2011/0031
Rahmenkonzeption für Gemeinwesenarbeit in Darmstadt - Grundlegung für ein sozialräumliches Fachkonzept
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Grundlegung für ein sozialräumliches Fachkonzept In Kooperation: 2 Rahmenkonzeption für Gemeinwesenarbeit in Darmstadt Gemeinwesenarbeit als Teil einer kommunalen Strategie zur Überwindung sozi- alräumlicher Armutsdimensionen und Ausgrenzung in Darmstadt Grundlegung für ein sozialräumliches Fachkonzept Inhaltsverzeichnis 1. Vorwort der Träger ..............................................................................................................................................................3 2. Armut und soziale Ausgrenzung in einer reichen Stadt ..................................................................................6 3. Gemeinwesenarbeit: Eine sozialräumliche Strategie für Darmstadt zur Reduzierung von Armut und sozialer Ausgrenzung..............................................................10 3.1 Gemeinwesenarbeit als Teil einer kommunalen Strategie ..........................................................................10 3.2 Gemeinwesenarbeit verpflichtet sich der integrierten Entwicklung des Stadtteils und bestmöglichen Entfaltung der dort lebenden Menschen ............................................15 3.3 Gemeinwesenarbeit fordert eine sozialräumliche Ausrichtung von Politik und Verwaltung ....................................................................................................................21 3.4 Gemeinwesenarbeit arbeitet im Verbund und sichert fachliche Standards .................................................................................................................................... 23 4. Agenda .................................................................................................................................................................................. 25 4. Impressum ............................................................................................................................................................................27 3 1. Vorwort der Träger Gemeinwesen, Stadtteile, Quartiere, Siedlungen, Stadtviertel… sind die Kristal- lisationspunkte von Lebensfunktionen und Grundbedürfnissen: Wohnen, Da- heimsein, Nachbarschaften, Kommunikation, Identifikation, Aufwachsen, Spie- len, Verweilen, Arbeiten, Alterssitz, Lernen, Schutz, Einengung, Vertrauen, Hoffnung, Desillusionierung. Es sind Orte, in denen Lebensentwürfe entstehen, Haltungen und Erfah- rungen wachsen und unterschiedliche Lebensstile und Familienformen auftauchen. Sie sind Schmelztiegel von Interkulturalität, Vielfalt, Traditio- nen, von Problemdimensionen und Lebensbewältigungsstrategien. Lebensvorstellungen und Lebenschancen sind an Lebenslagen gebunden, Denk- und Handlungsspielräume von Grunderfahrungen im sozialen Nah- raum begrenzt oder beflügelt. Die physische und soziale Qualität ihres Nahbereiches ist bestimmend. Ins- besondere trifft dies für Menschengruppen mit eingeschränkter Mobilität zu: Kinder und ihre Eltern, Ältere, Behinderte, Kranke, arme und arbeitslose Menschen. Eine jede Zivilgesellschaft hat ihre Wurzeln in diesem überschaubaren Nah- bereich. Nur wenn der Nahbereich, das Quartier, existenzsichernd ist, gute Lebens- und Wohnqualität, gesunde und gerechte Lebensverhältnisse ge- währt, entstehen gute Ausgangsbedingungen für Lebenschancen, Eigen- verantwortung, Vertrauen, Gemeinsinn, Mitgefühl, Solidarität und demo- kratisches Mitgestalten. Das Quartier bringt mit den dort zu bewältigenden materiellen und sozia- len Anforderungen eigene Formen des Miteinanderlebens, Geprägtwerdens und der (Über-)Lebensstrategie hervor. Je höhere Anforderungen an die Lebensgestaltung und –bewältigung gestellt werden und je mehr Anpas- sungs- und Integrationsleistungen zu erfüllen sind, desto belastender und überfordernder wird die individuelle Lebensgestaltung und der Blick fürs Nachbarschaftliche. Nur dort, wo die Problemkonstellationen und Belastungsfaktoren ihren di- rekten Niederschlag finden - in den Haushalten, den Lebenswelten und Gemeinwesen - sind die strategischen Ausgangsorte für notwendige Ver - änderungs- und Verbesserungsprozesse. Das Arbeitsprinzip der Gemeinwesenarbeit hat hier seine Anfänge und sei- nen Auftrag. In diesem wird der Zusammenhang von persönlichen, sozia- len, materiellen und infrastrukturellen Begrenzungen ganzheitlich erfasst und die Beteiligung und Teilhabe der Quartiersbevölkerung als Grundbe- dingung für zu entwickelnde Bewältigungsstrategien konstatiert. 4 Subjekt der Gemeinwesenarbeit ist jedoch im Grunde das Gemeinwesen selbst, die sich organisierende Bevölkerung, denn Emanzipation kann nicht zugeteilt werden. (nach Prof. G. Iben) Seit Anfang der 70er Jahre, nahezu 40 Jahre, ist Gemeinwesenarbeit (GWA) in Darmstadt etabliert. Zunächst in den so genannten „Sozialen Brennpunk- ten“: Rodgaustraße in Arheilgen und Kirschenallee/ Pallaswiesenviertel. Nun könnte man sagen: Nach fast 40jähriger Arbeit in der Rodgaustraße und der Kirschenallee und 11 Jahre GWA Eberstadt-Süd und Kranichstein wird dieses Kapitel geschlossen. Ganz nach der alten Annahme, GWA könn- te und sollte sich in den Quartieren überflüssig machen. Wir müssen uns die Frage gefallen lassen und auch selbst stellen, was heißt es, wenn wir nach 40 Jahren geleisteter Arbeit für eine Etablierung dieses Arbeitsprinzips Sorge tragen wollen. Dazu ist zu konstatieren, dass wirt - schaftliche und gesamtgesellschaftliche Veränderungen und insbesondere Destabilisierungen und Irritationen sich immer dort auswirken, wo die Be- lastungen am größten sind. Bildlich gesprochen: das Glied einer Kette am schwächsten ist. Das heißt in den Stadtteilen und Quartieren, die große und vielgestaltige Belastungen zu bewältigen und hohe Integrationsleistungen zu erbringen haben. Nicht aus jedem Stadtteil ist ein privilegierter Stadtteil zu entwickeln. Es gehört zur Diversität einer Stadtgesellschaft, dass es un- terschiedliche Sozialräume gibt und diesen Unterschieden ist Rechnung zu tragen. Besonders in der Form, dass dort, wo viele Belastungen hinwirken, viele Integrationsleistungen zu erbringen sind, besondere und nachhaltige Unterstützungsstrategien greifen müssen. GWA ist aus unserer Erfahrung und Beurteilung in der Lage – mit ihrem Fokus auf die Verhältnisse und Strukturen, statt dem individuellen Verhal- ten – sich an notwendigen Strategien und Modellen lokaler Sozialstaatlich- keit zu beteiligen. Auf der lokalen Ebene ist die Verwirklichung von Formen aktiver und aktivierender Sozialpolitik möglich und aus unserer Erfahrung auch gelungen. Nur im überschaubaren Rahmen, im übersichtlichen Sozi- alraum, lassen sich Selbsthilfepotentiale erschließen und Bündnisse initiie- ren, die zur Lösung gemeinsamer Problemlagen geeignet sind, auch über Interessensgegensätze hinaus. Vor dem Hintergrund dieser unserer Erfahrungen, Erkenntnisse und Errun- genschaften und den Auswirkungen des Um- und Rückbaus des Sozial- staates, haben wir als Träger entschieden, die Weiterentwicklung der Ge- meinwesenarbeit auf unsere Agenda zu setzen. Was lag näher, als uns im Rahmen des Europäischen Jahres gegen Armut und soziale Ausgrenzung zu beteiligen. Wir haben uns sehr gefreut, denn unsere Bewerbung war er- folgreich. Aus über 800 eingegangenen Anträgen wurde unser Projekt als eines von 40 bundesweit ausgewählt. Damit sind wir in ein Projekt und in einen Prozess gestartet mit dem Ziel, ein Rahmenkonzept für Gemeinwe- senarbeit zu entwickeln. 