1903/2025
Bürgereingaben gem. §24 GO, Umsetzung eines Superblock-Konzepts für das Nippeser Clouth-Quartier („LebeVeedel“-Konzept)
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Anlage 3 Bürgereingabe Auf dem Stahlseil
6347 Zeichen
Anlage 3 Bürgerantrag gemäß § 24 Gemeindeordnung Nordrhein-Westfalen Betreff: Langfristige Unterbindung der Durchfahrt von Kraftfahrzeugen „Auf dem Stahlseil“ (Ost- West-Teilstück) Sehr geehrte Frau Bezirksbürgermeisterin Siebert, wir bitten Sie, den folgenden Bürgerantrag zum Beschluss auf die Tagesordnung einer der nächsten Sitzungen der Bezirksvertretung zu setzen: Antrag: 1) Auf dem in Ost-West-Richtung verlaufenden Teilstück der Straße "Auf dem Stahlseil" auf dem Clouth-Gelände wird die Durchfahrt für Kraftfahrzeuge zwischen der Tiefgaragenein-/ausfahrt - wie auf beigefügter Karte (Anlage 1) dargestellt - dauerhaft unterbunden. 2) An allen Zufahrten zum verkehrsberuhigten Bereich „Auf dem Stahlseil“ wird ein Zusatzschild angebracht, das die wichtigsten Regeln in dieser Zone verdeutlicht. Begründung: Der gesamte Bereich der Straße "Auf dem Stahlseil" ist als verkehrsberuhigter Bereich (Verkehrszeichen 325.1) ausgewiesen. Aufgrund einer Baumaßnahme ist seit August 2022 das in Ost-/West-Richtung verlaufende Teilstück dieser Straße für die Durchfahrt von Kraftfahrzeugen gesperrt. Die Sperrung dieses Teilstücks hat sich bewährt: Sie hat zu einer erheblichen Verkehrsberuhigung in diesem Straßenbereich geführt und einen sicheren Durchgang für Fußgänger und Fahrradfahrer zwischen der Halle 17 und der Josefine-Clouth-Straße geführt, den vermehrt auch Verkehrsteilnehmer aus anderen Bereichen des Clouth-Quartiers und darüber hinaus aus Alt- Nippes nutzen. Demgegenüber sind die entstandenen Umwege bei den Zu-/Ausfahrten zu bzw. aus den „Auf dem Stahlseil“ belegenen Tiefgaragen kaum von Bedeutung. Die aktuelle Praxis zeigt, dass dadurch auch keinerlei Schleich- oder Suchverkehr generiert wird. Auch die Entsorgung der Müllbehälter der Hausnummern 4 und 7 erfolgt unproblematisch, obwohl die Fahrzeuge der AWB idR rückwärts von der Halle 17 in diesen Straßenbereich einfahren. Eine entsprechende Müllentsorgung besteht bereits im Verkersberuhigten Bereich der Kautschukstraße zwischen Luftschiffplatz und Niehler Straße, dessen nördliche Zufahrt mit einer Durchfahrtsperre blockiert ist. Entgegen empfohlener Praxis befinden sich im Nord-Süd verlaufenden Teil des verkehrsberuhigten Bereichs „Auf dem Stahlseil“ bereits zwei Tiefgaragenzufahrten, was unglücklicherweise relativ viel Verkehr verursacht. Ebenfalls problematisch ist die Anlage von 18 kostenlosen oberirdischen PKW-Stellplätzen in diesem Bereich; mindestens sechs weitere Flächen werden routinemäßig ordnungswidrig als Parkplatz missbraucht. Letzteres ist auch darauf zurückzuführen, dass die offiziellen Stellplätze lediglich an einer leicht dunkleren Graufärbung der Pflastersteine zu erkennen ist; mehrere Gespräche mit den entsprechenden Fahrzeughalter*innen deuten stark darauf hin, dass dieses farbliche Signal zur Unterscheidung der offiziellen Stellplätze von den ordnungswidrig genutzten Flächen vielen Fahrzeugnutzer*innen nicht bekannt ist. Weiter ist zu bedauern, dass sich eine große Zahl von Fahrzeugnutzern*innen (geschätzt ca. 90% aller Fahrzeuge) in diesem Bereich nicht an die vorgegebene Schrittgeschwindigkeit hält. Diese ist gemäß verschiedener Präzedenzurteile auf 5 bis maximal 7 km/h beschränkt. All dies beeinträchtigt den eigentlich intendierten Effekt von gefahrlosen spontanen Begegnungen unter Nachbar*innen und vor allem das sorgenfreie Spiel von Kindern und Jugendlichen enorm. Eine dritte Tiefgarage wird nach Fertigstellung der vorgenannten Baumaßnahme in dem derzeit gesperrten Teilbereich der Straße „Auf dem Stahlseil“ hinzukommen und zusätzlichen Verkehr erzeugen. Eine dauerhafte Sperre könnte jedoch die aus Westen kommenden bzw. nach Westen fahrenden Fahrzeuge über die Kautschuk- und die Josefine-Clouth-Straße zu der neuen Tiefgarage lenken. Die entstehenden Umwege sind mit ca. 150 Metern vernachlässigbar und gegenüber dem erzielten Erfolg (sicherer Spielort für Kinder und Jugendliche, Nutzung für spontane soziale Interaktion der Anwohner und Besucher dieses Bereichs) von nachrangiger Bedeutung. Eine Abwägung von V or- und Nachteilen der beantragten Regelung spricht nach Auffassung der Unterzeichner für eine dauerhafte Unterbindung der Durchfahrt für Kraftfahrzeuge in dem in Ost- West-Richtung verlaufenden Teil der Straße „Auf dem Stahlseil“. Die Unterzeichner beantragen daher, die derzeit auf die Baumaßnahme Josefine-Clouth-Straße/Auf dem Stahlseil befristete Durchfahrtsperre auf dem in Ost-/West-Richtung verlaufenden Teilstück der Straße „Auf dem Stahlseil“ dauerhaft einzurichten. Diese Maßnahme würde zusätzlich erlauben, den derzeit gesperrten Bereich der Straße für eine verstärkte Begrünung zu nutzen, um das im Gewinnerkonzept des städtebaulichen Wettbewerbs von Land/BSV angestrebte Verhältnis von Stellplätzen zu Bäumen von 2:1 zu verbessern. Für eine solche Durchfahrtsbeschränkung eignen sich verschiedene Maßnahmen wie manuell bedienbare Poller, versenkbare Poller, fahrbare Blumenkästen o.ä. Dadurch kann sichergestellt werden, dass Rettungsfahrzeuge und Müllfahrzeuge von der Beschränkung ausgenommen sind. Die Entsorgung der Müllbehälter der Anlieger der Gebäude Auf dem Stahlseil 7 und 4 und des Neubaus an der Josefine-Clouth-Straße könnte von nur einer Seite (entweder aus Richtung der J. Clouth- Straße oder der Halle 17) erfolgen und so Umwege der Müllfahrzeuge reduzieren. Um sicherzustellen, dass die häufigen Ordnungswidrigkeiten beim Abstellen von Fahrzeugen sowie die gefährlich erhöhten Geschwindigkeiten nicht auf mangelndes Wissen zurückzuführen ist, beantragen wir weiterhin die Anbringung je eines Schildes an den zwei Zufahrten zum verkehrsberuhigten Bereich, das die wichtigsten Regeln in dieser Zone laut StVO verdeutlicht. Solche Schilder werden in anderen deutschen Kommunen (z.B. Lüneburg, Peißenberg) routinemäßig angebracht. Ein entsprechendes Gesuch an die Kölner Verwaltung wurde zwar bereits abgelehnt, die Ablehnungsgründe vermögen jedoch nicht zu überzeugen. Die entsprechende Korrespondenz kann gern nachgereicht werden. Die hiermit beantragten Maßnahmen finden bei den Anwohnern im Bereich der Straße „Auf dem Stahlseil“ breite Unterstützung. Eine Unterschriftenliste mit Namen und Adressen der Unterstützer*innen kann ebenfalls gern nachgereicht werden.
Anlage 2 Bürgereingabe "LebeVeedel"
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In Kopie an die Vertreter*innen folgender Parteien in der Bezirksvertretung Nippes:
Bündnis 90/Die Grünen, SPD, CDU, FDP, DIE LINKE, GUT/Klima Freunde, Die PARTEI
Köln, 15. April 2024
Umsetzung von Modul 1 bis 5 des LebeVeedel Konzeptes im Clouth Quartier
Hier: Anregung und Beschwerde gemäß § 24 Gemeindeordnung NRW
Sehr geehrte Mitglieder des Ausschusses für Bürgerbeteiligung, Anregungen und Beschwerden ,
die Unterzeichner*innen wenden sich hiermit an Sie im Sinne § 24 der Gemeindeordnung Nordrhein-
Westfalen (GO NRW) mit der Eingabe zur Umsetzung des beiliegenden LebeVeedel Konzeptes im
Nippeser Clouth Quartier. Aufgrund seines interdisziplinären Charakters empfehlen wir die fachliche
Bearbeitung durch eine dezernats- und ämterübergreifende Projektgruppe.
Im Namen der Bürger*innen-Initiative LebeVeedel
Geschäftsstelle für Anregungen und Beschwerden
an Rat und Bezirksvertretungen
z.Hd. Ausschuss für Bürgerbeteiligung, Anregungen und Beschwerden
-- Bezirksvertretung Nippes --
Ludwigstraße 8
50667 Köln
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 1
LebeVeedel
Bürgereingabe nach §24 -GO NRW
Detailszene einer Visualisierung nach Umsetzung des LebeVeedel Konzeptes
Bürger*innen-Initiative LebeVeedel
© Joanna Podszus , 2023
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 2
Die Essenz
Wie die detaillierte Analyse des Clouth Quartiers (S. 6 - 17) zeigt, schlummern dort noch viele un-
genutzte Potenziale, um es zu einem wahrlich lebenswerten, kinder - und seniorenfreundlichen,
nachhaltigen und dem Klimawandel angepassten Quartier zu machen.
Um diese Potenziale zu aktivieren, wurde das vorliegende Konzept seit 2020 von engagierten
Bürger*innen mit professioneller Unterstützung entwickelt. Es formuliert eine ganzheitliche
Vorstellung vom Clouth Quartier im Jahre 2030. Um sich schnell auf diesen Weg zu machen, möge
die Bezirksvertretung Nippes beschließen, die Verwaltung mit der Umsetzung der folgenden
Maßnahmen bis Ende 2025 zu beauftragen:
• Modul 1: Deutlich vermehrte Begrünung des Luftschiffplatzes (siehe S. 18).
• Modul 2: Optimierung der verkehrlichen Erschließung mit dem Zweck, Schleichverkehr
durchs Quartier zu unterbinden bzw. zu verringern und straßenbegleitende Flächen für
nicht-verkehrlichen Mehrwert umzuwidmen . Dies kann in verschiedene n Varianten
geschehen , je nachdem, ob die Quartiers-Durchfahrt unterbunden werden soll. Geringst-
investive Varianten lassen sich mithilfe einiger modaler Filter in wenigen Tagen umsetzen,
erfordern aber eine spätere zwingende Ergänzung durch Modul 6. Alternativ wären bauliche
Maßnahmen nach dem Woonerf-Prinzip erforderlich. Diese grundsätzliche Varianten-
entscheidung obliegt den Mitgliedern der BV-Nippes (siehe S. 19ff).
• Modul 3: Die Einführung des Bewohnerparkens ist dringend geboten, weil mehrere
existierende Bewohnerparkgebiete westlich des Clouth Quartiers augenscheinlich einen
gewissen „Parktourismus“ auslösen. Zudem untergräbt das Angebot an kostenlosen
Stellplätzen gemäß wissenschaftlichem Konsens die Wirkung des reduzierten Stellplatz-
schlüssels und der De-facto- Quartiersgarage in „Clouth 104“. Modul 3 löst nur geringen
Finanzbedarf aus und lässt sich sehr zeitnah umsetzen (siehe S. 25ff).
• Modul 4: Schnelle Aufwertung des öffentlichen Raums durch Tactical Urbanism. Die durch
Modul 2 mobilisierten Flächenpotenziale sollen durch gering-investive und teilweise
temporäre Maßnahmen unmittelbar genutzt werden. Somit lässt sich die Aufenthaltsqualität
direkt erhöhen und erlebbar machen. Dazu eignen sich Möblierungen, Farbe, mobile
Begrünungen, Spielanlässe etc., die zusammen mit Bürger*innen errichtet und gepflegt
werden können (siehe S. 28).
• Modul 5: Erhöhung der Attraktivität des Umweltverbundes. Bei der Planung des Clouth
Quartiers wurden einige einfache, international etablierte Maßnahmen zur Förderung des
Fuß- und Radverkehrs verpasst; einige leicht nachzuholende Elemente sind Teil von Modul 5,
das ebenfalls die Ausweitung des CarSharing-Angebots und die Optimierung der Route der
Buslinie 140 beinhaltet (siehe S. 30).
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 3
Eine Umsetzung dieser Maßnahmen bis Ende 2025 ist planerisch, finanziell und logistisch
unproblematisch. Man könnte sie auch als „niedrig hängende Früchte“ bezeichnen.
Um diesen Prozess bestmöglich zu starten und zu begleiten, möge die Bezirksvertretung Nippes
bereits jetzt zwei extrem wichtige ergänzende Maßnahmen beschließen:
• Modul Kommunikation: Die Umsetzung einer Kommunikations- und Dialogstrategie, um
sicherzustellen, dass alle Menschen, die im und um das Clouth Quartier herum wohnen und
arbeiten, das Anliegen und die daraus resultierenden Maßnahmen verstehen und als
mindestens nachvollziehbar, idealerweise als vorteilhaft empfinden (siehe S. 32).
• Modul Evaluation und wissenschaftliche Begleitung: Die Analyse des Vorher- und Nachher-
Zustands und eine qualitative Prozessevaluierung sind unentbehrlich, um ggf. Nach-
justierungen vorzunehmen und um alle relevanten Wirkungszusammenhänge tiefgründig zu
verstehen . Dies ist essenziell für Bemühungen, die gewonnenen Erfahrungen für andere
Quartiere nutzbar zu machen (siehe S. 33).
Modul 6 (Verschwenkungen, Schlaufenplan, Entsiegelung, Begrünung) ist nicht Teil der Forderungen
der vorliegenden Bürgereingabe. Dies unter anderem deshalb, weil einige der darin erwähnten
Maßnahmen andere Akteure tangieren (Rat der Stadt Köln, Privatwirtschaft, Zivilgesellschaft) oder
weil sie finanziell oder zeitlich anspruchsvoller sind. Dennoch werden diese Maßnahmen erwähnt,
um einen Blick auf das „große Ganze“ zu ermöglichen. Das volle Potenzial kann nämlich ausge-
schöpft werden durch Fahrbahnverschwenkungen, ggf. durch Einbahnstraßen gemäß einem
„Schlaufenplan“, durch Entsiegelungen von Asphalt mit anschließender intensiver Begrünung in
mikroklimatisch spürbarem Ausmaß.
