3574/2020
Anerkennung als Träger der freien Jugendhilfe gemäß § 75 SGB VIII; hier: "Kurdish-European Society e.V."
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Anlage 3 Schutzkonzept Kurdish-European Society e.V. KITA
4115 Zeichen
1
Kurdish-European Society | Heßhofstr. 4 | D-51107 Köln
Mitglied beim Zentralrat der Kurden in Deutschland e.V.
Anerkennung als Träger der freien Jugendhilfe gemäß § 75 SGB VIII
SCHUTZKONZEPT
1. Grundsätze unserer Einrichtung
Die Kurdish-European Society e.V. versteht sich als ein Träger, der sich für den Schutz
von Kindern verantwortlich fühlt. Unsere Einrichtun g soll als sicherer Ort für die Bildung
und Persönlichkeitsentwicklung der Kinder sein. Gemäß § 8a Abs.2 SGB VIII sind wir als
pädagogische Fachkräfte der Kurdish -European Society e.V. verpflichtet, den
Schutzauftrag wahrzunehmen und die Gefährdung zum Wohl des Kindes zu erkennen. Wir
sind verpflichtet die Kinder in ihren Rechten zu stärken. Wir wer den keine Formen von
Gewalt und Übergriffen an Kindern zulassen oder dulden. Dies können sein:
- Verbale Gewalt, wie z.B. ausgrenzen, herabsetzen usw.
- Körperliche Gewalt
- Machtmissbrauch
- sexuelle Gewalt
- Ausnutzung von Abhängigkeiten
Wir als Team beziehen aktiv die Stellung g egen diskriminierendes, gewalttätiges und
sexistisches Verhalten und greifen ein. Unser pädagogisches Handeln ist transparent und
fachlich:
- Jedes Kind wir d in seiner Individualität und Se lbstbestimmung wahrgenommen und
anerkannt.
- Wir vermitteln den Kindern die Werte und Kompetenzen, die wichtig für den Umgang mit
sich selbst und mit anderen sind.
- Wir unterstützen und stärken sie in ihrem Recht mitzubestimmen und mitzugestalten.
- Wir begleiten die Kinder dabei ihre Grenzen auszuprobieren und zu lernen, damit sie sich
zu selbstbewussten und starken Persönlichkeiten entwickeln.
- Wir als Team verhalten uns den Kindern gegenüber einfühlsam und achtsam.
- Unser Umgang ist respektvoll und wertschätzend.
- Wir achten auf die Gestaltung der Nähe un d Distanz, von Macht, Abhängigkeit und
Grenzen.
- Verbaler Kontakt und Körperkontakt gesch ehen respektvoll und mit Achtsamkeit
gegenüber den Grenzen der Kinder.
- Wir respektieren das Recht der Kinder die Grenzen zu zeigen und “nein” zu sagen.
- Wir sorgen dafür, dass die Kinder das Recht haben, sich zu beschweren: das führt zu
einer Reflexion unserer Arbeit und eigenem Verhalten. Die Kinder entwickeln persönliche
Kompetenzen, wie Selbstbewusstsein, Selbstwahrnehmung und Selbststeuerung.
2. Schritte des Verfahrens bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung gemäß § 8a
SGB VIII:
- Beobachtungen und Dokumentation: z.B. Aussagen des Kindes (direkt oder indirekt),
auffälliges Verhalten des Kindes, Aussagen der Eltern oder andere Auffälligkeiten und
Beobachtungen.
- Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung wahrnehmen und von anderen
Problemen unterscheiden können.
- Austausch mit Team und Leitung: 4-Augen-Prinzip.
- Hinzuziehung einer insoweit erfahrenen Fachkraft: diese Fachkraft kann sowohl von der
Seiten des Trägers als auch vom Jugendamt oder Erziehungsberatungsstelle gestellt
werden.
- Gemeinsame Gefährdungseinschätzung bzw. Risikoeinschätzung.
- Gespräch mit den Eltern und gemeinsame Vereinbarungen/Hilfeplan entwickeln.
- Überprüfung der Vereinbarungen bzw. Empfehlungen
- Fallübergabe an das Jugendamt, falls eine Kooperation nicht gelingt. Zeitgleich werden
die Eltern darüber informiert.
3. Qualifikation der Fachkräfte:
Das Thema Kinderschutz ist ein fester Bestandtei l bei der Einarbeitung aller Fachkräfte.
Durch unser Schutzkonzept k önnen wir sicherst ellen, dass sie im Alltag über
Handlungsmöglichkeiten verfügen, um den Schutz der Ihnen anvertrauten Kinder z u
gewährleisten. Um den gesetzlichen Schutzauftrag nach § 8a SGB VIII fachlich
auszuführen, stehen uns verschiedene Möglichkeiten fachlicher Qualif izierung und
Beratung zur Verfügung. Dies gesc hieht durch Angebote der Fortbildung, Fachberatung
oder Supervision sowohl für das Team als auch die einzelne Fachkraft. Die
Zusammenarbeit mit den Eltern, Jugendamt, Erziehungsberatungsstellen und
Kinderschutzbund sind für unsere Einrichtung sehr wichtig und bedeutend.
Anlage 1 Satzung Kurdish-European Society e.V.
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Satzung Kurdish-European Society e.V. $1 Name und Sitz des Vereins Der Verein führt den Namen „Kurdish-European Society e.V.“. Er hat seinen Sitz in Köln. 82 Zweck und Aufgaben Ziel und Zweck der Gesellschaft ist es, im Sinne der Völkerverständigung das Interesse für und die Kenntnis über die Kurden zu fördern, insbesondere die kurdisch-deutsch-europäischen Beziehungen auf persönlicher Ebene dahingehend zu vertiefen, dass kulturelle und gesellschaftliche Bindungen verfestigt und Integration innerhalb der kurdisch-deutsch- europäischen Diaspora sowie in die europäischen Mehrheitsgesellschaften gefördert werden. Ziel ist ferner die Beziehungen zwischen kurdischen, nationalstaatlichen und supranationalen Einrichtungen in Europa zu verbessern sowie den Dialog zwischen anderen Vereinen und Organisationen, die vergleichbare Zielsetzungen verfolgen, zu unterstützen und zu fördern. Das Hauptbetätigungsfeld der Gesellschaft liegt in Deutschland und Europa. Sie setzt sich für das Selbstbestimmungsrecht der Kurden ein, hält sich aber aus innerkurdischen politischen Diskussionen in Kurdistan heraus und ist gegenüber allen dort aktiven politischen Kräften neutral eingestellt. Bei Bedarf und mit Zustimmung lokaler Stellen hilft die Gesellschaft beim Aufbau von Verwaltungs- sowie Staatsstrukturen im Rahmen eines demokratischen und rechtsstaatlichen Kurdistans mit. Bei humanitären Krisen leistet die Gesellschaft ihren Beitrag, sammelt Spenden und unterstützt die zuständigen Stellen. Die Gesellschaft setzt sich unter Einhaltung demokratischer und rechtsstaatlicher Grundsätze für die friedliche Lösung gesellschaftlicher Probleme in Kurdistan und Europa ein. Die Gesellschaft setzt sich darüber hinaus für die Umsetzung der Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen ein (die Förderung der Entwicklungszusammenarbeit), leistet bei humanitären Krisen ihren Beitrag, sammelt Spenden und unterstützt die zuständigen Stellen bei der Bewältigung von Flüchtlingsströmen und der Betreuung von Flüchtlingen. Ein wichtiger Schwerpunkt des Vereins soll die Förderung der Integration von insbesondere Kindern und Jugendlichen durch den Breitensport sein (die Förderung des Sports und die Förderung der Kriminalprävention). Auch die Älteren sollen aktiv in die sportlichen Aktivitäten eingebunden und dadurch ihre Integration in die Gesellschaft gefördert werden (die Förderung der Jugend- und Altenhilfe). Durch die sportlichen Aktivitäten soll auch die Gesundheit von Kindern, Jugendlichen, Frauen und Männern gefördert werden (Förderung des öffentlichen Gesundheitswesens und der öffentlichen Gesundheitspflege, insbesondere die Verhütung und Bekämpfung von übertragbaren Krankheiten, auch durch Krankenhäuser im Sinne des $ 67, und von Tierseuchen).Weitere Zwecke sollen die Förderung der Gleichstellung von Mann und Frau sein, die Förderung des bürgerschaftlichen Engagements zugunsten gemeinnütziger, mildtätiger und kirchlicher Zwecke. die Förderung internationaler Gesinnung, der Toleranz auf allen Gebieten der Kultur und des Völkerverständigungsgedankens, die Förderung der Hilfe für politisch, rassisch oder religiös Verfolgte, für Flüchtlinge, Vertriebene, Aussiedler, Spätaussiedler, Kriegsopfer, Kriegshinterbliebene, Kriegsbeschädigte und Kriegsgefangene, Zivilbeschädigte und Behinderte sowie Hilfe für Opfer von Straftaten; Förderung des Andenkens an Verfolgte, Kriegs- und Katastrophenopfer; Förderung des Suchdienstes für Vermisste sowie die Förderung der Erziehung, Volks- und Berufsbildung einschließlich der Studentenhilfe Die Gesellschaft bedient sich bei der Verfolgung seiner Ziele insbesondere der folgenden Instrumente. a) Die Mitglieder erhalten Informationen und Beratung in fachlicher, rechtlicher und wirtschaftlicher Hinsicht sowie eine Aus-, Fort- und Weiterbildung im Rahmen des Satzungszwecks. Im Rahmen der steuerrechtlichen Zulässigkeit sowie der Verfügbarkeit entsprechender Mittel werden Zuschüsse vermittelt und bereitgestellt sowie zinsgünstige oder zinslose Darlehen vermittelt oder bereitgestellt. b) Es können eigene mehrsprachige Bildungsangebote zur Verfügung gestellt werden durch beispielweise die Einrichtung einer barrierefreien Website. c) Die Gesellschaft informiert Mitglieder, einschlägige Fachinstitutionen sowie die breite Öffentlichkeit durch Publikationen, die sie selbst erstellt oder erstellen lässt. d) Die Gesellschaft kann wissenschaftliche Untersuchungen durchführen, sich an ihnen beteiligen oder auch entsprechende Aufträge erteilen. e) Die Gesellschaft ist seinen Mitgliedern behilflich bei Auf- und Ausbau von Kontakten zu Behörden und Ministerien, politischen Entscheidungsträgern und Entscheidungsträgerinnen sowie Fachinstitutionen auf lokaler, regionaler, nationaler und internationaler Ebene. f) Die Gesellschaft veranstaltet Sportveranstaltungen zum Zwecke der Integration von Kindern, Jugendlichen und Älteren g) Die Gesellschaft organisiert Bildungsreisen für ihre Mitglieder h) Die Gesellschaft organisiert online Kampagnen unter anderem in den sozialen Medien zur Unterstützung von Flüchtlingen. $3 Gemeinnützigkeit l. Der Verein verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne des Abschnitts „Steuerbegünstigte Zwecke“ der Abgabenordnung. 2. Der Verein ist selbstlos tätig; er verfolgt nicht in erster Linie eigenwirtschaftliche Zwecke. Mittel des Vereins dürfen nur für die satzungsmäßigen Zwecke verwendet werden. Die Mitglieder erhalten keine Zuwendung aus Mitteln des Vereins. 3. Es darf keine Person dürch Ausgaben, die dem Zweck der Körperschaft fremd sind, oder durch unverhältnismäßig hohe Vergütung begünstigt werden. 4. Bei Auflösung des Vereins oder Wegfall steuerbegünstigter Zwecke ist das Vermögen zu steuerbegünstigten Zwecken zu verwenden. Beschlüsse über die künftige Verwendung des Vermögens dürfen erst nach Einwilligung des Finanzamtes ausgeführt werden. $4 Mitgliedschaft Mitglied können natürliche Personen werden, die den Zweck des Vereins zu unterstützen bereit sind: Die Gesellschaft hat 1. ordentliche Mitglieder 2. Ehrenmitglieder 3. fördernde Mitglieder Die Aufnahme erfolgt nach schriftlichem Antrag durch Beschluss des Vorstandes. Bei Ablehnung ist eine Bekanntgabe der Gründe nicht erforderlich. Näheres regelt die Geschäftsordnung zur Aufnahme neuer Mitglieder. 85 Ordentliche Mitgliedschaft Die ordentlichen Mitglieder haben das aktive und passive Wahlrecht und die aus der Satzung und , dem Zweck des Vereins sich ergebenden Rechte und Pflichten. 86 Ehrenmitgliedschaft Auf Vorschlag des Vorstandes oder einzelner Mitglieder können Personen, die sich um die Gesellschaft oder die von ihr verfolgten Ziele besonders verdient gemacht haben, von der Mitgliederversammlung zu Ehrenmitgliedern ernannt werden. Nach Annahme der Ernennung haben Ehrenmitglieder alle Rechte eines ordentlichen Mitgliedes. 87 Fördernde Mitgliedschaft Die Eigenschaft des fördernden Mitgliedes -wird durch Beschluss--des Vorstandes und Annahmeerklärung des fördernden Mitgliedes erworben. Fördernde Mitglieder verpflichten sich, den Verein finanziell zu unterstützen. Die Höhe des finanziellen Beitrags legt der Vorstand fest. Fördernde Mitglieder haben die gleichen Rechte und Pflichten wie ordentliche Mitglieder mit Ausnahme des aktiven und passiven Wahlrechts. Dieses Recht ist ausschließlich ordentlichen Mitgliedern vorbehalten. $8 Mitgliedschaften von Vereinen und Organisationen Vereine und sonstige mitgliedsfähige Organisationen können Mitglied werden. Zur Aufnahme eines Vereins oder einer sonstigen mitgliedsfähigen Organisation ist ein Beschluss des Vorstandes und der Mitgliederversammlung erforderlich (siehe Geschäftsordnung zur Aufnahme neuer Mitglieder). Die Höhe des Mitgliedsbeitrages wird abweichend von $ 10 der Satzung vom Vorstand festgesetzt. Im Übrigen haben sie alle Rechte und Pflichten eines ordentlichen Mitglieds. Näheres regelt die Geschäftsordnung zur Mitgliedschaft von Vereinen und Organisationen (juristische Personen). 