2007/0274
Dokumentationsbroschüre zur Sanierung Martinsviertel
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2007/0274
2194 Zeichen
Magistratsvorlage Eingang Magistrats- geschäftsstelle: 10.05.2007 Beteiligt vor Magistratsbeschlussfassung: Dezernat VI Amt: Stadtplanungsamt an den Magistrat zur Kenntnis zur Beschlussfassung an die Stadtverordnetenversammlung OBW zur Befassung zur Kenntnis zur Beschlussfassung zur abschließenden Beschluss- fassung Fachausschuss OBW bei abschl. Beschlussfassung Magistrat Tagesordnung: I II Verteiler: VI 61 Stvv Vorlage-Nr. 2007/0274 Magistratsbeschluss-Nr. 313 Betreff: Dokumentationsbroschüre zur Sanierung Martinsviertel Vorlage vom: 04.05.2007 Beschlussvorschlag: Die Dokumentationsbroschüre zur Sanierung des Martinsviertels wird zur Kenntnis genommen. Anlagen: Bericht_Martinsviertel_März07_k Beschluss des Magistrats vom 16.05.2007 Der Magistrat nimmt den Bericht zur Kenntnis. 2 ... Begründungsseite zur Magistratsvorlage vom 04.05.2007 Die Geschichte von 40 Jahren Sanierungsplanung im Martinsviertel ist nicht nur eine Darmstädter Geschichte. In den unterschiedlichen Zielvorstellungen, die verfolgt wurden, spiegeln sich die wechselnden Leitbilder der Stadtplanung, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts den Städtebau in der Bundesrepublik geprägt haben. Die Idee, eine Broschüre zu erstellen, in der die wechselvolle Geschichte der Planung und Durchführung der Sanierung des Martinsviertels aufgezeigt wird, fand auch bei den Verantwortlichen für die Sanierungsförderung im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung große Zustimmung. Damit ist es auch möglich, die weiteren Kosten der Herstellung der Broschüre aus Sanierungsförderungsmitteln zu finanzieren. Die Broschüre wird den interessierten Bürgern und Fachleuten zur Verfügung gestellt werden. Im Internet wird die Möglichkeit zum Download eingerichtet werden. Ein gedrucktes Exemplar der gesamten Broschüre ist in der Magistratsgeschäftsstelle einzusehen. Darmstadt, 04.05.2007 61.1 ur-sm Tel. 3644 Dezernat VI Dipl.-Ing. Dieter Wenzel Stadtrat Anlage Deckblatt und Inhaltsverzeichnis der Broschüre
anlage 1
107695 Zeichen
Hermann Stumme
40 JAHRE MARTINSVIERTEL
Die Geschichte der Sanierung eines Stadtteils
Hermann Stumme
40 JAHRE MARTINSVIERTEL
Die Geschichte der Sanierung des Martinsviertels
Herausgegeben vom Magistrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt - Stadtplanungsamt, 2007
VORWORT
DIE ENTSTEHUNG DES MARTINSVIERTELS UND SEINE BEWOHNER
DIE VORGESCHICHTE DER SANIERUNG
Der Flächennutzungsplan von 1960
Der Bebauungsplanentwurf N5
DIE VORBEREITUNG DER SANIERUNG
Die Metroplan-Untersuchung
Das Städtebauförderungsgesetz und die Grundsätze des Sozialplans
Der Rahmenplan zur Sanierung des Martinsviertels
Anwaltsplaner und der Kampf um die Osttangente
Die Wählergemeinschaft Darmstadt (WGD)
Das Ende der Osttangentenplanung
DIE SANIERUNG GREIFT
Die Neuordnung der Blockinnenräume
Die Modernisierung veralteter Bausubstanz
Immobilienspekulation im Martinsviertel
Der Umbau von Straßen und Plätzen
Soziale Einrichtungen, Handel und Gewerbe
DAS MARTINSVIERTEL HEUTE – WAR DIE SANIERUNG EIN ERFOLG?
INHALTSVERZEICHNIS
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1
Mit der Osttangente fing alles an! Mitten
durch die Wohnbebauung des vom Krieg
weitgehend verschonten Martinsviertels
sollte eine neue Hauptverkehrsstrasse ge-
schlagen werden.
Diese Idee wurde Ende der 50er Jahre
geboren, um die Lösung städtischer Ver-
kehrsprobleme mit der Erneuerung eines
alten Stadtviertels zu verknüpfen. Das war
der Beginn von 20 Jahren Auseinander-
setzung um den Straßendurchbruch Ost-
tangente, den dafür notwendigen umfang-
reichen Abbrüchen von Wohnhäusern und
der erforderlichen Neubebauung.
Erst 1980, nach dem endgültigen Verzicht
auf den Bau dieser Straße, konnten Pla-
nung und Durchführung einer erhaltenden
Erneuerung des Viertels richtig greifen. Die
Modernisierung veralteter Gebäude, Wohn-
umfeldverbesserung und Verkehrsberuhi-
gung wurden die wesentlichen Themen. Es
sind sinnvolle und wirkungsvolle Maßnah-
men, die schon seit Jahren keine bemer-
kenswerten Kontroversen mehr auslösen.
Im Folgenden wird die wechselvolle Ge-
schichte der Planung und Durchführung
der Sanierung des Martinsviertels aufge-
zeigt, von den Anfängen bis heute. Dabei
soll auch das mit der Erneuerung Erreichte
an den verfolgten Absichten gemessen wer-
den.
Sanierung für wen? Das war eine über die
langen Jahre der Planung und Durchführung
immer wichtige Frage. Sie muss sowohl im
Kontext der Stadt und ihrer Bewohner wie
auch für das Stadtviertel und die von der
Sanierung Betroffenen gesehen werden.
VORWORT
Die Geschichte von 40 Jahren Sanierungs-
planung im Martinsviertels ist nicht nur
eine Darmstädter Geschichte. In den unter-
schiedlichen Zielvorstellungen, die verfolgt
wurden, spiegeln sich die wechselnden Leit-
bilder der Stadtplanung, die in der zweiten
Hälfte des 20. Jahrhunderts den Städtebau
in der Bundesrepublik geprägt haben.
2
Darmstadts Alte Vorstadt und die entstehende Pankratiusvorstadt, Planausschnitt von 1852
3
DIE ENTSTEHUNG DES MARTINSVIERTELS UND SEINE BEWOHNER
Das Martinsviertels ist zwar in seinen we-
sentlichen Teilen gründerzeitlich geprägt,
entstand aber über einen langen Zeitraum.
Seit Ende des 16. Jahrhunderts entwi-
ckelte sich nördlich der Altstadt die „alte
Vorstadt“, von einer erweiterten Stadtmau-
er umgeben. Die für die wachsende Zahl
der wohlsituierten Hofbeamten errichteten
Schweifgiebelhäuser sind im östlichen Teil
der Alexander- und in der Magdalenenstra-
ße weitgehend erhalten, aber erheblich
restauriert und zum Teil auch nach dem
letzten Krieg im alten Stil erst wieder auf-
gebaut worden. Sie zeigen trotz mancher
Veränderungen ein recht einheitliches Bild
historischer Stadtgestalt.
Nördlich an die alte Vorstadt anschließend
entwickelt sich im 18. Jahrhundert, erst-
mals außerhalb der Stadtmauer, die klein-
bäuerlich geprägte, kleinteilige Pankra-
tiusvorstadt.
Es siedelten sich Landwirte aus der Alt-
stadt, einzelne Handwerker und Veteranen
aus den Garnisonen der Stadt an. Mit der
weiteren Ausdehnung nach Osten in die
Lauteschläger- und Heinheimer Straße
sowie nach Norden im Zuge der Arheilger
Straße zog dann auch in die Stadt drän-
gende, verarmte Landbevölkerung zu. Die-
ser Bereich des Martinsviertels zeichnet
sich durch schmale, unregelmäßig geführte
Straßen mit einer heute recht heterogenen
Bebauung aus, in der aber an vielen Stellen
Reste der ursprünglichen Bebauung noch
gut erkennbar sind.
Schweifgiebelhäuser in der Magdalenenstraße um 1900
4
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
setzte mit der beginnenden Industrialisie-
rung ein rasantes Bevölkerungswachstum
ein, das schließlich zu einem spekulativ an-
geheizten Bauboom im Viertel führte. Zwi-
schen 1880 und 1910 hat sich die Zahl der
Haushalte von 1630 auf 5200 um mehr als
das Dreifache erhöht.
1
Zuerst entstanden noch zwei bis dreige-
schossige Wohnhäuser, insbesondere im
Bereich der 1885 eingeweihten Martinskir-
che. In den 90er Jahren wurde dann fast die
gesamte Fläche zwischen Dieburger- und
Frankfurter Straße mit Miethäusern be-
baut. Wie in vielen gründerzeitlichen Stadt-
vierteln entstand ein recht einheitliches
Stadtbild, Straßenzüge teils mit, teils ohne
Vorgärten, gesäumt von viergeschossigen
Wohnbauten, oft mit historisierendem De-
kor geschmückt.
1871 wurde die Trasse der Odenwaldbahn
auf einem Damm direkt nördlich des heu-
tigen Rhönrings fertiggestellt. Sie umfährt
das damalige Darmstadt in großem Bogen
und prägt den nördlichen Abschluss des
Martinsviertels. Schon wenige Jahrzehnte
später wird die Bahntrasse im Zusammen-
hang mit dem 1912 fertiggestellten Darm-
städter Hauptbahnhof nach Norden verlegt.
Während des Ersten Weltkrieges wurde der
Bahndamm von französischen Kriegsge-
fangenen wieder abgebaut. Auf den freige-
legten Flächen konnte in den 20er Jahren
Zwei kleine Gardistenhäuser der Pankratiusvorstadt vom Anfang des 18. Jh. und ein gründerzeitliches Miets-
haus aus späterer Zeit in der im Zuge der Sanierung umgebauten Gardistenstraße.
5
sozialer Wohnungsbau von der Stadt er-
richtet werden. Es entstand eine insgesamt
1,5 km langgestreckte, einheitlich gestalte-
te Baugruppe, die einen klaren städtebau-
lichen Abschluss des Martinsviertels nach
Norden bildet.
Innerhalb des Viertels waren einzelne Flä-
chen unbebaut geblieben, insbesondere
am Friedrich-Ebert-Platz. Auch dort wurde
bis in die frühen 30er Jahre sozialer Woh-
nungsbau errichtet, nun in vom Bauhaus
beeinflusster Formensprache.
Zwischen Martinsviertel und Innenstadt
liegt die Technische Universität. Ihre Haupt-
gebäude wurden an der 1891 gebauten
Hochschulstraße errichtet, der ersten di-
rekten Verkehrsanbindung des Viertels an
die Innenstadt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden der
damaligen Technischen Hochschule groß-
zügige Erweiterungen zwischen Alexand-
er- und Landgraf-Georg-Straße auf Flächen
der im Krieg vollständig zerstörten Altstadt
ermöglicht. Die Hochschule dehnte sich -
neben umfangreichen Neubauten auf der
Lichtwiese - aber auch in das Martinsviertel
aus. Am Kantplatz entstanden recht gewal-
tige Institutsbauten, die den Maßstab des
kleinteiligen Viertels deutlich sprengen.
Das Martinsviertel war schon früh Wohnort
Das gründerzeitliche Martinsviertel von Norden, Aufnahme 1961. Oben der Riegerplatz, in der Mitte die Lich-
tenbergstraße. Die Blockinnenräume sind weitgehend zugebaut, rechts oben im Blockinnern die Firma Baas.
6
Typische gründerzeitliche Bebauung in der Liebfrauenstraße
7
der weniger Bemittelten. „Aufgrund ihrer
Einwohnerstruktur hat die Pankratiusvor-
stadt den bei weitem niedrigsten sozialen
Status aller Stadtteile.“
2
Daran hat sich im Laufe der Entwicklung
nur wenig geändert. Das Martinsvier-
tel bleibt weitgehend Wohnort der sozial
schwachen Bevölkerung und der unteren
Mittelschicht. Es gibt allerdings ein deut-
liches Gefälle zwischen dem Ostteil, der
eher von der Mittelschicht geprägt ist und
dem Westteil mit dem alten zentralen Be-
reich um die Pankratius- und die Arheilger
Straße, in dem untere soziale Gruppen an-
sässig sind. Nach dem Zweiten Weltkrieg
und in den folgenden Jahren löst sich diese
Schichtung teilweise auf, Unterschiede zwi-
schen dem Ost- und dem Westteil bleiben
aber bestehen.
Sozialer Wohnungsbau am Friedrich-Ebert-Platz, um 1930.
Das Martinsviertel hatte 1961 18.000 Ein-
wohner. 20 Jahre später waren es noch
14.800 und wiederum 20 Jahre später
10.100. Ein solcher Einwohnerverlust fin-
det in allen dicht besiedelten Stadtvierteln
statt, in denen nicht so viele Wohnungen
neu gebaut werden wie die „Wohlstandsauf-
lockerung“ es erfordern würde, um die Ein-
wohnerzahl zu halten. Die Familien werden
kleiner, gleichzeitig ziehen sie in immer
größere Wohnungen. Die Zahlen für Darm-
stadt zeigen dies deutlich. So hatte die
Stadt 1961 136.400 Einwohner in 43.550
Wohnungen, was einer Belegung von 3,14
Personen je Wohnung entspricht. Im Jahre
2001 hatte Darmstadt die gleiche Einwoh-
nerzahl in 74.830 Wohnungen, ein Woh-
nungszuwachs in 40 Jahren von gut 70%.
Die Belegungsdichte beträgt noch 1,83 Per-
sonen je Wohnung.
8
1960 wurde ein neuer Flächennutzungs-
plan für die Stadt Darmstadt beschlossen.
Er ging von einem Bevölkerungswachstum
von 135.000 auf 150.000 Einwohner aus,
stellte neben verschiedenen Neubaugebie-
ten umfangreiche gewerbliche Bauflächen
im Nordwesten der Stadt und ein erheblich
erweitertes Straßennetz dar.
In diesem Flächennutzungsplan wurden
auch Neuordnungsgebiete gekennzeichnet,
für die eine „umfassende Sanierung“ für er-
forderlich gehalten wurde. Es sind dies Ge-
biete in denen „der Baubestand, der Grund-
stückszuschnitt und das Verkehrsnetz eine
gesunde städtebauliche Entwicklung ohne
erhebliche Eingriffe nicht mehr erlauben.“
3
Neuordnungs- bzw. Sanierungsgebiete wur-
den in den alten Ortskernen von Bessungen,
Arheilgen und Eberstadt dargestellt und
auch in Teilen des Martinsviertels. Hier
ging es weniger um die Neuordnung alter
dörflicher, von schmalen Gassen geprägter
Strukturen als auch um die „baulichen
Sünden durch die Gründerzeit des 19.
Jahrhunderts,“
4 die eine „Auflockerung“ er-
forderten. Das städtebauliche Leitbild der
Nachkriegszeit, die gegliederte und aufgelo-
ckerte Stadt, war in den Köpfen der Planer
so fest verankert, dass daran gedacht war,
intakte und vom Krieg verschonte Stadt-
viertel an die Leitvorstellung anzupassen.
Das Nebeneinander von Wohnen und Ge-
werbe im Mischgebiet, „einem mit den Ziel-
setzungen des heutigen Städtebaus schwer
verträglichen Baugebietstyp“ - wie der Er-
läuterungsbericht zum Flächennutzungs-
plan aussagt - sollte so weit wie möglich be-
seitigt werde. Zudem sollten Straßenräume
aufgebrochen werden, um Licht, Luft und
Sonne in die Wohnviertel zubringen.
Das gründerzeitliche Johannesviertel war
DIE VORGESCHICHTE DER SANIERUNG
Der Flächennutzungsplan von 1960
Ausschnitt aus dem Flächennutzungsplan von 1960
mit der erstmals eingezeichneten Osttangente und
den zwei waagerecht schraffierten Neuordnungsgebie-
ten im Martinsviertel. Dargestellt ist die Heinheimer
Straße als vorhandene städtische Hauptverkehrs-
straße und die Osttangente als geplante anbaufreie
Stadtverkehrsstraße sowie eine Erweiterung der Tech-
nischen Hochschule mit Anschluß an die Osttangente
im Bereich Pankratius- / Ruthstraße.
nicht zur Neuordnung vorgesehen. Auch
nicht große Teile der gleichartigen, ge-
schlossenen Blockbebauung im Martins-
viertel. Dafür aber die Flächen der ehe-
maligen Pankratiusvorstadt westlich der
Heinheimer Straße. Wichtige Gründe für
diese Ausweisung waren neben der al-
ten Baustruktur die Planung einer neuen
Hauptverkehrsstraße durch die Wohnbe-
bauung des Viertels und die vorgesehene
Erweiterung der Technischen Hochschule
nach Osten.
