1322/2022
Versiegelungskataster & Entsiegelungskataster
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Mitteilung Ausschuss
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle VIII/67/671 Vorlagen-Nummer 18.05.2022 1322/2022 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss Klima, Umwelt und Grün 19.05.2022 Ver- und Entsiegelungskataster Der Ausschuss Klima Umwelt und Grün hat sich in seiner Sitzung am 17.02.2022 mit dem Thema Ver- und Entsiegelungskataster befasst. Grundlage waren folgende Anträge: Gemeinsamer Antrag der Fraktionen DIE LINKE. DIE FRAKTION und der KLIMA FREUNDE betreffend Erfassung der Flächenversiegelung AN/0302/2022 Gemeinsamer Änderungsantrag der Fraktionen Bündnis90/Die Grünen, CDU und Volt betreffend Erfassung der Flächenversiegelung AN/0379/2022 Der Antrag und der Änderungsantrag wurden in der Sitzung zurückgestellt und die Verwaltung beauftragt einen Bericht zum Sachstand und den erreichten Ergebnissen zum Thema Ver- und Entsiegelungskataster vorzulegen. 1. Zielsetzung Das Ziel den Flächenverbrauch durch Versiegelung zu begrenzen ist Vorgabe der deutschen Nach- haltigkeitsstrategie und städtebauliche Vorgabe des Baugesetzbuches. „Eines der sieben prioritären Handlungsfelder in der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie ist die Minderung der Flächeninanspruchnahme für Siedlungen und Verkehr. Wenn der Umgang mit der Fläche nachhaltig organisiert werden soll – so die Zielsetzung der Bundesregierung – muss die für Siedlung, Gewerbe und Verkehr in Anspruch genommene Fläche von 120 ha/Tag im Durchschnitt der letzten 10 Jahre auf 30 ha/Tag im Jahre 2020 zurückgeführt werden.“ Quelle: https://www.um weltbundesamt.de/sites/default/files/medien/publikation/long/2587.pdf „In einem ressourcenbewussten Umgang mit der Siedlungsfläche ist eine Schlüsselposition für die Umsetzung der Ziele einer nachhaltigen Stadtentwicklung zu sehen. Dies ist begründet in der Rahmensetzung des Bundesgesetzgebers, mit Grund und Boden sparsam und schonend umzugehen (BauGB § 1, Abs. 6).“ … „Ein intelligenter Umgang mit der Ressource Boden er- weist sich also als die wichtigste Herausforderung für eine zukunftsfähige Städtebaupolitik.“ Strategie: Reduzierung des Zuwachses an bebauter Siedlungsfläche Strategie: Wiedernutzung von städtebaulichen Brachen und leerstehenden Gebäuden Strategie: Optimale Nutzung städtebaulicher Dichte Strategie: Erhaltung und Vernetzung klimawirksamer Freifläche Strategie: Reduzierung der Bodenversiegelung Beispielhafte Maßnahmen auf kommunaler Ebene: Festsetzungen im Bebauungsplan (Begrü- nungsanteil, überbaubare Grundstücksfläche, Versickerungsfähigkeit des Bodenbelages), Kommunale Gestaltungssatzung, Einführung einer erhöhten kommunalen Regenwasserge- bühr, finanzielle Anreize zur Entsiegelung privater Flächen, vorbildliche Durchführung von 2 Entsiegelungsmaßnahmen auf öffentlichen Flächen, Renaturierung von Fließgewässern, Straßenrückbau. Quelle: https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/themen/_alt/Stadtentw icklung/StadtentwicklungDeutschland/NachhaltigeStadtentwicklung/Pr ojekte/Archiv/StrategienIndikatoren/05_Handlungsfeld_Boden.html Zur Umsetzung dieser Zielsetzung kann der Aufbau und die Fortschreibung sowohl eines Versiege- lungskatasters als auch eines Entsiegelungskataster für öffentliche und private Flächen sinnvoll sein. Beide Kataster haben unterschiedliche Vorgaben, ergänzen sich jedoch in der og. Zielsetzung. Durch den systematischen Aufbau eines GIS-basierten Versiegelungskataster soll zunächst ein Überblick über