2500/2017
Bericht des Behindertenbeauftragten 04/2017
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Mitteilung Ausschuss
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle V/5001/2 Vorlagen-Nummerm 15.08.2017 2500/2017 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss Soziales und Senioren 07.09.2017 Integrationsrat 11.09.2017 Stadtarbeitsgemeinschaft Behindertenpolitik 19.09.2017 Bericht des Behindertenbeauftragten 04/2017 Lehrforschungsprojekt „Inklusive Flüchtlingsunterkünfte“ Der Studiengang Soziale Arbeit der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften und die KISD – Köln International School of Design der TH Köln haben im Sommersemester 2017 ein interdisziplinä- res Lehrforschungsprojekt zu inklusiven Flüchtlingsunterkünften durchgeführt. Beteiligt waren 20 Studierende. Das Projekt fand in Kooperation mit dem Behindertenbeauftragten der Stadt Köln, dem Netzwerk „Flüchtlinge mit Behinderung“ (Diakonie Michaelshoven) und dem Bürgerzentrum Ehrenfeld (Projekt „Inklusiv in Ehrenfeld“) statt und wurde durch das Wohnungsamt der Stadt Köln unterstützt. Die Ergebnisse wurden der Öffentlichkeit am 20. Juli 2017 auf einer Abschlusspräsentation in den Räumen der Köln International School of Design (Ubierring 40) vorgestellt. Zur Vorbereitung des Projektes wurde durch Mitarbeiter*innen des Wohnungsamtes die Barrierefrei- heit von Flüchtlingsunterkünften mit Hilfe einer durch den Behindertenbeauftragten erstellten Kurz- Checkliste überprüft. Eine Auswahl der Flüchtlingsunterkünfte, die für die Unterbringung von Flücht- lingen mit einer Behinderung geeignet sein könnten, wurde den Teilnehmer*innen des Lehrfor- schungsprojektes zur Verfügung gestellt. Die Liste umfasste neun Flüchtlingsunterkünfte und wurde um jeweils einen Systembau und eine mo- bile Wohnanlage (Container) ergänzt. Letztere wurden in die Liste aufgenommen, um Hinweise für eine Verbesserung auch dieser Unterbringungstypen zu bekommen. Die Heimleitungen waren vorab durch das Wohnungsamt informiert, so dass sich die Besichtigungen in den meisten Fällen unproblematisch gestaltet haben. Die Studierenden werteten ihre exemplarischen Felderkundungen in neun der vom Wohnungsamt benannten Flüchtlingsunterkünften so aus, dass für die Bewohner*innen nicht in erster Linie bauliche Barrieren problematisch sind, sondern vorrangig kommunikative und soziale Barrieren. Ihre Vorschläge zielen daher auch weniger auf die Beseitigung baulicher Barrieren, als vielmehr auf verbesserte Informationen mittels eines Flyers, einheitlicher Piktogramme und einer App. Eine Grup- pe hat die Bewohner*innen einer Unterkunft gebeten, die die Flüchtlingsunterkunft umgebenden Zäu- 2 ne umzugestalten und dadurch ihre Barrierewirkung aufzuheben. Die Stadtverwaltung hatte mit diesem Lehrforschungsprojekt die Erwartung verbunden, dass sie Hin- weise und kreative Vorschläge für die Umgestaltung bestehender und den Bau neuer Unterkünfte erhält, um eine möglichst weitgehende Barrierefreiheit zu erreichen. Durch die Entscheidung der Studierenden, sich auf die kommunikativen und sozialen Barrieren zu konzentrieren, hat die Stadt Köln nun in diesen wichtigen Bereichen wertvolle Hinweise und Vor- schläge erhalten. Die detaillierte Bewertung der baulichen Barrierefreiheit der Flüchtlingsunterkünfte erfolgte aber nicht im von der Stadt Köln erwarteten Umfang. Die Stadtverwaltung wird sich daher auf anderem Weg um Hinweise und Vorschläge zur baulichen Barrierefreiheit bemühen. Denkbar ist etwa ein weiteres Lehrforschungsprojekt unter Beteiligung von Studierenden der Architektur oder des Bauingenieurwesens. Weitere Informationen sind der Anlage zu entnehmen. gez. Dr. Rau
