V/0403/2024
Handlungsempfehlungen der Projektgruppe "Ernährung: Gesundheit und Klimaschutz" der Kommunalen Gesundheitskonferenz Münster
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Berichtsvorlage
2370 Zeichen
V/0403/2024 V/0403/2024 Öffentliche Berichtsvorlage Betrifft Handlungsempfehlungen der Projektgruppe "Ernährung: Gesundheit und Klimaschutz" der Kommunalen Gesundheitskonferenz Münster Beratungsfolge 28.08.2024 Ausschuss für Soziales, Gesundheit, Verbraucherschutz und Ar- beitsförderung Bericht Bericht: In der Sitzung der Kommunalen Gesundheitskonferenz am 15.6.2022 wurde vereinbart, dass sich eine Projektgruppe mit dem Thema „Ernährung: Gesundheit und Klimaschutz“ befassen, Handlungs- empfehlungen entwickeln und an der Umsetzung der Empfehlungen mitwirken soll. Besondere Aufmerksamkeit solle dabei den folgenden vier Zielen gewidmet werden: Bewusstsein für klimagesunde Ernährung stadtweit und über alle Bevölkerungsgruppen stär- ken gesundheitliche Chancengleichheit und Teilhabe fördern ernährungsbezogene Gesundheitskompetenz stärken Gesundheitsziele durch konkrete Angebote in der Gastronomie und Gemeinschaftsverpfle- gung außerhalb von Schulen und Kitas unterstützen Die in der Projektgruppe aufbereitete Bestandsaufnahme, die daraus abgeleiteten Bedarfe sowie die in der Projektgruppe entwickelten Handlungsempfehlungen sind dem anliegenden Bericht „Ernäh- rung: Gesundheit und Klimaschutz – Handlungsempfehlungen der kommunalen Gesundheitskonfe- renz Münster“ zu entnehmen. Die Handlungsempfehlungen haben nicht den Anspruch, alle Aspekte aufzuzeigen, die zu einer Ver- besserung des Ernährungsverhaltens aller Bürger/-innen in Münster im Sinne einer klimagesunden Ernährung führen könnten. Vielmehr wurden Schwerpunkte gesetzt, bei denen aus Sicht der Projekt- gruppe die Notwendigkeit für impulsgebende Empfehlungen besonders hoch eingeschätzt und keine Parallelstrukturen aufgebaut werden. Die Handlungsempfehlungen wurden in der Sitzung der Kommunalen Gesundheitskonferenz am 26.6.2024 einvernehmlich verabschiedet. Die Verwaltung wird ggf. die für die Maßnahmenumsetzung notwendigen Entscheidungen der politischen Gremien einholen. Gesundheits- und Veterinäramt 04.07.2024 Ihr/e Ansprechpartner/in: Frau Heitkötter Telefon: 492-5388 Heitkoetter@stadt- muenster.de - 2 - V/0403/2024 In Vertretung gez. Cornelia Wilkens Stadträtin Anlagen: Anlage A Handlungsempfehlungen „Ernährung: Gesundheit und Klimaschutz“ der Kommunalen Gesundheits- konferenz Münster
2024-06-26_Handlungsempfehlungen_PG_Ernährung
64738 Zeichen
Ernährung: Gesundheit und Klimaschutz
Handlungsempfehlungen der Kommunalen
Gesundheitskonferenz Münster
verabschiedet am 26. Juni 2024
2
Inhaltsverzeichnis
Projektgruppe Ernährung: Gesundheit und Klimaschutz ................................................. 3
1.1 Mitglieder der Projektgruppe .................................................................................. 3
1.2 Gäste .................................................................................................................... 3
1.3 Koordination und Redaktion – Ansprechpartnerin .................................................. 3
Einführung ...................................................................................................................... 4
Leitlinien der Projektgruppe ............................................................................................ 5
3.1 Ziele der Projektgruppe ......................................................................................... 5
3.2 Grundsätze ............................................................................................................ 6
3.3 Definierte Zielgruppen / Settings ............................................................................ 6
Bedarfe und Handlungsempfehlungen ............................................................................ 6
4.1 Regionale Vernetzung / Stärkung .......................................................................... 6
4.1.1 Handlungsempfehlung: (Weiter)-Entwicklung eines nachhaltigen
Ernährungssystems für Münster .................................................................... 7
4.1.2 Handlungsempfehlung: Runder Tisch Landwirtschaft – Außer-Haus-
Verpflegung (AHV) ........................................................................................ 8
4.2 Gestaltung des öffentlichen Raums ....................................................................... 9
4.2.1 Handlungsempfehlung: Kampagne zur Förderung des Konsums von Trink-
und Leitungswasser .................................................................................... 10
4.2.2 Handlungsempfehlung: Ausbau von Trinkwasserspendern und -brunnen im
öffentlichen Raum ....................................................................................... 10
4.2.3 Handlungsempfehlung: Ausbau von Refill-Stationen in und um Münster ..... 11
4.3 Fort- und Weiterbildung für Küchenleitungen und Betriebe ...................................11
4.3.1 Handlungsempfehlung: Aktionstag „Münster nachhaltig, gesund und
lecker“ ......................................................................................................... 12
4.3.2 Handlungsempfehlung: Gruppencoaching „Klimaschutz- und
Nachhaltigkeitsstrategien in der Gemeinschaftsverpflegung konstruktiv
umsetzen“ ................................................................................................... 12
4.4 Angebote für vulnerable Zielgruppen ....................................................................13
4.4.1 Handlungsempfehlung: Bildung für nachhaltige Entwicklung - Zukunftsdiplom
für Kinder verstetigen und um gesundheitliche Themen erweitern ............... 14
4.4.2 Handlungsempfehlung: Angebotserweiterung in Stadtteilen mit besonderen
sozialen Herausforderungen – Projekt „Gesunde Ernährung im HOT
Coerde“ ....................................................................................................... 15
4.4.3 Handlungsempfehlung: Angebotserweiterung in Stadtteilen mit besonderen
sozialen Herausforderungen – Projekt „Gemeinsam Essen retten und
gesund genießen“ ....................................................................................... 15
4.4.4 Handlungsempfehlung: Bildungsangebote für Fachkräfte im Sozial-,
Bildungs- und Gesundheitswesen – Bildungsarbeit mit einem mobilen
Kochfahrrad ................................................................................................. 16
4.4.5 Handlungsempfehlung: Ausbau von Fairteilern in Münster .......................... 16
4.4.6 Handlungsempfehlung: Struktur(weiter-)entwicklung zum Retten von
Lebensmitteln in Stadtteilen/ -räumen mit besonderer Sozialstruktur ........... 17
4.4.7 Handlungsempfehlung: Bestandsanalyse zur Verpflegung in Kitas, Schulen,
Kantinen, Krankenhäusern .......................................................................... 18
Fazit ..............................................................................................................................19
3
Projektgruppe Ernährung: Gesundheit und Klimaschutz
1.1 Mitglieder der Projektgruppe
Name Institution
Diedenhofen, Jeanette Stadt Münster, Gesundheits- und Veterinäramt bis 02/2024
Freese, Sonja Caritasverband für die Stadt Münster e.V. bis 12/2023
Geuking, Katharina
(Sprecherin)
Die Linke Ratsfraktion Münster
Heitkötter, Merle Stadt Münster, Gesundheits- und Veterinäramt
Kempe, Brigitte Stadt Münster, Gesundheits- und Veterinäramt ab 02/2024
Krone, Yannis Stadt Münster, Stabsstelle Klima
Liedmeyer, Gabriele Stadt Münster, Volkshochschule ab 12/2023
Lütke Brintrup, Henrik Kreisverband Münster des Westfälisch-
Lippischen Landwirtschaftsverbandes e.V.
ab 08/2023
Reh, Stefan Foodsharing Münster
Ringbeck, Anna Stadt Münster, Volkshochschule bis 11/2023
Ritter, Guido Ernährungsrat Münster;
FH Münster – Institut für Nachhaltige
Ernährung (iSuN)
ab 08/2023
Scholthaus, Frank Internationale Fraktion Die PARTEI/ÖDP
Stahl, Lisa Ernährungsrat Münster ab 08/2023
Voß, Thomas
(Sprecher)
LWL-Klinik Münster
1.2 Gäste
Name Institution
Anand, Dr. Corinna health.pro.fit – powered by science
Höper, Jutta Stadt Münster, Amt für Grünflächen, Umwelt und
Nachhaltigkeit
Kanand, Christine Öko-Modellregion Münsterland
Schmitz, Marianne Anna-Krückmann-Haus Münster
Wesbuer, Lisa Haus der offenen Tür (HOT) Coerde der offenen
Kinder- und Jugendarbeit des Ev. Kirchkreises
1.3 Koordination und Redaktion – Ansprechpartnerin
Diedenhofen, Jeanette (bis 02/2024)
Heitkötter, Merle (ab 03/2024)
Gesundheits- und Veterinäramt
Tel. 0251/ 492-5388; E-Mail: Heitkoetter@stadt-muenster.de
4
Einführung
Die Weltgesundheitsorganisation WHO beschreibt den Klimawandel als größte Bedrohung
der globalen Gesundheit im 21. Jahrhundert und auch für die Vereinten Nationen (UN) ist
eine nachhaltige Entwicklung ohne Berücksichtigung der Bevölkerungsgesundheit nicht
denkbar.
Unsere Ernährung hat dabei vielfältige Auswirkungen in den Dimensionen Gesundheit,
Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft und ist ein Schlüsselbereich für nachhaltige
Entwicklung. Sie stellt einen wichtigen Einflussfaktor für nichtübertragbare Krankheiten, wie
bspw. Adipositas, Diabetes Mellitus oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen dar. Die Wissenschaft
ist sich einig, dass aktuell weit verbreitete Ernährungsmuster einseitiger Kost das Risiko für
Krankheiten und vorzeitigen Tod erhöhen. Der Lancet Countdown Bericht 2020 für Deutsch-
land legt dar, dass etwa elf Prozent der vermeidbaren Krankheitslast in Deutschland auf
ernährungsbezogenen Risikofaktoren beruhen und sieben Prozent der direkten Gesund-
heitskosten mit dem übermäßigen Konsum von gesättigtem Fett, Salz und Zucker in
Zusammenhang stehen.1
Gleichzeitig sind die heutigen Ernährungssysteme laut dem Weltklimarat (IPCC2) für 21-37 %
der gesamten Treibhausgasemissionen verantwortlich (2019)3. Der aktuell erschienene
6. Sachstandsbericht der IPCC bündelt die Erkenntnisse der letzten Jahre zum Klimawandel
nochmals dahingehend, dass die menschengemachten Treibhausgase hauptverantwortlich
für die globale Erwärmung und den beobachteten Klimawandel sind. Der menschliche
Einfluss ist entsprechend laut diesem Bericht nicht nur der wesentliche Treiber für die
Erwärmung des Klimasystems, sondern auch für die Zunahme von Extremwetterereignissen.
