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4340/2016

Drogenkonsum und Aufenthalt im öffentlichen Raum um den Neumarkt/Josef-Haubrich-Hof

Mitteilung Ausschuss 11.01.2017

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Nächste Beratung: Bezirksvertretung 1 (Innenstadt), Sitzung am 09.02.2017, TOP 11.10

Mitteilung Ausschuss

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Mitteilung Ausschuss

8770 Zeichen

Die Oberbürgermeisterin 
Dezernat, Dienststelle 
V/53/530/1 
 
Vorlagen-Nummer  11.01.2017 
 4340/2016 
Mitteilung 
öffentlicher Teil 
Gremium Datum 
Gesundheitsausschuss 24.01.2017 
Ausschuss Soziales und Senioren 26.01.2017 
Bezirksvertretung 1 (Innenstadt) 09.02.2017 
 
Drogenkonsum und Aufenthalt im öffentlichen Raum um den Neumarkt/Josef-Haubrich-Hof 
Der Neumarkt im Herzen von Köln ist ein beliebter Platz für eine Vielzahl unterschiedlichster Men-
schen sowie ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt in der Innenstadt. Zudem wird der öffentliche Raum 
um den Neumarkt in der Innenstadt (zunehmend) als Aufenthaltsbereich von Menschen mit offen-
sichtlichen sozialen Schwierigkeiten, psychischen und suchtbezogenen Problemlagen und Drogen-
konsum genutzt. Hierdurch bestätigt sich einmal mehr der Neumarkt mit seinem Umfeld aufgrund der 
baulichen und verkehrstechnischen Möglichkeiten als Kristallisationspunkt auch für den Verkauf, Er-
werb und Konsum von Drogen. Gleichzeitig sind aber auch die Frei- bzw. Aufenthaltsflächen im öf-
fentlichen Raum immer weniger geworden. Als Beispiel sei hier das abgerissene Parkhaus am Neu-
markt/ Cäcilienstraße genannt. 
 
Im direkten Umfeld des Neumarktes wie zum Beispiel dem Rautenstrauch-Joest-Museum, der VHS 
und der Stadtbibliothek halten sich seit Anfang 2014 vermehrt Drogenabhängige zum öffentlichen 
Konsum auf. Ausgelöst durch diesen Drogenkonsum und der dadurch bedingten Beschwerdelage 
haben Ende 2014 bis Frühjahr 2015 Behördengespräche u.a. mit dem Ordnungsamt, der Polizei und 
dem Gesundheitsamt stattgefunden, wo u.a. bauliche Maßnahmen zur Entlastung der Situation um 
den Neumarkt abgestimmt wurden. Durch eine Befragung von Drogenkonsument/innen und im Aus-
tausch mit den Trägern der Drogenhilfen konnte zudem ermittelt werden, dass diese zum Beispiel 
über einen reinen Drogenkonsumraum hinaus auch Bedarf nach einem Aufenthaltsort und tagesstruk-
turierende Angebote, medizinische Hilfen und Beratung im Umfeld des Neumarktes haben. Der Rat 
der Stadt Köln hat daher mit Beschluss vom 28.06.2016 der Schaffung einer umfassenden Drogenhil-
feeinrichtung mit Drogenkonsumraum um den Neumarkt zugestimmt.  
 
 
Personengruppen am Neumarkt 
 
Am Neumarkt und Josef-Haubrich-Hof treffen sich u.a. Drogenabhängige, aber auch Wohnungslose 
und Alkoholabhängige zum Teil mit psychischen Auffälligkeiten, dabei zunehmend auch Menschen 
mit Migrationshintergrund. Es handelt sich jeweils zu unterschiedlichen Tageszeiten auch um einzel-
ne Patient/innen aus den diversen Substitutionspraxen niedergelassener Ärzte und aus den Substitu-
tionsambulanzen aus dem Innenstadtbereich sowie um Haftentlassene. Aktuell halten sich zudem am 
Neumarkt auch in Köln „gestrandete Menschen“ auf wie zum Beispiel eine kleinere Gruppe von Men-
schen aus Süddeutschland. Zunehmend werden auch einzelne Flüchtlinge aber auch vermehrt Bür-
ger/innen aus den EU-Mitgliedsstaaten angetroffen und durch das Aufsuchende Suchtclearing (ASC) 
angesprochen.  
 
