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Köln Katalog – Typologien für kompakte, nachhaltige und lebenswerte Quartiere

Beschlussvorlage Rat bzw. Hauptausschuss 3068/2022 vom 17.01.2023

Stand: Am 23.03.2023 im Rat ungeändert beschlossen.

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    Dezernat, Dienststelle IX/15 Vorlagen-Nummer 3068/2022 Freigabedatum 17.01.2023 Beschlussvorlage zur Behandlung in öffentlicher Sitzung Betreff Köln Katalog – Typologien für kompakte, nachhaltige und lebenswerte Quartiere Beschlussorgan Rat Gremium Datum Beschluss: Der Rat der Stadt Köln (1) beschließt den Köln-Katalog – Typologien für kompakte, nachhaltige und lebenswerte Quartiere als städtebauliches Entwicklungskonzept nach § 1 Abs. 6 Nr.11 Baugesetzbuch. (2) beauftragt die Verwaltung, den Köln-Katalog bei allen zukünftigen bebauungsplanrelevanten Vorhaben als städtebauliches Entwicklungskonzept zu berücksichtigen. Stadtentwicklungsausschuss 02.02.2023 Unterausschuss Wohnen 27.02.2023 Ausschuss Klima, Umwelt und Grün 09.03.2023 Rat 23.03.2023 2 Haushaltsmäßige Auswirkungen Nein Auswirkungen auf den Klimaschutz Nein Ja, positiv (Erläuterung siehe Begründung) Ja, negativ (Erläuterung siehe Begründung) Begründung: Hintergrund: Als Schlüsselprojekt der Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“, die am 14. Dezember 2021 als Kompass für die zukunftsgerichtete, strategische und nachhaltige Stadtentwicklung Kölns beschlossen wurde, vertieft und konkretisiert der Köln-Katalog deren Leitsätze und Ziele. Dabei widmet sich der Köln- Katalog einer der wesentlichen Herausforderungen der Stadt Köln: der nachhaltigen Siedlungsflächen- entwicklung. Die Auswirkungen des Stadtwachstums stellen den Kölner Wohnungsmarkt jetzt und auch in den nächsten Jahrzehnten vor große Aufgaben. Die hohe Nachfrage an Wohnraum ist trotz derzeit rückläufiger Bevölkerungszahlen ungebrochen und kann im Bestand nicht gedeckt werden. Gleichzeitig verfügt Köln nur noch über wenige Flächenpotenziale für den Wohnungsbau. Daher gilt es, mit den vor- handenen Flächenpotenzialen sparsam umzugehen, flächensparende Wohnformen zu realisieren und nachhaltig zu wachsen. Inhalte: Inhaltlich orientiert sich der Köln-Katalog insbesondere am 1. Leitsatz der Stadtstrategie „Köln sorgt für kompakte und lebenswerte Quartiere”, der Handlungsempfehlung 2 „Innere Werte” zum verantwortungs- vollen Umgang mit den begrenzten Flächenpotenzialen sowie der Zielkarte „Wohnen: Realisierung von gemischten, lebendigen und gut angebundenen Quartieren“. Letztere zoniert die Siedlungsfläche Kölns in drei Dichtekategorien, für die jeweils eine Quartiersdichte als Ziel empfohlen wird. Demnach wird für die Innenstadt sowie ausgewählte Versorgungszentren der Inneren Stadt eine Quartiersdichte von höher als 1,5, für die Innere Stadt sowie ausgewählte Versorgungszentren der Äußeren Stadt eine Quartiers- dichte höher als 1,2 und für die Äußere Stadt höher als 0,8 festgesetzt. Der Köln-Katalog übersetzt und verbildlicht diese abstrakten Zieldichten. Über eine Bestandsanalyse, die Auswertung von Best-Practice-Beispielen und die Entwicklung von 11 Strategien für eine qualitätvolle Dichte wurden sechs Quartierstypologien als Prototypen für neue Kölner Quartiere entwickelt. Die sechs Quartierstypologien bilden den Kern des Köln-Kataloges und zeigen anschaulich, wie kompakte, nach- haltige und lebenswerte Quartiere für die drei Dichtekategorien der Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ zukünftig aussehen können. An exemplarischen Anwendungsbeispielen werden die Quartiersty- pologien in einem konkreten Kölner Kontext überprüft Der Köln-Katalog baut auf den Flächenvorgaben des Kooperativen Baulandmodells auf. Konkret werden im Köln-Katalog Quartierstypologien entwickelt, die den Zieldichten der Stadtstrategie „Kölner Perspekti- ven 2030+“ entsprechen und gleichzeitig die Grün- und Spielflächenbedarfe gem. KoopBLM aufweisen. Die Orientierungswerte für die Bestimmung des Maßes der baulichen Nutzung gemäß § 17 BauNVO werden berücksichtigt, da die Ziele der Stadtstrategie - gut angebundene, gemischte und kompakte Quartiere zu entwickeln – die Art der baulichen Nutzung beeinflussen soll. Dies kann insbesondere in der Äußeren Stadt eine Abweichung von der bisheriger Praxis bedeuten, da einige Arten der baulichen Nutzung die Ansprüche an eine stärkere Nutzungsmischung und kompaktere Quartiere nicht abbilden können. Strategisches Ziel ist es, kompakte und somit flächensparende Quartiere, die sozial und funktional durchmischt sind, das Prinzip der kurzen Wege verfolgen, ausreichend Grünflächen aufweisen und nachhaltig sind, in Köln zu realisieren. Anwendung: Als städtebauliches Entwicklungskonzept (§ 1 Abs. 6 Nr. 11 BauGB) wird der Köln-Katalog zukünftig bei 3 bebauungsplanrelevanten Vorhaben berücksichtigt, dies erfolgt unter dem Aspekt der Abwägung im Abgleich mit anderen Belangen (§ 1 Abs. 7 BauGB). So entfaltet der Köln-Katalog eine steuernde Wir- kung innerhalb und außerhalb der Verwaltung. Ziel ist es, die Quartiersdichten der Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ in den neuen Quartieren zu erreichen. Ausblick: Für die verwaltungsinterne Anwendung wird auf Basis des Köln-Katalogs eine Handreichung erstellt, die die Anwendungsbereiche und Anwendungsmöglichkeiten konkretisiert. Zudem prüft die Verwaltung, in- wieweit der Köln-Katalog bei bereits laufenden Bebauungsplanverfahren noch berücksichtigt werden kann. Für die quantitative und qualitative Evaluation der Wirkung des Köln-Katalogs ist eine Verschneidung mit dem Wohnungsbauprogramm vorgesehen. Positive Auswirkungen auf den Klimaschutz: Der Köln-Katalog soll dazu beitragen, neue Quartiere flächensparender zu entwickeln und somit auch der Versiegelung von Flächen entgegenwirken. Gleichzeitig sind im Köln-Katalog Qualitäten für kompak- te Quartiere hinterlegt, die auf strategischer Ebene die Verankerung von Maßnahmen für den Klima- schutz und die Klimawandelanpassung von Anfang an in den Quartiersentwicklungen vorsehen. Finanzierung: Der Beschluss verursacht keine unmittelbaren zusätzlichen haushaltsmäßigen Auswirkungen. Die Be- rücksichtigung des Köln-Kataloges als städtebauliches Entwicklungskonzept erfolgt im Rahmen der Bau- leitplanverfahren. Anlagen: Anlage 1_Köln Katalog_20221115 (digital) Die Anlage dieser Beschlussvorlage wird aus Gründen der Ressourcenschonung nur digital im Ratsin- formationssystem bereitgestellt.
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    Köln-Katalog Typologien für kompakte, nachhaltige und lebenswerte Quartiere Köln-Katalog Typologien für kompakte, nachhaltige und lebenswerte Quartiere 4 Sehr geehrte Leserinnen und Leser, Die Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ hat mit dem Leitsatz 1 „Köln sorgt für kompakte und lebenswerte Quartiere“ und dem damit verbundenen Ziel 1.2 „Köln geht sorgsam mit der knappen Ressource Fläche um“ eine starke Zielvorgabe und eine klare Richtung zur Reduzierung des Flächenverbrauchs vorgegeben. Denn die Anforderungen an die Kölner Flächen werden immer differenzierter und viel- fältiger. Insbesondere der spürbare Klimawandel mahnt uns genau zu überlegen und klug zu entscheiden, wie wir mit den wenigen vorhandenen Flächenpotenzialen umgehen und wie wir sie zukunftsgerichtet nutzen. Doch wie erreichen wir dieses ambitionierte Ziel? Mit dem Köln-Katalog – Typologien für kompakte, nachhaltige und lebenswerte Quartiere verfügt die Stadt über ein ambitioniertes Ins- trument mehr bauliche Dichte, insbesondere in der Äußeren Stadt, zu ermöglichen. Wenn wir weniger Flächen in Anspruch nehmen und eine dauerhaft lebenswerte Stadt erhalten wollen, dann müssen wir Dichte und Lebensqualität als sich kreativ ergänzende Anliegen ver- stehen. Denn eine neue urbane Qualität der Stadt setzt voraus, dass baulich verdichtete Stadtquartiere gebaut werden, die von vielfälti- ger Mischung zeugen, unterschiedliche Nutzungen auf begrenztem Raum ermöglichen und kurze Wege innerhalb eines Stadtquartiers bieten. Vorwort 5 Es bedarf guter Vorgaben, um sowohl Chancen als auch Risiken in den Blick zu nehmen. Diese Vorgaben zeigt der Köln-Katalog, indem er elf Strategien für qualitätvolle Dichte aufzeigt und diese in sechs anschauliche Quartierstypologien für Köln übersetzt. Referenzpro- jekte und exemplarische Anwendungsbeispiele auf Kölner Flächen zeigen, dass eine dichte Bebauung nicht gleichzusetzen ist mit Groß- wohnsiedlungen und Hochhäusern. Bauliche Dichte erzeugt Nach- barschaft, Versorgung und Vernetzung. Kompakte und gemischte Quartiere tragen dazu bei, dass Supermärkte, Cafés, Pflegeangebo- te, Begegnungsorte und der öffent liche Personennahverkehr optimal funktionieren können. Der Köln-Katalog – Typologien für kompakte, nachhaltige und le- benswerte Quartiere ist ein Instrument, das durch die gute fachliche, konstruktive und dezernatsübergreifende Zusammenarbeit entstan- den ist. Für diese Zusammenarbeitet bedanke ich mich herzlich bei allen, die dazu beigetragen haben. Ihr Andree Haack Beigeordneter für Stadtentwicklung, Wirtschaft, Digitalisierung und Regionales Köln, September 2022 6 Inhaltlicher Einstieg Im Mai 2021 stellten uns Expert*innen aus Architektur und Städtebau beim Fachsymposium „Gebäudetypologien des Wohnens für kompakte und lebenswerte Quartiere“ ihre gelungenen Beispiele für verschiedene Wohnquartiere aus dem In- und Ausland vor. Diese Impulsbeispiele beschäftigten sich im Schwerpunkt mit dem gemeinschaftlichen Zusammenleben unter der Prä- misse wenig Fläche in Anspruch zu nehmen. Und sie gaben Antworten auf die Fragen: Was müssen flächenschonende Quartiere leisten? Die Erfahrungen und Auswirkungen der Corona-Pandemie der vergangenen Jahre haben uns deutlich gemacht, wie wichtig unsere Quartiere als Eckpfeiler einer robusten Stadt sind. Die gemischten Quartiere mit ihren gut erreichbaren, dezentralen Angeboten der Nahversorgung und sozialen Infrastruktur, den Plät- zen, Parks und Gärten sind Dreh- und Angelpunkte für lebendige Nachbarschaften. Doch nicht alle Kölner Veedel sind dahingehend gleichermaßen gut ausgestattet. Im Sinne des nachhaltigen Wach- sens müssen wir gerade in der Quartiersentwicklungen ganzheit- liche Qualitätsstandards entwickeln und neue Ansprüche z. B. an den Klimaschutz von Anfang an mitdenken. 7 Inhaltlicher Einstieg Die Revitalisierung und Realisierung des Prinzips der „Stadt der kurzen Wege“ , das neben der Nutzungsmischung mit flexiblen und gemeinschaftlichen Räumen und flächensparenden Bauweisen auch hochwertige öffentliche Frei- und Grünräume sowie gut erreichbare soziale Angebote wie Schulen, Kitas, Pflege und Begegnungsorte beinhaltet, bildet den Rahmen für zukunftsorientierte, resiliente und nachhaltige Quartiere. Ich freue mich daher, dass wir mit dem Köln-Katalog – Typologien für kompakte, nachhaltige und lebenswerte Quartiere nun ein ent- sprechendes Instrument für die Kölner Stadtentwicklung erarbeitet haben. Dieses ambitionierte Konzept kann entscheidend dazu bei- tragen, die Quartiere weiterzuentwickeln und dabei hohe Qualitäts- ansprüche zu definieren. Ihre Brigitte Scholz Leiterin des Amtes für Stadtentwicklung und Statistik Köln, September 2022 8 Zusammenfassung Der Köln-Katalog Der Köln-Katalog widmet sich einer der wesentlichen Herausfor- derungen der Stadt Köln: der nachhaltigen Siedlungsflächenent- wicklung. Die Auswirkungen des Stadtwachstums stellen den Kölner Wohnungsmarkt trotz rückläufiger Bevölkerungszahlen jetzt und auch in den nächsten Jahrzehnten vor große Aufgaben. Die hohe Nachfrage nach Wohnraum ist ungebrochen und kann im Bestand nicht gedeckt werden. Gleichzeitig verfügt Köln nur noch über weni- ge Flächenpotenziale für den Wohnungsbau. Daher gilt es, mit den vorhandenen Flächenpotenzialen sparsam umzugehen, flächenspa- rende Wohnformen zu realisieren und nachhaltig zu wachsen. Der Köln-Katalog zeigt wie kompakte und somit flächensparende Quartiere, die sozial und funktional durchmischt sind, das Prinzip der kurzen Wege verfolgen, ausreichend Grünflächen aufweisen und nachhaltig sind, in Köln entwickelt werden können. Als Schlüssel- projekt der Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ vertieft und konkretisiert der Köln-Katalog deren Leitsätze und Ziele. Er entwi- ckelt anschauliche und flächensparende Quartierstypologien für die Zieldichten, die in der Stadtstrategie für neue Quartiere vorgesehen sind. Als städtebauliches Entwicklungskonzept (§ 1 Abs. 6 Nr. 11 BauGB) wird der Köln-Katalog zukünftig bei bebauungsplanrelevanten Vor- haben berücksichtigt, dies erfolgt unter dem Aspekt der Abwägung im Abgleich mit anderen Belangen (§ 1 Abs. 7 BauGB). So entfaltet der Köln-Katalog eine steuernde Wirkung innerhalb und außerhalb der Verwaltung. 9 Die Köln-DNA: Analyse Die Analyse des Kölner Wohngebäudebestandes zeigt charakteris- tische Stadtstrukturen, identifiziert prägende Gebäude- und Sied- lungstypologien und untersucht diese an exemplarischen Stadtaus- schnitten näher. Übergeordnete Analyseerkenntnisse sind: › Die verschiedenen Gebäude- und Siedlungstypologien variieren in ihrer baulichen Dichte und Qualität teils deutlich. › Bauliche Dichte und Nutzungsmischung nehmen zum Stadtrand hin deutlich ab. Dort sind häufig wenig kompakte Typologien wie Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser vertreten und die Ziel- dichten der Stadtstrategie werden meist nicht erreicht. › Erschließungs- und Verkehrsflächen nehmen verhältnismäßig große Flächenanteile ein. Insbesondere in der Äußeren Stadt ist die Realisierung des Prinzips der „Stadt der kurzen Wege“ ein da- her Schlüssel, um diese Flächen zu reduzieren. › Neue Quartiersentwicklungen in der Inneren Stadt und Innenstadt werden teils mit sehr hohen Dichten realisiert, auch eine besonde- re Höhenentwicklung ist zu beobachten. › Die drei Bereiche der Stadt (Äußere Stadt, Innere Stadt und In- nenstadt) sind durch individuelle Herausforderungen geprägt. Entsprechend sind auch individuelle Herangehensweisen und Quartierstypologien notwendig, um die jeweiligen Zieldichten der Stadtstrategie auf qualitätvolle Weise erreichen zu können. 10 Zusammenfassung 11 Strategien für eine qualitätvolle Dichte Der Köln-Katalog zeigt 11 Strategien für eine qualitätvolle Dichte. Diese beschreiben einzelne Stellschrauben, die eine kompakte Bau- weise und gleichzeitig lebenswerte Quartiere fördern. Die Strategien für qualitätvolle Dichte sind nach vier Themenschwerpunkten ge- gliedert. Vertikale Dichte: Klein und Groß Maßstabshybrid Lageorientierte Entwicklung Grüne Vielfalt: Nutzbare Dachflächen Grüne Erschließung Multifunktionale Freiräume Nutzungsvielfalt: Nutzungsmischung und Nutzungsoffenheit Stadt stapeln Infrastrukturen teilen Horizontale Dichte: Tiefe Gebäude Überlagernde Abstandsflächen 11 Gruppen bilden Blöcke ausdifferenzieren Vertikale entwickeln Kontraste suchen Raumfolgen setzen Baufelder durchmischen 6 Quartierstypologien Quartierstypologien für die Äußere Stadt: Quartierstypologien für die Innere Stadt*: Quartierstypologie für die Innenstadt*: Die sechs Quartierstypologien bilden den Kern des Köln-Kataloges und zei- gen anschaulich und exemplarisch, wie kompakte, nachhaltige und lebenswerte Quartiere für die drei Zieldichten zukünf- tig aussehen können. Jede der Quartiers- typologien entsteht durch eine indivi- duelle Kombination der 11 Strategien und geht zusätzlich auf die speziellen Anforderungen des Bereiches der Stadt ein. Die Quartierstypologien werden an Anwendungsbeispielen überprüft, die veranschaulichen, wie sich die Ziel- dichten der Stadtstrategie städtebaulich und strukturell konkret vor Ort abbilden lassen. * sowie ausgewählte Versorgungszentren der Äußeren Stadt beziehungsweise Inneren Stadt (siehe Seite 22). 12 Inhaltsverzeichnis Vorwort 4 Inhaltlicher Einstieg 6 Zusammenfassung 8 Kapitel I Einleitung – Der Köln-Katalog 15 Der Köln-Katalog – ein Schlüsselprojekt der „Kölner Perspektiven 2030+“ 16 Ein Glossar für den Köln-Katalog 22 Kapitel II Die Köln-DNA Eine Bestandsanalyse 25 Kölner Charakteristika, Gebäude- und Siedlungstypologien 26 Dichteanalyse der Stadtausschnitte 32 Dichteanalyse aktueller Kölner Großprojekte 48 Erkenntnisse aus der räumlichen Analyse 51 Äußere Stadt 52 Innere Stadt 54 Innenstadt 56 Kapitel III 11 Strategien für qualitätvolle Dichte 59 Vertikale Dichte 62 Horizontale Dichte 63 Grüne Vielfalt 64 Nutzungsvielfalt 65 13 Kapitel IV 6 Quartierstypologien für Köln 67 Typologie 1 – Gruppen bilden 72 Referenzprojekte 74 Anwendung 76 Typologie 2 – Kontraste suchen 80 Referenzprojekte 82 Anwendung 84 Typologie 3 – Baufelder durchmischen 88 Referenzprojekte 90 Anwendung 92 Typologie 4 – Blöcke ausdifferenzieren 96 Referenzprojekte 98 Anwendung 100 Typologie 5 – Raumfolgen setzen 104 Referenzprojekte 106 Anwendung 108 Typologie 6 – Vertikale entwickeln 112 Referenzprojekte 114 Anwendung 116 Kapitel V Implementierung und Anwendung 121 Verhältnis zwischen Quartiersdichte und Geschossflächenzahl 122 Steuerung, Kommunikation und konkrete Empfehlungen 124 Impressum / Kontakt 128 14 15 Kapitel I Einleitung – Der Köln-Katalog Der Köln-Katalog ist ein Schlüsselprojekt der Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ und soll zukünftig als Handlungsleitfaden für die Entwicklung von kompakten, nachhaltigen und lebenswerten Quartieren dienen. In diesem ersten Kapitel erfolgt eine Einordnung des Köln-Kataloges und die Beantwortung der Fragen: Welchen Anlass gibt es für die Erstellung des Köln-Kataloges? Wie stellt sich die Ausgangssituation in Köln dar? Welche strategischen Zielsetzungen werden mit dem Köln-Katalog verfolgt? Und bei welchen Vorhaben soll der Köln-Ka- talog Anwendung finden? Zudem werden die Inhalte, die aus der Stadtstrategie aufgegriffen und vertieft werden, weitere Rahmenbedingungen für den Köln-Kata- log sowie dessen Erarbeitungsprozess, Aufbau und relevante Begrif- fe erläutert. 16 Einleitung Der Köln-Katalog – ein Schlüsselprojekt der „Kölner Perspektiven 2030+“ Anlass und Ausgangssituation Mit der Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ hat die Stadt Köln ihren Kompass für eine zukunftsgerichtete, strategische und nachhaltige Stadtentwicklung definiert. Diese gilt es nun, für die verschiedenen The- menfelder der Stadt weiterzuentwickeln, zu konkretisieren und zu operationalisieren, d. h. bezogen auf konkrete Orte und Prozesse an- wendbar zu machen. Eine wesentliche Herausforderung ist das Stadtwachstum Kölns. Die derzeitige Bevöl- kerungsprognose geht von einem Bevölke- rungszuwachs von insgesamt 70.000 neuen Einwohner*innen bis 2040 aus. Das bedeu- tet zunehmende Bedarfe für Wohnen, sozia- le Infrastruktur, Verkehr und Gewerbe, also insgesamt eine Zunahme der Siedlungs- fläche. Dem gegenüber stehen begrenzte Flächenpotenziale für die Siedlungsentwick- lung (vgl. Stadtstrategie, Zielkarte Wohnen). Gleichzeitig werden immer noch flächen- intensive Wohnformen, insbesondere in der Äußeren Stadt (Definition siehe Seite 18), re- alisiert. Ebenso steigt die durchschnittliche Wohnfläche je Person (m²) in Köln weiter. Zwischen 2015 und 2021 lag der Zuwachs bei 1,7 % (Quelle: Stadt Köln, Auswertung der Bautätigkeitsstatistik 2021). Aufgrund der nach wie vor hohen Flächen- inanspruchnahme hat sich die Bundesre- gierung im Rahmen der Deutschen Nach- haltigkeitsstrategie zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2030 die Neuinanspruchnahme von Flächen für Siedlungen und Verkehr auf unter 30 Hektar pro Tag zu verringern. Die neue NRW-Landesregierung hat sich darauf verständigt, einen angemessenen Beitrag zur Erreichung des Bundesziels zu leisten. Aufgrund der bereits bestehenden Flächen- knappheit und der steigenden Ansprüche ist es für die Stadt Köln notwendig, mit den knappen Flächenressourcen sparsam um- zugehen und Wohnformen zu realisieren, die eine adäquate bauliche Dichte aufweisen. Weiterhin ist auch der Grundsatz „Innen- vor Außenentwicklung“ zu berücksichtigen, dem sich die Stadt verpflichtet hat. Kompakte und somit flächensparende Quar- tiere, die sozial und funktional durchmischt sind, das Prinzip der kurzen Wege verfolgen, ausreichend Grünflächen aufweisen und nachhaltig sind, sehen auch die Leitsätze und Ziele der Stadtstrategie „Kölner Pers- pektiven 2030+“ vor. Als Schlüsselprojekt der Stadtstrategie vertieft und konkretisiert der Köln-Katalog diese Zielsetzungen, da- mit zukünftig kompakte, nachhaltige und lebenswerte Quartiere entwickelt werden können. Übersichtskarte Dichtekategorien Empfehlungen für Zieldichten Äußere Stadt, Quartiersdichte höher als 0,8 Innere Stadt und ausgewählte Versorgungszentren der Äußeren Stadt, Quartiersdichte höher als 1,2 Innenstadt und ausgewählte Versorgungszentren der Inneren Stadt, Quartiersdichte höher als 1,5 Von der Stadtstrategie zum Köln-Katalog Die Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ wurde am 14. Dezember 2021 als Kompass für die zukunftsgerichtete, strate- gische und nachhaltige Stadtentwicklung beschlossen. Sie thematisiert die vielschich- tigen Herausforderungen, mit denen sich Köln in den nächsten Jahrzehnten ausei- nandersetzen muss und stellt heraus, wo die Akteur*innen aus Politik, Verwaltung und Stadtgesellschaft ihre Kräfte bündeln müssen. Dazu gehören vor allem der demo- graphische Wandel, der Klimawandel, die Mobilitäts-wende sowie der angespannte Wohnungsmarkt. Die wesentlichen Steuerungselemente sind das Zielgerüst der „360-Grad-Perspektive” , die fünf Zielkarten der „Stadträumlichen Perspektive” sowie die Vorschläge für 10 Handlungsempfehlungen, aus denen jähr- lich Schlüsselprojekte wie der Köln-Katalog abgeleitet werden. Inhaltlich orientiert sich der Köln-Katalog insbesondere am 1. Leitsatz der Stadtstrate- gie „Köln sorgt für kompakte und lebenswer- te Quartiere” und der Handlungsempfehlung 2 „Innere Werte” zum verantwortungsvollen Umgang mit den begrenzten Flächenpoten- zialen. Bezogen auf zukünftige Wohnungs- bauentwicklungen bedeutet dies: Dichte Quartiere, die sozial und funktional durch- mischt sind, dem Prinzip der kurzen Wege entsprechen und ausreichend Grünflächen aufweisen sowie ökologisch nachhaltig sind. Die Zielkarte „Wohnen: Realisierung von gemischten, lebendigen und gut angebun- denen Quartieren“ der Stadtstrategie zoniert die Siedlungsfläche Kölns in drei Dichteka- tegorien. Für jede der Kategorien wird eine Zieldichte für Quartiere (Quartiersdichte) empfohlen, die zukünftigen baulichen Ent- wicklungen als Richtwert dienen soll. Eben- falls werden zentrale Qualitäten und der Mehrwert höherer Dichten benannt. 