2006/0740
Bericht 2005 und 2006 über die Entwicklung von Fallzahlen und Ausgaben im Bereich der Erzieherischen Hilfen des Städtischen Sozialdienstes Bezug: Magistratsvorlage 0226 vom 25. März 1998
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2006/0740
12578 Zeichen
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats-
geschäftsstelle:
23.11.2006
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat V
Amt: Sozialverwaltung
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss-
fassung Fachausschuss
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Tagesordnung: I II
Verteiler:
Vorlage-Nr. 2006/0740
Magistratsbeschluss-Nr.
Betreff: Bericht 2005 und 2006 über die Entwi cklung von Fallzahlen und Ausgaben im Bereich
der Erzieherischen Hilfen des Städtischen Sozialdienstes
Bezug: Magistratsvorlage 0226 vom 25. März 1998
Vorlage vom: 16.11.2006
Beschlussvorschlag:
1. Der Magistrat hat in seiner Sitzung vom 25. März 1998 entschieden, dass ihm regelmäßig über die
Kosten- und Maßnahmeentwicklung berichtet wird. Der vorliegende Bericht wird zur Kenntnis
genommen.
2. Die Vorlage ist dem Personalrat, der Frauenbeauftragten und den Stadtverordneten zur Kenntnis zu
geben.
3. Die Vorlage ist dem Jugendhilfeausschuss zur Kenntnis vorzulegen.
4. Dieser Bericht erscheint zukünftig mit dem Benchmarking Bericht „Hilfen zur Erziehung“
Anlagen:
Beschluss des Magistrats vom
2
...
Begründung zur Magistratsvorlage vom 16.11.2006:
1. Entwicklung von Fallzahlen und Ausgaben im Bereich der Erzieherischen Hilfen
des Städtischen Sozialdienstes
1.1 Fallzahlen
Die Fallzahlen der Erzieherischen Hilfen stiegen kontinuierlich seit 1996 von 309
Fälle auf 830 Fälle im Jahr 2003 und fielen erstmals im Jahr 2004 auf 784 und
2005 auf 721 Fälle (Tabelle 1). Der starke Rückgang der Fallzahlen ist auf die
zeitintensive Einzelaktenüberprüfung im Frühjahr 2005 sowie die eingeleiteten
Steuerungsmaßnahmen im Bereich der Erzieherischen Hilfen zurückzuführen (siehe
Magistratsvorlage 53 vom 02.02.2005).
Die Aussage betrifft Stichtagszählungen der laufenden und nachgewiesenen
Betreuungsfälle, es handelt sich dabei um Maßnahmen die direkte Ausgaben im
Bereich § 27 ff SGB VIII verursachen.
Im Bereich der Erzieherischen Hilfen werden Maßnahmen gemäß § 35 a SGB VIII
gesondert geführt, da hierfür besondere Zugangsregeln gelten. Es handelt sich
ausschließlich um ambulante Maßnahmen, die stationären Maßnahmen im Rahmen
des § 35 a SGB VIII werden unter der entsprechenden Hilfeart nach SGB VIII geführt.
Bei Betrachtung der Fallzahlen unter dem qualitativen Gesichtspunkt
wurden, gemäß dem Auftrag des Magistrats "ambulant vor stationär", das Angebot
der verschiedenen ambulanten und teilstationären Hilfen weiter qualifiziert.
2.2 Verstärkte Installation ambulanter Hilfen vor stationären - Auswirkungen auf die
Ausgaben
Die prozentualen Anteile der verschiedenen Hilfearten der Fälle der Erzieherischen
Hilfen von 1997 bis 2005 sind in Tabelle 2 dargestellt.
Die mit dem Projekt Erzieherische Hilfen 1996 konsequent begonnene Umsteuerung
im Bereich der Erzieherischen Hilfen und der damit verbundene verstärkte Ausbau
ambulanter Hilfeformen, hat zu einem Abbau der stationären Hilfen geführt. So sind
die Heimunterbringungen von 52 % (1995) auf zur Zeit 32 % (2005) gesunken.
Die Ausgabeentwicklung im Einzelfall werden in Tabelle 3 dargestellt.