5 Unter breiter Beteiligung verschiedener Akteurinnen und Akteure aus den Bereichen Soziales, Wirtschaft, Arbeit und Zivilgesellschaft kamen Men- schen zusammen, um gemeinsam Lösungen für anstehende Problemla- gen, die es auch in einer reichen Stadt gibt, zu erarbeiten. Das Interesse war dabei konstant groß und die Rückmeldungen zeigten, dass es einen Bedarf an Veränderungen der Ausrichtung sozialer Intervention, hin zu einer sozi- alräumlichen Perspektive gibt. Als Meilensteine lassen sich folgende öffentliche Veranstaltungen nennen: Die Auftaktveranstaltung am 23. April › 1. Arbeitskonferenz am 1. Juni › 2. Arbeitskonferenz am 1. September › Die Abschlussveranstaltung am 3. Dezember › Parallel dazu die Durchführung von Gruppendiskussionen mit Gruppen aus Bürgerinnen und Bürgern (u.a. Arbeitslosentreff, Alleinerziehende, Aktive Senioren…). Weiterhin wurde kontinuierlich in der Konzeptgruppe an der Zusammen- führung der Informationen und der Erarbeitung der Rahmenkonzeption gearbeitet, die sich aus Vertreterinnen und Vertretern der Träger Diakoni- sches Werk und Caritasverband, SKA Darmstadt, der Stadtverwaltung, der Hochschulen (Hochschule Darmstadt und Evangelische Fachhochschule) und der LAG Soziale Brennpunkte Hessen e.V. zusammensetzte. Entstanden ist nun die vorliegende „Rahmenkonzeption für Gemeinwesen- arbeit in Darmstadt – Grundlegung für ein sozialräumliches Fachkonzept – Gemeinwesenarbeit als Teil einer kommunalen Strategie zur Überwindung sozialräumlicher Armutsdimensionen und Ausgrenzung in Darmstadt“. Die Verknüpfung von sozialpolitischen, arbeitsmarktpolitischen, wirt - schaftspolitischen und wohnungspolitischen Lösungsansätzen ist erforder- lich, um spezifische Lösungen für spezifische sozialräumliche Problemla- gen zu schaffen. So können wir konstatieren, dass heute mehr denn je GWA als ein Teil ei- ner Gesamtstrategie zur Überwindung von sozialräumlichen Armutsdi- mensionen und Ausgrenzung zu etablieren ist für eine soziale und solidari- sche Stadt, für lokale Sozialstaaten. Wir möchten herzlichen Dank aussprechen an all diejenigen, die die Um- setzung des Projekts ermöglicht und ihre Gedanken und Ideen eingebracht haben. Edda Haack › Leitung Diakonisches Werk Darmstadt-Dieburg Dr. Werner Veith › Caritasdirektor Darmstadt 6 2. Armut und soziale Ausgrenzung in einer reichen Stadt Darmstadt ist eine wachsende und wirtschaftlich prosperierende Stadt mit großstädtischer Dynamik und internationalem Flair. Die aktuellen Ergebnisse der Bürgerumfrage 2009 zeigen, dass sich die überwiegende Mehrheit der Ein- wohnerinnen und Einwohner in ihrer Stadt wohl fühlen und sehr gerne hier wohnen. Darmstadt bietet für seine Bürgerinnen und Bürger eine vielfältige Infrastruktur auf hohem Niveau. Soziales, Kultur, Sport und Freizeit, Wohnen, Arbeitsplätze, Einzelhandel und ÖPVN sind Indikatoren für ein ausgewogenes Gemeinwe- sen, das kontinuierlich bedarfsgerecht angepasst und weiter entwickelt wird. Dabei stehen die Maximen der sozialen, ökologischen und ökonomischen Ba- lance politisch auf der Agenda. In Darmstadt gibt es aber auch Armut und soziale Ausgrenzung. Sie manifes- tiert sich insbesondere in Sozialräumen und trägt zu einer Öffnung der Schere zwischen arm und reich, zwischen Inklusion und Exklusion bei. Ein besonderer Blick auf sozial benachteiligte Quartiere/Stadtteile ist im Rahmen von Gemein- wesenarbeit von großer Bedeutung, gleichzeitig sollen aber auch sozial ge- fährdete Sozialräume rechtzeitig gestärkt und stabilisiert werden. Die Entwick- lung von soliden Quartieren, wie etwa in den Konversionsflächen, hin zu gesunden, tragfähigen und emanzipatorischen Gemeinwesen ist darüber hin- aus eine Aufgabe funktionierender Gemeinwesenarbeit. In fünf Quartieren/Stadtteilen sind die Belastungen der dort lebenden Bevölke- rung im Hinblick auf ihre ökonomische Lage seit vielen Jahren bekannt und Anlass vielfältiger sozialpolitischer Interventionen. Zwei dieser Stadtteile sind Programmgebiete des Bund-Länder-Programms Soziale Stadt und demnach mit Ressourcen für Stadtteilmanagement und Stadtteilwerkstätten (Bürgerbe- teiligung) ausgestattet. Die beiden Gebiete liegen in den statistischen Bezirken 750 Kirchtannensiedlung (Eberstadt-Süd) und 910 Kranichstein-Süd. Für beide statistischen Bezirke lässt sich feststellen, dass sie bei den Arbeitslo- senzahlen nach SGB II, den Empfängern von Grundsicherung im Alter und bei der Hilfe zum Lebensunterhalt Werte aufweisen, die weit, teilweise 300 % über dem städtischen Durchschnitt liegen. Für die Arbeitslosenzahlen nach SGB III gilt dies nur für den Bezirk in Eberstadt-Süd, während Kranichstein-Süd leicht unter dem städtischen Durchschnitt liegt. In diesen Gebieten ist insbesondere auch die soziale Lebenslage der zugewanderten Bevölkerungsgruppen extrem prekär (überdurchschnittlich hohe Sozialhilfedichte und Arbeitslosigkeit). Drei weitere Gebiete sind klassische städtebauliche Sanierungsgebiete, in de- nen jeweils Gemeinwesenarbeit durch einen freien Träger erbracht wird. Auch diese Gebiete weisen in einigen Indikatoren hohe Werte über dem städtischen Durchschnitt auf. Hier ist es jedoch auch so, dass die eigentlichen Sanierungs- gebiete erheblich kleiner sind als der statistische Bezirk, sodass davon ausge- gangen werden kann, dass die Indikatoren bezogen auf die Sanierungsgebiete selbst noch höher sind. In diesen fünf Gebieten werden auch zukünftig Investitionen nötig sein, so- wohl in Infrastrukturmaßnahmen als auch in Gemeinwesenarbeit. Der neue Sozialatlas 2008 macht deutlich, dass mit den beiden Innenstadtbezirken 110 Stadtzentrum, 120 Rheintor/Grafenstraße und Kranichstein-Nord mindestens drei weitere Gebiete mit hohen Investitionsbedarfen hinzukommen. 7 Arbeitslose nach SGB III in Darmstadt zum 31.12.2008 Statistische Bezirke/ Stadtteile Arbeitslose SGB III daraus auf 1.000 Einw. 15-unter 65 (in Promille) daraus männl. weibl. insg. Ausl. männl. weibl. insg. Ausl. 240 Waldkolonie 25 22 47 11 17,3 16,7 17,0 20,2 260 Pallaswiesenviertel 22 19 41 15 20,4 22,2 21,2 23,7 610 Alt-Arheilgen 22 16 38 4 15,4 11,5 13,5 9,7 750 Kirchtannensiedlung 49 28 77 23 25,7 14,5 20,0 23,5 910 Kranichstein-Süd 29 28 57 14 12,2 11,5 11,8 11,1 Stadtgebiet insgesamt 724 594 1318 312 14,9 12,6 13,8 16,6 Arbeitslose nach SGB II in Darmstadt zum 31.12.2008 Statistische Bezirke/ Stadtteile Arbeitslose SGB II daraus auf 1.000 Einw. Unter 65 (in Promille) daraus männl. weibl. insg. Ausl. männl. weibl. insg. Ausl. 240 Waldkolonie 106 63 169 36 58,0 37,9 48,4 56,7 260 Pallaswiesenviertel 92 83 175 64 72,7 83,0 77,2 88,9 610 Alt-Arheilgen 63 31 94 26 36,6 18,7 27,8 55,7 750 Kirchtannensiedlung 250 244 494 167 102,1 99,1 100,6 141,8 910 Kranichstein-Süd 174 167 341 191 55,1 53,0 54,0 120,6 Stadtgebiet insgesamt 2186 1901 4087 1456 37,4 33,7 35,6 69,2 Empfänger/innen von Grundsicherung im Alter in Darmstadt zum 31.12.2008 Statistische Bezirke/ Stadtteile Empf. GSiG daraus auf 1.000 Einw. 65 u. älter (in Promille) daraus männl. weibl. insg. Ausl. männl. weibl. insg. Ausl. 240 Waldkolonie 19 26 45 9 58,5 63,9 61,5 150,0 260 Pallaswiesenviertel 16 19 35 13 110,3 103,8 106,7 200,0 610 Alt-Arheilgen 4 18 22 2 12,6 41,1 29,1 74,1 750 Kirchtannensiedlung 59 106 165 60 142,2 163,1 154,9 495,9 910 Kranichstein-Süd 65 67 132 53 118,2 86,2 99,5 670,9 Stadtgebiet insgesamt 651 850 1501 443 61,3 54,7 57,4 276,7 Empfänger/innen von HLU in Darmstadt zum 31.12.2008 Statistische Bezirke/ Stadtteile Empf. HLU daraus auf 1.000 Einw. U. 65 (in Promille) daraus männl. weibl. insg. Ausl. männl. weibl. insg. Ausl. 240 Waldkolonie 53 17 70 3 29,0 10,2 20,0 4,7 260 Pallaswiesenviertel 28 14 42 10 22,1 14,0 18,5 13,9 610 Alt-Arheilgen 16 4 20 4 9,3 2,4 5,9 8,6 750 Kirchtannensiedlung 53 45 98 10 21,7 18,3 20,0 8,5 910 Kranichstein-Süd 32 31 63 27 10,1 9,8 10,0 17,0 Stadtgebiet insgesamt 497 379 876 146 8,5 6,7 7,6 6,9 8 Aufgabe kommunaler Sozialpolitik ist es, dafür zu sorgen, dass alle Men- schen in der Mitte unserer Gesellschaft stehen. Exklusion, Segregation, Stig- matisierung und Benachteiligung aufgrund sozialer oder ethnischer Her - kunft muss stringent entgegen gearbeitet werden. Auftrag ist die Verhinderung von Armut und die aktive Förderung von Chancengleichheit und Inklusion. Dabei setzen schon heute viele Teile, aber intensiviert in die Zukunft alle Ämter der Stadtverwaltung Darmstadt die drei von Stadtrat Jochen Partsch sozialpolitisch formulierten und interdisziplinär transformierten Prämissen Prävention – Partizipation – Sozialraumorientierung um. Auf der Grundlage dieser Handlungsmaximen ist Gemeinwesenarbeit als Arbeitsprinzip seit vielen Jahren eine von der Wissenschaftsstadt Darm- stadt – und hier insbesondere vom Sozialdezernat – unterstützte und ge- förderte Strategie. Gemeinwesenarbeit ist sozialräumlich organisiert › Gemeinwesenarbeit findet sich in den Stadtteilen und Quartieren › mit besonderen Entwicklungsbedarfen Gemeinwesenarbeit ist für alle Bewohnerinnen und