17 18 Einleitung Zieldefinition für den Köln-Katalog Die Ziele des Köln-Kataloges sind: › Die abstrakten Zieldichten aus der Stadt- strategie „Kölner Perspektiven 2030+“ in konkrete städtebauliche Quartierstypo- logien zu übersetzen, › Kompakte und flächenschonende Bau- weisen für Quartiere mit hohen ökologi- schen und sozialen Standards aufzuzei- gen, › Langfristig eine effiziente und nachhalti- ge Flächennutzung zu ermöglichen, › Mit guten Beispielen und bildhaften Vor- schlägen Qualitäten und Potentiale hö- herer städtebaulicher Dichten zu veran- schaulichen und dadurch zu einem Abbau der „Bedenken gegenüber Verdichtung“ in der Öffentlichkeit beizutragen, › Neue Wohnformen und flexible Raum- angebote als Chance zur individuellen Wohnflächenreduzierung und Flächenmi- nimierung einzubeziehen, › Quartierstypologien zu entwickeln, die klare Leitplanken für Entwicklungsvor- haben setzen und gleichzeitig viel Flexi- bilität für die Anwendung im konkreten städtischen Kontext bieten, › Als städtebauliches Entwicklungskonzept (§ 1 Abs. 6 Nr.11 BauGB) soll der Köln-Ka- talog zukünftig bei bebauungsplanrele- vanten Vorhaben berücksichtigt zu wer- den, unter dem Aspekt der Abwägung im Abgleich mit anderen Belangen (§ 1 Abs. 7 BauGB). So kann er eine steuernde Wir- kung entfalten sowie einen transparenten und berechenbaren Rahmen für zukünfti- ge Projektentwicklungen darstellen. Grundsätzlich soll der Köln-Katalog dazu beitragen, eine adäquate Dichte in Neubau- quartieren umzusetzen. Dabei berücksich- tigt er bestehende Konzepte und Vorgaben der Stadt Köln — neben der Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ insbesondere das Kooperative Baulandmodell. Der Köln- Katalog zeigt auf, wie qualitätvolle Dichte in Quartieren aussehen kann und welche Stellschrauben dafür notwendig sind, um schließlich als städtebauliches Entwick- lungskonzept in bebauungsplanrelevanten Vorhaben berücksichtigt zu werden. Er ist damit keine klassische Nachverdichtungs- strategie. Die grundsätzliche Flächenkonkurrenz unterschiedlicher städtischer Funktionen wie Wohnen, Gewerbe, einer qualitativen und quantitativen Weiterentwicklung der Grün- und Freiräume sowie der (Mobilitäts-) Infrastruktur kann auch der Köln-Katalog nicht ausräumen. Er kann aber Vorschläge für qualitative und integrierte Lösungsansät- ze machen. Qualitätvolle Dichte Die Erhöhung der baulichen Dichte ist alleine nicht ausreichend, um langfristig kompakte, nachhaltige und lebenswerte Quartiere für Köln zu gestalten. Attraktive Quartiere werden durch ihren Zugang zu In- frastruktur- und Versorgungseinrichtungen, ihre verkehrliche Erreichbarkeit, ihre Frei- und Grünräume, Orte der Begegnung und des sozialen Miteinanders sowie durch ihre architektonische und städtebauliche Gestal- tung definiert. Zunehmend werden sie auch an ihrer Anpassungsfähigkeit an den Klima- wandel und Kriterien für den Klimaschutz gemessen. 19 Daher werden folgende Aspekte für eine qualitätvolle Dichte im Köln-Katalog zu Grunde gelegt, wenngleich eine detaillierte Ausgestaltung erst im konkreten Entwick- lungsvorhaben erfolgen kann: › Nutzungsgemischte, lebendige Quartiere und eine Stadt der kurzen Wege, › Gleichberechtigung aller Verkehrsträger im öffentlichen Raum, › Robuste, qualitative und klimaresiliente Grünräume mit hoher stadtklimatischer Ausgleichsfunktion, › Verankerung von Maßnahmen für den Klimaschutz und die Klimawandelanpas- sung von Anfang an in den Quartiersent- wicklungen, › Qualität in Architektur und Städtebau, sowohl im Material als auch der formalen Gestaltung und Bildung von Räumen, › Ausgewogenes Verhältnis zwischen pri- vaten Rückzugsorten und gemeinschaft- lich genutzten Räumen. Erarbeitungsprozess Einen Schwerpunkt der Diskussionen, die im Rahmen der „Kölner Perspektiven 2030+“ geführt wurden, bildeten das Themenfeld Wohnen und die Frage, wie auf den wenigen verbleibenden Flächenpotenzialen ausrei- chend Wohnraum realisiert werden kann. Zur Weiterentwicklung, Konkretisierung und Operationalisierung der Aussagen und Ziel- richtungen, die dazu in der Stadtstrategie getroffen wurden, hat der Stadtentwick- lungsausschuss der Stadt Köln beschlossen, ein Fachsymposium durchzuführen. Unter dem Titel „Gebäudetypologien des Woh- nens für kompakte und lebenswerte Quar- tiere“ fand die digitale Veranstaltung am 5. Mai 2021 statt. Parallel startete im Frühsommer 2021 der Erarbeitungsprozess des Köln-Kataloges mit der Beauftragung der Büros De Zwarte Hond aus Köln und Duplex Architekten aus Düsseldorf. Der Erarbeitungsprozess wurde begleitet von einem intensiven Austausch mit der Stabsstelle Strategische Stadtentwicklung und dem Sachgebiet Erschließungsmanage- ment von Flächen des Amts für Stadtent- wicklung und Statistik sowie von insgesamt fünf Workshops mit dem „Köln-Katalog Team” . Dieses setzte sich dezernatsüber- greifend zusammen aus Vertreter*innen des Stadtplanungsamts, des Umwelt- und Verbraucherschutzamts, des Amts für Lie- genschaften, Vermessung und Kataster, der Wohnungsbauleitstelle und des Amts für Wohnungswesen. Den jeweiligen Amtslei- tungen wurden die zentralen Ergebnisse in einer Erörterungsrunde vorgestellt. Darüber hinaus wurde der Köln-Katalog auch öffentlich im Haus der Architektur Köln, der AG Wohnungsbauforum und dem Woh- nungsbauforum thematisiert und diskutiert. Als Endprodukt greift der Köln-Katalog die Impulse des Fachsymposiums sowie die Ergebnisse der Diskussionsrunden auf und übersetzt die abstrakten Zieldichten der Stadtstrategie in konkrete städtebauliche Quartierstypologien. 20 Einleitung Aufbau des Köln-Kataloges Bereits im Rahmen der Analyse zur Stadt- strategie „Kölner Perspektiven 2030+“ wur- de deutlich, dass die Bebauungsdichte von der Innenstadt hin zum Stadtrand deutlich abnimmt. Gleichzeitig befinden sich in der Äußeren Stadt die meisten Entwicklungs- flächen für Wohn- und Mischnutzung. Da- her legt der Köln-Katalog einen räumlichen Fokus auf die Äußere Stadt und die Heran- gehensweise erfolgt von der Äußeren Stadt über die Innere Stadt bis zur Innenstadt. Der Köln-Katalog startet mit einer Analyse der Bestandssituation. Es wird zunächst he- rausgearbeitet, welche Gebäude- und Sied- lungstypologien im gesamten Stadtgebiet zu finden sind und wie sich diese im Hinblick auf ihren Anteil an der Gesamtwohnbebau- ung, Nutzungsmischung und Einwohner*in- nendichte zueinander verhalten. Die identi- fizierten Gebäude- und Siedlungstypologien werden anschließend an exemplarischen Stadtausschnitten näher untersucht. Als Erkenntnisse der Analyse werden Heraus- forderungen und Ziele für die drei Bereiche der Stadt (Äußere Stadt, Innere Stadt und Innenstadt) formuliert. Aus der Analyse und den ausgewerteten Best-Practice-Projekten werden Strategien für eine qualitätvolle Dichte in Köln abgelei- tet. Diese Strategien beschreiben einzelne Stellschrauben, die dichte und gleichzeitig lebenswerte Quartiere fördern. Die insge- samt 11 Strategien für qualitätvolle Dichte lassen sich zusammenfassen unter vier Themenschwerpunkten: Vertikale Dichte, Horizontale Dichte, Grüne Vielfalt und Nut- zungsvielfalt. Den Kern des Köln-Kataloges bilden die sechs Quartierstypologien. Sie zeigen an- schaulich und exemplarisch auf, wie kom- pakte, nachhaltige und lebenswerte Quar- tiere für die drei Dichtekategorien zukünftig aussehen können. Aufgrund des höheren Entwicklungspotentials in der Äußeren Stadt werden drei Quartierstypologien für die Äu- ßere, zwei für die Innere Stadt und eine für die Innenstadt entwickelt. Jede der Quartierstypologien entsteht durch eine individuelle Kombination der 11 Strategien. Die Quartierstypologien werden jeweils durch Beispielprojekte illustriert und mit Hilfe eines Anwendungsbeispiels inner- halb des Kölner Stadtgebietes überprüft. Die Anwendungsbeispiele stellen exemplarisch dar, wie sich die Zieldichten der Stadtstrate- gie städtebaulich und strukturell konkret vor Ort abbilden lassen. Das Kapitel Implementierung zeigt auf, wie der Köln-Katalog zukünftig als städtebau- liches Entwicklungskonzept (§ 1 Abs. 6 Nr. 11 BauGB) seine Wirkung innerhalb und außer- halb der Verwaltung entfalten wird. Gleich- zeitig werden Anregungen für pilothafte Anwendungen und eine Evaluierung von Vorhaben formuliert, um aus der Umsetzung und Realisierung von Projekten weitere Er- kenntnisse zu gewinnen. Fachsymposium „Gebäudetypologien des Wohnens für kompakte und lebenswerte Quartiere“ Am 5. Mai 2021 fand das digitale Fachsymposium „Gebäudetypologien des Wohnens für kompakte und lebenswerte Quartiere“ statt. In sechs Impulsvorträgen von Expert*innen aus Architektur und Städtebau wurden gelungene Beispiele verschiedener Wohnungsbau- projekte aus dem In- und Ausland vorgestellt und anschließend diskutiert. Das Fach- symposium richtete sich an Politik, Wohnungswirtschaft, (Fach-)Öffentlichkeit und Verwaltung. Ziel war es, Wohnungsbauprojekte aufzuzeigen, die mit der knappen Ressource Fläche sparsam umgehen und gleichzeitig attraktive Quartiere für unterschiedliche Zielgruppen ermöglichen. Oberbürgermeisterin Henriette Reker stellte klar: „Es geht dabei nicht nur um rein bauliche Fragen, sondern um die Wohnqualität in Gemeinschaften. “ Für den Köln-Katalog lassen sich folgende zentrale Erkenntnisse aus den Impuls vorträgen ableiten: › Gemeinschaftlich genutzte Flächen und Räume sind der Schlüssel für lebendige Quartiere und können zu einer Verringe- rung der individuellen Wohnfläche bei- tragen. › Zusammenhängend geplante und um- gesetzte Projektentwicklungen können Gemeinschaftsflächen häufig besser organisieren, beispielsweise im Genos- senschaftsmodell. › Insbesondere durch flexible Grundrisse nach dem Baukastenprinzip können die verschiedensten Bedürfnisse schnell und kostengünstig erfüllt werden. › Beim Entwerfen neuer kompakter Quar- tiere ist die Auseinandersetzung mit der Umgebung und Landschaft besonders zu beachten. › Klimafolgeanpassung und Klimaschutz sind wichtige Aspekte für nachhaltige Quartiere. Dabei schließen sich ökolo- gische Ansprüche und dichte Quartiere nicht aus: „Grün und dicht – das geht“ sagte dazu Helga Fassbinder, die das Pro- jekt Biotope City Wienerberg vorstellte. › Zu einem nachhaltigen Quartier gehört auch das ökologische Bauen, wie bei- spielsweise die Holzbauweise. › Ein Umdenken in der Flächenverteilung auf die einzelnen Nutzungen ist notwen- dig. Durch die Neuorganisation der Mo- bilität, insbesondere des fließenden und ruhenden Verkehrs, können beispielswei- se große Flächen für den MIV eingespart und anderweitig genutzt werden. 21 22 Einleitung Ein Glossar für den Köln-Katalog Einwohnerdichte Die Einwohnerdichte definiert sich über die Anzahl der Einwohner*innen je Quadratkilo- meter. Geschossfläche (GF) Die Geschossfläche ist die Summe aller Geschosse. Eine Differenzierung in Voll- geschosse und Staffelgeschosse findet im Köln-Katalog nicht statt. Geschossflächenzahl (GFZ) Die Geschossflächenzahl beschreibt die bauliche Dichte auf einem Grundstück. Sie ist ein Kennwert der Ausnutzung: GFZ = Geschossfläche (m²) Grundstücksfläche oder Nettobauland (m²) Die GFZ ist eine wesentliche Kenngröße der Gebietstypologien der Baunutzungsverord- nung (BauNVO) und wird insbesondere in Bebauungsplänen angewendet. Dichtekategorien Die Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ definiert in ihrer Zielkarte Wohnen drei Dichtekategorien und empfiehlt da- für Zieldichten. Diese wurden aus der Be- trachtung bestehender Bebauungsdichten und der Zielstellung, künftige Quartiere kompakter zu gestalten, hergeleitet. Die drei Dichtekategorien orientieren sich an der räumlichen Gliederung der Stadt in die drei Bereiche Äußere Stadt, Innere Stadt und Innenstadt. Ausnahmen ausgewählte Versorgungszentren, für die aufgrund ihrer strukturellen Merkmale jeweils die nächst höhere Dichtekategorie empfohlen wird (vgl. Karte Seite 17). Zieldichte für die Äußere Stadt: Quartiersdichte höher als 0,8 (mittlere Zieldichte) Zieldichte für die Innere Stadt und aus- gewählte Versorgungszentren der Inneren Stadt: Quartiersdichte höher als 1,2 (hohe Zieldichte) Zieldichte für die Innenstadt und aus- gewählte Versorgungszentren der Inneren Stadt: Quartiersdichte höher als 1,5 (höchste Zieldichte) Quartiersdichte Die Quartiersdichte beschreibt die bau- liche Dichte eines gesamten Quartiers. Sie ist rechtlich nicht festgelegt und errechnet sich aus dem Verhältnis der Summe der ge- bauten Geschossfläche zur Quartiersfläche. Dazu werden auch Flächen der städtischen Infrastruktur sowie Grün- und Freiflächen innerhalb des Quartiers mit einbezogen. Quartiersdichte = Geschossfläche (m²) Quartiersfläche (m²) Die drei Zieldichten der Stadtstrategie sind als Quartiersdichten definiert und geben die zu erzielende bauliche Dichte im Verhältnis zur Quartiersfläche an. Bei neuen Entwick- lungen ist diese Fläche als Bezugsgröße sinnvoll für ein gesamtes Quartier auszu- wählen. 23 Gebäude- und Siedlungstypologien Bebauungstrukturen und Siedlungsformen lassen sich durch ihre unterschiedliche Morphologie in Gebäude- und Siedlungsty- pologien klassifizieren. Jede Typologie lässt sich zudem mit spezifischen Charakteristika zu Wohnform, Erschließung und Nutzungs- mischung beschreiben. Quartierstypologien Die Quartierstypologien betrachten nicht die Strukturen und Charakteristika eines Grund- stücks, sondern eines größeren baulichen Siedlungsbereichs. Die im Köln-Katalog ent- wickelten Quartierstypologien beschreiben städtische Funktionen sowie die Lebens- qualität der Bewohner*innen. Die Typolo- gien des Köln-Kataloges sind städtebauliche Typologien und können unterschiedlichste Größen, von wenigen Gebäuden bis hin zu ganzen Quartieren, abbilden. Nutzungsmischung Die Nutzungsmischung beschreibt die Integration von Wohnnutzungen und Nicht- Wohnnutzungen wie Gewerbe, Büros sowie soziale und infrastrukturelle Einrichtungen. Wohneinheiten/ha (WE/ha) Die Berechnung der Wohneinheiten pro Hektar beruht auf der statistischen Annah- me einer durchschnittlichen Wohnungsgrö- ße von 90 m² . Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) Für Quartiersentwicklungen in der Äuße- ren Stadt ist eine gute ÖPNV-Versorgung Voraussetzung. Auf die Maßnahmen in der Stadtstrategie zur Verbesserung der ÖPNV- Versorgung wird verwiesen. Kooperatives Baulandmodell Stadt Köln (KoopBLM) Das Kooperative Baulandmodell wurde 2014 vom Rat der Stadt Köln beschlossen und umgesetzt, um die Versorgung mit öffentlich gefördertem Wohnungsbau si- cher zu stellen und Investor*innen an den infrastrukturellen Folgekosten für soziale Einrichtungen (z. B. Kindertagesstätten), Grün- und Spielflächen zu beteiligen. Das KoopBLM gilt heute in der Fassung vom 10.05.2017 mit seiner Umsetzungsanwei- sung Plus vom 05.05.2022. Das KoopBLM ist ab einer Projektgröße von 1.800 m² Geschossfläche Wohnen wirksam, sofern neues Planungsrecht im Rahmen eines Be- bauungsplanverfahrens geschaffen wird. Grün- und Spielflächenberechnung Die Grün- und Spielflächenbedarfe eines Quartiers werden auf Grundlage des Koop- BLM berechnet. Dies wurde auch bei den Anwendungsbeispielen berücksichtigt. Die Berechnung beruht auf der erwarteten Ein- wohnerzahl des Quartiers. Spielflächen: EW × 2 m² Grünflächen: EW × 10 m² Das KoopBLMplus ermöglicht unter be- stimmten Voraussetzungen auch Kombiflä- chen, welche die Funktionen von Spiel- und Grünflächen bündeln. Kombiflächen: EW × 5 m² Diese Kombiflächen reduzieren den Grün- und Spielflächennachweis erheblich. Zur besseren Vergleichbarkeit der Quartiersty- pologien und Anwendungsbeispiele wurde dieser Sonderfall jedoch im Rahmen des Köln-Kataloges nicht berücksichtigt. Die Zulässigkeit der Kombiflächen im konkreten Projekt richtet sich ausschließlich nach den Anforderungen des KoopBLMplus. 24 25 Kapitel II Die Köln-DNA Eine Bestandsanalyse Die Köln-DNA ist das Ergebnis einer umfassenden Bestandsanalyse des Kölner Stadtgebietes. In einem ersten Schritt wird der Wohngebäudebestand untersucht: Welche räumlichen Charakteristika prägen das Stadtbild? Welches sind die vorherrschenden Gebäude- und Siedlungstypologien in Köln? Und wie verhalten sich diese zueinander im Hinblick auf ihre bauliche Dichte und die Nutzungsmischung? Die identifizierten Gebäude- und Siedlungstypologien werden im zweiten Schritt an exemplarischen Stadtausschnitten genauer unter- sucht und beschrieben. Die Erkenntnisse der Analyse sind die Grundlage für die 11 Strate- gien für qualitätsvolle Dichte: Welche Herausforderungen lassen sich für die drei Lagetypen der Stadt aus der Analyse ableiten? Inwieweit bilden neue Projektentwicklungen die formulierten Ansprüche an eine qualitätsvolle Dichte ab? Welche Ansatzpunkte zur Realisierung von kompakten, nachhaltigen und lebendigen Quartieren, die den Zieldichten der Stadtstrategie entsprechen, gibt es? 26 Die Köln-DNA Kölner Charakteristika, Gebäude- und Siedlungstypologien Räumliche Charakteristika Kölns Aus einer übergeordneten Betrachtung des gesamten Stadtgebietes lassen sich einige grundsätzliche Beobachtungen formulieren. Sie helfen, die gewachsene räumliche Struktur Kölns zu verstehen und den Status Quo einzuordnen: Stadt der Radialen Ausgehend von der Innenstadt entwickeln sich insbesondere im Linksrheinischen die Stadtquartiere der Inneren Stadt entlang der historischen radialen Ausfallstraßen. Zwei Grüngürtel und der Rhein Rheinufer, Innerer und Äußerer Grüngürtel strukturieren die Stadt in hohem Maße. Diese großen zusammenhängenden Freiflächen sind von gesamtstädtischer Bedeutung und dienen als wichtige Sport- und Erholungsflächen sowie zur Belüftung. Heterogene Architektur Köln wird nicht durch eine spezifische Gebäudetypologie oder eine einzelne architektonische Haltung geprägt. Vielmehr bestimmt eine heterogene Architektur das Bild der Stadt. In weiten Teilen prägt eine gemischte Nachkriegsbebauung die Quartiere. 27 Polyzentrische Struktur Individuelle Veedel mit teilweise starker Nutzungsmischung, lokalem Einzelhandel, und hoher Dichte an kleinen Dienstleistern und Gewer- be prägen die bauliche Struktur Kölns. Kontrast zwischen Innerer und Äußerer Stadt Die bauliche Dichte nimmt von der Innenstadt zur Äußeren Stadt deutlich ab. Gleiches gilt für die Nutzungsmischung als Indikator für lebendige Quartiere und qualitätvolle Dichte. Dichte, aber niedrige Innenstadt Köln besitzt, im Verhältnis zu seinen Randbezirken, eine stark ver- dichtete Innenstadt. Insbesondere der hohe Anteil an Gewerbe (-Neubauten) trägt dazu bei. In den dichtesten Quartieren der Innen- stadt werden Quartiersdichten von über 2,0 (vgl. Grundlagenkarte Urbanes Köln, Stadtstrategie) erreicht. Dennoch ist die Höhenent- wicklung mit durchschnittlich vier bis sechs Geschossen in den Quartieren moderat. Ein Phänomen, was in gewachsenen Quartieren vieler europäischer Städte beobachtet werden kann. 28 Die Köln-DNA Nutzungsmischung EW / ha (Dichte) 29% <1% 12% 1% 8% 12% 2% 6% 0 260200100 6% 7% 16% Diagramm der prozentualen Verteilung der Gebäude- und Siedlungstypologien mit Betrachtung der Nutzungsmischung und Einwohner*innendichte sowie baulichen Dichten Gebäude- und Siedlungstypologien in Köln Die Gebäude mit Wohnnutzung in Köln lassen sich in elf Gebäude- und Siedlungstypologien einteilen (siehe auch Karte Seite 30): Dorfstrukturen Einfamilien- und Doppelhäuser Reihenhäuser Zeilenstrukturen Wohnsiedlungen Großwohnsiedlungen Einzelobjekt Hochhaus (Punkt) Mehrfamilienhaus Blockstrukturen Freistehende Mehrfamilienhäuser Gründerzeitliche Kernstadt Mittelalterliche Kernstadt 29 Bestandstypologien im Vergleich Die identifizierten Gebäude- und Siedlungs- typologien im Bestand unterscheiden sich insbesondere bezogen auf ihre Dichte und die Nutzungsmischung. Der Anteil der Ty- pologien an der Gesamtstadt variiert stark (vgl. Diagramm auf der linken Seite). Eine Betrachtung und Untersuchung der Be- standstypologien ist wichtig, da diese die räumlichen Nachbarschaften für neue Quar- tiersentwicklungen bilden. Mit zusammen fast 30 % nehmen die Einfa- milien- und Doppelhäuser flächenmäßig den größten Anteil an der Wohnsiedlungsfläche ein. Gleichzeitig verzeichnet diese Typolo- gie den niedrigsten Anteil an Nutzungsmi- schung sowie die geringste Bevölkerungs- dichte pro Hektar, was auf einen hohen Flächenverbrauch schließen lässt. Dorfstrukturen, Reihenhäuser und freiste- hende Mehrfamilienhäuser stehen zusam- men für weitere 30 % der Wohnsiedlungs- fläche. Sie sind im Hinblick auf die bauliche Dichte und Nutzungsmischung ähnlich zu beurteilen wie Einfamilien- und Doppel- häuser. Zusammen mit der ersten Gruppe stehen diesen Typologien somit für 60 % der Wohnquartiere Kölns. Wohnsiedlungen, Zeilenstrukturen, Block- randbebauungen und Großwohnsiedlungen erreichen deutlich höhere Werte für die Einwohnerdichte, aber auch hier ist der An- teil der Nutzungsmischung nicht besonders hoch. Dieses „Mittelfeld” macht rund 32 % der Wohnquartiere aus. Die gründerzeitliche Kernstadt erzielt die höchste Bevölkerungsdichte aller elf Typo- logien, trotz eines hohen Anteils an Nut- zungsmischung. Die Gebäude der gründer- zeitlichen Kernstadt nehmen eine Großteil der Grundstücksfläche in Anspruch und verfügen über einen vergleichsweise gerin- gen Außenraum. Unter aktuellen Rahmenbe- dingungen wäre eine solche Bebauung nicht mehr zulässig. Die mittelalterliche Kernstadt zeigt den höchsten Anteil an Nutzungsmischung. Im Gegenzug werden aber nur durchschnitt- liche Werte für die Bevölkerungsdichte erreicht. Hier dominieren Einzelhandel und Büronutzungen. Auffallend ist der ver- gleichsweise geringe Flächenanteil an der Gesamtstadt, bezogen auf ihre Bedeutung in der öffentlichen Wahrnehmung. 