Angesichts des Ausmaßes der Krankheits- und Umweltlast, die auch auf die Ernährung
zurückzuführen ist, zeigt sich, dass „bestehende Interventionen sehr eingeschränkt sind und
es dringend erforderlich ist, neuartige Interventionen für das Lebensmittelsystem zu
entwickeln“.4 Man benötigt umfangreiche Veränderungen in verschiedenen Bereichen des
Lebensmittel- und Ernährungssystems auf globaler, nationaler und regionaler Ebene, um die
Ernährung zu verbessern. Nachhaltige Ernährungssysteme sind erforderlich, die weltweit auf
dem Zugang zu gesunder Ernährung für alle, auf nachhaltiger Landwirtschaft, auf Kreislauf-
wirtschaft und auf der Herstellung gerechter Lebensbedingungen beruhen.
Bereits 2019 deklarierte die WHO in Rom, dass eine nachhaltige und gesunde Ernährung
aus Ernährungsmustern bestehe, die alle Aspekte der Gesundheit und des Wohlbefindens
einer Person fördern, geringe Auswirkungen auf die Umwelt haben und wenig Umwelt-
belastung verursachen sowie verfügbar, bezahlbar, sicher und fair sind sowie kulturell
akzeptiert werden.
Die Art und Weise, wie und was wir essen, stellt demnach eine Schlüsselrolle für die Trans-
formation unseres Ernährungs- und Gesundheitssystems dar. Die Lebensmittelwahl und
-verwertung jedes und jeder Einzelnen spielt für die individuelle Gesundheit und den Umwelt-
schutz eine wichtige Rolle.
1 Eckert (2020). Lancet Countdown on Health and Climate Change – Die Klimakrise macht keine Pause.
Deutsches Ärzteblatt, 117, 2455-2456. [https://www.aerzteblatt.de/pdf.asp?id=217086, Zugriff: 26.4.2020]
2 Der IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change), auch Weltklimarat genannt, ist eine Institution der
Vereinten Nationen. Er ist keine Forschungseinrichtung, sondern gleichzeitig ein zwischenstaatlicher Ausschuss
von Regierungen und ein wissenschaftliches Gremium.
3 IPCC (2019). Climate Change and Land: an IPCC special report on climate change, desertification, land
degradation, sustainable land management, food security, and greenhouse gas fluxes in terrestrial ecosystems.
[https://www.ipcc.ch/site/assets/uploads/2019/11/SRCCL-Full-Report-Compiled-191128.pdf, Zugriff: 26.4.2023]
4 GBD 2017 Diet Collaborators (2019). Health effects of dietary risks in 195 countries, 1990–2017: a systematic
analysis for the Global Burden of Disease Study 2017. Lancet, 393, S. 1958-1972.
[https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0140673619300418, Zugriff: 26.4.2023]
5
Qualitäten wie Saison- und Regionalität, Erhöhung des bio- und pflanzenbasierten Anteils
von Speisen, Zuckerreduktion, weniger Salz, Konsum von Leitungswasser und die Lebens-
mittelabfallreduktion spielen dabei z.B. eine wesentliche Rolle, wenn es um die Ernährungs-
wende geht.
Ziel einer nachhaltigen und gesunden Ernährung soll es demnach sein, ein optimales
Wachstum und die bestmögliche Entwicklung aller Personen zu erreichen sowie die Funktion
und das körperliche, psychische und soziale Wohlbefinden in allen Lebensphasen der
gegenwärtigen und künftigen Generationen zu begünstigen; zur Vorbeugung aller Formen
der Fehlernährung (d. h. Unterernährung, Mikronährstoffmangel, Übergewicht und
Adipositas) beizutragen, das Risiko von ernährungsmitbedingten nichtübertragbaren
chronischen Erkrankungen zu verringern sowie die Erhaltung der Biodiversität und die
Gesundheit des Planeten zu unterstützen.
Nachhaltige und gesunde Ernährungsformen müssen also alle Aspekte der Nachhaltigkeit
vereinen, um unbeabsichtigte Konsequenzen zu vermeiden.
Mehr denn je ist es notwendig, dass die gesunde Wahl zur leichten Wahl wird - im Alltag und
in den verschiedenen Lebensphasen von Schwangerschaft und Kleinkindalter, Kita und
Schule, Freizeit und Arbeit bis ins höhere Alter.
In ihrer Sitzung vom 15. Juni 2022 beschloss die kommunale Gesundheitskonferenz (KGK)
Münster auf Vorschlag des Gesundheits- und Veterinäramtes sich des Themas anzunehmen
und eine Projektgruppe unter dem Titel „Ernährung: Gesundheit und Klimaschutz“ mit dem
Jahresthema zu beauftragen.
Gemeinsam mit Vertreter*innen der kommunalen Gesundheitskonferenz sowie weiteren
themenrelevanten Akteuren wurden kommunale Handlungsfelder identifiziert, Handlungs-
empfehlungen definiert und konkrete Projekte angeschoben und teilweise bereits umgesetzt.
Die Projektgruppe tagte seit 2022 regelmäßig in insgesamt neun Sitzungen.
Die nachfolgend formulierten Handlungsempfehlungen haben keinen Anspruch auf
Vollständigkeit und stellen nur einen Ausschnitt der möglichen Handlungsfelder und
notwendigen Handlungsbedarfe dar. Aufgrund der Vielzahl an möglichen und tätigen
Akteuren in Münster weist die Projektgruppe darauf hin, dass in der beschränkten Laufzeit
auch nicht alle beteiligt und berücksichtigt werden konnten. Aus unterschiedlichen Gründen
wie der zeitlich befristeten Kooperationsmöglichkeit mit relevanten Akteuren wurde teilweise
bereits mit der Umsetzung der Handlungsempfehlungen begonnen.
Leitlinien der Projektgruppe
3.1 Ziele der Projektgruppe
Die Projektgruppe definierte für ihre Arbeit folgende übergeordnete Ziele:
Bewusstsein für klimagesunde Ernährung stadtweit und über alle Bevölkerungs-
gruppen stärken
gesundheitliche Chancengleichheit und Teilhabe fördern
ernährungsbezogene Gesundheitskompetenz stärken
Gesundheitsziele durch konkrete Angebote in der Gastronomie und Gemeinschafts-
verpflegung außerhalb von Schulen und Kitas unterstützen
Zusätzlich wurden folgende Teilziele ergänzt:
Ernährung als Thema in Münster stärker platzieren
Öffentlichkeitsarbeit forcieren
Politik sensibilisieren
Akteure vernetzen, Aktionen, Ideen und Maßnahmen bündeln
vollständige Lieferantenkette in den Blick nehmen
Fleischkonsum in der Gemeinschaftsverpflegung reduzieren
6
Fachkräftemangel in der Lebensmittelbranche entgegenwirken
Bedeutung einer ausgewogenen, gesunderhaltend angelegten Verpflegung in
Krankenhäusern und Betrieben bei der Personalgewinnung (aufgrund des
bestehenden Fachkräftemangels) hervorheben
3.2 Grundsätze
Als Faktoren einer klimagesunden Ernährung wurden von der Projektgruppe folgende
Grundsätze festgelegt:
Fleischreduktion / DGE / Planetary Health Diet
biologisch / ökologisch
regional / saisonal
ursprüngliche Lebensmittel / wenig Convenience
Trinkwasser / Leitungswasser
Zucker- und Salzreduktion – Geschmackssensibilisierung
Lebensmittelabfälle reduzieren
klimaförderliche Lebensmittelverpackung (Gebindegrößen, Mehrweg, etc.)
energiearme Zubereitung
3.3 Definierte Zielgruppen / Settings
Neben dem Ziel, die breite Öffentlichkeit zu erreichen, wurden folgende Zielgruppen und
Settings für die Bedarfsermittlung und Formulierung von Handlungsempfehlungen als
besonders relevant identifiziert:
Krankenhäuser / Pflegeeinrichtungen / Wohneinrichtungen
Betriebsgastronomie
Caterer
Essen auf Rädern
Vulnerable Personengruppen, Zugang z.B. über
o Foodsharing Münster
o Stadtteilküchen / Stadtteilzentren
o Tafel
o Wohnungslosenhilfe
Bedarfe und Handlungsempfehlungen
4.1 Regionale Vernetzung / Stärkung
Da ein Großteil an Innovation und Wandel im Bereich der nachhaltigen Ernährung auf lokaler
und regionaler Ebene stattfindet, sollte nach Ansicht der Mitglieder der Projektgruppe hier
vorrangig angesetzt werden.
