1731/2018
Sachstandsbericht: Entwicklung eines Service-Portals auf Basis des Ratsinformationssystems (Modellkommune Open Government des Bundes)
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Mitteilung Ausschuss
8782 Zeichen
Die Oberbürgermeisterin
Dezernat, Dienststelle
I/I/D2
Vorlagen-Nummer 07.06.2018
1731/2018
Mitteilung
öffentlicher Teil
Gremium Datum
Unterausschuss Digitale Kommunikation und Organisation 11.06.2018
Sachstandsbericht zum Projekt "Entwicklung eines Service-Portals auf Basis des Ratsinforma-
tionssystems (Modellkommune Open Government des Bundes)“
Hintergrund
Die Stadt Köln wurde vom Bundesministerium des Innern (BMI) in Zusammenarbeit mit dem Deut-
schen Städtetag, dem Deutschen Landkreistag und dem Deutsche Städte- und Gemeindebund im
Mai 2017 im Rahmen eines bundesweiten Wettbewerbs als eine von neun Modellkommunen für O-
pen Government in Deutschland ausgewählt1. Jede der neun Modellkommunen erhält eine Förderung
vom BMI in Höhe von max. 50.000 €. Zur Ergebnissicherung soll ein Leitfaden für kommunales Open
Government gemeinsam erstellt und vom BMI veröffentlicht werden. Die Abschlussveranstaltung mit
Vorstellung der Ergebnisse ist für das Frühjahr 2019 vorgesehen.
Zielsetzung
Als Maßnahme der Stadt Köln im Rahmen der Modellkommune soll das Ratsinformationssystem zu
einem umfassenden Serviceportal mit erweiterten und nutzerorientierten Funktionen ausgebaut wer-
den. Das Vorhaben ist Bestandteil der Verwaltungsreform und wird als Reformprojekt unter Federfüh-
rung von Dezernat I entwickelt und umgesetzt. Als Basis dienen offene Daten, die aus dem Kölner
Ratsinformationssystem generiert und über die OParl-Schnittstelle produktiv eingebunden werden
sollen (der OParl-Standard definiert eine Webserviceschnittstelle, die den anonymen, lesenden Zu-
griff auf öffentliche Inhalte aus parlamentarischen Informationssystemen ermöglicht). 2
Kern des geförderten Projektansatzes ist im Sinne des Open Government die modellhafte Erprobung
einer neuen Herangehensweise der Anwendungsentwicklung: Das Anforderungsprofil für das neue
Serviceportal soll in einem offenen Prozess gemeinsam mit der Zivilgesellschaft und weiteren Akteu-
ren bzw. potentiellen Nutzergruppen entwickelt werden.
Als Ergebnis soll die Informationsqualität und der öffentliche Informationszugang für den Bereich
Stadtpolitik verbessert und die Transparenz politischer Entscheidungsprozesse erhöht werden. Der
entscheidende Vorteil der Nutzung offener Daten für dieses Vorhaben ist die Möglichkeit, hersteller-
unabhängige Lösungen zu entwickeln.
1 https://www.verwaltung-
innovativ.de/DE/E_Government/Modellkommune_Open_Government/modellkommune_open_gov_node.html
2 siehe: https://oparl.org/
2
Bisherige Aktivitäten (Überblick)
Anforderungserhebung aus Sicht von Nutzergruppen
Stufe 1: Nutzerabfragen
Im Zeitraum von Juni 2017 bis Januar 2018 wurden im Rahmen von vier Veranstaltungen3 erste An-
forderungen an das Serviceportal aus der Perspektive unterschiedlicher Nutzergruppen erhoben und
anschließend geclustert. Aus Nutzersicht zeichneten sich folgende Schwerpunkte für erweiterte Ser-
vicefunktionen ab:
Push-Dienste nach Themen, Orten und Neuheiten (z.B. Abo, Newsletter, E-Mail, SMS)
Kartenbasierte und themenbezogene Suche
Übersichtliches Design und intuitives Handling des Portals
Features zur Webseitenpersonalisierung
Kommentierungsmöglichkeit für Vorlagen
Transparentere Dokumentation von Beschlüssen und ihrer Historie
Stufe 2: Design Thinking
Zur weiteren Vertiefung der erhobenen Anforderungen wird in Stufe 2 „Design Thinking“ als Methode
eingesetzt. Design Thinking ist eine teamorientierte Innovationsmethode, die Kreativität systematisch
entwickelt und die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer in den Mittelpunkt stellt.
Der Einstieg erfolgte am 15. Mai 2018 in einem Workshop für Verwaltungsmitarbeiter/innen. Ziel der
Veranstaltung war es, ausgehend von typisierten potentiellen Nutzern (Personas), Anforderungen an
die Servicefunktionen aus unterschiedlichen Nutzerperspektiven zu definieren und zu visualisieren.
Die Ergebnisse sollen anschließend auf ihre Umsetzbarkeit geprüft werden. Danach sollen sie in
Form eines Vorführmodells noch einmal mit den Nutzergruppen Bürgerschaft und Politik rückgekop-
pelt und final zu einem Lastenheft verdichtet werden.