Die Entwicklung der Ausgaben im stationären Bereich sind in der folgenden Tabelle
abgebildet:
1995: 5.25 Mill. Euro
1996: 4,70 Mill. Euro
1997: 4.58 Mill. Euro
1998: 4.50 Mill. Euro
3
...
1999: 4.82 Mill. Euro
2000 5.04 Mill. Euro
2001 4,45 Mill. Euro
2002 5.05 Mill. Euro
2003 5.68 Mill. Euro
2004 6,82 Mill. Euro
2005 6,12 Mill. Euro
Die Jahre 2004 und 2005 waren im gesamten StSD (Tabelle 4 und 5), aber
insbesondere im Bereich der Erzieherischen Hilfen, von fallenden Fallzahlen geprägt.
Die Ausgaben verzeichneten 2005 erstmals wieder einen Rückgang (Tabelle 6), die
Ausgaben pro Tag stiegen allerdings leicht an (Tabelle 7). Für das Jahr 2006 wird mit
einer Stagnation bzw. einem Rückgang gerechnet, dies entspricht dann
voraussichtlichen Ausgaben in Höhe von ca. 14.9 Mill. EURO, bei einem
Haushaltsansatz im Deckungskreis der Erzieherischen Hilfen von 15.43 Mill. EURO.
Dieses Ergebnis ist auf die umfangreichen, allerdings außerordentlich
personalintensiven, Steuerungsmaßnahmen seit März 2005 zurückzuführen (siehe
hierzu Magistratsvorlage 53 vom 02.02.2005). Im Jahr 2006 soll ein neues Fall-
Management eingeführt werden. Von beiden Maßnahmen erhofft sich die Verwaltung
präzisere Daten, passgenauere Hilfen, verkürzte Verweildauern und damit eine
Konsolidierung der Ausgaben im Bereich der Erzieherischen Hilfen.
Die Kostenverpflichtungen für die Stadt durch die Einführung des § 35 a SGB VIII
(früher KJHG) und seit 2002 im SGB IX führen zu ständig steigenden Fallzahlen und
Ausgaben in diesem Bereich. Die Ausgaben der Eingliederungshilfen für seelisch
Behinderte (§ 35 a SGB VIII) stiegen von 437.665 EURO (1997) auf 2.13 Mill. Euro
(2005).
Seit 01.01.2002 ist das Jugendamt, in Darmstadt Jugendamt und der Städtische
Sozialdienst, als Rehabilitationsträger nach SGB IX benannt und muss Leistungen
erbringen, die zuvor von anderen Sozialleistungsträgern, insbesondere dem LWV
Hessen, erbracht wurden.
Der LWV Hessen hat Mitte 2002 einseitig die Vereinbarung mit dem Hessischen
Städte- und Landkreistag gekündigt, wodurch die Fälle nicht mehr mit Erreichen des
21. Lebensjahres an den LWV übergeleitet werden können. Dies führt nach wie vor
zu weiteren Belastungen und einem weiteren Anstieg der Fallzahlen in diesem
kostenintensiven Bereich. Dies wird sich bis Ende 2008 fortsetzen, da erst dann
wieder (mit Erreichen des 27.Lebensjahres) Fälle an den LWV Hessen als
überörtlichen Träger abgegeben werden können.
2. Höhere Inanspruchnahme durch die Bürger und Bürgerinnen
Die 2004 und 2005 nach wie vor schlechte wirtschaftliche Gesamtsituation und die
damit verbundenen negativen Auswirkungen, führten erneut bei immer mehr
Personen und Familien zu kritischen Situationen, die ein rasches Handeln erfordern.
Diesen Ansprüchen konnte der Sozialdienst nur unter allergrößten personellen
Kraftanstrengungen gerecht werden.
Durch die politisch gewollte Dezentralisierung und Verortung des Städtischen
Sozialdienstes in den Stadtteilen sowie die Vernetzung mit anderen Hilfsangeboten
4
...
(Netzwerk Missbrauch, Stadtteilpolizisten, Cafe Scentral, Schulsozialarbeit,
Obdachlosenhilfe, Kinderkliniken, Interkulturellem Büro usw.) werden immer mehr
Problemfälle an den StSD herangetragen, die einer Regelung bedürfen.