Bewohner der › Gebiete nutzbar Gemeinwesenarbeit aktiviert und beteiligt Bewohnerinnen und › Bewohner Gemeinwesenarbeit fördert Inklusion und wirkt sozialer Benachteili- › gung entgegen Gemeinwesenarbeit fördert die strukturelle Integration der zuge- › wanderten Bevölkerungsgruppen Gemeinwesenarbeit wirkt darauf hin, positive Lebensbedingungen › zu erhalten bzw. zu schaffen Um den Ansatz der Gemeinwesenarbeit auszubauen und gesamtstädtisch nutzbar zu machen und gleichzeitig die unterschiedlichen Ebenen der Ko- operation von Anfang an zu beschreiben, arbeiteten Mitarbeiter/innen der städtischen Verwaltung sowohl in den Arbeitskonferenzen als auch in der Projektgruppe aktiv mit. Mit dem Rahmenkonzept „Gemeinwesenarbeit als Teil einer kommunalen Strategie zur Überwindung von sozialräumlichen Armutsdimenisonen und Ausgrenzung“ wird daher ein kooperatives Werk zwischen Freier Wohl- fahrtspflege und Stadtverwaltung vorgelegt. Im Auftrag von Sozialdezer - nent Stadtrat Jochen Partsch wurden von Seiten der Verwaltung die Pers- pektiven der Wissenschaftsstadt Darmstadt hinsichtlich sozial-, jugend- und altenhilfeplanerischer Anforderungen als auch präventiver Aspekte von Ar- mutsbekämpfung eingebracht. Ziel muss es sein, eine zentrale und dezentrale Steuerungsstruktur für alle Quartiere mit besonderem Entwicklungsbedarf zu entwickeln und zu im- plementieren. 9 Diese Arbeit wird in dem Rahmenkonzept umschrieben und ist Handlungs- auftrag sowohl für die örtlich eingebundene Sozialarbeit wie auch für die administrative Steuerungs- und Planungsebene aller Dezernate. Bedarfsorientierte Angebotsplanung und ein tragfähiges, sozialraumorien- tiertes Beteiligungskonzept für die Bürgerinnen und Bürger sind weitere Schritte, die im Rahmen der Gemeinwesenarbeit umgesetzt werden und damit dazu beitragen, die kommunalen Ressourcen effizient und effektiv einzusetzen. Hinsichtlich der Rolle der Verwaltung wird mit der Umsetzung des Rah- menkonzeptes ein Paradigmenwechsel eingeschlagen, der weg von Ver - walten hin zu einem partnerschaftlichen Gestalten führt. Gleichzeitig wird damit die Aufgabe der Verwaltung, politische Entschei- dungsträger/innen planerisch, sozialpolitisch und gesetzeskonform zu be- raten, auf basisdemokratische und partizipatorische Fundamente gestellt. Aus sozialplanerischer Sicht und unter Berücksichtung des Auftrages des Amtes für Soziales und Prävention kann zusammenfassend gesagt werden, dass die „Rahmenkonzeption für Gemeinwesenarbeit in Darmstadt“ eine fundierte und innovative Grundlage für kooperatives Handeln und Gestal- ten darstellt, um dezernatsübergreifende, politisch definierte Vorgaben in der Wissenschaftsstadt Darmstadt qualitativ gut umzusetzen und dabei vor allem die Basisvoraussetzung – die Beteiligung von Bürgerinnen und Bür - gern – zu garantieren. Barbara Akdeniz › Amt für Soziales und Prävention Markus Emanuel › Sozial- und Jugendhilfeplanung 10 3. Gemeinwesenarbeit: Eine sozialräumliche Strategie für Darm- stadt zur Reduzierung von Armut und sozialer Ausgrenzung Die Ursachen von Armut und sozialer Ausgrenzung liegen wesentlich auf nationaler und globaler Ebene und lassen sich auf kommunaler Ebene nur eingeschränkt beheben. Doch ist es die kommunale Ebene, auf der Armut und soziale Ausgrenzung sich manifestiert, am intensivsten in den soge- nannten benachteiligten Quartieren/Stadtteilen. Benachteiligt meint, hier leben überdurchschnittlich viele Menschen in fi- nanziellen Mangelsituationen, sozialer Ausgrenzung und in Armut, sie sind häufig auf (ergänzende) Sozialleistungen angewiesen und sind aufgrund dessen von vielen Teilhabemöglichkeiten getrennt und sozial ausgegrenzt. Nicht selten sind die Quartiere/Stadtteile gleichzeitig geprägt von einer mangelhaften baulichen Substanz der Wohngebäude und des Wohnumfel- des und einer unzureichenden sozialen und ökonomischen Infrastruktur, was die Lebenssituation vor Ort erschwert. Meist ist das Image der Quartie- re/Stadtteile zusätzlich stigmatisierend und entwicklungshemmend. 3.1 Gemeinwesenarbeit als Teil einer kommunalen Strategie Zur Überwindung von sozialräumlichen Armutsdimensionen und Ausgren- zung und der Gestaltung einer solidarischen Stadtgesellschaft stellt die Im- plementierung von sozialer Stadt(teil)entwicklung als gesamtstädtische Strategie in der Wissenschaftsstadt Darmstadt eine Chance dar. Ein Teil der sozialen Stadt(teil)entwicklung ist die Gemeinwesenarbeit (GWA), die in den unterschiedlichen Sozialräumen ihren Wirkungsbereich hat und von dort den Dialog mit Politik und Verwaltung organisiert. Die Gemeinwesen- arbeit begreift sich als zivilgesellschaftliche Akteurin, die gemeinsam mit der Bürgerschaft und anderen Akteuren im Gemeinwesen aktiv ist. Dazu zählen unter anderem eine organisierte und nicht organisierte Bewohner - schaft, Einrichtungen der Kinder-, Jugend- und Altenhilfe, Institutionen, Vereine, Initiativen, Migrantenselbstorganisationen, Kirchen und Andere. Einsatzort der Gemeinwesenarbeit ist das Quartier/ der Stadtteil, weil sie dort den unmittelbaren Kontakt zur Bewohnerschaft und ihrer Lebenswel- ten und den anderen Akteuren hat. Er ist Ausgangspunkt für die Einleitung Sozialräumliche Aus- › richtung der GWA GWA als Teil einer › gesamtstädtischen Strategie 11 von Veränderungen und Verbesserungen in der Lebenssituation der Men- schen und der Entwicklung des Stadtteils allgemein. In Darmstadt sind Einsatzorte der Gemeinwesenarbeit bisher die soge- nannten alten „Sozialen Brennpunkte“ Rodgaustraße/Arheilgen, Kirschenal- lee/Pallaswiesenviertel; Akazienweg/Waldkolonie und die „neuen“ Standor- te im Rahmen des Programms „Soziale Stadt“ in Eberstadt Süd und Kranichstein. Da eines der Gemeinwesenarbeit zugrunde liegenden Ziele die Demokrati- sierung, die strukturelle Integration der zugewanderten Bevölkerungsgrup- pen und politische Aktivierung aller Menschen im Gemeinwesen ist, be- zieht sie sich auf alle Gruppen der Stadtgesellschaft. Entsprechend beschränkt sich ihr Wirkungsbereich nicht auf die benachteiligten Quartie- re/Stadtteile, sondern richtet sich auf die Räume aus, in denen ein Hand- lungsbedarf deutlich wird. Grundsätzlich lassen sich vier verschiedene Ge- bietstypen definieren, in denen GWA tätig wird. Typ 1 – Risikogebiet: Es besteht ein hoher sozialer Interventionsbedarf, ggf. verbunden mit ökonomischen und städtebaulichen Handlungsbe- darfen. Typ 2 – Präventionsgebiet: Beobachtbare Tendenzen der Verdichtung/ Entwicklung von sozialräumlicher Armut und sozialer Ausgrenzung er - fordern eine frühzeitige Intervention. Typ 3 – Stabilisierungsgebiet: Sicherung und Weiterentwicklung von Quartieren/Stadtteilen in denen bereits durch eine integrierte sozia- le Stadtteilentwicklung die Marginalisierungsbewegungen aufgehalten wurden. Typ 4 – Aufbaugebiet: Neubaugebiete/Stadtumbaugebiete (z.B. Konver- sionsflächen), die durch GWA begleitet werden um die hinzuziehende Bewohnerschaft partizipativ mit den im Aufbau › befindlichen neuen Organisation vor Ort von Beginn an zu vernet- zen, eine bedarfsgerechte Entwicklung der sozialen und kulturellen Infra- › struktur zu gewährleisten, beratend beim Aufbau nachbarschaftlicher Alltagskultur tätig zu sein. › Die Prinzipien der Gemeinwesenarbeit eröffnen für die Stadt einen Hand- lungskorridor auf der lokalen Ebene, der in verschiedenen Sozialräumen die Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung ermöglicht. GWA versteht sich als zielgruppen- und einrichtungsübergreifend und als methodenintegrativ. GWA orientiert sich an den Ressourcen der Menschen, Organisationen und Strukturen im Quartier/Stadtteil. Sie ermutigt, befähigt, mobilisiert und bündelt diese für eine beteiligende und nachhaltige Quar - tiersentwicklung. Bedürfnisse, Erfahrungen, Geschichten, Lebenssituatio- Die Prinzipien › der GWA 12 nen und Interessen der dort lebenden Bewohnerinnen und Bewohner ste- hen im Mittelpunkt und sind Dreh- und Angelpunkt für das Erwirken gesellschaftlicher Teilhabe, Entwicklungschancen, Integration und Inklusi- on. Auf den Punkt gebracht, GWA verspricht: Hohe soziale und interkulturelle Kompetenz mit Alltags- und Le- › bensweltorientierung, d.h. Präsenz vor Ort und Niedrigschwelligkeit. Die Analyse und das Verständnis von Lebenswelt und das Erkennen