89 Beendigung der Mitgliedschaft Die Mitgliedschaft endet 1. durch Tod 2. durch freiwilligen Austritt 3. durch Ausschluss Der Austritt erfolgt durch schriftliche Erklärung gegenüber dem Vorstand. Sie ist nur zum Schluss eines Kalenderjahres unter Einhaltung einer Kündigungsfrist von 3 Monaten zulässig. Auf Empfehlung der Schiedsstelle und Beschluss des Vorstands kann ein Mitglied ausgeschlossen werden. Ausschlussgründe sind: a) gesellschaftsschädigendes Verhalten b) Nichterfüllung der Beitragspflicht nach vorheriger schriftlicher Mahnung durch den Vorstand Vor der Beschlussfassung ist dem Mitglied unter Setzung einer angemessenen Frist Gelegenheit zu geben, sich persönlich vor dem Vorstand oder der Schiedsstelle schriftlich zu rechtfertigen. Der Beschluss über den Ausschluss ist mit Gründen zu versehen und dem Mitglied schriftlich bekannt zu machen. Näheres regelt die Geschäftsordnung für die Schiedsstelle. $& 10 Mitgliedsbeitrag Die Höhe des Mitgliedsbeitrages wird auf Vorschlag des Vorstandes von der Mitgliederversammlung festgesetzt. $ 8 der Satzung bleibt unberührt. Fördernde Mitglieder erbringen ihren Beitrag gemäß erklärter Verpflichtung. Ehrenmitglieder sind von der Beitragspflicht befreit. $ 11 Vereinsorgane Vereinsorgane sind der Vorstand, die Mitgliederversammlung, das Kuratorium sowie die Schiedsstelle. $ 12 Der Vorstand Von der Hauptversammlung werden folgende Vorstandsmitglieder auf drei Jahre gewählt: 1. der Präsident/ die Präsidentin 2. drei Vizepräsidenten /-Präsidentinnen 3. der Schatzmeister/ die Schatzmeisterin 4. der Schriftführer/ die Schriftführerin 5. Beisitzer / Beisitzerinnen, die Zahl wird auf der Hauptversammlung festgelegt. Der Präsident -und -seine--Stellvertreter bilden-den-Vorstand-im- Sinne von-$-26-BGB (Vertretungsvorstand). Jedes dieser Vorstandsmitglieder vertritt den Verein allein. Intern soll gelten, dass die Vizepräsidenten nur bei Verhinderung des Präsidenten zur Vertretung des Vereins berechtigt sind. Der Schatzmeister ist verantwortlich für den Eingang der Beiträge und die pünktliche Begleichung von Verbindlichkeiten. Ferner ist er zuständig für den Einzug von Gebühren und Umlagen für Veranstaltungen. Der Kassenprüfer, der alle 3 Jahre von der Mitgliederversammlung gewählt wird, legt dem Vorstand nach Ablauf des Geschäftsjahres (Kalenderjahres) den Kassenbericht und bei der Hauptversammlung den Entlastungsantrag für den Schatzmeister vor. Der Vorstand kann für die Verwaltungsaufgaben und laufenden Geschäfte bis zu zwei Geschäftsführer bestimmen. Die Geschäftsführer unterstehen in ihrer Verwaltungstätigkeit den Weisungen des Vorstandes. Die Geschäftsführer können auch Mitglieder des Vorstandes sein. Näheres regelt die Geschäftsordnung für die Geschäftsführung. Im laufenden Geschäftsjahr ausscheidende Vorstandsmitglieder können durch Beschluss des Vorstandes mit einfacher Mehrheit durch geeignete Vereinsmitglieder, die sich zur Übernahme eines Vorstandsmandates bereit erklärt haben, ersetzt werden und zwar für die Restlaufzeit des jeweils ausgeschiedenen Vorstandsmitglieds (Kooptierte Vorstandsmitglieder). Der Vorstand hat die laufenden Geschäfte der Gesellschaft zu besorgen und die Beschlüsse des Vorstandes und der Mitgliederversammlung durchzuführen. Der Vorstand fasst seine Beschlüsse mit einfacher Mehrheit der Anwesenden. Bei Stimmengleichheit zählt die Stimme des Präsidenten zweifach. Der Vorstand ist beschlussfähig, wenn mindestens die Hälfte der Mitglieder anwesend ist, darunter der Präsident und im Falle dessen Verhinderung einer seiner Stellvertreter. Alle Verhandlungen des Vorstandes sind vertraulich, sofern sie nicht ausdrücklich für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Die Entlastung des Vorstandes obliegt der Mitgliederversammlung. Näheres regelt die Geschäftsordnung für den Vorstand. $ 13 Mitgliederversammlung (Hauptversammlung) Die Mitgliederversammlung ist das oberste Vereinsorgan. Die ordentliche Mitgliederversammlung findet mindestens einmal jährlich statt. Zur ordentlichen Mitgliederversammlung hat der Vorstand die Mitglieder mindestens 4 Wochen vorher, unter Angabe des Datums, der Tagesordnung und des Versammlungsortes schriftlich einzuladen. Die Tagesordnung ist dabei bekannt zu geben. Eine außerordentliche Mitgliederversammlung kann der Vorstand jederzeit einberufen, und zwar innerhalb der vorgenannten Einladungsfristen. Für die Form der Einberufung außerordentlicher Mitgliederversammlungen gilt $ 13 Satz 3 entsprechend. In Eilfällen kann die Ladungsfrist auf mindestens 10 Tage verkürzt werden. Ob ein Eilfall vorliegt entscheidet der Vorstand mit einfacher Mehrheit. 1 Die Mitgliederversammlung ist grundsätzlich ohne Rücksicht auf die Zahl der Anwesenden beschlussfähig. Grundsätzlich gilt einfache Mehrheit. Für Satzungsänderungen bedarf es der Stimmen von 45 der erschienenen Mitglieder der Mitgliederversammlung. Sofern das Gesetz oder die Satzung nicht entgegenstehen, werden alle Beschlüsse mit einfacher Mehrheit der Erschienenen wirksam. Die Abstimmung kann durch Akklamation oder geheim erfolgen. Die Abstimmung hat geheim zu erfolgen, wenn mindestens 5 Mitglieder diesen Antrag stellen. Auch der Versammlungsleiter kann bestimmen, dass geheim abgestimmt wird. Über den Verlauf und die Beschlüsse ist vom Schriftführer eine Niederschrift zu fertigen, die vom Präsidenten oder alternativ von einem der Vizepräsidenten zu unterzeichnen ist. Näheres regelt die Geschäftsordnung der Mitgliederversammlung. & 14 Beschlussfassung Jedes Mitglied (auch Verein oder Organisation) hat eine Stimme. Schriftliche Stimmenübertragung eines nichtanwesenden Mitgliedes ist zulässig. Es können bis zu drei Stimmen bei einem Mitglied vereinigt werden. & 15 Kuratorium Mit Beschluss der Mitgliederversammlung kann ein Kuratorium gebildet werden. Die Mitglieder des Kuratoriums werden durch den Vorstand ernannt und abberufen. Das Kuratorium besteht aus drei Mitgliedern und berät den Vorstand. Der Vorstand beruft die Sitzung des Kuratoriums ein, wenn dies dem Vorstand wegen der Bedeutung einer zu entscheidenden Angelegenheit als sachdienlich erscheint. Die Mitglieder des Vorstandes sind von den Sitzungen des Kuratoriums zu verständigen. Sie können an den Kuratoriumssitzungen mit beratender Stimme teilnehmen. Die Sitzungen des Kuratoriums werden vom Präsidenten des Vereinsvorstandes geleitet, im Falle seiner Verhinderung von einem seiner Stellvertreter, sind auch diese verhindert, von einem Mitglied des Kuratoriums, dass die Mitglieder des Kuratoriums dazu bestimmen. Beschlusse des Kuratoriums werden mit einfacher Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen gefasst. $& 16 Schiedsstelle Mit Beschluss der Mitgliederversammlung kann die Mitgliederversammlung eine Schiedsstelle einrichten. Ziel dieser Schiedsstelle ist es insbesondere Konflikte innerhalb der Gesellschaft zu lösen und den Vorstand beim Ausschlussverfahren nach $ 9 dieser Satzung zu unterstützen. Die Mitglieder der Schiedsstelle werden von der Hauptversammlung auf drei Jahre gewählt. Näheres regelt die Geschäftsordnung für die Geschäftsstelle. & 17 Geschäftsjahr Das Geschäftsjahr beginnt mit dem Kalenderjahr am 01. Januar und endet am 31. Dezember. Das erste Geschäftsjahr beginnt mit der Eintragung im Vereinsregister. & 18 Auflösung der Gesellschaft Im Falle der Auflösung sind der Präsident und die Vizepräsidenten gemeinsam vertretungsberechtigte Liquidatoren. Bei Auflösung oder Aufhebung des Vereins oder bei Wegfall steuerbegünstigter Zwecke fällt das Vermögen an den Verein "Christlich-Ezidische Gesellschaft für. Zusammenarbeit in Forschung und Wissenschaft", die es unmittelbar und ausschließlich für gemeinnützige, mildtätige oder kirchliche Zwecke zu verwenden hat. $ 19 Sonstiges \ Sollte der Notar oder das Registergericht Änderungen des vorgelegten Satzungstextes für erforderlich halten, so werden sowohl der Präsident als auch seine Stellvertreter, jeweils alleinvertretungsberechtigt, ermächtigt, diese Änderungen zum Vereinsregister vorzunehmen und anzumelden. $ 20 Inkrafttreten Vorstehende Satzung ist nach der konstituierenden Beschlussfassung der Hauptversammlung vom 19. Oktober 2019 am Tag der Eintragung in das Vereinsregister in Kraft getreten.
Beschlussvorlage Ausschuss
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle IV/510/62 1701 Vorlagen-Nummer 3574/2020 Freigabedatum 18.12.2020 Beschlussvorlage zur Behandlung in öffentlicher Sitzung Betreff Anerkennung als Träger der freien Jugendhilfe gemäß § 75 SGB VIII; hier: "Kurdish-European Society e.V." Beschlussorgan Jugendhilfeausschuss Gremium Datum Beschluss: Der Jugendhilfeausschuss – Ausschuss für Kinder, Jugend und Familie – beschließt, den „Kurdish European Society e.V.“, vorübergehende Geschäftsanschrift: Ginsterpfad 21, 50737 Köln, begrenzt auf den Betrieb einer Kindertageseinrichtung, zunächst befristet für die Dauer von 2 Jahren als Träger der freien Jugendhilfe gemäß § 75 Abs. 1 SGB VIII anzuerkennen. Jugendhilfeausschuss 26.01.2021 2 Haushaltsmäßige Auswirkungen Nein Auswirkungen auf den Klimaschutz Nein Ja, positiv (Erläuterung siehe Begründung) Ja, negativ (Erläuterung siehe Begründung) Begründung: Der „Kurdish European Society e.V., vorübergehende Geschäftsanschrift: Ginsterpfad 21, 50737 Köln wurde am 19.08.2016 gegründet. Der Verein wurde am 05.12.2016 mit Sitz in Köln unter der VR-Nr. 19135 beim Amtsgericht Köln eingetragen. Der Verein beabsichtigt den Betrieb einer Kindertageseinrichtung in Köln und beantragt aus diesem Grund die Anerkennung als Träger der freien Jugendhilfe gemäß § 75 SGB VIII. Ziel und Zweck des Vereins ist gemäß § 2 der Satzung im Sinne der Völkerverständigung das Inte- resse für und die Kenntnis über die Kurden zu fördern, insbesondere die Kurdisch-deutsch- europäischen Beziehungen auf persönlicher Ebene dahingehend zu vertiefen, dass kulturelle und gesellschaftliche Bindungen verfestigt und Integration innerhalb der kurdisch-deutsch-europäischen Diaspora sowie in die europäischen Mehrheitsgesellschaften gefördert werden. Ein wichtiger Schwerpunkt des Vereins soll die Förderung der Integration von insbesondere Kindern und Jugendlichen durch den Breitensport sein. In dem für die Jugendhilfe relevanten Bereich nennt der Verein in seiner Satzung folgende Ziele: die Förderung des Sports und die Förderung der Kriminalprävention die Förderung der Jugend- und Altenhilfe (aktive Einbindung und Integration durch sportliche Aktivitäten von Jung und Alt) die Förderung des öffentlichen Gesundheitswesens und der öffentlichen Gesundheitspflege (durch sportliche Aktivitäten) Förderung der Erziehung Der Verein beabsichtigt im Rahmen seiner Vereinsaufgaben: - eine Integration der Kurdischen Gemeinden, - Kinder- und Jugendarbeit - Frauenförderung - Betreuung von Flüchtlingen - das Betreiben einer bilingualen bzw. mehrsprachigen Kindertagesstätte in Köln. Der Vereinsvorstand gibt an, als Trägerorganisation europaweit aktiv zu sein und sich für die Vertre- tung und Interessen der in Deutschland lebenden Kurden vorrangig einzusetzen. Der Verein hat eine umfangreiche Aktivität in der Kinder- und Jugendarbeit im Antragsverfahren for- muliert, diese aber nicht durch Sach- oder Tätigkeitsberichte bewertbar belegt. Der Verein ist jedoch im Amt für Integration und Vielfalt, Kommunales Integrationszentrum Köln durch verschiedene Aktivi- täten mit Geflüchteten bekannt. Der Fokus zum beantragten Anerkennungsverfahren liegt laut Angaben des Vereinsvorsitzenden zu- nächst auf dem Betrieb einer Kindertageseinrichtung in Köln. Der Verein hat bisher keine geeigneten Räumlichkeiten gefunden. Die Suche erfolgt laut Verein stadtweit. 3 Der „Kurdish-European Society e.V.“ ist bisher noch nicht im Elementarbereich durch den Betrieb einer Kindertagesstätte tätig. Gemäß der Rahmenbedingungen der Konzeption ist die Gruppenstruktur der Einrichtung wie folgt geplant: 20 Kinder im Alter von 2-6 Jahren 20 Kinder im Alter von 0-3 Jahren 20 Kinder von 3 Jahren und älter, so dass insgesamt ein Angebot von 60 Plätzen vorgesehen wird. Die pädagogische Konzeption sieht eine für alle Kinder offene und inklusive Angebotsstruktur vor, so dass die zukünftige Einrichtung für jedes Kind offen steht. Konzeptionell stehen folgende pädagogische Ansätze im Vordergrund: - Leitsätze der Fröbel Pädagogik, - der Montessori Pädagogik, - dem situationsorientierten Ansatz, sowie - der Kleinkindpädagogik nach Emmi Pikler. Bildung und Unterstützung von - Kommunikationsfähigkeit - Kreativität - Motorische Fähigkeiten - Musische Fähigkeiten - ersten Fremdsprachenkenntnissen Förderung der - Persönlichkeitsentwicklung - Selbstwahrnehmung - Sozialen Kompetenz Die Konzeption sieht eine regelmäßige Zusammenarbeit mit Eltern vor, die eine Beteiligung und Mit- bestimmung ermöglicht. Das Schutzkonzept gem. § 8a SGB VIII ist ebenfalls fester Bestandteil der Konzeption der zukünfti- gen Einrichtung. Das Finanzamt Köln-Altstadt hat am 07.08.2020 einen Freistellungsbescheid für 2019 zur Körper- schaftsteuer und Gewerbesteuer erteilt. Den Vereinsvorstand bilden: - Herr Kahraman Evsen - Herr Sihar Evsen - Frau Jessica Evsen - Der Verwaltung liegen keine Erkenntnisse über die handlungsbevollmächtigten Personen vor, die einer Anerkennung des Vereins als Träger der freien Jugendhilfe entgegenstehen. Nach Ansicht der Jugendverwaltung gewährleistet der Verein eine den Zielen des § 75 Abs. 1 SGB VIII zu Grunde liegende förderliche Arbeit. Er lässt erwarten, dass er aufgrund der fachlichen und personellen Voraussetzungen des vorgesehe- nen Personals im Stande ist, einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Erfüllung der Aufgaben der Ju- gendhilfe zu leisten. Die Verwaltung schlägt die Anerkennung als Träger der freien Jugendhilfe gemäß § 75 Abs. 1 SGB VIII, - zunächst befristet für 2 Jahre und - begrenzt auf den Betrieb einer Kindertageseinrichtung vor, weil es keine praxisbezogenen Erfahrungswerte mit dem Verein gibt. Die Satzung und die Konzeptionen sind als Anlagen 1-3 unter Session-Nr. 3574/2020 hinter- legt. 4
Anlage 2 KES-KITA KONZEPT KOELN
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1
MEHRSPRACHIGE KINDERTAGESSTÄTTE IN KÖLN
KONZEPTION
„DERGȖSH“
Kurdish-European Society e.V.
