V/0394/2013
Münstersche Aa - ökologische Verbesserung südlich der Hülshoffstraße bis Hülsbach
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Beschlussvorlage
14295 Zeichen
V/0394/2013
DER OBERBÜRGERMEISTER
Tiefbauamt
Betrifft
Münstersche Aa - ökologische Verbesserung südlich der Hülshoffstraße bis Hülsbach
Beratungsfolge
12.09.2013 Bezirksvertretung Münster-West Anhörung
17.09.2013 Ausschuss für Umweltschutz und Bauwesen Entscheidung
Beschlussvorschlag:
I. Sachentscheidung:
Der Ausschuss für Umweltschutz un d Bauwesen stimmt dem vom Ing. -Büro Lange und dem Tie f-
bauamt aufgestellten Entwurf Nr. WL 10 (P) 2012 vom 31.10.2012 und den Bauarbeiten zur ök o-
logischen Verbesserung zu.
II. Finanzielle Auswirkungen:
Es wird zur Kenntnis genommen, dass der Stadt Münster Baukosten in Höhe von ca. 570.000 €
entstehen. Das Land Nordrhein -Westfalen wird die Maßnahme voraussichtlich mit ca. 456.000 €
fördern. Des Weiteren kommen Anteile aus Ausgleich – und Ersatzmaßnahmen von rd. 85.000 €
zum Tragen.
Der vorgenannte Beschluss ergeht unter dem Vorbehalt der Beschlussfassung des Rates zum HH-
Plan 2014.
Nr. Bezeichnung
Haush.-
jahr
Betrag
€ Bemerkungen
Produktgruppe
1304 Fließende Gewässer
Investitionsmaßnah-
me
0010 „Gewässer, Umbau/ökologische
Verbesserung“
Auszahlungen 2014 570.000
Einzahlungen
Vorlagen-Nr.:
V/0394/2013
Auskunft erteilt:
Herr Grimm
Ruf:
492 66 00
E-Mail:
Grimm@stadt-muenster.de
Datum:
27.05.2013
Öffentliche Beschlussvorlage
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V/0394/2013
Förderung Bezirksregierung 2014 456.000
Anteil Mittel aus Ausgleich - und Ersatz 2014 85.000
Saldo 29.000
Als Folgekosten fallen jährliche Abschreibungen von rd. 370 € an. Unterhaltungs kosten für das
Gewässer fallen für die Stadt nicht an, die Unterhaltung wird durch den Wasser - und Bodenver-
band Havixbeck - Roxel durchgeführt.
Begründung:
1. Beschreibung der Baumaßnahme:
Bestand
Das Tiefbauamt plant die Fließgewässerverhältnisse der Münsterschen Aa (Gew. -Nr, 3323000)
südlich der Hülshoffstra ße bis zum Hülsbach (Gew. - Nr. 3323000.2), durch den naturnahen Au s-
bau in einen guten ökolo gischen Zustand zurückzuführen. Ebenfalls werden der Unterlauf des
Hülsbachs und des rechtsseitig in d ie Aa mündenden Nebengewässers (Gew. -Nr. 3323000.91)
ökologisch verbessert. Diese Maßnahme ist Teil des Sanierungskonzeptes Aasee aus 2005 (AUB
Vorlage 0287/2005).
Das Vorhaben dient darüber hinaus auch als Ba ustein der Zielerreichung der Vorgaben der EG -
Wasserrahmenrichtlinie (EG-WRRL), die den guten ökologischen Zustand für die Oberflächeng e-
wässer bis zum Jahr 2015 vorgibt. Die Planung wurde auf Grundlage der Blauen Richtlinie (Rich t-
linie für die Entwicklung naturnaher Fließgewässer in NRW vom Minist erium für Umwelt und N a-
turschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, MUNLV 2010) erstellt.
Die Aa und die Nebengewässer wurden im Zuge der Flurbereinigung zur Gewährleistung der au s-
reichenden Vorflut geradlinig mit einem tief eingeschnittenen, naturfe rnen Trapezprofil ausgebaut
oder verrohrt und die Uferbereiche mit Steinschüttungen gegen Erosion befestigt. Gewässerökol o-
gische Aspekte fanden seinerzeit keine Berücksichtigung. An diesem Maßnahmenabschnitt ist der
Bewuchs und damit die Beschattung der Gewässer gering. Die Sohlbreite der Aa beträgt zwischen
4 und 6 m, das Sohlgefälle rd. 1,0 ‰, die Einschnittstiefe rd. 2,00 – 2,50 m und die Querschnit t-
breite im Bereich der Böschungsoberkante liegt bei rd. 12 m.