30 Die Köln-DNA Gebäude- und Siedlungstypologien in Köln Dorfstrukturen Einfamilien- und Doppelhäuser Reihenhäuser Zeilenstrukturen Wohnsiedlungen Großwohnsiedlungen Einzelobjekt Hochhaus (Punkt) Mehrfamilienhaus Blockstrukturen Freistehende Mehrfamilienhäuser Gründerzeitliche Kernstadt Mittelalterliche Kernstadt 31 32 Die Köln-DNA Dichteanalyse der Stadtausschnitte Um die Dichte in Kölner Bestandsquartieren zu analysieren, werden 500 m × 500 m große Stadtausschnitte der verschiedenen Gebäu- de- und Siedlungstypologien exemplarisch miteinander verglichen. Für jede Typologie (siehe Seite 28, außer Einzelobjekt Hochhaus) wurde mindestens ein Stadtausschnitt erstellt und dafür die Quar- tiersdichte, der Anteil an Nutzungsmischung sowie eine pauscha- lisierte Berechnung der Wohneinheiten ermittelt (siehe auch Seite 22 f.). Über die farbliche Codierung sind die Gebäude- und Sied- lungstypologien der gesamtstädtischen Karte (siehe Seite 28 f.) zuzuordnen. Die angegebenen Quartiersdichten beziehen sich auf die gesamte Fläche der ausgewählten Stadtausschnitte (250.000 m²) unter Ein- bezug großer öffentlicher Grün- und Gewässerflächen. Die Berech- nung der Nutzungsmischung basiert auf den Daten der Stadt Köln (ALKIS). Es handelt sich hierbei um Näherungswerte. Angenommen wurde, dass bei Gebäuden mit Mischnutzung (z. B. Wohngebäude mit Handel und Dienstleistung) nur das Erdgeschoss einer anderen Nutzung als Wohnen vorbehalten ist. Infrastrukturelle Gebäude (z. B. Garagen) wurden nicht mit eingerechnet. 33 Übersichtskarte Dichtekategorien mit analysierten Stadtausschnitten Empfehlungen für Zieldichten Äußere Stadt, Quartiersdichte höher als 0,8 Innere Stadt und ausgewählte Versorgungszentren der Äußeren Stadt, Quartiersdichte höher als 1,2 Innenstadt und ausgewählte Versorgungszentren der Inneren Stadt, Quartiersdichte höher als 1,5 34 Die Köln-DNA GS PublisherVersion 359.66.66.100 0,8 1,2 1,5 3,0 0,0 Langel Lage: Äußere Stadt Quartiersdichte 0,19 WE/ha 15 Nutzungsmischung 20 % Dorfstrukturen Die Siedlungstypologie des Dorfs findet sich ausschließlich in der Äußeren Stadt, teils losgelöst von anderen Siedlungsstrukturen, teils zusammengewachsen. Die Bebauung ist durchschnittlich sehr niedrig, auch bedingt durch den hohen Anteil an eingeschossigen Lager- und Landwirtschaftsgebäuden sowie Garagen. Die vorherr- schenden Wohntypologien sind Ein- und Zweifamilienhäuser, verein- zelt mit Einliegerwohnungen. Dadurch ist der Flächenverbrauch pro Einwohner*in sehr hoch, die Zieldichte von 0,8 (Quartiersdichte) in der Äußeren Stadt wird im untersuchten Ausschnitt Langel mit 0,19 (Quartiersdichte) deutlich unterschritten. Insbesondere an den Dorfrändern sind die Grundstücke großzü- gig geschnitten. Der motorisierte Individualverkehr (MIV) hat einen großen Anteil am Flächenverbrauch in den dörflichen Wohngebie- ten. Historisch sind die Nicht-Wohnnutzungen hier vor allem geprägt durch die Landwirtschaft, welche nur bedingt der innerstädtischen Belebung dient. Zieldichte > 0,8 35 Finnensiedlung Lage: Äußere Stadt Quartiersdichte 0,21 WE/ha 18 Nutzungsmischung 11 % GS PublisherVersion 359.66.66.100 Einfamilien- und Doppelhäuser Einfamilien- und Doppelhäuser sind sowohl in der Äußeren als auch in der Inneren Stadt vertreten. Ihr Erscheinungsbild kann je nach Art der Siedlung variieren, von Villenvierteln zu Arbeitersiedlungen. Die Bebauung hat meist ein bis zwei Geschosse, oft mit klassischen Dachformen. Auf dem Grundstück gelegene Garagen und PKW- Stellplätze verdeutlichen die starke Orientierung am motorisierten Individualverkehr. Durch die geringe Gebäudehöhe und die locke- re Bebauung erreichen Gebiete dieser Gebäudetypologie nur sehr geringe städtebauliche Dichten, Nutzungsmischung ist nur vereinzelt vertreten. Im öffentlichen Raum sind Spielflächen und teilweise kleinere park- artige Grünstrukturen verortet. Zieldichte > 0,8 0,8 1,2 1,5 3,0 0,0 36 Die Köln-DNA GS PublisherVersion 359.66.66.100 0,8 1,2 1,5 3,0 0,0 Longerich Lage: Innere Stadt Quartiersdichte 0,21 WE/ha 40 Nutzungsmischung 16 % Reihenhäuser Die Gebäudetypologie der Reihenhäuser findet sich sowohl in der Äußeren als auch in der Inneren Stadt. Die Bebauung ist meist zwei- geschossig, ggf. mit Dachgeschoss, häufig ergänzt durch einge- schossige Garagenhöfe. Reihenhäuser sind als Einfamilien-Wohn- typen konzipiert, oft mit Gartenflächen vor und hinter dem Haus, wobei die Grundstücksfläche bei neueren Entwicklungen deutlich kleiner ist. Der Flächenverbrauch pro Einwohner ist dennoch sehr hoch bei geringer städtebaulicher Dichte. Die Gebiete werden überwiegend vom motorisierten Individualver- kehr erschlossen. Die Anbindung an den öffentlichen Personennah- verkehr ist – je nach Lage – sehr unterschiedlich. Im öffentlichen Raum sind Spielflächen zu finden. Zieldichte > 1,2 37 GS PublisherVersion 359.66.66.100 Weiden-West Lage: Äußere Stadt Quartiersdichte 0,70 WE/ha 73 Nutzungsmischung 5 % Großwohnsiedlung Großwohnsiedlungen sind in der Äußeren, vereinzelt auch in der In- neren Stadt vertreten. Die Gebäude dieser Typologie sind mit durch- schnittlich mindestens sieben Geschossen meist deutlich höher als die umgebenden Gebäudetypologien und weisen dadurch auch eine wesentlich höhere bauliche Dichte auf. In den Stadtausschnitt wer- den auch die umliegenden Gebäude eingerechnet, sodass sich die bauliche Dichte hier deutlich reduziert. Die Stellplätze werden in Tiefgaragen oder Garagenhöfen gebündelt. Teilweise sind kleinere gewerbliche oder soziale Nutzungen im Erd- geschoss oder in Sonderbaukörpern verortet, hauptsächlich wird hier aber gewohnt. Der öffentliche Raum zwischen den Gebäuden ist aufgrund der hohen Wohndichte meist multifunktional belegt mit Parkplatzflächen sowie Spiel- und Grünbereichen. Zieldichte > 0,8 0,8 1,2 1,5 3,0 0,0 38 Die Köln-DNA GS PublisherVersion 359.66.66.100 0,8 1,2 1,5 3,0 0,0 Vingst Lage: Innere Stadt Quartiersdichte 0,75 WE/ha 74 Nutzungsmischung 10 % Zeilenstrukturen Die Gebäudetypologie der Zeile ist vor allem in der Inneren Stadt zu finden und hat durchschnittlich drei bis vier Geschosse bei lockerer Bebauung. Die meist halböffentlichen Zwischenräume sind vielfach begrünt, werden aber von den Bewohner*innen wenig genutzt, da eine klare Zuordnung zu den Gebäuden sowie Nutzungsmöglichkei- ten fehlen. Die Stellplätze werden in Tiefgaragen oder Garagenhöfen gebündelt. Die Zieldichte der Inneren Stadt wird meistens nicht erreicht, es gibt jedoch erkennbare Potentiale zur Nachverdichtung, insbesondere bei zeitgleicher Ordnung des Freiraums. Zeilenstrukturen sind zu- meist reine Wohnquartiere, anderweitige Nutzungen sind nur sehr vereinzelt zu finden. Zieldichte > 1,2 39 GS PublisherVersion 359.66.66.100 Naumannsiedlung Riehl Lage: Innere Stadt Quartiersdichte 0,86 WE/ha 75 Nutzungsmischung 18 % Wohnsiedlung Die Typologie Wohnsiedlung beschreibt als Ensemble geplante Quartiere, zumeist in der Inneren Stadt gelegen. Dies können Block- randstrukturen oder Zeilen sein. Die drei- bis fünfgeschossigen Bau- körper sind, anders als bei den Zeilenstrukturen, straßenbegleitend gesetzt und umschließen großzügige grüne Innenhöfe mit Spiel- und Gemeinschaftsflächen. In dieser Typologie wird fast ausschließlich gewohnt, andere Nutzungen sind nur vereinzelt vertreten. Stellplätze sind größtenteils oberirdisch entlang der Straßen angeordnet, ver- einzelt in Tiefgaragen. Durch die niedrige Gebäudehöhe im Verhältnis zu großen Frei- flächen wird die Zieldichte der Inneren Stadt nicht erreicht. Zieldichte > 1,2 1,2 1,5 3,0 0,0 40 Die Köln-DNA GS PublisherVersion 359.66.66.100 0,8 1,2 1,5 3,0 0,0 Clouth-Quartier Lage: Innere Stadt Quartiersdichte 0,94 WE/ha 88 Nutzungsmischung 16 % Freistehende Mehrfamilienhäuser Die Typologie der freistehenden Mehrfamilienhäuser ist häufig im Stadtbild zu finden und besonders in aktuellen Projektentwicklungen vertreten. Durchschnittlich haben die Gebäude dieser Typologie drei bis vier Geschosse, auch neue Projekte erreichen selten eine höhere Geschossanzahl. Freistehende Mehrfamilienhäuser zeichnen sich durch gemeinschaftliche und private Freiräume aus, wobei die Dach- flächen bisher selten genutzt werden. Zusätzliche Nicht-Wohnnut- zungen sind nur bedingt integriert. Der ruhende Verkehr wird entwe- der auf Parkhöfen, im Straßenraum oder in Tiefgaragen organisiert. Diese Typologie kann in der Äußeren Stadt eine angemessene Dichte erreichen, in der Inneren Stadt bleibt sie unter der geforderten Ziel- dichte. Zieldichte > 1,2 41 GS PublisherVersion 359.66.66.100 * Hier gilt die Zieldichte für die Innen- stadt, da es sich um ein Versorgungs- zentrum handelt. Venloer Straße Lage: Innere Stadt* Quartiersdichte 1,46 WE/ha 122 Nutzungsmischung 26 % Mehrfamilienhaus Blockstrukturen Die Typologie des Mehrfamilienhauses innerhalb einer Blockstruktur beschreibt gewachsene Strukturen in der Inneren Stadt und Innen- stadt. Je nach Lage und Quartiersstruktur variiert diese Typologie in ihrem Erscheinungsbild sehr, z. B. in der Geschossigkeit. Die Innen- höfe sind vor allem durch niedrige Gewerbebauten oder Garagen ge- prägt und selten begrünt. Erdgeschosse sind häufig mit Nicht-Wohn- nutzungen belegt, was die Straßen als öffentliche Räume belebt und zu einem guten Verhältnis von Wohnen und anderen Nutzungen beiträgt. Die Typologie erzielt angemessene Dichten. Aufstockungen könnten Möglichkeiten zur Nachverdichtung bieten, müssten aber mit einer Entsiegelung der Innenhöfe einhergehen. Zieldichte > 1,5 1,2 1,5 3,0 0,0 42 Die Köln-DNA GS PublisherVersion 359.66.66.100 0,8 1,2 1,5 3,0 0,0 Belgisches Viertel Lage: Innenstadt Quartiersdichte 1,87 WE/ha 154 Nutzungsmischung 25 % Gründerzeitliche Kernstadt Diese Siedlungstypologie ist vor allem in der Innenstadt vertreten und zeichnet sich durch eine geschlossene Bauweise mit hoher Dichte aus. Die straßenbegleitende Bebauung ist meist fünf- bis sechsgeschossig und wird durch Hinterhäuser und niedrigere Hof- bebauung ergänzt. Private Grünflächen sind nur in geringem Maße vorhanden und auch öffentliche Freiflächen sind begrenzt. Ein hoher Anteil von Nutzungsmischung prägt diesen Typ und macht ihn trotz hoher Dichte und wenig Freiraum zu lebenswerten und sehr beliebten Quartieren. In geringem Umfang sind PKW-Stellplätze in Innenhöfen und entlang der Straße zu finden, im Gegenzug ist die Anbindung und Erreichbarkeit des öffentlichen Personennahver- kehrs sehr gut. Zieldichte > 1,5 43 GS PublisherVersion 359.66.66.100 Apostelnviertel Lage: Innenstadt Quartiersdichte 2,62 WE/ha 108 Nutzungsmischung 63 % Mittelalterliche Kernstadt In der Mittelalterlichen Kernstadt wurde dicht und eng gebaut, aber auch hier sind Gebäude mit mehr als sechs Geschossen selten. Die hohe Quartiersdichte ist durch die fast flächendeckende Bebau- ung der Blockinnenbereiche und teilweise sehr tiefe Gebäude mit Gewerbenutzung zu begründen. Der sehr hohe Anteil an Nutzungs- mischung dieser Siedlungstypologie bedingt, dass es kaum Wohn- nutzungen gibt und so auch wenig urbanes Leben außerhalb der Geschäftszeiten stattfindet. Kleinere öffentliche Freiflächen und Spielplätze sind ab und zu und meistens an Straßenkreuzungen zu finden. Für den ruhenden Ver- kehr stehen zahlreiche Tief- und Parkgaragen zur Verfügung. Die An- bindung und Erreichbarkeit des öffentlichen Personennahverkehrs ist sehr gut. Zieldichte > 1,5 1,2 1,5 3,0 0,0 44 Die Köln-DNA GS PublisherVersion 359.66.66.100 Ergänzend zu den je Gebäude- und Siedlungstypologie vorgestellten Stadtausschnitten folgt eine Übersicht über weitere Analysen, um das Spektrum der Gebäudetypologien und Dichten in Köln abzu- runden. 0,8 1,2 1,5 3,0 0,0 Einfamilien- und Doppelhäuser Lövenich Lage: Äußere Stadt Quartiersdichte 0,26 WE/ha 24 Nutzungsmischung 3 % Zieldichte > 0,8 45 GS PublisherVersion 359.66.66.100 GS PublisherVersion 359.66.66.100 Zieldichte > 1,2 Zieldichte > 0,8 1,2 1,2 1,5 1,5 3,0 3,0 0,0 0,0 Zeilenstrukturen Ostheim Lage: Äußere Stadt Quartiersdichte 0,50 WE/ha 49 Nutzungsmischung 8 % Wohnsiedlungen Höhenberg Lage: Innere Stadt Quartiersdichte 0,59 WE/ha 59 Nutzungsmischung 7 % 46 Die Köln-DNA GS PublisherVersion 359.66.66.100 Zieldichte > 1,5 Zieldichte > 1,2 0,8 1,2 1,2 1,5 1,5 3,0 3,0 0,0 0,0 Mehrfamilienhaus Blockstrukturen Klettenberg Lage: Innere Stadt Quartiersdichte 0,84 WE/ha 84 Nutzungsmischung 9 % Mehrfamilienhaus Blockstrukturen Griechenmarkt Lage: Innenstadt Quartiersdichte 1,60 WE/ha 89 Nutzungsmischung 44 % GS PublisherVersion 359.66.66.100 47 GS PublisherVersion 359.66.66.100 GS PublisherVersion 359.66.66.100 Zieldichte > 1,5 Zieldichte > 1,5 0,8 0,8 1,2 1,2 1,5 1,5 3,0 3,0 0,0 0,0 Gründerzeitliche Kernstadt Agnesviertel Lage: Innenstadt Quartiersdichte 1,87 WE/ha 159 Nutzungsmischung 24 % Gründerzeitliche Kernstadt Südstadt Lage: Innenstadt Quartiersdichte 1,93 WE/ha 153 Nutzungsmischung 28 % 48 Die Köln-DNA Neben der Untersuchung der älteren Be- standsquartiere ist auch eine Auseinan- dersetzung mit neueren Kölner Quartiers- entwicklungen wichtig. So entsteht ein Gesamteindruck der Kölner Gebäude- und Siedlungstypologien, in den Entwicklungen unter aktuellen Rahmenbedingungen einbe- zogen werden. Die vier aktuellen Großprojekte Rondorf Nord-West, Kreuzfeld, Parkstadt Süd und Deutzer Hafen wurden im Hinblick auf ihre Quartiersdichte, die sich aus den aktuellen Planungsständen ergibt, genauer unter- sucht. Die rechnerisch ermittelten Quar- tiersdichten werden den empfohlenen Zieldichten der Stadtstrategie „Kölner Per- spektiven 2030+“ gegenübergestellt und kurz eingeordnet. Im Gegensatz zur Bestandsanalyse wur- den hier keine Stadtausschnitte, sondern die neuen Quartiersplanungen als Ganzes betrachtet. Auf Grundlage der integrierten Pläne und den dazugehörigen Kennwerten konnten jeweils die Quartiersdichten er- mittelt werden. Dafür musste zunächst die Quartiersfläche (auch städtebaulicher Pe- rimeter) bestimmt werden. Sie beinhaltet neben dem Nettobauland auch die im Quar- tier enthaltenen Verkehrs- und Freiflächen. Damit entspricht die Quartiersfläche meis- tens dem Bruttobauland. Darüber hinaus werden die Bedarfe an Grün- und Spielflä- chen gemäß Kooperativem Baulandmodell zur Quartiersfläche hinzugerechnet, soweit nicht im Quartier enthalten. Übergeordnete Verkehrs-, Freiraum- und Grünstrukturen wie beispielsweise die Grüngürtel sind nicht teil der Quartiersfläche. Grundsätzlich muss in jedem Projekt die Quartiersdichte individuell ermittelt, im jeweiligen Kontext betrachtet, eingeordnet und im Planungsprozess abgewogen wer- den (siehe auch Kapitel V). Berechnung der Quartiersdichte (siehe auch Glossar): Quartiersdichte = Geschossfläche (m²) Quartiersfläche (m²) Dichteanalyse aktueller Kölner Großprojekte * Im Bereich des neuen zentralen Versorgungs- bereiches gilt die Zieldichte für die Innere Stadt > 1,2 ** Im Bereich des neuen zentralen Versorgungs- bereiches gilt die Zieldichte für die Innenstadt > 1,5 49 Kölner Großprojekt Quartiers- dichte Zieldichte der Stadtstrategie Einordnung Rondorf Nord-West ca. 0,5 Äußere Stadt > 0,8* › Die Quartiersdichte der aktuellen Planungen zu Ronndorf Nord-West bleiben deutlich unter der Zieldichte von > 0,8. › Im Quartier werden auch Schulen mitgeplant, die sich aus den Bedar- fen der benachbarten Bestands- quartiere ergeben. › Die Planungen sehen einen ver- hältnismäßig hohen Anteil an wenig kompakten Gebäudetypologien vor, die nicht durch kompaktere Typolo- gien ausgeglichen werden. › Viele klassische Erschließungsflä- chen sind geplant, die teilweise nur wenige Wohneinheiten erschließen. Kreuzfeld ca. 1,1 Äußere Stadt > 0,8* › Mit den aktuellen Planungen für Kreuzfeld wird die empfohlene Ziel- dichte von > 0,8 erreicht. › Die einzelnen Quartiersteile wer- den von der Lage in der Landschaft profitieren. Parkstadt Süd ca. 1,3 Innere Stadt > 1,2** › Mit den aktuellen Planungen für die Parkstadt Süd wie die empfohlene Zieldichte von > 1,2 erreicht. Das Quartier profitiert von der Lage am erweiterten Inneren Grüngürtel als übergeordnete Grünfläche › Entsprechend variiert die GFZ einzelner Baufelder zwischen 0,98 und 15. Deutzer Hafen ca. 1,7 Innenstadt > 1,5 › Die aktuellen Planungen für das Quartier Deutzer Hafen erreichen und übersteigen die Zieldichte der Stadtstrategie von > 1,5. Das Quartier profitiert von der Lage am Wasser und den umliegenden Über- schwemmungsgebieten als überge- ordnete Grünflächen. › Entsprechend hoch fällt die gemit- telte GFZ mit 4,1 aus. 50 Die Köln-DNA Die Analyse der vier Großprojekte sowie weiterer aktueller Entwicklungen lässt fol- gende Beobachtungen zu: › Die aktuell erzielten Dichten in der Äuße- ren Stadt liegen deutlich unter den Ziel- dichten der Stadtstrategie. › Höhere bauliche Dichten werden insbe- sondere in der Äußeren Stadt durch einen größeren Flächenverbrauch erreicht. Die Entwicklung in die dritte Dimension / Höhe, um Flächen wieder „freizuspielen” , ist wenig zu beobachten. › Vorherrschende Typologien sind Reihen- häuser und Mehrfamilienhäuser. › Die Nutzungsmischung innerhalb von Gebäuden beschränkt sich häufig auf die Integration einer Kita oder von Laden- und Gewerbeflächen in den Erdgeschos- sen. Eine strukturierte Stapelung und Mischung unterschiedlicher Nutzungen oder nutzungsoffener Strukturen sind wenig zu finden. Auch gemeinschaftliche Nutzungen sind selten integriert. › In der Inneren Stadt und Innenstadt ent- stehen hingegen teilweise Quartiere mit sehr hohen Dichten. Die zusätzliche Bau- masse beinhaltet große Anteile an Nicht- Wohnnutzungen. Unter Berücksichtigung des Kooperativen Baulandmodells ergibt sich für neue Bauvor- haben eine maximale Dichte: Die Schaffung neuer Wohnungen führt auch zu einem An- stieg der Einwohner*innen, dadurch werden beispielsweise zusätzliche Flächenbedarf an Grünflächen ausgelöst. Die maximal erziel- bare Dichte für Wohnquartiere tendiert so in Köln gegen einen theoretischen Grenzwert. Durch die Ergänzung von Mischnutzungen kann die Baumasse bei gleichbleibenden Freiflächenbedarfen erhöht werden. 51 Erkenntnisse aus der räumlichen Analyse Die Analyse zeigt, dass jede der drei Dichte- kategorien durch individuelle Herausfor- derungen geprägt ist, die unterschiedliche Strategien erfordern, um auf qualitätvolle Weise erreicht zu werden. Insbesondere bezogen auf Mobilität, Nut- zungsmischung, Gebäudetypologien und den Umgang mit den Folgen des Klima- wandels unterscheiden sich die Heraus- forderungen erheblich. Zukünftig sollte die Äußere Stadt mehr wie die innerstädtischen Quartiere funktionieren: Dichter, nutzungs- gemischter, weniger abhängig vom privaten PKW und mit höherwertigen Freiräumen ausgestattet. Die Innere Stadt und insbe- sondere die Innenstadt müssen hingegen grüner und lebenswerter werden. Äußere Stadt, Innere Stadt und Innenstadt treten damit nicht in eine neue Konkurrenz. Es geht darum, zu verstehen, dass sich Effekte gegenseitig positiv verstärken. Die Realisierung des Prinzips der Stadt der kurzen Wege in der Äußeren Stadt ist der Schlüssel zur Mobilitätswende. Dadurch kann langfristig das Verkehrsaufkommen in der gesamten Stadt reduziert und somit auch der Druck auf die innerstädtischen Quartiere genommen werden. So entstehen in der Inneren Stadt und Innenstadt Poten- tiale zum Umbau von lebenswerten Frei- und Straßenräume. Die hierfür nötige Nutzungsmischung inner- halb der Quartiere der Äußeren Stadt bildet keine Konkurrenz zu den Einzelhandels- flächen der Innenstadt. Vielmehr bedeutet sie eine Abkehr von den autozentrierten Shoppingcentern am Stadtrand und stärkt letztlich somit die Innenstadt als Ort des Einkaufens und der Freizeitgestaltung. Nur wenn mit höheren Dichten auch ein messbarer Zugewinn an sozialer und Ver- sorgungsinfrastruktur einhergeht, kann mit Akzeptanz gerechnet werden. Mobilitätswende und Nutzungsmischung sind auch Voraussetzung für Klimaschutz und eine erfolgreiche Anpassung an den Klimawandel. Denn hierfür werden in allen Teilen der Stadt zusätzliche Flächen be- nötigt, beispielsweise Flächen für die grün- blaue Infrastruktur und kompaktere Typo- logien. Die Zieldichten der Stadtstrategie und die damit verbundenen Ansprüche an eine qualitätvolle Dichte können nicht auf dem Maßstab des einzelnen Gebäudes realisiert werden. Vielmehr ist die Betrachtung des Quartiers als Ganzes dafür notwendig. 