V/0493/2017
Straßenbenennungen Anne-Henscheid-Weg, Rainer-Plein-Weg, Anna-Krückmann-Weg, Auguste-Bispinck-Weg, Emmy-Herzog-Platz und Lauenburgstraße
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Beschlussvorlage
6412 Zeichen
V/0493/2017
DER OBERBÜRGERMEISTER
Vermessungs- und Katasteramt
Betrifft
Straßenbenennungen Anne-Henscheid-Weg, Rainer-Plein-Weg, Anna-Krückmann-Weg,
Auguste-Bispinck-Weg, Emmy-Herzog-Platz und Lauenburgstraße
Beratungsfolge
14.11.2017 Bezirksvertretung Münster-Mitte Entscheidung
Beschlussvorschlag:
I. Sachentscheidung:
1. Im Gebiet des Bebauungsplans Nr. 569 – südlich Markweg erhalten die Straßen die N amen
Anne-Henscheid-Weg, Rainer -Plein-Weg, Anna-Krückmann-Weg, Auguste -Bispinck-Weg,
Emmy-Herzog-Platz und Lauenburgstraße entsprechend der Darstellung im Übersicht s-
plan.
2. Mit der Benennung nach Rainer Plein sind die Anregungen Nr. 89/2004 und Nr. 15/20 12 und
Nr. 2017-00085 erledigt.
II. Finanzielle Auswirkungen:
Es entstehen keine Kosten und keine Folgekosten.
Begründung:
In dem Gebiet des Bebauungsplans Nr . 569, südlich Markweg, haben kürzlich die Arbeiten für den
Straßenbau begonnen. Deshalb stehen hier die Straßenbenennungen an. Nach dem Übersic htsplan
(Anlage 6) sind sechs Straßen zu benennen.
Anne-Henscheid-Weg
Der Ausschuss für Gleichstellung hat mit der Vorl age V/0254/2017 u.a. beschlossen: " Der Name An-
ne Henscheids ist aufgrund des Antrags in die Vorschlagsliste für Straßenbenennungen beim Ve r-
messungs- und Katasteramt aufgenommen worden und wird zu einem geeigneten Zeitpunkt für eine
Straßenbenennung verwendet." Die Verwaltung greift mit dieser Vorlage den Beschluss auf.
Anne Henscheid, 1945-2009, stammt aus einem Dorf in Westfalen und kam mit etwa 20 Ja hren nach
Münster. Sie arbeitete in Münster als Sekretärin und lebt e offen lesbisch, was zu der Zeit viel Mut
erforderte. Ab 1971 gehörte sie zu den ersten Akteurinnen der Lesbenbewegung in Münster, war Mi t-
begründerin der ersten westdeutschen Lesbengruppe und wurde zu einer Protagonistin der frühen
Lesbenbewegung in Deutschland. Anne Henscheid lebte später in Osnabrück und starb dort im Jahr
2009.
Vorlagen-Nr.:
V/0493/2017
Auskunft erteilt:
Herr Zimmermann
Ruf:
492 62 42
E-Mail:
ZimmermannBernhard@stadt-
muenster.de
Datum:
10.10.2017
Öffentliche Beschlussvorlage
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V/0493/2017
Rainer-Plein-Weg
Der Vorschlag zur Straßenbenennung nach Rainer Plein wurde erstmals mit der Anregung nach
§ 24 GO Nr. 89/2004 vom schwul-lesbischen Netzwerk Münster eingereicht und seinerzeit in die Vo r-
schlagsliste für Straßennamen eingetragen. (Anlage 1)
Mit der Anregung nach § 24 GO Nr. 15/2012 vom 02.02.2012 schlug das KCM Schwulenzen t-
rum e.V. vor, ein Teilstück des Aa -Seitenweges zum Beispiel zwischen Spiegelturm und Spieke rhof
oder zwischen der Straße An der Apostelkirche und dem Breul nach Rainer Plein zu benennen (Anla-
ge 2). Diesem Vorschlag ist die Bezirksvertretung Münster-West mit der Entscheidung zur Beschluss-
vorlage V/0982/2012 nicht gefolgt. In diesem Baugebiet südlich Markweg könnte die Straßenbene n-
nung nach Rainer Plein in der Nachbarschaft zum Straßennamen Anne -Henscheid-Weg realisiert
werden.