der Potenziale der Menschen. (Methoden-)Integration und Kombination von (sub-)kulturspezifi- › schen differenzierten Konzepten der Arbeit mit Menschen verschie- denen Alters, Geschlechts und Herkunft. Auf diese Weise schafft sie Voraussetzungen für: Empowerment und Interessenorganisation, die Möglichkeit der › Partizipation und Förderung von Teilhabe auch und gerade von artikulationsschwachen und unorganisierten Gruppen von Bewoh- nerinnen und Bewohnern. Interdisziplinäre und ressortübergreifende Arbeit im Verbund mit › Politik, Verwaltung, Wirtschaft und sozialen Akteuren für eine nach- haltige Regional- und Stadtentwicklung. Eine Ermöglichung von mehr solidarischer Ökonomie bzw. Gemein- › wesenökonomie, kooperativen Existenzgründungen in Kombination von Erwerbs- und Eigenarbeit auf der Basis von Existenzsicherung im Stadtteil. (vgl. Klöck, Tilo: Das Arbeitsprinzip Gemeinwesenarbeit als Qualitätsmerkmal von Sozialraumorientierter Sozialer Arbeit, Stadtteilarbeit und Quartiersmanagement, München 2001, S.3) Gemeinwesenarbeit kann nicht im Alleingang durch einen Träger oder Teams geleistet werden, sie braucht Strukturen in Politik und Verwaltung, die diesen Ansatz mittragen. Das bedeutet, sie erhält als Teil einer ge- samtstädtischen Strategie Eingang in (sozial)politische Leitlinien und Pro- gramme, die eine integrierte soziale Stadt(teil)entwicklungspolitik für die Wissenschaftsstadt Darmstadt formulieren. Die besonderen Erfordernisse in Hinblick auf interkulturelle Aspekte der GWA, nämlich die wechselseitige Öffnung der Migranten-Communities und der Institutionen der Mehrheitsgesellschaft als Voraussetzung struktu- reller und sozialräumlicher Integration, müssen kommunalpolitisch unter - stützt werden. Eine weitere Ausdifferenzierung von Zielen und Handlungsfeldern für die GWA bilden sodann politiksektorübergreifende, integrierte Handlungskon- zepte auf der Ebene der Gesamtstadt und auf Quartier-/Stadtteilebene. Sie sind das erforderliche Instrument, um eine soziale Stadt(teil)entwicklung umsetzen zu können und werden für die Gesamtstadt und alle Standorte der Gemeinwesenarbeit entwickelt. Voraussetzungen für › GWA als Teil einer kommunalen Stra- tegie 13 Die Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung auf der lokalen Ebe- ne erfordert eine Stadtpolitik sozialer Integration, die als Querschnittsauf - gabe zu verstehen ist, die horizontal zwischen den Fachressorts und verti- kal zwischen den Ebenen der kommunalen Verwaltung die vorhandenen Mittel und Kapazitäten zusammenfügt. Während Grundsatzentscheidungen (strategische Entscheidungen) auf ho- hen Hierarchieebenen angesiedelt werden, sind Ziele, Handlungswege und Umsetzungsmöglichkeiten vor Ort (im Quartier/Stadtteil) zu entwickeln. Damit wird die Verwaltung auf der Quartier-/Stadtteilebene zu einer Akteu- rin unter vielen, die mit Kompetenzen und Ressourcen den Rahmen für eine quartier/stadtteilbezogene Politik formen. Eine politisch-administrative Entscheidung für die Gemeinwesenarbeit in Darmstadt hat eine angemessene sachliche und personelle Ausstattung, einen Umbau der Verwaltungsstrukturen hin zum sozialraumorientierten Arbeiten in allen relevanten Arbeitsbereichen der Verwaltung, einen quer zu den „klassischen“ Ressorts liegenden Handlungsansatz und eine politi- sche Kultur, die Partizipation und die Bewohneraktivierung als Qualitäts- verbesserung anerkennt und einsetzt, zur Folge. Wichtig ist dabei der Grundsatz, dass eine abteilungsorientierte Zergliederung ganzheitlicher Probleme aufgehoben wird. Die Steuerung der Einrichtung und Sicherung der Standards ist eine Aufga- be, die im Verantwortungsbereich des Sozialdezernates angesiedelt wird, da dieses Dezernat schwerpunktmäßig die Verantwortung für die Bedarfs- planung der von Armut und sozialen Ausgrenzungen betroffen Gruppen inne hat. Hier werden Strukturen aufgebaut, die die Einbindung der Ge- meinwesenarbeit in die sozialraumbezogene Bedarfsplanung gewährleis- ten. Im Rahmen des Aufbaus sozialraumorientierter Verwaltungsstrukturen ist die kommunale Fachstelle für Integration zuständig für die Berücksichti- gung migrationsspezifischer Belange in allen Bereichen. Erfahrungen in der ressortübergreifenden sozialraumorientierten Zusam- menarbeit in Darmstadt wurden bereits durch die „Magistratskommission Soziale Brennpunkte“ und durch die Steuerungsgruppe „Projektkoordinati- Umbau von Verwal- › tungsstrukturen 14 on“, die zur Umsetzung des Programms „Soziale Stadt“ in Eberstadt und Kranichstein gebildet wurde, erprobt. Sie bedürfen jedoch eines Ausbaus und einer Anpassung an veränderte Bedingungen, um Gemeinwesenarbeit als Teil einer gesamtstädtischen Strategie in Darmstadt zu implementieren. Auf der strategischen Ebene wird gewährleistet, dass der stadtteilbezogene Ansatz in einer städtischen Gesamtstrategie für eine soziale Stadtentwick- lung aufgeht, die eine Verhinderung weiterer sozialräumlicher Polarisierung zum Ziel hat. Die Gründung der „Darmstädter Gemeinschaftsinitiative Sozi- ale Stadt(teil)entwicklung – DAGISS“ wird hierfür als das geeignete Instru- ment vorgeschlagen. DAGISS ist als Netzwerk von Verantwortungsträgern aus den Bereichen Arbeit, Politik, Soziales, Wirtschaft/Wohnungswirtschaft, Stadtentwicklung und Stadtplanung zu verstehen, welches sich mit den Aspekten sozialer Stadt(teil)entwicklung in Darmstadt unter der besonde- ren Berücksichtigung der Reduzierung von Armut und sozialer Ausgren- zung in der Stadt beschäftigt. Die Aufgaben des Netzwerks sind: die Formulierung strategischer Ziele für eine sozial-integrierte › Stadt(teil)entwicklungspolitik als Leitlinien für die Politik unter Berücksichtigung der Verwirklichung von Teilhabechancen für alle Einwohnerinnen und Einwohner von Darmstadt in den Lebensberei- chen Kultur, Bildung, Arbeit/Ökonomie, Soziales und Politik Sozialraumbeobachtung mit Hilfe der Sozialberichterstattung und › perspektivisch eines Sozialraum-Monitorings, als auch des Integrati- onsmonitorings zur Identifizierung von Handlungsbedarfen Ressourcenakquise und Ressourcenbündelung (öffentliche und pri- › vate) für die soziale Stadt(teil)entwicklung Überprüfung der Einhaltung der formulierten Ziele für die soziale › Stadt(teil)entwicklung auf der politisch/administrativen und auf der sozialräumlichen Ebene Darmstädter Initia- › tive für eine soziale Stadt(teil)entwick- lung 15 3.2 Gemeinwesenarbeit verpflichtet sich der integrierten Entwick- lung des Stadtteils und bestmöglichen Entfaltung der dort leben- den Menschen Die Quartiere/Stadtteile sind die Räume für soziale Intervention und werden in dieser Funktion in Folge von zunehmenden Marginalisierungstendenzen auf der nationalen und globalen Ebene immer wichtiger. Die Gestaltung ih- res sozialen Raums gemeinsam mit den Menschen eines Quartiers/Stadtteils und den weiteren Akteuren setzt auf der einen Seite dort an, wo sich der All- tag der Menschen abspielt und wirkt andererseits in der Vermittlung zu den Systemebenen Politik, Verwaltung und Wirtschaft. Soziale Ungerechtigkeit im Sinne von fehlenden Teilhabechancen am ge- sellschaftlichen Wohlstand (finanziell, kulturell, sozial) schlägt sich in der räumlichen Verteilung von Armutslagen im städtischen Raum nieder. Die Stärkung der vorhandenen Potenziale von Bewohnerinnen und Be- wohnern und die Ermutigung, diese auszubauen, bietet die Chance auf die Unterstützung von selbst bestimmtem Leben und die autonome, emanzi- patorische Vertretung von Interessen. Gemäß der formulierten Prinzipien der Gemeinwesenarbeit widmen sich die Fachkräfte der GWA in ihren Wirkungsbreichen den im Folgenden dar - gestellten Aufgaben, um damit zur Förderung einer sozialen Stadtteilent - wicklung und der Verbesserung der Entfaltungsmöglichkeiten der Men- schen beizutragen: der Ermöglichung, Sicherung, Koordination und Organisation von › Partizipation und ihren Prozessen für und mit den Bewohnerinnen und Bewohnern und den weiteren Akteuren der Stärkung der Ressourcen der einheimischen und der zugewan- › derten Bevölkerung und der Förderung der Fähigkeit zum friedlichen und kooperativen Zusammenleben der unterschiedlichen Gruppen im Quartier/Stadtteil der Aktivierung, Akquise und der Effektivierung von Ressourcen im › Sozialraum dem Aufbau, der Sicherung