Der Fokus sollte hierbei auf einem ganzheitlichen Ansatz liegen, um eine möglichst große
Wirkung zu erzielen. Bausteine sollten dabei beispielsweise sein:
Programme zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen
Beschaffung gesunder und nachhaltiger Lebensmittel für öffentliche Kantinen
Kampagnen zur Förderung von Verhaltensänderungen hin zu einer gesunden
Ernährung
Schaffung urbaner Gärten, Gründerhöfe, Food Hubs und Bauernmärkte
Stärkung der regionalen Produktion und Verarbeitung sowie des regionalen Absatzes
durch Ansätze wie das Münsterland-Siegel oder die Öko-Modellregion Münsterland
Rahmenbedingungen zur Unterstützung von Initiativen für kurze Lieferketten
Stärkung agrarökologischer Entwicklungspläne
Einbeziehung der Ernährung in die Stadtplanung und -entwicklung
Stärkung der Verbindungen zwischen Stadt und Land
7
4.1.1 Handlungsempfehlung: (Weiter)-Entwicklung eines nachhaltigen
Ernährungssystems für Münster
Die Stadt Münster setzt sich bereits heute für ein nachhaltigeres, gesundes Ernährungs-
system ein. So wurde im Rahmen der „Nachhaltigkeitsstrategie Münster 2030“ vom Rat der
Stadt Münster eine Reihe von strategischen und operativen Zielen für ein nachhaltigeres
Ernährungssystem beschlossen, u.a.
den Aufbau regionaler (Bio-)Wertschöpfungsketten zu unterstützen,
die Verpflegung in städtischen Kantinen, Schulen und Kitas zunehmend biologisch,
fair, regional, saisonal, vegetarisch und vegan und die städtische Beschaffung
insgesamt an nachhaltigen Kriterien auszurichten,
den Anteil der ökologischen Landwirtschaft und einer nachhaltigeren konventionellen
Landwirtschaft erheblich zu steigern und
Bildung für nachhaltige Entwicklung in allen städtischen Bereichen fest zu verankern.
Übergeordnet zu diesen Zielen soll ein Aktionsplan zu Ernährung und Vermarktung
aus der Region, urbane und ökologische Landwirtschaft partizipativ erarbeitet werden.
Die Verwaltung hatte dazu in der Ratsvorlage entsprechend kommentiert, dass diese
umfassendere Maßnahme nur umgesetzt werden könne, wenn von Beginn an zusätzliche
Ressourcen für eine Personalstelle und Sachmittel zur Verfügung gestellt werden. Die Politik
hat die Verwaltung durch Ratsbeschluss vom 17.03.2021 (V/0030/2021) beauftragt, dem
Netzwerk der Biostädte beizutreten und sich diesbezüglich um Fördermittel zu bemühen.
Ohne über zusätzliche Ressourcen zu verfügen, sind bereits einige kleinere Maßnahmen
verwirklicht, in Umsetzung oder in Planung:
Die Stadt Münster ist seit 2021 „Bio-Stadt“ und seit 2022 gemeinsam mit den
Münsterlandkreisen als Teil der Ökomodellregion Münsterland aktiv, um u.a. (bio-)
regionale Wertschöpfungsketten zu unterstützen. Gemeinsam wurde im März 2024
unter Federführung der Ökomodellregion der „Treffpunkt bioregional“ ins Leben
gerufen. An der Auftaktveranstaltung nahmen ca. 150 Vertreter*innen entlang der
Wertschöpfungskette des Münsterlandes und aus Politik, Verwaltung und weiteren
Einrichtungen teil. Zwei Arbeitsschwerpunkte sollen gemeinsam im Rahmen der rest-
lichen Förderlaufzeit intensiviert werden: „Vom Hof in den Supermarkt“ und „Küche
sucht – Hof bietet“.
Seit 2018 hat die Stadt Münster gemeinsam mit dem NABU-Münsterland „Regional-
zentrum Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE)“ ein BNE-Netzwerk mit
vielfältigen Bildungsangeboten aufgebaut und unterstützt aktiv das Schulgartennetz-
werk oder auch einzelne Schulgärten.
Seit 2021 gibt es eine städtische Förderung für urbane Gemeinschaftsgärten als Teil
einer „essbaren Stadt“; zwei Streuobstwiesen sind angepflanzt worden. Jährlich gibt
es in Kooperation mit dem Adolph-Kolping-Berufskolleg Hochbeetaktionstage mit
Neuaufstellen und Bepflanzen von Hochbeeten an weiteren Schulen.
Als ein Schlüsselprojekt der Nachhaltigkeitsstrategie wurde im Sommer 2023 die
ehemalige städtische Umweltberatung neu als Haus der Nachhaltigkeit eröffnet. Auch
sollen Verbraucher*innen vielfältige Angebote und Informationen u.a. zu Ernährungs-
themen und -akteuren vor Ort geboten werden. So ist dort derzeit ein Ansichtsregal
mit Bio-Produkten aus dem Münsterland ausgestellt.
Der städtisch geförderte Ernährungsrat Münster e.V. rief bei der Auftaktveranstaltung
„Transformation Jetzt“ Anfang 2024 zum bürgerschaftlichen Engagement auf, für ein
resilientes, gerechtes und gemeinwohlorientiertes Ernährungssystem, das durch
saisonale und regionale Lebensmittel aus fairer und ökologisch nachhaltiger
Herstellung sowie artgerechter Tierhaltung erreicht wird. In einer Projektgruppe sollen
weitere Schritte und Maßnahmen erarbeitet und umgesetzt werden.
Um eine noch breitere Masse zu erreichen und weitere regionale Projekte für eine gesunde
und nachhaltige Ernährung zu bewerben, zu erproben und zu verstetigen, hat das Amt für
8
Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit entsprechend des politischen Auftrags mehrere
Bemühungen unternommen, Fördermittel zu akquirieren. Zuletzt hat es sich in Kooperation
mit dem Institut für nachhaltige Ernährung (iSuN), der Projektgruppe sowie weiteren Koope-
rationspartner*innen am Modellregionenwettbewerb „Ernährungswende in der Region“ des
BMEL beworben. Leider verlief das Verfahren nicht erfolgreich.
Die Projektgruppe sieht die Notwendigkeit, dass Transformationsprozesse vielschichtig fort-
geführt werden und weitere Maßnahmen für ein nachhaltiges Lebensmittel- und Ernährungs-
system Münsters auf allen Ebenen und mit allen Beteiligten entwickelt werden.
Die Mitglieder der KGK werden aufgerufen, sich an den bestehenden Transformations-
prozessen zu beteiligen und diese in ihre Einrichtungen und Institutionen zu tragen.
An der Umsetzung Beteiligte:
Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit
Einrichtungen und Institutionen des Gesundheitswesens Münster
Fachhochschule Münster, Institut für nachhaltige Ernährung
Projektbeirat „Global Nachhaltige Kommune“ (GNK)
4.1.2 Handlungsempfehlung: Runder Tisch Landwirtschaft – Außer-Haus-
Verpflegung (AHV)
In Münster gibt es 316 aktive landwirtschaftliche Betriebe. 46,2 Prozent der Münsteraner
Bauernhöfe werden als Haupterwerbsbetriebe, 53,8 Prozent im Nebenerwerb geführt. Die
durchschnittliche Betriebsgröße beträgt in Münster etwa 40 Hektar Fläche pro Betrieb (Stand
2020).5 So werden vielfältig in der Region Gemüse (u.a. Spargel, Salat, Zwiebeln, Kohl),
Kartoffeln und Sonderkulturen (wie zum Beispiel Erdbeeren) angebaut.
Gleichzeitig wächst die Verpflegung außerhalb des Privathaushaltes seit vielen Jahren
immer weiter an. Auch in Zukunft wird die Außer-Haus-Verpflegung (AHV) an Bedeutung
zunehmen. Hier entsteht ein großer Hebel für den Klimaschutz. Das Ernährungsverhalten
vieler Menschen kann positiv beeinflusst werden und große Chancen und Potenziale für eine
ausgewogene und umweltschonende Ernährung sind vorhanden.
Da für den Klimaschutz der Einsatz regionaler Lebensmittel einen wichtigen Aspekt darstellt,
hat sich die Projektgruppe zum Ziel gesetzt, die regionale Wertschöpfung zu stärken und die
Vernetzung von Landwirten und Außer-Haus-Gastronomen (AHV) zu fördern. Zu diesem
Zweck wurde der Runde Tisch „Landwirtschaft – AHV“ ins Leben gerufen, an dem sich
Akteure der AHV Münsters mit Vertreter*innen des Kreisverbandes Münster des Westfälisch-
Lippischen Landwirtschaftsverbandes über mögliche Schnittstellen, Interessen, Bedarfe,
Verarbeitungsgrade, Gebindegrößen, Logistik, etc. von regionalen Produkten austauschen.
Ziel soll es sein, die regionale Direktvermarktung von Münsteraner Landwirt*innen im
Bereich der AHV weiter auszubauen und zu fördern. Ein erster Auftakttermin hat bereits
stattgefunden.
An der Umsetzung Beteiligte:
Fachhochschule Münster
Kreisverband Münster des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes e.V.
Stabsstelle Klima
5 Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband e. V. Kreisverband Münster (2022). Landwirtschaft vor Ort.
[https://wlv.de/kreisverbaende/muenster/der-kreisverband/landwirtschaft-vor-ort, Zugriff: 05.02.2024]
9
4.2 Gestaltung des öffentlichen Raums
Für Kommunen spielen die Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz in vielen ihrer Aufgaben-
bereiche eine bedeutende Rolle. Bisher noch wenig berücksichtigt sind jedoch die Auswir-
kungen der kommunalen Ernährungssysteme auf die Umwelt. Insbesondere dieses Segment
verfügt allerdings über ein hohes Potenzial.
In Münster gibt es bereits eine Vielzahl von nachhaltigen Ansätzen in Bezug auf die
Versorgung mit Lebensmitteln, die es weiter zu forcieren gilt. Hier können Urban-Gardening-
Projekte oder der klassische Wochenmarkt etc. genannt werden. Auf dieser Grundlage
können Ansatzpunkte identifiziert werden, welche gut weiter genutzt und ausgebaut werden
können, um die nachhaltige Versorgung vor Ort zu stärken.
Neben präventiven und schützenden Maßnahmen bedarf es mittlerweile jedoch auch erster
notwendiger Aktivitäten im Bereich der Klimaanpassung. Dabei spielt eine Konsum-
steigerung von Trinkwasser eine maßgebliche Rolle. Neben verhaltenspräventiven
Maßnahmen müssen auch die Verhältnisse insofern angepasst werden, dass Trink- und
Leitungswasser niedrigschwellig jederzeit zur Verfügung steht, auch im öffentlichen Raum.
Im Folgenden wird die Bedeutung der Förderung des Konsums von Trink- und Leitungs-
wasser sowohl aus Gesundheits- als auch Klimaperspektive erläutert.