Rainer Plein, *25.04.1948, hat nach seinem Abitur in Münster begonnen Biologie, Philologie und P ä-
dagogik zu studieren. Plein gründete 1971 die Homophile Student engruppe Münster und eng agierte
sich über ca. drei Jahre in verschiedenen Organisationen für die politischen Aspekte der Homosexua-
lität in der Gesellschaft. Im Alter von 28 Jahren starb Rainer Plein am 22.11.1976 durch Suizid.
Im Dezember 1976 beantragte die Arbeitsgemeinschaft Münsterscher Frauenorganisationen, AMF ,
eine Straße in Münster nach Anna Krückmann zu benennen. In einem weiteren Antrag vom
07.08.1989 schlug die AMF acht Münsteranerinnen für Straßenbenennungen vor (Anlage 4). Aus
diesen Vorschläg en wurden drei Straßenbenennungen, der Mathilde -Anneke-Weg, der Na nda-
Herbermann-Weg und die Josefine -Mauser-Straße, realisiert. In diesem Baugebiet südlich Mar kweg
können zwei weitere Vorschläge aufgegriffen werden.
Anna-Krückmann-Weg
Anna Krückmann war S tadtverordnete für die Deutsch -Nationale Volkspartei von 1924 -1929 und bis
1930 für eine Bürgerliche Einheitsliste. Sie gründete 1915 in Münster den Hausfraue nverein, der mit
Vorträgen, Kursen, Beratungen und Freizeitveranstaltungen viel für die Bildung vo n Frauen und die
Reform der Hauswirtschaft bewirkt hat.
Auguste-Bispinck-Weg
Auguste Bispinck legte das Lehrerinnenexamen ab und führte später mit ihrem Ehemann ein G e-
schäft in Münster. Die beiden hatten fünf Kinder. Sie war von 1919 bis 1924 und 1928 bis 1933 Stadt-
rätin für die Zentrumspartei. Sie gründete in Münster den Katholischen Fürsorgeverein. Später eng a-
gierte sie sich im Katholischen Deutschen Frauenbund.
Emmy-Herzog-Platz
Für die Benennung des kleinen, zentralen Platzes im Baugebiet ging die Anfrage der Verwaltung an
die Autorinnen des Buches Jüdische Familien in Münster 1918 – 1945. Gisela Möllenhoff und Rita
Schlautmann-Overmeyer haben als Namensgeberin Emmy Herzog vorgeschlagen.
Emmy Herzog, geb. Bogatzki (1903 -2009) ist in Kattowitz/Obers chlesien aufgewachsen und lebte
später in Münster. 1933 heiratete sie den Mechaniker und Motorradrennfahrer Leo Steinweg. Ihr
Mann emigrierte 1938 in die Niederlande. Emmy Steinweg engagierte sich mit sehr mutigem Auftr e-
ten, um ihren Ehemann vor den Nation alsozialisten zu schützen. Leo Steinweg wurde 1945 im KZ
ermordet. 1999, im Alter von 96 Jahren, begann Emmy Herzog, verw. Steinweg, ihre Lebensg e-
schichte, insbesondere ihre Erinnerungen an Leo Steinweg niederzuschreiben. Das Buch
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erschien 2000 unter dem Titel "Leben mit Leo". Emmy Herzog starb 2009 im Alter von 106 Jahren in
Münster.
Weitere Erläuterungen zu Emmy Herzog in der Anlage 5.
Lauenburgstraße
Im südlichen Bereich des Bebauungsplanes ist eine Verlängerung der Lauenburgstraße vorges ehen.
Diese Straßenfläche wird dem schon vorhandenen Straßennamen Lauenburgstraße zugeordnet.
Durch die Erschließung des Baugebietes werden zwar viele neue Adressen entstehen, eine Umb e-
nennung von vorhandenen Adressen wird es aber nicht geben.