den bestehenden Versiegelungsgrad geschaffen werden. Eine kontinuierliche Fort- schreibung der Daten zeigt dann die weitere Entwicklung der Versiegelung auf. Das ebenfalls GIS-basierte Entsiegelungskataster stellt die potenziellen Entsiegelungsflächen dar. Ein Abgleich mit vorhandenen Daten, z.B. Überschwemmungsgebiete, Starkregengefährdungsgebie- te, Nutzungsarten usw. zeigt die Bereiche auf, die im Sinne der Vorsorge vorrangig entsiegelt werden sollten. Es sollen aber auch Flächen aufgezeigt werden, die aufgrund veränderter Nutzungen, z.B. veränderte Verkehrsbelastung usw., entsiegelt werden könnten. Neben der Erfassung der Potenzial- flächen werden auch die Flächen erfasst und nachgehalten, die bereits entsiegelt werden konnten. Bisher gibt es noch keine systematischen und zielgerichteten Aktivitäten zur Erstellung eines Versie- gelungs- oder Entsiegelungskatasters. Im Folgenden werden deshalb zunächst die vorhandenen Grundlagen und Expertisen aufgeführt, die geeignet wären solche Kataster systematisch aufzubauen. 2. Vorhandene Grundlagen und Expertisen Versiegelungskataster Für den Aufbau eines Versiegelungskataster liegen sowohl beim Amt für Liegenschaften, Vermes- sung und Kataster als auch beim Amt für Stadtentwicklung und Statistik Datengrundlagen vor. Datengrundlagen beim Amt für Liegenschaften, Vermessung und Kataster: Der stadtweite Aufbau eines Entsiegelungskatasters kann nur dann gelingen, wenn aussagekräftige, qualitätsgesicherte Datenbestände notwendigerweise stadtgebietsweit flächendeckend vorhanden sind. Das Amt für Liegenschaften, Vermessung und Kataster hält mit seinem Liegenschaftskataster unter ALKIS einen ständig tagesaktuellen, vollständigen und einheitlichen Grunddatenbestand stadtweit vor, der den Flurstücksbestand, die Gebäude und Nutzungen datenbankgestützt nachweist und somit auswertbar macht. Ebenso beschafft das Amt für Liegenschaften, Vermessung und Kataster in regelmäßigen Abständen als Fachamt für Geoinformationen stadtweit die in folgender Auflistung zusammengestellten Daten- bestände: Vorhandene Daten 2018, 2020 Daten in Beschaffung 2022 Daten in Planung Kurzbeschreibung Stadt Köln Laserscan-Befliegung (2018) Scanner-Rohdaten (Dateiendung .all und .las) in EPSG4647 Komplett ohne Messw ertfehler (Da- teiendung .inp) in EPSG4647 Ausgedünnte Bodenpunkte (Last- Pulse, Dateiendung .inpl) in EPSG4647 mit Aufgefüllten Gebäu- deflächen, Aufgefüllten Wasserflä- chen, Aufgefüllten Punkten unter Brücken Oberflächenpunkte (First-Pulse, Dateiendung .fal) in EPSG4647 Restmenge der Bodenpunkte (Datei- endung .ires) in EPSG4647 Digitales Oberflächenmodell kurz DOM (Dateiendung .grd) in EPSG25832 Digitales Geländemodell kurz DGM 3 (Dateiendung .grd) in EPSG25832 Normalhöhe auf NHN bezogen – DHHN2016, Höhenstatus 170 Befliegungsdatum: 08.09-10.09.2018 30-35 Punkte je qm Bodenauflösung Lieferung in Datei-Ordnern nach Kachelung 500m * 500 m Reihen-Schrägluftbilder (2018) Ja 2024, alle geraden Jahrgänge Vier Perspektiven (N-S-W-O) für jeden Aufnahmeort Blickw inkel der Kameras zw ischen 37 und 45 Grad Aufnahmeabstand fest mit 30 % Bildüberdeckung Mittlere GSD: 15 cm Radiometrische Homogenisierung Lieferung im TIFF und ecw-Format einschl. Georeferenzierung in ETRS89/UTM TrueOrthoPhotos RGB (2018) 6 cm Bodenauflösung RGB-Kanäle 8Bit-TIFF mit Georeferenzierung Bezugssystem ETRS89-UTM 32N (EPSG 25832) Zugehöriges bDOM (tiff Format) Abgeleitete Schummerung aus bDOM (tiff Format) TrueOrthoPhotos RGBI (2020)( Ja 2024, alle geraden Jahrgänge 5 cm Bodenauflösung RGBI-Kanäle (d.h. inclusiv