2
INHALTSANGABE
1. Vorwort ................................ ................................................................ ........................... 3
2. Grundlagen unserer pädagogischen Arbeit ............................................................... 5
Unsere Ziele ................................ ................................................................ ................ 5
a. Die Eingewöhnung ................................................................................................ ..... 8
b. Tagesablauf ................................ ................................................................ ................ 9
c. Die morgendliche Begrüßung ................................................................ ................... 9
d. Die Lernumgebung ................................................................................................ .. 10
e. Die Pflegesituation und das Wickeln................................................................ ...... 11
f. Die Kinderversammlung ................................................................ .......................... 13
g. Geschichten vorlesen und erzählen ................................................................ ...... 15
h. Musik und Bewegung .............................................................................................. 17
i. Sport und Bewegung ................................................................................................ 18
j. Projektarbeit ................................ ................................................................ .............. 19
k. Spielen der Kinder ................................................................................................ ... 20
3. Rahmenbedingungen................................................................................................ .. 21
Räumlichkeiten ................................ ................................................................ ......... 21
a. Alter der Kinder und Gruppen ................................................................ ................ 21
b. Ernährung ................................ ................................................................ ................. 21
c. Personal ................................ ................................................................ .................... 23
d. Zusammenarbeit im Team ................................................................ ..................... 25
6. Zusammenarbeit mit den Eltern ................................................................ ................ 27
7. Herausforderung Flüchtlingskinder ................................................................ .......... 32
a. Die Eingewöhnung individuell gestalten ............................................................... 32
b. Flüchtlingskinder sinnvoll beschäftigen ................................................................ 34
c. Den Erwerb der deutschen Sprache fördern ................................ ........................ 36
d. Traumatisierten Kindern im Rahmen des Möglichen helfen .............................. 39
e. Mit den Eltern kooperieren ................................................................ ..................... 41
8. Träger ................................ ........................................................................................... 46
3
1. Vorwort
Wir möchten eine mehrsprachige Kindertagesstätte betreiben, die offen und
inklusiv ist und vor allem ein besonderes Augenmerk auf die Kinder mit Migrations-
und Flüchtlingshintergrund legt. Zum Thema Flüchtlingskinder wird unter Punkt 7.
ausführlich Stellung genommen.
Mehrsprachigkeit ist im modernen Europa, im Zeitalter der Globalisierung und
wachsenden internationalen Zusammenarbeit unve rzichtbar. Bilinguale oder
trilinguale Kindertagesstätten fördern Mehrsprachigkeit, in dem Kinder spielerisch
und kindgerecht an eine Fremdsprache herangeführt werden. Wissenschaftliche
Studien belegen, dass das menschliche Gehirn auf Mehrsprachigkeit ausg elegt ist
(vgl. Gogolin, 2008). Der frühe Erwerb mehrerer Sprachen gehört zum biologisch
verankerten Verhaltensrepertoir jedes Menschen. Weder ist die Zahl der Sprachen,
die jemand zu lernen vermag, biologisch festgelegt, noch gibt es einen Zeitpunkt,
zu dem keine weitere Sprache mehr gelernt werden kann.
Es hat sich gezeigt, dass die Altersspanne bis zum 6. Lebensjahr zu dem Zeitraum
gehört, in dem längerfristig das Erlernen weiterer Sprachen in der Regel besonders
gut gelingt. Mehrsprachige Kindertagesst ätten sind daher dann besonders
erfolgreich, wenn sie diese frühen Jahre nutzen und den Kindern die Möglichkeit
geben, ihre biologisch gegebenen Sprachlernfähigkeiten in der ihnen eigenen, d.h.
kindgemäßen Weise zu entfalten.
In einer mehrsprachigen Umgebung erlernen Kinder die zweite und dritte Sprache
genauso mühelos und selbstverständlich wie die erste. Für sie ist es völlig normal
und natürlich, mehrere Sprachen zu lernen. Sie bringen alle biologischen und
kognitiven Voraussetzungen selbst mit. Sie müssen einfach nur die Gelegenheit für
sprachlichen Input bekommen. Sprechen lernen ist DER Lernprozess im
Vorschulalter. Gerade kleinen Kindern gelingt das Erlernen mehrerer Sprachen
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besonders gut. Sie brauchen dafür keinen speziellen Sprachunterricht, da sie
intuitiv und spielerisch lernen.
Moderne Forschungsergebnisse belegen, dass Kinder die mit mehreren Sprachen
aufwachsen,
auch bessere allgemein kognitive Fähigkeiten haben
über größere mentale Flexibilität verfügen
in der Regel abstrakter denken können
oft eine höhere soziale Sensibilität aufweisen
Für mehrsprachige Kinder eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten auf ihrem
zukünftigen Weg. Bilinguale/Triliguale Kindertagesstätten entsprechen den Zeichen
der Zeit und reagieren auf bildungspolitische Zielsetzungen.
Eine weitere Anforderung, insbesondere im Rahmen einer zukunftsorientierten
Familienpolitik, ist es, genau die Rahmenbedingungen zu schaffen, die Menschen
brauchen, wenn sie sich für Kinder und für Familie entscheiden wollen. Dabei muss
sich Familien politik an Lebensrealitäten, an Lebensentwürfen von Männern und
Frauen und an den Bedürfnissen von Kindern orientieren. Die große Mehrheit der
Menschen wünscht sich heute nämlich Familie und beruflichen Erfolg
gleichermaßen. Einen Spezialfall bilden Flüchtlinge und Neuzugewanderte, auf die
noch im Einzelnen eingegangen wird.
5
2. Grundlagen unserer pädagogischen Arbeit
Unsere Ziele
Unterstützung bei der Bildung von:
• Kommunikationsfähigkeit
• Kritikfähigkeit
• Kreativität
• Motorischen Fähigkeiten
• Musischen Fertigkeiten
• Wissen
• Ersten Fremdsprachenkenntnissen
Förderung der:
• Individuellen Persönlichkeitsentwicklung
• Selbstständigkeit
• Selbstwahrnehmung
• Sozialen Kompetenz
Vermittlung von Normen und Werten wie:
• Verantwortungsbewusstsein
• Offenheit
• Hilfsbereitschaft
• Zuverlässigkeit
• Respekt gegenüber allen Lebensformen
Aufgrund der Überzeugung, dass kindliche Entwicklung ein sehr komplexer,
ganzheitlicher und individueller Vorgang ist, ziehen wir für unsere pädagogische
6
Arbeit verschiedene pädagogis che Ansätze heran. So finden sich in unserem
Konzept u.a. Elemente aus der Fröbel Pädagogik, der Montessori Pädagogik, dem
Situationsorientierten Ansatz sowie der Kleinkindpädagogik Emmi Piklers.
In Anlehnung an Friedrich Fröbel, den Erfinder des Kindergar tens und Begründer
der Spielpädagogik, sehen wir das freie, selbsttätige Spiel als wirksamste
Selbstbildungsmethode kleiner Kinder. Dementsprechend groß ist die Bedeutung,
die wir der Pflege des freien Spiels als Bildungs- und Erziehungsmethode
beimessen.
Wie Maria Montessori glauben wir an die verborgenen schöpferischen Kräfte im
Menschen und legen großen Wert auf die Beobachtung und die Signale der Kinder,
um deren Eigenkräfte zu wecken und ihren Entwicklungsprozess optimal zu
fördern. Wir geben den Kindern Raum und Zeit, um ihre Umwelt sinnlich begreifen
und erfahren zu können. "Hilf mir, es selbst zu tun!" steht bei uns, wie in der
Montessori Pädagogik, für unseren Erziehungsgrundsatz dem Kind zu helfen,
selbständig zu werden.
Entsprechend dem Situationsorientierten Ansatz, der davon ausgeht, dass Kinder
emotional soziale Kompetenzen und andere personale Kompetenzen über soziale
Beziehungen aufbauen, sehen wir uns vor allem als Vorbild und Bindungspartner
und nicht als Lehrer. Da nachhaltige Bildung immer nur durch Selbstbildung
geschieht, sehen wir unsere Aufgabe hauptsächlich darin, den Kindern
Lebensfreude zu vermitteln. Nur durch Lebensfreude setzt sich ein Kind gerne mit
seinen Eindrücken, Erlebnissen und Erfahrungen auseinander und hat die
Möglichkeit diese konstruktiv zu verarbeiten.
Aufgrund der praktischen und wissenschaftlichen Arbeit Emmi Piklers vertreten wir
die Ansicht, dass sich die Persönlichkeit des Kindes dann am besten entfalten kann,
wenn es sich möglichst selbstständig entwickeln darf. Unsere Aufgabe sehen wir
darin, dem Kind Geborgenheit in sicheren, stabilen Beziehungen zu vermitteln und
seine Umgebung so zu gestalten, dass es seinem individuellen Entwicklungsstand
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entsprechend selbstständig aktiv werden kann. I n der Arbeit – vor allem mit unter
Dreijährigen – sind uns daher drei Aspekte besonders wichtig:
Die achtsame Pflege, die in Kommunikation mit dem Kind geschieht, dessen
Initiative einbindet und als Chance für den Aufbau einer emotionalen Bindung
genutzt wird,
Die selbständige Bewegungsentwicklung, die das Kind aus eigenem Antrieb und
im eigenen Tempo, ohne die lenkenden und beschleunigenden Eingriffe des
Erwachsenen vollzieht,
Das freie Spiel, in dem das Kind in einer geschützten, altersgemäß
ausgestatteten Umgebung ungestört se inen Interessen folgen und se ine
Fähigkeiten entfalten kann.
Wir arbeiten nach der Immersio nsmethode, d.h. die Kinder leben den
Kindergartenalltag in mehreren Sprachen und erwerben eine und mehrere Sprachen
im täglichen Umgang mit den mehrsprachigen Erzieherinnen. Es werden keine
Sprachkurse abgehalten, in denen Sprachen explizit unterrichtet werden .
Stattdessen findet der Tagesablauf ganz natürlich in mehreren Sprachen statt, indem
jede Erzieherin ihre jeweiligen Aktivitäten in ihrer Muttersprache durchführt.
Dabei folgen wir dem sogenannten "eine Person – eine Sprache“ (one person – one
language) Prinzip. Das bedeutet, eine Person spricht je eine Sprache und dies
möglichst konsequent und durchgängig. Zu und vor den Kindern spricht jede
Erzieherin in ihrer Muttersprache, d.h. auch unter den Erwachsenen. Ist letzteres
nicht immer möglich, zeigt sich, dass die Kinder keinerlei Probleme damit haben zu
akzeptieren, dass mit ihnen eine andere Sprache gesprochen wird als mit den
Erwachsenen. Ausschlaggebend für di ese Akzeptanz scheint vor allem eine
eindeutige Sprachverteilung zu sein, auf die sich die Kinder "verlassen" können.
Die Aneignung der Sprache (n) erfolgt intuitiv, unbewusst und ungesteuert.
Entscheidend hierfür sind die sozialen Kontexte, in denen die Sp rache gesprochen
wird. Die Kinder tauchen in die sprachliche Umgebung ein, wobei eine gezielte
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Steuerung nicht notwendig ist, den Prozess aber unterstützen kann. Wir bieten
Kindern eine soziale Umgebung, in der sie Sprachenkenntnisse erwerben können.
a. Die Eingewöhnung
Der Aufenthalt in der Kita beginnt mit der Eingewöhnung des Kindes nach dem
Berliner Eingewöhnungsmodell.
Im Idealfall spricht die pädagogische Fachkraft die Familiensprache des Kindes, so
dass die ersten Kontakte zum Kind in der fremden Kita – Umgebung in seiner
vertrauten Sprache erfolgen können und damit von Anfang an eine positive
Kommunikation zwischen der pädagogischen Fachkraft und dem Kind möglich ist
Ist das nicht der Fall, erfragt die pädagogische Fachkraft wichtige Wörter bei d en
Eltern
Die pädagogische Fachkraft schenkt dem Kind ihre volle Aufmerksamkeit und
begleitet es durch den Tag und die Räume
Sie übernimmt zunächst im Beisein der Mutter oder des Vaters, die Pflege des
Kindes
Sie begleitet ihr Handeln während der gesamt en Zeit durch Mimik, Gestik und
Sprache
Sie beginnt während der Eingewöhnungszeit mit dem Führen des
Sprachlerntagebuches. Sie kommt so mit der Bezugsperson des Kindes über alles
Wissenswerte über das Kind, wie Vorlieben und Ängste, Ess - und
Schlafgewohnheiten ins Gespräch.
Auch die anderen Fachkräfte wenden sich während der Eingewöhnung vorsichtig
dem neuen Kind zu und geben ihm so die Möglichkeit, sich mit ihnen und der
eventuell neuen Sprache Deutsch anzufreunden
Sie ermuntert die Bezugspersonen des Kindes mit ihm weiterhin in der Sprache zu
kommunizieren, in der sie sich wohlfühlen
9
So stellt sie eine vertrauensvolle Beziehung zum Kind und zur Bezugsperson des
Kindes her. Durch die Wertschätzung ihrer Familiensprache/n und Familienkultur/en
erleben di e Familien, dass sie „richtig“ sind, so wie sie sind. Für die erfolgreiche
Erziehungspartnerschaft mit Eltern ist das eine grundlegende Voraussetzung.
Die Eingewöhnung ist beendet, wenn sich das Kind beim Abschied von seiner
vertrauten Bezugsperson, von se iner neuen Bezugsperson, der pädagogischen
Fachkraft, trösten lässt.