52 Die Köln-DNA › Im Bestand liegen die Dichtewerte teils deutlich unter dem Zielwert der Stadt- strategie, die für die Äußere Stadt eine Quartiersdichte von mindestens 0,8 vorsieht. Um die baulichen Dichten in der Äußeren Stadt zu erhöhen, ist bei der Ent- wicklung neuer Quartiere ein wesentlich höherer Anteil an Mehrfamilienhäusern im Geschosswohnungsbau erforderlich. Die Entwurfsherausforderung liegt hier in der Kombination von klassischen Ge- bäudetypologien der Äußeren Stadt, wie Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäusern, mit deutlich dichteren Typologien. Die Integration dichterer Typologien erfordert besondere architektonische und entwurf- liche Qualitäten. Wichtig erscheint aus städtebaulicher Sicht eine harmonische, quartiersbezogene Abstimmung unter- schiedlicher Gebäudestrukturen und -dichten im Sinne eines Gesamtgefüges. Hochpunkte dürfen nicht störend als „Ausreißer“ wahrgenommen werden. › Der Anteil an Nicht-Wohnnutzungen ist in der Äußeren Stadt sehr gering. Mindes- tens 15 % Nutzungsmischung sollten hier bei neuen Entwicklungen angestrebt wer- den, um dem Prinzip der Stadt der kurzen Wege gerecht zu werden und Urbanität – als Voraussetzung für die Akzeptanz höherer Dichten – entstehen zu lassen. Die Entwicklung von nutzungsoffenen Gebäuden oder Räumen, die sowohl gewerblich als auch zum Wohnen genutzt werden können, sind ein Ansatz, um wirt- schaftliche Vorbehalte auszuräumen. › In den Quartieren der Äußeren Stadt haben private PKW einen hohen Flächen- bedarf und mindern häufig die Freiraum- und Aufenthaltsqualitäten. Um die Ab- hängigkeit vom privaten PKW weiter zu reduzieren, ist der Anschluss an den öf- fentlichen Personennahverkehr Vorraus- setzung. Sharingbasierte Mobilitätsstra- tegien in neuen Entwicklungsgebieten können unterstützend integriert werden. › In den Freiräumen der Äußeren Stadt überlagern sich die Belange von Infra- struktur, Ökologie, Erholung und Mobilität zu dem komplexen Gebilde des städti- schen Raumes. Die Herausforderungen liegen darin, diese Belange in qualitätvoll ausgestalteten Freiräumen unterzubrin- gen und dabei möglichst wenige Flächen zu versiegeln. Dies kann beispielsweise durch die Entwicklung von neuen quali- tätvollen öffentlichen Erschließungs- räumen und multifunktionalen Flächen abseits der klassischen Straße gelingen. › Die Folgen des Klimawandels erfordern Anpassungen im Umgang mit Grünstruk- turen. Die Kühlungsmöglichkeiten durch Grün und Verschattung müssen ausge- baut werden. Dach- und Fassadenflächen müssen, auch in Kombination mit Photo- voltaik, begrünt werden. Niederschlags- wasser sollte versickert, gesammelt und so verantwortungsbewusst genutzt werden. Äußere Stadt 53 Übersichtskarte Dichtekategorie Äußere Stadt Zieldichte für die Äußere Stadt: Quartiersdichte höher als 0,8 54 Die Köln-DNA › In den Bestandsquartieren der Inneren Stadt sowie den ausgewählten Versor- gungszentren der Äußeren Stadt wird die Zieldichte der Stadtstrategie (Quartiers- dichte höher als 1,2) meist nicht erreicht. Bei neueren Entwicklungen, insbesonde- re in der Nähe der belebten Ausfallstraßen und zentralen Versorgungsbereiche, ist jedoch eine Tendenz zu dichteren Quar- tieren erkennbar. Die Entwurfsheraus- forderungen liegen gleichermaßen in der Erhöhung sowie der qualitätvollen Ausge- staltung der baulichen Dichte. › Für die Innere Stadt ist ein Nicht-Wohn- anteil von mindestens 25% der Ge- schossfläche anzustreben. Vertikale Nut- zungsmischung (Stapelung) zum Beispiel von Wohnen und Gewerbe kann hier be- sonders helfen. Innerhalb von Gebäuden können zudem Gemeinschaftsräume und flexibel nutzbare Zimmer einen positiven Effekt auf das Miteinander haben. Auf Quartiersebene können diese Funktionen durch Gemeinschaftsgärten und -werk- stätten ergänzt werden, insbesondere in Situationen, in denen sich die Erdge- schosse nur noch bedingt zum Wohnen eignen. Im Idealfall sind auch öffentliche Funktionen wie Schulen und Kitas sowie Pflegeangebote und Begegnungsorte keine eigenständigen Gebäude mehr, sondern Nutzungseinheiten in kompakten und gemischten Blöcken und Strukturen. › In der Inneren Stadt besteht überwiegend eine gute bis sehr gute Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr. Sha- ring- und Mobilitätsstrategien sollten das Angebot ergänzen und Anreize schaffen, vollständig auf ein privates Kraftfahrzeug zu verzichten. › Durch minimierte Abstandsflächen zwi- schen Gebäuden, die sich gegenseitig auch substantiell verschatten, werden im Sommer Temperaturspitzen abgedämpft. Ergänzt werden muss diese Strategie durch einen die Kaltluftströme begünsti- genden Städtebau sowie klimaangepass- te Grün- und Freiflächen. Neben einer ex- tensiven Dachnutzung durch Begrünung, auch in Kombination mit Photovoltaik, wird die intensive Dachflächennutzung als gemeinschaftliche oder private Frei- räume in der Inneren Stadt zunehmend wichtig. Darüber hinaus ist auch ein verantwortungsbewusster Umgang mit Niederschlagswasser mitzudenken. › Bei aktuellen Neubauprojekten werden zunehmend sowohl Grün- und Spiel- flächen als auch die Erschließung über private Frei- und Erschließungsräume nachgewiesen, obwohl es sich hierbei um öffentliche Funktionen handelt. Durch die Entwicklung von neuen öffentlichen mul- ticodierten Raumtypologien können neue Freiraumqualitäten mit Erschließungs- funktion entstehen. Innere Stadt und ausgewählte Versorgungszentren der Äußeren Stadt 55 Übersichtskarte Dichtekategorie Innere Stadt Zieldichte für die Innere Stadt und ausge- wählte Versorgungszentren der Äußeren Stadt: Quartiersdichte höher als 1,2 56 Die Köln-DNA › In den Bestandsquartieren der Innenstadt sowie den ausgewählten Versorgungs- zentren der Inneren Stadt wird die Ziel- dichte der Stadtstrategie von mindestens 1,5 (Quartiersdichte) meist erreicht. Eine hohe bis sehr hohe Ausnutzung der vor- handenen Flächen ist auch bei neueren Entwicklungen gegeben. Die größte Ent- wurfsherausforderung in der Innenstadt besteht darin, eine qualitätvolle Dichte sicherzustellen. › Für die Innenstadt ist minimal ein Nicht- Wohnanteil von 35 % der Geschossfläche anzustreben. Nur bei einer starken Nut- zungsmischung können städtebaulich und räumlich gute Quartiere entwickelt werden. Mehrgeschossige Sockelzonen sind generell weniger zum Wohnen geeig- net und Grün- und Freiflächennachweise werden mit steigender Dichte immer schwieriger. Die Transformation des Ein- zelhandels führt zu einem sinkenden Be- darf an großen Einzelhandelsflächen für zentrumsrelevante Sortimente. Die ver- tikale Nutzungsmischung und Stapelung von öffentlichen Einrichtungen (Bildung, Spiel- und Sportflächen) wird zum zent- ralen Baustein für die Nutzungsmischung der Innenstadt. Die Nutzung der Dachflä- chen für Schulhöfe, Kitafreiflächen, pri- vate Gärten oder öffentlich zugängliche Dachterrassen wird immer wichtiger. › Die Qualität des öffentlichen Raums ist von zentraler Bedeutung. Die sehr gute ÖPNV-Anbindung ermöglicht die um- fassende Verlagerung von Stellplätzen an zentrale Sammelpunkte im Tiefgeschoss oder in Quartiersgaragen. Qualitätvolle Grün- und Freiräume können dadurch auf nicht mehr benötigten Verkehrsflächen realisiert werden. › Die Grünversorgung muss in der Innen- stadt zusehends auch in die Vertikale gedacht werden. Die gegenseitige Ver- schattung von Gebäuden, unter Berück- sichtigung einer ausreichenden Belich- tung, kann besonders in der Innenstadt Temperaturspitzen abdämpfen. Ergänzt werden muss diese Strategie durch klimaangepasste Grün- und Freiflächen sowie mit einem nutzungsorientieren Um- gang mit Niederschlagswasser. › Eine Entwicklung in die Höhe kann zur Steigerung der Quartiersdichten beitra- gen, muss aber mit einer qualitätvollen Ausgestaltung der Dichte einhergehen. Zudem greift in diesem Zusammenhang das Höhenkonzept der Stadt Köln und Hochpunkte können nur außerhalb des Geltungsbereiches berücksichtigt wer- den. Innenstadt und ausgewählte Versorgungszentren der Inneren Stadt 57 Übersichtskarte Dichtekategorie Innenstadt Zieldichte für die Innenstadt und ausge- wählte Versorgungszentren der inneren Stadt: Quartiersdichte höher als 1,5 58 59 Kapitel III 11 Strategien für qualitätvolle Dichte Aus den Erkenntnissen der Analyse und den ausgewerteten Best- Practice-Projekten wurden Strategien für eine qualitätvolle Dichte abgeleitet. Diese Strategien beschreiben einzelne Stellschrauben, die eine kompakte Bauweise und gleichzeitig lebenswerte Quartiere fördern. Die insgesamt 11 Strategien für qualitätvolle Dichte gruppieren sich zu vier Themenschwerpunkten: Vertikale Dichte, Horizontale Dichte, Grüne Vielfalt und Nutzungsvielfalt. Die Strategien werden in den Quartierstypologien konkret angewen- det und dort individuellen kombiniert und verschnitten. 60 11 Strategien für qualitätvolle Dichte Horizontale Dichte Die Strategien der „Horizontalen Dichte“ beschreiben Ansätze zur horizontalen Ausdehnung der Baumasse und zur Setzung der Volumen und Gebäude zueinander. 11 Strategien für qualitätvolle Dichte Vertikale Dichte Die unter „Vertikale Dichte” aufgezeigten Strategien beschäftigen sich mit der Höhenentwicklung der Gebäude und deren Zusammen- spiel. Die Kombination verschiedener Gebäudetypologien mit unter- schiedlicher Höhe ermöglicht die Erhöhung der baulichen Dichte, gegebenenfalls auch nur punktuell, aber mit Auswirkung auf das ganze Entwicklungsgebiet. Klein und Groß Maßstabshybrid Lageorientierte Entwicklung Tiefe Gebäude Überlagernde Abstandsflächen 61 Nutzungsvielfalt Die „Nutzungsvielfalt” trägt indirekt zu einer höheren Dichte bei, da durch Nutzungsmischung andere Gebäudetypologien und -tiefen möglich werden. Ebenfalls lösen Nicht-Wohnnutzungen (nach dem KoopBLM) keine weiteren Flächenbedarfe für Grün- und Spielflä- chen aus. Vielfältige Nutzungsangebote und geteilte Infrastrukturen steigern zudem die Qualität eines Viertels maßgeblich und helfen so, dichte Quartiere lebenswert zu gestalten. Zusätzlich hat die Nutzungsmischung einen positiven Effekt auf die Tragfähigkeit von Infrastruktur und Erschließung. Grüne Vielfalt Die Strategien der „Grünen Vielfalt” erhöhen die Dichte nicht direkt durch mehr Baumasse, sondern beeinflussen sie durch alternative Möglichkeiten der Erschließung, Freiraumgestaltung und des Grün- nachweises. Nutzbare Dachflächen Grüne Erschließung Multifunktionale Freiräume Nutzungsmischung und Nutzungs- offenheit Stadt stapeln Infrastrukturen teilen 62 11 Strategien für qualitätvolle Dichte Vertikale Dichte Klein und Groß › Hochpunkte als Dichteausgleich für kleinmaßstäblichere Gebäudetypologien › Unterschiedliche Zielgruppen und Wohnwünsche an einem Ort › Identitäts- und Zentrumsbildung Maßstabshybrid › Gebäude mit unterschiedlichen Höhen und Maßstäben › Starker Bezug zum öffentlichen oder gemeinschaftlichen Freiraum › Verbindendes Glied in heterogenem Umfeld › Urbanitäts- und Identitätsbildung Lageorientierte Entwicklung › Höhere Dichten an öffentlichen Freiräumen › Gezielte Nutzung von Übergänge zur Landschaft › Besondere Potentiale an Wasserflächen Herstructurering Groeseind, Tilburg, De Zwarte Hond © Janssen-de-Jong MO*TOWN track 8 – Kavel O Sloterdijk, Amsterdam, De Zwarte Hond Renderings: plomp Pandion Le Grand, Düsseldorf, HPP Architekten © PANDION AG / Simon Büttner 63 Horizontale Dichte Tiefe Gebäude › Förderung innovativer Grundrisse und alter- nativer Wohnkonzepte › Optimierung des Fassaden-zu- Volumen-Verhältnisses (Wirtschaftlichkeit, Energieeffizienz) Überlagernde Abstands- flächen › Flächenersparnis durch Überlagerung von Abstandsflächen › Vorbeugung von Über- hitzung durch Verschattung › Große Frei- oder Wasser- fläche als Dichteausgleich Hunziker Areal Zürich, Duplex Architekten © Johannes Marburg Little C Coolhaven, Rotterdam, CULD © Ossip van Duivenbode, Rene de Wit und Martin Bekker 64 11 Strategien für qualitätvolle Dichte Grüne Vielfalt Nutzbare Dachflächen › Intensivere Nutzung von Dachflächen › Alternative zu Privat- gärten › Beitrag zur Klima- anpassung › Zusätzliche Retentionsvolumen Grüne Erschließung › Einsparung von Flächen durch Überlagerung der Erschließungsfunktion mit grüner Aufenthalts- qualität › Beitrag zur Vermeidung von Hitzeinseln › Zusätzliche Retentions- flächen und erdgebun- dene Bepflanzungen (großkronige Bäume) Multifunktionale Freiräume › Multifunktionale Nutzung von Freiräume innerhalb und außerhalb des Projektgebietes › Entwicklung von qualitativ hochwertigen Freiräumen wagnis4, München, FreiRaumArchitekten © Bernhard Rohnke Grünnmatt, Zürich, GraberPulver © Philip Heckhausen Park am Gleisdreieck, Berlin, Atelier Loidl © Julien Lanoo 65 Nutzungsvielfalt Nutzungsmischung und Nutzungsoffenheit › Flexibilität und nieder- schwellige Integration von Nicht-Wohnnutzungen in Wohngebäuden (z. B. ein gemeinsames Arbeitszimmer) › Integration von gewerb- lichen Nutzungen (Erdgeschosszonen) Stadt stapeln › Stapelung von Wohnen, öffentlichen und sozialen Nutzungen (z. B. Kitas, Schulen, Pflege, Sport, Gemeindezentren, Jugendeinrichtungen, Begegnungsorte) sowie produktivem Gewerbe Infrastrukturen teilen › Flächenersparnis durch Sharing › Minimierung privater Wohnflächen › Stärkung der Nachbar- schaft (N)ouverture van Twentse Schouw- burg, Enschede, De Zwarte Hond © René Post Pasteurstraße „pa1925“ , Berlin, zanderrotharchitekten © Simon Menges Hunziker Areal Zürich, Duplex Architekten © Johannes Marburg 66 67 Kapitel IV 6 Quartierstypologien für Köln Die Quartierstypologien bilden den Kern des Köln-Kataloges. Sie wurden aus den Erkenntnissen der Analyse, den Best-Practice- Projekten sowie den „11 Strategien für qualitätvolle Dichte“ als Prototypen für neue Kölner Quartiere entwickelt. Es wird dargestellt, wie kompakte, nachhaltige und lebendige Quartiere für die drei Ziel- dichten der Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ idealerweise aussehen können. 68 6 Quartierstypologien für Köln 6 Quartierstypologien als Prototypen Dem räumlichen Fokus des Köln-Kataloges gemäß werden drei städtebauliche Quartierstypologien für die Äußere Stadt, zwei für die Innere Stadt und eine für die Innenstadt aufgezeigt. Die Quartiersty- pologien für die Innere Stadt und die Innenstadt können jeweils auch für die ausgewählten Versorgungsbereiche der Äußeren Stadt bezie- hungsweise Inneren Stadt angewandt werden. Durch eine gezielte Auswahl und Kombination von Gebäudetypologien entstehen Proto- typen für Quartiere, die den Zieldichten der Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ entsprechen. Jede der Quartierstypologien wird dabei auf vier Doppelseiten an- hand folgender Elemente vorgestellt und erläutert: Radar-Diagramm In einem Radar-Diagramm sind alle Strategien für qualitätvolle Dichte aufgeführt. Durch einen entsprechenden Ausschlag des Dia- gramms wird dargestellt, welche Strategien in der jeweiligen Quar- tierstypologie Anwendung finden. Für jede Quartierstypologie wurde eine individuelle Zusammenstellung an Strategien verwendet. Idea- lerweise gibt es immer mindestens einen Ausschlag zu jedem der vier Themenschwerpunkte. Darstellung der Quartierstypologie In einer isometrischen Darstellung wird die jeweilige Quartierstypo- logie als Prototyp abgebildet. Sie wird zunächst kontextlos und als Ausschnitt eines Quartiers dargestellt, um das Prinzip und die Wir- kungsweise zu veranschaulichen. Die angewandten Strategien für qualitätvolle Dichte sind farbig hervorgehoben. Referenzprojekte Die Funktionsweise der Quartierstypologie wird an zwei Referenzen realisierter Projekte in Europa veranschaulicht. Die Projekte können dabei nicht alle Aspekte der Quartierstypologien aufzeigen, ebenso erfüllen sie nicht die in Köln geltenden Anforderungen an z. B. das KoopBLM. Bei den angegebenen Werten für die Quartiersdichte und Wohneinheiten pro Hektar handelt es sich um Annäherungs werte. 69 Übersichtskarte Dichtekategorien Empfehlungen für Zieldichten Äußere Stadt, Quartiersdichte höher als 0,8 Innere Stadt und ausgewählte Versorgungszentren der Äußeren Stadt, Quartiersdichte höher als 1,2 Innenstadt und ausgewählte Versorgungszentren der Inneren Stadt, Quartiersdichte höher als 1,5 Anwendungsbeispiel Auf einer möglichen Kölner Entwicklungsfläche wird der Prototyp der Quartierstypologie in den Entwurf eines Quartiers überführt. Dieses Anwendungsbeispiel dient jeweils der Überprüfung und Veranschau- lichung der Quartierstypologie in einem konkreten Kontext. Das Anwendungsbeispiel berücksichtigt die ausgewählten Strategien, die wesentlichen Potenziale und Restriktionen der Fläche sowie das Kooperative Baulandmodell hinsichtlich des Grün- und Spielflächen- bedarfs. Die konsequente Anwendung der Grundidee für die Quar- tierstypologie steht hier im Vordergrund, daher ist das Anwendungs- beispiel nicht als fertig abgestimmter und konkreter Entwurf für den entsprechenden Ort zu verstehen. Der Berechnungsperimeter zur Ermittlung der Quartiersdichte wurde jeweils bis zur Straßenmitte der angrenzenden Erschließungswege gewählt. 70 6 Quartierstypologien für Köln Gruppen bilden Blöcke ausdifferenzieren Vertikale entwickeln Straße Quartierstypologien für die Dichtekategorie Äußere Stadt Quartierstypologien für die Dichtekategorie Innere Stadt* Quartierstypologien für die Dichtekategorie Innenstadt* Systematische Übersicht der Quartierstypologien Ziel: Quartiersdichte höher als 0,8 Ziel: Quartiersdichte höher als 1,2 Ziel: Quartiersdichte höher als 1,5 71 Kontraste suchen Raumfolgen setzen Baufelder durchmischen Fläche Eine räumliche Kategorisierung der Quartierstypologien erfolgt an- hand unterschiedlicher Ansätze für die Art und Ausgestaltung des öffentlichen Raums: „Straße” und „Fläche” . Das Prinzip der Erschlie- ßung über die Straße bietet dabei den Vorteil, dass Bestands- und Neubaustrukturen leicht miteinander verknüpft werden können. Durch das Prinzip der flächigen Erschließung ist das Potenzial für eine konsequente Umorganisation der Mobilität immanent. Freiwer- dende Verkehrsflächen kommen der Gemeinschaft zu gute. * Dazu gehören jeweils auch ausgewählte Versorgungszentren der Äußeren Stadt beziehungsweise Inneren Stadt. 72 6 Quartierstypologien für Köln Die Quartierstypologie 1 „Gruppen bilden“ basiert auf einem heterogenen Neben- einander verschiedener Gebäudetypen in „sortenreinen“ Baufeldern: von klassischen Gebäudetypologien der Äußeren Stadt, wie Reihen- und freistehenden Mehrfamilien- häusern über dichtere Typen, wie gestapelte Reihenhäuser und größere Gebäudestruk- turen mit tiefen Gebäudegrundrissen und intensiv genutzten Dachflächen. › Groß und Klein › Maßstabshybrid › Lageorientierte Entwicklung › Nutzbare Dachflächen › Grüne Erschließung › Multifunktionale Freiräume › Nutzungsmischung und Nutzungsoffenheit › Stadt stapeln › Infrastrukturelles Teilen › Überlagernde Abstands- flächen › Tiefe Gebäude Vertikale Dichte Horizontale Dichte Grüne Vielfalt Nutzungsvielfalt Typologie 1 – Gruppen bilden Eine Quartierstypologie für die Äußere Stadt Durch die Gruppierung der Gebäude kann differenziert auf die Umgebung mit den Be- standsbebauungen eingegangen werden. Außerdem öffnet die Vielfalt das Quartier für viele Nutzer*innengruppen bei Erhalt einer „engen” Nachbarschaft innerhalb der Bau- felder. 73 Quartierstypologie 1 – Gruppen bilden Die Fortführung des klassischen Straßen- prinzips ermöglicht eine einfache Anbin- dung des neuen Quartiers an den Bestand. Jedes Baufeld hat seine eigene, für die Ge- bäudetypologie angemessene, Lösung für den ruhenden Verkehr. Nicht-Wohnnutzungen können individuell in die jeweiligen Gebäudetypologien integ- riert werden. Zusätzlich können miteinander teilbare Infrastrukturen auf den jeweiligen Baufeldern organisiert werden. Plätze und Parks vermitteln zwischen den Gebäudetypologien und sorgen für eine ausreichende Versorgung mit Freiflächen. Dachflächen werden in Abhängigkeit der Gebäudetypologie intensiv als Gärten, als Retentionsflächen oder zur Energiegewin- nung genutzt. 74 6 Quartierstypologien für Köln Referenzprojekte Villa Industria in Hilversum (NL) Mecanoo 1,28 Quartiersdichte 62 WE/ha Der Masterplan sieht eine Nach- barschaft mit Einfamilien-, Rei- hen- und Mehrfamilienhäusern sowie kleinen Gewerbe- und Sporteinrichtungen vor. Im öf- fentliche Raum haben Fuß- und Radverkehr vorrang. PKW-Stell- plätze werden in Parkdecks untergebracht, sodass mehr Raum für öffentliche Grünflä- chen zur Verfügung steht. © Mecanoo © OpenStreetMap contributors GSPublisherVersion 515.39.39.100 0 10 20 50 200 1:5000 0 25 50 100 200 1:10000 100 500 0 25 50 200 1:7500 100 500 GSPublisherVersion 515.39.39.100 0 10 20 50 200 1:5000 0 25 50 100 200 1:10000 100 500 0 25 50 200 1:7500 100 500 75 Spoorzone Brinklaan in Bussum (NL) LEVS architecten 0,7 Quartiersdichte 54 WE/ha Das Projekt mit Wohn- und einem Bürogebäude ist auf einem öffentlich durchwegten Grundstück in dörflichem Kon- text situiert. Gebäude dienen als Schallpuffer zu einer Bahntrasse. Eine abwechslungsreiche Woh- nungs- und Nutzungsmischung öffnet das Quartier für viele Be- wohner*innengruppen. Der MIV ist in einer Tiefgarage unter dem gesamten Quartier gebündelt. GSPublisherVersion 515.39.39.100 0 10 20 50 200 1:5000 0 25 50 100 200 1:10000 100 500 0 25 50 200 1:7500 100 500 © LEVS architecten © OpenStreetMap contributors GSPublisherVersion 515.39.39.100 0 10 20 50 200 1:5000 0 25 50 100 200 1:10000 100 500 0 25 50 200 1:7500 100 500 76 6 Quartierstypologien für Köln Die betrachtete Entwicklungsfläche in Meschenich im Stadtbezirk Rodenkirchen umfasst eine Fläche von ca. 7,1 Hektar und befindet sich in einem dörflich geprägten Kontext, der im Kontrast zur be- nachbarten Großwohnsiedlung „Auf dem Kölnberg“ steht. Die nörd- lich angrenzenden Ackerflächen sind im Regionalplan als Siedlungs- flächen ausgewiesen. Meschenich soll perspektivisch an das Stadtbahnnetz angeschlos- sen werden. Ein neuer Haltepunkt entsteht dann in direkter Nach- barschaft zu der Entwicklungsfläche. Derzeit bestehen Busver- bindungen zum Bahnhof Hürth Kalscheuren und Richtung Kölner Hauptbahnhof. Anwendung Typologie 1 – Gruppen bilden Meschenich, Stadtbezirk Rodenkirchen 7,1 ha Entwicklungsfläche Ziel: Quartiersdichte höher 0,8 Verortung Entwicklungs- fläche: Äußere Stadt 77 Ausgangssituation Entwicklungsfläche Meschenich GSPublisherVersion 515.39.39.100 0 10 20 50 200 1:5000 0 25 50 100 200 1:10000 100 500 0 25 50 200 1:7500 100 500 Die Wohnbebauung im direkten Umfeld besteht auf der einen Seite aus Einfamilienhäusern, auf der anderen Seite aus dem Großwohn- siedlungskomplex „Auf dem Kölnberg“ . In unmittelbarer Nähe, an der Brühler Landstraße, befindet sich ein Discounter. Das Umfeld bietet noch Potential für eine Stärkung des Nahversorgungszentrums. Grün- und Sportflächen sind im Süden bereits vorhanden und sollten angebunden und weiterausgebaut werden. 