BKA 0832
Anfrage der Fraktion Bd. 90/DIE GRÜNEN v. 15.01.2024: Trinkwasser-Sicherung nach dem Tagebau-Ende
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Sitzungsvorlage Braunkohlenausschuss (Anfrage der Fraktion Bd. 90/DIE GRÜNEN v. 15.01.2024: Trinkwasser-Sicherung nach dem Tagebau-Ende)
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Seite 1 von 1 Sitzungsvorlage Braunkohle- nausschuss - öffentlich - BKA 0832 Dezernat Regionalplanung, Braunkohlenplanung, Geschäftsstelle Ansprechperson Telefon BEZIRKSREGIERUNG Köln Datum 16.02.2024 Beratungsfolge Termin TOP Beratungsaktion Braunkohlenausschuss 15.03.2024 6.1 zur Kenntnis TOP: Anfrage der Fraktion Bd. 90/DIE GRÜNEN v. 15.01.2024: Trinkwasser-Sicherung nach dem Tagebau-Ende Beschlussvorschlag: Der Braunkohlenausschuss nimmt die Ausführungen des Erftverbandes zur Kenntnis. Erläuterungen: Anlage(n): 1. Anl. 1 zu TOP 6.1_Anfrage_Fraktion Bd. 90DieGrünen_Trinkwasser BKA_15.03.2024 2. Anl. 2 zu TOP 6.1_cre_2024_02_08_1_bka_anfrage_trinkwasser_vom_2024_01_15
Sitzungsvorlage Braunkohlenausschuss (Anl. 2 zu TOP 6.1_cre_2024_02_08_1_bka_anfrage_trinkwasser_vom_2024_01_15)
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Bereich Gewässer Abteilung Grundwasser Ansprechpartner *in Nils Cremer Durchwahl 02271 88 -1228 Unser Zeichen cre_2024_02_08_1 Aktenzeichen G1 070 -S70 -84 E-Mail Nils .Cremer@e rftverband.de Erftverband Am Erftverband 6 50126 Bergheim 02271 88 -0 www.erftverband.de info@erftverband.de Erftverband KdöR Steuer -Nr.: 203/5906/0588 USt -IdNr.: DE228801678 Kreissparkasse Köln DE86 3705 0299 0142 0058 95 SWIFT -BIC: COKSDE33 Vorsitzender des Verbandsrates: Bürgermeister Dr. Hans -Peter Schick Vorstand: Prof. Heinrich Schäfer Bergheim, den 08.02.2024 Anfrage zum Braunkohlenausschuss am 15.03.2024: Trinkwasser -Sicherung nach dem Tagebau-Ende „Wie kann der zukünftige Trinkwasserbedarf langfristig bis zum endgültigen Erreichen der ursprünglichen Fließrichtungen sichergestellt werden?“ Antwort des Erftverbandes: Ausgangssituation und Grundlagen mit Bezug zur Sicherung der Wasserversorgung: Die bergbaubedingten Auswirkungen auf die Menge und Qualität des Grundwassers als wichtigste Ressource für die Trinkwasserversorgung werden sich bis weit nach Bergbauende bemerkbar machen. Im Rheinischen Braunkohlenrevier werden jährlich etwa 500 Mio. m3 Grundwasser gehoben, um die Braunkohlentagebaue trocken zu halten. Diese sümpfungsbedingte n Entnahmen haben zur Ausbildung eines großflächigen Absenkungstrichters geführt. Die Grundwasserabsenkungen erstrecken sich im oberen Grundwasserstockwerk über eine Fläche von mehr als 1.600 km2 (Abb. 1). In den tieferen Grundwasserleitern ist die Drucken tspannung sogar auf einer Fläche von mehr als 3.000 km2 oder annähernd 10 % der Fläche des Landes NRW nachweisbar. Das bergbaubedingte Wassermengendefizit umfasst in Summe mehr als 20 Mrd. m3, wovon etwa 7 Mrd. m3 auf die Hohlformen der zukünftigen Tagebauseen entfallen. Während der Grundwasserwiederanstieg mit dem Erreichen einer stabilen Grundwasserströmungssituation (hydraulischer Endzustand) zum Ende des Jahrhunderts revierweit abgeschlossen sein wird, werden einige stoffliche Belastungen, wie z. B. erh öhte Sulfatkonzentrationen infolge des Abstroms von Grundwasser aus den Abraumkippen, gebietsweise mindestens für weitere Jahrzehnte die Grundwasserqualität beeinflussen. Neben den verschiedenen bergbaubedingten Auswirkungen sind auch nicht - bergbaubedingte Einflüsse zu betrachten, wie mögliche Auswirkungen des Klimawandels