V/0367/2012
Umbenennung der Pfitznerstraße in Margarete-Moormann-Weg
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Anlage-1-Bürgerumfrage-Ergebnisse
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Anlage 1 Anlage 1, Seite 1 Bürgerumfrage 2012 „Ehrung von Personen durch Straßenbenennungen“ - Zusammenfassung der Ergebnisse 1. Auftragslage und Zielstellung - Beschluss des erweiterten Ältestenrates der Stadt Münster vom 07.07.2011 - Grundlage: Ergebnisse der Kommission „Straßenname n“ - Gewinnung zusätzlicher Informationen mittels eine r repräsentativen Bürgerumfrage parallel zur Informations- und Kommunikationsphase (v. a. Ausstellung „Ehre, wem Ehre gebührt?!“ vom 26.01. – 16.03.2012) - Leitfrage: „Wie soll sich Münster zu Persönlichke iten stellen, die sie durch Straßennamen für ihr Lebenswerk in besonderer Weise geehrt hat, wenn sich diese Ehrung aufgrund neuer Forschungsergebnisse als fragwürdig erweist?“ 2. Methodik - Befragungszeitraum: 25.01. – 15.02.2012 - Zufallsstichprobe: 5.126 Bürgerinnen und Bürger ( über 18 Jahre, Hauptwohnsitz) - Rücklauf: 1.937 Fragebögen (37,8 % Rücklaufquote) - Ergebnisse lassen sich grundsätzlich auf Münstera ner Bevölkerung übertragen 3. „Sind Sie generell dafür, Personen mit besonderer zeitgeschichtlicher Bedeutung durch Benennung von Straßen, Wegen und Plätzen in Münster zu ehren?“ (Frage 1) - Ja, auf jeden Fall: 69,7 % - Ja, aber nur für Personen mit Bezug zu Münster: 1 7,5 % - Nein: 6,5 % - Ist mir egal: 4,4 % - Weiß nicht/kann ich nicht beurteilen: 0,8 % - Ohne Angabe: 1,1 % 4. „Nach neueren quellengestützten Forschungsergebnissen ist der damalige Reichspräsident Paul von Hindenburg als Stütze des NS-Regimes anzusehen. Besteht heute noch ein Anlass, Hindenburg durch die Namensgebung für den größten Platz Münsters zu ehren?“ (Frage 2) - Ja: 35,0 % - Nein: 48,3 % - Ist mir egal: 7,3 % - Weiß nicht/kann ich nicht beurteilen: 6,6 % - Ohne Angabe: 2,8 % Anlage 1, Seite 2 2 5. „Es gibt - neben dem Hindenburgplatz - noch weitere Anträge aus Bürgerschaft und Politik zur Umbenennung von Straßen und Wegen: Was würden Sie vorschlagen, wenn sich deren Namensgeber/innen nach neueren quellengestützten Forschungsergebnissen als Stützen des NS-Regimes erwiesen haben?“ (Frage 3) - Die Namen der Straßen/Wege sollen so bleiben wie sie sind: 27,6 % - Die Namen der Straßen/Wege sollen so bleiben wie sie sind; es soll aber jeweils ein Zusatzschild mit Erläuterungen zu den Namensgebern angebracht werden: 30,2 % - Die Namen der Straßen/Wege sollen geändert werden ; auf den künftigen Straßenschildern soll aber auf die ehemaligen Namen hingewiesen werden: 16,2 % - Die Namen der Straßen/Wege sollen geändert werden : 22,6 % - Ist mir egal: 0,6 % - Weiß nicht/kann ich nicht beurteilen: 1,3 % - Ohne Angabe: 1,5 % 6. „Fühlen Sie sich zum Thema 'Ehrung von Personen durch Straßenbenennungen' ausreichend informiert?