Die Häufigkeit von Übergewicht und krankhafter Fettleibigkeit (Adipositas) hat in den
letzten vier Jahrzehnten – nicht zuletzt aufgrund gezuckerter Getränke – weltweit und
auch in Deutschland alarmierend zugenommen. Aktuelle Zahlen zur Häufigkeit zeigt
die zweite Welle der bundesweiten Studie des Robert Koch-Instituts zur Gesundheit
von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGs-Studie), in die von 2014 bis
2017 insgesamt 6.810 Mädchen und 6.758 Jungen im Alter zwischen drei und 17
Jahren aufgenommen wurden. Die Ergebnisse lassen erkennen: Auch aktuell leidet
fast jedes sechste Kind in Deutschland unter Übergewicht, 5,9 Prozent sind bereits
krankhaft fettleibig. In diesem Zusammenhang wird der übermäßige Konsum von
gezuckerten Getränken immer mehr als ein Hauptfaktor für die Entwicklung gesehen.
So kommen verschiedene Analysen zu dem Schluss, dass ein hoher Konsum zucker-
haltiger Getränke mit der Entwicklung von Adipositas, Diabetes mellitus Typ II und
weiteren chronischen Krankheiten in Verbindung gebracht wird6. Eine aktuelle Studie
der Universität Zürich zeigt, dass bereits handelsübliche Mengen an Frucht- und
Haushaltszucker in Softdrinks die körpereigene Fettproduktion in der Leber
verdoppeln können.7
Zusätzlich zeigt sich, dass durch die immer häufiger auftretenden Hitzewellen die
regelmäßige Flüssigkeitsaufnahme immer mehr Bedeutung hinsichtlich ihrer Wirkung
auf einen gesunden Körper und eine hohe Leistungsfähigkeit gewinnt. Wird nicht
ausreichend getrunken, wirkt sich das gravierend auf den menschlichen Körper aus
und kann schon nach wenigen Tagen zu schweren gesundheitlichen Schäden wie
Kreislauf- und Nierenversagen führen. Ältere und gesundheitlich eingeschränkte
Menschen leiden am meisten unter Hitzewellen und sind stark gefährdet. Besonders
Ältere haben häufig ein vermindertes Durstgefühl und nehmen nicht die empfohlene
Menge von mindestens täglich 1500 bis 2000 ml Flüssigkeit pro Tag zu sich. Dabei
gilt, dass gerade an heißen Tagen und bei körperlicher Belastung die Flüssigkeits-
zufuhr erhöht werden muss.
6 Mensink, G. B. M., Schienkiewitz, A., Rabenberg, M., Borrmann, A., Richter, A.,Haftenberger, M. (2018).
Konsum zuckerhaltiger Erfrischungsgetränke bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland –
Querschnittergebnisse aus KiGGS Welle 2 und Trends. Journal of Health Monitoring, 2018 3(1), 32-39.
[https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/3033/28DjTwgLSGPQ.pdf?sequence=1&isAllowed=y, Zugriff:
04.05.2023]
7 Geidl-Flueck, B., Hochuli, M., Németh, Á., Berneis, K., Spinas, G. A., Gerber, P. A. (2021). Fructose- and
sucrose- but not glucose-sweetened beverages promote hepatic de novo lipogenesis: A randomized controlled
trial. Journal of Hepatology, 75, 46–54. [https://www.journal-of-hepatology.eu/action/showPdf?pii=S0168-
8278%2821%2900161-6, Zugriff: 04.05.2023]
10
Auf Seiten des Klimaschutzes schneidet der Konsum von Trink- und Leitungswasser
ebenfalls sehr gut ab. Eine Studie von GUTcert8 vergleicht die Treibhausgas-Bilanz
von Mineral- und Trinkwasser, wonach Leitungswasser 586 mal klimafreundlicher als
stilles Mineralwasser ist. Die Gründe hierfür liegen im Wesentlichen in den vor- und
nachgelagerten Emissionen der Mineralwasserbereitstellung. Große CO2-Mengen
fallen vor allem durch die Herstellung und Entsorgung der Glas- oder PET-Flaschen
und deren Transport von der Quelle über den/ die Verbraucher*innen bis hin zum
Entsorgungs- bzw. Recyclingbetrieb an. Hier hat der Verbrauchende mit seiner
Kaufentscheidung eine enorme Möglichkeit, Einfluss auf das Klima zu nehmen. Der
Studie zufolge fallen pro Liter Flaschenwasser durchschnittlich 202,74 g CO
₂ an, für
Leitungswasser dagegen nur 0,35 g.
Trinkwasser ist also das Lebensmittel Nummer eins, dessen Konsum es gilt, im Rahmen der
Verhaltens- und Verhältnisprävention zu fördern.
4.2.1 Handlungsempfehlung: Kampagne zur Förderung des Konsums von
Trink- und Leitungswasser
Angesichts der genannten Zahlen und Entwicklungen benötigt man eine verstärkte
Präventions- und Marketingkampagne für Wasser oder ungesüßte Getränke. Zusätzlich
sollte im kommunalen Setting das Aufstellverbot für Verkaufsautomaten mit zuckerhaltigen
Erfrischungsgetränken und das Verkaufsverbot dieser Getränke in Bildungs- und
Betreuungseinrichtungen diskutiert und propagiert werden. Darüber hinaus sollten
Bemühungen zur verbesserten Produktkennzeichnung, verpflichtenden Einführung von
Grenzwerten für den Zuckergehalt in Getränken und die Einführung einer Süßgetränkesteuer
auf Bundesebene unternommen werden.
Das Gesundheits- und Veterinäramt hat im Kontext des Hitzeaktionsplans Anfang 2024 eine
großangelegte Kampagne „TrinkWasser“ mit dem Motto „Trinkwasser ist preiswert, nach-
haltig, abfallfrei, gesund, sauber, frisch und lecker – deshalb „Prost Münster!““ an Bus-
wartehäuschen gestartet. 100 Plakate hängen für ca. 12 Wochen an Buswartehäuschen.
Einer Auswertung der Plakatkampagne durch die RBL Media GmbH zufolge wurden die
Plakate ca. 32 Millionen mal gesehen, wobei dies auch mehrfach durch dieselben Personen
geschehen sein kann und man diesen Betrag somit nicht mit der Reichweite einer
Kampagne gleichsetzen kann.
Die Bemühungen sollten von allen im Gesundheits- und Bildungswesen in Eigenverantwor-
tung weitergetragen und fokussiert werden, indem diese kostenfrei Leitungswasser anbieten
und den Verkauf von zuckerhaltigen Getränken einschränken.
An der Umsetzung Beteiligte:
Einrichtungen des Gesundheits- und Bildungswesens in Münster in Eigenverantwortung
Gesundheits- und Veterinäramt
4.2.2 Handlungsempfehlung: Ausbau von Trinkwasserspendern und -brunnen
im öffentlichen Raum
Die Bereitstellung von kostenlosem Trinkwasser für die Einwohner*innen und
Besucher*innen der Stadt Münster ist ein wichtiger Beitrag zur Gesundheitsförderung und im
Rahmen des Klimaanpassungskonzeptes der Stadt. Dafür eignen sich frei zugängliche Trink-
wasserspender, z. B. Zapfhähne, Säulen und Brunnen in kommunalen Gebäuden und im
öffentlichen Raum. Strategisch geeignete Orte, um viele Menschen zu versorgen, sind z. B.
8 GUT Certifizierungsgesellschaft für Managementsysteme mbH (2020). Vergleich des CO2-Fußabdrucks von
Mineral- und Trinkwasser, Kurzbericht zur Datenerhebung und Berechnung.
[https://atiptap.org/files/studie_gutcert_pcf_wasser.pdf, Zugriff: 04.05.2023]
11
stark frequentierte Plätze, zentrale Sehenswürdigkeiten, Verkehrsknotenpunkte, Radwege
und Spielplätze.
In Münster werden bislang zwei öffentliche Trinkbrunnen (Aasee und Bremer Platz)
betrieben. Die Einrichtung öffentlicher Trinkwasserstellen sollte in der langfristigen Stadt-
planung berücksichtigt werden. Zusätzlich müssen die notwendigen finanziellen Mittel für die
Anschaffungs-, Errichtungs- und Instandhaltungs-/ Unterhaltskosten bereitgestellt werden.
Die Wartung und Instandhaltung gilt es über ausreichend geschultes Fachpersonal sicherzu-
stellen.
Anfang 2024 wurde der „Runde Tisch Trinkwasserbrunnen“ von Seiten des Gesundheits-
und Veterinäramtes initiiert, um die notwendigen Expertisen innerstädtisch zu bündeln und
gemeinsam das Ziel weiter zu verfolgen.
An der Umsetzung Beteiligte:
Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit
Gesundheits- und Veterinäramt
Stadtnetze/ Stadtwerke Münster GmbH
4.2.3 Handlungsempfehlung: Ausbau von Refill-Stationen in und um Münster
Zusätzlich zu den öffentlichen Trinkwasserbrunnen kann der Konsum von Trink- und
Leitungswasser über Refill-Stationen ergänzt werden. Als Refill-Station können sich
Geschäfte, Restaurants, Cafés und Bars, Ladenlokale, kurz alle Einrichtungen mit klaren
Öffnungszeiten selbständig registrieren lassen. Ziel der ehrenamtlich gegründeten Initiative
ist, dass überall dort, wo der Refill-Aufkleber angebracht ist, Menschen ihre mitgebrachte
Wasserflasche kostenlos mit Trinkwasser auffüllen (lassen) können.
In Münster ist Refill bereits im innerstädtischen Raum vielfach vertreten, so dass bei einem
Stadtbummel zahlreiche Möglichkeiten bestehen, sich mit Wasser zu versorgen: Allein im
Innenstadt-Bereich befinden sich rund 40 Stationen und auch in Coerde, Hiltrup und
Wolbeck ist Refill schon vereinzelt vor Ort vertreten. Alle Refill Stationen in Münster sind auf
der Internetseite von Refill zu finden.
Dieses Angebot gilt es weiter zu bewerben und auch in die äußeren Stadtteile zu transpor-
tieren. Die Projektgruppe sieht eine wichtige Handlungsempfehlung darin, dass alle
Institutionen und Einrichtungen des Gesundheits- und Bildungswesens eigenverantwortlich
prüfen, ob und inwiefern sie sich als Refill-Station registrieren können.