auf die Grundwasserneubildung und damit das Wasserdargebot. Ebenso sind qualitative bzw. stoffliche Belastungen des Grundwassers relevant, z. B. durch Nitrat, Rückstände oder Abbauproduk te (Metaboliten) von Erftverband | Postfach 1320 | 501 03 Bergheim Bezirksregierung Köln z.H. Frau Eva Kuhl Dezernat 32 - Regionalentwicklung, Braunkohle Dienstgebäude Scheidtweilerstraße 4 50933 Köln Seite 2 Erftverband 08.02.2024 Unser Zeichen: cre_2024_02_08_1 Aktenzeichen : G1 070 -S70 -84 Pflanzenbehandlungsmitteln, PFAS etc. Sämtliche dieser Effekte sind bei der Aufstellung langfristiger und großräumiger Konzepte zur Sicherung der Wasserversorgung zu berücksichtigen und werden nachfolgend erläutert. Darüber hinaus ist für die Sicherung der Wasserversorgung die Bedarfsentwicklung, d. h. die langfristig benötigte Trinkwassermenge von Bedeutung, die im Wesentlichen von der Entwicklung der Bevölkerungszahlen abhängt. Bergbaubedingte Einflussfaktoren auf die Sicherung der Wasserversorgung: Sulfatfreisetzung aus den Abraumkippen: Aus den Abraumkippen einschließlich der Außenkippen wird als Folge der Pyritoxidation über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten Grundwasser mit hohen Sulfatkonzentrationen von durchschnittlich etwa 1.500 mg/l ausgetragen und strömt mit dem Grundwasser in die unverritzten Grundwasserleiter. Dieser Kippengrundwasserabstrom wird nach erfolgtem Grundwasserwiederanstieg in allen drei Tagebauen überwiegend in nordöstliche Richtun g erfolgen. Die betroffenen Gewinnungsstandorte sind in der folgenden Tabelle aufgelistet. Tabelle 1: Vom Sulfatabstrom betroffene Wassergewinnungsstandorte incl. Abschätzung des Betroffenheitszeitpunktes. Wasser- gewinnungs- anlage Wasser- versorgungs- unternehmen Beeinflussender Tagebau Beeinflussung ab Aldenhoven Verbandswasserwerk Aldenhoven GmbH Inden bereits heute Paffendorf incl. Glesch Westnetz GmbH Hambach nach 2035 Fürth RWE Power Garzweiler nach 2040, ggf. auch später Türnich Westnetz GmbH Hambach nach 2055 Betroffenheit unklar, ggf. Weiterbetrieb möglich Sindorf Westnetz GmbH Hambach nach 2065, Betroffenheit unklar, ggf. Weiterbetrieb möglich Im Nordraum werden neben dem Ausfall des Wasserwerk s Fürth, der nach 2040 erwartet wird, keine weiteren Standorte der öffentlichen Wasserversorgung von einem Zustrom sulfatreichen Grundwassers betroffen, aber große Gebiete fallen als Reservestandorte für die Wasserversorgung aus. Organische Spurenstoffe aus dem Rheinwasser: Die wasserwirtschaftliche Entwicklung im Rheinischen Braunkohlenrevier ist in der Nachbergbauphase eng mit der Überleitung von Rheinwasser verbunden. Die Rheinwasserzufuhr gewährleistet nicht nur die schnellstmögliche Füllung der Bergbaufolgeseen Hambach und Garzweiler, sondern ist im Nordraum in Ergänzung Seite 3 Erftverband 08.02.2024 Unser Zeichen: cre_2024_02_08_1 Aktenzeichen : G1 070 -S70 -84 zu den Wassermengen aus der nachlaufenden Sümpfung des Tagebaus Garzweiler auch für die Bereitstellung von Ökowasser unverzichtbar. Dieses Ökowasser sichert den Bestand der grundwasserabhängigen Feuchtgebiete, stellt die Bespannung bzw. die ökologischen Mindestabflüsse der oberirdischen Fließgewässer sicher, trägt zum beschleunigten Wiederanstieg des Grundwassers bei und gewährleistet durch Infiltrationsmaßnahmen insbesondere ein ausreichendes Dargebot für die Wasserwerke in der Region. Um die Wasserversorgung im Nordraum langfristig sicherzustellen, ist das Rheinwasser nicht nur unter Berücksichtigung quantitativer Aspekte erforderlich , es muss