Anlage zu Bericht des Behindertenbeauftragten 04-2017
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Anlage Lehrforschungsprojekt „Inklusive Flüchtlingsunterkünfte“ Zusammenfassung der am 20.07.2017 vorgestellten vorläufigen Projektergebnisse Abb. 1: Präsentation der Projektergebnisse © KISD Projektleitung Prof. Dr. Matthias Otten Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften, TH Köln Prof. Andreas Wrede KISD – Köln International School of Design, Fakultät für Kulturwissenschaften, TH Köln Ansätze und Ziele des Projekts Die Beteiligung von Menschen mit Behinderung und von Geflüchteten als "Experten*innen in ei- gener Sache". Bildung interdisziplinärer und interkulturell zusammengesetzter Erkundungsteam (Studierende, geflüchtete Menschen und Menschen mit Behinderung) Interdisziplinärer Projektansatz: Verbindung von Datenerhebungen zu baulichen und kommunika- tiven Aspekten der Barrierefreiheit in Flüchtlingsunterkünften, fachtheoretische und entwurfsprak- tische Reflexion der örtlichen Situation vor dem Hintergrund aktueller Teilhabe- und Inklusionsdis- kurse sowie die Entwicklung von gemeinsamen Entwürfen und Gestaltungsvorschlägen. 2 Abb. 2: Aufgabenstellung © KISD Aufgabenstellung Die angemessene Unterbringung geflüchteter Menschen in Köln stellt eine große Herausforderung für Stadtgesellschaft und Kommunalpolitik dar. In einem interdisziplinären Projekt soll untersucht werden, inwiefern bauliche Barrieren aber auch kommunikative Barrieren und soziale Inklusionshindernisse den Alltag von geflüchteten Menschen mit Beeinträchtigungen bestimmen. Wie können diese im Sinne einer inklusiv gedachten Flüchtlingspolitik und -praxis durch gestalteri- sche und soziale Innovationen abgebaut werden können? Das Projekt soll dazu beitragen, bereits existierende Problemlagen aufzuzeigen und damit den stadt- gesellschaftlichen und politischen Diskurs voranzutreiben. Umsetzung In einem interdisziplinären, kreativen und partizipatorischen Ansatz wurde diese Aufgabe sowohl ana- lytisch als auch gestalterisch bearbeitet. Dazu haben die Studierenden zunächst exemplarische Felderkundungen in bestimmten Unterkünften vorgenommen. Von umfunktionierten Containern über umfunktionierte Hotels bis zu barrierefreien Neubauten waren viele unterschiedliche Arten der Unterbringung vertreten. Durch die Besuche wurde deutlich, wie sehr die Art der Unterbringung die Lebensqualität beeinflusst. Das kann sich auf den Wohnraum an sich beziehen, aber auch darauf, wie selbstbestimmt der Alltag gestaltet werden kann. 3 Die Standorte der Unterkünfte waren alle im Raum Köln verteilt. Hier zeigen sich große Differenzen in Bezug auf die Lage und die Anbindung zum Zentrum. Doch egal wie zentral der Wohnort liegt, findet man überall räumliche und gesellschaftliche Distanz zur Umgebung, Abb. 3: Begehbare Visualisierung des Asylverfahrens © KISD Ablauf des Lehrforschungsprojektes 06. April 2017 Auftakt 09. Mai 2017 Treffen der Studierenden mit den Projektpartnern Netzwerk „Flüchtlinge mit Behinderung“ und Projekt „Inklusiv in Ehrenfeld“ und Bildung von Gruppen, die gemeinsam die Flüchtlingsunterkünfte besichtigen sollen. 