1719/2021
Konzept für einen urbanen Urwald (Tiny Forest) in der Hadersleber Straße
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Beschlussvorlage Bezirksvertretung
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle VIII/67/671/4 AN/1087/2020 Vorlagen-Nummer 1719/2021 Freigabedatum Beschlussvorlage zur Behandlung in öffentlicher Sitzung Betreff Konzept für einen urbanen Urwald (Tiny Forest) in der Hadersleber Straße Klima- & Biodiversitätsprojekt zur Jugendförderung & Umweltbildung Beschlussorgan Bezirksvertretung 4 (Ehrenfeld) Gremium Datum Beschluss: Auf der Grundlage des Beschlusses der Bezirksvertretung hat das Amt für Landschaftspflege und Grünflächen eine Fläche an der Hadersleber Straße in Neuehrenfeld ermittelt, die sich zur Anlage eines Urbanen Urwaldes oder sogenannten „Tiny Forest“ im Sinne des o.g. Be- schlusses eignet. Die Verwaltung schlägt vor, die Fläche als Pilotprojekt mit enger Beteiligung der benachbar- ten Schule und anderer interessierter Akteure vor Ort umzusetzen. Die Projektentwicklung und Umsetzung, zusammen mit den Akteuren vor Ort, wird von der städtischen Waldpädagogin gemeinsam mit der Waldschule Köln der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Köln e.V. übernommen. Die Verwaltung hat dazu das beigefügte Konzept erarbeitet. Auf der Grundlage der Erfahrungen aus dem Pilotprojekt, können später auch auf anderen geeigneten Flächen urbane Urwälder im Stadtbezirk angelegt werden, wenn dafür geeignete Grundstücke zur Verfügung gestellt werden. Konzept für einen urbanen Urwald (Tiny Forest) in der Hadersleber Straße: Klima- & Biodiversitätsprojekt zur Jugendförderung & Umweltbildung Projektrahmen & Projektziele Ein Tiny Forest, auch Mini-Wald, Kleine Wildnis oder urbaner Urwald genannt, ist ein mindes- tens 100 m² großes Wäldchen. Auf dieser kleinen Fläche wachsen bis zu 32 unterschiedliche heimische Baum- und Straucharten. Weltweit entstehen Tiny Forests im städtischen Bereich (Niederlande, UK, Paris, Brüssel, Indien, Pakistan, Curacao und in Deutschland: Darmstadt & Brandenburg) wegen ihrer zahlreichen positiven Funktionen: Bezirksvertretung 4 (Ehrenfeld) 06.09.2021 2 Förderung von Chancengleichheit durch Umweltbildung Das Ganzheitliche Kölner Umweltbildungskonzept –UBK (Stand:13.04.2018) hat einen er- höhten Bedarf an kostenlosen Umweltbildungsangeboten für Schüler*Innen in Köln festge- stellt. Laut den Leitsätzen „Aufstieg durch Bildung – die Qualifizierungsinitiative Deutschland“ (Qualifizierungsinitiative von Bund und Ländern, Oktober 2008) seien MINT-Fächer wie Ma- thematik, Natur- und Technikwissenschaften zu stärken. Waldpädagogik und die Initiierung, Pflege und Erforschung des Tiny Forests entspricht der Forderung des UBK nach einer räumlichen Ausweitung und Nutzung schulnaher Standorte zum „draußen lernen“. Waldpädagogik & Naturbewusstsein in der Schule & im Veedel: Früher war es überlebenswichtig den Wald genau zu kennen und Prozesse in der Natur zu beobachten. Die nachhaltige Nutzung von Früchten, Kräutern und Holz aus dem Wald gehör- te zum Urwissen der Menschen. Essbare Beeren, frischer Birkensaft, Ahornsirup, Nüsse die satt machen, Eichel-Kaffe, frische Triebe als Salat usw.. Das Holz wurde handwerklich ver- wendet. Weidentriebe wurden zu Körben