auch hohe Qualitätsansprüche erfüllen, wobei die im Rheinwasser enthaltenen organischen Spurenstoffe wie Arzneimittelwirkstoffe, PFAS, Industriechemikalien und viele andere Substanzen von Bedeutung sind. Da bereits heute eine Infiltration aufberei teten Sümpfungswassers erfolgt und im Monitoring Garzweiler II untersucht wird, sind die Wassergewinnungsstandorte, die im Nordraum aktuell von einem Infiltrationswasserzufluss betroffen sind, bekannt. Die Entwicklung der zukünftigen Betroffenheiten wird m it Hilfe des Reviermodells abgeschätzt. Daraus ergibt sich zum Beginn der Seefüllung Garzweiler ab 2036 mit dem dann einsetzen den Bedarf zur Rheinwasserinfiltration – bis 2035 reichen die Wassermengen aus der nachlaufenden Sümpfung zur Stützung aus – ein rheinwassergeprägter Infiltrationswassereinfluss an den in Tabelle 2 genannten Wassergewinnungsstandorten: Tabelle 2: Infiltrationswasserbeeinflusste Gewinnungsstandorte im Nordraum bei Rheinwasserinfiltration. Wassergewinnungsanlage Wasserversorgungsunternehmen Uevekoven Kreiswasserwerk Heinsberg GmbH Beeck Kreiswasserwerk Heinsberg GmbH Fuchskuhle NEW NiederrheinWasser GmbH Reststrauch NEW NiederrheinWasser GmbH Wiedbusch NEW NiederrheinWasser GmbH Hoppbruch NEW NiederrheinWasser GmbH Gatzweiler NEW NiederrheinWasser GmbH Rheindahlen NEW NiederrheinWasser GmbH Wickrath Kreiswerke Grevenbroich GmbH Allerheiligen/Norf/Rosellen Kreiswerke Grevenbroich GmbH Mühlenbusch Kreiswerke Grevenbroich GmbH An zwei weiteren Standorten der Kreiswerke Grevenbroich (Butzheim und Büttgen/Driesch) ist von geringen Infiltrationswassereinflüssen auszugehen, deren Höhe derzeit im Rahmen des Monitoring Garzweiler II ermittelt und anschließend bewertet wird. Hinzu kommen mehrere Lebensmittelbetriebe wie Getränkehersteller oder Gemüsewaschanlagen und Bäder, die von einem anteiligen Zustrom infiltrierten Rheinwassers betroffen sein werden. Seite 4 Erftverband 08.02.2024 Unser Zeichen: cre_2024_02_08_1 Aktenzeichen : G1 070 -S70 -84 Verschwenken von Einzugsgebieten: Der nach Bergbauende erfolgende Grundwasserwiederanstieg wird durch die Seefüllung u nd die Infiltrationsmaßnahmen beschleunigt, wozu die Rheinwasserzufuhr maßgeblich beiträgt. Der Anstieg der Grundwasserstände geht insbesondere in Tagebaunähe mit einer Änderung der Grundwasser - strömungsrichtungen einher, die wiederum ein Verschwenken der Einzugsgebiete der Brunnen der Wassergewinnungsanlagen mit sich bringen können. Gebiete, die auf diese Weise neuer Bestandteil eines Einzugsgebietes werden, sind zu schützen und hinsichtlich eventueller stofflicher Vorbelastungen zu monitoren. Dies wird in laufenden Schutzzonenverfahren behördlicherseits bereits umgesetzt. Da die Ausmaße des Verschwenkens und die damit möglicherweise verbundenen Änderungen der Grundwasserqualität von der Tiefe der Tagebaue, der Lage der Gewinnungsanlagen, der stofflichen B elastung des Grundwassers im jeweiligen Zustromgebiet sowie dem geologischen Aufbau abhängig und damit sehr individuell ausgeprägt sind, werden diese nicht wasserwerksspezifisch aufgelistet, sondern in den zugehörigen Wasserrechtsverfahren betrachtet. In d iesem Zusammenhang können sich – teilweise bereits heute – erhöhte Aufbereitungserfordernisse ergeben, ohne dass hiermit die Aufgabe oder Verlagerung von Gewinnungsstandorten verbunden oder absehbar ist. Nicht-Bergbaubedingte Einflussfaktoren auf die Sich erung der Wasserversorgung: Grundwasserqualität: Im Nordraum besteht eine nahezu flächenhafte Belastung des oberflächennahen Grundwassers