Die jahrelange intensive Auseinandersetzung mit dem Clouth Quartier machte klar, dass es sich in
besonderer Weise dazu eignet, als Blaupause für die Nachjustierung eines Bestandsquartiers zu
dienen. Selbstverständlich lässt sich davon auch viel für die zeitgemäße Planung verschiedener
Neubaugebiete lernen: Parkstadt Süd, Deutzer Hafen, Mülheimer Süden, Kreuzfeld, Porzer Süden
u.a. Es stünde unserem quirligen Stadtbezirk Nippes gut an, die Heimat eines solchen Leuchtturm-
Quartiers zu sein.
Dies und nicht weniger ist der Anspruch der Initiative LebeVeedel und wir laden die Mitglieder der
Bezirksvertretung Nippes dazu ein, sich dieser Ambition anzuschließen.
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 4
Inhaltsverzeichnis
Die Essenz ................................ ................................ ................................ ................................ .... 2
1. Präambel ................................ ................................ ................................ ................................ .. 5
2. Das Clouth Quartier im Bestand ................................ ................................ ................................ . 6
2.1 Versiegelung und Überhitzung ................................ ................................ .......................... 6
2.2 Mangelnde Aufenthaltsqualität / geringe strukturelle Einladung zu sozialer Interaktion..... 10
2.3 Gefahren durch den fließenden und ruhenden Verkehr ................................ ................... 12
2.4 Herausforderungen des demographischen Wandels ................................ ........................ 14
2.5 Fehlende bzw. ungeeignete Räume für Kinder und Jugendliche ................................ ........ 14
2.6 Suboptimale Attraktivität des Umweltverbundes ................................ ............................. 15
3. Das LebeVeedel Konzept ................................ ................................ ................................ ......... 17
Modul 1: Deutlich vermehrte Begrünung des Luftschiffplatzes ................................ .................. 18
Modul 2: Optimierung der verkehrlichen Erschließung ................................ .............................. 19
Modul 3: Einführung des Bewohnerparkens ................................ ................................ ............. 25
Modul 4: Schnelle Aufwertung des öffentlichen Raums durch Tactical Urbanism ........................ 28
Modul 5: Erhöhung der Attraktivität des Umweltverbundes ................................ ...................... 30
Modul Kommunikation................................ ................................ ................................ ............ 32
Modul Evaluation und wissenschaftliche Begleitung ................................ ................................ . 33
Modul 6: Schlaufen, Umwidmungen, Verschwenkungen, Entsiegelung, Begrünung und
verkehrsberuhigte Bereiche................................ ................................ ................................ ..... 34
4. Das Clouth Quartier im Jahr 2030 ................................ ................................ ......................... 42
5. Transparenz, Beteiligung und Dialog ................................ ................................ ........................ 45
Schlussbemerkung ................................ ................................ ................................ ...................... 48
Quellenverzeichnis ................................ ................................ ................................ ..................... 49
Anhang 1: Liste aller Unterzeichner*innen
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 5
1. Präambel
Diese Bürgereingabe verfolgt eine Verbesserung folgender Qualitäten im Clouth Quartier:
A. Lebens- und Aufenthaltsqualität:
• Attraktive öffentliche Räume für alle, auch für junge und alte Menschen
• Ästhetische Attraktivität durch Vegetation, Kunst, Wasser etc.
• Habitatfunktion für Flora und Fauna (Biodiversität)
B. Soziale Interaktion und Zusammenhalt
• Nachbarschaftlichkeit als Faktor für Zufriedenheit und als Sicherungsnetz
• Eindämmung der Vereinsamungsgefahr, v.a. für ältere Menschen
• Mobilisierung der kollektiven Handlungsfähigkeit durch Netzwerkbildung
C. Resilienz
• Anpassung an den demographischen Wandel
• Klimawandelanpassung: Kühlung durch Beschattung und Begrünung / Evapotranspiration
• Klimawandelanpassung: Wassermanagement (Retention und Versickerung)
D. Sicherheit
• Reduktion von Angsträumen durch Präsenz im öffentlichen Raum
• Verbesserung der Verkehrssicherheit für alle Bevölkerungsgruppen
E. Gesundheit
• Reduktion von Gesundheitsrisiken (Übergewicht, Diabetes etc.) durch eine relative
Verbesserung der Bedingungen für die Fortbewegung zu Fuß und mit dem Fahrrad
• Verringerung von Hitzestress durch Reduktion der Maximaltemperaturen
Die LebeVeedel Initiative entstand 2020 aus Diskussionen einiger Clouth-Bewohner*innen, die ihre
persönliche und fachliche Erfahrung - unter anderem mit vergleichbaren Quartieren in anderen
Städten - mit der Realität im Clouth Quartier verglichen. Dadurch wurde klar, dass in diesem Areal
noch viele ungenutzte Potenziale stecken. Diese gilt es zu heben durch die Kombination der
jeweiligen Stärken, Ressourcen, Kontakte, Ideen etc. von bürgerschaftlichen Gruppen und Vereinen,
der Privatwirtschaft, des Bezirks Nippes und der Stadt Köln als ein „ko-kreativer” Gesamtprozess.
In diesem Sinne haben wir bereits in den vergangenen vier Jahre großen Wert gelegt auf einen
offene n Dialog mit verschiedensten Akteuren, zum Beispiel mit Vertreter*innen der BV-Nippes, mit
der modere stadt GmbH, mit dem Nachbarschaft Clouth e.V. und in besondere m Maße mit den
Bewohner*innen des Quartiers, um deren Anliegen, Sorgen und Ideen bestmöglich zu verstehen und
zu berücksichtigen (Details ab S. 45). Als Ergebnis erfreut sich das LebeVeedel Konzept einer sehr
breiten Unterstützung. Dies wurde klar in mehreren Veranstaltungen und Diskussionsrunden1. Bisher
haben xxx Personen ihre Unterstützung für das Konzept erklärt (siehe Unterschriften in Anhang 1).
1 Besonders erwähnenswert ist der LebeVeedel Dialogtag am 26.10.2023 , an dem 38 Personen teilnahmen
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 6
2. Das Clouth Quartier im Bestand
Der Ist-Zustand des Clouth Quartiers wird in folgenden Unterkapiteln beschrieben :
● Versiegelung und Überhitzung
● Mangelnde Aufenthaltsqualität
● Gefahren des fließenden und ruhenden Verkehrs
● Herausforderungen des demographischen Wandels
● Fehlende bzw. ungeeignete Räume für Kinder und Jugendliche
● Suboptimale Attraktivität des Umweltverbundes
2.1 Versiegelung und Überhitzung
Selbst Kölns Beigeordneter für Umwelt, William Wolfgramm,
anerkennt den Mangel an blauer und grüner Infrastruktur im
Clouth Quartier (siehe Abbildung 1) aufgrund des hohen
Versiegelungsgrades. Bestätigt wird diese Diagnose auch in
der Schlussfolgerung des offiziellen Fußverkehrs-Checks im
Auftrag der Stadt Köln, der Ende 2023 auch das Clouth
Quartier unter die Lupe nahm und dabei die „starke
Versiegelung und Hitzeinseln im Sommer“ beklagte
(Planungsbüro VIA, 2023)
Die offensichtlichste Form der Versiegelung sind asphaltierte Straßen, die in Abbildung 3 als
dunkelgraue Flächen dargestellt sind. Weitere Versiegelung wird verursacht durch Flächen für den
ruhenden Verkehr. Abbildung 3 zeigt daher alle ca. 260 straßenbegleitenden Kfz-Stellflächen in
dunkelrot; eine im Vergleich mit anderen Wohnquartieren sehr großzügige Anzahl2. Diese
großzügige Bereitstellung von oberirdischen Kfz-Stellplätzen widerspricht einem wichtigen Prinzip
des Bebauungsplans für das Clouth Quartier. Dort heißt es: „Stellplätze sind überwiegend
unterirdisch vorgesehen, um oberirdisch Bepflanzungen und Aufenthaltsflächen für die Nutzer
schaffen zu können“ (Stadt Köln, 2009, S. 8)
Darüber hinaus werden ca. 60 Plätze sehr regelmäßig als illegale Stellflächen missbraucht (hellrot).
Dieser Flächenverbrauch ist umso bedauerlicher, als mit der Tiefgarage unter dem Clouth 104
Gebäude eine öffentlich nutzbare und extrem unter-ausgelastete De-facto-Quartiersgarage existiert.
Teilversiegelt sind weitere Flächen für den Fußverkehr durch eine enge Pflasterung, auf der ebenfalls
keine Begrünung möglich ist und die eine Vor-Ort-Versickerung von Regenwasser erschwert. Auch
die von Gebäuden bestandenen Flächen verhindern offensichtlich eine Vor-Ort-Versickerung und
gelten damit als versiegelte Flächen.
2 260 Stellplätze im öffentlichen Raum bei ca. 1 .200 Wohneinheiten ergibt eine Quote von 0,217 SP / WE. In der fast gleich
alten Prinz-Eugen-Siedlung in München beträgt dieser Wert 0,1 (180 SP / 1800 WE).
Abbildung 1: William Wolfgramm in einem
Interview mit der Stadtrevue, Ausgabe
7/2023. https://tinyurl.com/mryu66kt
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 7
Auch Tiefgaragen gelten als (teil)versiegelte Fläche, weil darüber nur eine qualitativ minderwertige
Begrünung durch flach-wurzelnde, kleine und leichte Bäume möglich ist. Bei einer Sanierung der
Tiefgaragendecken, wie es in größeren Zeitabständen unvermeidlich ist, müssen Bäume sogar
komplett entfernt werden. Zudem wird durch Tiefgaragen die Vor-Ort-Versickerung von Wasser und
die Grundwasserneubildung 3 verunmöglicht (siehe Abbildung 2).
Abbildung 3 zeigt somit alle komplett und teil-versiegelten Flächen im Clouth Quartier.
3 Ein weiterer, wenig bekannter, Vorteil von lokaler Grundwasserbildung besteht darin, dass „gut wasserversorgte Böden …
Feuchtigkeit an die Luft ab[geben] und diese kühlen“ (Offermann et al., 2022, S. 202). Dies gilt auch für oberflächliches
Wasser, das nicht sofort in der Kanalisation verschwindet : Es hat Zeit zu verdunsten. Durch diesen Phasenübergang von
flüssig zu gasförmig wird der Umgebung Energie in Form von Wärme entzogen – das Kleinklima wird abgekühlt.
Abbildung 2. Tiefgarage noch ohne Su bstratüberdeckung (Ecke Josefine-Clouth-Straße / Auf dem Walzwerk).
Erkennbar wird der vollständige Versiegelungseffekt einer Tiefgarage.
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 8
Abbildung 3: Das Clouth Quartier mit den verschiedenen Arten der Versiegelung.
Die Auswirkungen dieses hohen Versiegelungsgrades verstärken sich teilweise gegenseitig:
● Hohe Abflussraten von Regenwasser. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Überlastung der
Kanalisation und das Hochwasserrisiko.
● Verhinderung der Vor-Ort-Neubildung von Grundwasser, also eine schlechte Wasserversorgung
für dringend benötigte Bäume.
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 9
● Aufheizung durch dunkle Asphalt- und Pflasterflächen. Viele Gebäudefassaden sind dunkelrot,
einige nahezu schwarz, die meisten Dächer dunkel gekiest, Fassaden zumeist unbegrünt.
● Oberflächliche Flächenkonkurrenz zu Lasten von Vegetation aller Art; von Wiesen, Hecken und
Bäumen.
● Verunmöglichung von großen Bäumen über den enorm vielen Tiefgaragen.
Die hohe Versiegelung verursacht Einbußen an Ästhetik, Lärmschutz, Luftreinigung, Biodiversität,
Kohlendioxidbindung, Stressreduktion 4, Schattenwurf und evaporative Kühlung. Letztere s ist
ausgesprochen bedauerlich, weil ein Baum von der Größe einer 20 Jahre alte Linde einen Kühlungs-
effekt wie 20 Kühlschränke hat; ein Großbaum, etwa eine 80-jährige Linde, wie 208 Kühlschränke5.
Die spärliche Anzahl an straßenbegleitenden Bäumen6 und die Verunmöglichung großer Bäume in
privaten Gärten über den Tiefgaragen ist daher der Haupt-Faktor für die in den letzten Jahren
erlittene sommerliche Überhitzung des Geländes 7. Eine Studie des Umweltbundesamtes hat das
Clouth Quartier auf seine Hitzeresilienz untersucht und schlussgefolgert, dass hier „Extrembereiche
mit einer PET8 von 60 °C und mehr … vor den sonnenbeschienenen Fassaden zu finden sind “
(Offermann et al., 2022, S. 129). Diese Studie empfiehlt als Ergebnis einer aufwändigen digitalen
Quartierssimulation, dass der „Flächenanteil von begrünten Flächen stark erhöht und damit der
Versiegelungsgrad deutlich verringert“ wird (ebd., S. 129). Ansonsten steht zu befürchten, dass
Selbsthilfebemühungen einiger Bewohner*innen zur Installation von Klimaanlagen führen könnten,
was die Überhitzung des Außenraums sogar verschlimmern würde.
All dies steht im Widerspruch zum
Gewinnerkonzept des städtebaulichen
Wettbewerbs für das Clouth Quartier
von LAND / BSV mit dem Titel „Das
Grüne Quartier”. Die Essenz dieses
Konzepts zeigt Abbildung 5. Demnach
wurden ca. 120 weniger Bäume als
ursprünglich vorgesehen gepflanzt.
Wesentlich dafür ist die Abweichung
von folgender planerischen Empfehlung:
„Den Stellplätzen als Längsparker
4 Der Anblick von Grün und das Erleben von Natur (insbesondere Vögeln) führt nachweislich zur Reduktion von Stress.
(Sander und Tietze, 2023)
5 Rötzer, zitiert in TUM, 2023, ab Minute 28
6 Erwähnenswert ist auch die Baumsortenwahl: Linden werden bis zu 40, Platanen bis zu 50 Meter n hoch. Die auf Clouth
gepflanzten Judasbäume und Amberbäume erreichen maxima l 10-13 bzw. 10-20 Meter mit überproportional viel kleinerer
Blattoberfläche (= Verdunstungsleistung = Kühlungsleistung).
7 Unglücklich ist in diesem Kontext die Mauer, die über ca. 250 Meter den Kaltluftabfluss aus dem Johannes-Giesberts-Park
in das Clouth Quartier verhindert.