verflochten, aus Grünholz wurde geschnitzt. Auch das Wissen zu Tierarten, ihren Lebensräumen und ihrer Nahrungsgrundlage gehört hier mit dazu. Viele Städter wünschen sich dieses Wissen wieder zu erlangen, sowie die Fähigkeit die Na- tur im Jahreslauf zu beobachten und ökologische Zusammenhänge zu verstehen. Ein Tiny Forest unmittelbar neben der Schule kann in vielen Unterrichtsfächern durch prakti- sche Anwendungsbeispiele unterstützen (z.B. Biologie, Mathematik, Kunst, Musik, Hauswirt- schaftslehre, usw.). Kenntnisse zu Tier- und Pflanzenarten und Wissen zu essbaren Beeren & Nüssen können erworben werden. Ein Gefühl für Zahlen, Formen, Mengen, Maße & Ent- fernungen bis hin zur Baumhöhen-Schätzung kann bei der Planung des Tiny Forest erlangt werden. Im künstlerisch-handwerklichen Bereich kann die Herbstblätterfärbung zur Farben- lehre dienen und es kann mit weiteren Naturmaterialien wie Korbweide und Holz gearbeitet werden. Auch zu Natur-Musik mit Stöcken, Blättern, Wasser, Vogelgezwitscher kann der Tiny Forest anregen. Die gemeinsame Gestaltung und Pflege des Tiny Forests kann das soziale Miteinander prä- gen, sowie das Verantwortungsbewusstsein für das Kölner Stadtgrün. Erhöhung der Artenvielfalt im städtischen Bereich: Im Vergleich zum üblichen Wald in Deutschland sind bis zu 32 Baum- und Straucharten überproportional viele Arten auf kleinster Fläche. Dadurch wird in der Stadt auch die tierische Artenvielfalt erhöht, die auf bestimmte Pflanzenarten, deren Blüten, Früchte und Naturstruk- turen angewiesen sind. Dies sind zum Beispiel zahlreiche Vogelarten und eine Vielzahl nütz- licher Insektenarten (Bienen, Schmetterlinge, Käfer usw.). Durch die Pflanzen wird auch der Boden belebt und Würmer, Schnecken, Kleinstlebewesen und Pilze werden gefördert. So entsteht mit der Zeit ein eigenes kleines Biotop, das sich fortwährend weiter entwickeln und verändern kann. Zunächst bieten die kleinen dichten Bäume Vögeln und evtl. Kröten Schutz. Mit zunehmendem Alter der Bäume könnte die Fläche für Eichhörnchen zur Nahrungssuche und zur Behausung interessant werden. 3 Positive Klimawirkung im städtischen Bereich: Durch sein Wachstum speichert der Tiny Forest CO2 im Gehölz und entzieht der Atmosphäre das klimaschädliche Gas. Auch die generelle Wasserspeicherung auf der Fläche wird erhöht. Der Tiny Forest wirkt als Klimaanlage durch Wasserverdunstung über die Blätter und trägt zur Stadtkühlung bei. Durch diese positiven Eigenschaften trägt der Kleine Wald zur Klima- anpassungs-Strategie der Stadt Köln bei. Gesundheit der Stadtbevölkerung: Ein Tiny Forest dient als grüne Erholungs-Insel für die lokale Bevölkerung.. Einen größeren Beitrag trägt er jedoch zur Luftfilterung und Minimierung der Feinstaub-Belastung in der Stadt. Einen ebenso großen und mit den Jahren immer bedeutenderen Einfluss hat der Tiny Forest als Kühlungs-Insel auf das Mikroklima. Auswahl des Standortes Schulgelände der Gemeinschaftshauptschule Baadenberger Straße mit angrenzendem Parkplatz. Neben dem Parkplatz liegt die rot umkreiste Rasenfläche für den Tiny Forest mit Outdoor-Klassenzimmer. 