V/0131/2023
Energie- und Treibhausgasbilanz 2021
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V_0131_2023, Energie- und Treibhausgasbilanz 2021_Bericht
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Energie- und Treibhausgasbilanz der Stadt Münster - 1990 bis 2021
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Einleitung
Die Energie- und Klimaschutzbilanz der Stadt Münster gibt einen Überblick
über die Entwicklung des Energieverbrauchs und der energiebedingten
Treibhausgasemissionen im Stadtgebiet.
Die Daten, auf die dabei zurückgegriffen wird, stammen aus verschiedenen
Quellen der Stadt Münster und ihrer Tochterunternehmen, insbesondere von
den Stadtwerken, so dass die Bilanz möglichst münsterspezifische Aussa-
gen zulässt. Unabhängig von einer guten Datenbasis ist die Entwicklung des
Energieverbrauchs und der Treibhausgasemissionen aber auch von politischen, wirtschaftli-
chen, technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen außerhalb der Stadt überlagert, so-
dass eine direkte Überprüfung der Wirksamkeit einzelner Klimaschutzmaßnahmen mit diesem
Instrument nur bedingt möglich ist.
Die Ergebnisse, der Bilanz zeigen deutlich, dass eine Erreichung der Klimaschutzziele bis
2030 eine Intensivierung und Beschleunigung der Aktivitäten aller Akteure (Stadtverwaltung,
Unternehmen, Bürgerinnen und Bürger) im Bereich Klimaschutz erfordert. Diese Anforderun-
gen wurden ausführlich in der Konzeptstudie „Münster Klimaneutralität 2030“ (V/0628/2021)
anhand eines vom Ziel hergedachten Ansatzes im Rahmen einer Szenariobetrachtung darge-
legt und auf die einzelnen Handlungsfelder heruntergebrochen. Die Studie hat auch deutlich
aufgezeigt, dass eine Klimaneutralität, gemessen anhand des anerkannten und bun desweit
verbreiteten kommunalen Bilanzierungsstandard (BISKO; wie er auch in dieser städtischen
Bilanzierung zur Anwendung kommt), nur erreicht werden könnte, wenn auch auf Bundes- und
europäischer Ebene, die Zielsetzung auf 2030 vorgezogen würde.
Zur Zielannäherung in den kommenden Jahren wird es vor allem darum gehen, den Wärme-
und Strombedarf in der Stadt deutlich zu reduzieren und die Ene rgieeffizienz in der Industrie
und im Gewerbe- und Dienstleistungssektor zu steigern und auch die Dekarbonisierung der
stadtweiten Energieversorgung muss sich zusammen mit dem Ausbau der Erneuerbaren
Energien stark beschleunigen. Zudem gilt es den motorisierten Individualverkehr zu reduzieren
und den Umweltverbund zu stärken und weiter auszubauen sowie die Altbausanierung voran-
zutreiben. Dabei ist eine stärkere Sensibilisierung der Stadtgesellschaft und ein klares Be-
kenntnis aller Akteure in Münster, dass es sich hierbei um zentrale Gemeinschaftsaufgabe
dieses Jahrzehnts handelt unabdingbar.
Energie- und Treibhausgasbilanz der Stadt Münster - 1990 bis 2021
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Hinweis zur Einordnung und zur Methodik:
Energie- und Treibhausgas(THG)-Bilanzen bilden die Basis des quantitativen Monitorings und
Controllings beim Klimaschutz von Kommunen. Die Bilanzen geben einen Überblick über die
Verteilung der Energieverbräuche und THG -Emissionen nach versc hiedenen Sektoren (Pri-
vate Haushalte, Gewerbe, Industrie, Verkehr) und Energieträgern (z. B. Öl, Gas, Strom, Kraft-
stoffe) in einer Kommune und helfen dabei über Jahre hinweg die langfristigen Tendenzen des
Energieeinsatzes und der THG -Emissionen aufzuzeigen. Zur Darstellung dieser Entwicklun-
gen sollten Energie- und THG-Bilanzen auf Ebene des gesamten kommunalen Gebietes (für
alle Sektoren) mindestens alle fünf Jahre, besser alle drei Jahre fortgeschrieben werden, so
die Empfehlung des IFEU. Die Stadt Münste r kann aufgrund guter Datenverfügbarkeit und
eingespielter Prozesse in diesem Bereich sogar jährlich bilanzieren.