8 Physiological Equivalent Temperature
Abbildung 4. Titelbild des Gewinnerkonzeptes für das Clouth
Gelände. (Land / BSV, 2014)
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 10
werden je zwei Stellplätze ein Gehölz …
zugeordnet” (Land / BSV, 2014);
tatsächlich gibt es nur nach jeweils vier
bis fünf Stellplätzen einen Baum.
Ein Widerspruch liegt ebenso vor mit
dem Bepflanzungskonzept Clouth
Quartier (KLA & LAND, 2015), das eine
höhere Vegetationsdichte vorsieht, sowie
mit den Handlungsprinzipien der Kölner
Stadtentwässerungsbetriebe , die seit
Jahrzehnten für eine „wassersensible
Stadt- und Freiraumgestaltung“ plädieren
(S.T.E.B., 2016).
Zudem widerspricht der Mangel an Grün
den Präferenzen der Bewohnend en. In
einer Umfrage im Sommer 2023 führte
der Wunsch nach mehr Grün mit großem
Abstand vor diversen anderen
Verbesserungsoptionen (siehe Abbildung
29 auf Seite 45).
2.2 Mangelnde Aufenthaltsqualität / geringe strukturelle Einladung zu sozialer
Interaktion
Seit Jahrtausenden ist bekannt und
spätestens seit 1981 nachgewiesen
(Appleyard, 1981), dass die Gestaltung
des öffentlichen Raumes die Intensität
sozialer Interaktion direkt beeinflusst.
Dort befindet sich auf Clouth jedoch
die großzügig dimensionierte Ver-
kehrsinfrastruktur, die sich nicht als
Begegnungsraum eignet. Daher
herrscht unter den Clouth Bewohner-
*innen nach wie vor ein relativ hoher
Anonymitätsgrad, obwohl hier schon
seit 2015 gewohnt wird. Die Aufent-
haltszeit auf dem eigenen Gehweg wird
minimiert in Ermangelung eines
Abbildung 6. ParkVeedel mit zentraler Tiefgarage und einer MIV -
freien inneren Erschließung ; allerdings ebenfalls ohne sonderliche
Begegnungsanlässe – d.h. weiter optimierbar .
Abbildung 5. Landschaftsgestalterischer Plan aus dem städte -
baulichen Gewinnerkonzept von Land / BSV, 2014 (Planquelle:
https://tinyurl.com/2eskxunc. Eigene Farbmarkierungen .
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 11
Grundes zum Aufenthalt. Zudem bewegen sich viele Anwohner*innen isoliert hinter Blech und Glas
durch die Straßen direkt in ihre Tiefgarage und von dort mit dem Aufzug direkt in ihre Wohnung.
Dies ist nicht den Bewohner*innen anzulasten, sondern ist eine vorhersagbare Konsequenz der
baulichen Struktur des Quartiers.
Dass Alternativen möglich sind, zeigt
das in der Nähe gelegene ParkVeedel
mit seiner zentralen Tiefgarage und
den inneren Erschließungswegen, die
zu Fuß gehenden und Fahrrad
fahrenden Menschen vorbehalten ist.
Siehe Abbildung 6.
Die geringe Aufenthaltsqualität im
Clouth Quartier wurde empirisch
bestätigt durch eine Präferenzabfrage,
die am 4. Oktober 2020 vom Haus der
Architektur Köln (hdak e.V.)
durchgeführt wurde. Passant*innen
konnten Punkte auf Fotos von
Straßenszenen kleben, wo sie sich
gerne aufhalten würden. Das Ergebnis
zeigt Abbildung 7.
Die öffentliche Meinung über den
Mangel an grüner Infrastruktur und
Begegnungsräumen kam auch sehr
deutlich zum Ausdruck durch die
Petition9 „Mehr Grün im Clouth
Quartier in Köln Nippes” im Herbst 2022, für die innerhalb weniger Tage knapp 400 Unterschriften
gesammelt werden konnten.
Mangelnde Aufenthaltsqualität wurde auch mehrmals im Abschlussbericht des Fußverkehrschecks
moniert; beispielhaft wurde dabei der kleine Platz in der süd-östlichen Ecke des Clouth Quartiers wie
folgt beschrieben: Der „Platz ist großflächig versiegelt und hat bis auf ein paar Bänke keine
attraktiven Elemente“ (Planungsbüro VIA, 2023).
Aus der niedrigen Personenfrequenz im öffentlichen Raum ergibt sich ein weiteres Folgeproblem:
Ein Mangel an positiver sozialer Aufsicht. Dies wird oft vor allem von Kindern und Frauen –
insbesondere nachts – als unangenehm empfunden.
9 Der online Teil der Petition steht unter www.openpetition.de/petition/online/mehr-gruen-im-clouth-quartier-in-koeln-
nippes. Weitere 240 Personen haben auf Papier unterzeichnet.
Abbildung 7. Klebepunkte-Aktion 2020: Rote Punkte wurden von
Erwachsenen geklebt, schwarze Punkte zeigen die Präferenzen
von Kindern. Die beiden oberen Bilder zeigen Straßenszenen aus
dem Clouth Gelände.
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 12
2.3 Gefahren durch den fließenden und ruhenden Verkehr
Das Verkehrsvolumen im Quartier ist – im Vergleich zu zeitgemäß geplanten Wohnquartieren –
unnötig hoch und verursacht an sich direkte vermeidbare Risiken. Schuld daran sind insbesondere
drei Gründe: Einerseits durch die maximal dezentrale Positionierung der vielen Tiefgaragen,
teilweise sogar am Ende (!) von Stichstraßen. Zum anderen wird das Quartier nachweislich als
Schleichweg zur Vermeidung von drei Ampeln entlang der Niehler und Xantener Straße missbraucht;
dies ist laut Bebauungsplan ausdrücklich unerwünscht10. Drittens führt die hohe Anzahl an kosten-
losen Parkplätzen zu Parksuchverkehr – mit hoher Wahrscheinlichkeit auch von Personen, die gar
nicht im Quartier wohnen (Planungsbüro VIA, 2023).
Tolerierbar wäre das existierende
Verkehrsvolumen , wenn sich alle Kfz an
die Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h
halten würden, die in dieser Zone 30
gilt. Leider wurden die Straßen aber
nicht „selbsterklärend11” – geschweige
denn „selbst-durchsetzend“ – gestaltet,
denn ihre Zweispurigkeit und Gerad-
linigkeit lädt zum Beschleunigen regel-
recht ein. Nach einem Beinaheunfall mit
einem Kindergartenkind Ende 2018
wurde die Straßengestaltung als
Ursache des Problems anerkannt. Statt
einer grundsätzlichen Umgestaltung
wurden allerdings lediglich einige
Schikanen von zweifelhafter
ästhetischer Qualität auf den Asphalt
geklebt12 (siehe Abbildung 9).
Die verkehrliche Effektivität dieser
Maßnahme blieb aus. Im September
2021 kam es zu einem tatsächlichen
Unfall mit einer Erstklässlerin – ausgerechnet durch eine Person, die das Clouth Quartier nach
eigenem Geständnis als Schleichweg benutzte. Ohne beherzte Veränderungen sind weitere ähnliche
10 Bei der entsprechenden Passage wird die Einrichtung einer Kita und Jugendeinrichtung im Clouth Quartier als positiv
bewertet, denn man geht von „(kein Durchfahren des Wohngebiets)“ aus (Stadt Köln, 2009, S. 12) .
11 Das Konzept der „selbsterklärenden Straße” ist als Stand der Technik anerkannt. Es besagt, dass „der Nutzer … intuitiv
schon allein aufgrund der Straßengestaltung [erkennt], welches Fahrverhalten und welche Geschwindigkeit von ihm
verlangt werden.” (DEKRA, 2022). Siehe auch Handreichungen des International Road Assessment Programme (iRAP, 2022)
12 Eine von Anwohnern durchgeführte niedrigwüchsige Begrünungsmaßnahme dieser Schikanen wurde vom Ordnungsamt
unter Androhung einer Geldstrafe von mind. 1000 Euro unterbunden.
Abbildung 8: Die Kautschukstraße als Gegenteil einer selbst -
erklärenden Straße in einer Tempo 30 Zone (Foto: R. Brand).
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 13
Fälle fast vorprogrammiert, denn die
Stoßzeiten von Schüler*innen und
Kindergartenkindern decken sich
weitgehend mit den Stoßzeiten von
Pendler*innen.
Noch heute liegt die Geschwindigkeit
vieler Fahrzeuge deutlich über 30
km/h. Eine polizeiliche Geschwindig-
keitskontrolle findet nicht statt. Aus
diesem Grund sammelt aktuell die sog.
„Verkehrsgruppe” 13 Spenden, um ein
Gerät zur Tempokontrolle mit
Feedbackfunktion (lächelndes oder
trauriges Gesicht) anschaffen zu
können. Im Haushalt des Vereins Clouth Nachbarn e.V. wurden dafür bereits € 1.000 eingestellt.
Leider wird auch im verkehrsberuhigten Bereich östlich der Halle 17 die vorgeschriebene
Schrittgeschwindigkeit14 systematisch ignoriert. Auch hier ereignete sich (am 12.12.2022) eine
Beinahe-Kollision zwischen einem SUV und einem dreijährigen Jungen auf einem Laufrad. Die
wiederholte Bitte an die Kölner Verwaltung, ein Zusatzschild mit den in dieser Zone geltenden
Grundregeln gemäß § 42 Absatz 2 Anhang 3 StVO (inkl. Schrittgeschwindigkeit) anzubringen, wurde
abgelehnt, obwohl dies in anderen Kommunen gängige Praxis ist.
Durch die bevorstehende Aufwertung des Johannes -Giesberts-Park, unter anderem durch die
Schaffung eines neuen Kinderspielplatzes im Nordbereich des Parks, ist eine deutliche Erhöhung des
Verkehrs von Kindern zu Fuß, mit dem Laufrad und Fahrrad aus dem Clouth Quartier in den Park zu
erwarten. Eine vorausschauende Planung muss dieser Tatsache präventiv gerecht werden und die
Wegeverbindungen zum Park so sicher wie möglich machen.
Zu bedenken ist ebenfalls, dass viele Kinder aus dem Clouth Quartier zur IOGS Grundschule
Kretzerstraße gehen. Außerdem befinden sich im Clouth Quartier drei Kindergärten bzw. Kitas –
inklusive des unmittelbaren Einzugsbereichs gibt es sogar neun solche Einrichtungen. Der von der
Stadt Köln beauftragte und Ende 2023 durchgeführte Fußverkehrs-Check des Clouth Quartiers
bemängelte ausdrücklich die vielen „Wendemanöver … durch Hol- und Bringverkehr“ im Umfeld der
Kitas (Planungsbüro VIA, 2023). Hier und im gesamten Quartier muss dringend Abhilfe geschaffen
werden, vor allem durch eine Reduktion der tatsächlich gefahrenen Geschwindigkeit und die
Schaffung von Querungsmöglichkeiten, an denen auch kleinere Kinder bestmöglich sichtbar sind;
sowohl auf allen Straßen im Clouth Quartier als auch der Niehler und Xantener Straße!
13 Eine Gruppe von Anwohner*innen, die die Verkehrssituation auf Clouth verbessern möchte.
14 Laut OLG Hamm (2019) zwischen 7 km/h und maximal 10 km/h. Empfehlung in der Fahrschule: „1. Gang und Fuß vom
Gas!”
Abbildung 9. Verkehrsberuhigungselement in der Josefine-Clouth
Straße
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 14
Diese und weitere Punkte wurden ebenfalls moniert und als dringender Handlungsbedarf identi-
fiziert von Polizeihauptkommissarin Anke Weiland (Polizeipräsidium Köln, Polizeiinspektion 4), die
sowohl mit dem LebeVeedel Team als auch mit einer Vertreterin des Verkehrsmanagements der
Stadt Köln sowie einem Verkehrsplaner Ende 2023 eine Verkehrssicherheitsschau im und um das
Clouth Quartier vorgenommen hat. Ihre schriftliche Eingabe liegt aktuell bei der Kölner
Stadtverwaltung.
Kurzum: Aktuell entspricht die Situation nicht dem Credo der Verkehrssicherheit . Demnach ist das
Ziel nicht etwa dann erreicht, wenn wenige Unfälle passieren, sondern wenn Eltern keine Sorge
haben müssen, wenn ihr Kind allein auf dem Weg zur Kita, zur Schule oder in den Park ist.
2.4 Herausforderungen des demographischen Wandels
In einigen Bereichen auf Clouth wohnen schon jetzt überwiegend ältere Personen; und dort, wo
heute primär Familien leben, werden in einigen Jahren, nach Auszug der Kinder, ebenfalls viele
Senior*innen wohnen. Die infrastrukturellen Voraussetzungen sind allerdings kaum auf die
Bedürfnisse dieser Bevölkerungsgruppe ausgerichtet.
Ältere Personen benötigen Sitzgelegenheiten mit Rückenlehnen - nicht nur auf Plätzen, sondern
entlang von Alltagswegen. Auf Clouth wird kein einziges solches Angebot gemacht. Erschwert wird
dies dadurch, dass im Clouth Quartier keinerlei Dienstleistungen des täglichen Bedarfs (Arzt,
Apotheke, kleiner Laden etc.) angeboten werden ; diese befinden sich fast ausschließlich an der
Neusser Straße. Der Weg von dort ist für ältere Menschen – vor allem mit Einkäufen beladen – ein
erhebliches Problem. Nicht wenige betagte Clouth Bewohner*innen fahren deshalb die 650 – 1.000
Meter (je nach Wohnort) mit dem Auto zum Einkaufen!
Senior*innen auf Clouth leiden jedoch vor allem unter der sommerlichen Überhitzung. Dies liegt
primär am Mangel an schatten- und kühlungsspendender Vegetation, insbesondere Bäumen. Aber
auch Sonnensegel, Pergolen oder ähnliches würden helfen. Aber nicht nur der Aufenthalt im Freien
ist unangenehm bis unerträglich. Die hohen Temperaturen kriechen in jede Wohnung, was älteren
Personen in lebensbedrohlichem Maße zusetzt.
2.5 Fehlende bzw. ungeeignete Räume für Kinder und Jugendliche
Auch von jungen Menschen hört man Klagen über die mäßige Attraktivität des öffentlichen Raums
auf Clouth. Der Luftschiffplatz eignet sich zwar in ausreichendem Maße für Kinder bis ca. 10 Jahren –
mit Einschränkung der mangelnden Verschattung. Für Jugendliche bietet er jedoch nichts: keine
Tischtennisplatte, keinen Basketballkorb, keine kommunikationsfördernde Sitzgruppe oder ähnliches
(Shaftoe, 2015). Dies ist eine Verletzung des gültigen Bebauungsplans, der dazu folgendes ausführt:
„Der zentrale Platz soll durch seine Gestaltung und die vielfältige Nutzbarkeit für alle Altersgruppen
eine hohe Aufenthaltsqualität erhalten" (Stadt Köln, 2009, S. 12 – Hervorhebung LV Team).