“ (Frage 4) - Ja: 56,4 % - Ja, zum Teil: 30,3 % - Nein: 11,4 % - Ohne Angabe: 1,9 % 7. Fehlt Ihnen etwas an Informationen zu diesem Thema? (Frage 5) - Offene Frage: 512 Nennungen von 422 Befragten, d. h. 21,8 % der Umfrageteilnehmerinnen und -teilnehmer haben sich mittels Freitext geäußert - Nur ein geringer Teil der Nennungen bezieht sich auf „weitergehenden Informationen“: 4,3 % „weitere Informationen fehlen“; 3,1 % „mehr Informationen in Medien“ - Häufiger wird die Frage der „Kosten“ kritisch angesprochen: 7,6 % „Kosten insgesamt“, 7,0 % „Kosten der Umbenennung“ - Auch machen die Anmerkungen deutlich, dass nicht alle Befragten die neueren Forschungen teilen, dass Hindenburg und weitere Namensgeberinnen/-geber als Stützen des NS-Regimes anzusehen sind: 8,2 % „Suggestive Fragestellung“, 5,5 % „Begründung zweifelhaft“ (Hindenburg) bzw. 5,1 % (weitere Namensgeber) - Bezogen auf alle Umfrageteilnehmer/innen liegen d iese Antwortanteile bei 2,2 % („Suggestive Fragestellung“), 1,4 % („Begründung Hindenburg zweifelhaft“) und 1,3 % („Begründung weitere Namensgeber zweifelhaft“) - Ebenso werden auch „neue Namensvorschläge“ für de n Hindenburgplatz genannt (5,5 % aller Nennungen bzw. 1,4 % bezogen auf alle Umfrageteilnehmerinnen und - teilnehmer), wobei hier der „Schlossplatz“ (3,7 %) überwiegt; vereinzelt werden weitere Namen genannt (z. B. Neuplatz, Friedensplatz)
Anlage-2-Übersichtsplan
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Anlage 2 V/0367/2012
Beschlussvorlage
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V/0367/2012 DER OBERBÜRGERMEISTER Vermessungs- und Katasteramt Betrifft Umbenennung der Pfitznerstraße in Margarete-Moormann-Weg Beratungsfolge 22.05.2012 Bezirksvertretung Münster-Mitte Entscheidung Beschlussvorschlag: I. Sachentscheidung: 1. Entsprechend der Empfehlung der Kommission Straßennamen wird die Pfitznerstraße umbenannt. 2. Die bisherige Pfitznerstraße erhält den Straßennamen Margarete-Moormann-Weg. II. Finanzielle Auswirkungen: Es entstehen Kosten für neue Straßennamenschilder. Die Finanzierung ist aus laufenden Mi tteln des Tiefbauamtes aus dem Budget „1201-Straßenerhaltung“ sichergestellt. Begründung: Diese Beschlussvorlage zur Pfitznerstraße steht im Zusammenhang mit den stadtweiten Diskussi- onen über NS-belastete Straßennamen. Ein Ausgangspunkt der Diskussionen war im Mai 2007 der Antrag der SPD-Fraktion der BV-West auf Umbenennung des Carl -Diem-Weges. Ebenfalls im Mai 2007 hat die SPD -Fraktion in der BV - Mitte um Prüfung der Vorwürfe gegen den Namensgeber des Jöttenweges gebeten sowie einen Bericht über die Straßennamen angefordert, deren Namensgeber in die Unrechtstaten bzw. Kriegsverbrechen des Nationalsozialismus verstrickt waren. Diese Prüfung führte zu einem Auftrag an den Historiker Dr. Schmidt, der die Namensgeber der Straßen im Stad tbezirk Mitte a uf deren Verstrickung in die Unrechtst aten des NS -Regimes überprüfen sollte. In seinem Gutachten b e- nannte Dr. Schmidt 29 Personen, die er in 4 Kategorien eingeteilt hatte: Vorlagen-Nr.: V/0367/2012 Auskunft erteilt: Herr Zimmermann Ruf: 492 62 42 E-Mail: ZimmermannBernhard@stadt-muenster.de Datum: 11.05.2012 Öffentliche Beschlussvorlage - 2 - V/0367/2012 Kategorie 1: keine Nähe zum NS-Regime Kategorie 2: Haltung zum NS-Regime nicht eindeutig Kategorie 3: Aktive Stützen des NS-Regimes Kategorie 4: Beteiligung an Kriegsverbrechen oder Unrechtstaten Während in der Kategorie 