Der Not- und Bereitschaftsdienst (24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr) des
Städtischen Sozialdienstes wurde ebenfalls immer häufiger in Anspruch genommen
(Tabelle 8, 9 und 10).
In die Obhut des Städtischen Sozialdienstes mussten aufgrund von familiären
Krisensituationen 2004 insgesamt 56 und in 2005 115 Kinder und Jugendliche
genommen werden.
2004 gab es 74 Meldungen über den Verdacht der Vernachlässigung, der
Misshandlung oder des sexuellen Missbrauchs, 2005 gab es 115 Meldungen (Tabelle
11 und 12).
Die Bereitschaftspflegefamilien sind ständig mit Kindern von 0-6 Jahren in
Notsituationen belegt.
3. Fazit
Das im Oktober 1998 abgeschlossene Projekt ist nach wie vor erfolgreich.
Einsparungen in den sachkostenintensiven Bereichen der Pflichtaufgaben zu
erzielen, wurden und werden erreicht durch:
/head2right Entwicklung und Umsetzung fachlicher Vorgaben im Sinne einer Umsteuerung
(neues Fall-Management ab 2006).
/head2right Einbeziehung der Mitarbeiter/innen auf allen Ebenen, Delegation von
Verantwortung.
/head2right Kontinuierliche Fortbildung der Mitarbeiter/innen.
/head2right Konsequenter Einsatz von EDV.
/head2right Controlling, Teilnahme am bundesweiten Benchmarking
/head2right Zusammenarbeit mit freien Trägern der Jugendhilfe und Universitäten
Die Entwicklung der Ausgaben wäre ohne diese Steuerungsmaßnahmen ungünstiger
verlaufen, wie die entsprechenden Berichte des bundesweiten Benchmarking HzE
der mittelgroßen Großstädte von 2004 und 2005 bestätigen.
Darmstadt, 16.11.06
Dr.M/ge, Nst. 13-2519
Dezernat V
5
...
Jochen Partsch
Stadtrat
6
...
Bericht 2005 und 2006 über die Entwicklung von Fallzahlen und Ausgaben im
Bereich der Erzieherischen Hilfen
Statistikanlage
Tabelle 1 Fälle der Erzieherischen Hilfen 1996-2005
Tabelle 2 Verteilung der Erzieherischen Hilfen 2005 in Prozent
Tabelle 3 Ausgaben pro Fall pro Jahr 1995-2005
Tabelle 4 Fallzahlen des StSD Gesamt 1997-2005
Tabelle 5 Fallzahlen des StSD nach Bereichen 1997-2005
Tabelle 6 Ausgaben der Hilfen zur Erziehung 1995-2005
Tabelle 7 Ausgaben pro Fall pro Tag 1995-2005
Tabelle 8 Not- und Bereitschaftsdienst 2005 nach Zeiten
Tabelle 9 Not- und Bereitschaftsdienst 2005 Ergebnis der
Meldungen
Tabelle 10 Meldungen 2005 über den Verdacht der
Vernachlässigung, der Misshandlung und des
sexuellen Missbrauchs
Tabelle 11 Meldungen 2005 Darstellung nach Geschlecht
7
...
1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005
§ 35 a Ambulante Förderung seelisch
behinderter
309 400
508 515
605
680
732
830
784
721
0 39 82 127 170 218 229 245
223
2180
100
200
300
400
500
600
700
800
900
Fälle der Erzieherischen Hilfen 1996-2005, Tabelle 1
Verteilung der Erzieherischen Hilfen nach Hilfearten 2005, Tabelle 2
9%
10%
19%
21%
31%
5%
2%
2%
1%
0%
§ 19 Eltern-Kind-Hilfen § 29 Soziale Gruppenarbeit
§ 30 Erziehungsbeistand
§ 31 Sozialpädagogische Familienhilfe
§ 32 Tagesgruppe
§ 33 Pflegefamilie
§ 34 Stationäre Hilfen§ 34 Betreutes Wohnen
§ 35 Intensive sozialpädagogische
Einzelbetreuung
§ 35 a ambulante Förderung
seelisch Behinderter
8
...