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 15
In den nahe gelegenen Johannes Giesberts Park dürfen kleinere Kinder typischerweise nicht allein
gehen – und Jugendliche finden dort ebenfalls kaum altersgemäße Betätigungsmöglichkeiten. Dies
trifft vor allem auf Mädchen zu, was ein seit langem bekanntes Anliegen von gendergerechter Stadt-
planung ist (Hermansen, 2021). Der im Park zu errichtende neue Spielplatz wird – nach Sichtung der
Ausführungspläne – daran nicht viel ändern.
Auf Spielplätzen, die zu den einzelnen Gebäudekomplexen gehören, findet keine Begegnung von
Kindern und Eltern aus verschiedenen Gebäuden statt , weil sie sich rückwärtig – also abseits der
Straßen und Gehwege – befinden und weil ihre ausdrückliche Deklaration als „Privatgrund”
buchstäblich ausladend ist. Und auch dort wird für Jugendlichen nichts geboten.
Der natürlichste Spielraum für Kinder ist der Raum zwischen Gebäuden. Dort befindet sich auf
Clouth die großzügige Verkehrsinfrastruktur, die für diesen Zweck ungeeignet ist. Und selbst im
verkehrsberuhigten Bereich östlich der Halle 17 ist das Spiel auf der Straße gefährlich. Grund dafür
sind die drei Tiefgaragen-Ein- und Ausfahrten, die 16 oberirdischen Parkplätze, die vielen notorisch
falsch geparkten Fahrzeuge, sowie die grundsätzlich viel zu hohen Fahrgeschwindigkeiten.
2.6 Suboptimale Attraktivität des Umweltverbundes
Die Attraktivität des Umweltverbundes kann absolut und relativ bewertet werden. Bei der absoluten
Bewertung wird die Sicherheit, Bequemlichkeit und Zugänglichkeit eines Verkehrsträgers „an sich”
beurteilt. Bei der relativen Bewertung fällt der Vergleich mit der Attraktivität des Kfz-basierten
Individualverkehrs zusätzlich ins Gewicht. Die relative Attraktivität ist das ausschlaggebende
Kriterium, weil sie die tatsächliche Verkehrsmittelwahl von Menschen beeinflusst.
Fußverkehr
Die Breite der Gehwege auf dem Clouth Gelände ist vorbildlich, stößt zu Stoßzeiten des Schüler-
*innen-Verkehrs aber trotzdem an seine Grenzen ; denn dabei kommt es zu Pulkbildung durch
Grundschulkinder, die bis zur Vollendung des achten Lebensjahres mit dem Rad auf dem Gehweg
fahren müssen bzw. bis zum zehnten Lebensjahr dürfen (Planungsbüro VIA, 2023).
Die Attraktivität des Fußverkehrs hätte höher ausfallen können durch Abkürzungen, die nur zu Fuß
gehende Menschen nutzen können. Eine solche Durchwegung gibt es an der Rückseite der Gebäude
Josefine-Clouth-Straße 16 bis 23. Sie erspart im besten Fall (im Vergleich zur MIV-Route) aber
lediglich 80 Meter. Andere Mikro-Durchwegungen durch die Gärten einiger Gebäudekomplexe
waren möglicherweise planerisch angedacht; aufgrund des expliziten oder gestalterischen Durch-
gangsverbots sind diese allerdings für die Alltagspraxis nutzlos.
Außerdem fehlen Sitzgelegenheiten und eine Beschattung entlang der Fußwege.
Problematisch ist zudem das Queren von Straßen, insbesondere für Kinder und ältere Personen,
aufgrund der nicht verlässlich eingehaltenen Geschwindigkeitsbegrenzung. Besonders erschwert
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 16
wird die Straßenquerung für Kinder aufgrund der vielen – legal und illegal – am Straßenrand gepark-
ten PKW und der damit einhergehenden schlechten Sichtbarkeit. Die Anwendung des international
bewährten Konzeptes des „Continuous sidewalk“ (Pinder, 2021) – siehe Abbildung 20 – wurde im
Clouth Quartier leider verpasst. Auch der Fußverkehrscheck des Clouth Quartiers mit dem Fußver-
kehrsbeauftragten der Stadt Köln konstatierte mehrere ungenügende Querungsmöglichkeiten für zu
Fuß Gehende im Quartier und dessen unmittelbaren Umfeld (Xantener und Niehler Straße)
(Planungsbüro VIA, 2023)
Radverkehr
Abkürzungsmöglichkeiten könnten auch die Attraktivität des Fahrrades gegenüber dem MIV erhöhen
– leider blieb auch dieses Potenzial ungenutzt. Die Anzahl von öffentlichen Radabstellmöglichkeiten
wurde nachträglich bereits geringfügig erhöht, ist in einigen Straßenzügen aber noch nicht ausrei-
chend; Indiz dafür sind Fahrräder, die an Straßenschildern etc. angeschlossen werden. Witterungs-
geschützte öffentliche Abstellmöglichkeiten bestehen leider nicht.
Das Clouth Gelände ist erfreulicherweise innerhalb des Bediengebietes für die Flotte an KVB-Rädern.
Das Abstellen eines Call-a-Bike auf Clouth löst jedoch eine Strafgebühr aus – daher geht die Wahr-
scheinlichkeit gegen Null, ein solches Rad hier ausleihen zu können. Ein KVB-Lastenrad ist auf Clouth
ausleihbar; allerdings sind die finanziellen Konditionen dafür nicht sonderlich attraktiv. Außerdem ist
das Fahrradmodell für viele (u.a. kleinere) Personen gänzlich ungeeignet.
ÖPNV
Die Anbindung an die Stadtbahnlinien 12 und 15
(Florastraße) sowie 16 (Kinderkrankenhaus) ist gut
bis befriedigend. Insbesondere letztere Haltestelle
ist durch den Johannes-Giesberts-Park angenehm
zu erreichen; nachts empfinden manche Menschen
den Weg durch den Park allerdings als unsicher. Die
nächst-gelegenen ÖPNV -Haltestellen sind die
Stopps „Niehler Straße” und „Kretzerstraße” der
Buslinie 140. Diese ist in Richtung Süden aufgrund
der verschlungenen Routenführung ( Abbildung 10)
extrem unattraktiv. Inklusive Fußweg zur Haltestelle
und einer Wartezeit von 5 Minuten benötigt man
von der Haustüre zum Ebertplatz 29 Minuten; mit
dem Auto nur 7 Minuten. Der On-demand-Dienst ISI
ist finanziell durchaus attraktiv. Aufgrund seiner
beschränkten Bedienzeiten und seines limitierten
Servicegebietes kann er jedoch nicht als vollwertige MIV-Alternative gelten.
Zudem wird MIV-Nutzenden eine massive strukturelle Bequemlichkeit geboten, weil sie aus ihrer
Wohnung mit dem Aufzug in die Tiefgarage fahren können; von dort können sie mit ihrem PKW drei
Abbildung 10. Routenführung der Buslinie 140
(KVB, VRS, 2019)
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 17
Ausfahrten aus dem Areal wählen, um auf direktestem Weg ihr Ziel anzusteuern. Und wer keinen
Tiefgaragen-Stellplatz für sein Erst- oder Zweitauto finanzieren bzw. mieten muss oder möchte,
findet viele kostenlose Stellplätze im öffentlichen Raum.
Kurzum: Die absolute Attraktivität des Umweltverbundes ist für Clouth Bewohner*innen bei
wenigen Parametern hervorragend (Gehwegbreite) bei vielen Parametern gut, bei vielen anderen
Parametern aber bestenfalls befriedigend. Die relative Attraktivität des Umweltverbundes muss als
mangelhaft eingestuft werden - dies vor allem deshalb, weil die Attraktivität der privaten Pkw-
Nutzung maximiert wurde.
3. Das LebeVeedel Konzept
Das LebeVeedel Konzept basiert auf einer bewussten Kombination von sich gegenseitig ergänzenden
Maßnahmen; primär auf einer begegnungsfreundlicheren Gestaltung und Begrünung des öffentli-
chen Raums und – teilweise als Voraussetzung dieser Punkte – auf einer Reorganisation des
ruhenden Verkehrs und einer Neustrukturierung der verkehrlichen Erschließung. Um die schrittweise
Umsetzung dieses Konzeptes planerisch, finanziell und baulich zu ermöglichen, wurde es in fünf
Module aufgeteilt. Die folgende Übersicht zeigt deren geschätzte Kostenintensität, Planungs - und
Umsetzungsdauer.
Modul
Nr.
Modulbezeichnung Planungs-
dauer
Umsetzungs-
dauer
Kosten-
intensität
Siehe
Seite
Gegenstand dieser Bürgereingabe
Umsetzung bis Ende 2025
1 Deutlich vermehrte Begrünung
des Luftschiffplatzes
3 Monate 1 Monat Moderat 18
2A
2B
oder
2C
Optimierung der verkehrlichen
Erschließung
1 Monat –
1 Jahr
1 Woche –
1 Jahr
Minimal –
Hoch
19
Je nach Variante
3 Einführung des
Bewohnerparkens
5 Monate 1 Monat Gering 25
4 Schnelle Aufwertung des
öffentlichen Raums durch
Tactical Urbanism
4 Monate 1 Monat Gering 28
5 Erhöhung der Attraktivität des
Umweltverbundes
1-6 Monate 1-6 Monate Gering 30
Besondere Erwähnung verdienen dabei zwei begleitende Maßnahmen , die während des gesamten
Planungs- und Umsetzungsprozesses entlang aller Module unabdingbar sind:
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 18
● Kommunikation (Seite 32)
● Evaluierung - Wissenschaftliche Begleitung (Seite 33)
Was nicht Teil des erbetenen BV -Beschlusses ist, was aber unbedingte Erwähnung verdient, ist die
längerfristige Vision, was aus dem Clouth Gelände werden kann und soll. Dieser Blick auf das „große
Ganze“ wird in Modul 6 formuliert. Vor dem Hintergrund dieses Zieles erschießt sich der Zweck der
Module 1 bis 5 in besonderem Maße, weil sie teilweise eine Voraussetzung für ein wahrhaft
zukunftsfähiges Clouth Quartier sind.
Modul
Nr.
Modulbezeichnung Planungs-
dauer
Umsetzungs-
dauer
Kosten-
intensität
Siehe
Seite
Umsetzung
bis 2030 6 Schlaufen, Umwidmungen,
Verschwenkungen,
Entsiegelung, Begrünung und
verkehrsberuhigte Bereiche
1 Jahr 1 Jahr Hoch 34
Die einzelnen Module werden im Folgenden näher erläutert.
Modul 1: Deutlich vermehrte Begrünung des Luftschiffplatzes
Der Bebauungsplan für das Clouth
Quartier spricht vom zentralen Platz
als einer „Parkanlage“ (Stadt Köln,
2009, S. 12); der bisher realisierte
Zustand verdient diesen Begriff
allerdings definitiv nicht – siehe
Abbildung 11. Gemessen an diesem
Begriff und ganz im Sinne der
Wünsche der Bewohnenden, des
städtebaulichen Gewinnerkonzeptes
und gemäß dem anerkannten Stand
der Technik bedarf der Luftschiffplatz
dringend einer beherzten weiteren
Begrünung. Dadurch wird folgende
Erkenntnis genutzt: „Viele kleine Parks können die warme Luft tropischer Sommernächte viel besser
abkühlen als wenige große. Von großen Grünflächen würden nur die unmittelbaren
Anwohner*innen profitieren, im Normalfall im Umkreis von hundert Metern“ (Klockau, 2019).
Der Luftschiffplatz eignet sich aufgrund seiner Zentralität und weil dort eine geringe
Flächenkonkurrenz mit anderen Nutzungsformen herrscht. Vor allem ist er nicht durch eine
Tiefgarage unterbaut, was ihn als Standort für Großbäume auszeichnet. Fünfzehn solcher Bäume
Abbildung 11: Der Luftschiffplatz im März 2024 (Foto: R. Brand).
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 19
sollten dort so schnell wie möglich gepflanzt werden; da sich ihre Kühlleistung erst nach vielen
Jahren entfaltet, sind ca. 20-jährige Bäume zu wählen. Dabei ist auf hitzeresistente Arten zu achten,
etwa Silberlinde, Französischer Ahorn, Japanischer Schnurbaum. Stark allergene Bäume wie Birken
sind zu vermeiden (Pointner et al., 2023). Die bei einer gestalterischen Veränderung des
Luftschiffplatzes relevante Frage des Urheberrechts wurde mit dem Landschaftsarchitekten bereits
abgeklärt; demnach sind diesbezüglich keine Probleme zu erwarten.
So erfreulich zentral der Luftschiffplatz auch ist, die Schattenwirkung einer dortigen intensiven
Begrünung strahlt leider nicht in die weiteren Bereiche des Clouth Quartiers. Leider gilt dies auch für
den Kühlungseffekt , dessen Wirkung durch Gebäude nahezu komplett blockiert wird (Bongardt,
2006). Demnach ist es entscheidend, die Begrünung im gesamten Clouth Quartier voranzutreiben.
Dies wiederum setzt eine Entsiegelung voraus, um Wurzelbereiche zu schaffen, wodurch die Frage
nach der Verfügbarkeit von Platz aufgeworfen wird; daraus erklärt sich die Notwendigkeit einiger
anderer Module, insbesondere von Modul 2.
Modul 2: Optimierung der verkehrlichen Erschließung
In einem früheren Entwurf dieser Bürgereingabe lautete dieses Modul „Aufteilung in zwei
Anliegerzonen“. Es bestünde in der Unterbindung der Durchfahrt für Kfz entlang einer von West
nach Ost verlaufenden Linie (siehe Abbildung 13). Dieses Konzept (Variante 2A) wurde von vielen
Clouth-Bewohnenden ausdrücklich begrüßt, von einigen anderen aber kritisch hinterfragt. Daher
entwickelte das LebeVeedel -Team eine alternative Erschließungs-Variante (Variante 2B), die viele
Kritikpunkte vermeidet. Im Laufe weiterer Gespräche mit Bewohnenden und Fachplaner*innen
entstanden außerdem weitere mögliche Erschließungskonzepte von denen hier noch die „Woonerf“-
Variante (Variante 2C) ausgeführt wird.
Die vorliegende Bürgereingabe verlangt nicht die exakte Umsetzung einer dieser drei Möglichkeiten.
