1242/2017
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1242-2017 Anlage 1 Spartenbericht Popkultur
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Anlage 1 Spartenbericht Popkultur Hier: Zunehmende Bedeutung der lokalen Musiker- und Bandszene in Köln Das Jahr 2017 startete für die Kölner Musikszene mit einem „Big Bang“. Am 2. Januar veröffentlichte das Fachorgan Musikexpress online einen Artikel des hiesigen Szene- Journalisten Linus Volkmann über den aktuellen Bandnachwuchs der Domstadt. Unter dem Titel „Ein Pop-Aschenputtel macht sich schön“ stellte er zahlreiche junge Musiker diverser Stilrichtungen und Bekanntheitsgrade vor. Der Autor – selbst nicht gerade als Lokalpatriot bekannt – stellte darin fest, dass in der jüngeren Zeit nicht nur quantitativ, sondern vor allem in der Substanz etwas gewachsen ist, wie es Köln lange Jahre zuvor nicht vorweisen konnte. Vor allem die offenkundig agile Struktur der Pop-Szene – bis vor wenigen Jahren auf eine Handvoll Mundart-Bands und in kleineren Kreisen auf die „Aushängeschilder“ Klee und Erdmöbel beschränkt – ermöglichte diesen Artikel, der bundesweit wahrgenommenen wurde. „Hier wachsen auf vielen Ebenen endlich die Szenen heran, die einer Metropole würdig sind“, ist dort zu lesen. Das beginnt an der Spitze mit dem Live- wie Chart-Erfolg des jungen Folk-Trios Annenmaykantereit . Deren Weg von der Straßenmusik über erste Bühnengigs im Gebäude 9 und ein inklusives Konzert bei der Cologne Music Week (bei dem die Texte für Gehörlose in Gebärdensprache übersetzt wurden) bis hin ins Feuilleton, in die Radiorotation und zur Chartspitze war der endgültige Auslöser für einen Boom moderner Popmusik „made in Cologne“. Unzählige Acts mit Potenzial Von Phänomenen ist in Volkmanns Text die Rede, wie dem in Bayern ausflippenden Publikum bei einem Konzert von Golf , deren Popentwurf eigentlich eher gemäßigt klingt, aber einen seltsam unwiderstehlichen 80er-Jahre-Charme innehat. 2014 und 2015 erprobten Golf ihre Bühnenwirkung in der Wahlheimat am Rhein: Während des c/o- pop-Festivals räumten Sie im ausverkauften Stadtgarten beeindruckend ab und entschieden sich damals bewusst für Köln als Bandbasis. Zitat des Sängers Wolfgang Pérez in besagtem Artikel: „Wir haben der Musikszene hier einiges zu verdanken.“ Auch Woman finden im Artikel Erwähnung, deren Debüt dieser Tage im Mai 2017 gespannt erwartet wird und deren Karriere u. a. mit einem Stück im Remix des aus Viersen stammenden und ebenfalls in Köln beheimateten Künstlers Roosevelt geebnet wurde. Der wiederum hat im letzten Herbst sein Debütalbum nach gründlicher Vorarbeit veröffentlicht und damit zahlreiche Fans intelligenter Popmusik erreicht. Kaum zu glauben, dass der mittlerweile international gebuchte Künstler noch 2009 im Rahmen der c/o pop auf dem Offenbachplatz das Vorprogramm bestritt. Daneben existieren unzählige Acts mit ähnlichem Potenzial. Dass nicht alle von ihnen im großen Stil entdeckt werden, gehört mit zur Popkultur – vielleicht auch, weil der jeweilige Sound darauf gar nicht ausgelegt ist. Keshavara haben ein bestens produziertes Album zwischen Pop und „Weltmusik“ eingespielt, Coma und Xul Zolar erhielten für ihre Klangforschungen in den Spannungsfeldern von Elektronik und Pop Aufmerksamkeit in Form diverser Nachwuchsförderpreise, und ältere Hasen wie Von Spar , PeterLicht oder Locas in Love haben immer wieder neuen Output, aber eine gleichbleibende und verhältnismäßig kleine Fangemeinde. Unterstützenswerte Arbeit junger Musiker Viele andere Namen sorgen für ein kräftiges mediales Echo und bilden ihre Fanbasen: der hoch intelligente HipHop von Veedel Kaztro zum Beispiel. Wie sein Name vermuten lässt, sind die Texte des atemberaubenden Rappers voller Anspielungen auf seine Heimatstadt. So etwas ist abseits der bisher in Köln dominanten Mundartbands nicht selbstverständlich. Im lyrischen Kosmos eher melancholisch geprägter Kölner Popneulinge beispielsweise ist an solche Referenzen zur eigenen Stadt nicht zu denken. Zu ihnen gehören u. a. Neufundland oder Box And The