78 6 Quartierstypologien für Köln Die Grundstruktur des Anwendungsbeispiels entwickelt sich aus Anschlusspunkten und Gegebenheiten in der Umgebung. Bestehen- de Straßen und Verbindungen werden, wo möglich, weitergeführt. Jedes der Baufelder zeigt eine andere Gebäudetypologie, die sich an der Landschaft oder dem Bestand orientiert. Einfamilienhaustypo- logien in Form von Reihenhäusern finden genauso Anwendung wie vielgeschossige Hybridgebäude, die Wohn- und Nicht-Wohnnutzun- tiefe Gebäude als Hochpunkt zu öffentlicher Fläche Vernetzung über Grünstrukturen und Wege Grünflächen auf Dachflächen Nutzungsmischung im Erdgeschoss zur Stärkung des Nahversorgungszentrums Anwendungsbeispiel Meschenich Maßstabshybrid vermittelt zwischen Bestand und Neubau Anknüpfungspunkte für zukünftige Entwicklungen 79 bebaute Flächen 23% Grün- und Spielflächen 21% Erschließungs- und Platzflächen 42% Öffentliche Flächen 14% 0,8 1,50 63 Kennwerte Anwendungsbeispiel Meschenich Zieldichte > 0,8 14 % Nutzungsmischung Entwicklungsfläche in ha 7,1 Wohneinheiten je ha / insg. 86 / 608 GFZ Quartiersdichte gen kombinieren. Die baufeldorientierte Strukturierung bildet einen klar definierten Übergang zur Landschaft, ermöglicht aber gleichzei- tig eine spätere Entwicklung der angrenzenden Flächen Die bestehenden Freiraumstrukturen werden aufgenommen und erweitert. Im Norden kommen neue Grünflächen hinzu, die im Zuge einer späteren Weiterentwicklung weitergeführt werden können. Flächenanteile 80 6 Quartierstypologien für Köln Diese Quartierstypologie zeichnet sich durch einen starken Kontrast zweier Gebäu- detypologien aus: Niedrige Reihenhäuser in Kombination mit größeren Quartiersgaragen oder großen und höheren, gemischt genutz- ten Mehrfamilienwohnhäusern. Der motorisierte Individualverkehr wird in zentralen Quartiersgaragen an den Quar- tierseingängen gebündelt, sodass die Ver- › Groß und Klein › Maßstabshybrid › Lageorientierte Entwicklung › Nutzbare Dachflächen › Grüne Erschließung › Multifunktionale Freiräume › Nutzungsmischung und Nutzungsoffenheit › Stadt stapeln › Infrastrukturelles Teilen › Überlagernde Abstands- flächen › Tiefe Gebäude Vertikale Dichte Horizontale Dichte Grüne Vielfalt Nutzungsvielfalt Typologie 2 – Kontraste suchen Eine Quartierstypologie für die Äußere Stadt kehrsflächen dem Fuß- und Radverkehr vorbehalten sind und sich somit zusätzliche Freiraumqualitäten entwickeln können. Die Quartiersgaragen als Solitäre stapeln Funktionen der Infrastruktur (Quartiersga- ragen, Mobility Hubs), der Versorgung (Nah- versorger, Drogerie, etc.), soziale Funktionen (Schule, Kita, Pflege, Begegnungsorte, etc.) und in untergeordnetem Maße auch Wohnen. 81 Abbildung: Quartierstypologie 2 – Kontraste suchen Hier finden sich auch gemeinschaftliche nutzbare Angebote für das ganze Quartier. So entstehen urbane Ort mit angemesse- ner Dicht und guter Nutzungsmischung, die dem Prinzip der „Stadt der kurze Wege“ ent- sprechen. Die „Grüne Erschließung“ führt zu großen zusammenhängenden Grün- und Freiflä- chen, die auch infrastrukturelle Funktionen für Rettungs-, Ver- und Entsorgungsfahrzeu- ge übernehmen. Vorrangig dienen sie jedoch der Retention, Erholung und Begegnung. Dieser hohe Grad an grünen Erschließungs- flächen führt zu einem geringen Grad an Versiegelung. Die Dachflächen der Reihen- häuser dienen der Energiegewinnung. Die Nutzung der Dachflächen der Solitäre ergibt sich aus der Nutzungsmischung des Gebäu- des. 82 6 Quartierstypologien für Köln Referenzprojekte Sonnenschiff und Solar- siedlung in Freiburg (DE) Rolf Disch SolarArchitektur 0,95 Quartiersdichte 113 WE/ha Die autofreie Solarsiedlung be- steht aus fünf Reihenhauszeilen in Holzbauweise und Passiv- hausstandard. Straßenbeglei- tend übernimmt das Solarschiff mit Gewerbe- und Büroflächen die verdichtende Funktion. Auf dessen Dach sind weitere Reihenhäuser untergebracht. Die gesamte Dachfläche ist mit Photovoltaik belegt. © Rolf Disch SolarArchitektur © OpenStreetMap contributors GSPublisherVersion 515.39.39.100 0 10 20 50 200 1:5000 0 25 50 100 200 1:10000 100 500 0 25 50 200 1:7500 100 500 GSPublisherVersion 515.39.39.100 0 10 20 50 200 1:5000 0 25 50 100 200 1:10000 100 500 0 25 50 200 1:7500 100 500 83 Borneo Sporenburg in Amsterdam (NL) West 8 1,1 Quartiersdichte 117 WE/ha Zwei Halbinseln werden durch schmale Straßen erschlossen und durch lange Zeilen von inno- vativen und vielfältigen dreige- schossigen Patiohäusern ge- prägt. Unterbrochen durch drei Mehrfamilienhausblöcke, wel- che die bauliche Dichte heben und dem Ort einen besonderen Charakter verleihen. Auf der Nordinsel gibt es einen Park, der sich in die städtebauliche Form schneidet. © Jeroen Musch © Jeroen Musch © West 8 © OpenStreetMap contributors GSPublisherVersion 515.39.39.100 0 10 20 50 200 1:5000 0 25 50 100 200 1:10000 100 500 0 25 50 200 1:7500 100 500 GSPublisherVersion 515.39.39.100 0 10 20 50 200 1:5000 0 25 50 100 200 1:10000 100 500 0 25 50 200 1:7500 100 500 84 6 Quartierstypologien für Köln Die betrachtete Entwicklungsfläche in Esch / Auweiler im Stadtbe- zirk Chorweiler umfasst eine Fläche von ca. 12,8 Hektar und befindet sich in einem dörflichen Kontext. Die nächstgelegenen SPNV-Verbindungen befinden sich ca. 5 km entfernt in Longerich oder Pulheim. Entlang der Auweilerstraße, etwa 500 m von der Entwicklungsfläche entfernt, verkehren Busverbin- dungen. Die Wohnbebauung im direkten Umfeld besteht in weiten Teilen aus Einfamilien- und Reihenhäusern. Im Dorfzentrum sind identitätsstif- tende Gehöfte zu finden. Anwendung Typologie 2 – Kontraste suchen Esch / Auweiler, Stadtbezirk Chorweiler 12,8 ha Entwicklungsfläche Ziel: Quartiersdichte höher 0,8 Verortung Entwicklungs- fläche: Äußere Stadt 85 Abbildung: Ausgangssituation Entwicklungsfläche Esch / Auweiler GSPublisherVersion 515.39.39.100 0 10 20 50 200 1:5000 0 25 50 100 200 1:10000 100 500 0 25 50 200 1:7500 100 500 Kleinere Einzelhandelsangebote und Gastronomie sichern eine mi- nimale Grundversorgung im Dorf. In Esch und Pesch ist ein breiteres Angebot vorhanden. Der Platz in der Dorfmitte und mehrere Spielplätze bieten Flächen zur Begegnung und Erholung, der Escher See und der Pescher See sind in wenigen Minuten zu erreichen. 86 6 Quartierstypologien für Köln Das Anwendungsbeispiel spielt mit dem Kontrast zwischen ortstypi- schen Reihenhaustypologien und Solitären mit großem Gebäudevo- lumen, die als Verdichter fungieren. In diesen wird der MIV an zentra- len Stellen gebündelt, das Quartier bleibt weitestgehend autofrei. Die Wohnnutzungen sind in zwei- bis viergeschossigen Reihenhäu- sern untergebracht, die unterschiedliche Wohnungstypen anbieten und sich in die Umgebungsbebauung einfügen. Straßeneinmündun- gen werden weitergeführt und binden die Entwicklung an den Be- stand an. Abbildung: Anwendungsbeispiel Esch / Auweiler Begegnungorte in zusammenhängenden Grünflächen Verbindung zur Landschaft MIV gebündelt in MobilityHubs autofreie Erschließungsstraßen Nutzungsmischung den zentralen Freiflächen zugewandt 87 bebaute Flächen 27% Grün- und Spielflächen 16% Erschließungs- und Platzflächen 55% Öffentliche Flächen 2% 0,8 1,40 63 Kennwerte Anwendungsbeispiel Esch / Auweiler Zieldichte > 0,8 14 % Nutzungsmischung Entwicklungsfläche in ha 12,8 Wohneinheiten je ha / insg. 75 / 966 GFZ Quartiersdichte Die Erschließung im Quartier funktioniert über grüne Straßen, die ebenfalls die Funktion von Spielflächen und Begegnungsorten erfül- len. Zentrale zusammenhängende Grünflächen ergänzen das frei- räumliche Angebot. Nicht-Wohnnutzungen orientieren sich zu den Grünflächen und stärken die Grundversorgung des Quartiers sowie des Dorfes. Flächenanteile 88 6 Quartierstypologien für Köln Eine Kombination verschiedener Gebäude- typen formt heterogene Baufelder mit räum- lichen Schwerpunktsetzungen über große, gemischt genutzte Gebäude. Durch die zum Teil bewusst reduzierten Abstände großer Gebäude zur kleinen Nachbarbebauung gelingt es, die Dichte auf ein angemessenes Niveau für die Äußere Stadt zu erhöhen. › Groß und Klein › Maßstabshybrid › Lageorientierte Entwicklung › Nutzbare Dachflächen › Grüne Erschließung › Multifunktionale Freiräume › Nutzungsmischung und Nutzungsoffenheit › Stadt stapeln › Infrastrukturelles Teilen › Überlagernde Abstands- flächen › Tiefe Gebäude Vertikale Dichte Horizontale Dichte Grüne Vielfalt Nutzungsvielfalt Typologie 3 – Baufelder durchmischen Eine Quartierstypologie für die Äußere Stadt Das besondere Merkmal dieser Quartiersty- pologie ist das Verhältnis der Gebäude zum Grünraum, welcher sowohl Erschließungs- funktionen für den Fuß- und Radverkehr übernimmt als auch die Gemeinschaftsflä- che ist. In den Baufeldinnenbereichen be- finden sich private Gärten und der ruhende Verkehr. Dieser wird baufeldweise und damit typologieübergreifend organisiert, ebenso wie weitere geteilte Infrastrukturen. 89 Abbildung: Quartierstypologie 3 – Baufelder durchmischen Durch Stapelung und Integration von Nicht- Wohnnutzungen in die größeren Gebäude- körper gelingt eine gute Nutzungsmischung. Die Kombination unterschiedlicher Gebäu- detypologien in einem Baufeld ermöglicht eine gute soziale Durchmischung. Dazu können soziale Angebote wie Gemein- schaftsräume, Nachbarschaftstreffs, Pflege, Begegnungsorte und und weitere teilbare Infrastrukturen (Werkstätten, zuschaltbare Zimmer) kommen. Die begrünten und mit Photovoltaik beleg- ten Dachflächen dienen primär dem Klima- schutz. Regenwasser kann in den Grünflä- chen versickern. 90 6 Quartierstypologien für Köln Referenzprojekte Wohnquartier Prinz-Eugen-Park in München (DE) GSP Architekten, Architektur Werkstatt Vallentin 0,6 Quartiersdichte 60 WE/ha Verschiedene Gebäudetypo- logien wie Mehrfamilienhäuser, Zeilenbau und Einfamilienhäuser stehen in Clustern angeord- net, umgeben von großzügigen Grünflächen. Den Schwellenbe- reichen zwischen den sehr unter- schiedlichen Wohnformen wurde große entwurfliche Aufmerk- samkeit gewidmet. Daswirkt sich positiv auf das gemeinschaft- liche Neben- und Miteinander im Quartier auswirkt. © Architektur Werkstatt Vallentin © OpenStreetMap contributors GSPublisherVersion 515.39.39.100 0 10 20 50 200 1:5000 0 25 50 100 200 1:10000 100 500 0 25 50 200 1:7500 100 500 GSPublisherVersion 515.39.39.100 0 10 20 50 200 1:5000 0 25 50 100 200 1:10000 100 500 0 25 50 200 1:7500 100 500 91 Herstructurering wijk Holten- broek in Zwolle (NL) De Zwarte Hond 0,7 Quartiersdichte 81 WE/ha Alle Gebäude haben ihre Adres se an den verbindenden grünen Ach- sen. Das kontrastreiche, trotzdem harmonische Nebeneinander von großen und kleinen Gebäuden unterschiedlicher Typologien ver- leiht dem Quartier eine besondere Qualität und angemessene Dich- te. Die Unterbringung der PKW erfolgt konsequent in den privaten Baufeldinnenbereichen. Auf teure Stellplatzlösungen konnte daher vollständig verzichtet werden. © Scagliola & Brakkee © OpenStreetMap contributors GSPublisherVersion 515.39.39.100 0 10 20 50 200 1:5000 0 25 50 100 200 1:10000 100 500 0 25 50 200 1:7500 100 500 GSPublisherVersion 515.39.39.100 0 10 20 50 200 1:5000 0 25 50 100 200 1:10000 100 500 0 25 50 200 1:7500 100 500 92 6 Quartierstypologien für Köln Die betrachtete Entwicklungsfläche in Porz-Elsdorf im Stadtbezirk Porz umfasst eine Fläche von ca. 14,6 Hektar und ist durch eine sehr heterogene Umgebung geprägt. Im Norden und Osten grenzt die Fläche an die bestehenden Siedlungsstrukturen in Urbach und Elsdorf, im Westen schließen sich die Ausläufer des Gewerbe- und Industriegebiets Porz an. Die nächstgelegene SPNV-Haltestelle Porz ist ca. 1,2 km entfernt. Im direkten Umfeld der Entwicklungsfläche verkehren mehrere Bus linien, die Strecke entlang der Frankfurter Straße soll zukünftig weiter ausgebaut werden. Anwendung Typologie 3 – Baufelder durchmischen Porz-Elsdorf, Stadtbezirk Porz 14,6 ha Entwicklungsfläche Ziel: Quartiersdichte höher 0,8 Verortung Entwicklungs- fläche: Äußere Stadt 93 Ausgangssituation Entwicklungsfläche Porz-Elsdorf GSPublisherVersion 515.39.39.100 0 10 20 50 200 1:5000 0 25 50 100 200 1:10000 100 500 0 25 50 200 1:7500 100 500 Die angrenzende Wohnbebauung setzt sich aus vielen Typologien zusammen: dreigeschossige Zeilenbauten neben Einfamilien- und Reihenhäusern, neuere Mehrfamilienhausprojekte und im Osten bis zu achtgeschossige Solitärbauten. Der nördliche Teil der Entwick- lungsfläche ist durch Sportanlagen belegt, Spielplätze sind an meh- reren Stellen in der Umgebung vorhanden. Durch die Grundschule Kupfergasse, mehrere Kindergärten sowie Einzelhandelsangebote entlang der Kaiserstraße und Frankfurter Straße ist eine gute Versorgung für das Quartier vorhanden, welche durch Zusatzangebote (z. B. Begegnungsorte und Pflege) der neuen Bebauung weiter ausgebaut werden kann. 94 6 Quartierstypologien für Köln Erhalt der Sportflächen Grüne Straßen als Erschließung und gemeinschaftliche Freifläche Bewuste Reduzierung der Abstandsflächen Bündelung des MIV in den Innenhöfen Kombinierte Wohn- und Mischnutzungen Kombination von große und kleine Gebäudetypologien Das Anwendungsbeispiel unterteilt die Entwicklungsfläche in meh- rere Baufelder, die jeweils mit einer Mischung aus Typologien beplant sind. Die Gebäude gruppieren sich um Innenhöfe, in denen sowohl private und gemeinschaftliche Grünflächen Platz finden, als auch die motorisierte Erschließung gebündelt wird. Zwischen den Baufeldern dienen grüne Straßen der Erschließung und als gemeinschaftliche Freifläche. Ergänzend werden die Dachflächen der großen Gebäude- volumen als gemeinschaftliche Grünflächen aktiviert. Anwendungsbeispiel Porz-Elsdorf 95 bebaute Flächen 18% Grün- und Spielflächen 25% Erschließungs- und Platzflächen 57% Öffentliche Flächen 0% 0,8 1,90 63 Kennwerte Anwendungsbeispiel Porz-Elsdorf Zieldichte > 0,8 15 % Nutzungsmischung Entwicklungsfläche in ha 14,6 Wohneinheiten je ha / insg. 75 / 1.098 GFZ Quartiersdichte Die Kombination von zwei- bis viergeschossigen Reihenhäusern mit vier- bis sechsgeschossigen Mehrfamilienhäusern erzeugt eine ad- äquate Dichte. Nicht-Wohnnutzungen im Sockel zum Quartiersplatz sowie Richtung Gewerbegebiet unterstützen die Verdichtung und beleben das Quartier. Flächenanteile 96 6 Quartierstypologien für Köln Der klassische Blockrand wird mit variab- len Höhen und zusätzlichen besonderen Nutzungen in den Sockelgeschossen inten- siviert und diversifiziert. Die neue Block- randbebauung kann aus unterschiedlichen Gebäudetypologien, wie z.B. Mehrfamilien- häusern und gestapelten Reihenhäusern gebildet werden. › Groß und Klein › Maßstabshybrid › Lageorientierte Entwicklung › Nutzbare Dachflächen › Grüne Erschließung › Multifunktionale Freiräume › Nutzungsmischung und Nutzungsoffenheit › Stadt stapeln › Infrastrukturelles Teilen › Überlagernde Abstands- flächen › Tiefe Gebäude Vertikale Dichte Horizontale Dichte Grüne Vielfalt Nutzungsvielfalt Typologie 4 – Blöcke ausdifferenzieren Eine Quartierstypologie für die Innere Stadt sowie ausgewählte Versorgungszentren der Äußeren Stadt Der motorisierte Individualverkehr wird zu großen Teilen an strategischen Punkten ab- gefangen und in Tiefgaragen untergebracht. So können große Bereiche der quartiersin- ternen Erschließung dem Rad- und Fußver- kehr vorbehalten bleiben. 97 Quartierstypologie 4 – Blöcke ausdifferenzieren Durch Vorgartenbereiche und gezielt ge- setzte gewerblich genutzte Erdgeschoss- zonen werden die Straßenräume belebt. Öffentliche und soziale Einrichtungen wie Kitas, Schulen, Pflege und Begegnungsorte, die in den Block integriert sind, beleben zu- sätzlich das Quartier. Die Gemeinschafts- und Grünbereiche tei- len sich in öffentliche Parkflächen und priva- te Gärten in den großzügigen Höfen auf. Die ausdifferenzierte Höhenentwicklung erlaubt eine intensive Dachnutzung für private und gemeinschaftliche Zwecke. Eine hochwertige und grüne Gestaltung der Höfe, ergänzt durch bodengebundene Fas- sadenbegrünung und begrünte, mit Photo- voltaik belegte Dachflächen, können einen guten Beitrag für die klimagerechte Stadt leisten. Private Dachterrassen sind zusätz- lich wichtige persönliche Rückzugsräume. 98 6 Quartierstypologien für Köln Referenzprojekte Drei Höfe in München (DE) bogevischs buero 1,5 Quartiersdichte 99 WE/ha Die genossenschaftliche Wohn- anlage „Drei Höfe“ ist ein Bei- spiel für verdichtetes Wohnen: Innerhalb der bestehenden Blockrandstruktur wurde der Bestand rückgebaut und durch die Neubebauung zusätzlicher, hochwertiger Wohnraum mit Gemeinschaftsräumen, Gewer- beeinheiten sowie ausreichend Stellplätzen geschaffen. © bogevischs buero / Julia Knop © OpenStreetMap contributors GSPublisherVersion 515.39.39.100 0 10 20 50 200 1:5000 0 25 50 100 200 1:10000 100 500 0 25 50 200 1:7500 100 500 GSPublisherVersion 515.39.39.100 0 10 20 50 200 1:5000 0 25 50 100 200 1:10000 100 500 0 25 50 200 1:7500 100 500 99 Herstructurering Grunobuurt in Groningen (NL) De Zwarte Hond 1,6 Quartiersdichte 183 WE/ha Mit einem breiten Spektrum an Wohnungstypen bietet das Quartier Grunobuurt Wohnmög- lichkeiten für alle. Im gesamten Viertel werden im Erdgeschoss liegende Wohnungen direkt von der Straße aus erschlossen und beleben so das Umfeld. Variable Gebäudehöhen von 3 bis 7 Geschossen ermöglichen eine intensive Dachnutzung und Maßstabssprünge im Quartier. © De Zwarte Hond © Harry Cock © Gerard van Beek © OpenStreetMap contributors GSPublisherVersion 515.39.39.100 0 10 20 50 200 1:5000 0 25 50 100 200 1:10000 100 500 0 25 50 200 1:7500 100 500 GSPublisherVersion 515.39.39.100 0 10 20 50 200 1:5000 0 25 50 100 200 1:10000 100 500 0 25 50 200 1:7500 100 500 100 6 Quartierstypologien für Köln Die betrachtete Entwicklungsfläche in Humboldt-Gremberg im Stadtbezirk Kalk umfasst eine Fläche von ca. 3,5 Hektar und befindet sich in einem sehr heterogenen Bauumfeld. Die umliegenden Flä- chen sollen langfristig zu einem Gründungs- und Innovationszent- rum ausgebaut werden. Die nächstgelegene S-Bahn-Haltestelle Trimbornstraße liegt in ca. 800 m Entfernung, entlang der Gremberger Straße im Süden ver- kehren mehrere Busverbindungen. Anwendung Typologie 4 – Blöcke ausdifferenzieren Humboldt-Gremberg, Stadtbezirk Kalk 3,5 ha Entwicklungsfläche Ziel: Quartiersdichte höher 1,2 Verortung Entwicklungs- fläche: Innere Stadt 101 Ausgangssituation Entwicklungsfläche Humboldt-Gremberg GSPublisherVersion 515.39.39.100 0 10 20 50 200 1:5000 0 25 50 100 200 1:10000 100 500 0 25 50 200 1:7500 100 500 Die Wohnbebauung im direkten Umfeld besteht in weiten Teilen aus drei- bis viergeschossigem Zeilenbau, ein achtgeschossiges Wohn- gebäude bietet einen Orientierungspunkt. Durch die Gemeinschaftsgrundschule Lohmarer Straße, das Ju- gendzentrum Gremberg sowie Einzelhandelsangebote entlang der Gremberger Straße ist eine Grundversorgung für das Quartier vor- handen, welche durch Zusatzangebote (z. B. Begegnungsorte und Pflege) der neuen Bebauung ergänzt werden kann. Öffentliche Grün- und Sportflächen sind durch den Park an der Len- zwiese mit Bike-Trail sowie einigen Spielplätzen bereits vorhanden und können angebunden oder weiterentwickelt werden. 102 6 Quartierstypologien für Köln Begegnungorte in zusammenhängenden Grünflächen Vernetzung über Grün- strukturen und Wegenetz Grünflächen im Blockinnenbereich und auf Dachflächen Nutzungsmischung im Erdgeschoss und als Lärmschutzriegel MIV gebündelt tiefes Gebäude als Hochpunkt zu öffentlichen Flächen Das Anwendungsbeispiel besteht aus drei polygonalen Blockrand- strukturen. Die bestehenden Straßen werden weitergeführt und vernetzten das Quartier mit der Bestandsbebauung. Die Staffelung der Gebäudehöhen von vier bis sechs Geschossen unterstützt diese Vernetzung. Zu den Gleisen und an stadträumlich markanten Stel- len erhöht sich die Geschosszahl, sodass mehr Dichte geschaffen wird. Ein Hochpunkt stiftet zusätzlich Identität und erhöht die Dichte weiter. Anwendungsbeispiel Humboldt-Gremberg 103 bebaute Flächen 28% Grün- und Spielflächen 32% Erschließungs- und Platzflächen 36% Öffentliche Flächen 4% 1,4 2,30 63 Kennwerte Anwendungsbeispiel Humboldt-Gremberg Zieldichte > 1,2 26 % Nutzungsmischung Entwicklungsfläche in ha 3,5 Wohneinheiten je ha / insg. 117 / 413 GFZ Quartiersdichte Herausfordernde Gebäudelagen, z.B. entlang der Bahnstrecke und im Erdgeschoss der autofreien Quartiersstraße, werden zur Bele- bung und weiteren Verdichtung mit Nicht-Wohnnutzungen und einer größeren Gebäudetiefe ausgebildet. Der MIV wird in Tiefgaragen gebündelt, sodass weite Teile der Ent- wicklungsfläche autofrei erschlossen und intensiv durchgrünt wer- den können. Die Dachflächen und Höfe im Blockinneren enthalten private und gemeinschaftliche Grünflächen, zwei zentrale öffentliche Grünflä- chen dienen dem Quartier als Erholungsfläche. Flächenanteile 104 6 Quartierstypologien für Köln Tiefe Baukörper, die von allen Seiten er- schlossen werden, gliedern durch ihre be- sondere Setzung den Stadtraum. Die tiefen Baukörper eignen sich gut für ein vielfältiges und innovatives Angebot von Wohnungs- typen. Der öffentliche Raum ist überwiegend dem Fuß- und Radverkehr vorbehalten. Der MIV wird am Quartierseingang abgefangen und in Tiefgaragen geleitet. › Groß und Klein › Maßstabshybrid › Lageorientierte Entwicklung › Nutzbare Dachflächen › Grüne Erschließung › Multifunktionale Freiräume › Nutzungsmischung und Nutzungsoffenheit › Stadt stapeln › Infrastrukturelles Teilen › Überlagernde Abstands- flächen › Tiefe Gebäude Vertikale Dichte Horizontale Dichte Grüne Vielfalt Nutzungsvielfalt Typologie 5 – Raumfolgen setzen Eine Quartierstypologie für die Innere Stadt sowie ausgewählte Versorgungszentren der Äußeren Stadt Das Quartier wird durch gewerbliche Erd- geschossnutzungen, insbesondere an den Plätzen, bespielt und dient der Nachbar- schaft als Treffpunkt. So ergibt sich eine kleinteilige Nutzungsmischung. Ergänzende untereinander teilbare Infra- strukturen gibt es auf Quartiersebene sowie innerhalb der Gebäude. 105 Quartierstypologie 5 – Raumfolgen setzen Durch einen Fokus auf Gemeinschaftsflä- chen kann der Flächenverbrauch je Bewoh- ner*in reduziert werden. Im direkten Wohnumfeld befinden sich großzügige Grün- und Freiflächen, die als urbane Freiräume zu verstehen sind. Außer- dem werden Teile der Dachflächen als ge- meinschaftliche Gärten genutzt. Die Aktivierung der Dachflächen als Gärten, Retentionsflächen oder zur Energiegewin- nung sowie bodengebundene Fassadenbe- grünungen können „Urban Heat“ entgegen wirken. Durch geringe Abstandsflächen entstehenden zudem eine zusätzliche Ver- schattung. 