Die Bilanzdaten sind zudem eine wesentliche Voraussetzung für die Darstellung von Klima-
schutzindikatoren. Anhand der Indikatoren werden die Ergebnisse der Bilanz ins Verhältnis zu
kommunalen Strukturdaten gesetzt und sind somit besser interpretierbar und für den Vergleich
mit anderen Kommunen nutzbar. Zudem können verschiedene Unterziele festgelegt und der
Grad der Zielerreichung kontrolliert werden. Zur öffentlichen Darstellung der Indikatoren erar-
beitet die Stadtverwaltung derzeit ein digitales, browserbasiertes „Klimadashboard“.
Neben der Erstellung einer Bilanz und der Entwicklung von Indikatoren empfiehlt das IFEU
sowie das UBA (Umweltbundesamt), kommunale Klimaschutzaktivitäten auch auf einer quali-
tativen Ebene zu dokumentieren und zu evaluieren – wie beispielsweise mit einem Sach-
standsbericht zur Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen/-projekten.
Die Methodik und Systematik der Bilanzierung basiert also auf dem vom IFEU (Institut für
Energie- und Umweltforschung , Heidelberg ) entwickelten BISKO-Standard ( BIlanzierungs-
Standard KOmmunal). Dieser wurde schrittweise in den letzten Jahren weiterentwickelt und
gilt als Leit-Standard für kommunale Klimaschutzbilanzierungen. Basierend auf dem Territori-
alprinzip werden die Energieverbräuche auf dem gesamten Stadtgebiet erfasst und daraus die
Emissionen abgeleitet. Im Jahr 2021 erfolgte zuletzt eine umfassende Überarbeitung i n der
insbesondere ein weiterentwickeltes, münsterspezifisches Verkehrsmodell integriert und das
Bilanzierungstool zur Dokumentation der kommenden Dekade vorbereitet wurde.
Abkürzungsverzeichnis:
IFEU: Institut für Energie- und Umweltforschung, Heidelberg
UBA: Umweltbundesamt
BISKO: Bilanzierungs-Standard Kommunal
kt: Kilotonnen; entspricht 1.000 Tonnen
MWh: Megawattstunde; entspricht 1.000 Kilowattstunden
GWh: Gigawattstunde; entspricht 1.000.000 Kilowattstunden
Energie- und Treibhausgasbilanz der Stadt Münster - 1990 bis 2021
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Zentrale Ergebnisse
Die jährlichen CO2-Emissionen sind in Münster von 2.618 kt im Jahr 1990 auf 1.816 kt im Jahr
2021 gesunken. Gegenüber dem Basisjahr 1990 bedeutet dies eine Reduzierung um ca. 31%
bzw. 802 kt CO2. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies einen Anstieg von ca. 6.000 Tonnen
(Vgl. Abb. 1).
Abbildung 1: Entwicklung der jährlichen CO2-Emissionen in Münster in Tonnen nach Sektoren. 100%
entsprechen den Emissionen im Basisjahr 1990. Auf der rechten Vertikalachse ist die Pro-Kopf-Emis-
sionsreduktion dargestellt.
Der leichte Anstieg im Vergleich zum Vorjahr ist insbesondere darauf zurückzuführen, dass im
Jahr 2020 die Erneuerbaren Energien nicht nur in Münster sondern auch bundesweit hohe
Energieerträge erzielt haben. Dadurch ist des Bundesstrom -Emissionsfaktor, welcher maß-
geblich mit in die städtische Bilanz einfließt und großen Einfluss auf die Gesamtemissionsre-
duktion hat, besonders gut ausgefallen. Dieser Faktor fiel in 2021 etwas schlechter aus, so
dass trotz leicht gesunkener Energieverbräuche in allen Sektoren und über alle Energieträger
hinweg, die Gesamtemissionen leicht angestiegen sind.