Im Vergleich zum Leitbild ist die Münstersche Aa zu tief eingeschnitten. Das Profil weist eine hohe,
bordvolle Abflussleistung auf. Zweijährige Regenereignisse (HQ 2) werden noch ohne Ausuferu n-
gen durch das Profil abgeleitet und Ausuferungen in den Auenbereich sind eher selten. Das hu n-
dertjährige Hochwasser (HQ100) führt zu ausgedehnten Überschwemmungen, das Schadenspoten-
tial ist aber wegen der angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen eher gering.
Die Strukturgüte der Aa wird nach den Angaben des Landes NRW an der Hülshoffstraße mit
überwiegend strukturell stark verändert (GSG Klasse 5) und im weit eren Verlauf bis zur Mündung
in den Hülsbach als deutlich verändert (GSG Klasse 4) bewertet. Die Sohle ist im gesamten A b-
schnitt als stark bis deutlich verändert eingestuft (GSG Klasse 4 – 5). Der Bewir tschaftungsplan
NRW 2009 zeigt in seinem Planungseinheitenstreckbrief folgende Kurzcharakteristik für diesen Aa-
Abschnitt auf. Die Qualitätskomponente Makrozoobenthos ist mit „schlecht“, die Qualitätskomp o-
nenten Fische und Makrophyten sind mit der ökologisch en Zustandsklasse „unbefriedigend“ und
der chemische Zustand ist mit „gut“ bewertet. Diese Bewertung entspricht nicht den Zielvorgaben
der WRRL. Die Gewässergüte wird nach Untersuchungen der Stadt Münster mit Güteklasse II b e-
wertet.
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Die Maßnahme befindet sich im Stadtteil Roxel und wird ausschließlich auf städtischen Flächen
durchgeführt. Vorhandene Gewässer, Gräben und Drainagen wurden bei der Planung berücksic h-
tigt und werden wieder angeschlossen. Die ökologische Verbesserung liegt in einer vom Amt für
Grünflächen und Umweltschutz (Amt 67) für Kompensationsmaßnahmen ausgewiesenen Fläche,
die für Eingriffe in Natur und Landschaft anzulegen ist. Ein Teil der Kompensationsmaßnahme, die
außerhalb des Planungskorridores der Aa liegt, wurde vom Amt 67 bereits im Jahr 2011 (Vorlage
V/0739/2010) erstellt. Teilflächen der Niederung von der Münste rschen Aa und des Hülsbaches
sind als schutzwürdige Biotope des LANUV-Biotopkatasters ausgewiesen.
Planung
Die Aa und ihre Nebengewässer werden aus ihrem unnatürliche n Gewässerbett herausgelegt und
in Anlehnung an den historischen Verlauf, in ihren ursprünglich geschwungenen Lauf zurückg e-
führt. Die Gewässer erhalten durch die Neuprofilierung des Verlaufes eine erheblich veränderte
Linienführung mit einem stark ausgeweiteten, mäandrierenden Gewässerprofil.
Ziele der Gesamtmaßnahme:
ökologische Verbesserung und naturnaher Gewässerverlauf der Münsterschen Aa südlich der
Hülshoffstraße
Verbesserung der Gewässerstruktur gemäß EG-WRRL
Abschlag bei höheren Abflüssen in die angrenzenden Auenbereiche
Gehölzanpflanzungen und Beschattung der neuen Gewässerverläufe
Schaffung von neuen Retentionsräumen
Durch die rechtseitige Auslenkung der Aa wird die Gewässerstrecke um ca. 180 m auf ca. 1070 m
verlängert. Das linke Ufer bleibt w eitestgehend unberührt. Es wird ein breites, natur nahes Gewäs-
serprofil mit einer 1,5 m breiten Niedrigwasserrinne und einem Längsgefälle von ca. 0,8 ‰ g e-
schaffen. Des Weiteren ist eine Ersatzaue von ca. 12 – 25 m Breite mit auentypischen Strukturen
wie muldenartige Vertiefungen und Flutmulden, die bei Einstau größere Wasserstände aufweisen,
geplant. Der dafür erforderliche Bodenabtrag beträgt im Mittel rd. 2,3 m, wobei die heutigen G e-
wässersohlhöhen beibehalten werden. Im Bereich der Auslenkungen werden die Profile des Altver-
laufes teilverfüllt. Vorhandene Ufersicherungen werden größtenteils rückgebaut oder übererdet.