Twins . Zweitere wurden nach Veröffentlichung ihres Debütalbums vom international renommierten Dortmunder Philip Boa persönlich als Support-Act zu dessen Tour eingeladen. Die Arbeit all dieser jungen Bands ist in jeder Hinsicht unterstützenswert, um Ihnen nach der ersten Anerkennung die Möglichkeit zu geben, das eigene Potenzial auszubauen und entsprechend entfalten zu lassen. Ein anderer Artikel, den das Lokalmagazin StadtRevue knapp ein Jahr vor Volkmann veröffentlichte, spürte den neuen Boom ebenso auf, befasste sich aber vor allem mit den strukturellen Problemen vieler Kölner „Indie“-Bands. Booker Matthias Kurth von der c/o pop und der Cologne Music Week lobt darin die Spiel-Möglichkeiten junger Acts in Köln: „Die Stadt Köln unterstützt gewisse Spielstätten finanziell, die Booker dieser Spielstätten buchen lokale Bands als Support und aufstrebende Bands, die auf Tour gehen wollen, können Fördermittel beantragen.“ Diese Strukturen funktionieren – auch dank der Förderung – seit Jahren hervorragend: So konnte die c/o pop den Aufstieg von Annenmaykantereit bestens begleiten. Vom kleinsten Schaufensterauftitt beim Viertelsevent „Chic Belgique“ über Clubkonzerte bis hin zum großen Gig spielten die Folkpopper sich beim Stadtfestival durch die Instanzen. Ein Erfolg, der auch auf der Selbstverpflichtung der c/o pop fußt, ihr Programm zu rund 50 Prozent mit deutschen Bands zu gestalten, die entsprechend in den Startlöchern stehen. Darunter fallen zahlreiche Acts direkt aus Köln, die mit dem kleinen Ableger- Festival Cologne Music Week jährlich im Januar ein weiteres Forum finden, bei dem sie bei freiem Eintritt ihr Können zeigen. Zudem veranstalten viele Kölner Clubs eigene Konzertreihen, die sich speziell der Präsentation des musikalischen Nachwuchses widmen (u.a. Blue Shell, MTC, die wohngemeinschaft). Viel Licht, mancher Schatten „Trotzdem fehlt etwas in Köln: Ich will überhaut nichts schlecht malen und ich weiß, was hier in den letzten Jahrzehnten aufgebaut wurde. Gerade aktuell wurden die Fördermöglichkeiten merklich verbessert, aber im Gegensatz zu anderen deutschen Städten sind wir nach wie vor sehr schlecht aufgestellt,“ bemerkt Benjamin Mirtschin, Sänger der Indie-Hardcore-Band City Light Thief . 2011 hat sich die aus Grevenbroich stammende Gruppe kollektiv für Köln als Homebase entschieden, denn zumindest NRW- weit genießt Köln einen guten Ruf als Musikstadt. Den Erfolg konnten City Light Thief hier jedenfalls ausbauen. Ihre Konzerte führten sie bis nach England, Finnland, Frankeich oder Luxemburg. Der Toursupport der amerikanischen Szenegröße „Taking Back Sunday“ führte sogar zu Aufmerksamkeit bei einem großen amerikanischen Label: „Dieser Sprung wäre für uns als Band aber einfach nicht zu leisten gewesen. Manchmal ist man ja auch zufrieden mit dem, was man hat.“ Neben der Arbeit mit der eigenen Band ist Mirtschin auch für andere Musiker aktiv und betreibt eine Promotionagentur. So kennt er die Struktur der Szene genau: „In Köln fehlt es an Booking-Agenturen und Labels und so richtig der Schritt der Bandförderung auch ist, so wenig ist er beispielsweise mit der Hamburger Labelförderung vergleichbar.“ Mit den dort bis zu 10.000 Euro versehenen Zuschüssen ließe sich richtig professionell arbeiten und eine Grundsubstanz aufbauen, an der es in Köln leider mangelt, betont Mirtschin. „Mal sehen, was aus der Förderung wird. Ich hoffe, dass die vorhandene Diversität dadurch mehr unterstützt wird. Köln ist nicht klein und besteht nicht nur aus Electropop-Acts oder Annenmaykantereit .