und Stabilisierung von nachbarschaftli- › chen Strukturen und Zusammenleben der Förderung, Organisation und Unterstützung von Kommunikati- › on, Kooperation und Vernetzung Handlungsleitend sind dabei der Wille und die Interessen der Menschen und Gruppen vor Ort (in Abgrenzung zu Wünschen und Bedarfen). Diese gilt es zu identifizieren und ernst zu nehmen, denn sie bilden die Voraus- setzung für Aktivität zur Veränderung von Verhältnissen. Partizipation bedeutet, Bewohnerinnen und Bewohner und Akteure beteili- gen sich, bestimmen mit und gestalten mit. Sie artikulieren ihre Interessen und nehmen damit Einfluss auf Entwicklungen in ihrer Lebenswelt, ihrem Aufgaben der GWA › Förderung und › Unterstützung von Partizipation 16 Wohn- und Arbeitsumfeld und darüber hinaus in der Gesamtstadt. Partizipa- tion ermöglicht die Akzeptanz und eine nachhaltige Wirkung für Prozesse und die Veränderungen, die sie hervorbringen. Transparenz über die Ziele und die Tragweite des Beteiligungsverfahrens müssen vorab sichergestellt werden. Entscheidungsspielräume müssen de- finiert und Resultate möglichst zeitnah kommuniziert werden. Die Zugänge zu Partizipation sind aufgrund unterschiedlicher Rechte und Kompetenzen einerseits und struktureller Rahmenbedingungen anderer - seits nicht gleichwertig nutzbar. Die Gemeinwesenarbeit versteht es als ihre Aufgabe, Bewohnerinnen und Bewohnern Partizipationsmöglichkeiten aufzuzeigen und sie zu stärken, damit sie diese nutzen können und setzt sich gemeinsam mit ihnen für den Abbau der Schwellen und den Ausbau der Beteiligungsspielräume ein. Vor dem Hintergrund der Herstellung gleicher Teilhabechancen für alle Menschen in der Stadtgesellschaft sind es insbesondere die Gruppen, die von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen sind, die eine stärkere Un- terstützung zur Wahrnehmung ihrer Partizipationsmöglichkeiten durch GWA bedürfen. Das sind zum einen die Menschen, die aufgrund ihrer sozi- alen Lage in den Zugangsmöglichkeiten eingeschränkt sind, die ihnen Par- tizipation erleichtern und zum anderen diejenigen, die als Einwanderer häufig nicht den rechtlichen Status haben, sich gleichberechtigt einzubrin- gen (kein (Kommunal-)wahlrecht, vorübergehender Aufenthaltsstatus etc.). Eine besondere Bedeutung kommt im Kontext von GWA und Partizipation der politischen Bildung und der Stärkung von Alltagskompetenzen zu. In- formationsvermittlung, Beratung und Veranstaltungen unterstützen dazu das Verstehen des politischen-administrativen Systems ebenso wie die Wirkungen der sozialen, kulturellen und ökonomischen Systeme. Gemeinsam mit der Bewohnerschaft als Experten für ihren Stadtteil und ihre Lebenswelten ermittelt das Netzwerk der Gemeinwesenarbeit Bedarfe zur Verbesserung der Lebenswelten und formuliert Ziele für die Weiterent- wicklung des sozialen Nahraums. Was gemacht werden muss, wie es passieren soll und in welchem Tempo, ist jeweils abhängig von den lokalen Rahmenbedingungen und wird ge- meinsam erarbeitet. Die Verbindung von Stadt(teil)entwicklung, Beschäfti- gungs-, (Aus-)Bildungs- und Wirtschaftsförderung wird auf der Ebene des Quartiers/Stadtteils geregelt in Kooperation mit Politik/Verwaltung, die hier Akteure unter anderen sind. Die Gemeinwesenarbeit versteht es in diesen Planungsprozessen als eine ihrer wichtigen Aufgaben, auf Probleme, soziale Schieflagen und soziale Ungerechtigkeit im Sinne von mangelnder Teilhabegerechtigkeit aufmerk- sam zu machen. Außerdem nimmt sie die unterschiedlichen Interessen Gemeinsam › Bedarfe und Entwicklungsziele ermitteln und formu- lieren 17 von Bewohnerinnen und Bewohnern, als auch Bewohnergruppen inner - halb der Quartiere/Stadtteile auf und macht diese im Prozess transparent. In dieser Rolle verfolgen die Fachkräfte der Gemeinwesenarbeit das Ziel, einen Machtausgleich herzustellen, sowohl zwischen den Interessenlagen im Quartier/Stadtteil als auch zwischen dem Quartier/Stadtteil und der po- litisch/administrativen Ebene der Gesamtstadt, um die Interessenartikulati- on einzelner Gruppen sowie des gesamten Stadtteils zu fördern. Aufgabe ist es, materielle, kulturelle und soziale Ressourcen im Quartier/ Stadtteil zu aktivieren, ihren Einsatz zu effektivieren und ergänzende Res- sourcen zu akquirieren. Ausgangspunkt ist dabei die gemeinsame Ermitt - lung der vorhandenen Stärken und Potenziale des Quartiers/Stadtteils mit den Bewohnerinnen und Bewohnern und den Stadtteilakteuren vor Ort. Jedes Quartier, jeder Stadtteil, verfügt über individuelle Stärken und Beson- derheiten in der Bewohnerschaft und der kulturellen, sozialen, ökonomi- schen und baulichen Infrastruktur. Vorhandene Ressourcen werden sodann genutzt, um die ermittelten Be- darfe und Entwicklungsziele zu erreichen und die Anschlussfähigkeit be- nachteiligter Stadtquartiere/-teile an die Stadtentwicklung zu fördern. Hier- bei richtet sich das Augenmerk der Fachkräfte der Gemeinwesenarbeit insbesondere auf die sinnvolle Vernetzung der Ressourcen um damit ihren Einsatz zu verbessern, d. h. Angebotsüberschneidungen zu vermeiden und Angebotslücken auszugleichen. Zusätzlich werden in Kooperation mit unterschiedlichen Stadtteilakteuren (z.B. Wohnungswirtschaft, Schulen, Kinder- u. Jugendeinrichtungen, Kir - chen, Vereinen, Migrantenorganisationen) weitere Ressourcen zur Einrich- tung spezifischer, an die Bedarfslage der Bewohnerinnen und Bewohner angepasste Projekte und Angebote akquiriert. Ressourcenakquise bedeutet dabei eine bedarfsgerechte Planung und kommunal getragene Angeboten und Ausstattung im Stadtteil in Zusam- menarbeit der Fachkräfte mit Politik und Verwaltung. Hierbei steht die Ge- meinwesenarbeit als Expertin für die Bedarfe des Sozialraums und wird Ressourcen aktivie- › ren, effektivieren u. akquirieren 18 entsprechend in die Planung einbezogen. Ziel ist es, auf Probleme in der Zugänglichkeit von Angeboten oder deren tatsächlicher Nutzbarkeit und Lücken in der Infrastruktur aufmerksam zu machen und diese zu beheben. Andererseits heißt Ressourcenakquise die Einwerbung von Fördermitteln und Projektgeldern aus unterschiedlichen öffentlichen und privaten Quel- len. Über direkte Vernetzungsstrukturen kann Gemeinwesenarbeit als Seismo- graph sozialer Lagen der Quartiere/Stadtteile herangezogen werden. Die Fachkräfte sind gemeinsam mit der Bewohnerschaft in der Lage, struktu- relle Defizite und Ressourcen zu analysieren, zu benennen und den Aus- gleich einzufordern. Stadtteilziele werden in gemeinsamer Leistung aller Stadtteilakteure entwickelt und abgestimmt. Durch diese Vor-Ort-Netzwer- ke verfügt die Gemeinwesenarbeit über fundierte Kenntnisse, welche für die sozialraumorientierte Bedarfsplanung notwendig sind. Ziel einer sozialen Stadtteilentwicklung ist die Herstellung von tragenden Nachbarschaften. Die Gemeinwesenarbeit übernimmt bei der Umsetzung dieses Ziels die Aufgabe, die sozialen und strukturellen Rahmenbedingun- gen für die Entwicklung zu gestalten. Prägend für die Quartiere/Stadtteile in denen Gemeinwesenarbeit in Darm- stadt bisher tätig ist, ist die Zusammensetzung der Bewohnerschaft aus Menschen in unterschiedlichen sozialen Lagen und unterschiedlicher kul- tureller und nationaler Herkunft. Somit treffen verschiedene Lebensstile und Milieus aufeinander, die sich miteinander und nebeneinander einrich- ten müssen. Ausschlaggebend für die erfolgreiche Entwicklung von Nachbarschaften ist die Identifizierung von gemeinsamen Interessenlagen in einer heteroge- nen Bewohnerschaft sowohl für das direkte Zusammensein in den Häusern und kleinteiligen räumlichen Zusammenhängen, als auch im sozialen Raum des Quartiers/Stadtteils. Es handelt sich somit um Interessenlagen im Zusammenwohnen und im Zusammenleben. Die Aufgabe für Gemeinwesenarbeit besteht hier zum einen im Aufbau, in der Beratung und Begleitung von Bewohner/innenselbstorganisation (Mie- Nachbarschaften › entwickeln und stabilisieren 19 terbeiräte) bzw. im Umgang mit Wohnungseigentümern/Wohnungsgesell- schaften. Darüber hinaus gilt es, über die Schaffung von Austauschmöglichkeiten Angebote zum Interessensabgleich als Basis für die Entwicklung gemein- samen Handelns und Identifikation mit dem Quartier/Stadtteil zu schaffen. Gemeinschaftsfördernde Strukturen wie Treffpunkte, Begegnungsstätten, Stadtteilgruppen