2208/2024
Weiteres Vorgehen Hallen Kalk (Hallen 75-77)
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Anlage 10 Vorabauszug Ausschuss für Kunst und Kultur vom 03.12.2024
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Geschäftsführung Ausschuss Kunst und Kultur Frau Siemon Telefon: (0221) 23657 Fax: (0221) E-Mail: DezVII-Session@stadt- koeln.de Datum: 11.12.2024 Auszug aus dem Entwurf der Niederschrift der Sitzung des Ausschusses Kunst und Kultur vom 03.12.2024 öffentlich 4.3 Weiteres Vorgehen Hallen Kalk (Hallen 75-77) 2208/2024 Änderungsantrag der Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen, CDU und Volt betreffend "Weiteres Vorgehen Hallen Kalk (Hallen 75-77)" AN/1707/2024 I. Abstimmung über den Änderungsantrag Beschluss: Der Ausschuss für Kunst und Kultur beschließen ergänzend: Der „Peter und Irene Ludwig Stiftung“ werden zeitnah Alternativen für ihre Nutzungsrechte der Halle 76 vorgestellt und in Umsetzung gebracht. Abstimmungsergebnis: Mehrheitlich gegen die Fraktion Die Linke zugestimmt. II. Abstimmung über die so geänderte Vorlage Beschluss: 1. Der Rat der Stadt Köln beauftragt die Verwaltung, eine*n Projektentwick- ler*in (Stiftung, Gesellschaft, Einzelperson, Verein etc.) zu finden, die*der die Hallen 75 - 77 erwirbt (Verkauf oder Erbbaurecht) und einer stadtent- wicklungspolitisch sinnvollen Nutzung zuführt 2. In einem ersten Schritt wird hierzu eine europaweite Markterkundung oder ein vergleichbares Verfahren durchgeführt, um zu ermitteln, welche Nut- zungen zu welchen finanziellen Konditionen am Markt platziert werden können, um auf diese Weise ein erfolgreiches Vergabeverfahren zu er- möglichen. 3. Die Entscheidung über die Veräußerung (Verkauf oder Erbbaurecht) sowie die Nutzungsbindung trifft der Rat nach Vorberatung in der Bezirksvertre- tung Kalk, dem Stadtentwicklungsausschuss, dem Bauausschuss, dem Ausschuss Kunst und Kultur und dem Liegenschaftsausschuss. 4. Der „Peter und Irene Ludw ig Stiftung“ w erden zeitnah Alternativen für ihre Nutzungsrechte der Halle 76 vorgestellt und in Umsetzung gebracht. Abstimmungsergebnis: Mehrheitlich gegen die Stimmen der Fraktion Die Linke bei Stimmenthal- tung der Fraktionen SPD und FDP zugestimmt.
Anlage 8 Vorab-Auszug Niederschrift Bauausschuss vom 02.12.2024
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Geschäftsführung Bauausschuss Frau Huppertz Telefon: (0221) 221 22443 Fax: (0221) 221 22344 E-Mail: DezVI-Dezernatskoordination- Session@stadt-koeln.de Datum: 07.12.2024 Auszug aus dem Entwurf der Niederschrift der 28. Sitzung des Bauausschusses vom 02.12.2024 öffentlich 7.1 Weiteres Vorgehen Hallen Kalk (Hallen 75-77) 2208/2024 RM Kockerbeck merkt an, dass es am 16.05.2024 eine „Anregung aus der Bezirksver- tretung Kalk“ unter der Vorlagennummer 1444/2024 - Hallen Kalk 75-77 an der Be- triebsausschuss Gebäudewirtschaft aus dem Rat gegeben habe, in der die Verwal- tung um Stellungnahme gebeten worden sei. Er möchte wissen, zu welcher Sitzung des Betriebsausschuss Gebäudewirtschaft solle dem Ratsbeschluss entsprochen werden, sodass das Thema auf die Tagesord- nung gesetzt werde und die Verwaltung eine Stellungnahme abgebe. Zusätzlich möchte er wissen, ob nach den Regularien des Rates nicht zunächst die Vorlage 1444/2024 im Betriebsausschuss beraten und entschieden werden müsse, bevor die Vorlage 2208/2024 behandelt werde. Die Verwaltung sagt eine schriftliche Beantwortung zur kommenden Ratssitzung am 12.12.2024 zu. I. Mündlicher Änderungsantrag der Fraktion SPD betreffend Weiteres Vor- gehen Hallen Kalk (Hallen 75-77) (wie BV Kalk): RM Kircher beantragt die Abstimmung über die Änderungen der BV Kalk. Beschluss: 1. Der Rat der Stadt Köln beauftragt die Verwaltung, eine*n Projektentwickler*in (Stiftung, Gesellschaft, Einzelperson, Verein etc.) zu finden, die*der die Hallen 75 – 77 in Erbbaurecht erwirbt (Verkauf oder Erbbaurecht) und einer stadtent- wicklungspolitisch sinnvollen, insbesondere einer kulturellen, soziokulturellen oder sozialen, Nutzung zuführt 2. In einem ersten Schritt wird hierzu eine europaweite Markterkundung oder ein vergleichbares Verfahren bis Ende 2025 durchgeführt, um zu ermitteln, wel- che Nutzungen zu welchen finanziellen Konditionen am Markt platziert werden können, um auf diese Weise ein erfolgreiches Vergabeverfahren zu ermögli- chen. 3. Die Entscheidung über die Veräußerung in Erbbaurecht (Verkauf oder Erb- baurecht) sowie die Nutzungsbindung trifft der Rat nach Vorberatung in der Bezirksvertretung Kalk, dem Stadtentwicklungsausschuss, dem Bauaus- schuss, dem Ausschuss Kunst und Kultur und dem Liegenschaftsausschuss. 4. Für die möglicherw eise erfolglose Markterkundung w ird die Verw altung bis Ende 2024 ein Verfahren darstellen. Abstimmungsergebnis des Änderungsantrags der Fraktion SPD: Mehrheitlich gegen die Stimmen der Fraktionen SPD und Die Linke abgelehnt II. Ursprungsantrag betreffend Weiteres Vorgehen Hallen Kalk (Hallen 75-77): Der Bauausschuss empfiehlt dem Rat die Annahme folgenden Beschlusses: Beschluss: 1. Der Rat der Stadt Köln beauftragt die Verwaltung, eine*n Projektentwickler*in (Stif- tung, Gesellschaft, Einzelperson, Verein etc.) zu finden, die*der die Hallen 75 - 77 erwirbt (Verkauf oder Erbbaurecht) und einer stadtentwicklungspolitisch sinnvollen Nutzung zuführt 2. In einem ersten Schritt wird hierzu eine europaweite Markterkundung oder ein ver- gleichbares Verfahren durchgeführt, um zu ermitteln, welche Nutzungen zu wel- chen finanziellen Konditionen am Markt platziert werden können, um auf diese Weise ein erfolgreiches Vergabeverfahren zu ermöglichen. 3. Die Entscheidung über die Veräußerung (Verkauf oder Erbbaurecht) sowie die Nutzungsbindung trifft der Rat nach Vorberatung in der Bezirksvertretung Kalk, dem Stadtentwicklungsausschuss, dem Bauausschuss, dem Ausschuss Kunst und Kultur und dem Liegenschaftsausschuss. Abstimmungsergebnis: Mehrheitlich bei Enthaltung der Fraktionen SPD und Die Linke empfohlen.
Anlage 4 Ergänzung zur Beschlussvorlage
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Anlage 3 zu 2208-2024: Ergänzung zur Halle 76 Die vorliegende Beschlussvorlage bedarf einer Ergänzung, um den Sachverhalt zur Halle 76 in Kalk vollständig und korrekt darzustellen. Die Peter und Irene Ludwig-Stiftung hat auf Grundlage des Schenkungsvertrages von 1994 einen vertraglichen Anspruch auf die dauerhafte Bereitstellung einer Ausstellungshalle für das MUSEUM LUDWIG um Werke zeitgenössischer Kunst ausstellen und sichtbar zu machen. Die konkrete Zuordnung dieser Ausstellungshalle zur Halle 76 resultiert aus dem Ratsbeschluss vom 21.06.1994. In diesem Ratsbeschluss wurde gemeinsam mit der Annahme der Schenkung festgelegt, dass die Halle 76 dem MUSEUM LUDWIG als Ausstellungsfläche für zeitgenössische Kunst zur Verfügung stehen soll. Die Stadt Köln steht in engem Austausch mit der Peter und Irene Ludwig-Stiftung, um sicherzustellen, dass die vertraglichen Verpflichtungen eingehalten werden und die Ausstellungshalle gemäß den Vereinbarungen bereitgestellt wird. Für den Fall, dass die Auflage der Bereitstellung einer Ausstellungshalle nicht erfüllt wird, hat die Stiftung das vertragliche Recht, vom Schenkungsvertrag zurückzutreten und die Rückgabe der 82 Kunstwerke zu verlangen. In laufenden, vertraulichen Gesprächen wird derzeit eine Lösung erarbeitet, um den Vertrag in der aktuellen Situation vertragsgemäß umzusetzen und einen Ort für Ausstellungen des MUSEUM LUDWIG verfügbar zu machen.
Anlage 6 Beantwortung Fragen aus dem BA26
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Anlage 5 zur Beschlussvorlage 2208/2024: Beantwortung einer Nachfrage aus dem Betriebsausschuss Gebäudewirtschaft vom 4. November 2024 Der sachkundige Einwohner Eichelbaum-Röhl, FDP -Fraktion, bat in der Sitzung des Betriebsausschusses Gebäudewirtschaft um die Aufführung der monatlichen Kosten der Sicherung. Antwort der Verwaltung: Die Kosten der Sicherungsmaßnahmen für die Hallen 76 und 77 in Kalk (inklusive Personalkosten) betrugen in den Jahren 2023 insgesamt 126.115,09 Euro brutto und 2024 (Stand 5.11.2024) 87.620,79 Euro brutto.
Anlage 2.3 Nutzungsunabhängige Sicherungsmaßnahmen Teil 3
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HALLEN KALK 76/77 94 GRUNDLAGEN ZUR HALLE 77 Abb. 99: Außenaufnahme Westfassade BESTANDSERFASSUNG NACH KOSTENGRUPPEN KG 300 Außenwände Die WestfassadeWestfassade der Halle 77 ist als massive circa 52 Zenti- meter starke Mauerwerkswand mit zwei unterschiedlichen Materialien ausgeführt. Im unteren Bereich (circa 5,72 Meter Höhe) wurde ein dunkelrotgebrannter Ziegel im Reichs- format verwendet. Die Steine sind im Kreuzverband gelegt. Darüber wurden über eine Höhe von circa 2 Metern graue Bimssteine aufgemauert. Das Mauerwerk besitzt keine Vor- und Rücksprünge, wodurch die Fassade ein monolithisches Erscheinungsbild erhält. Eine Bohrkernuntersuchung ergab im inneren Wandbereich einen verhältnismäßig guten Wert. Es wurde eine Druckfestigkeitsklasse 12 N/mm² und eine mit Mörtelgruppe IIIa festgestellt. Die weitere Untersuchung einer Außenbohrung ergab jedoch nur eine Druckfestigkeitsklasse von 4 N/mm² bei einer Mörtelgruppe III. Die insgesamt elf Achsfelder lassen sich nur durch die Öffnungen erkennen. In jedem Achsfeld liegen eine oder mehrere Öffnungen in Form von Fenstern, Tore oder Türen vor. Die Fensteröffnungen be- sitzen eine Höhe von circa 2,90m und eine Breite von circa 3,00 Meter. Die Brüstungshöhe liegt bei circa 1,00 Meter. Die Fenstereinteilung lässt sich aufgrund der eingebauten Schutz- maßnahmen von außen nicht erkennen. Generell sind die Fenster aus insgesamt zwölf Glasscheiben aufgebaut, wobei jeweils zwei circa 50 x 150 Zentimeter große Scheiben in sechs Spalten angeordnet sind. Der Sturz der Fensterelemente besteht aus einem Stahlträger, der in das Mauerwerk eingelassen wurde. Darüber betont eine Rollschicht den Sturz. Hingegen wurde beim Sturz der Tor- anlage auf den Stahlträger verzichtet. Hier ist eine mehrteilige Rollschicht zu finden. Das Rolltor misst circa 3,20 Meter in der Breite und ca. 4,00 Meter in der Höhe. Dessen Lamellen sind HALLEN KALK 76/77 95 GRUNDLAGEN ZUR HALLE 77 grün beschichtet. Ausgeschlossen von dem Aufbau der Fens- terelemente sind die Öffnungen der Achse 7-8 und 9-10. Bei beiden liegt ein Zugang in Form einer Tür vor, der die Maße und Einteilung der Fenster zwangsweise reduziert. An der Westfassade lässt sich vorwiegend im nördlichen Be- reich ein Wechsel im verwendeten Material feststellen. Betrof- fen ist der Übergang zur Westfassade von Halle 76. Hier wur- den größere Flächen nachträglich mit andersfarbigen Ziegeln ausgebessert. Laut Vorplanungsbericht zur Tragwerksplanung von HIG ist an der Westfassade an den zwei stark durchfeuch- teten und durchwurzelten Mauerwerkspfeilern eine Sanierung bei einer Neuerstellung vorzusehen. Abb. 100: Ansicht West HALLEN KALK 76/77 96 GRUNDLAGEN ZUR HALLE 77 Abb. 101: Sims der ehemaligen Außenwand Abb. 102: freiliegende Stahlprofile der Fensterstürze Abb. 103: Ältestes Mauerwerk im Kreuzverband Abb. 104: Übergang Ziegel zu Bims, instabiles Mauerwerk HALLEN KALK 76/77 97 GRUNDLAGEN ZUR HALLE 77 Abb. 105: Bleibelasteter Türlack Abb. 106: Fassade West nach Entfernung Bewuchs Abb. 107: Reparaturstellen im Mauerwerk HALLEN KALK 76/77 98 GRUNDLAGEN ZUR HALLE 77 Die SüdfassadeSüdfassade ist im unteren Bereich als massive Mauer- werkswand errichtet, auf der sich die dreischiffige Stahlkons- truktion mit Mauerwerksausfachung aufbaut. In die circa 5,60 Meter hohe Mauerwerkswand sind mehrteilige Stahlstützen und Windverbände eingelassen. An deren Kreuzungspunkt sind außenseitig Knotenbleche angebracht. Die genannten Stützen gliedern die Fassade in vier Achsfelder, wobei deren Abmessung nicht einheitlich sind. Die Abstände variieren zwischen circa 8,70 Meter (westliches Seitenschiff), circa 8,05 Meter (beide Mittelschifffelder) und circa 7,85 Meter (öst- liches Seitenschiff). Die Wandstärke beläuft sich wegen des verwendeten Läuferverbands auf circa zwölf Zentimeter und übernimmt keine lastabtragende Funktion. Die rotgebrannten Ziegel sind dem Reichsformat zuzuordnen. Für die Ausfa- chung des über der Mauerwerkswand errichteten Fachwerks wurde eine andere Ziegelart verwendet. Der etwas hellere und homogenere Ziegelstein füllt die Gefache der Seitenschiffe im Läuferverband aus. Im Mittelschiff wurden nahezu alle Gefa- che mit Fensterelementen versehen, sodass hier eine großflä- chige Verglasung im Giebel entsteht. Je Gefach bestehen die Fenster aus fünf vertikal angeordneten Scheiben. Ausnahme bilden die beiden mittleren Gefache, die durch die asym- metrische Stützenstellung breitere beziehungsweise weniger Scheiben besitzen. Laut Vorplanungsbericht zur Tragwerkspla- nung von HIG weist die Stahlkonstruktion im oberen Bereich nur geringfügige Korrosionsschäden auf, wohingegen die Fußpunkte der mehrteiligen Stahlstützen gänzlich korrodiert sind. An der Mauerwerkswand lassen sich teilweise fehlende Steine und Ausbrüche identifizieren. Betroffen sind vor allem die Eckpfeiler. Abb. 108: Ansicht Süd HALLEN KALK 76/77 99 GRUNDLAGEN ZUR HALLE 77 Abb. 110: Ziegel im Läuferverband als Ausfachung Abb. 111: Detail Auskreuzung Abb. 109: Freigelegter Fußpunkt Abb. 112: Detailaufnahme Verglasung Südfassade HALLEN KALK 76/77 100 GRUNDLAGEN ZUR HALLE 77 Die OstfassadeOstfassade der Halle 77 folgt in ihrer Gestaltung und Materialität deren der Halle 76. Sie ist als massive circa 55 Zentimeter starke Mauerwerkswand mit braun-rotgebrannten Ziegeln im Reichsformat ausgeführt. Die Steine sind im Kreuz- verband gelegt. Lisenen im Raster von 4,60 Meter gliedern die Fassade in insgesamt elf Achsfelder. Die Lisenen treten dabei um circa 14 Zentimeter nach außen aus der Wandebene hervor und weisen eine Breite von circa 52 Zentimetern auf. Im Inneren verlängert sich deren Wandvorstand von circa 70 Zentimeter an der Südfassade bis zu 100 Zentimeter an der Nordfassade. Die Pfeiler sind in einem farblich abgesetzten dunkelgelben Ziegel gefertigt. Mit dem gleichen Stein sind die Segmentbögen der Fensterstürze, die Faschen der Oculi und das Traufgesims ausgeführt. In den elf Achsen erschei- nen jeweils zwei vertikale, kleinere Segmentbogenfenster mit einem darüberliegenden Oculus. Dementsprechend erweckt die Fassade einen geschlosseneren und massiveren Eindruck als die der Halle 76. Beide Segmentbogenfenster besitzen eine Höhe von circa 2,73 Meter (im Stich gemessen) und eine Breite von circa 1,20 Meter. Die Brüstungshöhe liegt bei circa 1,84 Meter. Generell sind die Fenster aus insgesamt neun Glas- scheiben aufgebaut, wobei jeweils vier circa 60 x 60 Zenti- meter große Scheiben in zwei Spalten angeordnet sind. Der Bogen wird durch eine einzelne Glasscheibe ausgefüllt. Bei den oberen vier Quadratscheiben handelt es sich um öffen- bare Elemente. Ausgeschlossen von diesem Aufbau sind die Fensterelemente der beiden südlich liegenden Achsen und der Achse 6-7. Bei letzterem liegt ein Zugang vor, der die Höhe der Fenster zwangsweise reduziert. Die Fensterbank ist bei den beiden Segmentbogenfenstern als Rollschicht ausgeführt. Auf Sockelhöhe definiert eine weitere Rollschicht den unteren Abschluss des Gebäudes. An der Ostfassade lässt sich ein geringfügiger Wechsel im verwendeten Material feststellen. Abb. 113: Außenaufnahme Ostfassade HALLEN KALK 76/77 101 GRUNDLAGEN ZUR HALLE 77 Abb. 114: Ansicht Ost Betroffen sind nur partielle Bereiche, vorwiegend an Lisenen und Fensterlaibungen, die nachträglich mit andersfarbigen Ziegeln ausgebessert wurden. Laut Vorplanungsbericht zur Tragwerksplanung von HIG liegt an der Ostfassade keine Standsicherheitsproblematik vor. Sanierungsmaßnahmen beschränken sich restauratorische Maßnahmen sowie Fugen- sanierungen. HALLEN KALK 76/77 102 GRUNDLAGEN ZUR HALLE 77 Abb. 115: Die nicht bauzeitlichen Anker sind anhand ihrer Mörtelumrandung gut erkennbar. Rechts eine aktuelle Sicherungsmaßnahme Abb. 116: Zusammengesetzte Außenaufnahme Ostfassade HALLEN KALK 76/77 103 GRUNDLAGEN ZUR HALLE 77 Abb. 117: Verglasung Obergaden Abb. 118: Traufgesims Abb. 119: Farbliche Gliederung Stürze und Lisenen HALLEN KALK 76/77 104 GRUNDLAGEN ZUR HALLE 77 KG 340 Innenwände Vermutet wird, dass die innere Struktur bis zur Höhe der Kran- bahn dem ursprünglichen Zustand entspricht. Darauf aufbau- end wurde die Dachstruktur verändert: Von ursprünglich zwei Satteldachkonstruktionen mit Mittelstützen zur einer großen Dachstruktur mit Obergaden. Diese Veränderung, welche die Seitenschiffe eher dunkler und das Mittelschiff deutlich heller erscheinen lassen, bestimmt den heutigen Innenraum. Das HallentragwerkHallentragwerk wurde als Stahlkonstruktion errichtet, die sich aus drei Mittelachsen in Achsabstände von circa 4,6 Meter zusammensetzt. Durch den Versatz der mittleren Stützenach- se kommt es zu asymmetrischen Abständen der mehrteiligen Stützen. Diese bestehen aus drei vertikalen Stahlprofilen, die untereinander sowohl mit horizontalen als auch diagonalen Streben verbunden sind. Auf den Stützen verlaufen in Längs- richtung die Träger der Kranbahn. Oberhalb der Kranbahn wechselt die Stützenausführung. An dem mittleren Stahl- profil der mehrteiligen Stützen verlängern zwei U-Profile die Stützenhöhe. An deren Kopf sind Walzprofile befestigt, die in den Seitenschiffen auf dem Mauerwerk aufliegen. Die Profile bilden das Auflager für längslaufende Stahlpfetten (circa alle zwei Meter). Alle Stahlbauteile sind mit einem bleihaltigen Anstrich versehen. Dieser überschreitet deutlich den zuläs- sigen Maximalwert. Über der Stahlkonstruktion baut sich die Dachhaut bestehend aus Holzsparren und einer Holzschalung auf. Die Holzelemente sind stellenweise vollkommen marode. Das darunterliegende Tragwerk weist aufgrund der fehlenden Aussteifung keine Stabilisierung in Querrichtung auf. Die Kons- truktion ab der Kranbahn aufwärts ist nur ungenügend bis gar nicht mit den Giebelwänden verbunden. Detaillierte Angaben zum Hallentragwerk und den Schäden finden sich im über- arbeiteten Erläuterungsbericht der HIG Ingenieurgesellschaft GmbH vom 14.02.2023. Abb. 120: Querschnitt HALLEN KALK 76/77 105 GRUNDLAGEN ZUR HALLE 77 Abb. 121: Innenaufnahme HALLEN KALK 76/77 106 GRUNDLAGEN ZUR HALLE 77 HALLEN KALK 76/77 107 GRUNDLAGEN ZUR HALLE 77 Abb. 122: Auflager auf westlicher Stützenreihe Abb. 123: Verbindung Mittelstütze mit Dachträgern Abb. 124: Verlängerung Fachwerkstützen Abb. 125: Anschluss Tragwerk Seitenschiff HALLEN KALK 76/77 108 GRUNDLAGEN ZUR HALLE 77 Im Inneren der Halle 77 sind im westlichen Seitenschiff ins- gesamt sechs Räume abgetrennt, die sogenannten Meister- büros. Die InnenwandInnenwand zur Halle hin ist als Eisenfachwerkwand ausgeführt, deren Gefache ab circa einem Meter Höhe mit Glasscheiben geschlossen sind. Abb. 126: Östliche Trennwand Waschraum zum Mittelschiff Diese Wände sind bis auf einige zerbrochene Verglasungen in einem guten Zustand, es konnten aber mehrere Schadstoffe nachgewiesen werden. So ist die Kittmasse der Stahlfenster mit Amphibol-Asbest belastet. Auch die Glasfaserdämmung zwischen der Verblechung stellt eine Schadstoffbelastung dar. Die Trennwände der WC‘s sind ebenfalls mit Asbest belastet. In Querrichtung werden die Räume durch Innenwände abge- trennt, die verschieden Ausführungen aufweisen. Die nördliche Innenwand zur Halle ist als Eisenfachwerk aus- geführt, deren Rasterung deutlich breiter ist als die der zuvor beschriebene Wand. Die Gefache sind mit Standard-Mauer- steinen geschlossen. Abb. 127: Nördliche Innenwand zur Halle Die Innenwände, welche die Meisterbüros an der Stelle des Rolltores in der Westwand unterbrechen, sind als massive Mauerwerkswand aus rotgebrannten Ziegeln im Kreuzverband ausgeführt. Die Oberfläche ist weiß gefasst, wobei der Sockel- bereich einen grauen Schutzanstrich aufweist. Die Wände weisen keine Schäden auf. Abb. 128: Trennwand zum Rolltor HALLEN KALK 76/77 109 GRUNDLAGEN ZUR HALLE 77 Abb. 129: Wände der Meisterbüros nach Abbruch der Decken HALLEN KALK 76/77 110 GRUNDLAGEN ZUR HALLE 77 Abb. 130: Innenaufnahme Halle 77 in Richtung Osten. Bewuchs aufgrund des Feuchteeintrags durch das marode Dach HALLEN KALK 76/77 111 GRUNDLAGEN ZUR HALLE 77 HALLEN KALK 76/77 112 GRUNDLAGEN ZUR HALLE 77 KG 350 Decke Die Decke Decke der Meisterbüros war als Holzbalkendecke ausge- führt. Die Holzschalung lag auf den quer verlaufenden Sparren auf. Die Unterseite der Decke bestand aus einem weiß gestri- chenem Gipsputz, der durch ein Drahtgitter gehalten wurde. Bei einer Schadstoffuntersuchung konnte kein Asbest festge- stellt werden. Im Raster der Außenstützen verlaufen Eisen- träger, welche die Innenwände der Meisterbüros statisch absichern. Die Decke konnte für die Wartung der Lüftungsanlage be- treten werden und war im nördlichen Teil mit einer Absturz- sicherung versehen. Durch Feuchtigkeitseintrag war die Decke stark baufällig. Aufgrund dieser statischen Mängel ist die Decke der Meister- Abb. 131: Südliches Ende Zwischendecke Abb. 132: Nördliches Ende Zwischendecke Abb. 133: Abgängige Deckenkonstruktion HALLEN KALK 76/77 113 GRUNDLAGEN ZUR HALLE 77 Im Inneren der Halle 77 findet sich in der Süd-Ost-Ecke eine TreppeTreppe, die als einläufige Treppe mit Zwischenpodest auf die Deckenebene der Meisterbüros führt. Die Treppe besteht aus Stahlwangen aus U-Profilen. Die Trittstufen aus Gitterrost sind mit den Stahlwangen verschraubt. Der Handlauf besteht aus verschweißten Stahlröhren. Aufgrund der Ausführung ist ein Einbau frühestens ab den 1950er Jahren denkbar. Gegenüber der Treppe führen noch zwei einzügige Steigleiter mit Rücken- schutz auf das Niveau der Kranbahn. Abb. 134: Steigleitern Süd-West Abb. 135: Stahltreppe Süd-Ost-Ecke HALLEN KALK 76/77 114 GRUNDLAGEN ZUR HALLE 77 KG 360 Dach Das Satteldach Satteldach über dem Mittelschiff der Halle 77 ruht auf 30 Zentimeter hohen I-Profilen im Raster von 4,60 Metern, die sich circa 60 Zentimeter östlich der Mittelachse im First tref- fen. Über Kopfbänder wird die Konstruktion auf die Ebene der Seitenschiffe heruntergeführt, wo die gleichen I-Träger bis zur Traufe weiterlaufen. Sowohl Satteldach als auch die PultdächerPultdächer über den Seitenschiffen besitzen eine Dachneigung von circa zehn Grad. Die Stahlkonstruktion weist schwerwiegende statische Mängel auf. Die Seitenschiffe und das Mittelschiff sind nicht an die Windverbände der Giebelwände angebunden. Auch können die Fachwerkstützen über die nachträgliche Verlängerung nicht die Funktion eingespannter Stützen übernehmen. Somit ist die Dachfläche nicht in Längsrichtung ausgesteift. Die Aussteifung in Querrichtung wird durch drei durchgehende Windverbände gewährleistet. Auf den Eisenprofilen der Unterkonstruktion liegen in Längs- richtung je vier Stahlpfetten pro Dachfläche im Abstand von circa zwei Metern auf. Die Dachschalung aus Holzbrettern wird von Holzsparren getragen. Die äußere Dachhaut bilden vier- lagig verlegte bituminöse Dachbahnen. Die Dachbahnen sind weder mit PAK noch Asbest belastet. Aufgrund der starken Feuchteschäden an der Holzkonstruktion ist eine Dichtheit der Dachhaut nicht anzunehmen. Die Holzschalung ist an sehr vielen Stellen marode und stark einsturzgefährdet. Es gilt ein generelles Betretungsverbot. Über dem Mittelschiff zieht sich ein circa 32 Meter langes und je circa 2,80 Meter der Dachneigung folgendes Oberlicht. Der Fugenkitt des Oberlichtes ist asbestbelastet. Abb. 136: Holzschalung, Holzsparren, Eisenpfetten HALLEN KALK 76/77 115 GRUNDLAGEN ZUR HALLE 77 HALLEN KALK 76/77 116 GRUNDLAGEN ZUR HALLE 77 Abb. 137: Obergaden Abb. 138: Giebelseite Abb. 139: marode Dachdeckung HALLEN KALK 76/77 117 GRUNDLAGEN ZUR HALLE 77 HALLEN KALK 76/77 118 GRUNDLAGEN ZUR HALLE 77 KG 400 Ausstattung / Haustechnik Von der Haustechnik Haustechnik und der ehemaligen technischen Gebäu- deausstattung sind noch Leitungen und Kanäle der Lüftungs- anlage sowie Rohrleitungen ehemaliger betrieblicher Anlagen in Halle 77 vorhanden. Bauteile der technischen Anlagen sind vorwiegend in der Süd-West-Ecke sowie oberhalb und in den Innenräumen entlang der Westfassade. Rohrleitungen ver- laufen entlang der Kranbahnschienen und in der Bodenplatte. Laut Schadstoffgutachten von HPC wurden für die Dämmun- gen und Ummantelungen der Lüftungsanlagen Künstliche Mi- neralfasern (KFM) und für die Flanschverbindungen der Rohre asbesthaltige Dichtungen verwendet. Beide Stoffe sind stark gesundheitsgefährdend und erfordern besondere Rücksicht bei Rück- oder Umbaumaßnahmen. Abb. 141: Lüftungsanlage ehemaliger Waschraum Meisterbüros Abb. 142: Lüftungskanäle oberhalb Meisterbüros Abb. 143: Rohrleitungen in Bodenplatte HALLEN KALK 76/77 119 GRUNDLAGEN ZUR HALLE 77 Abb. 144: Lüftungsanlage oberhalb Meisterbüros Abb. 145: Lüftungsanlage oberhalb Meisterbüros HALLEN KALK 76/77 120 GRUNDLAGEN ZUR HALLE 77 In Halle 77 befinden sich drei KranbahnenKranbahnen, je zwei im Mit- telschiff und eine im östlichen Seitenschiff. Im westlichen Seitenschiff befand sich vor dem Einbau der Meisterbüros eine weitere Kranbahn, deren Laufschienen noch vorhanden sind. Die Kranbahnen verlaufen alle in circa sechs Metern Höhe auf Laufschienen, die auf den Fachwerkstützen aufliegen. Ledig- lich die äußere Laufschiene im östlichen Seitenschiff liegt auf Mauerwerkspfeilern, die 85 Zentimeter weit in den Raum ragen und circa 52 Zentimeter breit sind. Aufgrund der Be- lastung durch die Kranbahn sind die Pfeiler noch durch zusätz- liche Zugbänder und Mauerwerksanker gesichert. Durch die Erkenntnisse aus der Erforschung der Bau- und Nutzungsge- schichte sind die Kranbahnen auf die 1960er Jahre zu datieren. Abb. 146: Kranbahn Mittelschiff Ost Abb. 147: Kranbahn Seitenschiff Ost Abb. 148: Kranbahn Mittelschiff West HALLEN KALK 76/77 121 GRUNDLAGEN ZUR HALLE 77 Abb. 149: Laufschiene ehemalige Kranbahn Seitenschiff West Abb. 150: Auflager Laufschiene Kranbahn Seitenschiff Ost HALLEN KALK 76/77 122 GRUNDLAGEN ZUR HALLE 77 ERLÄUTERUNG DES ZUSTANDS Statik 77 76 75 OTTMAR-POHL-PLATZ NEUERBURGSTRASSE SIEVERSSTRASSE Westfassade: Westfassade: · stellenweise marode Fassade (Steine & Gefüge) durch an- dauernde Feuchtebeanspruchung und Bewuchs · teilweise Rückbau und Rekonstruktion erforderlich · Sanierung der Fußbereiche der innen liegenden Kranbahns- tützen erforderlich SüdfassadeSüdfassade: · sehr starke Schädigung der Fußpunkte der Stahlstützen / Windverband durch starke Korrosion und teilweiser Zerstö- rung · alle untersuchten Fußpunkte müssen ersetzt werden - ggf. Fundamentierung möglich FEHLENDE BRANDWAND KLEINE SCHÄDEN EINSTURZGEFAHR (NICHT BETRETBAR) PARTIELL STRUKTURELLES VERSAGEN · leichte Korrosionsschäden im oberen Bereich · grundsätzlich: neuer Korrosionsschutz bei allen Außenbau- teilen Ostfassade: Ostfassade: · Sanierung Eckpfeiler zur Halle 76 erforderlich · restauratorische Arbeiten und Fugensanierung erforderlich NordfassadeNordfassade: · Fußpunkt Stahlstützen mit ähnlich schwerer Schadensinten- sität wie Südfassade DachDach: · Dacheindeckung in Holz ist stellenweise vollkommen marode · generelles Betretungsverbot wegen Einsturzgefahr (!) · vollständiger Rückbau der Holzkonstruktion erforderlich · leichte Korrosionsschäden an den Stahlprofilen · Dacheindeckung inkl. Obergaden / Oberlicht ist neu herzu- stellen · Einbau neuer Stahlwindverbände in den Dachflächen der Seitenschiffe als notwendige Gebäudestabilisierung · Anschluss der Windverbände des Daches an Windverbände der Giebelwände erforderlich Hinweis HIG:Hinweis HIG: „Unter Berücksichtigung eines potenzierten Schadenzuwach-„Unter Berücksichtigung eines potenzierten Schadenzuwach- ses kann ohne einzuleitende Sanierungsmaßnahmen mittel-ses kann ohne einzuleitende Sanierungsmaßnahmen mittel- fristig die Standsicherheit der gesamten Halle 77 nicht mehr fristig die Standsicherheit der gesamten Halle 77 nicht mehr gewährleistet werden!“gewährleistet werden!“ HALLEN KALK 76/77 123 GRUNDLAGEN ZUR HALLE 77 Denkmalwert 77 76 75 OTTMAR-POHL-PLATZ NEUERBURGSTRASSE SIEVERSSTRASSE Die WestfassadeWestfassade ist der älteste Fassadenteil des gesamten Komplexes von 1872/74. Hervorgegangen aus einer neben der Halle 77 stehenden Halle zeigt die heutige Außenseite die Innenansicht dieser abgerissenen Halle. Im Bereich des Bims- steinmauerwerks lief vermutlich eine nicht mehr vorhandene Kranbahn. Mit den ausgefachte Stahlfachwerk bildet die SüdfassadeSüdfassade die innere Stützenstruktur und Windaussteifung nach außen ab. Unterhalb der Giebelverglasung ist in der Horizontalen ein- deutig die Ebene zu erkennen, ab der die Dachstruktur nach dem Krieg verändert wurde. Problematisch ist die Grenzstän- digkeit dieser Fassade ohne Ausbildung einer Brandwand zum direkten Nachbarn. Die bauzeitliche OstfassadeOstfassade weist pro Achsraster jeweils zwei vertikale Lochfenster mit darüber liegendem Oculus auf. Das massive Erscheinungsbild wird durch die Klinkerfassade ge- prägt. Die Lisenen sowie die Fensterstürze sind bis heute in einem gelblichen Klinker gehalten. Durch die Veränderung der Dachstruktur wurde das TragwerkTragwerk oberhalb der Kranbahn ebenfalls grundlegend verändert. Im Bereich des heutigen Firsts verlief die Kehle zwischen den ehemaligen Dächern. Das DachDach wurde aufgrund von Kriegsschäden noch während des Zweiten Weltkrieges grundlegend verändert und über- spannt nun im basilikalen Querschnitt einschließlich Ober- gaden zwei ehemalig nebeneinander liegende Hallen mit vormalig getrennten Satteldächern. HOHER DENKMALWERT MITTLERER DENKMALWERT GERINGER DENKMALWERT HALLEN KALK 76/77 124 GRUNDLAGEN ZUR HALLE 77 höheren Aufwand und kostenintensiveren Entsorgung auszu- gehen. Der Fensterkitt der FassadenfensterFassadenfenster ist nach bisheriger Be- probung unbelastet. Hingegen wurden bei dem Fensterkitt der Dachfenster Asbest in der Kategorie der Gefahrenstoffe festgestellt. Diese müssen bei einer Sanierung unter ver- stärkter Sicherungsaspekten entsorgt werden. Der Lack der Fassadenfenster weist nur einen unbedenklichen PCB-Anteil auf. Der Lack der Eingangstür ist hingegen stark bleihaltig. Für diesen gelten die gleichen Bedingungen wie für die Anstriche des Tragwerkes. Das DachDach ist nach bisherigen Beprobungen schadstofffrei. Flanschdichtungen der Technische AnlagenTechnische Anlagen, Rohrleitungen bestehen aus Asbest. Bei der Leitungsdämmung wurde KMF identifiziert. Bei dem Ausbau der Leitungen ist auf eine fach- gerechte Sicherung und Entsorgung zu achten. Detaillierte Angaben zu den Schadstoffproben finden sich im Erläuterungsbericht der HPC AG vom 23.04.2015 und 18.07.2022. Hinweis HPC:Hinweis HPC: „Für eine Wiederherstellung der Hallen zu einem vergleich-„Für eine Wiederherstellung der Hallen zu einem vergleich- barem Nutzungszweck wären abhängig vom vorgefundenen barem Nutzungszweck wären abhängig vom vorgefundenen Schadstoff und der Erfordernis einer Sanierung aufwendige Schadstoff und der Erfordernis einer Sanierung aufwendige Demontagearbeiten unter Beachtung von Schutzmaßnahmen Demontagearbeiten unter Beachtung von Schutzmaßnahmen in Form von Abschottungen mit technischer Luftführung und in Form von Abschottungen mit technischer Luftführung und Einrüstung erforderlich.“Einrüstung erforderlich.