V/0819/2006
Antrag der Fraktion Bündnis 90/die Grünen/GAL Nr. A-R/0027/2006 an den Rat -11 Punkte- Programm für
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Anlage
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Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/GAL Antrag Nr.: A-R/0027/2006 im Rat der Stadt Münster \ Antrag 14.06.2006 „11-Punkte-Programm 'Münsteraner Brennpunktschulen" Bündnis 90/Die Grünen/GAL Ratsfraktion Münster Bremer Str. 54 48155 Münster Fon: 02511899 58 10 Fax: 0251/89958 15 gruene.ratsfraktion@muenster.de www.gruene-muenster.de „Wer PISA nicht hören wollte, muss Rütli fühlen.“ (Friedrich Küppersbusch) „Brennpunktschulen“ sind Vorzeigeschulen. Dieser lapidare Satz gilt auch für Münster. Brennpunktschulen (BPS) leisten eine vorbildliche pädagogische Arbeit, die in den Schulprogrammen für die Öffentlichkeit erkennbar niedergelegt ist. Vielen Schulen gelingt es ausgezeichnet, die soziale und ethnische Heterogenität ihrer Schülerschaft als Reichtum zu verstehen und dieses Potential so erfolgreich in Wert zu setzen, dass die Schulen gezielt auch von deutschen Eltern nachgefragt werden. Die Heterogenität des Brennpunkts wird als herausragende und bereichernde Qualität der Schule wahrgenommen. Gleichzeitig nehmen die Münsteraner BPS das Primat der Gleichbehandlung von Schulen als systematische Benachteiligung wahr, die nicht hinnehmbar ist. Vielmehr haben die BPS Anspruch auf eine herausgehobene Aufmerksamkeit der Stadtgesellschaft, auf ihre „Ungleichbehandlung‘, die sich notwendigerweise auch in haushaltsrelevanten Entscheidungen niederschlagen muss. Nach den Ereignissen in und um die Berliner Rütli-Schule war die Erleichterung in der Münsteraner Politik- und Presselandschaft darüber, dass hier zum Glück etwas Derartiges undenkbar sei, unüberhörbar. Diese „Entwarnung“ stieß hingegen in einigen Stadtteilen und den dortigen Schulen auf völliges Unverständnis. Auch im beschaulichen Münster gibt es Warnsignale, die gerade in schwierigen Haushaltszeiten gerne übersehen werden: « Einen diskriminierungsfreien von Chancengleichheit geprägten Zugang zu Bildung gibt es auch in Münster nicht. e Haupt- und FörderschulabgängerlInnen leiden unter ihrer Perspektivlosigkeit; bundesweit liegt die Arbeitslosenquote von Männern im erwerbsfähigen Alter ohne mittlere Reife inzwischen bei 26,2 %. «e Schulleitungen und Kollegien nähern sich bedrohlich dem Zustand der Resignation, das Burn-out-Syndrom wird zum Alltagsphänomen. « Für Roma- und andere „Brennpunktkinder“ gibt es nur die realistische Alternative Haupt- oder Sonder- /Förderschule. ® Kinder und Jugendliche aus „bildungsfernen“ Schichten verweigern den Schulbesuch. e Hemmschwellen zur Gewalttätigkeit sinken bedrohlich. « Bandenbildung und Kleinkriminalität sind bereits ein Grundschulphänomen, Diebstähle nicht selten. e Kinder und Jugendliche kommen morgens ohne Frühstück zur Schule. « Das Elternengagement ist unterdurchschnittlich. In Münster gibt es zudem die Eigenart, das deutliche Benennen von Fehlentwicklungen in Stadtteilen und Schulen zu vermeiden. Der Begriff „Brennpunkt“ gehört inzwischen zum allgemeinen Sprachgebrauch, ist aber gleichzeitig verpönt. Wohnviertel, Stadtteile und Schulen fürchten Stigmatisierungen, letztere wegen des zu erwartenden Anmeldeschwunds. Das folgende Handlungsprogramm soll weder stigmatisieren noch Klischees verfestigen, es soll vielmehr Wege weisen aus problematischen Entwicklungen, die sicher noch weit entfernt sind von Neuköllner Verhältnissen. Signale, die in diese Richtung deuten, gibt es allerdings auch hier. Gleichzeitig liegen in den Strukturvorschlägen auch Sparpotentiale, die, auch wenn sie nicht Anlass des Antrags sind, nicht zu unterschätzen sein werden. Der Rat möge beschließen: Allgemeine Korrekturmaßnahmen: 1. Alle Brennpunktschulen werden ab sofort ausnahmslos aus allen Sparprogrammen ausgenommen. Fortbildungen: 2. Die BPS erhalten einen eigenen erhöhten Fortbildungsetat für die Qualifizierung aller pädagogischen und nichtpädagogischen Professionen. Schulverwaltungen und Transporte: 3. Verwaltungsarbeiten und Hausdienste werden quantitativ aufgewertet. 