In den stationären Sektoren Industrie und Privathaushalte sowie im Sektor Verkehr sind die
Emissionen jeweils um ca. 15.000 bis 5.000 Tonnen zurückgegangen. Im Verkehrsbereich hat
hier auch die rasch fortschreitende Elektrifizierung des ÖPNV einen Beitrag geleistet. Im Sek-
tor Gewerbe + Sonstiges 1 sind die Emissionen um knapp 40.000 Tonnen angestiegen. Der
Anstieg dürfte auch, mit vergleichendem Blick auf die Energieverbräuche aus den letzten Jah-
ren, darauf zurückzuführen sein, dass nach den coronabedingten Schließungen und dem be-
trieblichen Herunterfahren in der Wirtschaft, in 2021 die Betriebe ihre Aktivitäten wieder ver-
stärkt hochfahren konnten. Ein weiterer Grund ist der ver gleichsweise hohe Strom-Anteil im
Energieverbrauch in dem Sektor.
1 Sonstiges: bspw. Krankenhäuser, Klinikum, Universität, FH, Verwaltung, etc.
Energie- und Treibhausgasbilanz der Stadt Münster - 1990 bis 2021
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Der stadtweite Endenergie-Verbrauch ist von 6.729 GWh im Jahr 1990 auf 6.125 GWh im Jahr
2021 gesunken (Vgl. Abb. 2). Dies entspricht einer Reduktion von 9% bzw. 604 GWh gegen-
über dem Basisjahr 1990 und einer Reduktion von ca. 100 GWh gegenüber dem Vorjahr.
Der Vergleich des Absenkungspfads des CO2-Verbrauchs und des Absenkungspfads der En-
denergie zeigt deutlich, dass sich der Endenergieverbrauch im Vergleich zu den CO2-Emissi-
onen deutlich langsamer senkt. Dies macht deutlich, wie wichtig eine stärkere Reduktion der
Energieverbräuche ist, um die Emissionsreduktionen zu beschleunigen.2 Jede eingesparte
KWh spart direkt Emissionen ein und muss nicht , wie jede zusätzlich verbrauchte Energie ,
durch Erneuerbare Energien gedeckt werden. Als stark wachsende Stadt, die zwangsläufig
mit dadurch steigenden Energieverbräuchen konfrontiert ist, steht Münster damit nochmal vor
besonderen Herausforderungen.
Abbildung 2: Entwicklung des Endenergieverbrauchs in Münster in GWh nach Sektoren. 100% ent-
sprechen dem Endenergieverbrauch im Basisjahr 1990.
In Abbildung 3 wird die Entwicklung der CO2-Reduktion nach den Anwendungsbereichen
(Wärme, Strom, Verkehr) unterteilt dargestellt. Die stärkere CO2-Reduktion im Bereich
Wärme in den Jahren 2000 bis 2010 war u.a. geprägt durch die Umstellung des Kraftwerks
am Hafen. Diese Entwicklung stagniert mittlerweile aber wieder etwas. Dies wird insbeson-
dere durch das starke Bevölkerungswachstum und den immer größer werdenden Woh-
2 Ausgehend von einer Energieverbrauchsreduktion im Wärmebereich von 20% (in Anlehnung an das Einspa-
rungsziel der Bundesregierung zur Energiekrise) würden ca. 130.000 t/a CO2 eingespart werden. Das würde die
Gesamtreduktion von -31% auf -36% deutlich erhöhen.
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nungsflächen negativ beeinflusst. Im Bereich Strom jedoch beschleunigt sich die Emissions-
reduktion durch den stetigen Ausbau der Erneuerbaren Energien. Im Verkehrsbereich sinken
die Emissionen insgesamt vergleichsweise langsamer.
Abbildung 3: Entwicklung der prozentualen CO2-Emissionsreduktion aufgeteilt nach Anwendungsbe-
reichen in Münster von 1990 bis 2021 im Vergleich zum Basisjahr 1990.