und Initiativen bieten sich hier an und werden von den Fachkräften in ihrer Entstehung und Entwicklung befördert. In diesem Rah- men bildet insbesondere die Bereitstellung von Räumen zur bürgerschaftli- chen Nutzung u.a. für die Stärkung der Eigenressourcen der Migranten- Communities und die gelingende Arbeit mit ihnen eine wichtige Grundlage. Wichtige Partner bei der Durchführung dieser Aufgaben sind die auf der Basis von Selbstorganisation bestehenden Institutionen, Vereine und Grup- pen, die für ihre Aktivitäten jeweils bestimmte Zielgruppen im Blick haben, wie z.B. Nachbarschaftsvereine, Kirchengemeinden, Migrantenorganisatio- nen und Bewohnerinitiativen. Hier treffen bereits gleiche Interessenlagen aufeinander, die mit anderen in Verbindung gebracht werden können. Zur Umsetzung der bezeichneten Aufgaben ist die Bewerkstelligung von Kommunikation, Kooperation und Vernetzung im Quartier/Stadtteil von Bewohnerinnen und Bewohnern und Stadteilakteuren untereinander und miteinander sowie mit Politik, Verwaltung und Wirtschaft wesentlicher Be- standteil der Gemeinwesenarbeit. Gemeinsam mit Stadtteilakteuren, Bewohnerinnen und Bewohnern wer - den dafür im Quartier/Stadtteil Strukturen geschaffen oder bestehende un- terstützt, die Kommunikation, Kooperation und Vernetzung ermöglichen. Diese Strukturen richten sich an den Interessen und Bedarfen des Stadtteils aus. Ausschlaggebend für ihre Wirksamkeit ist, dass die Organe und Platt - formen von Verwaltung, Politik, Institutionen, Wirtschaft und Bürgerschaft anerkannt sind und zum Interessensaustausch und der gemeinsamen Erar- beitung von Stadtteilzielen und deren Umsetzung genutzt werden. Die Freiheit zur Entwicklung der passenden Gremien und Strukturen befördern ihre Nutzung und Nachhaltigkeit. Gremien und Gruppen zur Beteiligung von Bewohnerinnen und Bewohnern müssen dabei möglichst niedrig- schwellig ausgerichtet sein, damit eine breite Beteiligung erreicht wird. Die unterschiedlichen Beteiligungsformen von Bewohnerinnen und Bewoh- nern wurden in Darmstadt bereits in einem vom Magistrat der Wissen- schaftsstadt Darmstadt verabschiedeten Beteiligungskonzept dargelegt. Hinsichtlich der zugewanderten Bevölkerungsgruppen ist hierbei neben den z.T. fehlenden Sprachkenntnissen, mangelnden Informationen über Regelsysteme und fehlenden Erfahrungen in der Gremienarbeit auch der manchmal nicht erlernte Umgang mit basisdemokratischen Beteiligungs- prozessen zu berücksichtigen. Kommunikation, › Kooperation, Ver- netzung 20 Die bereits fachspezifisch eingeschlagene Strategie der Wissenschaftsstadt Darmstadt, Entscheidungsprozesse transparent, verständlich und leicht zu- gänglich für Bürgerinnen und Bürger zu machen und damit die Chance, Partizipation zu stärken und politische Entscheidungen breiter zu veran- kern, sollte ausgebaut werden. Bürgerinnen und Bürger erhalten so einen niedrigschwelligen Zugang zu Informationen, um in politischen Gremien mitwirken zu können. Funktionierende Strukturen für Kooperation und Vernetzung auf der Ebene der professionellen Akteure können nur entstehen und durch Gemeinwe- senarbeit befördert werden, wenn eine grundsätzlich sozialraum- und le- benslagenorientierte Arbeitsweise von Einrichtungen und Institutionen in freier und städtischer Trägerschaft besteht. Es ist Aufgabe von Politik und Verwaltung, dieses durch entsprechende Leistungsvereinbarungen und der Förderung der Akzeptanz von gemeinwesenorientiertem Arbeiten herbei- zuführen und zu sichern. Wesentlicher Aspekt der Förderung von Kommunikation ist Öffentlichkeits- arbeit in all ihren Facetten. Aufgabe von GWA ist entsprechend sowohl die Verbreitung von Information über positive Entwicklungen, aber auch über Problemlagen und Handlungsbedarfe nach innen wie nach außen. Die Gradwanderung zwischen Stigmatisierung und dem aufmerksam Machen auf Probleme und Handlungsbedarfe kann nur über die gleichzeitige Nen- nung von Ursachen und Entwicklungsmöglichkeiten, als auch positiver Entwicklungen bestanden werden. Lokale Anlaufstellen im Quartier/Stadtteil wie Stadtteilwerkstätten/Stadtteil- büros sind eine Voraussetzung für Gemeinwesenarbeit. In allen Standorten der GWA werden entsprechend solche Anlaufstellen eingerichtet. Um auf der Quartier-/Stadtteilebene ansetzen zu können, muss die Gemeinwesen- arbeit in der Lebenswelt der Menschen verortet sein. Die Anlaufstellen müssen zentral gelegen und gut erreichbar sein, um ei- nen niedrigschwelligen Zugang zu befördern. Darüber hinaus ist ausrei- chend Raum für unterschiedliche Aktivitäten wie Begegnung, Beratung und Gruppenarbeit erforderlich. Zur Unterstützung von Begegnung und Selbstorganisation sind außerdem Räume für Bewohneraktivität im Stadtteil unerlässlich, die ebenfalls den unterschiedlichen Anforderungen des breiten Aktivitätsspektrums ange- passt sein müssen, welches sich im Stadtteil entwickelt. Gemeinwesenarbeit wird getragen vom Beziehungsaufbau zu Bewohne- rinnen und Bewohnern ebenso wie zu den anderen Akteuren im Quartier/ Stadtteil, aber auch zu Politik und Verwaltung. Die Gewährleistung von Kontinuität in der Arbeit ist somit Bedingung, um stabile Entwicklungen zu erreichen. Langfristige Veränderungen sind nur tragfähig, wenn die ge- schaffenen Strukturen verlässlich sind. Die Träger verpflichten sich deshalb Rahmenbedingun- › gen für die Umset- zung der Aufgaben 21 zu einer langfristig angelegten Arbeit in Kooperation mit der Wissenschafts- stadt Darmstadt, die dafür die erforderlichen Ressourcen bereitstellt. Rahmenbedingung für erfolgreiche GWA ist die verlässliche und verbindli- che Zusammenarbeit von Stadt und freien Trägern mit GWA. Es ist darauf hinzuwirken, dass Institutionen eine Zusammenarbeit mit GWA anstreben und sich stärker für sozial benachteiligte Menschen öffnen. Die Angebote und Leistungen müssen niedrigschwellig sein und die soziale Benachteili- gung von Menschen im Fokus haben. Ebenso ist Begleitung und Förderung von Migrantenselbstorganisationen in der Stärkung ihrer eigenen Ressour- cen gemäß der Leitlinien kommunaler Integrationspolitik bedeutsam. 3.3 Gemeinwesenarbeit fordert eine sozialräumliche Ausrichtung von Politik und Verwaltung Eine soziale Stadt(teil)entwicklungspolitik ist darauf ausgerichtet, vorhan- dene örtliche Potenziale zu stärken und eine Anpassung der Infrastruktur auf sich verändernde Bedarfe zu gewährleisten. Vor Ort im Gemeinwesen muss eine Verteilung der Ressourcen derart erfolgen, dass Teilhabechan- cen am sozialen, kulturellen, ökonomischen und politischen Leben für alle ermöglicht werden. Die Kenntnisse über Lebenslagen, Strukturen und Ziele des Quartiers/Stadt- teils werden von Gemeinwesenarbeiterinnen und Gemeinwesenarbeitern in den politischen Diskurs eingebracht. Kommunalpolitik und Verwaltung beziehen die sozialraumorientierten Bedarfsermittlungen, erarbeitet von GWA in Zusammenarbeit mit sozialen Institutionen und Bewohnerschaft, in die Planung ein, um bedarfsgerechte Interventionen planen und umset- zen zu können. So sollen Maßnahmen gebündelt und einzelne, isoliert ste- hende Maßnahmen verhindert werden. Direkte, passgenaue Schnittstellen zwischen Stadtverwaltung, Politik und GWA garantieren die Sicherung der ermittelten Bedarfe. So können Syner - gien genutzt werden. Dabei sind neben Ansprechpartnern für die einzel- nen Quartiere/Stadtteile, die durch GWA begleitet werden, auch ge- samtstädtische Koordinationsstrukturen notwendig. Gesamtstädtische › Koordination sozia- ler Stadtteilentwick- lung 22 Die zuständigen Ansprechpersonen der Verwaltung müssen vertikal durch ihre Hierarchieebenen und horizontal ämterübergreifend vernetzt und in- tern anerkannt sein und mit der Gemeinwesenarbeit kooperieren. Gemeinwesenarbeit ist in diesen Strukturen aktiv daran beteiligt, neue Handlungsbedarfe zu definieren und in Maßnahmen und Projekte zu über- setzen. Folgerichtig ist für die wirksame Zusammenarbeit von Gemeinwesenarbeit, Verwaltung und Politik die Bereitstellung von Personalkapazität notwendig. Es wird die Installierung von so genannten Gebietsbeauftragten und eine gesamtstädtische Koordination für Stadt(teil)entwicklungsprozesse vorge- schlagen, um passgenaue Lösungen im Rahmen der Bedarfsplanung zu entwickeln und die kommunalen Möglichkeiten