4 keine Namensgeber auf Münsters Straßenschildern vorha nden sind, sind es in der Kategorie 3 nach dem Gutachten Schmidt 7 Personen (Franz Ludwig, Ludwig Hum- borg, Karl Wilh. J ötten, Hans Pfitzner, Alfred Stühmer, Karl Wagenfeld und Agnes Miegel), d avon liegt jedoch die Agnes -Miegel-Straße im Stadtbezirk Ost. Ein weiterer Prüfauftrag des Oberbü r- germeisters an das Stadtarchiv zu den Straßennamen im übrigen Stadtgebiet ergab drei weitere Namensgeber in der Kategorie 3 aus dem Stadtbezirk Münster -Ost. Darüber hinaus hatte der Ratsantrag der SPD-Fraktion vom Januar 2008 zur Umbenennung des Hindenburgplatzes die D e- batte um Straßennamen sehr stark in die Öffentlichkeit getragen. Nach der Kommunalwahl 2009 hat der erweiterte Ältestenrat des Rates beschlossen, eine Kom- mission unter der Leitung des Oberbürgermeisters einzusetzen, der alle im Rat vertretenen Partei- en und die Historiker Prof. Dr. Thamer und Prof. Dr. Kenkmann angehören sollten. Diese Kommission sollte über die zehn Personen der Kategorie 3 (dazu Diem und Hinde nburg) also über zwölf Namensgeber beraten. Im Vordergrund des Prüfauftrags stand nicht die Bewertung der gesamten Lebensleistung dieser Personen, sondern ob und inwieweit die Namensgeber das NS-Regime gestützt ha ben. Außer der Beratung über historische Fakten sollte die Kommission den entscheidungsbefugten Gremien (Rat und Bezirksvertretungen) ihre Empfehlung mitteilen, ob die Ehrung durch den Straßennamen nach wie vor angemessen sei und eine Umbenennung statt- finden solle oder nicht. Nach Abschluss der Kommissionsarbeit hat der erweiterte Ältestenrat die Ergebnisse und Empfeh- lungen der Kommission am 07.07.2011 entgegengenommen und die Verwaltung beauftragt, diese Ergebnisse in einer breit angelegten Informations- und Kommunikationsphase zu veröffentlichen. Zusätzlich sollte die Verwaltung eine repräsentative Bürgerumfrage zur Frage der „Ehrung“, die mit der Benennung einer Straße nach einem Namensgeber verbunden ist, dur chführen. Diese Bürge- rumfrage sollte eine zusätzliche Informationsquelle für die Diskussion in den Gremien bilden, diese aber nicht binden. Die Informations- und Kommunikationsphase hatte zum Ziel, über die Ergebnisse der Kommission zu informieren. Insbeso ndere sollte die auf neuen Erkenntnissen der historischen Forschung b a- sierende Einschätzung der Kommission zu den Namensgebern vermittelt werden, da diese E r- kenntnisse vermutlich in weiten Teilen der Bürgerschaft nicht bekannt sind. Im Vordergrund der Inf ormation sollte daher nicht die gesamte Lebensleistung der Namensgeber stehen, sondern sollten insbesondere die neuen historischen Fakten stehen, nach denen die N a- mensgeber nach heutiger Bewertung nicht mehr als Vorbilder dienen können und eine Ehrung nicht verdient haben. Die Information der Öffentlichkeit erfolgte unter dem Motto „Ehre, wem Ehre gebührt?!“ - mit einer neuen Internetseite auf der Homepage der Stadt unter www.muenster.de/stadt/strassennamen, freigeschaltet seit 21.12.2011 - mit der Ausstellung „Widerstände im Münsterland“ in der Bürgerhalle des Rathauses vom 19.11. - 21.12.2011 - mit der Ausstellung „Ehre, wem Ehre gebührt ?!