0374/2025
Beantwortung der Anfrage AN/0173/2025 der Ratsgruppe KLIMA FREUNDE & GUT bezüglich "Zwei Jahre Kreislaufwirtschaft - durchstarten oder aussteigen"
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Beantwortung einer Anfrage (Rat bzw. HauptA)
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Dezernat, Dienststelle VI/26 Vorlagen-Nummer 13.02.2025 0374/2025 Beantwortung einer Anfrage nach § 4 der Geschäftsordnung öffentlicher Teil Gremium Datum Rat 13.02.2025 Beantwortung der Anfrage AN/0173/2025 der Ratsgruppe KLIMA FREUNDE & GUT bezüglich "Zwei Jahre Kreislaufwirtschaft - durchstarten oder aussteigen" Text der Anfrage: Mit Ratsbeschluss zu AN/1610/2022 in der Sitzung vom 08.09.2022 wurde die Verwaltung zu drei Dingen aufgefordert. 1. Die Stadt Köln tritt dem Netzwerk C2C Regionen bei. 2. Die Gebäudewirtschaft der Stadt Köln sucht aktiv den Informationsaustausch im Netz- werk und erarbeitet Umsetzungsfelder für Köln, beispielsweise Rohstoffkataster und Ge- bäudechipping zur Baustoffdokumentation. 3. Zunächst soll die Teilnahme auf 2 Jahre befristet sein und evaluiert werden, ob die Teil- nahme fortgeführt werden soll, sofern die Mitarbeitenden der Gebäudewirtschaft und weitere Interessent*innen der Verwaltung das Netzwerk als Bereicherung sowohl für Köln als auch für andere Kommunen betrachten. In der Beantwortung 1062/2023 aus der Ratssitzung am 16.05.2023 führt die Verwaltung zum Sachstand unter anderem aus: "Die Verwaltung wird rechtzeitig evaluieren, ob die Mitgliedschaft über den 31. März 2025 hin- aus fortgeführt wird". Vor diesem Hintergrund bitten wir um die Beantwortung folgender Fragen: 1. Wie ist der aktuelle Sachstand in Sachen Kreislaufwirtschaft? 2. An welche Aktivitäten im Netzwerk hat die Stadt mit welchem Ergebnis teilgenommen? Bitte listen Sie chronologisch und tabellarisch nach Zeitpunkt / Aktivität / Ergebnis auf. 3. Wie ist das Ergebnis der Evaluation, bzw. bis wann ist mit einem Ergebnis zu rechnen? Antwort der Verwaltung: Zu 1.) Wie bereits in der Beantwortung 1062/2023 ausgeführt, ist Kreislaufwirtschaft (C2C) ein Thema, das sich über alle Lebensbereiche und damit auch die gesamte Stadtverwaltung er- streckt, zum Beispiel alle Arten von Beschaffung, erneuerbare Energien, zirkuläres Wasser- 2 management, klimapositive und kreislauffähige Mobilitätskonzepte, intelligente Flächenpla- nung und so weiter. Das C2C Netzwerk ist dabei in erster Linie ein Instrument, um die Philosophie der Kreislauf- wirtschaft zu verbreiten. C2C setzt Schwerpunkte im Bereich Bildung, der Erprobung soge- nannter Transformationsprojekte und der gegenseitigen Vernetzung von Unternehmen, Kom- munen, Politik, Öffentlichkeit und Bildungseinrichtungen. C2C ist noch kein Nachweis oder Garant für eine vollumfängliche Nachhaltigkeit. Möglichkeiten für eine Zertifizierung bestehen bislang nur für einzelne Produkte. Eine solche Zertifizierung kann bislang jedoch nur durch ei- nen US-amerikanischen Anbieter durchgeführt werden. Die zertifizierten Produkte sind nicht auf Bauprodukte beschränkt, sondern schließen alle Arten von Konsumgütern ein. Eine nach- haltigere Ausrichtung von Großveranstaltungen wird durch das Netzwerk durch Pilotprojekte und Forschungskooperationen unterstützt. Bei Bauprojekten wird von „C2C inspirierten“ Ge- bäuden gesprochen, da es bisher noch nicht möglich ist, Strategien der Kreislaufwirtschaft in Bauprojekten zur allgemeinen Vergleichbarkeit messbar zu machen. Fast immer werden die C2C Bauprojekte gleichzeitig mit einem System für Nachhaltiges Bauen zertifiziert. Der Ein- fluss von C2C lässt sich daher nicht klar abgrenzen. Ein Schwerpunkt der C2C inspirierten Projekte