zur Reduzierung von Ar - mut und sozialer Ausgrenzung zu nutzen. Die Gebietsbeauftragten sind als Ansprechpartnerinnen und -partner für die jeweiligen Sozialräume in der Verwaltung verortet. Sie stellen die direk- te Andockstelle zwischen Quartier/Stadtteil und Verwaltung und Politik dar. Ein Sozialraum- und Integrations-Monitoring scheint sinnvoll, um weitere Standorte in ihren auffälligen Entwicklungen und schwierigen Rahmenbe- dingungen zu erfassen und daraus Handlungsnotwendigkeiten abzuleiten. Für das Monitoring sind geeignete, also angemessene räumliche Einheiten heranzuziehen, die nicht zwangsläufig mit den administrativen Einheiten übereinstimmen. Neben statistischen Verfahren ist es sinnvoll, auch quali- tative Methoden der Sozialforschung umzusetzen. So kann Gemeinwesen- arbeit entwicklungsfördernd ansetzen und sich durch Rückkopplung von Untersuchungsergebnissen kontinuierlich weiterentwickeln. Direkte Ansprechpartnerinnen und -partner auf Politik- und Verwaltungs- ebene für jedes Quartier/ jeden Stadtteil, in dem Gemeinwesenarbeit aktiv ist, müssen für eine enge Kooperation kurzfristig sichergestellt werden. Weiterhin sind die vorgeschlagenen Gebietsbeauftragten der Stadtverwal- tung untereinander durch die Koordinationsstelle Soziale Stadt(teil)ent - Gebietsbeauftragte › für die Quartiere/ Stadtteile 23 wicklung vernetzt und im Sozialdezernat verankert. Zur Umsetzung sollen alle städtischen Dienste sozialraumorientiert ausgerichtet sein. Die Koordinationsstelle Soziale Stadt(teil)entwicklung ist als Stabsstelle mit gesamtstädtischem Bezug direkt auf der Dezernatsebene angesiedelt. Ho- rizontal agieren die Gebietsbeauftragten mit den Ressorts der Verwaltung und mit Politiken. Sie sind für die Anliegen der Quartiere/Stadtteile zustän- dig und koordinieren nach Bedarf die zuständigen Fachämter für eine ge- meinsame, ressortübergreifende Arbeit zur Bewältigung der anstehenden Aufgaben. Auch als direkte Ansprechpartner für die Bewohnerinnen und Bewohner der Quartiere/Stadtteile stehen sie zur Verfügung. Die Koordinationsstelle Soziale Stadt(teil)entwicklung dient als Servicestelle für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung und für die Verankerung von Sozialraumorientierung bei professionellen sozialen Ak- teuren und Organisationen. Mit diesem Ansatz werden Antworten auf Pro- blemlagen ganzheitlich, da interdisziplinär und effektiver und kostengüns- tiger, da kooperativ und nachhaltig, gefunden. Gemeinsam wird in DAGISS (Darmstädter Gemeinschaftsinitiative Soziale Stadt(teil)entwicklung) die Gesamtstadt in den Blick genommen, um Hand- lungsbedarfe der GWA frühzeitig zu erkennen und einsetzen zu können. 3.4 Gemeinwesenarbeit arbeitet im Verbund und sichert fachliche Standards Gemeinwesenarbeit als Teil einer gesamtstädtischen Strategie für soziale Stadt(teil)entwicklung ist eine subsidiäre Aufgabe, die von freien Trägern ausgeführt wird. Bei der Übernahme dieser Aufgabe ist eine Grundhaltung, die sich in den folgenden Aspekten ausdrückt, sinnvoll: Vernetzung und selbstverständliche Zusammenarbeit mit anderen › zivilgesellschaftlichen Akteuren in den Quartieren (Bewohnerinnen und Bewohnern, Kirchen, Vereinen, Migrantenvereinen, Initiativen, Verbänden u. a.) Kooperative Zusammenarbeit mit den Politiken und ihren Verwal- › tungen und der lokalen Ökonomie, hier insbesondere der Woh- nungswirtschaft Einspeisung fachlicher und finanzieller Trägerressourcen nach den › spezifischen Möglichkeiten der Träger Eigene Beratungs- und Unterstützungsangebote hinsichtlich mögli- › cher sozialraumorientierter Anbindungen zu überprüfen und anzu- koppeln Die qualitative Weiterentwicklung der Gemeinwesenarbeit in Darm- › stadt aktiv verfolgen 24 Die Wissenschaftsstadt Darmstadt ist bereit zur Bereitstellung von kommunalen Mitteln in den jeweiligen Stand- › orten der Gemeinwesenarbeit zu einem Sozialraum- und Integrations-Monitoring und der Fort- › schreibung des Sozialatlasses zur Einrichtung von Gebietsbeauftragten und der Koordinationsstelle › Soziale Stadt(teil)entwicklung zur ressortübergreifenden und sozialraumorientierten Zusammenar- › beit zur Ermöglichung niedrigschwelliger Partizipation › Aufgrund der langjährigen Umsetzung von Gemeinwesenarbeit und ge- meinwesenorientierten Projekten in Darmstadt, haben sich bei den Trägern Caritasverband und Diakonisches Werk ein breites Fachwissen und ein gro- ßer Erfahrungsschatz aufgebaut. Beide Träger sagen zu, ihre Kenntnisse und breiten Erfahrungen auch künftig in die Förderung und Unterstützung einer sozialen Stadt(teil)entwicklung, eines integrierten Handlungskonzep- tes für Inklusion, Beteiligung und Teilhabe in und für Darmstadt einzubrin- gen. Zur qualitativen Weiterentwicklung der Gemeinwesenarbeit in Darmstadt ist der strategisch ausgerichteten Rahmenkonzeption ein Fachkonzept zur Seite zu stellen. Hierzu werden die Träger die Bildung eines Fachzirkels GWA in Kooperation mit anderen interessierten Trägern, den kommunalen Gebietsbeauftragten für GWA, der Evangelischen Fachhochschule und der Hochschule Darmstadt umsetzen. Die Aufgabe dieses Qualitätszirkels wird sein: die Auswertung der Erfahrungen im Bereich der (interkulturellen) › Gemeinwesenarbeit/Stadtteilarbeit in den unterschiedlichen Quar- tieren/Stadtteilen in Darmstadt, die Überprüfung und Weiterentwicklung der Ziele, Standards und › Wirkungsindikatoren von Gemeinwesenarbeit, die Überprüfung der Gültigkeit der bestehenden Rahmenleistungs- › vereinbarung für Gemeinwesenarbeit in Darmstadt. 25 4. Agenda Um die im Konzept erarbeiteten Ziele umzusetzen und gemäß den aufge- führten Standards tätig zu sein, ist die Etablierung von folgenden Struktu- ren und Rahmenbedingungen notwendig. Die Agenda stellt eine Zusam- menfassung dar. 1. Die Wissenschaftsstadt Darmstadt und die Träger Diakonisches Werk und Caritasverband verpflichten sich, Gemeinwesenarbeit als kommunale Stra- tegie im Sinne der „Rahmenkonzeption für Gemeinwesenarbeit in Darm- stadt“ umzusetzen und zu etablieren. Weitere Akteure werden kooperativ mit einbezogen. Dabei werden die erforderlichen Ressourcen zur Einhal- tung der beschriebenen Standards und zur Umsetzung der Ziele sicherge- stellt. Netzwerke und Kooperation 2. Die Wissenschaftsstadt Darmstadt richtet die erforderlichen Strukturen ein und befasst sich mit der Fortentwicklung einer sozialraumorientiertern Ausrichtung der Verwaltung, um diese mittelfristig umzusetzen. 3. Zu entwickelnde Strukturen werden durch die Etablierung von Gebiets- beauftragten und einer Koordinationsstelle Soziale Stadt(teil)entwicklung vorangetrieben. 4. Der Vorschlag zur Gründung von DAGISS (Darmstädter Gemeinschaftsi- nitiative Soziale Stadt(teil)entwicklung) als gesamtstädtisches Gremium wird umgesetzt. Die zuständigen Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung unterstützen DAGISS. 5. Die „Magistratskommission Soziale Brennpunkte“, als auch die „Projektko- ordination Soziale Stadt“ werden solange weitergeführt, bis über die künfti- gen Gebietsbeauftragten neue Kooperationsstrukturen aufgebaut wurden. 6. Die Konzeptgruppe des Projekts im Europäischen Jahr gegen Armut und soziale Ausgrenzung wird in einen Fachzirkel GWA überführt. Hier wird un- ter wissenschaftlicher Begleitung der Hochschule Darmstadt und der Evan- gelischen Fachhochschule Darmstadt die Fachlichkeit weiterentwickelt. Fachliche Standards 7. Die sozialraumbezogene Sozialberichterstattung wird von städtischer Seite fortgeschrieben, um weitere Standorte in ihren Entwicklungstenden- zen zu erfassen. Ein Sozialraum-Monitoring wird perspektivisch ange- strebt. 8. Partizipation und Beteiligung wird von städtischer Seite und von der Sei- te der Träger gefördert. Niedrigschwelligkeit der Zugänge zu Partizipation 26 werden gewährleistet. Dazu wird die Transparenz von politischen Entschei- dungen erhöht. Informationen über Entscheidungen, öffentliche Treffen, Gremien und Strukturen werden niedrigschwellig bis in den Stadtteil hinein zugänglich gemacht. Dafür werden über klassische Informationsvermitt - lung hinausgehende Wege eingeschlagen. 