Grundsätzlich weisen nach Aussagen des ASC fast alle – insbesondere suchtmittelabhängige Men-

2 
 
schen - eine fehlende Beschäftigung/Tagesstruktur und multiple Hemmnisse zur Vermittlung in wei-
terführende Hilfen auf, da neben den sozialen Schwierigkeiten auch starke psychische und physische 
gesundheitliche Einschränkungen – zumeist komorbide Erkrankungen - vorliegen.  
 
 
Verstärkte Kontrollmaßnahmen/Wanderungsbewegungen 
 
Aufgrund eines nicht ausreichenden niedrigschwelligen Hilfeangebotes in der Innenstadt und der zu-
nehmenden Kontrollmaßnahmen mit damit verbundenem Kontrolldruck für die genannten Personen-
gruppen in der gesamten Innenstadt kommt es zu kurzfristigen  „Wanderungsbewegungen“ der Sze-
nen/betroffenen Menschen, so dass auch solche, die sonst andere Treffpunkte (z.B. Friesenplatz, 
Poststraße, Alte Mauer am Bach, Blaubach) aufsuchen, zum Neumarkt kommen und sich dort aufhal-
ten. Die Situation am Neumarkt mit den suchtbedingten Störungen hat sich seither eher verschlech-
tert. Beobachtet wird zudem, dass seit geraumer Zeit eine zunehmende Verelendung der o.g. Men-
schen aus den verschiedenen Personenkreisen festzustellen ist.  
 
 
Gesundheitliche und soziale Stabilisierung durch Substitution 
 
Die in der unmittelbaren Nachbarschaft befindliche Substitutionsambulanz des Gesundheitsamtes (in 
Kooperation mit der Drogenhilfe Köln gGmbH) behandelt in der Regel 280 (je nach Bedarf auch 
mehr) opiatabhängige Kölner Bürgerinnen und Bürger im Rahmen einer Substitutionsbehandlung mit 
dem Ziel der gesundheitlichen und sozialen Stabilisierung, bei der die Distanzierung zur offenen Dro-
genszene ein entscheidendes weiteres Behandlungsziel darstellt. Von den ca. 280 Patient/innen wer-
den ca. 70 Personen täglich zwei- bis dreimal in den Praxisräumen gesehen. Zudem ist die Ambulanz 
zentrale Anlauf- und Clearingstelle für Notfallpatient/innen z.B. nach Krankenhaus- oder Haftentlas-
sung sowie Informations- und Koordinationszentrum zu allen Fragen der Substitution für Fachinstituti-
onen, niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser.  
 
 
Niedrigschwelliger Zugang zu den Hilfen vor Ort 
 
Ein Teil der Opiatabhängigen von der Straße wird u.a. durch das ASC und den mobilen medizini-
schen Dienst des Gesundheitsamtes (MMD) in die Substitutionsambulanz vermittelt, sodass ein nied-
rigschwelliger Zugang zur Substitutionsbehandlung ermöglicht wird. 
Etwa ein Drittel der Patient/innen der Ambulanz ist mit Hilfe der Behandlung sozial integriert und be-
findet sich in Beschäftigungsmaßnahmen oder Arbeitsverhältnissen auf dem ersten Arbeitsmarkt. Bei 
einem weiteren Drittel der Patient/innen kann eine gesundheitliche Stabilisierung sowie eine deutliche 
Reduzierung des Beikonsums sowie der Szenekontakte erreicht werden. Ein Drittel der Patient/innen 
befindet sich in prekären Wohnverhältnissen (Obdachlosigkeit, Notunterkünfte, Wohnen bei Bekann-
ten) und ist neben der Substitution im Sinne einer Schadensminimierung auf ein Netz von Hilfeange-
boten, insbesondere auch Kontaktcafés zur Tagesgestaltung und Verpflegung mit existenzsichernder 
Basisversorgung angewiesen. 
 
