0155/2018
Jahresbericht 2017 Naturschutzwacht Bezirk 7-Nord
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Naturschutzwacht-Jahresbericht 2017
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1 JAHRESBERICHT NATURSCHUTZWACHT Köln 2017 Bezirk 7 Nord Jonas Im vergangenen Jahr fuhr ich wieder regelmäßig durch meinen Bezirk und sah nach dem Rechten. Auch legte ich wieder Infomaterial für die Bürger aus (Naturgärten, Kompost, Grüne Wände, Integrierter Pflanzenschutz, Katzenkastration, Wildbienenschutz, Vogelschlag an Glasscheiben, Landschaftsplan Köln, Programm Naturschutzfortbildung, Hefte „Natur in NRW“). Öfters war auch umweltgefährdender Müll zu entsorgen. Beispiele waren diesmal 40 l Altöl am NSG Kiesgrube Alberty, 70 l Flüssiglack am Verschiebebahnhof Gremberg (Meldung an Untere Wasser- und Abfallbehörde) und, wie jedes Jahr, der Müllberg an der Kiesgrube Alberty. Letzteren hatte ich wieder mal übers Jahr zusammen mit Bürgern aus den zurückgelassenen Abfällen der Badegäste aufgehäuft. Nach meiner Meldung an die AWB wurde er im Herbst entsorgt. Überall im Bezirk ist zudem mit Zeltlagern von mehr oder weniger obdachlosen Jugendlichen zu rechnen. Sie finden sich an sehr abgelegenen Stellen und sind schwer zu finden und zu erreichen. Wenn sie verlassen werden, bleibt die gesamte Ausrüstung, auch das Zelt, zurück. Daher habe ich damit begonnen, die Lager nach und nach aufzulösen und das Material nach und nach an zugängliche Stellen zu schleppen. Mehrere Lager konnte ich bereits beseitigen (Airport Businesspark, Kiesgrube Alberty, Westhovener Aue), im kommenden Jahr sollen weitere folgen. Die Schutzgebietsschilder kontrollierte ich immer wieder mal. Einige mussten freigeschnitten werden. Am meisten war am NSG-Schild Kiesgrube Alberty zu tun: Man hatte versucht, es abzuschrauben. Dies misslang, womöglich weil ich die Muttern vorher abgefeilt hatte. Dafür wurde es wiederum immer wieder besprüht/bekritzelt, und ich machte es notdürftig durch Abreiben mit Brennspiritus bzw. Aceton wieder leserlich. Es gab wieder eine Reihe von Naturschutzeinsätzen. Teils half ich zwei Naturschutzverbänden, teils war ich alleine aktiv. So kontrollierte ich meine Nistkästen und säuberte sie von alten Nestern, tauschte einen alten aus, baute einen neuen, hängte einen anderen an einen günstigeren Platz. Mein Schwerpunkt war die Westhovener Aue, um das Angebot an Nisthöhlen hier zu verbessern. In einer alten Kiesgrube half ich einem Naturschutzverband beim Freischneiden eines Steilhangs und bei einer späteren Ortsbegehung beim Überlegen weiterer Maßnahmen. Ich arbeitete beim Wechselkrötenschutzprojekt dieses Verbandes mit; ich kontrollierte, z.B. am Alten Deutzer Postweg, neu angelegte Laichgewässer auf Krötennachwuchs. Im NSG Kiesgrube Alberty stellte ich fest, dass trotz der geschlossenen Eisdecke im vorangegangenen Winter immer noch oder wieder der Eisvogel brütete. Ich fand auch den Balkenschröter (geschützte Käferart) und beobachtete Ende Mai über längere Zeit ein Reiherentenpaar, welches aber leider nicht brütete und weiterzog. Der invasive Japanknöterich, dessen Bekämpfung in der Basaltblockschüttung am Ufer ich letztes Jahr begonnen hatte, konnte endlich durch weiteres Ausreißen neuer Triebe endgültig beseitigt werden. Die Sandtrockenrasen auf einer ingenieurtechnisch gestalteten Böschung sind zunehmend von sich invasiv ausbreitenden Robinien und anderen Gehölzen bedroht. Robinien und Sanddorn beschatten diesen geschützten, bedrohten Lebensraumtyp im NSG und reichern ihn mittels ihrer Wurzelbakterien mit Stickstoff an. Dadurch sind gefährdete Tier- und Pflanzenarten bedroht. Daher half ich hier bei einer Reihe von Arbeitseinsätzen eines Naturschutzverbandes, welche mit der UNB und dem Grundeigentümer (Deutsche Bahn) abgesprochen waren (Ringeln von Bäumen, Ausreißen von Sanddornwurzeln). Wir stellten auch ein überwuchertes und verlandetes Kleingewässer wieder her und konnten so bemerkenswerten Pflanzenarten hier wieder zur Ansiedlung verhelfen. Es ist abzuwarten, ob wie erhofft Kreuz- und Wechselkröten ablaichen werden. 