Vielmehr vertrauen die Initiant*innen darauf, dass dank der Expertise der Verwaltung und dank der
Abwägungen der Vertreter*innen in der BV-Nippes letztlich eine gute Kombination von Elementen
aus den verschiedenen Varianten gefunden wird. Entscheidend ist, dass die eigentlichen Anliegen
der Bürgereingabe (siehe Präambel) erfüllt werden. 15
Alle Varianten des Modul 2 wären mit nennenswerten Eingriffen in die Verkehrsinfrastruktur
verbunden. Dies muss selbstverständlich rechtssicher geschehen, was Dank § 45 der StVO aber
durchaus erreichbar ist. Er besagt, dass
„Straßenverkehrsbehörden … die Benutzung bestimmter Straßen oder Straßenstrecken aus
Gründen der Sicherheit oder Ordnung des Verkehrs beschränken oder verbieten und den
15 Einige Elemente können auch variantenunabhängig sinnvoll sein, etwa Verkehrszeichen 250 („Durchfahrt verboten”) mit
dem Zusatzschild „Anlieger frei”. Auch die Einrichtung einer „Kiss & Drop“ Zone vor dem Jugendmedienzentrum wäre
variantenunabhängig vorteilhaft, damit die Elterntaxis zu den beiden Kitas weniger weit ins Clouth Quartier fahren müssen.
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 20
Verkehr umleiten [können]. Das gleiche Recht haben sie … zum Schutz der
Wohnbevölkerung vor Lärm und Abgasen … (1b) Die Straßenverkehrsbehörden treffen
auch die notwendigen Anordnungen … 3. zur Kennzeichnung von Fußgängerbereichen und
verkehrsberuhigten Bereichen, 4. zur Erhaltung der Sicherheit oder Ordnung in diesen
Bereichen sowie 5. … zur Unterstützung einer geordneten städtebaulichen Entwicklung.“
Ein noch „größerer Spielraum besteht [für die öffentliche Hand] bei Maßnahmen zur Umsetzung von
kommunalen Verkehrskonzepten. “ (Agora Verkehrswende , 2018, S. 12). Die Stadt Köln erstellt
aktuell ein solches Verkehrskonzept (Sustainable Urban Mobility Plan). Es ist davon auszugehen, dass
sich daraus belastbare Begründungen für entsprechende Maßnahmen ableiten lassen.
Variante 2A
Variante 2A ließe sich mit wenigen Handgriffen umsetzen durch die Unterbindung der Durchfahrt für
Kfz an vier Orten wie in Abbildung 12 dargestellt (an einer Stelle bereits existierend). Dadurch
entstünden zwei getrennte Anliegerzonen .
Das Unterbinden der Durchfahrt durch
ein Areal ist ein seit den 1970er Jahren
bewährter Ansatz, der den Zirkula-
tionsplänen in Groningen, Gent, Aalter,
Mol, Leuven und vielen anderen
Städten zugrunde liegt. Auch die Low
Traffic Neighbourhoods (z.B. in London)
oder das Superblock-Konzept (z.B. in
Barcelona) basieren darauf. Es ist
ebenfalls die Kernempfehlung der
Richtlinien für die Anlage von
Kiezblocks (RAKi 23) (FGSM, 2023). Der
Fußverkehrs-Check, der im Auftrag der
Stadt Köln Ende 2023 von einem
Planungsbüro durchgeführt wurde, mündete in folgende Empfehlung: „Es soll geprüft werden, ob
die Durchfahrt des Clouth-Geländes durch Diagonalsperren und Umwandlung von
Straßenabschnitten (Veedelsblock -Idee nach der Superblock-Idee aus Barcelona) unterbunden
werden kann“ (Planungsbüro VIA, 2023).
Die Unterbindung der Durchfahrung des Clouth Quartiers erhöht die relative Attraktivität des
Umweltverbundes ganz wesentlich. Außerdem eliminiert sie den Schleichverkehr zur Umfahrung von
drei Ampeln und Stau auf der Niehler und/oder Xantener Straße. 16 Nicht zuletzt verringert sie die
Fahrgeschwindigkeiten auf der Josefine-Clouth-Straße, weil die Länge der Schnellfahrstrecke deutlich
reduziert wird.
16 In Stichproben konnte dies von Mitgliedern der Initiative gemessen werden. Demnach fahren 15% aller in das Clouth
Quartier einfahrenden Fahrzeuge nach etwa 2 Minuten an anderer Stelle wieder heraus.
Abbildung 12: Existierende Poller im Clouth Quartier.
Kautschukstraße
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 21
Zudem entstünde dadurch eine attraktive und stark kreuzungsreduzierte Gehwegeverbindung von
Alt-Nippes in den Johannes-Giesberts-Park. Dies würde einen deutlichen Mehrwert für Gesamt -
Nippes schaffen (siehe die blaue Linie in Abbildung 13). Um diesen Effekt verkehrssicherheits -
technisch zu untermauern, sollte die Überquerung der Josefine-Clouth-Straße für Menschen, die zu
Fuß auf der Straße Auf dem Stahlseil in Richtung Park unterwegs sind, durch einen continuous
sidewalk (Pinder, 2021, siehe auch Abbildung 20) abgesichert werden.
Empfohlen wird die Umsetzung durch einfache modale Filter (z.B. Poller, bewegliche Pflanztröge
o.ä.), die kein Hindernis für zu Fuß gehende und für Rad fahrende Menschen darstellen und die von
der Besatzung von Müll- und Rettungsfahrzeugen geöffnet werden können. Alle Hauseingänge und
alle Tiefgaragen blieben ohne Einschränkungen mit dem Kfz erreichbar; es müssten lediglich
teilweise andere Anfahrtsrouten gewählt werden.
Variante 2A beinhaltet lediglich eine Reorganisation der Verkehrsführung im Clouth Quartier und
führt allein noch nicht zu einer Erhöhung der Aufenthaltsqualität oder der Vegetationsdichte. Es
schafft aber die Voraussetzungen für die Reduzierung des Fläche nbedarfs für den fahrenden und
ruhenden Verkehr. Entsprechende komplementäre Maßnahmen sind zwingend als Ergänzung zu
Variante 2A umzusetzen und werden im Modul 6 beschrieben.
Die große Mehrheit der Anwesenden des „Dialogabends“ am 26.10.2023 begrüßte dieses Konzept
ausdrücklich; eine Person äußerte jedoch Bedenken. Hinterfragt wurde das Konzept auch in drei von
15 E-Mails, die das LebeVeedel-Team im Herbst 2023 erhielt. Dabei ging es um einen
unausgewogenen Zuschnitt der nördlichen und südlichen Anliegerzone, sowie um die Furcht vor
zusätzlichem Verkehrsaufkommen durch erzwungene Umwege.
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 22
Abbildung 13: Das Clouth Quartier nach Aufteilung in zwei Anliegerzonen nach Variante 2A . Man beachte die
dadurch ebenfalls entstehende extrem sichere Fußwegverbindung.
Variante 2B
Variante 2B nimmt das Argument einer unausgewogenen Größe der beiden Anliegerzonen zum
Anlass einer alternativen Positionierung der Durchfahrtssperren, wie in Abbildung 14 ersichtlich. In
dieser Variante kommen deutlich mehr modale Filter zum Einsatz, was allerdings keine
nennenswerten Mehrkosten verursacht.
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 23
Sowohl Variante 2A als auch Variante 2B führen zu Umwegen für Kfz-Nutzende im Südteil des
Geländes, die nach Norden fahren wollen und für Kfz-Nutzende im Nordteil, die nach Süden fahren
wollen. Eine nennenswerte Verlagerung des Verkehrs auf die Niehler bzw. Xantener Straße wird
dadurch aber nicht erwartet, denn einerseits betrifft dies Kfz Nutzende nur in einem Teil der Fälle –
je nach Fahrtziel. Andererseits wird nicht jede theoretisch davon betroffene Fahrt überhaupt mit
dem Kfz bewältigt werden. Erklärung dafür ist das vielfach nachgewiesene Phänomen der
Abbildung 14: Das Clouth Quartier nach Aufteilung in zwei Anliegerzonen nach Variante 2B. Die nördliche und
südliche Anliegerzonen sind hier etwa gleich groß – im Vergleich zu Variante 2A.
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 24
„Verkehrsverpuffung” 17. Die Erklärung dafür liegt darin, dass Menschen vernunftbegabte Wesen
sind, die im Falle eines Hindernisses nicht nur die Route überdenken, sondern auch das
Verkehrsmittel 18, teilweise sogar den Zweck einer Fahrt. Somit kann durch die Unterbindung der
Durchfahrt ein Beitrag zur Verkehrsvermeidung und zum Modal Shift in Richtung Umweltverbund
geleistet werden, von dem nicht nur das Clouth Quartier profitiert!
Der besondere Charm der beiden Varianten 2A und 2B besteht darin, dass es mit sehr wenig
Vorlaufzeit und mit sehr geringen finanziellen und personellen Ressourcen umgesetzt werden kann.
Variante 2C
Eine dritte Variante nimmt sich die (extrem seltenen) Rückmeldungen aus der Nachbarschaft zu
Herzen, dass eine Unterbindung der Durchfahrt grundsätzlich unerwünscht sei. Um dennoch eine
bewusste Bevorteilung des Fuß- und Radverkehrs zu erreichen und um gleichzeitig Platz für grüne
(und blaue) Infrastruktur zu schaffen, können Gestaltungsprinzipien des niederländischen „Woonerf“
zum Einsatz kommen. Diese Planungskonzept wird seit den 1960er Jahren so erfolgreich angewandt,
dass mittlerweile 2 von 9 Millionen niederländische Haushalte in einem Woonerf liegen.
17 Cairns et al. 2002. European Commission, 2004. Bauer et al., 2023. , Nello-Deakin, 2022.
18 Sogar die 2024 veröffentlichten „Ergänzenden Handlungsanleitungen zur Anwendung der RASt 06“ sprechen sich dafür
aus, eine bewusste Reduzierung der „Qualitätsstufe des Verkehrsablaufs (QSV) [als] regulatives Instrument zur
Beeinflussung der Verkehrsmittelwahl“ zu nutzen. Damit anerkennt der offizielle Stand der Technik dass das
Verkehrsvolumen keine unveränderliche Größe ist (FGSV, 2024 , S. 7).
Abbildung 15: Typische Straßenszene in einem Woonerf. Zu beachten ist die geschwungene Straßenführung
(Vorder- und Hintergrund) und die üppige Begrünung. Bildquelle: Steinberg, 2017.
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 25
Es handelt sich um eine Wohnstraße, auf der zu Fuß gehende die Straße mit Fahrzeugen teilen (nicht
umgekehrt!). Ein Woonerf ist demnach eine bewusste Mischung von sozialen Aktivitäten (inklusive
Kinderspiel) mit Verkehr – das funktioniert sehr gut bei maximal erlaubten 15 km/h! Diese
Geschwindigkeit wird aber nicht nur regulativ vorgeschrieben, sondern wird in der Gestaltung der
Straße „eingebaut“. Um dies zu erreichen, werden Straßen gemäß bewährter Designprinzipien (Ben-
Joseph, 1995) gestaltet. Als besonderes effektiv hat sich etwa eine Straßen -Verschwenkung alle ca.
50 Meter erwiesen, z.B. durch Vegetation am Straßenrad, durch wechselseitige Parkplätze oder
durch die Positionierung von Straßenmobiliar. Abbildung 15 zeigt eine typische Woonerf-Straße.
Ein typisches Gestaltungselement eines Woonerf, das auch im Clouth Quartiers sicherlich sinnvoll
zum Einsatz kommen kann, sind Einbahnstraßen. Falls dies unerwünscht ist, sollten stattdessen
unbedingt einspurige Passagen von mindestens 20 Metern Länge zum Einsatz kommen, wo
Begegnungsverkehr dank entsprechend er Warte-Buchten möglich ist19.
Die Unterbindung der Durchfahrt ist ein optionales, aber kein wesentliches Element eines Woonerf.
Variante 2C ist wesentlich aufwendiger und kostenintensiver als die Varianten 2A oder 2B; sie lässt
sich jedoch als Interimslösung mit einer großzügigen Anzahl von mobilen Gestaltungselementen
durchaus effektiv organisieren.
Modul 3: Einführung des Bewohnerparkens
Eine große Anzahl von Fahrzeugen, die die kostenlosen öffentlichen Stellflächen auf Clouth belegen,
sind hier sehr regelmäßig zu sehen. Dies nährt den Eindruck, dass sehr viele Stellplätze keineswegs
von den intendierten Nutzergruppen (Besuchende, Dienstleistende, Handwerker*innen) in Anspruch
genommen werden, sondern dass sie von Bewohner*innen des Clouth Quartiers und der
umliegenden Gebiete genutzt werden. Daraus ergeben sich zwei Interpretationsmöglichkeiten:
A. Die Tiefgaragen-Stellplätze auf Clouth reichen nicht aus, um alle Fahrzeuge von Bewohner*innen
zu beherbergen. Angesichts des Stellplatzschlüssels von 0,8 und angesichts der guten Anbindung
des Geländes durch den Umweltverbund sowie der Verfügbarkeit von CarSharing-Angeboten
erscheint diese Interpretation fraglich. Selbst wenn dem so wäre, wäre das kein Zeichen eines
„unvermeidlichen” Parkdrucks, denn in Zeiten des Klimanotstandes und des geopolitisch
gebotenen Ausstiegs aus fossilen Brennstoffen muss eine sorgfältige Differenzierung zwischen
Wunsch und Bedürfnis Teil des öffentlichen Diskurses über die Anzahl von „tatsächlich
benötigten” PKW sein.
19 Exakt dieses Planungsprinzip wird mittlerweile auch in Deutschland als Stand der Technik empfohlen. Die FGSV
formuliert dazu folgendes: „In beengten Situationen … ist es zweckmäßig, anstelle der Wahl einer durchgehenden
Fahrbahnbreite auch einzelne Abschnitte (Orientierungslänge 50 bis 150 m) mit reduzierter Fahrbahnbreite anzustreben “
(FGSV, 2024, S. 8)
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 26
B. Die Anzahl der Tiefgaragen-
Stellplätze ist ausreichend, die
Nutzung der kostenlosen
oberirdischen Stellplätze ist jedoch
schlicht attraktiver als die Nutzung
der vorhandenen
Tiefgaragenplätze. Diese Deutung
erscheint plausibel, weil die Anzahl
straßenbegleitender Stellflächen
außergewöhnlich hoch2 und weil
deren Nutzung kostenl os ist. Seit
Jahren hängt über der Einfahrt
einer Tiefgarage ein großes Banner, das auf die Verfügbarkeit von Mietplätzen hinweist
(Abbildung 16). Zudem ist die öffentliche Tiefgarage von Clouth 104 (die existierende De-facto-
Quartiersgarage) extrem unter-genutzt (Abbildung 17).