mit erhöhten Nitratkonzentrationen, die ganz überwiegend auf landwirtschaftlich bedingte Stoffeinträge zurückzuführen sind. Auf lokaler Ebene sind darüber hinaus erhöhte Konzentrationen an Wirkstoffen und / oder Abbauprodukten (Metaboliten) von Pflanzenschutzmitteln zu berücksichtigen. Auch Abstromfahnen von leichtflüchtigen halogenierten Kohlenwasserstoffen (LHKW, z. B. Tetrachlorethen) sowie perfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS, z. B. Perfluoroktansäure = PFOA) treten auf und sind bei der Planung zu berücksichtigen. Die Konzentrationen aller genannten Stoffe sind aufgrund der langen Verweilzeiten und langsamen Regenera tion der Grundwasservorkommen weitgehend stabil und bekannt, schränken aber die Auswahl geeigneter Gewinnungsstandorte räumlich ein. Wassermengen bzw. -dargebotsbetrachtung vor dem Hintergrund des Klimawandels: Im Rahmen des DVGW -Zukunftsprogramms Wasser und als Bestandteil der Helmholtz-Klimainitiative wurde durch das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) eine Klimafolgenstudie durchgeführt, welche die Auswirkungen der zukünftigen klimatischen Entwicklung in Deutschland bis zum Jahr 2100 auf die Wasserverfügbarkeit beleuchtet. Für Deutschland zeigt sich als Ergebnis der Studie, dass die Jahresniederschläge mit steigenden Temperaturen im Median über alle Simulationen hinweg leicht zunehmen. Es zeigt sich auch, dass die durch höhere Temperaturen ebenfalls steigende Verdunstung das zu erwartende Niederschlagsplus nicht aufzehrt. In der Bilanz bleibt demnach Wasser übrig. In den meisten Regionen Deutschlands sind deshalb stabile Verhältnisse b zw. ein leichter Anstieg bei der Grundwasserneubildung zu erwarten. Seite 5 Erftverband 08.02.2024 Unser Zeichen: cre_2024_02_08_1 Aktenzeichen : G1 070 -S70 -84 Die im Auftrag des LANUV NRW vom Forschungszentrum Jülich, IBG, durchgeführten Projektionen der Grundwasserneubildung unter dem Einfluss des Klimawandels in NRW kommen ebenfalls zu dem Er gebnis, das in NRW auch zukünftig eine langjährige mittlere Grundwasserneubildung erwartet werden kann, die sich nicht grundlegend vom aktuellen Niveau unterscheidet. Die in den letzten Jahren beobachteten Phasen unterdurchschnittlicher Grundwasserneubildu ng sind auch in den Projektionen zu erkennen. Auf der Grundlage einer Untersuchung der Internationalen Kommission für die Hydrologie des Rheingebietes zu den Auswirkungen des Klimawandels auf den Abfluss des Rheins wurde festgestellt, dass auch die klimawa ndelbedingten Auswirkungen auf die Abflussmenge des Rheins begrenzt sind und die Rheinwassermenge aus heutiger Sicht zur Umsetzung des Entnahmekonzeptes ausreicht. Bei Ansatz verschiedener Klimaszenarien ergaben sich Abweichungen in der Größenordnung von 10 % gegenüber der 100a-Dauerlinie, d. h. dass die Füllzeit bei einer prognostizierten Dauer von 40 Jahren für den Tagebausee Hambach um maximal vier Jahre abweichen könnte. Bevölkerungs- und Bedarfsentwicklung: Aufgrund einer seit Jahren stabilen Bevölker ungszahl im Rheinischen Revier, der Prognose einer langfristig ebenfalls weitgehend gleichbleibenden Einwohnerentwicklung und einem stabilen spezifischen Bedarf, d. h. gleichbleibenden einwohnerspezifischen Verbrauchsmengen, ist langfristig auch ein weitgehend gleichbleibender Bedarf der Trinkwassermenge zu erwarten. Maßnahmen zur langfristigen Sicherung der Wasserversorgung: Langfristig betrachtet ist von einem weitgehend gleichbleibenden Trinkwasserbedarf auszugehen, dem ein stabiles Wasserdargebot aus Grundwasserneub