2 Für die UNB wurde eine schriftliche Auswertung der Maßnahmenergebnisse vorgenommen. Ich half dabei durch einzelne Anregungen und Korrekturlesen des Textes. Die Bekämpfung der invasiven Neophyten, besonders der Robinie und Hybridpappel, fiel auch Personen auf, die sich hier ohne Betretungserlaubnis aufhalten. Dadurch ergab sich eine Anzahl von Aufklärungsgesprächen. Ich erklärte die Maßnahmen und wies auf das Betretungsverbot (NSG, Privatgelände) hin. Außer Bürgern, die sich nur informieren wollten, gab es leider auch sehr engagierte Menschen, die mitunter verbal recht aggressiv auftraten. Unter anderem wurde mir auch mit einer Anzeige gedroht. Der Angelverein ist empört, denn „mir sin fruh, wenn dat alles schön wat zuwächst!“. Dann sind da noch Teile der Kölner Homosexuellenszene, die für manche Betätigungen Sichtschutz wünschen und gleichzeitig Baumschützer sind. Verkompliziert wird die Sache dadurch, dass einigen dieser Sichtschutz eben nicht recht ist, aber ich will nicht zu sehr ins Detail gehen (ich hoffe ohnehin, dass der Leser nicht weiß, wovon die Rede ist). Ich erfuhr, dass „wir uns alle einig sind, dass das aufhören muss!“. „Alles was Sie erzählt haben, stimmt nicht. Ich habe im Rathaus angerufen, da weiß man von nichts!“. Schließlich gibt es noch eine Fraktion der Naturschutzszene, die sich in den letzten Jahren politisch radikalisiert hat. Dies ist verständlich, denn der Anteil sensibler, von edlen Gefühlen angetriebener Menschen ist auf den Gebieten des Naturschutzes und der Nazibekämpfung relativ gesehen stets höher als etwa im Militärwesen oder im Motorsport. Die Bekämpfung von eingewanderten Tieren und Pflanzen wird abgelehnt; diese sind als Bereicherung willkommen zu heißen. Diese Menschen sind hochanständig und haben große Angst vor rassistischen Nazis und Faschos, welche überall auf der Lauer liegen. Neophytenbekämpfung unterstützt demnach ein Gedankengut, welches einen Rechtsruck in der Gesellschaft begünstigt und zur einer „Wiederholung“ der Geschichte führen könnte. Doch zum Glück bin ich als Naturschutzwart vor Ort und sorge im Auftrag der UNB dafür, dass die Entbuschung des Sandrasens nicht zu einem weiteren Weltkrieg eskaliert, so dass die Menschheit weiter ruhig schlafen kann. Diskussionen mit all diesen interessen- oder emotionsgesteuerten Bürgern sind sehr schwierig und dauern im Extremfall über eine Stunde. Ich konnte in nur ca. 20% der Fälle einiges Verständnis wecken. Mir wurde etwa erklärt, dass die Robinien „seit 500 Jahren“ hier leben, jetzt hier hingehören und nicht geschädigt werden sollen, und dass Bäume Gefühle und eine Seele haben. Ich betone dann freundlich, dass alle diese Argumente irrelevant sind, denn dies ist ein Naturschutzgebiet. Hier werden naturschutzfachliche Maßnahmen durchgeführt, um diejenigen Biotoptypen und Arten zu schützen, die durch die Rheinbegradigung vor 200 Jahren verlorengegangen sind. Das Gebiet ist dafür reserviert, die Buntheit und Vielfalt der Natur zu erhalten und diese nicht einem Robinienbestand mit Brennnesseln darunter zu opfern. Diese Vielfalt wird hier bedroht durch Pflanzen, die ein Festigungsgewebe (Holz) bilden können, mit dessen Hilfe sie sich hoch über die Kräuter und Moose erheben, diese beschatten und unterdrücken und für sich selber rücksichtslos neue Lebensräume erobern. Das sind eben die Bäume und Sträucher, welche hier somit die rassistischen Nazis unter den Pflanzen sind. Die niedrigen Pflanzen und wärmeliebenden Tierarten sind dagegen quasi bedrohte Minderheiten, welche von uns verteidigt werden. So versuche ich mich dagegen zu wehren, dass Gefühle und Seele nur solchen Pflanzen zugeschrieben werden, die aus Cellulose und Lignin ein Festigungsgewebe bilden können. Die Diskussionspartner wirken dann immerhin unsicher und können dies nicht überzeugend widerlegen, auch möchten sie nicht plötzlich selbst als Nazis dastehen. 3 In diesem Jahr erstellte der hier aktive Naturschutzverband einen Biotopmanagementplan (BMP), wobei unter anderem auch ich mithalf. Der BMP umfasst vor allem eine umfangreiche Bestandserfassung und eine Auflistung von Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen. Meine Mitarbeit umfasste das Beisteuern von Pflanzen- und Tierarten, Hilfe bei Art-/Rassenbestimmungen (eine Großmuschel, Mauereidechsen-Rasse, Gräser u.a.), Erörtern von Inhalten, einzelne Anregungen und Korrekturlesen des Textes. Einzelne Artengruppen wurden von Fachleuten bearbeitet. Weil für die Moose kein ausgewiesenes Fachpersonal verfügbar war, übernahm ich, obwohl kein Bryologe, die Erfassung der Moosflora. Ich fand 50 Arten (das sind etwa 12 % der im Rheinland vorkommenden Moosarten), von denen sechs (eine davon fand ich erst nach Fertigstellung des BMP) gemäß Roter Liste NRW gefährdet oder stark gefährdet sind. Der Moosartenbestand zeigt das Kleinklima, den Humusgehalt und die Stickstoffbelastung der Biotoptypen an und gibt einen Hinweis darauf, dass dem Substrat der vor 15 Jahren ingenieurtechnisch angelegten Böschung im Nordosten Bauschutt beigemischt ist, was durch Funde von Beton-, Fliesen-, Estrich- u.a. Stücken bestätigt wurde. Drei der gefährdeten Moose kommen als spezialisierte Arten allein in dem Sandtrockenrasen der ingenieurtechnisch gestalteten Böschung vor und sind durch Verbuschung bedroht. Von der Mooserfassung wurden die Gesamtartenliste und einige Aussagen in den BMP übernommen; die gesamte Arbeit incl. Artenlisten einzelner Böschungsabschnitte und Biotoptypen behielt ich. Das Ordnungsamt kontrollierte vereinzelt den südlichen Strand. Mitte Juli trafen der Landesvorsitzende des Naturschutzverbandes und ich beim Müllsammeln drei Mitarbeiter an und diskutierten mit ihnen. Ich klärte sie über die ihnen noch unbekannte Naturschutzwacht auf und gab ihnen auf ihre Bitte hin meine Kontaktdaten, um gegebenenfalls meine Erfahrungen hier beisteuern zu können. Mit der zuständigen Mitarbeiterin tauschte ich immer mal wieder bei Bedarf Informationen aus. Wenn nötig, erhielt ich von ihr Unterstützung. Ich berichtete unter anderem, dass es nur einmal spät abends bis früh morgens zu einer Technoparty gekommen war, wobei der Müll vom Veranstalter weitgehend entsorgt worden war.
Mitteilung BV
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle V/57/571 Vorlagen-Nummer 0155/2018 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Naturschutzbeirat bei der Unteren Naturschutzbehörde 20.05.2019 Bezirksvertretung 7 (Porz) 13.06.2019 Jahresbericht 2017 Naturschutzwacht Bezirk 7-Nord Im Anhang erhalten Sie den Jahresbericht 2017 des Naturschutzwarts für den Bezirk 7 Porz.
Beratungsverlauf (2)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 0155/2018
- Typ
- Mitteilung BV
- Datum
- 20.03.2019
- Erstellt
- 12.01.2018 06:23