für Vierjährige“, einer weiteren Untersuchung des Kin- der- und Jugendärztlichen Dienstes zeigt sich, dass eine nicht unerhebliche Anzahl an Kindern mit abklärungs- bedürftigem Befund (noch) nicht in Behandlung ist. Auf Basis des Vierjährigen-Screenings wird bei betrof- fenen Kindern frühzeitig eine Abklärung des Befundes eingeleitet, und somit kann eine Förderung bereits vor der regulären Schuleingangsuntersuchung erfolgen. − Der Anteil an Kindern der Kölner Einschulungsuntersu- chung 2015 mit einem auffälligen Punktwert bei min - destens einem der Untertests zum Entwicklungsstand liegt unter dem Durchschnittswert auf Landesebene. Ansatzpunkte bei Prävention bezogen auf Entwick- lungsstand und Ernährung Das Gesundheitsamt bietet Multiplikatorinnen/Multipli- katoren-Schulungen in Kindertagesstätten und Schulen zu ausgewogener und bedarfsgerechter Ernährung für Säuglinge, Kleinkinder, Kinder und Jugendliche an. Ein 89 Zerebral: das Großhirn betreffend hoher Unterstützungsbedarf zeigt sich darüber hinaus bei geflüchteten Familien in den Gemeinschaftsunter- künften. Dem wird durch Beratungen vor Ort und durch zusätzlichen Multiplikatorinnen/Multiplikatoren-Schu- lungen Rechnung getragen (siehe hierzu unter Kapitel 2, Frühe Hilfen im Gesundheitsamt). Vor allem Kinder mit niedrigem sozialen Status finden nicht immer die Voraussetzungen in ihrem familiä- ren Umfeld vor, die sie für eine gesunde Entwicklung benötigen. Die Ergebnisse weisen auf die Bedeutung von Setting-bezogenen Angeboten der Gesundheits- förderung in Kindertagesstätten und Schulen hin, die Kinder sozialkompensatorisch unterstützen können. Hier ergeben sich Ansätze für die Nutzung der Möglich- keiten des Präventionsgesetzes, unter anderem in Bezug auf umfassende und kontinuierliche Maßnahmen der Prävention im Bereich Ernährung, Bewegung und Frei- zeitgestaltung. Die Eltern sollten dabei frühzeitig einbe- zogen werden. Die Maßnahmen sollten dort intensiviert für Kinder und Jugendliche angeboten werden, wo sich der höchste Bedarf abzeichnet. Eine wichtige Rolle spielt zunehmend das Thema „Digi- tale Medienkompetenz“. Ergebnisse der „BLIKK Studie 2017 90 “, die von der Drogenbeauftragten der Bundes- regierung am 29. Mai 2017 vorgestellt wurde, belegen, dass Risiken durch den massiven Konsum digitaler Medi- en auftreten können. Laut der oben erwähnten Studie benutzt der überwiegende Anteil der Kinder im Kita-Al- ter das Smartphone ihrer Eltern mehr als eine halbe Stunde täglich. Es wurde ein Zusammenhang zwischen einer intensiven Mediennutzung und der Entwicklungs- störungen der Kinder nachgewiesen. Bezogen auf die Altersgruppe der Kinder bis zum 6. Lebensjahr finden sich vermehrt Sprachentwicklungsstörungen sowie motorische Hyperaktivität bei denjenigen, die inten- siv digitale Medien nutzen. Darüber hinaus nimmt die Anzahl an Jugendlichen, die kritischen und suchtartigen Internetkonsum aufweisen, zu. Dies zeigt, dass Kinder bei der Entwicklung eigener Medienkompetenz Unter- stützung benötigen und Eltern entsprechend in die Lage versetzt werden sollten, ihre Kinder zu begleiten. 90 Siehe Drogenbeauftragte der Bundesregierung, http://www.drogenbeauftragte.de/ presse/pressekontakt-und-mitteilungen/2017/2017-2-quartal/ergebnisse-der-blikk-stu- die-2017-vorgestellt.html, abgerufen am 21.06.2017 Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 51 5 Gesundheit der zugewanderten Kinder bei Schuleintritt – Angebot Seiteneinsteigeruntersuchung 5.1 Aufgabe und Ziele Für alle Kinder und Jugendlichen, die ihren Wohnsitz oder ihren gewöhnlichen Aufenthalt in Nordrhein-West- falen haben, besteht Schulpflicht. Neu zuwandernde Kinder und Jugendliche werden als sogenannte „Seiten- einsteigende“ beschult. Dazu gehören: − Kinder und Jugendliche aus EU-Mitgliedstaaten und Nicht-EU-Mitgliedstaaten − mit Familie eingereiste minderjährige Geflüchtete − Unbegleitete minderjährige Geflüchtete. Für Kinder von Asylbewerberinnen und Asylbewer- bern sowie für unbegleitete minderjährige Kinder und Jugendliche, die einen Asylantrag gestellt haben, gilt die Schulpflicht, sobald sie einer Gemeinde zugewie- sen sind. Laut Erlass des Ministeriums für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nord- rhein-Westfalen vom 16. Mai 2013 ist die schulärztliche Untersuchung von „seiteneinsteigenden“ Kindern und Jugendlichen als pflichtige Selbstverwaltungsaufga- be im Rahmen des Gesetzes über den öffentlichen Gesundheitsdienst bei allen schulpflichtigen Kindern und Jugendlichen, die aus dem Ausland nach Nord- rhein-Westfalen einreisen, durchzuführen. Die neu zugewanderten Kinder, die sich im Alter kurz vor der Schulpflicht befinden und eine Einschulung in die erste Klasse erhalten, durchlaufen die „reguläre“ Schuleingangs- untersuchung. Alle übrigen erhalten eine „Seiteneinstei- geruntersuchung“. Hier stehen ebenso wie bei der Schu- leingangsuntersuchung schulärztliche Inhalte im Fokus. So werden bei allen „seiteneinsteigenden“ Kindern und Jugendlichen folgende Untersuchungen durchgeführt: − Sehtest − Hörtest − Beurteilung von Größe, Gewicht und Allgemeinzu- stand, Messung des Blutdrucks − orientierende körperliche Untersuchung der Lunge, der Haut, des Halteapparats und der Mundhöhle (ggf. Einbindung des zahnärztlichen Dienstes) − Abklärung schulrelevanter chronischer Erkrankungen − orientierende Einschätzung der Entwicklung − orientierende Beurteilung der seelischen Gesundheit: Erfassung von Hinweisen auf psychische Belastungen und psychische Erkrankungen − Prüfung des Impfstatus und Impfberatung. So unterschiedlich die Motive der Zuwanderung sind, so unterschiedlich ist auch die gesundheitliche Lage der zuwandernden Kinder und Jugendlichen. Die kon- krete Lebenssituation im Heimatland, der Weg nach Deutschland und die Lebenssituation in Deutschland sind bedeutsam für die Gesundheit von zugewanderten Kindern und Jugendlichen – ebenso der jeweilige sozio- kulturelle Hintergrund, da dieser sich auf das Gesund- heitsbewusstsein sowie das Verständnis von Gesundheit und Krankheit auswirken kann. Bei allen Kindern und Jugendlichen, die in schwierigen Lebenszusammenhängen aufwachsen, kommt den schul- ärztlichen Empfehlungen und Maßnahmen eine besondere Bedeutung zu. Ziel sollte es sein, dass „seiteneinsteigende“ Kinder und Jugendliche im Regelsystem ärztlich versorgt werden. Für Familien, die aus dem Ausland einreisen, kann es schwierig sein, sich im deutschen Gesundheits- und Hilfesystem zurechtzufinden. Hier kann der Kinder- und Jugendärztliche Dienst eine Lotsenfunktion übernehmen. Insbesondere bei Geflüchteten werden die Umstände der Einreise und etwaige Belastungen oder traumatisierende Erlebnisse durch Flucht oder Vertreibung berücksichtigt. Die Lebensumstände und die bisherige Beschulung im Hei- matland werden nach Möglichkeit geklärt 91 . 5.2 Aktueller Stand Bei der Seiteneinsteigeruntersuchung in Köln wurden von 2012 bis zum 2017 soziodemografische Daten erfasst und ausgewertet. Aufgrund steigender Zuwanderung von Familien sowie von alleinreisenden Kindern und Jugendlichen hat sich von 2012 bis 2016 die jährliche Anzahl der Seitenein- steigeruntersuchungen für allgemeinbildende Schulen in Köln stetig erhöht. Im Jahr 2017 gibt es wieder einen rückläufigen Trend (siehe Abbildung 24). Des Weiteren werden ältere Schülerinnen und Schüler, die als Seiteneinsteigende Förderklassen am Berufskolleg besuchen, dem Kinder- und Jugendärztlichen Dienst vor- gestellt. Bei Betrachtung des Zeitraums seit 2014 zeigt sich auch hier eine Zunahme der Anzahl untersuchter Schülerinnen und Schüler bis 2016. Da 2017 in den allge- meinbildenden Schulen ein Rückgang der Seiteneinstei- geruntersuchungen zu verzeichnen war, konnte die 91 Quelle: Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 52 Vorwort 0 500 1000 1500 2000 2500 3000 3500 647 2012 2013 2014 2015 2016 2017 1.002 1.171 1.777 3.057 1.099 Seiteneinsteigeruntersuchung Köln, Anzahl Untersuchungen von 2012 bis 2017 Quelle: Gesundheitsamt Stadt Köln Abbildung 24: Seiteneinsteigeruntersuchung Köln, Anzahl untersuchter Kinder im Vergleich 2012 bis 2017, allgemeinbildende Schulen Intensität der Untersuchungen an den Förderklassen Berufskolleg verstärkt und Schülerinnen und Schüler erreicht werden, denen 2016 aus unterschiedlichsten Gründen die Untersuchung nicht angeboten werden konnte. Daher ist bei der Anzahl der Seiteneinsteigerun- tersuchungen dieser Klassen ein Anstieg zu beobachten (siehe Abbildung 25). 0 50 100 150 200 250 300 350 400 2017201620152014 118 251 305 364 Seiteneinsteigeruntersuchungen in Förderklassen Berufskolleg Köln Anzahl Untersuchungen von 2014 bis 2017 Quelle: Gesundheitsamt Stadt Köln Abbildung 25: Untersuchungen Förderklassen Berufskolleg Köln, Anzahl untersuchter Schülerinnen und Schüler im Ver- gleich 2014 bis 2017 Geschlecht und Altersstruktur bei den Seiteneinsteige- runtersuchungen an allgemeinbildenden Schulen Bei den Seiteneinsteigeruntersuchungen an allgemein- bildenden Schulen liegt im Zeitraum 2012 bis 2016 der Anteil an Jungen zwischen 53 Prozent (2012) und 57 Prozent (2016) und damit leicht über dem der Mäd- chen (siehe Abbildung 26). 0 % 20 % 40 % 60 % 80 % 100 % 20162015201420132012 Seiteneinsteigeruntersuchung Köln, Anteil an Mädchen und Jungen vom 2012 bis 2016 Quelle: Gesundheitsamt Stadt Köln n weiblich n männlich Abbildung 26: Seiteneinsteigeruntersuchung Köln, Geschlecht untersuchter Kinder und Jugendlicher im Zeitraum 2012 bis 2016, allgemeinbildende Schulen (2012: n=643, 2013: n=999, 2014: n=1.171, 2015: n=1.777, 2016: n=3.052) Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 53 Etwa der Hälfte der untersuchten Kinder und Jugendli- chen befindet sich in der Altersgruppe von 11 bis 16 Jah - ren. Der Anteil der Kinder unter 11 Jahren liegt bei etwa 45 Prozent. Der restliche Anteil entfällt auf die Schüle- rinnen und Schüler, die über 16 Jahre alt sind. (Hierbei sei erwähnt, dass ältere Schülerinnen und Schüler der Förderklassen des Berufskollegs in diese Altersstatistik nicht einbezogen sind.) 0 500 1000 1500 2000 2500 3000 3500 20162015201420132012 81 (12,6 %) 315 (48,9 %) 248 (38,0 %) 116 (11,6 %) 475 (47,4 %) 411 (41,0 %) 100 (8,5 %) 571 (48,8 %) 500 (42,7 %) 29 (1,6 %) 946 (53,2 %) 802 (45,1 %) 103 (3,4 %) 1.510 (49,5 %) 1.438 (47,1 %) Seiteneinsteigeruntersuchung Köln, Altersstruktur von 2012 bis 2016 Quelle: Gesundheitsamt Stadt Köln n > 16 Jahre n 11 bis 16 Jahre n bis 10 Jahre Abbildung 27: Seiteneinsteigeruntersuchung Köln, Altersstruktur untersuchter Kinder und Jugendlicher im Zeitraum 2012 bis 2016, allgemeinbildende Schulen (2012: n=644, 2013: n=1002, 2014: n=1.171, 2015: n=1.777, 2016: n=3.051) Herkunftsländer bei den Seiteneinsteigeruntersuchun- gen an allgemeinbildenden Schulen Die Auswertung der Herkunftsländer der Kinder und Jugendlichen, die bei der Seiteneinsteigeruntersuchung vorgestellt werden, liegt für den Zeitraum 2012 bis 2017 vor. Sie basiert 2012, 2013, 2014, 2016 und 2017 auf Angaben zur Staatsangehörigkeit, 2015 auf Nachfragen zum Herkunftsland. 2017 wurden zusätzlich Angaben von Jugendlichen aus den Förderklassen Berufskolleg einbezogen. Syrien und Irak erweisen sich in den vergangenen drei Jahren als die häufigsten Herkunftsländer. Aus diesen Ländern stammt 2015 ein Viertel der untersuchten Kin- der und Jugendlichen. Der Anteil steigt 2016 weiter auf etwa die Hälfte der untersuchten Kinder und Jugendli- chen und fällt 2017 auf weniger als ein Drittel ab. Darüber hinaus gehören zu den häufigsten Herkunfts- ländern 2015 Bulgarien, Albanien und Serbien, 2016 sind es Bulgarien, Afghanistan und Iran und 2017 Bulga - rien, Afghanistan und Serbien. Der Anteil an Kindern und Jugendlichen mit Herkunft aus den westlichen Balkanstaaten Kroatien, Serbien, Bosnien und Herzegowina, Albanien, Mazedonien, Mon- tenegro und Kosovo lag 2015 bei nahezu 30 Prozent und sank 2016 auf unter 10 Prozent. 2017 steigt er wieder auf 14 Prozent an. 80 bis 90 Prozent der untersuchten Kinder sprechen kein Deutsch. Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 54 0 500 1000 1500 2000 2500 201720162015201420132012 49 95 65 65 56 83 97 135 131 93 44 92 159 132 177 120 235 505 148 174 170 70 202 235 241 191 81 112 105 306 467 584 180 137 87 111 119 75 147 145 46 Seiteneinsteigeruntersuchung Köln Herkunft der Kinder/Jugendlichen von 2012 bis 2017 Anmerkung zu Abbildung 28: Aus den westlichen Balkanländern werden Kinder und Jugendliche mit der Herkunft Kroatien, Serbien, Bosnien und Herzegowina, Albanien, Mazedonien, Montenegro und Kosovo erfasst. Bei sonstigen Ländern Ost- und Ostmitteleuro- pas gibt es die Herkunftsländer Rumänien, Russland, Polen, Ukrai- ne, Ungarn, Moldawien, Slowakische Republik, Tschechien. Zu den sonstigen Ländern Westeuropas, aus denen Kinder und Jugendliche kommen, gehören Portugal, Italien, Spanien, Griechenland, Slowe- nien, Schweden, Niederlande, Österreich, Irland, Großbritannien, Frankreich, Belgien, Schweiz. Darüber hinaus wurden Kinder und Jugendliche aus weiteren 75 Ländern weltweit in der Seiteneinstei- geruntersuchung vorgestellt. Quelle: Gesundheitsamt Stadt Köln n weltweit sonstige Länder n westlicher Balkan n Ost- und Ostmitteleuropa (außer Bulgarien, separat aufgeführt) n Westeuropa n Iran n Bulgarien n Afghanistan n Irak n Syrien Abbildung 28: Seiteneinsteigeruntersuchung, Staatsangehö- rigkeit/Herkunftsländer untersuchter Kinder im Vergleich 2012 bis 2017, bis 2016 allgemeinbildende Schulen ohne Förder- klassen Berufskolleg, 2017 allgemeinbildende Schulen mit För- derklassen Berufskolleg (2012: n=418, 2013: n=616, 2014: n=787, 2015: n=1.769, 2016: n=2.133, 2017: n=1.018) 5.3 Fallbeispiele Seiteneinsteigeruntersuchung beim Kinder- und Jugendärztlichen Dienst Köln Eason, ein 12-jähriger Junge aus dem Irak Eason zeigt bei der Seiteinsteigeruntersuchung im routine- mäßigen Sehtest einen auffälligen Befund. Anamnestisch zeigen sich ein nur kurzzeitiger Schulbesuch im Heimatland und fehlende Lese- und Rechtschreibfertigkeiten. Die Eltern berichten mit Hilfe eines Videodolmetschers über häufiges Stolpern des Sohnes. Darüber hinaus sei der Sohn sehr toll- patschig. Die Untersuchung des Jungen zeigt Hinweise auf das Vorliegen einer Fehlsichtigkeit. Folge: Empfehlung zur zeitnahen augenärztlichen Vorstellung Rückmeldung 92 : Vorliegen einer Weitsichtigkeit und Amblyopie (funktionale Sehschwäche) des einen Auges > Versorgung des Jungen mit einer Sehhilfe und regelmäßigen Wiedervorstellungster- minen Kurzfristiger Effekt: Notwenige Diagnostik/Behandlung des Sehvermögens durch eine augenärztliche Praxis wird erkannt und eingeleitet. Langfristiger Effekt: Ausreichendes Sehvermögen durch Sehhilfe und damit einhergehend verbesserte Chancen der Teilhabe, u.a. bei Bewältigung der Lernanforderungen in der Schule und der Alltagsanforderungen. Edouard, ein 10-jähriger Junge aus dem Kongo Bei Edouard fallen während der Seiteinsteigeruntersuchung große Teilleistungsschwächen in den Bereichen der Kogniti- on, der Sprache als auch der Motorik (vor allen Dingen der Graphomotorik) auf. Das Zählen bis 20 gelingt dem Jungen nicht. Trotz mehrfacher Wiederholungen und Hilfe mittels Übersetzung sind einfache Arbeitsanweisungen für das Kind nicht umsetzbar. Das Verhalten des Jungen entspricht dem eines deutlich jüngeren Kindes. Mit Hilfe eines Videodolmet- schers kann mit den Eltern über den Verlauf der bisherigen Entwicklung gesprochen werden. Anamnestisch zeigt sich bei dem Jungen eine verzögerte Entwicklung im Vergleich zu den älteren als auch den jüngeren Geschwistern. Laut der Eltern ist bisher kein Schulbesuch erfolgt. Auch im Alltag benötigt der Junge zusätzliche Unterstützung. 