“ Schadstoffe 77 76 75 OTTMAR-POHL-PLATZ NEUERBURGSTRASSE SIEVERSSTRASSE Den AußenwändenAußenwänden wird keine Schadstoffbelastung zugespro- chen. Hingegen liegt bei den gebäudeinneren Raumtrennwän- den sowohl der Gefahrenstoff Amphibol-Asbest als auch KFM vor. Auch in den WC-Trennwänden wurde Asbest (Chrysotil) nachgewiesen. Für beide Bauteile ist ein Sicherung- und Ent- sorgungskonzept notwendig. Die BodenplatteBodenplatte scheint nach bisheriger Beprobung schad- stofffrei zu sein. Die dort verwendete Fugenmasse enthält einen geringen Anteil an PAK, ist jedoch als unbelastet ein- gestuft. In der Beschichtung wurden keine Anzeichen von PCB oder Asbest gefunden. Die Beschichtung des TragwerkesTragwerkes (grün-rot) weist einen geringen Anteil an PCB dafür einen extrem hohen Anteil an Blei auf. Die Anstriche müssen folglich zu den Gefahrenstoffen eingeteilt werden. Auch hier ist bei der Sanierung von einem ASBEST (FUGENKITT+ABDICHTUNG) PCB + BLEI (STÜTZENANSTRICH) KEINE SCHADSTOFFBELASTUNG HALLEN KALK 76/77 125 GRUNDLAGEN ZUR HALLE 77 HALLEN KALK 76/77 126 GRUNDLAGEN ZUR HALLE 77 PFLICHTMASSNAHMEN UND HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN Pflichtmaßnahmen Aufgrund zahlreicher Schäden und der eklatanten Einsturzge- fahr durch Bauteilversagen des Tragwerkes sind bei jeglichem Sicherungskonzept folgende bauliche Pflichtmaßnahmen un- weigerlich auszuführen: Im ersten Schritt muss die Deckung des Daches vollständig rückgebaut werden. Die sekundäre Tragstruktur bestehend aus Holzsparren und Holzschalung ist partiell vollkommen ma- rode. Es besteht absolutes Betretungsverbot. Der fehlenden Gebäudestabilisierung muss mit Stahlwindverbänden in den Seitenschiffen entgegnet werden. Diese sind an die Windver- bände der Giebelwände anzuschließen. Die Westwand muss stellenweise ertüchtigt werden. Ver- wurzelungen und langjähriger Feuchteeintrag haben in den betroffenen Bereichen Steine und Verband zerstört. Hier muss das desolate Mauerwerk ausgebaut und von Grund auf er- neuert werden. Die Südfassade muss wegen stark geschädigter Fußpunkte der Stahlstützen und fehlender Brandschutzanforderungen vollständig rückgebaut werden. Der fortgeschrittene Korro- sionsprozess der Stahlstützen erfordert deren neue Funda- mentierung. Ein ähnliches Bild zeigen die Fußpunkte der Stützen an der Nordwand. Auch diese sollten einer Fundamentsanierung unterzogen werden. Handlungsempfehlung Die Pflichtmaßnahmen vervollständigend werden nicht erfor- derliche jedoch sinnvolle Handlungen empfohlen. Diese tragen zur Qualitätssteigerung des Gebäudes bei: Grundsätzlich sollten schadstoffbelastete und einer Nut- zung hinderlichen Gefahrenstoffe aus dem Gebäude entfernt werden. Zu nennen wären hier die inneren Raumtrennwän- de, die grün-roten Anstriche des Tragwerkes sowie Bauteile technischer Anlagen. Hier liegen asbesthaltige, bleihaltige und KMF-haltige Materialien vor. Des Weiteren würde eine Sanierung der Mauerwerkswände von West- und Ostfassade die Langlebigkeit der Gebäudehülle garantieren. Vor allem dem Eckpfeiler der Ostfassade ist eine genauere Betrachtung zu schenken. Dieser weist Risse auf, die zwar aus statischer Sicht unbedenklich sind, aber dennoch eine zukünftige Gefahrengrundlage darstellen. Deren Sanie- rung würde das Gefahrenpotenzial senken. Mit einer Fugensa- nierung der Mauerwerkswände könnten langfristig Feuchtig- keitseinflüsse in das Bauwerk minimiert werden. HALLEN KALK 76/77 127 GRUNDLAGEN ZUR HALLE 77 77 76 75 Abb. 151: Pflichtmaßnahmen Halle 77 HALLEN KALK 76/77 128 GRUNDLAGEN ZUR HALLE 77 HALLEN KALK 76/77 129 GRUNDLAGEN ZUR HALLE 77 Kurzzusammenfassung Halle 77 Halle 77 ist mit ihrer Grundfläche von 1.750 Quadratmetern der zweitgrößte Baukörper des aus Halle 75, 76 und 77 bestehenden Gebäudekomplexes. Das Gebäude ist als dreischiffiger Hallenbau mit innerem Stahltragwerk errichtet. Die Südfassade bestehen dabei aus einem Stahlfachwerk mit Mauerwerksgefache, West- und Ost- fassade hingegen aus massiven Mauerwerkswänden. Vor allem am Dach sind Zeugnisse der Umbauphasen zu erkennen, wie denen des basilikalem Dachquerschnitt, einer Reparaturmaßnahmen infolge von Kriegsschäden. Als besonders schützens- und erhaltenswert werden die Mauerwerkswände der West- und Ostfassade angese- hen. Auch das bauzeitliche Tragwerk der im Erdgeschoss befindlichen Stützenreihen trägt zum Denkmalwert des Gebäudes bei. Schon 2015 wurde das Gebäude als einsturzgefährdet eingestuft. Die aktuellen Untersuchungen unterstrei- chen dieses Ergebnis. Insbesondere die Südfassade ist im Begriff zu versagen. Schäden sind im Begriff sich auf benachbarte Bauteile auszuweiten. Ausgeführte Schadstoffuntersuchungen ermittelten diverse im Bauwerk vorkommende Gefahrenstoffe. Neben asbestbelasteten Baustoffen wurden an allen Stahlelementen bleihaltige- haltige Anstriche identifiziert. All diese Mängel und irreparablen Schäden erfordern bauliche Pflichtmaßnahmen, bestehend aus dem Rückbau der gesamten Dachfläche sowie der kompletten Südfassade. Die Mauerwerks- wände und das Stahltragwerk müssen ertüchtigt werden. Eine Sanierungsmöglichkeit unter normalen Umständen ist nicht gegeben. Es bedarf besonderer Sicherheits- vorkehrungen. Die erarbeiteten Untersuchungen und Handlungsempfehlungen dienen als Grundlage für die angestrebte nutzungsunabhängige Sicherungsmaßnahme. HALLEN KALK 76/77 130 GRUNDLAGEN ZUR HALLE 77 KRANBAHN HALLEN KALK 76/77 132 KRANBAHN Kranbahn Westlich der drei Hallen 75, 76 und 77 verläuft über insgesamt 29 Stützen eine außen liegende Kranbahn in circa 7,50 Metern Höhe. Der Abstand der beiden Stützenreihen beträgt circa 13,50 Meter zueinander. Die Stützen weisen unregelmäßige Abstände von circa 5,90 bis circa 14,50 Meter zueinander auf. Auch unterschieden sich die Ausführungen der Stützenfunda- mente. Die Stützen sind als Fachwerkstütze ausgeführt, deren Eisenbauteile über Nieten verbunden sind. Die Ausführung ist den Fachwerkstützen in Halle 77 sehr ähnlich. Die Lauf- schiene der Kranbahn und die Verstrebungen sind dagegen verschraubt. Teilweise weisen die Stützen leere Verbindung auf. Insgesamt sind drei verschiedene Walzzeichen aus unter- schiedlichen Produktionszeiten an den Stützen zu erkennen. Beim Bau des Kalk-Karrees wurden mehrere Stützen der west- lichen Stützenreihe entfernt. Durch Luftaufnahmen aus den Jahren 1945 und 1951 sowie Planzeichnungen von 1949 und 1952 kann die Bauzeit der Kranbahn gut bestimmt werden. Dies fällt auch mit einer Nut- zungsänderung der Halle 77 zusammen, die seit 1951/52 für die Lagerfertigung benutzt wurde, während Halle 76 bereits zuvor als Lager diente. Entgegen der bisherigen Darstellung in der Begründung der Unterschutzstellung kann so gezeigt werden, dass die Kranbahn auf eine Bauzeit zwischen 1949 und 1951 zu datieren ist. HALLE 77 SIEVERSSTRAßE HALLE 75 OTTMAR-POHL-PLATZ NEUERBURGSTRAßE KALK-KARREE HALLE 76 Abb. 152: Lageplan mit Einzeichung der westlich gelegenen Kranbahn HALLEN KALK 76/77 133 KRANBAHN Abb. 153: Walzzeichen an Fachwerkstütze Abb. 154: Wechsel von vernieteten zu verschraubten Verbindungen Abb. 155: Unterschiedlich ausgeführte Stützenfundamente. HALLEN KALK 76/77 134 KRANBAHN VORENTWÜRFE HALLEN KALK 76/77 136 VORENTWÜRFE: VARIANTE 1 - SCHUTZHÜLLE HALLEN KALK 76/77 138 VORENTWÜRFE: VARIANTE 1 - SCHUTZHÜLLE 16 17'17 0 77 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 C B A E D C C' B A 8 15 14 13 12 11 10 9 7 6 5 4 3 2 1 76 +11.00 m +14.42m Abb. 156: Isometriedarstellung des Vorentwurfs Variante 1 - Schutzhülle HALLEN KALK 76/77 139 VORENTWÜRFE: VARIANTE 1 - SCHUTZHÜLLE Entwurfsidee Variante 1 - Schutzhülle verfolgt das Ziel Halle 76 und 77 sehr zeitnah und ohne erheblichen Planungsaufwand vor weiteren Witterungseinflüssen zu sichern sowie ausgehende Gefahren abzufangen. Städtebauliche Intentionen wurden nicht defi- niert. Das bauliche Ziel wird erreicht, indem sowohl Fassaden als auch Dächer beider Hallen mit einem Schutzgerüst ummantelt und somit vor Witterung geschützt werden. Der Korrosions- prozess aller Stahlelemente und der Schadensfortschritt an weitereren Bauteile wird damit verlangsamt. Der Auf- und Abbau des Schutzgerüsts kann zügig umgesetzt werden. Für zukünftige Bauherren-Entscheidungen soll durch diese Variante eine möglichst große terminliche und techni- sche Flexibilität entstehen. Maßnahmen Die Maßnahmen beinhalten vorrangig das Errichten reversibler Sicherungs- und Schutzgerüste. Die bereits bestehenden Interimsmaßnahmen werden ab- gebaut und von der Schutzhülle als ganzheitliches System ersetzt. Alle Fassaden- und Dachflächen werden mit einem wasserabweisenden Schutzgerüst eingehaust. Dies schließt auch unzugänglichere Bereiche wie den Übergang zwischen Halle 76 zu Halle 75 sowie dem Übergang zum Kalk-Karree mit ein. Für die Standsicherheit des Gerüsts werden die Wetter- schutzelemente mit einem ausreichendem Abstand errichtet, und partiell an den Bauwerken verankert. Die Verankerung wird lediglich an tragfähigen Bauteilen möglich sein, sodass es in gewissen Bereichen, wie der Westfassade von Halle 76, zu aufwendigen Eingriffen und Sonderkonstruktionen kommt. Hier werden Teile der Ausfachung rückgebaut, um Rückver- ankerungen an den standsicheren Stützen zu montieren. Das Schutzdach wird als freitragende, stützenlose Konstruktion ausgebildet. Bei zu hohen Spannweiten könnten die Dächer auf Stützgerüste angewiesen sein. Dies würde Durchbrüche der Dachhaut nach sich ziehen. Eine Notwendigkeit ist vor Beginn der Maßnahme zu prüfen. Abb. 157: Isometrie zur Visualisierung der geplanten MaßnahmenMaßnahmen von Variante 1 - Schutzhülle Die Funktion des Gerüstes beschränkt sich nicht nur auf die des Wetterschutzes und der Abwehr von Windlasten, sondern ermöglicht gleichzeitig das erforderliche Monitoring. Wegen der Überschreitung des Schutzgerüstes auf Verkehrsflächen in der Neuerburgstraße wird hier eine geänderte Straßenführung HALLEN KALK 76/77 140 VORENTWÜRFE: VARIANTE 1 - SCHUTZHÜLLE notwendig sein. Alle dafür vorzusehenden Einrichtungen wer- den aufgebaut, vorgehalten, betrieben und mit Demontage des Gerüstes wieder abgebaut. Bis auf die genannten Eingriffe erfolgen keine baulichen Maß- nahmen. Das Tragwerk und in die historische Bausubstanz bleiben weitestgehend unangetastet. Interimsmaßnahme Die Schutzhülle stellt eine längerfristige Interimssicherung des Gebäudekomplexes dar und ersetzt somit erforderliche Zwischenmaßnahmen zum Gebäude- und Personenschutz. Aufgrund der unregelmäßigen beziehungsweise fehlenden Beaufsichtigung beider Hallen müssen die Gerüste das Abb. 158: Isometrie zur Visualisierung der notwendigen InterimsmaßnahmenInterimsmaßnahmen von Variante 1 - Schutzhülle Betreten Unbefugter durch entsprechende Sicherungsmaß- nahmen verhindern. Anti-Kletterschutzsysteme oder Protec- Einhausungen sollten hierfür installiert werden. Die Gerüststel- lung führt wegen dem geringen Abstand von den Gebäuden zur Straßenebene zu einer starker Beeinträchtigung des Straßenraums. Die Neuerburgstraße muss für die Dauer der gesamten Standzeit verkehrstechnisch aufwendig angepasst werden. Die hierfür erforderlichen Genehmigungen sind als Teil der Interimsmaßnahme anzusehen. Ebenso bedarf es der Zustimmung für das hofseitige Gerüststellen zum südlichen Nachbarn. Denkmalwert Die Maßnahmen der Schutzhülle führen zu keiner Veränderung des Denkmalwertes. An den baulichen Anlagen erfolgen keine größeren Eingriffe, sodass sowohl das Erscheinungsbild als auch die Bausubstanz vorwiegend erhalten bleiben. Unter Denkmalschutz stehenden Elemente werden baulich kaum bis nicht beeinflusst. Schadstoffe Im Zuge der Sicherungsmaßnahmen erfolgt keine Schadstoff- sanierung. Belastete Bauteile verbleiben in unverändertem Zustand in den Gebäuden. Erst im Rahmen einer Nachnutzung werden die Schäden behoben und Schadstoffe entfernt. Tragwerk Es werden keine Ertüchtigungen zum Erreichen der statischen Standsicherheit vorgenommen. HALLEN KALK 76/77 141 VORENTWÜRFE: VARIANTE 1 - SCHUTZHÜLLE Alle tragkonstruktiven Elemente bleiben unangetastet. Dies betrifft sowohl alle Stahlkonstruktionen als auch alle Mauer- werkskonstruktionen. Die Dachflächen bleiben weiterhin nicht betretbar. Die Gefahr von herabfallenden Bauteilen an Dach und Fassade bleibt bestehen. Brandschutz Der erforderliche Brandschutz wird nicht hergestellt. Betroffene Bauteile wie die der Südfassade von Halle 77 als auch die der anderen Fassaden erfahren keine baulichen Maß- nahmen. Die Problematik der fehlenden Brandwand bleibt weiterhin bestehen. Städtebauliche Auswirkung Eine positive Veränderung der städtebaulichen Situation wird durch die Errichtung der Schutzhülle nicht erreicht. Im Ver- gleich zur bestehenden Situation verliert der öffentliche Raum deutlich an Aufenthaltsqualität. Da es zu keiner gebäudeübergreifenden Öffnung oder Inter- aktion kommt, besteht weiterhin eine trennende Wirkung zwi- schen dem Ottmar-Pohl-Platz und den Hallen Kalk im Osten. Das Einbeziehen der Hallen 76/77 in den städtebaulichen Rahmenplan ist aufgrund der kompletten Einhausung nahezu ausgeschlossen. Das Bild der ewigen Baustelle wird vor allem den Ottmar-Pohl-Platz negativ beeinflussen. Aber auch die Neuerburgstraße wird unter den Auswirkungen der Schutzhül- le und dem veränderten Straßenraum leiden. 76 NEUERBURGSTRASSE Dillenburger Straße 77 HALLENKOMPLEX TRENNT ÖFFENTLICHE PLÄTZE Abb. 159: Isometrie zur Visualisierung der städtebaulichen Auswirkungen städtebaulichen Auswirkungen von Variante 1 - Schutzhülle Lastenheft Die erforderlichen Leistungen und Maßnahmen des Bauherrn setzen sich aus dem Monitoring und der Sicherheitskontrolle der Hallen zusammen. Das Monitoring ist in kurzen Abständen zu unternehmen, da die Hallen weiterhin dem Verfallungsprozess unterlie- gen. Dabei ist der Zustand der baulichen Anlagen als auch die Auswirkung auf die Bausubstanz zu beobachten und zu dokumentieren. Gleichzeitig müssen die Gebäude in einem de- taillierten Aufmaß erfasst werden. Die Daten dienen als Basis für die folgenden Instandsetzungs-, Sanierungs- und Rekons- truktionsmaßnahmen unter denkmalpflegerischen Aspekten. Bei der Sicherheitskontrolle liegt das Augenmerk auf der regelmäßigen Begutachtung der Sicherungseinrichtungen, die im Zweifel gesichert oder wiederhergestellt werden müssen. Nur so kann der Personenschutz durch Hinderung unbefug- ten Betretens gewährleistet werden. Eine Beauftragung eines Sicherheitsunternehmens scheint hierfür sinnvoll. HALLEN KALK 76/77 142 VORENTWÜRFE: VARIANTE 1 - SCHUTZHÜLLE Wirksamkeit der Maßnahmen Im Hinblick auf die Wiederherstellung der Standsicherheit sind die Maßnahmen der Schutzhülle als ungenügend zu bezeich- nen. Die Maßnahmen tragen zwar zur Verlangsamung des Verfal- lungsprozesses bei, können diesen jedoch nicht in seiner Gän- ze aufhalten. Die thematisierten Pflichtmaßnahmen kommen nicht zum Tragen. Die kurzfristige Realisierung der Schutzhülle führt nicht zur Gefahrenabwehr von Bauteilversagen. Es muss demnach zeitnah eine bauliche Maßnahme folgen, um die Ge- bäude auch in ferner Zukunft zu erhalten. Nur dann haben die Maßnahmen ihren Nutzen erfüllt. Nachhaltigkeit Die Aspekte der Nachhaltigkeit werden in dieser Variante aus- reichend berücksichtigt. Die Nachhaltigkeit hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu zählen unter anderem die Dauerhaftigkeit der Siche- rungsmaßnahme, der nachhaltige Einsatz von Ressourcen sowie der weitere Umgang mit den Gebäuden. Da mit dieser Variante die Standsicherheit nicht erreicht wird, kann von keiner Dauerhaftigkeit der Sicherung gesprochen werden. Der erforderliche Rückbau eingesetzter Elemente, wie denen der Wetterschutzprofile, hält sich in Grenzen, ist jedoch als nicht nachhaltig anzusehen. Sofern in naher Zukunft kein Fahrplan für die Sanierung aufgestellt und ausgeführt wird, muss von einem verzögerten kontrollierten Verfall ausgegangen werden. Nutzungsperspektive Eine Nutzung beider Hallen nach Abschluss der Sicherungs- maßnahmen ist in jeder Hinsicht ausgeschlossen. Die Standsicherheit der Gebäude wurde nicht wiederherge- stellt. Die Gefahr von herabfallenden Bauteilen in Kombination mit dem einsturzgefährdeten Dach von Halle 77 ist weiterhin akut. Alle schadstoffbelasteten Bauteile sind noch vorhanden. Personen darf der Zugang zu den Hallen nicht ermöglicht werden. Kosten Die Baukosten beziehen sich auf die Kostenschätzung vom 01.02.2023 und belaufen sich auf 23.000.000 € netto. Kosten- schätzungen spiegeln eine Genauigkeit von +/- 30% wieder (hier +/- 6.900.000 €). Details zu den Kosten siehe Kurzauflistung auf der nachfol- genden Seite sowie weitere Detaillierungen in Kostenaufstel- lungs- und Kostenberechnungstabellen im Anhang. Termine Bei einem Beginn der Planungsleistung zu Anfang des dritten Quartals 2023 ist mit einer Fertigstellung im dritten Quartal 2024 zu rechnen. Details zu den Terminprognosen siehe Visualisierung im Gantt- Diagramm auf der nachfolgenden Seite. Risiken Da keine der vorliegenden Schadensbilder behoben werden, können sich diese zu irreparablen Schäden bis hin zu Bauteil- versagen ausweiten. Im Falle einer Nachnutzung kann es zu einem hohen Maß an nicht haltbarer Substanz kommen, die aufwendig restauriert werden muss. Bei einem Bauteilver- sagen ist die Standsicherheit des Schutzgerüstet gefährdet. Ein- beziehungsweise Umstürzen des Gerüsts ist nicht auszu- HALLEN KALK 76/77 143 VORENTWÜRFE: VARIANTE 1 - SCHUTZHÜLLE schließen. Nachteile Die meisten Nachteile der Maßnahmen lassen sich auf die wei- terhin gefährdete Standsicherheit der Gebäude zurückführen. Da keine Schäden der Hallen behoben werden, können diese weder genutzt noch betreten werden. Die Maßnahmen führen zu keinen baulichen Verbesserungen des Komplexes. Zu- dem führt das Schutzgerüst zu einer unverändert schlechten städtebaulichen Situation sowie zu eingeschränkten Verkehrs- wegen. Vorteile Der große Vorteil der Schutzhülle liegt in der kurzen Planungs- und Bauzeit. Eine Verlangsamung des Verwitterungsprozesses wird somit schnell erreicht. Daneben kommt es vorerst zu keiner Veränderung des Denkmalwertes, da nahezu alle Bau- elemente am Gebäude verbleiben. Erfüllungsgrad Qualitätsmerkmale Die erörterten Qualitätsmerkmale wurden gemäß ihrer Wichtigkeit eingestuft und sind im folgenden absteigend aufgeführt: Wirksamkeit der Sicherungsmaßnahme, Termine, Nachhaltigkeit, Nutzungsperspektive, Städtebauliche Auswir- kung, Denkmalwert. Der Durchschnitt aller Qualitätsmerkmale resultiert in einem geringen Erfüllungsgrad. Dies lässt sich vor allem auf die un- genügende Wirksamkeit der Sicherungsmaßnahme zurück- führen. Empfehlung Variante 1 wird empfohlen, wenn sofort mit der Errichtung einer Schutzmaßnahme begonnen werden soll und die Evalua- tion zukünftiger Nutzungen umgehend startet. Von Seiten des Tragwerksplaners wird Variante 1 nur bedingt empfohlen (vgl. HIG Vorplanungsbericht Tragwerksplanung - Zusammenfas- sung vom 10.11.2022, Überarbeitung vom 14.02.2023). HALLEN KALK 76/77 144 VORENTWÜRFE: VARIANTE 1 - SCHUTZHÜLLE Kostenschätzung KG Bauelement Halle 76 Halle 77 Maßnahmen Kosten netto in Mio. € Maßnahmen Kosten netto in Mio. € 320 Gründung - 15,9 15,9 16,3 - 5,5 5,5 5,9 330 Außenwand Ost · Fassadenmodularbeitsgerüst 3,9 · Fassadenmodularbeitsgerüst · 100 wo Vorhaltezeit 1,2 Außenwand Nord · Fassadenmodularbeitsgerüst 1,6 - Außenwand Süd · Fassadenmodularbeitsgerüst 1,6 · Fassadenmodularbeitsgerüst · 100 wo Vorhaltezeit 1,0 Außenwand West · Fassadenmodularbeitsgerüst 7,9 · Fassadenmodularbeitsgerüst · 100 wo Vorhaltezeit 0,5 340 Innenraum - - 350 Decken · allgemeine Ertüchtigungsmaßnahmen 0,2 - 360 Dach - · Wetterschutzdach · Tragwerk aussteifen 0,4 390 Sonstiges · Baustelleneinrichtung · Bauendreinigung 0,7 · Baustelleneinrichtung · Bauendreinigung 2,4 400 Haustechnik - - 700 Planung* · Ingenieurvermessung 0,4 0,4 0,4 · Monitoring 0,4 0,4 0,4 Planungszeit 0,5 Jahre Bauzeit 0,5 Jahre Baukosten 23.000.000 € netto** * Planungskosten sind nicht enthalten ** darin sind keine Kosten für die Kranbahn enthalten HALLEN KALK 76/77 145 VORENTWÜRFE: VARIANTE 1 - SCHUTZHÜLLE 2023 2024 Terminprognose Vorhalten Interimsmaßnahme Planung Sicherungsmaßnahme Ausführung Sicherungsmaßnahme Freigabe Gebäude Standsicherheit wiederhergestellt 2025 2026 2027 2028 2029 6 Mo. 6 Mo. 12 Mo. HALLEN KALK 76/77 146 VORENTWÜRFE: VARIANTE 1 - SCHUTZHÜLLE Referenzen Rückbaubare Hülle: Shengli Market, Puyang [Quelle: https:/ /www.dezeen.com/2019/09/06/luo-studio-shengli-market-recyclable-architecture-china/] HALLEN KALK 76/77 147 VORENTWÜRFE: VARIANTE 1 - SCHUTZHÜLLE Schutzhülle The Hill House Box, Helensburgh [Quelle: https:/ /www.carmodygroarke.com/hill-house/] HALLEN KALK 76/77 148 VORENTWÜRFE: VARIANTE 1 - SCHUTZHÜLLE Abb. 160: Beispiel eines Raumgerüsts [Quelle: https:/ /www.stahl-geruestbau.de/wp-content/up- loads/2018/12/KB_C18_2358-003.jpg] Abb. 161: Elefantenhaus, Zürich - Raumge- rüst [Quelle: https:/ /www.dach-holzbau.de/ imgs/100696233_67e6e053f3.jpg] HALLEN KALK 76/77 149 VORENTWÜRFE: VARIANTE 1 - SCHUTZHÜLLE Kurzzusammenfassung Vorentwurf Variante 1 - Schutzhülle Die Variante hat das Ziel, Halle 76 und 77 zeitnah vor weiteren Witterungseinflüssen und ausgehenden Ge- fahren zu schützen, ohne erheblichen Planungsaufwand aufzuweisen. Dies soll durch ein Wetterschutzgerüst erreicht werden, das Fassaden und Dächer beider Hallen umgibt. Die Maßnahmen beinhalten hauptsächlich den Aufbau reversibler Sicherungs- und Schutzgerüste an allen Fassaden- und Dachflächen. Die Schutzhülle stellt dabei eine längerfristige Interimssicherung dar und ersetzt Zwischenmaßnahmen zum Schutz von Gebäude und Personen. Der Denkmalwert wird wegen ausbleibender Baueingriffe nicht verändert. Es erfolgt keine Schadstoffsanierung. Eine Ertüchtigung des Tragwerks kommt nicht zur Ausführung. Die kons- truktiven Elemente bleiben unangetastet. Der erforderliche Brandschutz wird nicht hergestellt, da die betroffe- nen Bauteile keiner Veränderung unterliegen. Die Auswirkungen auf die städtebauliche Situation erweisen sich als negativ. Das Erscheinungsbild im öffent- lichen Raum wird unter den Sicherungsmaßnahmen leiden. Nach der Fertigstellung erwarten den Bauherren Aufgaben im Feld des Monitorings und der Sicherheitskontrollen. Dies ist für den weiteren Umgang mit dem Gebäude erforderlich. Die Sicherungsmaßnahme trägt nicht zur Wiederherstellung der Standsicherheit bei. Die kurzfristige Realisie- rung kann den Verfallungsprozess lediglich verlangsamen. Nachhaltigkeitsaspekte werden nur ausreichend aufgegriffen. Wegen der fehlenden Gefahrenabwehr ist eine Nutzung der Hallen ausgeschlossen. HALLEN KALK 76/77 150 VORENTWÜRFE: VARIANTE 1 - SCHUTZHÜLLE VARIANTE 2 - BESTANDSSICHERUNG HALLEN KALK 76/77 152 VORENTWÜRFE: VARIANTE 2 - BESTANDSSICHERUNG 16 17' UNREGELMÄSSIG 17 0 77 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 C B A E D C C' B A 8 15 14 13 12 11 10 9 7 6 5 4 3 2 UNREGELMÄSSIG UNREGELMÄSSIG 1 76 75 HALLEN KALK 76/77 153 VORENTWÜRFE: VARIANTE 2 - BESTANDSSICHERUNG Entwurfsidee Variante 2 - Bestandssicherung verfolgt das vordergründige Ziel Schadstoffe zu entfernen sowie die statischen Standsiche- rung der Gebäude wiederherzustellen. Erstrebt wird der kon- trollierte Rückbau aller nicht tragenden Elemente. Städtebau- lich sollen Halle 76 und 77 in den öffentlichen Raum integriert werden und den Ottmar-Pohl-Platz erweitern. Dieses Ziel wird erreicht, indem Bauteile mit deren grund- legenden statischen Problemen sowie deren Schadstoffbe- lastungen aus den Hallen entfernt werden. Das Risiko eines Bauteilversagens wird damit verringert. Für eine kurze Periode sollen die Hallen offenstehen, bis sich ein Nutzungskonzept für die Hallen gefunden hat. Dies muss aber unmittelbar an diese Maßnahmen erfolgen, da der Korrosionsprozess die Kons- truktion ohne schützendes Dach in hoher Geschwindigkeit fortgesetzt wird. Die Abbaumaßnahmen können verhältnismäßig zügig umge- setzt werden. Zukünftige Bauherren-Entscheidungen sollten zeitnah getroffen werden. Maßnahmen Die Maßnahmen beinhalten das Errichten einer temporären Interimsmaßnahme, den Rückbau nicht tragender Bauteile, sowie die Ertüchtigung der tragwerksrelevanten Elemente. Die bereits bestehenden Interimsmaßnahmen werden er- weitert, um alle während der Planungszeit für den Rückbau bestehenden Gefahren zu minimieren. Das Prinzip der Gefahrenminimierung durch Abbau der Ein- sturzgefahr sowie der Schadstoffsanierung beginnt mit der unmittelbaren Erstellung eines Abbruch- und Schadstoffsa- nierungskonzeptes basierend auf dem Konzept von HIG aus dem Jahr 2014 und HPC aus dem Jahr 2015. Noch vor dem Abbruch werden schadstoffbelastete Elemente demontiert und separiert. Dies ist lediglich bei Bauteilen möglich, deren Demontage nicht an den konstruktiven Abbruch geknüpft ist. Um die Freisetzung schädlicher Stoffe zu mindern, ist auf den Einsatz schonender Trenn- und Demontagearten zu achten. Zudem ist ein aufwendiger Schwarzbereich einzurichten. Die vorlaufenden Gefahrenstoffbeseitigung beinhaltet neben der Demontage asbesthaltiger Brandschutztüren, Rohrflansche, Kittmasse und Dachabdichtungen auch die von PCB-haltigen Leuchtstofflampen sowie teerhaltigen Gussasphaltplatten. Nach diesen Maßnahmen müssen die Oberflächen gereinigt werden, um eine gefahrenlose Weiterarbeit zu gewährleisten. Die begleitende Gefahrenstoffdemontage beginnt mit den Ab- brucharbeiten. Da hier keine Schwarzbereiche erstellt werden können, sind die Arbeiten nur unter höchsten Sicherheitsmaß- nahmen durchführbar. Besonders die PCB- und bleihaltigen Stahlkonstruktionen sind davon betroffen. Der Rückbau der Hallen erfolgt von Süden nach Norden ach- senweise mit hohem Betreuungsaufwand seitens der Statik. Begonnen wird mit der Südwand von Halle 77. Es muss dabei jederzeit darauf geachtet werden, dass der Rückbau zu keinen irreparablen Schäden führt. Im ersten Schritt des Baubetriebes werden die Fassadengerüste gestellt. Diese werden wegen der notwendigen Verankerungen, sowie unzugänglicheren Situa- tionen, wie die der Kranbahn, Sonderkonstruktionen in deren Ausführung benötigen. Die Rückverankerung wird ähnlich zu Variante 1 erstellt. Je nach Bauphase sind verschiedene Ab- stände zwischen Gerüst und Fassade erforderlich. Die Gerüste HALLEN KALK 76/77 154 VORENTWÜRFE: VARIANTE 2 - BESTANDSSICHERUNG werden mit verschiebbaren Arbeitsbühnen ausgestattet. Der Abbruch beginnt mit der Demontage der Dach- und Fassadenfenster. Da Letztere als besonders erhaltenswert ein- gestuft sind, jedoch nur von außen entfernt werden können, ist mit einem erhöhten Aufwand für den Rückbau zu rechnen. Es folgt der Abbruch der Dachflächen. Im Zuge der Schadstoff- sanierung ist der Dachbelag schon teilweise entfernt worden. Die verbliebene Holzschalung von Halle 77 sowie die Bimsplat- ten und Stahlbetondecke von Halle 76 werden abgebrochen. Im Anschluss werden die schadhafte Mauerwerksausfachun- gen entnommen. Dies betrifft die Nord-, Süd- und besonders die Westwand der Halle 76. Auch nach diesem Schritt ist eine Reinigung der Arbeitsbereiche aus Sicht der Schadstoffsicher- heit notwendig. Dem Rückbau folgt die statische Ertüchtigung der Konstruk- tion zur Aufnahme von Windlasten. Dazu werden desolate Ele- mente abgebrochen und ersetzt. Bereits korrodierte Elemente werden entrostet und ertüchtigt. Erforderliche Verbände und Aussteifungen werden hergestellt, um in Zukunft Verformun- gen durch Horizontalkräfte zu vermeiden. Alle Stahlbauteile werden mit einem Korrosionsschutz beschichtet (vgl. HIG Vor- planungsbericht Tragwerksplanung - Zusammenfassung vom 10.11.2022, Überarbeitung vom 14.02.2023). Im Rahmen der Maßnahmen erfahren die Anlagen ein hohes Maß an baulichen Eingriffen, insbesondere die Fassaden und das Dach. Das Tragwerk wird weitestgehend erhalten und er- gänzt. Ein Großteil der historischen Bausubstanz wird abge- brochen. Die aufgezeigten Maßnahmen stellen größtenteils die Pflichtmaßnahmen für einen weiteren baulichen Umgang mit dem Gebäude dar. Abb. 162: Isometrie zur Visualisierung der geplanten MaßnahmenMaßnahmen von Variante 2 - Bestandssicherung Interimsmaßnahme Die Interimsmaßnahmen sollen zum Personenschutz beitragen und das direkte Umfeld vor von gebäudeausgehenden Gefah- ren bis zum Beginn der Bauzeit sichern. Darunter fallen Schutzgerüste zum Abfangen von herabfallen- den Bauteilen an der West- und Südwand von Halle 76 sowie an der Ostwand von Halle 77. Hinzu kommen Zugangssperren gegen unbefugtes Betreten und Verkehrssicherungsmaßnah- men an der Neuerburgstraße. HALLEN KALK 76/77 155 VORENTWÜRFE: VARIANTE 2 - BESTANDSSICHERUNG Abb. 164: Isometrie zur Visualisierung der notwendigen InterimsmaßnahmenInterimsmaßnahmen von Variante 2 - Bestandssicherung Denkmalwert Die Maßnahmen der Bestandssicherung führen zu einer star- ken Reduzierung des Denkmalwertes. Unter Denkmalschutz stehende Elemente erfahren ein hohes Maß an baulichen Ein- griffen. Infolge zahlreicher Abbrüche kommt es zum Verlust an Bausubstanz. Ein Erhalt baulicher Elemente scheint in den meisten Fällen sehr schwierig bzw. teilweise technisch kaum möglich. Die Westwand von Halle 76 muss aufgrund der Ver- formungen und des stark desolaten Zustands abgebrochen werden. Wegen der überhöhten Schadstoffbelastung ist das Dach einschließlich der Oberlichter rückzubauen. Bei Halle 77 betrifft die Minderung des Denkmalwertes die Südwand und das Hallendach. Eine fehlende Windaussteifung gepaart mit einer zu hohen Schadstoffbelastung erfordert den Rückbau. Die Dacheindeckung mit dessen dreischiffigen Kubatur muss wegen der akuten Einsturzgefahr abgebrochen werden. Schadstoffe Im Zuge der Sicherungsmaßnahmen erfolgt an nahezu allen Bauteilen eine Schadstoffsanierung. Die asbestbelasteten Bauteile werden rückgebaut. Darunter fallen neben der Dachfläche und den Leitungen von Halle 76 der Fensterkitt von Halle 77. Auch der PAK-belastete Guss- asphalt in Halle 76 wird abgebrochen. Zudem werden die PCB-haltige und bleihaltige Anstriche, die vorwiegend an der Stahlkonstruktion beider Hallen angebracht wurden, entfernt. Tragwerk Es werden alle Bauteile gemäß statischer Anforderung ertüch- tigt, sodass die Standsicherheit der Hallen wiederhergestellt wird. Durch den Rückbau der Gefache werden Zwangsbeanspru- chungen eliminiert und die betroffenen Bauteile entlastet. Fehlende Aussteifungen werden hergestellt. Damit die Stand- sicherheit und die vertikale Lastabtragung gewährleistet werden kann, wird eine grundlegende Mauerwerksertüchti- gung durchgeführt. Die Gefahr von herabfallenden Bauteilen an Dach und Fassade wird dadurch aufgehoben. Auf allen Bestandteilen der freiliegenden Stahlkonstruktion wird der Korrosionsschutz aufgebracht, um diese vor Witterungsein- flüssen zu schützen. Brandschutz Der erforderliche Brandschutz wird nicht hergestellt, hingegen umgangen. Die Problematik der fehlenden Brandwand entfällt, da die Süd- wand von Halle 77 vollständig rückgebaut wird, was jedoch HALLEN KALK 76/77 156 VORENTWÜRFE: VARIANTE 2 - BESTANDSSICHERUNG nicht das grundlegende Problem eines möglichen Brandüber- schlags löst. Städtebauliche Auswirkung Es wird teilweise eine positive Veränderung der städte- baulichen Situation durch die Abbrucharbeiten erreicht. Im Vergleich zur bestehenden Situation gewinnt der öffentliche Raum an Aufenthaltsqualität sowie Anknüpfungspunkte für die weitere städtebauliche Entwicklung. Der positive Effekt wirkt sich besonders auf die zum Ott- mar-Pohl-Platz gelegene Westseite aus. Durch den Rückbau kommt es hier zum Aufbrechen der trennenden Gebäude- struktur, was zu einer Erweiterung des städtischen Raumes führt und ein deutlich ansprechenderes Bild des Platzes generiert. Der Ottmar-Pohl-Platz erfährt wegen dieser neuen Beziehungen zwischen Außen- und Innenraum eine spürbare Qualitätssteigerung. Es besteht dennoch weiterhin die tren- nende Wirkung zwischen dem Ottmar-Pohl-Platz und den NEUERBURGSTRASSE Dillenburger Straße STÄDTEBAU MIT KALK-KARREE TEILT DIE HALLE 76 HEUTE HALLENKOMPLEX STELLT ERSTE VERBINDUNGEN ZWISCHEN ÖFFENTLICHEN PLÄTZEN HER Abb. 166: Isometrie zur Visualisierung der städtebaulichen Auswirkungen städtebaulichen Auswirkungen von Variante 1 - Schutzhülle Hallen Kalk im Osten. Das Einbeziehen der Hallen 76 und 77 in den städtebaulichen Rahmenplan gestaltet sich als schwierig, ist jedoch möglich. Es könnten erste Verbindungen über die Hallen hinweg durch kleinere Eingriffe in die Ostfassaden der Hallen geschaffen werden. Lastenheft Die erforderlichen Leistungen und Maßnahmen des Bauherrn umfassen vorwiegend Dokumentationsarbeiten als Vorberei- tung für den Abbruch und Rückbau. In erster Linie sollte ein verformungsgerechtes Aufmaß der Hallen mit einer Genauigkeit von +/- 2mm erstellt werden. Empfohlen wird ein Laserscanning der gesamten Anlage. Die Daten sollen zum einen der Unteren Denkmalbehörde als Ver- gleich von Vor- und Nachzustand dienen und zum anderen die Grundlage für alle weiteren Planungen liefern. Hierzu gehört auch das Erstellen eines Raumbuchen einschließlich einer Fotodokumentation. Ferner ist über die gesamte Zeit der Bau- phase hinweg eine Abbruchdokumentation gemäß der Richtli- nien des LVR zu erstellen. Nachdem die Abbruch- und Rück- bauarbeiten abgeschlossen wurden, ist der Personenschutz in Form eines regelmäßigen Monitorings zu gewährleisten. Da die Hallen durch die Maßnahmen der Öffentlichkeit zugäng- lich gemacht werden aber dennoch dem Witterungsprozess ausgesetzt sind, sollten die Bauwerke auf Schadensbilder und Gefahrenpotenziale kontrolliert werden. Wirksamkeit der Maßnahmen Im Hinblick auf die Wiederherstellung der Standsicherheit sind die Maßnahmen der Schutzhülle als ausreichend zu bezeich- HALLEN KALK 76/77 157 VORENTWÜRFE: VARIANTE 2 - BESTANDSSICHERUNG nen. Die Maßnahmen tragen zur Standsicherheit bei, entfernen die schadstoffbelasteten Bauteile und schaffen somit eine Grundlage für eine zukünftige Nutzung der Hallen. Die thema- tisierten Pflichtmaßnahmen kommen zum Tragen. Die kurz- fristige Realisierung der Schutzhülle führt zur rechtzeitigen Gefahrenabwehr von Bauteilversagen, jedoch mit dem