Infrarot- Kanal) 8Bit-TIFF mit Georeferenzierung Bezugssystem ETRS89-UTM 32N (EPSG 25832) zugehöriges bDOM (tiff und las For- mat) abgeleitete Schummerung aus bDOM (tiff Format) LOD 2-Modell aus den o.a. Datenbeständen Laserscan und ALKIS aus dem Jahr 2018 für den Zeitpunkt 10.09.2018 abgeleitet Vorhandene Daten 2018, 2020 Daten in Beschaffung 2022 Daten in Planung Kurzbeschreibung nDOM – normalbasiertes digitales Oberflächenmodell aus dem digitalen Geländemodell (DGM) und dem bildbasierten digitalen Oberflä- chenmodell abgeleitete Flächen, die über dem Gelände liegen (z.B. zur Unterschei- dung von bodennaher und hoher Vegetati- on) 3D-Mesh Ja Land NRW TruOpthoPhotos 2019 WMS-Dienst, Beschaffung der Bilddaten möglich TruOpthoPhotos 2021 2023, alle ungeraden Jahre WMS-Dienst, Beschaffung der Bilddaten möglich Copernikusdaten des Landes NRW (Landcover-Daten) WMS-Dienst zur Landbedeckung und Landnutzung, ständig aktualisiert nach Prozessierung durch Land NRW Abhängig vom Analysezweck können die Daten schnelle Informationen zur Landbe- deckung geben, die aber nur niedrig auf- gelöst zur Verfügung stehen Aus den oben zusammengestellten vorhandenen Datenbeständen lassen sich im Sinne der Identifi- zierung von Entsiegelungsflächen die verschiedensten Analysen durchführen: 1. Beschreibung von Entsiegelungsklassen nach dem NDVI-Wert als Ergebnis einer „Trainingsaus- wertung“ in einer Geodatenbank 2. Auswertung der Flächen nach diesen Klassifizierungen 3. Auswertung der Flächen nach bestimmten Nutzungsarten aus dem ALKIS-OK 4. Verschneidung dieser gewonnenen Identifikatoren mit öffentlichem/Privatem Eigentum (städti- sches Eigentum, ausdifferenziert nach verschiedenen tatsächlichen Nutzungen) 5. Auswertung dieser Informationen nach statistischen Abgrenzungen (Stadtgebiet, Stadtteil, Stadt- bezirk) 4 6. Auswertung der Informationen nach Dienststellen-Zuständigkeiten für die Flächenergebnisse (Auswertung des Lagerbuches) 7. Liegen Befliegungszeitreihen vor (z.B. TrueOrthoPhotos mit RGBI-Kanal) aus mehreren Jahren, lassen sich über ChangeDetection-Verfahren die Entwicklung der Versiegelungsgrade im Kölner Stadtgebiet feststellen. Vorhandene Expertise In einem Projekt mit der StEB zur Ermittlung des unterschiedlichen Versiegelungsgrades von Grund- stücksflächen für die Niederschlagswasser-Gebührenerhebung möchte die StEB mit Hilfe des Fraun- hofer Instituts und der Fa. Hexagon eine KI-basierte Methode zukunftsfähig etablieren. Grundsätzlich stehen zur flächendeckenden Abgrenzung und Klassifizierung versiegelter Flächen (nach Definition der StEB) auf der Basis von Luftbildern Verfahren der klassischen Bildbearbeitung zur Verfügung. Besondere Probleme bei der Erkennung sind dabei aber insbesondere Schattenwurf, Überdeckung durch Vegetation, Dachüberstände, etc.. Das Liegenschaftsamt wurde beauftragt, versiegelte Flächen aus den zuvor genannten Daten zu identifizieren. Dazu wurden umfangreiche Tests und Machbarkeitsstudien durchgeführt und dokumen- tiert. Unter Verwendung von Analysetools (FME) wird mit den verschiedenen Ausgangsdaten ein Workflow zur Ermittlung von Klassen auf der Erdoberfläche entwickelt. Da die Klassifizierung der Erdoberfläche je Flurstück von Interesse ist, wird jedes Flurstück im Work- flow einzeln betrachtet. Für jedes Flurstück werden die jeweils unterschiedlichen Klassen ermittelt, vektorisiert und generalisiert. Anschließend werden die absoluten und prozentualen Anteile der jewei- ligen Klassen je Flurstück ermittelt und ausgegeben. Es ist ebenfalls möglich, die flurstücksscharfen und