3491/2021
Auslastung des Krankenhauses Holweide während der Coronapandemie - rechtsrheinische Gesundheitsversorgung
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Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss)
10092 Zeichen
Die Oberbürgermeisterin
Dezernat, Dienststelle
II/II/2
Vorlagen-Nummer 29.10.2021
3491/2021
Beantwortung einer Anfrage nach § 4 der Geschäftsordnung
öffentlicher Teil
Gremium Datum
Gesundheitsausschuss 23.11.2021
Auslastung des Krankenhauses Holweide während der Coronapandemie - rechtsrheinische
Gesundheitsversorgung (Anfrage der SPD-Fraktion vom 30.09.2021 (AN/2076/2021))
Die SPD-Fraktion bat um die Beantwortung der nachfolgenden Fragen, zu denen die Verwaltung in
Zusammenarbeit mit der Kliniken der Stadt Köln gGmbH (Kliniken Köln) wie folgt Stellung nimmt:
1. Wie viele der in Holweide vorgehaltenen Betten sind im Zeitraum der Corona-Pandemie
seit März 2020 belegt gewesen? (Bitte nach KW aufschlüsseln.)
Eine nach Kalenderwochen aufgeschlüsselte Übersicht über die Belegung ergibt sich aus der Anla-
ge 11.
Im Durchschnitt des Jahres 2020 waren im Krankenhaus Holweide lediglich 56,7 % der planmäßig
vorhandenen Betten belegt. Im Jahr 2021 belief sich die Zahl der durchschnittlich belegten Betten
bislang mit 55,6 % auf dem gleichen niedrigen Niveau.
Das Krankenhaus Merheim weist im Durchschnitt des Jahres 2020 ebenfalls lediglich eine Belegung
von 57,4 % aus. Im Jahr 2021 lag die durchschnittliche Belegungsquote der Planbetten bislang bei
56,9 %.
Die Zahl der planmäßigen Bettenplätze wird durch den Krankenhausplan des Landes Nordrhein-
Westfalen dem jeweiligen Krankenhaus zugewiesen. Die Ausweisung dieser Zahl erfolgt nach Bet-
tenplätzen pro Woche, d.h. in der Summe aller Wochentage. Das Krankenhaus Holweide verfügte
2020/2021 unter Berücksichtigung einer Erhöhung infolge der Pandemie in der Spitze über 2.919
Bettenplätze pro Woche, d.h. 417 stationäre Planbetten. Die Zahl der tatsächlich durch die Kliniken
Köln in Betrieb genommenen Betten liegt deutlich niedriger und hängt maßgeblich vom Bedarf sowie
der praktischen Möglichkeit zur Versorgung von Patient*innen durch eine ausreichende Zahl von
Pflegekräften ab. In Holweide ergeben sich weitere Einschränkungen der zu betreibenden Betten aus
baulichen Gründen. Die Kliniken Köln haben in Holweide und Merheim im Durchschnitt der Jahre
2020 und 2021 lediglich rund 75 % ihrer Planbetten in Betrieb genommen.
1+2 Aufgrund der Sensibilität der hierin enthaltenen Informationen sind diese Anlagen ausschließlich den Ausschussmitglie-
dern zugänglich (nicht-öffentlich).
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2. Wie viele der in Holweide vorgehaltenen Intensivplätze sind im Zeitraum der Corona-
Pandemie seit März 2020 belegt gewesen? (Bitte nach KW aufschlüsseln.)
Eine nach Kalenderwochen aufgeschlüsselte Übersicht über die Belegung ergibt sich aus der Anla-
ge 22.
Im Durchschnitt des Jahres 2020 waren im Krankenhaus Holweide 55,1 % der planmäßig vorhande-
nen Intensivbetten belegt. Im Jahr 2021 belief sich die Zahl der durchschnittlich belegten Intensivbet-
ten bislang mit 51,3 % auf dem gleichen Niveau.
Das Krankenhaus Merheim weist im Durchschnitt des Jahres 2020 eine Belegung von 68,1 % der
Intensivbetten aus. Im Jahr 2021 lag die durchschnittliche Belegungsquote der Intensivbetten bislang
bei 76,4 %.