Risiko einer baldigen Schädigung des Tragwerks. Der Bestandssiche- rung muss demnach zeitnah eine bauliche Maßnahme folgen, um die Gebäude nur für eine kurze Dauer der Witterung zu exponieren. Die Bestandssicherung zeigt eine kurzfristige Wirksamkeit bereits ab Bauende, die langfristige Wirksam- keit kommt jedoch erst mit der Nutzungsentwicklung und der damit einhergehenden baulichen Änderung der Hallen. Nachhaltigkeit Die Aspekte der Nachhaltigkeit werden in dieser Variante be- rücksichtigt. Die Nachhaltigkeit hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu zählen unter anderem die Dauerhaftigkeit der Siche- rungsmaßnahme, der nachhaltige Einsatz von Ressourcen sowie der weitere Umgang mit dem Gebäude. Da mit dieser Variante die Standsicherheit erreicht wird, diese jedoch ge- fährdet ist, kann von einer zeitlich begrenzten Dauerhaftig- keit der Sicherung gesprochen werden. Wegen der stark exponierten Lage der Tragkonstruktion beider Hallen sollte in direktem Anschluss an die Bestandssicherung ein Nutzungs- und Sanierungskonzept entwickelt und durchgeführt werden. Andernfalls ist von beachtlichen Schäden an beiden Hallen und einem daraus resultierenden hohen Aufwand bei zukünfti- gen Baumaßnahmen auszugehen. Nutzungsperspektive Eine Nutzung beider Hallen nach Abschluss der Sicherungs- maßnahmen ist nur bedingt möglich. Die fehlende Überdachung schränkt eine mögliche Nutzung der Hallen stark ein. Witterungsgeschütze Nutzungen stellen keine Option dar. Sie reduziert sich vorwiegend auf eine Er- weiterung des öffentlichen Freiraums. Die Flächen sind den Stadtbewohnern zugänglich und können von diesen in An- spruch genommen werden. Daneben ist die Nutzung als Raum für Outdoor-Events und Veranstaltungen denkbar. Kosten Die Baukosten beziehen sich auf die Kostenschätzung vom 01.02.2023 und belaufen sich auf 27.000.000 € netto. Kosten- schätzungen spiegeln eine Genauigkeit von +/- 30% wieder (hier +/- 8.100.000 €). Die Kosten der Bestandssicherung sind wegen dem geringen Planungs-, Bau-, und Rekonstruktionsaufwand im Vergleich zu den anderen Varianten überschaubar. Details zu den Kosten siehe Kurzauflistung auf der nachfolgenden Seite sowie wei- tere Detaillierungen in Kostenaufstellungs- und Kostenberech- nungstabellen im Anhang. Termine Bei einem Beginn der Planungsleistung zu Anfang des dritten Quartals 2023 ist mit einer Fertigstellung Anfang 2027 zu rechnen. Details zu den Terminprognosen siehe Visualisierung im Gantt- HALLEN KALK 76/77 158 VORENTWÜRFE: VARIANTE 2 - BESTANDSSICHERUNG Diagramm auf der nachfolgenden Seite. Risiken Wegen des fehlenden Wetterschutzes besteht bei längerer Standzeit die Gefahr der nachwirkenden Schädigung des Tragwerkes sowie des Gebäudes trotz des Korrosionsschutzes. Zahlreiche unzugängliche Anschlusspunkte der Stahlkonstruk- tion führen zu ungeschützten Schwachstellen innerhalb des System. Eine langfristige Schutzgewährleistung kann nicht gegeben werden. Hinzu kommen die nun äußerst gefährdeten Innenwände beider Hallen. Die Witterung wird sich hier be- sonders negativ auswirken. Lose und desolate Bauteile führten unweigerlich zu einer Aufenthaltsgefährdung. Eine Schließung der Anlagen könnte die Folgen sein. Des Weiteren birgt der unkontrollierbare Zutritt die Möglichkeit von Vandalismus an den Bauwerken. Auch dadurch könnten erhebliche Schäden entstehen. Nachteile Ein großer Nachteil in der Bestandssicherung besteht im Falle einer längeren Exponierung des Gebäudes in der geringen Dauerhaftigkeit der Maßnahmen. Bereits nach wenigen Jahren ist die Standsicherheit der Bauwerke nicht ohne weiteres gewährleistet. Zudem stehen die Kosten im Vergleich zu den wenigen positiven Auswirkungen in einem schlechten Verhält- nis. Vorteile Als Vorteil der Variante 2 ist insbesondere die vollständi- ge Schadstoffreduzierung anzusehen. Durch den erzielten Rückbau können alle belasteten Bauteile entfernt werden. Dadurch entsteht zudem eine hohe Flexibilität für zukünftige Nutzungen. Anschließende bauliche Maßnahmen können je nach Notwendigkeit der gewünschten Nutzung ohne größere Beeinträchtigung ausgeführt werden. Ein breit gefächertes Entwicklungspotenzial ist somit gegeben. Erfüllungsgrad Qualitätsmerkmale Die erörterten Qualitätsmerkmale wurden gemäß ihrer Wichtigkeit eingestuft und sind im folgenden absteigend aufgeführt: Wirksamkeit der Sicherungsmaßnahme, Termine, Nachhaltigkeit, Nutzungsperspektive, Städtebauliche Auswir- kung, Denkmalwert. Der Durchschnitt aller Qualitätsmerkmale resultiert in einem mittleren Erfüllungsgrad. Dies lässt sich vor allem auf die un- befriedigende Wirksamkeit der Sicherungsmaßnahme sowie die geringe Nutzungsmöglichkeit zurückführen. Empfehlung Variante 2 wird empfohlen, wenn die Standsicherheit zeitnah wiederhergestellt werden soll, vorgesehen wird die Hallen dem öffentlichen Freiraum hinzuzufügen und alle Nutzungsmög- lichkeiten dabei offenbleiben sollen. Die Statik befürwortet die vorgeschlagene Lösung nicht, da Bedenken bestehen, dass die Vielzahl von Bauteilstößen, Fugen und Schraub- bzw. Nietan- schlüsse nicht dauerhaft ausreichend durch eine Beschichtung geschützt werden können. (vgl. HIG Vorplanungsbericht Trag- werksplanung - Zusammenfassung vom 10.11.2022, Überarbei- tung vom 14.02.2023). HALLEN KALK 76/77 159 VORENTWÜRFE: VARIANTE 2 - BESTANDSSICHERUNG HALLEN KALK 76/77 160 VORENTWÜRFE: VARIANTE 2 - BESTANDSSICHERUNG Kostenschätzung KG Bauelement Halle 76 Halle 77 Maßnahmen Kosten netto in Mio. € Maßnahmen Kosten netto in Mio. € 320 Gründung · Ertüchtigung Fundamentanschlüsse 0,2 18,2 18,7 18,8 · Ertüchtigung Fundamentanschlüsse 0,1 7,2 7,7 7,8 330 Außenwand Ost · Instandsetzung Mauerwerk / Fenster · Ertüchtigung Eckpfeiler 2,8 · Instandsetzung 0,6 Außenwand Nord · Rückbau · Instandsetzung 0,6 · Kleinstarbeiten 0,1 Außenwand Süd · Abbruch Stahltragwerk / Ausfachung · Instandsetzung Stahltragwerk · Rekonstruktion Stahlriegel / Kreuz 0,6 · Abbruch Fenster · Ertüchtigung Mauerwerk / Stahlstütze 0,5 Außenwand West · Abbruch Stahl-Riegelkonstruktion / Aus- fachung · Instandsetzung Hauptstützen 2,1 · Abbruch Außenwand · Instandsetzung Mauerwerk 0,4 340 Innenraum · Ertüchtigung Stahltragwerk 1,0 · Ertüchtigung Stahltragwerk 0,3 350 Decken · allgemeine Ertüchtigungsmaßnahmen 0,6 · Ertüchtigung 0,2 360 Dach · Abbruch 9,2 · Wetterschutzdach · Tragwerk aussteifen 4,5 380 Einbauten · statische Ertüchtigung 0,4 - 390 Sonstiges · Baustelleneinrichtung · Bauendreinigung 0,7 · Baustelleneinrichtung · Bauendreinigung 0,5 400 Haustechnik · Teilabbruch/Grundausstattung (geschätzt) 0,5 0,5 · Teilabbruch/Grundausstattung (geschätzt) 0,5 0,5 700 Planung* · Ingenieurvermessung 0,1 0,1 0,1 · Ingenieurvermessung 0,1 0,1 0,1 Planungszeit 1,5 Jahre Bauzeit 2,0 Jahre Baukosten 27.000.000 € netto** * Planungskosten sind nicht enthalten ** darin sind keine Kosten für die Kranbahn enthalten HALLEN KALK 76/77 161 VORENTWÜRFE: VARIANTE 2 - BESTANDSSICHERUNG 2023 2024 Terminprognose Vorhalten Interimsmaßnahme Planung Sicherungsmaßnahme 18 Monate 24 Monate 24 Monate Ausführung Sicherungsmaßnahme Freigabe Gebäude Standsicherheit wiederhergestellt 2025 2026 2027 2028 2029 HALLEN KALK 76/77 162 VORENTWÜRFE: VARIANTE 2 - BESTANDSSICHERUNG Referenzen Abb. 167: Les Fonderies, Nantes [Quelle: https:/ /architizer.com/idea/1354035] Abb. 168: Les Fonderies, Nantes [Quelle: https:/ /architizer.com/idea/1354030] HALLEN KALK 76/77 163 VORENTWÜRFE: VARIANTE 2 - BESTANDSSICHERUNG Abb. 169: Sicherung als Ruine: Psychatrie, Gent [Quelle: https:/ /www.baunetz. de/meldungen/Meldungen-Freiraum-Architektur_bei_Gent_von_De_Vyl- der_Vinck_Taillieu_4895289.html] Abb. 170: Psychatrie, Gent [Quelle: https:/ /www.baunetz.de/meldungen/ Meldungen-Freiraum-Architektur_bei_Gent_von_De_Vylder_Vinck_Tail- lieu_4895289.html] HALLEN KALK 76/77 164 VORENTWÜRFE: VARIANTE 2 - BESTANDSSICHERUNG Abb. 171: Deutsches Sportmuseum, Köln - Außenansicht [Quelle: https:/ /www.koelntourismus.de/ kunst-kultur/sehenswuerdigkeiten/detail/deutsches-sport-olympia-museum] Abb. 172: Le Grand Hornu, Mons - Detailbild [Quelle: https:/ /assets.deutschlandfunk.de/FILE_3c0a9ab228ce- c4aed6463eae613d0295/1920x1080.jpg?t=1597521912316] HALLEN KALK 76/77 165 VORENTWÜRFE: VARIANTE 2 - BESTANDSSICHERUNG Kurzzusammenfassung Vorentwurf Variante 2 - Bestandssicherung Der Variante hat das Ziel, Halle 76 und 77 von allen Schadstoffbelastungen zu befreien und statische Stand- sicherheit wiederherzustellen. Die Maßnahmen beinhalten die Errichtung einer temporären Interimsmaßnahme, den Abbau nicht tragender Bauteile, sowie die Stärkung tragwerksrelevanter Elemente. Die bereits bestehenden Interimsmaßnahmen werden erweitert, um Gefahren während der Planungszeit zu minimieren. Vor dem Abbau werden schadstoffbelastete Elemente demontiert und separiert. Der Denkmal- wert wird wegen hoher Baueingriffe negativ verändert. Es erfolgt eine ganzheitliche Schadstoffsanierung, bei der auch die belasteten Anstriche des Tragwerkes entfernt werden. Eine Ertüchtigung des Tragwerks kommt in vollem Zuge zur Ausführung. Die konstruktiven Elemente werden ertüchtigt und mit einem Schutz versehen. Der erforderliche Brandschutz wird nicht hergestellt, sondern umgangen. Die Auswirkungen auf die städtebauliche Situation erweisen sich als positiv. Das Erscheinungsbild im öffentli- chen Raum wird unter den Sicherungsmaßnahmen profitieren. Nach der Fertigstellung erwarten den Bauherren Aufgaben im Feld des Monitorings und der Dokumentation. Dies ist für den weiteren Umgang mit dem Gebäu- de und Folgenutzungen erforderlich. Die Sicherungsmaßnahme trägt zur kurzweiligen Wiederherstellung der Standsicherheit bei. Nachhaltigkeits- aspekte werden teilweise aufgegriffen. Wegen des fehlenden Wetterschutzes ist eine Nutzung der Hallen nur bedingt möglich. HALLEN KALK 76/77 166 VORENTWÜRFE: VARIANTE 2 - BESTANDSSICHERUNG VARIANTE 3 - SCHUTZFASSADE HALLEN KALK 76/77 168 VORENTWÜRFE: VARIANTE 3 - SCHUTZFASSADE 16 17' UNREGELMÄSSIG 17 0 77 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 C B A E D C C' B A 8 15 14 13 12 11 10 9 7 6 5 4 3 2 UNREGELMÄSSIG UNREGELMÄSSIG 1 76 75 HALLEN KALK 76/77 169 VORENTWÜRFE: VARIANTE 3 - SCHUTZFASSADE Entwurfsidee Variante 3 - Schutzfassade greift die Idee von Variante 2, Schadstoffe zu entfernen sowie die statischen Standsicherung wiederherzustellen, auf und legt den Fokus auf einen lang- fristigen Schutz der Bausubstanz. Angestrebt wird die Ver- kleidung offenen Bauteile mit günstigen Industriematerialien, ohne auf eine mögliche Nutzung der Innenräume oder der Wiederherstellung von Fassadenbereichen einzugehen. Die hinzugefügten Elemente sind einfach zu demontieren und sol- len eine Flexibilität für zukünftige Baumaßnahmen erwirken. Städtebauliche Intentionen wurden nicht definiert. Die Abbau- und Umbaumaßnahmen können verhältnismäßig zügig umgesetzt werden. Zukünftige Bauherren-Entscheidun- gen zum Umgang mit den Gebäuden und Überlegungen zu möglichen Nutzungen sind zeitlich ungebunden. Maßnahmen Die Maßnahmen beinhalten das Errichten einer temporären Interimsmaßnahme, den Rückbau nicht tragender Bauteile, die Ertüchtigung der tragwerksrelevanten Elemente sowie deren witterungsschützenden Verkleidung. Die Abbruch-, Rückbau- und Sanierungsmaßnahmen der Schutzfassade folgen in erster Linie denen der Bestandssiche- rung von Variante 2. Zu Anfang wird eine Interimsmaßnahme vorgesehen. Im Zuge der Rückbauarbeiten werden ein Großteil der Schadstoffe aus den Gebäuden entfernt, Bauteile entlastet und die Standsicherheit wiederhergestellt. Darauf aufbauend werden die Defizite der offenen Gebäudehülle angegangen. Das Dach wird ab der primären Tragstruktur aufwärts neu er- richtet. Hierfür werden hölzernen Tragelemente abgebrochen und erneuert, auf denen die Dachhaut im Anschluss verlegt wird. Ein ähnlicher Aufbau kommt beim Schließen der Fassa- denflächen zum Tragen. Die notwendige Längsriegel werden an der Haupttragstruktur angebracht . Auf diesen kann die Fassadenbekleidung befestigt werden (vgl. HIG Vorplanungs- bericht Tragwerksplanung - Zusammenfassung vom 10.11.2022, Überarbeitung vom 14.02.2023). Keine der baulichen Neuerun- gen haben Ansprüche an gestalterische, städtebauliche und denkmalpflegerische Belange. Wie auch bei Variante 2 erfahren die Anlagen im Rahmen der Maßnahmen hohes Maß an baulicher Eingriffe, insbesondere die Fassaden und das Dach. Das Tragwerk wird weitestgehend erhalten und ergänzt. Ein Großteil der historischen Bausubs- tanz wird abgebrochen. Abb. 173: Isometrie zur Visualisierung der geplanten MaßnahmenMaßnahmen von Variante 2 - Bestandssicherung HALLEN KALK 76/77 170 VORENTWÜRFE: VARIANTE 3 - SCHUTZFASSADE Interimsmaßnahme Die Interimsmaßnahmen sollen zum Personenschutz beitragen und das direkte Umfeld vor von gebäudeausgehenden Gefah- ren bis zum Beginn der Bauzeit sichern. Darunter fallen Schutzgerüste zum Abfangen von herabfallen- den Bauteilen an der West- und Südwand von Halle 76 sowie an der Ostwand von Halle 77. Hinzu kommen Zugangssperren gegen unbefugtes Betreten und Verkehrssicherungsmaßnah- men an der Neuerburgstraße. Abb. 174: Isometrie zur Visualisierung der notwendigen InterimsmaßnahmenInterimsmaßnahmen von Variante 1 - Schutzhülle Denkmalwert Die Maßnahmen der Schutzfassade führen zu einer starken Reduzierung des Denkmalwertes. Unter Denkmalschutz stehende Elemente erfahren ein hohes Maß an baulichen Ein- griffen. Infolge zahlreicher Abbrüche kommt es zum Verlust an Bau- substanz. Ein Erhalt baulicher Elemente scheint in den meisten Fällen sehr schwierig bzw. teilweise technisch kaum möglich. Die Westwand von Halle 76 muss aufgrund der Verformungen und des stark desolaten Zustands abgebro- chen werden. Wegen der überhöhten Schadstoffbelastung ist das Dach einschließlich der Oberlichter rückzubauen. Bei Halle 77 betrifft die Minderung des Denkmalwertes die Süd- wand und das Hallendach. Eine fehlende Windaussteifung gepaart mit einer zu hohen Schadstoffbelastung erfordert den Rückbau. Das Dach mit dessen dreischiffigen Kuba- tur muss wegen der akuten Einsturzgefahr abgebrochen werden. Schadstoffe Im Zuge der Sicherungsmaßnahmen erfolgt an einem Groß- teil der Bauteile eine Schadstoffsanierung. Die asbestbelasteten Bauteile werden rückgebaut. Darunter fallen neben der Dachfläche und den Leitungen von Halle 76 der Fensterkitt von Halle 77. Auch der PAK-belastete Gussasphalt in Halle 76 wird abgebrochen. Die PCB-haltige und bleihaltige Anstriche, die vorwiegend an der Stahlkons- truktion beider Hallen angebracht wurden, bleiben weiterhin bestehen. Tragwerk Es werden alle Bauteile gemäß statischer Anforderung ertüchtigt, sodass die Standsicherheit der Hallen wiederher- gestellt wird. Durch den Rückbau der Gefache werden Zwangsbeanspru- chungen eliminiert und die betroffenen Bauteile entlas- HALLEN KALK 76/77 171 VORENTWÜRFE: VARIANTE 3 - SCHUTZFASSADE tet. Fehlende Aussteifungen werden hergestellt. Damit die Standsicherheit und die vertikale Lastabtragung gewährleistet werden kann, wird eine grundlegende Mauerwerksertüchti- gung durchgeführt. Die Gefahr von herabfallenden Bauteilen an Dach und Fassade wird dadurch aufgehoben. Brandschutz Der erforderliche Brandschutz wird erreicht. Durch den Rückbau der Südwand von Halle 77 ergibt sich die Möglichkeit zum Errichten einer Brandwand. Die Variante sieht diese Maßnahme im Zuge der Fassadenschließung vor. Die Auflagen wären damit erfüllt. Städtebauliche Auswirkung Eine positive Veränderung der städtebaulichen Situation wird durch die Errichtung der Schutzfassade nicht erreicht. Im Ver- gleich zur bestehenden Situation verliert der öffentliche Raum deutlich an Aufenthaltsqualität. NEUERBURGSTRASSE Dillenburger Straße STÄDTEBAU MIT KALK-KARREE TEILT DIE HALLE 76 und 77 WEITERHIN AB HALLENKOMPLEX TRENNT ÖFFENTLICHE PLÄTZE WEITERHIN Abb. 175: Isometrie zur Visualisierung der städtebaulichen Auswirkungen städtebaulichen Auswirkungen von Variante 1 - Schutzhülle Da es zu keiner gebäudeübergreifenden Öffnung oder Inter- aktion kommt, besteht weiterhin eine trennende Wirkung zwi- schen dem Ottmar-Pohl-Platz und den Hallen Kalk im Osten. Das Einbeziehen der Hallen 76 und 77 in den städtebaulichen Rahmenplan ist aufgrund der kompletten Einhausung nahezu ausgeschlossen. Das Bild eines verbarrikadierten Hallenkomplexes wird vor allem den Ottmar-Pohl-Platz negativ beeinflussen. Lastenheft Die erforderlichen Leistungen und Maßnahmen des Bauherrn umfassen vorwiegend Dokumentationsarbeiten als Vorberei- tung für den Abbruch und Rückbau. In erster Linie sollte ein verformungsgerechtes Aufmaß der Hallen mit einer Genauigkeit von +/- 2mm erstellt werden. Empfohlen wird ein Laserscanning der gesamten Anlage. Die Daten sollen zum einen der Unteren Denkmalbehörde als Ver- gleich von Vor- und Nachzustand dienen und zum anderen die Grundlage für alle weiteren Planungen liefern. Hierzu gehört auch das Erstellen eines Raumbuchen einschließlich einer Fotodokumentation. Ferner ist über die gesamte Zeit der Bau- phase hinweg eine Abbruchdokumentation gemäß der Richt- linien des LVR zu erstellen. Für eine Nutzung des Innenraums sind die zulässigen Maximalwerte der vorkommenden Schad- stoffe zu ermitteln und deren Quantitäten in den Bauwerken auszuwerten. Die Machbarkeit der Schadstoffsanierung sollte im Zuge des Nutzungskonzeptes abgestimmt und geplant werden. HALLEN KALK 76/77 172 VORENTWÜRFE: VARIANTE 3 - SCHUTZFASSADE Wirksamkeit der Maßnahmen Im Hinblick auf die Wiederherstellung der Standsicherheit er- füllen die Maßnahmen der Schutzfassade die Erwartungen. Die Maßnahmen tragen zur Standsicherheit bei, entfernen teilweise schadstoffbelastete Bauteile, schützen langfristig die Bausubstanz und schaffen somit eine Grundlage für eine zukünftige Nutzung der Hallen. Die thematisierten Pflichtmaß- nehmen kommen zum Tragen. Die mittelfristige Realisierung der Schutzhülle führt zur leicht verzögerten Gefahrenabwehr von Bauteilversagen, was ein Risiko weitere irreparabler Schä- den hervorrufen kann. Die Schutzfassade gewährleistet jedoch für einen längeren Zeitraum die Sicherung der Gebäude. Nachhaltigkeit Die Aspekte der Nachhaltigkeit werden in dieser Variante nur ungenügend berücksichtigt. Die Nachhaltigkeit hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu zählen unter anderem die Dauerhaftigkeit der Siche- rungsmaßnahme, der nachhaltige Einsatz von Ressourcen sowie der weitere Umgang mit dem Gebäude. Da mit diese Variante die Standsicherheit erreicht und durch Vorkehrungen gegen Witterungseinflüsse an Dach und Fassaden nachwir- kend der Schutz der Bausubstanz gewährleistet wird, kann von einer zeitlich unbegrenzten Dauerhaftigkeit der Sicherung gesprochen werden. Um diesen Schutz auch langfristig auf- rechtzuerhalten, sollte dennoch in absehbarer Zeit Nutzer für die Hallen gefunden werden. Andauernder Leerstand kann sich trotz der Schutzmaßnahmen negativ auf die Bausubstanz auswirken. Nutzungsperspektive Eine Nutzung beider Hallen nach Abschluss der Sicherungs- maßnahmen ist nur bedingt möglich. Aufgrund der fehlenden thermischen Trennung sind Nut- zungen, die einer kontrollierten Temperatur oder Raum- temperatur bedürfen, schwer in den Hallen unterzubringen. Auch die eingeschränkte Belichtung durch den Abbruch der Oberlichter erschweren Nutzungen mit Anforderungen an natürlicher Belichtung. Die bestehende Schadstoffbelastung grenzt die Möglichkeiten weiter ein. Denkbar wären tempo- räre Lager- oder Funktionsräume. Kosten Die Baukosten beziehen sich auf die Kostenschätzung vom 01.02.2023 und belaufen sich auf 22.000.000 € netto. Kostenschätzungen spiegeln eine Genauigkeit von +/- 30% wieder (hier +/- 6.600.000 €). Davon entfallen 18.000.000 € auf die Pflichtmaßnahmen zur Wiederherstellung der Standsicherheit. Die Kosten der Schutzfassade sind wegen dem geringen Planungs-, Bau-, und Rekonstruktionsaufwand im Vergleich zu den ande- ren Varianten überschaubar. Details zu den Kosten siehe Kurzauflistung auf der nachfolgenden Seite sowie weitere Detaillierungen in Kostenaufstellungs- und Kostenberech- nungstabellen im Anhang. Termine Bei einem Beginn der Planungsleistung zu Anfang des drit- ten Quartals 2023 ist mit einer Fertigstellung Anfang 2027 zu rechnen. Details zu den Terminprognosen siehe Visualisierung im HALLEN KALK 76/77 173 VORENTWÜRFE: VARIANTE 3 - SCHUTZFASSADE Gantt-Diagramm auf der nachfolgenden Seite. Risiken Die standsicherheitsbetreffenden Risiken werden größten- teils minimiert. Jedoch könnte die Neuerrichtung der Fassade durch aktuelle Industriematerialien zur Nichterkennung des Denkmals und dessen Wichtigkeit innerhalb des Stadtraumes beitragen. Nachteile Ein Nachteil dieser Variante besteht in dem hohen Verlust an Denkmalwert der Gebäude. Die Maßnahmen tragen zudem zu keiner uneingeschränkten Nutzung bei. Vorteile Als Vorteil der Variante 3 ist die erzielte Standsicherheit der Hallen und der langfristige Schutz der Bausubstanz anzu- sehen. Eine mittelfristige Planung zur Nachnutzung ist ohne weiteres möglich. Erfüllungsgrad Qualitätsmerkmale Die erörterten Qualitätsmerkmale wurden gemäß ihrer Wichtigkeit eingestuft und sind im folgenden absteigend aufgeführt: Wirksamkeit der Sicherungsmaßnahme, Termine, Nachhaltigkeit, Nutzungsperspektive, Städtebauliche Auswir- kung, Denkmalwert. Der Durchschnitt aller Qualitätsmerkmale resultiert in einem hohen Erfüllungsgrad. Dies lässt sich vor allem auf die sehr gute Wirksamkeit der Sicherungsmaßnahme sowie die zeit- nahe Realisierung zurückführen. Empfehlung Variante 3 wird empfohlen, wenn die Standsicherheit mittels reversibler Elemente zeitnah und langfristig wiederhergestellt werden soll, vorgesehen wird die Hallen unter Einschränkun- gen zu nutzen und alle Nutzungsmöglichkeiten dabei offen bleiben sollen. HALLEN KALK 76/77 174 VORENTWÜRFE: VARIANTE 3 - SCHUTZFASSADE Kostenschätzung KG Bauelement Halle 76 Halle 77 Maßnahmen Kosten netto in Mio. € Maßnahmen Kosten netto in Mio. € 320 Gründung - 14,5 14,8 14,9 - 6,6 6,9 7,0 330 Außenwand Ost · Instandsetzung Mauerwerk / Fenster · Ertüchtigung Eckpfeiler 0,7 · Ertüchtigung Eckpfeiler · Kleinstarbeiten 0,2 Außenwand Nord · Kleinstarbeiten · Ertüchtigung 0,3 - Außenwand Süd · Abbruch Stahltragwerk / Ausfachung · Rekonstruktion Stahlriegel / Kreuz · Verkleidung 0,4 · Ertüchtigung Stahlstütze · Erstellung Brandschutz 0,3 Außenwand West · Abbruch Stahl-Riegelkonstruktion / Aus- fachung · Instandsetzung Hauptstützen · Verkleidung 1,7 · Kleinstarbeiten 0,1 340 Innenraum · Abbruch Innenwände · Ertüchtigung Stahltragwerk 1,1 · Ertüchtigung Stahltragwerk 0,3 350 Decken - - 360 Dach · Abbruch · Erneuerung Dachbelag 9,9 · Abbruch · Erneuerung Dachbelag 5,4 380 Einbauten - - 390 Sonstiges · Baustelleneinrichtung · Bauendreinigung 0,4 · Baustelleneinrichtung · Bauendreinigung 0,3 400 Haustechnik · Teilabbruch/Grundausstattung (geschätzt) 0,3 0,3 · Teilabbruch/Grundausstattung (geschätzt) 0,3 0,3 700 Planung* · Ingenieurvermessung 0,1 0,1 0,1 · Ingenieurvermessung 0,1 0,1 0,1 Planungszeit 1,5 Jahre Bauzeit 2,0 Jahre Baukosten 22.000.000 € netto** * Planungskosten sind nicht enthalten ** darin sind keine Kosten für die Kranbahn enthalten HALLEN KALK 76/77 175 VORENTWÜRFE: VARIANTE 3 - SCHUTZFASSADE 2023 2024 Terminprognose Vorhalten Interimsmaßnahme Planung Sicherungsmaßnahme 18 Monate 24 Monate 24 Monate Ausführung Sicherungsmaßnahme Freigabe Gebäude Standsicherheit wiederhergestellt 2025 2026 2027 2028 2029 HALLEN KALK 76/77 176 VORENTWÜRFE: VARIANTE 3 - SCHUTZFASSADE Referenzen Abb. 176: Gestaltung geschlossene Blechfassaderaum Frog Queen, Graz [Quelle: https:/ /www.dbz.de/artikel/dbz_Die_Froschkoenigin_Irritierendes_ Spiel_mit_innen_und_aussen-70821.html] Abb. 177: Gestaltungs Fassade Grundschule Sassenburg, Wolfsburg [Quelle: https:/ /www.archdaily.com/295502/hangar-16-inaqui-carnicero-architecture] HALLEN KALK 76/77 177 VORENTWÜRFE: VARIANTE 3 - SCHUTZFASSADE Abb. 178: Dunkler Innenraum Hangar 16, Madrid [Quelle: https:/ /www.archdaily.com/295502/hangar-16-inaqui-carnicero-architecture] HALLEN KALK 76/77 178 VORENTWÜRFE: VARIANTE 3 - SCHUTZFASSADE Abb. 179: Geschlossene Blechfassade, Flussmeisterstelle, Deggendorf [Quelle: https:/ /www.bogevisch.de/projekte/flussmeisterstelle-deggendorf] HALLEN KALK 76/77 179 VORENTWÜRFE: VARIANTE 3 - SCHUTZFASSADE Kurzzusammenfassung Vorentwurf Variante 3 - Schutzfassade Die Variante hat das Ziel, die statische Standsicherheit von Halle 76 und 77 wiederherzustellen und langfristig zu sichern. Dies soll durch die Verkleidung offenliegender Bauteile mit günstigen Industriematerialien erreicht werden. Die Maßnahmen beinhalten die Errichtung einer temporären Interimsmaßnahme, den Abbau nicht tragender Bauteile und deren witterungsschützenden Verkleidung. Die bereits bestehenden Interimsmaßnahmen werden erweitert, um Gefahren während der Planungszeit zu mi- nimieren. Der Denkmalwert wird wegen hoher Baueingriffe negativ verändert. Es erfolgt teilweise eine Schad- stoffsanierung, bei der die belasteten Anstriche des Tragwerkes nicht entfernt werden. Eine Ertüchtigung des Tragwerks kommt in vollem Zuge zur Ausführung. Der erforderliche Brandschutz wird hergestellt. Die Auswirkungen auf die städtebauliche Situation erweisen sich als negativ. Das Erscheinungsbild im öffent- lichen Raum wird unter den Sicherungsmaßnahmen leiden. Nach der Fertigstellung erwarten den Bauherren dfühglkdfölhjäxdfökhjmölkxcg bde und Folgenutzungen erforderlich. Die Sicherungsmaßnahme trägt zur langfristigen Wiederherstellung der Standsicherheit bei. Nachhaltigkeitsas- pekte werden mangelhaft vernachlässigt. Wegen fehlender Belichtung ist eine Nutzung der Hallen nur bedingt möglich. HALLEN KALK 76/77 180 VORENTWÜRFE: VARIANTE 3 - SCHUTZFASSADE VARIANTE 4 - BRICOLAGE HALLEN KALK 76/77 182 VORENTWÜRFE: VARIANTE 4 - BRICOLAGE 16 17' UNREGELMÄSSIG 17 0 77 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 C B A E D C C' B A 8 15 14 13 12 11 10 9 7 6 5 4 3 2 UNREGELMÄSSIG UNREGELMÄSSIG 1 76 75 +11 .00m +14 .42m HALLEN KALK 76/77 183 VORENTWÜRFE: VARIANTE 4 - BRICOLAGE Entwurfsidee Variante 4 - Bricolage verschreibt sich dem Ziel der Weiterent- wicklung und vor allem der Nutzbarmachung der Gebäude. Erstrebt wird eine Unterscheidung von alten Elementen, die in ihrer Ausformulierung nie verändert wurden, und neuen Elementen. Neue Elemente kennzeichnen Bereiche an den Gebäuden, welche sich über die Jahrzehnte hinweg verändert haben. Diese Veränderungen sollen im Zuge der Sicherung der Gebäude teilweise sichtbar gemacht werden. Städtebaulich sollen die Halle 76 und 77 in den öffentlichen Raum einbezo- gen werden und eine Verbindung zwischen Ottmar-Pohl-Platz und den Kalker Hallen generieren. Hierfür wird an der Schnittstelle beider Hallen, durch das Rückversetzen von Halle 77, ein Durchgang geschaffen, an dem die ursprüngliche Form der Hallen abgebildet wird. Das Erdgeschoss beider Hallen wird offener und transparenter ausgestaltet. Abgebrochene Gebäudehüllen werden auf Basis ihrer bauzeitlichen Struktur neu gedacht und sollen sich in das Erscheinungsbild der Hallen integrieren. Das Bild eines Flick- bauwerks soll in dem Gesamtkonzept in eine wertschätzenden Collage münden. Zukünftige Bauherren-Entscheidungen zum Umgang mit den Gebäuden und Überlegungen zu möglichen Nutzungen sind zeitlich ungebunden. Maßnahmen Die Maßnahmen beinhalten das Errichten einer temporären Interimsmaßnahme, den Rückbau nicht tragender Bauteile, die Ertüchtigung der tragwerksrelevanten Elemente sowie die bauliche Fortschreibung der Anlagen. Die Abbruch-, Rückbau- und Sanierungsmaßnahmen der Schutzfassade folgen in erster Linie denen der Bestandssiche- rung von Variante 2 (vgl. HIG Vorplanungsbericht Tragwerks- planung - Zusammenfassung vom 10.11.2022, Überarbeitung vom 14.02.2023). Zu Anfang wird Interimsmaßnahme vorge- sehen. Im Zuge der Rückbauarbeiten werden ein Großteil der Schadstoffe aus den Gebäuden entfernt, Bauteile entlastet und die Standsicherheit wiederhergestellt. Darauf aufbauend wird die bauliche Collage angegangen. Im Erdgeschoss auf Seiten der Halle 77 soll ein öffentlicher Durchgang den Ott- mar-Pohl-Platz und die Kalker Hallen verbinden. Abb. 180: Isometrie zur Visualisierung der geplanten MaßnahmenMaßnahmen von Variante 2 - Bestandssicherung Diese Fassadenöffnung leitet sich aus einer Bauphase des Areals her, bei der Halle 77 noch nicht existierte und deren Westwand zu einer anderen Halle gehörte, die nicht bis an HALLEN KALK 76/77 184 VORENTWÜRFE: VARIANTE 4 - BRICOLAGE Halle 76 heranreichte. An diesem Durchgang wird an der Trennwand eine Glasfassade eingefügt, die zum einen den ur- sprünglich offenen Übergang von Halle 76 zu Halle 77 symbo- lisiert zum anderen die Dachstruktur von Halle 77 von vor 1945 in der Fassade abbildet. Die Südfassade von Halle 76 wird im oberen Bereich entsprechend des bauzeitlichen Zustands mit Fenstern rekonstruiert. An einer einzigen Fassade lassen sich somit viele Bauphasen beider Bauwerke ablesen. Auf Seiten des Ottmar-Pohl-Platzes greift die Westfassade von Halle 76 die Strukturen des Bestandes auf, setzen diese aber in moder- ner Sprache um. Das Erdgeschoss verbindet durch zahlreiche Öffnungen den städtischen Raum mit dem Innenraum der Halle. Genutzt werden dafür sogenannte Pivot-Türen. Diese werden zwischen den Stützen eingesetzt und erreichen somit die Breite eines Achsabstandes. Die rückgebauten Mauerwerk- fachungen der darüberliegenden Geschosse mit deren großen Fensteröffnungen werden durch eine Polycarbonatfassade ersetzt. Dieses Material kann sowohl lichtdurchlässig, trans- luzent als auch opak ausgeführt werden. Ein breites Spektrum an farblichen Nuancen ist möglich. Mit diesen Elementen wird die ursprüngliche Einteilung der Gefache wiederhergestellt. Braun-rötliche Elemente stellen ehemalige Mauerwerksflächen dar, lichtdurchlässige oder weiß-opake Elemente die der Fens- terflächen. Die gesamte Fassade erhält dadurch ein einheit- liches, ruhiges und homogenes Erscheinungsbild wie jenes der bauzeitlichen Halle 76. Wie auch bei Variante 2 erfahren die Anlagen im Rahmen der Maßnahmen ein hohes Maß an baulicher Eingriffe, insbeson- dere die Fassaden und das Dach. Das Tragwerk wird weitest- gehend erhalten und ergänzt. Ein Großteil der historischen Bausubstanz wird abgebrochen. Interimsmaßnahme Die Interimsmaßnahmen sollen zum Personenschutz beitra- gen und das direkte Umfeld vor von gebäudeausgehenden Gefahren bis zum Beginn der Bauzeit sichern. Darunter fallen Schutzgerüste zum Abfangen von herab- fallenden Bauteilen an der West- und Südwand von Halle 76 sowie an der Ostwand von Halle 77. Hinzu kommen Zugangssperren gegen unbefugtes Betreten und Verkehrs- sicherungsmaßnahmen an der Neuburgerstraße. Abb. 181: Isometrie zur Visualisierung der notwendigen InterimsmaßnahmenInterimsmaßnahmen von Variante 1 - Schutzhülle Denkmalwert Die Maßnahmen der Bricolage führen teilweise zur Reduzie- rung des Denkmalwertes. Unter Denkmalschutz stehende Elemente erfahren ein hohes Maß an baulichen Eingriffen. Infolge zahlreicher Abbrüche kommt es zum Verlust an Bau- HALLEN KALK 76/77 185 VORENTWÜRFE: VARIANTE 4 - BRICOLAGE substanz. Ein Erhalt baulicher Elemente scheint in den meisten Fällen sehr schwierig bzw. teilweise technisch kaum möglich. Die Westwand von Halle 76 muss aufgrund der Verformungen und des stark desolaten Zustands abgebrochen werden. We- gen der überhöhten Schadstoffbelastung ist die Dacheinde- ckung einschließlich der Oberlichter rückzubauen. Bei Halle 77 betrifft die Minderung des Denkmalwertes die Südwand und das Hallendach. Eine fehlende Windaussteifung gepaart mit einer zu hohen Schadstoffbelastung erfordert den Rückbau. Das Dach mit dessen dreischiffigen Kubatur muss wegen der akuten Einsturzgefahr abgebrochen und ersetzt werden. Schadstoffe Im Zuge der Bricolage erfolgen an einem Großteil der Bauteile eine Schadstoffsanierung. Die asbestbelasteten Bauteile wer- den rückgebaut. Darunter fällt neben der Dachfläche und den Leitungen von Halle 76 der Fensterkitt von Halle 77. Auch der PAK-belastete Gussasphalt in Halle 76 wird abgebrochen. Die PCB-haltige und bleihaltige Anstriche, die vorwiegend an der Stahlkonstruktion beider Hallen angebracht wurden, werden entfernt. Tragwerk Es werden alle Bauteile gemäß statischer Anforderung ertüch- tigt, sodass die Standsicherheit der Hallen wiederhergestellt wird. Durch den Rückbau der Gefache werden Zwangsbeanspru- chungen eliminiert und die betroffenen Bauteile entlastet. Fehlende Aussteifungen werden hergestellt. Damit die Stand- sicherheit und die vertikale Lastabtragung gewährleistet wer- den kann, wird eine grundlegende