4 Rasenfläche für den Tiny Forest und das Outdoor-Klassenzimmer mit Eichenholz- Sitzbänken. Schulw and für die Natur-Graffiti-Aktion „Tiny Forest“ Schule mit angrenzendem Parkplatz. Durch die Umwandlung des Rasens in einen Tiny Forest kommt es zu einer ökologischen Aufwertung. Die unmittelbare Nähe zur Gemeinschafts-Hauptschule Baadenberger Straße ist wichtige Voraussetzung um den Tiny Forest in das Bildungskonzept mit einzubeziehen und das Verantwortungsbewusstsein der Schüler*Innen für den Erhalt, die Pflege und die fort- währende Weitergestaltung der Fläche zu gewährleisten. Pädagogisch macht es auch Sinn, dass die Fläche neben einem Parkplatz liegt. Hier kann darauf eingegangen werden wie viel CO2 in Bäumen gespeichert wird und wie viel CO2 bei einer Autofahrt ausgestoßen wird. Das Umfeld des Tiny Forest sollte einladend gestaltet sein. Beispielsweise könnte die kahle Schulwand des Parkplatzes mit Tiny Forest-Graffiti far- big anregend gestaltet werden und der Schriftzug „Tiny Forest Schule“ o. Ä. könnte im Natur- Kunst-Projekt mit den Schüler*Innen umgesetzt werden. Ein Natur-Sitzkreis aus Eichenholz-Sitzbänken bei dem Tiny Forest dient als Outdoor - Klassenzimmer und wird regelmäßig wöchentlich für die Waldpädagogik genutzt. Mit der der- zeitigen Corona-Situation werden attraktive Outdoor-Klassenzimmer ebenfalls immer belieb- ter. Projekt-Umsetzung Arten Der Tiny Forest soll je nach Standort aus bis zu 32 heimischen Baum- und Straucharten be- stehen. 13 Arten davon sind für den Menschen essbar (ggf. erst nach Weiterverarbeitung). Das Herbstlaub vieler Arten verfärbt attraktiv bunt in Rot-, Rosa- und Gelbtönen. Auch im Frühling gibt es weiße Blüten-Highlights. Im Sommer gibt es schmackhafte Beeren. Eine lebende grüne verflochtene Umgrenzung aus Korbweiden soll den Tiny Forst zunächst von außen schützen, damit sich die Artenvielfalt darin ungestört entwickeln kann. Die Korb- weiden können mit der Zeit geerntet und in Schul-Aktionen zu Körben verflochten oder für Kunstprojekte genutzt werden. Zwischen die Korbweiden werden am Boden Walderdbeeren gepflanzt. 5 Artenliste 20 Baumarten Name Deutsch Name Latein Ordnung Anmerkungen Stieleiche Quercus robur 1 Heckengehölz Vogelkirsche Prunus avium 1 Heckengehölz essbar* Winterlinde Tilia cordata 1 Heckengehölz Rotbuche Fagus sylvatica 1 Heckengehölz Spitzahorn Acer platanoides 1 Heckengehölz Flatterulme Ulmus laevis 1 Heckengehölz Salweide Salix caprea 2 Heckengehölz Korbweide Salix viminalis 2 Heckengehölz Purpurweide Salix purpurea 2 Heckengehölz Grauweide (Strauch) Salix cinerea 2 Heckengehölz Hängebirke Betula pendula 2 Heckengehölz Feldahorn Acer campestre 2 Heckengehölz Vogelbeere Sorbus aucuparia 2 Heckengehölz essbar* Speierling Sorbus domestica 2 essbar* Elsbeere Sorbus torminalis 2 essbar* Holzapfel Malus sylvestris 2 essbar* Kultur-Birne Pyrus communis 2 essbar* Zitterpappel Populus tremula 2 Heckengehölz Hainbuche Carpinus betulus 2 Heckengehölz Schwarzerle Alnus glutinosa 2 Heckengehölz *für den Menschen essbar, aber ggf. erst nach Weiterverarbeitung Artenliste 12 Straucharten Name Deutsch Name Latein Anmerkung Roter Hartriegel Cornus sangui- nea Heckengehölz Kornelkirsche Cornus mas essbar* Gemeine Haselnuss Corylus avellana Heckengehölz essbar* Eingriffeliger Weißdorn Crataegus mono- gyna Heckengehölz essbar* Pfaffenhütchen Euonymus euro- paeus Heckengehölz Faulbaum Frangula alnus Heckengehölz Gewöhnliche