klassifizierten Teilflächen je Flurstück zu exportieren. Klassen-Definition Das Ziel ist, eine erste Klassifizierung zu erzeugen, die zumindest die folgenden Klassen mit einer sehr hohen Erkennungsquote ermittelt: bodennahe Vegetation (nicht versiegelt) höhere Vegetation (Bäume, Büsche, etc. – nicht versiegelt) versiegelter Boden (Straße, Terrassen, etc.) Gebäude (versiegelt) Wasser Nutzung des Normalized Difference Vegetation Index (NDVI) Als Ausgangsprodukt wird das True DOP 2020 verwendet, in dem mittels Nachinfrarot-Kanal (NIR) und Rot-Kanal (Red) der NDVI für jedes Bildpixel ermittelt wird. Der NDVI liegt per Definition zwi- schen -1 und 1 und ermöglicht eine robuste Abschätzung, ob es sich im Bild um Vegetation, keine Vegetation oder Gewässer handelt. Der NDVI ist bei sehr stark reflektierenden Flächen jedoch nicht sehr zuverlässig. Dies können z.B. Dachfenster oder verglaste Terrassenüberdachungen sein, die zum Zeitpunkt der Befliegung durch den jeweiligen Sonnenstand eine starke Reflexion aufweisen. Hinzu kommen die langen Trockenzeiten der letzten Jahre, wodurch die Vegetation beschädigt wur- de. Dies schränkt die Aussagekraft des NDVI ebenfalls ein. Durch die eigene Analyse der True DOP werden die folgenden Wertebereiche verwendet, um zwi- schen Wasser, keiner Vegetation und Vegetation zu unterscheiden: NDVI Art der Erdoberfläche ≥ -1 und ≤ -0,2 Wasser > -0,2 und ≤ 0,3 Keine Vegetation > 0,3 und ≤ 1 Vegetation 5 Durch die Verwendung weiterer Daten können die Schwachstellen des NDVI reduziert werden. Denn um eine tiefere Klassifizierung zu erhalten und die Ergebnisse aus der NDVI-Auswertung zu validie- ren, werden Daten aus dem amtlichen Liegenschaftskataster und aus Höhenmodellen verwendet. Höhenmodelle Zur weiteren Unterstützung werden das digitale Geländemodell (DGM) und das bildbasierte digitale Oberflächenmodell (bDOM) verwendet, um ein normbasiertes digitales Oberflächen-modell (nDOM) zu berechnen. Hiermit kann zwischen bodennaher und hoher Vegetation unterschieden werden. ALKIS-Daten Die Daten aus dem amtlichen Liegenschaftskataster wurden im Vorhinein gesichtet und auf Objekte eingeschränkt, die in ihrer Lage sehr gut erfasst sind und mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit den Zu- stand der Versieglung widerspiegeln. Hierbei werden die folgenden ALKIS-Objekte aus den Gebäu- den, Bauwerken und der tatsächlichen Nutzung ausgewählt und in die jeweilige Klasse eingeteilt: ALKIS- Kennung ALKIS-Objektart Typ Schlüssel Objekt Klasse 31001 AX_Gebäude - - alle oberirdischen Gebäude Objekt_versiegelt 42006 AX_Weg FKT 5210 Fahrw eg Boden_versiegelt 5211 Hauptw irtschaftsweg 5212 Wirtschaftsweg 5220 Fußw eg 5240 Radw eg 5250 Rad- und Fußw eg 44006 AX_StehendesGewässer FKT 8610 See Wasser 8620 Teich 51006 AX_Bauw erk oder Anlage- für Sport Freizeit und Erholung BWF 1410 Spielfeld Boden_versiegelt 1411 Hartplatz 1412 Rasenplatz Wiese 1420 Rennbahn, Laufbahn, Geläuf Boden_versiegelt 1450 Schw immbecken Wasser 51009 AX_Sonstiges Bauw erk oder Sonstige Einrichtung BWF 1610 Überdachung Objekt_versiegelt 1611 Carport 1620 Treppe Boden_versiegelt 1650 Rampe 1670 Terrasse 53003 AX_WegPfadSteig ART 1103 Fußw eg Boden_versiegelt 1105 Karren- und Ziehw eg 1106 Radw eg 1110 Rad- und Fußw eg 1111 Skaterstrecke 53009 AX_Bauw erk im Gew äs- serbereich BWF 2020 Rückhaltebecken Boden_versiegelt 55002 AX_Untergeordnetes Gew ässer FKT 1040 Teich Wasser Damit eine übersichtliche Verschneidung durchgeführt werden kann, sind die ALKIS-Objekte nachei- nander zu verarbeiten. Dafür werden diese nach