Verschärft wird die Parksituation auf
Clouth dadurch, dass Bewohner*innen
der umliegenden Gebiete das Clouth
Quartier als „ihren” Parkplatz nutzen.
Freunde, Bekannte und Kolleg*innen
der Antragsteller*innen haben dies
vielfach bestätigt. Grund dafür ist, dass
das Clouth Quartier aufgrund seiner
großzügigen Ausstattung mit kosten-
losen Stellplätzen als gute Park-
Destination gilt – vor allem für
Menschen, die westlich der Niehler
Straße wohnen. Die Plausibilität dieser
Vermutung wird vor allem durch die Tatsache gestärkt, dass dort flächendeckend
Bewohnerparkgebiete existieren (Abbildung 19).
Aus den genannten Gründen wird im Rahmen von Modul 3 eine Bewohnerparkregelung 20 für das
Clouth Quartier eingeführt. Dies wird u.a. auch als Empfehlung des Fußverkehrs-Checks genannt, der
2023 im Auftrag der Stadt Köln im Clouth Quartier durchgeführt wurde (Planungsbüro VIA, 2023).
Die Notwendigkeit dazu wird in solchen Konstellationen ausdrücklich in der wissenschaftlichen
Literatur betont:
20 Siehe www.stadt -koeln.de/artikel/20098/index.html. Die aktuell geltenden Bewohnerparkgebiete in Nippes sind
einsehbar unter www.stadt -koeln.de/leben-in-koeln/verkehr/parken/bewohnerparkgebiete. Laut Amt für nachhaltige
Mobilitätsentwicklung (2023) gab es im Mai 2023 47 bestehende Bewohnerparkgebiete; 28 Areale hatten den Status „zu
prüfende Bewohnerparkgebiete“; drei weitere sind beschlossen. Das Clouth Quartier fällt in keine dieser Kategorien .
Abbildung 16. Banner über der Tiefgarageneinfahrt zur Josefine -
Clouth-Straße 42.
Abbildung 17. Ein alltägliches Bild in der massiv unter -genutzten
Tiefgarage von Clouth 104.
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 27
Eine Bewohnerparkzone löst Anreize aus, einen
eventuell vorhandenen Tiefgaragen-Stellplatz zu
nutzen bzw. einen solchen Stellplatz anzumieten, die
Notwendigkeit des eigenen Autobesitzes zu
hinterfragen und die Eignung von CarSharing
ernsthaft zu prüfen. Darüber hinaus wird diese
Maßnahme Parksuchverkehr reduzieren , weil klar ist,
dass es sich nicht lohnt, auf Clouth einen kostenlosen Parkplatz zu suchen. Dieser Effekt wird sich
etwas stärker entfalten, sobald die Stadt Köln die Gebühren für einen Bewohner -Parkausweis
angehoben hat (voraussichtlich Ende 2024).
Besucher*innen können weiterhin im Clouth Quartier parken – sogar mit einer erhöhten Wahr-
scheinlichkeit, einen freien Parkplatz zu finden. Sie müssten lediglich ein Parkticket an einem
Automaten oder per Handy-App lösen21. Handwerker, Pflegedienstleister u.a. Personen mit
besonderer Legitimation können weiterhin kostenlos parken 22. Für KEP-Lieferdienste (DHL & Co.)
sowie für Handwerker und Pflegedienste sollten separate exklusive Lade-, Liefer- und Haltebuchten
ausgewiesen werden. Dies deckt sich auch mit den Empfehlungen des Fußverkehrs-Checks, der
durch das Planungsbüro VIA (2023) zusammen mit Anwohner*innen durchgeführt wurde.
Nach unseren Recherchen23 wurde die Einrichtung einer Bewohnerparkzone für das Clouth Quartier
bisher noch nicht beschlossen. Das heißt, Clouth ist noch nicht einmal auf der langen Warteliste zur
Einrichtung einer solchen Zone, die in der Kölner Verwaltung (681/3 Parkraumkonzepte) abge-
arbeitet wird. Der Grund für die Verzögerung der Umsetzung liegt in der akuten Personalknappheit.
Daher möge die BV-Nippes beschließen, dass zur Durchführung einiger erforderlicher Schritte
21 Und solange Kfz am Straßenrand parken , ist gemäß aktuellem Stand der Technik ein markierter Abstand als
Schutzstreifen vor dooring-Unfällen anzubringen: „Wenn ruhender Verkehr nicht zu vermeiden ist, sind gemäß VwV -StVO
Sicherheitsräume zu allen Arten der Radverkehrsführung vorzusehen – so auch bei Schutzstreifen und in Fahrradstraßen.
Diese sind … in einer Breite von mindestens 0,75 m auszuführen “ (FGSV, 2024, S. 9).
22 Siehe https://www.stadt -koeln.de/service/produkte/00440/index.html
23 Eine Suche im Ratsinformationssystem nach einem entsprechenden Beschluss der BV-Nippes mit dem Stichwort
„Parken“ führt zu folgenden fünf Beschlüssen: 18.03.2021 - TOP 8.1.15 -- 17.06.2021 - TOP 8.2.1 Ö -- 09.06.2022 - TOP
8.2.2 Ö -- 01.12.2022 - TOP 8.1.5 Ö -- 31.08.2023 - TOP 8.1.4 Ö. Keiner dieser Beschlüsse besagt, dass Bewohnerparken
irgendwo in Nippes eingeführt werden soll.
Abbildung 18: Blees et al., 2023
Abbildung 19: Das Clouth Quartier (rot umrandet)
und die anliegenden, existierenden Bewohner -
parkgebiete. Aus Amt für nachhaltige Mobilitäts -
entwicklung (2023) – Hervorhebung des Clouth
Quartiers durch BI LebeVeedel.
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 28
(Verkehrserhebung gemäß EVE24 und Analyse, Planung etc.) externe Firmen beauftragt werden, um
den Prozess zu beschleunigen.
Über die Einführung des Bewohnerparkens hinaus, möge die BV-Nippes ebenfalls die Umsetzung der
Empfehlungen des Fußverkehrs-Checks beschließen: „Die oberirdischen Parkplätze sollten reduziert
und bewirtschaftet werden (Parkzone, Höchstparkdauer , …)“ (Planungsbüro VIA, 2023). Des
Weiteren wird empfohlen: „Die Auslastung und Akzeptanz der Tiefgarage für Anwohnende (ggf. auch
von außerhalb des Clouth-Geländes) sollte überprüft und verbessert werden “ (ibid).
Dabei wird Bezug genommen auf die existierende und extrem unter-ausgelastete De-facto-
Quartiersgarage im Untergeschoss des Gebäudes Clouth 104. Die Initiative LebeVeedel steht mit
deren Betreiber dazu bereits im Austausch und verfolgt eine Kooperation mit ParkenProperty-
Partner25, SWAVIA 26 und dem Good Mobility Council27. Durch die hiermit erbetene Zusammenarbeit
zwischen Privatwirtschaft, Zivilgesellschaft und der öffentlichen Hand könnte aus dieser
Konstellation ein Leuchtturm-Projekt für ganz Köln und darüber hinaus entstehen.
Auch für Modul 3 gilt: Jede Maßnahme muss rechtssicher erfolgen. Hierbei sei auf die sehr
weitgehenden Handlungsoptionen gemäß § 45 StVO, (1b), 2a und 4 und 5 verwiesen.
Modul 4: Schnelle Aufwertung des öffentlichen Raums durch Tactical
Urbanism
Modul 2 wird in allen Varianten den Kfz-Verkehr auf bestimmten Straßenabschnitten deutlich
reduzieren. Vor allem dort soll im Rahmen von Modul 4 die Aufenthaltsqualität durch gering
investive und teilweise temporäre Maßnahmen erhöht werden. Diese dienen dazu, die positiven
Potenziale fühlbar, spürbar, erlebbar zu machen und „Appetit” zu wecken für eine andere Zukunft.
Der weltweit etablierte Ansatz des Tactical urbanism liefert dafür unzählige Inspirationen wie die
Menschenfreundlichkeit des öffentlichen Raumes durch Möblierungen, Farbe, mobile Begrünung,
Spielanlässe etc. in sehr kurzer Zeit erhöht werden kann. Eine umfassende Darstellung solcher
Möglichkeiten würde den Rahmen dieser Bürgereingabe sprengen. Daher sei an dieser Stelle auf
einschlägige Literatur28 hingewiesen. Einen schnellen Eindruck von möglichen Tactical-urbanism-
Maßnahmen bieten folgende Beispiele:
24 Empfehlungen für Verkehrserhebungen (FGSV , 2012). Dieses technische Regelwerk beschreibt in Kapitel 3.6.1 (S. 40-43)
wie eine „Zählung des ruhenden Kfz -Verkehrs“ zu erfolgen hat.
25 https://parkenpropertypartner.de/
26 https://www.swavia.com/parken -und-laden/
27 https://www.goodmobility.org/
28 Lydon et al., 2015. Commune di Milano, 2021. Parametric Architecture, 2023.
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 29
Via Spoleto / Via Venini Kreuzung Mailand vor
einer Tactical-urbanism-Maßnahme. Commune
di Milano, 2021
Dieselbe Kreuzung nach einer Tactical-
urbanism-Maßnahme. Scopelliti & Ragazzo,
2023.
© LAAB Collective + Signature Design. In
Parametric Architecture, 2023.
© Trevor Dykstra. In Parametric Architecture,
2023.
Tactical urbanism bietet die wichtige Möglichkeit, die Bevölkerung in die Planung, Umsetzung und
Pflege solcher Maßnahmen einzubeziehen. So kann garantiert werden, dass die Maßnahmen zum
jeweiligen sozio-demografischen und örtlichen Kontext passen. Außerdem wird so erfahrungsgemäß
die Akzeptanz der Maßnahmen deutlich erhöht, das Risiko von Vandalismus verringert und eine
Vielzahl von neuen Bekanntschaften beflügelt. Außerdem ist klar belegt, dass eine „Kuratierung“ des
öffentlichen Raums entscheidend für de ssen produktive Nutzung ist (Hermansen, 2021). Aktiv
einbezogene Bürger*innen können eine solche Leistung langfristig erbringen – die öffentliche Hand
nicht.
Die Maßnahmen in Modul 4 können teilweise als temporär und experimentell verstanden werden,
um von diesen Erfahrungen zu lernen; dies ist entscheidend für die permanente Aufwertung des
öffentlichen Raums in Modul 6.
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 30
Modul 5: Erhöhung der Attraktivität des Umweltverbundes
Um die strukturelle Abhängigkeit vom Kfz zu reduzieren, müssen realistische, erschwingliche, sichere
und bequeme Alternativen existieren. Folgende Maßnahmen sind dafür geeignet und werden im
Rahmen des Modul 5 initiiert:
Fußverkehr:
● Auf wichtigen Wegeverbindungen,
vor allem vom/zum Johannes-
Giesberts-Park, vom/zum Luft-
schiffplatz und von/zu Kitas und
Schulen, sollen die Gehwege über
die kreuzenden Straßen nach dem
etablierten Prinzip des continuous
sidewalk (durchgehender Gehweg)
(Pinder, 2021) baulich durchge-
zogen werden. Ähnliches wird in
Köln bereits praktiziert (Abbildung
20).
● Der Weg zur bzw. von der Neusser
Straße und Bahn-Haltestelle
Florastraße führt über die vielbefahrene Niehler Straße, die nur sicher an einer Ampel /
Lichtsignalanlage (LSA) überquert werden kann. Die Umlaufzeiten dieser LSA sind für zu Fuß
Gehende nicht attraktiv und sollten angepasst werden. Dies gilt auch für die LSA an der Niehler /
Blücherstraße. Ganz ähnliche, teilweise sogar noch weiter gehende Empfehlungen werden auch
im Endbericht des Fußverkehrs-Checks erwähnt: „Es sollte geprüft werden, ob an der Ampel
Niehler Straße / Blücherstraße eine barrierefreie Querungsstelle (differenziertes Bord)
eingerichtet werden kann.“ Im Bereich der Gneisenaustraße wird zudem auf die vielfachen
Klagen von Kindern hingewiesen, wonach dort „keine sichere Möglichkeit für den Fußverkehr zu
queren“ existiert. Entsprechend wird die Prüfung der „Einrichtung eines Zebrastreifens mit
Querungshilfe“ empfohlen; eine „weitere Querungsmöglichkeit [wird ebenso] über die Xantener
Straße auf Höhe der Josefine-Clouth-Straße … in Form eines Doppel-Zebrastreifens“ empfohlen
(Planungsbüro VIA, 2023).
● Die Florastraße ist aufgrund der beidseitig parkenden Fahrzeuge keine attraktive Fußroute und
bietet keinerlei Sitzgelegenheiten. Problematisch ist zudem die Gehwegsituation auf der
Florastraße an der Einmündung der Gartenstraße. Diese Probleme sollten bei der Umsetzung
von Modul 5 mit behoben werden.
Fahrradverkehr:
● In der Sitzung der BV-Nippes vom 3.9.2020 wurde unter TOP 8.1.8 beschlossen, das Clouth-
Quartier als Fahrradzone (u.a. Zeichen 244.3) auszuweisen (AN/1083/2020). Daher wäre es
Abbildung 20: Durchgehender Gehweg (continuous sidewalk) im
nördlichen Bereich der Krefelder Straße, Köln. Als deutlicheres
Beispiel sei auf Camden Cyclists (2020) verwiesen .
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 31
sinnlos, einen entsprechenden Beschluss durch die vorliegende Bürgereingabe zu fordern.
Vielmehr richtet sich unsere Forderung an die Verwaltung der Stadt Köln, den existierenden
Beschluss umgehend umzusetzen. Diese hat für die BV-Sitzung am 3.12.2020 geantwortet
(3260/2020), dass zu diesem Zeitpunkt noch keine Verwaltungsvorschriften dazu vorlägen, die
aber eine zwingende Voraussetzung wären. Es ist richtig, dass die VwV-StVO noch keine
Aussagen zu Fahrradzonen trifft; gleiches gilt für die technischen Regelwerke RASt 06 und ERA
2010. Als „zwingende Voraussetzungen“ kann das aber nicht gelten, denn Fahrradzonen
existieren bereits u.a. in Bremen, Herne, Marburg, Saarbrücken und Kirkel. Ein einschlägiger
BMVI-geförderte r Praxisleitfaden (BUW & DIfU, 2021) schafft hilfreiche Klarheit und die FGSV-
Handreichung "E Klima 2022" (FGSV, 2022) enthält in ihren ergänzenden Steckbriefen zur RASt
06 und zur ERA 2010 (FGSV, 2023) mehr als ausreichende Empfehlungen, auf die sich die
Umsetzung einer Fahrradzone stützen kann – auch in Ermangelung einer einschlägigen VwV-
StVO.