Trauben- kirsche Prunus padus Heckengehölz essbar* Schlehe Prunus spinosa Heckengehölz essbar* Hundsrose Rosa canina Heckengehölz essbar* Schwarzer Holunder Sambucus nigra Heckengehölz essbar* Gemeiner Schneeball Viburnum opulus Heckengehölz Purgier-Kreuzdorn Rhamnus cathar- tica Heckengehölz *für den Menschen essbar, aber ggf. erst nach Weiterverarbeitung 6 Kostenkalkulation: Kosten zur Anlage des Tiny Forest Flächenvorbereitung: 500€ Einkauf Pflanzenmaterial: 2000€ so.Material:1000 € Gesamkosten (Anlage): 3500 € Sitzkreis Eichenholz: in Eigenkonstruktion der Forstverwaltung Stadt Köln Kooperations-Partner Haupt-Kooperationspartner sind die Waldschule Köln de r Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Köln e.V. und die Gemeinschafts-Hauptschule Baadenberger Straße. 7 Begründung: Die Bezirksvertretung Ehrenfeld hat in der Sitzung am 07.09.2020 unter TOP 8.10 folgenden Beschluss (AN/1087/2020) gefasst: Beschluss: Die Verwaltung wird beauftragt, (1) für alle Stadtteile des Stadtbezirks Orte zu identifizieren, die geeignet sind, um einen urbanen Urwald anzupflanzen. (2) die Ergebnisse der Bezirksvertretung wie auch den in der Umweltbildung tätigen Ver- einen, Initiativen, Schulen, Kitas oder Nachbarschaften mit dem Hinweis auf das kommunale Förderprogramm Umweltbildung mitzuteilen. (3) Initiativen so zu unterstützen, dass die Urbanen Urwälder so niedrigschwellig und par- tizipativ wie möglich angepflanzt werden können.
Anlage 1 Öffentlichkeitsbeteilig. (BV 3, 5 + 8)
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Hinweise zum Ausfüllen der Anlage Anlage „Öffentlichkeitsbeteiligung“ VARIANTE 1 Beteiligungsstufe Ausgestaltung (wesentliche Beteiligungsformate) ☐ Information ☐ Anhörung / Beratung ☐ Mitgestaltung / Mitverantwortung VARIANTE 2 ☐ Das Beteiligungskonzept ist bereits beigefügt beziehungsweise wird in der nächsten Sitzung zur Entscheidung vorgelegt. ☐ Folgender Verfahrenstyp wird empfohlen: Beteiligungsstufe Ausgestaltung (wesentliche Beteiligungsformate) ☐ Information ☐ Anhörung / Beratung ☐ Mitgestaltung / Mitverantwortung ☐ Eine Öffentlichkeitsbeteiligung ist gesetzlich vorgeschrieben. ☐ Folgende Form des Verfahrens ist vorgeschrieben: ☐ Das Beteiligungskonzept ist bereits beigefügt beziehungsweise wird in der nächsten Sitzung zur Entscheidung vorgelegt. ☐ Ein spezielles Verfahren ist nicht vorgeschrieben. Folgender Verfahrenstyp wird empfohlen: ☐ Eine freiwillige Öffentlichkeitsbeteiligung wird vorgeschlagen. VARIANTE 3 ☐ Eine freiwillige Öffentlichkeitsbeteiligung wird nicht vorgeschlagen, weil: Grund Begründung ☐ Dringlichkeitsentscheidung ☐ Eine Öffentlichkeitsbeteiligung hat bereits stattgefunden. ☐ Der Gestaltungsspielraum ist nicht ausreichend. ☐ Eine Verfahrensverlängerung erzeugt schwerwiegende Nachteile. ☐ Sonstiges Sollte der Platz zur Skizzierung d er Ausgestaltung der Öffentlichkeitsbeteiligung oder zur Begründung, weshalb keine Öffentlichkeitsbeteiligung vorgeschlagen wird, nicht ausreichen, fügen Sie bitte ein zusätzliches Blatt bei.
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: ungeändert beschlossen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 1719/2021
- Typ
- Beschlussvorlage Bezirksvertretung
- Datum
- 09.08.2021
- Erstellt
- 06.05.2021 08:18