9
In dem zur Zeit von Oberbaudirektor Grund
erarbeiteten Verkehrsplan von 1948 5 ist
als zusammenhängender Straßenzug eine
Tangente östlich vom Stadtkern geplant,
die die Nieder-Ramstädter-Straße über die
Teichhausstraße in die Heinheimer Straße
und dann weiter nach Norden führt. Dieser
Straßenzug erforderte den Durchbruch ei-
ner neuen Straße - der späteren Pützerstra-
ße - zwischen der Landgraf-Georg- und der
Dieburger Straße. Das nördliche Teilstück
zwischen Erbacher- und Dieburger Straße
Ausschnitt aus dem Verkehrsplan Darmstadt von 1948
wurde noch in den 50er Jahren realisiert,
es fügt sich heute ganz selbstverständlich
in die Stadtstruktur ein. Das südliche, zu-
meist vierspurige Teilstück wurde Ende der
60er Jahre verwirklicht und wirkt immer
noch als Fremdkörper im Stadtgefüge.
Im Verkehrsplan von 1948 sollte also die
Heinheimer Straße Hauptverkehrsstraße
werden. Mit der Idee, Teile des Martinsvier-
tels zu sanieren, änderte sich das. So heißt
es im Erläuterungsbericht zum Flächennut-
zungsplan von 1960: Im neuen Straßenzug
10
der östlichen Stadtkerntangente „ist die
dichtbesiedelte und beiderseits überwie-
gend viergeschossig bebaute Heinheimer
Straße das schwächste Glied; sie sollte
deshalb durch einen neuen, weiter westlich
im Bogen durch das Neuordnungsgebiet zu
führenden Straßenzug ersetzt werden, der
zugleich das Gebiet der Technischen Hoch-
schule berührt und diese damit besser an
das Hauptverkehrsnetz anschließt.“
6. Die
neue Hauptverkehrsstraße sollte anbaufrei
sein.
11
Für die ausgewiesenen Neuordnungsge-
biete beschloss der Magistrat im Mai 1960
zur Sicherung der Planung „wird Bausper-
re bis zum Inkrafttreten der hierfür auf-
zustellenden Bebauungspläne verhängt,
längstens auf die Dauer von drei Jahren.“
7
Die erforderlichen Planungszeiträume für
schwierige Bebauungspläne hatte der Ma-
Der Bebauungsplanentwurf N5, 1969
Der Bebauungsplanentwurf N5
gistrat allzu optimistisch eingeschätzt. Der
formelle Aufstellungsbeschluss für den Be-
bauungsplan N5 - Martinsviertel wurde erst
im Dezember 1963 gefasst, die Offenlage
schließlich im Februar 1969 beantragt,
aber von der Stadtverordnetenversamm-
lung nie beschlossen.
12
dere auf der Südseite der Blöcke wurden
bisweilen ganze Häuserzeilen beseitigt und
teilweise durch senkrecht zur Straße ste-
hende, viergeschossige Neubauten ersetzt;
so wurden die Baublöcke für Licht, Luft und
Sonne geöffnet. An einigen Stellen müssen
ganze Häuserzeilen zweigeschossigen Ge-
meinschaftsgaragen und Pkw-Stellplätzen
weichen.
Der Entwurf des Bebauungsplanes N5 fand
bei den betroffenen Bürgern des Martins-
viertels wenig Gefallen. Schon im April
1964 hat der Magistrat in einer Bürgerver-
sammlung mit dem Thema „das Martins-
viertel soll schöner werden“ den damaligen
noch wenig ausgearbeiteten Stand der Pla-
nung vorgestellt. Die Erläuterung der vor-
gesehenen Planung durch Oberbaudirektor
Hans Assmann war so umfassend, dass sie
vom Darmstädter Echo als städtebauliche
Vorlesung bezeichnet wurde.
8 Das Leitbild,
unter dem die Planungsarbeit stehe, sei die
Verschönerung des Stadtviertels. Ein auf-
gelockertes, gründurchzogenes, allerdings
durch die Osttangente geteiltes Martins-
viertel solle entstehen. Zahlreiche Punkte
der vorgestellten Sanierungsplanung wur-
den von den Bürgern kritisiert: Die Gebäu-
deansprüche der Technischen Hochschule,
die zahlreichen Abbrüche von Wohnbauten
und Geschäftshäusern mit unabsehbare
Folgen für die Gewerbetreibenden, deutlich
höhere Mieten für die Neubauten an Stelle
der Altbauwohnungen. Schließlich wurden
Sinn und Zweck der Sanierung überhaupt in
Frage gestellt, z.B. durch Georg Hahn, Vor-
sitzender des Bezirksvereins Martinsviertel:
„Mir is es Watzeverdel schee genug.“
9
Sehr lebhaft ging es bei einer Bürgerver-
sammlung Jahre später, im Juni 1969 zu.
Der Bebauungsplan N5 war nun endlich
vollständig ausgearbeitet. Wichtigstes The-
ma war die Osttangente. Die Martinsviert-
Dieser Plan sah mindestens im zentralen
Bereich eine gründliche Umstrukturierung
durch Flächensanierung vor, d.h. den Ab-
bruch zahlreicher vorhandener Gebäude,
den Bau neuer Straßen und Neubauten auf
den freigeräumten Freiflächen. Die Planung
erinnert in Teilen an Neubaugebiete, wie sie
in den 60er und 70er Jahren am Stadtrand
entstanden.
Prägnant schwingt die Osttangente im Be-
bauungsplanentwurf N5 durch das Viertel,
vierspurig mit begrüntem Mittelstreifen,
anbaufrei und ohne die in Grünflächen
geführten begleitenden Gehwege 19,5
bis 22 Meter breit. Nur eine einzige Kreu-
zung im Zuge einer Querachse, die mitten
durch Bebauung von der Pallaswiesen- zur
Wenckstraße führt, verbindet mit dem Stra-
ßennetz des Viertels.
Zahlreiche Straßen enden an der Osttan-
gente in Wendehämmern, so auch die
Heinheimer Straße im Norden und im Sü-
den. Andere Straßen, wie zum Beispiel
die Kranichsteiner Straße, die Müller- und
die Eckhartsrasse sowie Teile der Schuh-
knecht- und der Liebfrauenstraße sind als
öffentliche Grünflächen mit Fußwegen aus-
gewiesen.
Der markanteste Teil der neuen Bebauung
sind fünf achtgeschossige Punkthäuser, die
umgeben von Grünflächen die Stadtschnell-
straße auf der Ostseite säumen. Auf der
Westseite sind von der Dieburger- bis fast
zur Gardistenstraße alle Flächen für die
Erweiterung der Technischen Hochschule
vorgesehen. Nördlich anschließend wurden
dann Bauflächen für ortsgebundenes Klein-
gewerbe ausgewiesen.
Nur wenige der gründerzeitlichen Baublöcke
sind im Plan vollständig erhalten. Insbeson-
13
ler, so das Darmstädter Echo “sind offen-
sichtlich in ihrer Mehrheit der Meinung,
dass die Funktion der Osttangente auch
die Heinheimer Straße übernehmen kann.
Der Architekturstudent Steuernagel der
mit dem Oberbürgermeister und dem Pla-
nungschef die Klingen kreuzte - es war der
Höhepunkt des Abends - plädierte für die-
se Lösung. Das Argument, die Heinheimer
Straße sei beiderseits bebaut widerlegte
er mit einem Hinweis auf den Plan: Dieser
zeige deutlich, das große Teile der Ostrand-
bebauung ohnehin wegfallen.“
10 Das Echo
berichtet von frenetischem Beifall, wenn
die Notwendigkeit der Osttangente in Frage
gestellt wurde. Nach weiterer Kritik und nur
recht generellen Antworten auf Fragen aus
dem Publikum meinte Oberbürgermeister
Dr. Engel schließlich: „Dieser Plan ist nicht
der Weisheit letzter Schluss, es gibt schon
neue Überlegungen.“
11 Nur 14 Tage später
titelt das Darmstädter Echo: Staatsbegräb-
nis erster Klasse für den N5 ?
12 Der Vorsit-
zende der SPD-Fraktion in der Stadtverord-
netenversammlung Heribert Wenzel „hält
es für ein unerträgliches Verfahren, das die
Verwaltung diesen Plan den Stadtverordne-
ten zur Annahme empfehle.“
13 Tatsächlich
erschien der N5 dann auch nicht mehr auf
der Tagesordnung der Stadtverordnetenver-
sammlung, der Plan verschwand im Archiv.
Schon 1968, bevor auch nur eine abge-
stimmte Planung zur Neuordnung des
Martinsviertels vorlag, beabsichtigte der
Magistrat, der Neuen Heimat Südwest die
gesamte Durchführung der Sanierung zu
übertragen. Die Gesellschaft war bereits im
neu entstehenden Stadtteil Kranichstein als
Maßnahmeträger für die Stadt tätig. In der
Stadtverordnetenversammlung formierte
sich aber bald deutlicher Widerstand ge-
gen die Absicht, die Verantwortung für
die Durchführung der Sanierung - auf der
Grundlage der entstehenden Bebauungs-
planung N5 - kurzerhand an eine große
auswärtige Gesellschaft zu delegieren.
Das Vorhaben scheiterte, die bereits vorlie-
genden Verträge wurden von den Vertretern
der Stadt nicht unterschrieben.
Ende 1969 stellte sich die Situation folgen-
dermaßen dar:
• Das Martinsviertel soll saniert werden.
Schließlich werden vom Bund schon seit
1966 Zuschüsse für Neuordnungsmaß-
nahmen in einem „Modellgebiet“ (zwischen
der Heinheimer Straße und der neuen Ost-
tangententrasse) gezahlt. Zudem hatte das
Statistische Amt der Stadt Darmstadt im
Juni 1969 eine Untersuchung vorgelegt, die
mit zahlreichen Daten zur veralteten Bau-
substanz, zur schlechten sanitären Ausstat-
tung der Wohnungen und zur überalterten
Bevölkerungsstruktur belegte, wie erneue-
rungsbedürftig das Martinsviertel ist.
14
• Zur Lösung der Verkehrsprobleme im Os-
ten der Kernstadt soll eine neue vierspurige
Straße - die Osttangente - durch das Vier-
tel geführt werden. Auch im Gutachten von
Professor Schaechterle zum Generalsver-
kehrsplan von 1966 wurde diese Straße als
notwendig dargestellt.
• Der in vieljähriger Arbeit auf der Grund-
lage des städtebaulichen Leitbildes der
gegliederten und aufgelockerten Stadt ent-
standene Bebauungsplanentwurf für das
Martinsviertel, der N5, findet keine Zustim-
mung, weder bei den betroffenen Bürgern
noch in der Stadtverordnetenversamm-
lung.
• Eine Sanierungsuntersuchung soll das
weitere Vorgehen klären.
14
Bei den Beratungen des umstrittenen Be-
bauungsplanentwurfes N5 wurde von ver-
schiedenen Seiten immer lauter gefordert
und dann auch von der Stadtverordneten-
versammlung beschlossen, vor weiteren
Planungen eine Sanierungsuntersuchung
in Auftrag zugeben. Mängel des Viertels
sollten definiert und Wege aufgezeigt wer-
den, wie sie behoben werden können. Die
von der Sanierung Betroffenen sollten be-
teiligt werden, um sie für die geplanten
Maßnahmen zu gewinnen.
Anfang 1970 lagen der Stadt schließlich
zwei recht unterschiedliche Angebote vor,
Planungsgrundlagen und Vorschläge für die
städtebauliche Erneuerung des Martinsvier-
tels zu bearbeiten. Ein Angebot enthielt den
Vorschlag, verschiedene Planungsvarianten
auszuarbeiten und diese nach einem in Is-
rael entwickelten mathematischen Modell
zu analysieren und zu bewerten; Neuland
für städtebauliche Untersuchungen und für
manchen Stadtplaner ein faszinierendes
Verfahren. Soziale Aspekte schienen aber
vernachlässigt, die Ergebnisse undurch-
schaubar. Das andere Angebot der Metro-
plan Heidelberg
15 bot konventionellere Pla-
nungsverfahren. Neu war der Vorschlag, die
Bewohner des Martinsviertels durch einen
Sanierungsbeirat an den Untersuchungen,
den Planungen und der Bewertung unter-
schiedlicher Vorschläge zu beteiligen.
Im Juni 1970 wurde die Metroplan beauf-
tragt. Die Arbeit begann, allein die Zusam-
mensetzung des Planungsbeirates und die
Definition seiner Funktion erwiesen sich als
schwierig und zeitraubend. Im April 1971
trat der Beirat zu seiner ersten Sitzung mit
Vertretern des Haus- und Grundbesitzerver-
eins, der Handwerks- und der Architekten-
kammer, des Einzelhandelsverbandes, des
Bezirksvereins Martinsviertel, einem Sozio-
DIE VORBEREITUNG DER SANIERUNG
Die Metroplan-Untersuchung
logen u. a. zusammen. Die so wichtigen
Vertreter aus dem Martinsviertel - ein Mie-
ter, ein Student, eine Hausfrau, eine Sozi-
alarbeiterin, eine Kindergärtnerin - wurden
erst in einer Bürgerversammlung im Juni
1971 gewählt.
Die Metroplan hatte bei Ihrer Bewerbung
um den Untersuchungsauftrag ein an-
spruchsvolles Arbeitsprogramm angebo-
ten. Es zeigte sich bald, dass sie im fest-
gelegten Zeitrahmen und zum vereinbarten
Honorar nicht in der Lage war, die von ihr
selbst geweckten Erwartungen zu erfüllen.
So forderten Mitglieder des Planungsbeirat
im September 1971, den Vertrag mit der
Metroplan zu kündigen. Die Mehrzahl der
Beiratsmitglieder stimmte dem zwar nicht
zu, aber das Vertrauen in gute Untersu-
chungsergebnisse war gestört.
Die Arbeit der Metroplan wurde Anfang
1972 vorgelegt. Sie enthielt ein umfang-
reiches Datenwerk, dessen Auswertung
sich weitgehend als wenig relevant für die
anstehenden Sanierungsaufgaben zeigte
und ein als zu kompliziert empfundenes
Bewertungssystem für die unterschied-
lichen Planungsvarianten. Absicht der
Metroplan war es, den Planungsbeirat an
den Bewertungen zu beteiligen. Das so he-
terogen zusammengesetzte Gremium war
dazu aber nicht in der Lage und hat diese
Aufgabe nicht wahrgenommen. Nachdem
eine Gruppe von Mitgliedern des Planungs-
beirates begonnen hatte, grundsätzliche
gesellschaftliche Fragen zu erörtern ist der
Beirat „nach erfolgversprechendem Anfang
in Begriffsverwirrung und Methodenstreit
stecken geblieben.“
16 Er wurde vom Vor-
sitzenden Stadtbaurat nicht mehr einberu-
fen.
Kern der Planungsalternativen der Metro-
plan sind unterschiedliche Lösungen zum
15
Problem Osttangente. Der „Durchbruchs-
plan“ hat manche Ähnlichkeit mit dem
Bebauungsplanentwurf N5. Er enthält die
Osttangente in der bekannten Trasse, große
Erweiterungsflächen für die Technische
Hochschule und gewerbliche Nutzungen an
der neuen Hauptverkehrsstraße. Der „Um-
wandlungsplan“ spaltet die Funktion der
Osttangente in zwei Einbahnstraßen auf, in
Nordrichtung durch die Heinheimer Straße
und in Südrichtung im Zuge der Pankrati-
usstraße und weiter mit Durchbruch zur
Dieburger-/Pützerstrasse. Diese Lösung
verbindet die Metroplan mit erheblichen
Umstrukturierungen und einer hohen bau-
lichen Verdichtung für Gewerbe zwischen
den Einbahnstraßen. Diese Alternative wird
in der öffentlichen Diskussion gleich verwor-
fen. Der „Regenerierungsplan“ verschiebt
die strittige Tangente nach Osten bis zum
Ostbahnhof und in den Spessartring. Vom
Washingtonplatz führt sie weiter nach Nor-
den durch den Bürgerpark. Die Hochschu-
le wird nur geringfügig nach Norden bis
zur Ruthsstraße erweitert. Nur Gebäude
in schlechten Zustand sollen abgebrochen
werden und so werden auch fast keine Be-
wohner durch die Sanierung verdrängt.