● Pedelecs (ugs. E-Bikes), Lasten- und Spezialräder sowie Fahrradanhänger bieten vielen
Menschen eine alltagstaugliche Alternative zu MIV-basierten Wegen. Aus Gründen der
Ressourcenschonung und der Kosteneffizienz sollte auf Clouth ein Verleihsystem für solc he
Fahrzeuge etabliert werden 29. Diese Forderung deckt sich mit den Schlussfolgerungen des
Fußverkehr-Checks durch das Planungsbüro VIA (2023), wonach „Sharingstationen für Leih-
fahrzeuge (E-Scooter, Fahrräder)“ eingerichtet werden sollen. Die Initiative LebeVeedel hat
bereits ein entsprechendes Konzept entwickelt, das auf www.lebeveedel.de eingesehen werden
kann. Erfreulicherweise hat die moderne stadt GmbH die Finanzierung eines Sonderfahrrads für
diese Verleihflotte zugesagt. Die Ausleihmodalitäten sind ebenfalls dank einer Kooperation mit
www.kasimir-lastenrad.de geklärt. Aktuell erarbeiten wir einen Antrag um bezirksorientierter
Haushaltsmittel gemäß § 37 Abs. 3 GO NW im Stadtbezirk Nippes zur Co-Finanzierung eines
wetterfesten Unterstands für eine solche Sharingstation.
● Der Bedarf an Fahrradabstellflächen im öffentlichen Raum sollte dem Bedarf dynamisch
angepasst werden. Da nicht alle Gebäude über eigene komfortable Fahrradräume verfügen, sind
im öffentlichen Raum auch witterungsgeschützte öffentlich benutzbare Fahrradabstellanlagen zu
errichten.
● Die BV sollte Einfluss auf den Betreiber der Call-a-Bike-Leihräder ausüben, damit diese auch im
Clouth Quartier zurückgegeben und ausgeliehen werden können.
CarSharing
● Zusätzlich zu den CarSharing-Stellplätzen in der Tiefgarage des Clouth-104-Komplexes sollten in
diesem Bereich (etwa auf den als Elektroladeflächen vorgesehenen Stellplätzen vor und
gegenüber dem Jugendmedienzentrum) weitere oberirdische Stellplätze an einen CarSharing
Anbieter vergeben werden.
● In der ursprünglichen Planung des Clouth Quartiers waren auch neben dem Tor 4 CarSharing
Stellplätze im öffentlichen Raum vorgesehen. Dieser Plan ist umzusetzen. Sollte dies angesichts
29 Das existierende KVB-Lastenrad ist aus verschiedenen Gründen als alltagstaugliche s Fahrzeug für alle Personengruppen
ungeeignet. Erläuterungen gerne auf Nachfrage.
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 32
der weit fortgeschrittenen Planungen nicht möglich sein, sind mindestens 4 oberirdische
Stellplätze im öffentlichen Raum an anderer Stelle an einen CarSharing-Anbieter zu vergeben.
ÖPNV
● Die Routenführung der Buslinie 140 sollte im Rahmen der Umsetzung von Modul 5 optimiert
werden.
Modul Kommunikation
Die Erfahrung aus vielen ähnlichen Prozessen im Ausland, in Deutschland und auch in Köln30 selbst
lehrt, wie wichtig eine professionelle, proaktive, authentische und regelmäßige Kommunikation als
permanente Begleitung von größeren Veränderungsprozessen ist. Dies muss mehr sein als nur die
Verbreitung von Informationen, sondern bedeutet ausdrücklich den Austausch von Wissen, Ideen,
Sorgen, Plänen in zwei Richtungen: Von den Planenden zu Bürger*innen und von Bürger*innen zu
Planenden.
Dies gilt selbstverständlich auch für die Umsetzung des LebeVeedel Konzeptes. Dessen Grundideen
sind zwar bereits vielen Menschen auf dem Clouth Quartier bekannt, aber natürlich nicht allen. Aber
alle werden davon profitieren - und einige werden einige Routinen hinterfragen und anpassen
müssen. Die Bereitschaft dazu wächst in gleichem Maße wie das Verstehen der eigenen und
allgemeinen Vorteile.
Es geht dabei keineswegs um die Vermittlung einer rein rationalen Kosten-Nutzen-Optimierung,
sondern um positive Emotionen, die auch nicht-monetäre Vorteile einschließen. Dazu gehört das
Schließen von neuen Bekanntschaften, die Möglichkeit, an einem kühlen Ort zu verweilen, die Kinder
unbeaufsichtigt draußen spielen zu lassen, während man sich im Home-Office auf die Arbeit
konzentriert, die Freude an Vogelgesang aus einem Straßenbaum und vieles mehr.
Daher muss eine maßgeschneiderte Kommunikationsstrategie mehr als geschriebene Worte
umfassen. Sie muss auch Gesichter zeigen, Pläne, Zukunftsanimationen, vielleicht sogar eine
Geräuschkulisse aus dem Jahr 2030, Möglichkeiten zum Gespräch - im Idealfall in verschiedenen
Sprachen - mit Planenden und anderen Bewohner*innen. Denkbar wäre auch eine Podcast -Serie31
über verschiedene Aspekte des LebeVeedels (Arbeitstitel “Clouthopia”), oder ein Video-Blog über
den Fortgang der Planungen um Umsetzungen.
Mit der Entwicklung und Durchführung ist eine geeignete Agentur zu beauftragen.
30 Zitat , Amt für Straßen - und Verkehrsentwicklung: “Wir haben unterschätzt, wie hoch der
kommunikative Bedarf ist”. Kontext: Verkehrsversuch auf der Venloer Straße (Gross, 2023, S. 26).
31 Gerne in Zusammenarbeit mit dem Jugendmedienzentrum ( www.jfc.info ), das im Clouth Quartier beheimatet ist.
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 33
Modul Evaluation und wissenschaftliche Begleitung
Das LebeVeedel Team maßt sich nicht an, ein perfektes Konzept entwickelt zu haben, das nicht
weiter verbessert werden könnte. Mit Sicherheit lassen sich einige Aspekte des Konzeptes weiter
optimieren, weshalb ein systematischer Bürgerbeteiligungsprozess unabdingbar ist. Ebenso wichtig
ist eine systematische Auswertung jedes Umsetzungsschrittes. Nur so kann sichergestellt werden,
dass die konkreten Erfahrungen in hoher zeitlicher Auflösung zur Feinjustierung der darauf
folgenden Schritte genutzt we rden können.
Eine systematische Evaluation ist darüber hinaus die Voraussetzung, um belastbare Erkenntnis-
gewinne zu schaffen, die auf andere Gebiete in und außerhalb Kölns übertragbar sind. Immerhin
verfolgt die Initiative ausdrücklich das Ziel, damit eine Blaupause für andere Quartiere in Köln (in
Planung und im Bestand) und ein Leuchtturmprojekt mit Strahlwirkung zu schaffen. Der Begriff
LebeVeedel soll sich im internationalen Stadtplanungs-Diskurs als das Kölner Modell etablieren.
Es sollte versucht werden, eine ortsansässige Hochschule für diese Monitoring-, Evaluations- und
Forschungstätigkeit zu gewinnen. Dadurch gewönne das LebeVeedel die Qualität eines Reallabors,
aus dem publizierbare Forschungsergebnisse erwachsen, was hochkompatibel mit dem
akademischen Anreizsystem ist. Gleichzeitig könnte damit die Stadt Köln dank empirisch
abgesicherter Ergebnisse als progressive Stadt und als würdige Destination für Fachexkursionen
bekannt werden.
Für die Datenerhebung ist eine Bandbreite von geeigneten Methoden denkbar. Besonders reizvoll
scheinen dabei innovative Ansätze wie Video-Analytik32 oder verschiedene Crowd -Sourcing-
Maßnahmen im Sinne einer partizipativen Co-Evaluation.33
32 transform transport (2022)
33 Besonders passend könnte dabei die Telraam -Methode sein. Siehe https://telraam.net.
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 34
Das folgende Modul 6 ist KEIN essenzieller Bestandteil der Forderungen in der vorliegenden
Bürgereingabe; es wird dennoch beschrieben, weil es „Appetit anregen“ soll für das Gesamtziel,
das die Gründung der Initiative LebeVeedel ursprünglich motiviert hat.
Dieses Ziel vor Augen macht uns aber nicht blind für die realpolitischen (Un-)Möglichkeiten einer
Bezirksvertretung. Wohlwissend um diese Schwierigkeiten halten wir deshalb im Modul 2 eine
Variante für wahrscheinlicher, die nicht direkt größere bauliche Maßnahmen erfordert; also eher
Variante 2A oder 2B als 2C.
In diesem pragmatischen Fall blieben aber viele und große Verbesserungs potenziale ungenutzt.
Modul 6 ist deshalb als zwingende Ergänzung zu verstehen.
Es erzeugt eine sprunghafte Verbesserung der Verkehrssicherheit, eine stärkere Attraktivierung
des Umweltverbundes (relativ und absolut), es hebt die Aufenthaltsqualität auf ein neues Niveau,
fördert den sozialen Zusammenhalt und vor allem führt es zur dringend benötigten Entsiegelung
und damit zu einer adäquaten Ausstattung des Clouth Quartiers mit dem nötigen Maß an
Vegetation.
In anderen Worten: Wir wollen uns mit den Modulen 1 bis 5 beherzt auf den Weg machen – und
danach geht es weiter.
Modul 6: Schlaufen, Umwidmungen, Verschwenkungen,
Entsiegelung, Begrünung und verkehrsberuhigte Bereiche
Die Tatsache, dass Modul 6 kein essentieller Bestandteil der Forderungen in der vorliegenden
Bürgereingabe ist, unterstreicht eine ausdrückliche Zurückhaltung des LebeVeedel -Teams. Dies
ergibt sich aus der Tatsache, dass die Inhalte von Modul 6 eigentlich bereits jetzt als Stand der
Technik gemäß den offiziellen FGSV-Standards erwartet werden können. Diese Standards gelten seit
der Veröffentlichung der Ergänzende[n] Handlungsanleitungen zur Anwendung der RASt 06 (FGSV,
2024) im Februar 2024. Darin werden unter anderem folgende Empfehlungen ausgesprochen:
• „Straßenräume [sind] künftig so zu entwickeln, dass sie zur Klimaresilienz der Städte
beitragen“
• Es ist „zweckmäßig, … die Belange des fließenden und ruhenden Kfz-Verkehrs nachrangig
zu betrachten.“
• „Zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität empfiehlt es sich die Seitenräume
stadtgestalterisch aufzuwerten“
• „Es ist sinnvoll, im Seitenraum einen Multifunktionsstreifen zu planen … [dort] können
beispielsweise Baumreihen und Begrünungen, Elemente für die
Niederschlagswasserbewirtschaftung, Aufenthaltsbereiche (inklusive Bänke),
Fahrradabstellanlagen, … etc. realisiert werden.“
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 35
• „Es empfiehlt sich, die Anzahl von Parkständen für den privaten Kfz-Verkehr im
Straßenraum möglichst gering zu halten, um Flächen für andere umweltfreundliche
Modi, für Aufenthalt, für Grünbereiche, für die Retention bzw. dezentrale Entwässerung
zu gewinnen und ein Aufheizen von Straßenräumen zu verringern.“
• „Es wird … empfohlen, die Anlage von Parkständen in zusammenhängenden Parkflächen
oder Parkbauten/ Quartiersgaragen zu bevorzugen.“
• Es ist „zweckmäßig, … das Ziel einer ausreichenden Begrünung mit standortgerechten
Vegetationsstrukturen zu beachten. Dazu können grundsätzlich Möglichkeiten der
Entsiegelung geprüft werden, um Retentionsräume sowie Flächen der dezentralen
Entwässerung zu schaffe n.“
Die folgenden Überlegungen und
Skizzen sind nicht als maßstabsgetreue
Ausführungsplanung zu verstehen ,
sondern als beispielhafte Illustration
von Gestaltungsprinzipien.
Schlaufen erschließung
Besonders effektiv wäre es, w ie in
Abbildung 22 gezeigt, den Kfz-Verkehr
in „Schlaufen” zu führen. Dadurch
werden einige Teile des Straßennetzes
von einem Zweirichtungs- in ein
Einbahn-System umgewandelt. Dies
bedeutet, dass einige Direktver -
bindungen nicht mehr möglich sind;
also eine absichtliche Verringerung der
Attraktivität der Kfz-Nutzung. Selbstverständlich ist der Fahrradverkehr von der Einbahnregelung
ausgenommen, um dessen relative Attraktivität gegenüber dem Kfz-Verkehr zu erhöhen. Ebenfalls
selbstverständlich sind auch nach Umsetzung des Schlaufenplans alle Tiefgaragen ohne
Einschränkungen mit dem Kfz erreichbar.
Dabei ist zu erwähnen, dass die Umwidmung einer Zweibahn- in eine Einbahnstraße zu höheren De-
facto-Geschwindigkeiten führen kann 34, wenn sie nicht gleichzeitig mit einer Änderung der
Straßengestaltung einhergeht (iRAP, 2022). Das LebeVeedel -Konzept sieht dies als zwingende
Begleitmaßnahme bei der Einrichtung von Einbahnstraßen vor um sie selbst-erklärend zu machen
34 Die entsprechende Befürchtung ist keineswegs ein Automatismus, wie man auch in Köln bei der Einrichtung einer
Einbahnstraße auf der Venloer Straße feststellen konnte: „Die Befürchtung, angesichts der großen Autospuren würden
Autofahrer regelmäßig zu schnell fahren, ist bislang nicht eingetreten. Laut Stadt sind in den vergangenen zwei Wochen
64000 Autos über der Versuchsbereich gefahren, davon waren 200 zu schnell – ein Anteil von 0,3 Prozent“ Kölner
Stadtanzeiger vom 9.11.2023.
Abbildung 21. Aus einem Interview mit Anja Bierwirth im Kölner
Stadtanzeiger . Juli 2023.
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 36
Abbildung 22: Quartierserschließung mit teilweisen Einbahnstraßen (Schlaufenplan). Die Pfeile geben die
erlaubte Fahrtrichtung an.
(siehe unten). Dies kann kurzfristig mit Pflanzkübeln, Parklets, Straßenmobiliar, mobilen Bäumen
usw. erreicht werden. Eine wichtige Rolle dabei spielt auch die kommunikative Einbettung einer
solchen Maßnahme im öffentlichen Diskurs – und hier im Wohngebiet können wir als Bürger*innen-
Initiative darauf gut Einfluss nehmen.