Städtisches Wachstum, CO2-Restbudget und Klimaneutralität
In Tabelle 1 sind ausgewählte Zahlen zur Stadtentwicklung dargestellt, die einen starken Ein-
fluss auf die städtische CO2-Bilanz haben. Mit Blick auf das gesamtstädtische Wachstum wird
die Dimension deutlich: Seit 1990 ist die wohnberechtigte Bevölkerung bis 2021 um rund 14%
auf nunmehr gut 314.000 Einwohner angestiegen. Im gleichen Zeitraum hat die Wohnfläche
sogar um gut 47% zugenommen und die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäf-
tigten ist um 56% gestiegen. In einer kontinuierlich wachsenden Stadt wie Münster ist daher
der Blick auf die Entwicklung der spezifischen CO2-Emissionen je Einwohner hilfreich, um zu
einer ganzheitlicheren Betrachtung zu gelangen.
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Tabelle 1: Allgemeine Zahlen zur Entwicklung der Stadt Münster nach Jahren und der prozentuale An-
stieg seit 1990. Quelle: Informationsmanagement und Statistikdienststelle der Stadt Münster.
1990 2000 2010 2015 2020 2021 %
Wohnberech-
tigte Bevölke-
rung
275.150 279.461 285.180 305.235 312.969 314.332 + 14 %
Wohngebäude 40.495 45.679 50.611 55.312 57.137 57.446 + 42 %
Haushalte 122.405 139.060 150.188 166.630 170.840 172.659 + 41 %
Wohnfläche (m2) 9.385.400 10.743.200 11.484.300 13.148.953 13.837.051 13.964.962 + 47 %
Sozialverspfl.
Beschäftigte 115.152 130.175 143.147 159.706 179.083 - + 56 %
Anzahl PKWs 101.255 116.815 125.479 136.624 147.332 150.277 + 48 %
Bei der Betrachtung der spezifischen CO 2-Gesamt-Emissionsreduktion lässt sich erkennen,
dass diese - mit ca. 43% - über die Jahre deutlich stärker gesunken ist als die absolute Emis-
sionsreduktion (vgl. Abb. 3 und 4). Dies verdeutlicht und unterstreicht den Einfluss des Bevöl-
kerungswachstums, und des Wachstums der Stadt insgesamt, auf die CO 2-Emissionen. Das
städtische Wachstum vereinnahmt somit einen Teil der Reduktionen und schmälert damit das
Gesamtergebnis.
Abbildung 4: Entwicklung der spezifischen CO2-Emissionsreduktion je Einwohner aufgeteilt nach An-
wendungsbereichen in Münster von 1990 bis 2021 im Vergleich zum Basisjahr 1990.
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Ergänzend zu den Darstellungen in Abbildung 1 und 2 sind in den beiden folgenden Diagram-
men (Vgl. Abb. 5 und 6) die Emissionen und die Endenergieverbräuche nicht nach Sektoren,
sondern nach Energieträgern aufgeteilt.
Deutlich wird, dass, abgesehen vom Kraftstoffmix im Verkehr, Strom als Energieträger den
größten Anteil an den städtischen Gesamtemissionen verantwortet – gefolgt vom Erdgas. Die
Fernwärme hat trotz eines recht großen Anteils am Gesamt-Endenergiebedarf, insbesondere
im Gewerbesektor, einen verhältnismäßig kleinen Anteil an den Gesamt-Emissionen. Dies ver-
deutlicht die klimaschonende Wirksamkeit der Fernwärme. Durch die zukünftige Dekarboni-
sierung der Fernwärme wird sich die klimaschonende Wirksamkeit zusätzlich erhöhen.
Für eine Klimaneutralität der gesamten Stadt bedarf es jedoch noch weitaus größerer Anstren-
gungen als der Dekarbonisierung der Fernwärme, welches allein für sich schon ein langfristi-
ges Mammutprojekt ist. Bezogen auf Abbildung 5 und 6 besteht die Herausforderung darin alle
fossilen Energieträger aus dem städtischen Energieträgermix durch erneuerbare Energieträ-
ger zu ersetzen. Das bedeutet u.a., dass mehr als 60.000 Öl - und Erdgasheizungen im Ge-
bäudebestand des Stadtgebiets durch erneuerbare Versor gungsalternativen ersetzt werden
müssen. Derzeit liegt der fossile Anteil am gesamten Endenergieverbrauch (Strom, Wärme &
Kraftstoffe) weiterhin bei in etwa 90%.