Die Arbeit der Metroplan wurde in einer
Broschüre zusammengefasst, die zwar in
großer Zahl verbreitet wurde aber nur als
missglückt bezeichnet werden kann. Mit
dem „Sanierungscocktail“ wird den Mar-
tinsviertlern empfohlen: „Sie können die
Lösung des Problems, wie sie das Martins-
viertel haben wollen, als Frage nach der
Durchbruchsplan
16
Zusammensetzung eines guten Cocktails
betrachten... Mixen sie sich ihre eigenen
Getränke zusammen, geben Sie der Stadt-
verwaltung ihre Rezepte bekannt, sie wird
dann einen für alle verträglichen Cocktail
daraus herstellen.“
17 Zusammen mit den
als volkstümlich-populär gedachten Texten
in der Broschüre und einer Reihe von wenig
seriösen Karikaturen fühlen sich weder die
Martinsviertler noch die Kommunalpoliti-
ker ernst genommen und das Vertrauen in
die Untersuchungsergebnisse ist verspielt.
Trotz manch richtiger Ansätze hat die Ar-
beit der Metroplan in der weiteren Sanie-
rungsdiskussion keine Rolle gespielt.
Eine Einwohnerversammlung im Mai 1972
- vom Darmstädter Echo
18 als „hitzige De-
batte in gereizter Atmosphäre“ bezeichnet-
klärte noch einmal, dass die Martinsviertler
aber auch gar nichts von der Osttangente
durch ihr Viertel halten. Oberbürgermeister
Sabais und Stadtbaurat Reisser argumen-
tierten weiter für den Straßendurchbruch
„und ernteten dabei nur selten Beifall. Buh-
rufe, Pfeifen und Zischen wenn sie sprachen;
frenetischen Beifall„
19 erhielten die, die
den Magistrat heftig angegriffen. Die Tras-
senführung war und blieb die alles bestim-
menden Frage der Sanierungsdiskussion.
Inzwischen hatte sich eine Diplomarbeit
aus der Architekturfakultät der Technischen
Hochschule intensiv mit den städtebau-
lichen Auswirkungen des Straßendurch-
bruchs durch das Martinsviertel beschäf-
tigt. Dies unter der Prämisse, dass auf die
Osttangente im städtischen Verkehrssy-
stem nicht verzichtet werden kann. Ergeb-
nis war eine Führung der neuen Tangente,
die in Ihrem nördlichen Teil nach Westen
verschoben der Arheilger Straße folgt und
damit die Struktur des Viertels weniger
zerstören würde. Der Magistrat der Stadt
Darmstadt griff dankbar die Ergebnisse
der „wissenschaftlichen Untersuchung“
auf. Er entschied erneut diese neue Haupt-
verkehrsstraße im Interesse der Leistungs-
fähigkeit des innerstädtischen Straßensy-
stems durch das Viertel zu führen, nun in
der neuen Lage.
Aus der Metroplan-Broschüre, 1972
17
1971 wurde in Bonn das viele Jahre vor-
bereitete und diskutierte Städtebauför-
derungsgesetz beschlossen. Es regelt
u.a. detailliert die Vorbereitung, Planung,
Durchführung und Finanzierung von Sanie-
rungsmaßnahmen.
Im Mai 1972 beschloss die Stadtverordne-
tenversammlung großzügig, das gesamte
Martinsviertel als Sanierungsgebiet gemäß
Städtebauförderungsgesetz förmlich fest-
zulegen. Dieser Beschluss ist noch immer
gültig. Er betrifft eine Fläche von 65 ha mit
rund 14.000 Einwohnern, immer wieder als
eines der größten Sanierungsgebiete der
Bundesrepublik bezeichnet. Die nach den
Regeln des Gesetzes normalerweise vor der
Festlegung eines Sanierungsgebietes erfor-
derlichen vorbereitenden Untersuchungen
konnten entfallen, weil schon Sanierungs-
gelder nach Darmstadt geflossen waren.
Im Städtebauförderungsgesetz wird ein So-
zialplan gefordert, um zu klären, wie für Be-
troffene mögliche nachteilige Auswirkungen
der Sanierung vermieden oder gemildert
werden können. Im Oktober 1972 beschäf-
tigte sich der Magistrat mit der nach dem
Gesetz erforderlichen Sozialplanung und
legte Grundsätze für den Sozialplan fest.
Die wichtigsten sind:
• Kein Bewohner des Martinsviertels soll
durch Sanierungsmaßnahmen aus dem Ge-
biet verdrängt werden, sofern er dort woh-
nen bleiben möchte. Ersatzwohnungen sind
in ausreichender Zahl und zu zumutbaren
Bedingungen zur Verfügung zu stellen.
• Abgesehen vom unmittelbaren Bereich
der Osttangententrasse gibt es im Sanie-
rungsgebiet keine Flächensanierung. Sa-
nierungsmaßnahmen erstrecken sich auf
Modernisierung, schließen von Baulücken,
entkernen von Blöcken. Der Althausbestand
ist so weit wie möglich zu erhalten.
• Neu- und Ersatzwohnungsbau im Sanie-
rungsgebiet ist so weit wie nötig öffentlich
zu fördern, um erschwingliche Mieten zu
erzielen und um das Belegungsrecht für die
Stadt zu sichern.
• Die Technische Hochschule soll sich nicht
weiter in das Martinsviertel ausdehnen.
Mit diesen Grundsätzen hatte sich zumin-
dest für den nicht vom Osttangentendurch-
bruch betroffenen Bereich eine Wende in
der Sanierungspolitik angebahnt. Ziele
waren nun: Erhalt der baulichen und der
sozialen Struktur des Martinsviertels und
Schluss mit der Absicht, Teile des Viertels
für die Erweiterung der Technischen Hoch-
schule zur Verfügung zu stellen.
Für diese Abkehr von bisherigen Vorstel-
lungen hatten besonders der Ortsverein
Martinsviertel der SPD und Oberbürgermei-
sters Sabais geworben. Eine neu eingesetzte
und dem OB direkt unterstellte Arbeitsgrup-
pe Sozialplan leistete Überzeugungsarbeit.
Sie sorgte auch dafür, dass die Stadt ihre
Verantwortung für die Sanierungspolitik
wahrnahm und selbst Maßnahmeträger für
die Durchführung wurde. Obwohl die Über-
tragung von Sanierungsmaßnahmen auf
Trägergesellschaften aus Sanierungsförde-
rungsmitteln bezahlt werden können – die
zu je einem Drittel vom Bund und vom Land
Hessen getragen werden - beschloss die
Stadt, eigene Mitarbeiter für diese Aufgabe
einzusetzen. Diese muss sie aus eigenen
Mitteln finanzieren. Eine Entscheidung, die
für die politische Kontrolle vor Ort, die spä-
tere Sanierungsplanung und den langfri-
stigen Erfolg der Erneuerungsmaßnahmen
sicherlich von großer Bedeutung war.
Das Städtebauförderungsgesetz und die Grundsätze des Sozialplans
18
In den nächsten Jahren passierte im Mar-
tinsviertel nicht viel. So formulierte Stadt-
baurat Reisser im Januar 1975 für das
Darmstädter Tagblatt: „Sie haben kürzlich
in einem Kommentar festgestellt, dass
man von der Sanierung des Martinsviertels
nichts mehr höre. Ihren zwar etwas dra-
stischen aber zweifellos richtigen Ausfüh-
rungen kann nicht widersprochen werden.
Es muss im Martinsviertel nicht nur prak-
tisch Fortschritt, es muss auch Übersicht
über Ziele und bisher erreichte Einsichten
für die Betroffenen hergestellt werden.“
20
Mehrere Veränderungssperren in den von
der Osttangente betroffenen Bereichen
und die Verunsicherung der Eigentümer
verhinderten auch die notwendigsten In-
standsetzungsmaßnahmen an alten Häu-
sern. Die Stadt nutzte nach wie vor die zur
Verfügung stehenden Sanierungsmittel, um
Grundstücke aufzukaufen, insbesondere im
Bereich der geplanten Tangente. Auch auf
diesen Grundstücken wurde nicht investiert
sondern eher abgerissen. Ergebnis war, wie
es die FDP in einer Mitteilung ausdrückte,
„konsequente Verslummung der Gebiete im
Trassenbereich, die dann in der Tat sanie-
rungsbedürftig werden.“
21 Viele der Mobi-
leren verließen das Viertel, sozial Schwache
blieben zurück.
Pankratiusstraße um 1975, Bereich der geplanten
Osttangente
Fuhrmannstraße um 1975
19
Rahmenplan Martinsviertel, 1975
20
Im April 1975 legt Stadtbaurat Reisser
den vom Stadtplanungsamt erarbeiteten
Rahmenplan für das Martinsviertel vor. Er
benennt erstmals konkret die Ziele der Sa-
nierung und Maßnahmen zu ihrer Verwirk-
lichung. In der in hoher Auflage gedruckten
und an alle Haushalte im Viertel verteilten
Broschüre ist zwar nur eine einzige Seite
der Osttangente gewidmet, die gewaltige,
durch das Viertel geschlagene Schneise,
vierspurig, 32 - 37 Meter breit, mit eigenem
Gleiskörper für eine Straßenbahn in der
Mitte,
22 spielt trotzdem eine zentrale Rolle.
Ergänzend sieht der Rahmenplan als inter-
ne Verbindung zwischen Martinsviertel-Ost
und -West wie auch als Anbindung an die
Osttangente eine Straßenquerspange von
der Schlossgarten- zur Wenckstraße vor.
Als unstrittig und als dauerhaft bedeut-
sam für die weiteren Planungen haben sich
die übrigen im Rahmenplan vorgesehenen
Maßnahmen erwiesen. So weit nicht die
Osttangente und ihre Randbebauung be-
rührt sind bedeuten sie eine Abkehr von der
früher geplanten Flächensanierung hin zur
erhaltenden Erneuerung.
So soll die Randbebauung der gründerzeit-
lichen Blocks in ihrer Struktur erhalten wer-
den. Eine baulichen Verdichtung wird nicht
vorgesehen. Dies ist auch eine Reaktion auf
das erste Sanierungsvorhaben im Martins-
viertel, die Bebauung auf dem Grundstück
des ehemaligen Gesundheitsamtes am Ko-
pernikusplatz. Der Wohnbau war für Sanie-
rungsbetroffene vorgesehen, die es aber bei
seiner Fertigstellung noch gar nicht gab.
Mit sieben Geschossen auf kleinem Grund-
stück überragt er weit die Nachbarbauten,
das Grundstück ist deutlich dichter bebaut
als üblich.
Kinderspielplätze und weitere Grün- und
Freiflächen sollen als private Gemein-
schaftsanlagen in den Blockinnenräumen
geschaffen werden, ein Vorschlag, der die
spätere konkrete Bebauungsplanung sehr
beschäftigt hat.
Problematisch war - und ist noch immer -
die Unterbringung des ruhenden Verkehrs,
d.h. heißt eine ausreichende Zahl von Stell-
plätzen für Autos zu schaffen. Vorgesehen
ist ein gegenüber Neubauten reduzierter
Standard von 0,85 Stellplätzen je Altbau-
wohnung, der so weit wie möglich in den
vorhandenen Straßen realisiert werden
soll. Der Rahmenplan schlägt zahlreiche
Einbahnstraßen mit schmalen Fahrbahnen
vor, die es erlauben, mehr als die übliche
Zahl von Parkplätzen auf der Straße unter-
zubringen.
Eine Erweiterung der Technischen Hoch-
schule in das Martinsviertel wird nicht
mehr vorgesehen. Die Gefahr weiterer maß-
stabssprengender Institutsbauten ist für
das Viertel damit gebannt.
Die Umwandlung des Martinsviertels in ein
„modernes Wohngebiet“ - wie im früheren
Bebauungsplanentwurf N5 vorgesehen -
war endgültig gescheitert. Der Rahmen für
eine behutsam Erneuerung weiter Teile des
Viertels war gesetzt, mitten drin aber noch
immer die breite Schneise der zerstöre-
rischen Osttangente.
Ebenso gescheitert war der Versuch, die
Martinsviertler mit einem Beirat an den
Planungen zu beteiligen. Gewachsen war
dagegen der Widerstand aus dem Viertel
gegen die Osttangente.
Der Rahmenplan zur Sanierung des Martinsviertels
21
Wichtige Grundsätze zum Sozialplan wa-
ren beschlossen, die wesentliche Anliegen
der Wohnbevölkerung berücksichtigten:
Niemand sollte aus dem Viertel vertrieben
Straßenrandparken Geordnet mit neu gepflanzten Bäumen
Kinderspielplätze als Ausnahme für einzelne Kinder Gemeinschaftspielplatz
werden, weder durch eine Reduzierung der
Anzahl der Wohnungen noch durch teure
Mieten. Offen blieb, wie es nun tatsächlich
mit der Sanierung vorangehen soll.
Aus der Rahmenplanbroschüre:
22
Die Studentenproteste der zweiten Hälfte
der 60er Jahre gegen das gesellschaftliche
System der Bundesrepublik, das Establish-
ment und die verkrusteten Strukturen wa-
ren nicht ohne Einfluss auf das geistige und
politische Klima. Es wurde nach Verände-
rungen gerufen und Bundeskanzler Brandt
versprach 1969 in seiner Regierungserklä-
rung, mehr Demokratie zu wagen.
Die technische und scheinbar unpolitische
Zielsetzung der Stadtplanung wurde nun
hinterfragt, mit dem Ergebnis, dass zumeist
nur die Mächtigen und Einflussreichen auf
Kosten der Allgemeinheit von Entwicklungs-
maßnahmen profitieren. Es entstand die
Forderung nach wirksamer „Partizipation“
d. h. einer Beteiligung der Betroffenen an
der Stadtentwicklung, einer Kontrolle der
behördlichen Planung nicht nur durch die
örtlichen Politiker sondern durch die, in de-
ren Stadtteil, in deren Wohnumfeld einge-
griffen werden soll.
In dieser Situation und auf Grund der
Schwierigkeiten, die Bewohner des Mar-
tinsviertels für die Pläne der Stadt zu ge-
winnen, beschloss der Magistrat der Stadt
Darmstadt im November 1973 für das Sa-
nierungsgebiet ebenso Anwaltsplaner einzu-
setzen, wie im neu entstehenden Stadtteil
Kranichstein. Bezogen auf das Ziel einer
Partizipation der Betroffenen war das eine
ganz innovative Entwicklung, ein „Experi-
ment zur Herstellung von Öffentlichkeit im
Planungs- und Entscheidungsprozess,“
23
bei der Darmstadt in Kranichstein Vorrei-
ter in der Bundesrepublik war. Das Modell
für diese Form der Bürgerbeteiligung kam
aus den USA. Den Betroffenen werden fach-
kundige Helfer, Anwaltsplaner an die Seite
gestellt, die von der öffentlichen Hand, hier
von der Stadt Darmstadt bezahlt werden,
aber im Gegensatz zu den beamteten und
angestellten Stadtplanern nicht weisungs-
gebunden sind. Sie sollen unabhängig sein
und die Interessen der betroffenen Bürger
vertreten und dabei „speziell unterprivile-
gierten und nicht organisierten Gruppen
und Personen bei der Wahrnehmung ihrer
eigenen Interessen helfen. Der Magistrat
versteht die Advokatenplanung als ein Mit-
tel, einerseits die Rahmenbedingungen ei-
ner Sanierungsplanung zu verdeutlichen,
andererseits aber auch lokale Interessen
und Probleme zum Ausdruck zubringen.
Es soll über die Advokaten der Versuch
gemacht werden, die verschiedenen Mei-
nungen und Diskussionsergebnisse gegen-
seitig zu vermitteln, um zum Ausgleich
zwischen Gruppeninteressen und Allge-
meininteressen beizutragen.“
24
Im Oktober 1974 nahmen zwei Anwalts-
planer ihre Tätigkeit auf. Sie waren quasi
„von oben eingesetzt“, d.h. anders als in
Kranichstein, wo eine rege und tatkräftige
Bürgerinitiative ihren Einsatz gefordert hat-
te und als Gesprächspartner zur Verfügung
stand, mussten sie im Martinsviertel ihre
Klientel, ihre Ansprechpartner erst selbst
suchen. Es gab vielerlei Widerstand gegen
die Osttangente, aber vorerst keine organi-
sierte Gruppe, die sich diesem Ziel und der
Weiterentwicklung des Viertels im Sinne
einer bürgernahen Sanierung verschrieben
hatte.
Die Anwaltsplaner organisierten eine
Sprechstunde für alle Interessenten und
nahmen nach den verschiedensten Seiten
Kontakte auf. Das waren Vereine, kirchliche
Arbeitsgruppen und die lokalen Parteig-
ruppen. Bei ihrer anfänglichen Unsicher-
heit, ob die Osttangente nicht doch für ein
funktionierendes Straßenverkehrssystem
in der Stadt erforderlich wäre, mussten die
Anwaltsplaner als Interessenvertreter der
Anwaltsplaner und der Kampf um die Osttangente
23
Bürger - deren aktiver Teil die Osttangen-
te nach wie vor heftig ablehnte - nach und
nach deutlicher Position gegen den Straßen-
durchbruch beziehen. Langsam gewannen
sie an Einfluß. Nach einer von ihnen 1976
einberufenen Bürgerversammlung bildete
sich schließlich eine „Bürgerinitiative zur
Erhaltung des Martinsviertels“, Keimzelle
einer ein Jahr später gegründeten Grup-
pe, die das gewohnte Parteienspektrum in
Darmstadt langfristig verändern sollte.