An der Umsetzung Beteiligte:
Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit – Haus der Nachhaltigkeit
Einrichtungen und Institutionen des Münsteraner Gesundheits- und Bildungswesens
Gesundheits- und Veterinäramt
Münster Marketing
4.3 Fort- und Weiterbildung für Küchenleitungen und Betriebe
Die Anforderungen an eine gute Verpflegung werden immer vielfältiger – Fragen, ob die
Speisen bio, vegan oder halal sind, werden immer häufiger gestellt. Dabei steht die Gemein-
schaftsverpflegung schon seit längerem, ob durch die Corona-Pandemie oder die Aus-
wirkungen des russischen Angriffskriegs, immer wieder vor ganz besonderen Herausforde-
rungen, die teilweise existenzgefährdend sind. Gleichzeitig ist die Notwendigkeit zu einer
nachhaltigen und gesunden Gemeinschaftsverpflegung allgegenwärtig. Es gilt gemeinsam
an einer zukunftsfähigen Ernährungswende in der Gemeinschaftsverpflegung zu arbeiten
und Küchen in allen Lebensbereichen, Settings und Einrichtungen zukunftsorientiert auszu-
richten.
12
Die Projektgruppe sieht ein wichtiges Ziel darin, dass Betriebe und Küchenleitungen sich für
ein ausgewogenes und klimagesundes Speisenangebot entscheiden. Hierfür sollten das
Bewusstsein und das Wissen für und über die Notwendigkeit von nachhaltiger und gesunder
Ernährung gestärkt werden. Weiterhin gilt es, den Austausch und die Vernetzung hin zu
regionalen Lieferketten auszubauen (s. auch Kapitel 4.1.2).
4.3.1 Handlungsempfehlung: Aktionstag „Münster nachhaltig, gesund und
lecker“
Die 14 Einrichtungen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) haben bereits
mehrmals in einer gebündelten Aktion am selben Tag das gleiche nachhaltige Mittags-
angebot angeboten. Im Rahmen des GeNAH-Projektes („Gerechte und nachhaltige Außer-
Haus-Angebote gestalten“) der Fachhochschule (FH) Münster wurden eine Vielzahl von
Rezepturen mit Hilfe des NAHGAST-Rechners unter den Aspekten Umwelt, Gesundheit und
fair für den Menschen optimiert und in der Praxis erprobt.
Die Projektgruppe sieht einen Gewinn darin, die Erfahrungen und Rezepturen aus diesem
Projekt über die Betriebs- und Gemeinschaftsgastronomie in Münster auszurollen. An einem
gemeinsamen Aktionstag sollen zur Förderung der gerechten und nachhaltigen
Gemeinschaftsgastronomie diese Aktionsmenüs - gesondert gekennzeichnet und beworben
- angeboten werden. Ziel ist die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken und
die Konsument*innen auf den Geschmack zu bringen.
Im Rahmen vorgeschalteter Informationsveranstaltungen und der Möglichkeit die LWL-
Kantine in Münster zu besichtigen, werden interessierte Betriebe und Anbieter aus dem
Bereich der Betriebsgastronomie und Gemeinschaftsverpflegung (u.a. Senioren-
einrichtungen, Kindertageseinrichtungen und Schulen, Studierendenwerk, Krankenhäuser)
über den Aktionstag informiert und zur Beteiligung aufgerufen.
Der Aktionstag und die Informationsveranstaltung zum Aktionstag sollen dabei möglichst
genutzt werden, um die beteiligten Kantinen / Caterer weiter zu begleiten und zu
unterstützen, um den langfristigen Transformationsprozess zu fördern und den Multiplikato-
reneffekt zu nutzen und auszubauen.
An der Umsetzung Beteiligte:
Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit
Fachhochschule Münster, Institut für nachhaltige Ernährung
Gesundheits- und Veterinäramt
LWL Klinik Münster
4.3.2 Handlungsempfehlung: Gruppencoaching „Klimaschutz- und
Nachhaltigkeitsstrategien in der Gemeinschaftsverpflegung konstruktiv
umsetzen“
Das Institut für nachhaltige Ernährung (iSuN) der FH Münster widmet sich im Projekt GeNAH
der gerechten und nachhaltigen Gestaltung der Gemeinschaftsverpflegung und bietet in
Kooperation mit dem Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit und dem Gesund-
heits- und Veterinäramt ein kostenloses und wissenschaftlich begleitetes Workshop-Angebot
für Küchen als einen Einstieg in eine gerechte und nachhaltige Außer-Haus-Verpflegung an.
Vier voneinander unabhängige Module befassen sich mit der nachhaltigen Beschaffung,
Rezepturentwicklung, Speiseplanung & Gästekommunikation sowie Lebensmittelabfall-
vermeidung & Partizipation der Mitarbeitenden. Innerhalb der Module erhalten die Teilneh-
menden eine Einführung in die jeweilige Thematik. Danach wird der Fokus auf praktische
Umsetzungsmöglichkeiten gerichtet. Im Rahmen des Gruppencoachings werden von den
Teilnehmenden individuell passende Maßnahmen für ihren Betrieb entwickelt und direkt aus-
probiert. Dabei steht das Projektteam den Teilnehmenden während der Modullaufzeit für
13
Rückfragen zur Verfügung, so dass am Ende eines Moduls ein Anfang zur nachhaltigeren
Gestaltung ihrer Küche gemacht wurde, der selbstständig fortgeführt werden kann.
Zielgruppe sind Verantwortliche aus der Gemeinschaftsverpflegung, wie beispielsweise
Küchenleiter*innen und ausgebildete Köch*innen aus Krankenhäusern, Alten- und Pflege-
heimen, Tagungshäusern, Betrieben und Schulen sowie Küchenpersonal aus Kitas und
Schulen. Pro Betrieb können ein bis drei Personen teilnehmen.
Die Projektgruppe sieht eine wichtige Handlungsempfehlung darin, dieses Angebot in
Münster umzusetzen, weiter auszubauen und zu verstetigen, so dass mehr Anbieter der
AHV und der Gemeinschaftsverpflegung Münster an diesen Angeboten teilnehmen, sich
informieren und vernetzen.
Das Projekt wurde während der Projektgruppenlaufzeit bereits in Münster mit zwölf Einrich-
tungen umgesetzt, mit Unternehmen, die unter anderem für Kindertagesstätten, Schulen und
Pflegeeinrichtungen in Münster kochen. Es fanden Workshops zu den folgenden Themen
statt: Speiseplanung, Rezepturentwicklung, Beschaffung sowie Lebensmittelabfall-
vermeidung und Partizipation der Mitarbeitenden. Durch den Workshop zu Lebensmittel-
abfallvermeidung vermieden die zwölf Unternehmen im vergangenen halben Jahr bis zu 30
Prozent ihrer Essensreste. Allein durch die Reduzierung der Lebensmittelabfälle sparen die
Betriebe teilweise bis zu rund 10.000 Euro sowie 1,8 Tonnen sogenannter CO2-Äquivalente
pro Jahr ein. Dieses beispielhafte Ergebnis zeigt, wie wichtig der Ausbau und die Ver-
stetigung des Gruppencoachings ist.
An der Umsetzung Beteiligte:
Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit
Caritasverband für die Stadt Münster e.V.
Fachhochschule Münster, Institut für Nachhaltige Ernährung
Gesundheits- und Veterinäramt
4.4 Angebote für vulnerable Zielgruppen
Ein Blick in die Forschungsliteratur zeigt, dass nicht alle Bevölkerungsgruppen in demselben
Ausmaß von Fehlernährung betroffen sind. Gruppen der Bevölkerung, die gesundheitlich
besonders verletzlich sind, weil ihnen in der Regel eine vollumfängliche Teilhabe des
gesellschaftlichen Lebens verwehrt ist, sind besonders von sozialbedingter gesundheitlicher
Ungleichheit betroffen. Die Situation in Deutschland im Hinblick auf soziale Unterschiede in
der Ernährungsweise und bzgl. des Gesundheitsstatus wurden in der Nationalen Verzehr-
studie II untersucht. Hier wurde deutlich, dass sozioökonomische und strukturelle Benach-
teiligung (z. B. Armut, Wohnen in deprivierten Gebieten) sowie ungünstige Faktoren aus der
psychosozialen (z. B. fehlendes Ernährungswissen, wenig Unterstützung) und sozio-
kulturellen Umwelt (z. B. ungünstige Ernährungstraditionen) die Ernährungsgewohnheiten
vulnerabler Personengruppen nachhaltig beeinflussen. Somit besteht hier mit Abstand der
größte Präventionsbedarf. Allerdings nehmen diese Menschen von sich aus, verglichen mit
weniger vulnerablen bzw. sozial besser gestellten Personengruppen, deutlich seltener
Angebote der Prävention und Gesundheitsförderung in Anspruch. Um diesem als
„Präventionsdilemma“ bekannten Ungleichgewicht wirkungsvoll zu begegnen, müssen
vulnerable Zielgruppen noch gezielter angesprochen werden, da es als erwiesen gilt, dass
das Ausmaß der gesundheitlichen Ungleichheit durch Angebote der Gesundheitsförderung
entscheidend beeinflusst werden kann9. Im optimalen Fall greifen konkrete Maßnahmen vor
Ort und erreichen die Menschen in ihren jeweiligen Lebenswelten (z. B. Stadtteil, Kita,
Schule, Betrieb). Interventionen zur Förderung der Ernährungsqualität müssen also
9 Fehr, A., Hölling, G., Lampert, T., Maschewsky-Schneider, U., Mielck, A., Niederbühl, K., Orth, B., Razum, O.,
Zeeb, H. (2014). Leitfragen zur Stärkung der Querschnittsanforderung - Gesundheitliche Chancengleichheit.
[https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/G/Gesundheitsziele/Leitfragen_G
esundheitliche_Chancengleichheit_01.pdf, Zugriff: 04.05.2023]
14
einerseits die Vielfalt der ungünstigen Einflüsse auf die Ernährung bedenken und
andererseits Kriterien guter Praxis der Gesundheitsförderung einhalten.
Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ist dabei ein Konzept mit einem umfassenden
Bildungsverständnis. Sie befähigt Menschen jeden Alters zu einem zukunftsfähigen Denken
und Handeln. Dabei stehen verschiedene Fragen im Vordergrund:
Wie beeinflussen meine Entscheidungen Menschen nachfolgender Generationen in
meiner Kommune oder in anderen Erdteilen?