“ Strukturen stärken, Talente ausbauen Diese vielen Hoffnungsträger benötigen Raum. Rund 1200 Bands zählt Rosi Lang von Popkultur e. V. in der Kölner Szene. Die Anzahl der Proberäume steht dagegen in keinem Verhältnis und ist in den letzten Jahren bedrohlich geschrumpft. „Zwei Zentren mit entsprechenden Räumlichkeiten haben mittlerweile geschlossen, und weitere ganz wichtige Anlaufstellen sind intensiv bedroht“, berichtet die einst selbst als Musikerin aktive Lang. Der allgegenwärtigen Gentrifizierung fallen viele Möglichkeiten in alten Industrie- und Handelsgebäuden zum Opfer. „Das kriegen viele Anbieter schnell spitz, und viele von denen wollen nur Geld verdienen. Es tut sich zwar einiges, aber viele Angebote sind indiskutabel“, klagt sie. Rund drei Anfragen pro Woche liegen dem Verein vor, und oft kann das kleine Team auch weiter helfen, weil die Vernetzung über Popkultur e. V. dank jahrelanger Erfahrung bestens ist. „Aber allein bei uns landen 5-10 Anfragen monatlich auf einer Warteliste. Vernünftig bespielbare und trockene Räume sind notwendig – und die möchten wir zu fairen Preisen vermitteln.“ Mit den derzeit verwalteten 70-80 Räumen ist das utopisch. „Wir brauchen dringend weiterhin Unterstützung, um das Geschäft zu vernünftigen Konditionen laufen zu lassen“, fasst Lang die Situation zusammen. Es gibt also eine Menge zu tun. Die Szene spürt einen Aufbruch und großen Drang nach vorne. Wenn die noch feingliedrigen Strukturen allerdings zu überlasten drohen, ist die Gefahr eines Zusammenbruchs schnell gegeben. Diese Gefahr hat in den Jahrzehnten zuvor nicht selten zu Misserfolgen geführt. So ließe sich sogar mutmaßen, dass aus Talenten wie die eingangs erwähnten Erdmöbel , Klee oder PeterLicht mitunter viel größere Stars hätten wachsen können, wenn die dafür notwendige auch überregionale Vernetzung gegeben gewesen wäre. Die jetzt so erfolgreichen Annenmaykantereit beispielsweise griffen auf eine Berliner Agentur zurück, um ihre Gigs verbuchen zu lassen. Auch ein Indiz dafür, dass noch längst nicht alles in Köln stimmt. Wichtig ist, die vorhandenen Strukturen zu erhalten und weiter auszubauen. In Sachen Proberäumen, Spielmöglichkeiten und Labels/Agenturen gleichermaßen. Hier ist eine weiterführende Förderung notwendig, um die von den Akteuren idealistisch und mit viel Herzblut betriebene Arbeit lebendig zu halten. An Talenten mangelt es sicherlich nicht. Nicht alle Musiker haben das Zeug, gleich an die Chartspitze zu stürmen, aber zahlreiche hörenswerte Acts stehen in den Proberäumen und Garagen von Wahn bis Worringen schon in den Startlöchern. Sie verdienen eine Chance, die „Stadt mit K.“ über das kölsche Idiom hinaus überregional zu vertreten. _____________________________________________________________________________________________________ Zusammenfassung des Klubkomm e.V., vertreten durch Martin Steuer, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, sowie Benjamin Mirtschin von der Band City Light Thief und der Agentur Fleet Union.
Mitteilung Ausschuss
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle VII/41/41/2 Vorlagen-Nummer 25.04.2017 1242/2017 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss Kunst und Kultur 02.05.2017 Integrationsrat 19.06.2017 Darstellung der Sparten hier: Popkultur In seiner Sitzung am 07.09.2010 hat der Kulturausschuss die Verwaltung beauftragt, „den Sparten Musik, Darstellende Kunst (mit Theater und Tanz), Bildende Kunst (Fotografie) und Medien (Film, Literatur) die Möglichkeit zu geben“, regelmäßig über das Geschehen, die aktuelle Situation und die Perspektiven ihrer Arbeit schriftlich zu berichten. Dabei sollen die Spartenvertretungen in ihren jewei- ligen Bereichen auch die interkulturellen Aktivitäten und Entwicklungen berücksichtigen. Der Bericht soll – wie in der Vergangenheit – drei Seiten nicht überschreiten. Außerdem muss erkennbar sein, wer die Unterlage erstellt hat und wer in die Erstellung einbezogen worden ist. Die Vertreterinnen/Vertreter der Sparten sind zu der jeweiligen Sitzung einzuladen, um für Rückfra- gen aus dem Ausschuss zur Verfügung zu stehen. Der Szenebericht der Sparte Popkultur (zum Schwerpunktthema Bands) ist als Anlage 1 beigefügt. Für Rückfragen im Ausschuss für Kunst und Kultur stehen Herr Martin Steuer (Klubkomm e.V.) und Herr Benjamin Mirtschin (City Light Thief) zur Verfügung. gez. Laugwitz-Aulbach
Beratungsverlauf (2)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 1242/2017
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 25.04.2017
- Erstellt
- 03.08.2017 00:27