Ausgaben pro Fall pro Jahr, Tabelle 3
30.492,22 €
23.220,04 €
1 5.897,42 € 1 5.553,20 € 1 5.391 ,51 €
1 4.583,96 €
13 . 2 9 3 , 15 €
1 6.552,47 € 1 6.974,1 5 €
1 9.01 7,37 €
1 3.894,52 €
0,00 €
5.000,00 €
1 0.000,00 €
1 5.000,00 €
20.000,00 €
25.000,00 €
30.000,00 €
35.000,00 €
1 995 1 996 1 997 1 998 1 999 2000 2001 2002 2003 2004 2005
Fallzahlen des StSD Gesamt 1997 bis 2005, Tabelle 4
1744
1845
2297 2299
2549
2716
3006
2617
2239
0
500
1000
1500
2000
2500
3000
3500
1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005
9
...
Fallzahlen des StSD nach Bereichen 1997-2005, Tabelle 5
0
200
400
600
800
1000
1200
Rei he1 360 62 522 10 558 95 52 85
Rei he2 374 68 548 13 569 123 54 96
Rei he3 635 10 551 5 842 135 38 81
Rei he4 514 18 688 4 838 195 42 92
Rei he5 611 11 719 5 854 216 41 92
Rei he6 696 10 882 0 794 275 67 95
Rei he7 793 10 997 0 845 294 92 104
Rei he8 6 2 46 9 3 817 2 6 2 3 92 45 9
Rei he9 6 0 03 6 8 216 4 3 2 4 82 14 1
F a milie n g e r ic h t s h ilf e V o r mu n d s c h a f t s Ge r ic h t h ilf e E r z ie h u n g s h ilf e N a me n s ä n d e r u n g e n F a milie n b e t r e u u n g Sc h u ld n e r b e r a t u n g A d o p t io n s b e a rbei t ungen Pf l egeki nder
Reihe 1 = 1 997 usw. bis Reihe 9 = 2005
Ausgaben Erzieherische Hilfen 1995-2005, T abelle 6
7. 409. 610, 20 € 7.175.145,00 €
7.606.949,90 €
8. 059. 992, 03 €
8.740.300,31 €
1 0.1 89 .18 2,7 4 € 10.412.942,00 €
1 1.7 24 .55 7,7 2 €
1 3.8 52 .84 1,0 3 €
15 .59 2.4 30 ,03 €
1 5.0 05 .11 7,6 9 €
0,00 €
2.000.000,00 €
4.000.000,00 €
6.000.000,00 €
8.000.000,00 €
1 0.000.000,00 €
1 2.000.000,00 €
1 4.000.000,00 €
1 6.000.000,00 €
1 8.000.000,00 €
1 995 1 996 1 997 1 998 1 999 2000 2001 2002 2003 2004 2005
Jahr
Euro
10
...
Ausgaben pro Fall pro Tag 1995-2005, Tabelle 7
83,54 €
63,65 €
52,1 0 €
43,56 € 42,61 € 42,1 7 €
39,96 €
36,42 €
45,35 €
38,07 €
46,51 €
0,00 €
1 0,00 €
20,00 €
30,00 €
40,00 €
50,00 €
60,00 €
70,00 €
80,00 €
90,00 €
1 995 1 996 1 997 1 998 1 999 2000 2001 2002 2003 2004 2005
Not- und Bereitschaftsdienst nach T ageszeit 2005, T abelle 8
79%
19%
2%
Tagdienst Nacht-und Wochenenddienst Feiertagsdienst
11
...
Not - und Bereitschaftsdienst Ergebnis der Meldungen 2005, Tabelle 9
51%
11%
38%
Bestätigt
Teilweise bestätigt
Nicht bestätigt
000
117
26
2
84
22
2
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
weiblich männlich
Meldungen 2005 nach Geschlecht, Tabelle 10
Untere Reihe (rot) = Verdacht auf Kindesvernachlässigungen
Mittlere Reihe (hellblau) = Verdacht auf Kindesmisshandlungen
Oberste Reihe (gelb) = Verdacht auf Sexuellen Missbrauch
12
...
Meldungen des Not- und Bereitschaftsdienstes nach Geschlecht
2005, Tabelle 11
43%
57%
männlich
weiblich
Beratungsverlauf (2)
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2006/0740
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 16.11.2006
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00