V/0742/2013
Zwischenbericht zur Umsetzung des Vorschlags Nr. 443 Gesundheitsförderung in Grundschulen aus dem Bürgerhaushalt 2011
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Berichtsvorlage
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V/0742/2013 DER OBERBÜRGERMEISTER Amt für Gesundheit, Veterinär- und Lebensmittelangelegenheiten Betrifft Zwischenbericht zur Umsetzung des Vorschlags Nr. 443 Gesundheitsförderung in Grundschulen aus dem Bürgerhaushalt 2011 Beratungsfolge 15.10.2013 Ausschuss für Schule und Weiterbildung Bericht 16.10.2013 Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Arbeitsförderung Bericht 20.11.2013 Ausschuss für Kinder, Jugendliche und Familien Bericht Bericht: 1. Ausgangslage Der Rat der Stadt Münster hat den Vorschlag aus dem Bürgerhaushalt 2011, im Rahmen der Gesundheitsförderung in Grundschulen Unt errichtsprojekte zur gesunden Ernährung weiter zu finanzieren, aufgegriffen. Für die Jahre 2012 und 2013 wurden im Haushalt jeweils 25.000 Euro bereitgestellt und mit einem Sperrvermerk versehen, dessen Aufhebung von der positiven B e- schlussfassung über ein vorzulegendes Umsetzungskonzept abhing. Dieses Konzept wurde den zuständigen Fachausschüssen im März 2012 mit der Vorlage V/0064/2012 vorgelegt. Die im Rahmen des Bürgerhaushaltes bereit gestellten Mittel von jeweils 25.000 Euro für die Jahre 2012 und 2013 wurden mit der Vorgabe, dass die Lehrerfortbildung aus Landesmitteln zu finanzieren sei, entsperrt. Der Verwaltung wurde aufgegeben, den Fachausschüssen rechtzeitig zu den Eta t- beratungen für 2014 eine Evaluation des Projektes vorzulegen. 2. Projektverlauf 2.1 Auswahl der Schulen Das Angebot sollte primär an Schulen mit hohem Anteil an sozial benachteiligten Kindern durc h- geführt werden. Untersuchungen belegen, dass soziale Benachteiligung häufig auch zu gesun d- heitlicher Benachteiligung führt. Die äußeren Lebensumstände mit niedrigem Einkommen, geri n- ger Bildung, häufig gering qualifizierter Arbeit und dazu kommend oder daraus resultierend oft schwierige familiäre Bedingungen führen zu gesundheitlichen Belastungen, geringeren Bewält i- gungsressourcen und auch einer schlechteren gesundheitlichen Versorgung. Das Amt für G e- sundheit, Veterinär- und Lebensmittelangelegenheiten hat daher nach den Osterferien 2012 Kon- takt zu Grun dschulen aufgenommen, an denen vermehrt Kinder mit sozialen Benachteiligungen Vorlagen-Nr.: V/0742/2013 Auskunft erteilt: Frau Menke Ruf: 492-5388 E-Mail: MenkeChristine@stadt-muenster.de Datum: 26.09.2013 Öffentliche Berichtsvorlage 2 V/0742/2013 unterrichtet werden. Zwei Schulen mit insgesamt 10 Klassen (3. und 4. Klassen) sagten ihre Pr o- jektteilnahme zu, jedoch war der Projektbeginn auf Wunsch der Schulen erst nach den Somme r- ferien 2012 möglich. Nach den Sommerferien 2012 zog eine Schule ihre Zusage aus or ganisatorischen Gründen zu- rück. Das Amt für Gesundheit, Veterinär- und Lebensmittelangelegenheiten nahm daraufhin Kon- takt zu weiteren Grundschulen mit einem höheren Anteil an sozial benachteiligten Kindern auf, doch die meisten Schulen sahen keine Möglichk eit an dem Projekt teilzunehmen. Als Gründe wurden eigene Ernährungsprojekte, Projekte mit anderen Themenschwerpunkten oder anderwei- tige organisatorische Schwierigkeiten bei der Integration des Projektes in den Schulalltag g e- nannt. Daraufhin wurde das Pr ojekt allen Grundschulen in Münster angeboten, womit dann die Ausla s- tung des Projektes sichergestellt wurde. Im Schuljahr 2012/2013 wurde das Projekt an folgenden Schulen umgesetzt: Eichendorffschule - 5 Klassen Dietrich-Bonhoefferschule - 2 Klassen Margaretenschule - 2 Klassen Johannisschule - 1 Klasse Bodelschwinghschule - 1 Klasse Martin-Luther-Schule- - 2 Klassen 6 Schulen - 13 Klassen In das Projekt wurden 2., 3. und 4. Klassen einbezogen. Da die Zeiträume zu Schuljahresbeginn und –ende nur begrenz t zur Verfügung stehen, reduziert sich die zur Verfügung stehende Zeit eines Schuljahres. 