Bedingt durch die zum Betrieb von Intensivbetten erforderliche spezielle Ausbildung von Pflegekräften
ergeben sich in der praktischen Versorgung von Patient*innen erhebliche Grenzen der tatsächlichen
Verfügbarkeit der planmäßigen Intensivplätze, die auch nicht durch Leasingpersonal erweitert werden
können. Gemessen an der tatsächlichen Personalverfügbarkeit arbeiteten die vorhandenen Intensiv-
pflegekräfte der Kliniken Köln in der Pandemie häufig an ihrer Belastungsgrenze und damit die Klini-
ken Köln trotz der oben genannten Belegungsquote an ihrer faktischen Auslastungsgrenze im inten-
sivmedizinischen Bereich.
3. Wie bewertet die Verwaltung die Versorgungslage mit Intensivplätzen in Köln insgesamt,
auch vor dem Hintergrund der Behandlung weiter COVID-19-Erkrankter?
Die Anzahl der Intensivbetten in Köln liegt bei rund 340. Zieht man davon die Betten für die Neonato-
logie und andere Spezialversorgungen ab, bleiben in etwa 300 Betten für die allgemeine intensivme-
dizinische Versorgung übrig, deren Zahl jedoch aufgrund von Personalmangel seit Jahren täglich
schwankt.
Damit werden nicht nur Covid-19 Patienten versorgt, sondern auch alle Notfälle (z.B. Herzinfarkte,
Schwerverletzte, etc.) und Eingriffe, die postoperativ einer intensivmedizinschen Behandlung bedür-
fen.
Diese Anzahl ist in Köln grundsätzlich ausreichend und liegt damit auch weit über den verfügbaren
Intensivkapazitäten des Auslands.
Covid-19 Patienten, die intensivmedizinisch behandelt werden müssen, liegen üblicherweise länger
auf der Intensivstation als nicht-Covid-19 Patienten. Das bedeutet, dass diese Patienten damit einen
bestimmten Teil der Intensivkapazitäten in Anspruch nehmen, der dann für andere Patienten nicht
verfügbar ist. Steigt dieser Anteil auf ca. 15-20%, können danach - als steuerbare Größe - immer we-
niger planbare Eingriffe durchgeführt werden. Steigt der Anteil der Covid-19 Patienten weiter an, wird
der Punkt erreicht, an dem auch Notfälle nicht mehr aufgenommen werden können. Dieser wurde in
der 3. Pandemiewelle im April 2021 bei einer Belegung von 40% Covid-19 Patienten erreicht.
Über den Sommer haben jedoch bundesweit zahlreiche Fachkräfte die Intensivmedizin verlassen.
Aufgrund dessen sind die intensivmedizinischen Kapazitäten derzeit eingeschränkt, so dass die ver-
fügbaren Kapazitäten aktuell um ca. 10-20% niedriger sind als im Frühjahr 2021. Hinzu kommt, dass
es aktuell keine Ausgleichszahlungen mehr vom Bund gibt.
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Im Ergebnis schätzt die Verwaltung, dass die intensivmedizinischen Kapazitäten derzeit bei einer
Inzidenzrate von um die 60 und einem Covid-19-Belegungsanteil von 13% ausreichend sind, aber
angesichts der genannten Faktoren die Versorgungsfähigkeit aller intensivmedizinschen Patienten
eher an ihre Grenzen stoßen wird als im Frühjahr 2021. Es muss deshalb dafür gesorgt werden, dass
möglichst wenig Covid-19 Patienten intensivmedizinisch versorgt werden müssen. Als Zielgröße sollte
deshalb auf den Intensivstationen ein Covid-19-Anteil von unter 10% angesehen werden, damit die
intensivmedizinische Versorgung aller Patienten sicher möglich bleibt, die eine solche auch benöti-
gen.
4. Ist unter diesen Vorzeichen eine Reduzierung der Versorgung um die Holweider Intensiv-
station zu rechtfertigen?
Das Medizin- und Standortkonzept der Kliniken Köln sieht die Erhöhung der Gesamtzahl der von den
Kliniken Köln betriebenen Intensivbetten im rechtsrheinischen Köln vor.