92 In Einverständnis mit den Eltern telefonischen Austausch zwischen Kinder- und Jugendärzt- lichem Dienst und fachärztlicher Praxis Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 55 Im Rahmen einer kombinierten Entwicklungsverzögerung besteht hier der Verdacht des Vorliegens einer Intelligenz- minderung. Folge: Kontaktaufnahme − zum Schulamt, um über den aktuellen Entwicklungsstand des Jungen zu informieren − zu einem sozialpädiatrischen Zentrum zur entwicklungs- neurologischen Mitbeurteilung und Einschätzung der intellektuellen Fertigkeiten mittels (sprachfreier) Leis- tungsdiagnostik Darüber hinaus werden entsprechende Fördermöglichkeiten mit den Eltern besprochen. Rückmeldung sozialpädiatrisches Zentrum: Vorliegen von einer Intelligenzminderung sowie von Entwick- lungsverzögerungen in den vorgenannten Bereichen, Beginn einer ergotherapeutischen und logopädischen Förderung Rückmeldung Schulamt: Eröffnung eines Verfahrens zur Feststellung des sonderpä- dagogischen Förderbedarfs (AO-SF-Verfahren) durch die Eltern > Gutachtenerstellung durch das Schulamt und das Gesundheitsam > Beschulung an einer Schule mit besonde- ren Förderbedingungen Kurzfristiger Effekt: Einleitung einer differenzierten Diagnostik durch ein sozial- pädiatrisches Zentrum und gezielter Hilfen, Information der Eltern sowie des Schulamtes Langfristiger Effekt: Gezielte und umfassende Förderung bei vorliegender Intelli- genzminderung in Kombination mit Entwicklungsverzöge- rungen. 5.4 Fazit und Empfehlungen Seiteneinsteigeruntersuchung Köln: Bei den Kindern und Jugendlichen, die neu zugewan- dert sind und aufgrund ihres Alters nicht mehr die reguläre Schuleingangsuntersuchung durchlaufen, wird so schnell wie möglich oder in Einzelfällen zeitnah zu Beginn der Beschulung eine entsprechende „Seitenein- steigeruntersuchung“ vom Kinder- und Jugendärztlichen Dienst durchgeführt. Dabei zeichnet sich folgende Ent- wicklung ab: − Die Anzahl der Seiteneinsteigeruntersuchungen in all- gemeinbildenden Schulen hat sich von 2012 bis 2016 stark erhöht, sie lag 2016 bei 3.057 und hat sich damit gegenüber 2012 mehr als vervierfacht. Darüber hin- aus fanden 2016 zusätzlich 305 Untersuchungen für Schülerinnen und Schüler in Förderklassen am Berufs- kolleg statt. Bei den allgemeinbildenden Schulen ist 2017 ein Rück- gang der Anzahl an Seiteneinsteigeruntersuchungen auf 1.099 untersuchte Kinder zu verzeichnen, zusätz- lich fanden bei den Förderklassen am Berufskolleg 364 Untersuchungen statt. − Häufige Herkunftsländer der neu zugewanderten Kinder und Jugendlichen in der Seiteneinsteigerunter- suchung Köln sind im Zeitraum 2015 bis 2017 Syrien und Irak, nachfolgend Afghanistan und Bulgarien. − Der Anteil an Kindern und Jugendlichen aus den west- lichen Balkanstaaten, davon insbesondere aus Serbien, Albanien und Kosovo, lag 2015 bei 30 Prozent, war 2016 jedoch rückläufig und ist 2017 wieder leicht auf 14 Prozent angestiegen. − Mehr als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen der Seiteneinsteigeruntersuchungen für die allgemeinbil- denden Schulen im Zeitraum von 2015 bis 2016 war bereits über 11 Jahre alt. − 80 bis 90 Prozent der Kinder und Jugendlichen, die 2015 bis 2017 in der Seiteneinsteigeruntersuchung Köln vorgestellt werden, verfügen über keine Deutsch- kenntnisse. Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, die aus Krisenregionen geflüchtet sind, ist aufgrund möglicher gesundheitlicher und psychosozialer Belastungen und Traumatisierungen von einem erhöhten Gesundheitsrisi- ko auszugehen. Je älter die vorgestellten Kinder und Jugendlichen sind, wenn sie im deutschen Schulsystem ankommen, des- to weniger Zeit verbleibt zum Erlernen der Sprache bei paralleler Bewältigung des Lernstoffs bis zu einem möglichen Abschluss. Dadurch kann seelischer Druck entstehen, der das Gesundheitsrisiko dieser Kinder und Jugendlichen noch weiter verstärkt. Bezogen auf psychosoziale und gesundheitliche Präven- tionsangebote ist entsprechend ein höherer Bedarf zu erwarten. Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 56 6 Kinder und Jugendliche mit psychischen Auffälligkeiten – Angebot Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst 6.1 Aufgabe und Ziele Der Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienst bietet als „Kinder- und Jugendpsychiatrische Beratungsstelle“ für Kinder und Jugendliche, die unter seelischen Problemen leiden und bisher nicht erreicht wurden, sowie für deren Familien niedrigschwellige Unterstützung an. Die Betroffe- nen erhalten eine diagnostische Ersteinschätzung und eine kinder- und jugendpsychiatrisch ausgerichtete Beratung. Bei Bedarf wird eine sozialpsychiatrische Unterstützung angeboten mit dem Ziel, die Kinder und Jugendlichen in ein passgenaues Angebot der fachmedizinischen Versor- gung oder der Beratungs- und Jugendhilfe zu vermitteln. In diesen Fällen werden die Kinder, die Jugendlichen und ihre Familien kleinschrittig bei dem Übergang in das geeignete Hilfeangebot begleitet, um eine nachhaltige Unterstützung sicherzustellen. Dabei werden auch Haus- besuche durchgeführt. Des Weiteren steht der Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienst als Fachberatung für Schulen und für die Jugendhilfe zur Verfügung. Die auf- suchende Beratung in Förderschulen bildet dabei einen Arbeitsschwerpunkt des Fachdienstes. Die Schülerinnen und Schüler mit ihren Familien sowie die Fachkräfte können die Beratung des Kinder- und Jugendpsychiatri- schen Dienstes in regelmäßigen vor Ort stattfindenden Sprechstunden in Anspruch nehmen. Darüber hinaus werden auch professionell Helfende und Bildungsinstitutionen gezielt mit Fachberatungen unter- stützt. Neben einzelnen Fortbildungen und gemeinsa- men Fallbesprechungen werden auch anonyme (Tele- fon-)Beratungen durchgeführt. Innerhalb des Gesund- heitsamtes besteht eine enge Kooperation insbesondere mit dem Kinder- und Jugendärztlichen Dienst sowie mit dem Sozialpsychiatrischen Dienst. Seelische Störungen bei Kindern und Jugendlichen Die gesundheitliche Situation von Kindern und Jugendlichen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten in allen Industrieländern deutlich verändert. Beson- ders auffällig ist eine Verlagerung von somatischen zu psychischen Störungen. Dieses Phänomen wird als „neue Morbidität” bezeichnet und äußert sich zu einem großen Teil in Störungen der Emotionalität und des Sozialverhaltens. Dazu gehören vor allem aggressive Verhaltensauffälligkeiten, Angststörun- gen, Depressionen sowie Aufmerksamkeitsdefizite und Hyperaktivitätsstörungen (ADHS). Nach den Ergebnissen der BELLA-Studie 93 im Rahmen der „KIGGS“-Studie 94 des Robert Koch-Instituts aus dem Erhebungszeitraum 2003 bis 2006 zeigten sich bei etwa einem Fünftel der Kinder und Jugendlichen Hinweise auf psychische Auffälligkeiten. In der ersten Folgebefragung, KIGGS Welle 1 aus dem Erhebungs- zeitraum 2009 bis 2012, ließen sich insgesamt keine bedeutsamen Unterschiede zu diesen Ergebnissen der Basiserhebung 95 erkennen. Häufig reichen die Folgen psychischer Störungen bis ins Erwachsenenalter hinein und führen zu dauerhaf- ten psychischen Beeinträchtigungen. Dies wirkt sich nachteilig auf die Entwicklungschancen, den gesam- ten persönlichen wie beruflichen Lebensweg und gegebenenfalls auf die nächste Generation aus 96 . Eingeschränkte Versorgung von Kindern und Jugendlichen aus sozial benachteiligten Familien Kinder und Jugendliche aus belasteten Familien finden oft nicht den Zugang zu der medizinischen Regelver- 93 Ravens-Sieberer U, Wille N, Bettge S., Erhart M, „Psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland, Ergebnisse aus der BELLA-Studie im Kinder- und Jugendge- sundheitssurvey“ (KIGGS): Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforsch – Gesundheits- schutz 2007 50: 871 – 879 94 Die „KIGGS“-Studie des Robert Koch-Instituts ist eine bundesweite Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland, die Basiserhebung fand in dem Zeitraum von 2003 bis 2006 statt. Anhand eines Monitorings (Folgeuntersuchung ist die KIGGS Wel- le 1) können Veränderungen festgestellt werden. 95 20,2 Prozent der Kinder in der Altersstufe von 3 bis 17 ließen sich in der Folgeuntersuchung „KIGGs Welle 1“ der Risikogruppe für psychische Auffälligkeiten zuordnen, vgl. Hölling H u.a. „Psychische Auffälligkeiten und psychosoziale Beeinträchtigungen bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 3 bis 17 Jahren in Deutschland, 2014: 807-819 96 Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter NRW, Landesinitiative zu „Erhalt und Verbesserung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in NRW“ - Handlungskonzept -: 4-6, https://www.praeventionskonzept.nrw.de/_media/pdf/ Psyche_Kinder/Handlungskonzept_der_Landesinitiative.pdf, abgerufen am 20.03.2018 Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 57 sorgung oder zu den Angeboten des Beratungs- und Jugendhilfesystems, auch wenn Bedarf besteht. Auf Kinder und Jugendliche mit seelischen Problemen trifft dies auch in einem erheblichen Umfang zu. Laut der oben erwähnten BELLA-Studie 97 befinden sich bundesweit nur 48 Prozent der behandlungs- bedürftigen Kinder in Therapie. Dies erweist sich als besonders gravierend vor dem Hintergrund, dass gerade ein frühes Erkennen psychischer Krankheiten eine wirksamere Behandlung ermöglicht und hilft, Folgeerkrankungen sowie weitere negative Folgen zu vermeiden. Durch die fehlende Behandlung wird das akute Krankheitsrisiko erhöht und eine langfristige Gesundheitsgefährdung begünstigt. Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst in Köln Die untere Gesundheitsbehörde hat die Aufgabe, Kinder und Jugendliche vor Gesundheitsgefahren zu schützen (§ 12 Abs 1 ÖGDG NRW). Sie muss tätig werden, wenn Anhaltspunkte vorliegen, dass Hilfebe- dürftige nicht in der Lage sind, Hilfen zu beantragen (§ 4 Gesetz über Hilfen und Schutzmaßnahmen bei psychischen Krankheiten, PsychKG). Das Gesundheits- amt richtete im Jahre 2009 auf der Basis eines Rats- beschlusses vom September 2008 einen „Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst“ ein. Ziel ist es, durch die Vermittlung und Überleitung zu Hilfeangeboten wie Behandlung und Therapie die Chancen der Kinder und Jugendlichen, die bisher nicht erreicht wurden, auf ein gesundes Leben zu erhöhen. Des Weiteren steht der Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienst als Fachberatung für Schulen, die Jugendhilfe und profes- sionell Helfende zur Verfügung. 6.2 Aktueller Stand 6.2.1 Landesprojekt „Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst Köln im Verbund: früh erkennen – nachhaltig helfen“ Bedarfslage in Köln Für Köln liegt ebenso wie für andere Städte keine dif- ferenzierte Erfassung über die Anzahl an Kindern und Jugendlichen mit Hinweis auf psychische Auffälligkei- ten vor. Es lässt sich jedoch eine Grobschätzung auf Basis der aktuellen bundesweiten „KIGGS“-Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen (siehe oben) vornehmen. Danach wären in Köln über 21.500 Kinder 97 Ravens-Sieberer U, Wille N, Bettge S., Erhart M, „Psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland, Ergebnisse aus der BELLA-Studie im Kinder- und Jugendge- sundheitssurvey“ (KIGGS): Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforsch – Gesundheits- schutz 2007 50: 871 – 879 und Jugendliche der Altersgruppe von 7 bis 17 Jahren von dem Risiko einer psychischen Auffälligkeiten betrof- fen 98 . Laut der Krankenhausdiagnosestatistik 99 ist in Köln die Anzahl der stationären Behandlungen aufgrund von psychischen Störungen und Verhaltensstörungen bei der Altersgruppe der 5- bis 19-Jährigen im Zeitraum von 2011 bis 2015 etwa gleichbleibend. Entsprechend gibt es einen großen Bedarf an niedrig- schwelliger sozialpsychiatrischer Beratung und Beglei- tung des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes, der – wie sich bereits in der Anfangsphase abzeichnete – mit den vorhandenen personellen Ressourcen bei wei- tem nicht gedeckt werden konnte. Daher setzte der Kin- der- und Jugendpsychiatrische Dienst Schwerpunkte und konzentrierte seine Sprechstunden auf die Förderschu- len. Die Kooperation mit dem Jugendamt war nur in Ein- zelfällen möglich, und eine sozialräumliche Einbindung fand punktuell ohne systematische Vernetzung statt. Wie bereits im Bericht 2013 100 formuliert, bestand eine hohe Dringlichkeit, das Angebot des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes bedarfsgerecht zu erweitern. Ausbau im Rahmen des Landesprojekts Durch die „Landesinitiative zur Stärkung der seelischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen“ konnten die Voraussetzungen geschaffen werden, um den Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst mit dem Projekt „Kin- der- und Jugendpsychiatrischer Dienst Köln im Verbund: früh erkennen – nachhaltig helfen“ auszubauen. Im Rahmen dieses Projektes mit der Laufzeit von März 2014 bis Mai 2017 101 wurde das Team des Kinder- und Jugend- psychiatrischen Dienstes erweitert auf: 3 (Fach-) Ärztinnen (in Teilzeit, 1,8 Stellen konnten leider aufgrund fehlender Bewerberinnen und Bewerber nicht besetzt werden), 1 Diplom-Psychologen, 3 Diplom-Sozialarbeiterinnen, 2 medizinische Fachangestellte im Sekretariat (1,5 Stellen). 98 Basisjahr 2017, berücksichtigt wurde bei dieser Überschlagrechnung die unterschiedlichen Quoten bezogen auf die Altersgruppe 7 bis 10 Jahre (23,1 Prozent ), die Altersgruppe 11 bis13 Jahre (23,3 Prozent) und die Altersgruppe 14 bis 17 Jahre (17,8 Prozent); Daten- grundlage zur Bevölkerung in Köln: Amt für Statistik und Stadtentwicklung 99 Quelle Krankenhausdiagnosestatistik 2015, Landeszentrum Gesundheit NRW, Psychische und Verhaltensstörungen (ICD 10: F00-F99), Altersgruppe 5 bis 19 100 Vgl. Stadt Köln, „Kinder- und Jugendgesundheit in Köln, Bericht 2013“: 33 101 Vgl. Stadt Köln, „Kinder- und Jugendgesundheit in Köln, Bericht 2013“: 33 Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 58 den sich in unmittelbare Nähe zum Bezirksjugendamt und sind für die Bürgerinnen und Bürger gut erreichbar. Die Einbindung in die sozialräumliche Arbeit sowie der intensive Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen der Fachämter werden durch die beiden zusätzlichen Standorte vor Ort erleichtert (siehe Abbildung 29). Durch die drei Fachstellen ist die Versorgung des gesamten Stadtgebietes abgedeckt: − die Fachstelle Mülheim für die Stadtbezirke Mül- heim, Chorweiler und Nippes, − die Fachstelle Kalk für die Stadtbezirke Kalk, Porz, − die Fachstelle Innenstadt für die Stadtbezirke Innen- stadt, Ehrenfeld, Lindenthal und Rodenkirchen. Die Fachstelle Innenstadt als „Zentrale“ des Gesamt- Teams des „Kinder- und Jugendpsychiatrischen Diens- tes Köln im Verbund“ ist in den zentral gelegenen und verkehrstechnisch gut angebundenen Räumen des Gesundheitsamtes am Neumarkt und somit im Stadtbezirk Innenstadt verblieben. Von diesem Stand- ort aus ist eine gute Anbindung an die Stadtbezirke Ehrenfeld, Lindenthal und Rodenkirchen gewährleis- tet. Des Weiteren kann die oben beschriebene Zusam- menarbeit des neuen „Kinder- und Jugendpsychiat- rischen Dienstes im Verbund“ mit dem Kinder- und Jugendärztlichen Dienst und dem Sozialpsychiatri- schen Dienst sowie im Einzelfall auch mit dem Kinder- und Jugendzahnärztlichen Dienst sowie den Frühen Hilfen im Gesundheitsamt weiterhin unkompliziert gestaltet werden. In den Fachstellen Kalk und Mülheim konnten durch die kontinuierliche Präsenz der Sozialarbeiterinnen die Kooperationen vor Ort ausgebaut und sozialräumlich vertieft werden. Die Sozialarbeiterinnen nehmen als Ansprechpersonen eine erste Klärung vor und koordi- nieren bei Bedarf die fachärztliche Beratung sowie die aufsuchende psychologische Diagnostik, die im Rahmen des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes zur Ver- fügung stehen. Durch regelmäßige Fallbesprechungen innerhalb des Gesamtteams sind eine enge Rückkoppe- lung und ein interdisziplinäres Arbeiten gewährleistet. In der Fachstelle Mülheim wird der Zugang zu mög- lichst passgenauen Hilfen für Kinder und Jugendliche mit seelischen Problemen aus Familien mit türkischem Migrationshintergrund zusätzlich dadurch erleichtert, dass die Sozialarbeiterin bei Bedarf diese Familien muttersprachlich beraten kann. Im Rahmen des Landesprojekts konnten folgende Maßnahmen umgesetzt werden: − Erweiterung des Beratungsangebots Obwohl zwischenzeitlich einige Stellen vakant waren und vor allen die Fachärztinnen-/Fachärztestellen nach wie vor nicht vollständig besetzt sind, konnte nach Beginn des Projekts die Anzahl der beratenen Kinder und Jugendlichen kontinuierlich gesteigert werden (siehe Abbildung 30). − Intensivierte und systematische Vernetzung mit bestehenden Maßnahmen Ein besonderer Schwerpunkt