deren Lagerichtigkeit und Wahrscheinlichkeit priori- siert, so dass die folgende Reihenfolge entsteht: 1 Wasser 2 Boden_versiegelt 3 Wiese 4 Objekt_versiegelt Speziell die Klasse Wasser wird mittels NDVI nicht immer einwandfrei ermittelt, weshalb dort bei Tei- chen auf die ALKIS-Objekte zurückgegriffen wird. Ergebnis Anschließend werden die ermittelten Flächen der Klassen aufbereitet und mit den Flurstücken im Testgebiet verschnitten, so dass für jedes Flurstück ein Bericht mit den absoluten und prozentualen Anteilen der definierten Klassen erzeugt wird. Zusätzlich werden die betroffenen vektorisierten Flä- chen ausgegeben, um sich einen Überblick zu verschaffen oder um weitere Analysen durchzuführen. 6 Abbildung 1: Darstellung des Ergebnisses Abbildung 2: Ergebnis-Bericht Im Umkehrschluss ist daraus auch der mögliche Grad der Entsiegelung bestimmbar. Durch Erweiterung des Auswerte-Ansatzes ist das Verfahren auf das gesamte Stadtgebiet zu überta- gen und liefert stadtweite, Auswertungsbezogene Ergebnisse. Diese Ergebnisse können sowohl für private als auch für städtische Flächen differenziert dargestellt werden. Datengrundlagen beim Amt für Stadtentwicklung und Statistik Beim Amt für Stadtentwicklung und Statistik besteht langjährige Expertise im Bereich Fernerkundung und räumliche Analysen. Aus einem durch das Liegenschaftsamt betreuten studentischen Praktikum ergab sich eine Bachelorarbeit zum Thema „Ermittlung der Flächenversiegelung im Kölner Stadtge- biet - Eine GIS-Analyse basierend auf hochaufgelösten Orthophotos und ALKIS-Daten“. Alle Daten wurden durch das Liegenschaftsamt bereitgestellt; die Betreuung der Arbeit lag aus organisatorischen Gründen beim Amt für Stadtentwicklung. 3. Grundlagen Entsiegelungskataster Auf der Grundlage des Bundes-Bodenschutzgesetz (BBodSchG, § 5 Entsiegelung) wird in § 1 des Landesbodenschutzgesetz für das Land Nordrhein-Westfalen (LbodSchG) unter (1) folgendes vorge- geben: „Mit Grund und Boden soll sparsam und schonend umgegangen werden, dabei sind Boden- versiegelungen auf das notwendige Maß zu begrenzen.“ Ein systematisch aufgebautes Entsiegelungskataster besteht in Köln noch nicht. Dennoch konnten in der Vergangenheit einzelne Fläche entsiegelt und anschließend begrünt werden. Zurzeit ist die Ent- siegelung einer ehemaligen Straße im Äußeren Grüngürtel Abschnitt Kahnweiher in Vorbereitung. Die Finanzierung erfolgt über Ersatzgelder nach Landesnaturschutzgesetz NRW. Für eine systematische Aufarbeitung eines Entsiegelungskatasters für öffentliche Flächen sollten zu- nächst die vorhandenen GIS-basierten Daten eines Versiegelungskatasters ausgewertet werden. Diese gilt es mit den Daten von Überschwemmungsbereichen, topografischen Daten zu Starkregene- reignissen, Bodenkarten, Ergebniskarten Masterplan Stadtgrün und weiteren abzugleichen, um hie- raus mögliche Schwerpunktbereiche von Entsiegelungsmaßnahmen darzustellen. 7 Darauf aufbauend muss ein Abgleich mit den realen Nutzungsstrukturen vor Ort erfolgen, um ein Po- tenzial für Entsiegelungsmaßnahmen zu ermitteln. Eine große Bedeutung wird hierbei der Datenbe- stand zu den gewidmeten öffentlichen Straßen- und Platzbereiche haben. Um hier ein tatsächliches Entsiegelungspotenzial zu bestimmen, sind ggf. weitergehende politische Beschlüsse erforderlich. Die somit ermittelten Flächenpotenziale sollen in einem digitalen Kataster erfasst werden. Zurzeit wird beim Amt für Landschaftspflege und Grünflächen ein digitales Kompensationsflächenkataster aufge- baut, das nach heutiger Erkenntnis auch zur Verwaltung der