ist, Materialien so zu verwenden, dass diese sich für eine spätere Weiternutzung eignen, zum Beispiel indem eine sortenreine Trennung ermöglicht wird oder auch die Produkte und Materialien in Datenbanken zu katalogisieren, so dass ein erneuter Einsatz dieser Materialien erleichtert wird. Aufgrund des langen Lebenszyklus eines massiven Bauwerks von bis zu 100 Jahren nach an- erkannten Regeln der Technik ist die tatsächliche Wiederverwendung im Moment jedoch nur schwer vorherseh- und bezifferbar. Zur Wegbereitung einer Infrastruktur für eine städtische Kreislaufwirtschaft mit regionalen La- gerstätten (Urban Mining Prinzip) sind zunächst gesetzliche Änderungen erforderlich. Außer- dem müssen die Zielkonflikte im Hinblick auf die Marktverfügbarkeit, den Energieaufwand für Aufbereitung und die Transportwege der Materialien erst noch gelöst werden. Ungeachtet dessen arbeitet die Gebäudewirtschaft der Stadt Köln auf unterschiedlichen Ebe- nen an den Themen nachhaltiges und zirkuläres Bauen: In Holzmodulbauweise wurden bereits fünf Modulbauten fertiggestellt, neun Modulbauten be- finden sich in Bau und sieben Modulbauten in der Vorbereitung. Auch die Errichtung einer Kin- dertagesstätte in Holzbauweise ist in Bearbeitung. Hierbei bildet Holz als nachwachsender Rohstoff einen großen Anteil an den für den Neubau verwendeten Materialien. Weitere As- pekte des nachhaltigen Bauens beziehungsweise C2C, wie eine nachgewiesene Material- gesundheit über Einsatz einer Positivliste mit Produktprüfung sowie umfassende, vielfältige Maßnahmen der Barrierefreiheit (Inklusion) sind bei der Gebäudewirtschaft der Stadt Köln be- reits seit vielen Jahren in Anwendung. Zu 2.) Um das nachhaltige und zirkuläre Bauen bei der Gebäudewirtschaft der Stadt Köln zu fördern und stärker in den Fokus zu rücken, werden vielzählige Aktivitäten betrieben und unterschied- lichste Formate genutzt: Begleitung des Ratsantrages zum Abrissmoratorium Die Gebäudewirtschaft (GW) hat die Diskussion des Abriss-Moratoriums im Kölner Stadtrat (Antrag AN/1832/2022) zum Anlass genommen, eine Veranstaltungsreihe zur Erarbeitung von Bewertungskriterien für eine noch nachhaltigere Bearbeitung der städ- tischen Bauprojekte im Sondervermögen der GW zu initiieren. Hierbei wurde gemein- sam mit Vertreterinnen und Vertretern der Verwaltung und Politik eine qualifizierte und beschlussfähige Entscheidungsgrundlage in Form eines Kriterienkatalogs für den Köl- ner Stadtrat entwickelt (Mitteilungen 4093/2023 und 1349/2024), welche der Bauaus- schuss in seiner Sitzung am 4. November 2024 beschlossen hat (Änderungsantrag AN/1511/2024). 3 Über die beiden Links Zusammenfassung der Expertisen in einem Video Fachbeiträge zum Abrissmoratorium können weitere Informationen hierzu abgerufen werden. Vernetzung zu anderen deutschen Kommunen und zur Stadt Zürich unter anderem mit einem Austausch zu Pilotprojekten und konkreten Handlungsansät- zen zu zirkulärem Bauen mit Fokus auf eine direkte Wiederverwendung vorhandener Bauteile und Materialien in laufenden Projekten Schulungen von Mitarbeitenden im Bereich Nachhaltigkeit, darunter auch Teil- nahme an Schulungen des Netzwerks C2C Austausch mit anderen Dienststellen wie zum Beispiel den Abfallwirtschaftsbe- trieben (AWB) zum Themenkomplex, Teilnahme am Projekt „Zero Waste“ Teilnahme an Veranstaltungen wie zum Beispiel „Zirkuläre Impulse“ von Lippe zirkulär Verknüpfung der Methode BIM mit den Anforderungen des nachhaltigen Bauens (Zusammenarbeit und Austausch mit Kommunen und Ministerien): Mitarbeit an der „II. BIM-Handlungsempfehlung“ (Building Information Modeling, kurz: BIM; deutsch: Bauwerksdatenmodellierung) zum Thema