gilt der Vernetzung mit den Akteurinnen und Akteuren der Fachwelt. Der Kon- takt mit Institutionen, mit denen bislang nur punktuell eine Zusammenarbeit bestand, wie zum Beispiel die Jugendberufshilfe, Jugendwerkstätten und Jugendge- richtshilfe, wurde intensiviert. Im Zuge dessen fragen die Institutionen zunehmend Kooperationen an, um von der kinder- und jugendpsychiatrischen Fachkom- petenz zu profitieren. Mit den Bezirksjugendämtern wurde eine enge Zusam- menarbeit zur unterstützenden Einschätzung des aktuellen Hilfebedarfs aufgebaut, zum Beispiel durch die Teilnahme an Fallkonferenzen oder die Abstim- mung im Falle von Hausbesuchen. Ebenso wird mit den Arbeitskreisen „Netzwerk Erziehung In Schule“ (NEIS) eng kooperiert. Die „NEIS“ - Arbeitskreise gibt es für jeden der neun Stadtbezirke Kölns. Vertreten sind dort neben den Bezirksjugendämtern, Schulleiterinnen und Schulleiter aller Schulen und Schulformen im Stadtbe- zirk. Von den „NEIS“ - Arbeitskreisen wurde dabei unter anderem auch 2017 das Mitwirken des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes bei Fachtagen zum Thema „Seelische Gesundheit von Kindern“ angefragt. − Verbesserte Erreichbarkeit durch örtliche Anbindung In den Stadtbezirken Mülheim und Kalk wurde zusätz- lich zu der „Zentrale“ in der Innenstadt je eine Kinder- und Jugendpsychiatrische Beratungsstelle im Bürger amt angesiedelt. Die Auswahl der Stadtbezirke Mülheim und Kalk für die beiden neu geschaffenen Fachstellen ori- entierte sich an dem Bedarf und berücksichtigte dabei unter anderem die Anzahl der dort wohnenden Kinder und Jugendlichen, die Gewichtung nach Sozialraum- kriterien sowie die Aufteilung des Stadtgebietes nach Zuständigkeit der beiden aufnahmeverpflichteten Klini- ken für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -Psychothe- rapie. Die beiden Fachstellen in Mülheim und Kalk befin- Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 59 Abbildung 29: Drei Standorte des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes ermöglichen sozialräumlich vernetz- te Arbeit vor Ort Die Erweiterung mit den dezentralen Beratungsange- boten in Mülheim und Kalk konnte auch nach Abschluss des Projekts beibehalten werden, denn gemäß Beschluss des Rates der Stadt Köln vom 04.04.2017 wurde der „Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienst im Verbund“ über den 31.05. hinaus bis Ende 2017 fortgeführt, und mit Genehmigung des Haushalts 2018 durch die Bezirksregierung im Dezember 2017 wurde 2018 aus dem Landesprojekt ein dauerhaftes Angebot. Angebot für Geflüchtete Kinder und Jugendliche mit Fluchterfahrung, insbe- sondere unbegleitete minderjährige Geflüchtete, sind häufig mit extremen Belastungen konfrontiert worden wie traumatisierende Erlebnisse im Herkunftsland und bei der Flucht, kulturelle Entwurzelung und der Verlust von vertrauten Bezugspersonen. Frühzeitiges Erkennen und Anbahnen entsprechender Therapien sind hierbei besonders notwendig, um Retraumatisierungen zu vermeiden und Integration zu ermöglichen. Ohne Bera- tungs- und Behandlungsangebote bestehen ansonsten erhöhte Risiken der Chronifizierung bestehender Beein- trächtigungen. Vor dem Hintergrund der hohen Anzahl neuankommender Geflüchteter, darunter viele unbeglei- tete minderjährige Personen, richtete der Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienst in den größten städtischen Wohnheimen eine offene Beratung/Sprechstunde ein. Darüber hinaus wird der Kinder- und Jugendpsychiat- rische Dienst auf konkrete Anfragen hin in Unterkünf- ten für Geflüchtete des Stadtgebiets tätig (siehe auch Migrationshintergrund unter 6.2.2.) Service de consultation – Psychiatrie des enfants et des jeunes Service de consultation – Psychiatrie des enfants et des jeunes The Mayor City of Cologne Child and adolescent mental health consulting service Child and adolescent mental health consulting service Консультационный центр детской и подростковой психиатрии Консультационный центр детской и подростковой психиатрии Çocuk ve Ergen Psikiyatrisi Danıs ¸ma Merkezi Çocuk ve Ergen Psikiyatrisi Danıs ¸ma Merkezi مركز الستشارة النفسانية للطفال والحداث للطفال النفسانية مركز الاستشارة والاحداث Flyer Kinder- und Jugendpsychiatrische Beratungsstelle (Auswahl) − Ausbau der aufsuchenden Hilfen Insbesondere bei depressiven oder schulmüden Kin- dern und Jugendlichen sowie bei Kindern psychisch kranker Eltern hat sich der aufsuchende Arbeitsansatz des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes schon häufig als „Türöffner“ für weitergehende Beratungen und Maßnahmen erwiesen. Durch die beiden örtlichen Fachstellen in Mülheim und Kalk und die damit ver- bundenen kurze Wege kann die aufsuchende Arbeit noch engmaschiger durchgeführt werden. Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 60 6.2.2 Daten Daten zu Beratungen des Kinder- und Jugendpsychi- atrischen Dienstes werden anonymisiert erfasst und ausgewertet. Um die Situation seit des Ausbaus im Rahmen des Landesprojekts „Kinder- und Jugendpsychi- atrischer Dienst Köln im Verbund“ darzustellen, wurden die Daten des Zeitraums von 2015 bis 2017 (mit Stand 31.12.2017) zugrunde gelegt. Dies ermöglicht einen Vergleich mit den Auswertungen aus dem Zeitraum von 2010 bis 2013 vor dem Start des Landesprojekts. Bei den Gegenüberstellungen dieser beiden Phasen wurde das Jahr 2014 nicht berücksichtigt, da im Laufe des Jah- res 2014 das Landesprojekt startete und daher dieses Jahr der Umstrukturierung weder der Phase vor Projekt- beginn noch der Phase nach Projektbeginn eindeutig zugeordnet werden konnte. Zunächst wird jedoch ein Überblick über die Entwick- lung der Fallzahlen seit der Einrichtung des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes gegeben. − Überblick über die Entwicklung der Fallzahlen Im Zeitraum vom Start des Angebots 2010 bis zum 31.12.2017 wurden insgesamt 2.812 Kinder und Jugendliche, darüber hinaus deren Angehörige sowie beteiligte Fachkräfte beraten. 0 100 200 300 400 500 600 20172016201520142013201220112010 335 336 256 286 305 353 372 569 Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst Köln, Überblick über die Entwicklung der jährlichen Anzahl an Beratungsfällen Quelle: Gesundheitsamt Stadt Köln Abbildung 30: Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst Köln, Überblick über die Entwicklung der jährlichen Anzahl an (abgeschlossenen) Beratungsfällen im Zeitraum von 2010 bis 2017, Stand 31.12.2017 Während in der Startphase des Beratungsdienstes bis 2011 gehäuft Kurzzeitberatungen im Vordergrund standen, gelang zunehmend der Zugang zu den Kin- dern und Jugendlichen mit sehr komplexer Problema- tik. Bei diesen Fällen bedarf es oftmals einer intensiven Begleitung über eine Zeitdauer mehrerer Monate. Die- se Entwicklung spiegelte sich auch in der Beratungs- statistik wider. So gab es 2012 weniger Beratungsfälle als in der Startphase, diese wiesen jedoch eine höhere Anzahl an Kontakten pro Beratungsfall auf. Von 2010 bis 2012 sank die jährliche Anzahl der Beratungsfälle mit einmaligem Kontakt von 216 auf 71 Fälle. Entspre- chend erhöhte sich in diesem Zeitraum die jährliche Anzahl der Beratungsfälle mit mindestens 4 Kontak- ten von 14 auf 94. Im Jahr 2013 zeichnete sich eine Zunahme der Beratungsfälle ab. Seit dem Ausbau des Beratungsdienstes im Rahmen des Landesprojektes ab 2014 konnte, wie bereits oben erwähnt, die jährliche Anzahl der abgeschlossenen Bera- tungsfälle kontinuierlich gesteigert werden (siehe Abbil- dung 30). Im Jahre 2017 gab es nochmals einen erheb- lichen Anstieg gegenüber 2016 von über 50 Prozent- punkten. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass zwischenzeitlich ein Teil der bis dahin bestehenden Personalvakanzen beim Kinder- und Jugendpsychiatri- schen Dienst behoben werden konnte. Nicht zuletzt durch „Mund-zu-Mund-Propaganda“ oder auf Empfehlung treten seit 2014 zunehmend auch sogenannte „Selbstmelderinnen“ und „Selbstmelder“ von sich aus in Kontakt mit der Kinder- und Jugendpsy- chiatrischen Beratungsstelle. Dabei handelt es sich vor allem um Jugendliche und Angehörige von Betroffenen. Bei etwa 40 Prozent aller Beratungsfälle ist der Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienst aufsuchend tätig. − Geschlecht Etwa zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen, die die Beratung des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes in Anspruch nahmen, sind männlich. Diese Tendenz zeigt sich durchgängig seit Start des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes und ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass der Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienst schwerpunktmäßig an Förderschulen tätig ist und dort auf eine vornehmlich männliche Schülerschaft trifft. Ferner ist festzustellen, dass Mädchen und junge Frauen bislang weniger zu externalisierenden Verhaltensauffälligkeiten wie bei- spielsweise unkontrollierten Impulsdurchbrüchen nei- gen. Sie zeigen bei psychischen Belastungen eher Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 61 internalisierende Verhaltensweisen, wie zum Beispiel Angststörungen, Depressionen, Essstörungen und selbstverletzendes Verhalten. Ab der Pubertät steigt der Anteil der psychischen Erkrankungen bei Mädchen deutlich an, was in der öffentlichen Wahrnehmung nach wie vor durch die externalisierenden Verhal- tensauffälligkeiten der Jungen überlagert wird 102 (siehe hierzu auch unter Perspektive). 0 20 40 60 80 100 20172016201520142013201220112010 66,6 % 33,4 % 70,5 % 29,5 % 61,3 % 38,7 % 66,4 % 33,6 % 69,1 % 30,9 % 66,2 % 33,8 % 62,9 % 37,1 % 66,3 % 33,7 % Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst Köln, Anteil der beratenen Mädchen und Jungen in Prozent, bezogen auf die jährliche Gesamtanzahl an Beratungsfällen Quelle: Gesundheitsamt Stadt Köln n weiblich n männlich Abbildung 31: Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst Köln, Anteil beratener Mädchen und Jungen − Migrationshintergrund Seit Start des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes hat sich der Beratungsanteil an Kindern mit Migrationshintergrund stetig erhöht und liegt aktuell bei mehr als der Hälfte aller Beratungsfälle. Einen neuen Schwerpunkt nimmt dabei – wie oben erwähnt – die Arbeit mit Geflüchteten ein. So war der Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienst 2016 mit regelmäßigen Sprechstunden in zwei großen Unterkünften für Geflüchtete sowie auf Anfrage in acht weiteren Unterkünften für Geflüchtete tätig. Insgesamt wurden 150 Kinder und Jugendliche und deren Familien auf Anfrage aufgesucht und beraten. Im Jahr 2017 werden in einer Unterkunft für Geflüch- tete noch regelmäßige Sprechstunden angeboten und bei Nachfragen weitere Wohnheime für Geflüchtete aufgesucht. Im Jahr 2017 sind es insgesamt 147 102 Laut der „BELLA-Studie“ des Robert Koch-Instituts (RKI) aus dem Erhebungszeitraum 2003 bis 2006 weisen Jungen eine höhere Quote an Verhaltensauffälligkeiten, an Störun- gen des Sozialverhaltens und an ADHS auf als Mädchen. Mit Beginn der Pubertät nimmt bei Mädchen der Anteil an psychischen Störungen zu. Auch in dieser Lebensphase setzen sich systematische Unterschiede bei den Geschlechtern fort. Jungen neigen jedoch eher zu nach außen gerichteten Verhaltensmustern wie Aggressivität und Hyperaktivität, Mäd- chen eher zu nach innen gerichteten Verhaltensmustern wie Ängste und Depressionen. Geflüchtete mit ihren Familien, die vom Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst beraten werden. Teil- weise leben sie noch in Notaufnahmeeinrichtungen oder in Gemeinschaftsunterkünften, teilweise schon in eigenen Wohnungen. Auch 2018 ist der Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienst bei Nachfragen vor Ort in den Wohnheimen für Geflüchtete tätig. − Besuchte Schulform Während im Zeitraum vor dem Start des Landesprojekts 67,1 Prozent und damit über zwei Drittel der beratenen Kinder und Jugendlichen die Förderschule besuchten, sind es im Zeitraum von 2015 bis 2017 nur noch weni- ger als die Hälfte (43,3 Prozent) 103 (siehe Abbildung 32). Auch wenn die Förderschulen nach wie vor einen Arbeitsschwerpunkt des Kinder- und Jugendpsychiat- rischen Dienstes darstellen, zeigt sich hier tendenziell eine Verlagerung von der Förderschule zur Regelschule. Dies spiegelt zum einen den laufenden Inklusionspro- zess an den Regelschulen wider. Zum andern äußert sich hier, dass durch die Erweiterung des Beratungsan- gebots und die Zusammenarbeit mit den Arbeitskreisen „Netzwerk Erziehung In Schule“ (NEIS) zunehmend Kin- der der Regelschulen erreicht werden können. Eine Abnahme der Anzahl an Beratungsfällen in Haupt- schulen kann auf den generellen Rückgang an Schülerin- nen und Schülern dieser Schulform zurückgeführt werden. 103 Der Gesamtanteil der besuchten Schulform Förderschule setzt sich aus Förderschule mit dem Schwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung, Förderschule mit dem Schwer- punkt Lernen und sonstige Förderschule zusammen und ergibt für den Zeitraum 2015 bis 2017 43,3 Prozent, für den Zeitraum 2010 bis 2013 67,1 Prozent. Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 62 0 5 10 15 20 25 30 35 sonst. Förderschule Hauptschule Gesamt-/Sekundarschule Realschule Gymnasium Grundschule Förderschule Lernen Förderschule E+S* 20,8 % 19,8 % 19,5 % 13,0 % 10,4 % 6,9 % 6,9 % 2,7 % 34,2 % 29,1 % 10,2 % 5,1 % 6,2 % 3,8 % 7,6 % 3,8 % Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst Köln, besuchte Schulform der beratenen Kinder und Jugendlichen im Vergleich: aktuelle Situation und Situation vor Start des Landesprojekts *Förderschule E+S=Förderschule mit dem Schwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung Quelle: Gesundheitsamt Stadt Köln n aktuelle Situation, Jahre 2015 bis 2017: Anteil der beratenen Kinder/ Jugendlichen, die diese Schulform besuchen n Situation vor Start des Landespro- jekts (2010 bis 2013): Anteil der beratenen Kinder/ Jugendliche, die diese Schulform besuchen Abbildung 32: Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst Köln, besuchte Schulform (allgemeinbildende Schulen) der berate- nen Kinder und Jugendlichen, der prozentuale Anteil an allen Kindern und Jugendlichen, die in den betreffenden Zeiträumen in der Beratung waren Vergleich aktuelle Situation nach Ausbau des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes (Zeitraum 2015 bis 2017, n= 875) mit der Situation vor Start des Landesprojekts und vor Ausbau des Dienstes (Zeitraum 2010 bis 2013, n=1.043) − Altersstruktur Vom Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst werden nach wie vor schwerpunktmäßig Kinder und Jugend- liche im Alter von 7 bis 17 beraten. Es können jedoch auch jüngere Kinder unter 7 und im Einzelfall junge Erwachsene die Beratung in Anspruch nehmen. Für den Zeitraum 2015 bis 2017 stellt sich die Alters- struktur der beratenen Kinder und Jugendlichen folgen- dermaßen dar: 81,8 Prozent der beratenen Kinder und Jugendlichen gehören zu der Altersgruppe von 7 bis 17. Damit ist der Anteil dieser Altersgruppe gegenüber der Phase vor dem Ausbau des Kinder- und Jugendpsychiatri- schen Dienstes (91,2 Prozent) um über 9 Prozentpunkte gesunken. Entsprechend haben sich der Anteil der Alters- gruppe von 0 bis 6 Jahre von 3,9 Prozent auf 11,1 Pro- zent und der Anteil der Altersgruppe ab 18 Jahre von 4,9 Prozent auf 7,1 Prozent erhöht (siehe Abbildung 33). Dies lässt für die Altersgruppe der Kinder unter 7 Jahre darauf schließen, dass Beeinträchtigungen jetzt ten- denziell früher erkannt werden und entsprechend frü- her Hilfen eingeleitet werden können. Die Erhöhung des Anteils der Altersgruppe ab 18 spiegelt einen aktuellen Trend wider. Zunehmend nehmen ältere Jugendliche und junge Erwachsene von sich aus Kontakt zum Kinder- und Jugendpsych- iatrischen Dienst auf und melden Beratungsbedarf an. Häufig genannte Themen sind dabei Ängste zum Übergang von Schule zu Beruf/Ausbildung/Studium, Autonomiekonflikte „Ich bin noch nicht so weit“ oder Suchtmittelkonsum als „Eigenmedikation“. Diese Tendenz geht einher mit Beobachtungen anderer professioneller Akteurinnen und Akteure, zum Beispiel in Jugendzentren, Berufskollegs und der Jugendberufs- hilfe, die berichten, dass auch dort eine Verschiebung erkennbar wird. Das Eintrittsalter von Jugendlichen und Erwachsenen in die dortigen Institutionen wird zunehmend höher und die Verweildauer in den ent- sprechenden Einrichtungen immer länger. Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 63 ab 18 7,1 % 14 bis 17 33,8 % 11 bis 13 25,2 % 7 bis 10 22,8 % 0 bis 6 11,1 % 14 bis 17 39,2 % 11 bis 13 27,0 % 7 bis 10 25,0 % Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst Köln, Altersstruktur der beratenen Kinder / Jugendlichen im Zeitraum 2015 bis 2017 (nach Ausbau) Altersstruktur der beratenen Kinder / Jugendlichen im Zeitraum 2010 bis 2013 (vor Ausbau) 0 bis 6 3,9 % ab 18 4,9 % Quelle: Gesundheitsamt Stadt Köln Abbildung 33: Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst Köln, Altersstruktur der beratenen Kinder und Jugendlichen in Lebensjahren Vergleich aktuelle Situation nach Ausbau des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes (Zeitraum 2015 bis 2017, n= 1.278) mit der Situation vor Start des Landesprojekts und vor Ausbau des Dienstes (Zeitraum 2010 bis 2013, n=1.194) − Inanspruchnahme der Beratung nach Stadtbezirk Wie oben erwähnt, berät der Kinder- und Jugendpsych- iatrische Dienst Kinder, Jugendliche und ihre Familien aus allen Stadtbezirken. Bei einem Vergleich der Situa- tion vor Start des Landesprojekts mit der Situation im Zeitraum 2015 bis 2017 zeigt sich, dass die jährliche Anzahl beratener Kinder und Jugendlicher in allen Stadtbezirken angestiegen ist (siehe Abbildung 34). Im Zeitraum 2015 bis 2017 fanden die meisten Bera- tungen für Kinder und Jugendliche der Stadtbezirke Kalk, Ehrenfeld und Mülheim statt. Es wird deutlich, dass die Erreichbarkeit in den beiden Stadtbezirken Kalk und Mülheim durch die beiden Standorte des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes vor Ort verbessert werden konnte, aber auch, dass stadtweit Kinder und Jugendliche vom Ausbau des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Diensts profitieren. Des Weite- ren gibt es einen hohen Rückgang der Fälle, bei denen der Stadtbezirk des Wohnorts unbekannt ist. Dies ist darauf zurückzuführen, dass sich der Anteil anonymer telefonischer Kurzberatungen vermindert hat zu Guns- ten intensiver Fallbegleitungen, bei denen der Wohn- ort bekannt ist. − Anmeldung Die Kinder und Jugendlichen werden vorrangig über die Schule beim Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst angemeldet (siehe Abbildung 35). Der Anteil dieser Anmeldungen liegt im Zeitraum der Jahre 2015 bis 2017 bei 36 Prozent. Vor dem Ausbau im Zeitraum 2010 bis 2013 lag er bei 55 Prozent und hat sich damit deutlich vermindert. Dem entgegen haben sich zum einen die Anmeldungen durch das Jugendamt anteilmäßig von 10 Prozent auf 15 Prozent gesteigert. Gründe für diese Entwicklung liegen in der Intensivierung der Zusammenarbeit mit dem Jugendamt im Rahmen des Ausbaus, insbesondere in den Außenstellen. Der Anteil an Anmeldungen durch die Eltern ist mit 22 Prozent etwa gleichgeblieben. Der Anteil sonstiger Anmeldungen liegt im Zeit- raum 2015 bis 2017 bei 27 Prozent und ist ebenfalls gegenüber dem Zeitraum 2010 bis 2013 vor dem Ausbau (14 Prozent) gestiegen. Durch den Ausbau der Netzwerkarbeit finden weitere Institutionen wie Kin- dertageseinrichtungen, Jugendeinrichtungen sowie Unterkünfte für Geflüchtete den Weg zur Kinder- und Jugendpsychiatrischen Beratungsstelle. Über ein Zehn- tel der Anmeldungen wird über andere Dienste des Gesundheitsamtes initiiert. Darüber hinaus äußert sich hier der steigende Anteil von jugendlichen und jungen volljährigen „Selbstmelderinnen“ und „Selbst- meldern“. Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 64 0 10 20 30 40 50 60 70 80 unbekannt außerhalb Kölns Innenstadt Lindenthal Rodenkirchen Nippes Chorweiler Porz Mülheim Ehrenfeld Kalk Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst Köln, Durchschnitt jährliche Anzahl Beratungsfälle nach Stadtbezirk im Vergleich: aktuelle Situation und Situation vor Start des Landesprojekts Quelle: Gesundheitsamt Stadt Köln n Zeitraum 2015 bis 2017 n Zeitraum 2010 bis 2013 Abbildung 34: Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst Köln, Durchschnitt jährliche Anzahl Beratungsfälle nach Stadtbezirk, Vergleich aktuelle Situation nach Ausbau des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes (Zeitraum 2015 bis 2017, n=1.286) mit der Situation vor Start des Landesprojekts und vor Ausbau des Dienstes (Zeitraum 2010 bis 2013, n=1.213) − Empfehlung zur Weiterbetreuung Bei über 90 Prozent der Beratungsfälle gibt es eine Empfehlung zur Weiterbetreuung. Dabei werden teilweise mehrere Hilfen parallel benötigt und einge- leitet, beispielsweise die Beratung der Eltern durch das Jugendamt und eine Therapie für das Kind. Im Zeitraum von 2015 bis 2017 wurde eine ambulan- te Therapie bei einem Drittel der Beratungsfälle (34 Prozent) empfohlen, der Anteil an Empfehlungen einer (teil)stationäre Therapie betrug 6,8 Prozent (siehe Abbildung 36). Sonstige 27 % Jugendamt 15 % Schule 36 % Eltern 22 % Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst Köln, Anmeldung zur Beratung im Zeitraum 2015 bis 2017 Quelle: Gesundheitsamt Stadt Köln Abbildung 35: Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst Köln, Anmeldung zur Beratung, im Zeitraum 2015 bis 2017, n=1.309 Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 65 0 100 200 300 400 500 600 700 800 keine Beratungsstelle (teil-) stationäre Therapie Jugendamt / -hilfe Sonstiges ambulante Diag*./ Therapie 653 516 374 130 107 139 Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst Köln, Weiterempfehlungen, (Mehrfachnennungen pro Beratungsfall möglich), im Zeitraum 2015 bis 2017 *ambulante Diag. = ambulante Diagnose Quelle: Gesundheitsamt Stadt Köln Abbildung 36: Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst Köln, Empfehlung zur Weiterbetreuung, im Zeitraum 2015 bis 2017, n= 1.919, Mehrfachnennungen möglich 6.2.3 Perspektive Auch wenn die aktuellen Auswertungen zeigen, dass durch den Ausbau im Rahmen des laufenden Lan- desprojekts bereits die Erreichbarkeit von Kinder und Jugendlichen bedarfsgerecht verbessert werden konnte, erweist sich aus fachlicher Sicht eine Weiterentwicklung der Aktivitäten insbesondere in folgenden Bereichen als sinnvoll und notwendig: − Sensibilisierung der pädagogischen Fachwelt für den Bedarf von Mädchen Ziel des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes ist es, durch Aufklärung und Sensibilisierung der päd- agogischen Fachkräfte mehr Mädchen und weibliche Jugendliche zu erreichen. Mit Hilfe von Fachtagen für Lehrkräfte, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern mit Schwerpunktthemen wie „Ängsten und Depressionen“ und „Kritische Phasen wie schulische Übergänge“ soll das frühzeitige Erkennen und Handeln bei Hinweisen auf psychische Auffälligkeiten verbessert werden. − Früh einsetzende Hilfen in Kindertagesstätten und Grundschulen Bisher wird der Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienst nur auf Anfrage von Kindertagesstätten und Grund- schulen gezielt in den Einrichtungen vor Ort tätig. Der Ausbau der aufsuchenden Beratungstätigkeit in Kindertagesstätten und Grundschulen im Rahmen von Prävention erweist sich als erforderlich, um bei Bedarf möglichst früh Hilfsmaßnahmen einleiten zu können. − Zusammenarbeit mit allen Schulformen der weiter- führenden Schule Aktuell gibt es bereits eine fest integrierte und enge Kooperation mit den Förderschulen der Schwerpunkte „Lernen“ und „Emotionale und soziale Entwicklung“. Darüber hinaus besteht Kontakt zu den anderen Schu- len auf Nachfrage der einzelnen Schulen sowie eine enge Zusammenarbeit mit den Arbeitskreisen „Netz- werk Erziehung in Schule“ (NEIS). Eine Intensivierung der Kooperationen in den anderen Schulformen, wie Realschulen, Gesamtschulen, Berufskollegs, Haupt- schulen und im Zusammenhang mit der G8-Problema- tik auch in Gymnasien ist weiterhin aus fachlicher Sicht wünschenswert. − Kinder- und jugendpsychiatrische Beratung in inklu- siv arbeitenden Schulen Noch nicht abgeklärt und abgedeckt sind die Bedarfe sämtlicher im Rahmen von gemeinsamem Unterricht inklusiv arbeitenden Schulen. Anhand der Rückmel- Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 66 dungen aus den Schulen ist durch die veränderte Lage eine hohe Unsicherheit der Lehrkräfte in Bezug auf den Umgang mit Kindern im inklusiven Unterricht zu ver- merken. Gewünscht wird das Einbringen von kinder- und jugendpsychiatrischer Fachkompetenz in die Pla- nungen, bezogen auf inklusiven Unterricht, aber auch im konkreten Einzelfall vor Ort in inklusiven Schulen. − Übergänge für Jugendliche und junge Erwachsene mit psychischen Problemen Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Vernetzung, Koor- dinierung und dem Ausbau von Hilfen für junge Men- schen auf dem Weg ins Erwachsenenalter. Verstärkt ist dabei das Problem der Übergänge von der Kinder- und Jugendpsychiatrie in die Erwachsenenpsychiatrie zu berücksichtigen, bei dem auch die therapeutischen Kon- zepte und diagnostischen Vorgehensweisen wechseln. − Setting-bezogene Gesundheitsförderung im Sinne von Empowerment an Schulen Im „Kölner Bündnis für gesunde Lebenswelten“ wer- den Aktivitäten bezogen auf Gesundheitsförderung an Kölner Schulen durch mehr Partizipation gefördert. Durch eine Verbindung zu diesem Projekt sollten die Aktivitäten zur Gesundheitsförderung an Schulen auch für den Bereich der seelischen Gesundheit im Sinne eines „Empowerments“ vorangebracht werden. So sollten unter anderem durch Vorträge und Workshops mit Akteurinnen und Akteuren aus den Sozialräumen, die das Thema „Empowerment“ durch Partizipation zum Thema haben, das Bewusstsein und das Engage- ment für gesundes Leben und gesundes Arbeiten gefördert werden. 6.3 Fallbeispiel Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst Köln Mehmet L., 7 Jahre alt Anlass und Problematik: Eine Schulsozialarbeiterin einer Regelgrundschule wendet sich an die Kinder- und Jugendpsychiatrische Beratungsstelle des Gesundheitsamtes, da sie von einer Lehrerin auf Meh- met, einen 7-jährigen Jungen der ersten Klasse aufmerksam gemacht wurde. Dieser verhalte sich im Unterricht auffällig, störe oft andere Kinder und benötige wesentlich länger, um den Unterrichtsstoff zu erfassen. Mutter und Lehrerin schätzen das Verhalten sehr unterschiedlich ein. Die Sozialarbeiterin bittet nun den Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst um professionelle Hilfe. Intervention der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Bera- tungsstelle (KJPB): − Kontaktaufnahme der Sozialarbeiterin der KJPB mit der Schulsozialarbeiterin − Terminvereinbarung zur Hospitation der Kinder- und Jugendpsychiaterin und der Sozialarbeiterin von der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Beratungsstelle im Unterricht der Grundschule − Gesprächsvereinbarung mit den Eltern im Anschluss − Klärung des Hilfebedarfs und psychiatrische Einschätzung der Kinder- und Jugendpsychiaterin − Die Familie wohnt sehr beengt in einer 40qm Wohnung mit noch zwei weiteren Kindern (1 und 4 Jahre alt), die Eltern wirken überfordert. − Bei dem Kindsvater besteht der Verdacht auf Autismus. − Die Eltern sprechen lediglich türkisch und verstehen nur wenig deutsch. − Es bestehen große Berührungsängste mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie mit dem Amt für Kinder, Jugend und Familie. − Terminvereinbarung mit dem Psychologen der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Beratungsstelle zur Entwick- lungsdiagnostik des Jungen in der Schule − aufsuchende Testuntersuchung in der Schule durch den Psychologen der KJPB ohne die Eltern, aber mit einer Vertrauensperson, Ergebnis: leichte sprachliche Schwächen und Unsicher- heiten im Sozialverhalten bei normalem IQ − Beratung der Eltern und der Schule hinsichtlich des Test- ergebnisses − Begleitung der Eltern durch die türkisch sprechende Sozialarbeiterin der KJPB zum zuständigen Mitarbeiter des Allgemeinen Sozialen Diensts des Amtes für Kinder, Jugend und Familie, um nach Hilfen zur Erziehung zu fragen. Kurzfristiger Effekt : − Der frühzeitige Einstieg und die passgenaue Vermittlung ins bestehende Hilfesystem können bei dieser Familie mit hohem Hilfebedarf erfolgen, da die Kinder- und Jugend- psychiatrische Beratungsstelle aus einem interdiszipli- nären und interkulturellen Team zusammengesetzt ist. Dieses steht als direkter Ansprechpartner unter anderem für die Schulen zur Verfügung und garantiert kurze Infor- mationswege (auch professionsübergreifend). − Die Kontaktaufnahme mit der Familie und die Klärung der Situation gelingen, da Vertrauen und hohe Akzeptanz der Eltern für die Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner des Gesundheitsamtes vorhanden sind. − Die Überleitung zum Amt für Kinder, Jugend und Familie ist erfolgreich, da die Eltern muttersprachlich begleitet werden und somit Berührungsängste abgebaut werden Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 67 können. Dadurch wächst die Bereitschaft, Hilfsangebote des Amtes für Kinder, Jugend und Familie anzunehmen. Langfristiger Effekt: Aufgrund der Ergebnisse der durchgeführten Entwicklungs- diagnostik kann der Junge speziell gefördert und ein im Raum stehender Wechsel auf die Förderschule vermieden werden. Die Familie wird parallel durch das Amt für Kinder, Jugend und Familie mit einer Familienhilfe pädagogisch unterstützt. 6.4 Fazit und Empfehlungen Kinder – und Jugendpsychiatrischer Dienst Köln: Seit 2009 arbeitet der Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienst als niedrigschwelliges Angebot für Kinder und Jugendliche, ihre Eltern sowie als Beratungsangebot für sozialpädagogische und pädagogische Fachkräfte mit dem Schwerpunkt in Förderschulen. Der tatsächliche Kölner Bedarf an niedrigschwelliger sozialpsychiatri- scher Beratung und Begleitung konnte jedoch mit den vorhandenen personellen Ressourcen bei weitem nicht gedeckt werden. Der Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienst wurde daher im Rahmen einer Projektförderung durch das Land Nordrhein-Westfalen mit Laufzeit von März 2014 bis Mai 2017 zu einem stadtweit vernetzten Angebot erweitert. Die Auswertungen zeigen, dass es durch diesen Ausbau gelungen ist, stadtweit Kinder und Jugendliche mit komplexen Problematiken besser zu erreichen, frühzei- tig und bedarfsgerecht zu unterstützen und nachhaltig im Hilfesystem einzubinden: − Die Anzahl der Kinder und Jugendlichen, die durch den Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst niedrig- schwellig beraten und begleitet werden, konnte deut- lich erhöht werden. − Neben den etablierten Sprechstunden in den Förder- schulen wird der Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienst jetzt zunehmend auch in Regelschulen tätig. Durch intensivierte und kontinuierliche Kooperati- on mit den stadtbezirksbezogenen Arbeitskreisen „Netzwerk Erziehung in Schule“ (NEIS) kann sich der Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienst bei aktuell auftretenden Problemen frühzeitig einschalten und den konkreten Fall begleiten. − Zusätzlich zur Zentrale in der Innenstadt wurden zwei weitere Standorte des Kinder- und Jugendpsychiat- rischen Dienstes in den Stadtbezirken Mülheim und Kalk, in denen viele betroffene Kinder und Jugendliche leben, eingerichtet. Dadurch wird eine intensivierte Zusammenarbeit mit den Bezirksjugendämtern und eine sozialräumlich vernetzte Arbeit vor Ort ermög- licht sowie die aufsuchende Arbeit erleichtert. − Zunehmend wenden sich auch ältere Jugendliche und junge Erwachsene mit psychischen Problemen an die Beratungsstelle, da sie Hilfestellung benötigen, um den Übergang Schule/Beruf bewältigen zu können. Hier äußert sich ein weitergehender und umfassender Präventionsbedarf. Das Angebot für Jugendliche und junge Erwachsene mit psychischen Problemen ist vor diesem Hintergrund entsprechend weiterzuentwickeln. − Es finden Sprechstunden und aufsuchende Beratun- gen in Unterkünften für Geflüchtete statt. Weiterhin zeichnet sich allerdings ein hoher Bedarf an Beratung durch den Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst ab, unter anderem in den Regelschulen, dabei insbesondere in den inklusiven Schulen. Der zunächst im Rahmen des Landesprojekts befris- tete Ausbau des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes wird gemäß Ratsbeschluss der Stadt Köln vom 04.04.2017 dauerhaft als Regelangebot fortgeführt. Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 68 7 Stadtweite Projekte mit Gesundheitsbezug In der Stadt Köln werden die Gesundheitsförderung und Prävention bei Kindern und Jugendlichen als Quer- schnittsaufgaben verstanden und erfordern daher eine interdisziplinäre, multiprofessionelle und sektoren- übergreifende Strategie. Entsprechend werden diese Themen in stadtweiten Programmen aufgegriffen und einbezogen, wie hier anhand von drei aktuellen Projek- ten beispielhaft dargestellt wird: − Präventionsketten – Integrierte Gesamtstrategien für Kinder und Jugendliche Auf der Basis eines Beschlusses des Verwaltungsvor- standes und erfolgreicher Bewerbung auf einen Aufruf der Landesregierung nimmt die Stadt Köln seit Früh- jahr 2017 am Landesprogramm „Kommunale Präven- tionsketten / Kein Kind zurücklassen“ teil. Im Rahmen des Programmes „Kommunale Präventi- onsketten / Kein Kind zurücklassen“ will die Verwal- tung ihre Bemühungen zur Förderung von Teilhabe-, Bildungs- und Gesundheitschancen von Kindern und Jugendlichen in Köln weiter systematisieren und sich dafür an einem vom Land Nordrhein Westfalen zur Verfügung gestellten Steuerungs-und Qualitätsrah- men orientieren. Konkret ergeben sich drei Ziele im Rahmen des Landesprogramms: − Entwicklung eines Präventionsleitbildes − Weiterentwicklung von Maßnahmen einer kom- munalen Präventionskette bei gesamtkommunaler Steuerung und integrierter Planung. Beabsichtigt sind hier Empfehlungen für die Struktur- und Praxis- ebene, die auf Analysen und strategischen Zielen aufbauen. − Einrichtung eines Präventionsmonitorings. 104 − Inhaltlich bietet das Programm die Chance, zu aktuel- len Fachdebatten zur Prävention und zur Gestaltung von Teilhabe- und Bildungsstrukturen und -prozessen in Kommunen beizutragen. Die Verwaltung wird den poli- tischen Gremien in der zweiten Jahreshälfte 2018 einen Ergebnisbericht als Grundlegung für weitere Aktivitä- ten und eine nachhaltige gesamtstrategische Steue- rung vorlegen. Vor diesem Hintergrund werde auch das ältere städtische Handlungskonzept gegen die Folgen von Kinderarmut bilanziert und fortgeschrieben. 104 Siehe Mitteilung der Verwaltung an die Fachausschüsse des Rates der Stadt Köln 3345/2017 vom 20.11.2017 − Kinderfreundliche Stadt Die „Vereinbarung über die Rechte des Kindes“ wur- de bereits 1989 von der UN-Hauptversammlung beschlossen und ist in Deutschland geltendes Recht. Die Stadt Köln hat sich auf den Weg gemacht, die UN-Kinderrechtskonvention zu verwirklichen. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, dass alle Kinder und Jugendli- chen – unabhängig von ihren persönlichen Lebenssi- tuationen – die Zuwendung, Unterstützung und För- derung erhalten, die es ihnen ermöglicht, ihre Zukunft selbst zu gestalten. Ein wesentlicher Baustein ist dabei das Siegel „Kinderfreundliche Kommune“ des Vereins „Kinderfreundliche Kommunen e.V.“, das Köln als die erste und bisher einzige Großstadt erhalten hat. Hierfür wurde von der Stadt Köln der „Aktionsplan kinder- und jugendfreundliche Kommune“ erstellt und vom Rat der Stadt Köln am 19.12.2017 beschlossen 105 . Dieser Aktionsplan soll gesamtstädtisch umgesetzt werden. Er sieht vor, dass „Kinder- und Jugendfreund- lichkeit“ stets zu berücksichtigen ist – sowohl bei der Gesundheitsförderung als auch bei allen anderen Planungsprozessen. Laut UN-Kinderrechtskonventi- on haben Kinder und Jugendliche das „Recht auf ein Höchstmaß an Gesundheit, auf Gesundheitsvorsorge und medizinische Betreuung“. In Köln wird in unter- schiedlichen Programmen daran gearbeitet, dieses Recht umzusetzen. Die Gesundheit steht im Zusam- menhang mit der sozioökonomischen Lage der Kinder und Jugendlichen und auch mit ihrer Umwelt sowie ihrem Zugang zu Bildung. Wichtig bei der Umsetzung des Rechtes auf Gesundheit sind Handlungsfelder wie Ernährung, Bewegung, Suchtprävention und seelische Gesundheit sowie niedrigschwellige Zugänge wie sie beispielsweise bei den Frühen Hilfen und beim Kin- der- und Jugendpsychiatrischen Dienst der Stadt Köln bereits umgesetzt werden. − Programm Starke Veedel – Starkes Köln Weil sich das Bild der Stadt Köln täglich verändert, muss diese sich ständig an neue Rahmenbedingungen anpassen. Besonders hervorzuheben ist mit Blick auf die damit verbundenen Anforderungen auch das Pro- gramm „Lebenswerte Veedel – Bürger- und Sozialrau- morientierung in Köln“. Ziel des seit mehr als einem Jahrzehnt insbesondere im Jugend- und Sozialbereich 105 Beschlussvorlage der Stadt Köln, Nr. 2668/2017, Aktionsplan zur Auszeichnung der Stadt Köln als „Kinderfreundliche Kommune“ vom 23.10.2017 Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 69 praktizierten Ansatzes der Sozialraumorientierung in den ausgewiesenen Sozialraumgebieten 106 ist es, die zum Teil schwierigen Lebensbedingungen der Men- schen in elf ausgewählten Sozialräumen zu verbessern. Durch eine optimierte Zusammenarbeit und Vernet- zung aller städtischen Dienststellen, der freien Träger, Verbände sowie sonstiger Akteurinnen und Akteure sollen Unterstützungsleistungen begründet und Selbsthilfekräfte gestärkt werden. Um dies zu errei- chen, wurde in jedem Sozialraum eine Koordinatorin beziehungsweise ein Koordinator eingesetzt, die – bis auf eine Ausnahme – bei freien Trägern angesiedelt sind. Die Koordinatorinnen und Koordinatoren fun- gieren als „Informationsdrehscheibe“ und Bindeglied zwischen Verwaltung, Wirtschaft, Politik, Verbänden und Bewohnerschaft. Sie unterstützen oder initiieren Kooperations- und Vernetzungsstrukturen in den Sozi- alräumen, nutzen diese, um besondere Bedarfslagen zu identifizieren, und entwickeln gemeinsam mit den Diensten und Einrichtungen der freien Träger vor Ort bedarfsgerechte Projekte und Maßnahmen. Hieran anknüpfend hat der Rat der Stadt Köln in seiner Sitzung am 20.12.2016 beschlossen, die elf Sozialraumgebiete aus dem Programm „Lebenswerte Veedel“ sowie die diesem Konzept zugrunde liegende Handlungsstrategie der Sozialraumorientierung zur Grundlage des Leitkonzeptes „Starke Veedel – starkes Köln“ zu machen, um die Anpassung an sich verän- dernde Anforderungen der Stadtgesellschaft und um die Schaffung von adäquaten Angebotsformen und -strukturen weiter zu verbessern. Mit dem Programm „Starke Veedel – Starkes Köln“ wurden passgenaue Angebotsstrukturen, die dazu beitragen gleichberechtigte Teilhabe in allen Lebens- bereichen zu ermöglichen, in den elf ausgewiesenen Sozialraumgebieten entwickelt und befinden sich in der Umsetzung. Gleichzeitig sollen städtebauliche Missstände beseitigt werden. Die Stadt ist damit dem Förderaufruf des Landes Nordrhein Westfalen unter dem Titel „Starke Menschen – Starke Quartiere“ vom Februar 2015 gefolgt. Ziel des Aufrufs ist die Stärkung der besonders von sozialer Benachteiligung betrof- fenen Stadtquartiere sowie die nachhaltige Verbes- serung der Lebenssituation der in diesen Quartieren lebenden Menschen. Entsprechend wird der sozial- räumliche Ansatz in den Fokus gestellt. Die Förderung 106 Ausgewiesene Sozialräume der Stadt Köln sind Bickendorf/Westend/Ossendorf, Bock- lemünd/Mengenich, Meschenich/Rondorf, Bilderstöckchen, Blumenberg/Chorweiler/ Seeberg-Nord, Buchheim/Buchforst, Höhenberg/Vingst, Humboldt/Gremberg/Kalk, Mül- heim-Nord/Keupstraße, Ostheim/Neubrück, Porz-Ost/Finkenberg/Gremberghoven/Eil. dieser Quartiere soll gleichzeitig auch zur gesamt- städtischen Entwicklung beitragen und den sozialen Zusammenhalt in der Gesamtstadt fördern. Die The- menbereiche sind dabei vielfältig: Sie reichen von prä- ventiven Angeboten im sozialen und gesundheitlichen Bereich und im Bildungsbereich, über die Stärkung der lokalen Wirtschaft, Aufwertungen im Wohnumfeld, Veränderungen im öffentlichen Raum bis hin zur Ver- besserung der Umweltbedingungen. Ein Schwerpunkt des Programmes liegt in der Stärkung und Förderung des „jungen Kölns“, der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in den ausgewiesen Sozialraum- gebieten. Im gesundheitlichen Bereich konnte im Rahmen des Programmes „Starke Veedel – Starkes Köln“ in allen ausgewiesenen Sozialraumgebieten das Projekt „Plan27“ mit der Laufzeit vom 01.04.2017 bis 31.03.2019 als aufsuchendes Hilfeangebot für junge Menschen mit psychischen Problemen eingerichtet werden (siehe hierzu auch unter 9.2). Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 70 8 Stadtteilbezogene Übersicht der Auswertungen zur Kindergesundheit Abbildung 37: Übersicht Köln: Die Gliederung des Kölner Stadtgebietes Quelle: Amt für Statistik und Stadtentwicklung Stadt Köln Eine Zusammenschau vorliegender gesundheitlicher Daten auf Stadtteilebene (siehe Abbildung 37) eröffnet die Möglichkeit, eine Übersicht zu erhalten, in welchen Stadtteilen Kölns – verglichen mit den Mittelwerten auf Stadtgebietsebene – die Werte zur gesundheitlichen Situation der KiTa- und Grundschulkinder in mehreren Bereichen unter dem Durchschnitt liegen. Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 71 Dafür werden Indikatoren, die landesweit in der Gesund- heitsberichterstattung eingesetzt werden und in diesem Bericht bereits dargestellt wurden, in einer stadtteilbe- zogenen Übersicht zusammengeführt. Im Detail werden sie im Kapitel 3/Zahngesundheit und Kapitel 4/Schulein- gangsuntersuchung vorgestellt: − Quote übergewichtiger Kinder Quelle: Schuleingangsuntersuchung siehe 4.2.3, örtliche Zuordnung zum Stadtteil: Wohnadresse des Kindes − Quote der Kinder mit fehlender Teilnahme an der Früherkennungsuntersuchung U8 (bezogen auf die in der Schuleingangsuntersuchung vorgelegten Unter- suchungshefte), Quelle: Schuleingangsuntersuchung siehe 4.2.2, örtliche Zuordnung zum Stadtteil: Wohnadresse des Kindes − Quote der Kinder mit auffälligem Punktwert in einem der Tests zum Entwicklungsstand zugrunde gelegte Tests: „Selektive Aufmerksamkeit“, „Zählen“, „Zahlen- und Mengenvorwissen“, „Visuo- motorik“, „Visuelles Wahrnehmen“, „Pseudowörter nachsprechen“, „Körperkoordination“, Quelle: Schu- leingangsuntersuchung siehe 4.2.4, örtliche Zuordnung zum Stadtteil: Wohnadresse des Kindes − Quote der Kinder, die kein naturgesundes Gebiss aufweisen Quelle: Reihenuntersuchungen des Kinder- und Jugendzahnärztlichen Dienstes siehe 3.1 und 3.2, örtliche Zuordnung zum Stadtteil: Grundschuladresse des Kindes, bei Stadtteilen ohne Grundschule liegt daher kein Wert vor. Zu jedem dieser Indikatoren gibt es in diesen Kapiteln jeweils eine kleinräumige Stadtkarte. Des Weiteren wird hier auf die Ausführungen in die entsprechenden Kapitel verwiesen. Pro Stadtteil werden die Werte der vier Indikatoren da rauf hin betrachtet, wie sie im Vergleich zum städti- schen Mittelwert liegen. Für einige Stadtteile sind keine Werte für Zahngesundheit aufgeführt, da es dort keine Grundschulen gibt, zum Beispiel Hahnwald oder Libur. Dort werden nur die Werte der drei vorhandenen Indika- toren herangezogen. Wenn bei einem Stadtteil über die Hälfte der vorliegen- den Werte im Vergleich zum den städtischen Mittelwer- ten unterdurchschnittlich sind, kann dies darauf hinwei- sen, dass übergreifende Setting-bezogene Maßnahmen der Gesundheitsförderung insbesondere in diesen Stadtteilen hohe Priorität haben. Das trifft auf die Stadt- teile Meschenich, Bickendorf, Bocklemünd/Mengenich, Ossendorf, Niehl, Weidenpesch, Bilderstöckchen, Lind- weiler, Chorweiler, Roggendorf/Thenhoven, Gremberg- hoven, Eil, Porz, Wahnheide, Lind, Finkenberg, Hum- boldt/Gremberg, Kalk, Höhenberg, Ostheim, Mülheim, Buchheim, Buchforst und Dünnwald zu. In der Tabelle von Abbildung 38 sind diese Stadtteile mit einem roten Punkt gekennzeichnet. Auch bei unterdurchschnittlichen Werten zweier Indi- katoren und durchschnittlichen Werten der anderen beiden Indikatoren ist der Bedarf Setting-bezogener Maßnahmen der Gesundheitsförderung zu prüfen. Dies betrifft die Stadtteile Raderberg, Seeberg, Blumen- berg, Worringen, Wahn, Vingst, Neubrück, Höhenhaus, Stammheim und Flittard. Die Ergebnisse der Stadtteile Godorf und Immendorf sind aufgrund der geringen Zahl untersuchter Kinder (unter 50 Kinder mit gültigen Anga- ben) nur bedingt belastbar, daher werden sie in diese Auswertung nicht einbezogen. Armut und Kindergesundheit Der Zusammenhang sozialer und gesundheitlicher Benachteiligung von Kindern und Jugendlichen bildet sich hier – wie auch in vorangegangener Gesundheits- berichterstattung 107 – kleinräumlich auf Stadtteilebene ab: Als Hinweis auf soziale Benachteiligung sowie Armut dient in diesem Zusammenhang eine im Stadtteil über- durchschnittliche Quote an Kindern unter 15 Jahren in SGB II-Bedarfsgemeinschaften 108 . In den vorgenann- ten Stadtteilen, mit Ausnahme von Raderberg, Niehl, Ossendorf, Blumenberg, Worringen und Wahn liegt die Quote an Kindern unter 15 Jahren in SGB II- Bedarfsge - meinschaften über dem städtischen Durchschnitt von 21,5 Prozent (davon in Weidenpesch mit 22,5 Prozent sowie Wahnheide und Stammheim mit je 24,8 Prozent allerdings nur geringfügig). 107 vgl. Stadt Köln, Gesundheitsamt, „Kindergesundheit im Vorschulalter, Gesundheitsbe- richt 2009“: 94 108 Durchschnittliche Quote der Kinder, die in SGB II-Bedarfsgemeinschaften leben, von den Kindern unter 15 Jahre, die ihren Hauptwohnsitz in Köln haben: 21,5, Prozent, Bezugsjahr 2016, Stand 31.12.2016, Quelle: Bundesagentur für Arbeit/Stadt Köln – Amt für Stadt- entwicklung und Statistik Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 72 Abbildung 38: Stadtteilbezogene Übersicht gesundheitsbezogener Indikatoren der Schuleingangsuntersuchung und der Reihenuntersuchungen des Kinder- und Jugendzahnärztlichen Dienstes Stadtteilbezogene Auswertung gesundheitsbezoge- ner Indikatoren Übergewicht und erhebliches Überge- wicht: U-8-Teilnahme: Testergebnisse zum Entwicklungsstand: Zahngesundheit: Bedarf an Maß- nahmen zur Gesund- heitsförderung/ Prävention Anteil der Kinder mit Übergewicht oder erheblichem Über- gewicht an allen Kin- dern, die untersucht wurden Anteil der Kinder, die nicht an der U8 teilgenommen haben an allen Kindern, die untersucht wurden und ein Untersu- chungsheft vorgelegt haben Anteil an Kindern mit auffälligem Punkt- wert bei mindestens einem der Tests zum Entwicklungsstand Anteil an Kindern, die kein naturgesundes Gebiss aufweisen Jahrgang 2015-2017 Jahrgang 2015-2017 Jahrgang 2015-2017 Schuljahr 2016/2017 n=23.816 n=23.603 n=24.044 n=16.271 über dem Durchschnitt im Durchschnitt unter dem Durchschnitt Hinweis auf hohe Priorität: Bezirk 1 Innenstadt 101 / Altstadt/Süd 102 / Neustadt/Süd 103 / Altstadt/Nord 104 / Neustadt/Nord 105 / Deutz Bezirk 2 Rodenkirchen 201 / Bayenthal 202 / Marienburg Keine Daten 203 / Raderberg 204 / Raderthal Keine Daten 205 / Zollstock 206 / Rondorf 207 / Hahnwald Keine Daten 208 / Rodenkirchen 209 / Weiß 210 / Sürth 211 / Godorf 212 / Immendorf 213 / Meschenich Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 73 Stadtteilbezogene Auswertung gesundheitsbezoge- ner Indikatoren Übergewichtig und erhebliches Überge- wicht: U-8-Teilnahme: Testergebnisse zum Entwicklungsstand: Zahngesundheit: Bedarf an Maßnah- men zur Gesund- heitsförderung/ Prävention Anteil der Kinder mit Übergewicht oder erheblichem Über- gewicht an allen Kin- dern, die untersucht wurden Anteil der Kinder, die nicht an der U8 teilgenommen haben an allen Kindern, die untersucht wurden und ein Untersu- chungsheft vorgelegt haben Anteil an Kindern mit auffälligem Punkt- wert bei mindestens einem der Tests zum Entwicklungsstand Anteil an Kindern, die kein naturgesundes Gebiss aufweisen Jahrgang 2015 -2017 Jahrgang 2015-2017 Jahrgang 2015-2017 Schuljahr 2016/2017 n=23.816 n=23.603 n=24.044 n=16.271 über dem Durchschnitt im Durchschnitt unter dem Durchschnitt Hinweis auf hohe Priorität: Bezirk 3 Lindenthal 301 / Klettenberg 302 / Sülz 303 / Lindenthal 304 / Braunsfeld 305 / Müngersdorf 306 / Junkersdorf 307 / Weiden 308 / Lövenich 309 / Widdersdorf Bezirk 4 Ehrenfeld 401 / Ehrenfeld 402 / Neuehrenfeld 403 / Bickendorf 404 / Vogelsang 405 / Bockl./Meng.