Mauerwerksertüchtigung durchgeführt. Die Gefahr von herabfallenden Bauteilen an Dach und Fassade wird dadurch aufgehoben. Brandschutz Der erforderliche Brandschutz wird erreicht. Durch den Rückbau der Südwand von Halle 77 ergibt sich die Möglichkeit zum Errichten einer Brandwand. Die Variante sieht diese Maßnahme vor. Die Auflagen wären damit erfüllt. Städtebauliche Auswirkung Es wird eine positive Veränderung der städtebaulichen Situ- ation durch die Sicherungsarbeiten erreicht. Im Vergleich zur bestehenden Situation gewinnt der öffentliche Raum deutlich an Aufenthaltsqualität. Es besteht nun eine erste Verbindung zwischen dem Ottmar-Pohl-Platz und den Hallen Kalk im Osten. Das Einbeziehen der Hallen 76 und 77 in den städte- baulichen Rahmenplan ist damit möglich. NEUERBURGSTRASSE Dillenburger Straße STÄDTEBAU MIT KALK-KARREE TEILT DIE HALLE 76 HEUTE HALLENKOMPLEX STELLT VERBINDUNGEN ZWISCHEN ÖFFENTLICHEN PLÄTZEN HER Abb. 182: Isometrie zur Visualisierung der städtebaulichen Auswirkungen städtebaulichen Auswirkungen von Variante 1 - Schutzhülle HALLEN KALK 76/77 186 VORENTWÜRFE: VARIANTE 4 - BRICOLAGE Der positive Effekt wirkt sich besonders auf die zum Ott- mar-Pohl-Platz gelegene Westseite aus. Durch den Rückbau kommt es hier zum Aufbrechen der trennenden Gebäude- struktur, was zu einer Erweiterung des städtischen Raumes führt und ein deutlich ansprechenderes Bild des Platzes generiert. Der Ottmar-Pohl-Platz erfährt wegen dieser neuen Beziehungen zwischen Außen- und Innenraum eine spürbare Qualitätssteigerung. Hinzu kommt die Anknüpfung von Halle 77 an den Ottmar-Pohl-Platz und die neu geschaffene Achse zu den Hallen Kalk. Auch Halle 77 wird von dieser Integration in den städtischen Raum deutlich profitieren. Lastenheft Die erforderlichen Leistungen und Maßnahmen des Bauherrn umfassen Dokumentationsarbeiten als Vorbereitung für den Abbruch und Rückbau sowie Abstimmungen für die bauliche Fortschreibung. In erster Linie sollte ein verformungsgerechtes Aufmaß der Hallen mit einer Genauigkeit von +/- 2mm erstellt werden. Empfohlen wird ein Laserscanning der gesamten Anlage. Die Daten sollen zum einen der Unteren Denkmalbehörde als Ver- gleich von Vor- und Nachzustand dienen und zum anderen die Grundlage für alle weiteren Planungen liefern. Hierzu gehört auch das Erstellen eines Raumbuchen einschließlich einer Fotodokumentation. Ferner ist über die gesamte Zeit der Bau- phase hinweg eine Abbruchdokumentation gemäß der Richt- linien des LVR zu erstellen. Für eine Nutzung des Innenraums sind die zulässigen Maximalwerte der vorkommenden Schad- stoffe zu ermitteln und deren Quantitäten in den Bauwerken auszuwerten. Die Machbarkeit der Schadstoffsanierung sollte im Zuge des Nutzungskonzeptes abgestimmt und geplant werden. Eine Abstimmung mit der Denkmalbehörde bedarf es für die werk- und materialgerechten Rekonstruktionen an den Gebäuden. Für zukünftige Nutzungen muss die gesam- te Haustechnik geplant werden. Wirksamkeit der Maßnahmen Im Hinblick auf die Wiederherstellung der Standsicherheit erfüllen die Maßnahmen der Bricolage die Erwartungen deutlich. Die Maßnahmen tragen zur Standsicherheit bei, entfernen teilweise schadstoffbelastete Bauteile, schützen langfristig die Bausubstanz und schaffen somit eine Grundlage für eine zukünftige Nutzung der Hallen. Die thematisierten Pflicht- maßnehmen kommen zum Tragen. Die lange Planungs- und Bauzeit führt zur verzögerten Gefahrenabwehr von Bauteil- versagen, was ein hohes Risiko weitere irreparabler Schäden hervorrufen kann. Die Bricolage gewährleistet jedoch für einen längeren Zeitraum die Sicherung der Gebäude. Nachhaltigkeit Die Aspekte der Nachhaltigkeit werden in dieser Variante berücksichtigt. Die Nachhaltigkeit hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu zählen unter anderem die Dauerhaftigkeit der Siche- rungsmaßnahme, der nachhaltige Einsatz von Ressourcen sowie der weitere Umgang mit dem Gebäude. Da mit dieser Variante die Standsicherheit erreicht und durch bauliche Ersetzung, Ergänzung sowie Verbesserung nachwirkend der Schutz der Bausubstanz gewährleistet wird, kann von einer HALLEN KALK 76/77 187 VORENTWÜRFE: VARIANTE 4 - BRICOLAGE zeitlich unbegrenzten Dauerhaftigkeit der Sicherung gespro- chen werden. Die eingesetzten Materialien verbleiben dauer- haft an dem Gebäude. Um diesen Schutz auch langfristig aufrechtzuerhalten, sollte dennoch in absehbarer Zeit Nutzer für die Hallen gefunden werden. Andauernder Leerstand kann sich trotz der Schutzmaßnahmen negativ auf die Bausubstanz auswirken. Nutzungsperspektive Eine Nutzung beider Hallen nach Abschluss der Sicherungs- maßnahmen ist teilweise möglich. Aufgrund der fehlenden thermischen Trennung sind Nutzun- gen, die einer kontrollierten Temperatur oder Raumtemperatur bedürfen, schwer in den Hallen unterzubringen. Auch Aspekte der technischen Gebäudeausrüstung und der Belichtungen fanden keiner Berücksichtigung und stehen einer unein- geschränkten Nutzung im Weg. Dennoch bieten die Halle aufgrund der umfangreicheren Sanierungsmaßnahmen eine vielseitige Nutzungsmöglichkeit. Kosten Die Baukosten beziehen sich auf die Kostenschätzung vom 01.02.2023 und belaufen sich auf 30.000.000 € netto. Kosten- schätzungen spiegeln eine Genauigkeit von +/- 30% wieder (hier +/- 9.000.000 €). Davon entfallen 22.000.000 € auf die Pflichtmaßnahmen zur Wiederherstellung der Standsicherheit. Die Kosten der Brico- lage sind wegen dem hohen Planungs-, Bau-, und Rekonstruk- tionsaufwand im Vergleich zu den anderen Varianten kosten- intensiv. Details zu den Kosten siehe Kurzauflistung auf der nachfolgenden Seite sowie weitere Detaillierungen in Kosten- aufstellungs- und Kostenberechnungstabellen im Anhang. Termine Bei einem Beginn der Planungsleistung zu Anfang des dritten Quartals 2023 ist mit einer Fertigstellung Mitte 2028 zu rech- nen. Details zu den Terminprognosen siehe Visualisierung im Gantt- Diagramm auf der nachfolgende Seiten. Risiken Die standsicherheitsbetreffenden Risiken werden größtenteils minimiert. Jedoch besteht die Gefahr, dass das zu entwickeln- de Nutzungskonzept nicht mit den Umbaumaßnahmen der Bricolage kompatibel ist. Eine bauliche Anpassung würde zwangsweise zu einem vermeidbaren Kostenaufwand führen. Nachteile Ein Nachteil dieser Variante besteht in der Schaffung von Zwangspunkten für die spätere Entwicklung eines Nutzungs- konzeptes, das gegebenenfalls nur durch nochmalige An- passung der Gebäudehülle funktionsfähig ist. Die Maßnahmen tragen zudem zu keiner uneingeschränkten Nutzung bei. Vorteile Als Vorteil der Variante 4 ist die erzielte Standsicherheit der Hallen und der langfristige Schutz der Bausubstanz anzu- sehen. Eine mittelfristige Planung zur Nachnutzung ist ohne weiteres möglich. Gleichzeitig ist eine vielseitigere Interims- nutzung denkbar. Der Denkmalwert der Hallen wird durch die Rekonstruktion gebäudebestimmender Elemente weitestge- HALLEN KALK 76/77 188 VORENTWÜRFE: VARIANTE 4 - BRICOLAGE hend aufrechterhalten. Erfüllungsgrad Qualitätsmerkmale Die erörterten Qualitätsmerkmale wurden gemäß ihrer Wichtigkeit eingestuft und sind im folgenden absteigend aufgeführt: Wirksamkeit der Sicherungsmaßnahme, Termine, Nachhaltigkeit, Nutzungsperspektive, Städtebauliche Auswir- kung, Denkmalwert. Der Durchschnitt aller Qualitätsmerkmale resultiert in einem sehr hohen Erfüllungsgrad. Dies lässt sich vor allem auf die sehr gute Wirksamkeit der Sicherungsmaßnahme sowie die zahlreichen Nutzungsmöglichkeiten zurückführen. Empfehlung Variante 4 wird empfohlen, wenn die Standsicherheit mit einer baulichen Weiterentwicklung langfristig wiederherge- stellt werden soll, vorgesehen wird die Hallen umfangreich zu nutzen, dabei zahlreiche Nutzungsmöglichkeiten offenbleiben sollen und der Komplex in den städtischen Raum integriert wird. HALLEN KALK 76/77 189 VORENTWÜRFE: VARIANTE 4 - BRICOLAGE HALLEN KALK 76/77 190 VORENTWÜRFE: VARIANTE 4 - BRICOLAGE Kostenschätzung KG Bauelement Halle 76 Halle 77 Maßnahmen Kosten netto in Mio. € Maßnahmen Kosten netto in Mio. € 320 Gründung · Ertüchtigung Fundamentanschlüsse 0,1 20,7 21,2 21,3 · Ertüchtigung Fundamentanschlüsse 0,1 7,3 7,8 7,9 330 Außenwand Ost · Instandsetzung Mauerwerk / Fenster · Ertüchtigung Eckpfeiler 2,9 · Instandsetzung Mauerwerk · Kleinstarbeiten 0,7 Außenwand Nord · Kleinstarbeiten · Ertüchtigung 0,6 · Kleinstarbeiten 0,1 Außenwand Süd · Abbruch Stahltragwerk / Ausfachung · Rekonstruktion Stahlriegel / Kreuz · Rekonstruktion Ziegelgefach / Fenster 0,7 · Ertüchtigung Stahlstütze · Rekonstruktion Fenster · Erstellung Brandschutz 0,5 Außenwand West · Abbruch Stahl-Riegelkonstruktion / Aus- fachung · Instandsetzung Hauptstützen · Ausfachung Polycarbonat 3,7 · Abbruch Außenwand · Instandsetzung Mauerwerk 0,4 340 Innenraum · Abbruch Innenwände · Ertüchtigung Stahltragwerk 1,1 · Ertüchtigung Stahltragwerk 0,3 350 Decken · allgemeine Ertüchtigungsmaßnahme 0,6 · allgemeine Ertüchtigungsmaßnahme 0,2 360 Dach · Abbruch · Erneuerung Dachbelag 9,9 · Abbruch · Erneuerung Dachbelag 4,5 380 Einbauten · statische Ertüchtigung 0,4 - 390 Sonstiges · Baustelleneinrichtung · Bauendreinigung 0,7 · Baustelleneinrichtung · Bauendreinigung 0,5 400 Haustechnik · Teilabbruch/Grundausstattung (geschätzt) 0,5 0,5 · Teilabbruch/Grundausstattung (geschätzt) 0,5 0,5 700 Planung* · Ingenieurvermessung 0,1 0,1 0,1 · Ingenieurvermessung 0,1 0,1 0,1 Planungszeit 2,0 Jahre Bauzeit 3,0 Jahre Baukosten 30.000.000 € netto** * Planungskosten sind nicht enthalten ** darin sind keine Kosten für die Kranbahn enthalten HALLEN KALK 76/77 191 VORENTWÜRFE: VARIANTE 4 - BRICOLAGE 2023 2024 Terminprognose Vorhalten Interimsmaßnahme Planung Sicherungsmaßnahme 24 Monate 36 Monate 30 Monate Ausführung Sicherungsmaßnahme Freigabe Gebäude Standsicherheit wiederhergestellt 2025 2026 2027 2028 2029 HALLEN KALK 76/77 192 VORENTWÜRFE: VARIANTE 4 - BRICOLAGE Referenzen Abb. 183: Gusto Headquarters, San Francisco - Innenansicht [Quelle: https:/ /spacestor.com/media/ scaled_images/insights/arch-history/project_spacestor_180815-135617_big.webp] Abb. 184: Gusto Headquarters, San Francisco - Innenan- sicht [Quelle: https:/ /static.dezeen.com/uploads/2018/10/ gusto-gensler-interiors-office-san-francisco-california- usa_dezeen_2364_col_0-852x1193.jpg] HALLEN KALK 76/77 193 VORENTWÜRFE: VARIANTE 4 - BRICOLAGE Abb. 185: Schaudepot Ruhr Museum, Essen [Quelle: https:/ /www.jansen.com/de/building-systems- stahlprofilsysteme/referenzen/referenzuebersicht/detail/schaudepot-ruhr-museum.html] Abb. 186: Schaudepot Ruhr Museum, Essen [Quelle: https:/ /www.jansen.com/de/building-systems-stahlprofil- systeme/referenzen/referenzuebersicht/detail/schaude- HALLEN KALK 76/77 194 VORENTWÜRFE: VARIANTE 4 - BRICOLAGE Abb. 187: Anish Kapoor Studios, London [Quelle: https:/ /www.dezeen.com/2016/03/15/caseyfierro-anish-kapoor-studio-workshop-gallery-london/] HALLEN KALK 76/77 195 VORENTWÜRFE: VARIANTE 4 - BRICOLAGE Abb. 188: Anish Kapoor Studios, London [Quelle: https:/ /www.archdaily. com/786255/anish-kapoor-studio-i-caseyfierro-architects/571ea3bbe- 58ece48d400009a-anish-kapoor-studio-i-caseyfierro-architects-photo] Abb. 189: IMd Hoofdkantoor, Rotterdam [Quelle: https:/ /www.archined.nl/ ectorhoogstad/project/27895-kantoor-imd-rotterdam/] HALLEN KALK 76/77 196 VORENTWÜRFE: VARIANTE 4 - BRICOLAGE Abb. 190: Park Spoor Noord, Antwerpen - Außenansicht Tag [Quelle: https:/ /static.wixstatic.com/ media/71ec36_e308611317714adfa52b319dd95b8557~mv2.jpg/v1/fill/w_800,h_533,al_c,q_85,enc_ auto/71ec36_e308611317714adfa52b319dd95b8557~mv2.jpg] Abb. 191: Youth Zone Center, Blackburn - Außenansicht Nacht [Quelle: https:/ /danpal.com/wp-content/up- loads/2017 /04/fachada-de-vidrio.jpg] HALLEN KALK 76/77 197 VORENTWÜRFE: VARIANTE 4 - BRICOLAGE Kurzzusammenfassung Vorentwurf Variante 4 - Bricolage Der Variante hat das Ziel, Halle 76 und 77 baulich weiterzuentwickeln und nutzbar zu machen. Dies soll durch Hervorheben neuer Elemente und symbolhafter Darstellung alter Bauphasen erreicht werden. Die Maßnahmen beinhalten die Errichtung einer temporären Interimsmaßnahme, den Abbau nicht tragender Bauteile, die Er- tüchtigung der tragwerksrelevanten Elemente und die bauliche Fortschreibung der Anlagen. Die bereits bestehenden Interimsmaßnahmen werden erweitert, um Gefahren während der Planungszeit zu minimieren. Der Denkmalwert wird wegen hoher Baueingriffe und gleichzeitiger Aufarbeitung vergangener Bauphasen geringfügig negativ verändert. Es erfolgt teilweise eine Schadstoffsanierung, bei der die belasteten Anstriche des Tragwerkes nicht entfernt werden. Eine Ertüchtigung des Tragwerks kommt in vollem Zuge zur Ausführung. Der erforderliche Brandschutz wird hergestellt. Die Auswirkungen auf die städtebauliche Situation erweisen sich als sehr positiv. Das Erscheinungsbild im öf- fentlichen Raum wird unter den Sicherungsmaßnahmen deutlich profitieren. Nach der Fertigstellung erwarten den Bauherren Aufgaben im Feld des Monitorings und der Dokumentation. Dies ist für den weiteren Umgang mit dem Gebäude und Folgenutzungen erforderlich. Die Sicherungsmaßnahme trägt zur langfristigen Wiederherstellung der Standsicherheit bei. Nachhaltigkeitsas- pekte werden berücksichtig. Eine Nutzung der Hallen ist weitestgehend möglich. HALLEN KALK 76/77 198 VORENTWÜRFE: VARIANTE 4 - BRICOLAGE VARIANTE 5 - REKONSTRUKTION HALLEN KALK 76/77 200 VORENTWÜRFE: VARIANTE 5 - REKONSTRUKTION 16 17' UNREGELMÄSSIG 17 0 77 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 C B A E D C C' B A 8 15 14 13 12 11 10 9 7 6 5 4 3 2 UNREGELMÄSSIG UNREGELMÄSSIG 1 76 +11 .00m +14 .42m HALLEN KALK 76/77 201 VORENTWÜRFE: VARIANTE 5 - REKONSTRUKTION Entwurfsidee Variante 5 - Rekonstruktion verfolgt das Ziel der vollständigen Sicherung unter Berücksichtigung der denkmalpflegerischen Belange. Erstrebt werden die statische Ertüchtigung und die denkmal- getreue Rekonstruktion aller baulichen Elemente ohne auf eine mögliche Nutzung der Innenräume einzugehen. Der Denkmalwert soll durch die rekonstruierten Elemente weiter- hin ablesbar sein. Es wird weder auf Folgenutzungen noch auf veränderte Bezüge im städtischen Raum Rücksicht genom- men. Maßnahmen Die Maßnahmen beinhalten das Errichten einer temporären Interimsmaßnahme, den Rückbau nicht tragender Bauteile, die Ertüchtigung der tragwerksrelevanten Elemente sowie die Rekonstruktion abgebrochener Bauteile. Die Abbruch-, Rückbau- und Sanierungsmaßnahmen der Rekonstruktion folgen in erster Linie denen der Bestandssi- cherung von Variante 2. Im Zuge der Rückbauarbeiten werden ein Großteil der Schadstoffe aus den Gebäuden entfernt, Bauteile entlastet und die Standsicherheit wiederhergestellt. Darauf aufbauend werden alle zurückgebauten oder abgebro- chenen Elemente gemäß den denkmalpflegerischen Vorgaben rekonstruiert und in ihren ursprünglichen Formen saniert. Dies betrifft vor allem die Dächer beider Hallen, die aufgrund ihrer Schäden partiell erneuert und rekonstruiert werden müssen. Ebenso wird das Stahlfachwerk und die Ausfachung der desolaten Westfassade von Halle 76 vollständig rekonstruiert (vgl. HIG Vorplanungsbericht Tragwerksplanung - Zusam- menfassung vom 10.11.2022, Überarbeitung vom 14.02.2023). Einzeln wird es dabei zu leichten Anpassungen im Hinblick auf bautechnischen Verbesserungen der Bauteile kommen. Keine der Rekonstruktionsmaßnahmen erheben Ansprüche an städtebauliche oder didaktische Belange. Wie auch bei Variante 2 erfahren die Anlagen im Rahmen der Maßnahmen hohes Maß an baulicher Eingriffe, insbesondere die Fassaden und das Dach. Das Tragwerk wird weitestgehend erhalten und ergänzt. Ein Großteil der historischen Bausubs- tanz muss aufgrund der massiven Schädigung abgebrochen werden. Abb. 192: Isometrie zur Visualisierung der geplanten MaßnahmenMaßnahmen von Variante 2 - Bestandssicherung HALLEN KALK 76/77 202 VORENTWÜRFE: VARIANTE 5 - REKONSTRUKTION Interimsmaßnahme Die Interimsmaßnahmen sollen zum Personenschutz beitragen und das direkte Umfeld vor von gebäudeausgehenden Gefah- ren bis zum Beginn der Bauzeit sichern. Darunter fallen Schutzgerüste zum Abfangen von herabfallen- den Bauteilen an der West- und Südwand von Halle 76 sowie an der Ostwand von Halle 77. Hinzu kommen Zugangssperren gegen unbefugtes Betreten und Verkehrssicherungsmaßnah- men an der Neuburgerstraße. Abb. 193: Isometrie zur Visualisierung der notwendigen InterimsmaßnahmenInterimsmaßnahmen von Variante 5 -Rekonstruktion Denkmalwert Die Maßnahmen der Schutzfassade führen teilweise zu einer Reduzierung des Denkmalwertes. Unter Denkmalschutz ste- henden Elemente werden vollständig rekonstruiert. Infolge zahlreicher Abbrüche kommt es zum Verlust an Bau- substanz. Ein Erhalt baulicher Elemente scheint in den meisten Fällen sehr schwierig bzw. teilweise technisch kaum möglich. Die Westwand von Halle 76 muss aufgrund der Verformungen und des stark desolaten Zustands abgebrochen werden. Wegen der überhöhten Schadstoffbelastung ist das Dach einschließlich der Oberlichter rückzubauen. Bei Halle 77 betrifft die Minderung des Denkmalwertes die Südwand und das Hallendach. Eine fehlende Windaus- steifung gepaart mit einer zu hohen Schadstoffbelastung erfordert den Rückbau. Das Dach mit dessen dreischiffigen Kubatur muss wegen der akuten Einsturzgefahr abgebro- chen werden. Die ganzheitliche Rekonstruktion trägt teil- weise zur Wiederherstellung des Denkmalwertes bei. Schadstoffe Im Zuge der Sicherungsmaßnahmen erfolgt an einem Groß- teil der Bauteile eine Schadstoffsanierung. Die asbestbelasteten Bauteile werden rückgebaut. Darunter fallen neben der Dachfläche und den Leitungen von Halle 76 der Fensterkitt von Halle 77. Auch der PAK-belastete Guss- asphalt in Halle 76 wird abgebrochen. Die PCB-haltige und bleihaltige Anstriche, die vorwiegend an der Stahlkonstruk- tion beider Hallen angebracht wurden, bleiben bestehen. Tragwerk Es werden alle Bauteile gemäß statischer Anforderung ertüchtigt, sodass die Standsicherheit der Hallen wiederher- gestellt wird. Durch den Rückbau der Gefache werden Zwangsbeanspru- chungen eliminiert und die betroffenen Bauteile entlastet. Fehlende Aussteifungen werden hergestellt. Damit die Standsicherheit und die vertikale Lastabtragung gewähr- leistet werden kann, wird eine grundlegende Mauerwerks- ertüchtigung durchgeführt. Die Gefahr von herabfallenden Bauteilen an Dach und Fassade wird nach Fertigstellung der HALLEN KALK 76/77 203 VORENTWÜRFE: VARIANTE 5 - REKONSTRUKTION Baumaßnahme aufgehoben sein. Brandschutz Der erforderliche Brandschutz wird ungenügend hergestellt. Die Problematik der fehlenden Brandwand bleibt weiterhin bestehen. Bei Rekonstruktionsarbeiten wird eine brandschutz- technische Ertüchtigung gemäß der entsprechenden Notwen- digkeit nur bedingt ausgeführt. Dies ist mit der Denkmalpflege abzustimmen. Städtebauliche Auswirkung Eine positive Veränderung der städtebaulichen Situation wird durch die Errichtung der Rekonstruktion nicht erreicht. Im Vergleich zur bestehenden Situation kommt es zu keiner Qualitätssteigerung des öffentlichen Raumes. Da es zu keiner gebäudeübergreifenden Öffnung oder Interaktion kommt, besteht weiterhin eine trennende Wirkung zwischen dem Ottmar-Pohl-Platz und den Hallen Kalk im Osten. Das Einbeziehen der Hallen 76 und 77 in den städtebaulichen Rahmenplan ist nahezu ausgeschlossen. NEUERBURGSTRASSE Dillenburger Straße STÄDTEBAU MIT KALK-KARREE TEILT DIE HALLE 76 und 77 WEITERHIN AB HALLENKOMPLEX TRENNT ÖFFENTLICHE PLÄTZE WEITERHIN Abb. 194: Isometrie zur Visualisierung der städtebaulichen Auswirkungen städtebaulichen Auswirkungen von Variante 1 - Schutzhülle Lastenheft Die erforderlichen Leistungen und Maßnahmen des Bauherrn umfassen Dokumentationsarbeiten als Vorbereitung für den Abbruch und Rückbau sowie Abstimmungen für die Rekonst- ruktion. In erster Linie sollte ein verformungsgerechtes Aufmaß der Hallen mit einer Genauigkeit von +/- 2mm erstellt werden. Empfohlen wird ein Laserscanning der gesamten Anlage. Die Daten sollen zum einen der Unteren Denkmalbehörde als Ver- gleich von Vor- und Nachzustand dienen und zum anderen die Grundlage für alle weiteren Planungen liefern. Hierzu gehört auch das Erstellen eines Raumbuchen einschließlich einer Fotodokumentation. Ferner ist über die gesamte Zeit der Bau- phase hinweg eine Abbruchdokumentation gemäß der Richt- linien des LVR zu erstellen. Für eine Nutzung des Innenraums sind die zulässigen Maximalwerte der vorkommenden Schad- stoffe zu ermitteln und deren Quantitäten in den Bauwerken auszuwerten. Die Machbarkeit der Schadstoffsanierung sollte im Zuge des Nutzungskonzeptes abgestimmt und geplant werden. Eine Abstimmung mit der Denkmalbehörde bedarf es für die werk- und materialgerechten Rekonstruktionen an den Gebäuden. Für zukünftige Nutzungen muss die gesamte Haustechnik geplant werden. Wirksamkeit der Maßnahmen Im Hinblick auf die Wiederherstellung der Standsicherheit erfüllen die Maßnahmen der Rekonstruktion die Erwartungen. Die Maßnahmen tragen zur Standsicherheit bei, entfernen schadstoffbelastete Bauteile, schützen langfristig die Bausubs- tanz und schaffen somit eine Grundlage für eine zukünftige Nutzung der Hallen. Die thematisierten Pflichtmaßnehmen kommen zum Tragen. Die langfristige Realisierung der Schutz- HALLEN KALK 76/77 204 VORENTWÜRFE: VARIANTE 5 - REKONSTRUKTION hülle führt zur verzögerten Gefahrenabwehr von Bauteilver- sagen, was ein hohes Risiko weitere irreparabler Schäden hervorrufen kann. Die Rekonstruktion gewährleistet für einen längeren Zeitraum die Sicherung der Gebäude. Nachhaltigkeit Die Aspekte der Nachhaltigkeit werden in dieser Variante nur teilweise berücksichtigt. Die Nachhaltigkeit hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu zählen unter anderem die Dauerhaftigkeit der Siche- rungsmaßnahme, der nachhaltige Einsatz von Ressourcen sowie der weitere Umgang mit dem Gebäude. Da mit dieser Variante die Standsicherheit erreicht und durch die Rekons- truktion der Hülle der Schutz der Bausubstanz jedoch nur bedingt gewährleistet wird, kann von einer zeitlich begrenz- ten Dauerhaftigkeit der Sicherung gesprochen werden. Da die Konstruktion keine optimale Wirkung einer funktionalen Außenwand besitzt, ist langfristig mit einem hohen Wartungs- und Instandhaltungsaufwand zu rechnen. Der enorme Mate- rialaufwand durch ein gänzliches Ersetzen der Bauteile wirkt sich negativ auf die Nachhaltigkeit aus. Um den Schutz auch langfristig aufrechtzuerhalten, sollte dennoch in absehbarer Zeit Nutzer für die Hallen gefunden werden. Andauernder Leerstand kann sich trotz der Schutzmaßnahmen negativ auf die Bausubstanz auswirken. Nutzungsperspektive Eine Nutzung beider Hallen nach Abschluss der Sicherungs- maßnahmen ist bedingt möglich. Aufgrund der fehlenden thermischen Trennung sind Nutzun- gen, die einer kontrollierten Temperatur oder Raumtemperatur bedürfen, nur durch weiteren baulichen Aufwand in den Hallen unterzubringen. Auch Aspekte der technischen Gebäude- ausrüstung und der Belichtungen fanden keiner Berück- sichtigung und stehen einer uneingeschränkten Nutzung im Weg. Dennoch bieten die Halle aufgrund der umfang- reicheren Sanierungsmaßnahmen eine vielseitige Nutzungs- möglichkeit. Kosten Die Baukosten beziehen sich auf die Kostenschätzung vom 01.02.2023 und belaufen sich auf 30.000.000 € netto. Kostenschätzungen spiegeln eine Genauigkeit von +/- 30% wieder (hier +/- 9.000.000 €). Davon entfallen 22.000.000 € auf die Pflichtmaßnahmen zur Wiederherstellung der Standsicherheit. Die Kosten der Rekonstruktion sind wegen dem hohen Pla- nungs-, Bau-, und Rekonstruktionsaufwand im Vergleich zu den anderen Varianten sehr kostenintensiv. Details zu den Kosten siehe Kurzauflistung auf der nachfolgenden Seite sowie weitere Detaillierungen in Kostenaufstellungs- und Kostenberechnungstabellen im Anhang. Termine Bei einem Beginn der Planungsleistung zu Anfang des dritten Quartals 2023 ist mit einer Fertigstellung Mitte 2029 zu rechnen. Details zu den Terminprognosen siehe Visualisierung im Gantt-Diagramm auf der nachfolgende Seiten. Risiken Die standsicherheitsbetreffenden Risiken werden größten- teils minimiert. Jedoch besteht die Gefahr, dass das entwi- ckelte Nutzungskonzept nicht mit den Umbaumaßnahmen HALLEN KALK 76/77 205 VORENTWÜRFE: VARIANTE 5 - REKONSTRUKTION der Rekonstruktion kompatibel ist. Eine bauliche Anpassung würde zwangsweise zu einem vermeidbaren Kostenaufwand führen. Nachteile Ein Nachteil dieser Variante besteht in der Schaffung von Zwangspunkten für die spätere Entwicklung eines Nutzungs- konzeptes, das gegebenenfalls nur durch nochmalige An- passung der Gebäudehülle funktionsfähig ist. Die Maßnahmen tragen zudem zu keiner uneingeschränkten Nutzung bei. Der große Aufwand der Rekonstruktion führt unweigerlich zu hohen Kosten und lang andauernde Baumaßnahmen Vorteile Als Vorteil der Variante 5 ist die erzielte Standsicherheit der Hallen und der langfristige Schutz der Bausubstanz anzu- sehen. Eine mittelfristige Planung zur Nachnutzung ist ohne weiteres möglich. Gleichzeitig ist eine vielseitigere Interims- nutzung denkbar. Der Denkmalwert der Hallen wird durch die Rekonstruktion aller Elemente aufrechterhalten. Erfüllungsgrad Qualitätsmerkmale Die erörterten Qualitätsmerkmale wurden gemäß ihrer Wichtigkeit eingestuft und sind im folgenden absteigend aufgeführt: Wirksamkeit der Sicherungsmaßnahme, Termine, Nachhaltigkeit, Nutzungsperspektive, Städtebauliche Auswir- kung, Denkmalwert. Der Durchschnitt aller Qualitätsmerkmale resultiert in einem hohen Erfüllungsgrad. Dies lässt sich vor allem auf die sehr gute Wirksamkeit der Sicherungsmaßnahme zurückführen. Empfehlung Variante 5 wird empfohlen, wenn die Standsicherheit mit der Erneuerung und Rekonstruktion des aktuellen Zustandes langfristig wiederhergestellt werden soll, vorgesehen wird die Hallen zu nutzen und dabei viele Nutzungsmöglichkeiten offenbleiben sollen. Im Vergleich zu Variante 4 wird bei der Variante 5 ein rekonstruierendes Konzept umgesetzt. HALLEN KALK 76/77 206 VORENTWÜRFE: VARIANTE 5 - REKONSTRUKTION Kostenschätzung KG Bauelement Halle 76 Halle 77 Maßnahmen Kosten netto in Mio. € Maßnahmen Kosten netto in Mio. € 320 Gründung · Ertüchtigung Fundamentanschlüsse 0,1 20,9 21,4 21,5 · Ertüchtigung Fundamentanschlüsse 0,1 7,3 7,8 7,9 330 Außenwand Ost · Instandsetzung Mauerwerk / Fenster · Ertüchtigung Eckpfeiler 2,9 · Instandsetzung Mauerwerk · Kleinstarbeiten 0,7 Außenwand Nord · Kleinstarbeiten · Ertüchtigung 0,6 · Kleinstarbeiten 0,1 Außenwand Süd · Abbruch Stahltragwerk / Ausfachung · Rekonstruktion Stahlriegel / Kreuz · Rekonstruktion Ziegelgefach / Fenster 0,7 · Ertüchtigung Stahlstütze · Rekonstruktion Fenster · Erstellung Brandschutz 0,5 Außenwand West · Abbruch Stahl-Riegelkonstruktion / Aus- fachung · Instandsetzung Hauptstützen · Rekonstruktion Ziegelgefach · Remontage Fenster 3,7 · Abbruch Außenwand · Instandsetzung Mauerwerk 0,4 340 Innenraum · Abbruch Innenwände · Ertüchtigung Stahltragwerk 1,1 · Ertüchtigung Stahltragwerk 0,3 350 Decken · allgemeine Ertüchtigungsmaßnahme 0,6 · allgemeine Ertüchtigungsmaßnahme 0,2 360 Dach · Abbruch · Erneuerung Dachbelag 10,1 · Abbruch · Erneuerung Dachbelag 4,5 380 Einbauten · statische Ertüchtigung 0,4 - 390 Sonstiges · Baustelleneinrichtung · Bauendreinigung 0,7 · Baustelleneinrichtung · Bauendreinigung 0,5 400 Haustechnik · Teilabbruch/Grundausstattung (geschätzt) 0,5 0,5 · Teilabbruch/Grundausstattung (geschätzt) 0,5 0,5 700 Planung* · Ingenieurvermessung 0,1 0,1 0,1 · Ingenieurvermessung 0,1 0,1 0,1 Planungszeit 2,0 Jahre Bauzeit 3,0 Jahre Baukosten 30.000.000 € netto** * Planungskosten sind nicht enthalten ** darin sind keine Kosten für die Kranbahn enthalten HALLEN KALK 76/77 207 VORENTWÜRFE: VARIANTE 5 - REKONSTRUKTION 2023 2024 Terminprognose Vorhalten Interimsmaßnahme Planung Sicherungsmaßnahme 24 Monate 36 Monate 30 Monate Ausführung Sicherungsmaßnahme Freigabe Gebäude Standsicherheit wiederhergestellt 2025 2026 2027 2028 2029 HALLEN KALK 76/77 208 VORENTWÜRFE: VARIANTE 5 - REKONSTRUKTION Referenzen Abb. 195: Technische Fachhochschule Wildau [Quelle: http:/ /anderhalten.com/projekte/technische-fachhochschule-wildau] HALLEN KALK 76/77 209 VORENTWÜRFE: VARIANTE 5 - REKONSTRUKTION Abb. 196: Sanierte Kompressorenhalle Kokerei Hansa, Dortmund [Quelle: https:/ /upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/b2/Kokerei_Hansa_Kompresso- renhalle_1.jpg] HALLEN KALK 76/77 210 VORENTWÜRFE: VARIANTE 5 - REKONSTRUKTION Abb. 197: Zeche Zollverein, Essen - Außenansicht [Quelle: https:/ /www.unesco.de/sites/default/ files/2017-12/Zeche%20Zollverein_c_Andr%C3%A9%20P.