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3946/2018

Beantwortung der Anfrage AN/1575/2017 der Ratsgruppe BUNT vom 08.11.2018 zu „Koloniale Raubkunst zurückgeben“

Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss) 30.11.2018

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Nächste Beratung: Ausschuss Kunst und Kultur, Sitzung am 11.12.2018

Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss)

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Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss)

6170 Zeichen

Die Oberbürgermeisterin 
Dezernat, Dienststelle 
VII/VII 
 
Vorlagen-Nummer 30.11.2018 
 3946/2018 
Beantwortung einer Anfrage nach § 4 der Geschäftsordnung 
öffentlicher Teil 
Gremium Datum 
Ausschuss Kunst und Kultur 11.12.2018 
 
Beantwortung der Anfrage AN/1575/2017 der Ratsgruppe BUNT vom 08.11.2018 zu „Koloniale 
Raubkunst zurückgeben„ 
Die Ratsgruppe BUNT stellt folgendes fest: 
 
„Ein neuer Leitfaden für Museen, u.a. vom Deutschen Museumsbund, gibt Hinweise, wie mit geraub-
ten Utensilien aus den Kolonialzeiten umgegangen werden kann. Auch in Kölner Museen befinden 
sich geraubte Stücke, die auf die Kolonialgeschichte zurückgehen. Das Kölner Rautenstrauch-Joest-
Museum – Kulturen der Welt hat vor wenigen Monaten einen Schädel eines Maoris an Vertre-
ter*innen der neuseeländischen Volksgruppe zurückgegeben. Die Übergabe verlief in Anerkennung 
der für die Maori-Vertreter wichtigen Riten zur Ehrung des Toten. Das Te-Papa-Museum in Neusee-
land hatte nach den Überresten geforscht und die Rückführung organisiert. An anderen Orten, etwa in 
Namibia, gibt es eine solche Forschung nach oft entwendeten Sammlungsstücken nicht oder viel we-
niger. Entsprechend seltener kommt es zu Forderungen nach Rückgabe. Daher wäre die Frage, ob 
Museen und andere Institutionen aktiv die Restitution vorantreiben könnten.“ 
 
Die Ratsgruppe BUNT fragt vor diesem Hintergrund: 
 
1) Welche Schritte zur Rückgabe von in Kölner Museen einlagernden Kulturgütern und menschli-
chen Überresten im Zusammenhang mit deutschem und internationalem Kolonialismus wurden in 
den letzten zwei Jahren von Kölner Seite aus ergriffen? 
2) Wie steht die Kölner Museumslandschaft generell der Forderung gegenüber, der aus der Koloni-
alzeit erwachsenden Verantwortung durch eine möglichst umfassende Rückgabe von nach 
Deutschland transferierten und nun in Museen einlagernden Gütern gerecht zu werden? 
 
 
 
Antwort der Verwaltung: 
 
zu Frage 1 Das Rautenstrauch-Joest-Museum – Kulturen der Welt (RJM) hat in den vergangenen 
Jahren auf konkrete Anfragen hin und auch im Rahmen von Ausstellungen Provenienz-
forschung betrieben. Ergebnisse sind unter anderem in die Dauerausstellung des Hau-
ses sowie den Begleitkatalog eingeflossen. Im Juni 2018 konnte die Oberbürgermeiste-
rin Henriette Reker im Rahmen einer feierlichen Übergabezeremonie einen Māori-
Schädel an eine Delegation aus Neuseeland zurückgeben. 
Eine systematische sammlungsgeschichtliche Aufarbeitung der ethnographischen Be-
stände konnte in den letzten zwei Jahren noch nicht durchgeführt werden. Angesichts 
der häufig rudimentären Dokumentation der frühen Zugänge von Objekten ins Museum 
erfordert die Rekonstruktion der Provenienzen sehr aufwendige Recherchen in muse-
ums- bzw. stadtinternen Quellen, in überregionalen Archiven und auch in den Herkunfts-
regionen. Die Aufarbeitung beinhaltet zudem komplexe ethische, juristische, historische,