ildung und der Abflussmenge des Rheins gegenübersteht. Hinsichtlich der Wassermenge bestehen daher sehr gute Voraussetzungen, um das bergbaubedingte Wassermengendefizit innerhalb dieses Jahrhunderts zu kompensieren und die Wasserversorgung sicherzustellen. Bezüglich der Wasserqualität sind revierweit bis zu fünf Wassergewinnungs - standorte von einem Abstrom sulfathaltigen Grundwassers betroffen, der ab 2035 zu einer Aufgabe der Gewinnungsstandorte führen kann. Da eine Aufbereitung der sulfathaltigen Wässer m it einem sehr hohen technischen und finanziellen Aufwand verbunden ist, steht hier die Erschließung bzw. Sicherung von Ersatzstandorten im Vordergrund. Auf der Erft -Scholle wird das Wasserwerk Dirmerzheim die Wasserversorgung dauerhaft sichern. Der Standor t wird nicht durch den Zustrom sulfathaltigen Kippengrundwassers beeinflusst und weist ein hohes Dargebot auf und kann folglich die erforderlichen Mengen bereitstellen, so dass mit dem potenziellen Wegfall der Wasserwerke (Paffendorf incl. Glesch, Sindorf, Türnich) auf der Erft -Scholle eine schrittweise Verlagerung der Wassergewinnung in südliche Richtung nach Dirmerzheim erfolgen wird. Das Einzugsgebiet ist entsprechend von Gefährdungen freizuhalten. Auf der Rur -Scholle wird derzeit ein neuer Standort projektiert, um die bergbaubedingt fehlenden Mengen für das Wasserwerk Aldenhoven bereitzustellen, wenn die aktuellen Ersatzbrunnen bei Bourheim von einem Sulfatzustrom betroffen werden. Um den langfristigen Wegfal l des Wasserwerks Fürth zu kompensieren, bestehen verschiedene Ansätze, wie: Seite 6 Erftverband 08.02.2024 Unser Zeichen: cre_2024_02_08_1 Aktenzeichen : G1 070 -S70 -84 • die Erschließung neuer Wasserwerksstandorte . Fest geplant ist der Standort Kückhoven als Ersatz für das im Tagebauvorfeld Garzweiler II gelegene Wasserwerk Holzweiler. Weitere Optionen sind ergänzende Standorte westlich des Tagebaus Garzweiler II, bei Kapellen / Langwaden und / oder im Gebiet Korschenbroicher Feld • Wiederaufnahme der Förderung an ehemaligen Gewinnungsstandorten (z. B. WW Chorbusch) • die Ausschöpfung bestehender Wasserrechte an Standorten, die heute eine geringere Förderung aufweisen (z. B. WW Hoppbruch, WW Lodshof / Waldhütte) • die Fremdversorgung mit Wasser aus dem Raum der LINEG bei Moers (Wasserverbund Niederrhein GmbH) Jede der genannten Maßnahmen ist geeignet, zusätzliche Wassermengen in der notwendigen Qualität für die öffentliche Trinkwasserversorgung bereitzustellen, teilweise begleitet durch weitere Maßnahmen wie die Erhöhung von Infiltrationsmengen. Es sind auch mehrere Lösungen in Kombination denkbar. Angesichts des langen zeitlichen Vorlaufs und der Vielzahl an wasserwirtschaftlichen Optionen ist die Versorgungssicherheit grundsätzlich gewährleistet. Dies gilt auch für die Sicherung der Wasserversorgung der in der Anfrage angesprochenen Stadt Grevenbroich. Allerdings sind die Planungen noch nicht abgeschlossen. Im Nordraum ist die langfristige Sicherung der Wasserversorgung darüber hinaus in hohem Maß von den Infiltrationsmaßnahmen abhängig, ohne die das Dargebot der Gewinnungsanlagen aufgrund der bergbaubedingten Grundwasserabsenkungen nicht ausreichen würde. Das Infiltrationswasser wird mit Beginn der Seefüllung überwiegend aus Wasser der nachlaufe nden Sümpfung und anteilig aus Rheinwasser bestehen. Mit dem Grundwasserwiederanstieg geht der Infiltrationsbedarf dann ebenso zurück wie die Wassermenge aus der nachlaufenden Sümpfung, während der Rheinwasserbedarf für Infiltrationszwecke über