In Vertretung
Denstorff
Stadtbaurat
Anlagen
Anlage 1 Anregung Nr. 89/2004 (Rainer-Plein)
Anlage 2 Anregung Nr. 15/2012 (Rainer Plein)
Anlage 3 Anregung Nr. 2017-00085 (Rainer Plein)
Anlage 4 Antrag der AMF - acht Straßennamen nach Frauen
Anlage 5 Emmy Herzog, geb. Steinweg
Anlage 6 Übersichtsplan
Anlage-5-Emmy-Herzog-Platz
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Anlage 5 Anlage zur Beschlussvorlage V/0493/2017 Emmy-Herzog-Platz Emmy Herzog, *13.04.1903 †30.08.2009, verwitwete Steinweg versuchte 1938 bis 1945 durch mutiges Auftreten ihren Mann vor den Nationalsozialisten zu schützen. Leo Steinweg, jüdischer Herkunft, wurde 1945 im KZ ermordet. Die am 13.4.1903 in Ludwig s- dorf/Oberschlesien geborene Katholikin Emmy Bogatzki heiratete 1933 den drei Jahre jüngeren Mechaniker und Moto r- radrennfahrer Leo Steinweg, der im Jahr zuvor vom Judentum zum Kath o- lizismus konvertiert war. Das Paar wohnte Rothenburg 51. Emmy Steinweg war in Verkauf und Buchführung des Fahrrad- und Motorradgeschäftes ihres Mannes in Münster tätig. Als Ende A u- gust 1938 aus NS -Kreisen der Hinweis erfolgte, ihr Mann solle sich in Siche r- heit bringen, flüchtete er über die Gren- ze nach Enschede. Er wurde illegal von einem Berufskollegen beschäftigt, wä h- rend sie inn erhalb kürzester Frist die Wohnungseinrichtung verkaufen und das Geschäft mit dem Warenlager zu ungünstigen Bedingungen abwickeln musste. Leo Steinweg, dessen Pass bei einer Kontrolle eingezogen worden war, fand Zuflucht in einem Kloster nahe der belgischen Grenze. Emmy Steinweg e r- wirkte durch mutiges Auftreten bei der Behörde die Herausgabe des Dok u- ments. Dadurch war sein Aufenthalt s- recht in den Niederlanden gesichert. Eine Ausreise nach Brasilien scheiter- te, weil deutsche Truppen am 10.5.1940 die Niederl ande überfielen. Emmy Steinweg schützte ihren Mann und sorgte durch Heimarbeit für den Lebensunterhalt. Seit Frühjahr 1941 hielt sich Leo Steinweg nur noch i n- nerhalb der Wohnung auf. Von ho l- ländischen Nachbarn vor Razzien g e- warnt, flüchtete er jedes Mal au f das Hausdach, bis die Gefahr vorüber war. Nach einer Denunziation wurde ihr Mann ins Sammellager Weste r- bork verbracht. Durch beherztes Au f- treten gelang es Emmy Steinweg, ihn einmal dort zu besuchen. Sie ve r- suchte vergeblich, bei der Gestapo in Amsterdam seine Rückstellung von der Deportation zu erlangen. Jeden Monat musste sie sich bei der Gest a- po in Amsterdam melden und wurde jedes Mal mit unflätigen Worten zur Scheidung gedrängt. Emmy Herzog Am 2.11.1942 wurde Leo Steinweg ins KZ Auschwitz deportiert; er überlebte als „kriegswichtiger“ Facharbeiter der Motorenbranche die nächsten zwei Jah- re. Emmy Steinweg erhielt als Leben s- zeichen mit Hilfe eines Soldaten hei m- lich Briefe von ihm. Kurz vor der Befreiung des Vernic h- tungslagers Ausch witz durch sowjet i- sche Truppen wurde Leo Steinweg A n- fang 1945 auf den „Todesmarsch“ Ric h- tung KZ Flossenbürg/Oberpfalz g e- schickt und dort wenige Monate vor Kriegsende erschossen. Emmy Steinweg selbst konnte erst 1950 nach MS zurückkehren. Als Haften t- schädigung erhielt sie pro Haftmonat 150 DM für 32 Monate KZ -Aufenthalt des Ehemannes. 1953 heiratete sie in zweiter Ehe Eugen Herzog. Emmy Herzog starb 2009 im Alter von 106 Jahren in Münster. Quelle: Gisela Möllenhoff und Rita Schlautmann -Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918 – 1945, unveröffentlichte Biographie, Oktober 2017
Anlage-2-Anregung-15-2012