%20Meyer-Vitali_cc.jpg] Abb. 198: Zeche Zollverein, Essen - Detailansicht [Quelle: https:/ /thelink.berlin/wp-content/uploads/2017 /11/Zeche- HALLEN KALK 76/77 211 VORENTWÜRFE: VARIANTE 5 - REKONSTRUKTION Kurzzusammenfassung Vorentwurf Variante 5 - Rekonstruktion Die Variante hat das Ziel, Halle 76 und 77 vollständig zu Sanieren und Rekonstruieren. Dies soll durch den Rückbau und die Wiederherstellung aller relevanten Bauteile erreicht werden. Die Maßnahmen beinhalten die Errichtung einer temporären Interimsmaßnahme, den Abbau nicht tragender Bauteile, die Ertüchtigung der tragwerksrelevanten Elemente und die vollständige Rekonstruktion. Die bereits bestehenden Interimsmaßnahmen werden erweitert, um Gefahren während der Planungszeit zu minimieren. Der Denkmalwert wird wegen hoher Baueingriffe und gleichzeitiger Rekonstruktion geringfügig negativ verändert. Es erfolgt teilweise eine Schadstoffsanierung, bei der die belasteten Anstriche des Trag- werkes nicht entfernt werden. Eine Ertüchtigung des Tragwerks kommt in vollem Zuge zur Ausführung. Der erforderliche Brandschutz wird hergestellt. Die Auswirkungen auf die städtebauliche Situation erweisen sich weder als positiv noch als negativ. Das Er- scheinungsbild im öffentlichen Raum wird unter den Sicherungsmaßnahmen nicht profitieren. Nach der Fertig- stellung erwarten den Bauherren Aufgaben im Feld des Monitorings und der Dokumentation. Dies ist für den weiteren Umgang mit dem Gebäude und Folgenutzungen erforderlich. Die Sicherungsmaßnahme trägt zur langfristigen Wiederherstellung der Standsicherheit bei. Nachhaltigkeitsas- pekte werden teilweise berücksichtig. Eine Nutzung der Hallen ist bedingt möglich. HALLEN KALK 76/77 212 VORENTWÜRFE: VARIANTE 5 - REKONSTRUKTION AUSWERTUNG UND EMPFEHLUNG HALLEN KALK 76/77 214 VORENTWÜRFE Variante 1 SCHUTZHÜLLE Variante 2 BESTANDSSICHERUNG Variante 3 SCHUTZFASSADE Variante 4 BRICOLAGE Variante 5 REKONSTRUKTION Variante 1 SCHUTZHÜLLE Variante 2 BESTANDSSICHERUNG Variante 3 SCHUTZFASSADE Variante 4 BRICOLAGE Variante 5 REKONSTRUKTION Ziel Schnelle Umsetzung Grundlage für neuen Entwurf Preiswert und dauerhaft Bauliche Fortschreibung Denkmalgerechte Wiederherstellung Baukosten brutto in € 27.500.000 32.000.000 26.000.000 37.000.000 37.000.000 Maßnahmen Halle 76 · Wetterschutzdach · Schutzfassadengerüst · Rückbau Süd-/Westfassade · Rückbau Dach · statische Ertüchtigungen · Schadstoffsanierung · Korrosionsschutz · Verkleidung mit Trapezblech Süd-/Westfassade · Dach wird überholt · Erneuerung Westfassade · MW-Durchbruch Ostfassade · Schadstoffsanierung Dach · Innenräume · Rekonstruktion Süd-/West- fassade · Rekonstruktion Dach · statische Ertüchtigungen · Schadstoffsanierung Planungsdauer Bauzeit 0,5 Jahre 0,5 Jahre 1-2 Jahre 2 Jahre 1-2 Jahre 2 Jahre 2 Jahre 3 Jahre 2 Jahre 3 Jahre Nachteile · keine wirtschaftliche Nachhaltigkeit · Einsturzgefahr nicht behoben · störendes Stadtbild · geringe Dauerhaftigkeit · hohe Kosten · geringer wertiges Erscheinungsbild · Abweichung zu Denkmalanfor- derungen · hohe Kosten · längere Planungs- und Bauzeit · Abweichungen zu Denkmal- anforderungen · hohe Kosten · keine Nutzung · lange Bauzeit · Rekonstruktionen didaktisch schwer zu vermittelnMaßnahmen Halle 77 · Wetterschutzdach · Schutzfassadengerüst · Rekonstruktion Dach · statische Ertüchtigungen · Schadstoffsanierung · Korrosionsschutz · Dach wird mit Trapezblech erneuert · Schadstoffsanierung am Dach · Teildurchbrüche an Ost- und Westfassade · Schadstoffsanierung Dach · Umbau und Erweiterung Dach- geschoss · Rekonstruktion Dach · statische Ertüchtigungen · Schadstoffsanierung Vorteile · geringe Kosten · schnelle Umsetzung · vollständige Schadstoffredu- zierung · großes Entwicklungspotenzial · zügige Umsetzung · flexible Nutzung · Nutzung als Schaulager · hohe städtebauliche Wertig- keit · Aufwertung des Quartiers · Nutzung als Schaulager · Denkmalanforderungen wer- den umgesetzt · Charakter des Industriekom- plex bleibt erhalten Schadstoffreduzierung Baukultur- /Denkmal- wert Nutzung nicht erfolgt hoch nicht möglich vollständig erfolgt mittel gering möglich in Teilen erfolgt mittel möglich in großen Teilen erfolgt hoch möglich in großen Teilen erfolgt hoch möglich Erfüllungsgrad Qualitätsmerkmale niedrig mittel hoch sehr hoch hoch Wirksamkeit Nachhaltigkeit ungenügend ausreichend ausreichend befriedigend gut ungenügend sehr gut gut gut befriedigend FAZIT Notlösung teure Lösung ohne gesonderte Nutzung wirtschaftliche ganzheitliche Lösung mit Nutzungspotenzial Baukultureller und kultureller Zielpunkt in Köln-Kalk mit städ- tebaulicher Aufwertung klassischer Entwurf mit hohen Kosten ohne NutzungGESAMT schnelle Umsetzung, störendes Stadtbild großes Entwicklungspoten- zial, geringe Dauerhaftigkeit, vollständige Schadstoffredu- zierung zügige Umsetzung, gering wer- tiges Erscheinungsbild, flexible Nutzung · hohe städtebauliche Wertig- keit, umfassende Nutzungs- perpektive denkmalgerechter, klassischer Entwurf mit hohen Kosten HALLEN KALK 76/77 215 VORENTWÜRFE Variante 1 SCHUTZHÜLLE Variante 2 BESTANDSSICHERUNG Variante 3 SCHUTZFASSADE Variante 4 BRICOLAGE Variante 5 REKONSTRUKTION Variante 1 SCHUTZHÜLLE Variante 2 BESTANDSSICHERUNG Variante 3 SCHUTZFASSADE Variante 4 BRICOLAGE Variante 5 REKONSTRUKTION Ziel Schnelle Umsetzung Grundlage für neuen Entwurf Preiswert und dauerhaft Bauliche Fortschreibung Denkmalgerechte Wiederherstellung Baukosten brutto in € 27.500.000 32.000.000 26.000.000 37.000.000 37.000.000 Maßnahmen Halle 76 · Wetterschutzdach · Schutzfassadengerüst · Rückbau Süd-/Westfassade · Rückbau Dach · statische Ertüchtigungen · Schadstoffsanierung · Korrosionsschutz · Verkleidung mit Trapezblech Süd-/Westfassade · Dach wird überholt · Erneuerung Westfassade · MW-Durchbruch Ostfassade · Schadstoffsanierung Dach · Innenräume · Rekonstruktion Süd-/West- fassade · Rekonstruktion Dach · statische Ertüchtigungen · Schadstoffsanierung Planungsdauer Bauzeit 0,5 Jahre 0,5 Jahre 1-2 Jahre 2 Jahre 1-2 Jahre 2 Jahre 2 Jahre 3 Jahre 2 Jahre 3 Jahre Nachteile · keine wirtschaftliche Nachhaltigkeit · Einsturzgefahr nicht behoben · störendes Stadtbild · geringe Dauerhaftigkeit · hohe Kosten · geringer wertiges Erscheinungsbild · Abweichung zu Denkmalanfor- derungen · hohe Kosten · längere Planungs- und Bauzeit · Abweichungen zu Denkmal- anforderungen · hohe Kosten · keine Nutzung · lange Bauzeit · Rekonstruktionen didaktisch schwer zu vermittelnMaßnahmen Halle 77 · Wetterschutzdach · Schutzfassadengerüst · Rekonstruktion Dach · statische Ertüchtigungen · Schadstoffsanierung · Korrosionsschutz · Dach wird mit Trapezblech erneuert · Schadstoffsanierung am Dach · Teildurchbrüche an Ost- und Westfassade · Schadstoffsanierung Dach · Umbau und Erweiterung Dach- geschoss · Rekonstruktion Dach · statische Ertüchtigungen · Schadstoffsanierung Vorteile · geringe Kosten · schnelle Umsetzung · vollständige Schadstoffredu- zierung · großes Entwicklungspotenzial · zügige Umsetzung · flexible Nutzung · Nutzung als Schaulager · hohe städtebauliche Wertig- keit · Aufwertung des Quartiers · Nutzung als Schaulager · Denkmalanforderungen wer- den umgesetzt · Charakter des Industriekom- plex bleibt erhalten Schadstoffreduzierung Baukultur- /Denkmal- wert Nutzung nicht erfolgt hoch nicht möglich vollständig erfolgt mittel gering möglich in Teilen erfolgt mittel möglich in großen Teilen erfolgt hoch möglich in großen Teilen erfolgt hoch möglich Erfüllungsgrad Qualitätsmerkmale niedrig mittel hoch sehr hoch hoch Wirksamkeit Nachhaltigkeit ungenügend ausreichend ausreichend befriedigend gut ungenügend sehr gut gut gut befriedigend FAZIT Notlösung teure Lösung ohne gesonderte Nutzung wirtschaftliche ganzheitliche Lösung mit Nutzungspotenzial Baukultureller und kultureller Zielpunkt in Köln-Kalk mit städ- tebaulicher Aufwertung klassischer Entwurf mit hohen Kosten ohne NutzungGESAMT schnelle Umsetzung, störendes Stadtbild großes Entwicklungspoten- zial, geringe Dauerhaftigkeit, vollständige Schadstoffredu- zierung zügige Umsetzung, gering wer- tiges Erscheinungsbild, flexible Nutzung · hohe städtebauliche Wertig- keit, umfassende Nutzungs- perpektive denkmalgerechter, klassischer Entwurf mit hohen Kosten HALLEN KALK 76/77 216 VORENTWÜRFE HALLEN KALK 76/77 217 VORENTWÜRFE: AUSWERTUNG UND EMPFEHLUNG Empfehlung Im vorherigen Kapitel wurden fünf Varianten zur nutzungsunabhängigen Sicherungsmaßnahme der Hallen 76 und 77 in Köln-Kalk erläutert und Aspekte aus bautechnischer, nachhaltiger, städtebaulicher, denkmalpflege- rischer und kostentechnischer Sicht beleuchtet. Die Tabelle der vorherigen Seite stellt die Eigenschaften der einzelnen Varianten vergleichend gegenüber. Aufgrund des Nichterreichens der statischen Standsicherheit ist von Variante 1 Schutzhülle abzusehen. Variante 2, Bestandssicherung ist wegen der immensen Gefahr weiterer witterungsbedingter Schäden mit Vor- sicht zu betrachten. Die ganzheitliche Rekonstruktion einschließlich der Verbesserung baulicher Gegebenheiten von Variante 5, Rekonstruktion stellt eine denkbare Lösung dar. Der hohe Planungs- als auch Bauaufwand ist kritisch und denk- malpflegerisch zu hinterfragen. Durch die wiederhergestellte Standsicherheit und den langfristige Schutz der Bausubstanz bei Variante 3, Schutzfassade sowie Variante 4, Bricolage sind diese zu präferieren. Beide Varianten unterscheiden sich teil- weise signifikant in den genannten Aspekten. Während Variante 3 im Vergleich in kurzer Zeit und mit wenigen Mitteln realisiert werden kann, ist Variante 4 deutlich nachhaltiger und weist mehr Spielraum für zukünftige Nutzungen und Einbindungen in den städtischen Raum auf. Wegen der aufgelisteten Gründen wird Variante 4, Bricolage empfohlen. Der Kosten-Nutzen-Faktor steht hier ebenso wie die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit der Maßnahmen in einem guten Verhältnis. Die Hallen werden langfristig geschützt und eröffnen die Möglichkeit zur Unterbringung zahlreicher Nutzungen. HALLEN KALK 76/77 218 VORENTWÜRFE: AUSWERTUNG UND EMPFEHLUNG ZUSAMMENFASSUNG HALLEN KALK 76/77 220 ZUSAMMENFASSUNG HALLEN KALK 76/77 221 ZUSAMMENFASSUNG ZUSAMMENFASSUNG Die denkmalgeschützten Hallen 76 und 77 in Köln-Kalk sind eine städtische Liegenschaft und werden seit 2014 nicht genutzt. Sie waren Teil des ehemaligen Fabrikgeländes der Klöckner-Humboldt-Deutz AG, das durch des- sen Schließung zu Ende der 1980er Jahre den Strukturwandel im Stadtteil einläutete. Das heute innerstädtische Areal, als Kalker Hallen bezeichnet, sollte mit einem 2017 durchgeführten Werkstattverfahren eine neue Nut- zung und städtebauliche Ausrichtung erhalten. Halle 76 und 77 wurden in die Planungen nicht miteinbezogen, sind aufgrund deren unmittelbaren Nähe jedoch für die Weiterentwicklung des Areals von großer Bedeutung. Ein Nutzungskonzept beider Hallen steht noch aus. Nach zahlreichen Untersuchungen wurde am 10.11.2022 von der HIG Ingenieurgesellschaft mbH (HIG) ein drin- gender Handlungsbedarf zur Sicherung der Gebäudehüllen angemeldet. Beide Hallen stehen seit Jahren wegen Einsturzgefahr unter besonderer Beobachtung. Deformierungen, Verschiebungen und Korrosionsschäden statisch relevanter Bauteile führen mittlerweile zu einem potenziellen Bauteilversagen. Akut betroffen ist die Westfassade von Halle 76 sowie die Dachkonstruktion von Halle 77. Hinzukommend wurden an vielen Bauele- menten Gefahrenstoffe wie Asbest, PAK, PCB oder KMF in hoher Konzentration identifiziert. Um eine unkontrollierte Schädigungen oder gar den Einsturz der Hallen zu verhindern, sind zeitnahe Handlun- gen zur Bauteilsicherungen und Wiederherstellung der Standsicherheit nötig. Die Pflichtmaßnahmen beinhal- ten dabei unter anderem den Abbruch der Dachflächen, den Rückbau der Westfassade (Halle 76) sowie das Ertüchtigen der Stahlkonstruktionen. Alle Arbeiten müssen aufgrund der Einsturzgefahr und Schadstoffbelas- tung unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen durchgeführt werden. HALLEN KALK 76/77 222 ZUSAMMENFASSUNG Für diesen Zweck wurden fünf Varianten für eine nutzungsunabhängigen Sicherungsmaßnahme formuliert und gegenübergestellt. Deren Vorkehrungen reichen von kurzfristigen Schutzmaßnahmen bis hin zu langfristigen Sanierungs- und Umbaumaßnahmen. Als besonders positiv hat sich Variante 4 hervorgetan, die ihren Schwer- punkt auf die bauliche Fortschreibung der Anlagen und der statischen Ertüchtigung einschließlich langlebigen Bauteilschutz legt. ANHANG HALLEN KALK 76/77 224 ANHANG Abb. 1: Halle 76 und Halle 77 in Köln-Kalk [Quelle: https:/ /earth. google.com] 12 Abb. 2: Isometrie zu aktuellen Sicherungsmaßnahmen. In rot wurden Schutzgerüste und Bauzäune eingezeichnet. Der Bau- zaun an der Ostwand liegt hinter der Gebäudeansicht und ist in dieser Abbildung nicht zu erkennen. 15 Abb. 3: Lage der Hallen 76 und 77 innerhalb der Stadt Köln [Quelle: https:/ /www.tim-online.nrw.de/tim-online2] 19 Abb. 4: Städtebauliche Lage der Hallen 76 und 77, Markierung des ehemaligen Werksgeländes der KHD AG (Teilbereich) [Quelle: https:/ /www.tim-online.nrw.de/tim-online2] 20 Abb. 5: Städtebaulichen Lage der Hallen 77, 76, 75 und 71, 70, 60, 59, 58 in Köln-Kalk, nördlich der Dillenburger Straße. [Quelle: https:/ /earth.google.com] 21 Abb. 6: Funktionale und städtebauliche Ausrichtung der Halle 76 und 77 in den Jahren Kalk 1950 22 Abb. 7: Funktionale und städtebauliche Ausrichtung der Halle 76 und 77 in Kalk, 2023 23 Abb. 8: Bebauungsplan von 2001 [Quelle: https:/ /geoportal. stadt-koeln.de] 23 Abb. 9: Machbarkeitsstudie 2019 [Quelle: http:/ /www.hallen- kalk.de] 23 Abb. 14: Lageplan 2023, gezeichnet IBH 25 Abb. 10: Siegerentwurf des Werkstattverfahrens 2017 [Quelle: http:/ /www.hallen-kalk.de] 26 Abb. 11: Bewertung der heutigen städtebaulichen Einbindung der Halle 76 (links) und der Halle 77 (rechts) 26 Abb. 12: Gewünschte funktionale Achsen mit einem Durch- bruch der Halle 76 27 Abb. 13: Gewünschte bauliche Ausrichtung und in weiß die ge- planten Erschließungswege durch die Gebäude der Hallen 75, 76 und 77 27 Abb. 15: Halle 76 im Jahr 1905 [Quelle: Maschinenbauanstalt Humboldt, 1906] 33 Abb. 16: Halle 77 im Jahr unbekannt, genutzt als Fahrzeugre- paraturwerkstätte [Quelle: RWWA 107 Nr. 35] 33 Abb. 17: Maschinenbau AG Humboldt in den Jahren 1872-1874 34 Abb. 18: Maschinenbauanstalt Humboldt AG in den Jahren 1897 - 1905 34 Abb. 19: Maschinenbauanstalt Humboldt AG in den Jahren 1905 - 1929 34 Abb. 20: Humboldt-Deutzmotoren AG in den Jahren 1929 - 1937 34 Abb. 24: Klöckner-Humboldt-Deutz AG in den Jahren 1941 - 1944 35 Abb. 21: Klöckner-Humboldt-Deutz AG in den Jahren 1944 - 1945 35 Abb. 22: Klöckner-Humboldt-Deutz AG in den Jahren 1949 - 1967 35 Abb. 23: Klöckner-Humboldt-Deutz AG in den Jahren 1967 - 1991 35 Abb. 25: Halle 76 [Quelle: https:/ /earth.google.com] 40 Abb. 26: Innenraum der Halle 76 in Richtung West- und Nord- außenwand 41 Abb. 27: Visueller Größenvergleich: Museum Ludwig (blau), der Kölner Dom (grün) und die Halle 76 (rot) 42 Abb. 28: Ehemaliger Hauptzugang West 42 Abb. 29: Außenaufnahme Westfassade 44 Abb. 30: Ansicht West 45 Abb. 31: Außenaufnahme Westfassade mit Kranbahn 47 Abb. 32: Rote Beschichtung der Ziegel im Erdgeschoss 48 Abb. 34: Gusseiserne Fensterprofile 48 Abb. 33: Offene Anschlusspunkte an durchlaufenden Stützen HALLEN KALK 76/77 225 ANHANG 48 Abb. 35: Blassgrüne Farbigkeit der Beschichtung der Stahl- bauteile 48 Abb. 36: Reichsformat im Läuferverband Außen 49 Abb. 37: Reichsformat im Läuferverband Innen 49 Abb. 38: Anschluss horizontaler Träger an Hauptstütze 49 Abb. 39: Außenaufnahme Südfassade 50 Abb. 40: Klammern und aufgeschweißte Bleche 51 Abb. 41: Aufgequollene Stahlprofile 51 Abb. 42: Ehemalige Dachform von Halle 77 51 Abb. 43: Außenaufnahme Nordfassade 52 Abb. 44: Ortganggesims 53 Abb. 47: Drei Mauerwerkstypen farblich hervorgehoben. Bau- zeitlich dürfte der rote Bereich sein. Gelb und Blau sind späte- re Ergänzung, wahrscheinlich aufgrund von Kriegsschäden 53 Abb. 45: Stahlträger ehemalige Öffnung 53 Abb. 46: Verschiebung Pfeiler 53 Abb. 48: Außenaufnahme Ostfassade 54 Abb. 49: Ansicht Ost 55 Abb. 50: Reparaturstellen 56 Abb. 51: Reichsformat im Kreuzverband Außen 56 Abb. 52: Reichsformat im Kreuzverband Innen 56 Abb. 53: Traufgesims 57 Abb. 54: Segmentbogen 57 Abb. 55: Zierfeld 57 Abb. 56: Ostfassade südlicher Abschnitt 58 Abb. 57: Ostfassade nördlicher Abschnitt 59 Abb. 58: Querschnitt 60 Abb. 59: Wechsel Achsabstand von circa fünf Meter auf circa 20 Meter 61 Abb. 60: Stütze genietet 63 Abb. 61: Stütze geschraubt 63 Abb. 62: Eingespannte Stahlbetondecke der oberen Galerie- ebene mit offenen Verbindungsstellen am Querträger 64 Abb. 63: Auflager der Querträger/Fachwerkträger 65 Abb. 64: Kappendecke der unteren Galerieebene in Süd-Ost- Ecke 65 Abb. 65: Durchtrennte Träger nach Abbruch der unteren Gale- rieebene 65 Abb. 66: Auflager Galerieebene auf Mauerwerkspfeilern der Ostwand 66 Abb. 67: Deckenkonstruktion Westseite 67 Abb. 68: Treppe I Nieten 68 Abb. 69: Treppe II Schweißverbindungen 68 Abb. 70: Treppe I: Süd-Ost-Ecke 69 Abb. 71: Treppe II: Nord-West-Ecke 69 Abb. 72: Ausführung als Stahlbeton (rot) oder Bimsdielen (blau) 70 Abb. 73: Außenaufnahme Oberlichtbänder 70 Abb. 74: Spannweite Dachbinder circa 16 Meter 72 Abb. 76: Anschluss Dachbinder, genietet und geschraubt 72 Abb. 75: Walzzeichen Aachener Hütten-Aktien Verein Rothe Erde (A.H.A.V) 72 Abb. 77: Wechsel Stahlbeton zu Bimsdielen 73 Abb. 78: Feuchteschaden an Bimsdielen (d = 9 cm, Breite = 50 cm) 73 Abb. 79: Dachkonstruktion Galerie West 73 Abb. 80: Abschluss Oberlichter senkrecht zur Dachfläche 74 Abb. 81: PAK-haltiger und asbesthaltiger Fensterkitt 75 Abb. 84: Schäden an der Dachabdichtung 75 Abb. 82: Asbesthaltige Dachabdichtung 75 Abb. 83: Wechsel Länge Oberlichter 75 Abb. 85: Traforaum bei Treppe I 76 Abb. 87: Lüftungsanlage unterhalb oberer Galerie Nord 76 HALLEN KALK 76/77 226 ANHANG Abb. 86: Rohrleitungen bei Treppe II 76 Abb. 90: Gastank und Rohrleitungen Süd-West-Ecke 77 Abb. 88: Auslass Lüftungsanlage Nord-Ost-Ecke 77 Abb. 89: Rohrleitungen bei Treppe I 77 Abb. 91: Kranbahn im östlichen Seitenschiff 78 Abb. 92: Kranbahn im westlichen Seitenschiff 78 Abb. 93: Krananlage Mittelschiff 79 Abb. 94: Pflichtmaßnahmen Halle 76 85 Abb. 95: Halle 77 [Quelle: https:/ /earth.google.com] 90 Abb. 96: Innenaufnahme Seitenschiff 91 Abb. 97: Visueller Größenvergleich: Das Museum Ludwig (blau), der Kölner Dom (grün) und die Halle 77 (rot) 92 Abb. 98: Ehemaliger Hauptzugang Fassade West Innenansicht 92 Abb. 99: Außenaufnahme Westfassade 94 Abb. 100: Ansicht West 95 Abb. 101: Sims der ehemaligen Außenwand 96 Abb. 103: Ältestes Mauerwerk im Kreuzverband 96 Abb. 102: freiliegende Stahlprofile der Fensterstürze 96 Abb. 104: Übergang Ziegel zu Bims, instabiles Mauerwerk 96 Abb. 105: Bleibelasteter Türlack 97 Abb. 107: Reparaturstellen im Mauerwerk 97 Abb. 106: Fassade West nach Entfernung Bewuchs 97 Abb. 108: Ansicht Süd 98 Abb. 110: Ziegel im Läuferverband als Ausfachung 99 Abb. 112: Detailaufnahme Verglasung Südfassade 99 Abb. 111: Detail Auskreuzung 99 Abb. 109: Freigelegter Fußpunkt 99 Abb. 113: Außenaufnahme Ostfassade 100 Abb. 114: Ansicht Ost 101 Abb. 116: Zusammengesetzte Außenaufnahme Ostfassade 102 Abb. 115: Die nicht bauzeitlichen Anker sind anhand ihrer Mör- telumrandung gut erkennbar. Rechts eine aktuelle Sicherungs- maßnahme 102 Abb. 117: Verglasung Obergaden 103 Abb. 118: Traufgesims 103 Abb. 119: Farbliche Gliederung Stürze und Lisenen 103 Abb. 120: Querschnitt 104 Abb. 121: Innenaufnahme 105 Abb. 122: Auflager auf westlicher Stützenreihe 107 Abb. 124: Verlängerung Fachwerkstützen 107 Abb. 123: Verbindung Mittelstütze mit Dachträgern 107 Abb. 125: Anschluss Tragwerk Seitenschiff 107 Abb. 126: Östliche Trennwand Waschraum zum Mittelschiff 108 Abb. 127: Nördliche Innenwand zur Halle 108 Abb. 128: Trennwand zum Rolltor 108 Abb. 129: Wände der Meisterbüros nach Abbruch der Decken 109 Abb. 130: Innenaufnahme Halle 77 in Richtung Osten. Bewuchs aufgrund des Feuchteeintrags durch das marode Dach 110 Abb. 132: Nördliches Ende Zwischendecke 112 Abb. 131: Südliches Ende Zwischendecke 112 Abb. 133: Abgängige Deckenkonstruktion 112 Abb. 134: Steigleitern Süd-West 113 Abb. 135: Stahltreppe Süd-Ost-Ecke 113 Abb. 136: Holzschalung, Holzsparren, Eisenpfetten 114 Abb. 137: Obergaden 116 Abb. 138: Giebelseite 116 Abb. 139: marode Dachdeckung 116 Abb. 142: Lüftungskanäle oberhalb Meisterbüros 118 Abb. 141: Lüftungsanlage ehemaliger Waschraum Meisterbüros 118 Abb. 143: Rohrleitungen in Bodenplatte 118 Abb. 144: Lüftungsanlage oberhalb Meisterbüros 119 HALLEN KALK 76/77 227 ANHANG Abb. 145: Lüftungsanlage oberhalb Meisterbüros 119 Abb. 147: Kranbahn Seitenschiff Ost 120 Abb. 146: Kranbahn Mittelschiff Ost 120 Abb. 148: Kranbahn Mittelschiff West 120 Abb. 149: Laufschiene ehemalige Kranbahn Seitenschiff West 121 Abb. 150: Auflager Laufschiene Kranbahn Seitenschiff Ost 121 Abb. 151: Pflichtmaßnahmen Halle 77 127 Abb. 152: Lageplan mit Einzeichung der westlich gelegenen Kranbahn 132 Abb. 153: Walzzeichen an Fachwerkstütze 133 Abb. 155: Unterschiedlich ausgeführte Stützenfundamente. 133 Abb. 154: Wechsel von vernieteten zu verschraubten Verbin- dungen 133 Abb. 156: Isometriedarstellung des Vorentwurfs Variante 1 - Schutzhülle 138 Abb. 157: Isometrie zur Visualisierung der geplanten Maßnah- men von Variante 1 - Schutzhülle 139 Abb. 158: Isometrie zur Visualisierung der notwendigen Inte- rimsmaßnahmen von Variante 1 - Schutzhülle 140 Abb. 159: Isometrie zur Visualisierung der städtebaulichen Auswirkungen von Variante 1 - Schutzhülle 141 Abb. 160: Beispiel eines Raumgerüsts [Quelle: https:/ /www. stahl-geruestbau.de/wp-content/uploads/2018/12/KB_ C18_2358-003.jpg] 146 Abb. 161: Elefantenhaus, Zürich - Raumgerüst [Quelle: https:/ / www.dach-holzbau.de/imgs/100696233_67e6e053f3.jpg] 146 Abb. 162: Isometrie zur Visualisierung der geplanten Maßnah- men von Variante 2 - Bestandssicherung 152 Abb. 164: Isometrie zur Visualisierung der notwendigen Inte- rimsmaßnahmen von Variante 2 - Bestandssicherung 153 Abb. 166: Isometrie zur Visualisierung der städtebaulichen Auswirkungen von Variante 1 - Schutzhülle 154 Abb. 167: Les Fonderies, Nantes [Quelle: https:/ /architizer. com/idea/1354035] 160 Abb. 168: Les Fonderies, Nantes [Quelle: https:/ /architizer. com/idea/1354030] 160 Abb. 169: Sicherung als Ruine: Psychatrie, Gent [Quelle: https:/ /www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Frei- raum-Architektur_bei_Gent_von_De_Vylder_Vinck_Tail- lieu_4895289.html] 161 Abb. 170: Psychatrie, Gent [Quelle: https:/ /www.baunetz.de/ meldungen/Meldungen-Freiraum-Architektur_bei_Gent_ von_De_Vylder_Vinck_Taillieu_4895289.html] 161 Abb. 171: Deutsches Sportmuseum, Köln - Außenansicht [Quelle: https:/ /www.koelntourismus.de/kunst-kultur/ sehenswuerdigkeiten/detail/deutsches-sport-olympia-mu- seum] 162 Abb. 172: Le Grand Hornu, Mons - Detailbild [Quelle: https:/ / assets.deutschlandfunk.de/FILE_3c0a9ab228cec4ae- d6463eae613d0295/1920x1080.jpg?t=1597521912316] 162 Abb. 173: Isometrie zur Visualisierung der geplanten Maß- nahmen von Variante 2 - Bestandssicherung 167 Abb. 174: Isometrie zur Visualisierung der notwendigen Inte- rimsmaßnahmen von Variante 1 - Schutzhülle 168 Abb. 175: Isometrie zur Visualisierung der städtebaulichen Auswirkungen von Variante 1 - Schutzhülle 169 Abb. 176: Gestaltung geschlossene Blechfassaderaum Frog Queen, Graz [Quelle: https:/ /www.dbz.de/artikel/dbz_Die_ Froschkoenigin_Irritierendes_Spiel_mit_innen_und_aus- sen-70821.html] 174 Abb. 177: Gestaltungs Fassade Grundschule Sassenburg, Wolfsburg [Quelle: https:/ /www.archdaily.com/295502/han- gar-16-inaqui-carnicero-architecture] 174 HALLEN KALK 76/77 228 ANHANG Abb. 178: Dunkler Innenraum Hangar 16, Madrid [Quelle: https:/ /www.archdaily.com/295502/hangar-16-inaqui-carnice- ro-architecture] 175 Abb. 179: Geschlossene Blechfassade, Flussmeisterstelle, Deg- gendorf [Quelle: https:/ /www.bogevisch.de/projekte/fluss- meisterstelle-deggendorf] 176 Abb. 180: Isometrie zur Visualisierung der geplanten Maßnah- men von Variante 2 - Bestandssicherung 181 Abb. 181: Isometrie zur Visualisierung der notwendigen Inte- rimsmaßnahmen von Variante 1 - Schutzhülle 182 Abb. 182: Isometrie zur Visualisierung der städtebaulichen Auswirkungen von Variante 1 - Schutzhülle 183 Abb. 183: Gusto Headquarters, San Francisco - Innenansicht [Quelle: https:/ /spacestor.com/media/scaled_images/insights/ arch-history/project_spacestor_180815-135617_big.webp] 190 Abb. 184: Gusto Headquarters, San Francisco - Innenansicht [Quelle: https:/ /static.dezeen.com/uploads/2018/10/gus- to-gensler-interiors-office-san-francisco-california-usa_de- zeen_2364_col_0-852x1193.jpg] 190 Abb. 185: Schaudepot Ruhr Museum, Essen [Quelle: https:/ / www.jansen.com/de/building-systems-stahlprofilsysteme/re- ferenzen/referenzuebersicht/detail/schaudepot-ruhr-museum. html] 191 Abb. 186: Schaudepot Ruhr Museum, Essen [Quelle: https:/ / www.jansen.com/de/building-systems-stahlprofilsysteme/re- ferenzen/referenzuebersicht/detail/schaudepot-ruhr-museum. html] 191 Abb. 187: Anish Kapoor Studios, London [Quelle: https:/ /www. dezeen.com/2016/03/15/caseyfierro-anish-kapoor-studio- workshop-gallery-london/] 192 Abb. 188: Anish Kapoor Studios, London [Quelle: https:/ /www. archdaily.com/786255/anish-kapoor-studio-i-caseyfierro-ar- chitects/571ea3bbe58ece48d400009a-anish-kapoor-studio-i- caseyfierro-architects-photo] 193 Abb. 189: IMd Hoofdkantoor, Rotterdam [Quelle: https:/ /www. archined.nl/ectorhoogstad/project/27895-kantoor-imd-rotter- dam/] 193 Abb. 190: Park Spoor Noord, Antwerpen - Außenansicht Tag [Quelle: https:/ /static.wixstatic.com/media/71ec36_ e308611317714adfa52b319dd95b8557~mv2.jpg/v1/fill/ w_800,h_533,al_c,q_85,enc_auto/71ec36_e308611317714ad- fa52b319dd95b8557~mv2.jpg] 194 Abb. 191: Youth Zone Center, Blackburn - Außenansicht Nacht [Quelle: https:/ /danpal.com/wp-content/uploads/2017 /04/ fachada-de-vidrio.jpg] 194 Abb. 192: Isometrie zur Visualisierung der geplanten Maßnah- men von Variante 2 - Bestandssicherung 199 Abb. 193: Isometrie zur Visualisierung der notwendigen Inte- rimsmaßnahmen von Variante 5 -Rekonstruktion 200 Abb. 194: Isometrie zur Visualisierung der städtebaulichen Auswirkungen von Variante 1 - Schutzhülle 201 Abb. 195: Technische Fachhochschule Wildau [Quelle: http:/ / anderhalten.com/projekte/technische-fachhochschule-wildau] 206 Abb. 196: Sanierte Kompressorenhalle Kokerei Hansa, Dort- mund [Quelle: https:/ /upload.wikimedia.org/wikipedia/com- mons/b/b2/Kokerei_Hansa_Kompressorenhalle_1.jpg] 207 Abb. 197: Zeche Zollverein, Essen - Außenansicht [Quelle: https:/ /www.unesco.de/sites/default/files/2017-12/Zeche%20 Zollverein_c_Andr%C3%A9%20P.%20Meyer-Vitali_cc.jpg] 208 Abb. 198: Zeche Zollverein, Essen - Detailansicht [Quelle: https:/ /thelink.berlin/wp-content/uploads/2017 /11/Zeche-Zoll- verein-15-%C2%A9-Hendrik-Bohle.jpg] 208 HALLEN KALK 76/77 229 ANHANG ANNEX Die nachfolgenden Anhänge liegen in separaten Dokumenten vor. 1. Lageplan im Maßstab 1:500 Ingenieurbüro Hutt, 2022 2. XX Grundlagenpläne im Maßstab 1:200 Ingenieurbüro Hutt, 2022 3. Kostenschätzung, Variante 1 - 5 Ingenieurbüro Hutt, 2022 4. Kurzzusammenfassung zur Vorentwurfsplanung Ingenieurbüro Hutt, 2023 5. Bericht zur Baugeschichte der Hallen 76 und 77 in Köln Ingenieurbüro Hutt, 2023 6. Vorplanungsbericht Tragwerksplanung - Halle 76 HIG Ingenieurgesellschaft mbH, 2022 7. Vorplanungsbericht Tragwerksplanung - Halle 77 HIG Ingenieurgesellschaft mbH, 2022 8. Vorplanungsbericht Tragwerksplanung - Zusammenfas- sung HIG Ingenieurgesellschaft mbH, 2022, ersetzt durch: 9. Vorplanungsbericht Tragwerksplanung - Zusammenfas- sung vom 11.10.2022, Überarbeitung vom 14.02.2023 HIG Ingenieurgesellschaft mbH, 2023 Beinhaltete Änderungen: 1. Nennung und Sortierung der Varianten entsprechend der letzten Planung 2. Redaktionelle Anpassungen V4+5 3. Neues Kapitel 1.3 10. Abbruchkonzept Schadstoffe - Abbruch Hallen Kalk Halle 76 u. 77 HPC AG, 2015 11. Ergänzung Schadstoffgutachten v. 2015 HPC AG, 2022 HALLEN KALK 76/77 230 ANHANG Der Bericht umfasst 232 Seiten und wurde am 17.03.2023 erstellt. Bearbeiter: M. Sc. (Arch.) Gudrun Warnking Dipl.-Rest. (FH), M. Eng. Sarah Hutt M. A. (Arch.) Henrik Münch B. A. (Arch.) Georg Brummer Ingenieurbüro Hutt Von-Groote-Straße 28 50968 Köln www.denkmalplanung.de hutt@denkmalplanung.d e+49 221 29850788
Anlage 2.2 Nutzungsunabhängige Sicherungsmaßnahmen Teil 2
58581 Zeichen
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STÄDTEBAULICHE LAGE
Abb. 13: Gewünschte bauliche Ausrichtung und in weiß die geplanten Erschlie-
ßungswege durch die Gebäude der Hallen 75, 76 und 77
Nach Norden waren die Halle 76 und 77 immer baulich mitei-
nander verbunden. Ein funktionaler Zusammenhang zwischen
den Hallen bestand die meiste Zeit. Fotoaufnahmen lassen
sogar vermuten, dass sie im Erdgeschoss aufgrund der fehlen-
den unteren Giebelwand miteinander verbunden waren. Daher
muss Halle 77 immer im Zusammenhang mit Halle 76 gedacht
werden und eine Funktionale „innere“ Verbindung von Nord-
nach Süd sollte durchaus gefördert werden.
HERAUSFORDERUNG UND POTENZIAL
Ein wichtigstes Ziel einer zukünftigen städtebaulichen Ent-
wicklung ist, den Ottmar-Pohl-Platz mit den östlich gelegenen
Industriehallen 58-60 und 70, 71 zu verbinden, um so einen
geschlossenen funktionalen städtebaulichen Raum zu schaf-
fen. Um dies zu erreichen muss Halle 76 im Erdgeschoss quer
durchbrochen werden, siehe Abbildung 12.
Abb. 12: Gewünschte funktionale Achsen mit einem Durchbruch der Halle 76
Die Ostfassade der Halle 75, 76 und 77 bildet heute, wie be-
reits bauzeitlich, den städtebaulichen Rücken zur Neuerburg-
straße aus. Durch Höhe der Halle von 15 Meter, ist diese Halle
zwischen den beiden niedrigeren Hallen 75 und 77 nach Osten
identitätsstiftend. Um städtebaulich die Hallen 75, 76 und 77
deutlicher an die anderen Industriehallen anzubinden, müs-
sen die Halle 75, 76 und 77 nach Osten zukünftig wesentlich
durchlässiger werden, siehe Abbildung 13.
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STÄDTEBAULICHE LAGE
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STÄDTEBAULICHE LAGE
KURZZUSAMMENFASSUNG STÄDTEBAULICHE LAGE
Die Umgebung der Hallen 76 und 77 ist von den geschichtlichen Spuren der Industrieanlagen des bis in die
1980er Jahre ansässigen Unternehmens Klöckner Humboldt AG geprägt. Seit der Stilllegung des Unternehmens
in den 1970er Jahren entwickelt sich der Stadtteil Kalk von einem Industrie- zu einem Wohn- und Verwaltungs-
standort.
Durch den Neubau des Kalk-Karrees und des Eckgebäudes an der Dillenburger Straße 27 wurde die ursprüngli-
che städtebauliche Ausrichtung der Hallen 76 und 77 grundlegenden verändert. Als Teil des Werksgeländes der
KHD AG wiesen die Ostfassaden an der Neuerburgstraße einen repräsentativen abschließenden Charakter auf,
während die Westfassaden rein funktional in den Werkshof gerichtet waren.
Heute ergibt sich dagegen an der Westfassade durch die Anlage von Parkplätzen und die Zufahrt zu einer
Tiefgarage eine Situation, die entlang der Halle 77 einen undefinierten Straßenraum und Freifläche entstehen
lassen. Die nach der Jahrtausendwende neu angelegte Platzanlage (Ottmar-Pohl-Platz) vor der Westfassade
der Halle 76 ist wenig belebt und wird kaum genutzt. Diese Faktoren führen zu einer Art Hinterhofatmosphäre
an den Westfassaden der Hallen und einer Abwertung des dortigen öffentlichen Raumes.
Entlang der östlichen Fassaden verläuft die Neuerburgstraße mit dem größten noch erhaltenen Teil der KHD-
Hallen. Ein 2017 durchgeführtes Werkstattverfahren zur Beplanung des Gebietes zwischen Neuerburgstraße
und Christian-Sünner-Straße wurde 2019 in einer Machbarkeitsstudie fortgeführt. Eine städtebauliche Aufwer-
tung dieses Bereiches ist zu erwarten und soll sich in der städtebaulichen Orientierung der Hallen 76 und 77
widerspiegeln.
HALLEN KALK 76/77
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STÄDTEBAULICHE LAGE
BAU- UND NUTZUNGSGESCHICHTE
HALLEN KALK 76/77
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BAU- UND NUTZUNGSGESCHICHTE
Einleitung
Im Rahmen der Vorentwurfsplanung zu nutzungsunabhängi-
gen Sicherungsmaßnahmen wurde die Bau- und Nutzungs-
geschichte der Hallen 76 und 77 durch das IBH erforscht und
wissenschaftlich aufbereitet. Die Ergebnisse basieren auf Aus-
wertungen von Archivalien (Plandarstellungen und historische
Fotoabbildungen) sowie auch auf bauforscherliche Befunde
vor Ort. In diesem Bericht werden lediglich die wichtigsten
Ergebnisse komprimierend dargestellt. .
Verweis auf „Bericht Baugeschichte“
Eine tiefer gehende Betrachtung zur Baugeschichte findet sich
im Bericht „Baugeschichte der Hallen 76 und 77 in Köln Kalk,
Ingenieurbüro Hutt, 2023“. In diesem Bericht werden die Hin-
tergründe zur Unternehmensgeschichte erläutert, jede Quelle
einzeln dargestellt, die Bauphasen tabellarisch zusammenge-
fasst und entscheidende Quellen visuell verglichen.
1872-1874
In der Phase starker Expansion der Firma Maschinenbau AG
Humboldt ab 1872 werden die alten hölzernen Produktions-
hallen der 1850er abgebrochen und durch Neubauten aus
Backstein mit Holzdachtragwerken ersetzt. Zu dieser Zeit ent-
stehen die Hallen westlich des Bauplatzes der Halle 77, der als
Hof der Abteilung IV (Maschinenbau) genutzt wird.
1897 - 1905
In der Blütezeit des Unternehmens wird anschließend an die
Hallen der 1870er Jahre zwischen 1897 und 1905 die Halle 77
für den Maschinenbau errichtet, wobei die ehemalige öst-
liche Außenwand der Nachbarhallen als Innenwand in Halle 77
integriert wird. Das Gebäude besteht aus zwei unterschiedlich
breiten Schiffen mit jeweils einem Satteldach.
1905 - 1929
1905 wird Halle 76 nördlich an Halle 77 als Montagehalle für
den großen Maschinenbau angebaut und der Durchgang
zwischen den Hallen geöffnet. Im Westen schließen sich die
eingeschossigen Hallen der Perforieranstalt an. Die Halle 76
verfügt über eine Schauseite aus Backstein zur Neuerburg-
straße und Eisenfachwerk zum Werksgelände hin.
1929 - 1937
Zwischen 1929 und 1937 kommt es im Zuge der Konzern-
bildung zu größeren Umstrukturierungen auf dem Werks-
gelände. Der Komplex zwischen der Rolshover und der
Neuerburgstraße wird stillgelegt und die meisten der Hallen
abgebrochen. Die Hallen 76 und 77 werden von der Wehr-
macht genutzt.
1941 - 1944
Als letztes Teilstück wird 1941/1942 der an Halle 76 anschlie-
ßende Teil der ehemaligen Perforieranstalt abgebrochen.
1942 kommt es zu den ersten größeren Luftangriffen auf das
Werksgelände. Im Oktober 1944 wird Halle 76 schwer und
Halle 77 sehr schwer infolge mehrerer Luftangriffe geschädigt.
1944 - 1945
Noch während des Krieges wird die Halle 77 als dreischiffige
Halle mit basilikalem Querschnitt wieder aufgebaut. Die mit-
tigen Fachwerkstützen werden verlängert und die Westwand
mit Bimssteinen erhöht. Die Dachdeckung besteht aus einer
Holzschalung mit Blechdeckung. Die Halle 76 hat zu Kriegsen-
de noch größere Schäden in der Dachhaut.
1949 - 1967
Bereits im Juni 1945 nimmt KHD die Produktion wieder auf.
HALLEN KALK 76/77
33
BAU- UND NUTZUNGSGESCHICHTE
Spätestens 1946 sind beide Hallen wieder benutzbar. Halle 76
dient als Lager für den Anlagenbau, Halle 77 als werkseigene
Fahrzeugreparatur. Erst 1951/52 zieht die Lagerfertigung in
Halle 77 ein und beide Hallen werden durch eine außen liegen-
de Kranbahn verbunden.
1967 - 1991
1967 kommt es zu den letzten größeren Umbaumaßnahmen
in Halle 76, wobei die innen liegenden Fachwerkstützen und
die untere Galerieebene abgebrochen werden und eine neue
Kranbahn eingebaut wird. In die Westwand werden neue Tore
eingefügt. In Halle 77 wurden bereits nach 1956 die sogenann-
ten Meisterbüros eingebaut.
Nutzungsgeschichte
Die Halle 76 wurde bis in die 1930er Jahre als Montagehalle für
den Großmaschinenbau genutzt, siehe Abb. 15. Im Anschluss
belegte die Wehrmacht die Halle. Nach Kriegsende wurde die
Abb. 15: Halle 76 im Jahr 1905 [Quelle: Maschinenbauanstalt Humboldt, 1906]
Halle als werkseigenes Lager genutzt, bis sie ab 1967 wieder
als Produktionsstätte diente. Nach Übernahme durch die Stadt
Köln 1991 fanden dort Opernaufführungen statt. Als letzter
Nutzer zog das Museum Ludwig aus. Heute wird sie nicht ge-
nutzt.
Die Halle 77 wurde bis zur Belegung durch die Wehrmacht in
den 1930er Jahren für den Zerkleinerungsmaschinenbau und
als Schruppwerkstatt genutzt. Nach Ende des 2. Weltkriegs
zog die werkseigene Fahrzeugreparatur ein, bis die Halle ab
den 1950ern zur Lagerfertigung genutzt wurde. Als letzter
Nutzer zog das Museum Ludwig ein. Heute ist sie wegen Ein-
sturzgefahr des Daches nicht nutzbar.