106 6 Quartierstypologien für Köln Referenzprojekte Wohnquartier Ludlstraße in München (DE) AllesWirdGut Architektur 1,6 Quartiersdichte 107 WE/ha Frei zueinander stehende Punkthäuser werden zur nahen Autobahn hin durch eine Wand aus zusammengezogenen Punkthäuser abgegrenzt. Die polygonalen Formen bieten viel- fältige Wohnformen und werden durch ein Familienzentrum und eine Kita ergänzt. Der Freiraum strukturiert das Quartier und wird durch einzelne Erdge- schossnutzungen bespielt. © AllesWirdGut Architektur © OpenStreetMap contributors GSPublisherVersion 515.39.39.100 0 10 20 50 200 1:5000 0 25 50 100 200 1:10000 100 500 0 25 50 200 1:7500 100 500 GSPublisherVersion 515.39.39.100 0 10 20 50 200 1:5000 0 25 50 100 200 1:10000 100 500 0 25 50 200 1:7500 100 500 107 Mehr als Wohnen in Zürich (CH) Duplex Architekten 1,9 Quartiersdichte 110 WE/ha In Clustern angeordnete Solitä- re bilden ein System von Wegen, Plätzen und Freiräumen und ermöglichen gemeinschaftli- ches und nutzungsgemischtes Wohnen. Vielfältige Wohnfor- men und Grundrisse stellen das Miteinander ins Zentrum. Große, tageslichthelle Treppenhäuser in den tiefen Gebäudekörpern dienen der Belichtung und als Gemeinschaftsräume. © Johannes Marburg © OpenStreetMap contributors GSPublisherVersion 515.39.39.100 0 10 20 50 200 1:5000 0 25 50 100 200 1:10000 100 500 0 25 50 200 1:7500 100 500 GSPublisherVersion 515.39.39.100 0 10 20 50 200 1:5000 0 25 50 100 200 1:10000 100 500 0 25 50 200 1:7500 100 500 108 6 Quartierstypologien für Köln Die betrachtete Entwicklungsfläche in Weidenpesch im Stadtbezirk Nippes umfasst eine Fläche von ca. 3,1 Hektar und befindet sich an einer städtischen „Rückseite“ . Die umliegenden Flächen sind auf der einen Seite durch großzügige Sportflächen geprägt, auf der anderen Seite durch eine stellenweise durchbrochene Blockrandbebauung mit teilweise gewerblich genutzten Höfen. Die Straßenbahn-Anbindung entlang der Neusser Straße ist sehr gut. Die nächstgelegene S-Bahn-Haltestelle Geldernstraße / Parkgürtel liegt südlich in ca. 2,5 km Entfernung. Anwendung Typologie 5 – Raumfolgen setzen Weidenpesch, Stadtbezirk Nippes 3,1 ha Entwicklungsfläche Ziel: Quartiersdichte höher 1,2 Verortung Entwicklungs- fläche: Innere Stadt 109 Ausgangssituation Entwicklungsfläche Weidenpesch GSPublisherVersion 515.39.39.100 0 10 20 50 200 1:5000 0 25 50 100 200 1:10000 100 500 0 25 50 200 1:7500 100 500 Die Wohnbebauung im direkten Umfeld besteht in weiten Teilen aus einer vier- bis fünfgeschossigen Blockrandbebauung, die vereinzelt durch zehngeschossige Wohnhäuser oder flächigen Einzelhandel durchbrochen wird. Die angrenzenden Rückseiten sind durch private Gärten und kleinteilige gewerbliche Nutzungen geprägt. Durch eine Schule und Kitas in der näheren Umgebung und durch das Bezirkszentrum entlang der Neusser Straße verfügt das Quartier über eine gute Versorgung. Öffentliche Frei- und Sportflächen sind durch die Bezirkssportanlage Weidenpesch sowie einige Spielplätze bereits vorhanden und kön- nen an das Quartier angebunden werden. 110 6 Quartierstypologien für Köln Grünfläche für Erholung und Anknüpfung an Sportangebot Durchwegung zu Quartier und Sportflächen Potential für Erweiterung des Quartiers private und gemeinschaftliche Dachgärten Nutzungsmischung im EG belebt die öffentlichen Räume tiefes Gebäude Hochpunkt zu öffentlichen Flächen Das Anwendungsbeispiel besteht aus tiefen, locker gesetzen Gebäu- dekörpern, die vom Außenraum umschlossen sind. So ergeben sich spannende Plätze sowie Grünraumsituationen und -abfolgen. Eine homogene Gebäudehöhe beruhigt den heterogenen Bestand und schafft eine klare, aber dennoch offene Kante zu den Sportplätzen. Erdgeschossige Nicht-Wohnnutzungen wie zum Beispiel Kitas, Schulen, Pflege, Begegnungsorte oder Gewerbe beleben das Quar- tier und führen zu einer angemessenen Verdichtung. Anwendungsbeispiel Weidenpesch 111 bebaute Flächen 40% Grün- und Spielflächen 45% Erschließungs- und Platzflächen 15% Öffentliche Flächen 0% 1,3 2,20 63 Kennwerte Anwendungsbeispiel Weidenpesch Zieldichte > 1,2 Flächenanteile 7 % Nutzungsmischung Entwicklungsfläche in ha 3,1 Wohneinheiten je ha / insg. 139 / 434 GFZ Quartiersdichte Der MIV wird in Tiefgaragen gebündelt, sodass weite Teile der Ent- wicklungsfläche autofrei erschlossen und intensiv durchgrünt wer- den können. Die Dachflächen enthalten private und gemeinschaftliche Grün- flächen, eine zentrale öffentliche Grünfläche dient dem Quartier als Naherholungsfläche. Der modulare Aufbau des Quartiers bietet vielfältige Anschluss- punkte für eine Weiterführung des städtebaulichen Prinzips auf den angrenzenden privaten Grundstücken. 112 6 Quartierstypologien für Köln Ausgangspunkt dieser Quartierstypologie ist die in der Innenstadt häufig vorkommende Blockrandbebauung. Die Dichte wird durch vereinzelt gesetzte Hochpunkte* (40 – 60 m) deutlich erhöht. Dieses System kann auf ein gesamtes Quartier über mehrere Baufelder angewendet werden, funktioniert aber auch auf kleineren Entwicklungsflächen, wie sie in der Innenstadt häufig vorkommen. Durch die sehr gute ÖPNV-Anbindung der Innenstadtlagen können die Stellplätze › Groß und Klein › Maßstabshybrid › Lageorientierte Entwicklung › Nutzbare Dachflächen › Grüne Erschließung › Multifunktionale Freiräume › Nutzungsmischung und Nutzungsoffenheit › Stadt stapeln › Infrastrukturelles Teilen › Überlagernde Abstands- flächen › Tiefe Gebäude Vertikale Dichte Horizontale Dichte Grüne Vielfalt Nutzungsvielfalt Typologie 6 – Vertikale entwickeln Eine Quartierstypologie für die Innenstadt sowie ausgewählte Versorgungszentren der Äußeren Stadt reduziert und die wertvolle Fläche effizient genutzt werden. Der ruhende Verkehr wird in öffentlichen Tiefgaragen untergebracht, um Mehrfachbelegungen der Stellplätze zu ermöglichen. In die Gebäude integrierte und gestapelte Nutzungen generieren eine Nutzungsmi- schung in jedem Baufeld, so entsteht eine sehr urbane Typologie mit belebten Erdge- schossen. Nutzungsmischung ist hier aus- drücklich auch in der Vertikalen möglich. *nur im Zusammenhang/unter Beachtung des Höhenkonzeptes/Höhenentwicklungskonzeptes 113 Quartierstypologie 6 – Vertikale entwickeln Öffentliche Funktionen sind ebenfalls gleichwertig in die Blockstrukturen, meist in den Erdgeschosszonen, integriert und mit Wohnnutzungen überbaut. In den Innenhöfen der Blöcke befinden sich gemeinschaftliche Grünflächen, in Quar- tiersparks findet sich öffentliches Grün. Diese verdichteten, intensiv genutzten Grünflächen werden zu zentralen Begeg- nungsorten. Auf den Dächern gibt es ergän- zend gemeinschaftliche und private Freiflä- chen. Der hohe Grad an Verschattung, intensiv ge- nutzte Dachflächen und blockinterne Gär- ten wirken aktiv gegen sommerliche Hitze. 114 6 Quartierstypologien für Köln Referenzprojekte Löwenbräu-Areal in Zürich (CH) Gigon/Guyer Architekten 3,33 Quartiersdichte 40 WE/ha Das Projekt resultiert aus einer Umnutzung eines gewerblichen Komplexes. Dieser wurde durch Hochpunkten mit Wohn-, Büro- und Ausstellungsnutzungen er- gänzt. Der denkmalpflegerische Erhalt der Bausubstanz bildet dabei eine wichtige Maßnahme für die Identität des ehemaligen Industriequartiers und belässt ein wichtiges Kapitel der Stadt- geschichte lesbar. © Thies Wachter © Roman Keller © Thies Wachter © OpenStreetMap contributors GSPublisherVersion 515.39.39.100 0 10 20 50 200 1:5000 0 25 50 100 200 1:10000 100 500 0 25 50 200 1:7500 100 500 GSPublisherVersion 515.39.39.100 0 10 20 50 200 1:5000 0 25 50 100 200 1:10000 100 500 0 25 50 200 1:7500 100 500 115 Falkenried in Hamburg (DE) BOLLES+WILSON 2,65 Quartiersdichte 284 WE/ha Auf dem Gelände der Straßen- bahnwerkstätten Falkenried ist ein neuer multifunktionaler Stadtteil entstanden. Ein zen- traler Baustein ist der Bürokom- plex mit Wohnhochhaus, das die öffentliche Piazza und das Ge- samtgebiet überschaut und den städtebaulichen Bezugspunkt des Viertels setzt. Im Quartier finden sich weitere Geschäfte und Gastronomie. © Christian Richters © OpenStreetMap contributors GSPublisherVersion 515.39.39.100 0 10 20 50 200 1:5000 0 25 50 100 200 1:10000 100 500 0 25 50 200 1:7500 100 500 GSPublisherVersion 515.39.39.100 0 10 20 50 200 1:5000 0 25 50 100 200 1:10000 100 500 0 25 50 200 1:7500 100 500 116 6 Quartierstypologien für Köln Die betrachtete Entwicklungsfläche in Deutz im Stadtbezirk Innen- stadt umfasst eine Fläche von ca. 0,74 Hektar und befindet sich in einer Umgebung geprägt durch die Bahntrasse und große gewerb- lich genutzte Gebäude, wie der Lanxess Arena, Bürogebäuden sowie einigen großen Wohnhäusern. Südlich der Entwicklungsfläche liegt der Pyramidenpark. Die SPNV-Verbindung ist sehr gut ausgebaut. Der nächstgelegene Bahnhof Köln Messe/Deutz liegt in nur ca. 1,5 km Entfernung, ent- lang der Gummersbacher Straße verkehren Busverbindungen. Anwendung Typologie 6 – Vertikale entwickeln Deutz, Stadtbezirk Innenstadt 0,74 ha Entwicklungsfläche Ziel: Quartiersdichte höher 1,5 Verortung Entwicklungs- fläche: Innenstadt 117 Ausgangssituation Entwicklungsfläche Deutz GSPublisherVersion 515.39.39.100 0 10 20 50 200 1:5000 0 25 50 100 200 1:10000 100 500 0 25 50 200 1:7500 100 500 Die Wohnbebauung im direkten Umfeld besteht in weiten Teilen aus sechsgeschossigem Zeilenbau, ein 14-geschossiges Wohngebäude bietet einen Orientierungspunkt. Das fußläufig erreichbare Einkaufzentrum Köln Aracaden in Köln Kalk, mehrere Schulen und Berufskollegien, sowie die Technische Hochschule Deutz bieten eine ausreichende Grundversorgung für das Quartier, welche durch Zusatzangebote (z. B. Begegnungsorte und Pflege) der neuen Bebauung ergänzt werden kann. Öffentliche Grün- und Sportflächen sind durch den Pyramidenpark bereits vorhanden. Die geringe Größe der Entwicklungsfläche ist typisch für die Poten- tialflächen in der Innenstadt. 118 6 Quartierstypologien für Köln Gründächer und Dachterrassen Erholungsfläche knüpft an öffentliches Grün an gezielte Hochpunkte sorgen für hohe Dichte hoher Anteil an Nutzungs- mischung im Sockel Das Anwendungsbeispiel besteht aus zwei Gebäudekomplexen entlang der Gummersbacher Straße und ist somit direkt mit dem Bestand vernetzt. Die Gebäudekörper haben einen hohen gewerblichen Sockel und werden jeweils durch deutlich höhere Aufbauten mit Wohnfunktion ergänzt. Starke Gebäudevolumen schützen die Bewohner*innen vor Lärmbelastung. Anwendungsbeispiel Deutz 119 bebaute Flächen 36% Grün- und Spielflächen 29% Erschließungs- und Platzflächen 15% Öffentliche Flächen 20% 2,1 4,20 63 Kennwerte Anwendungsbeispiel Deutz Zieldichte > 1,5 Flächenanteile 50 % Nutzungsmischung Entwicklungsfläche in ha 0,74 Wohneinheiten je ha / insg. 145 / 107 GFZ Quartiersdichte Der kleine Park zwischen den Gebäuden dient dem Ensemble als Erholungsfläche und Grünflächennachweis. Die Dachflächen werden als Gründach, Gärten oder energetisch durch Photovoltaik genutzt. Um eine hohe Dichte bei gleichzeitig angemessener Grünflächen- versorgung zu gewährleisten, ist der Anteil der Nicht-Wohnnutzung mit 50 % innenstadttypsich sehr hoch. 120 121 Kapitel V Implementierung und Anwendung Der Köln-Katalog wird als verwaltungsinternes Steuerungsinstru- ment in laufenden und zukünftigen Projektentwicklungen einge- setzt , um die Zielsetzungen der Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ umzusetzen. Mit seinen Darstellungen von Typologien und Referenzen dient der Köln zusätzlich als Kommunikationsmedium bei der Veranschauli- chung der genannten Zielsetzungen. Anhand Pilothafter Anwendungen werden laufende und zukünftige Projekte auf die Zielsetzungen des Köln-Katalogs hin evaluiert. 122 6 Quartierstypologien für Köln Nettobauland und Gebäude Projektgebiet Städtebaulicher Perimeter Für zukünftige Flächenentwicklungen ist der Zusammenhang zwischen Quartiersdichte und GFZ relevant, da Letztere insbesondere in Be- bauungsplanverfahren verwendet wird. Anhand von Testentwürfen kann frühzeitig die Quartiers- dichte für die geplante GFZ überprüft werden. Dafür ist der Bezugsrahmen (städtebauliche Perimeter) zu definieren. Er umfasst das Projekt- gebiet (Bruttobauland) sowie zumeist angren- zenden Flächen (z.B. Verkehrsflächen einer an- grenzenden Bestandsstraße bis zu ihrer Mitte). Die Auswertung der Anwendungsbeispiele zeigt, dass sich beispielsweise für die Zieldichte der Äußeren Stadt (0,8 Quartiersdichte) eine durch- schnittliche GFZ von ca. 1,5 – 2,0 ergibt*. Rechnerisch besteht folgende Abhängigkeit: Durchschnittliche GFZ = (Quartiersdichte × Städtebaulicher Perimeter) Netto-Bauland Die Stadtstrategie gibt die Zieldichten immer als eine Quartiersdichte für das gesamte Quartier an. In der konkreten Flächenentwicklung sind innerhalb des Quartiers Differenzierungen in der GFZ für die jeweiligen Baufelder vorzuneh- men, wie auch die Anwendungsbeispiele zeigen. Zudem variieren die Größen der Entwicklungs- fläche teils stark, daher ist letztlich immer eine individuelle Betrachtung notwendig. > 15 % Nicht-Wohnen** 40–60 % Netto-Bauland* Netto-Bauland und Gebäude Äußere Stadt Quartiersdichte von > 0,8 entspricht ca. einer GFZ von > 1,4* StädtebaulicherPerimeter Brutto-Bauland Verhältnis zwischen Quartiersdichte und Geschossflächenzahl Erkenntnisse aus den Anwendungsbeispielen Nettobauland und Gebäude Projektgebiet Städtebaulicher Perimeter 123 Darstellung des Verhältnisses zwischen Quartiersdichte und GFZ sowie der Flächen- verhältnisse auf Grundlage der ausgewerteten Anwendungsbeispiele Nettobauland und Gebäude Projektgebiet Städtebaulicher Perimeter Nettobauland und Gebäude Projektgebiet Städtebaulicher Perimeter > 25 % Nicht-Wohnen** > 35 % Nicht-Wohnen** 35–55 % Netto-Bauland* 30–50 % Netto-Bauland* Innere Stadt sowie ausgewählte Ver- sorgungszentren der Äußeren Stadt Quartiersdichte von > 1,2 entspricht ca. einer GFZ von > 2,0* Innenstadt sowie ausgewählte Ver- sorgungszentren der Inneren Stadt Quartiersdichte von > 1,5 entspricht ca. einer GFZ von > 2,8* * Bei den Werten handelt es sich um grobe Annäherungen und Abschätzungen auf Basis der untersuchten Anwendungsbeispiele. In der Rechnung wird nur die oberirdische Geschossfläche berück- sichtigt, Tiefgaragen nicht. Flächen für oberirdische MobilityHubs werden ebenfalls nicht eingerechnet. ** Empfehlungswerte gemäß Kapitel II. Nettobauland und Gebäude Projektgebiet Städtebaulicher Perimeter Nettobauland und Gebäude Projektgebiet Städtebaulicher Perimeter 124 6 Quartierstypologien für Köln Kräftefeld verschiedener Akteur*innen, in dem neue Vorhaben entstehen Rechtliche Grundlagen BauGB / BauNVO BauOrdnung NRW Förderrichtlinien Umweltrecht Räumlicher Kontext Höhe Dichte Typologie Mischung Funktionaler Kontext ÖPNV / Erschließung Lärm etc. Städtische Satzungen / Selbstbindung Kooperatives Baulandmodell, Flächennut- zungsplan, Bebauungsplan, Klimaleitlinien, Geförderter Wohnungsbau, Stellplatzsat- zung, Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ , Höhenkonzept etc. Verwaltung Ämter, Dezernate, Gestaltungsbeirat und Politik Rat, Bezirksvertretungen, Ausschüsse Projektträger*in Entwickler*in Eigentümer*in Investor*in Nachbarschaftliche Fragen Bürgerinitiativen Planschaden etc. PROJEKTSPEZIFISCH KÖLNSPEZIFISCH ANWENDUNGSHINWEISE UND BEISPIELE SELBSTBINDUNG BERATUNG VISUALISIERUNG Steuerung, Kommunikation und Konkrete Empfehlungen 125 Kräftefeld Neue Vorhaben entstehen in einem Kräftefeld aus verschiedenen Akteursgruppen, aus rechtlichen und formalen Rahmenbedingen und in einem spezifischen funktionalen und räumlichen Kontext. Das einzelne realisierte Projekt ist das Ergebnis eines individuellen Abstimmungs- und Abwägungsprozesses, bei dem die Verwaltung zukünftig mit dem Köln-Katalog ein weiteres Instrument zur Einfluss- nahme zur Verfügung hat. Steuerung Durch den Beschluss als städtebauliches Entwicklungskonzept nach § 1 Abs. 6 Nr. 11 BauGB wird der Köln-Katalog zukünftig als verwal- tungsinternes Steuerungsinstrument eingesetzt und als zu beach- tendes Fachkonzept in der Bauleitplanung berücksichtigt. Die Be- rücksichtigung erfolgt unter dem Aspekt der Abwägung im Abgleich mit anderen Belangen (§ 1 Abs. 7 BauGB). Mit dem Beschluss der Stadtstrategie im Dezember 2021 werden die Zieldichten der Stadtstrategie für neue Projekte bindend. Der Köln-Katalog betrachtet die Zieldichten der Stadtstrategie des- halb als „Soll-Werte“ für neue Projekte, die nach dem Beschluss der Stadtstrategie angelaufen sind und als „Richt-Werte“ für Projekte in bereits länger laufenden Verfahren. Da in der Anfangsphase einer Projektentwicklung die Möglichkeit zur Einflussnahme auf Dichte und Qualität am höchsten und zeitgleich der Abstimmungs- und Koordinierungsaufwand am geringsten ist, wird der Köln-Katalog hier in Zukunft steuernd eingesetzt. Im Zuge der ersten Sondierungsphase zwischen Stadt und Vorha- benträger*innen gilt es auch, den exakten Perimeter bzw. Umgriff des Projekts für den Nachweis der städtebaulichen Zieldichte zu definieren. In den weiteren Prozessschritten bis hin zum Bebauungsplanver- fahren werden sowohl bereits etablierte Anforderungen (z. B. des Kooperativen Baulandmodells) als auch die Aspekte des Köln-Kata- loges fortlaufend aufgerufen und die sich entwickelnden Planstände daraufhin geprüft. 126 6 Quartierstypologien für Köln Dazu kann es gegebenenfalls sinnvoll sein, die Vorhabenträger*in- nen zur Erstellung von Testentwürfen unter Berücksichtigung der im Köln-Katalog vorgestellten städtebaulichen Typologien anzuhalten. Auf dieser Grundlage können dann auch Planerfordernisse oder die Art des Qualifizierungsverfahrens festgelegt werden. Die Steuerung von Dichte als ein Aspekt wird im Qualifizierungsver- fahren um gesellschaftliche, soziale, ökologische oder klimatische Belange und insbesondere auch baukulturelle Aspekte qualitativ ergänzt. Kommunikation Zusätzlich zu seiner Aufgabe als Steuerungsinstrument kann der Köln-Katalog mit seinen anschaulichen Darstellungen zur Kommu- nikation und Vermittlung genutzt werden. Für Fachpublikum bietet der Köln-Katalog Inspiration und Anregung und kann für das Thema Dichte sensibilisieren. Die in der Stadtstrategie benannten Zieldich- ten erhalten durch die sechs Quartierstypologien und Anwendungs- beispiele ein „Gesicht“ , die elf Dichtestrategien können auch indivi- duell neue Lösungen bieten. Mit dem Fachsymposium im Mai 2021 wurde in Sachen Kommunika- tion bereits ein erster wichtiger Schritt geleistet. Für eine Weiterfüh- rung könnten unterschiedliche Formate zum Tragen kommen, zum Beispiel weitere Symposien, Vortragsreihen oder Ausstellungen. Sondierung Konkretisierung Einflussnahme auf Dichte und Qualität Abstimmungsaufwand Abbildung: Verhältnis von Einflussnahme auf Dichte und Qualität im Vergleich zum Abstimmungsaufwand RealisierungQualifizierung 127 Konkrete Empfehlungen Pilothafte Anwendung In seiner jetzigen Betrachtungstiefe kann der Köln-Katalog mit sei- nen Quartierstypologien nicht alle Rahmenbedingungen und Anfor- derungen, die von unterschiedlichen Fachstellen und Akteur*innen in eine Projektentwicklung eingebracht werden, beachten. Zahlrei- che Detailaspekte können erst auf Ebene der Bauleitplanung gelöst werden, beispielsweise die Verkehrsplanung, Fragen des Ordnungs- rechts und der Pflege von öffentlichen Räumen, die konkrete Be- rücksichtigung von Flächen für Feuerwehr und Entsorgungsbetriebe, standortspezifische Integration sozialer (städtischer) Infrastrukturen und Klimaschutzmaßnahmen. Diese haben aber einen nicht zu un- terschätzenden Einfluss auf die Umsetzung der Quartierstypologien. Die Entwicklung einer dichten, grünen und besonders lebenswerten Stadt erfordert von allen Fachstellen und Akteur*innen, ihre Vorga- ben und Haltungen zu überdenken, Neues zu probieren, von anderen Städten und Ländern zu lernen und so einen Beitrag zu einer integ- rierten, nachhaltigen Stadtentwicklung zu leisten. Um den Köln-Katalog, seine Typologien und den Anwendungspro- zess zu testen und zu überprüfen, sollten parallel zum Beschluss des Köln-Kataloges pilothaft Projekte (laufende und zukünftige Projek- te), vor allem in der Äußeren Stadt, angedacht und erprobt werden. Hierzu eignen sich insbesondere Projekte, die in der Regie oder in Kooperation mit erfahrenen Partner*innen entwickelt werden. Die pilothafte Begleitung der Projekte dient dem Erkenntnisgewinn, bei welchen Themenfeldern und Prozessschritten besondere Hürden zur Realisierung von qualitätvollen Dichten bestehen. Hierauf kann durch entsprechende vertiefende Studien oder stadtinterne dezer- natsübergreifende Abstimmungen reagiert werden. Evaluierung Während des Realisierungsprozesses und nach Fertigstellung sollten die Projekte fortwährend evaluiert werden, um die Wirkweise des Köln-Kataloges zu überprüfen. Die Projekte sollten zudem dokumentiert und veröffentlicht werden, um als „Next Practice” für weitere Kölner Standorte dienen zu kön- nen. 128 Projektverantwortung Brigitte Scholz, Leiterin Amt für Stadtentwicklung und Statistik Projektteam beim Amt für Stadtentwicklung und Statistik Stephanie Dormann, Stabstelle Strategische Stadtentwicklung Inga Hoffmann, Stabstelle Strategische Stadtentwicklung Stephanie Nourney-Waldmann, Sachgebiet Erschließungsmanagement von Flächen Nina Kristin Sieberns, Sachgebiet Erschließungsmanagement von Flächen Ämterübergreifende Zusammenarbeit Köln-Katalog T eam Marita Hey, Umwelt- und Verbraucherschutzamt Olaf May, Amt für Wohnungswesen Olaf Nobis, Amt für Liegenschaften, Vermessung und Kataster Oliver Rickling, Wohnungsbauleitstelle Wolfgang Tuch, Stadtplanungsamt Caroline Wagner, Stadtplanungsamt Lukas Wirtz, Stadtplanungsamt Inhalt und Basisgestaltung De Zwarte Hond Duplex Architekten Matthias Rottmann Sarah Escher Lennart Senger Sissil Bollig Impressum 129 Kontakt Amt für Stadtentwicklung und Statistik Stadthaus Deutz – Westgebäude Willy-Brandt-Platz 2 50679 Köln Stephanie Dormann Stabsstelle Strategische Stadtentwicklung Telefon 0221 221-24673 Impressum Die Oberbürgermeisterin Amt für Stadtentwicklung und Statistik Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Satz rheinsatz, Köln Druck xxx 13-US/15/xx/10.2022
  • Anlage 3 Vorabauszug gem. Sondersitzung der Ausschüsse Verkehr und Klima, Umwelt und Grün am 21.03.2023