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Anregung Nr. 15/2012 4 Vnerbureatiwnsten i F Mare. 200 | h 4407 048027 Munster - Ami Aaes ui Stadt Münster Lovos Bezirksverwaltung Mitte Stadthaus | - Klemensstraße 10 Schwulenzentrum Münster e.V 48143 Münster Anregung nach $ 24 GO NRW Münster, den 2. Februar 2012 Sehr geehrte Damen und Herren, angesichts des 40-jährigen Jubiläums der ertsen bundesdeutschen Schwulendemo überhaupt regen wir hiermit gemäß $ 24 Gemeindeordnung Nordrhein-Westfalen die Benennung von Teilstücken des Aa-Seitenweges in Rainer Plein-Weg an Sankve In Frage kämen insbesondere die Wegstücke an der Aa zwischen Spiegelturm und — Spiekerhof bzw. zwischen Apostelkirche und Breul. Beide Wegstücke tragen u W bisher keine eigenen Namen Der Aa-Seitenweg hat einen angemessenen innerstädtischen und seriösen Charakter, ist zugleich aber kein Wohngebiet Neben der Benennung sollten gesonderte Hinweistafeln auf die Person von Rainer Plein hinweisen. Biografische Daten zum zu Ehrenden finden Sie in der Anlage Alternativen Vorschlägen sehen wir gerne entgegen. Die Begründung des Antrags (Details zum Leben und Wirken von Rainer Plein) entnehmen Sie bitte der Anlage. Mit freundlichen Grüßen für Mitglieder, Beirat und Vorstand des KCM ar a 4 Anlage Anregung Nr. 15/2012 Anlage: Begründui Antrags nach $ 24 GO vom xx. Januar 2012 Obgleich Münster für die Geschichte der frühen Homosexuellenbewegung in der BRD von herausragender Bedeutung ist, fehlt es im Stadtbild immer noch an Belegen für diesen historischen Fakt. Am 29. April 1972 fand in Münster die erste bundesdeutsche Schwulendemo überhaupt statt. Diese jährt sich im April zum 40-sten Male. Organisator und „Mutter der Bewegung” in Münster war der Student Rainer Plein. Daneben betätigte sich Plein auch bundesweit Da (in bekanntem Zusammenhang) ohnehin einige Straßenumbenennungen anstehen, sollte das anstehende Jubiläum passender Anlass für eine entsprechende New/Umbenennung sein Biografische Daten zu Rainer Plein Am 25. April 1948 in Münster geboren. Schulbesuch und Abitur in Münster. Ende der 60er Jahre Ableistung des Wehrdienstes, Entlassung als Leutnant der Reserve. Ab ca. 1970 Studium der Biologie und klassischen Philologie, später Pädagogik, in Münster. Am 29. April 1971 Gründer der Homophilen Studentengruppe Münster HSM, der ersten lokalen Schwulenorganisation überhaupt (nach Quellenlage zugleich die zweite derartige Struktur in der Bundesrepublik nach der unmittelbar zuvor gegründeten HAG Bochum). Im Sommer und Herbst 1971 öffentliche Debatte mit dem damaligen Münsteraner Bischof Dr. Heinrich Tenhumberg zu Aspekten der Homosexualität. Zum einjährigen Jubiläum der HMS erfolgt am 29. April 1972 die erste bundesdeutsche Schwulendemo überhaupt mit etwa 200 in- und ausländischen Teilnehmern. Ab Sommer 1972 Ansätze zu einer überregionalen Organisation (vgl. die Deutsche Aktions- gruppe Homosexualität DAH) aber auch beginnende Spaltungen innerhalb der HMS (vgl. die Schwule Aktion Münster SAM, die es 1973 immerhin auf die SPIEGEL-Titelseite schaffte). Im Herbst 1973 allmähliches Einschlafen der HSM; im Februar 1974 legt Rainer Plein seine Ämter auch formal nieder, die für den 8. Mai 1974 einberufene letzte Vollversammlung findet wahrscheinlich nicht mehr statt. In den Jahren 1975 und 76 nimmt Plein sein Studium (nun Pädagogik) formal wieder auf. Die erhoffte Beförderung zum Oberleutnant der Reserve wird unter direktem Hinweis auf seine Homosexualität gerichtlich abgelehnt. Am 22. November 1976 begeht Rainer Plein Suizid. Fazit: Rainer Plein ist untrennbar mit den Anfängen der homosexuellen Selbstorganisation in Münster und in der Bundesrepublik verknüpft. Über die 1977 gegründete Homosexuelle Initative Münster HIM führt ein direkter Weg zur 1985 erfolgten Gründung des KCM e.V.. Quelle: Rosa Archiv Münster Zusammenstellung: KCMeV. r