11. Mai 2017 Treffen der Projektgruppe, u.a. werden durch den Behindertenbeauftragten der Stadt Köln die Anforderungen an die bauliche Barrierefreiheit erläutert. 15.-19. Mai 2017 Besichtigung von neun der vom Wohnungsamt benannten Flüchtlingsunter- künften durch gemischte Gruppen. 20. Juli 2017 Abschlusspräsentation Problemanalyse Während der Feldforschung wurden diverse Hindernisse und Schwierigkeiten deutlich. Obwohl an- fangs stark auf bauliche Aspekte sowie behindertengerechtes Wohnen geachtet werden sollte, wurde schnell klar, dass es auch enorme Barrieren kommunikativer und sozialer Art zu überwinden gilt. Anschließend entwickelten die Teilnehmer auf Grundlage der durchgeführten Situationsanalysen ver- schiedene Konzepte und Lösungsvorschläge. Folgende Themengebiete kristallisierten sich während unserer Recherche heraus: 4 Kommunikative Barrieren innerhalb und außerhalb der Unterkunft Räumliche und bauliche Barrieren Soziale und gesellschaftliche Barrieren Vorschläge der Gruppen Gruppe 1: Erste Hilfe zur Selbsthilfe In den besichtigten Unterkünften war auffällig, dass keine baulichen Barrieren für Geflüchtete mit Behinderung vorhanden waren. Das Problem gestaltete sich eher an einem Mangel von einheitli- chen Informationen einem anonymen nebeneinander Leben. Ein großer Schritt wäre getan, wenn an einer Stelle die wichtigsten Informationen zusammenge- stellt wären. Ein Flyer, der direkt bei der Registrierung an jeden Geflüchteten verteilt wird und ihm/ihr die wichtigsten Informationen nahebringt. Abb. 4: Präsentation der Gruppe 1 © KISD Gruppe 2: Barrieren der Bildkommunikation Während der Begehung der Flüchtlingsunterkünfte sind vor allem die kommunikativen Barrieren auffällig gewesen. Oftmals sind Gebrauchsanweisungen und Warnhinweise nur in deutscher Spra- che ausgehangen. Verwendung von internationalen Piktogrammen, welche weitestgehend auf Text verzichten. 5 Abb. 5: Präsentation der Gruppe 2 © KISD Gruppe 3: Neue Kontakte knüpfen Durch den Besuch unterschiedlicher Flüchtlingsunterkünfte stellte sich nach den Gesprächen mit den Bewohner*innen und den Heimleiter*innen heraus, dass die größte Barriere der Bewoh- ner*innen eine soziale ist. Eine App „Join Up“, die die Kommunikation und den Kontakt mit neuen Menschen, sowie die Aneignung des Sozialraums erleichtern soll. Gruppe 4: Zäune im Kopf Die Flüchtlingsunterkunft in Köln-Marsdorf ist umgeben von hohen Metallzäunen. Diese Abgren- zungen stellen nicht nur eine physische, sondern auch eine soziale Barriere für die dort lebenden Menschen dar. Die Zäune sind ein Symbol für Isolation und Ausgrenzung. Sie minimieren die Frei- heit der Bewohner zur Selbstgestaltung ihrer Wohnsituation. Den Bewohnern*innen wurden große schwarz-weiß Fotos von den Zäunen zur Verfügung ge- stellt. Sie wurden gebeten die Fotos nun so zu bemalen, dass die Zäune weniger wie Barrieren wirken. In einem zweiten Schritt sollen nun gemeinsam mit den Bewohner*innen Blumen gepflanzt und die Zäune tatsächlich dekoriert werden. 6 Abb. 6: Präsentation der Gruppe 3 © KISD Abb. 7: Präsentation der Gruppe 4 © KISD
Beratungsverlauf (3)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 2500/2017
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 16.08.2017
- Erstellt
- 11.08.2017 12:02