Welche Auswirkungen hat es beispielsweise, wie ich konsumiere, welche Fort-
bewegungsmittel ich nutze oder welche und wie viel Energie ich verbrauche?
Was können wir gegen Armut tun?
BNE ermöglicht es allen Menschen, die Auswirkungen des eigenen Handelns auf die Welt zu
verstehen und verantwortungsvolle, nachhaltige Entscheidungen zu treffen.
4.4.1 Handlungsempfehlung: Bildung für nachhaltige Entwicklung -
Zukunftsdiplom für Kinder verstetigen und um gesundheitliche Themen
erweitern
Es ist ein wichtiges Anliegen, Kindern die Themen nachhaltige Entwicklung und Zukunfts-
fähigkeit nahe zu bringen. Dafür bietet die VHS Münster zusammen mit dem Amt für Grün-
flächen, Umwelt und Nachhaltigkeit wiederholt eine außerschulische Veranstaltungsreihe in
Kooperation mit vielen lokalen und regionalen Partner*innen an, die die verschiedenen
Aspekte von Nachhaltigkeit auf ihre Weise anschaulich und erlebbar machen. Ziel ist, das
Umwelt- und Nachhaltigkeitsbewusstsein der Teilnehmenden zu stärken. Die Kinder sollen
spielerisch erkennen, dass jeder von uns Einfluss auf die Zukunft hat.
Das Zukunftsdiplom führt Kinder von sechs bis zwölf Jahren spielerisch an den Themen-
komplex Nachhaltigkeit heran. In zahlreichen thematisch breit gefächerten Veranstaltungen
können sie so komplexe Sachverhalte durch Ausprobieren und Mitmachen begreifen und
verstehen, dass sie die Zukunft verändern und die Erde lebenswerter machen können.
Für die Zielgruppe der ab 14-Jährigen entwickelte der gemeinnützige Verein Vamos e.V. und
das Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit der Stadt Münster einen Bildungskoffer
rund um das Thema Ernährung. Der Bildungskoffer richtet sich an Lehrpersonen und andere
Multiplikator*innen, die in verschiedenen Gruppen schulisch und außerschulisch Bildungs-
arbeit leisten. Die Materialien sind für Teilnehmende je nach Vorwissen ab 14 Jahren
konzipiert. Die Module des Koffers basieren auf den pädagogischen Konzepten Bildung für
Nachhaltige Entwicklung (BNE) und globales Lernen. Die Materialien können über Vamos
e.V. entliehen werden.
Es gilt diese Angebote, zu verstetigen und neben den bewährten Veranstaltungen aus den
Bereichen Umweltbildung, Bildung für nachhaltige Entwicklung, globales Lernen oder
Menschenrechtsbildung weitere Veranstaltungen mit gesundheitlichen Themen aufzu-
nehmen und in die Settings zu tragen. Wichtig ist, dass der Fokus weiter darauf gelegt wird,
dass die Kinder und Jugendlichen Spaß am Lernen haben und Interesse für die Themen
zeigen.
An der Umsetzung Beteiligte:
Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit
Vamos e.V.
Volkshochschule Münster
15
4.4.2 Handlungsempfehlung: Angebotserweiterung in Stadtteilen mit
besonderen sozialen Herausforderungen – Projekt „Gesunde Ernährung
im HOT Coerde“
Das Haus der offenen Tür (HOT) Coerde bietet Kindern, Jugendlichen und jungen Erwach-
senen aus Coerde, die von Benachteiligungen betroffen sind, täglich ein gesundes Essen an
bzw. es werden die Speisen gemeinsam mit ihnen zubereitet. Die Speisenauswahl ist dabei
angelehnt an bekannte Gerichte der Kinder und Jugendlichen, sodass sich diese ange-
sprochen und verstanden fühlen. Die vertraute Atmosphäre, die bei dem gemeinsamen
Essen entsteht, wird für persönliche Gespräche genutzt und trägt zum Vertrauensaufbau bei.
In erster Linie geht es bei dem „Gesunden Essen“ darum, dass den Besucherinnen und
Besuchern des HOT der Zugang zu klimagesundem Essen ermöglicht und das Wissen ver-
mittelt wird, was eine ausgewogene und klimagerechte Ernährung ausmacht. Durch das
regelmäßige Anbieten des gemeinsamen Kochens von gesunden, klimagerechten Speisen
haben die Kinder und Jugendlichen fast täglich den Zugang zu gesundem Essen. Dadurch
besteht eine große Chance, dass viele anfangen, über ihre Ernährung nachzudenken und
die Ernährungstipps auch im eigenen häuslichen Umfeld anzuwenden. Um das Wissen um
gesunde Ernährung zu erarbeiten, gibt es über den ganzen Projektzeitraum regelmäßige
Schulungen der Multiplikator*innen, die sich aus den Honorarkräften, den pädagogischen
Fachkräften und dem Thekenteam des HOT zusammensetzen.
Das Projekt wird über einen Verfügungsfonds finanziert, der von der Techniker Kranken-
kasse in Kooperation mit dem Gesundheitsamt zur Verfügung gestellt wird. Im Februar und
März konnten sich Vereine, Initiativen, freie Träger und öffentliche Einrichtungen auf Förder-
mittel für vielfältige und innovative Projekte bewerben, die sich mit der stadtteil- und ziel-
gruppenbezogenen Gesundheitsförderung in Münster beschäftigen wollen. Acht kleine, aber
nachhaltige Pilotprojekte werden nun unterstützt, eines ist das Projekt „Gesunde Ernährung
im HOT Coerde“.
An der Umsetzung Beteiligte:
Gesundheits- und Veterinäramt
Haus der offenen Tür (HOT) Coerde der offenen Kinder- und Jugendarbeit des Ev. Kirchen-
kreises
Techniker Krankenkasse
4.4.3 Handlungsempfehlung: Angebotserweiterung in Stadtteilen mit
besonderen sozialen Herausforderungen – Projekt „Gemeinsam Essen
retten und gesund genießen“
Ziel des Projektes ist es, gemeinsam mit Akteuren der Communities aus Coerde ein inter-
aktives und kultursensibles Workshopkonzept „Gemeinsam Essen retten und gesund
genießen“ zu entwickeln, um die im Rahmen von Foodsharing geteilten Lebensmittel
„schmackhaft“ und besser nutzbar zu machen. Neben der gemeinsamen Rezept-/ Mahl-
zeitenentwicklung sollen insbesondere Überlegungen zu einer geeigneten Implementie-
rungsstrategie unter Berücksichtigung (verschiedener) kultureller Rahmenbedingungen von
Familien in Coerde im Fokus stehen.
Drei partizipative Workshops stellen das Kernstück des Kooperationsprojektes von
health.pro.fit und Foodsharing Münster e.V. dar. In diesen wird mit mindestens fünf Teil-
nehmenden der Community bzw. verschiedener Communities in Coerde als Co-
Entwicklerinnen und -entwickler das Workshopkonzept für „Gemeinsam Essen retten und
gesund genießen“ erarbeitet. Es sollen Fragen zu Rahmenbedingungen, Inhalten und
Ansprachestrategien beantwortet werden. U.a. kann auch auf erste Erfahrungen aus einem
bereits durchgeführten Kochkurs „Gemeinsam kochen mit geretteten Lebensmitteln –
Verwenden statt verschwenden!“ des Anna-Krückmann-Hauses, Foodsharing Münster e.V.
und Coerde mittendrin zurückgegriffen werden. Im Ergebnis der Co-Entwicklerinnen und -
Entwickler-Workshops soll ein kultursensibles und passgenaues Workshopkonzept
16
„Gemeinsam Essen retten und gesund genießen“ entstehen, das sowohl die gesunde
Ernährung als auch die Rettung geteilter Lebensmittel nahebringt. Dieses wird in Form über-
tragbarer Ablaufpläne und Materiallisten (z.B. Checklisten) festgehalten und so für die mehr-
malige Nutzung als Angebot ansässiger Institutionen in Coerde verfügbar gemacht. Das
entstandene Workshopkonzept „Gemeinsam Essen retten und gesund genießen“ wird im
Rahmen des Projektes einmalig erprobt und evaluiert.
Das Projekt wird über einen Verfügungsfonds finanziert, der von der Techniker Kranken-
kasse in Kooperation mit dem Gesundheitsamt zur Verfügung gestellt wird.
An der Umsetzung Beteiligte:
Ernährungsrat Münster e.V
Foodsharing Münster e.V.
Gesundheits- und Veterinäramt
Health.pro.fit - powered by science
Techniker Krankenkasse
4.4.4 Handlungsempfehlung: Bildungsangebote für Fachkräfte im Sozial-,
Bildungs- und Gesundheitswesen – Bildungsarbeit mit einem mobilen
Kochfahrrad
Das Thema Ernährung ist allgegenwärtig, ob in Betreuungseinrichtungen, wie Kindertages-
einrichtungen und Schulen, in Pflegeeinrichtungen, in sozialen Einrichtungen, in Betriebs-
kantinen oder Pflegeeinrichtungen bis hin zu Krankenhäusern.
Es besteht bereits eine Vielzahl von Bildungsangeboten, wobei diese z.T. stark auf ehren-
amtliches Engagement aufgebaut sind. Dieses Engagement gilt es zu stützen und die
Schulungs- und Bildungssicherung zu gewährleisten. Dabei sollen die definierten Grund-
sätze und Ziele der Projektgruppe im Fokus liegen.
Als erfolgreich wurde während der Projektgruppenlaufzeit das im Rahmen des Forschungs-
projektes der Universität Flensburg „KlimaFood“ entwickelte Angebot zu „Mitmachküchen“
identifiziert. Hierbei werden theoretische Hintergründe in der gemeinsamen praktischen
Arbeit vermittelt. Besonders für Münster ist, dass hierfür auf das bestehende Engagement,
das mobile Kochfahrrad „Pepe, die Pastinaken-Pedale“ zurückgegriffen werden kann. Mit
Pepe können Lebensmittelretter*innen, Köch*innen und Genießer*innen mittels einer gut
ausgerüsteten Küche auf einem klimafreundlichen Lastenrad praktische Bildungsarbeit
leisten. Ein Fokus soll dabei auf vulnerable Personengruppen gelegt werden. Das Projekt
soll im Rahmen einer Masterarbeit in Münster weiter fortgeführt werden.