Anlage-4-AMF-Vorschläge-1989
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ARBEIISGEME INSCHAF I MÜNSTERSCHER FRAUENORGANISATIONEN l. Vorsitzende Münster, 7.8.1989 An den Rat und die Verwaltung der Stadt Münster an die Bezirksvertretungen - ee nur ; ° . Der Obgrstadtdirektor an die Vorsitzenden der Ratsfraktionen ine an die Frauenbeauftragte der Stadt Münster Sehr geehrte Damen und Herren! Die Arbeitsgemeinschaft münsterscher Frauenorganisationen hat in einer ihrer letzten Sitzungen folgenden einstimmigen Beschluß ge- faßt. und bittet Sie, dies im Rahmen Ihrer Arbeit in die Tat umzu- setzten: Die AMF fordert den Rat der Stadt Münster auf, bei der Neubenennung von Straßen in Münster - möglichst zusammenhängend in Gebieten - be- kannte, verdiente Münsteranerinnen zu berücksichtigen, wie z.B. Mathilde Franziska Anneke Johanna Buhtz (Mutter Buhtz) Auguste Bispinck ' Mathilde Grönhoff Nanda Herbermann Antonie Jüngst Anna Krückmann Josefine Mauser Darüber hinaus fordert die AMF den Rat der Stadt Münster auf, zukünftig grundsätzlich bei der Auswahl von Straßennamen in Münster in ausreichen- dem Maße bemerkenswerte Frauen zu berücksichtigen. Die AMF behält sich vor, zu gegebener Zeit weitere Vorschläge für Straßenbezeichnungen in Neubaugebieten in Münster beim Rat der Stadt Münster einzureichen. \ In der Hoffnung auf Ihre Unterstützung und eine baldige Realisierung verbleiben w mit freundli hen AiRem) i.A. ı f Frauen in Münster SPD 1987 Mathilde Franziska Anneke (1817 - 1884) Aus: Einen ganz anderen Weg als Annette von Droste-Hülshoff wählte Mathilde Franziska Anneke, die zu einer der Frau- enrechtlerinnen der ersten Stunde wurde und in den USA wesentlich mehr Aufmerksamkeit genoß als bei uns. Ma- thilde Gießler, wie sie mit ihrem Mädchennamen hieß, hat- te mit 19 Jahren Alfred von Tabouillot geheiratet, von dem sie bereits nach einem Jahr nach einem langwierigen Pro- zeB geschieden wurde. . Ihre Versuche, in der literarischen Welt Fuß zu fassen und so.den Lebensunterhalt für sich und ihre Tochter zu verdie- nen, führten sie nach Münster, wo sie neben Gebetbüchern und Damenalmanachen auch ein westfälisches Jahrbuch mit dem Titel »Producte der Rothen Erde« herausgab. Sie konnte unter anderem Annette von Droste-Hülshoff und Levin Schücking zur Mitarbeit gewinnen. Als geschiedene Frau mußte sie schwer um Achtung und Anerkennung kämpfen. Die Verachtung, die ihr überall entgegenschlug, führte bei Mathilde Tabouillot allmählich zu einer Entfremdung von ihrer ursprünglichen religiösen Haltung. Symptomatisch ist dafür eine Änderung im Titel- blatt des von ihr verfaßten Gebetbuches, das sie mit der Überschrift versah, »von den Göttern, die der Mensch in seiner Not erschuf«. Während dieser Zeit hatte sie sich einem Kreis in Münster angeschlossen, der unter dem Namen »Demokratischer Verein« den »wahren Sozialismus« als Grundlage des neu- en Staates herbeiführen wollte, von der Münsteraner Ge- sellschaft schlicht als Kommunistenverein bezeichnet. Hier lernte sie Fritz Anneke kennen, den sie 1847 heiratete. Die Revolution 1848 erlebte Mathilde in Köln, wo sie für ihren Mann, der im Gefängnis saß, die »Neue Kölnische Zeitung für Bürger, Bauern und Soldaten« gründete und nach deren Verbot eine erste »Frauenzeitung« in Deutsch- land herausgab. Aus den Kämpfen in Baden, an denen Ma- thilde als Gefechtsordonanz teilnahm, floh das Ehepaar nach Wisconsin, wo Mathilde ab 1852 eine »Deutsche Frauenzeitung« herausgab. Als Setzer hatte sie nur Frauen angestellt, was ihr den Groll der Männereintrug. Sie mußte nach kurzer Zeit die Herausgabe einstellen. Auf Einladung amerikanischer Frauenrechtlerinnen unter- nahm sie zu Pferde eine siebenmonatige Vortragsreise und erlangte schon bald einen großen Einfluß in der amerikani- schen Frauenbewegung. Ihr besonderes Interesse galt da- bei dem Stimmrecht für Frauen und der Sklavenunterdrük- kung. Hier prangerte sie besonders die schier ausweglose Lage der Sklavinnen an und schilderte sie in drastischen Novellen, die sie in den Unterhaltungsbeilagen gängiger Zeitschriften veröffentlichte. 