9. Die Gemeinwesenarbeit entwickelt im Fachzirkel GWA ein sozialraumo- rientiertes Fachkonzept, in dem Methoden und professionelles V2orgehen beschrieben werden. Darin werden die Aufgaben und Strukturen der aktu- ellen Standorte analysiert und detaillierte Handlungsempfehlungen formu- liert, dabei werden benachteiligte Gruppen und Vernetzungsstrukturen ex- plizit in den Blick genommen. Die Gebietsbeauftragten sind perspektivisch an der Entwicklung beteiligt. 10. Es werden politiksektorübergreifende, integrierte Handlungskonzepte auf Quartier-/Stadtteilebene erstellt. Ressourcen/Rahmenbedingungen – finanziell und sachlich 11. Aktuelle Standorte der Gemeinwesenarbeit und des Quartiersmanage- ments Soziale Stadt werden langfristig weitergeführt. Weitere Quartiere/ Stadtteile werden unter Einbezug von Informationen aus DAGISS, der Sozi- alberichterstattung und perspektivisch dem Sozialraum-Monitoring als Standorte für Gemeinwesenarbeit identifiziert. Die Verträge sind dement - sprechend zu verifizieren. 12. Leistungsvereinbarungen werden reflektiert und auf Grundlage der Rahmenkonzeption angepasst. 13. Die Gemeinwesenarbeit wird mit einem angemessenen Budget zum flexiblen Einsatz in der Arbeit mit Bewohnerinnen und Bewohnern ausge- stattet. Über die Verteilung der Mittel entscheidet die Gemeinwesenarbeit im Verbund. 14. Die Gemeinwesenarbeit wird mit ausreichender und bedarfsgerechter Personalkapazität ausgestattet. Detaillierte Analysen diesbezüglich liefert das Fachkonzept Gemeinwesenarbeit. 15. Angemessene, gut zugängliche Räumlichkeiten vor Ort werden bereit - gestellt. Dazu gehören Büros und zusätzliche Räume, die für Gruppentref - fen genutzt werden können. Außerdem sind weitere, ausreichende Räume für die Selbstorganisation von Bewohnerinnen und Bewohnern nutzbar zu machen. 27 Impressum Herausgeber: Caritasverband Darmstadt e.V. Heinrichstraße 32a 64283 Darmstadt Diakonisches Werk Darmstadt-Dieburg Kiesstraße 14 64283 Darmstadt Konzepterstellung in Zusammenarbeit und Mitwirkung von: Konzeptgruppe des Projekts „Förderung von Gemeinwesenarbeit als kommunale Strategie zur Reduzierung von Armut und sozialer Ausgrenzung in Darmstadt“, zusam- mengesetzt aus Vertreterinnen und Vertretern der Träger Diakonisches Werk Darm- stadt-Dieburg, Caritasverband Darmstadt, Sozialkritischer Arbeitskreis Darmstadt, der Hochschule Darmstadt, der Evangelischen Fachhochschule Darmstadt und Vertreterin- nen und Vertreter der Stadtverwaltung der Wissenschaftsstadt Darmstadt, als auch der Landesarbeitsgemeinschaft Soziale Brennpunkte Hessen. Projektkoordination und Kontakt: Jeannette Dorff – Diakonisches Werk Darmstadt-Dieburg dorff@dw-darmstadt.de Jana König j.koenig@caritasverband-darmstadt.de Horst Miltenberger – Caritasverband Darmstadt e.V. h.miltenberger@caritas-darmstadt.de www.gemeinwesenarbeit –darmstadt.de Layout: Jonas Hänel jonas-haenel@gmx.de Druck: Caritas-Druckerei Wilhelm-Leuschner-Straße 101 64347 Griesheim Telefon: 06155-868377-20 Telefax: 06155-868377-22 druckerei@caritas-darmstadt.de Gefördert im Rahmen des „Europäischen Jahr gegen Armut und soziale Ausgrenzung“ Darmstadt, Dezember 2010 Mit freundlicher Unterstützung von:
2011/0031
5052 Zeichen
Magistratsvorlage Eingang Magistrats- geschäftsstelle: 18.01.2011 an den Magistrat zur Kenntnis zur Beschlussfassung Beteiligt vor Magistratsbeschlussfassung: Dezernat V an die Stadtverordnetenversammlung OBW zur Befassung zur Kenntnis zur Beschlussfassung zur abschließenden Beschluss- fassung Fachausschuss Amt: Amt für Soziales und Prävention Behandlung in öffentl. Sitzung Ja Nein OBW bei abschl. Beschlussfassung Magistrat Ja Nein Internetfähig Verteiler: Vorlage-Nr. 2011/0031 Magistratsbeschluss-Nr. Betreff: Rahmenkonzeption fü r Gemeinwesenarbeit in Darmstadt - Grundlegung für ein sozialräumliches Fachkonzept Vorlage vom: 13.01.2011 Beschlussvorschlag: Der Magistrat nimmt die Rahmenkonzeption für Gemeinwesenarbeit in Darmstadt zur Kenntnis und stimmt dem weiteren Vorgehen zu. Anlagen: Rahmenkonzeption für Gemeinwesenarbeit in Darmstadt Datenschutzrelevante Anlage: Beschluss des Magistrats vom 2 ... Begründung zur Magistratsvorlage vom 13.01.2011 Im Rahmen des Europäischen Jahres gegen Armut und soziale Ausgrenzung wurde in enger Kooperation von Diakonischem Werk Darmstadt-Dieburg, dem Caritasverband Darmstadt e.V. und der Stadtverwaltung Darmstadt/Sozialdezernat beigefügte Rahmenkonzeption für Gemeinwesenarbeit in Darmstadt erarbeitet. Das Konzept versteht sich als Grundlegung für ein sozialräumliches Fachkonzept und begreift Gemeinwesenarbeit als Teil einer kommunalen Strategie zur Überwindung sozialräumlicher Armutsdimensionen und Ausgrenzung in Darmstadt. Mit der Vorlage des Rahmenkonzeptes wird die seit vielen Jahren in der Wissenschaftsstadt Darmstadt fundiert und fachlich geleistet Gemeinwesenarbeit in den so genannten Sozialen Brennpunkten bzw. Stadtteilen mit besonderem Entwicklungsbedarf fortgeschrieben und evaluiert. Die derzeitigen Standorte gemeinwesenorientierter Sozialarbeit in Arheilgen/Rodgaustraße, Pallaswiesenviertel/Kirschenallee und den beiden Soziale Stadt-Standorten Kranichstein und Eberstadt-Süd sind Schaltstellen partizipativer, emanzipatorischer Sozialarbeit. Durch qualifizierte, sozialpädagogische Fachkräfte werden einerseits sozial benachteiligte Menschen unterstützt und befähigt, sich aktiv an politischen Prozessen zu beteiligen und ihre Interessen und Bedarfe zu formulieren, andererseits wirkt das Prinzip Gemeinwesenarbeit auch auf die strukturelle Veränderung von segregierenden Verhältnissen. Gemeinwesenarbeit wird also zurecht als kommunale Strategie zur Überwindung sozialräumlicher Armut und sozialer Ausgrenzung beschrieben. Aus der Rahmenkonzeption ergeben sich konkrete Handlungsaufforderungen an die Kommunalpolitik, die in einer Agenda formuliert sind. Diese basieren auf den, bereits im Sozialdezernat als verbindlich formulierten, Prämissen der Partizipation, Prävention und Sozialraumorientierung, die sich auf die gesamte Stadtpolitik ausweiten sollen. Kurzfristige Handlungsaufforderung: • Die Selbstverpflichtung der Kommune, gemeinsam mit den Trägern, Gemeinwesenarbeit als kommunale Strategie im Sinne der Rahmenkonzeption umzusetzen und zu etablieren und die Fortführung der aktuellen Standorte zu sichern. • Beauftragung der Träger mit der Erstellung eines sozialraumorientierten Fachkonzeptes in Abstimmung mit Verantwortlichen der Stadtverwaltung. Mittelfristige Handlungsaufforderung: • Mit Besetzung der Stelle der Sozial- und Jugendhilfeplanung wird die sozialraumbezogene Sozialberichterstattung fortgeschrieben und ein Sozialraum-Monitoring angestrebt. • Die Etablierung von so genannten Gebietsbeauftragten als Ansprech- und Koordinationspersonen in die Verwaltung hinein wird umgesetzt und die Einrichtung einer Koordinationsstelle Soziale Stadt(teil)entwicklung in der Stadtverwaltung geprüft. • Die Gründung einer Darmstädter Gemeinschaftsinitiative Soziale Stadt(teil)entwicklung (DAGISS) als vernetztes, interdisziplinär besetztes Gremium wird angestrebt und die Rahmenbedingungen dafür geschaffen. Der Magistrat sichert mit Vorlage der Rahmenkonzeption zu, den Ressourceneinsatz (sowohl finanziell als auch personell) für die Gemeinwesenarbeit zu prüfen und im Rahmen der weiteren Ausgestaltung ein entsprechendes Finanzkonzept vorzulegen. Von Bedeutung dabei ist, dass die Aufgabe von Gemeinwesenarbeit präventiv künftig nicht nur auf Quartiere mit hohem, sozialen Interventionsbedarf beschränkt sein, sondern vielmehr auch in so 3 ... genannten Präventions- und Stabilisierungsgebieten zur Vermeidung von Verdichtung und Entwicklung von Armut und sozialer Ausgrenzung durch frühe, zielgerichtete Intervention wirken soll. Mit der Rahmenkonzeption wurde eine qualifizierte, fundierte Grundlegung vorgelegt, auf dessen Basis die Darmstädter Sozialpolitik innovativ, ressourcenorientiert und vor allem durch Bürgerbeteiligung zielgerichtet und bedarfsorientiert weiterentwickelt werden kann. Darmstadt, 13.01.2011 Ak Jochen Partsch Stadtrat
Beratungsverlauf (2)
Orte (7)
- Rodgaustraße
- Kirschenallee
- Heinrichstraße 32a
- Kiesstraße 14
- Wilhelm-Leuschner-Straße 101
- Akazienweg
- Grafenstraße
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Details
- Vorlagen-Nr.
- 2011/0031
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 13.01.2011
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00