* 406 / Ossendorf Bezirk 5 Nippes 501 / Nippes 502 / Mauenheim 503 / Riehl 504 / Niehl 505 / Weidenpesch 506 / Longerich 507 / Bilderst.* Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 74 Stadtteilbezogene Auswertung gesundheitsbezoge- ner Indikatoren Übergewichtig und erhebliches Überge- wicht: U-8-Teilnahme: Testergebnisse zum Entwicklungsstand: Zahngesundheit: Bedarf an Maßnah- men zur Gesund- heitsförderung/ Prävention Anteil der Kinder mit Übergewicht oder erheblichem Über- gewicht an allen Kin- dern, die untersucht wurden Anteil der Kinder, die nicht an der U8 teilgenommen haben an allen Kindern, die untersucht wurden und ein Untersu- chungsheft vorgelegt haben Anteil an Kindern mit auffälligem Punkt- wert bei mindestens einem der Tests zum Entwicklungsstand Anteil an Kindern , die kein naturgesun- des Gebiss aufweisen Jahrgang 2015 -2017 Jahrgang 2015-2017 Jahrgang 2015-2017 Schuljahr 2016/2017 n=23.816 n=23.603 n=24.044 n=16.271 über dem Durchschnitt im Durchschnitt unter dem Durchschnitt Hinweis auf hohe Priorität: Bezirk 6 Chorweiler 601 / Merkenich 602 / Fühlingen Keine Daten 603 / Seeberg 604 / Heimersdorf 605 / Lindweiler 606 / Pesch 607 / Esch/Auweiler 608 / Volk./Weil.* Keine Daten 609 / Chorweiler 610 / Blumenberg 611 / Rogg.Thenh.* 612 / Worringen Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 75 Stadtteilbezogene Auswertung gesundheitsbezoge- ner Indikatoren Übergewichtig und erhebliches Überge- wicht: U-8-Teilnahme: Testergebnisse zum Entwicklungsstand: Zahngesundheit: Bedarf an Maßnah- men zur Gesund- heitsförderung/ Prävention Anteil der Kinder mit Übergewicht oder erheblichem Über- gewicht an allen Kin- dern, die untersucht wurden Anteil der Kinder, die nicht an der U8 teilgenommen haben an allen Kindern, die untersucht wurden und ein Untersu- chungsheft vorgelegt haben Anteil an Kindern mit auffälligem Punkt- wert bei mindestens einem der Tests zum Entwicklungsstand Anteil an Kindern, die kein naturgesundes Gebiss aufweisen Jahrgang 2015 -2017 Jahrgang 2015-2017 Jahrgang 2015-2017 Schuljahr 2016/2017 n=23.816 n=23.603 n=24.044 n=16.271 über dem Durchschnitt im Durchschnitt unter dem Durchschnitt Hinweis auf hohe Priorität: Bezirk 7 Porz 701 / Poll 702 / Westhoven Keine Daten 703 / Ensen 704 / Grembergh. 705 / Eil 706 / Porz 707 / Urbach 708 / Elsdorf Keine Daten 709 / Grengel 710 / Wahnheide 711 / Wahn 712 / Lind Keine Daten 713 / Libur Keine Daten 714 / Zündorf 715 / Langel 716 / Finkenberg Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 76 Stadtteilbezogene Auswertung gesundheitsbezoge- ner Indikatoren Übergewichtig und erhebliches Überge- wicht: U-8-Teilnahme: Testergebnisse zum Entwicklungsstand: Zahngesundheit: Bedarf an Maßnah- men zur Gesund- heitsförderung/ Prävention Anteil der Kinder mit Übergewicht oder erheblichem Über- gewicht an allen Kin- dern, die untersucht wurden Anteil der Kinder, die nicht an der U8 teilgenommen haben an allen Kindern, die untersucht wurden und ein Untersu- chungsheft vorgelegt haben Anteil an Kindern mit auffälligem Punkt- wert bei mindestens einem der Tests zum Entwicklungsstand Anteil an Kindern, die kein naturgesundes Gebiss aufweisen Jahrgang 2015 -2017 Jahrgang 2015 -2017 Jahrgang 2015 -2017 Schuljahr 2016/2017 n=23.816 n=23.603 n=24.044 n=16.271 über dem Durchschnitt im Durchschnitt unter dem Durchschnitt Hinweis auf hohe Priorität: Bezirk 8 Kalk 801 / Humb/Gre.* 802 / Kalk 803 / Vingst 804 / Höhenberg 805 / Ostheim 806 / Merheim 807 / Brück 808 / Rath/Heumar 809 / Neubrück Bezirk 9 Mülheim 901 / Mülheim 902 / Buchforst 903 / Buchheim 904 / Holweide 905 / Dellbrück 906 /Höhenhaus 907 / Dünnwald 908/ Stammheim 909 / Flittard *In der Tabelle abgekürzte Stadtteilnamen: 405/Bocklemünd/Mengenich, 507/Bilderstöckchen, 608/Volkhoven/Wei- ler, 611/Roggendorf/Thenhoven, 704/Gremberghoven, 801/Humboldt/Gremberg Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 77 9 Zusammenfassung, Ausblick und Empfehlungen 9.1 Wichtigste Ergebnisse zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen im Überblick Basis dieses Kinder- und Jugendgesundheitsberichtes sind die Daten der Schuleingangsuntersuchung, der Reihenuntersuchungen des Kinder- und Jugendzahn- ärztlichen Dienstes sowie der Beratungs- und Falldoku- mentationen. Bei den Schuleingangsuntersuchungen ist zu berücksichtigen, dass die primäre Aufgabe darin besteht, die Schulfähigkeit der Kinder festzustellen und bei Bedarf gezielt Fördermöglichkeiten in die Wege zu leiten. Entsprechend liegt der Fokus der Untersuchun- gen in erster Linie auf den schulrelevanten Fähigkeiten und dem individuellen Förderbedarf des vorgestellten Kindes. Da grundsätzlich jedes Kind die Schuleingangs- untersuchung vor der Einschulung durchläuft, können die Ergebnisse jedoch Hinweise auf die gesundheitliche Situation der Kinder in Köln geben. Der überwiegende Teil der Kinder in Köln zeigt bei der Schuleingangsuntersuchung 2017 wie bereits in den Vorjahren in den hier dargestellten Schwerpunkten der schulärztlichen sowie zahnärztlichen Untersuchungen eine gesunde und altersgerechte Entwicklung. Im Ver- gleich zu den Vorberichten 2009 und 2013 gibt es Ver- änderungen in folgenden Bereichen: Gegenüber den Ergebnissen der Schuleingangsunter- suchungen aus 2012 haben sich die Durchimpfungs- raten gegen Masern, Mumps, Röteln leicht erhöht und gegen Varizellen, Hepatitis B und Pneumokokken sogar deutlich verbessert. In Bezug auf Diphtherie, Tetanus und Pertussis ist allerdings ein leichter Rückgang der Durchimpfungsrate zu verzeichnen. Die Teilnahmequoten an den Früherkennungsuntersu- chungen U6 bis U9 sind beim Jahrgang 2017 gegenüber dem Jahrgang 2012 geringfügig angestiegen, die Teil- nahmequote an der seit 2010 generell angebotenen Frü- herkennungsuntersuchung U7a hat sich sogar erheblich erhöht. Im Einschulungsjahrgang 2017 zeigt sich – wie auch in den Vorjahren – ein hoher Anteil an Kindern mit Adipo- sitas. Im Vergleich zum Ausgangswert 2012 (5,4 Pro- zent) ist mit 4,3 Prozent im Jahrgang 2017 ein leichter Rückgang bei den 5- bis 6-jährigen Kindern zu beobach- ten. Die Analysen der KIGGS-Studie des Robert Koch-In- stituts 109 belegen, dass bei Kindern und Jugendlichen mit zunehmendem Alter auch der Anteil an Kindern mit Übergewicht und Adipositas steigt. Weiterhin ist es wichtig, bereits vor der Einschulung das Thema Über- wicht in den Blick zu nehmen. Der Anteil untergewichtiger Kinder hat sich dagegen im Vergleich zum Jahrgang 2012 leicht erhöht. Die weitere Entwicklung dieses Wertes sollte beobachtet werden. In den Kindertageseinrichtungen hat sich die Zahnge- sundheit der Kinder aus den „Risikoeinrichtungen 110 “ im Schuljahr 2016/2017 seit dem Schuljahr 2011/2012 verbessert. In den Grundschulen gibt es eine gene- relle Verbesserung der Zahngesundheitswerte. Diese Entwicklungen sind unter anderem auf die gezielten gruppenprophylaktischen Maßnahmen des Kinder- und Jugendzahnärztlichen Dienstes zurückzuführen. Von Gesundheitsrisiken sind nach wie vor Kinder in benachteiligten sozialen Lebenssituationen 111 beson- ders betroffen. Darüber hinaus lassen sich Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen sozialem Status und Ergebnissen zur Gesundheit– ebenso wie in den Vorjahren auch wieder bei der Analyse der Schulein - gangsuntersuchung Köln 2017 erkennen. Durch einen niedrigschwelligen und Setting-bezogenen Ansatz kann der öffentliche Gesundheitsdienst diese Kinder, Jugend- lichen und ihre Eltern gezielt und frühzeitig erreichen und in das vorhandene Regelsystem des Gesundheits - wesens mit entsprechenden Angeboten oder anderen Hilfen einbinden. Beispiele reichen von den Frühen Hil - fen über den Kinder- und Jugendzahnärztlichen Dienst oder die Kinder- und Jugendpsychiatrische Beratungs - stelle bis zur fachärztlichen Betreuung von Geflüchteten in Gemeinschaftsunterkünften. 109 „KIGGS-Studie“: Studie zur Kinder- und Jugendgesundheit in Deutschland, Quelle hier: Kurth B, Rosario AS (2007) Die Verbreitung von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Bundesgesundheitsbl – Gesundheitsforsch – Gesund- heitsschutz 50(5-6):736-743 Schienkiewitz A, Brettschneider A-K, Damerow S, Schaffrath Rosario A, in Robert Koch-In- stitut (Hrsg) “KiGGS Welle 2: Ergebnisse im Journal of Health Monitoring”, Gesamtaus- gabe 1/2018, „Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter in Deutschland – Querschnittergebnisse aus KiGGS Welle 2 und Trends“ www.kiggs-studie.de/ergebnisse/ kiggs-welle-2/johm.html, abgerufen am 23.03.2018 110 „Risikoeinrichtung“, siehe 3.1: Die 10 Prozent aller Einrichtungen, die die geringste Quote an Kindern mit naturgesunden Gebissen im Schuljahr 2011/2012 aufwiesen 111 hier: materielle Benachteiligung (in SGBII-Bedarfsgemeinschaften) Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 78 Gruppenprophylaktische Maßnahmen 9.2 Aktuelle Entwicklungen Es zeigt sich wie bereits in den beiden Gesundheitsbe- richten 2009 und 2013, dass seelische Probleme als gesellschaftliches Phänomen an Bedeutung gewinnen. Ein Anstieg von psychischen Erkrankungen in der Bevöl- kerung wird durch die Krankenkassen auf der Basis von Diagnosedaten und krankheitsbedingten Fehlzeiten am Arbeitsplatz bestätigt, unter anderem durch den DAK-Gesundheitsreport, den Report Krankenhaus der Barmer Ersatzkasse sowie den Fehlzeiten-Report des AOK-Bundesverbandes. Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen sind laut Fehlzeiten-Report 2017 des AOK Bundesverband in den letzten 10 Jahren erheblich gestiegen, sie nahmen um 79,3 Prozent zu. Systematische Erhebungen zu psychischen Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen gibt seit 2003 im Rahmen der bundesweiten „KIGGS-Studie“ des Robert Koch-Insti- tuts. Danach liegt der Anteil an Kindern und Jugendlichen mit Hinweis auf psychische Auffälligkeiten sowohl in der Basiserhebung aus dem Zeitraum 2003 bis 2006 als auch in der Folgeerhebung aus dem Zeitraum 2009 bis 2012 bei etwa einem Fünftel der Kinder und Jugendlichen. Psychische Beeinträchtigungen belasten die persönliche Entwicklung und den Lebensweg der betroffenen Person ebenso wie das familiäre Umfeld der erkrankten Person, besonders dann, wenn es sich dabei um Kinder, Jugend- liche und junge Erwachsene handelt. Entsprechend des hohen Bedarfs von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Problemen wurde der Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienst im Rahmen einer Projektförderung durch das Land Nordrhein-West- falen mit Laufzeit von März 2014 bis Mai 2017 zu einem stadtweit vernetzten Angebot erweitert. Dabei wurde der Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienst in zwei besonders belasteten Stadtbezirken ausgebaut. Zusätzlich zu dem zentralen Beratungsangebot im Gesundheits amt und damit in der Innenstadt wurden zwei weitere Beratungsstellen in den Bürgerämtern der Stadtbezirke Kalk und Mülheim eingerichtet, um eine intensivierte Zusammenarbeit mit den Bezirksju- gendämtern und eine sozialräumlich vernetzte Arbeit vor Ort sowie die Erreichbarkeit für betroffene Familien und die aufsuchende Arbeit zu erleichtern. Durch den Ausbau ist es gelungen, Kinder und Jugendliche mit mul- Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 79 tiplen Problemlagen nicht nur in den beiden Stadtbezir- ken, sondern im gesamten Stadtgebiet besser zu errei- chen, frühzeitig und bedarfsgerecht zu unterstützen und nachhaltig in das reguläre Hilfesystem einzubinden. Eine unbefristete Weiterführung der beiden durch das Projekt initiierten Beratungsstellen Kalk und Mülheim wurde vom Rat der Stadt Köln im Jahr 2017 beschlossen. Zunehmend treten auch ältere Jugendliche und junge Erwachsene mit psychischen Problemen in Erscheinung. Sie benötigen Unterstützung, um die Übergänge auf dem Weg ins Erwachsenenalter bewältigen zu können. Dabei besteht hier die Herausforderung, Fachärztinnen und Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie für die Arbeit im Öffentlichen Gesundheitsdienst zu gewinnen. Entsprechend den Empfehlungen der „Koordinierungs- gruppe U 27“, einer Arbeitsgruppe von Kölner Expertin- nen und Experten aus unterschiedlichen Institutionen, wie zum Beispiel Jobcenter, Landschaftsverband, Ämter der Stadt Köln und Träger der Jugendhilfe und Erwach- senenpsychiatrie, wurde das Konzept „U 27“ mit Hand- lungsempfehlungen erstellt. Es umfasst ein Gesamt- angebot mit unterschiedlichen Bausteinen für junge Menschen mit psychischen Problemen. Bisher konnten unter anderem die Beratungsstelle „Proberaum“ und das tagesstrukturierende Projekt- angebot „Proberaum WorX“ in Trägerschaft der Alexianer Köln GmbH, finanziert über das Jobcenter, realisiert werden. Darüber hinaus wurde das Angebot „Plan 27“ als aufsuchende Hilfe am 1. April 2017 in den elf Sozialraumgebieten im Rahmen des Programmes „Starke Veedel – starkes Köln“ gestartet. Es wird als Kooperation des Gesundheitsamts der Stadt Köln mit den Trägern Alexianer Köln GmbH, Der Sommerberg AWO Betriebsgesellschaft mbH und dem Verein des Sozialpsychiatrischen Zentrums (SPZ) Köln-Nippes und Köln-Chorweiler e. V. durchgeführt und ist zunächst bis zum 31.03.2019 befristet. Am 20.3.2018 fand unter dem Titel „Vun nix kütt nix – Junge Kölner bekommen Hilfen!?“ eine gemeinsame Fachtagung aller Arbeits- kreise der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft Köln in Kooperation mit der Koordinierungsgruppe U 27 im Dominikus-Brock-Haus der Alexianer Köln GmbH in Köln-Porz statt. Dabei ging es unter anderem darum, die Handlungsempfehlungen der Koordinierungsgruppe U 27 sowie Angebote für junge Menschen mit psychischen Erkrankungen vorzustellen und weitere Handlungsbe- darfe zu definieren. Im Koalitionsvertrag ist eines der Ziele der neuen Bun- desregierung die Situation von Kindern psychisch belas- teter Eltern zu verbessern. Die Schnittstellenprobleme bei der Unterstützung von Betroffenen sollen mit dem Ziel einer besseren Kooperation und Koordination der unterschiedlichen Hilfesysteme beseitigt werden. Wenn ein Elternteil eine psychische Erkrankung oder Sucht aufweist, wird das Familiensystem dadurch stark belas- tet. Da die Kinder in diesen Familien in ihrer Entwicklung beeinträchtigt werden können und selbst ein erhöhtes Risiko psychischer Erkrankung aufweisen, sollten sie frühzeitig Unterstützung erhalten. In Köln gibt es Bera- tungs- und Unterstützungsangebote für psychisch belas- tete Eltern und deren Kinder durch den Sommerberg AWO Betriebsgesellschaft mbH und die Stiftung Leucht- feuer, finanziert durch das Gesundheitsamt der Stadt Köln. Anfang 2018 ist in Köln eine Kooperationsvereinba- rung, wie es sie schon seit Februar 2012 für Eltern in Sub- stitutionstherapie gibt, zur Unterstützung von Kindern psychisch kranker Mütter und/oder Väter abgeschlossen worden. Die Vereinbarung regelt die Zusammenarbeit von Akteurinnen und Akteuren der Institutionen unterei- nander, damit psychisch kranken Eltern und ihrem Kind/ ihren Kindern ein gemeinsames Leben ermöglicht wer- den kann. Im Zentrum der Kooperation steht dabei die Verantwortung für das Wohl des Kindes/der Kinder. Die- se Kooperation soll von einem Beirat begleitet werden. Ein weiterer Fokus liegt aktuell auf der gesundheitlichen Prävention und Versorgung von Menschen, die geflüch- tet sind. Vor dem Hintergrund der hohen Anzahl neu zu gewanderter Geflüchteter, die zunächst in Notunterkünf- ten untergebracht werden mussten, wurden kurzfristig Angebote gesundheitlicher Prävention und Versorgung für geflüchtete Familien, Kinder und Jugendliche einge- richtet. Die medizinischen und kinder- und jugendpsych- iatrischen Fachdienste des Gesundheitsamtes der Stadt Köln bieten in Unterkünften für Geflüchtete Sprech- stunden und vor Ort Beratung sowie Unterstützung an. Aufgrund des hohen Bedarfs, der sich bei Sprechstunden der medizinischen und sozialarbeiterischen Fachkräfte vor Ort zeigte, wurde im Juli 2016 das Projekt „Fachärzt- liche und soziale Beratung in Flüchtlingsunterkünften“ gestartet und seit November 2016 als Regelangebot wei- tergeführt. Darüber hinaus wirken die Frühen Hilfen im Gesundheitsamt aktiv an der Verbesserung der Grund- versorgung von Neugeboren und Wöchnerinnen sowie an Projekten zur Entwicklung von Präventionsmaßnah- men zur Kindersicherheit und zum Kinderschutz mit. Sie sind Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 80 Fachtagung März 2018 „Vun nix kütt nix – Junge Kölner bekommen Hilfen!?