Im April 1976 beschloss schließlich auch
die Stadtverordnetenversammlung nach
langer Diskussion den Rahmenplan für die
Sanierung des Martinsviertels mit dem
Osttangentendurchbruch. Während die all-
gemeinen Zielsetzungen des Rahmenplans
kaum strittig waren entzündeten sich die
Kontroversen nach wie vor an der Planung
der Osttangente. Das Unbehagen an deren
Lage mitten im Viertel war so groß, dass die
SPD nur unter der Bedingung zugestimmt
hatte, eine abgesenkte, überdeckte Straße
zu untersuchen. Die FDP forderte gleich
die Führung der neuen Straße im Tunnel,
beides völlig unrealistische Vorschläge, was
von den betroffenen Martinsviertlern auch
so gesehen wurde.
Eine Ausgabe der Stadtteilzeitung Martinsviertel mit
klarer Aussage zur Position der Bürger.
24
Alle Proteste und Unterschriftensamm-
lungen gegen die Osttangente waren um-
sonst. „Keine Fraktion und keine Partei ha-
ben bisher den Mut gehabt, die Osttangente
noch einmal infrage zu stellen.“
25 Anfang
Januar 1977 beginnt eine neue Phase der
Auseinandersetzung. „Mit wirksamen Waf-
fen wollen Darmstädter Bürger gegen ein
ungeliebtes Straßenbauprojekte zu Felde
ziehen. Sie sind entschlossen, sich unter
dem Namen „Bürger gegen die Osttan-
gente“ zu einer freien Wählergemeinschaft
zusammen zu tun, um die über 30 Meter
breite Straßenschneise mitten durch das
Altbaugebiet Martinsviertel zu verhindern.
Mit eigenen Kandidaten wird der Initiativ-
kreis zur Kommunalwahl am 20. März an-
treten, so der Sprecher des Initiativkreises
Wählergemeinschaft.“
26 In dem Kreis hat-
ten sich verschiedene Bürgerinitiativen und
Stadtteilgruppen zusammengeschlossen,
insbesondere Gegner der Ostautobahn und
der Osttangente, die sich dann gemein-
sam als „Wählergemeinschaft Darmstadt „
(WGD) an der Kommunalwahl beteiligten.
Der Erfolg war für die erst kurz vor der Wahl
gegründete Gruppe ohne Wahlkampferfah-
rung und ohne bekannte Kandidaten mit
8 % der Stimmen in Darmstadt und 18,2 %
der Stimmen im Martinsviertel grandios.
Die Gegner des Straßenbaus waren nun
erstmals in der Stadtverordnetenversamm-
lung vertreten, wenn auch noch in der Op-
position, ohne Partner und ohne Mehrheit;
aber „immer deutlicher wird die Verkehrs-
planung zum zentralen Thema in Darm-
stadt.“
27 Die SPD hatte ihre Mehrheit in der
Stadtverordnetenversammlung verloren,
die CDU profitierte und stellte erstmals in
Darmstadt die stärkste Fraktion. Zusam-
men mit der FDP bildete sie eine Koalition.
Die Wählergemeinschaft Darmstadt (WGD)
Inzwischen hatten sich CDU, SPD und FDP
auf ein Moratorium geeinigt, d.h. bis zur
Vorlage des bereits in Auftrag gegebenen
neuen Verkehrsgutachtens für Darmstadt
sollten alle weiteren Entscheidungen zur
Osttangente zurückgestellt werden.
Nach dem Wahlsieg der CDU 1977 war zu-
nächst ungeklärt, wie es mit dem Einsatz
der Anwaltsplaner weitergeht. Im Novem-
ber 1977 stellt die Frankfurter Allgemeine
Zeitung aber fest: „Advokatenplanung wird
den Machtwechsel im Darmstädter Stadt-
parlament überleben.“
28 Die CDU hatte
ihren traditionellen Widerstand gegen die
Bürgeranwälte auf Druck des Koalitions-
partners FDP aufgegeben. In Fachkreisen
hatte das Modell schon länger viel Aner-
kennung gefunden. Zudem hatte sich die
Zusammenarbeit zwischen Anwaltsplanern
und Stadtplanern zu einem kollegialen,
vertrauensvollen und für beide Seiten nütz-
lichen Verhältnis entwickelt.
In dieser Zeit begannen außerhalb des Ost-
tangentenbereichs Instandsetzungen und
Modernisierungen einiger weniger Wohnge-
bäude. Auch wurden Planungen für einzelne
von Straßen umgebene Baublöcke mit den
Betroffenen erörtert. Davon wird noch be-
richtet. Verschiedene Hausabbrüche durch
die Stadtbauverwaltung sorgten immer mal
wieder für erheblichen Unmut und für laute
Proteste. Zentrale Themen waren dies aber
nicht. „Für diese Legislaturperiode und
wahrscheinlich noch darüber hinaus dreht
sich in dieser Stadt die ganze Politik um die
Verkehrsplanung, im Extrakt also um deren
umstrittene Bestandteile Osttangente und
Ostautobahn,“ so die Frankfurter Allgemei-
ne Zeitung.
29
25
Ende 1978 wurde das neue Gutachten zum
Generalverkehrsplan für Darmstadt vorge-
legt, das eine Reihe von Alternativen mit
verschiedenen Varianten enthält und be-
wertet. Die meisten der untersuchten Netze
verbinden – wie schon in der Schaechter-
le-Planung der frühen 60er Jahre - die von
Norden (A 661) und Osten (A 680) auf
Darmstadt zulaufenden Autobahnen mitei-
nander; die Stadt wäre so an allen Seiten
von Autobahnen eingeschnürt. Das Stadt-
planungsamt wurde beauftragt, die Vor-
schläge zu prüfen und eine Entscheidungs-
grundlage vorzulegen.
Nun geschah etwas Ungewöhnliches. Eine
Gruppe von Stadtplanern – später als Dis-
sidenten bezeichnet - setzte sich in einem
internen Arbeitspapier mit der Straßenpla-
nung in Darmstadt grundsätzlich auseinan-
der und kam dabei zu Ergebnissen, die der
bisherigen Stadtpolitik voll widersprachen.
Statt Autobahnverknüpfungen wurden zwei-
spurige Bundesstraßen vorgeschlagen, die
die Naherholungsgebiete im Osten und Sü-
den der Stadt weitgehend schonen. Die von
Dieburg/Rossdorf kommende A 680 wurde
als zweispurige Straße zum Ostbahnhof
verlängert und weiter weitgehend auf der
Trasse der heute aktuellen Tunnelplanung
durch den Bürgerpark Nord geführt. An-
stelle des Osttangentendurchbruchs wurde
die Heinheimer Straße vorgesehen. Dieses
interne Arbeitspapier gelangte an die Öf-
fentlichkeit, wurde zuerst in der Zeitung
und dann von den Bürgergruppen, die sich
gegen die offizielle städtische Verkehrspla-
nung gebildet hatten, groß herausgebracht
und gab schließlich der Diskussion um den
für erforderlich gehaltenen Straßenbau eine
Wende.
Lange hatten die Kommunalpolitiker der
zwei großen Parteien SPD und CDU ge-
Das Ende der Osttangentenplanung
meinsam den Bau der Osttangente im Mar-
tinsviertel vertreten. Beeinflusst von ihrem
mitgliederstarken Ortsverein Martinsviertel
löste sich nun die SPD von der Idee, die
Osttangente sei notwendig, um Darmstäd-
ter Verkehrsprobleme zu lösen. Die CDU
hingegen blieb bei den bisherigen Beschlüs-
sen und insbesondere ihr Stadtbaurat Reis-
ser argumentierte weiter für den Straßen-
durchbruch, inzwischen umgeplant und
statt 30m nur noch 13m breit. „Die Straße
wird die grüne Achse des Martinsviertels.
Der Name Arheilger Allee wird zutreffen.“
30
Ende Februar 1980 beschließt die Mehrheit
in der Darmstädter Stadtverordnetenver-
sammlung zum Generalsverkehrsplan für
Darmstadt und das Darmstädter Echo ti-
telt: „Jetzt endgültig: Keine Osttangente im
Martinsviertel“
31
Die CDU aber hielt nach wie vor an dieser
Straßenplanung fest. Die Osttangente wird
zur „Grünen Achse der Vernunft“ und zum
Wahlkampfthema. In einer in 6000 Ex-
emplaren gedruckten Broschüre wird die
nun nur noch zweispurige innerstädtische
Hauptstraße vom Stadtbaurat mit vielen
Argumenten gepriesen: „Sie muss sein,
wenn wir das Martinsviertel tatsächlich
verbessern wollen, wenn wir nicht wollen,
dass über die Arheilger Straße die Ratten
huschen.“
32 „Wo ungeordnete Flächen und
eine düstere Straße ein schlimmes Bild von
Armut und Verfall zeichnen, sollen viele
neue Wohnungen an einer schmucken Allee
entstehen.“
33
Bei der Kommunalwahl 1981 verlor die CDU
in Darmstadt drei Prozent Stimmenanteil,
hatte im Martinsviertel aber nur einen Ver-
lust von 1,2%. Die SPD gewann 3,7%, die
WGD legte mit 10,1% noch einmal in der
Gesamtstadt zu und konnte mit der SPD
26
Gestaltungsvorschlag für die Arheilger Allee - die „grüne Achse der Vernunft“, Baudezernat 1980
27
eine Koalition bilden, nun als „Regierung.“
Die neue Koalition und insbesondere die
WGD wollten die Rückkehr zu den alten
Strassenbauplänen endgültig verhindern
und sorgten kraftvoll für eine neue Wohn-
bebauung an der Ecke Dieburger-/Hein-
heimer Straße. Damit war die für den Bau
der Osttangente solange frei gehaltene Flä-
che zugebaut und der Straßendurchbruch
Neubau Ecke Heinheimer- /Dieburger Straße
durch das Viertel nicht mehr möglich.
Der lange und teils bitter geführte Kampf
um die neue Straße war zu Ende. Erst ein-
zelne Martinsviertler, dann Bürgerinitiativen
mit Hilfe der Anwaltsplaner und schließlich
die bei ihrer zweiten Teilnahme an einer
Kommunalwahl noch einmal erstarkte WGD
hatten das von der Stadtregierung jahr-
zehntelang verfolgte Projekt endgültig zu
Fall gebracht.
28
Mit dem Verzicht auf die Osttangente war
die für den Mittelbereich des Martinsvier-
tels vorgesehenen Flächensanierung mit
Totalabriss und Neubebauung „vom Tisch.“
Eindeutiges und allseits anerkanntes Ziel
der Sanierung wurde die erhaltende Erneu-
erung mit nur behutsamen Eingriffen in die
überkommene Baustruktur und mit der
Modernisierung überalterter Bausubstanz.
Der ursprüngliche Zweck der Sanierung,
die Aufwertung des veralteten Wohnquar-
tiers wurde endlich für das ganze Viertel
Schwerpunkt der weiteren Planungsarbeit.
Der von der Osttangentenplanung berührte
Bereich mit seinen langjährigen Bausperren
zeigte einen aufgestauten Instandsetzungs-
und Modernisierungsbedarf, der wirksam
abgebaut werden musste. Die Abwande-
rung einkommensstärkerer Schichten sollte
gestoppt werden, ohne das Mietniveau des
billigen - weil schlechten - Altwohnhaus-
bestandes tüchtig ansteigen zu lassen.
Schließlich war eine der wichtigsten Grund-
sätze des 1972 beschlossenen Sozialplans,
dass kein Bewohner des Viertels durch
Sanierungsmaßnahmen oder ihre Auswir-
kungen aus dem Viertel verdrängt werden
soll.
Das nun verfolgte Erneuerungskonzept
sieht ein Maßnahmebündel aus den drei
folgenden Schwerpunktaufgaben vor:
• Neuordnung der Blockinnenräume
• Modernisierung veralteter Bausubstanz
• Umbau von Straßen und Plätzen
Diese Aufgaben und ihrer Realisierung wer-
den im Folgenden beschrieben.
DIE SANIERUNG GREIFT
Pankratiusstraße um 1975
Pankratiusstraße im gleichen Bereich wie oben mit
der Kindertagesstätte Hedwig-Dohm-Haus, 2007
29
träglichen zugeparkt, weitere Kapazitäten
können nicht gewonnen werden. Vorgärten
sind schützenswert und keine zum Abstel-
len von Autos geeigneten Flächen. Einzel-
ne unbebaute Grundstücke werden für den
Wohnungsbau gebraucht, um Bewohner
abbruchreifer Häuser unterzubringen. Dis-
ponibel sind lediglich - zumindest theore-
tisch - die Flächen im Blockinnern. Größere
offene Stellplatzanlagen, die den Verkehrs-
lärm der Straßen auch in die Blockinnenflä-
chen tragen, stören dort aber sehr. Es bleibt
- auch wieder theoretisch - Tiefgaragen in
größerem Umfang zu bauen, eine perfekte
Lösung. Die Kosten je Stellplatz sind aber
so hoch, dass die resultierende Miete nicht
akzeptiert wird. Die Subventionierung mit
Sanierungsförderungsmitteln im erforder-
lichen Umfang ließe für Modernisierungen,
Blockentkernung, Straßen- und Platzumbau
keine Mittel übrig. Die Sanierungsplanung
bemüht sich deswegen um unterschiedliche,
verträglich in die Umgebung eingefügte Lö-
sungen. Eine ist der Bau von Paletten, bei
denen die Pkw platzsparend in zwei Ebenen
übereinander angeordnet sind, und die mit
tragbaren Kosten errichtet werden können.
In geeigneten Bereichen der Blockinnen-
räume werden zudem kleinere, ebenerdige
Stellplatzanlagen untergebracht. Sie sind
preiswert und werden dicht mit Büschen
und Bäumen bepflanzt
Kleinkinderspielplätze und Pkw-Stellplätze
wollen die Planer als Anlagen im Gemein-
schaftseigentum schaffen. Das ist ein auch
in der Sanierungsplanung neuer Ansatz,
der eine deutliche Wohnwertverbesserung
bedeutet, ohne Eigentümer und Mieter be-
sonders zu belasten. Grundstücksflächen
mit Spielplätzen und Stellplätzen als Ge-
meinschaftseigentum sind bei Wohnanla-
gen mit Eigentumswohnungen üblich und
auch gesetzlich geregelt. Die Anlagen sind
In den gründerzeitlichen Wohnquartieren
sind die ehemals begrünten Blockinnenbe-
reiche im Laufe der Jahre mit vielerlei Ge-
bäuden und Anlagen verbaut und verstellt
worden. Lagerschuppen, kleinere Fabriken,
Garagenhöfe und vereinzelte Wohngebäu-
de haben dichtbebaute, ungeordnete und
unfreundliche Hofräume entstehen lassen.
In den seltensten Fällen gibt es auf den
Grundstücken einen ansprechenden Klein-
kinderspielplatz. Öffentliche Spielplätze
sind ebenso rar, und die Straßen dienen
dem Verkehr. Damit ist das Wohnquartier
zum Problembereich für Familien mit klei-
nen Kindern geworden, die oft ausziehen,
wenn sie es sich leisten können.
Wohnumfeldverbesserung ist notwendig.
Sie bedeutet, aufzuräumen, zu begrünen
und Wege zu finden, durch die die Blockin-
nenräume für die Bewohner wieder benutz-
bar werden.
Private Kleinkinderspielplätze können auch
in bebauten Bereichen von der Stadtbauver-
waltung nachgefordert werden, „wenn dies
die Gesundheit oder der Schutz der Kinder
erfordern,“ so erlaubt es die bis zum Jahre
2002 gültige Hessischen Bauordnung. In
vielen Gebäuden gibt es aber gar keine Kin-
der; andere, besonders die Eckgrundstücke
haben keine Freiflächen und wieder andere
sind von anderen Nutzungen wie z.B. Pkw-
Stellplätzen belegt. Das einfache Nach-
fordern muss deswegen erfolglos bleiben.
Für die von alten Leuten belegten Gebäude
konnten so keine Verbesserungen für die
nächste, junge Generation geschaffen wer-
den.