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    Anlage 3 Geschäftsführung Verkehrsausschuss Frau Krause Telefon: (0221) 221-25909 Fax : (0221) 221-24447 E-Mail: angela.krause@stadt-koeln.de Datum: 23.03.2023 Auszug aus dem Entwurf der Niederschrift der Gemeinsame Sondersitzung des Verkehrsausschusses und des Ausschusses Klima, Umwelt und Grün vom 21.03.2023 öffentlich 1.2 Köln Katalog – Typologien für kompakte, nachhaltige und lebenswerte Quartiere 3068/2022 Änderungsantrag der SPD-Fraktion vom 17.03.2023 AN/0524/2023 RM Achtelik schlägt vor, die Vorlage ohne Votum in den Rat zu verweisen; es bestehe noch Beratungsbedarf. Seitens der Antrag stellenden Fraktion weist RM Lorenz darauf hin, dass man in un- terschiedlichen Lagen durchaus unterschiedlich bauen könne; insbesondere wenn eine gute SPNV- oder ÖPNV-Anbindung vorhanden sei, mache es Sinn, höher zu bauen und eine Nachverdichtung vorzunehmen, hingegen in Gebieten mit schlechter Anbindung kleiner zu bauen. Der Antrag diene somit im Prinzip der Verfeinerung des Köln-Katalogs. SB Dr. Beese drückt seine grundsätzliche Sympathie für diese Intention aus. Aller- dings könne man sich die Umsetzung nicht leisten, weil es die Bebauung an verschie- denen Orten behindern oder verzögern würde. Der Ausschuss Klima, Umwelt und Grün verweist die Vorlage mit dem Änderungs- antrag der SPD-Fraktion AN/0524/2023, der da lautet: Der Antrag wird wie folgt ergänzt: „(3) dabei müssen sich höhere Bebauungsdichten in erster Linie an der Anbindung an den Öffentlichen Personennahverkehr - und hier insbesondere an der Anbindung an den Schienenpersonennahverkehr - orientieren.“ ohne Votum in den Rat. Abstimmungsergebnis: Einstimmig zugestimmt 2 Der Verkehrsausschuss verweist die Vorlage mit dem Änderungsantrag der SPD- Fraktion AN/0524/2023, der da lautet: Der Antrag wird wie folgt ergänzt: „(3) dabei müssen sich höhere Bebauungsdichten in erster Linie an der Anbindung an den Öffentlichen Personennahverkehr - und hier insbesondere an der Anbindung an den Schienenpersonennahverkehr - orientieren.“ ohne Votum in den Rat. Abstimmungsergebnis: Einstimmig zugestimmt
  • Sachstandsbericht Rat /Ausschuss