mehrere Jah rzehnte annähernd konstant bleibt. Dadurch steigt der Rheinwasseranteil an den Infiltrations- und Einleitmengen an. Wesentlich hierbei ist die gute Qualität des Wassers aus der nachlaufenden Sümpfung, das eine geringe Mineralisation zeigt und frei von son stigen anthropogenen Einflüssen ist. Aus Qualitätsgründen ist dieses Wasser daher ausschließlich für Ökowasserzwecke, d. h. Infiltrations - oder Direkteinleitungs - maßnahmen zu verwenden. Die Qualitätsansprüche an das Rheinwasser sind bei dessen Verwendung fü r Ökowasserzwecke nur durch eine Aufbereitung zur Entfernung der organischen Spurenstoffe wie Arzneimittelwirkstoffe, PFAS, Industriechemikalien und vielen andere Subtanzen erreichbar. Das Ziel muss aus Sicht des Erftverband es darin bestehen, ein spurensto fffreies Wasser zu infiltrieren bzw. in die oberirdischen Fließgewässer einzuleiten , das hinsichtlich der organischen Inhaltsstoffe den Vorgaben der Trinkwasserverordnung entspricht. Neben dem allgemeinen Schutz der Ressource Grundwasser begründet sich diese Forderung u. a. auch darin, dass • ständig neue Substanzen mit teilweise hoher Toxizität detektiert werden (Beispiel PFAS), • die Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen organischen Inhaltsstoffen oftmals unklar sind und • für die Einzugsgebiete der Trinkwasserbrunnen ein verstärkter Vorsorgegedanke unter Berücksichtigung eines Multibarrierenprinzips gilt. Aus den genannten Gründen sieht die Trinkwasserverordnung keine end -of-pipe- Lösung vor, d. h. eine Aufbereitung , die als letzte Option erst im Wa sserwerk stattfindet. Eine zentrale Aufbereitung ist darüber hinaus aus technischer als auch Seite 7 Erftverband 08.02.2024 Unser Zeichen: cre_2024_02_08_1 Aktenzeichen : G1 070 -S70 -84 aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoller und könnte in den Ökowasserwerken Jüchen und Wanlo nach einer entsprechenden baulichen Ergänzung erfolgen. Für alle Maßnahmen gilt, dass neben der Sicherung der Wasserversorgung auch ein eventueller Mehrbedarf berücksichtigt wird, der im Rahmen des Strukturwandels entstehen könnte. Die beschriebenen Maßnahmen werden in großräumigen und langfristigen Wasserversorgungskonzepten be schrieben, die unter Federführung bzw. Beteiligung des Erftverband es derzeit erarbeitet (Nordraum bzw. Venloer Scholle - Tagebau Garzweiler und Rur -Scholle – Tagebau Inden) bzw. aktualisiert werden ( Erft-Scholle – Tagebau Hambach ). Insbesondere über das Monitoring Garzweiler erfolgt eine enge Abstimmung mit den beteiligten Behörden und Wasserversorgungsunternehmen. Die Kernaussage der großräumigen und langfristigen Wasserversorgungskonzepte besteht darin, dass sich die Region ohne Ausnahme dauerhaft selbst mit Trinkwasser versorgen kann , wobei gebietsweise noch nicht alle Planungsdetails feststehen. Wesentliche Voraussetzungen hierfür sind: • die frühzeitige Zufuhr von Rheinwasser, • die vordringliche und ausschließliche Nutzung des Wassers aus der nachlaufenden Sümpfung für Infiltrations - und Einleitmaßnahmen (Ökowasser) im Nordraum, • die Aufbereitung des für diese Ökowasserzwecke zu verwend enden Rheinwassers zur Entfernung insbesondere der organischen Spurenstoffe und • die Sicherung der Trinkwassereinzugsgebiete durch die Ausweisung von Wasserschutzzonen unter Berücksichtigung deren Verschwenkens. Mit freundlichen Grüßen Im Auftrag Dr. Nils Cremer
Beratungsverlauf (1)
Details
- Aktenzeichen
- BKA 0832
- Typ
- Sitzungsvorlage Braunkohlenausschuss
- Datum
- 15.03.2024
- Erstellt
- 16.02.2024 09:50