Nachhaltigkeit in Zu- sammenarbeit mit der Uni Wuppertal und dem Ministerium für Heimat, Kommuna- les, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen Austausch mit der Stadt Hamburg und der Landeshauptstadt Düsseldorf zum Thema „Umsetzung BIM-basierter Nachhaltigkeitsbewertungen“ Pilotprojekt zum Gebäuderessourcenpass Im Rahmen eines Pilotprojektes wurde die nachträgliche Erfassung von Gebäuderes- sourcen in einem BIM-basierten digitalen Datenmodell erprobt und Erkenntnisse über die Unterstützung der BIM-Methode zur Erstellung von Ökobilanzierungen und Zirkula- ritätsbewertungen gewonnen. Die Ergebnisse über den CO₂-Ausstoß des Gebäudes sowie das Abfallaufkommen und die Recyclingfähigkeit der verbauten Materialien werden in einem Gebäuderes- sourcenpass zusammengefasst und dabei untersucht, wie dies als Steuerungstool in frühen Leistungsphasen zu einer nachhaltigen Planung beitragen kann. Anschließend wurden mithilfe eines digitalen Sanierungs- und eines Neubaumodells weitere Gebäu- deressourcenpässe erstellt, um die Ergebnisse der unterschiedlichen Varianten ver- gleichen und Optimierungspotenziale aufzeigen zu können. Weitere Pilotprojekte der Gebäudewirtschaft Das Recycling beziehungsweise die Wiederverwendung von Baustoffen werden in fol- genden Pilotprojekten erprobt: - Neubau eines Bezirksrathauses Unterstützung der Erstellung einer Ökobilanzierung über die BIM-Methode im Rah- men der Förderung durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW-Förderung). Aus dem BIM-Modell werden die Mengen und Massen der notwendigen Bauteile inklu- sive Materialangaben zur Berechnung der Treibhausgasemissionen und Primär- energie exportiert. - geplanter Rückbau eines Verwaltungsgebäudes mit 1-zu-1 Wiedereinbau von Baumaterialien (Realitätscheck im Hinblick auf Ver- wertungsquote, Vermarktung und Wirtschaftlichkeit/Aufwand). 4 - C2C-Zertifizierte Materialien sollen bei dem Neubau einer Gesamtschule zum Ein- satz kommen. Projekte auf Bundesebene Die Gebäudewirtschaft beteiligt sich an den Projekten „Erarbeitung einer Nationalen Kreislauf- wirtschaftsstrategie (NKWS)“ des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Si- cherheit und Verbraucherschutz (kurz: BMUV über Geschäftsstelle NKWS, Laufzeit bis 2024) sowie am „Steuerungsbegleitkreis Urban Mining Strategie“ des Umweltbundesamts (kurz: UBA und Ökoinstitut e.v., Laufzeit bis 2028). Zu 3.) Aufgabe der Gebäudewirtschaft ist es, die Dienstleistungsbedarfe der Fachdienststellen im Immobilienbereich umzusetzen. Dabei gibt es fortlaufende Bestrebungen, die Projekte nach- haltiger auszurichten und die Umsetzung der Stadtstrategie „Kölner Perspektiven2030+“ vo- ranzutreiben. Die Aktivitäten der Gebäudewirtschaft beschränken sich dabei nicht nur auf die Mitgliedschaft im C2C Netzwerk, sondern sind breit aufgestellt und beziehen verschiedenste Ressourcen mit ein. Vor allem Pilotprojekte, die gezielt auf die Bedarfe der Nutzerdienststellen ausgerichtet werden, bieten dabei einen besonders großen Erkenntnisgewinn. Aus Sicht der Gebäudewirtschaft sollte die kostenpflichtige Mitgliedschaft im Netzwerk C2C Regionen nicht verlängert werden. Da durch die Mitgliedschaft nur ein kleiner Teil zur Entwick- lung und Umsetzung einer noch nachhaltigeren Ausrichtung bewirkt werden kann und viele Aktivitäten, Impulse und Wissenstransfer an anderer Stelle stattfinden, kann der Mitgliedsbei- trag in Anbetracht der aktuellen Haushaltslage als Einsparpotential zur Verfügung gestellt wer- den. gez. Reker
Beratungsverlauf (1)
Details
- Aktenzeichen
- 0374/2025
- Typ
- Beantwortung einer Anfrage (Rat bzw. HA)
- Datum
- 13.02.2025
- Erstellt
- 31.01.2025 13:01