In der Regel sollte das nach zwei Wochen der Fall sein.
b. Tagesablauf
Kinder, insbesondere Kleinkinder, brauchen einen rhythmischen Tagesablauf, in
dem sich Phasen der Aktivität mit P hasen der Ruhe abwechseln. Eine gewisse
gleichbleibende Struktur des Tages gibt den Kindern Sicherheit. Der Tag ist
gegliedert in Zeiten, in denen die Kinder sich frei beschäftigen und Zeiten, in denen
sie durch die Erzieherin konkret angeregt werden, wie z.B. im Erzählkreis, im
Singkreis, bei den handwerklichen Aktivitäten und bei der Sprachbildung.
Auch der Wochenablauf wird durch bestimmte Höhepunkte an den einzelnen
Wochentagen strukturiert, wie z. B. verschiedene angeleitete Aktivitäten: Basteln,
Malen, Holzarbeiten Bewegungsspiele, Singkreis usw. und einmal in der Woche ein
Ausflug, bei schönem Wetter eventuell auch öfter.
c. Die morgendliche Begrüßung
Alle Mitarbeiter*innen begrüßen alle Kinder und Eltern jederzeit freundlich
Die pädagogische Fach kraft bemüht sich darum, die Begrüßungsworte in den
Erstsprachen der Kinder zu lernen und verwendet diese ab und zu (Günaydin, Roj
Bash, Hola, Sabah el-Chair)
10
Die pädagogische Fachkraft führt freundliche kurze Tür- und Angelgespräche mit den
Eltern. Sprechen Fachkraft und Eltern unterschiedliche Sprachen beziehen wir andere
Eltern oder Kolleg*innen mit ein.
Der Beginn des Kita – Alltages ist für das Kind hörbar in Kommunikation eingebettet
und dem Bemühen einander zu verstehen.
Jedes Kind hat in der Garde robe einen mit seinem Namen und seinem Foto
gekennzeichneten Platz
Im Eingangsbereich befinden sich Begrüßungen in verschiedenen Sprachen
d. Die Lernumgebung
Wir legen großen Wert auf eine sprachanregende Lernumgebung. Dies spiegelt sich
in unserer
Einrichtung im Material und der Raumgestaltung, angeregt
durch die Kriterien der Vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung, im
ganzen Haus wider.
Dabei behalten die pädagogischen Fachkräfte die Interessen und Vorlieben der
Kinder im Blick. Sie tauschen Material und Spielzeug regelmäßig aus oder erneuern
es, um wieder neue Sprachanlässe zu schaffen. Auch achten sie darauf, dass
unterschiedliches Material in ausreichenden Mengen vorhanden ist und
präsentieren es ansprechend.
In den unterschiedlichen Spielecken f inden die Kinder vielfältige Kostüme zum
Verkleiden und anderes Material wie Koffer, Taschen, Brillen, Kopfbedeckungen,
Telefone, Fotoapparate, Puppen, Küchenutensilien, Arztkoffer, Fahrzeuge, Tiere,
Bausteine
Um im Alltag Sprachanlässe zu schaffen, befinden sich in den Räumen und an den
Wänden u.a. auch Fotos der Kinder mit der jeweiligen Sprache des Kindes und welche
Sprache es noch lernt
Fotodokumentationen von Ausflügen, dem Besuch der Musikschule, Festen, u.a.
11
Projekt- und Themenordner, die für Kinder und Eltern zugänglich sind
Das „Kind der Woche“
Sprachlerntagebücher
Familienwände und der Satz „Meine Familie und Ich“ in den Sprachen der Kinder
Die Bedeutung der Namen der Kinder
Die Sprachen der Kinder werden im Raum sichtbar
Bilder von Bauwerken, Mens chen mit verschiedenen Berufen, Tieren,
Naturereignissen
Geburtstagskalender, Wochenpläne, Tischdienstlisten
Tischsprüche in verschiedenen Sprachen
Kalender, Globen
Außerdem gibt es in den Gruppen
Tischspiele mit Bildern zum Benennen
Bücher in denen sich die Kinder und ihre Familien wiederfinden können
Sachbücher zu verschiedenen Themen
Materialien zum Sortieren, Vergleichen und Zählen
Musikinstrumente
U.a.
e. Die Pflegesituation und das Wickeln
Die pädagogische Fachkraft kündigt dem Kind, das gewickelt w erden soll, ihre
Absicht vorher an
Beim Wickeln wendet sich die pädagogische Fachkraft dem Kind zu, sie schenkt ihm
ihre volle Aufmerksamkeit, in diesem Moment des Wickelns signalisiert sie dem
Kind: „Du bist wichtig, ich bin jetzt nur für dich da.“
Beim Wickeln und Pflegen spricht die pädagogische Fachkraft, wenn möglich, die
Muttersprache des Kindes
Die pädagogische Fachkraft verbalisiert ihr Tun, alle Handlungen wie Windeln
wechseln, Eincremen, Anziehen begleitet sie sprachlich
12
Auf Äußerungen des Kindes geht sie ein, sie vervollständigt einzeln gesprochene
Wörter zu Sätzen. Durch positives Feedback korrigiert sie falsch ausgesprochene
Wörter des Kindes
Mobile über dem Wickeltisch laden zu Gesprächen ein
Durch Sing- und Fingerspiele in verschiedenen Sprach en als Ritual beim Wickeln,
erhöht sie die Aufmerksamkeit des Kindes
13
f. Die Kinderversammlung
Mehrmals in der Woche gibt es in den Gruppen Kinderversammlungen, um den
Tag gemeinsam zu beginnen, zu sehen wer alles da ist und wer fehlt und um Dinge
zu besprechen, die alle Kinder betreffen
Manchmal werden die Morgenversammlungen mit nur wenigen Kindern gemacht,
damit sich auch zurückhaltende oder jüngere Kinder zu Wort kommen
Die Versammlungen finden an einem dafür vorgesehenen Ort statt. Jedes Kind hat
seinen Platz.
Die Erzieher*innen sprechen überwiegend deutsch, Kinder können jedoch in ihrer
Muttersprache sprechen, ihre Beiträge werden übersetzt.
Die pädagogischen Fachkräfte bereiten anhand von Beobachtungen oder
eigenen Überlegungen die Versammlungen vor und lassen gleichzeitig viel Raum
für die Anliegen der Kinder, z.B. Beschwerden.
Jede Gruppe macht die Morgenversammlung auf ihre eigene Art und Weise.
Im Folgenden zählen wir einige Elemente der Morgenversammlung auf:
Es gibt feste Rituale, wie das Zählen der anwesenden Kinder. Die Erzieher*innen
ermuntern die Kinder in den Sprachen zu zählen, die sie können oder kennen.
Eltern fragen wir nach den Zahlworten in ihnen geläufigen Sprachen. Diese
werden in das Gruppenrepertoire aufgenommen
Verse, Begrüß ungs- und Geburtstagslieder werden auf Deutsch und in den
Erstsprachen der Kinder und/oder der Erzieher*innen gesungen.
Es wird den Kindern Raum und Zeit zum Erzählen gegeben.
Die Gruppe bespricht die Aktivitäten des Tages, dabei werden die Kinder
miteinbezogen. Die Kinder werden ermuntert ihre Wünsche und Ideen zur Gestaltung
des Tages einzubringen, diese werden zur Diskussion gestellt und Entscheidungen
getroffen
Die pädagogischen Fachkräfte setzen unterschiedliche Abstimmungsmethoden
ein. So lernen die Kinder demokratische Beschlüsse zu fassen und zu akzeptieren.
14
Die pädagogischen Fachkräfte achten darauf, dass die Vorschläge der Minderheit
auch beachtet werden
Themen, die einzelne Kinder oder die Gruppe betreffen werden besprochen, z.B.
Hauen, verschwundenes oder kaputtes Spielzeug.
Die Morgenversammlungen bieten auch Raum für Beschwerden der Kinder.
Diesewerden angehört und Lösungen dafür diskutiert.
Damit alle Kinder in ihrem eigenen Tempo erzählen können erhalten sie einen
Erzählstab oder einen Erzählstein. Erst wenn sie fertig erzählt haben und den Stein
auf den dafür vorgesehenen Platz zurückgelegt haben, ist das nächste Kind an der
Reihe
Die jüngeren Kinder lernen im engen Kontakt zu den älteren Kindern in der
Gruppe täglich neue Wörter
15
g. Geschichten vorlesen und erzählen
Wir sind uns dessen bewusst, dass sich Bücherlesen und Geschichten erzählen unter
anderem auf die Sprachentwicklung positiv auswirkt. Deswegen widmen wir einen
festen Bestandteil des Tages dem Vorlesen und Geschichten erzählen.
Im Alltag gibt es regelmäßig Vorlesezeit
In jeder Gruppe gibt es gemütliche Leseecken mit zahlreichen Büchern für ältere
und jüngere Kinder.
Für jedes Kind gibt es Bücher in erreichbarer Höhe, die es immer nehmen kann. Die
Bücher werden gut sichtbar im Gruppenraum präsentiert
Jedes Kind findet mehrere Bücher in seiner Erstsprache im Regal. Jedes Jahr kaufen wir
Bücher in den Sprachen der neuen Kinder der Gruppe
Bilderbücher sollen in einem guten Zustand sein und werden deswegen regelmäßig
repariert.
Je nach Interesse der Kinder tauschen wir die Bücher regelmäßig aus
Die Inhalte der Bilderbücher knüpfen an dem Verständnis und den
Alltagserfahrungen der Kinder an und spiegeln die verschiedenen
Lebenssituationen von Kindern wider. Bei der Auswahl der B ücher achten wir
außerdem darauf, dass Abbildungen nicht stereotyp oder diskriminierend sind
Je nach Alter der Kinder werden Bilderbücher betrachtet oder Geschichten
vorgelesen
Das Vorlesen und Bilderbuch betrachten ist immer interaktiv und warmherzig
Das Betrachten und das Vorlesen geschieht entweder in der deutschen oder in der
gemeinsamen Muttersprache von Kind und pädagogischer Fachkraft
Spricht keine pädagogische Fachkraft in der Kita die Sprache eines Kindes, werden
Familienangehörige zum Vorlesen in die Kita eingeladen
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Beim Vorlesen kann die pädagogische Fachkraft Wörter in den Erstsprachen der
Kinder erfragen, Vergleiche anstellen und auf ähnlich klingende Wörter hinweisen
Eltern und Kinder können Bücher ausleihen, damit zu Hause vorgelesen werden
kann
Um die Kinder zum Geschichten erzählen anzuregen, wird in einigen Gruppen mit
einem Märchen - oder Geschichtenkoffer gearbeitet. Der Koffer ist mit
verschiedenen Gegenständen gefüllt (ein goldener Schlüssel, eine Krone, ein
Feuerwehrauto, ein Hammer usw .). Ein Kind darf den Koffer öffnen, sich zwei bis
drei Gegenstände herausnehmen und dazu eine Geschichte erzählen.
Für Kinder unter drei Jahre kann ein Stoffbeutel zum Geschichten erzählen anregen.
Im Beutel befinden sich die Protagonisten aus einem Bilderbuch, zum Beispiel eine
kleine Puppe, ein kleiner Hund, ein Haus. Die Gegenstände machen das Bilderbuch
im wahrsten Sinne begreifbar. Zusammen mit der pädagogischen Fachkraft holt das
Kind den Inhalt aus dem Beutel und erzählt dazu die Bilderbuchgeschichte nach
oder eine erfundene Geschichte. Dies kann auf Deutsch oder einer anderen
Sprache geschehen.
Ein besonderes Format sind die „STERNSTUNDEN“. Jedes Kind sucht sich einmal im
Jahr eine*n Erzieher*in aus und entscheidet sich für ein e Tätigkeit, die es ca. eine
Stunde lang zusammen mit ihr*ihm machen möchte. Die Aktivitäten sind sehr
vielfältig, genauso vielfältig wie die Kinder. Kuchen backen oder eine Rakete basteln,
auf den Bauernhof gehen oder Eis essen, 1000 Sandkuchen backen ode r eine
Stunde Trampolin springen. Dabei entstehen Gespräche zwischen Kind und
pädagogischer Fachkraft, die im Trubel des Alltags in dieser Intensität kaum möglich
sind. Die meisten Kinder genießen diese Zeit ungestörter Aufmerksamkeit. Mit
Fotos und Origin alaussagen der Kinder werden die Sternstunden dokumentiert.
Geheimnisse des Kindes bleiben jedoch geheim!
17
h. Musik und Bewegung
Die Kinder reagieren sehr freudig auf Musik, sie sind begeistert davon, selbst Laute
und Geräusche zu erzeugen
Musik – und Bewegungsspiele sind ein regelmäßiger Bestandteil des Kitaalltags . In
vielen Situationen des Alltags regt die pädagogische Fachkraft die Kinder zum
Singen, Tanzen und Mitklatschen an
In der Gruppe lernen die Kinder Lieder in ihren Erstsprachen und in andere n
Sprachen
Als Tradition üben wir mit den Kindern zu Festen Lieder in verschiedenen Sprachen,
Singspiele oder Theaterstücke ein und singen und führen sie den Eltern vor
Die pädagogische Fachkraft selbst begleitet ihr Handeln mit Liedern oder erzählt
singend, was die Kinder tun sollen. Zum Beispiel kann die Aufforderung zum Hände
waschen, zum Essen oder zum Aufräumen singend erfolgen. Dies kann in
verschiedenen Sprachen geschehen
Die pädagogische Fachkraft sorgt dafür, dass sich im Gruppenraum
unterschiedliche Musikinstrumente wie Rasseln, Trommeln, Klanghölzer,
Xylophone, befinden, auch mit Alltagsgegenständen können Kinder Musik erzeugen
Wir stellen mit den Kindern eigene Musikinstrumente her (Rasseln, Trommeln usw.)
Im Gruppenraum befinden sich CD – Player mit CDs verschiedener Musikrichtungen
und Sprachen. Auch an klassische Musik führen wir die Kinder heran und halten sie
an, bewusst Musik zu hören
Die Kinder werden ermuntert Musik von zuhause mitzubringen
Wir vermeiden es, die Kinder mit im Hintergrund laufendem CD – Player mit Musik
zu berieseln
Wir benutzen akustische Signale, zum Beispiel einen Gong, eine Klangschale, um
wiederkehrende Rituale einzuleiten oder auch um Aktivitäten zu stoppen
Für die älteren Kinder organisieren wir in Absprache mit den E ltern
Unterrichtsstunden an der Musikschule in Kreuzberg
18
i. Sport und Bewegung
Wir sorgen für einen bewegungsfreudigen Kita-Alltag.