 
Reduzierung von Aufenthalten in der Szene im Rahmen der Behandlung 
 
Ein wesentlicher Effekt der Behandlung in der Substitutionsambulanz, die durch psychosoziale Be-
gleitmaßnahmen (PSB) unterstützt wird, ist die Reduzierung von Aufenthalten in der offenen Drogen-
szene. Bestandteile des Ambulanz-Behandlungsvertrags sind daher die Verbote, sich im Umfeld der 
Ambulanz in der offenen Drogenszene aufzuhalten, weitere Suchtstoffe zu konsumieren oder gar zu 
dealen. Die Einhaltung dieser Regeln wird durch das Personal mittels engmaschiger konsequenter 
Umfeldbeobachtung (regelmäßige Begehungen der Ambulanzumgebung und der einschlägigen Auf-
enthaltsorte von Szenen), Austausch mit den Anwohnern und regulierenden Eingreifens bei nicht re-
gelkonformem Verhalten der Patient/innen sowie der Ordnungspartnerschaft mit der Polizei verfolgt. 
Nach Beobachtungen des Ambulanz-Personals sowie des ASC halten sich bis maximal 5 % der in 
der Ambulanz behandelten Patient/innen zu unterschiedlichen Tageszeiten phasenweise in der Sze-
ne am Neumarkt bzw. Josef-Haubrich-Hof auf.

3 
 
 
 
Noch nicht ausreichendes Hilfsangebot um den Neumarkt 
 
Im Rahmen der Behördengespräche wurde im Vorfeld des im Juni 2016 getroffenen Ratsbeschlusses 
festgestellt, dass Unterstützungsangebote im Rahmen eines umfassenden Hilfeangebotes (beste-
hend aus Kontakt- und Aufenthaltsbereich, medizinische Hilfen, Beratung, Drogenkonsumraum und 
tagesstrukturierende Maßnahmen) um den Neumarkt nötig sind, da sich dort die unterschiedlichen 
Personengruppen mit Hilfebedarf aufhalten. Durch die Ordnungsbehörde wurde seinerzeit auch dar-
gelegt, dass ohne diese zusätzlichen Unterstützungsangebote repressive Maßnahmen sinnlos seien, 
da man die betroffenen Personen nirgendwo sinnvoll hin verweisen könne und das Problem nur in-
nerhalb der Stadt verlagere. Die aktuellen „Wanderungsbewegungen“ der unterschiedlichen Perso-
nengruppen in der Innenstadt bestätigen diese Einschätzung. 
 
Trotz der differenzierten Vorgehensweisen bei der Suche nach einer geeigneten Immobilie für das 
Drogenhilfeangebot mit Drogenkonsumraum am Neumarkt (Suche durch verschiedene Ämter, Beauf-
tragung eines Maklers sowie Einsatz personeller Kapazitäten des Gesundheitsamtes bei der Prüfung 
von Immobilien) konnte bisher keine geeignete Immobilie gefunden werden, um ein Drogenhilfeange-
bot mit Drogenkonsumraum aufzubauen. Die damit verbundene nachhaltige Unterstützung der dro-
genabhängigen Personen sowie die Reduktion der konsumbedingten Störungen und Belastungen 
des Neumarktes/Josef-Haubrich-Hofes konnte somit leider bis heute noch nicht erreicht werden. 
 
 
 
gez. Dr. Rau

Beratungsverlauf (3)

24.01.2017 Gesundheitsausschuss
TOP 6.1 Kenntnisnahme (Mitteilung) Entscheidung

Beschluss: Kenntnis genommen

Zur Sitzung
26.01.2017 Ausschuss für Soziales, Seniorinnen und Senioren
TOP 12.3 Kenntnisnahme (Mitteilung) Entscheidung

Beschluss: Kenntnis genommen

Zur Sitzung
09.02.2017 Bezirksvertretung 1 (Innenstadt)
TOP 11.10 Kenntnisnahme (Mitteilung) Entscheidung

Beschluss: Kenntnis genommen

Zur Sitzung

Details

Aktenzeichen
4340/2016
Typ
Mitteilung Ausschuss
Datum
11.01.2017
Erstellt
03.08.2017 00:27