Abb. 16: Halle 77 im Jahr unbekannt, genutzt als Fahrzeugreparaturwerkstätte
[Quelle: RWWA 107 Nr. 35]
HALLEN KALK 76/77
34
BAU- UND NUTZUNGSGESCHICHTE
Neuerburgstraße
Vingster Straße
Abb. 17: Maschinenbau AG Humboldt in den Jahren 1872-18741872-1874
Neuerburgstraße
Vingster Straße
77
Abb. 18: Maschinenbauanstalt Humboldt AG in den Jahren 1897 - 19051897 - 1905
Neuerburgstraße
Vingster Straße
76
77
Abb. 19: Maschinenbauanstalt Humboldt AG in den Jahren 1905 - 19291905 - 1929
Neuerburgstraße
Dillenburger Straße
76
77
Abb. 20: Humboldt-Deutzmotoren AG in den Jahren 1929 - 19371929 - 1937
HALLEN KALK 76/77
35
BAU- UND NUTZUNGSGESCHICHTE
Neuerburgstraße
Dillenburger Straße
76
77
Abb. 21: Klöckner-Humboldt-Deutz AG in den Jahren 1944 - 19451944 - 1945
Neuerburgstraße
Dillenburger Straße
76
77
Abb. 22: Klöckner-Humboldt-Deutz AG in den Jahren 1949 - 19671949 - 1967
Neuerburgstraße
Dillenburger Straße
76
77
Neuerburgstraße
Dillenburger Straße
76
77
Abb. 23: Klöckner-Humboldt-Deutz AG in den Jahren 1967 - 19911967 - 1991
Abb. 24: Klöckner-Humboldt-Deutz AG in den Jahren 1941 - 19441941 - 1944
HALLEN KALK 76/77
36
BAU- UND NUTZUNGSGESCHICHTE
HALLEN KALK 76/77
37
BAU- UND NUTZUNGSGESCHICHTE
Kurzzusammenfassung zur Bau- und Nutzungsgeschichte
Die Bau- und Nutzungsgeschichte der Hallen 76 und 77 wurde vom IBH umfassend recherchiert und in einem
gesonderten Bericht ausführlich zusammengestellt.
Die Halle 76 wurde 1905 als Werkhalle auf dem Gelände der Firma Maschinenbau AG Humboldt erbaut. Sie
schloss westseitig an eine Perforieranstalt an. Circa 35 Jahre nach der Errichtung wird die Perforieranstalt abge-
brochen. Inwieweit dies zur baulichen Veränderungen an der Westwand der Halle 76 führte ist aktuell ungeklärt.
Während des 2. Weltkriegs wurde mindestens 40 Prozent des Dachs und große Teilflächen an allen Fassaden
geschädigt. Im Jahre 1967 wurde das innere Tragwerk verändert, eine Galerieebene abgebrochen und eine neue
Kranbahn eingezogen. Zuletzt wurde die Halle 76 von der Stadt Köln als Interimsstätte für die Bühnen Köln ge-
nutzt. Aktuell wird die Halle nicht genutzt.
Die heute vorhandene Bauteile der Halle 77 sind unterschiedlich zu datieren. Die Westwand der Halle 77 ist auf
circa 1872 zu datieren. Sie war ursprünglich eine Außenwand einer heute nicht mehr erhaltenen Halle. Somit ist
wohl eines der ältesten erhaltende Relikte des historischen Industriegebiets Kalk. Das innere Tragwerk sowie die
Ostwand sind größtenteils in die Bauzeit 1897-1905 einzuordnen. In dieser Zeit stand eine Halle mit zwei Sattel-
dächern. Nach wohl massiven Kriegsschäden in den Jahren 1944 wurde die Halle 77 zu einer dreischiffigen Halle
mit basilikalem Querschnitt umgebaut. Das Tragwerk von 1916 wurde um weitere Stützen erhöht und Oberlich-
ter eingefügt.
Die außen liegende Kranbahn wurde an der heutigen Stelle zwischen 1949 - 1951 errichtet.
HALLEN KALK 76/77
38
BAU- UND NUTZUNGSGESCHICHTE
GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
HALLEN KALK 76/77
40
GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
Gebäudekenndaten
Zwischen der nördlichen Halle 75 und der Halle 77 im Süden
befindet sich Halle 76. Mit einer Firsthöhe von 16,50 Metern
überragt sie ihre Nachbarn um 6,20 Meter (Halle 75) bzw. 4,70
Meter (Halle 77). Im Gegensatz zu den beiden Nachbarhallen
verfügt Halle 76 über keinen basilikalen Querschnitt, sondern
wird durch ein flachgeneigtes Satteldach überspannt. Im Os-
ten bilden die drei Hallen eine gemeinsame Kante zur Neuer-
burg Straße, während an der Westseite die Hallen jeweils leicht
versetzt sind. Halle 76 ist gemeinsam mit Halle 75, Halle 77
und der außenliegenden Kranbahn 1992 mit der Nummer 6375
in die Denkmalliste der Stadt Köln aufgenommen worden.
Zuletzt wurde die Halle als Lagerfläche des Museums Ludwig
genutzt. Seit 2014 steht sie leer.
Halle 76
Abb. 25: Halle 76 [Quelle: https:/ /earth.google.com]
Baujahr 1905
Länge 82 m
Breite 32 m
Grundfläche GF 2.625 m²
Traufhöhe 14,8 m
Firsthöhe 16,5 m
Bruttogeschossfläche BGF 4.500 m²
Bruttorauminhalt BRI 45.000 m³
denkmalgeschützt ja
HALLEN KALK 76/77
41
GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
Abb. 26: Innenraum der Halle 76 in Richtung West- und Nordaußenwand
HALLEN KALK 76/77
42
GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
Grundriss
Halle 76 weist von den drei Halle 75, 76 und 77 die größten
Gebäudemaße auf. Sie ist als dreischiffige Halle angelegt mit
einem circa 15 Meter breitem Mittelschiff und zwei jeweils circa
sieben Meter breiten Seitenschiffen. Die Halle ist 82 Meter lang
und 32 Meter breit und belegt so eine Grundfläche von 2.625
Quadratmetern.
Abb. 27: Visueller Größenvergleich: Museum Ludwig (blau), der Kölner Dom
(grün) und die Halle 76 (rot)
Der Zugang erfolgt über ein circa neun Meter breites und
sieben Meter hohes Schiebetor (inzwischen verschweißt) und
ein weiteres 3,70 breites und 3,90 hohes Schiebetor mit einer
daneben angeordneten Schwingtür (heutiger Zugang) an den
beiden Ecken der Westfassade sowie drei kleinere inzwischen
verschlossene Toren im südlichen Bereich der Ostfassade. Des
Weiteren befinden sich Verbindungstüren an den Stirnseiten
zu den Nachbarhallen.
Abb. 28: Ehemaliger Hauptzugang West
In der Nordwest- und der Südostecke befindet sich jeweils ein
Treppenzugang zu den beiden Arbeitsbühnen, die sich in elf
Metern Höhe über den Seitenschiffen befinden. In der Süd-
westecke der Halle ist ein Raum von circa 6,50 auf fünf Metern
abgegrenzt, in dem sich noch ein Tank befindet. Weitere
Räume befinden sich an der Treppe in der Südostecke, ein
Traforaum im 2. OG und ein abgegrenzter Raum unterhalb der
Treppe. An den nördlichen Stirnseiten der Halle verlaufen auf
der oberen Galerieeben und darunter in einer Höhe von circa
6,50 Metern Arbeitsstege mit einer Breite von circa 1,40 Me-
tern, welche beide Galerieebenen verbinden. Auf der östlichen
der beiden Arbeitsbühnen sind insgesamt drei Räume ab-
gegrenzt, die 14,50 Meter, fünf Meter und wieder 14,50 Meter
lang sind und auf der 7 Meter breiten Galerie einen Durchgang
von 1,50 Meter freilassen. Die Belichtung erfolgt über insge-
samt 16 querverlaufenden Oberlichter und die in drei Ebenen
angeordneten großformatigen Fenster auf den beiden Längs-
fassaden, deren Höhe nach oben hin abnimmt.
HALLEN KALK 76/77
43
GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
HALLE 75 HALLE 77
6,56 ,24 22,45 ,10 2,84 ,55
82,12
,401,60 ,50 4,10 ,50 19,47 ,50 19,56 ,50 19,56 ,50 14,55 ,50
7,06 1,42 15,49 1,42 6,82 ,55
,40 26,61 ,24 44,50 ,12 10,36
,40 3,56 ,12 2,39 ,12 70,26 ,24
5,14
,65 4,84,65
,65 4,45 ,16 13,67 ,16 4,45 ,16 4,45 ,16 4,45 ,16 4,45 ,16 4,45 ,16 4,45 ,16 4,45 ,16
,53
8,42 ,58 8,04 ,58 6,90 ,58 7,57 ,52
7,44 14,04 7,96 8,12 4,65 1,49 3,78 2,00 3,78 1,48 3,78 1,24 8,80 1,24 3,78 1,24 3,78 1,24 3,78 1,24 3,78 1,24 3,78 1,24 3,78 1,24 3,78 1,24 3,78 1,24 3,78 1,24 3,78 1,24 3,79 2,37 3,01 1,64 3,01 1,42 3,01 1,59 3,01 1,44 3,01 1,77 3,01 1,65 3,21 1,75 ,79 1,51 1,60 3,01 1,61 3,01 1,61 3,01 1,48
176,24
42,35 51,77
32,19
50,55
1,50 3,47 2,32 3,47 1,79 3,47 1,55 3,47 1,55 3,47 1,55 3,47 1,55 3,47 1,55 3,47 1,55 3,47 1,42 3,60 1,55 3,47 1,55 3,47 1,55 3,47 1,55 3,47 1,55 3,47 1,93 3,47 1,47 ,51 3,07 1,54 3,07 1,54 3,07 1,54 3,07 1,54 3,07 1,54 3,07 1,54 3,07 1,54 3,07 1,54 3,07 1,54 3,07 1,54 3,07 1,16
4,22 4,22 4,22 4,22 4,22 4,22 4,22 4,22 4,22 4,30 6,08 5,50 5,02 5,02 5,02 5,02 5,02 5,02 5,02 5,02 5,02 5,02 5,02 5,02 5,02 ,75,07 4,61 4,61 4,61 4,61 4,61 4,61 4,61 4,61 4,61 4,61 4,615,02
33,84
32,00,53 1,32
16,21 15,97
KRAHNBAHN
OTTMAR-POHL-PLATZ
SIEVERSSTRAßE
NEUERBURGSTRAßE
,10 8,76 ,10 4,51 ,10 4,51 ,10 4,92 ,10 5,69 ,10 11,63 ,10 4,99 ,16
HALLE 76
2
G-77
F-77
G-77
F-77
D-76D-76
C-76C-76
E-76E-76
B
A
B
A
76
1
76
10
76
8
76
8
76
7
76
6
76
5
76
4
76
3
76
2
76
1
76
3
76
4
76
5
76
6
76
7
76
8
76
9
76
10
76
11
76
12
76
13
76
14
76
15
76
16
76
17
76 1
77
2
77
3
77
4
77
5
77
6
77
7
77
8
77
9
77
10
77
11
77
17'
76
0
77
2
76
1
76
10
76
8
76
8
76
7
76
6
76
5
76
4
76
3
76
2
76
1
76
3
76
4
76
5
76
6
76
7
76
8
76
9
76
10
76
11
76
12
76
13
76
14
76
15
76
16
76
17
76
1
77
2
77
3
77
4
77
5
77
6
77
7
77
8
77
9
77
10
77
11
77
17'
76
0
76
E
77
D
77
C
77
C'
77
B
77
A
77
C
76
B
76
A
76
C
76
B
76
A
76
2
G-77
F-77
G-77
F-77
D-76D-76
C-76C-76
E-76E-76
B
A
B
A
76
1
76
10
76
8
76
8
76
7
76
6
76
5
76
4
76
3
76
2
76
1
76
3
76
4
76
5
76
6
76
7
76
8
76
9
76
10
76
11
76
12
76
13
76
14
76
15
76
16
76
17
76 1
77
2
77
3
77
4
77
5
77
6
77
7
77
8
77
9
77
10
77
11
77
17'
76
0
77
2
76
1
76
10
76
8
76
8
76
7
76
6
76
5
76
4
76
3
76
2
76
1
76
3
76
4
76
5
76
6
76
7
76
8
76
9
76
10
76
11
76
12
76
13
76
14
76
15
76
16
76
17
76
1
77
2
77
3
77
4
77
5
77
6
77
7
77
8
77
9
77
10
77
11
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17'
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0
76
E
77
D
77
C
77
C'
77
B
77
A
77
C
76
B
76
A
76
C
76
B
76
A
76
P:\154 KÖLN Hallen-Kalk 76,77\2 V\C_CAD\CAD\Pläne\
Legende
aPlanerstellungHS2022-10-18
Datum Autor Vermerk Index
Objektanschrift
Format Maßstab Plotdatum Verfasser LP Plannummer Index
Planer
Ingenieurbüro Hutt
Sachsenring 14
50677 Köln
Frau M. Eng. Sarah Hutt
www.denkmalplanung.de
info@denkmalplanung.de
T +49 221 29850788
F +49 221 29850787
Bauherr
11.3.2022 00-XX-GR-EG-XA
Köln, Hallen Kalk 76-77
1IBH | CHRISTIANE
SCHLESINGER
Gebäudewirtschaft Köln - 26 Dez. VI
Ottoplatz 1
50679 Köln
Hallen 76-77
Neuerburgstraße 12
51103 Köln
Bauprojektmanagement, Fr. Andrea Heinisch
1:200 XA
Bestand
GRUNDRISS EG, BESTAND
GRUNDRISS EG, BESTAND
VORENTWURFSPLANUNG
1241*594
1. Alle Maße, Massen, Gegebenheiten am Bau und Umgebungsbestimmungen sind vom Auftragnehmer eigenverantwortlich vor Ort zu prüfen.
Unstimmigkeiten sind vor der Ausführung mit dem Architekten bzw. der Bauleitung zu klären. Für Maßfehler haftet allein der Auftragnehmer.
3. Es liegt kein einheitliches Aufmaß vor. Maßabweichungen bis 20 cm sind möglich.
7. Sofern nicht anders vermerkt, sind alle Höhen auf OKFB bezogen.
8. Plannummer und Index sind zu beachten. Bei Ungültigkeit durch Erscheinen eines neuen Plans wird dieser nicht eingezogen.
2. Die Bestandspläne wurden von Seiten des Bauherrn für die Leistungsphase 2 zur Verfügung gestellt
4. Für die Entwurfsplanung muss ein verformungsgerechtes Aufmaß erstellt werden
5. Die Positionen der Dachfenster der Halle 76 sind in den Plänen nicht deckungsgleich
6. Es ist anzunehmen, dass die uns zur Verfügung gestellten DWG-Dateien aus einem 3D-Modell generiert wurden.
Dadurch ergeben sich Ungenauigkeiten in der Liniendarstellung und bei sich überlagernden Bauteilen, etc.
HALLEN KALK 76/77
44
GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
BESTANDSERFASSUNG NACH KOSTENGRUPPEN
KG 330 Außenwände
Die Westfassade Westfassade der Halle 76 ist als Stahlfachwerkwand kons-
truiert. Durchlaufende circa 15 Meter hohe Stahlstützen als
Haupttragwerksstützen rastern die Fassade im Abstand von
fünf Metern. Dazwischen verlaufen geschossweise in Höhen
von circa 6,50 und 11,00 Metern Stahlträger in Querrichtung,
die mit einer kleinteiligeren Pfosten-Riegel-Konstruktion die
Felder des Fachwerks begrenzen. Die Ausfachung besteht aus
rotgebrannten Ziegeln im Läuferverband im Reichsformat (25
cm x 12 cm x 6,5 cm), die durch die Kammern der Stahlprofile
gehalten werden. Durch Reparaturmaßnahmen und Ergän-
zungen ergibt sich teilweise ein Wechsel im Format und in der
Farbigkeit der Backsteine. Eine tiefer gehende Untersuchung
der Beschaffenheit der Fugen steht noch aus.
In jedem der Felder der Hauptkonstruktion befindet sich ein
großformatiges Fenster, das außenbündig in der Fassade
sitzt. Die Fenster sind unterteilt in gleichformatige rechteckige
Scheiben mit einer Abmessung von circa 45 x 65 Zentimetern,
von denen in jedem Fenster acht Stück horizontal angeordnet
sind. In vertikaler Richtung geht die Anzahl je Geschoss von
sechs, auf vier bis auf drei Stück zurück. Die gusseisernen
Rahmen der Fenster sind mittels Schraubverbindung auf den
Stahlprofilen befestigt.
Der Zustand der Westfassade ist dramatisch schlecht und
weist eine Vielzahl an Schäden auf. Die Stahlprofile sind zum
Teil stark korrodiert und weisen Verdrehungen, Ausbeulungen
und andere Verformungen auf. Verbindungsmittel sind ab-
geschert und zum Teil abgerissen. Die Ausfachungen werden
durch die Verformungen teilweise herausgedrückt. Laut Be-
richt des Büros HIG ist bereits seit 2015 jederzeit mit einem
schlagartigen Versagen der Fassadenkonstruktion zu rechnen. Abb. 29: Außenaufnahme Westfassade
HALLEN KALK 76/77
45
GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
Abb. 30: Ansicht West
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46
GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
Abb. 31: Außenaufnahme Westfassade mit Kranbahn
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GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
Abb. 31: Außenaufnahme Westfassade mit Kranbahn
HALLEN KALK 76/77
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GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
Abb. 32: Rote Beschichtung der Ziegel im Erdgeschoss Abb. 33: Offene Anschlusspunkte an durchlaufenden Stützen
Abb. 34: Gusseiserne Fensterprofile Abb. 35: Blassgrüne Farbigkeit der Beschichtung der Stahlbauteile
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GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
Abb. 36: Reichsformat im Läuferverband Außen
Abb. 37: Reichsformat im Läuferverband Innen Abb. 38: Anschluss horizontaler Träger an Hauptstütze
HALLEN KALK 76/77
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GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
Die SüdfassadeSüdfassade ist wie die Westfassade in Stahlfachwerkbau-
weise ausgeführt. Jeweils zwei U-Profile, die Rücken an Rü-
cken stehen, gliedern die Fassade vertikal circa alle 1,80 Meter.
Horizontal verlaufende I-Profile bilden die Begrenzung der
Ausfachung, die mit rotgebrannten Ziegeln im Läuferverband
im Reichsformat (25 cm x 12 cm x 6,5 cm) gefüllt sind. Eine
tiefer gehende Untersuchung der Beschaffenheit der Fugen
steht noch aus. Vier außen liegende Windverbände dienen
der Aussteifung. Die Fassade steht auf einem Fachwerkträger,
der in circa 5,50 Metern Höhe verläuft und die gesamte Ge-
bäudebreite überspannt. Die südliche Giebelwand übernimmt
Abb. 39: Außenaufnahme Südfassade
lediglich Randlasten aus der Dachdecke. Auch die Südfassade
weist mehrere Schadensbilder auf. Die Windverbände haben
sich zum Teil gelockert und es kommt zu Verschiebungen und
Steinausbrüchen in den Gefachen. Die stehenden Stahlprofile
werden durch Korrosionsdruck auseinander gedrückt. Auch
sind Verbindungsmittel bereits abgerissen. An der Fassade ist
noch die ehemalige Dachform der Halle 77 ablesbar (Im Mo-
ment durch ein Graffiti überdeckt). Auch ein fast die gesamte
Breite einnehmendes Fensterband ist mit helleren Ziegeln
geschlossen worden.
HALLEN KALK 76/77
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GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
Abb. 40: Klammern und aufgeschweißte Bleche
Abb. 41: Aufgequollene Stahlprofile Abb. 42: Ehemalige Dachform von Halle 77
HALLEN KALK 76/77
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GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
Die Nordfassade Nordfassade ist als monolithische massive Mauerwerks-
wand in einer Stärke von circa 40 Zentimeter ausgeführt. Die
Ziegelsteine sind im Kreuzverband gelegt. Es lassen sich drei
größere zusammenhängende Flächen mit jeweils anderem
Steinmaterial unterschieden. Eine tiefer gehende Untersu-
chung der Beschaffenheit der Fugen steht noch aus. Mehrere
Lisenen, die um jeweils einen halben Stein nach vorne gesetzt
sind, strukturieren die Fassade. Die Anordnung der Lisenen
entspricht weder dem Auflager des Dachtragwerkes noch
weisen sie eine durchgehende Symmetrie auf. Der Ortgang
kragt zum Dach hin aus und setzt sich mit einem Gesims ab.
Abb. 43: Außenaufnahme Nordfassade
Die Pfetten des Dachtragwerkes durchstoßen die Außenhülle
im Bereich des Ortganges in regelmäßigem Abstand von circa
2,00 Metern. Die Nordfassade weist weniger Schäden als die
West- und Südfassade auf. An der Nord-West-Ecke kommt
es zu einer Verschiebung der Ecklisene nach außen. In der
Fassade gibt es mehrere Wechsel in der Steinfarbigkeit, was
auf nachträgliche Ausbesserungen und Reparaturen schließen
lässt. An der östlichen Seite wurde ein Lüftungsauslass ins
Mauerwerk geschnitten. Im östlichen Bereich ist zwischen den
beiden äußeren Lisenen ein Stahlträger befestigt. Das Mauer-
werk darunter wurde nachträglich eingebracht.
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GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
Abb. 44: Ortganggesims Abb. 45: Stahlträger ehemalige Öffnung Abb. 46: Verschiebung Pfeiler
Abb. 47: Drei Mauerwerkstypen farblich hervorgehoben. Bauzeitlich dürfte der rote Bereich sein. Gelb und Blau sind spätere Ergänzung, wahrscheinlich aufgrund von Kriegsschäden
HALLEN KALK 76/77
54
GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
Die Ostfassade Ostfassade ist als massive circa 55 Zentimeter starke
Mauerwerkswand ausgeführt. Die rotgebrannten Ziegelsteine
im Reichsformat von 25 cm x 12 cm x 6,5 cm sind im Kreuzver-
band gelegt. Lisenen im selben Raster wie die durchgehenden
Stützen der Westfassade strukturieren die Fassade circa alle
5 Meter. Die Lisenen treten dabei um circa 14 Zentimeter nach
außen und 45 Zentimeter nach innen aus der Wandebene
hervor und weisen eine Breite von circa 65 Zentimetern auf.
Die Pfeiler sind in einem farblich abgesetzten gelben Ziegel
gefertigt. Mit dem gleichen Stein sind die Segmentbögen der
Stürze der obersten Fensterreihe und das Traufgesims mit
Zahnschnittfries gefertigt. Auch das Zierfeld unterhalb der
oberen beiden Fensterreihen besteht aus den gleichen, als
Deutsches Band bekannte, um 45° gedreht gelegten Ziegeln.
Stabilisiert werden die Lisenen durch ornamentale Mauer-
werksanker auf den beiden Geschossebenen, die nach außen
in einem ornamentalen Gefüge aufgelöst werden. Eine Bohr-
kernuntersuchung ergab im Wandbereich eine Druckfestig-
keitsklasse 8 und im Pfeiler selbst eine Druckfestigkeitsklasse
12. Der Mörtel konnte mit MG III bzw. IIIa als sehr gut bewertet
und einer Rohdichteklasse von 1,8 kg/dm3 zugeordnet wer-
den. Zwischen den Pfeilern befinden sich drei jeweils innen
angeschlagene mittig sitzende Fenster übereinander, deren
Einzelscheiben dieselben Maße von 45 x 65 Zentimetern wie
an der Westfassade besitzen. Im Gegensatz dazu sind jedoch
nur sieben Einzelscheiben nebeneinander angeordnet. Nach
oben nimmt die Höhe der Fenster ab. Die Fensterbank ist bei
den oberen beiden Fensterreihen als Rollschicht ausgeführt.
Die Fensterbank des untersten Fensters ist mit einer Mörtel-
schicht abgedichtet. An der Ostfassade lassen sich wie an den
anderen Fassaden mehrere Wechsel im verwendeten Material
feststellen. Sowohl die nördlichen sechs Achsen als auch drei Abb. 48: Außenaufnahme Ostfassade
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GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
Abb. 49: Ansicht Ost
Achsen auf der südlichen Hälfte sind im Bereich des obersten
Geschosses mit einem andersfarbigen Ziegel nachträglich
ausgebessert worden. Auch an den Fensterstürzen lassen sich
unterschiedliche Sanierungsphasen ausmachen. Diese wurden
zweimal nachträglich mit Stahlträgern verstärkt. Laut Vorpla-
nungsbericht zur Tragwerksplanung von HIG liegt an der Ost-
fassade keine Standsicherheitsproblematik vor. Sanierungs-
maßnahmen beschränken sich auf das Entfernen von losem
Mauerwerk , um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten.
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GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
Abb. 50: Reparaturstellen
Abb. 51: Reichsformat im Kreuzverband Außen
Abb. 52: Reichsformat im Kreuzverband Innen
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GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
Abb. 53: Traufgesims
Abb. 54: Segmentbogen
Abb. 55: Zierfeld
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GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
Abb. 56: Ostfassade südlicher Abschnitt
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GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
Abb. 57: Ostfassade nördlicher Abschnitt
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GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
KG 340 Innenwände
In den 1960er Jahren erfolgten wesentliche Eingriffe am
inneren Haupttragwerk der Halle 76, wodurch die mittleren
Ebenen in den Seitenschiffen verschwanden und die Stütz-
weite vervierfacht wurde. In den Gebäudeecken erkennt man
noch die ursprüngliche Tragwerksstruktur. Der Innenraum
präsentiert sich heute als offener und großzügiger Hallenraum
mit gleichmäßiger Belichtung. Besonders prägend ist dabei
die Galerie und deren V-Stützen.
Das HaupttragwerkHaupttragwerk der Halle 76 setzt sich vorwiegend aus
Stahlträgern und -stützen zusammen. Das allgemeine Achsra-
Abb. 58: Querschnitt
ster beträgt hierbei fünf Meter. Sowohl die Träger als auch die
Stützen zur Galerie wurden in Fachwerkweise errichtet, wo-
hingegen die Stützen in den Seitenschiffen aus Walzprofilen
bestehen. An der Ostfassade lagern diese auf dem Mauerwerk,
an der Westfassade werden sie von Stahlstützen abgefangen.
Anhand der unterschiedlichen Verbindungsmittel wie Schrau-
ben und Nieten lassen sich Rückschlüsse auf die Baugeschich-
te ziehen. Detaillierte Angaben zum Hallentragwerk finden
sich im überarbeiteten Erläuterungsbericht der HIG Ingenieur-
gesellschaft GmbH vom 14.02.2023.
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GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
Abb. 59: Wechsel Achsabstand von circa fünf Meter auf circa 20 Meter
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GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
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GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
Abb. 60: Stütze genietet Abb. 61: Stütze geschraubt
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GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
KG 350 Decken
In Halle 76 lassen sich zwei verschiedene Deckenkonstruktio-Deckenkonstruktio-
nen nen unterscheiden. An der Treppe in der Süd-Ost-Ecke der
Halle findet sich eine Kappenkonstruktion zwischen längs ver-
laufenden Eisenträgern auf dem Niveau der abgebrochenen
unteren Galerieebene. Durchtrennte Eisenträger lassen darauf
schließen, dass diese Konstruktionsart für die gesamte untere
Arbeitsbühne verwendet wurde.
Die obere noch vollständige Galerieebene ist als eingespannte
Stahlbetondecke ausgeführt, die auf trapezförmig einbeto-
nierten Kappenträgern aufliegt. Die Schalbretter sind noch gut
erkennbar. Die Kappenträger spannen jeweils über das fünf
Meter lange Achsfeld auf quer verlaufende Stahlträger, die an
der Außenfassade konstruktiv eingebunden sind und innen-
Abb. 62: Eingespannte Stahlbetondecke der oberen Galerieebene mit offenen Verbindungsstellen am Querträger
seitig auf dem Fachwerkträger parallel der großen Kranbahn
aufliegen. Offene Verbindungsstellen an den Querträgern
lassen auf einen nachträglichen Wechsel der Konstruktionsart
schließen.
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GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
Abb. 63: Auflager der Querträger/Fachwerkträger
Abb. 64: Kappendecke der unteren Galerieebene in Süd-Ost-Ecke
Abb. 65: Durchtrennte Träger nach Abbruch der unteren Galerieebene
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GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
Abb. 66: Auflager Galerieebene auf Mauerwerkspfeilern der Ostwand
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GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
Abb. 67: Deckenkonstruktion Westseite
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GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
In Halle 76 befindet sich sowohl in der Süd-Ost-Ecke als auch
in der Nord-West-Ecke über jeweils eine Treppe Treppe ein Zugang
zu der oberen Galerieebene. Eine dritte Treppe führt von der
östlichen oberen Galerieebene aufs Dach. Treppe I (Süd-Ost-
Ecke) verbindet als dreiläufige U-Treppe mit Viertelpodesten
das Erdgeschoss mit dem Niveau der unteren Arbeitsbühne
und führt als zweiläufige Winkeltreppe mit Viertelpodest ins
zweite Obergeschoss weiter. Die Wangen der Treppe bestehen
aus Flacheisen. Alle Verbindungen sind mit Nieten ausgeführt.
Die Geländerstäbe sind auf der Wange verschraubt, die dazu
mit zwei L-Profilen verstärkt ist. Aufgrund der Verarbeitung ist
die Treppe als bauzeitlich zu datieren. Der Belag aus Bitumen-
bahnen weist keine Schadstoffe auf.
Abb. 68: Treppe I Nieten
Im Gegensatz dazu verfügt Treppe II (Nord-West-Ecke) über
geschweißte und verschraubte Verbindungen. Die Trittstu-
fen bestehen aus strukturierten Metallblechen, die über die
Setzstufen mit den Wangen aus U-Profilen verschraubt sind.
Das Geländer ist aus einfachen L-Profilen zusammengesetzt.
Treppe II führt als dreiläufige Winkeltreppe mit einem Viertel-
und einem Halbpodest ins erste Obergeschoss, um von dort
als zweiläufige gewinkelte Treppe mit Viertelpodest die obere
Galerieebene zu erschließen. An der gegenüberliegenden Sei-
te befindet sich eine weitere einläufige Treppe von der ersten
in die zweite Galerieebene.
Abb. 69: Treppe II Schweißverbindungen
Die einläufige gerade Leitertreppe von der oberen Galerie-
ebene zum Dach ist aus verschweißten Stahlrohren gefertigt.
Die Trittstufen sind aus Holz und liegen auf angeschweißten
L-Profilen auf. Aufgrund der Verarbeitung wird die Treppe in
die Zeit des Wiederaufbaus um 1950 datiert.
Insgesamt sind alle vier Treppenanlagen in gutem bis sehr
gutem Zustand und statisch sowie hinsichtlich ihrer Schad-
stoffbelastung unbedenklich.
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GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
Abb. 70: Treppe I: Süd-Ost-Ecke Abb. 71: Treppe II: Nord-West-Ecke
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GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
KG 360 Dach
Das Dach Dach der Halle 76 ruht auf insgesamt 15 Fachwerkbin-
dern, welche die 16 Meter des Mittelschiffes überspannen. Die
somit entstehenden 16 Felder sind circa fünf Meter breit, die
beiden Randfelder circa sechs Meter. Die Binder bestehen aus
zusammengenieteten Doppel-L-Profilen, die über genietete
Bindebleche verbunden sind. Seitlich neben den Dachbindern
spannt jeweils ein Stahlträger über die Seitenschiffe. Auf dem
Obergurt des Binders und den beiden Seitenträgern sind in
Längsrichtung der Halle alle 2,30 Meter Nebenträger angeord-
net, auf denen die Dacheindeckung aufliegt. Diese besteht aus
Stahlbetonplatten bzw. Bimsdielen, die nach Kriegsschäden
zur Ausbesserung verwendet wurden.
HALLE 76
Abb. 72: Ausführung als Stahlbeton (rot) oder Bimsdielen (blau)
Die Bimsdielen sind circa neun Zentimeter stark, 50 Zentime-
ter breit und spannen jeweils über zwei Felder. Die Bewehrung
besteht aus vier Eisen mit einer Stärke von circa 5,5 Millime-
tern. Laut Bericht HIG sind sie für die vorhandene Beanspru-
chung nachweisbar, dürfen jedoch immer nur von einer Person
betreten werden. Teilweise sind die Bimsdielen stark feuchte-
geschädigt.
Die Stahlbetonplatten weisen dagegen eine Stärke von acht
Zentimetern auf. Die Bewehrung mit einem Durchmesser von
sieben Millimetern liegt circa alle acht Zentimeter, wobei jeder
zweite bis dritte Eisen als Doppelstab ausgeführt ist. Aufgrund
des sehr hohen Bewehrungsanteils lässt sich die Stahlbeton-
platten problemlos nachweisen, weisen jedoch starke Korrosi-
onsschäden auf. Mehrere Stellen sind stark feuchtegeschädigt.
Die durch HIG ermittelten schwankenden Haftzugwerte und
die ermittelte Druckfestigkeit von 16,9 bzw. 30,8 N/mm2 lassen
auf eine inhomogene Betongüte einer Altbetonklasse von A2
bis A4 schließen.
Die Abdichtung der Dachhaut besteht aus fünf bis sechs La-
gen bituminöse Dachbahnen mit einer Stärke von insgesamt
circa zwei Zentimetern. Das Material ist asbesthaltig und über-
schreitet die Belastungsgrenzen.
In jedem der Felder zwischen den Dachbindern befindet sich
ein Oberlicht, das seitlich um 45° zur Dachfläche aufgestellt ist
und an den kurzen Seiten senkrecht zur Dachfläche abschließt.
Die 16 Oberlichtbänder sind mit insgesamt 987 Glasscheiben
und 20 Lüftungsöffnungen versehen.
Abb. 73: Außenaufnahme Oberlichtbänder
Die Dichtmasse an den Oberlichtfenstern weist neben einer
PAK-Belastung eine enorme Belastung an Asbest auf.
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GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
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GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
Abb. 74: Spannweite Dachbinder circa 16 Meter
Abb. 75: Walzzeichen Aachener Hütten-Aktien Verein Rothe Erde (A.H.A.V)
Abb. 76: Anschluss Dachbinder, genietet und geschraubt
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GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
Abb. 77: Wechsel Stahlbeton zu Bimsdielen
Abb. 78: Feuchteschaden an Bimsdielen (d = 9 cm, Breite = 50 cm)
Abb. 79: Dachkonstruktion Galerie West
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GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
Abb. 80: Abschluss Oberlichter senkrecht zur Dachfläche
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GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
Abb. 81: PAK-haltiger und asbesthaltiger Fensterkitt
Abb. 82: Asbesthaltige Dachabdichtung
Abb. 83: Wechsel Länge OberlichterAbb. 84: Schäden an der Dachabdichtung
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GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
KG 400 Ausstattung / Haustechnik
Von der Haustechnik Haustechnik und der ehemaligen technischen Gebäu-
deausstattung sind eine Vielzahl an Leitungen und Kanäle der
Lüftungsanlage sowie Rohrleitungen ehemaliger betrieblicher
Anlagen vorhanden. Bauteile der technischen Anlagen finden
sich im gesamten Gebäude, vorwiegend an den Treppen
und Innenräumen. Eine Schadstoffuntersuchung ermittelte
die Verwendung von Gefahrenstoffen bei einem Großteil der
Bauelemente der Haustechnik. Laut Schadstoffgutachten von
HPC wurden für die Dämmungen und Ummantelungen der
Lüftungsanlagen Künstliche Mineralfasern (KFM). Die Flansch-
verbindungen der Rohre sind mit asbesthaltige Dichtungen
abgedichtet. Beide Stoffe sind stark gesundheitsgefährdend.
Abb. 85: Traforaum bei Treppe I
Abb. 86: Rohrleitungen bei Treppe II
Abb. 87: Lüftungsanlage unterhalb oberer Galerie Nord
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GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
Abb. 88: Auslass Lüftungsanlage Nord-Ost-Ecke Abb. 89: Rohrleitungen bei Treppe I
Abb. 90: Gastank und Rohrleitungen Süd-West-Ecke
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GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
KG 400 Ausstattung / Haustechnik
In Halle 76 befinden sich drei KranbahnenKranbahnen. Die große Kranbahn
des Mittelschiffes wurde 1967 errichtet und stammt aus der
Produktion der Maschinenfabrik Max Hensel Berlin. Sie besitzt
ein Tragvermögen von 50 Tonnen und überspannt eine Breite
von circa 16 Metern in einer Höhe von circa 11,50 Metern. Ihre
Laufprofile sind auf den Fachwerkträgern befestigt. Ein integ-
riertes Führerhaus ermöglicht die Steuerung der Anlage. Über
die Galerieebene ist die Kranbahn zugänglich. Unterhalb der
Galerieebenen befinden sich in beiden Seitenschiffen jeweils
eine Kranbahn, deren Ausführungen jedoch unterschiedlich
sind. Während es sich bei dem östlichen Seitenschiff um einen
Einträgerbrückenkran handelt, wurde beim westlichen Seiten-
schiff ein Zweiträgerbrückenkran eingebaut. Das Einbaudatum
ist ebenso wie deren Tragvermögen nicht genau bekannt. Es
kann jedoch davon ausgegangen werden, dass die zwei klei-
nen Kranbahnen im gleichen Zeitraum wie die große Kranbahn
eingebracht wurden. Beide Kranbahnen überspannen eine
Breite von circa 6,80 Meter. Sie liegen dabei höher als die bau-
zeitlichen Kranbahnen, deren Schienen im Gegensatz zu den
Bahnen noch heute erhalten sind. Alle Kranbahnen dürften
heute noch funktionsfähig sein.
Abb. 91: Kranbahn im östlichen Seitenschiff
Abb. 92: Kranbahn im westlichen Seitenschiff
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GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
Abb. 93: Krananlage Mittelschiff
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GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
ERLÄUTERUNG DES ZUSTANDS
Statik
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OTTMAR-POHL-PLATZ
NEUERBURGSTRASSESIEVERSSTRASSE
STRUKTURELLES VERSAGEN
VERSAGEN ECKPFEILER
BEGRENZT BETRETBAR
KLEINE SCHÄDEN
OstfassadeOstfassade
· Rissbildungen in Betonsturzbereichen
· Betonsanierung ist durchzuführen
· restauratorische Arbeiten und Fugensanierung erforderlich
WestfassadeWestfassade
· eklatante Korrosionsbeschleunigung, die zu einer dramati-
schen Zerstörung der Fassadenbauteile führt und massive
Schädigungen der gesamten Fassade
· Windlastabtrag in der Fassade statisch nicht mehr möglich
· lokales und evtl. feldweises Bauteilversagen erwartbar
· keine Sanierung mehr möglich
· erste Verformungen an angrenzenden Bauteilen wurden fest-
gestellt: fortschreitende Schädigungen an den Hauptstützen
/ Instandsetzung der Eckpfeiler in Mauerwerk erforderlich
· Rückbau zwingend erforderlich, da eine „Schadensauswei-
tung mit Standsicherheitsrelevanz auf die Haupttragstruktur
mittelfristig zu erwarten“ ist
· auftretende Kräfte aus Korrosion und Zersetzung sind dann
nicht mehr kontrollier- und kalkulierbar
· Gebäudeaussteifung muss wieder hergestellt werden
SüdfassadeSüdfassade
· gleiche Korrosionsschäden mit gleicher Schadensintensität
wie Westfassade
· es treten unkalkulierbar große Kräfte auf der gesamten
Fassade und den angrenzenden Bauteilen auf - insbesondere
den beiden Eckpfeilern
· Windlastabtrag in der Fassade statisch nicht mehr möglich
· lokales und evtl. feldweises Bauteilversagen erwartbar
· keine Sanierung mehr möglich
· Rückbau zwingend erforderlich, da eine „Schadensauswei-
tung mit
· Standsicherheitsrelevanz auf die Haupttragstruktur mittel-
fristig zu erwarten“ ist
· auftretende Kräfte aus Korrosion und Zersetzung sind dann
nicht mehr kontrollier- und kalkulierbar
· Gebäudeaussteifung muss wieder hergestellt werden
NordfassadeNordfassade
· Eckpfeiler Ottmar-Pohl-Platz weist Rissbildungen und Ver-
schiebungen aus den Ausdehnungen der Westfassade auf
und ist zu sanieren
· restauratorische Arbeiten und Fugensanierung erforderlich
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GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
DeckeDecke
· Rippendecke statisch nicht gefährdet
DachDach
· Stahlkonstruktion weist oberflächliche Korrosionsschäden
auf
· Tragfähigkeit von nicht geschädigten Bimsdielen und Beton-
decken ist gegeben
· Bimsdielen mit Feuchteschäden oder Rissbildung sind auszu-
tauschen
· Betondecken mit Korrosionsschäden sind gegen Bimsdielen
auszutauschen / keine Betonsanierung möglich
· Dachabdichtung ist vollständig zu erneuern
· keine Materiallagerungen auf dem Dach möglich
· Betreten der Dielen mit max. 1 Person möglich
Hinweis HIG:Hinweis HIG:
„Unter Berücksichtigung eines potenzierten Schadenzuwach-„Unter Berücksichtigung eines potenzierten Schadenzuwach-
ses kann ohne einzuleitende Sanierungsmaßnahmen mittel-ses kann ohne einzuleitende Sanierungsmaßnahmen mittel-
fristig die Standsicherheit des angrenzenden Pfeilers und der fristig die Standsicherheit des angrenzenden Pfeilers und der
Eckstütze zum Ottmar-Pohl-Platz nicht mehr gewährleistet Eckstütze zum Ottmar-Pohl-Platz nicht mehr gewährleistet
werden. Ebenfalls muss, um die Hallenstabilität zu gewährleis-werden. Ebenfalls muss, um die Hallenstabilität zu gewährleis-
ten, der Windverband in der Fassade funktionstüchtig erhalten ten, der Windverband in der Fassade funktionstüchtig erhalten
bleiben!“bleiben!“
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GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
Denkmalwert
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75
OTTMAR-POHL-PLATZ
NEUERBURGSTRASSESIEVERSSTRASSE
HOHER DENKMALWERT
MITTLERER DENKMALWERT
GERINGER DENKMALWERT
Die bauzeitlich vorgehängte Stahlfachwerk-WestfassadeWestfassade ließ
sich nach dem Baukastenprinzip erweitern und ist einmalig
an den Hallen 75. 76 und 77. Das Achsraster des bauzeitlichen
Tragwerks im Inneren kann in der Vertikalen abgelesen wer-
den, sowie die drei Ebenen in der Horizontalen. Die Fassade
im EG wurde ergänzt, nachdem ein direkt angeschlossener
Komplex 1941/42 abgebrochen wurde.