“ in der Bürgerhalle des Rathauses vom 26.01. - 16.03.2012 - 3 - V/0367/2012 - mit einer Eröffnungsveranstaltung zur Ausstellung „Ehre, wem Ehre gebührt?!“ am 25.01.2012 im Rathaus-Festsaal - mit zwei Informationsveranstaltungen in den Stadtbezirken Ost und Mitte am 26.01.2012 und 09.02.2012 - mit einer Podiumsdiskussion „Ehre, wem Ehre gebührt?! - Geschichte und Verantwortung in einer demokratischen Gesellschaft“ mit prominenten Podiumsteilnehmern am 29.02.2012 im Rathaus-Festsaal Ergebnisse der Bürgerumfrage Die repräsentative Bürgerumfrage wurde vom Amt für Stadtentwicklung, Sta dtplanung, Verkehrs- planung in der Zeit vom 25.01. - 15.02.2012 durchgeführt. Es wurde unter anderem die Frage g e- stellt: „Sind Sie generell dafür, Personen mit besonderer zeitgeschichtlicher Bedeutung durch B e- nennung von Straßen, Wegen und Plätzen in Münster zu ehren?“ Knapp 70 Prozent der Antworten lauteten „Ja“. Auf die weitere Frage „Es gibt - neben dem Hindenburgplatz - noch weitere Anträge aus Bürge r- schaft und Politik zur Umbenennung von Straßen und Wegen: Was würden Sie vorschlagen, wenn sich deren Namensgeber/innen nach neueren quellengestützten Forschungsergebnissen als Stü t- zen des NS -Regimes erwiesen haben?“ sprachen sich knapp 40 Prozent der Befragten für eine Umbenennung aus. Die einzelnen Umfrageergebnisse sind in Anlage 1 beigefügt. Empfehlung der Kommission Straßennamen zur Pfitznerstraße Die Kommission hat in ihrer abschließenden 4. Sitzung am 15. Juni 2011 zusammengefasst fo l- gende Empfehlungen abgegeben: "Die Kommission empfiehlt einstimmig die Umbenennung der Pfitznerstraße. Ausschlagge- bend für die Empfehlung der Umbenennung war die Bewertung, dass der Komponist und Diri- gent Hans Pfitzner eine Stütze des NS-Regimes im Bereich Kultur war und die höchsten Wür- den erreicht hat, die man in der NS-Kulturpolitik erreichen konnte." Die im Folgenden angeführte Begründung für die Umbenennung ist dem vom Stadtarchiv aufberei- teten Internetangebot „Ehre wem Ehre gebührt!?“ entnommen. Pfitznerstraße Die Pfitznerstraße wurde 1961 benannt nach dem Komponisten und Dirigenten Hans Pfitzner, * 05.05.1869 in Moskau † 22.05.1949 in Salzburg Hans Pfitzner und der Nationalsozialismus Politische Mitgliedschaften 1936: Ernennung zum Reichskultursenator Seit September 1942: Mitglied der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt - 4 - V/0367/2012 "Deutschester aller lebenden Komponisten" Pfitzner fühlte sich von den Mächtigen des nationalsozialistischen Regimes nicht ausreichend wahrgenommen und hofiert. Er schrieb zahlreiche Briefe, in denen er Werbung für sich als den "deutschesten aller lebenden Komponisten" machte. (Adamy Bd. 1, Brief Nr. 592) So bedauerte Pfitzner in einem Brief an Staatskommisar Hinkel vom 6.9.1933 dessen Fernbleiben von einer Neuinszenierung des "Palestrina". Der Komponist war davon ausgegangen, dass die Inszenierung "ein Ereignis bilden würde gerade für das neue Deutschland, dem ich durch mein Leben, Schaffen, Wirken und Schreiben geistig schon angehört hatte, längst ehe es auch nur g e- ahnt werden konnte." (Adamy Bd. 1, Brief Nr. 604). Einige Male wandte sich