In der Konzeptstudie „Münster Klimaneutralität 2030“ (V/0628/2021, Anlage Bericht S.9ff)
wurde für die Erreichung der Klimaneutralität bis 2030, angelehnt an das 1,5 Grad Ziel, ein
verbleibendes Emissions-Budget von in etwa 14,7 Mio. Tonnnen3 ab dem Jahr 2020 ermittelt.
Das bedeutet das ab dem Jahr 2020 die jährlichen Gesamtemissionen um mindestens
180.000 Tonnen pro Jahr reduziert werden müssen. Im Schnitt lagen die jährlichen Emissi-
onsreduktionen in den vergangenen 5 Jahren bei ca. 25.000 Tonnen pro Jahr. Das bedeutet,
dass sich die Klimaschutzambitionen in etwa um den Faktor 7 beschleunigen und intensivieren
müssten. Dieser Vergleich gibt Hinweise darauf, wie umfassend und tiefgreifend die erforder-
lichen Veränderungen zur Zielerreichung sein müssten.
3 Von den 14,7. Mio. Tonnen CO2 verbleiben nach den Bilanzjahren 2020 und 2021 noch in etwa 11,1 Mio. Ton-
nen Restbudget.
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Abbildung 5: CO2-Emissionen 2021 nach Verbrauchssektoren und Energieträgern in Münster in t/a
Abbildung 6: Endenergieverbrauch 2021 nach Verbrauchssektoren und Energieträgern in Münster in
GWh
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Erneuerbare Energien
Der Anteil der Erneuerbaren Energien am Gesamtstromverbrauch liegt 2021 bei ca. 18% und
ist damit im Vergleich zum Vorjahr vor allem durch den Zubau im Bereich der Photovoltaik
gestiegen. Insgesamt wurden 2020 in Münster ca. 220 GWh an fossilen Energieträgern ver-
drängt und ca. 110.000 t CO2 im Stromsektor durch den Einsatz lokaler erneuerbarer Energien
vermieden.
Abbildung 7: Entwicklung der Erneuerbaren Stromerzeugung nach Technologie in Münster in GWh. In
Prozent der Anteil der Erneuerbaren Energien am Gesamtstromverbrauch (blaue Linie)
Im Bereich der Wärmeversorgung liegt der Anteil Erneuerbaren Energien bei ca. 3,5%. Insge-
samt wurden in 2021 ca. 110 GWh an fossilen Energieträgern verdrängt und ca. 25.000 t CO2
im Wärmebereich durch den Einsatz lokaler erneuerbarer Energien vermieden.
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Abbildung 8: Entwicklung der Erneuerbaren Wärmeerzeugung nach Technologie in Münster in GWh.
In Prozent der Anteil der Erneuerbaren Energien am Gesamtwärmeverbrauch (gelbe Linie).
Zusammenfassung
Zwischen den Jahren 1990 und 20 21 konnten die CO2-Emissionen in Münster der Stadt um
31% reduziert werden. Die CO2-Emissionen je EinwohnerIn sind im gleichen Zeitraum mit ca.
43% stärker gesunken.
Die Erreichung einer Klimaneutralität für die Stadt Münster ist eine sehr große Herausford e-
rung und erfordert eine deutliche Intensivierung und vor allem Beschleunigung der Aktivitäten,
Maßnahmen und Prozesse aller Akteure (Stadtverwaltung, Unternehmen, Bürgerinnen und
Bürger) im Bereich Klimaschutz. Soll dies bereits bis 2030 erreicht werden i st aus fachlicher
Perspektive die Mindestvoraussetzung, dass sich sowohl Bund als auch EU ebenfalls diesem
Ziel verschreiben, da der kommunale Handlungsspielraum allein nicht ausreichend ist.