Die bauzeitlich vorgehängte Südfassade Südfassade steht auf einem die
Gebäudebreite überspannenden Fachwerkträger. Ehemals
vorhandene Fensteröffnungen wurden zugemauert. Rund-
bögen in der Fassade sind nicht eindeutig zuzuordnen. Am
Mauerwerk lässt sich die alte Dachform der Halle 77 ablesen.
An der massiven OstfassadeOstfassade (Klinkerfassade) mit großen
Öffnungen lassen sich die ehemals drei vorhandenen Ebenen
in den Seitenschiffen ablesen. Im Bereich der Decken wurden
Verstärkungen in Stahl / Beton vorgenommen. Kriegsschäden
lassen sich an den nicht in gelbem Klinker ausgebesserten
Lisenen und Stürzen erkennen.
Die geschlossene NordfassadeNordfassade zur Halle 75 ist als massive,
mit Lisenen strukturierte Ziegelfassade errichtet worden und
diente vor dem Bau der Halle 75 als nördlicher Abschluss.
In den 60-er Jahren wurde im Bereich EG / 1.OG ein neues
StützentragwerkStützentragwerk mit größeren Stützweiten eingefügt. Das
bauzeitliche Tragwerk findet sich nur noch im 2.OG sowie an
den Kopfseiten der Halle.
Die charakteristischen Oberlichter des DachsDachs sind aufgrund
von Kriegsschäden nicht mehr bauzeitlich - im nördlichen
Teil wurden die Längen der Oberlichter nach 1945 verändert.
Kriegsschäden in der Stahlbetondecke wurden durch Bimsdie-
len ausgebessert.
HALLEN KALK 76/77
83
GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
Oberlichter müssen im Fall einer langfristigen Gebäudenut-
zung ausgebaut und ersetzt werden.
Die bituminöse DacheindeckungDacheindeckung ist asbesthaltig. Der Wert
überschreitet die Belastungsgrenze und fällt somit in die Kate-
gorie Gefahrenstoff. Das Abbrechen und die Entsorgung der
gesamten Dachfläche stellt auch aufgrund der erforderlichen
Sicherungsmaßnahmen einen sehr hohen baulichen und finan-
ziellen Aufwand dar.
An diversen technischen Anlagen technischen Anlagen des Wasserleitungssystems
und der Lüftungsanlage wurden Gefahrenstoffe identifiziert.
Die Flanschdichtungen aus Asbest (Chrysotil) der Rohrlei-
tungen stellen eine hohe Gefahr dar. Asbest wurde auch an
den Dichtungen des Lüftungssystem beprobt. Hinzu kommt
die dort verbaute Kanal- und Rohrdämmung aus schädlichen
KMF. Eine Entsorgung dieser Bauteile im Zuge der Sanierung
ist unausweichlich.
Detaillierte Angaben zu den Schadstoffproben finden sich
im Erläuterungsbericht der HPC AG vom 23.04.2015 und
18.07.2022.
Hinweis HPC:Hinweis HPC:
„Für eine Wiederherstellung der Hallen zu einem vergleich-„Für eine Wiederherstellung der Hallen zu einem vergleich-
barem Nutzungszweck wären abhängig vom vorgefundenen barem Nutzungszweck wären abhängig vom vorgefundenen
Schadstoff und der Erfordernis einer Sanierung aufwendige Schadstoff und der Erfordernis einer Sanierung aufwendige
Demontagearbeiten unter Beachtung von Schutzmaßnahmen Demontagearbeiten unter Beachtung von Schutzmaßnahmen
in Form von Abschottungen mit technischer Luftführung und in Form von Abschottungen mit technischer Luftführung und
Einrüstung erforderlich.“Einrüstung erforderlich.“
Schadstoffe
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76
75
OTTMAR-POHL-PLATZ
NEUERBURGSTRASSESIEVERSSTRASSE
ASBEST (FUGENKITT+ABDICHTUNG)
PAK (GUSSASPHALT)
PCB + BLEI (STÜTZENANSTRICH)
KEINE SCHADSTOFFBELASTUNG
Den AußenwändenAußenwänden wird keine Schadstoffbelastung zuge-
sprochen. In den WC-Trennwänden wurde hingegen Asbest
(Chrysotil) nachgewiesen. Das erforderliche Eingreifen bedarf
einer höheren Sicherung, ist jedoch gering.
Die Gussasphaltplatte des 1. Obergeschoss-BodensBodens ist stark
belastet. Der vorgefundene PAK-Wert überschreitet deutlich
die Gefahrenstoffgrenze. Bei einer Sanierung muss ein Siche-
rungs- und Entsorgungskonzept erarbeitet werden.
Alle Beschichtung des TragwerkesTragwerkes sind als Gefahrenstoff klas-
sifiziert. Der Anstrich (grün-rot) enthält eine zu hohe Menge
an PCB, der Anstrich (weiß-grau) neben dem erhöhten PCB-
Wert zudem einen hohen Bleianteil. Die Sanierung des gesam-
ten Tragwerkes ist notwendig. Wird der Anstrich belassen, ist
von keiner Gefährdung auszugehen.
Der Fensterkitt der Oberlicht-FensterFenster weist neben einer PAK-
Belastung einen enorme Asbest-Belastung (Chrysotil) auf. Die
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GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
PFLICHTMASSNAHMEN UND HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN
Pflichtmaßnahmen
Aufgrund zahlreicher Schäden und der eklatanten Einsturzge-
fahr durch Bauteilversagen des Tragwerkes sind bei jeglichem
Sicherungskonzept folgende bauliche Pflichtmaßnahmen un-
weigerlich auszuführen:
Im ersten Schritt muss das Dach ertüchtigt werden. Dessen
beschädigte Bimsdielen und Stahlbetonplatten müssen durch
neue Bimsdielen ersetzt werden. Die erhaltenswerten Ober-
lichter sind dabei behutsam zu demontieren und einzulagern.
Die Westwand muss gänzlich zurückgebaut und ertüchtigt
werden. Extreme Spannungen, ausgewirkt durch massive
Korrosions- und Volumenvergrößerungsprozesse innerhalb
der Fassade drohen in einem Versagen der Mauerwerksge-
fache und greifen teilweise schon auf die Hauptstützen über.
Aus diesem Grund sind alle Gefache sukzessive und feldweise
zu entfernen. Die Hauptstützen müssen saniert und ertüchtigt
werden. Davon betroffen sind auch deren Fundamente. Feh-
lende Windverbände und Horizontalprofile müssen ergänzt
werden, um die Gebäudeaussteifung zu erreichen. Die erhal-
tenswerten Fensterrahmen sind dabei behutsam zu demontie-
ren und einzulagern.
Die Südfassade weist einen ähnlichen bzw. noch desolateren
Zustand wie die Westfassade auf. Hier muss identisch vor-
gegangen werden. Alle Gefache werden rückgebaut, Stahlele-
mente sind auszubauen und zu ersetzen.
Handlungsempfehlung
Die Pflichtmaßnahmen vervollständigend werden nicht erfor-
derliche jedoch sinnvolle Handlungen empfohlen. Diese tragen
zur Qualitätssteigerung des Gebäudes bei:
Grundsätzlich sollten schadstoffbelastete und einer Nutzung
hinderlichen Gefahrenstoffe aus dem Gebäude entfernt wer-
den. Zu nennen wären hier die WC-Trennwände, die Gussas-
phaltplatten des 1. Obergeschosses sowie Bauteile technischer
Anlagen. Hier liegen asbesthaltige, PAK-belastete und KMF-
haltige Materialien vor.
Des Weiteren würde eine Sanierung der Mauerwerkswände
von Nord- und Ostfassade die Langlebigkeit der Gebäude-
hülle garantieren. Vor allem den Eckpfeilern ist eine genauere
Betrachtung zu schenken. Diese weisen Risse und Verschie-
bungen auf, die zwar aus statischer Sicht unbedenklich sind,
aber dennoch eine zukünftige Gefahrengrundlage darstellen.
Deren Sanierung würde das Gefahrenpotenzial senken. An der
Ostwand wurden Rissbildungen an den verputzten Stürzen
festgestellt. Um weitere Schäden vorzubeugen, erscheint eine
Betonsanierung im Bereich von Hohllagern sowie das Verpres-
sen der Risse sinnvoll. Mit einer Fugensanierung der Mauer-
werkswände könnten langfristig Feuchtigkeitseinflüsse in das
Bauwerk minimiert werden.
HALLEN KALK 76/77
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GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
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Abb. 94: Pflichtmaßnahmen Halle 76
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GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
HALLEN KALK 76/77
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GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
Kurzzusammenfassung Halle 76
Halle 76 weist mit ihrer Grundfläche von 2.625 Quadratmetern die größten Gebäudemaße des aus Halle 75,
76 und 77 bestehenden Gebäudekomplexes auf. Das Gebäude ist als dreigeschossiger Hallenbau mit innerem
Stahltragwerk errichtet. West- und Südfassade bestehen dabei aus einem Stahlfachwerk mit Mauerwerks-
ausfachungen, Nord- und Ostfassade hingegen aus massiven Mauerwerkswänden. Teilweise sind Zeugnisse
vergangener Bauphasen oder Reparaturmaßnahmen an den Fassaden zu erkennen, wie denen des ehemaligen
Fensterbands auf der Südseite oder Kriegsschäden an der Ostseite. Als besonders schützens- und erhaltens-
wert werden die Oberlichter des Daches sowie die Fensterelemente der Westfassade angesehen. Auch die
einheitlich gegliederte Ostfassade trägt zum Denkmalwert des Gebäudes bei.
Schon 2015 wurde das Gebäude als stark einsturzgefährdet eingestuft. Die aktuellen Untersuchungen unter-
streichen dieses Ergebnis. Sowohl die West- als auch Südfassade sind im Begriff zu versagen. Jüngste Bau-
teilöffnungen ergaben, dass die Schäden sich schon auf das Stahltragwerk ausgeweitet haben. Ausgeführte
Schadstoffuntersuchungen ermittelten diverse im Bauwerk vorkommende Gefahrenstoffe. Neben asbestbe-
lasteten Baustoffen wurden an allen Stahlelementen PCB-haltige Anstriche identifiziert. All diese Mängel und
irreparablen Schäden erfordern bauliche Pflichtmaßnahmen, bestehend aus dem Rückbau der gesamten Dach-
fläche sowie der kompletten West- und Südfassade. Das Stahltragwerk muss ertüchtigt werden.
Eine Sanierungsmöglichkeit unter normalen Umständen ist nicht gegeben. Es bedarf besonderer Sicherheits-
vorkehrungen. Die erarbeiteten Untersuchungen und Handlungsempfehlungen dienen als Grundlage für die
angestrebte nutzungsunabhängige Sicherungsmaßnahme.
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GRUNDLAGEN ZUR HALLE 76
GRUNDLAGEN ZUR HALLE 77
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GRUNDLAGEN ZUR HALLE 77
Halle 77
Abb. 95: Halle 77 [Quelle: https:/ /earth.google.com]
Gebäudekenndaten
An die südliche Giebelwand von Halle 76 angrenzend er-
streckt sich in fast gleicher Breite Halle 77. Im Norden wird
die Halle von dem Gebäude Dillenburger Straße 27 überragt.
Mit 12,20 Meter Firsthöhe ist das Mittelschiff des basilikalen
Querschnittes um circa drei Meter höher als der Anschluss der
Seitenschiffe. Im Osten bilden Halle 76, 77 und das Gebäude
Dillenburger Straße 27 eine gemeinsame Kante zur Neuer-
burgstraße, während an der Westseite Halle 77 um circa 85
Zentimeter versetzt ist. Halle 77 ist gemeinsam mit Halle 75,
Halle 76 und der außenliegenden Kranbahn 1992 mit der Num-
mer 6375 in die Denkmalliste der Stadt Köln aufgenommen
worden. Zuletzt wurde die Halle als Lagerfläche des Museums
Ludwig genutzt. Seit 2014 steht sie leer.
Baujahr zwischen 1897 - 1905
Länge 51,20 Meter
Breite 33,70 Meter
Grundfläche 1.750 Quadratmeter
Traufhöhe 7,70 Meter
Firsthöhe 12,10 Meter
Bruttogeschossfläche 1.800 Quadratmeter
Bruttorauminhalt 18.000 Kubikmeter
Status Denkmalschutz
HALLEN KALK 76/77
91
GRUNDLAGEN ZUR HALLE 77
Abb. 96: Innenaufnahme Seitenschiff
HALLEN KALK 76/77
92
GRUNDLAGEN ZUR HALLE 77
Grundfläche
Halle 77 ist die zweitgrößte der drei Hallen 75, 76 und 77. Sie
ist als dreischiffige Halle mit basilikalem Querschnitt angelegt.
Das Mittelschiff weist eine Breite von circa 16,10 Metern auf,
das westliche Seitenschiff von circa 8,70, das östliche von 7,80
Meter. Die Halle ist 51,20 Meter lang und 33,70 Meter breit und
belegt so eine Grundfläche von 1.750 Quadratmetern.
Abb. 97: Visueller Größenvergleich: Das Museum Ludwig (blau), der Kölner
Dom (grün) und die Halle 77 (rot)
Der Zugang erfolgt über ein 3,20 Meter breites und 3,90 Meter
hohes Rolltor mittig in der Westfassade mit einer daneben an-
geordneten Schwingtür. Am südlichen Ende der Westfassade
führt eine weitere Schwingtür ins Halleninnere. An der Ost-
fassade befindet sich eine Schwingtür mit 1,20 Meter Breite in
direkter Flucht zum Rolltor auf der Westfassade. Der heutige
Zugang erfolgt ausschließlich über die Verbindung zu Halle 76.
Abb. 98: Ehemaliger Hauptzugang Fassade West Innenansicht
Im westlichen Seitenschiff sind insgesamt sechs Räume (Meis-
terbüros) entlang der Außenwand abgegrenzt, die sechs Me-
ter weit in das Seitenschiff ragen. Die Räume weisen Breiten
von 4,50 bis 11,60 Meter auf. Der Raum in der Süd-West-Ecke
fungierte als Toilette und Waschraum. Die Raumanordnung
wird über die Breite des Rolltores unterbrochen. An der Süd-
fassade führt eine Leitertreppe auf eine Zwischenebene in
Höhe der Decken der Meisterbüros hinauf. Diese Ebene konnte
bis zum Rolltor begangen werden. Zwei Arbeitsstege laufen
entlang der Giebelwände auf Höhe der Zwischenebene.
Die Belichtung erfolgt über regelmäßig in den Achsen des
Tragwerkes angeordneten großformatigen Fenstern auf der
Westseite und kleinformatigeren an der Ostseite. Im Mittel-
schiff befindet sich ein Oberlicht, das knapp ein Drittel der
Dachfläche belegt. Der Obergaden ist zusätzlich beidseitig
über die gesamte Länge verglast. An der Südfassade befindet
sich ein Fensterfeld, das sich über die Breite des Mittelschiffes
erstreckt und vom First bis auf Höhe der Zwischeneben reicht.
HALLEN KALK 76/77
93
GRUNDLAGEN ZUR HALLE 77
HALLE 75 HALLE 77
6,56 ,24 22,45 ,10 2,84 ,55
82,12
,401,60 ,50 4,10 ,50 19,47 ,50 19,56 ,50 19,56 ,50 14,55 ,50
7,06 1,42 15,49 1,42 6,82 ,55
,40 26,61 ,24 44,50 ,12 10,36
,40 3,56 ,12 2,39 ,12 70,26 ,24
5,14
,65 4,84,65
,65 4,45 ,16 13,67 ,16 4,45 ,16 4,45 ,16 4,45 ,16 4,45 ,16 4,45 ,16 4,45 ,16 4,45 ,16
,53
8,42 ,58 8,04 ,58 6,90 ,58 7,57 ,52
7,44 14,04 7,96 8,12 4,65 1,49 3,78 2,00 3,78 1,48 3,78 1,24 8,80 1,24 3,78 1,24 3,78 1,24 3,78 1,24 3,78 1,24 3,78 1,24 3,78 1,24 3,78 1,24 3,78 1,24 3,78 1,24 3,78 1,24 3,79 2,37 3,01 1,64 3,01 1,42 3,01 1,59 3,01 1,44 3,01 1,77 3,01 1,65 3,21 1,75 ,79 1,51 1,60 3,01 1,61 3,01 1,61 3,01 1,48
176,24
42,35 51,77
32,19
50,55
1,50 3,47 2,32 3,47 1,79 3,47 1,55 3,47 1,55 3,47 1,55 3,47 1,55 3,47 1,55 3,47 1,55 3,47 1,42 3,60 1,55 3,47 1,55 3,47 1,55 3,47 1,55 3,47 1,55 3,47 1,93 3,47 1,47 ,51 3,07 1,54 3,07 1,54 3,07 1,54 3,07 1,54 3,07 1,54 3,07 1,54 3,07 1,54 3,07 1,54 3,07 1,54 3,07 1,54 3,07 1,16
4,22 4,22 4,22 4,22 4,22 4,22 4,22 4,22 4,22 4,30 6,08 5,50 5,02 5,02 5,02 5,02 5,02 5,02 5,02 5,02 5,02 5,02 5,02 5,02 5,02 ,75,07 4,61 4,61 4,61 4,61 4,61 4,61 4,61 4,61 4,61 4,61 4,615,02
33,84
32,00,53 1,32
16,21 15,97
KRAHNBAHN
OTTMAR-POHL-PLATZ
SIEVERSSTRAßE
NEUERBURGSTRAßE
,10 8,76 ,10 4,51 ,10 4,51 ,10 4,92 ,10 5,69 ,10 11,63 ,10 4,99 ,16
HALLE 76
2
G-77
F-77
G-77
F-77
D-76D-76
C-76C-76
E-76E-76
B
A
B
A
76
1
76
10
76
8
76
8
76
7
76
6
76
5
76
4
76
3
76
2
76
1
76
3
76
4
76
5
76
6
76
7
76
8
76
9
76
10
76
11
76
12
76
13
76
14
76
15
76
16
76
17
76 1
77
2
77
3
77
4
77
5
77
6
77
7
77
8
77
9
77
10
77
11
77
17'
76
0
77
2
76
1
76
10
76
8
76
8
76
7
76
6
76
5
76
4
76
3
76
2
76
1
76
3
76
4
76
5
76
6
76
7
76
8
76
9
76
10
76
11
76
12
76
13
76
14
76
15
76
16
76
17
76
1
77
2
77
3
77
4
77
5
77
6
77
7
77
8
77
9
77
10
77
11
77
17'
76
0
76
E
77
D
77
C
77
C'
77
B
77
A
77
C
76
B
76
A
76
C
76
B
76
A
76
2
G-77
F-77
G-77
F-77
D-76D-76
C-76C-76
E-76E-76
B
A
B
A
76
1
76
10
76
8
76
8
76
7
76
6
76
5
76
4
76
3
76
2
76
1
76
3
76
4
76
5
76
6
76
7
76
8
76
9
76
10
76
11
76
12
76
13
76
14
76
15
76
16
76
17
76 1
77
2
77
3
77
4
77
5
77
6
77
7
77
8
77
9
77
10
77
11
77
17'
76
0
77
2
76
1
76
10
76
8
76
8
76
7
76
6
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5
76
4
76
3
76
2
76
1
76
3
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4
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5
76
6
76
7
76
8
76
9
76
10
76
11
76
12
76
13
76
14
76
15
76
16
76
17
76
1
77
2
77
3
77
4
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5
77
6
77
7
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8
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9
77
10
77
11
77
17'
76
0
76
E
77
D
77
C
77
C'
77
B
77
A
77
C
76
B
76
A
76
C
76
B
76
A
76
P:\154 KÖLN Hallen-Kalk 76,77\2 V\C_CAD\CAD\Pläne\
Legende
aPlanerstellungHS2022-10-18
Datum Autor Vermerk Index
Objektanschrift
Format Maßstab Plotdatum Verfasser LP Plannummer Index
Planer
Ingenieurbüro Hutt
Sachsenring 14
50677 Köln
Frau M. Eng. Sarah Hutt
www.denkmalplanung.de
info@denkmalplanung.de
T +49 221 29850788
F +49 221 29850787
Bauherr
11.3.2022 00-XX-GR-EG-XA
Köln, Hallen Kalk 76-77
1IBH | CHRISTIANE
SCHLESINGER
Gebäudewirtschaft Köln - 26 Dez. VI
Ottoplatz 1
50679 Köln
Hallen 76-77
Neuerburgstraße 12
51103 Köln
Bauprojektmanagement, Fr. Andrea Heinisch
1:200 XA
Bestand
GRUNDRISS EG, BESTAND
GRUNDRISS EG, BESTAND
VORENTWURFSPLANUNG
1241*594
1. Alle Maße, Massen, Gegebenheiten am Bau und Umgebungsbestimmungen sind vom Auftragnehmer eigenverantwortlich vor Ort zu prüfen.
Unstimmigkeiten sind vor der Ausführung mit dem Architekten bzw. der Bauleitung zu klären. Für Maßfehler haftet allein der Auftragnehmer.
3. Es liegt kein einheitliches Aufmaß vor. Maßabweichungen bis 20 cm sind möglich.
7. Sofern nicht anders vermerkt, sind alle Höhen auf OKFB bezogen.
8. Plannummer und Index sind zu beachten. Bei Ungültigkeit durch Erscheinen eines neuen Plans wird dieser nicht eingezogen.
2. Die Bestandspläne wurden von Seiten des Bauherrn für die Leistungsphase 2 zur Verfügung gestellt
4. Für die Entwurfsplanung muss ein verformungsgerechtes Aufmaß erstellt werden
5. Die Positionen der Dachfenster der Halle 76 sind in den Plänen nicht deckungsgleich
6. Es ist anzunehmen, dass die uns zur Verfügung gestellten DWG-Dateien aus einem 3D-Modell generiert wurden.
Dadurch ergeben sich Ungenauigkeiten in der Liniendarstellung und bei sich überlagernden Bauteilen, etc.
Beschlussvorlage Rat
11401 Zeichen
Dezernat, Dienststelle VII/VII/5 Vorlagen-Nummer 2208/2024 Freigabedatum 13.09.2024 Beschlussvorlage zur Behandlung in öffentlicher Sitzung Betreff Weiteres Vorgehen Hallen Kalk (Hallen 75-77) Beschlussorgan Rat Gremium Datum Beschluss: 1. Der Rat der Stadt Köln beauftragt die Verwaltung, eine*n Projektentwickler*in (Stif- tung, Gesellschaft, Einzelperson, Verein etc.) zu finden, die*der die Hallen 75 - 77 erwirbt (Verkauf oder Erbbaurecht) und einer stadtentwicklungspolitisch sinnvollen Nutzung zuführt 2. In einem ersten Schritt wird hierzu eine europaweite Markterkundung oder ein ver- gleichbares Verfahren durchgeführt, um zu ermitteln, welche Nutzungen zu wel- chen finanziellen Konditionen am Markt platziert werden können, um auf diese Weise ein erfolgreiches Vergabeverfahren zu ermöglichen. 3. Die Entscheidung über die Veräußerung (Verkauf oder Erbbaurecht) sowie die Nutzungsbindung trifft der Rat nach Vorberatung in der Bezirksvertretung Kalk, dem Stadtentwicklungsausschuss, dem Bauausschuss, dem Ausschuss Kunst und Kultur und dem Liegenschaftsausschuss. Bezirksvertretung 8 (Kalk) 10.10.2024 Liegenschaftsausschuss 28.10.2024 Bauausschuss 04.11.2024 Ausschuss Kunst und Kultur 05.11.2024 Stadtentwicklungsausschuss 07.11.2024 Rat 14.11.2024 2 Haushaltsmäßige Auswirkungen Nein Auswirkungen auf den Klimaschutz Nein Ja, positiv (Erläuterung siehe Begründung) Ja, negativ (Erläuterung siehe Begründung) Begründung: Bau- und Nutzungsgeschichte Halle 75 Die Halle 75 wurde im Jahr 1905 errichtet und diente zuerst als Lehrwerkstatt und später zur Produktion von Schaltschränken. Von 1994 bis 2020 wurde die Halle 75 als Spiel- stätte des Schauspiel Köln genutzt. Gemäß Beschluss des Rates vom 15.06.2023 soll die Ha lle 75 (sog. Halle Kalk) aus dem Sondervermögen der Bühnen in das allgemeine Liegenschaftsvermögen der Stadt Köln überführt werden (Vorlagen-Nr. 1126/2023: „Grundsatzbeschluss für den Neustart der Bühnen Köln am Offenbachplatz ab der Spielzeit 2024/25 auf Basis der actori-Gut- achten // Langfristige Anmietung des Depots in Köln -Mülheim // Aufbau einer Tanz- sparte an den Bühnen Köln“). Halle 76 Die Halle 76 wurde 1905 als Werkhalle auf dem Gelände der Firma Maschinenbau - Anstalt Humboldt AG erbaut. Sie schloss w estseitig an eine Perforieranstalt an. Circa 35 Jahre nach der Errichtung wurde die Perforieranstalt abgebrochen. Inwieweit dies zu baulichen Veränderungen an der Westwand der Halle 76 geführt hat, ist aktuell un- geklärt. Während des 2. Weltkriegs wurden mindestens 40 Prozent des Dachs und große Teil- flächen an allen Fassaden beschädigt. Im Jahre 1967 wurde das innere Tragwerk verändert, eine Galerieebene abgebrochen und eine neue Kranbahn eingezogen. In der Halle 76 fanden seit 1993 unregelmäßig Ausstellungen des Museum Ludwig statt. Daneben wurde sie kurzzeitig als Probenort für das Schauspiel Köln genutzt. Aktuell wird die Halle nicht genutzt. Halle 77 Den ältesten Teil des hier betrachteten Hallenensembles stellt die Halle 77 dar. Deren heute vorhandene Bauteile sind jedoch unterschiedlichen Alters. Die Westwand der Halle 77 ist auf circa 1872 zu datieren. Sie bildete ursprünglich eine Außenwand einer heute nicht mehr erhaltenen Halle. Das innere Tragwerk sowie die Ostwand sind größtenteils in die Bauzeit 1897 bis 1905 einzuordnen. Nach massiven Kriegsschäden im Jahr 1944 wurde die Halle 77 zu einer dreischiffigen Halle mit basilikalem Querschnitt umgebaut. Das Tragwerk von 1916 wurde um weitere Stützen erhöht und Oberlichter wurden eingefügt. 3 Zustandsuntersuchung Von 2022 bis 2023 wurden die Hallen 76 und 77 im Auftrag der Gebäudewirtschaft der Stadt Köln einer eingehenden Bauzustandsuntersuchung unterzogen. Die der Verwal- tung vorliegenden Ergebnisse werden nachfolgend auszugsweise dargestellt: Halle 76 Diese Halle weist mit einer Grundfläche von 2.625 Quadratmetern die größte einzelne Gebäudefläche des aus den Hallen 75, 76 und 77 bestehenden Gebäudekomplexes auf. Das Gebäude ist als dreigeschossiger Hallenbau mit innerem Stahltragwerk errich- tet. West- und Südfassade bestehen dabei aus einem Stahlfachwerk mit Mauerwerks- ausfachungen, Nord - und Ostfassade hingegen aus massiven Mauerwerkswänden. Teilweise sind Zeugnisse vergangener Bauphasen oder Reparaturmaßnahmen an den Fassaden zu erkennen, wie das ehemalige Fensterband auf der Südseite oder Kriegs- schäden an der Ostseite. Halle 77 Diese Halle wurde als dreischiffiger Hallenbau mit innerem Stahltragwerk errichtet. Die Südfassade besteht aus einem Stahlfachwerk mit Mauerwerksgefachen, West - und Ostfassade hingegen bestehen aus massiven Mauerwerkswänden. Vor allem am Dach sind Zeugnisse der Umbauphasen zu erkennen, wie der basilikale Dachquerschnitt, eine Reparaturmaßnahme infolge von Kriegsschäden. Beide Gebäude wurden schon 2015 als stark einsturzgefährdet eingestuft. Die aktuellen Untersuchungen unterstreichen dieses Ergebnis. Sowohl die West - als auch die Süd- fassade sind im Begriff zu versagen. Jüngste Bauteilöffnungen ergaben, dass die Schä- den sich schon auf das Stahltragwerk ausgeweitet haben. Schadstoffuntersuchungen ermittelten im Bauwerk diverse Gefahrstoffe. Neben asbest- belasteten Baustoffen wurden an allen Stahlelementen PCB -haltige Anstriche identifi- ziert. All diese Mängel und irreparablen Schäden erfordern bauliche Pflichtmaßnahmen, bestehend aus dem Rückbau der gesamten Dachfläche sowie der kompletten West - und Südfassade. Das Stahltragwerk muss ertüchtigt werden. Eine Sanierungsmöglichkeit unter normalen Umständen ist nicht gegeben. Es bedarf besonderer Sicherheitsvorkehrungen. Halle 75 Vorgenannte Ergebnisse der Bauzustandsuntersuchung betr. Hallen 76 und 77 lassen sich weitestgehend auf den baulichen Zustand der Halle 75 übertragen. Nutzungsansprüche der „Peter und Irene Ludwig Stiftung“ Am 21. Juni 1994 hat der Rat der Stadt Köln die Annahme einer Schenkung von 82 Werkpositionen zeitgenössischer Kunst der Eheleute Ludwig und „die organisatorische Zuordnung der KHD-Halle 76 an der Neuerburgstraße als Ausstellungshalle für die je- weilige Gegenwartskunst zum Museum Ludwig“ beschlossen. Im November desselben Jahres wurde der Schenkungsvertrag notariell beglaubigt, wel- cher unter anderem - ohne genaue Nennung eines Ortes - die aufschiebende Bedin- gung enthält, dass „die Stadt Köln für die bildkünstlerischen Äußerungen jeweils junger und jüngster aktueller Kunst und deren Anschaulichmachung auf Dauer Ausstellungs- hallen verfügbar macht und diese dem Museum Ludwig organisatorisch zuordnet“. Aufgrund des inzwischen schlechten Zustands der Halle 76 und der daraus resultieren- den Herausforderungen für eine museale Erschließung hat das Dezernat für Kunst und 4 Kultur Gespräche mit der „Peter und Irene Ludwig Stiftung“ über mögliche Alternativ- standorte aufgenommen. Handlungsoptionen Als Reaktion auf die Er gebnisse der Bauzustandsuntersuchung und mit Blick auf den dringenden Handlungsbedarf hat die Verwaltung mit Beschluss des Rates vom 16.09.2021 (2293/2021) verschiedene Optionen zum Umgang mit den baulich stark ge- fährdeten Hallen 76 und 77 durch das Ingenieurbüro Hutt prüfen lassen. Hierbei wurden zunächst folgende fünf nutzungsunabhängige Sicherungsmaßnahmen betrachtet: 1. Die Errichtung einer Schutzhülle, die die Fassaden und die Dächer beider Hallen mit einem Schutzgerüst ummantelt. Der Korrosionsprozess de r Stahlelemente und Schadensprozess der weiteren Bauteile werden damit deutlich verlangsamt. Es er- folgen keine weiteren Eingriffe in das Tragwerk und in die Bausubstanz. 2. Die Möglichkeit einer Bestandssicherung, die beinhaltet, dass zuerst die einsturz- gefährdeten Bereiche der Gebäudehülle geordnet zurückgebaut werden. Daraufhin wird die statische Standsicherheit wiederhergestellt. Das Haupttragwerk verbleibt offenliegend. 3. Die Variante einer Schutzfassade, wobei zu Beginn die einsturzgefährdete Gebäu- dehülle geordnet zurückgebaut und die statische Standsicherheit wiederhergestellt wird. Die zurückgebaute Gebäudehülle wird mit reversiblen Industriematerialien als Witterungsschutz verkleidet. 4. Die Ausführung einer sogenannten Bricolage, bei der die einsturzgefährdete Ge- bäudehülle kontrolliert zurückgebaut und die statische Standsicherheit des Haupt- tragwerks wiederhergestellt wird. Der Aufbau der Gebäudehülle orientiert sich an vergangenen und bestehenden Bauphasen und gliedert neue Bauelemente in diese historische Interpretation ein. 5. Die komplette Rekonstruktion, welche die vollständige Sanierung und Rekonstruk- tion der beiden Hallen vorsieht. Die Kosten für diese Varianten - ohne die Berücksichtigung nutzungsspezifischer Ein- bauten - bewegen sich zwischen 46 Mio. Euro und 90 Mio. Euro (Kostenschätzung Stand 2023). Der Rückbau der Hallen stellt grundsätzlich eine 6. Handlungsoption dar. Die drei Hallen wurden 1992 in die Denkmalschutzliste der Stadt Köln aufgenommen. Daher gelten er- höhte rechtliche Anforderungen an die Erlaubnisfähigkeit eines Rückbaus. Begründung des Beschlussvorschlags Der weitere Umgang mit den Hallen 75, 76 und 77 muss im Zusammenhang mit den künftigen, mit erheblichen infrastrukturellen und finanziellen Herausforderungen ver- bundenen Nutzungen für die östlich gelegenen Hallen sowie der aktuellen Haushalts- lage betrachtet werden. Mit dem „Haus der Einwanderungsgesellschaft“ (DOMiD -Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland) in Halle 70 wird es einen kulturellen Leucht- turm mit bundesweiter Strahlkraft geben. Auch die geplanten Nutzungen im Osthof durch den Kulturhof Kalk, das Inklusive Kunsthaus Kalk nebst Akademie und das ccccc- 5 creation centre contemporary circus cologne werden überregionale Strahlkraft entwi- ckeln und garantieren gleichzeitig eine gute Vernetzung in das Quartier. Weitere städtisch geförderte kulturelle Nutzungen in den Hallen 75, 76 und 77 lassen eine Schwächung dieser Initiativen bzw. Nutzungsideen erwarten und würden mit noch nicht abschätzbaren Ba u- und Betriebskosten verbunden sein. Entsprechende Mittel stehen dem Dezernat für Kunst und Kultur nicht zur Verfügung. Daher schlägt die Verwaltung ein Vergabemodell, welches die Hallen 75 - 77 als En- semble betrachtet, vor. Ziel ist es, in einem mehrstufigen Vergabeverfahren eine*n Pro- jektentwickler*in zu suchen. Dabei könnte dem eigentlichen Vergabeverfahren z. B. eine sog. Markterkundung vor- geschaltet werden. Die Markterkundung verfolgt das Ziel, potentielle Projektentwick- ler*innen anzusprechen und d ie derzeitige Marktsituation zu sondieren und damit den politischen Gremien und der Verwaltung einen breiten Überblick zu verschaffen. Sie dient auch der Klärung spezifischer Fragen hinsichtlich der baulichen Entwicklung so- wie der Ausgestaltung und Umsetzu ng des in Betracht gezogenen nachgelagerten Vergabeverfahrens. Bis zu einer finalen Entscheidung führt die Gebäudewirtschaft der Stadt weiterhin quar- talsweise Kontrollen der Hallen durch und beauftragt notwendige Instandsetzungsmaß- nahmen. Anlagen: Anlage 1 Lageplan Anlage 2.1 Nutzungsunabhängige Sicherungsmaßnahmen Teil 1 Anlage 2.2 Nutzungsunabhängige Sicherungsmaßnahmen Teil 2 Anlage 2.3 Nutzungsunabhängige Sicherungsmaßnahmen Teil 3
Anlage 1 Lageplan
39 Zeichen
NEIN IN N N N Pe N RN N RTIIN N S J N
Anlage 5, Auszug Bauausschuss vom 04.11.2024
1670 Zeichen
Geschäftsführung Bauausschuss Frau Huppertz Telefon: (0221) 221 22443 Fax: (0221) 221 22344 E-Mail: DezVI-Dezernatskoordination- Session@stadt-koeln.de Datum: 06.11.2024 Auszug aus dem Entwurf der Niederschrift der 27. Sitzung des Bauausschusses vom 04.11.2024 öffentlich 7.1 Weiteres Vorgehen Hallen Kalk (Hallen 75-77) 2208/2024 RM Brock-Stroms merkt auf Seite 179 einen redaktionellen Fehler an und bittet um Korrektur. RM Brust meldet Beratungsbedarf an und bittet darum die Vorlage zurückzustellen. Zudem bittet er um eine Einschätzung wie wahrscheinlich es ist, dass ein Investor die Hallen abreist und neu bebaut und ob es nicht sinnvoller sei dies selbst zu tun: BG Greitemann führt aus, dass genau aus diesem Grunde das Interessenbekun- dungsverfahren durchgeführt werde, um zu eruieren, ob jemand bereite sei diese Hal- len zu erhalten und zu einer Nutzung weiterzuentwickeln. RM Kircher bittet darum zu beschließen wie die BV Kalk zum Thema Erbbaurecht und nicht zum Verkauf. Die Fraktionen CDU und FDP sprechen sich dagegen aus. SE Eichelbaum-Röhl erkundigt sich nach den Haushaltsauswirkungen und bittet um die Aufführung der monatlichen Kosten der Sicherung. Anmerkung: Der Fehler auf Seite 179 wurde im direkten Nachgang der Sitzung korrigiert und eine aktualisierte Fassung der Seite 179 der Anlage 2.3 eingestellt. Die Korrektur lautet wie folgt: „Nach der Fertigstellung erw arten den Bauherren Aufgaben im Feld des Monito- rings und der Dokumentation. Dies ist für den weiteren Umgang mit dem Ge- bäude und Folgenutzungen erforderlich.“ Beschluss: Der Bauausschuss stellt die Angelegenheit zurück.