5. Gibt es vor dem Hintergrund der geplanten Verlegungen von Abteilungen aus Holweide
nach Merheim angesichts der pandemischen Belastungslage Überlegungen, ob der Erhalt
von Holweide als Plankrankenhaus nicht doch eine sinnvolle Option ist?
Das Medizin- und Standortkonzept der Kliniken Köln (sog. 2+1 Konzept) sieht die Modernisierung und
den Ausbau des Gesundheitscampus Merheim sowie den Erhalt des Gesundheitsstandorts Holweide
als Medizinisches Kompetenzzentrum vor. Die aus der Pandemie gewonnen Erkenntnisse und Erfah-
rungen sprechen aus der fachlichen Sicht der Kliniken Köln für die Umsetzung des 2+1 Konzepts.
Der Schwerpunkt der rechtsrheinischen Versorgung von COVID-19 Patient*innen liegt aufgrund der
im Krankenhaus Merheim betriebenen Lungenklinik dort und nicht in Holweide. In 2021 lag der bishe-
rige Anteil der mit COVID-19 erkrankten Patient*innen in Holweide lediglich bei 0,54 %. Durch die im
Konzept vorgesehene bauliche Erweiterung und Optimierung des Krankenhauses Merheim werden
zukünftig die medizinischen Bedingungen gerade auch zur Isolation und Behandlung hoch anste-
ckender Patient*innen wie in der Corona-Pandemie nochmals deutlich verbessert.
Zudem bleibt im 2+1 Konzept die bisherige Bettenkapazität der Kliniken Köln im Rechtsrheinischen
erhalten. Der Gesundheitscampus Merheim wird baulich und medizinisch aufgewertet. Dies betrifft
auch den Betrieb der Intensivstation: in der Intensivstation von Holweide werden derzeit Patient*innen
aus der chirurgischen und aus der internistischen Klinik gemeinsam betreut. Im Krankenhaus Mer-
heim wird es eine klare Trennung und Zuordnung zum jeweiligen Fachbereich geben. Dies hat auf-
grund der stärkeren Möglichkeit zur Spezialisierung positive Auswirkungen auf das Pflegepersonal
und die medizinischer Versorgung der Patient*innen. Das Erreichen der Belastungsgrenze im inten-
sivmedizinischen Bereich wird durch die Zusammenlegung der Abteilungen in Merheim und der damit
verbundenen Vorteile im personellen, technischen und logistischen Bereich deutlich später eintreten
als bei der derzeitig getrennten Situation in Merheim und Holweide. Es können folglich mehr Pati-
ent*innen intensivmedizinisch versorgt werden.
Des Weiteren kann infolge einer gebündelten Ansiedlung aller Fachbereiche in Merheim und einer für
alle Notfälle umfassend ausgestatteten Zentralen Notaufnahme nur dort eine optimale Versorgung
der Patient*innen gewährleistet werden. Zusätzlich entfallen belastende Weitertransporte von Holwei-
de nach Merheim, weil z.B. dringliche kardiologische oder neurolgische Zusatzuntersuchungen nicht
in Holweide erbracht werden können.
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Schließlich sieht das Medizin- und Standortkonzept der Kliniken Köln auch den Erhalt von Holweide
als Gesundheitsstandort vor. In Holweide soll ein Medizinisches Kompetenzzentrum für den Stadtbe-
zirk Mülheim errichtet werden, das erste Anlaufstelle für die Bürger*innen in der Alltagsmedizin ist und
eine 24/7 Notfallversorgung im Stadtbezirk gewährleistet.
Das 2+1 Konzept ist somit auch unter Berücksichtigung der Erkenntnisse aus der Pandemie medizi-
nisch sinnvoll und geboten. Es gewährleistet für die Patient*innen im rechtsrheinischen Köln die Ver-
sorgungssicherheit und Versorgungsqualität auf höchstem medizinischem Niveau.
Anlagen:
Anlage 1 – Belegungszahlen Holweide & Merheim
Anlage 2 – Belegungszahlen Intensivstationen Holweide & Merheim
Gez. Prof. Dr. Diemert
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 3491/2021
- Typ
- Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss)
- Datum
- 29.10.2021
- Erstellt
- 01.10.2021 13:34