Denn die Entwicklung der Treibhausgasemissionen in der Stadt Münster ist neben dem kom-
munalen Einfluss stark von externen politischen, rechtlichen, technischen und gesellschaftli-
chen Rahmenbedingungen abhängig. Zur Überprüfung der Wirksamkeit einzelner Maßnah-
men ist die Energie - und CO 2-Bilanz daher nur bedingt geeigne t – sie kann aber gut einen
Gesamtüberblick herstellen und eine Tendenz der Entwicklung auf zeigen und ist neben dem
in der Einleitung und den Methodikhinweisen erwähnten Indikatorenmodell und einem qualita-
tiven Sachstandsbericht ein Teil des kommunalen Klimaschutzmonitorings.
Anlage A
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Anlage A zur V/0131/2023 Kurzüberblick Bericht zur städtischen Energie- und Treibhausgasbilanz 1990 – 2021. Ziele/Teilziele/Zielerreichung Bezugsrahmen ist die städtische Zielsetzung zur Klimaneutralität 2030. Finanzierung Produktgruppe: 1401 Übergreifender Umweltschutz, Klima, Immission, Bo- den, Abfall Keine Aufwendungen und keine finanziellen Auswirkungen. Pflichtigkeitsgrad Die Maßnahme/Leistung ist vollständig pflichtig überwiegend pflichtig überwiegend freiwillig x vollständig freiwillig Ggrundlage: Ratsbeschluss zur Klimaneutralität V/0770/2019 Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen (Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration) Der kommunale Klimaschutz ist ein grundsätzliches Querschnittsthema und hat fast zu allen städ- tischen Aufgabenbereichen Berührungspunkte und Überschneidungen.
V_0131_2023, Energie- und Treibhausgasbilanz 2021
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V/0131/2023 V/0131/2023 Öffentliche Berichtsvorlage Betrifft Energie- und Treibhausgasbilanz 2021 Beratungsfolge 14.03.2023 Ausschuss für Umweltschutz, Klimaschutz und Bauwesen Bericht Bericht: Die Stadt Münster veröffentlicht im Jahresrhythmus eine städtische Energie - und Klimabilanz. Um Kontinuität und Konsistenz zu gewähren, werden primär die Zahlen der Verbräuche und Emissionen fortgeschrieben und an zentralen Stellen um Erläuterungen, Vergleiche und Einordnungen erweitert. Der Großteil der Daten wird von der Stadtwerke Münster GmbH und der Stadtnetze GmbH sowie aus den städtischen Ämtern bereitgestellt. Sie spiegeln den tatsächlichen Energieverbrauch auf dem Stadtgebiet Münster wider (Territorialprinzip, BISKO-Standard). Darüber hinaus fließen verschiedene Daten aus der stadtweiten Statistik sowie bundesweite Kennwerte (insbesondere der bundesweite Stromfaktor) in die Bilanz mit ein. Die Daten liegen in ihrer Gesamtheit erst gegen Ende des Folgejahres des jeweiligen Berichtsjahrs vor, so dass eine Veröffentlichung grundsätzlich mit einem entsprechenden zeitlichen Verzug verbun- den ist. Die Bilanz gibt einen Überblick über die Entwicklung des Energieverbrauchs und der damit verbunde- nen energiebedingten Treibhausgasemissionen im Stadtgebiet geben und kann aufgrund der guten Datenbasis auch münsterspezifische Aussagen ermöglichen. Unabhängig davon ist die Entwicklung des Energieverbrauchs und der Emissionen von politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen außerhalb der Stadt überlagert, so dass eine direkte Überprüfung der Wirksamkeit einzelner städtischer Klimaschutzmaßnahmen mit dem Instrument der Bilanz nur bedingt möglich ist Zentrale Bilanzergebnisse Als zentrales Ergebnis der Bilanz ist eine Reduktion von 31% (bzw. 43% pro Kopf) bis