Anlage 7 Beantwortung Fragen Volt-Fraktion im Liegenschaftsausschuss
1908 Zeichen
Die Volt -Fraktion im Liegenschaftsausschuss bat um schriftliche Be antwortung folgender Fragen: 1. Wie sieht der Zeitplan für die Markterkundung, die potenzielle Ausschreibung und Vergabe aus? Antwort der Verwaltung: Die Markterkundung nimmt vo raussichtlich 6 Monate in Anspruch. Es ist geplant die Erkundung Anfang 2025 zu starten. 2. Angesichts der erheblichen Kostensteigerung von der ursprünglich veranschlagten Summe von ca. 18 Millionen Euro (laut Beschluss zur Bauzustandsuntersuchung von September 2021) auf die aktuelle Schätzung von mindestens 46 Millionen Euro: Ist hier mit weiter en, erheblichen Kostensteigerungen zu rechnen? Antwort der Verwaltung. Die im Beschluss von 2021 veranschlagte Summe basierte auf einer Kostenermittlung auf Grundlage einer Planung aus dem Jahr 2014. Eine Aktualisierung des Zustandes der Halle lag der Kostenfortschreibung in 2020 (Zeitpunkt der Kostenfortschreibung) nicht zug runde. Berücksichtigt wurden Zuschläge wie die Entwicklung des Baupreisindexes, der sich verschlechternde Zustand der Bausubstanz und ein Risikozuschlag. Die Planung aus 2014 umfasst außerdem lediglich eine Beseitigung der baulichen Mängel. Die Planung aus 2022 beinhaltet verschiedene Varianten mit aktueller Bewertung des Bauzustandes und einer Schadstoffsanierung. Die Zahlen aus 2023 fußen auf einer fundierten Vorplanung mit einer Genauigkeit, die diesem Planungsstand zugrunde liegt. Baupreissteigerungen und Risiken wurden ebenfalls bewertet und eingerechnet. Insofern bietet die aktuelle Kostenermittlung aus 2023 eine gute Grundlage, sie lässt jedoch keine Prognosen hinsichtlich sich verändernder Baupreise, Zustandsverschlechterungen oder sich ändernder Rahmenbedingungen zu. 3. Welche laufenden Kosten fallen für Maßnahmen wie Bauzaun oder gegebenenfalls eingesetzte Sicherheitsfachkräfte an? Antwort der Verwaltung: Siehe Anlage 6
Anlage 2.3.1 Nutzungsunabhängige Sicherungsmaßnahmen Teil 3 - Seite 179 korrigiert
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HALLEN KALK 76/77 179 VORENTWÜRFE: VARIANTE 3 - SCHUTZFASSADE Auf der Seite 179 der Anlage 2.3 befinden sich Tippfehler. Aus diesem Grund ist Seite 179 neu als Anlage 2.3.1 beigefügt worden. Kurzzusammenfassung Vorentwurf Variante 3 - Schutzfassade Die Variante hat das Ziel, die statische Standsicherheit von Halle 76 und 77 wiederherzustellen und langfristig ]XVLFKHUQ'LHVVROOGXUFKGLH9HUNOHLGXQJRƁHQOLHJHQGHU%DXWHLOHPLWJ¹QVWLJHQ,QGXVWULHPDWHULDOLHQHUUHLFKW werden. Die Maßnahmen beinhalten die Errichtung einer temporären Interimsmaßnahme, den Abbau nicht tragender Bauteile und deren witterungsschützenden Verkleidung. Die bereits bestehenden Interimsmaßnahmen werden erweitert, um Gefahren während der Planungszeit zu mi- QLPLHUHQ'HU'HQNPDOZHUWZLUGZHJHQKRKHU%DXHLQJULƁHQHJDWLYYHU¡QGHUW(VHUIROJWWHLOZHLVHHLQH6FKDG- VWRƁVDQLHUXQJEHLGHUGLHEHODVWHWHQ$QVWULFKHGHV7UDJZHUNHVQLFKWHQWIHUQWZHUGHQ(LQH(UW¹FKWLJXQJGHV Tragwerks kommt in vollem Zuge zur Ausführung. Der erforderliche Brandschutz wird hergestellt. 'LH$XVZLUNXQJHQDXIGLHVW¡GWHEDXOLFKH6LWXDWLRQHUZHLVHQVLFKDOVQHJDWLY'DV(UVFKHLQXQJVELOGLP³ƁHQW- lichen Raum wird unter den Sicherungsmaßnahmen leiden. Nach der Fertigstellung erwarten den Bauherren Aufgaben im Feld des Monitorings und der Dokumentation. Dies ist für den weiteren Umgang mit dem Gebäu- de und Folgenutzungen erforderlich. Die Sicherungsmaßnahme trägt zur langfristigen Wiederherstellung der Standsicherheit bei. Nachhaltigkeitsas- pekte werden mangelhaft vernachlässigt. Wegen fehlender Belichtung ist eine Nutzung der Hallen nur bedingt möglich. Anlage 2.3.1
Anlage 2.1 Nutzungsunabhängige Sicherungsmaßnahmen Teil 1
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Vorentwurfsplanung zu nutzungsunabhängigen Sicherungsmaßnahmen
der Hallen 76 und 77 in Köln-Kalk
HALLEN KALK 76/77 5
PROJEKTBETEILIGTE
Fachplanung Tragwerk
HIG Ingenieurgesellschaft mbH
Konrad-Adenauer-Straße 13, 50996 Köln
T: +49 221 800081-20
holger.neugebauer@hig-ingenieure.de
Ansprechpartner: Dipl.-Ing. (FH) Holger Neugebauer
Fachplanung Schadstoffe
HPC AG
Alter Hellweg 46, 44379 Dortmund
T: 49 231 959098-77
Sabine.Grube@hpc.ag
Ansprechpartnerin: Dipl.-Betriebswirtin Sabine Grube
Fachberatung Haustechnik
Gebäudewirtschaft der Stadt Köln
264/2 Gebäudetechnik
Ansprechpartner: Harald Ahrens, Michael Schulte
HALLEN KALK 76/77 7
OBJEKTDATEN
Objekt Halle 76 und 77 in Köln-Kalk
Anschrift Ottmar-Pohl-Platz, 51103 Köln
Gemarkung 4970
Flur 24
Flurstück 282, 303, 307
Bauherr Stadt Köln
erbaut 1906 (76)/um 1901 (77)
Denkmalgeschützt ja
Typologie Industriehalle
Konstruktion Stahlskelettbau/Massivbau
Nutzung ohne
BGF 4.000 m2 (76), 1.800 m2 (77)
BRI 45.000 m3 (76), 18.000 m3 (77)
Planungsziel Nutzungsneutrale Bestandssicherung
Planungszeit IBH 08/2022 - 01/2023
HALLEN KALK 76/77 9
INHALT
Einleitung 11
Aufgabenstellung 13
Stand der Planung 14
Städtebauliche Lage 17
Bau- und Nutzungsgeschichte 31
Grundlagen zur Halle 76 39
Bestandserfassung nach Kostengruppen 44
Erläuterung des Zustands 80
Pflichtmaßnahmen und Handlungsempfehlungen 84
Grundlagen zur Halle 77 89
Bestandserfassung nach Kostengruppen 94
Erläuterung des Zustands 122
Pflichtmaßnahmen und Handlungsempfehlungen 126
Kranbahn 131
Vorentwürfe 135
Variante 1 - Schutzhülle 137
Variante 2 - Bestandssicherung 151
Variante 3 - Schutzfassade 167
Variante 4 - Bricolage 181
Variante 5 - Rekonstruktion 199
Auswertung und Empfehlung 213
Zusammenfassung 219
Anhang 223
EINLEITUNG
HALLEN KALK 76/7712
EINLEITUNG
Halle 76
Halle 77
Abb. 1: Halle 76 und Halle 77 in Köln-Kalk [Quelle: https:/ /earth.google.com]
HALLEN KALK 76/77 13
EINLEITUNG
AUFGABENSTELLUNG
Die denkmalgeschützten Gebäude, Halle 76 und Halle 77 in Köln-Kalk sind eine städtische Liegenschaft und
werden seit 2014 nicht genutzt. Nach zahlreichen Untersuchungen wurde am 10.11.2022 von der HIG Ingenieur-
gesellschaft mbH (HIG) ein dringender Handlungsbedarf zur Sicherung der Gebäudehülle gegen Bauteilver-
sagen und gegen Einsturz angemeldet (Vorplanungsbericht Tragwerksplanung - Zusammenfassung vom
10.11.2022, Überarbeitung vom 14.02.2023).
Um nutzungsunabhängige Sicherungsmaßnahmen zu entwickeln, wurde das Ingenieurbüro Hutt (IBH) am
21.11.2022 von der Gebäudewirtschaft Köln mit der Vorentwurfsplanung zu nutzungsunabhängigen Sicherungs-
maßnahmen der Hallen 76 und 77 beauftragt. Die Ergebnisse der Vorplanung dienen der Gebäudewirtschaft
der Stadt (GW) Köln als Grundlage zum Verfassen einer Beschlussvorlage für den Rat der Stadt Köln. Der Rat
wird im Jahr 2023 über Sicherungsmaßnahmen entscheiden.
Der vorliegende Bericht geht zunächst auf die städtebaulichen und baulichen Grundlagen der Hallen 76 und
77 ein. Die Grundlagen umfassen neben den Gebäudekennwerten, Informationen zur Baugeschichte und zum
Denkmalwert, Angaben zu Schadstoffbelastungen und zum Zustand des Tragwerks. Auf Basis dieser Ergeb-
nisse werden fünf Vorentwürfe entwickelt. Die Entwürfe werden visuell dargestellt und anhand der Kriterien
Planungs- und Bauzeit, Denkmalwert, Schadstoffreduzierung, Nachhaltigkeit und einer möglichen Nutzung
beleuchtet sowie Kosten, Termine zusammengefasst. Im Anhang wird auf weiterführende Berichte verwiesen.
HALLEN KALK 76/7714
EINLEITUNG
STAND DER PLANUNG
Plangrundlagen
Als Grundlage der Vorentwurfsplanung wurden dem Inge-
nieurbüro Hutt (IBH) von der Gebäudewirtschaft der Stadt
Köln (GW) 2D-Pläne im Maßstab 1:100 im dwg-Format zur
Verfügung gestellt. Die Zeichnungen wurden 2014 vom Archi-
tekturbüro Dorn erstellt und basieren wohl auf Messungen
des selben Büros. Maßabweichungen bis zu 5 cm sind nach
stichprobenartigen Prüfungen anzunehmen. Ferner weisen
die Zeichnungen auffallend viele doppelte Linien auf, was uns
vermuten lässt, dass die 2D-Zeichnungen aus einem 3D-Mo-
dell extrahiert wurden. In den Plänen wurde ein Achsmaß von
5,01 m eingetragen.
Des Weiteren liegen Plansätze des Architekturbüros Dorn aus
den Jahren 2011 und 2012 im Format PDF vor. Diese wurden
für die Vorplanung nicht genutzt und werden hier der Voll-
ständigkeit erwähnt.
Vorhandene Dokumentationen / Quellen
Bei der Einarbeitung in das Projekt wurden den Planern von
Seiten des Bauherrn folgende unveröffentlichte Dokumenta-
tionen zur Verfügung gestellt:
· DORN 2011: Zusammenstellung und Erläuterung der Vorpla-
nung
· DORN 2014: Kostenschätzung: Zusammenstellung Hallen 76
und 77, Kostenschätzung Halle 76, Kostenschätzung Halle 77
· DORN 2014: Planung Rückbau + Standsicherheitsrelevante
Sicherung
· DORN 2022: Liste Beteiligungen und Maßnahmen (Vorabzug
/ offene Liste)
· STADT KÖLN 2017: Werkstattverfahren Hallen Kalk - Doku-
mentation
· STADT KÖLN 2019: Machbarkeitsstudie Hallen Kalk - Werk-
stattgespräch 1
· STADT KÖLN, AMT FÜR DENKMALSCHUTZ 1992: Denkmal-
pflegerische Bewertung
· STADT KÖLN, AMT FÜR DENKMALSCHUTZ 2022: HaKa
- Nutzungsunabhängige Sicherungsmaßnahme - Denkmal-
schutz
· INGENIEURGESELLSCHAFT HIG 2015: Abbruchkonzept
Tragwerk - Hallen Kalk
· INGENIEURGESELLSCHAFT HIG 2022: Vorplanungsbericht
Tragwerksplanung - Zusammenfassung
· HPC AG 2015: Abbruchkonzept Schadstoffe
· HPC AG 2022: 2221100 (Ergänzung Schadstoffgutachten v.
2015)
Für die tiefer gehende Recherche zur Baugeschichte wurden
vom IBH eigenständig historische Pläne, Fotoabbildungen und
Textquellen recherchiert. Diese sind ausführlich im gesonder-
ten Bericht „Annex: Bericht zur Baugeschichte der Hallen 76
und 77 in Köln“ dokumentiert.
Planungshistorie
Das IBH wurde im Spätsommer mit der Vorentwurfsplanung
zu Sicherungsmaßnahmen der Hallen 76 und 77 in Köln-Kalk
beauftragt.
Die Problematik zur Sicherung der Bausubstanz wird seit 2014
erläutert. Im gleichen Jahr wurde das Architekturbüro Dorn
beauftragt ein Sicherungskonzept zu entwickeln. In diesem
Zuge wurden die Hallen vom Büro Dorn aufgemessen und
digitalisiert.
Im Jahr 2015 wurde ein Abbruchkonzept für die Halle 76 und
HALLEN KALK 76/77 15
EINLEITUNG
Halle 77 abgestimmt, das jedoch nie umgesetzt wurde.
Im Jahr 2003 wurde an die Südwand der Halle 77 das 11 Meter
hohe Gebäude des Kalk-Karrees angebaut. Die Bauerlaubnis
basiert wohl auf dem Ansatz des Rückbaus von Halle 77.
Im Jahr 2012 wurde der Zustand der Hallen erstmals durch die
Ingenieurgesellschaft HIG dokumentiert. Es wurden massive
Schädigungen am Tragwerk konstatiert. Daraufhin folgten
erste Sicherungsmaßnahmen.
Seit 2014, siehe Bericht Anamnesebericht zu den Hallen Kalk, Seit 2014, siehe Bericht Anamnesebericht zu den Hallen Kalk,
hat die HIG eine Einsturzgefahr der Westwand der Halle 76 hat die HIG eine Einsturzgefahr der Westwand der Halle 76
benannt. Im Weiteren wurde das Dach von Halle 77 als ein-benannt. Im Weiteren wurde das Dach von Halle 77 als ein-
sturzgefährdet eingestuft.sturzgefährdet eingestuft.
Seit 2022 besteht eine Gefahr des gesamten Gebäudever-Seit 2022 besteht eine Gefahr des gesamten Gebäudever-
sagens der Halle 76, siehe Vorplanungsbericht Tragwerkspla-sagens der Halle 76, siehe Vorplanungsbericht Tragwerkspla-
nung - Zusammenfassung HIG.nung - Zusammenfassung HIG.
Erfolgte Sicherungsmaßnahmen
Auf Grundlage der Bauteil-Untersuchungsbericht des Trag-
werksplaners, Ingenieurgesellschaft HIG; Herr Holger Neuge-
bauer, wurde bereits vor 2011 an der Südwand der Halle 76
innenseitige Verstärkungsplatten angeschweißt.
Im Jahr 2014 wurde der Mauerwerkspfeiler am Übergang Halle
76/77 mit Injektionsankern notgesichert.
Mit diesen Maßnahmen wurden die Bauteile verstärkt. Eine
Sicherung der einsturzgefährdeten Fassaden und Bauteile
konnte damit nicht erreicht werden.
Aktuelle Sicherungsmaßnahmen
Um die Verkehrssicherheit für Passanten und vorbeifahrende
Kraftfahrzeuge zu gewähren werden die östliche Gebäude-
ecken der Halle 76 und 77 seit 2014 mit einem Schutzgerüst
versehen und die gesamte Ostfassaden mit einem Bauzaun
abgesperrt.
Ein weiteres Schutzgerüst ist seit November 2022 an der nörd-
lichen Ostwand der Halle 76 montiert. Diese dient ebenso um
Passanten vor Steinschlag zu schützen.
77
76
75
OTTMAR-POHL-PLATZ
NEUERBURGSTRASSE
SIEVERSSTRASSE
Abb. 2: Isometrie zu aktuellen Sicherungsmaßnahmen. In rot wurden Schutz-
gerüste und Bauzäune eingezeichnet. Der Bauzaun an der Ostwand liegt
hinter der Gebäudeansicht und ist in dieser Abbildung nicht zu erkennen.
Vorgehensweise IBH
Für die Vorentwurfsplanung wurden vom IBH zunächst alle
vorhandene Dokumente gesichtet, zusammengetragen und
ausgewertet. Parallel erfolgte eine eingeständig durchgeführte
Recherche und Auswertung zur Baugeschichte der beiden
Hallen. Die Ergebnisse der Baugeschichtsrecherche stellt eine
entscheidende Grundlage für die spätere Vorentwurfsplanung
dar. So berücksichtigen die Vorentwürfe zum Beispiel das
Baualter von Bauteilen, den Denkmalwert von Bauelementen
oder auch historische Umbauten.
Für die Vorentwürfe wurden zeichnerische Darstellungen an-
gefertigt. Um textliche Inhalte visuelle zu unterlegen, wurden
HALLEN KALK 76/7716
EINLEITUNG
vereinfachte Isometrie, Piktogramme gezeichnet und einge-
fügt.
Ziel der Vorentwürfe
Das Ziel der Vorentwürfe ist es, dem Bauherrn ein möglichst
vielschichtiges Spektrum an Sicherungsmaßnahmen aufzu-
zeigen. Jede Variante soll dabei ihren eigenen Schwerpunkt
besitzen. Neben der visuellen Darstellung des Vorentwurfs als
Isometriezeichnung wird jede Variante mit Referenzen belegt.
Darüber hinaus gilt es die Variante zu bewerten, um dem Bau-
herrn so eine ausreichende Entscheidungsgrundlage für eine
Entwurfsplanung vorzulegen.
STÄDTEBAULICHE LAGE
HALLEN KALK 76/7718
STÄDTEBAULICHE LAGE
HALLEN KALK 76/77 19
STÄDTEBAULICHE LAGE
Abb. 3: Lage der Hallen 76 und 77 innerhalb der Stadt Köln [Quelle: https:/ /www.tim-online.nrw.de/tim-online2]
HALLEN KALK 76/7720
STÄDTEBAULICHE LAGE
ehemaliges
Werksgelände
der KHD AG
76
77
Abb. 4: Städtebauliche Lage der Hallen 76 und 77, Markierung des ehemaligen Werksgeländes der KHD AG (Teilbereich) [Quelle: https:/ /www.tim-online.nrw.de/
tim-online2]
HALLEN KALK 76/77 21
STÄDTEBAULICHE LAGE
Abb. 5: Städtebaulichen Lage der Hallen 77, 76, 75 und 71, 70, 60, 59, 58 in Köln-Kalk, nördlich der Dillenburger Straße. [Quelle: https:/ /earth.google.com]
Städtebauliche Lage in Köln-Kalk
Die Hallen 76/77 befinden sich im rechtsrheinischen Stadtteil
Kalk der Stadt Köln, innerhalb des gleichnamigen Stadtbezir-
kes.
Köln-Kalk ist ein 1910 eingemeindete Stadtteil, der sich vor
allem als Industriestandort im 19. Jahrhundert entwickelte. Zu
den wichtigsten Industrien gehörte die Chemische Fabrik Kalk
und die Klöckner-Humboldt-Deutz AG. Letztere erstreckte
sich mit dem Werk Humboldt und Kalk über die weiß markier-
te Fläche, siehe Abbildung 4. Ende der 1970er Jahre begann
mit der Schließung der ersten Produktionsstätten der Struk-
turwandel des Stadtteils. Mit Stilllegung des letzten Werkes
der Chemischen Fabrik Kalk 1993 war keines der größeren
Industrieunternehmen vorhanden und der Stadtteil änderte
77
76
75
7170 60
59
58
sich einem Mischgebiet, siehe „Bericht zur Baugeschichte der
Hallen 76 und 77 in Köln“.
Heutzutage sind die Halle 76 und Halle 77 inmitten des Stadt-
teils Köln-Kalk vorzufinden. Die jüngeren Stadterweiterungen
in Richtung Osten führten zu dieser Veränderung der inner-
städtischen Position.
Trotz der zentralen Lage erwirkt die gänzliche Umschließung
des Stadtteils durch die Gleisanlagen eine gewisse Enklaven-
situation, die durch wenige Verbindungen über die Grenzen
hinaus durchbrochen wird. Kalk wird geprägt von einer leben-
digen heterogenen Bevölkerungsstruktur. Baulich geben die
erhaltenen Gründerzeitbauten sowie die Industrieanlagen dem
Stadtteil sein charakteristisches Gesicht.
HALLEN KALK 76/7722
STÄDTEBAULICHE LAGE
Industriehallen in Köln-Kalk
Die Halle 76 und Halle 77 bilden zunächst mit der Halle 75 eine
geschlossene bauliche Anlage und korrespondieren stark mit
den erhaltenen Hallen in östlicher Lage: Halle 58, 59 und 60
sowie Halle 70 und 71, siehe Abbildung 5. Weitere Industriehal-
len des ehemaligen Standorts der Firma Klöckner Humboldt
AG wurden rückgebaut und sind heute nicht mehr erhalten.
Westlich der Neuerburgstraße erstreckt sich der heute größte
zusammenhängende, verbliebene Komplex unter dem Namen
„Hallen Kalk“, in dem sich verschieden Nutzungen wie die
einer Kletterhalle befinden.
Erschließung der Halle 76 und 77
Halle 76 und Halle 77 liegen am südlichsten Punkt des Stadt-
teils an der Neuerburgstraße. Über die Westeingänge am
Ottmar-Pohl-Platz werden die Hallen heutzutage erschlossen.
Die Ostfassaden befindet sich zur Seiten der Neuerburgstraße.
Nördlich der Halle 76 erstreckt sich die baulich an die Halle
76 angebundene Halle 75. Südlich der Halle 77 grenzt das in
den 2000er Jahren errichtete Kalker-Karree an. Das Karree
umfasst den westlichen Raum, sodass hier eine gassenartige
Situation entsteht.
HISTORISCHE STÄDTEBAULICHE ENTWICKLUNG
Bauzeitliche Einbindung
Die massiven Klinkerfassaden der Ostseiten bildeten bauzeit-
lich einen städtebaulichen Abschluss zur Neuerburgstraße,
die durch das Werksgelände verlief und verschiedene Werks-
funktionen voneinander trennte. Sie waren bewusst reprä-
sentativ gestaltet. Die Westfassaden dagegen zeigten in den
Hof des Werkgeländes. Sie waren seit jeher flexibel gedacht
und konnten sich so immer wieder an die sich verändernden
Produktionsprozesse und - Bedürfnisse der jeweiligen Zeit an-
passen. So war das Gebiet westlich der Hallen über die Jahr-
zehnte unterschiedlich dicht bebaut. Über lange Zeit waren
Produktionsgebäude direkt an die Westfassaden der Hallen
angeschlossen. Eine außen liegende Kranbahn wurde um 1950
aufgestellt.
Abb. 6: Funktionale und städtebauliche Ausrichtung der Halle 76 und 77 in
den Jahren Kalk 19501950
Städtebauliche Lage im Jahr 1990
Die beiden Werkhallen 76 und 77 waren bis Anfang der 1990er
Jahre Bestandteil des Produktionsgeländes der Klöckner-
Humboldt-Deutz AG. Zusammen mit der Halle 75, die heute
von den Bühnen Köln genutzt wird, stellen sie heute westlich
der Neuerburgstraße die letzten verbliebenen Reste des Wer-
kes dar. 1992 wurden die drei Hallen in die Denkmalschutzliste
der Stadt Köln aufgenommen.
Veränderungen seit 2000
Die städtebaulichen Maßnahmen der 2000er Jahre haben die
Einbindung der Hallen in das Stadtgefüge grundlegend verän-
dert: Durch den Bau des Kalk-Karrees entstand an der West-
HALLEN KALK 76/77 23
STÄDTEBAULICHE LAGE
Abb. 7: Funktionale und städtebauliche Ausrichtung der Halle 76 und 77 in
Kalk, 20232023
seite der Halle 77 und Teilen der Halle 76 eine Straßensituation.
Vor Halle 77 wurden Parkplätze angelegt. Auch verläuft ent-
lang der Westfassaden die Zufahrt zu einer Tiefgarage. Nörd-
lich davon orientiert sich die Westfassade zum neu angelegten
Ottmar-Pohl-Platz. Durch die fehlende Nutzung wird der Platz
wie auch die anliegende Straße wenig bis gar nicht bespielt
und bieten sehr wenig Aufenthaltsqualität.
Abb. 8: Bebauungsplan von 2001 [Quelle: https:/ /geoportal.stadt-koeln.de]
Anders verhält sich die Situation auf der Ostseite der Hallen.
Diese muss in Zukunft zusätzlich noch die funktionale Verbin-
dungen zwischen dem Ottmar-Pohl-Platz und den geplanten
und zum Teil bereits umgesetzten „Hallen Kalk“ übernehmen.
Ein reiner städtebaulicher Abschluss und eine bloße Funktion
als Gebäuderücken sind aufgrund der sich verändernden städ-
tebaulichen Umgebung der Hallen nicht mehr möglich.
Exkurs: Werkstattverfahren 2017
Nach dem 2017 durchgeführten Werkstattverfahren für die
„Hallen Kalk“ wurde ein strategischer Plan erarbeitet, der
Grundlage für den derzeit aufzustellenden Bebauungsplan
sein wird. Die Hallen 75, 76 und 77 wurden in diesem Rahmen
nicht genauer betrachtet, da bereits angedachte Nutzungen
als Status Quo angenommen wurden. Für die Halle 75 wurde
die Nutzung durch die Bühnen Köln und für die Hallen 76 und
77 durch das Museum Ludwig festgesetzt. In einer Machbar-
keitsstudie reagierte die Stadt Köln 2019 auf geänderte
Öffentliche
Grünfläche
2/3 Arbeiten
VI-VII
Freilufthalle
Pflanzstelle
Vision e.V.
Kita
Museum
Jugendeinrichtung
Gewerbe
1/3 Wohnen
VII-VIII
Abb. 9: Machbarkeitsstudie 2019 [Quelle: http:/ /www.hallen-kalk.de]
HALLEN KALK 76/7724
STÄDTEBAULICHE LAGE
HALLE 77
SIEVERSSTRAßE
HALLE 75
DILLENBURGER STRAßE
OTTMAR-POHL-PLATZ
NEUERBURGSTRAßE
KRANBAHN
KALK-KARREE
HALLE 76
HALLEN KALK 76/77 25
STÄDTEBAULICHE LAGE
HALLE 77
SIEVERSSTRAßE
HALLE 75
DILLENBURGER STRAßE
OTTMAR-POHL-PLATZ
NEUERBURGSTRAßE
KRANBAHN
KALK-KARREE
HALLE 76
Abb. 14: Lageplan 2023, gezeichnet IBH
HALLEN KALK 76/7726
STÄDTEBAULICHE LAGE
Kalk-Karrees um die Jahrtausendwende entstand eine Gas-
sensituation gegenüber der südlichen Westfassade, die eine
Hinterhofatmosphäre vermittelt, die dem Gebäude nicht ge-
recht wird. Die Halle 76 wirkt an dieser Stelle abgeschnitten.
Durch die fehlende Ausrichtung der Nutzungen zu diesem
Platz bzw. überhaupt der fehlenden Nutzung der Halle 76 ist
der Ottmar-Pohl-Platz ein unbelebter Platz ohne Charakter, so
dass bereits eine eigene Zusatzfunktion als Verkehrsübungs-
platz hinzugefügt wurde.
Die gesamte Westfassade der Halle 77 bildet im heutigen
Zustand die städtebauliche Begrenzung einer Straßenfassade
gegenüber des Kalk-Karrees aus, die durch die Zufahrtssitua-
tion über die Dillenburger Straße und der Garagenzufahrt zum
Kalk-Karree eine Hinterhofatmosphäre vermittelt, die dem
Gebäude nicht gerecht wird. Südlich der Halle 77, die im Laufe
der Werksgeschichte nie bis an die Dillenburger Straße heran-
reichte, wurde um die Jahrtausendwende ein Büroneubau
(Nutzung durch die Stadt Köln) errichtet, der keinen städte-
baulichen Bezug zur Halle 77 aufnimmt. Vermutlich wurde
dieses Gebäude in der Annahme erbaut, dass die Hallen auf
kurze Sicht abgerissen werden. Dafür spricht die baurechtlich
unzulässige Situation der fehlenden Brandwand zur Halle 77.
Abb. 11: Bewertung der heutigen städtebaulichen Einbindung der Halle 76
(links) und der Halle 77 (rechts)
Rahmenbedingungen, so dass der Siegerentwurf aus dem
Werkstattverfahren überarbeitet und angepasst wurde. Ob-
wohl die Hallen 75, 76 und 77 kein wesentlicher Bestandteil
des strategischen Plans sind, bedeutet diese Planung wegen
der unmittelbaren Nähe und der Bezugspunkte eine grund-
legende Änderung der städtebaulichen Funktionsweise beider
Hallen. Durch die geplante Aufwertung des Geländes östlich
der Neuerburgstraße ergibt sich ein entscheidender städte-
baulicher Bezugspunkt für eine mögliche Nutzung der Hallen
75, 76 und 77.
Abb. 10: Siegerentwurf des Werkstattverfahrens 2017 [Quelle: http:/ /www.
hallen-kalk.de]
Ausblick 202x (?)
Ein neuer Bebauungsplan für dieses Gebiet wird derzeit auf-
gestellt.
Fazit
Die heutige städtebauliche Situation der Hallen 75-77 ist sehr
indifferent und steht in deutlichem Gegensatz zu der bauzeit-
lich gedachten städtebaulichen Funktionsweise der Gebäude.
Der Ottmar-Pohl-Platz wird heute städtebaulich von dem
Kalk-Karee, dem Wohnquartier an der Sieverstraße und der
Westfassade der Halle 76 begrenzt. Mit der Errichtung des
Anlage 9, Auszug Stadtentwicklungsausschuss 05.12.2024
5565 Zeichen
Geschäftsführung Stadtentwicklungsausschuss Frau Hill-Schmidt Telefon: (0221) 32834 Fax: (0221) E-Mail: louise.hill-schmidt@stadt-koeln.de Datum: 06.12.2024 Auszug aus dem Beschlussprotokoll der 30. Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses vom 05.12.2024 öffentlich 6.3 Weiteres Vorgehen Hallen Kalk (Hallen 75-77) 2208/2024 6.3.1 Änderungsantrag der Fraktion DIE LINKE betreffend "Weiteres Vorge- hen Hallen Kalk (Hallen 75-77)" (Vorlage 2208/2024) AN/1673/2024 6.3.2 Gemeinsamer Änderungsantrag der Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen, CDU und VOLT betreffend "Weiteres Vorgehen Hallen Kalk (Hallen 75- 77)" AN/1707/2024 I Beschlussvorschlag: 1. Der Rat der Stadt Köln beauftragt die Verwaltung, eine*n Projektentwickler*in (Stif- tung, Gesellschaft, Einzelperson, Verein etc.) zu finden, die*der die Hallen 75 - 77 erwirbt (Verkauf oder Erbbaurecht) und einer stadtentwicklungspolitisch sinnvollen Nutzung zuführt 2. In einem ersten Schritt wird hierzu eine europaweite Markterkundung oder ein ver- gleichbares Verfahren durchgeführt, um zu ermitteln, welche Nutzungen zu wel- chen finanziellen Konditionen am Markt platziert werden können, um auf diese Weise ein erfolgreiches Vergabeverfahren zu ermöglichen. 3. Die Entscheidung über die Veräußerung (Verkauf oder Erbbaurecht) sowie die Nutzungsbindung trifft der Rat nach Vorberatung in der Bezirksvertretung Kalk, dem Stadtentwicklungsausschuss, dem Bauausschuss, dem Ausschuss Kunst und Kultur und dem Liegenschaftsausschuss. II Mündlicher Änderungsantrag der SPD-Fraktion: Beschluss: Der Stadtentwicklungsausschuss schließt sich der Beschlussfassung der Bezirksver- tretung Kalk vom 10.10.2024 an. Abstimmungsergebnis: Mehrheitlich gegen die Stimmen der SPD-Fraktion und der Fraktion DIE LINKE ab- gelehnt. II Änderungsantrag der Fraktion DIE LINKE betreffend "Weiteres Vorge- hen Hallen Kalk (Hallen 75-77)" (Vorlage 2208/2024) AN/1673/2024 Beschluss: 1. Der Rat der Stadt Köln beauftragt die Verwaltung, eine*n Projektentwickler*in (Stif- tung, Gesellschaft, Einzelperson, Verein etc.) zu finden, die*der die Hallen 75 - 77 in Erbpacht erwirbt (Verkauf oder Erbbaurecht) und einer stadtentwicklungspoli- tisch sinnvollen, insbesondere einer kulturellen, soziokulturellen oder sozialen Nutzung zuführt 2. In einem ersten Schritt wird hierzu eine europaweite Markterkundung oder ein ver- gleichbares Verfahren durchgeführt, um zu ermitteln, welche Nutzungen zu wel- chen finanziellen Konditionen am Markt platziert werden können, um auf diese Weise ein erfolgreiches Vergabeverfahren zu ermöglichen. 3. Die Entscheidung über die Veräußerung in Erbpacht (Verkauf oder Erbbaurecht) sowie die Nutzungsbindung trifft der Rat nach Vorberatung in der Bezirksvertre- tung Kalk, dem Stadtentwicklungsausschuss, dem Bauausschuss, dem Ausschuss Kunst und Kultur und dem Liegenschaftsausschuss. 4. Die Ergebnisse der Bauzustandsuntersuchung bestätigen den seit langem bekannten dringenden Handlungsbedarf. Die HIG Ingenieurgesellschaft empfiehlt als nutzungsunabhängige Siche- rungsmaßnahme die Ausführung einer sogenannten Bricolage, bei der die einsturzgefährdete Gebäudehülle kontrolliert zurückgebaut und die statische Standsicherheit des Haupttragwerks wiederhergestellt wird. Der Aufbau der Gebäudehülle orientiert sich an vergangenen und bestehenden Bauphasen und gliedert neue Bauelemente in diese historische Interpretation ein. Diese Sicherungsmaßnahmen werden unverzüglich umgesetzt. Der Rückbau der Hallen stellt keine Handlungsoption dar. (Änderungen sind im Text durch Streichung und Fettdruck markiert.) Abstimmungsergebnis: Mehrheitlich gegen die Stimmen der SPD-Fraktion und der Fraktion DIE LINKE ab- gelehnt. III Gemeinsamer Änderungsantrag der Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen, CDU und VOLT betreffend "Weiteres Vorgehen Hallen Kalk (Hallen 75- 77)" AN/1707/2024 Beschluss: Der Stadtentwicklungsausschluss und der Ausschuss für Kunst und Kultur beschlie- ßen ergänzend: Der „Peter und Irene Ludwig Stiftung“ werden zeitnah Alternativen für ihre Nutzungs- rechte der Halle 76 vorgestellt und in Umsetzung gebracht. Abstimmungsergebnis: Einstimmig bei Enthaltung der SPD-Fraktion und der Fraktion DIE LINKE zuge- stimmt. IV Beschluss über die so geänderte Beschlussvorlage: Der Stadtentwicklungausschuss empfiehlt dem Rat folgende Beschlussfassung (Er- gänzungen fett): 1. Der Rat der Stadt Köln beauftragt die Verwaltung, eine*n Projektentwickler*in (Stif- tung, Gesellschaft, Einzelperson, Verein etc.) zu finden, die*der die Hallen 75 - 77 erwirbt (Verkauf oder Erbbaurecht) und einer stadtentwicklungspolitisch sinnvollen Nutzung zuführt 2. In einem ersten Schritt wird hierzu eine europaweite Markterkundung oder ein ver- gleichbares Verfahren durchgeführt, um zu ermitteln, welche Nutzungen zu wel- chen finanziellen Konditionen am Markt platziert werden können, um auf diese Weise ein erfolgreiches Vergabeverfahren zu ermöglichen. 3. Die Entscheidung über die Veräußerung (Verkauf oder Erbbaurecht) sowie die Nutzungsbindung trifft der Rat nach Vorberatung in der Bezirksvertretung Kalk, dem Stadtentwicklungsausschuss, dem Bauausschuss, dem Ausschuss Kunst und Kultur und dem Liegenschaftsausschuss. Der „Peter und Irene Ludwig Stiftung“ werden zeitnah Alternativen für ihre Nut- zungsrechte der Halle 76 vorgestellt und in Umsetzung gebracht. Abstimmung: Mehrheitlich gegen die Stimmen der Fraktion DIE LINKE, bei Enthaltung der SPD- Fraktion empfohlen.
Anlage 3 Auszug aus dem Beschlussprotokoll der BV Kalk vom 10.10.2024 zu TOP 8.2.4
3907 Zeichen
Geschäftsführung Bezirksvertretung 8 (Kalk) Frau Brecher Telefon: (0221) 221 98313 Fax: (0221) 221 98347 E-Mail: corinna.brecher@stadt- koeln.de Datum: 11.10.2024 Auszug aus dem Beschlussprotokoll der 27. Sitzung der Bezirksvertretung Kalk vom 10.10.2024 öffentlich 8.2.4 Weiteres Vorgehen Hallen Kalk (Hallen 75-77) 2208/2024 Änderungsantrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zur Beschluss- vorlage 2208/2024: "Kulturhallen bewahren - Gegen Verfall und Abriss" AN/1372/2024 Bezirksbürgermeisterin Greven-Thürmer lässt zunächst über den Änderungsantrag der Frak- tion Bündnis 90/Die Grünen abstimmen: Beschluss I: 1. Die Kulturhallen 75, 76 und 77 verbleiben im Besitz der Stadt Köln. 2. Die Kulturhallen 75, 75 und 77 werden vollständig rekonstruiert und saniert. 3. Die Kulturhallen 75, 76 und 77 werden einer kulturellen Nutzung zugeführt. Abstimmung: Mehrheitlich gegen die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und Bezirksvertreter Badorf (Fraktion Die LINKE.) abgelehnt. Bezirksbürgermeisterin Greven-Thürmer lässt über den mündlich vorgetragenen Änderungs- antrag der SPD-Fraktion abstimmen: Beschluss II: Die Bezirksvertretung Kalk empfiehlt dem Rat, wie folgt zu beschließen: 1. Der Rat der Stadt Köln beauftragt die Verwaltung, eine*n Projektentwickler*in (Stiftung, Ge- sellschaft, Einzelperson, Verein etc.) zu finden, die*der die Hallen 75 – 77 in Erbbaurecht er- wirbt (Verkauf oder Erbbaurecht) und einer stadtentwicklungspolitisch sinnvollen, insbeson- dere einer kulturellen, soziokulturellen oder sozialen, Nutzung zuführt 2. In einem ersten Schritt wird hierzu eine europaweite Markterkundung oder ein vergleichba- res Verfahren bis Ende 2025 durchgeführt, um zu ermitteln, welche Nutzungen zu welchen fi- nanziellen Konditionen am Markt platziert werden können, um auf diese Weise ein erfolgrei- ches Vergabeverfahren zu ermöglichen. 3. Die Entscheidung über die Veräußerung in Erbbaurecht (Verkauf oder Erbbaurecht) sowie die Nutzungsbindung trifft der Rat nach Vorberatung in der Bezirksvertretung Kalk, dem Stadt- entwicklungsausschuss, dem Bauausschuss, dem Ausschuss Kunst und Kultur und dem Lie- genschaftsausschuss. 4. Für die möglicherweise erfolglose Markterkundung wird die Verwaltung bis Ende 2024 ein Verfahren darstellen. Abstimmung: Mehrheitlich gegen die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und Bezirksvertreter Badorf (Fraktion Die LINKE.) zugestimmt. Bezirksbürgermeisterin Greven-Thürmer lässt über die so geänderte Beschlussvorlage ab- stimmen: Beschluss III: Die Bezirksvertretung Kalk empfiehlt dem Rat, folgenden geänderten Beschluss zu fassen: 1. Der Rat der Stadt Köln beauftragt die Verwaltung, eine*n Projektentwickler*in (Stiftung, Ge- sellschaft, Einzelperson, Verein etc.) zu finden, die*der die Hallen 75 – 77 in Erbbaurecht er- wirbt (Verkauf oder Erbbaurecht) und einer stadtentwicklungspolitisch sinnvollen, insbeson- dere einer kulturellen, soziokulturellen oder sozialen, Nutzung zuführt 2. In einem ersten Schritt wird hierzu eine europaweite Markterkundung oder ein vergleichba- res Verfahren bis Ende 2025 durchgeführt, um zu ermitteln, welche Nutzungen zu welchen fi- nanziellen Konditionen am Markt platziert werden können, um auf diese Weise ein erfolgrei- ches Vergabeverfahren zu ermöglichen. 3. Die Entscheidung über die Veräußerung in Erbbaurecht (Verkauf oder Erbbaurecht) sowie die Nutzungsbindung trifft der Rat nach Vorberatung in der Bezirksvertretung Kalk, dem Stadt- entwicklungsausschuss, dem Bauausschuss, dem Ausschuss Kunst und Kultur und dem Lie- genschaftsausschuss. 4. Für die möglicherweise erfolglose Markterkundung wird die Verwaltung bis Ende 2024 ein Verfahren darstellen. Abstimmungsergebnis: Mehrheitlich gegen die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Bezirksvertreter Badorf (Fraktion Die LINKE.) und Bezirksvertreter von Kruedener (Die PARTEI) zugestimmt.
Beratungsverlauf (6)
Beschluss: geändert beschlossen
Zur SitzungBeschluss: ohne Votum behandelt
Zur SitzungBeschluss: ungeändert empfohlen
Zur SitzungBeschluss: geändert beschlossen
Zur SitzungBeschluss: mit Änderungen empfohlen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 2208/2024
- Typ
- Beschlussvorlage Rat bzw. Hauptausschuss
- Datum
- 04.12.2024
- Erstellt
- 16.07.2024 07:59