Bewegung und Ruhe wechs eln sich ab, abgestimmt auf die
Bedürfnisse der Kinder
Wir gehen täglich mit den Kindern i n den Garten oder auf einen
Spielplatz
Die älteren Kinder gehen einmal in der Woche in die Turnhalle zum Sport, die
jüngeren Kinder turnen im Aktionsraum in der Kita
Abwechselnd gehen die Kinder freitags zum Schwimmen
Bewegungen und sportliche Aktivitäten werden sprachlich begleitet
Je nach Sprachstand der Kinder werden während der sportlichen Aktivitäten
bewusst Präpositionen und Adjektive benutzt (oben, unten, schnell, langsam)
j. Projektarbeit
Um den Kindern ganzheitliches Lernen zu ermöglichen ist es sinnvoll, über
einen längeren Zeitraum Projekte durchzuführen, damit die Kinder genügend
Zeit haben, um sich in ein Thema mit allen 5 Sinnen und den „100 Sprachen der
Kinder“ zu vertiefen. Das Thema des Projektes richtet sich nach den Interessen
der Ki nder, die durch Beobachtungen und Erfragungen der pädagogischen
Fachkräfte deutlich werden. Das Projekt beinhaltet Themen, die die Lebenswelt
der Kinder widerspiegeln und ihren Erfahrungshorizont erweitern
Die verschiedenen Bildungsbereiche und die vier Ziele der Vorurteilsbewussten
Bildung und Erziehung fließen in das Projektthema ein
Jede kürzere oder längere Beschäftigung einzelner, mehrerer Kinder oder der
ganzen Gruppe ist ein Projekt. Im Kita – Jahr führen wir ca. drei größere oder
kleinere solcher Projekte durch
Die Eltern können auch eigene Ideen aus ihrem Erfahrungsbereich in das Projekt
einbringen und selbst aktiv werden, auch damit sie mit ihren Kindern über das
Thema reden können
Passend zum Projektthema präsentieren wir Bücher in verschiedenen Sprachen
sichtbar im Gruppenraum
Das Projekt dokumentieren wir fortlaufend mit Bildern und Fotos. Wir beziehen
Wörter in den Familiensprachen der Kinder mit ein.
Wir singen und lernen mit den Kindern Lieder, Fingerspiele und Reime in
verschiedenen Sprachen, die inhaltlich zum Thema passen
Während der Beschäftigung mit einem Thema lernen die Kinder spezifische
Wörter, sogenannte Schlüsselwörter. Sie können für die Eltern sichtbar
dokumentiert werden.
Den Verlauf des Projektes werten wir am Ende gemeinsam mit den Kindern aus
20
k. Spielen der Kinder
Der Tagesablauf in der Kita ist durch die Mahlzeiten und den geplanten
Angeboten sehr strukturiert. Wir achten jedoch darauf, dass die Kinder
ausreichend Zeit zum selbstbestimmten Spiel haben.
Die Kinder suchen sich ihre Spielpartner und ihre Spiele selbständig aus.
Wir begleiten die Kinder manchmal bei ihren Spielen und erweitern durch
Hinweise oder durch spezifische Wörter, die das Spiel betreffen, ihren
Wortschatz
Kinder sind oft sehr versunken im Spiel mit Wasser, Sand und Farben. Es ist für
die pädagogische Fachkraft eine gute Gelegenheit durch Mitspielen den
Wortschatz der Kinder zu erweitern
Tisch – und Gesellschaftsspiele bieten eine gute Gelegenheit mit den Kindern
ins Gespräch zu kommen. Besonders aufmerksam sind die Kinder beim Spielen,
wenn das Spiel etwas mit ihnen zu tun hat. Das können Fotos vom letzten
Spaziergang oder auch Memorykarten mit Bildern der Kinder oder ihnen
vertrauten Gegenständen sein
Die vielfältigen Materialien in den zahlreichen Spielecken und die ansprechende
Raumgestaltung regen im Kitaalltag zu vielfältigen Rollenspielen an, die die
pädagogische Fachkraft mit sprachlichen und thematischen Inputs bereichern
kann.
Wir beobachten die Kinder manchmal während der Spiele, um etwas über ihre
Interessen, Lebensthemen und ihre sozialen Kompetenzen zu erfahren
Wir greifen in Spiele ein, wenn Kinder sich ausgrenzend und herabwürdigend
verhalten. Wir erklären sachlich, dass es nicht ok ist, Kinder aufgrund
unveränderlicher Merkmale auszuschließen (Du bist ein Junge, du kannst nicht
die Mutter spielen) und bieten vielfältigere Rollenmuster an (Doch, es kann auch
zwei Mütter geben).
21
Wir beobachten die Kinder beim Spielen, dokumentieren ihre Vorlieben und
Fähigkeiten, um ihnen entsprechende Angebote machen zu können
3. Rahmenbedingungen
Räumlichkeiten
Die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten orientiert sich stadtweit.
a. Alter der Kinder und Gruppen
Wir betreuen Kinder im Alter von 0 bis sechs Jahren in folgenden Gruppen:
Gruppentyp 1: 20 Kinder im Alter von 2-6 Jahren
Gruppentyp 2: 20 Kinder im Alter von 0-3 Jahren
Gruppentyp 3: 20 Kinder im Alter von drei Jahren und älter
Die Verteilung der Betreuungskräfte richtet sich nach der jeweiligen
Gruppenstärke. Generell gilt ein Betreuungsschlüssel von 3 Mitarbeiter/innen
für maximal 10 Kinder in Gruppen typ 2. Für Gruppentyp 1 sind 3 bis 4
Mitarbeiter/innen für maximal 20 Kinder vorgesehen.
b. Ernährung
Unsere allgemeinen Regeln für die Lebensmittelauswahl sind - reichlich
pflanzliche Lebensmittel
- mäßig tierische Lebensmittel
- sparsam mit fettreichen Lebensmitteln
Sämtliche Mahlzeiten werden frisch zubereitet, mit Zutaten aus kontrolliertem
Anbau. Außerdem gewährleistet die Zubereitung des Essens mit Gemüse und
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Obst der jeweiligen Saison, die wünschenswerte Qualität der zubereiteten
Produkte.
Das Süßen mit Zucker wird vermieden. Genutzt werden die natürliche Süße von
Obst und Honig. Die Ernährung im ersten Lebensjahr ist salzlos, später salzarm.
Grundsätzlich gilt, dass den Kindern das Essen Spaß machen soll. In unserer
großen Küche werden die Kinder a b 2 Jahren regelmäßig in die
Essenszubereitung einbezogen und zu Festlichkeiten wird gemeinsam
gebacken. Ein gesundes Kind darf essen, muss aber nicht. Sollte es einem Kind
trotzdem einmal nicht schmecken, wird es die Möglichkeit haben seinen Hunger
anderweitig zu stillen.
Für die Kleinsten steht selbstverständlich hochwertige Babynahrung zur
Verfügung.
Zu gegebener Zeit, in Abstimmung mit den Eltern wird für die Kleinsten das
„normale" Essen püriert oder stark zerkleinert, so dass ein Stückweiser
Übergang von Babykost zu fester Nahrung erfolgt.
Gerne verwenden wir auch die von den Eltern gewünschten und den Babys
bekannten Produkte oder geben die abgepumpte Muttermilch.
Die Kinder sind an den verschiedenen Tagen zum Tischdienst eingeteilt. Ihren
Einsatz entnehmen sie ausgehängten Plänen mit den Wochentagen und den
Fotos der Kinder. Dieser gibt Anlass für Gespräche. Um ihre Wichtigkeit
hervorzuheben, tragen die Kinder in manchen Gruppen beim Tischdienst kleine
Schürzen
Die Kinder decken den Tisch, benenn en Teller, Tassen, Gabel, Löffel, lernen
Oberbegriffe wie Besteck, Geschirr usw.
Das Essen beginnt mit Tischsprüchen und/oder mit „Guten Appetit“ in den
Sprachen der anwesenden pädagogischen Fachkräfte und/oder in den
Sprachen der Kinder der jeweiligen Gruppe
23
Die Kinder essen in kleinen Gruppen an einem Tisch zusammen mit einer
pädagogischen Fachkraft, die pädagogische Fachkraft spricht überwiegend
Deutsch, sie kann aber die Sprache der Kinder sprechen, wenn sie diese
beherrscht
Die Kinder sprechen untereinander die Sprache, die sie sprechen möchten
Die pädagogische Fachkraft wendet sich während der gesamten Essensituation
den Kindern am Tisch zu, sie stellt offene Fragen und animiert die Kinder zum
Erzählen Auch durch interessante Tischdekorationen le nkt sie die
Aufmerksamkeit der Kinder auf ein Gespräch
c. Personal
In unserer Kindertageseinrichtung arbeitet engagiertes, gut ausgebildetes und
kompetentes Personal, das sich regelmäßig durch Fortbildung
weiterqualifiziert.
Wir arbeiten vertrauensvoll und partnerschaftlich zum Wohl der Kinde r und
ihrer Familien zusammen. Unser Verhältnis zueinander ist geprägt von
Gleichwertigkeit und gegenseitigem Vertrauen. Wir nutz en Konflikte und Kritik
als Chance, unsere Arbeit zu verbessern.
Im Einzelnen besteht unser Team aus:
Leiter/in
Staatlich anerkannte Erzieher/in
Staatlich anerkannter Heilpädagoge/in
Staatlich anerkannte Heilerziehungspfleger/in
Ergänzungskräften (Ki nderpfleger/innen, Heilerziehungshelfer/innen,
Praktikanten)
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Hauswirtschafter/innen
Köche/ Köchinnen
Die Weiterqualifizierung unserer Mitarbeiter/innen durch Fortbildungen ist in
unserer Einrichtung unverzichtbarer Teil des Qualitätsstandards.
25
d. Zusammenarbeit im Team
Wir sind uns bewusst, dass die Qualität unserer Zusammenarbeit und
Kommunikation im Team die Atmosphäre in unserer Einrichtung maßgeblich
beeinflusst und den sozialen Umgang der Kinder untereinander prägt.
Entsprechend wichtig ist uns die ständige Erweiterung unserer kommunikativen
Kompetenzen. Der Kindergartenalltag stellt hohe Anforderungen an die
Kommunikationsfähigkeit von Erzieherinnen. Die unterschiedlichen Ebenen
(Kinder, Eltern, Kolleginnen), auf denen die Erzieherinnen oft gleichzeitig
kommunizieren, erfordern eine große Präsenz und Achtsamkeit im Umgang mit
Kommunikation. Besonders in der Bring - und Abholzeit fließen oft viele
Informationen mit wesentlichen Inhalten an unterschiedliche Empfänger. Um
diese Flut an Informationen – auch unter Zeitdruck – selektieren und
verarbeiten zu können sowie angemessen und besonnen darauf reagieren zu
können, ist eine fortwährende Pflege der Kommunikationskultur unerlässlich.
Voraussetzung für eine gelungene Kommunikation ist die innere Haltung , die
wir unseren Gesprächspartnern gegenüber einnehmen, wie echtes Interesse,
einfühlendes Verstehen und Wertschätzung. Auf der Basis dieser
Grundhaltungen wenden wir Methoden der aktiven Gesprächsführung an wie
aktives Zuhören, Fragetechniken, Ich-Botschaften und Feedback.
Indem wir uns aufmerksam zuhören, uns vergewissern ob wir die Kollegin
richtig verstanden haben und ihr mitteilen, dass wir ihr Erleben nachfühlen
können, entsteht ein Raum, in dem sich jeder geachtet und respektiert fühlt.
Offene, wert freie und verständliche Fragen regen zum Nachdenken an und
fördern eine lösungsorientierte Kommunikation. Durch das Formulieren von
Ich-Botschaften
wird das eigene Erleben in den Mittelpunkt gestellt und die kollegiale Beziehung
26
nicht belastet. Gegenseitig es Geben und Nehmen von Feedback über die
pädagogische Arbeit trägt wesentlich zur Verbesserung unserer
Kommunikation und zur Vermeidung von Missverständnissen bei.
Zur Teamentwicklung gehört für uns auch, dass jedes Teammitglied sich seinem
Potenzial entsprechend einbringen und weiterentwickeln kann. In lebendiger
Auseinandersetzung miteinander können persönliche und fachliche
Unterschiede entdeckt und durch Weiterentwicklung eine gemeinsame Sicht -
und Verhaltensbasis aufgebaut werden.
All dies geschieht h auptsächlich in unseren wöchentlichen Teamsitzungen –
einmal in den jeweiligen Gruppenteams und zusätzlich im Kreis aller
Pädagoginnen. Sie dienen neben einer fortwährenden Pflege der
Kommunikationskultur der Erarbeitung pädagogischer Themen, der kollegialen
Beratung (z.B. zu Kinderbeobachtungen), der Organisation des
Kindergartenalltags mit seinen vielfältigen Aufgabenbereichen und der
Reflexion der gemeinsamen Arbeit.
Um den Kindern und Eltern eine gleichbleibend gute Qualität unserer
pädagogischen Arbeit bieten zu können, legen wir großen Wert darauf, unseren
Wissensstand fortwährend zu aktualisieren und uns ständig weiterzubilden.
Nur durch regelmäßige Fortbildungen können pädagogische
Handlungskonzepte erweitert und pädagogische Professionalität gestärk t
werden.
27
6. Zusammenarbeit mit den Eltern
Der regelmäßige und intensive Dialog zwischen den Eltern und den
pädagogischen Fachkräften ist die Grundvoraussetzung für eine effektive und
harmonische Erziehungspartnerschaft. Im Mittelpunkt dieser Partnersc haft
steht das einzelne Kind. Es ist unser Bestreben gemeinsam mit den Eltern, die
individuelle geistige, seelische und körperliche Entwicklung des Kindes voran zu
tragen. Unsere Einrichtung legt sehr viel Wert auf Transparenz und
Kommunikation.
Die Eltern erlangen einen intensiven Einblick in die pädagogische Arbeit und
den Gruppenalltag. Diese Transparenz fördert die Kommunikation zwischen
Eltern und Kindern und zwischen Eltern und Erzieherinnen. Elternmitsprache ist
erwünscht.
Eltern können ihre persönlichen Fähigkeiten, ihre erworbenen Erfahrungen und
Erkenntnisse zum Wohle der gesamten Gruppe einbringen. So haben sie die
Möglichkeit, sich im Rahmen von Projekten gemäß ihren Erfahrungen und
Kenntnissen einzubringen.
Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Eltern ist die Grundlage für eine
positive Entwicklung der Kinder in der Kita. Eine besondere Bedeutung hat die
Zusammenarbeit mit den Eltern für die Sprachbildung der Kinder, wenn in der
Familie eine andere Sprache gesprochen wird, als in der Kita.