Pfitzner auch an Hitler persönlich und warb für seine In szenierungen. Einen Brief vom 21.11.1933 schloss er mit den Worten: "Ich glaube nicht, dass Sie es bereuen würden, mich durch eines meiner großen Werke kennenzulernen und darf wohl glauben, dass ich es verdiene, von Ihnen gekannt zu sein. Mit Verehrung und Bewunderung, Hans Pfitzner." (Busch, S. 139). Pfitzner komponierte keine Werke in eindeutiger NS -Linie, aber er setzte seine Kompositionen bewusst im Sinne der herrschenden Weltanschauung in Szene, was insbesondere für seine 1921 entstandene "Kantate von deutscher Seele" gilt. Er scheute sich nicht, in den besetzten Gebieten, vor allem im polnischen Generalgouvernement aufzutreten und wohnte auch mehreren Inszeni e- rungen seines "Palestrina" im besetzten Ausland bei, z.B. in Paris im Jahr 1942. Einen Klavieraus- zug seines Hauptwerkes widmete er 1934 "seiner Excellenz Benito Mussolini". In der Zeit des Nationalsozialismus erhielt der Komponist eine ganze Reihe von Ehrungen. Sein Name erschien sogar auf einer Sonderliste Hitlers der drei wichtigsten Musiker der "Gottbegnade- ten-Liste" (Klee, S. 456). Dennoch blieb insgesamt die Aufmerksamtkeit, die die Mächtigen des Regimes – vor allem Hitler und Goebbels – dem Komponisten entgegen brachten, weit hinter dem zurück, was Pfitzner sich erhofft hatte. "Das unsterbliche Verdienst unseres Führers Adolf Hitler" Zu verschiedenen Anlässen ließ die NSDAP Wahlen und Abstimmungen durchführen, um den Schein einer demokratischen Legitimation zu wahren. Pfitzner beteiligte sich mehrfach mit öffentl i- chen Aufrufen an der Wahlpropaganda des Regimes. So zum ersten Mal bei der Volksabstimmung im August 1934 als Hitler nach dem Tod Hindenburgs auch das Amt des Reichspräsidenten übe r- tragen werden sollte. Zur Reichstagswahl 1936 pries Pfitzner in der Presse "das unsterbliche Verdienst unseres Führers Adolf Hitler, dessen Weitblick zu folgen die einfache Pflicht jedes Deutschen ist. Darum ihm am 29. März unsere Stimme!" (Völkischer Beobachter vom 27.03.1936, S. 8). Einen ähnlichen Aufruf ve r- fasste Pfitzner vor der Volksabstimmung über den " Anschluss" Österreichs 1938, denn: "Die Ver- einigung Deutschlands und Österreichs war schon immer mein Wunsch!" (Berliner Lokal-Anzeiger vom 05.04.1938). Mit zunehmender Dauer der nationalsozialistischen Herrschaft und nach Au s- bruch des Krieges veröffentlic hte er keine Sympathiebekundungen für das Regime mehr. Als er jedoch 1942 zu einem Beitrag für das Buch "Wir stehen und fallen mit Adolf Hitler" aufgefordert wurde, widersetzte er sich nicht (Busch, S. 147). Es sind jedoch auch öffentliche, abwertenden Bem erkungen oder Witze Pfitzners über Hitler übe r- liefert, die über das rein Anekdotische hinausgehen (Busch, S. 353). Pfitzner scheint keine vol l- kommen konsequente Position zum Dritten Reich eingenommen zu haben. - 5 - V/0367/2012 Antisemitismus Antisemitische Äußerungen Pfitzners liegen vor der NS -Zeit, während aber auch noch nach 1945 vor. Bereits 1919 schrieb der Komponist, dass "deutsche Arbeiter, deutsches Volk sich von ru s- sisch-jüdischen Verbrechern anführen ließen". (Pfitzner 1926, S. 244). So