Ein schwieriges Problem im Sanierungs-
gebiet ist zudem die Unterbringung der
wachsenden Anzahl von Autos. Plätze und
Straßen sind bis an die Grenze des Er-
Die Neuordnung der Blockinnenräume
30
im Eigentum vieler, die sie auch gemein-
sam unterhalten. Anders als beim Verkauf
von Eigentumswohnungen müssen die er-
forderlichen Gemeinschaftsgrundstücke im
Sanierungsgebiet aber erst geschaffen und
dann den Eigentümern zugeteilt werden,
was zu vielerlei Bedenken der betroffenen
Eigentümer und damit zu Schwierigkeiten
bei der Durchführung führte.
All die genannten Ziele einer umfassenden
Neuordnung der Blockinnenbereiche setzen
die Aufstellung von Bebauungsplänen und
damit recht aufwendige Planungsverfahren
voraus. Diese Verfahren sind notwendig, um
die folgenden Absichten zu erreichen:
• Realisierung der privaten Kleinkinder-
spielplätze, nicht als Kleinstanlagen grund-
stücksweise sondern als größere, für alle
benutzbare, zentral gelegene Bereiche, die
als Grünanlagen den gesamten Blockinnen-
bereich aufwerten.
• Schaffung von privaten Pkw-Stellplätzen
zusammengefasst in Bereichen des Block-
innenraums, in denen sie das Wohnen nicht
zu sehr stören.
• Anwendung bewährter und erprobter Ver-
fahrensgänge, die eine ausreichende Mit-
wirkung aller Beteiligten sicherstellen aber
nicht von der Zustimmung jedes einzelnen
Betroffenen abhängig sind.
• Aktivierung privater Investitionsmittel in
einem Ausmaß, das durchsetzbar ist und
die sozialpolitischen Ziele nicht gefährdet,
da nur geringfügige Mieterhöhungen erfor-
derlich werden.
Bis ein Bebauungsplan rechtsverbindlich
wird muss ein längerer Verfahrensgang ab-
gewickelt werden, durch den unterschied-
liche private Interessen und Bedürfnisse
mit den Zielen der Sanierungsplanung so
weit wie möglich abgestimmt werden. Dies
gilt sowohl für grundsätzliche Fragen – wie
z.B. die Unterbringung des ruhenden Ver-
kehrs - wie auch für zahlreiche nur einzel-
ne Grundstücke betreffende Probleme. Die
Kosten der Durchführung müssen geklärt
sein, damit jeder einzelne Eigentümer weiß,
welche Kosten er zutragen hat. Schließlich
sind die neuen Grundstückszuschnitte und
Eigentumsverhältnisse zu regeln. Mit ein-
zelnen Betroffenen müssen Maßnahmen
des Sozialplans vereinbart werden.
Über den Beginn eines Bebauungsplanver-
fahrens und die wesentlichen Ziele der an-
stehenden Planung werden alle Mieter und
Eigentümer mit einem Faltblatt informiert.
Nach einer gründlichen Bestandsaufnahme
und vielen Einzelgesprächen werden den
Betroffenen Planungsvorschläge in einer
Broschüre gemacht, die mit einer Einla-
dung zu einer öffentlichen Erörterung ver-
bunden sind. In den ersten Jahren der Ent-
wicklung von Neuordnungskonzepten für
einzelne Blöcke haben dann die Anwalts-
planer Zusammenkünfte der interessier-
ten Bewohner organisiert, bei denen die
Planungsvorschläge detailliert besprochen
und soweit möglich abgestimmt wurden.
Aus dem Ergebnis wurde der Bebauungs-
planentwurf entwickelt, der dann öffentlich
ausgelegt und später, nach Abwägung der
eingegangenen Stellungnahmen von der
Stadtverordnetenversammlung verbindlich
beschlossen wurde. Gelegentlich waren
Entscheidungen in Konfliktfällen erforder-
lich. Inzwischen konnte der Verfahrensgang
für solche Blöcke vereinfacht werden, in de-
nen keine Veränderungen der Grundstücke
vorgesehen sind.
31
Im September 1976 fand die erste öffent-
liche Erörterung des Blockneuordnungs-
konzeptes für den sogenannten Bäko-Block
statt, das Straßengeviert zwischen Hein-
heimer-, Müller-, Lichtenberg und Kranich-
steiner Straße. Dort hatte der städtische
Bauverein schon umfangreiche Baumaß-
nahmen ohne vorherige Sanierungsplanung
durchgeführt, Anlass für manch heftige
Kritik. Eingeladen waren die Bewohner und
Hauseigentümer des Blocks. Die Erörte-
rung leitete „eine neue Sanierungsphase“
34
ein und befasste sich erstmals detailliert
mit einer den Zielen der Sanierung ent-
sprechenden Aufgabe. Sie wurde von den
städtischen Planern ohne Beteiligung der
Politiker durchgeführt, um die durch die
Osttangentendiskussion aufgeheizte Stim-
mung zumindest zu dämpfen. „Nach Jah-
ren bloßen Debattierens gestaltete sich der
Übergang zum Handeln erwartungsgemäß
schwierig,“ berichtet das Darmstädter
Tagblatt.
35 Mit ungeübten und mit ihren
ausführlichen Erläuterungen viel zu lang-
atmigen Planern auf der einen Seite und
misstrauischen Bürgern auf der anderen
Seite, die nicht glauben wollten, dass die
ihnen vorgestellten Vorschläge tatsächlich
Diskussionsgrundlage und keine fertige
Planung sind, entstand nur ein recht müh-
samer Dialog, zudem voller Missverständ-
nisse. Mit Hilfe der Anwaltsplaner bildete
sich nach der Veranstaltung eine aktive
Gruppe von Blockbewohnern, die verschie-
dene Vorschläge diskutierte, eine Befra-
gung unter den Bewohnern durchführte
Wohnungsbau im Bäko-Block, 1977
32
und dann eine eigene Planung zur Neuord-
nung vorlegte. Ein Anfang war gemacht, die
Betroffenen an der Planung ihres Wohnum-
feldes zu beteiligen.
Schon bei der zweiten Erörterungsveran-
staltung im März 1977 zum sog. Petri-Block
wurden die Planer von der Presse gelobt,
36
weil sie ihre Aussagen auf das Wesentliche
konzentrierten und deutlich machten, dass
sie ein Konzept diskutieren wollen, das ver-
ändert werden kann. Die Diskussion wur-
de von einem der Anwaltsplaner geleitet,
sie war keineswegs ohne kontroverse Mei-
nungen, aber sachlich und konstruktiv.
Der Petri Block, das Quartier zwischen
Heinheimer-, Kaup-, Pankratius- und Lieb-
frauenstraße war beispielhaft für die Situa-
tion im Martinsviertel und die Absicht der
Planer, die Flächen im Block neu zu ordnen.
Aus dem Block war die Schreinerei Petri
Der Petri-Block vor der Sanierung: ein zugebauter Blockinnenraum.
33
Das Neuordnungskonzept mit Grün- und Spielflächen als Gemeinschaftsanlage.
wegen ihres Lärms und fehlender Erweite-
rungsflächen ausgelagert worden. Die Stadt
hatte das tief in den Block ragende Gelän-
de erworben, zugebaute Flächen mit allerlei
Gebäuden in schlechtem Zustand. Sie wur-
den ebenso wie ein dreigeschossiges Wohn-
Hinterhaus abgebrochen. Dort wurden nun
als Ausgleich für fehlende Spiel-, Grün- und
Autoabstellflächen eine Gemeinschaftsan-
lage vorgeschlagen, mit einem Kinderspiel-
platz und Freiflächen mit Büschen und Bäu-
men, die Schatten spenden und gegen die
privaten Gärten der Wohnhäuser abschir-
men. Die Anlage wurde so geplant, dass
sie von fast allen Privatgrundstücken durch
Gartentore, Heckendurchlässe usw. direkt
erreichbar ist und somit Hausgärten erwei-
tert oder ersetzt. Die Eigentumsanteile der
Gemeinschaftsanlage sollten in einer nach
den Vorschriften des Bundesbaugesetzes
durchgeführten Umlegung zugeteilt wer-
den.
34
Die Darmstädter Presse äußerte sich dies-
mal positiv. Das Tagblatt spricht von einer
bestechenden planerischen Idee,
37 das
Echo zwar zuerst wegen unübersehbarer
Folgekosten von einer „Katze im Sack,“
dann aber von einer großen sozialen Lei-
stung.
38
Neben dem Abbruch der Gebäude im
Blockinnern und zwei Neubauten in den
Baulücken am Blockrand sah das Planungs-
konzept die Instandsetzung und Moderni-
sierung der Wohnhäuser vor, die nicht zeit-
gemäßen Wohnbedürfnissen entsprachen.
Bei den Erörterungen des Neuordnungskon-
zeptes meldeten sich überraschenderweise
die Mieter nahezu überhaupt nicht. Mit den
Eigentümern fanden zahlreiche Gespräche
statt, die in ihrer Mehrzahl nach anfäng-
lichem zögern schließlich von den Vorteilen
des vorgelegten Konzeptes überzeugt wer-
den konnten. Am meisten interessierten die
entstehenden finanziellen Belastungen, die
minuziös berechnet wurden. Den Ausbau
der Grün- und Spielflächen finanzierte die
Stadt aus Sanierungsförderungsmitteln.
Den Eigentümern verblieb der Bau der ren-
tierlichen Parkplatzanlage und der Erwerb
des Eigentumsanteils am Grundstück der
Anlage. Der größte Teil der erforderlichen
Mittel zum Unterhalt konnte aus den Ein-
nahmen der Vermietung der fünfzehn Stell-
plätze erwirtschaftet werden. Bei Umlage
aller so entstehenden Nebenkosten auf die
Miete errechneten die Planer eine Miet-
steigerung von 1,70 DM je Wohnung und
Monat, ein durchaus bescheidener Betrag.
Der neue Spielplatz als private Gemeinschaftsanlage im Petri-Block
35
Hinterhofbebauung im Jägerhaus-Block, 1979
Dem steht dann eine deutliche Wertsteige-
rung des Besitzes für die Hauseigentümer
und ein bemerkenswert höherer Wohnwert
für die Mieter gegenüber, insbesondere für
die mit kleinen Kindern.
Im August 1978 wurde der Bebauungs-
plan für den Petri-Block rechtsverbindlich,
im Mai 1981 konnte die Umlegung ab-
geschlossen und die Gemeinschaftsanlage
den Eigentümern übereignet werden. Ein
neues Modell der Wohnwertverbesserung,
ganz im ursprünglichen Sinne der Sanie-
rung, war nach viel Überzeugungsarbeit
der Stadtplaner endlich realisiert.
Die Sanierungsplanung war auch bei der
Neuordnung des Baas-Blockes erfolgreich.
Aus dem Blockinnenbereich war 1975 die
große Flächen beanspruchende Aufzugsfir-
ma Baas ausgesiedelt worden. Eines ihrer
Fabrikgebäude, eine Werkhalle, sollte erhal-
ten werden, Beispiel für den Willen der Pla-
ner, funktionslos gewordene Gebäude nicht
immer nur abzubrechen sondern - soweit
möglich - zu erhalten und neue Nutzungen
für sie zu finden. Hier bot sich eine Spiel-
und Bewegungshalle für Kinder im Viertel
an, eine Einrichtung, für die ein erheblicher
Bedarf vorhanden war. Nach ausführlichen
Erörterungen und langen Verhandlungen
übernahm das zur Martinsgemeinde ge-
hörende Max-Rieger-Heim die Verwaltung
der Halle, die mit Sanierungsmitteln an
die neue Nutzung angepasst wurde, frei-
lich erst nachdem die Stadt die Finanzie-
rung des Betreuers der Jugendlichen zuge-
sichert hatte. Die rege Nutzung der Halle
36
im wesentliche durch Jugendliche hat sich
seit Jahren bewährt und ist längst zur
Selbstverständlichkeit im Viertel geworden.
Der größere Teil des ehemaligen Baas-
Grundstückes wurde 1983 Gemeinschafts-
anlage der Eigentümer im Block, mit
Grünflächen, Kleinkinderspielplatz und 20
Pkw-Stellplätzen.
Meinungsverschiedenheiten und Streit mit
Betroffenen und Einwohnern gab es öfter
über Gebäude im Blockinnenbereich, die
Begrünung und neue Freiflächen behinder-
ten, recht häufig in schlechtem Zustand
aber bewohnt waren. Immer wieder wurde
den Planern vorgeworfen, gerade die Mieter
durch den Abbruch ihrer Wohnungen zu ver-
Vorschlag der Stadtplaner zur Neuordnung des Jägerhaus-Blocks
37
treiben, die auf billige Mieten angewiesen
sind. Beispielhaft war die Auseinanderset-
zung um die Hinterhäuser mit Einfachwoh-
nungen im Jägerhaus-Block. Zusammen mit
dem niedrigen villenartigen sog. Jägerhaus
blockierten sie mit ihrer zentralen Lage und
ihren vier Geschossen jede Neuordnung
im Blockinnenraum und verschatteten die
Der Jägerhausblock vor und auch nach der Blockerneuerung. Gebaut wurde lediglich ein nicht dargestellter
Parkplatz an der Ecke Taunusplatz / Taunusstraße.
Rückseiten einiger Häuser in der Kittler-
straße erheblich. Die Stadtplaner wollten
diese vernachlässigten Gebäude mit ihren
unglücklichen Wohnungsgrundrissen ab-
brechen. In zahllosen Gesprächen mit ein-
zelnen Eigentümern und dem im Zuge der
Blockplanung gebildeten aktiven Arbeits-
kreis Jägerhaus-Block versuchten die Pla-
38
ner von ihrer Vorstellung der Neuordnung
zu überzeugen. Mit dem Beschluss zum
Entwurf des Bebauungsplanes stimmte die
Stadtverordnetenversammlung 1981 dem
Abbruch der strittigen Hinterhäuser noch
zu. Als die Planung dann 1983 endgültig
beschlossen werden sollte gab es sowohl
öffentliche wie parteiinterne lebhafte und
kontroverse Diskussionen. Die Stimmung
hatte sich geändert, und die Stadtplaner
wurden schließlich beauftragt, ihre Planung
so zu ändern, dass die strittigen Hinterhäu-
ser erhalten bleiben.
Die folgende neue Planung konnte dann
mit dem Bewohner-Arbeitskreis weitge-
hend einvernehmlich abgestimmt werden.
Die zwei Miethausblöcke wurden schließ-
lich mit hohem Aufwand modernisiert.
Der als Gemeinschaftsanlage viel kleiner als
ursprünglich geplante Kleinkinderspielplatz
konnte allerdings nicht an die vorgesehene
Eigentümergemeinschaft übergeben wer-
den, da keine Einigung mit den Betroffenen
erzielt wurde. Das Grundstück blieb wie die
Hinterhäuser im Eigentum der Stadt.
Das Modell der Gemeinschaftsanlage für
die Blockbewohner – für die Sanierungsauf-
gabe Blockentkernung und -Neuordnung
von zentraler Bedeutung - wurde von den Ei-
gentümern anderer Blöcke oft nicht als bei-
spielhaftes und nachahmenswertes Vorbild
akzeptiert. So erlebten die Planer bei ihren
Erörterungen seltener positive Reaktionen.
Häufiger überwogen bei den sehr unter-
schiedlichen Blocksituationen Skepsis bis
massive Ablehnung. Mit viel Diskussions-
aufwand und zahlreichen Gesprächen in Be-
wohnerarbeitskreisen gelang es, manchen
Eigentümer zu überzeugen und neben der
Entkernung der Blockinnenräume eine Rei-
he weiterer Gemeinschaftsanlagen durch-
zusetzen. Dabei war es leichter Anlagen
dort zu realisieren, wo die Stadt als Grund-
eigentümer die Flächen im Block verteilen
konnte. Kaum akzeptiert wurden Eingriffe
in das Eigentum d. h. auch nur Teile von
privaten Grundstücken in Gemeinschaftsei-
gentum zu überführen. Inzwischen sind 13
Anlagen unterschiedlicher Größe, teilweise
mit nur wenigen Eigentümern, realisiert.
Hinzu kommen eine Reihe von Anlagen, die
wie geplant von den Anliegern benutzt wer-
den, aber nicht in Gemeinschaftseigentum
überführt wurden.
Das Institut Wohnen und Umwelt in Darm-
stadt hat die Gemeinschaftsanlage des Pe-
tri- Blockes 1983 und noch einmal 1992/93
empirisch untersucht. Es ging darum, das
Modell zu überprüfen, die Meinung der
Blockbewohner zu dieser neuen Wohnum-
feldmaßnahme zu erfragen und die Art und
Häufigkeit der Benutzung der Anlage zu
erkunden. Sie wurde überwiegend positiv
eingeschätzt, 1992 von immerhin 75 % der
Befragten. Vorteile wurden insbesondere für
Kinder und für Mütter mit kleinen Kindern
gesehen. Nach den Beobachtungen bei der
Untersuchung wurde die Anlage auch weit
überwiegend von Kindern bis elf Jahren be-
nutzt, weniger von Jugendlichen und nur in
recht geringem Umfang von Erwachsenen.