Für die Zusammenarbeit mit den Eltern in Bezug auf die Sprachbildung
der Kinder ist uns folgendes wichtig:
Die Eltern haben vor der Eingewöhnung ihres Kindes die Möglichkeit in der Kita
zu hospitieren
Die Eingewöhnung des Kindes (und der Eltern) übernim mt eine pädagogische
Fachkraft, die möglichst die Sprache der Eltern spricht
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Falls das nicht möglich ist, holt sie sich Unterstützung von anderen Eltern,
Kolleg*innen oder vertrauten Personen der Eltern
Während der Eingewöhnungsphase beginnt die pädagogisc he Fachkraft mit
dem Führen des Sprachlernbuches, sie erkundigt sich nach der/den
Familiensprache/n, welche Sprache oder Sprachen mit dem Kind gesprochen
wird/werden
Die pädagogische Fachkraft erläutert den Eltern unser Sprachkonzept
Die pädagogische Fachkraft empfiehlt den Eltern mit ihrem Kind in der Sprache
zu sprechen, mit der sie sich am wohlsten fühlen
Die pädagogische Fachkraft erkundigt sich bei den Eltern nach Lieblingsliedern,
Versen und Wörtern ihrer Kinder in der Erstsprache
Die pädagogische Fac hkraft dokumentiert die Sprachentwicklung der Kinder
und informiert die Eltern regelmäßig darüber
Die pädagogische Fachkraft gibt den Eltern Hinweise, wie sie zu Hause die
Sprachentwicklung ihrer Kinder unterstützen können
Die pädagogische Fachkraft führt regelmäßig Elternabende durch. Für die Eltern
wird übersetzt.
Das Thema „Sprachbildung“ ist auf vielen Elternabenden Thema
Die Eltern können sich in der Kita Bücher und Spiele ausleihen
Die pädagogische Fachkraft macht die Eltern, wenn es nötig ist, rechtz eitig auf
Sprachstörungen aufmerksam und unterstützt sie dabei, professionelle Hilfe zu
finden
Uns ist es wichtig, dass alle Eltern alle kitarelevanten Informationen erhalten.
Wir übersetzen wichtige Aushänge in Türkisch oder beziehen Kolleg*innen und
Eltern zum Übersetzen mit ein.
Unabhängig von individuellen Anlässen, bieten wir Eltern folgende
Grundstruktur an:
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a. Aufnahmegespräch
Die Leiterin informiert über die Gegebenheiten in der Einrichtung (Konzeption)
und beantwortet Fragen Die Eltern berichten über ihr Kind, Entwicklungsstand,
Besonderheiten u. a.
b. Eingewöhnungsphase
Sie gestaltet sich für Elternteil und Kind immer nach den Bedürfnissen des
Kindes. Das heißt, Eltern sollten im gewissen Zeitrahmen in der Einrichtung
bleiben, bis das Kind in der Lage ist, die neue Situation zu meistern. Eltern
sollten hier auf die Erfahrungen der Erzieherinnen vertrauen.
c. Entwicklungsgespräch
Die Erzieherin führt mit den Eltern ein Gespräch, wobei ihre ersten
Beobachtungen mit einfließen.
d. Tür — Angel — Gespräche
Individuelle Absprachen und Informatione n über das Kind können schnell
koordiniert werden. Sie dienen auch zum Abstimmen von kurzfristigen
Terminen
e. Allgemeine Informationen
Im Eingangsbereich hängt eine Infotafel. Sie dient z u aktuellen Informationen,
als auch zur Gestaltung von Höhepunkten, zum Bsp. Gruppenelternabende.
f. Themenabende
Hier gibt es Raum für Eltern und Betre uerinnen, um Informations - und
Bildungsinhalte auszutauschen.
g. Mitwirkung und Gestaltung durch die Eltern
Die Unterstützung und Mitwirkung der Eltern sind uns sehr wichtig. So können
sie an gemeinsamen Eltern -Kind-Nachmittagen teilnehmen. Über die
Unterstützung bei Festen freuen wir uns sehr. Bei wichtigen Entscheidungen
werden die Eltern und die Elternsprecher mit einbezogen.
30
h. Gespräche mit der Leiterin
Je nach Bedarf und Vereinbarung können die Eltern auch Gespräche mit der
Leiterin wahrnehmen.
i. Elternbefragungen
Durch gezielte Elternbefragungen, erfahren wir mehr über die Wünsche und
Bedürfnisse der Eltern.
Die Auswertung wird im Erzieherteam und im Kita - Ausschuss besprochen.
Anschließend werden notwendige Maßnahmen eingeleitet.
Diese Art der Befragung soll der Zufriedenheit aller Beteiligten dienen.
In jeder Gruppe arbeiten drei pädagogische Fachkräft e (Teilzeit) mit
unterschiedlichen Muttersprachen. Die Umgangssprache ist Deutsch, wenn die
Kinder als Gruppe angesprochen werden. Sprechen eine pädagogische Fachkraft
und ein Kind die gleiche Muttersprache, kann sie sich ihm auch in der
gemeinsamen Sprache zuwenden. Wir ermöglichen allen Kindern die Erfahrung,
dass es unterschiedliche Sprachen gibt und alle Sprachen gleichwertig sind
Wir bringen jedes Jahr die Sprachen der Kinder der jeweiligen Gruppe in
Erfahrung. Die Familiensprachen jedes einzelnen Kindes und seiner Familie
werden wertgeschätzt und die Kinder und Eltern erleben, dass für uns alle
Sprachen gleichberechtigt sind. Einsprachige Kinder können die Erfahrung
machen, dass es viele verschiedene Sprachen gibt. Wir erweitern die Horizonte
der Kinder, in dem wir ihnen neue Erfahrungen und Erlebnisse ermöglichen und
darüber sprechen. Wir leiten Rollen – und Symbolspiele ein und stellen
entsprechendes Material zur Verfügung . Wir beobachten die Kinder in ihrem
Sprachverhalten und geben ihnen geziel te Unterstützung . Bei Projekten
beziehen wir Wörter in den Familiensprachen der Kinder der jeweiligen Gruppe
mit ein.
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Wir fördern bewusst die Sprachen der Kinder in alltäglichen Situationen (Essen,
Spielen, Bewegung, Spazieren gehen), indem wir immer wied er Wörter in den
Familiensprachen erfragen und einbeziehen
Beschriftungen im Gruppenraum sind in mehreren Sprachen vorhanden, um
über Sprachen ins Gespräch zu kommen
Wir begegnen allen Sprachen mit Wertschätzung und beziehen sie in den Alltag
mit ein Wir geben den Kindern Zeit, wir lassen sie ausreden, wir hören ihnen
aktiv zu, wir halten zu ihnen Blickkontakt
Wir nehmen die Themen der Kinder ernst und sprechen mit ihnen über ihre
Wünsche, Ängste, Gefühle und Erlebnisse
Wir wenden uns den Kindern zu und schenken ihnen unsere Aufmerksamkeit,
wann immer sie uns etwas erzählen möchten. In Worten oder mit Mimik und
Gestik.
Wir begleiten unsere und die Handlungen der Kinder mit Sprache Wir begleiten
unsere Sprache durch Gestik und Mimik
Wir berichtigen die Aussagen der Kinder durch korrektives Feedback Wir denken
über unser eigenes Sprachverhalten nach Wir sprechen keinen Dialekt
Wir sprechen vollständige, grammatikalisch richtige Sätze
Wir bitten unsere Kolleginnen uns über unser Sprachverhalten ein Feedback zu
geben
32
7. Herausforderung Flüchtlingskinder
Zur Vorbereitung auf die Aufnahme eines Flüchtlin gskindes sammeln die
Erzieher/innen so viele Informationen wie möglich über sein Herkunftsland, die
Kultur, die Religion, die Lebensweise der Menschen, de n vorherrschenden
Erziehungsstil usw. sammeln . Oft sind hier auch Fotos aus dem Heimatort des
jeweiligen Kindes, zumindest aber aus der Umgebung bzw. dem Kulturraum zu
finden. Die Bilder werden ausgedruckt, im Gruppenr aum aufgehängt oder zu
einem Fotobuch zusammengestellt. Zum einen kann dies die Eingewöhnung des
Flüchtlingskindes erleichtern, zum anderen werden die anderen Kinder über
seine Heimat informiert. Außerdem können die ausgedruckten Fotos auf Karton
aufgeklebt und zu Puzzles weiterverarbeitet werden.
Ferner werden Bilderbücher, Spiele, Puppen (-kleider), Rollenspielutensilien und
Dekorationsgegenstände aus dem Herkunftsland bzw. Kulturkreis besorgt
werden, damit sich das Flüchtlingskind gleich etwas heimisch fühlt.
a. Die Eingewöhnung individuell gestalten
In einigen Fällen können Flüchtlingseltern die Eingewöhnung ihres Kindes nicht
begleiten, da sie direkt nach dem Bringen zum Integrationskurs gehen müssen.
In anderen Fällen verstehen sie nicht, weshalb sie während der ersten Tage im
Gruppenraum und später in der Nähe bleiben sollen - in ihrem Herkunftsland
werden Kinder am ersten Schultag in der Schule abgegeben, und da viele
Flüchtlingseltern die Kindertagesstätte als eine Art "Vorschule" verstehen,
erwarten sie, dass der erste Kita-Tag genauso abläuft wie der erste Schultag.
Zumeist kann die Eingewöhnung aber so ähnlich wie bei deutschen Kindern
erfolgen. Allerdings mag sie länger dauern, da Eltern und Kinder während der
33
Flucht und in den (Massen -) Unterkünften sehr enge Beziehungen ausgebildet
haben und nun auf beiden Seiten starke Trennungsängste auftreten.
Ein großer Unterschied gegenüber der Eingewöhnung deutscher Kinder ist, dass
Flüchtlingskinder häufiger bei anderen Kindern Trost suchen oder sich von
diesen z.B. auf die Toilette begleiten lassen. Hier zeigt sich, dass sie weniger
erwachsenenorientiert sind, da sie in ihrem Herkunftsland überwiegend von
älteren Geschwistern oder Nachbarskindern beaufsichtigt und betreut wurden.
Solange das Flüchtlingsk ind kein oder kaum Deutsch spricht, muss die
Verständigung mit ihm weitgehend über Mimik, Gestik und Pantomime erfolgen.
Dabei kann das Kind auf ein großes Repertoire an nonverbalen Äußerungen
zurückgreifen, mit denen es sich in den ersten beiden Lebensjah ren verständigt
hat. Gelegentlich werden auch selbst hergestellte Bildkarten oder hilfreiche
Werke wie das "Bildwörterbuch Deutsch" (2016) genutzt werden.
Zur Vertrauensbildung trägt auch bei, wenn die Bezugserzieherin Interesse an
der Erstsprache des Flüchtlingskindes zeigt und sich von ihm einige Worte oder
vielleicht sogar ein Lied beibringen lässt. Außerdem kann sie sich von ihm Spiele
aus seinem Herkunftsland zeigen lassen und dann mitspielen. Bei sehr
schüchternen und verängstigten Kindern gelingt di e Kontaktaufnahme oftmals
leichter über eine Handpuppe oder ein Stofftier.
Die wichtigste Rolle bei der Eingewöhnung eines Flüchtlingskindes spielen aber
die anderen Kinder. Sie gehen unvoreingenommen auf es zu, beziehen es in ihre
Spiele und Aktivitäten e in und helfen ihm spontan bei Problemen. Da auch sie
fortwährend neue Wörter und Redewendungen lernen, können sie sich in seine
Lage hineinversetzen und ihm beim Spracherwerb helfen.
So werden Flüchtlingskinder zumeist schnell in die Gruppe integriert. Sie können
nun wieder "normale" Kinder in einer "normalen" Lebenswelt sein. Hierzu
34
schreibt Abdel Fattah (2016): "Mit dem ersten Kita-Tag betreten Kinder, die durch
belastende oder traumatisierende Fluchterfahrungen geprägt sind, eine heile
Kinderwelt, die so ganz anders ist als das Leben zwischen zerbombten Häusern,
in tristen Flüchtlingslagern, kalten Zelten und Massenunterkünften. Kinder
erfahren mit der Aufnahme in der Kindertagesbetreuung ein Leben, das im
völligen Gegensatz zu der von Fluchterfahrungen geprägten Zeit der
vorangegangenen Monate steht" (S. 65 f.).
b. Flüchtlingskinder sinnvoll beschäftigen
In der Freispielzeit - egal ob in den Innenräumen oder auf dem Außengelände -
werden Flüchtlingskinder von den anderen Kindern "automatisch" in ihre
Aktivitäten eingebunden oder können sich alleine mit den Spielgeräten und -
materialien befassen. Zum Kita -Alltag gehören aber auch viele kommunikative
(Bildungs-) Angebote wie Morgen - bzw. Stuhlkreise, Bilderbuchbetrachtungen,
naturwissenschaftliche Experimen te usw. An ihnen können Flüchtlingskinder
zunächst mangels Deutschkenntnissen nicht teilhaben. Während dieser Zeit
werden ihnen alternative Beschäftigungen ermöglicht werden, mit Puzzles (z.B.
auf der Grundlage von Fotos aus ihrem Herkunftsland), mit Bilde rn zum
Ausmalen, Mandalas, Bastelmaterialien usw. Ferner können aus dem Internet
Kinderlieder, Märchen und Geschichten in der Heimatsprache des Kindes bzw.
über das Satellitenfernsehen entsprechende Kinderfilme abgespeichert und von
den Flüchtlingskindern angehört bzw. angesehen werden, wenn mit den anderen
Kindern sprachbetonte Aktivitäten durchgeführt werden. Ansonsten gibt es viele
Bildungsangebote, an denen sich auch Kinder mit sehr geringen
Deutschkenntnissen beteiligen können (siehe z.B. Erkert et al. 2016; Grabbet
2016). Dazu gehören manche Kreisspiele, Rhythmik, Musizieren mit
Musikinstrumenten, Malen, Basteln, Werken usw.
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Ferner besorgen Erzieher/innen Musik-CDs, Hörbücher oder Märchenbücher in
den Sprachen der von ihnen betreuten Flüchtlingskinder. Inzwischen gibt es auch
viele mehrsprachige Bilder - und Vorlesebücher, die sich gut unter Einbindung
von Eltern mit Migrationshintergrund nutzen lassen: Diese lesen den Text in ihrer
Erstsprache vor und die Fachkräfte auf Deutsch. Dabei können laut Hofbau er
(2016) auch Literacy-Erfahrungen gemacht werden: "Eine Erzieherin aus Südtirol
erzählt, dass sie für ihre Gruppe, in der vergleichsweise viele arabisch -
sprechende Kinder sind, nun zum ersten Mal ein arabisches Bilderbuch
ausgeliehen und eine Mutter gebe ten hat, daraus vorzulesen. Bevor die
Vorlesestunde beginnt, möchte die Erzieherin das Buch schon einmal mit den
Kindern anschauen und besprechen. Doch hat sie unerwartet große Probleme
damit, aus den Bildern die Geschichte zu konstruieren. Warum, wird klar, als die
Mutter zum Vorlesen kommt und das Buch von hinten beginnt..." (S. 89).