1865, nach fünfjähriger Tätigkeit in der Schweiz, eröffnete sie gemeinsam mit Cäcilie Kapp eine deutsche Mädchen- schule in Milwaukce, die sie bis zwei Jahre vor ihrem Tod mit großem Erfolg leitete. Als Protagonistin der Frauene- manzipation blieb sie immer ihrem eigenen Motto treu: , »Wer will, der kann.« Mathilde Franziska Anneke und Annette von Droste- Hülshoff haben sich als Schriftstellerinnen in Münster ge- kannt. Von der Droste gibt es über diese Bekanntschaft ei- ne Bemerkung, daß sie dem Ratschlag ihrer Mutter folgen und der Anneke aus dem Weg gehen wolle, weil diese sie ganz »aussaugen würde an Beutel, Geist und Körper. Sie hat keine Kenntnisse zum Unterrichtgeben und kein Ge- schick zum Arbeiten und macht ganz wässerige miserable Gedichte.« Aus: 100 Jahre Zentralfriedhof (1988) Johanna Buhtz, geb. Viering 2.12.1869 - 13.3.1958 "Mutter Buhtz" nahm sich während ihrer Zeit in Münster von 1904-1943 aus christlicher Verantwortüng vieler Studenten, ebenso aller Ge- strauchelten und Hilfsbedürftigen an, schützte während des III. Reiches auch Juden Frauen in Münster SPD 1987 Auguste Bispinck (1866 - 1959) Aus: Auguste Hasken verbrachte ihre Kindheit auf Schloß Wil- kinghege, besuchte nach dem Umzug der Familie nach Münster die Acgidiischule und hernach die »Katholische Höhere Töchterschule der Damen Schöningh«, die Vor- läuferin der heutigen Annette-Schule, wo sie das Lehrerin- . nenexamen ablegte. 1891 heiratete sie den Kaufmann und Stadtrat Hermann C. Bispinck und bekam 5 Kinder. Sie trat entschieden für die Zulassung von Frauen zum Studium ein. Zusammen mit Klara Helbraeth gründete sie den Katholischen Fürsorge- verein. Nach dem Tode ihres Mannes 1910 führte sie die Geschäfte weiter. 1919 bis 1924 und 1928 bis 1933 war Auguste Bispinck Stadträtin für die Zentrumspartei. Da- nach konzentrierte sie ihre Tätigkeit auf den Katholischen Deutschen Frauenbund. Nach dem Krieg lebte sie beiihren Söhnen in Arnsberg und Senden. AUS: Frauen ın Munster, SPD 198/ Mathilde Grönhoff (1863 - 1954) Im ersten Weltkrieg betätigte sie sich ehrenamtlich in der, Krankenpflege und Fürsorge. Nach dem Krieg war sie von 1919 bis zur Pensionierung 1929 als Fürsorgerin am städti- schen Gesundheitsamt tätig. Nach Einführung des Frauenwahlrechts 1919 gehörte Ma- thilde Grönhoff zusammen mit fünf weiteren Freunden des Zentrums zu den ersten weiblichen Stadtverordneten in lünster. Sie war die erste Frau im ersten Wohnungsausschuß der - Stadt Münster bis 1924, Aus: 100 Jahre Zentralfriedhof (1988) Nanda Herbermann 29.12.1903 - 2.8.1979 Sekretärin des politisch verfol überlebte KZ-Haft gten Paters Friedrich Muckermann, Aus: 100 Jahre Zentralfriedhof (1988) Antonie Jüngst, 13.6.1843 - 8.6.1918 Dichterin Aus: Eine kleine Biographie, 30 Jahre Anna Krückmann Haus 1987 Anna Krückmann (1868 - 1955) Anna Krückmann hat in Münster viel für die Bildung von Frauen und Reform der Hauswirtschaft getan. - Geboren 1868 in Rostock als Tochter des Rittergutsbesit- zers Stierling und seiner Frau, heiratete sie den Arzt Len- schow und betrieb nach dessen Tod eine Ferienpension im Harz. 1901 heiratete sie den