Gleichzeitig waren das Interesse und die
Bereitschaft der Bewohner, sich für die ge-
meinsamen Belange der Spiel- und Grün-
anlage im Innenblock einzusetzen, gering.
Die früher öfter geäußerte Sorge, dass die
Verbesserung des Wohnumfeldes durch die
Gemeinschaftsanlage zu einem Anstieg der
Mieten führen könnte, hat sich bei der Un-
tersuchung als grundlos herausgestellt. Die
Anlagen sind in aller Regel gut unterhalten,
und es war noch kein Problem, Verwalter
aus den Reihen der Eigentümer zu finden.
39
Die Modernisierung veralteter Bausubstanz
Im Martinsviertel wurden um die Jahrhun-
dertwende zahlreiche Miethäuser als bil-
liger Wohnraum für die in die Stadt stre-
benden Industriearbeiter gebaut. Während
die Bausubstanz zu Beginn der Sanierung
häufig noch gut war konnte die Ausstat-
tung keineswegs zeitgemäßen Ansprüchen
genügen. Die Wohnungen waren ohne Bad,
die Toilette oft außerhalb der Wohnung
am Treppenabsatz, Elektro- und Wasser-
installationen veraltet und die Heizung mit
Öfen bescheidenster Standard. Es zeigte
sich ein großer Modernisierungsbedarf,
der dringend angegangen werden musste.
Nun sind Architekten durchaus in der Lage,
auch in alten Häusern schicke Wohnungen
mit allem Komfort zu planen und den Um-
bau durchzuführen. Die Kosten sind dann
aber hoch und können die Größenordnung
von Neubauten erreichen. Im Martinsvier-
tel ging es aber darum, die Bewohner nicht
zu vertreiben, das war mit den Grundsät-
zen zum Sozialplan auch so beschlossen
worden. Für die ansässige Bevölkerung in
den schlecht ausgestatteten und billigen
Wohnungen mussten die Mieten auch nach
der Instandsetzung und Modernisierung
noch bezahlbar sein. Mit sorgfältiger Pla-
nung für einen möglichst preiswerten Um-
bau zu einem eher bescheidenen Standard
und mit hohen öffentlichen Zuschüssen zu
den entstehenden Kosten sollte das Ziel er-
reicht werden.
Im Frühjahr 1977 wurde die erste von der
Stadt durchgeführte Modernisierung eines
Miethauses mit acht Wohnungen in der
Barkhausstraße eingeweiht, als „Modell-
modernisierung“ ein Anfang, Lernprozess
für die Stadt und Vorbild und Anreiz für
private Eigentümer. Je Wohnungen wurden
50.000 Mark investiert. Dafür gab es Eta-
genheizung und Rollläden, die Toilette lag
nicht mehr hinter der Speisekammer, jede
Wohnung besitzt ein Bad und unter Putz
verlegte Leitungen. „Die Mieter sind des
Lobes voll über ihren Hausherren, der die
Mietkaserne aus dem Jahre 1900 moderni-
sieren ließ... Folgende Aufgabe war gestellt:
Mäßig große, schlecht geschnittene, in der
Substanz vernachlässigte Dreizimmerwoh-
nungen in dem 77 Jahre alten Haus mit be-
scheidenen Aufwand auf „mittleren Kom-
fort“ zubringen, ohne dabei den Geldbeutel,
die Lebensgewohnheiten oder den Wohn-
geschmack der Mieter so zu strapazieren,
dass sie sich in dem Haus nicht mehr wohl
fühlen.“
39 Von 1,85 DM je Quadratmeter
stieg die Miete immerhin um mehr als das
Doppelte auf 3,50 DM.
Das dann folgende Musterbeispiel der Mo-
dernisierung eines Hauses in der Pankra-
tiusstraße zeigte das Dilemma der Wahl
zwischen einem vernünftigen Modernisie-
rungsstandard und dem Ziel der nur wenig
angehobenen Miete. Die Minimalsanierung
dort verteuerte die Miete der Wohnungen
nur um 1,05 bis 1,35 DM je Quadratmeter.
Dafür konnte keine Heizung eingebaut wer-
den und es wurde den Mietern überlassen
ob sie elektrisch, mit Öfen oder einzelnen
Gasgeräten die Wohnung wärmen. Der Mo-
dellfall „minimale Modernisierung“ ohne
zeitgemäße Heizung war kein Erfolg, er
wurde nicht wiederholt. Noch im gleichen
Jahr wurde beschlossen, zusätzliche Mittel
für den Einbau von Etagenheizungen zu be-
willigen. Die Mieter hatten diesen Komfort
gefordert und waren auch bereit, die dafür
erforderliche zusätzliche Mieterhöhung zu
akzeptieren.
Ergänzend zur möglichst weitgehend mit
den Mietern abgestimmten Planung und
dem folgenden Umbau der Wohnung be-
mühte sich die Sozialplanung intensiv und
mit viel Engagement um die Betroffenen. In-
40
Modernisierte Hausgruppe am Taunusplatz
41
dividuelle Sozialpläne sorgten soweit mög-
lich für die Vermeidung von persönlichen
Härten. So wurden notwendige Umzüge
mit Sanierungsmitteln finanziert, und zum
Beispiel die nach dem Umzug nicht mehr
notwendige Kohle im Keller übernommen.
Es wurde auch mal ein Rentnerpaar wäh-
rend der Umbauzeit ihrer Wohnung auf öf-
fentliche Kosten in Urlaub in den Odenwald
geschickt. Wem keine Mieterhöhung in Fol-
ge des Umbaus seiner Wohnung zuzumu-
ten ist, dem wird im Ringtauschsystem eine
andere preiswerte, noch nicht modernisier-
te Wohnung angeboten. Ein Verfahren, das
mit viel Verwaltungsaufwand verbunden ist
Wohnung vor dem Umbau mit Toilette am Treppen-
absatz
Wohnung nach dem Umbau mit Bad und WC in der
Wohnung
aber auch vielen Sanierungsbetroffenen
hilft. Die Zahl der erforderlichen Umzü-
ge wird sicherlich größer. Den Wünschen
nach der Wohnlage Martinsviertel - der
angestammten Umgebung - wird aber ent-
sprochen und die von vielen Kritikern der
Sanierung vorausgesagten und immer wie-
der beschworenen Verdrängungsprozesse
vermieden.
Bei weiteren städtischen Modernisierungs-
maßnahmen gab es für die guten Ergeb-
nisse manches Lob von den Mietern, un-
geachtet vieler Erschwernisse während der
Umbauzeit. Die Mieten mussten trotz hoher
Obergeschoss
Erdgeschoss
Obergeschoss
Erdgeschoss
42
öffentlicher Zuschüsse angehoben werden,
dem stand aber auch ein deutlich verbes-
serter Wohnwert gegenüber. Zudem blieben
die neuen Mieten noch immer unter dem
Richtwert für den sozialen Wohnungsbau,
dessen Standard mit der Modernisierung
aber weitgehend erfüllt wurde.
Während mit der Erneuerung weiterer städ-
tischer Häuser und zunehmender Erfahrung
der Planer die Modernisierung langsamen
Routine wurde - längst kam der Oberbürger-
meister nicht mehr zur Einweihung jedes
neuen fertiggestellten Gebäudes - began-
nen private Eigentümer nur sehr zögerlich
damit, ihren Besitz auf einen zeitgemäßen
Standard zubringen. Recht hohe öffent-
liche Mittel standen aus dem Modernisie-
rungsprogramm von Bund und Ländern,
aus Sanierungsförderungsmitteln und aus
Mitteln des sozialen Wohnungsbaus zur
Verfügung, hatten aber auch Mietpreisbin-
dungen und Belegungsrechte der Stadt zur
Folge, die von manchen Hauseigentümern
Während des Umbaus nutzte eine Mietpartei die leerstehende Wohnung als Übergang, ein Rentnerehepaar
machte ‚bezahlten‘ Urlaub im Odenwald, eine Rentnerin ging solange zur Tochter. Die Dachwohnung wurde neu
belegt.
abgelehnt wurden. 1980 legte die Stadt als
Anreiz für eine umfangreichere private Mo-
dernisierungstätigkeit einen ausführlichen
Leitfaden zur Altbaumodernisierung vor,
der unter anderem detailliert unterschied-
liche Finanzierungsmodelle darstellt.
Im März 1982 konnte in einer weiteren Bro-
schüre eine modernisierte Hausgruppe in
der Wenckstraße vorgestellt werden, zwei
private und ein städtisches Wohnhaus, die
von verschiedenen Architekten und mit un-
terschiedlichen Förderungsmethoden zu
einem guten Standard modernisiert wur-
den. Dabei wurden neue Bäder eingebaut,
eine Essdiele geschaffen, die Installationen
erneuert sowie eine zentrale Gasheizungs-
anlage eingebaut, Fenster isoliert, die Fassa-
den renoviert und manche weitere bautech-
nisch notwendige Arbeit durchgeführt. Bei
Baukosten zwischen 226.000 und 269.000
DM für jeweils vier Wohnungen errechneten
sich Mieterhöhungen von 0,60 bis 1,02 DM
je Quadratmeter Wohnfläche.
43
Bis zum Jahr 2004 wurden 50 städtischer
Wohnhäuser mit 273 Wohnungen moder-
nisiert. Die Anzahl der inzwischen privat
durchgeführten Modernisierungsmaß-
nahmen ist sicherlich höher. Viele Eigentü-
mer haben sich beraten lassen und auch
öffentliche Zuschüsse in Anspruch genom-
men. Viele haben auch darauf verzichtet
und nur die in Sanierungsgebieten gün-
stigen steuerlichen Abschreibungsmöglich-
keiten genutzt.
Wohnhaus Taunusstraße 39
Immobilienspekulation im Martinsviertel
In der Mitte der 80er Jahren entstand eine
Spekulationswelle, die auch Mieter des
Martinsviertel bedrohte, dann aber weitge-
hend abgewehrt werden konnte.
Es war damals möglich, spekulative Ge-
winne durch den Kauf alter Miethäuser
zu erwirtschaften, in denen aus Mietwoh-
nungen Eigentumswohnungen gemacht
wurden, die dann einzeln verkauft werden
konnten. Der aus dem Verkauf der Eigen-
tumswohnungen erzielte Preis lag sehr viel
höher als der vorher für das Miethaus auf-
44
gewendete. Die alten Mietverträge blieben
zwar gültig, die neuen Eigentümer konnten
aber nach einer Frist von drei Jahren Eigen-
bedarf anmelden und die bisherigen Mieter
herausdrängen. Eine Variante zu diesem
Verfahren erlaubte dem neuen Hauseigen-
tümer nach einer gründlichen und umfas-
senden Modernisierung der Wohnungen
- meist als Luxusmodernisierung bezeich-
net - die Mieten so erheblich zu steigern,
dass viele der bisherigen Mieter quasi „von
selbst“ auszogen. Die nicht bewohnte und
gut ausgestattete Eigentumswohnung ließ
sich dann besonders gut verkaufen.
Diese Spekulation mit Mietwohnhäusern
hat damals in vielen Großstädten so erheb-
liche Unruhe gestiftet, dass der Bundes-
gesetzgeber schließlich - nach jahrelanger
Diskussion - die Rechte der Mieter erheb-
lich stärkte, insbesondere durch das Verbot
der Eigenbedarfskündigung bis zehn Jahre
nach dem Wohnungskauf.
Im Martinsviertel hat Ende 1985 der vorge-
sehenen spekulative Kauf des Miethauses
Taunusstraße 39 mit 10 Wohnungen durch
private Investoren die Sanierungsplaner,
die Anwaltsplaner und dann auch die Kom-
munalpolitiker länger beschäftigt. Der Vor-
gang war kein Einzelfall und die Frankfurter
Allgemeine Zeitung fragte in ihrer Ausgabe
vom 23.1.86: „Wird nun das Martinsviertel
zum Spielfeld von Spekulanten?“ Zu be-
fürchten war, dass sich die soziale Struktur
des Viertels längerfristig verändert und die
Grundsätze der städtischen Sozialplanung
nicht haltbar sind. Die Mieter der Taunus-
straße 39 wehrten sich. Sie gründeten zu-
sammen den Verein Taunusburg, wandten
sich an die Stadt um Hilfe - die allerdings in
Sorge um weitere gleichartige Fälle wenig ge-
neigt war, das ihr zustehende Vorkaufsrecht
auszuüben - und sie informierten mehrmals
die Öffentlichkeit. Auch die am Kauf des
Hauses interessierten Immobilienhändler
gingen an die Presse und versuchten, die
Mieter der Taunusburg in Misskredit zu-
bringen. Als „gutbetuchte Akademiker wür-
den sie von der Stadt verlangen, dass mit
Steuergeldern die Taunusburg gekauft wird,
nur um weiter billig wohnen zu können.“
40
Die Mieter wollten dann in Zusammenarbeit
mit der Stadt und mit öffentlichen Mitteln
aus verschiedenen Programmen das Haus
erwerben und die Modernisierung selbst
in die Hand nehmen. Das Vorhaben schei-
terte. Schließlich wurde - nicht ganz ohne
Druck der Stadt - die Taunusburg von der
städtischen Baugesellschaft Bauverein für
Arbeiterwohnungen erworben.
Die Mieter hatten sich mit der Unterstüt-
zung von vielen Seiten erfolgreich gegen die
Spekulation gewehrt. Die breite öffentliche
Diskussion machte möglichen Nachahmern
klar, dass im Martinsviertel solch spekula-
tive Geschäfte zu Lasten der Mieter nicht
ohne Widerstand abgewickelt werden kön-
nen.
45
Verkehrskonzept Martinsviertel, 1981
Zu höchst kontroversen Diskussionen
führten immer wieder Verkehrsplanungen.
Die Straßen im Viertel wurden einmal für
Fußgänger und Pferdefuhrwerke gebaut.
Nun sollen sie fußgänger- und fahrradge-
recht, kind- und altengerecht und Schließ-
lich auch noch autogerecht sowohl zum
Fahren wie zum Parken sein. Eine Vielzahl
von Ansprüchen, die keineswegs alle erfüllt
werden können. Bei Anwohnerversamm-
lungen führen die vielen kraftvoll vorgetra-
genen Anforderungen an die Nutzung des
Straßenraumes leicht zu hitzigen Auseinan-
dersetzungen in denen es dann nur schwer
möglich war, sich auf akzeptable Vorschlä-
ge und angemessene Gestaltung zu eini-
gen. „Die Verkehrsverhältnisse im Viertel zu
verbessern, Wohnstraßen ruhiger und un-
gefährlicher zu machen“ war schon Ziel der
Rahmenplanung von 1975. So allgemein
gesagt, war jeder dafür. Das Verkehrskon-
zept des Stadtplanungsamt von 1981, die
nach dem Fortfall der Osttangente erfor-
derliche Fortschreibung des Rahmenplans,
machte klare und detaillierte Vorschläge,
zu denen es dann auch Kritik gab. Das Kon-
zept geht von drei Straßenkategorien aus,
Der Umbau von Straßen und Plätzen
die unterschiedliche Funktionen erfüllen
sollen. Verkehrsstraßen sind die das Viertel
umgebenden Straßen und die Heinheimer
Straße, deren Umbau mit Radwegen in-
zwischen auch gelungen ist. Wohnstraßen
sammeln den Verkehr im Viertel, sie sollen
mit maximal 30 km/h. befahren werden;
Radfahrer benutzen die Fahrbahn. Alle üb-
rigen Straßen sollten als verkehrsberuhigte
Bereiche ausgewiesen werden. Dort haben
Fußgänger und Fahrzeuge gleiche Rechte,
d.h. Autos müssen Schritt fahren, Fußgän-
gern dürfen die Straße in ihrer ganzen Brei-
te benutzen, Kinderspiel auf der Straße ist
erlaubt. Die „Bürgerinitiative zur Erhaltung
des Martinsviertels“ hatte schon vorher
alle Konzepte abgelehnt, „die einzelne Stra-
ßen oder Straßenzüge auf Kosten anderer
zu Wohn- und Spielstraßen machen.“ Die
Initiative forderte, „ein Programm zu ent-
wickeln, das auf lange Sicht das gesamte
Martinsviertel zur verkehrsberuhigten Zo-
nen anhebt.“
41 Obwohl die Bürgerinitiative
später zum Parken „Abhilfe für die unter
zugestellten Bürgersteigen stöhnenden
Martinsviertler“ fordert, werden die zwei
vorgeschlagenen Parkhäuser und etliche
46
zweigeschossige Parkpaletten als unnötig
kritisiert. „Man könne das Problem des ru-
henden Verkehrs im Martinsviertel auch bil-
liger lösen als durch den Bau aufwändiger
Parkhäuser. Wenn der vorhandene Par-
kraum auf den Straßen des Martinsviertels
mit Pinsel und Farbe vernünftig eingeteilt
werde, sei ein Teil der Probleme schon ge-
löst.“
42 Die Verkehrsplanen hätten nichts
dagegen, wenn das so einfach wäre. Sie
beginnen nun, immer mehr und immer in-
tensiver Bürgergruppen in die Entwicklung
ihrer Vorschläge einzubeziehen.