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    Dezernat, Dienststelle IX/15 Vorlagen-Nummer 3068/2022 Stand: 13.01.2026 Sachstandsbericht Köln Katalog – Typologien für kompakte, nachhaltige und lebenswerte Quartiere
  • Anlage 2_Auszug Beschlussprotokoll Ausschuss Klima, Umwelt und Grün 09.03.2023, TOP 4.1.2

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    Geschäftsführung Ausschuss Klima, Umwelt und Grün Frau Kleindienst Telefon: (0221) 221-23702 Fax: (0221) E-Mail: Ulrike.Kleindienst@stadt- koeln.de Datum: 10.03.2023 Auszug aus dem Beschlussprotokoll der Sitzung des Ausschusses Klima, Umwelt und Grün vom 09.03.2023 öffentlich 4 Allgemeine Beschlussvorlagen 4.1.2 Köln Katalog – Typologien für kompakte, nachhaltige und lebenswerte Quartiere 3068/2022 Der Ausschuss Klima, Umwelt und Grün beantragt die Erweiterung der Beratungsfol- ge um den Verkehrsausschuss und verweist die Angelegenheit in die gemeinsame Sondersitzung des Verkehrsausschusses und des Ausschusses Klima, Umwelt und Grün am Dienstag, 21.03.2023. Abstimmungsergebnis: Einstimmig zugestimmt.

Beratungsverlauf

  1. 02.02.2023

    Stadtentwicklungsausschuss

    TOP 6.6, Vorberatung (Fachausschuss). Ergebnis: ungeändert empfohlen
  2. 27.02.2023

    Unterausschuss Wohnen

    TOP 2.1, Vorberatung (Fachausschuss). Ergebnis: ungeändert empfohlen
  3. 21.03.2023

    Ausschuss Klima, Umwelt und Grün, Verkehrsausschuss

    TOP 1.2, Vorberatung (Fachausschuss). Ergebnis: ohne Votum in nachfolgende Gremien
  4. 21.03.2023

    Ausschuss Klima, Umwelt und Grün, Verkehrsausschuss

    TOP 1.2, Vorberatung (Fachausschuss). Ergebnis: ohne Votum in nachfolgende Gremien
  5. 23.03.2023 zuletzt

    Rat

    TOP 10.17, Entscheidung. Ergebnis: ungeändert beschlossen

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