Sicherungen der Ufer sind im neuen Gewässerverlauf nur durch Totholzeinbau und Hinterpfla n-
zung vorgesehen.
Die Gestaltungsgrundsätze der Aa gelten sowohl für den Hülsbach als auch für das namenlose
Nebengewässer. Bis zur Mündung in die Aa erhalten beide Gewässer auf ca. 200 m einen neuen,
naturnahen Gewässerverlauf. Der Niedrigwasserabfluss wird in einem Gerinne von rd. 1,0 m und
der Mittelwa sserabfluss von 5,0 m Breite geführt. Höhere Mittelwasserabflüsse ufern tei lweise
schon in die Ersatzaue aus. Durch die Aufweitungen des Profils und Beibehaltung der Sohllage er-
geben sich keine signifikanten Absenkungen der Mittelwasserspiegellage. Die L aufverlängerung
und Gewässeraufweitung bewirken eine Reduzierung des Längsgefälles und eine Reduzierung der
Fließgeschwindigkeit.
Um den späteren Eingriff in die angelegte Kompensationsfläche zu reduzieren, wurde die neue
Gewässertrasse für das verrohrte Nebengewässer durch das Amt 67 im Zuge der Erstellung der
Kompensationsfläche vorprofiliert. Der Anschluss des Nebengewässers an die bereits erstellte
Trasse erfolgt im Zuge der Aa -Baumaßnahme. Dazu wird ein im oberen Gewässerverlauf vorha n-
denes Absturzba uwerk entfernt und die sich daran anschließende Verrohr ung bis zur Aa ve r-
dämmt. Nach Abstimmung mit dem Amt für Immobilien und Liegenscha ften (Amt 23) erhält das
Nebengewässer oberhalb des neuen Gewässerverlaufes bis zur Hohen holter Str aße auf einer
Länge von rd. 210 m einen beidseitigen, 5 m breiten Uferrandstreifen.
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Gewässerbegleitend ist an den neuen Gewässerverläufen ein Entwicklungskorridor vorgesehen, in
dem gewässertypische Anpflanzungen bzw. Auensukzession erfolgen sollen. Hier soll sich ein
auenähnlicher Lebensraum entwickeln, sowie durch Gehölze die Beschattung des Gewässers s i-
chergestellt werden. Die Gehölzstandorte werden so gewählt, dass eine Beschattung der landwirt-
schaftlich genutzten Flächen möglichst vermieden wird. Vorhandene Gehölzbest ände wurden bei
der Planung berücksichtigt und bleiben weitestgehend erhalten.
Die neuen Böschungsflächen werden als Rohbodenflächen belassen und zum Schutz vor mögl i-
cher Oberflächenerosion mit Raseneinsaat eingesät. Die Ersatzauenbereiche werden nicht ei nge-
sät sondern einer natürlichen Sukzession überlassen.
Der Einbau von Totholzelementen ist für viele Tierarten eine wichtige Lebensgrundlage und stellt
in Tieflandgewässern über weite Strecken das einzige lagerungsstabile Hartsubstrat dar. Sie erh ö-
hen die Substratrauhigkeit der Gewässersohle, die Strömungs- und Feststoffdynamik, sie bewirken
im Gewässer eine Strukturanreicherung und dienen zur Steuerung der Fließdynamik in den neuen
Gewässerverläufen. Die Totholzelemente müssen am Ufer gegen Abdriften verankert werden.
Drainagen und weitere in die Aa mündende Gräben wurden bei der Planung berücksichtigt und
werden oberhalb der Sohle wieder angeschlossen. Während der Baumaßnahme vorgefundene
Drainagen werden wieder angeschlossen . Die veränderte Hochwasse rsituation verschlechtert die
Nutzung der grenzenden Flächen als Grünland bzw. landwirtschaftliche Anbaufläche nicht.
Nach Abschluss der Baumaßnahme wird in den Gewässern eine eigendynamischen, naturnahe
Weiterentwicklung stattfinden. Damit ist die Gr undlage für die Entwicklung eines Strahlursprungs
gegeben. Strahlursprünge sind laut LANUV-Arbeitsblatt 16 (Landesamt für Natur, Umwelt und Ver-
braucherschutz NRW) naturnahe Gewässerabschnitte, von denen aus gewässertypspezifische
Organismen in andere Gew ässerabschnitte wandern oder driften bzw. positive Umweltbedingu n-
gen in andere Gewässerabschnitte transportiert werden. Sie können somit eine Strahlwirkung aus-
üben.