Der nach der Straßenverkehrsordnung aus-
gewiesene verkehrsberuhigte Bereich - oft
auch als Spielstraße bezeichnet - bewährte
sich nur in Einzelfällen, dort wo die Stra-
ße mit hohen Kosten umgebaut und eine
einheitliche Verkehrsfläche ohne Gehsteige
und Fahrbahn entstanden war.
43 Weil der
vollständige Straßenumbau so teuer ist,
wurden im Martinsviertel bislang nur die
südliche Robert-Schneider-Straße und die
Fuhrmannstraße zum verkehrsberuhigten
Bereich umgebaut und entsprechend be-
schildert.
Weit umfangreichere Auswirkungen auf die
Verkehrsplanung hatte die Anfang der 80er
Jahre bundesweit entstandene Diskussion
um die allgemeine Verkehrsberuhigung.
Mehr Sicherheit im Verkehr und eine Ver-
besserung des Wohnumfeldes sollten im
wesentlichen durch die Beschränkung der
Geschwindigkeit auf Tempo 30 erreicht
werden. Von Anfang an war klar, dass lang-
same und rücksichtsvolle Autofahrer nicht
allein durch Verkehrsschilder erreicht wer-
den können. Erforderlich ist eine Strassen-
gestaltung, die durch schmale, versetzte
Fahrgassen und andere Maßnahmen wie
z. B. Schwellen zum vorsichtigen Fahren
zwingt.
Die Diskussion um die Verkehrsberuhi-
gung erfasste dann auch das Martinsvier-
tel und hat zu gemeinsamem Suchen nach
Lösungen geführt. „Die Bürgergruppen im
westlichen Martinsviertel, die ihre Ideen
und Vorschläge zur Verkehrsberuhigung in
diesem Gebiet eingebracht haben, sind mit
dem vorliegenden Konzept der Stadt zufrie-
den. Sie loben durchweg die Zusammenar-
beit mit den beiden Planeradvokaten und
der Verwaltung.“
44 Der westliche Teil des
Martinsviertel sollte damals provisorisch
und zur Erprobung mit Hilfe von Markie-
rungen und Kanalrohren - die in ihren be-
sten Zeiten Blumenkübel waren - und mit
Tempo-30-Schildern verkehrsberuhigt wer-
den. An einzelnen Kreuzungen und z.B. bei
den Einfahrten vom Rhönring in das Mar-
tinsviertel hat sich das Konzept bewährt.
Dem Provisorium entsprechend erfolgte
später der sorgfältige Umbau dieser Ein-
mündungen mit Straßenverengungen und
einzelnen Bäumen.
Umbauvorschlag für die Liebfrauen-, Ecke Arheilger
Straße. An Stelle des Ausbaus mit Bordsteinen, Bäu-
men und neuer Pflasterung wurden Betonringe gesetzt
und Fahrbahnmarkierungen angebracht.
47
Weit schwieriger war die Situation in der
Liebfrauenstraße. Als dicht bewohnte und
gleichzeitig relativ stark befahrene Sam-
melstraße, Ausweichstrecke für den ver-
stopften Rhönring und zudem noch Buslinie
sollte sie aufgrund vieler Forderungen drin-
gend beruhigt werden. Die provisorischen
Verkehrsanordnungen dort stießen dann
aber auf heftige Kritik: „Busfahrer schimp-
fen, Fahrgäste maulen, Autofahrer fluchen:
seit gestern ist die zweite Phase der Ver-
kehrsberuhigung im Martinsviertel in Kraft.
Neue Kanalrohre verengen die Liebfrau-
enstraße zu einer Slalomstrecke.... Bringt
die Verkehrsberuhigung noch mehr Unruhe
ins Viertel?“
45 Und die Anwohner des Rhön-
rings hatten schon vorher befürchtet, durch
Verdrängung des Durchgangsverkehrs aus
dem Martinsviertel noch stärker belastet zu
werden: Die Anwohner seien keine „Bürger
zweiter Klasse, die Stadt könne den Verkehr
nicht dahin schieben, wo kein Widerstand
erwartet wird.“
46 So entstehen Bürgeriniti-
ativen.
Den durch mehrere Instanzen geführten
Prozess eines Rechtsanwaltes gegen die
den Verkehrsfluss behindernden Kübel hat
die Stadt zwar gewonnen, aber nach einiger
Zeit die Einbauten doch entfernt. Das Darm-
städter Tagblatt hatte geurteilt: „Das ist
eine radikale und nicht sehr bürgerfreund-
liche Art der Verkehrspolitik, wobei der ge-
wünschte Beruhigungseffekt bis jetzt nicht
erreicht ist. Es fahren weniger Autos durch
diese Straße, dafür fahren sie langsamer,
stockender, hupender, stinkender, zorniger,
aggressiver und somit für Fußgänger nicht
sicherer zwischen den Hindernissen.“
47
Die Bauverwaltung beurteilte den Modell-
versuch nach der Auswertung einer großan-
gelegten wissenschaftlichen Untersuchung
anders. Die durchschnittliche Geschwin-
digkeit sank deutlich von 38 auf 31 km/h.
(Gemessen wurden nur Fahrzeuge, die
nicht von anderen Fahrzeugen behindert
wurden.) Das Verkehrsaufkommen im ge-
samten Martinsviertel-West verminderte
sich um fast 20 Prozent, ein Ergebnis, dass
allerdings auch durch die Sperrung der Pal-
laswiesenstraße für den Geradeausverkehr
vom Gewerbegebiet in das Johannesviertel
beeinflusst wurde. Bei der Unfallschwere
wurde eine leichte Minderung festgestellt
und durch Verhinderung des Parkens im
direkten Kreuzungsbereich konnten Fuß-
gänger die Straße leichter und sicherer
überqueren. Über 60 Prozent der Befragten
Martinsviertler beurteilten die Maßnahmen
positiv, obwohl ihre Erwartungen in die Aus-
wirkungen nicht voll erfüllt wurden.
Die Betonrohre sind entfernt, ansonsten ist
die Liebfrauenstraße noch unverändert, le-
diglich Zebra-Markierungen, die eigentlich
nicht überfahren werden dürfen, erinnern
an den Versuch von 1987. Ein Umbau ist
geplant. Vorgesehen sind eine schmalere
Fahrbahn und einseitige, versetzte Parkflä-
chen mit Bäumen. Die Busse sollen mög-
lichst ungehindert fahren können, gleich-
zeitig aber die hohe Geschwindigkeit vieler
Fahrzeuge reduziert werden.
In der deutlich weniger befahrenen Bark-
hausstraße hat sich die Kübelanordnung
hingegen bewährt. Es gibt sie noch immer
und teilweise sind sie auch ansehnlich be-
pflanzt.
Wie in der gesamten Stadt sind auch im
Martinsviertel eine Reihe von Tempo-30-
Zonen mit wenigen auf die Geschwindigkeit
der Autofahrer drückenden Maßnahmen
eingerichtet. Wo das möglich ist fahren viele
Autofahrer zwar schneller als erlaubt, aber
die sonst im Stadtgebiet geltende Tempo-
48
50-Geschwindigkeit wird in aller Regel nicht
erreicht.
So heftig bisweilen über fehlende Parkplät-
ze im Viertel geklagt wurde, so sicher gab
es auch Widerstand aus der unmittelbaren
Umgebung, wenn der Bau einer Parkgara-
ge geplant war. An der Ecke Pallaswiesen-
/Ploenniesstraße sollte nach Abbruch des
Gebäudes der umgesiedelten Firma Reiser
auf der nun unbebauten Fläche ein Park-
haus für die umgebende, dichte Bebauung
errichtet werden. Der Protest der Anwohner
war heftig. Übrig von der Garagenbauab-
sicht blieben in einer Tiefgarage nur die für
den Wohnungsneubau auf dem Grundstück
erforderlichen Stellplätze.
Auf erheblichen Protest stieß auch das von
der damaligen Technischen Hochschule mit
400 Stellplätzen geplante Parkhaus, ange-
baut an die protzigen Institutsbauten an
der Pankratiusstraße. Auch hier sorgte sich
eine Bürgergruppen um den zusätzlichen
Verkehr auf engen und bereits verstopften
Straßen und wollte „andere Parkplatz-
standorte, Möglichkeiten einer besseren
Busverbindung zur TH und die Überlegung
geprüft wissen, ob es nicht sinnvoll sei, die
Parkplätze nur noch den Einwohnern zur
Verfügung zu stellen.“
48 Die TH hatte ihre
Stellplatzverpflichtungen entsprechend der
Hessischen Bauordnung schon länger nicht
mehr erfüllt. Es fehlten über 2000 Plätze.
Bei einer hitzigen Podiumsdiskussion mit
Parkpalette Kranichsteiner- / Ecke Taunusstraße
49
den aufgebrachten Anwohnern versprach
der TH-Präsident „eine Mischnutzung,
tagsüber durch Studenten nachts durch die
Anwohner.“
49 Das Parkhaus wurde gebaut,
aus der Mischnutzung wurden nichts, aber
das so oft befürchtete Verkehrschaos blieb
auch aus. Das Parkhaus kann nur von de-
nen benutzt werden, die eine Berechtigung
haben, Parksuchverkehr findet damit nicht
statt.
An der Ecke Lauteschläger-/Heinheimer
Straße gelang es – wie im Verkehrskonzept
vom September 1981 vorgesehen - unter
dem Neubau eines Wohnhauses mit So-
zialwohnungen ein öffentliches Parkhaus
in mehreren Tiefgaragenebenen zu bauen.
Es wurde lange Zeit wenig genutzt. So sehr
auch Autofahrer Parkplätze auf den Stra-
ßen suchen, so schwer fällt es ihnen, einen
Tiefgaragenplatz anzumieten.
Bewährt hat sich der Bau zweigeschossiger
Parkpaletten wie sie zum Beispiel an der
Ecke Heinheimer-/Müllerstraße und Kra-
nichsteiner-/Taunusstraße errichtet wur-
den. Im Untergeschoss sind fest vermietete
Garagen, oben öffentlichen Parkplätze. In
beiden Fällen konnte das Geländegefälle
so ausgenutzt werden, dass nur sehr kur-
ze Rampen auf das obere Parkdeck führen
und sich die Anlage oben problemlos in die
Umgebung einfügt.
Erfolgreicher als der Versuch, die Ver-
kehrsprobleme des Martinsviertels zu lö-
sen, war der Umbau der Plätze. Die Neu-
gestaltung eines Platzes strahlt auf die
Umgebung aus, sie zeigt, hier passiert et-
was zur Aufwertung des Viertels, hier wird
es schöner, hier entsteht ein neuer Raum
für Fußgänger und Kinder, ein Treffpunkt
und ein Platz für die Außengastronomie der
benachbarten Kneipe. Während der Umbau
der Straßen mit ihren vielen 1000 Quadrat-
metern Fläche enorme und unaufbringbare
Summen gekostet hätte war es möglich,
den Umbau der meist kleinen Flächen der
unterschiedlichen Plätze im Viertel nach
und nach mit den zur Verfügung stehenden
Sanierungsmitteln zu finanzieren.
Die Plätze im Viertel waren vor ihrem Um-
bau fast ausschließlich Abstellfläche für
ungeordnet parkende Autos. Schon 1981
forderte deswegen eine Anwohnerinitiative,
den Lichtenberg Platz „ohne allzu große
Benachteiligung der Autofahrer in einen
Treffpunkt für Anwohner und Spielplatz zu
verwandeln.“ Es ginge darum „etwas ge-
gen den Verkehr und für die Bewohner zu
tun.“
50 Bei Anwohnerversammlungen for-
derten aber auch die Autofahrer ihre Rech-
te ein. „In der zeitweise sehr hitzigen De-
batte spielte die leidige Parkplatzfrage die
Hauptrolle.“
51 Es mussten immer wieder
Kompromisse gesucht werden. Am Lichten-
berg Platz führten sie in den 80er Jahren zu
einer preiswerten provisorischen Lösung.
Inzwischen liegen nach langjährigen Erfah-
rungen mit dem Provisorium Planungen
für einen endgültigen Umbau vor, der aber
noch nicht ausgeführt ist.
Die Neugestaltung der Plätze begann 1983
mit dem Schlossgartenplatz. Die auf der
gebogenen Südostseite des Platzes verlau-
fende Straße wurde aufgehoben und statt-
dessen ein breiter Fußweg mit Ruhebänken
50
Blumen und Fußgängerbereich des umgebauten Schlossgartenplatzes
Der Schlossgartenplatz vor dem Umbau, ein ungeordneter Parkplatz
51
angelegt. In der Achse der St.- Elisabeth-
Kirche wurde ein sorgfältig gestalteter, für
Kinder bespielbarer Brunnen gebaut, Er-
gebnis eines Wettbewerbs unter Darmstäd-
ter Bildhauern. Durch eine neue Verkehrs-
führung entstand vor den Eingängen zum
Herrngarten und zum Prinz-Georg-Schlöß-
chen ein größerer Vorplatz, Gewinn für die
Fußgänger, die nun schmalere Fahrbahnen
an übersichtlicher Stelle überqueren kön-
nen. Vor der großen Kirche und dem Ge-
meindezentrum und als Teil einer viel be-
gangenen Fußwegverbindung waren statt
unübersichtlicher Verkehrsführung, wild
parkenden Autos und unbrauchbaren Rest-
flächen ein ansehnlicher Platz mit Raum
für öffentliches Leben unter großen alten
Platanen entstanden.
Es folgte der Umbau des kleinen dreieckigen
Mollerplatzes. Umgeben von prachtvollen
gründerzeitlichen Fassaden und dem teils
neugotischen städtischen Altersheim war
er trotz seiner schönen Bäume eine ver-
wahrloste Restflächen, vollgestopft mit un-
geordnet parkenden Fahrzeugen. Im März
1984 fand eine Anwohnerversammlung zu
den Vorschlägen der Stadtplaner statt. In
der stürmischen Diskussion wurde im we-
sentlichen gefordert, Raum für die Autos zu
erhalten und die Sicherheit für Kinder und
besonders auch für die Bewohner des be-
nachbarten Altenheims zu erhöhen, die An-
dienung der anliegenden Bäckerei zu sichern
und einen allgemein nutzbaren Freiraum zu
schaffen. Nach langer Diskussion wurde
einvernehmlich ein Kompromiss gefunden
Der Mollerplatz vor...
... und nach dem Umbau.
52
zwischen den Vorschlägen der Stadtplaner
und den unterschiedlichen Wünschen der
Bürgergruppen. Die Verkehrsflächen für Au-
tos und Fußgänger wurden neu gepflastert,
47 Parkplätze ausgebaut - vorher standen
52 Fahrzeugen kreuz und quer herum - und
eine ansehnliche, gegen die Autos abge-
schirmte bekieste Freifläche mit einer Pla-
stik in der Mitte des Platzes geschaffen.
Zusätzlich zu den Ruhebänken stehen dort
im Sommer Tische und Stühle als Außen-
bereich der benachbarten Gaststätte.
Neugestaltete kleinere Plätze sind der Tau-
nusplatz, der Kopernikusplatz und der Kant-
platz. Immer wieder war das Problem zu lö-
sen, den überhandnehmenden Autoverkehr
zurückzudrängen, wo möglich Parkplätze
zu erhalten und nutzbare, angenehme, dem
Ort angemessene Freiräume zu schaffen.
Über einer privaten Tiefgarage entstand der
kleine Ballonplatz an der Ecke Magdalenen-
/Alexanderstraße, ein an schönen Tagen
gut besuchter Ort des anliegenden Cafés.
Auch der Riegerplatz wurde neu gestaltet.
Er blieb zur Hälfte Parkplatz, die andere
Hälfte wurde große, vielfältig nutzbare Frei-
fläche für einen Markt, die Kerb und andere
Veranstaltungen. Die Fahrbahn im Osten
wurde aufgehoben und ist nun gastrono-
mischer Freibereich.
Der Friedrich-Ebert-Platz schließlich wurde
nicht nur als Spielplatz neu gestaltet. Ein
diagonaler Weg führt über den Platz, da-
ran liegen unterschiedliche Spielbereiche
für alle Altersgruppen. Das Parken in den
umgebenden Straßen wurde geordnet,
ungefährliche und behindertengerechte
Bushaltestellen eingerichtet. Nach dem
Umbau wurde es dort richtig lebhaft, mit
zahlreichen Kindern in den unterschied-
lichen Spielbereichen und einem Platz für
Boule-Spiele der Erwachsenen.