2.2 Inhalte und Maßnahmen Die von einer Oecotrophologin durchgeführten Theorie - und Praxiseinheiten bilden den Schwe r- punkt des Projektes. Nach einer Theorieeinheit mit zwei Unterrichtsstunden folgen fünf Praxi s- einheiten mit je vier Unterrichtsstunden, zum Abschluss dann wieder eine Theorieeinheit. Inhaltlicher Schwerpunkt der Theorie im ersten Jahr war die „aid -Ernährungspyramide“, deren Inhalte zusammen mit den Schülerinnen und Schülern im Klassenverband erarbeitet wurden. In den Praxiseinheiten erhielten die Kinder zunächst Hygieneanweisungen und dann wurden A r- beitstechniken (Schneiden, Umgang mit Küchenwerkzeug) vermittelt. Danach gab es Informati o- nen zu den jewe ils zuzubereitenden Speisen bzw. zu den Lebensmitteln (z.B. Kartoffeln, Getre i- de). In Kleingruppen haben die Kinder dann verschiedene Gerichte zubereitet, gekocht oder g e- backen (z.B. Dips, Pfannkuchen, Kartoffelecken, Gemüsecremesuppe, Snacks, Burger). Die Re- zepte konnten sie mit nach Hause nehmen, manche Klassen legten kleine Rezeptbücher an. Organisatorisch wurde mit den Praxiseinheiten direkt morgens in der 1. Schulstunde begonnen, so dass ab 11 Uhr die Küche gereinigt an die Schulverpflegung übergeben werden konnte. Zum Abschluss folgte wieder eine Theorieeinheit mit Wiederholungen aus den Praxiseinheiten und der „aid -Ernährungspyramide“. Außerdem wurden kleine Experimente (zum Zuckergehalt in Getränken oder zum Fettgehalt von einzelnen Lebensmitteln) durchgeführt. Die Kinder füllten einen Fragebogen aus und erhielten zum Abschluss ihr Koch-Diplom. 3 V/0742/2013 Bei den praktischen Einheiten konnten jeweils 2 – 4 Eltern unterstützend mitwirken, was zum einen die Umsetzung erleichterte und andererseits die Eltern für das Thema sensibilisierte. An einer Schule gab es bereits eine Elterngruppe, die sich regelmäßig traf, und die Informationen zum Thema gesundes Essen dankbar angenommen hat. An einer anderen Schule fand ein E l- ternabend zur Vorstellung des Projektes und seiner Zielsetzung statt. Aufgrund des höheren Organisationsaufwands in der Anfangsphase konnte die geplante Lehrerfortbildung noch nicht umgesetzt werden. Sie wird nun zu Beginn des 2. Projektjahres in den teilnehmenden Schulen durchgeführt und aus dem Fortbildungsbudget der Schulen finanziert (Landesmittel). Mit den Fortbildungsveranstaltungen werden auch die Gesundheitstage terminiert, eventuell in Kombination mit Schulfesten. Dort sollen die Schülerinnen und Schüler das Erlernte zeigen kö n- nen und die Eltern Informationen zum Thema Ernährung und Bewegung erhalten. 2.3 Personelle und finanzielle Ressourcen Im Vorlauf zum Projektstart hat eine ehemalige Praktikantin des Amtes für Gesundheit, Veterinär- und Lebensmittelangelegenheiten ihre Bachelorarbei t über dieses Projekt zum Abschluss ihres Oecotrophologiestudiums geschrieben. Im Anschluss wurde sie für die Durchführung des Proje k- tes (0,5 Stelle EG 9) befristet für die Zeit vom 01.09.2012 – 31.07.2014 eingestellt und aus den bereit gestellten Projektmitteln finanziert. Da die Schulküchen meistens über ausreichende Arbeitsmaterialien verfügen und aus anderen Projekten auch noch Materialien im Amt für Gesundheit, Veterinär - und Lebensmittelangelegen- heiten vorhanden waren, mussten nur geringfügige Ansch affungen getätigt werden. Dazu ko m- men noch Kochschiffchen für die Kinder, Einmalschürzen (falls in der Schule nicht vorhanden) und die Lebensmittel. Die angefallenen Kosten konnten aus den bereit gestellten Projektmitteln finanziert werden. 