2 
 
transkulturelle und politische Aspekte und kann nur in einem engen Austausch mit Ak-
teurinnen und Akteuren sowie Adressatinnen und Adressaten in Europa sowie in den 
Herkunftsgesellschaften gelingen. Dieses Netzwerk etabliert sich zurzeit. Gleichzeitig 
werden Strategien zur Systematisierung und Institutionalisierung von Provenienzfor-
schung in kolonialzeitlichen Sammlungen sowie moralisch-ethische bzw. politische Lö-
sungen diskutiert. Die Stiftung „Deutsches Zentrum Kulturgutverluste“, die bisher die 
Forschung zu NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut maßgeblich unterstützt hat, 
erarbeitet derzeit eine Förderrichtlinie zum Bereich Kulturgüter aus kolonialen Kontexten. 
Ab 2019 sollen Fördermittel ausgeschüttet werden. 
Das RJM nimmt aktiv an diesen Ausgestaltungsprozessen teil, die seit der Tagung „Pro-
venienzforschung zu ethnologischen Sammlungen der Kolonialzeit“ im April 2017 in 
München intensiviert wurden. Das Haus ist Mitglied im „Arbeitskreis für Provenienzfor-
schung e.V.“ und der in diesem Rahmen geschaffenen Arbeitsgruppe „Koloniale Prove-
nienzen“. 
Zudem erfolgt ein regelmäßiger Austausch mit den wissenschaftlichen Referent*Innen 
für Provenienzforschung im Referat für Museumsangelegenheiten. Im Mittelpunkt stehen 
dabei Fragen nach der Übertragbarkeit der Dokumentation und der Forschungsstrate-
gien aus dem bereits etablierten Bereich der Beschäftigung mit NS-Raubkunst auf den 
kolonialen Unrechtskontext. 
Schließlich sind mit dem Abschluss der vollständigen digitalen Bestandsaufnahme im 
Zuge des Depotumzuges vom Altbau am Ubierring in das Gebäude am Neumarkt we-
sentliche Grundlagen für die intensive Beforschung und die internetbasierte Veröffentli-
chung der Sammlung erarbeitet worden. 
Auf dieser Basis soll in den nächsten Jahren die systematische Aufarbeitung der Samm-
lungen erfolgen. 
 
zu Frage 2 Die Kölner Museumslandschaft ist sich ihrer aus der Herkunftsgeschichte ihrer Samm-
lungen resultierenden Verantwortung in einer globalisierten Welt bewusst. 
Entsprechend wurde 2007 eine Referentenstelle für Provenienzforschung zur Aufarbei-
tung des NS-Unrechtskontextes geschaffen.  
Wie auch vom Deutschen Museumsbund formuliert, hält sie nun die Aufarbeitung auch 
der kolonialen Vergangenheit ihrer Sammlungen für unverzichtbar. Vertreterinnen und 
Vertreter der Museen nehmen entsprechend aktiv an den internationalen Diskursen zum 
Umgang mit kolonialem Kulturgut teil. So steht das RJM beispielsweise über seinen Di-
rektor, Herrn Prof. Dr. Klaus Schneider, in Kontakt mit der Benin Dialogue Group, die im 
Oktober 2018 ein Vorgehen festlegte, dass u.a. den Aufbau einer Ausstellung in Benin 
City vorsieht, in der Leihgaben der beteiligten Institutionen zu sehen sein werden. Die 
neue Direktorin des RJM, Nanette Snoep, hat bereits eine Beteiligung des Hauses an 
diesem Austausch in Aussicht gestellt. 
Auf diesen Grundlagen sollen die Sammlungen systematisch auf Objekte untersucht 
werden, die unrechtmäßig in die Museen gelangten. Angesichts der hohen ethisch-
moralischen, politischen und gesellschaftlichen Relevanz wäre eine personelle Ausstat-
tung wünschenswert, die eine zeitnahe und umfängliche Aufarbeitung des kolonialen 
Unrechts gewährleistet. 
 
 
gez. Laugwitz-Aulbach

Beratungsverlauf (1)

11.12.2018 Ausschuss Kunst und Kultur
Kenntnisnahme (Mitteilung) Entscheidung

Beschluss: Kenntnis genommen

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Details

Aktenzeichen
3946/2018
Typ
Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss)
Datum
30.11.2018
Erstellt
28.11.2018 09:47