Musik-CDs, Märchen- und Bilderbücher in der Erstsprache des Flüchtlingskindes
können an seine Eltern ausgeliehen werden, die auf der Flucht dergleichen nicht
mitnehmen und of t auch in der Zeit nach ihrer Ankunft in Deutschland nicht
besorgen konnten. In einigen Kindertageseinrichtungen können
Flüchtlingskinder Spiele und Spielsachen mitnehmen, wenn es in der (Massen -)
Unterkunft keine gibt. Können deutschsprachige Medien ausge liehen werden,
wäre dies auch ein Beitrag zur Sprachförderung.
Manche Flüchtlingskinder kommen aber aus so abgelegenen Regionen dieser
Erde, dass weder im Handel noch im Internet Bilderbücher oder Musik -CDs aus
diesem Sprachraum zu finden sin d. Hier werden die Eltern gebeten, in der Kita
Geschichten, Märchen, Lieder, Reime oder Gedichte in der Erstsprache
aufzunehmen. Das Kind kann die Aufnahmen anhören, wenn es z.B. an
sprachbetonten Bildungsangeboten nicht teilnehmen kann oder Heimweh hat.
Zudem können si e von anderen Kindern aus demselben Sprachraum oder mit
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allen Kindern der Gruppe im Rahmen der interkulturellen Erziehung genutzt
werden.
c. Den Erwerb der deutschen Sprache fördern
Inzwischen plädieren fast alle Fachleute für eine alltagsintegrierte
Sprachförderung. Sie umfasst Elemente wie
die bewusste Nutzung kommunikativer Situationen im Kita-Alltag,
das handlungsbegleitende Sprechen,
das Motivieren des Kindes (mehr) zu sprechen (z.B. durch aktives Zuhören,
Nachfragen, die Nutzung einer Handpuppe),
das korrektive Feedback,
das Nutzen von Fingerspielen, Reimen und Liedern sowie
die dialogische Bilderbuchbetrachtung.
Ein Flüchtlingskind profitiert in seiner Sprachentwicklung besonders viel von
Kindern, die nur etwas besser Deutsch sprechen. Laut dem ko -konstruktiven
Ansatz von Lew Wygotski (Textor 2000) liegt dies daran, dass Letztere beim
Flüchtlingskind die "Zone der nächsten Entwicklung" ansprechen: Sie sind ihm nur
einen Entwicklungsschritt voraus, und diesen kann es leichter tun, als wenn eine
Fachkraft ihm gegenüber längere Sätze mit vielen ihm unbekannten Wörtern und
relativ komplexen grammatikalischen Strukturen verwendet. Hier wird erneut die
Bedeutung der Kindergruppe deutlich: Wie weiter oben schon angedeutet, sind die
anderen Kinder die besten "Sprachlehrer".
Wenn sich in der Kindertageseinrichtung erste Freundschaften zwischen
einheimischen Kindern und Flüchtlingskindern ergeben haben, können auch die
Eltern Ersterer motiviert werden, am Nachmittag oder am Wochenende das
jeweilige Flüchtlingskind zu sich nach Hause einzuladen. Vielleicht ergeben sich
daraus sogar Kontakte zu dessen Eltern, die deren Integration in die deuts che
Gesellschaft erleichtern.
37
Flüchtlingskinder bringen ein ganzes "Päckchen" von Vorbelastungen mit in die
Kindertageseinrichtung (vgl. Textor 2016b):
Sie haben in ihrem Herkunftsland und auf der Flucht häufig Schreckliches
erlebt. Ihre Eltern konnten ihnen oft nicht beistehen, weil sie von diesen
Situationen selbst betroffen waren oder ihnen ohnmächtig und hilflos
gegenüber standen.
Die ersten Monate nach ihrer Ankunft in Deutschland waren recht chaotisch
und für die Kinder verwirrend. Die Flüchtlingsfamilien durchliefen
Erstaufnahmelager und Massenunterkünfte. Ein Jahr oder sogar mehrere Jahre
später haben sie noch keine eigene Wohnung, sondern müssen immer noch mit
anderen Flüchtlingen zusammenleben. Selbst wenn die Familie inzwischen ein
Apartment gefunden oder zugewiesen bekommen hat, ist es meistens zu klein.
Die Kinder schlafen entweder bei den Eltern oder zu mehreren in ei nem
anderen Raum, haben also keine Privatsphäre und keine
Rückzugsmöglichkeiten.
Die Flüchtlingskinder leiden unter ihrer "Sprachlosigkeit" - je jünger sie sind,
umso weniger können sie verstehen, wieso sie sich auf einmal nicht mehr mit
den weitaus meisten Kindern und Erwachsenen verständigen können.
Die Flüchtlingskinder leben in Armut, insbesondere wenn ihre Eltern noch keine
Arbeit gefunden haben und von Sozialleistungen abhängig sind. Sie besitzen
nur wenig Kleidung, kaum Spielsachen und wenige Bilderb ücher. So schämen
sie sich, wenn sie Spielkameraden aus der Kindertageseinrichtung nach Hause
einladen - oder ihre Eltern wollen dies nicht, damit Deutsche nicht sehen, in was
für beengten und primitiven Verhältnissen die Familie lebt.
Flüchtlingsfamilien - und damit auch die Kinder - machen mehr oder minder
häufig die Erfahrung, dass sie von anderen Menschen diskriminiert werden.
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Flüchtlingskinder unterscheiden sich also von Gleicha ltrigen in mehrfacher
Hinsicht. So ist es nicht verwunderlich, dass sie in Kindertageseinrichtungen
andere Verhaltensweisen zeigen, die zunächst einmal verstanden sein wollen.
Dazu gehören beispielsweise:
Da Flüchtlingsfamilien zumeist hierarchisch strukturiert sind und die Eltern eine
unangefochtene Autorität besitzen, erwarten deren Kinder auch von den
Erzieher/innen Anordnungen und feste Regeln. Sie sind gehorsamer als
deutsche Kinder.
Weil Flüchtlingskinder in ihrem Herkunftsland nur wenige Spielsachen hatten,
sind sie von der Unmenge an Spielzeug in der Kindertageseinrichtung zunächst
überfordert. Bei vielen Dingen wissen sie nicht, was man damit macht.
Da Flüchtlingskinder in ihrer Heimat und auf der Flucht viel Mangel erlebt haben
- und in den Unterkünften noch erleben -, horten sie oft Spiel - und
Bastelmaterialien. Bald merken sie aber, dass immer genug für alle da ist.
Ähnliches gilt für das Essen: Da sie in ihrem Herkunftsland und auf der Flucht
häufig hungern oder sehr schnell essen mussten (um noch etwas
abzubekommen), verhalten sie sich in der Kindertageseinrichtung zun ächst
ähnlich. Mit der Zeit erkennen sie aber, dass das Essen für alle Kinder reicht.
Weil Flüchtlingskinder zumeist in beengten Unterkünften oder sehr kleinen
Wohnungen leben, in denen sie nur selten in Ruhe spielen können, spielen sie
in der Kita oft längere Zeit für sich alleine und wollen dann nicht gestört werden.
Da sich in Flüchtlingsfamilien aufgrund der vielen Bedrohungen von außen
zumeist sehr enge Bindungen ausgebildet haben, verbringen Geschwister die
meiste Zeit miteinander und passen aufeinand er auf, wenn sie in der gleichen
Kita-Gruppe sind (dies sollte somit vermieden werden).
Aufgrund der stark voneinander abgegrenzten Geschlechtsrollen, der
Unterordnung von Frauen und der geschlechtsspezifischen Erziehung in
39
Flüchtlingsfamilien verweigern d ie Jungen oft Tätigkeiten, die sie für
"Frauenarbeit" halten, oder wollen die Mädchen dominieren.
Die zuletzt genannten Verhaltensweisen sollten keinesfalls von den
Erzieher/innen toleriert werden, da sie gegen die Grundwerte unserer
Gesellschaft verstoßen (Gleichheit, Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung der
Geschlechter).
d. Traumatisierten Kindern im Rahmen des Möglichen helfen
Viele Kleinkinder haben in ihrem Herkunftsland, auf der Flucht und vereinzelt
auch nach ihrer Ankunft in Deutschland (mehrere ) traumatische Erfahrungen
gemacht und konnten diese nicht verarbeiten, weil sie von ihren verängstigten,
gestressten, sich als ohnmächtig erlebenden und oft ebenfalls traumatisierten
Eltern dabei nicht unterstützt werden konnten. Hinzu kommt, dass viele E ltern
weitgehend mit sich selbst beschäftigt sind, weil sie z.B. den Kulturschock, die
lange Untätigkeit in Massenunterkünften, ihre Arbeitslosigkeit und den
Statusverlust verkraften müssen und unter Umständen psychische Probleme
entwickelt haben (vgl. Tex tor 2016b). Traumatisierte Flüchtlingskinder zeigen in
der Tagesstätte häufig Verhaltensweisen wie die folgenden:
Sie haben Angst vor Dunkelheit und schlafen schlecht, da dann manchmal
schreckliche Erinnerungen auftauchen oder gar Albträume erlebt werden.
Deshalb wollen sie oft keinen Mittagsschlaf halten oder sich nur in einem hellen
Raum entspannen.
Sie reagieren auf plötzliche laute Geräusche panisch (z.B. auf das Zuschlagen
einer Tür oder einen vorbeifliegenden Hubschrauber). Manchmal suchen sie
dann Schutz oder verstecken sich.
Sie erleben traumatische Erfahrungen in der Form von Flashbacks wieder.
Manchmal erstarren sie dann, blicken ins Leere und sind nicht ansprechbar.
Herzrasen und Schweißausbrüche treten auf.
40
Sie wiederholen traumatische Erlebnisse , aber auch Kriegs - und Fluchtszenen,
im (solitären) Spiel oder malen sie.
Vielfach ist aber kein direkter Bezug zu früheren Traumata ersichtlich. So sind
viele der betroffenen Kinder unruhig, hyperaktiv, schreckhaft, reizbar und
aggressiv. Andere Kinder w irken eher apathisch, niedergedrückt, traurig und
depressiv. Wieder andere scheinen immer gestresst und erschöpft zu sein.
Manche Kinder sind auf eine frühere Entwicklungsstufe zurückgefallen
(Regression), nässen und koten wieder ein oder leiden unter psychosomatischen
Störungen. Oft gehen traumatisierte Kinder nur oberflächliche Beziehungen ein
und zeigen "flachere" Gefühle, haben sich auf der emotionalen Ebene von
anderen Menschen und sich selbst entfremdet ("emotionale Taubheit"). Andere
zeigen hingegen starke Trennungsängste; sie weinen und wimmern, wenn sie
sich von ihren Bezugspersonen trennen sollen.
Aufgrund der ganz unterschiedlichen Symptomatik können posttraumatische
Belastungsstörungen nur von Fachleuten diagnostiziert und behandelt werden.
Bei einem entsprechenden Verdacht werden entsprechende Dienste so früh wie
möglich eingeschaltet werden. Allerdings ist es manchmal nicht leicht, die
Zustimmung der Eltern zu bekommen, insbesondere wenn diese noch nie von
posttraumatischen Belastungsstörungen und den entsprechenden Therapien
gehört haben. Hinzu kommt, dass generell und insbesondere in ländlichen
Regionen Traumatherapeut/innen fehlen oder - falls eine/r die Behandlung
übernehmen kann - diese durch die mangelnden Deutschkenntnisse des
Flüchtlingskindes und seiner Eltern erschwert wird.
Das Wichtigste, was Erzieher/innen traum atisierten Kindern bieten , sind
Zuwendung, Feinfühligkeit sowie körperliche und emotionale Nähe in einer
haltgebenden, bindungsähnlichen Beziehung. Sie können dazu beit ragen, dass
sich die Kinder in der Kita sicher und geborgen fühlen, zu innerer Ruhe finden
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und sich wieder der eigenen Weiterentwicklung widmen können. Wie wichtig
auch strukturierte Tagesabläufe, feste Regeln und gleichbleibende Rituale sind,
wird deutlic h, wenn davon abgewichen wird oder unerwartete Ereignisse
eintreten: Manche Kinder sind dann gleich verunsichert und ängstlich. Sie
benötigen so etwas wie eine beständige, kontinuierliche und damit
vorhersehbare "Normalität".
Da Flashbacks und Trauma Erinnerungen oft in Ruhesituationen o der im Schlaf
auftreten, akzeptieren es sozialpäd agogische Fachkräfte , wenn betroffene
Kinder keinen Mittagsschlaf machen oder z.B. an Entspannungsübungen nicht
teilnehmen wollen (obwohl Letztere bei motorischer Unruhe und H yperaktivität
oftmals sinnvoll wären). Auch die hektische Betriebsamkeit vieler
Flüchtlingskinder muss als Schutz vor Erinnerungen an traumatische
Erfahrungen verstanden werden - am besten lässt man sie sich auspowern.
Kommt es zu Flashbacks, holen Erziehe r/innen die Kinder in die Gegenwart
zurück, indem sie sie ansprechen und berühren, in den Arm oder auf den Schoß
nehmen, beruhigen und dann auf andere Aktivitäten hinlenken.
Bei traumatisierten Kindern, die schon besser Deutsch sprechen, akzeptieren es
die Erzieher/innen, wenn diese nicht über ihre Kriegs - und Fluchterlebnisse
reden wollen, sondern sie verdrängen bzw. vergessen möchten. Auch hier sollten
notwendige Informationen bei den Eltern eingeholt werden.
e. Mit den Eltern kooperieren
Ein Gespräch mit den Eltern eines Flüchtlingskindes ist zu Beginn ihres
Aufenthalts in Deutschland zumeist nur mit Hilfe eines Dolmetschers möglich.
Gelegentlich finden sich wohl auch andere Kita -Eltern, die deren Sprache
sprechen und übersetzen könnten, aber gerade bei T hemen wie Traumata und
deren psychischen Folgen, Verhaltensauffälligkeiten von Kindern und Probleme
42
der Eltern kommen sie nicht in Frage, weil die Vertraulichkeit des Gesprächs nicht
gewährleistet werden kann.
Dolmetscher/innen sind aber nicht nur bei Bera tungs-, sondern auch bei
Aufnahmegesprächen unverzichtbar. Hier muss nämlich schon nach den
Gründen für die Flucht und deren Verlauf, nach dem bisherigen Leben in
Deutschland, nach Traumata und deren Folgen sowie nach besonderen
Belastungen der Familie gef ragt werden (vgl. Textor 2016b). Aber auch andere
wichtige Themen verlangen nach einer professionellen Übersetzung:
Das Kind: Wie bei allen Aufnahmegesprächen muss nach der bisherigen
Entwicklung des Kindes, seinen Stärken und Schwächen, seinen Eigenarten und
Vorlieben gefragt werden.