konnte Pfitzner in einem Interview 1933 über sich behaupten: "Ich habe Zeit meines Lebens in diese Kerbe gehauen, die heute als theoretische Voraussetzung der nationalsozialistischen Weltanschauung gilt." (N.N., S. 193). In seinem Antisemitismus unterschied Pfitzner jedoch allgemein zwischen dem Judentum und jüdi- schen Individuen. So setzte sich der Komponist während der nationalsozialistischen Herrschaft wiederholt für jüdische Freunde ein. Er schrieb Briefe wie jenen an den Stadtverordneten Heinrich König zu Gunsten seines Schülers Felix Wolfes, der ein ausgezeichneter Musiker und Dirigent sei "obgleich er Jude ist" (Adamy Bd. 1, Brief Nr. 589). Eine Kopie des Briefes schickte Pfitzner direkt an Adolf Hitler. Auch in den späteren Jahren des NS -Regimes solidarisierte sich Pfitzner mit ähnli- chen Schreiben und Empfehlungen mit verfolgten jüdischen Menschen aus seinem Bekannte n- kreis (Busch, S. 120). Abgesehen von diesen Einzelfällen war Pfitzners Interesse am Umgang der Nationalsozialisten mit Juden im Allgemeinen nicht besonders ausgeprägt (Busch, S. 371). Dass seine Freundschaften zu jüdischen Menschen seinen generellen, rassistischen Antisemitismus nicht veränderten, zeigte sich spätestens nach 1945. "Polenschlächter" Hans Frank als Förderer Der Komponist pflegte ein durchaus freundschaftliches Verhältnis zu Hans Frank, der als General- gouverneur in Krakau verantwortlich für die Ermordung zehntausender Menschen war und als "Po- lenschlächter" bekannt wurde. Unter den mächtigen Vertretern des Dritten Reiches scheint Frank einer der größten Verehrer und Förderer Pfitzners gewesen zu sein. (Busch, S. 243) Mindestens drei Besuche Pfitzners im Generalgouvernement sind belegt. Ein erster, bei dem er im November 1942 den Wartheländischen Kulturpreis erhielt, ein zweiter im Juli 1944 sowie ein dritter im November/Dezember desselben Jahres. Für diesen letzten hatte Pfitzner die "Krakauer Begrü- ßung" komponiert, die er Hans Frank widmete und die am 2.12.1944 in Krakau aufgeführt wurde. Hans Frank wurde im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess angekla gt, 1946 verurteilt und hingerichtet. Pfitzner, der sich dem Freund auch nach Ende des Krieges verbunden fühlte, sandte ihm im Oktober 1946 ein Telegramm ins Gefängnis: "Lieber Freund Frank, nehmen Sie diesen herzlichen Gruß als Zeichen der Verbundenheit a uch in schwerer Zeit. Stets Ihr Dr. Hans Pfitzner" (Adamy Bd. 1, Brief Nr. 949) Hans Pfitzner nach 1945 "Das Weltjudentum ist ein Problem" Nach dem Ende des Krieges fand sich Pfitzners Name kurzzeitig auf der von den Amerikanern erstellten "schwarzen Liste", einer Liste mit Namen von Künstlern, die das Münchener oder sogar deutsche Kunstleben aktiv (oder gar gewaltsam) im Sinne des NS -Regimes umgestaltet hatten. Die Amerikaner belegten ihn zwar mit keinem generellen Aufführungs - und Publikationsverbot. (Busch: S. 345). Jedoch wurden seine Einnahmen aus der STAGMA (Vorläuferin der GEMA) vo r- erst gesperrt. Im Spruchkammerverfahren im Frühjahr 1948 wurde der Künstler dann freigespr o- chen mit der Begründung, er sei "vom Gesetz [zur Entnazifizierung] nicht betroffen". - 6 - V/0367/2012 