Entsiegelungsflächen verwendet werden kann. Die tatsächliche Entsiegelung der ermittelten Potenzialflächen kann zum einen über städtische Haus- haltsmittel erfolgen, oder über das Kompensationserfordernis eines Dritten (Straßenbaulastträger, Investoren etc.). Für den Aufbau eines digitalen Entsiegelungskatasters und vor allem auch für die Umsetzung und tatsächliche Entsiegelung der ermittelten Flächen sind Personalressourcen (1 Stelle EG 11) erforder- lich, die im Stellenplan 2023/24 nicht hinterlegt sind. Im Haushalt 2022 sind einmalige Finanzmittel in Höhe von 30.000 € ausgewiesen. 4. Ausblick Die deutschen Nachhaltigkeitsstrategie und die städtebaulichen Vorgaben des Baugesetzbuches formulieren deutlich das Ziel den Flächenverbrauch durch Versiegelung zu begrenzen. Der Aufbau und die Fortschreibung eines Ver- und Entsiegelungskatasters könnte dazu beitragen den tatsächli- chen Versiegelungsgrad und die Potenziale für Entsiegelungsmaßnahmen für das Kölner Stadtgebiet darzustellen und nachzuhalten. Grundsätzlich stehen zur flächendeckenden Abgrenzung und Klassifizierung tatsächlich versiegelter Flächen GIS-basierte Daten auf der Basis von Luftbildern zur Verfügung. Der Aufbau eines Versiege- lungs- und eines Entsiegelungskatasters sowie die kontinuierliche Analyse machen eine Koordination erforderlich. Ein erster Ansatz bildet das Projekt zur Ermittlung des unterschiedlichen Versiegelungsgrades von privaten Grundstücksflächen für die Niederschlagswasser-Gebührenerhebung, das in Zusammenar- beit mit dem Amt für Liegenschaften, Vermessung und Kataster und den Stadtentwässerungsbetrie- ben (StEB) aktuell angegangen wird. Ziel ist es, mit Unterstützung des Fraunhofer Instituts und der Fa. Hexagon, dieses Projekt auf der Grundlage einer KI-basierte Methode zukunftsfähig zu etablie- ren. (KI = künstliche Intelligenz). Das Liegenschaftsamt wurde in diesem Zusammenhang beauftragt die versiegelten Flächen zu identifizieren. Erste Testverfahren und Machbarkeitsstudien wurden hier- für durchgeführt und dokumentiert. Auf dieser Grundlage könnte ein gesamtstädtisches Versiegelungskataster ausgearbeitet werden, das konkrete Auskunft über die tatsächlich versiegelten privaten und öffentlichen Flächen gibt und diese Daten kontinuierlich fortschreibt. Hierfür müssten die Erkenntnisse und Datenbestände aus dem og. Projekt mit den Stadtentwässerungsbetrieben stadtgebietsweit und flächendeckend aufgearbeitet werden. Auf dieser gesamtstädtischen Grundlage soll dann ein Abgleich mit vorhandenen Daten, z.B. Über- schwemmungsgebiete, Starkregengefährdungsgebiete, Nutzungsarten usw. durchgeführt werden, durch den die Bereiche aufzeigt werden, die im Sinne der Vorsorge vorrangig entsiegelt werden soll- ten. Diese Potenzialflächen werden dann in einem Entsiegelungskataster erfasst und mit weiterge- henden Vorgaben, z.B. veränderte Verkehrsbelastung usw. abgeglichen, um hieraus konkrete Flä- chen für eine Entsiegelung aufzuzeigen. Neben der Erfassung von Potenzialflächen werden auch die Flächen im Entsiegelungskataster erfasst und nachgehalten, die bereits entsiegelt werden konnten. Eine konkrete Umsetzung der Entsiegelung kann über die Bereitstellung von Haushaltsmitteln, die Verwendung von Ersatzgeldern für Eingriffe in Natur und Landschaft oder über die direkte Zuordnung zu einem Eingriffsvorhaben (z.B. Straßenbauvorhaben, Bebauungsplan etc.) erfolgen. Gez. Wolfgramm
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 1322/2022
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 18.05.2022
- Erstellt
- 20.04.2022 11:07