Die Erziehung: Hier geht es zum einen um die Erziehungsvorstellungen und den
Erziehungsstil der Flüchtlingseltern und zum anderen um deren Erwartungen
an seine Erziehung in der Kita. Während in Flüchtlingsfamilien Eltern
Autoritätspersonen sind, den Gehorsam ihrer Kinder erwarten sowie Mädchen
und Jungen unterschiedlich erziehen, wird in Kindertageseinrichtungen ein
autoritativer Erziehungsstil und die Gleichberechtigung der Geschlechter
praktiziert. Es ist offensichtlich, dass in diesen Unterschieden viel Konfliktstoff
schlummert. Sie sollten schon im Aufnahmegespräch angesprochen werden.
Die Ernährung: Insbesondere muslimische Eltern befürchten, dass ihre Kinder
in der Kindertagesstätte Schweinefleisch oder aus Schweinen herge stellte
Produkte (z.B. Gummibärchen) zu essen bekommen könnten. Hier muss den
Eltern verdeutlicht werden, dass die Fachkräfte religiöse
Ernährungsvorschriften befolgen werden und dass auch andere Kinder in der
Kita ein speziell für sie zubereitetes Essen e rhalten (z.B. bei Allergien oder
Nahrungsmittelunverträglichkeiten).
Die Religion: Nicht nur bei Kindertageseinrichtungen mit einem kirchlichen
Träger befürchten die Flüchtlingseltern, dass diese zum Christentum bekehrt
43
werden sollen. Solche zumeist verhei mlichte Befürchtungen sollten offen
angesprochen werden. Wenn in Tagesstätten mit einem hohen Anteil von
Kindern mit Migrationshintergrund auch nichtchristliche Feste gefeiert werden,
beruhigt das die Eltern zusätzlich. Ist dies nicht der Fall, könnte im K ita-Team
überlegt werden, ob man das nicht gelegentlich - unter Einbeziehung
zugewanderter Familien - tun sollte, auch um deutschen Kindern interkulturelle
Erfahrungen zu vermitteln.
Die Betreuung: Sind in der Kita männliche Fachkräfte tätig, die üblicherw eise
auch Mädchen wickeln oder auf die Toilette begleiten, ist darüber mit den Eltern
zu sprechen. Hier muss vorab im Team geklärt werden, wie weit traditionellen
Vorstellungen entgegengekommen werden soll.
Die Bildung: In den Herkunftsländern der meisten Flüchtlingsfamilien gibt es
keine Kindertageseinrichtungen. Dementsprechend haben die Eltern keine
Vorstellungen von der pädagogischen Arbeit der Fachkräfte - oder falsche,
wenn sie eine Art "Vorschule" erwarten, in der die Kinder unterrichtet werden
und i hnen vorgegeben wird, was sie zu tun haben. Deshalb sollte über den
Wechsel von Freispiel und Bildungsangeboten, den Tagesablauf, die
Selbstbestimmung und Partizipation der Kinder und andere Charakteristika der
Kita-Arbeit gesprochen werden. Auch ein Rundg ang durch die Gruppen - und
Funktionsräume darf nicht fehlen, weil sie anders als Klassenzimmer aussehen.
Diese Auflistung macht deutlich, dass bei Flüchtlingseltern bei weitem mehr Zeit
für das Aufnahmegespräch anzusetzen ist als bei deutschen Eltern - und dies
nicht nur, weil das Dolmetschen ebenfalls Zeit beansprucht.
Hinzu kommt, dass beim Aufnahmegespräch auch über die Konzeption der
Kindertageseinrichtung, den Betreuungsvertrag, die Gesundheit des Kindes und
die Mitwirkung der Eltern gesprochen werden muss - relativ komplexe Themen.
Ferner geht es um den Ablauf und die Gestaltung der Eingewöhnung (s.o.), wobei
zu verdeutlichen ist, dass diese in allen deutschen Tagesstätten ähnlich
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praktiziert wird. So kann Missverständnissen vorgebe ugt werden. Die
Eingewöhnungszeit ist auch für die Eltern sehr wichtig, da sie hier einen Einblick
in die pädagogische Arbeit bekommen und z.B. beobachten können, wie sich
Erzieher/innen und Kinder in der Kita verhalten, wie sie miteinander interagieren
und wie Konflikte gelöst werden.
Insbesondere in den ersten Wochen ist es sinnvoll, Fotos oder kurze Videos von
dem Kind aufzunehmen, um den Eltern zu zeigen, was es im Verlauf des Tages
macht und dass es sich in der Kindertagesstätte wohl fühlt. Solche Filme können
auch ein wichtiger Bestandteil von Entwicklungsgesprächen sein, um den Eltern
z.B. die Lieblingsbeschäftigungen ihres Kindes, seine Stärken und Schwächen
oder problematische Verhaltensweisen zu verdeutlichen. Werden Videos mit
einem Tablet aufgeno mmen, können sie auf diesem auch gezeigt werden; mit
der Kamera oder dem Smartphone gemachte Filme müssen hingegen erst auf
einen Laptop oder PC überspielt werden.
Selbst wenn beim Aufnahmegespräch der in der Tageseinrichtung praktizierte
Erziehungsstil, d ie gleichartige Behandlung von Mädchen und Jungen, der
Umgang mit Religion(en) und ähnliche Themen angesprochen wurden, kann es
im Verlauf der Zeit zu diesbezüglichen Konflikten mit den Flüchtlingseltern
kommen. Hier ist wichtig, einerseits Verständnis für die Eltern zu zeigen,
andererseits aber auf ein Verhalten zu bestehen, wie es in deutschen Gesetzen,
dem Bildungsplan des jeweiligen Bundeslandes und der Kita -Konzeption
gefordert wird. Die Gleichheit aller Menschen, die Gleichberechtigung von Mann
und Frau, die Kinderrechte usw. sind nicht verhandelbar.
So müssen viele Väter von Flüchtlingskindern erst akzeptieren, dass Frauen in
Rollen wie Erzieherin, Kita -Leiterin oder Sozialarbeiterin einen hohen Status in
Deutschland haben, von ihnen Respekt erwarten, ihnen etwas zu sagen haben,
ihnen durchaus auch widersprechen und sich sogar ihnen gegenüber
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durchsetzen können. Und sie müssen akzeptieren, dass sich die Fachkräfte bei
Elterngesprächen auch direkt an die Mütter wenden, deren Meinung erfragen
und sie als gleichberechtigte Personen behandeln. Sollte eine Frau ihr Gesicht
verschleiern, ist den Eltern laut Abdel Fattah (2016) zu sagen, dass sie so ihr Kind
nicht von der Tagesstätte abholen kann - sie müsste in einem Raum, zu dem
Männer dann keinen Zutritt haben, ihr Gesicht einer Erzieherin zeigen.
Gelegentlich erfährt eine Fachkraft, dass ein Flüchtlingskind zu Hause körperlich
gezüchtigt wird, oder entdeckt sogar Spuren von Schlägen. Schwere
Körperstrafen mögen wohl im Herkunftsland der Flüchtlingsfamilie e in
gesellschaftlich akzeptiertes Erziehungsmittel sein, gelten aber in Deutschland
als Kindesmisshandlung. In diesen Fällen suchen wir zunächst das Gespräch mit
den Eltern und bestehen auf eine gewaltfreie Fa milienerziehung, gleichzeitig
leiten wir aber schon das vorgeschriebene Verfahren bei Kindeswohlgefährdung
ein - zumindest indem der Vorfall und das darauffolgende Gespräch mit den
Eltern dokumentiert werden.
Ein weiteres wichtiges Thema, das z.B. beim ersten Entwicklungsgespräch
angesprochen wird , ist die Sprachförderung. Hier gilt es den Eltern zu
verdeutlichen, wie wichtig die Erstsprache des Kindes ist. Sie sollten also nicht
versuchen, mit ihm Deutsch zu sprechen (zumal es dann die Sprache n ur
fehlerhaft lernen würde), sondern vielmehr die Erstsprache fördern, indem sie
ihm z.B. Märchen und Geschichten erzählen oder Lieder, Reime und Gedichte
beibringen.
Wenn die Eltern nicht möchten, dass ihre Kinder christliche Feste mitfeiern,
behalten sie ihre Kinder in dieser Zeit oft zu Hause. Das ist natürlich für den
Erwerb der deutschen Sprache nicht förderlich. Auf jeden Fall achten wir darauf,
dass dies nicht allzu oft passiert - manchmal ist ein unregelmäßiger Besuch der
Kita oder die Ablehnung von Fördermaßnahmen auch ein Indiz dafür, dass die
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Bedeutung der frühkindlichen Bildung und der Sprachförderung für die weitere
Entwicklung des Kindes nicht erkannt wurde. In anderen Fällen mag ein solches
Verhalten für sehr enge Familienbeziehungen stehen (d urch all die gemeinsam
bewältigten Gefahren sind die Familienmitglieder miteinander "verschmolzen")
oder aus der Befürchtung heraus erfolgen, die Familie könne das Kind an die
neue Kultur verlieren, weil es bereits besser Deutsch als seine Eltern spricht und
in der Kindertageseinrichtung integriert ist. Manchmal reden die Eltern dann
auch schlecht über die Erzieher/innen, was die Kinder in Loyalitätskonflikte
stürzen kann.
Hier wird erneut die Bedeutung einer kultursensiblen Erziehung offensichtlich:
Die El tern von Flüchtlingskindern sollten wie alle anderen Eltern mit
Migrationshintergrund den Eindruck gewinnen, dass ihre Kultur und Religion
seitens der Kindertagesstätte wertgeschätzt und respektiert werden. Dies gelingt
am leichtesten, wenn die Eltern in die pädagogische Arbeit eingebunden werden,
was auch ohne größere Deutschkenntnisse möglich ist. Beispielsweise können
sie abwechselnd mit den Erzieher/innen aus mehrsprachigen Bilder -, Märchen-
und Kinderbüchern vorlesen, allen Kindern Lieder und Gedichte in ihrer
Heimatsprache beibringen, mit ihnen Tänze einüben oder auch nur anwesend
sein, wenn z.B. kurze Filme über die Landschaft, die Natur, einzelne Ortschaften
oder bedeutende Bauwerke ihres Herkunftslandes gezeigt werden. In unserer
Tagesstätte, in denen viele Kinder mit Migrationshintergrund sind, werden auch
muslimische, buddhistische, hinduistische und andere Feste neben den
christlichen gefeiert.
8. Träger
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Seit der Flüchtlingswelle 2015/16 sind viele kurdischstämmige SyrerInnen und
IrakerInnnen nach Deutschland und insbesondere nach NRW eingewandert.
Dadurch sind auch für unsere Gemeinde große Herausforderungen entstanden
und wir haben versucht, Wege zu finden, um die Flüchtlinge und
Neuzugewanderten so gut wie möglich zu begleiten und in die Gesells chaft in
Deutschland zu integrieren. Dieser Prozess braucht natürlich Zeit und muss in
Zusammenarbeit mit den untersc hiedlichsten Partnern geschehen und bereits
im Kindesalter ansetzen.
Vor mehr als drei Jahren haben wir die Kurdish -European Society e.V. (KES) mit
Sitz in Köln gegründet. Auf Initiative von KES haben wir dann mit etwa 30
Vereinen aus ganz Deutschland, mit teilweise langjähriger Erfahrung im Bereich
Migration, Kinder- und Jugendarbeit, Flüchtlingsbetreuung und Integration, den
Zentralrat der Kurden in Deutschland e.V. (ZKD) gegründet.
Wir verstehen uns als überparteiliche deutsche Organisat ion für Kurden und
Nicht-Kurden. Wichtig ist das Thema Integration, das für uns eine dreifache
Bedeutung hat. Einerseits verstehen wir un ter Integration die Integration
innerhalb der bunten und heterogenen kurdischen Diaspora in Deutschland und
Europa, die Schätzungen zufolge knapp zwei Millionen Menschen aus den
unterschiedlichsten Ländern zählt. Andererseits bedeutet Integration für uns
auch das Zusammenleben mit den Mehrheitsgesellschaften in den europäischen
Staaten sowie der aktive Beitrag zum europäischen Einigungs - und
Friedensprozess.
Als Kurdish -European Society e.V. verfolgen wir konkret das Ziel, mit unseren
Aktivitäten im Bereich Kinder und Jugendliche, Familien, Sport, Soziales,
Gesundheit und Bildung, interreligiöser Dialog, demokratische Partizipation zur
erfolgreichen Integration unserer Gemeinde als Ganzes beitragen.
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Unter unseren Mitgliedern gibt es Frauen, Männer, Kinder u nd Jugendliche mit
Wurzeln in Syrien, Irak, Iran und der Türkei. Sunniten, Schiiten, Alewiten und
Eziden sind gleichermaßen vertreten. Auch immer mehr Nicht -Kurdinnen und
Kurden interessieren sich für unsere Tätigkeit und arbeiten eng mit uns
zusammen. Wir freuen uns darüber und sind sehr daran interessiert, uns durch
gemeinsame Projekte anderen Gesellschaftsgruppen gegenüber zu öffnen.
Beispielsweise sind wir sehr daran interessiert, mit dem Kölner Verein Rom e.V.,
mit dem wir viele Ähnlichkeiten haben, eng zusammenzuarbeiten.
Kinder- und Jugendarbeit sowie Frauenförderung sind zentrale Aspekte unserer
Arbeit. Mit der Kinder- und Jugendarbeit verfolgen wir das Ziel, insbesondere die
Kinder und Jugendlichen mit Migrations - und Flüchtlingshintergrund in die
Gesellschaft zu integrieren. Dazu begleiten wir die Kinder und Jugendliche auf
ihrem Weg vom Kind zum Erwachsenen, stehen ihnen bei der Bildung ihrer
Identität zur Seite und vertreten ihre Interessen parteilich.
Auf Bund - und Länderebene ha ben wir bereits Kontakte zu den
unterschiedlichen Ministerien, die für unsere Aktivitäten in Frage kommen,
hergestellt und arbeiten eng und vertrauensvoll mit ihnen zusammen. Vor allem
zum NRW-Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration haben wir
ein gutes Arbeitsverhältnis aufgebaut und werden regelmäßig zu
Veranstaltungen eingeladen und arbeiten aktiv in Foren wie beispielsweise
„Muslimisches Engagement NRW“.
Gerne wollen wir nun auch verstärkt auf lokaler Ebene mit Vertretern der Stadt
Köln zusammenkommen und Partnerschaften eingehen und haben Kontakt mit
dem Kommunalen Integrationszentrum hergestellt und planen in Köln, ein
Interkulturelles Zentrum zu eröffnen.
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: ungeändert beschlossen
Zur SitzungOrte (2)
- Heßhofstraße 4
- Ginsterpfad 21
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Aktenzeichen
- 3574/2020
- Typ
- Beschlussvorlage Ausschuss
- Datum
- 18.12.2020
- Erstellt
- 09.12.2020 13:50