“, Foto oben: Jochen Blume unten: Präsentation „Plan27“ im Rahmen der Fachtagung, Foto: Lothar Mönch die in den Unterkünften tätigen Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter und werden auch von anderen Institutio- nen wie Geburts- und Kinderkliniken, niedergelassene Gynäkologinnen und Gynäkologen, Kinderärztinnen und Kinderärzte kontaktiert, wenn die Familien mit der Ver- sorgung ihrer Kinder und zum Teil auch mit der eigenen Erkrankung überfordert erscheinen. Erfahrungen zeigen, dass die Anbindung an das Regelsystem häufig nur sehr zögerlich erfolgt oder teilweise unzureichend ist, sodass zunächst eine weitere Begleitung erforderlich ist. Ebenso sind viele der unterstützungsbedürftigen Famili- en, die bereits eigenen Wohnraum haben, noch nicht in der Lage, ihre Wege alleine und ohne fremde Unterstüt- zung zu gehen. Wenn sich die Unterbringungssituation entspannt hat und diese Familien „zur Ruhe“ kommen, werden schwerwiegende Problematiken oft erst sicht- bar und deutlich. Daher übernehmen die Frühen Hilfen des Gesundheitsamtes, verschiedene freie Träger sowie Hebammen des Deutschen Roten Kreuzes (im Rahmen eines Projekts) aufgrund der sich aktuell ändernden Wohn- und Betreuungssituation von Geflüchteten zunehmend auch die Begleitung von jungen Familien und Schwangeren, die in den eigenen Wohnraum ziehen und noch Unterstützungsbedarf haben, zum Beispiel bei der Anbindung an ärztliche Praxen, Beratungsstellen oder an stationäre Hilfen. Auch hier gibt es einen engen Austausch mit allen Akteurinnen und Akteuren sowie Kontaktpersonen, um die Familien bedarfsgerecht und individuell unterstützen zu können. 9.3 Ausblick und Empfehlungen Vor dem Hintergrund der beschriebenen gesundheitli- chen Situation von Kindern in Köln müssen Präventions- und Gesundheitsförderung, aber auch Versorgungsan- gebote kontinuierlich bedarfsgerecht angeboten, evalu- iert und weiterentwickelt werden. Kassenübergreifende Setting-Projekte im Rahmen des Präventionsgesetzes werden erstmals in 2018 über das Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen (LZG NRW) beworben und könnten unterstützend dazu beitragen. Folgende Ansätze sollten entwickelt, umgesetzt und verstetigt werden: − Einbindung der Schuleingangsuntersuchung ins Veedel Bisher finden die schulärztliche Untersuchungen in den Kölner Grundschulen oder zentral im Gesundheitsamt statt. Aktuell wird eine dezentrale Bündelung der Schu- leingangsuntersuchungen an einem festen Anlaufpunkt Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 81 auf Bezirksebene als Projekt im Rahmen der Verwal- tungsreform erarbeitet. Dadurch können die Schulärz- tinnen und Schulärzte als kontinuierlich erreichbare und zuverlässige Ansprechpartnerinnen und Ansprechpart- ner für Eltern, Schulen, Fachdienste sowie für ärztliche und therapeutische Praxen im Veedel zur Verfügung ste- hen und damit ihr Angebot für die Kinder optimieren. − Angebote „U 27“ für Jugendliche und junge Erwach - sene mit seelischen Störungen Die bisherige Umsetzung der Angebote „U 27“ zeigt, dass diese bei den älteren Jugendlichen und junge Erwachsenen mit psychischen Erkrankungen auf posi- tive Resonanz stoßen, einander ergänzen und eine Versorgungslücke im Hilfesystem zwischen Kinder- und Jugendpsychiatrie und Angeboten der Sozialen Psychiatrie für Erwachsene zu schließen vermögen. Die derzeit befristeten Projekte „Proberaum Worx“ und „Plan 27“ sollten daher aus fachlicher Sicht wei- tergeführt werden. Dabei ist perspektivisch zu prüfen, inwieweit das aufsuchende Angebot „Plan 27“ (bisher auf die ausgewiesenen Sozialraumgebiete beschränkt) auf das gesamte Stadtgebiet ausgeweitet werden soll- te. Eine zielgerichtete Weiterentwicklung des Gesamt- angebots „U 27“ auf Grundlage der Auswertungen der bestehenden Angebote ist anzustreben. − Vermittlung von Gesundheitskompetenz für Kinder und Jugendliche, die geflüchtet sind Zu der gesundheitlichen Situation von Menschen, die geflüchtet sind, führt die Bundeszentrale für gesund- heitliche Aufklärung aus: „Angebote der Gesund- heitsförderung und Prävention müssen Geflüchtete vermehrt berücksichtigen, um auch ihnen ein gesundes Leben in der neuen Heimat zu ermöglichen 112 .“ Dies gilt im besonderen Maße auch für geflüchtete Kinder und Jugendliche. Sie haben teilweise ihre Eltern verloren oder sind von ihnen getrennt worden. Auch wenn die Eltern oder Elternteile präsent sind, kann es sein, dass diese aufgrund der Belastungen, die sie erfahren haben und erfahren, selbst stark beansprucht sind. Hinzu kommen oft noch sprachliche und kulturelle Barrieren. Häufig können daher geflüchtete Eltern ihre Kinder nicht so unterstützen, wie es erforderlich wäre, obwohl auch gerade für diese Kinder und Jugendlichen mit ihrer besonderen Situation erhöhte Krankheitsrisiken beste- hen. Daher sollten nicht nur die Eltern, sondern auch 112 BzGA, https://www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/gefluechtete, abgerufen am 06.03.2018 die Kinder und Jugendlichen gezielt in ihrer Gesund- heitskompetenz gefördert werden. Dies umfasst unter anderem Gesundheitswissen und die Fähigkeit, einen gesunden Lebensstil zu führen. Hierzu gilt es, Maßnah- men zu entwickeln und Zugänge zu schaffen werden, um diese Kinder und Jugendlichen zu erreichen und ent- sprechend zu fördern. Entsprechende Konzepte sollten bundesweit entwickelt und lokal umgesetzt werden. − Zielgruppenspezifische Angebote zur Ernährung, Bewegung und seelischen Gesundheit für Kinder in Kindertageseinrichtungen, Schulen und Freizeit Im Bereich Bildung und Freizeitgestaltung sollte ein ganz- heitlicher Ansatz der „Gesunden Schule“ und der „Gesun- den Kindertageseinrichtung“ sowie der „Gesunden Frei- zeiteinrichtung“ verfolgt werden. In den Einrichtungen sollten Bewegung, ausgewogene Ernährung und soziale sowie emotionale Kompetenzen bei den Kindern und Jugendlichen zielgerichtet gefördert werden. Dabei gilt es, auch das gesamte Umfeld einzubeziehen und sozialen Netzwerke innerhalb der Institution und nach außen zum Gemeinwesen und insbesondere zu den Eltern zu schaf- fen. Ein Ansatz zur Setting-bezogenen Gesundheitsförde- rung und Prävention könnte bei entsprechender Ausge- staltung des Präventionsgesetzes auf lokaler Ebene unter einer ämter- und dezernatsübergreifender Koordination in der Abstimmung und dem Zusammenwirken aller beteiligten Akteurinnen und Akteure liegen. Insbeson- dere Kinder und Jugendliche, die in ihrem unmittelbaren familiären Umfeld nicht entsprechende Voraussetzungen vorfinden, könnten davon profitieren. Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 82 10 Anhang 10.1 Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Frühe Hilfen im Gesundheitsamt, Köln, Clearingstelle, Anmeldung in 2015, n=134 .............................10 Abbildung 2: Frühe Hilfen im Gesundheitsamt, Köln, Clearingstelle, vorkommende Probleme und Risikokonstellationen 2015, n=134...........................................................................................................................11 Abbildung 3: Frühe Hilfen im Gesundheitsamt, Köln, Clearingstelle, intensive Begleitungen/Hilfestellungen durch die Clearingstelle selbst und Vermittlungen zu anderen Angeboten, 2015, n=134 .........................................12 Abbildung 4: Frühe Hilfen im Gesundheitsamt, Köln, Clearingstelle, Anmeldungen nach Stadtbezirken 2015, n=134 ......................................................................................................................................12 Abbildung 5: Kinder- und Jugendzahnärztlicher Dienst Köln, Ergebnisse Reihenuntersuchungen, Quote an Grundschulkindern mit naturgesunden Gebissen in der Klasse 1 und 3, Vergleich Durchschnittswerte Köln und Werte der Gemeinschaftsgrundschule Zehnthofstr....................................................................................22 Abbildung 6: Kinder- und Jugendzahnärztlicher Dienst Köln, Reihenuntersuchung aus dem Schuljahr 2016/2017, stadtteilbezogene Auswertung zur Zahngesundheit, Quote an Grundschulkindern mit naturgesunden Gebissen in der Klasse 1 und 3 (n=16.271) ..............................................................................................................................25 Abbildung 7: Schuleingangsuntersuchung Köln, Jahrgänge 2012 (n= 3.224) und 2017 (n= 3.652), Deutschkenntnisse der Kinder mit anderer Erstsprache als Deutsch in den Schuleingangsuntersuchungen ..............30 Abbildung 8: Schuleingangsuntersuchung Köln, Vergleich Jahrgänge 2005, 2009, 2013, 2017, Anteil an Kindern mit vollständigem Impfschutz (zweifache Impfungen) gegen Masern bei vorgelegten Impfpässen in Köln nach Einschulungsjahrgängen ....................................................................................................32 Abbildung 9: Schuleingangsuntersuchung Köln, Einschulungsjahrgänge 2012 (n=7.881) und 2017 (n=8.560), Anteil an Kindern mit vollständigem Impfschutz gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Hib, Polio, Hepatitis B in Köln, prozentuiert auf vorgelegte Impfpässe .......................................................................................33 Abbildung 10: Schuleingangsuntersuchung Köln, Jahrgänge 2015 bis 2017, stadtteilbezogene Auswertung zum vollständigen Impfschutz gegen Masern ...........................................................................................................34 Abbildung 11: Schuleingangsuntersuchung Köln, Jahrgänge 2012 (n=7.947) und 2017 (n= 8.525), Vergleich Teilnahmequote der U5 bis U9, bei den Kindern mit vorgelegten Untersuchungsheften ...........................35 Abbildung 12: Schuleingangsuntersuchung Köln, Jahrgänge 2015 bis 2017, stadtteilbezogene Auswertung zur U8-Teilnahmequote, prozentuiert auf die vorgelegten Untersuchungshefte ...................................37 Abbildung 13: Vergleich Schuleingangsuntersuchung Köln 2017 (n=8.492) und 2012 (n=8.694), Körpergewicht, Anteil über- und untergewichtiger Kinder (Modell nach Kromeyer-Hausschild) ................................38 Abbildung 14: Schuleingangsuntersuchung Köln, Überblick Jahrgänge 2012 bis 2017, Entwicklung des Anteils untergewichtiger Kinder (Modell nach Kromeyer-Hausschild) .................................................................39 Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 83 Abbildung 15: Schuleingangsuntersuchungen Köln, Überblick Jahrgänge 2012 bis 2017 im Vergleich, Anteil übergewichtiger Kinder in Prozent (Modell nach Kromeyer-Hausschild) .........................................................39 Abbildung 16: Schuleingangsuntersuchung Köln 2017, Anteil Kinder mit Übergewicht/erheblichem Übergewicht nach Sozialstatus .................................................................................................................................40 Abbildung 17: Schuleingangsuntersuchung Köln, Jahrgänge 2015 bis 2017, stadtteilbezogene Auswertung zur Quote übergewichtiger Kinder............................................................................................................................42 Abbildung 18: Systematik der Bereiche des Entwicklungsstandes, die in der Schuleingangsuntersuchung getestet werden .......................................................................................................................................................43 Abbildung 19: Schuleingangsuntersuchung Köln 2017, Sprache, Einzeltests, Anteil an Kindern mit Befunden, Test Pseudowörter n=9.220, Test Pluralbildung n=8.642, Test Präpositionen n=8.676 .............................................44 Abbildung 20: Schuleingangsuntersuchung Köln 2017, schulrelevante Fähigkeiten, Einzeltests, Anteil an Kindern mit Befunden, Test Selektive Aufmerksamkeit n=9.401, Test Visuomotorik n=9.408, Test Visuelle Wahrnehmung=9.382, Test Zählen n=9.404, Test Mengenvergleich n=9.317 ......................................45 Abbildung 21: Schuleingangsuntersuchung Köln 2017, Körperkoordination, Einzeltest, Anteil an Kindern mit Befunden, n=9.198 ............................................................................................................................................46 Abbildung 22: Schuleingangsuntersuchung Köln 2017, Angaben zum Entwicklungsstand, Anteil an Kindern mit auffälligem Punktwert bei mindestens einem Test zum Entwicklungsstand nach Sozialstatus, n=6.110 .............46 Abbildung 23: Schuleingangsuntersuchung Köln, Jahrgänge 2015/2016/2017, stadtteilbezogene Auswertung zur Quote von Kindern mit einem auffälligen Punktwert bei den Tests zum Entwicklungsstand ...........47 Abbildung 24: Seiteneinsteigeruntersuchung Köln, Anzahl untersuchter Kinder im Vergleich 2012 bis 2017, allgemeinbildende Schulen ......................................................................................................................................52 Abbildung 25: Untersuchungen Förderklassen Berufskolleg Köln, Anzahl untersuchter Schülerinnen und Schüler im Vergleich 2014 bis 2017 ..........................................................................................................................52 Abbildung 26: Seiteneinsteigeruntersuchung Köln, Geschlecht untersuchter Kinder und Jugendlicher im Zeitraum 2012 bis 2016, allgemeinbildende Schulen (2012: n=643, 2013: n=999, 2014: n=1.171, 2015: n=1.777, 2016: n=3.052) ...............................................................................................................................52 Abbildung 27: Seiteneinsteigeruntersuchung Köln, Altersstruktur untersuchter Kinder und Jugendlicher im Zeitraum 2012 bis 2016, allgemeinbildende Schulen (2012: n=644, 2013: n=1002, 2014: n=1.171, 2015: n=1.777, 2016: n=3.051) .........................................................................................................................................53 Abbildung 28: Seiteneinsteigeruntersuchung, Staatsangehörigkeit/Herkunftsländer untersuchter Kinder im Vergleich 2012 bis 2017, bis 2016 allgemeinbildende Schulen ohne Förderklassen Berufskolleg, 2017 allgemeinbildende Schulen mit Förderklassen Berufskolleg (2012: n=418, 2013: n=616, 2014: n=787, 2015: n=1.769, 2016: n=2.133, 2017: n=1.018) ......................................................................................................54 Abbildung 29: Drei Standorte des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes ermöglichen sozialräumlich vernetzte Arbeit vor Ort ...........................................................................................................................................59 Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 84 Abbildung 30: Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst Köln, Überblick über die Entwicklung der jährlichen Anzahl an (abgeschlossenen) Beratungsfällen im Zeitraum von 2010 bis 2017, Stand 31.12.2017 ...........................60 Abbildung 31: Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst Köln, Anteil beratener Mädchen und Jungen ...............................................................................................................................................................61 Abbildung 32: Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst Köln, besuchte Schulform (allgemeinbildende Schulen) der beratenen Kinder und Jugendlichen, der prozentuale Anteil an allen Kinder und Jugendlichen, die in den betreffenden Zeiträumen in der Beratung waren ...........................................................................................................................62 Abbildung 33: Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst Köln, Altersstruktur der beratenen Kinder und Jugendlichen in Lebensjahren, Vergleich aktuelle Situation nach Ausbau des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes (Zeitraum 2015 bis 2017, n= 1.278) mit der Situation vor Start des Landesprojekts und vor Ausbau des Dienstes (Zeitraum 2010 bis 2013, n=1.194) .....................................63 Abbildung 34: Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst Köln, Durchschnitt jährliche Anzahl Beratungsfälle nach Stadtbezirk, Vergleich aktuelle Situation nach Ausbau des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes (Zeitraum 2015 bis 2017, n=1.286) mit der Situation vor Start des Landesprojekts und vor Ausbau des Dienstes (Zeitraum 2010 bis 2013, n=1.213)..............................................64 Abbildung 35: Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst Köln, Anmeldung zur Beratung, im Zeitraum 2015 bis 2017, n=1.309 .......................................................................................................................64 Abbildung 36: Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst Köln, Empfehlung zur Weiterbetreuung, im Zeitraum 2015 bis 2017, n= 1.919, Mehrfachnennungen möglich ......................................................................65 Abbildung 37: Übersicht Köln: Die Gliederung des Kölner Stadtgebietes ..................................................................70 Abbildung 38: Stadtteilbezogene Übersicht gesundheitsbezogener Indikatoren der Schuleingangs- untersuchung und der Reihenuntersuchungen des Kinder- und Jugendzahnärztlichen Dienstes ...............................72 Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 85 10.2 Tabellen Tabelle 1: Vollständiger Impfschutz gemäß aktueller Empfehlungen der STIKO, prozentuiert auf vorgelegte Impfpässe, im Vergleich Köln, NRW, Deutschland Erkrankungen Köln Jahrgang 2017 Köln Jahrgang 2016 Köln Jahrgang 2015 Köln Jahrgang 2012 NRW Jahrgang 2016 Deutschland Jahrgang 2016 Masern 94,3 93,9 93,7 92,3 94,1 92,9 Mumps 94,2 93,9 93,4 92,2 93,9 92,7 Röteln 94,1 93,6 93,4 92,1 93,9 92,7 Diphtherie 92,3 92,7 94,3 95,7 93,7 94,5 Tetanus 92,4 92,7 94,4 96,2 93,8 94,8 Pertussis 92,0 92,4 94,1 95,7 93,6 94,2 Hib 90,0 90,4 92,1 90,6 91,3 92,6 Polio 91,0 91,8 93,2 92,4 92,6 93,9 Hepatitis B 82,8 82,9 83,8 74,3 85,9 87,3 Varizellen 87,7 88 87,3 66,5 86,6 84,3 Meningokokken 89,0 86,4 86,3 86,8 91,9 89,4 Pneumokokken 73,9 76,1 88,8 67,2 80,5 84,4 Quellen: Köln, Erhebungen kommunale Gesundheitsämter, Auswertung LGZ NRW, NRW und Bund, Gesundheitsberichterstattung des Bundes 113 Tabelle 2: Impfempfehlungen STIKO (ständige Impfkommission am RKI) Vollständiger Impfschutz Erkankungen Dosen nach aktualisierter Stiko-Empfehlung Diphtherie 4x Tetanus 4x Pertussis 4x Hib 4x (3x bei Verwendung von Impfstoffen ohne Pertussiskomponente) Polio 4x (3x bei Verwendung von Impfstoffen ohne Pertussiskomponente) Hepatitis B 4x (3x bei Verwendung von Impfstoffen ohne Pertussiskomponente) Masern 2x Mumps 2x Röteln 2x Varizellen 2x Pneumokokken 2x Meningokokken >= 1mal, bei erster Dosis nach Vollendung des 1. Lebensjahres oder >=3mal, bei erster Dosis vor Vollendung des 1. Lebensjahres 113 Gesundheitsberichsterstattung des Bundes, http://www.gbe-bund.de, abgerufen am 10.07.2018 Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 86 Tabelle 3: Einschulungsuntersuchung Köln 2017, stadtbezirksbezogener Anteil an Kindern mit vollständigem Impfschutz gegen Masern (mindestens zwei Dosen), prozentuiert auf alle untersuchten Kinder mit stadtteilbezogenen Angaben und vorgelegten Impfpässen Kölner Stadtbezirke Anzahl untersuchter Kinder mit vorgelegtem Impfpass Quote an Kindern mit vollständigem Impf- schutz Masern (zweifache Impfung) in Prozent 1 / Innenstadt 634 90,69 2 / Rodenkirchen 680 95,44 3 / Lindenthal 1.036 94,50 4 / Ehrenfeld 786 93,64 5 / Nippes 920 95,00 6 / Chorweiler 700 94,57 7 / Porz 637 94,82 8 / Kalk 1.089 95,04 9 / Mülheim 1.251 94,09 Übersicht Früherkennungsuntersuchungen für Kinder: Untersuchung Zeitpunkt U1 sofort nach der Geburt U2 3. – 10. Lebenstag U3 4.– 5. Lebenswoche U4 3. – 4. Lebensmonat U5 6. – 7. Lebensmonat U6 10. – 12. Lebensmonat U7 21. – 24 Lebensmonat U7a 34. – 36. Lebensmonat U8 46. – 48. Lebensmonat U9 60. – 64. Lebensmonat Darüber hinaus umfasst das Früherkennungsprogramm 2 Jugenduntersuchungen. Die Jugendgesundheitsunter- suchung 1 (J1) wendet sich an Jugendliche im Alter von zwölf bis 14 Jahren. Der Zeitraum zur Durchführung der Jugendgesundheitsuntersuchung 2 (J2) liegt zwischen dem 17. und 18. Lebensjahr. Kinder- und Jugendgesundheit in Köln 87 10.3 Literaturverzeichnis − Bertelsmann-Stiftung „Gleich und gleich gesellt sich gern“, www.bertelsmann-stiftung.de − Bertelsmann-Stiftung, „Kinderarmut in Deutschland wächst weiter – mit Folgen fürs ganze Leben“, www.bertelsmann-stiftung.de − Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung „Gesun- des Aufwachsen für alle!“ Anregungen und Handlungs- hinweise bei sozial benachteiligten Kindern, Jugendli- chen und ihren Familien, Köln 2012, www.bzga.de − Danne Th, Ziegler R, „Diabetes bei Kindern und Jugendlichen“ in „Deutscher Gesundheitsbericht Dia- betes 2018“, Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und Deutsche Diabetes-Hilfe (diabetesDE), Mainz 2017 − Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpfle- ge e.V, „Epidemiologische Begleituntersuchungen zur Gruppenprophylaxe 2016“, www.daj.de/fileadmin/ user_upload/PDF_Downloads/Epi_2016/Epi_final_ BB1801_final.pdf. − Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und Deutsche Diabetes-Hilfe (DiabetesDE), „Deutscher Gesund- heitsbericht Diabetes 2018“, Mainz 2017 − Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI), www.dimdi.de/static/de/ index.html − Gesundheitsberichterstattung des Bundes – (RKI und DESTATIS), www.gbe-bund.de − Hölling H, Schlack R., Petermann U, Ravens-Sieberer, Mauz E, „Psychische Auffälligkeiten und psychosoziale Beeinträchtigungen bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 3 bis 17 Jahren in Deutschland“, im Bundes- gesundheitsblatt 2014 57: 807 -819 − Kurth B-M, Schaffrath R „Die Verbreitung von Über- gewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland, Ergebnisse des bundesweiten Kinder- und Jugendgesundheitssurveys“ (KIGGS): Bundesge- sundheitsblatt – Gesundheitsforsch – Gesundheits- schutz 2007 50: 736– 743, auch Lampert Th, in „KIG - GS Die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen“ 2013, Robert Koch-Institut: 14 − Lampert Th, Hrsg. RKI, „KIGGS – die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland – 2013“, Berlin 2014 − Landeszentrum Gesundheit NRW „Jahresbericht 2006 zur Schulärztlichen Untersuchungen in NRW“: 45, unter Landeszentrum Gesundheit NRW, www.lzg.gc.de − Landeszentrum Gesundheit NRW, Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchungen, www.lzg.gc.nrw.de − Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW, www.mfkjks.nrw/die-sprach- entwicklung-von-kindern-moeglichst-frueh-foerdern − Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes NRW, „ Landesgesundheitsbe- richt 2015. Information zur Entwicklung von Gesund- heit und Krankheit in Nordrhein-Westfalen“, Düssel- dorf 2016, www.mgepa.nrw.de − Nationales Zentrum Frühe Hilfen „Kinder von Eltern mit psychischen Erkrankungen im Kontext der Frühen Hilfen“ Köln 2016 − Renner I, Nationales Zentrum Frühe Hilfen, Bundes- zentrale für gesundheitliche Aufklärung in „Ergebnisse einer Befragung von Modellprojekten früher Hilfen“, Bundesgesundheitsblatt-Gesundheitsforschung-Ge- sundheitsschutz 10-2010, Köln 2010 − Richter-Kornwatz A, Holz G, Kilia H; Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg) „Präventions- kette / Integrierte kommunale Gesundheitsstrategie“, www.leitbegriffe.bzga.de/alphabetisches-verzeichnis/ praeventionskette-integrierte-kommunale-gesund- heitsstrategie − Robert Koch-Institut, „KIGGS – die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland – 2013“, Berlin 2014 − Robert Koch-Institut, „Gesundheit in Köln“ Berlin 2015 − Robert Koch-Institut (Hrsg) „KiGGS Welle 2: Ergebnis- se im Journal of Health Monitoring”, Gesamtausgabe 1/2018, „Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter in Deutschland – Querschnittergebnisse aus KiGGS Welle 2 und Trends“, Berlin 2018, https://www. kiggs-studie.de/ergebnisse/kiggs-welle-2/johm.html − Schienkiewitz A, Brettschneider A-K, Damerow S, Schaffrath Rosario A, in Robert Koch-Institut (Hrsg) “KiGGS Welle 2: Ergebnisse im Journal of Health Moni- toring”, Gesamtausgabe 1/2018, „Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter in Deutsch- land – Querschnittergebnisse aus KiGGS Welle 2 und Trends“, Berlin 2018 https://www.kiggs-studie.de/ ergebnisse/kiggs-welle-2/johm.html − Stadt Köln „Kindergesundheit im Vorschulalter“, Gesundheitsbericht 2009, www.stadt-koeln.de − Stadt Köln, „Frühe Hilfen im Gesundheitsamt“, Bericht 2012, www.stadt-koeln.de − Stadt Köln, „Zahngesundheit bei Kindern in Köln“, Bericht 2013, www.stadt-koeln.de − Stadt Köln, „Kinder- und Jugendgesundheit in Köln“, Bericht 2013, www.stadt-koeln.de
Mitteilung Ausschuss
7338 Zeichen
Die Oberbürgermeisterin
Dezernat, Dienststelle
V/53/530/1
Vorlagen-Nummer 15.08.2018
2560/2018
Mitteilung
öffentlicher Teil
Gremium Datum
Ausschuss Schule und Weiterbildung 04.09.2018
Integrationsrat 04.09.2018
Ausschuss Soziales und Senioren 06.09.2018
Gesundheitsausschuss 13.09.2018
Jugendhilfeausschuss 13.09.2018
Kinder– und Jugendgesundheit in Köln – Bericht 2017/2018
Der aktuelle Bericht zur Kinder– und Jugendgesundheit informiert über die gesundheitliche Situation
von Kindern und Jugendlichen in Köln. Er greift dabei ausgewählte Daten der Reihenuntersuchungen
des Kinder- und Jugendzahnärztlichen Dienstes, der Schuleingangsuntersuchungen sowie der Sei-
teneinsteigeruntersuchung auf. Wie auch in den vorangegangenen Berichten 2009 und 2013 bestäti-
gen sich auch im Bericht 2017/2018 Zusammenhänge zwischen der gesundheitlichen Situation und
der sozialen Lage.
An Schnittstellen zum Regelsystem und wenn im gesundheitlichen Versorgungssystem Lücken auf-
getreten sind, hat das Gesundheitsamt niedrigschwellige und sozialkompensatorische Angebote ein-
gerichtet, beispielsweise den Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst und die Frühen Hilfen im
Gesundheitsamt1. Sie erreichen damit auch Kinder und junge Menschen aus sozial benachteiligten
Familien und vermitteln die Betroffenen in geeignete Unterstützungsangebote des Gesundheitswe-
sens und der Jugendhilfe.
Die Inanspruchnahme dieser Angebote sowie die Datenauswertungen der Kinderzahngesundheit und
der Schuleingangsuntersuchungen zeigen, welche Kinder, junge Menschen und Familien erreicht
werden konnten und welche weitergehenden Bedarfe bestehen oder sich abzeichnen.
Überblick über die wichtigsten Veränderungen gegenüber den Vorberichten 2009 und 2013:
Im Hinblick auf den aktuellen Maserausbruch in Köln erweist sich die Durchimpfung der Vorschul-
kinder gegen Masern als besonders bedeutsam. Im Vergleich mit den Ergebnissen der Schulein-
gangsuntersuchungen aus 2012 haben sich bei den Vorschulkindern die Durchimpfungsraten gegen
Masern, Mumps, Röteln von 92,3 Prozent auf 94,3 Prozent erhöht. Laut dem nationalem Aktionsplan
2015 – 2020 sollte bei Kindern in den Schuleingangsuntersuchungen eine 2-Dosen-Impfquote bei
Masern, Mumps und Röteln von über 95 Prozent vorliegen. Dieser Wert wird bei den in den Kölner
Schuleingangsuntersuchungen 2017 vorgestellten Kindern mit vorgelegtem Impfpass allerdings noch
nicht erreicht.
Bei den Frühen Hilfen im Gesundheitsamt können Eltern in zunehmend komplexeren Lebenssituati-
onen, unter anderem häufig auch mit psychischen Störungen, erreicht und frühzeitig unterstützt wer-
den. Die multiprofessionellen Kompetenzen des Teams der Frühe Hilfen im Gesundheitsamt sowie
1 Hier die Frühen Hilfen im Gesundheitsamt, in Kooperation mit dem Amt für Kinder, Jugend und Familie
2
die enge Kooperation mit anderen Fachdiensten des Gesundheitsamtes, zum Beispiel dem Sozial-
psychiatrischen Dienst, sind dabei von grundlegender Bedeutung.
Wie in den vorangegangenen Berichten dargelegt, hat sich in den vergangenen Jahren die Kinder-
zahngesundheit in Köln verbessert. Jedoch nicht alle Kinder profitieren gleich von dieser Entwick-
lung. So gibt es „Risikoeinrichtungen“; das sind Kindertageseinrichtungen und Grundschulen, in de-
nen gehäuft Kinder mit erhöhtem Kariesvorkommen anzutreffen sind. Der Kinder- und Jugendzahn-
ärztliche Dienst der Stadt Köln betreut Kindertageseinrichtungen und Schulen mit kariesprophylakti-
schen Maßnahmen. Seit dem Schuljahr 2012/2013 wurden die kariesprophylaktischen Maßnahmen in
den „Risikoeinrichtungen“ intensiviert. Bei Kindertageseinrichtungen weisen die Kinder dieser Schulen
mit Kindertageseinrichtungen der „Risikoeinrichtungen“ im Schuljahr 2016/2017 verbesserte Zahn-
gesundheitswerte gegenüber dem Schuljahr 2011/2012 auf. In allen Grundschulen ist eine generelle
Verbesserung der Zahngesundheitswerte zu verzeichnen. Die positiven Entwicklungen in den „Risi-
koeinrichtungen“ sind unter anderem auch auf die gezielten kariesprophylaktischen Maßnahmen des
Kinder- und Jugendzahnärztlichen Dienstes zurückzuführen. Allerdings liegen die Zahngesundheits-
werte der Kinder in diesen Einrichtungen noch immer unter dem entsprechenden Durchschnittswert
der Kinder aller Einrichtungen in Köln.
Seelische Probleme gewinnen auch bei Kindern und Jugendlichen an Bedeutung – eine gesellschaft-
liche Entwicklung, wie beispielsweise der hohe Anteil an Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern im
Rahmen des bundesweiten Kinder- und Jugendsurveys „KIGGS“2 zeigt. In Köln wird dies unter ande-
rem im Gesundheitsamt anhand des Bedarfs an sozialpsychiatrischer Beratung und Begleitung
bei dem Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst ersichtlich. Im Rahmen eines Landesprojekts
konnte der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst ausgebaut und um zwei weitere Beratungsstel-
len in den Stadtbezirken Mülheim und Kalk erweitert werden. Die beiden Beratungsstellen werden
gemäß Ratsbeschluss der Stadt Köln vom 04.04.2017 dauerhaft als Regelangebot fortgeführt. Die
aktuellen Auswertungen zeigen, dass es damit gelingt, Kinder und Jugendliche mit komplexen Prob-
lematiken besser zu erreichen, frühzeitig und bedarfsgerecht zu unterstützen und nachhaltig im Hilfe-
system einzubinden. Zunehmend wenden sich auch ältere Jugendliche und junge Erwachsene mit
psychischen Problemen an die Beratungsstelle, da sie Hilfestellung benötigen, um den Übergang
Schule/Beruf bewältigen zu können. Hier äußert sich ein weitergehender und umfassender Präventi-
onsbedarf. Eine zielgerichtete Weiterentwicklung des Gesamtangebots „U 27“ für junge Menschen mit
psychischen Problemen ist auch vor diesem Hintergrund anzustreben.
Die aufsuchende Arbeit in Gemeinschaftsunterkünften für Geflüchtete – vor allem dort, wo Fami-
lien mit Kindern leben – und Sprechstunden vor Ort wurden in den vergangenen Jahren zu einem
Arbeitsschwerpunkt der medizinischen Fachdienste des Gesundheitsamtes. Es zeigt sich darüber
hinaus, dass viele der unterstützungsbedürftigen Familien, die bereits in eigenem Wohnraum leben,
noch nicht in der Lage sind, ihre Wege ohne Unterstützung zu gehen. Wenn sich die Unterbringungs-
situation entspannt hat und diese Familien „zur Ruhe“ kommen, werden oft die schwerwiegenden
Probleme erst sichtbar.
Gesundheitsförderung und gesundheitliche Prävention werden auch zukünftig als Querschnittsthema
bei der Sozial-, Gesundheits- und Jugendhilfeplanung einen hohen Stellenwert einnehmen. Der vor-
liegende Bericht 2017/2018 „Kinder – und Jugendgesundheit in Köln“ bildet eine datengestützte
Grundlage für eine Bedarfsanalyse und formuliert auf dieser Basis Handlungsempfehlungen. Er wird
den Ausschussmitgliedern zur Kenntnis gegeben.
gez. Dr. Rau
2 Quellen: Hölling, H. u.a., KIGGS Study Group, Psychische Auffälligkeiten und psychosoziale Beeinträchtigungen bei Kin-
dern und Jugendlichen im Alter von 3 bis 17 Jahren in Deutschland – Prävalenz und zeitliche Trends zu 2 Erhebungspunk-
ten (2003-2006 und 2009-2012), In: Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 2014, 57: 807-
809, die „BELLA-Studie“ im Rahmen des bundesweiten Kinder- und Jugendsurveys „KIGGS“, Robert Koch-Institut 2006
Beratungsverlauf (5)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: zurückgestellt
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 2560/2018
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 15.08.2018
- Erstellt
- 02.08.2018 08:23