3241/2021
Prüfauftrag zur Benennung eins Weges in Köln-Nippes nach den Eheleuten Safarowsky
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Mitteilung BV
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle VIII/23/235/1 235/1-Go Vorlagen-Nummer 3241/2021 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Bezirksvertretung 5 (Nippes) 04.11.2021 Prüfauftrag zur Benennung eins Weges in Köln-Nippes nach den Eheleuten Safarowsky In ihrer Sitzung vom 17.06.2021 hat die Bezirksvertretung Nippes, unter der Antragsnummer AN/0772/2021 die Verwaltung gebeten, die Benennung der Verbindungsstraße zwischen der Mauen- heimer Straße und der Tauentzienstraße durch das „Nippesser Tälchen“ nach den Eheleuten Sa- farowsky zu prüfen. Die Verwaltung hat das NS Dokumentationszentrum beauftragt ein Gutachten über Rudolf Sa- farowsky (*05.10.1903 in Leipzig; +17.03.1947 in Köln) und Rosa Safarowsky geb. Reiff (*23.11.1914 in Düsseldorf; +12.03.1945 KZ Sachsenhausen) zu erstellen. Das NS Dokumentationszentrum ist zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Benennung nach Rudolf Safarowsky nicht befürwortet werden kann. Gegen die Benennung nach seiner Ehefrau Rosa Sa- farowsky bestehen keine Bedenken. Das Gutachten des NS Dokumentationszentrums wird beigefügt. Eine Ortsbegehung wurde durch die Verwaltung durchgeführt. Eine Benennung des Verbindungswe- ges zwischen der Mauenheimer Straße und der Tauentzienstraße durch das „Nippeser Tälchen“, ei- nem parkähnlichen Areal, wurde als möglich befunden. Die Adresse des KFZ-Reparaturbetriebs, wel- cher am Beginn des Weges, Mauenheimer Straße 80, ansässig ist, bleibt von der Benennung unbe- rührt und behält die Anschrift zur Mauenheimer Straße. Prüfergebnis: der Weg zwischen der Mauenheimer Straße und der Tauentzienstraße könnte als Rosa-Safarowsky-Weg benannt werden.
Benennungsplan
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Nippeser Tälchen Benennung eines Weges im Nippeser Tälchen in Köln-Nippes N Anlage
Gutachten Safarowsky anonymisiert
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/ 2 4520 31.08.2021 4520_Vfg. Safarowsky, Ru- dolf und Rosa.docx ab: 31.08.2021 1. Schreiben an: 235/1 Sehr geehrte , zu Rudolf Safarowsky liegt bereits ein Gutachten vor, das Dr. Werner Jung im Jahr 2005 ver- fasst hat. Das Gutachten kommt zu der Beurteilung, eine Straßenbenennung nach Rudolf Safarowsky (geboren am 5. Oktober 1903 in Leipzig, erschossen am 17. März 1943 in Köln) nicht zu befürworten. Safarowsky kann anhand der überlieferten Protokolle der Kölner Stadt- verordnetenversammlung eine antisemitische Äußerung in der Sitzung vom 12. Januar 1933 nachgewiesen werden, die dessen Ehrung durch eine Straßenbenennung aus Sicht des NS- Dokumentationszentrums als nicht geboten erscheinen lässt. Safarowsky hatte zu dieser Zeit als Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) das Amt eines Stadtverordneten für Wohlfahrtsangelegenheiten inne. In der Debatte über eine Straßenbenennung bezeichnete er den Kölner Bankier Kurt von Schröder als „Fi- nanzjuden“, was das vorgenannte Gutachten von 2005 eingehend problematisiert hat. Nach der gewaltsamen Auflösung der KPD im Zuge der Machtübernahme durch das NS-Re- gime engagierte sich Safarowsky im kommunistischen Widerstand, wurde im Sommer 1933 erstmalig verhaftet und wegen Vorbereitung zum Hochverrat angeklagt. Es folgte eine Zucht- hausstrafe, aus der er Anfang 1935 entlassen wurde. Kurz darauf verhaftete die Gestapo Sa- farowsky erneut, er wurde im Konzentrationslager Esterwegen inhaftiert. Nach der Entlas- sung heiratete er die geschiedene Rosa Scheer und lebte mit ihr in der Thüringer Straße in Köln-Nippes. 1939 wurde er wieder verhaftet und im September des Jahres in das Konzent- rationslager Sachsenhausen verbracht. Ende 1940 entließ man ihn aus der dortigen Haft. Anfang 1943 fahndete die Gestapo wegen des Verdachts auf Hochverrat ein weiteres Mal nach ihm, er galt als flüchtig. Bei dem Versuch seiner Festnahme wurde Rudolf Safarowsky am 17. März 1943 in der südlichen Kölner Altstadt auf offener Straße von der Gestapo er- schossen. Zu Leben und Wirken seiner Ehefrau Rosa Safarowsky geb. Reiff, geben Quellen aus dem Bundesarchiv, aus dem Landesarchiv Nordrhein-Westfalen sowie aus dem Archiv des ITS Arolsen Auskunft. Rosa Reiff wurde am 23. November 1914 in Düsseldorf geboren und be- suchte in Köln die Grund- und Mittelschule. Mitte der 1920er Jahre heiratete sie den Pa- tentingenieur Harald Scheer, in dessen Büro sie bis zur Scheidung Anfang der 1930er Jahre arbeitete. Sie trat der KPD bei und begann, sich im kommunistischen Widerstand gegen die erstarkende NSDAP zu engagieren. Hier lernte sie Rudolf Safarowsky kennen. Im Dezember 1933 wurde Rosa Scheer wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu einer fast zweijährigen Zuchthausstrafe verurteilt und verbüßte die Haft im Zuchthaus Ziegenhain. Einige Monate nach der Heirat mit Rudolf Safarowsky wurde Anfang 1937 ihr gemeinsamer Sohn geboren. In den ersten Kriegsjahren arbeitete Rosa Safarowsky bei der Firma Rheinpreußen in Köln. Im Zuge der versuchten Festnahme ihres Mannes, der vor ihren Augen erschossen wurde, - 2 - verhaftete sie die Gestapo Anfang März 1943. Sie wurde zunächst in das Konzentrationsla- ger Ravensbrück verbracht und kurze Zeit später in das KZ Sachsenhausen überführt. Dort verstarb Rosa Safarowsky am 12. März 1945, mutmaßlich bei einem Fliegerangriff. Rudolf und Rosa Safarowsky leisteten aktiven Widerstand gegen das NS-Regime, wurden für ihre politische Überzeugung verfolgt und fanden dabei den Tod. Zu ihrem Gedenken sind 2015 vor dem Haus Thüringer Straße 3 zwei Stolpersteine verlegt worden. Jenseits des zu ehrenden widerständigen Handelns muss Rudolf Safarowskys antisemiti- sche Äußerung in der Kölner Stadtverordnetenversammlung jedoch als kompromittierend ge- wertet werden. „Es handelt sich um eine eindeutige und besonders hässliche antisemitische Bezeichnung, die immer wieder der Erklärung bedürfte, falls eine Straße nach Rudolf Sa- farowsky benannt würde und diese Äußerung mit seinem Namen verbunden blieb.“ (Zitat aus dem Gutachten von Dr. Werner Jung, 2005). Gegen die Benennung einer Straße nach Rosa Safarowsky bestehen hingegen keine Be- denken. Mit freundlichen Grüßen 2. z. Vg. 1-10-01-03
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 3241/2021
- Typ
- Mitteilung BV
- Datum
- 14.10.2021
- Erstellt
- 08.09.2021 11:25