An der Umsetzung Beteiligte:
Amt für Grünflächen- Umwelt und Nachhaltigkeit
Ernährungsrat Münster e.V.
Foodsharing Münster
Freiwilligen Agentur Münster
Gesundheits- und Veterinäramt
Münster isst Veggie
Pepe, die Pastinakenpedale
Universität Flensburg
VHS Münster
4.4.5 Handlungsempfehlung: Ausbau von Fairteilern in Münster
In Deutschland entstehen ca. 11 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle im Jahr (Stand 2020).
Laut Gutachten der wissenschaftlichen Beiräte für Ernährungs-, Agrar- und Waldpolitik des
BMEL könnten bei einer 50-prozentigen Reduzierung der Lebensmittelabfälle in privaten
Haushalten sechs Millionen Tonnen CO2-Äquivalente an Treibhausgas-Emissionen in
17
Deutschland eingespart werden. Wer also die Lebensmittelverschwendung reduziert, der
betreibt aktiven Ressourcen- und Klimaschutz.10
Fairteiler stellen bei diesem Engagement einen Ort dar (Schränke, Regale, etc.) zu dem
Menschen Lebensmittel bringen und kostenlos von dort mitnehmen dürfen. Statt z.B. vor
dem Urlaub alles Übriggebliebene in die Mülltonne zu werfen, kann man über Foodsharing
das Essen verschenken.
In verschiedenen Fairteilern werden Lebensmittel nur zum privaten häuslichen Gebrauch
kurzfristig gelagert. Privatpersonen, die den Fairteiler nutzen, tauschen hier ihre Lebens-
mittel, die ausschließlich für den privaten häuslichen Gebrauch gedacht sind, auf eigenes
Risiko untereinander. Jeder kann eigenverantwortlich, unter Maßgabe der definierten
Hygieneregeln gerettete Lebensmittel zu einem Fairteiler bringen und/oder dort bereitge-
stellte Lebensmittel und Speisen mitnehmen, ohne irgendwelche sozialen Voraussetzungen
erfüllen zu müssen.
In Münster existieren z.Zt. 4 Fairteiler, die durch den Ernährungsrat Münster in ehren-
amtlichem Engagement und auf Spendenbasis aufgestellt werden konnten:
Fairteiler B-Side
Fairteiler im Asta am Schloß
Fairteiler Kreuzviertel, Heilig Kreuz Kirche
Fairteiler Kinderhaus, Sprickmannplatz
Die Projektgruppe sieht eine wichtige Handlungsempfehlung darin, diese Initiativen bei den
weiteren Planungen und beim Aufbau dieser Fairteiler zu stärkenund dieses Engagement
fachlich zu unterstützen, damit die Lebensmittelverschwendung / -abfallmenge reduziert und
das Klimaziel erreicht wird. Derzeit sind weitere Fairteiler in der FH, in einem Familien-
zentrum in Coerde und im Quartierszentrum in der York-Kaserne angedacht/ in Planung.
Zusätzlich soll über das Vermessungs- und Katasteramt die Möglichkeit geschaffen werden,
Fairteiler über eine interaktive Karte abrufen und einsehen zu können.
An der Umsetzung Beteiligte:
Ernährungsrat Münster e.V.
Foodsharing Münster
Gesundheits- und Veterinäramt
Vermessungs- und Katasteramt
4.4.6 Handlungsempfehlung: Struktur(weiter-)entwicklung zum Retten von
Lebensmitteln in Stadtteilen/ -räumen mit besonderer Sozialstruktur
Nach wie vor sind Gesundheitschancen und Krankheitsrisiken zuungunsten der unteren
Einkommensklasse verteilt, was sich darin äußert, dass ein niedriger Sozialstatus sowohl mit
einer höheren Prävalenz von chronischen Krankheiten, Beschwerden oder Behinderungen
korreliert als auch eine subjektiv schlechter empfundene Gesundheit mit sich führt. Somit ist
auch die epidemische Ausbreitung von Übergewicht sowie Adipositas in Deutschland über-
proportional mit einem erhöhten Armutsrisiko verbunden, welches wiederum durch die damit
einhergehende Morbidität neben individuellem Leid zu einer hohen finanziellen Belastung
des Sozialsystems führt.
In Deutschland ist seit 2011 eine Zunahme von Ernährungsarmut zu verzeichnen, deren
Ausmaß sich indirekt auch durch eine stetig steigende Anzahl an Tafeln widerspiegelt, von
denen es im Jahre 2018 bundesweit 942 Stellen mit 1,5 Millionen Abnehmenden gab.11
10 Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (2024). Nationale Strategie zur Reduzierung der
Lebensmittelverschwendung. [https://www.bmel.de/DE/themen/ernaehrung/lebensmittelverschwendung/strategie-
lebensmittelverschwendung.html, Zugriff: 13.02.2024]
11 Tafel Deutschland (2022). Zahlen und Fakten zur Tafel-Arbeit in Deutschland.
[https://www.tafel.de/presse/zahlen-fakten, Zugriff: 26.5.2023]
18
Vor 30 Jahren öffnete in Berlin, vor 25 Jahren in Münster die erste Tafel. Die Grundidee war
und ist, dass bedürftige Menschen dort Lebensmittel bekommen, die anderswo übrig-
geblieben sind. Tafeln bieten engagierten Menschen die Möglichkeit, sich für eine sozialere
Gesellschaft und einen ökologischen Wandel einzusetzen.
2012 gründete sich die Initiative „Foodsharing“, deren Plattform foodsharing.de am
12.12.2012 online ging. „Foodsharing“ sowie die „Tafel Deutschland“ tragen nicht nur dazu
bei, die Lebensmittel vor der Tonne zu retten, sondern auch die Bürger*innen aufzuklären,
um auch in den Privathaushalten das Bewusstsein für den richtigen Umgang mit Lebens-
mitteln zu steigern.
Grundsätzlich zeigt sich die Notwendigkeit und die Dringlichkeit des interdisziplinären
Dialogs aller politischen Akteure zur Bewältigung gesundheitlicher Ungleichheit und zum
Thema Lebensmittelverschwendung, das viele Bereiche der Zivilgesellschaft, Wirtschaft und
Politik umfasst und das intervenierende Maßnahmen mit interdisziplinären Ansätzen fordert.
Als ein Baustein könnten – so zeigt ein Ansatz aus Hamburg12 – mit Hilfe sozialräumlicher,
lokaler Kooperationen unter der Voraussetzung einer hohen Partizipation der Bewoh-
ner*innen wirksame Maßnahmen zur Reduzierung gesundheitlicher Ungleichheit,
Ernährungsarmut und Reduktion von Lebensmittelverschwendung realisiert werden. Über
Sicherstellung einer aktiven Mitwirkung durch die von gesundheitlicher Ungleichheit sowie
Ernährungsarmut Betroffenen könnte eine bessere Versorgung und ein Ausgleich des
Ungleichgewichts ermöglicht werden, das nachbarschaftliche Miteinander verbessert und
Synergieeffekte ermöglicht werden, die damit auch einen Beitrag zu einer besseren Lebens-
qualität im Stadtteil umfassen.
Über den Ausbau von Mittagstischangeboten, bei denen Lebensmittel der Münsteraner
„Tafel“ und „Foodsharing“ verarbeitet werden, könnten die vulnerablen Zielgruppen, die
zusätzlich mit Hilfe einer Bring-Struktur erreicht werden, aktiv an der Gestaltung ihres
unmittelbaren Umfeldes zur Mitwirkung angeregt werden. Insgesamt könnte bei dieser
Bevölkerungsgruppe auf lange Sicht ein höheres Selbstbewusstsein und mehr Eigenständig-
keit entstehen. Zur weiteren Reduktion der gesundheitlichen Ungleichheit und Reduktion von
Lebensmittelverschwendung könnten weitere Kooperationen zu gemeinsamen Bildungs-
angeboten rund um das Thema „Ernährung, Gesundheit und Klimaschutz“ angeboten
werden, welche auf die Wünsche der Bedürftigen zugeschnitten sind.
An der Umsetzung beteiligt:
Ernährungsrat Münster
Fairteilbar Münster
Foodsharing
Sozialamt
Tafel
4.4.7 Handlungsempfehlung: Bestandsanalyse zur Verpflegung in Kitas,
Schulen, Kantinen, Krankenhäusern
Insgesamt werden mehr als 3,2 Millionen Vorschulkinder in Deutschland aktuell in einer
Tageseinrichtung betreut13. Mit dem Rechtsanspruch auf einen öffentlich geförderten
12 Das Potenzial sozialräumlicher lokaler Kooperationen zur Reduzierung gesundheitlicher Ungleichheit und
Ernährungsarmut in Deutschland - eine Best-Practice-Perspektive für den Stadtteil Hamburg-Wilhelmsburg.
[https://reposit.haw-hamburg.de/bitstream/20.500.12738/9255/1/FrickeSarahBA_geschwaerzt.pdf, Zugriff:
26.5.2023]
13 Statistisches Bundesamt (2021). Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe 2021 - Kinder und tätige Personen in
Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege.
[https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-
Umwelt/Soziales/Kindertagesbetreuung/Publikationen/_publikationen-innen-kinder-taetige-personen.html, Zugriff:
04.05.2023]
19
Betreuungsplatz für Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr14, ist auch die Zahl der
unter 3-Jährigen angestiegen. Im Kindergartenjahr 2020/2021 standen 10.198 Plätze mit
Übermittagsbetreuung in Münster zur Verfügung, Tendenz steigend.15 Auch die Zahl der
Übermittagsbetreuungsplätze, der offenen und gebundenen Ganztagsschulen steigt von
Jahr zu Jahr an. Dabei hat Deutschland keine Tradition bei der Gemeinschaftsverpflegung
von Kindern und Jugendlichen. Es gehörte zu den wenigen Ländern, die erst spät die Ganz-
tagsschule und flächendeckende Betreuung einführten. Somit kann und konnte nur wenig
Erfahrung in diesem Bereich aufgebaut werden; ein Prozess, der auch nur langsam voran-
kommt. Weiterhin schwierig zeigt sich, dass die Optimierung nur wenig öffentlich gefördert
wird, denn letztlich sind Kommunen und Schulen weitgehend auf sich allein gestellt.