Unterhaltungsarbeiten an den Gewässern können über den Pflegeweg der Kompensationsfläche
und über einen parallel zur Aa verlaufenden 3 – 4 m breiten Streifen, der vom Bewuchs freizuha l-
tenden ist, erfolgen. Die Zufahrt erfolgt über die Hülshoffstraße. Der größte Teil der Fläche ist lang-
fristig der Gehölz- und der Auwaldentwickung zu überlassen. Der gesamte Planungsabschnitt b e-
findet sich innerhalb des gesetzlich festgesetzten Überschwemmungsgebietes.
Im Vorfeld wurde ein Bodengutachten erstellt. Der Umgang mit den anstehenden Böden erfolgt in
Abstimmung mit der unteren Umweltbehörde.
Die Planung wurde auf Grundlage der “Blauen Richtlinie“ und der Zielerreichung der EG -WRRL
erstellt. Dieses sind Voraussetzungen für die Zuwendungsfähigkeit der Maßnahme. Reduzieru n-
gen in Art und Umfang der Maßnahme sind deshalb nur unter Verlust der Zuwendungen möglich.
2. Ausschreibung und Bau:
Mit der Ausschreibung wird nach Zustimmung durch den AUB begonnen. Der Baubeginn ist für
den Jahresbeginn 2014 geplant.
Die Bauzeit für die ökologische Verbesserung der Aa wird auf rd. 8 Monate geschätzt. Die Ba u-
maßnahme kann sich witterungsbedingt zeitlich verzögern.
3. Beiträge Dritter/Zuschüsse:
Die Maßnahme ist Teil der Umsetzungsfahrpläne und für das Programm “Lebendige Gewässer“ im
Regierungsbezirk Münster gemeldet. Mit dem Programm fördert das Land G ewässermaßnahmen
(bis zu 80% der Herstellungs - u. Planungskosten) zur Zielerreichung der Vorg aben der EG -
Wasserrahmenrichtlinie. Diese fordert den guten ökologischen Zustand und die Schaf fung der
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Durchgängigkeit von Fließgewässern herzustellen. Landeszuwendungen i n Höhe von 80 % wu r-
den von der Bezirksregierung in Aussicht gestellt. Der Antrag wird nach Erteilung der wasserrech t-
lichen Genehmigung gestellt.
Die Maßnahme Umgestaltung der Aa betrifft eine Kompensationsfläche, die den Eingriffen ve r-
schiedener städtischer Vorhaben zugeordnet ist. Deren Umsetzung erfolgte unter Herausnahme
der Uferrandstreifen, da für die Umgestaltung des Wasserlaufes zunächst noch ein eigenständiges
wasserrechtliches Genehmigungsverfahren notwendig war. Mit der Genehmigung des Vorhabens
können und müssen die nicht verbauten Finanzmittel und Flächen nachträglich in einer Höhe von
85.000 € vollständig in die Umgestaltung der Aa und ihres Ufers einfließen. Sie dienen der ökol o-
gischen Aufwertung der Flächen. Erst mit ihrer Umsetzung aller Maßn ahmen ist das in den lan d-
schaftspflegerischen Begleitplänen bilanzierte Defizit vollkommen ausgeglichen. Der zu tragende
städtische Eigenanteil in Höhe von 20 % reduziert sich auf somit 29.000 €.
4. Genehmigungen/Vereinbarungen:
Für den Bau ist ein Plan genehmigungsverfahren nach § 68 Wasserhaushaltsgesetz (WHG) erfo r-
derlich. Der Antrag wurde am 05.11.2012 bei der Unteren Wasserbehörde gestellt.
Der Planungsentwurf der Aa ist mit allen Fach- und Aufsichtsbehörden und dem Unterhaltungsver-
band Havixbeck-Roxel abgestimmt und wurde dem Landschaftsbeirat am 13.02.2013 vorgestellt.
5. Liegenschaftliche Regelungen:
Die Flächen befinden sich ausschließlich im Eigentum der Stadt Münster.
Betroffene Anlieger sind im Laufe des Plangenehmigungsverfahrens über die Pla nung informiert
und beteiligt worden.
Die Anwohner werden entsprechend dem Serviceversprechen des Tiefbauamtes frühzeitig über
die Durchführung der Maßnahme informiert.
i. V.
gez.
Schultheiß
Stadtdirektor
Anlagen
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Beratungsverlauf (2)
Beschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungBeschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungOrte (1)
- Hülshoffstraße
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Details
- Vorlagen-Nr.
- V/0394/2013
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 27.05.2013
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37