Zwei zentrale Dokumente zeigen, wie wenig Pfitzner anscheinend nach 1945 Abstand von alten Ideologien und Feindbildern nahm. Zum einen verfasste er die "Glosse zum II. Weltkrieg", in der er den Zweiten Weltkrieg als unausweichliche Folge einer "Lügen- und Greuelpropaganda" gegen Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg darstellte. Pfitzner schrieb, er glaube "heute noch an die bona fides, den guten Glauben Hitlers" . Jener habe richtig gehandelt, Europa von den Juden b e- freien zu wollen, denn "das Weltjudentum ist ein Problem" . Lediglich die stümperhafte Durchfü h- rung seiner Ideen könne man Hitler vorwerfen. Auf keinen Fall jedoch sei es richtig, Hitler mit 'den Deutschen' gleichzusetzen, die immer noch als "edles Volk" in der Welt stünden. Eine ganz ähnliche Argumentation findet sich auch in einem Brief Pfitzners an seinen jüdischen Freund Bruno Walter, der nach New York emigriert war. Auf dessen Nachfrage, wie es ihrem g e- meinsamen Freund Cossmann ergangen sei, hatte Pfitzner geantwortet, er sei verstorben "an ei- ner Krankheit im Krankenhause in Theresienstadt unter guter, ärztlicher Behandlung." Anderslau- tenden "Greuelmärchen" solle Walter keinen Glauben schenken. Als dieser in seinem Antwortbrief betonte, dass die schrecklichen Geschichten aus den Konzentratio nslagern bei weitem keine Mär- chen seien, setzte Pfitzner zu einer weitschweifenden Rechtfertigung an. Er stellte den Zweiten Weltkrieg als unausweichliche Folge der Demütigung Deutschlands nach dem Ersten Weltkrieg dar. Außerdem wies er eine Verantwortung des gesamten deutschen Volkes für die "Taten und Untaten" Hitlers ab. Pfitzner versuchte, die nationalsozialistischen Gr äueltaten zu relativieren und stellte ihnen die Verbrechen, die von Russen im Krieg an der deutschen Zivilbevölkerung bega n- gen wurden, gegenüber. Auch wandte er sich gegen die amerikanischen "Kulturbomben", die nun Europa überfluteten. Er verteidigte die These, die Deutschen hätten im Krieg nur ihre Pflicht getan. Den tatsächlichen, historischen Verdiensten der deutschen "Dichter und Denker", stünde ein "nicht weiter zu erklärender Haß des Auslandes" gegenüber. Pfitzner schloss mit der Aussage, er selber bleibe Deutschland „schicksalsverbunden“, obwohl es seine wahre Größe nie erkannt habe. Zur Person Hans Pfitzner Lebenslauf 1886-1890: Studium Komposition und Klavier in Frankfurt 1892-1893: Lehrtätigkeit am Koblenzer Konservatorium 1894-1907: Kapellmeister in Mainz und Berlin 1907-1908: Dirigent des Kaim-Orchesters in München 1908-1918: Leitung des Straßburger Konservatoriums und der dortigen Philharmonie 1913: Ernennung zum Professor 1917: Hauptwerk "Palestrina" 1919-1920: Dirigent der Münchener Philharmoniker 1920: Übernahme der Meisterklasse für Komposition an der preußischen Akademie der Künste in München 1934: Pensionierung - 7 - V/0367/2012 Ehrungen 1931: Beethoven-Preis der Preußischen Akademie der Künste 1934: Goethe-Medaille 1934: Goethe-Preis der Stadt Frankfurt 1935: Brahms-Medaille der Stadt Hamburg 1936: Ernennung zum Reichskultursenator 1939: Ehrenbürgerwürde der Stadt Frohburg in Sachsen 1942: Wartheländischer Kulturpreis 