Geheimen Justizrat Professor Dr. jur. Krückmann, der in Greifswald lehrte. Ein Jahr spä- ter zog die evangelische Familie Krückmann nach Münster. Die Bekanntschaft von Hedwig Heyl aus Berlin, durch de- ren Initiative Hauswirtschaftsschulen und Hausfrauenver- eine entstanden, brachte Anna Krückmann 1915 dazu, auch in Münster einen Hausfraucnverein zu gründen. Die Gründungsversammlung im Rathaussaal war eine Sensa- tion; die Polizei mußte den Eintritt sperren. Die Zahl der Mitglieder stieg an bis 2000 in kurzer Zeit. Ein Angebot an Vorträgen, Kursen, Beratungen und Freizeitveranstaltun- gen führte zu einem regen Vereinsleben. Anna Krückmann war im Stadtrat für die Deutsch-Natio- nale Volkspartei 1924 - 1929 und bis 1930 für eine Bürger- liche Einheitsliste. Auf ihre Initiative wurde am Servatiiplatz ein »Milchhäu- schen« eingerichtet, das vom Hausfrauenverein gemein- sam mit Blaukreuzlern betrieben wurde. Auch dic erste öf- fentliche Toilette entstand auf ihre Anregung. 1936 löste sie den Hausfrauenverein auf. Den Vorsitz bei „der Neugründung des Hausfrauenvereins nach dem Kriege lehnte sie mit Hinweis auf ihr Alter ab, unterstützte aber die Frauen mit ihren Erfahrungen. Sie starb 1955 im Alter von 87 Jahren im Schölling-Stift in Wolbeck. und: Frauen in Mühster, SPD 1987 Aus: Frauen in Münster, SPD 1987 Josefine Mauser (1887 1973) Erste Stadtverordnete der SPD nach Einführung des Fra: enwahlrechts von 1920-1924; Mitglied der Armenkom- mission. Josefine Stegemann kam aus ciner kinderreichen katholi- schen Familie. Sie machte eine Lehre als Kürschnerin, 1910 heiratete sie den Angestellten bei VEW Gottlieb : Mauser, der auf Drängen der Schwiegereltern zum katholi- schen Glauben übertrat, später jedoch wieder evangelisch wurde. Gottlieb Mauser war lange Jahre als Schiedsmann tätig und Vorsitzender der SPD während des Nationalso- zialismus. . Während des Krieges, als die SPD verboten war, wurden Versammlungen in der Wohnung Mausers am heutigen Fliednerweg abgehalten. Die Mausers sorgten für Ukrainer und Polen im Arbeitslager an der Wolbecker Straße, denen sie Brot und Weißkohl über den Zaun warfen und die sie für Gartenarbeit anforderten. Josefine kochte für sie Sup- pc, die sie heimlich essen konnten. Nach dem Krieg leitete Josefine Mauser die Kleiderkammer am Hansabunker und verteilte warmes Essen, das aus den Care-Paketen zusam- mengestellt wurde. Später engagierte sie sich beim Stammtisch der SPD-Frau- en, bei der AWO und im Vorstand des Hausfrauenvereins.
Anlage-1-Anregung-89-2004
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Mg: 05, KILL 2008 Schwul-iesbisches Netzwerk Münster _ Anni de means und | 1.r4DB Dezem® em. “ Herrn Oberbürgermeister . i u Dr. Berthold Tillmann ” Postfach 48127 Münster Münster, 1. Juli 2004 Anregung gemäß $ 24 Gemeindeordnung NW Sehr geehrter Herr Dr. Tillmann, das schwul-lesbische Netzwerk Münster (Arbeitsgemeinschaft der schwulen und lesbischen Initiativen in Münster) regt.an, eine Straße‘ in Münster nach Rainer Plein, dem Begründer der ersten homosexuellen Studentengruppe in Münster zu benennen. Diese Anregung wird unterstützt vom Koordinierungskreis „Lesben- und Schwulenarbeit“ der Stadt Münster. - Rainer Plein (15.4.1948 - 221 1.1976) rief Mitte April 1971 per Aushang einen Zusammenschluss homosexueller Studenten ins Leben — die „Homophile Studentengruppe Münster“ (HSM), die zweite schwule Hochschulinitiative in Nordrhein-Westfalen und eine - der ersten deutschen Organisationen dieser Art überhaupt. Rainer Plein nahm hier auch nach der Gründung der Gruppe als gewählter „Koordinator“ und „Referent für Öffentlichkeit“ (im. Amt bis