Standards sind nicht verpflichtend und der Staat subventioniert die Gemeinschaftsver-
pflegung dieser Zielgruppe kaum, im Unterschied zu vielen anderen Ländern.
Aber nicht nur in diesem Bereich, sondern vielmehr allgemein, gilt es den Bereich der
Gemeinschaftsverpflegung unter den Aspekten Gesundheit und Klimaschutz detailliert zu
betrachten. So schreibt das Deutsche Ärzteblatt, dass auch im Bereich der Krankenhaus-
verpflegung „Transformation […] notwendig [ist]“16.
Als Vorbereitung auf die intensive Beschäftigung mit dem Thema Klimaschutz im Bereich der
Verpflegung und der notwendigen Erarbeitung von gezielten und erfolgsversprechenden
Maßnahmen ist eine Bestandsanalyse notwendig.
Dabei könnten folgende Leitfragen im Fokus stehen:
Wie ist die Verpflegung aktuell gestaltet?
Wo gibt es Ansatzpunkte für eine Transformation der Verpflegung?
Wie kann die Verpflegung verbessert werden?
Die Projektgruppe konnte im Rahmen einer Bachelorarbeit der Fachhochschule Münster
eine erste Bestandsanalyse zur Mittagsverpflegung in den Münsteraner Krankenhäusern
vergeben. Auf Basis dieser Analyse gilt es im Anschluss intensiv herauszuarbeiten, wo und
vor allem wie weitere Maßnahmen getroffen werden bzw. bestehende Maßnahmen vertieft
werden müssen.
Die Projektgruppe sieht eine wichtige Handlungsempfehlung darin, dass die Verpflegung in
öffentlichen Einrichtungen flächendeckend analysiert wird, so dass auf dieser Basis wichtige
Handlungsfelder und -themen identifiziert und angegangen werden können.
An der Umsetzung Beteiligte:
Fachhochschule Münster
Gesundheits- und Veterinäramt
Münsteraner Krankenhäuser
Fazit
Münster weist bereits viele gute Ansätze und Strukturen für die Förderung einer klima-
gesunden Ernährung auf. Zahlreiche Akteure sind in Münster in dem Themenfeld aktiv und
bringen Maßnahmen voran, oftmals mit der Klimaperspektive oder dem Gesundheitsfokus.
Beide Perspektiven zusammenzudenken und bei der Entwicklung und Umsetzung von
14 Gesetz zur Förderung von Kindern unter drei Jahren in Tageseinrichtungen und in Kindertagespflege
(Kinderförderungsgesetz – KiföG) vom 10. Dezember 2008, Bundesgesetzblatt, S. 2403.
15 Stadt Münster, Amt für Kinder, Jugendliche und Familien (2020). Kindertagesbetreuungsbericht 2020.
[https://www.stadt-muenster.de/sessionnet/sessionnetbi/vo0050.php?__kvonr=2004046501, Zugriff: 04.05.2023]
16 Hünninghaus, K., Oppenrieder, N. (2023). Ernährung im Krankenhaus: Transformation ist notwendig.
Deutsches Ärzteblatt, 120, Heft 11, B 420f. [https://www.aerzteblatt.de/archiv/230342/Ernaehrung-im-
Krankenhaus-Transformation-ist-
notwendig#:~:text=%C3%84rztinnen%20und%20%C3%84rzte%20k%C3%B6nnen%20die,und%20zugleich%20kl
imafreundlichen%20Gerichten%20ansto%C3%9Fen.&text=Aufgabe%20der%20%C3%84rztinnen%20und%20%
C3%84rzte,die%20Gesundheit%20der%20Menschen%20mitzuwirken., Zugriff: 04.05.2023]
20
Handlungsempfehlungen zu berücksichtigen, war und ist das Kernanliegen der Projekt-
gruppe.
Wenn man sich mit dem Thema „Ernährung: Gesundheit und Klimaschutz“ befasst, ist es
unerlässlich, die gesamte Wertschöpfungskette in den Blick zu nehmen, angefangen bei der
Erzeugung bis hin zum Endverbraucher. Entsprechend ist das Thema sehr breit, weshalb die
Projektgruppe Schwerpunkte in den Bereichen setzen musste, wo sie wichtige Impulse
setzen konnte ohne Parallelstrukturen aufzubauen und vor allem wo sie selbst Handlungs-
möglichkeiten hatte. Die Vernetzung aller in dem Themenfeld Aktiven ist auch für künftige
Handlungsschritte unerlässlich.
Trotz bereits bestehender verschiedener Aktivitäten zeigen sich vielfältige Handlungs-
bedarfe, die zum Teil recht umfassend sind, teils auf spezifische Aspekte ausgerichtet sind.
Mit breiten Ansätzen wie der Ernährungswende und Aktivitäten im öffentlichen Raum wird
auf grundlegende Änderungen gesetzt, die auf die breite Bevölkerung abzielen. Andere
Handlungsempfehlungen nehmen spezifische Settings oder vulnerable Personengruppen in
den Blick, was insbesondere unter dem Aspekt von Chancengleichheit unverzichtbar ist. Aus
Sicht der Projektgruppe müssen beide Wege gegangen werden, um die vielfältigen Heraus-
forderungen bewältigen zu können.
Mit den vorgestellten Handlungsempfehlungen werden diesbezüglich wichtige Impulse
gegeben, wissend, dass die Handlungsempfehlungen nicht abschließend sind. Um das
Thema in Münster weiter voranzubringen, ist es u.a. erforderlich, dass die von der
Umsetzung betroffenen Mitglieder der Gesundheitskonferenz den Handlungsempfehlungen
zustimmen und sich zur Umsetzung verpflichten. Die Projektgruppenmitglieder werden sich
auch weiterhin in kleineren Gruppen treffen, um die Umsetzung der einzelnen Maßnahmen
zu fördern.
Anlage A
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Anlage A zur V/0403/2024 Kurzüberblick In der Sitzung der Kommunalen Gesundheitskonferenz (KGK) am 15.6.2022 wurde vereinbart, dass sich eine Projektgruppe mit dem Thema „Ernährung: Gesundheit und Klimaschutz“ befas- sen, Handlungsempfehlungen entwickeln und an der Umsetzung der Empfehlungen mitwirken soll. Die in der Projektgruppe aufbereitete Bestandsaufnahme, die daraus abgeleiteten Bedarfe sowie die in der Projektgruppe entwickelten Handlungsempfehlungen sind dem anliegenden Be- richt „Ernährung: Gesundheit und Klimaschutz – Handlungsempfehlungen der kommunalen Ge- sundheitskonferenz Münster“ zu entnehmen. Die Handlungsempfehlungen haben nicht den Anspruch, alle Aspekte aufzuzeigen, die zu einer Verbesserung des Ernährungsverhaltens aller Bürger/-innen in Münster im Sinne einer klimage- sunden Ernährung führen könnten. Vielmehr wurden Schwerpunkte gesetzt, bei denen aus Sicht der Projektgruppe die Notwendigkeit für impulsgebende Empfehlungen besonders hoch einge- schätzt und keine Parallelstrukturen aufgebaut werden. Die Handlungsempfehlungen wurden in der Sitzung der KGK am 26.06.2024 einvernehmlich ver- abschiedet. Ziele/Teilziele/Zielerreichung Mit den Handlungsempfehlungen wird das ISM-Ziel „Wir werden Münster zu einer Stadt mit höchster Lebens- und Erlebnisqualität weiterentwickeln“ mit dem Fokus der „sozialen Balance in der Stadtgesellschaft“ verfolgt. Die Teilziele lauten: Bewusstsein für klimagesunde Ernährung stadtweit und über alle Bevölkerungsgruppen stärken gesundheitliche Chancengleichheit und Teilhabe fördern ernährungsbezogene Gesundheitskompetenz stärken Gesundheitsziele durch konkrete Angebote in der Gastronomie und Gemeinschaftsver- pflegung außerhalb von Schulen und Kitas unterstützen Zielerreichung: Mit den Handlungsempfehlungen werden wichtige Impulse hinsichtlich der o.g. Teilziele gegeben. Für die nun anstehende Umsetzung sind die relevanten Akteure bei den jewei- ligen Handlungsempfehlungen konkret benannt. Mit der Verabschiedung der Empfehlungen ha- ben sich die Mitglieder der KGK dazu verpflichtet, sich an der Umsetzung zu beteiligen. Finanzierung Produktgruppe: 0701 Gesundheitsdienste Auswirkungen auf den Ergebnisplan Ja x Nein Auswirkungen auf den Finanzplan Ja x Nein Im beschlossenen (Nachtrags-)Haushaltsplan 2024 enthalten? Ja x Nein teilw. Im Entwurf des (Nachtrags-)Haushaltsplan 2025 enthalten? Ja x Nein teilw. Belastungen in zukünftigen HH-Jahren? Ja x Nein Bereits veranschlagt? Ja x Nein Pflichtigkeitsgrad Die Maßnahme/Leistung ist vollständig pflichtig überwiegend pflichtig überwiegend freiwillig x vollständig freiwillig Die Gründung der Projektgruppe „Ernährung: Gesundheit und Klimaschutz“ wurde von der KGK am 15.6.2022 beschlossen. Die Handlungsempfehlungen der Projektgruppe wurden von der KGK am 26.6.2024 einvernehmlich verabschiedet. Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen (Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration) Mit den Handlungsempfehlungen wird mit dem Schwerpunkt „Ernährung: Gesundheit und Klima- schutz“ die Verbesserung der gesundheitlichen Chancengleichheit angestrebt. Manche Empfeh- lungen richten sich an die breite Bürgerschaft, manche beziehen sich auf vulnerable Personen- gruppen. Dabei stehen Stadtteile mit einer besonderen Sozialstruktur und auffälligen Gesund- heitsdaten im Fokus.
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungOrte (3)
- Sprickmannplatz
- Bremer Platz
- Kinderhaus
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Aktenzeichen
- V/0403/2024
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 24.06.2024
- Erstellt
- 21.06.2024 13:00