4. Die Schülerbeförderung an den Förderschulen verbleibt ungekürzt auf dem bisherigen Niveau. Schulformbezogene Strukturvorschläge: 5. Zunächst in den Grundschulen Berg Fidel, Kinderhaus-West und die Norbertschule, später in weiteren BPS wird die schulgebundene Sozialarbeit eine feste, dauerhafte Einrichtung. 6. Die BPS werden bevorzugt in Ganztagsschulen umgewandelt. - 7. Politik und Verwaltung unternehmen besondere Anstrengungen zur Qualitätssicherung und -verbesserung der Offenen Ganztags. 8. Die Verwaltung erarbeitet ein Handlungskonzept mit dem Ziel der Zusammenlegung von nahe beieinander liegenden Grundschulen unter einem einheitlichen pädagogischen Konzept. 9. Die Verwaltung erarbeitet einen Verfahrensvorschlag zur vollständigen Profanation der BPS. 10. Die Verwaltung prüft die Möglichkeit zur Schließung geringzügiger Hauptschulen bzw. ihrer Zusammenführung mit Realschulen. Kooperation Jugendhilfe und Schule 11. In stadtteilbezogenen Handiungsprogrammen muss der Förderung von Vernetzung und Kooperation zwischen den genannten Schulen und Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit/-hilfe sowie weiteren relevanten Akteursgruppen eine besondere Bedeutung beigemessen werden. Eine kooperative Angebotserbringung erhöht Umfang und Qualität der Bildungs- und Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche. Schule kann dann zu einem Kristallisationspunkt des Lebens im Stadtteil werden. Die Aktivitäten setzen genau dort an, wo sich Benachteiligung zuerst manifestiert: in den unterschiedlichen Bildungschancen unterschiedlicher sozialer Gruppen. Eine „offene Schule“ bietet mehr Chancengleichheit. gez. Manfred Kehr gez. Maria Klein-Schmeink gez. Ilse Schleef gez. Helga Bennink gez. Jutta Möllers gez. Claudia Scholz gez. Wilhelm Breitenbach gez. Jörn Möltgen gez. Dr. Rita Stein-Redent gez. Christof Hoffmann gez. Carsten Peters gez. Brigitte von Schoenebeck gez. Hery Klas gez. Tim Rohleder
Beschlussvorlage
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V/0819/2006 DER OBERBÜRGERMEISTER Amt für Schule und Weiterbildung Betrifft Antrag der Fraktion Bündnis 90/die Grünen/GAL Nr. A-R/0027/2006 an den Rat -11 Punkte- Programm für "Münsteraner Brennpunktschulen" Beratungsfolge 08.11.2006 Hauptausschuss Entscheidung Beschlussvorschlag: Sachentscheidung: Der Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/GAL Nr. A-R/0027/2006 an den Rat -11-Punkte- Programm für „Münsteraner Brennpunktschulen“- (siehe Anlage) wird zur weiteren Beratung an den Ausschuss für Schule und Weiterbildung verwiesen. Begründung: Mit dem o.g. Antrag fordert die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/GAL die Verwaltung auf, im Rah- men eines 11-Punkte-Programms die Situation der Münsteraner Brennpunktschulen zu verbes- sern, um Fehlentwicklungen zu vermeiden. Zielrichtung des Antrages ist es, die -gegenüber vielen anderen Schulen- erhöhten Unterstüt- zungsbedarfe an Ressourcen anzuerkennen und damit die unterschiedliche Ausgangssituation entsprechend differenziert zu berücksichtigen. In den 11 Vorschlägen wird eine Vielzahl von Unterstützungsmaßnahmen benannt. Diese betreffen die gesamte Bandbreite der bisherigen Unterstützungssysteme bzw. Ressourcen für Schulen (u.a. Finanzmittelzuweisungen, Personal, Schülerbeförderung, Ganztagsbetreuung, Schulentwicklungs- planung, Qualitätssicherung und -verbesserung) sowi e eine Optimierung der Kooperation „Schule- Jugendhilfe“. Vorlagen-Nr.: V/0819/2006 Auskunft erteilt: Herr Müller Ruf: 492 40 33 E-Mail: MuellerHt@stadt-muenster.de Datum: 12.10.2006 Öffentliche Beschlussvorlage - 2 - V/0819/2006 Ein Großteil der 11 Punkte hat bei einer etwaigen Umsetzung haushaltsrelevante Konsequenzen. Die im Antrag vorgeschlagenen Maßnahmen werden zur Beratung an den Ausschuss für Schule und Weiterbildung verwiesen. I.V. gez. Dr. Hanke Stadträtin Anlagen: Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/GAL Nr. A-R/0027/2006 vom 15.08.2006 an den Rat - 11-Punkte-Programm für „Münsteraner Brennpunktschulen“-
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungOrte (2)
- Bremer Straße 54
- Kinderhaus
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Details
- Vorlagen-Nr.
- V/0819/2006
- Typ
- Vorlage
- Datum
- 12.10.2006
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37