Softwareseitige Sondierungen
In der ersten Sondierungsphase wurden Gespräche mit dem Hersteller des Kölner RIS (Fa. SOMA-
COS) und der Open Knowledge Foundation (OKF)4 geführt. Die OKF war maßgeblich an der Ent-
wicklung des OParl-Standards beteiligt, entwickelt diesen weiter und betreibt das kommunenübergrei-
fende Portal „Politik bei uns“5, das als Pilotprojekt für kommunales Open Government vom Land NRW
gefördert wurde. Ziel von „Politik bei uns“ ist es, Politik vor Ort für Einwohner/innen transparent zu
machen. Der OParl-Standard wird zurzeit von drei RIS-Herstellern unterstützt (cc e-gov, SOMACOS
und Sternberg). Aktuell nutzen 47 Verwaltungen die Plattform, darunter ist jedoch noch keine, die wie
Köln das RIS von SOMACOS einsetzt.
Test und Analyse OParl-Schnittstelle
In den von der Verwaltung durchgeführten internen Tests der OParl-Schnittstelle wurden Probleme
mit der Datenvalidität festgestellt, die nach jetzigem Stand eine Produktivsetzung vorerst ausschlie-
ßen.
Die Verwaltung lässt daher zurzeit die Programmierung der von SOMACOS für Köln bereitgestellten
OParl-Schnittstelle durch einen externen Experten der OKF testen und auf Fehler analysieren. In den
bisher vollzogenen Testschritten wurden bereits signifikante strukturelle Mängel in der Programmie-
rung festgestellt. Die abschließenden Testergebnisse mit konkreten Korrektur-Empfehlungen für den
Hersteller werden Mitte Juni 2018 vorliegen.
Einschätzung der technischen Umsetzungsoptionen
3 Leitlinienprozesss Bürgerbeteiligung/Gespräch mit Netzaktivisten (26.06.17); Wahlsalon zur Landtagswahl
NRW (07.07.17); „KölnDigital“ öffentlich (17.10.17); „KölnDigital“ verwaltungsintern (25.01.18)
4 https://okfn.de/
5 https://politik-bei-uns.de/
3
Drei grundsätzliche Lösungsansätze für die technische Umsetzung der oben beschriebenen Features
für das Serviceportal wurden im Projektrahmen geprüft:
1) Integration in „Politik bei uns“
Die Anforderungen (Lastenheft) werden nach erfolgter Ertüchtigung der OParl–Schnittstelle in Koope-
ration mit der OKF als kölnspezifische Weboberfläche im Portal „Politik bei uns“ umgesetzt. Dieses
zusätzliche Serviceangebot soll neben dem bestehenden Session-Bürgerinfo vorgehalten und in ge-
eigneter Weise damit verlinkt werden.
2) OParl-Client für Session
Beauftragung des Herstellers, einen den Anforderungen entsprechenden OParl-Webclient zu entwi-
ckeln und über geeignete Schnittstellen in das Session-Umfeld zu integrieren.
3) Proprietäre Weiterentwicklung von Session
Alle Anforderungen werden durch den Hersteller proprietär in der Software Session umgesetzt.
Eine fundierte Bewertung dieser Optionen kann erst nach Vorliegen der kompletten Testergebnisse
der OParl-Schnittstelle und nach Evaluierung der Ergebnisse der kollaborativen Anforderungsentwick-
lung (Machbarkeitsanalyse) erfolgen.
Weiteres Vorgehen
Als Fazit der bisher erzielten Zwischenergebnisse ist Folgendes festzuhalten:
Der eingeschlagene Weg zur offenen und iterativen Anwendungsentwicklung des Serviceportals im
Rahmen der Modellkommune hat sich bewährt und ist konsequent fortzuführen. In Abhängigkeit vom
abschließenden Ergebnis des Tests der OParl-Schnittstelle sind dann kurzfristig die Schritte zur
Fehlerbehebung einzuleiten.
Parallel zur den oben genannten „großen“ Lösungsoptionen wird zurzeit als kurzfristige Teillösung ein
Szenario zur Einbindung einer kartenbasierten und thematischen Suche in das RIS über eine Schnitt-
stelle zur städtischen Geo-Infrastruktur getestet (Proof of Concept). Diese Teillösung könnte zukünftig
auch unter Politik bei uns öffentlich verfügbar gemacht werden.
Die Ergebnisse der Nutzerabfragen und des Design Thinking sollen bis zum Herbst 2018 verdichtet
und zu einem Lastenheft als Basis für die anschließende Programmierung zusammengefügt werden.
Daraus ergibt sich der folgende aktualisierte Fahrplan:
Aktualisierter Projektfahrplan
Juni 2018 Abschluss der OParl-Fehleranalyse und Weitergabe der Korrektu-
rempfehlungen an SOMACOS.
Juni 2018 Ergebnis: Proof of Concept RIS/GIS (Georeferenzierung)
Juli 2018 Erstellung eines Vorführmodells auf Basis der Ergebnisse des
Design Thinking Workshops.
Juni – September
2018
Rückkopplung und Verfeinerung mit Nutzergruppen (Bürgerschaft,
Politik) auf Basis des Modells.
Oktober 2018 Lastenhefterstellung in Kooperation mit der Open Knowledge
Foundation (OKF).
ab Dezember 2018 Portal-Programmierung
Gez. Dr. Keller
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 1731/2018
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 07.06.2018
- Erstellt
- 24.05.2018 08:50