zum Jahr 2021 im Vergleich zum Basisjahr 1990 zu verzeichnen. Auch wenn es im Bilanzjahr 2021 einen leichten Anstieg der Emissionen gab (2020 war bundesweit die anteilige Erzeugung Erneuerbarer Energie am Energieverbrauch überdurchschnittlich hoch; dies wirkte sich auch überdurchschnittlich positiv auf den Emissionswert des Strommixes in dem Bilanzjahr aus), ist zumindest in allen Sektoren in Münster ein langfristiger Trend zur Reduzierung der CO2-Emissionen seit 1990 erkennbar. Dezernat OB/Stabsstelle Klima 01.03.2023 Ihr/e Ansprechpartner/in: Herr Schütte Telefon: 492-7155 SchuetteJ@stadt- muenster.de - 2 - V/0131/2023 Hierzu konnten vielfältige Klimaschutzmaßnahmen und Aktivitäten der gesamten Stadtgesellschaft einen Beitrag leisten. Im Vergleich zu den Emissionen sinkt der Endenergieverbrauch deutlich langsamer. Dieser hat sich im gleichen Zeitraum lediglich um 9% gesenkt. Dessen Reduktion durch Energieeinsparungen und Energieeffizienz bietet ein sehr großes Potenzial, da jede eingesparte KWh Energie eine direkte CO2- Reduktion bewirkt und nicht aufwendig durch eine erneuerbar erzeugte KWh substituiert werden muss. Klimaneutralität 2030 Trotz des langfristigen Reduktionstrends muss deutlich festgehalten werden, dass die Zielerreichung der Klimaneutralität bis 2030 nur durch die Fortsetzung und Verstärkung der bereits laufenden Maß- nahmen allein nicht gelingen wird. Es bedarf in allen Sektoren und in allen Bereichen umfassender Systemumbrüche und einer konsequenten Fokussierung auf das Thema Klimaschutz, um bis 2030 eine Klimaneutralität erreichen zu können. Eine weitere Voraussetzung zur Zielerreichung ist, dass auch auf Bundes- und europäischer Ebene, die Zielsetzung auf 2030 vorgezogen würde. Zur Einordnung der Bilanzergebnisse im bundesweiten Vergleich sind im Folgenden die aktuellsten Fortschritte vergleichbarer Städte dargelegt. Die bezifferten Reduktionsfortschritte beziehen sich bei allen Kommunen auf das Basisjahr 1990: Stadt/Kommune Reduktionsfortschritt Emissionen 1990 (Mio. t/a) Emissionen aktuell (Mio. t/a) aktuellstes Bilanzjahr Zieljahr Kli- maneutralität Stuttgart - 41 % 6,5 3,8 2019 2035 Göttingen - 33 % 1,2 0,8 2020 2045 Münster - 31% 2,6 1,8 2021 2030 Aachen - 30 % 2,7 1,9 2020 2030 Mannheim - 28 % 4,3 3,1 2018 2030 Freiburg - 26 % 2,3 1,7 2018 2035 Die ausgewählten Vergleichskommunen sind in ihrer Struktur ähnlich zu Münster und/oder haben ähnliche Zielsetzungen bzw. beteiligen sich an Bundes-oder EU-weiten Vorreiter-Programmen (bspw. Masterplan 100% Klimaschutz, 100 Climate Neutral Cities). Der Vergleich zeigt, dass alle Kommunen eine ähnliche Größenordnung bei den Reduktionsfortschritten vorzuweisen haben. Auch hierin spie- gelt sich: Es sind tiefgreifende und umfassende Maßnahmen nötig, um das gesetzte Ziel der Kli- maneutralität in erreichbare Nähe zu rücken. Diese Maßnahmen müssen von allen Akteuren der Stadtgesellschaft initiiert, unterstützt und umgesetzt werden, der Handlungsspielraum der Stadtver- waltung oder anderer einzelner Akteure reicht nicht aus. Darüber hinaus müssen Land, Bund und EU wesentliche Weichen im Sinne des Klimaschutzes stellen. gez. Markus Lewe Oberbürgermeister Anlage 1: Energie- und Treibhausgasbilanz der Stadt Münster 1990 - 2021
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- V/0131/2023
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 27.02.2023
- Erstellt
- 27.02.2023 16:14