1943: Beethoven-Preis der Stadt Wien 1944: Dotation von Hitler über 50.000 RM 1944: Ehrenring der Stadt Wien 18.07.1961: Straßenbenennung 1994: Sondermarke der Deutschen Bundespost zum 125. Geburtstag Pfitzners Weitergehende Informationen Weitere Dokumente, Quellen- und Publikationsangaben finden sich auf der Internetseite www.muenster.de/stadt/strassennamen/ Fazit Aufgrund der einstimmigen Empfehlung der Kommission schlägt die Verwaltung die Umbenennung der Pfitznerstraße vor. Von der Umbenennung sind 30 gemeldete Einwohnerinnen und Einwohner unter 16 Hausnummern betroffen. Zur Umbenennung der Pfitznerstraße liegt der Verwaltung außerdem ein umfangreicher Schriftver- kehr mit einem Bürger vor, der sich m it zahlreichen Argumenten gegen die Entehrung Pfitzners und für den Erhalt des Straßennamens einsetzt. Zusammengefasst können die Argumente jedoch - insbesondere unter dem Aspekt der Ehrung - nach Ansicht der Verwaltung nicht überzeugen, so dass die Verwaltung empfiehlt, gemäß der Empfehlung der Kommission zu entscheiden. Anträge oder Anregungen nach § 24 Gemeindeordnung zur Umbenennung der Pfitznerstraße li e- gen darüber hinaus nicht vor. Neuer Straßenname Margarete-Moormann-Weg Entsprechend einem Vorschlag aus der Bezirksvertretung Mitte schlägt die Verwa ltung vor, die bisherige Pfitznerstraße in Margarete-Moormann-Weg umzubenennen. Kurzbiographien zu Dr. Margarete Moormann finden sich in den Büchern „FrauenLeben in Münster – ein historisches L esebuch“ herausgegeben vom Arbeitskreis Frauengeschichte in Münster von der Arbeitsgemei nschaft Münsterscher Frauenorganisationen und „Frauenbilder - Geschichte(n) aus Münster“, Ardey-Verlag, 2007. - 8 - V/0367/2012 Dr. med. Margarete Moormann, *1869 - †1937, Ärztin. Geboren als viertes von acht Kindern in Werne, legte sie 1905 am Realgymnasium in Münster ihr Abitur ab. Von 1905 bis 1907 war sie als Gasthörerin an der Universität Münster eingeschrieben. Hier bestand sie im Sommer 1907 ihre ärztliche Vorprüfung. Ihr weiteres Medizinstudium führte sie in München fort, wo sie 1910 ihr Staatsexamen und das praktische Jahr in der medizinischen Poliklinik München ablegte. 1911 promovierte sie mit der Arbeit „Klinischer Beitrag zur Actinomycose des Menschen“. Ihre Approbation als Ärztin erhielt sie am 31. Mai 1911. Dr. Margarete Moormann siedelte 1913 wieder nach Münster, wo sie als erste Ärztin eine Praxis „für Frauen und Kinder“ eröffnete. Zusätzlich gab sie an der privaten Chemieschule für Frauen Kurse für Medizinisch-Technische Assistentinnen. Angehörige der Familie Moormann in Werne wurden über die Absicht der Straßenbenennung i n- formiert. Bedenken gegen die Straßenbenennung sind nicht bekannt. In Vertretung Schultheiß Stadtdirektor Anlagen: 1 Ergebnis der Bürgerumfrage 2 Übersichtsplan
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: mehrheitlich beschlossen
Zur SitzungOrte (3)
- Margarete-Moormann-Weg
- Schlossplatz
- Agnes-Miegel-Straße
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Details
- Vorlagen-Nr.
- V/0367/2012
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 07.05.2012
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37