Kleiner Ballonplatz heute.
53
Ruhts- / Arheilgerstraße, Standort für das geplante Bürgerhaus
SOZIALE EINRICHTUNGEN, HANDEL UND GEWERBE
Die Verbesserung und Ergänzung der Ein-
richtungen für den Gemeinbedarf war wenig
strittig. Wie schon im Rahmenplan vorgese-
henen wurden zwei neue Kindertagesstät-
ten gebaut, in der Pankratius- und in der
Arheilgerstraße. Vorhandene Einrichtungen
wurden ergänzt und modernisiert.
Umstritten war die Planung für ein Bürger-
zentrum mit einem Saal für 600 Personen.
Die Vereine im Viertel forderten das Bür-
gerhaus und der Karnevalsverein Orpheum
sowie der Bezirksverein Martinsviertel den
großen Saal. Der SPD Ortsverein Martins-
viertel setzte sich jahrelang intensiv für das
Vorhaben ein und es gelang ihm schließlich,
im August 1987 soweit zu überzeugen, dass
die Stadtverordnetenversammlung mehr-
heitlich beschloss, an der Ecke Ruhts-/Ar-
heilgerstraße - wo eigentlich Wohnbebau-
ung vorgesehen war - das Bürgerzentrum
zu bauen. Fraglich war, ob ein solch großer
Saal außerhalb der Karnevalszeit häufiger
benutzt würde und heftig kritisiert wurde
der beschlossene Standort an engen Stra-
ßen und inmitten kleinteiliger Bebauung.
1988 wurde ein Architektenwettbewerb für
das Vorhaben ausgelobt, wobei die Preis-
richter beim Vorgespräch zur Wettbewerbs-
aufgabe Bedenken anmeldeten „dieses
Ding, an dieser Stelle, in dieser Form“
52
verwirklichen zu wollen. Es wurde nicht
verwirklicht, obwohl der Wettbewerb mit
dem ersten Preis für eine Frankfurter Ar-
chitektengruppe einen Entwurf erbrachte,
der sich überraschend gut in die Umge-
bung einfügte. 1993 zog sich der Bund
aus der Städtebauförderung zurück und
die weitgehend mit Sanierungsmitteln ge-
dachte Finanzierung des Bürgerhauses,
die schon länger als höchst problematisch
galt, war praktisch nicht mehr möglich.
An der Ruhtsstraße wurden Wohnungen
gebaut und als Saal und Bürgertreff bau-
te der Bauverein für Arbeiterwohnungen
53
seinen nicht mehr benötigten Supermarkt
am Kopernikusplatz zum Heiner-Lehr-Zen-
trum um. Ergänzend steht das vor einigen
Jahren eingerichtete Frauenzentrum in der
Kyritz-Schule zur Verfügung.
In Rahmen der Sanierung wurden eine Rei-
he störender oder auch expandierender Be-
triebe aus dem Wohngebiet an neue Stand-
orte in Gewerbegebieten ausgelagert, oft
mit Hilfe öffentlicher Mittel. Von den einst
54
vielen Handwerker haben heute nur noch
wenige ihren Betrieb im Viertel, eine Ent-
wicklung, die weniger mit der Sanierung
und mehr mit der allgemeinen wirtschaft-
lichen Entwicklung zu tun hat.
Auch viele kleine Läden, die die Bewohner
des Viertels versorgten, gibt es nicht mehr.
Die Tendenz, dass Betriebe schließen,
setzt sich fort. Schon immer gab es viele
Gaststätten im Martinsviertel. Die aufgege-
benen Läden wurden häufig von weiteren
Gastronomiebetrieben übernommen. Das
Martinsviertel war drauf und dran, sich
zum Kneipenviertel zu entwickeln. Mit
den dadurch zunehmenden nächtlichen
Ruhestörungen und dem erheblich sich
vermehrenden Parksuchverkehr eine für
ein Wohngebiet ungute Entwicklung. Die
Sanierungsplanung griff ein und setzte
in Bebauungsplänen fest, dass keine wei-
teren Gaststätten zugelassen werden. In
ehemalige Läden zogen dann kleine Büros
oder sie wurden auch mal in eine Wohnung
umgebaut. Bisweilen gab es auch Ladenü-
bernahmen von Ausländern mit vielen neu-
en Lebensmittelangeboten für das Viertel.
Der allerorten sichtbare Strukturwandel im
Einzelhandel fand auch im Martinsviertel
statt. Das Viertel ist aber immer noch recht
gut mit den erforderlichen Läden für den
täglichen Bedarf ausgestattet, und seit ei-
niger Zeit nimmt auch die Zahl speziellerer
Geschäfte mit Kleidung und anderen Ange-
boten wieder leicht zu.
55
Im Juni 1969 hatte das Darmstädter Echo
zu einer Untersuchung des Statistischen
Amtes der Stadt Darmstadt getitelt: „Wird
das Martinsviertel Darmstadts Elends-
quartier? Statistik stellt düstere Prognose:
Wenn nichts geschieht, sinkt Darmstadts
originellstes Viertel zum Armenhaus und
Altenheim ab.“
54 Es geschah etwas und
von einem solchen Schreckensbild wird
niemand mehr reden. Alle neuen Daten
zur Sozial- und Altersstruktur zeigen, dass
das Viertel in keiner Weise negativ auffällt.
Stadtteile mit sozialen Problemen sind heu-
te die Hochhaus-Neubaugebiete der frühen
70er Jahre. Das Martinsviertel ist beliebt.
Die Sanierung des Martinsviertels ist eine
Erfolgsgeschichte.
Die Sünde, den Zusammenhang eines über
Jahrzehnte gewachsenen und von Bomben
weitgehend verschonten Viertels durch eine
neue Hauptverkehrsstraße zu zerreißen,
wurde verhindert. Die Wunden der jahrelan-
gen Vorbereitung des Osttangentendurch-
bruchs mit Hausabbrüchen, fehlenden In-
standsetzungen und Verfall sind geheilt.
Fand die gelungene Erneuerung des Mar-
tinsviertels nun statt, weil das Viertel so
„schick“ entwickelt wurde, dass viele Zu-
ziehende mit höherem Einkommen ärmere
Schichten verdrängt haben? Unter der
Überschrift „Vom alten Watzeviertel bleibt
nichts übrig“ machte die Frankfurter All-
gemeine Zeitung in einem Artikel am 18.
März 1977 eine solch düstere Prognose:
„Das Martinsviertel ist wie eine kleine Ge-
meinde mitten in einer großen Stadt. Es
hat ein ausgeprägtes Eigenleben und be-
sondere Eigenschaften. Sein Stadtbild trägt
dazu ebenso bei wie das soziale Gefüge.
Die Modernisierung wird beides verändern.
Die höheren Mieten werden, ob man es zu-
geben will oder nicht, zu einer sozialen Ver-
schiebung zu Gunsten besser verdienender
Einwohnerschichten führen und der äußere
Anschein (oder Anstrich) wird den Charak-
ter des Viertels verletzen.“ Nein, Vertrei-
bung, die den Charakter des Viertels ver-
ändert hätte, fand nicht statt, es ist immer
noch Wohnort für arm und reich, für jung
und alt.
Als die Sanierung konkret wurde hatte sie
nicht nur städtebauliche sondern auch so-
ziale Ziele. Der wichtigste Grundsatz der zu
Beginn der Sanierungsmaßnahmen völlig
neuen Aufgabe Sozialplanung, dass kein
Bewohner durch die Sanierung verdrängt
werden soll, wurde ernst genommen und
von den im Viertel arbeitenden Sozialpla-
nern mit vielerlei Maßnahmen beachtet.
Zudem beschloss die Stadt zu einer Zeit
als dies durchaus unüblich war, selbst Sa-
nierungsträger zu werden, anstelle einer
der sich anbietenden auswärtigen Firmen,
die nur schwer von der Kommunalpolitik
und schon garnicht von den betroffenen
Bürgern beeinflusst werden können.
55 Das
war ein wichtiger Faktor für den Erfolg der
langjährigen Erneuerungsmaßnahmen. Nur
so war es möglich, eine vorsichtige, flexible
und schrittweise Modernisierung durchzu-
führen, die sich auch an den Problemen de-
rer orientierte, die auf billigen Wohnraum
angewiesen sind.
In einzelnen anderen Städten wurden bei der
Wohnungsmodernisierung in Sanierungsge-
bieten in großem Umfang Sozialbaumittel
verwendet. In die vollständig entmieteten
und nach dem Standard des sozialen Woh-
nungsbaus teuer umgebauten und ausge-
statteten Wohnungen konnten dann nur
Mieter mit Bindungsbescheinigung neu ein-
ziehen, d.h. Mieter mit geringem Einkom-
men. Diese einseitige Belegung mit einer
DAS MARTINSVIERTEL HEUTE - WAR DIE SANIERUNG EIN ERFOLG?
56
bestimmten Bevölkerungsgruppe schafft
noch nach Jahren vielfältige Probleme im
Viertel. Die Sanierung mag baulich geglückt
sein, sozial ist sie gescheitert. Das konnte
im Martinsviertel vermieden werden. Die
Finanzierung der Modernisierungsmaß-
nahmen folgte unterschiedlichen, auf die
jeweiligen Eigentümer und Bewohner sowie
auf den Umfang der erforderlichen Maßnah-
men abgestimmten Möglichkeiten. Angebo-
ten wurden öffentliche Finanzierungshilfen
aus Sanierungsförderungsmitteln, aus dem
Modernisierungsprogramm von Bund und
Ländern und in bescheidenen Umfang auch
aus Sozialbaumitteln.
Ein glücklicher Umstand für das Martins-
viertel und seine Erneuerung war auch die
für die Kommunalpolitik mutige Berufung
von Anwaltsplaner. Sie hatten eine wich-
tige Funktion als Scharnier zwischen den
betroffenen Bewohnern des Viertels und
der planenden Verwaltung. „In dieser Si-
tuation hat sich das Darmstädter Modell
von Bürgerbeteiligung für beide Seiten
(auch wenn das nicht alle so sehen wollen)
als außerordentlich hilfreich erwiesen: Die
anonym drohende Verwaltungsmacht wird
durch sachkundige Information sozusagen
vermenschlicht; die Betroffenen ihrerseits
wissen durch manipulationsfreie fach- und
sachliche Anleitung Details einzuordnen.
Außerdem ist zwischen Handelnden und
Erlebenden plötzlich ein Dialog möglich.
Anders herum: Die Administration lernt
nolens volens die für den Erfolg unverzicht-
bare Flexibilität und Zugang zu ihrer ureige-
nen Kundschaft, während die Bürgerschaft
durch Artikulation konkrete Mitwirkungs-
möglichkeiten gewinnt. Vermittler in diesem
Prozess - und mithin auch unstrittig Motor
der Sanierung - sind die Advokaten.“
56
Im Zuge der Sanierung sind die ungeord-
neten Plätze des Viertels zu attraktiven Frei-
flächen für vielfältiges öffentliches Leben
umgebaut worden. In den Innenräumen vie-
ler Baublöcke entstanden neue Grünflächen
mit Kinderspielplätzen. An einzelnen Stel-
len wurde das Parkplatzdefizit abgebaut.
Die Ausdehnung der Technischen Universi-
tät in das Martinsviertel konnte verhindert
werden und weitere übermäßig dichte und
hohe Bebauung, wie am Kopernikusplatz,
wurde vermieden. Den Autoverkehr in den
Straßen zu beruhigen war nur in recht be-
scheidenem Umfang möglich. Der Wohn-
wert des Viertels, seine Attraktivität hat
aber deutlich zugenommen.
Eine große Zahl von Kneipen aller Art, Frei-
zeit- und Begegnungsstätten von Vereinen
mit ihren Einrichtungen und die gute Aus-
stattung mit Infrastruktur für Kinder, Ju-
gendliche und alte Menschen sorgen für
einen lebendigen Stadtteil, der trotz vieler
Veränderungen einen guten Teil seines al-
ten Flairs erhalten hat.
57
58
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QUELLEN, ANMERKUNGEN
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30
31
32
33
Ekkehard Wiest, Darmstädter Bürgeratlas. Reba Verlag, Darmstadt 1980
siehe 1, Seite 56
Erläuterungsbericht zum Flächennutzungsplan 1960, S. 14
siehe 3, S. 3
Teil des Generalbebauungsplanes
siehe 3, S. 16
Magistratsbeschluss vom 20. Mai 1960
Darmstädter Echo (DE), 15.4.64
siehe 8
DE 18.6.69
siehe 10
DE 2.7.69
siehe 12
Statistische Mitteilungen der Stadt Darmstadt, Juli 1969
ursprünglich Metron-Heidelberg, dann umfirmiert
so Stadtbaurat Reisser, Darmstädter Echo, 19.11.71
Sanierungsplanung Martinsviertel, Metroplan GmbH, S. 9
vom 25.5.72
siehe 18
vom 21.1.75
DE 26.7.75
Das vorgeschlagene Profil wurde später nördlich des Rhönrings gebaut;
zwei der vier Fahrspuren werden heute zum Parken genutzt.
Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), 11.6.76
Pressemitteilung der Stadt Darmstadt, Darmstädter Echo, 16.11.73
siehe 23
Frankfurter Rundschau (FR), 26.1.77
DE 21.5.77
vom 19.11.77
FAZ 22.2.78
DE 5.7.79
vom 1.3.80
Darmstädter Tagblatt (DT), 19.4.80
Arheilger Allee – Grüne Achse der Vernunft
Baudezernat, Februar 1980, S. 4
60
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38
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49
50
51
52
53
54
55
56
DT 3.9.76
siehe 34
DT 3.3.77
siehe 36
DE 7.5.77
FAZ 18.3.77
F . Wartenpfuhl, Die Mieter – Spekulanten im Martinsviertel ???, in B. Meyer
(Hrsg.), Lesebuch Martinsviertel, Verlag Gebr. Meurer, Darmstadt 1999, S. 84
DE 12.2.79
DE 9.7.82
Beispiel für einen gelungenen Umbau ist die Viktoriastraße im Johannesviertel
DT 10.8.84
DE 5.6.85
DE 30.11.84
DT 30.10.85
DT 23.10.85
DE 31.10.85
DE 11.3.81
DE 30.3.84
DE 15.6.88
heute: Bauverein AG
DE 18.7.69
nachzulesen bei C. Jonas: Besser als das Oligopol der bekannten Sanierungs-
träger machen wir’s immer; Stadtbauwelt 45/1975
Udo Voss: Vom Bürgerprotest zur Wählergemeinschaft, in Brech/Greiff,
Bürgerbeteiligung mit Experten, Beltz Verlag Weinheim und Basel 1978, S. 147
QUELLEN, ANMERKUNGEN
61
BILDNACHWEIS
Stadtarchiv Stadt Darmstadt
S. 2, 9, 23
Archiv Kulturamt Darmstadt, Abt. Denkmalschutz und Denkmalpflege
S. 3, 5, 6, 7, 50 oben (Foto N. Heiss)
Nikolaus Heiss
Titelblatt Luftaufnahme
Stadtplanungsamt Darmstadt
S. 8, 11, 15, 16 (aus der Broschüre der Metroplan, 1972)
S. 19, 20 (aus der Rahmenplanbroschüre, 1975)
S. 26 (aus der Broschüre Arheilger Allee, 1980)
S. 28 oben, 31, 32
S. 33 (aus der Broschüre „Vier Sanierungsprojekte“, 1982)
S. 45 (aus Faltblatt Verkehrskonzept - Fortschreibung des Rahmenplans)
S. 46
S. 51 (aus Faltblatt zum Umbau des Mollerplatzes)
S. 53
Milena Knap, Stadtplanungsamt
S. 4, S. 50
Hermann Stumme
S. 27, 28 unten, 48, 52
Beratungsverlauf (1)
Orte (30)
- Heinheimer Straße
- Magdalenenstraße
- Frankfurter Straße
- Gardistenstraße
- Hochschulstraße
- Landgraf-Georg-Straße
- Nieder-Ramstädter Straße
- Teichhausstraße
- Dieburger Straße
- Kranichsteiner Straße
- Liebfrauenstraße 7
- Ruthsstraße
- Arheilger Straße
- Arheilger Allee
- Taunusstraße 39
- Barkhausstraße
- Robert-Schneider-Straße
- Fuhrmannstraße
- Viktoriastraße
- Friedrich-Ebert-Platz
- Kantplatz
- Spessartring
- Washingtonplatz
- Rhönring
- Schloßgartenplatz
- Ballonplatz
- Ploenniesstraße
- Alexanderstraße
- Pützerstraße
- Müllerstraße
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2007/0274
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 04.05.2007
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00