Ende 1972) eine führende Rolle ein. Am 29. April 1972 feierte die Gruppe in Münster ihren ersten Jahrestag mit einem Zug durch die Innenstadt - die erste deutsche Homosexuellendemonstration, zu der etwa 200 Teilnehmer aus dem In- und Ausland erschienen waren. Rainer Plein trat auch hier als Redner auf (Bilder davon im Archiv der „Rosa Geschichten - Schwul-lesbisches Archiv Münster“). Diese Demonstration führte zur Gründung weiterer Gruppen in anderen deutschen Städten. Münster war unter der Ägide Pleins eines der Zentren der Schwulenbewegung. Schon kurz nach der Gründung der HSM hatte Rainer Plein Kontakt mit anderen Organisationen - auch niederländischen - . aufgenommen, um eine überregionale Vernetzung und Zusammenarbeit zu erreichen. So Anregung Nr. 89/2004 leitete er von Dezember 1972 bis Januar 1974 von Münster aus die „Deutsche Aktionsgruppe Homosexualität“. Nach mehreren Schicksalsschlägen (u.a. ein verlorener Prozess um seine Beförderung zum Öberstleutnant der Reserve, die ihm aufgrund seiner Homosexualität verweigert wurde) gab er sich selbst den Tod. In einem Nachruf von Jörg-Peter Bierach wurde er mil Recht als „Mutter der homosexuellen Studentenbewegung“ geehrt. Die Benennung einer Straße nach Rainer Plein, dessen Biographie für viele Schwule seiner Zeit stehen kann, würde so nicht nur allgemein auf die Geschichte der Schwulen- und “ Lesbenbewegung in Deutschland verweisen. Mit einer solchen Handlung könnte — und eben für unsere Stadt von Relevanz — daran erinnert werden, welch große Bedeutung für die frühe Schwulen- und Lesbenbewegung der Stadt Münster zukommt, die auch in den 90er Jahren - dann amtlich — durch die Einrichtung des „Runden Tischs“, der Arbeitsstelle Anti- diskriminierung und des Koordinierungskreises hicr ihren Ruf als Vorreiterin erneut bestätigt hat. Auch dies ist ein — sicherlich nicht unrühmlicher — Teil der Lokalgeschichte, der allerdings olt ignoriert wird. Zugleich wäre dies die Ehrung eines früheren Bürgers der Stadt, der sich im Kampf für mehr Bürgerrechte einen Namen gemacht hat. Es bietet sich an, eine solche Straßenbenennüng nicht isoliert vorzunehmen. Sinnvoll erscheint es, dies mit weiteren Namen aus dem Leben der Stadt Münster zu verbinden, die für “andere „alternative“ Bewegungen der Nachkriegszeit stehen (z.B. Umweltschutz, Frauenbewegung, Frieden, Menschenrechte u.ä.). Lit.: Rosa Geschichten (Hg.): Eine Tunte bist Du auf jeden Fall. 20 Jahre Schwulenbewegung in Münster, Münster 1992, $. 10-23. = “Wir würden uns freuen, wenn unsere Anregung positiv beschieden würde, und verbleiben mit freundlichen Grüßen . \
Anlage-3-Anregung-2017-00085
23 Zeichen
Anregung Nr. 2017-00085
Anlage-6-Übersichtsplan
323 Zeichen
Auguste-Bispinck-W eg Auguste-Bispinck-W eg Lauenburgstraße Anna-Krückmann-W eg Anne-Henscheid-W eg Anne-Henscheid-W eg Markweg Anna-Krückmann-W eg Anna-Krückmann-W eg Rainer -Plein-W eg Rainer -Plein-W eg Emmy- Herzog- Platz Übersichtsplan auf der Grundlage des Bebaungsplans Nr. 569 Anlage 6 Anlage zur Vorlage V/493/2017
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: mehrheitlich beschlossen
Zur SitzungOrte (17)
- Klemensstraße 10
- Wolbecker Straße
- Lauenburgstraße
- Rainer-Plein-Weg
- Anna-Krückmann-Weg
- Auguste-Bispinck-Weg
- Emmy-Herzog-Platz
- Servatiiplatz
- Markweg
- Anne-Henscheid-Weg
- An der Apostelkirche
- Mathilde-Anneke-Weg
- Josefine-Mauser-Straße
- Spiegelturm
- Spiekerhof
- Rothenburg 51
- Breul
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Aktenzeichen
- V/0493/2017
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 10.10.2017
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37