3. Fazit nach einem Jahr Nach anfänglichen organisatorischen Schwierigkeiten wegen der kurzfristigen Absage einer Schule ist das Projekt gut angelaufen. Sowohl die Theorie - als auch die Praxiseinheiten haben bei Kindern, Lehrkräften und Eltern eine gute Resonanz gefunden. Die von den Kindern in der letzten Theoriestunde ausgefüllten Fragebögen enthalten durchweg positive Rückmeldungen. Einige Schülerinnen und Schüler haben die Gerichte zu Hause nac h- gekocht. Sehr wichtig für den Projekterfolg ist das Engagement der Lehrkräfte. Sie haben das Projekt in der Regel gut in ihren Unterricht integriert und das Thema gesunde Ernährung explizit aufgegriffen. Die Eltern fanden die Praxiseinheiten auch für sich selbst oft noch lehrreich. Ins o- weit können die bisher durchgeführt en Projektelemente durchaus als erfolgreich bewertet we r- den. Kernstück des Projektes sind die praktischen Kocheinheiten. Damit hebt sich das Projekt von vielen anderen Ernährungsprojekten ab, bei denen der Schwerpunkt auf ein gesundes Frühstück mit Brot und Rohkost gelegt wird. Beim selber Kochen ist der Überraschungseffekt größer. Die Kinder machen ganz neue Erfahrungen, die sie mit Stolz erfüllen und ihr Selbstbewusstsein stä r- ken. Alle Schulen des ersten Projektjahres beteiligen sich auch im neuen Sch uljahr an der Fortse t- zung des Projektes. Damit werden die ehemals 2. und 3. Klassen weitere Kocherfahrungen mit neuen Rezepten sammeln. Weitere Klassen kommen neu dazu. Durch die Wiederholung soll das 4 V/0742/2013 Erlernte gefestigt werden und gleichzeitig soll über ei ne Befragung festgestellt werden, inwieweit es tatsächlich zu einem Wissenszuwachs bei den Kindern gekommen ist. Nach Ablauf des zwe i- ten Jahres wird noch einmal eine Bilanz über den gesamten Projektzeitraum gezogen. Dann wird sich auch zeigen, ob durch das Projekt an den teilnehmenden Schulen eine nachhaltige, intens i- vere Auseinandersetzung mit dem Thema Ernährung erfolgt. Mittel- bis langfristige Wirkungen können zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abgeschätzt werden. Letztendlich lässt sich die nachhaltige Wirkung erst in 10 – 20 Jahren feststellen, wenn die Kinder erwachsen sind und sich selber versorgen müssen. Aber sie nehmen für ihr weiteres Leben die Erfahrung mit, dass selber kochen nicht schwer ist, dass es gelingen kann und gut schmeckt. Diese Erfahrungen sind besonders wertvoll, wenn sie im Elternhaus nicht vermittelt werden. Dies kommt leider immer häufiger vor, zumal in den Familien auch immer häufiger Fertigprodukte z u- bereitet werden, die für die geschmackliche Sensibilisierung nicht förderlich sind. Falls das Projekt über 2014 hinaus weitergeführt werden sollte, sind aus heutiger Sicht nur leic h- te Anpassungen des Konzeptes erforderlich. Gegebenenfalls ist für manche Schulen ein zeitlich kürzeres Projekt leichter in den Schulablauf zu integrier en. Dabei sollten die Praxiseinheiten a l- lerdings höchstens um eine Einheit gekürzt werden. Die Elternbeteiligung in Form von Unterstü t- zung bei den Praxiseinheiten hat sich bewährt und sollte immer so eingeplant werden. Ein G e- sundheitstag lässt sich nur sch wer umsetzen, da in Grundschulen ohnehin schon viele andere Feste gefeiert werden und solche Tage terminlich nur schwer einzuplanen sind. Bei einer daue r- haften Umse tzung des Angebotes der Kochpraxis lassen sich solche ergänzenden Angebote aber sicherlich leichter in den Schulablauf einplanen. In Vertretung gez. Thomas Paal Stadtrat
Beratungsverlauf (3)
Beschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Vorlagen-Nr.
- V/0742/2013
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 23.09.2013
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37