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 37
In einigen Quelle-Ziel-Konstellationen kann die neue Einbahnregelung Umwege erzwingen. Um
diesen Effekt zu minimieren, wird an manchen Stellen der Zweibahn-Verkehr beibehalten – konkret
bei Tiefgaragen, die nahe an einer der drei Zufahrten (Tor 1, 3 oder 4) liegen, um hier keine
unangemessen langen Umwege zu generieren. Für die anderen Fälle sei erneut auf die bereits oben
erwähnten Forschungsergebnisse zur “Verkehrsverpuffung” verwiesen. Unterm Strich ist eine
moderate Erhöhung des Verkehrsaufkommens an we nigen Punkten zu erwarten. Das Gesamt-
verkehrsaufkommen wird sich aber definitiv signifikant verringern (Cairns et al., 2002. European
Commission, 2004. Bauer et al., 2023. Nello-Deakin, 2022).
Die Quartierserschließung in Schlaufen hat noch eine weitere erfreuliche Konsequenz: Jene
Straßenabschnitte, auf denen bereits dank Modul 2A oder 2B das Verkehrsaufkommen zurückgehen
wird, werden gar nicht benötigt, um eine Tiefgarage zu erreichen. Abbildung 22 zeigt diese
Abschnitte in grün. Dieses Potenzial gilt es sofort nach Einrichtung der Einbahn-Regelung zu nutzen
und zu gestalten. Dazu werden diese Straßenabschnitte für den Kfz -Verkehr entwidmet. Dies
geschieht durch regulative und physische Absperrungen. Selbstverständlich sind Müll- und
Rettungsfahrzeuge sowie Personen mit besonderer Berechtigung (z.B. Schwerbehinderte) von der
Zufahrtsregulierung ausgenommen.
Durch die Umwandlung vieler Straßenabschnitte von einer Zwei-Richtungs-Straße in eine
Einbahnstraße werden außerdem lange lineare Strecken nicht mehr benötigt - wohlgemerkt bei
gleichbleibender Erreichbarkeit jeder Wohnungstüre, Tiefgarage oder Müllsammelstelle35.
Straßenverschwenkungen
Falls – je nach Variantenwahl in Modul 2 – der Kfz-Verkehr in Einbahnstraßen geführt werden soll, so
sind diese unbedingt zu verengen und zu verschwenken. Dadurch entstehen leicht kurvige
Straßenverläufe, Buchten und Halbinseln, was zwei entscheidende Vorteile bietet:
1. Die Straße wird “selbst-erklärend” und „selbst-durchsetzend“ (siehe oben), was dringend nötig
ist, da aktuell die Regelung des Tempo-30-Gebots konterkariert wird von der Gestaltung der
Straße als „Einflugschneise36”. Eine breite, gerade, übersichtliche Straße mit marginaler
Begrünung und kaum Menschen im Seitenraum fordert regelrecht zum Beschleunigen auf. Eine
engere und geschwungene Straße mit dichtem Begleitgrün und menschlicher Präsenz lädt
dagegen zu langsamem, vorsichtigem und rücksichtsvollem Fahren ein. Daher sollte durch die
gestalterischen Maßnahmen von Modul 6 eine De-facto-Geschwindigkeit von 15 – 20 km/h
erreicht werden.
35 Bei Variante 2A lägen 17 Müllsammelstelle n in einer Sackgasse. Uns ist die Problematik einer solchen Situation bekannt.
Allerdings ist diese Situation bereits jetzt bei 7 Müllsammelstellen gegeben ! Dort – wie auch durchwegs beim LebeVeedel
Konzept – kann die Sackgasse dank beweglicher modaler Filter geöffnet werden. Zudem könnte überlegt werden, in
besonderen Fällen eine Müllsammelstelle zu verlegen.
36 Dieser Begriff hat sich bei einigen Clouth -Bewohnenden für die Josefine-Clouth-Straße etabliert. Auch dies steht Wider -
spruch zum siegreichen städtebaulichen Konzept: „Die Straßen werden … verkehrsberuhigt, realisiert, um durch
Schrittverkehr höhere Aufenthaltsqualitäten für Fußgänger und Fahrradfahrer zu schaffen” (Land / BSV, 2014)
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 38
2. Die Buchten und Halbinseln werden als gastliche und grüne Orte (Shaftoe, 2015 und
www.wohlfuehlplaetze.de ) gestaltet. Zum einen können „soziopetale”37 Infrastrukturen wie
Bänke u.a. Möblierung, Spielanlässe, (essbare) Pflanzen, Sonnensegel, Wasserspender etc.
bereitgestellt werden. Zum anderen kann auf den besagten Halbinseln Vegetation konzentriert
werden, was Vorteile für die urbane Mikro-Fauna (insbesondere Vögel 38) hat und was zur
dringend benötigten Kühlung beiträgt.
Flächenumwidmung
Grundsätzlich ist die Umgestaltung von freiwerdendem Platz anzustreben. Platz wird frei für eine
Umwidmung und teilweise Entsiegelung vor allem durch zwei Maßnahmen, die in früheren Modulen
angelegt wurden.
1. Straßenabschnitte, die nicht zur Erschließung von Tiefgaragen benötigt werden, müssen nur
noch dem Fahrradverkehr dienen und müssen für Fahrzeuge mit Sonderberechtigung benutzbar
bleiben. Dies ermöglicht es, ca. eine halbe Fahrbahnbreite und beide Stellflächenstreifen
umzuwidmen und zu entsiegeln. Diese Flächen sind (am Beispiel der Variante 2A) mit grüner
Farbe in Abbildung 22 hervorgehoben.
2. Durch die Umwidmung von Zwei-Richtungs- in Einbahnstraßen wird die geometrische Hälfte
einer Straße nicht mehr für den
Kfz-Verkehr benötigt und kann
entsiegelt werden. Auch
Stellplätze entlang dieser
Straßen werden auf das absolute
Minimum reduziert. Dazu
gehören ggf. Stellplätze für
CarSharing-Fahrzeuge, für
Pflegedienste, Handwerker und
die Haltebuchten für Liefer-
Dienste; diese sollten in wasser-
durchlässiger Ausführung
gestaltet werden (Abbildung 23).
Kommunen haben einen relativ großen rechtssicheren Spielraum für solche straßrenrechtlichen
(Um-)Widmungen, sofern sie klar begründet werden. Zulässige Begründungen können sich auf die
Luftreinhaltung, die Verkehrssicherheit, verkehrliche und verkehrsplanerische bzw. städtebauliche
örtliche und überörtliche Belange sowie andere Aspekte des öffentlichen Wohls stützen (Agora
Verkehrswende, 2018, S. 22). Dadurch lassen sich bestimmte Nutzungsarten des öffentlichen Raums
begrenzen bzw. priorisieren. Ein Rechtsgutachten zu den Handlungsspielräumen in Kommunen führt
37 „Soziopetal“ sind gestalterische oder Umwelt -Bedingungen, wenn sie die soziale Interaktion fördern, z.B. eine
kreisförmige Sitzanordnung und eine angenehme Temperatur (American Psychological Association, n.d.)
38 Beatley, 2020. Sander und Tietze, 2022. www.biophiliccities.org .
Abbildung 23: Wasserdurchlässige Ausführung eines Parkplatzes
(Foto: R. Brand)
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 39
dazu aus: „So ist es möglich, freiwerdende Parkplätze für andere Verkehrsarten oder auch für
gänzlich andere Verwendungen zu nutzen, zum Beispiel als Spielplätze oder als Aufenthaltsflächen.
Durch eine solche Teileinziehung wird die die Widmung nachträglich auf bestimmte Benutzungs-
arten, Benutzungszwecke oder Benutzerkreise beschränkt “ (Agora Verkehrswende, 2018, S. 22).
Auch dabei gilt, dass solche Maßnahmen „wesentlich leichter begründet werden, wenn der
Umgestaltung ein kommunales Verkehrskonzept zugrunde liegt“ (Agora Verkehrswende, 2018, S. 36)
wie es mit dem Sustainable Urban Mobility Plan Besser durch Köln aktuell erarbeitet wird.
Besonders bemerkenswert in diesem Kontext sind auch verschiedene Formulierungen in den
aktuellen Ergänzungen zur RASt06, die den neuesten Stand der Technik als handlungsleitende
Maxime der Straßengestaltung darstellen. Dort findet sich explizit folgende Formulierung
Quelle: FGSV, 2024, S. 7; Hervorhebung durch LebeVeedel-Team.
Entsiegelung und Begrünung
Unabhängig von der Ursache des Flächengewinns muss dieser für die Pflanzung von üppiger
Vegetation, insbesondere von Bäumen, genutzt werden. Dies deckt sich mit dem aktuellen Stand der
Technik, der von der FGSV (2024, S. 10) wie folgt formuliert wird: „Zunächst versiegelte Flächen, für
z. B. den ruhenden Verkehr, können … durch Baumpflanzungen ersetzt werden. “ Auch der
Fußverkehrs-Check im Clouth Quartier, der 2023 im Auftrag der Stadt Köln durchgeführt wurde
kommt zu diesen Schlussfolgerungen. Darin wird eine „Entsiegelung und Einrichtung von zum
Beispiel Grünen Oasen, Schattenplätzen, blauer Infrastruktur, wasserdurchlässige Oberflächen“
gefordert (Planungsbüro VIA, 2023).
Es ist deshalb nicht nachvollziehbar – bzw. dringend zu ändern – dass von den 477 Bäumen, die laut
Straßenbaumkonzept Nippes 39 (Amt für Landschaftspflege und Grünflächen, 2022) im Bezirk neu
gepflanzt werden sollen, ein einziger (!) für das Clouth Quartier vorgesehen ist.
39 Die Tatsache, dass in der Legende des Straßenbaumkonzeptes jeweils erwähnt wird, wie viele Parkplätze entfallen, ist
symptomatisch - aber auch ein Armutszeugnis - für unsere Gesellschaft.
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 40
Abbildung 24: Ausschnitte aus dem Straßenbaumkonzept Nippes . Amt für Landschaftspflege und Grünflächen,
2022.
Im Plan könnte das Ergebnis aussehen wie in Abbildung 26 – erneut als Komplettierung von Modul
2A zu verstehen. Sie zeigt lediglich ein Beispiel von möglichen Verschwenkungen , vor allem im
südlichen Teil des Quartiers. Details müssen selbstverständlich durch einen sorgfältigen
Ausführungsplan definiert werden.
Verkehrsberuhigte Bereiche
In allen Plänen und Skizzen in dieser
Bürgereingabe sind Gehwege separat
ausgewiesen. Selbstverständlich wäre
es auch denkbar, viele neue
verkehrsberuhigte Bereiche (Zeichen
325.1 und 325.2) auszuweisen, für die
laut entsprechender
Verwaltungsvorschrift „in der Regel …
ein niveaugleicher Ausbau für die
ganze Straßenbreite erforderlich“ ist
(VwV-StVO, Bundesregierung, 2021). In
der Regel erfordert dies also die
Entfernung von Gehwegen, damit der
motorisierte und unmotorisierte
Verkehr absichtlich gemischt wird.
Durch die Formulierung „In der Regel“ öffnet die VwV-StVO aber absichtlich Möglichkeiten für
begründete Ausnahmen. Diesen Umstand nutzt die Stadt Freiburg bereits seit knapp 30 Jahren,
Abbildung 25: Verkehrsberuhigter Bereich ohne niveaugleichen
Ausbau nach dem "Freiburger Modell". Foto F. Zeiler (Zeiler,
2019)
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 41
indem sie mehrere Wohngebiete mit geringem Verkehrsaufkommen nachträglich auch ohne
niveaugleichen Ausbau zu verkehrsberuhigten Zonen erklärte (Siehe Abbildung 25). Dies geschieht
jeweils nur nach sorgfältig dokumentierter Abwägung und nach klarem Mehrheitsentscheid der
Anlieger. Dieses sogenannte „Freiburger Modell“ hielt bisher auch juristischen Prüfungen stand
(Zeiler, 2019).
Abbildung 26. Entsiegelungs -Potenzial im Clouth Quartier.
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 42
Das Planungsbüro VIA (2023) schlägt als Schlussfolgerung des Fußverkehrs-Checks vor, einen
verkehrsberuhigten Bereich im Umfeld der Kitas einzurichten. Dieser Forderung schließt sich diese
Bürgereingabe ausdrücklich an und bittet darüber hinaus, die Anwendbarkeit des Freiburger Modells
auf das gesamte Clouth Quartier im Rahmen von Modul 6 zu prüfen und im Eignungsfalle großflächig
anzuwenden.
Diese Maßnahme ist auch bereits als Komponente von Modul 2 oder Modul 4 zu prüfen.
4. Das Clouth Quartier im Jahr 2030
Im Jahr 2030 – also lediglich fünf Jahre, bevor Köln gemäß Stadtratsbeschluss klimaneutral sein soll –
könnte die Josefine-Clouth-Straße in etwa so aussehen, wie das die Verkehrsplanerin Joanna
Podszus in Abbildung 27 illustriert hat. Auch sie zeigt nur eine von vielen möglichen Zukünften; sie
dient aber dazu, den öffentlichen und politischen „Appetit“ auf eine menschenfreundlichere Zukunft
anzuregen.
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 43
Abbildung 27: Josefine-Clouth-Straße Stand Herbst 2022 (oben) und nach Umsetzung aller LebeVeedel Module (unten). Man beachte auch die Verschwenkung en der Straßen.
© Joanna Podszus, 2023.
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 44
Das LebeVeedel-Team hat auch mithilfe von künstlicher Intelligenz Bilder von alternativen Zukünften
generiert, die die Vorstellungskraft der Bewohnenden, aber auch der BV Mitglieder beflügeln sollen.
Abbildung 30 zeigt schematisch eine ähnliche, aber generische, Straßen- bzw. Kreuzungsszene in der
Draufsicht. Auch dies ist als Ermutigung gedacht, überkommene Erfahrungen, unhinterfragte
Normalitäten und scheinbare Unvermeidbarkeiten zu hinterfragen, um somit die Fantasie anzuregen
und um Lust auf eine andere Zukunft zu machen.
Ist-Zustand
Mögliche Zukunft
Abbildung 28: Die Josefine-Clouth-Straße im Jahr 2026?! Was hier noch fehlt sind viele große Bäume. Animation
mithilfe von https://dutchcyclinglifestyle.com/
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 45
5. Transparenz, Beteiligung
und Dialog
Das LebeVeedel Team ist überzeugt, dass ein
verkehrlich und sozial funktionierende s Konzept
nicht nur fachlich / planerisch erstklassig sein
muss. Ebenso wichtig ist uns der Prozess seiner
Entwicklung, Kommunikation und Umsetzung.
Dahinter steht nicht nur eine demokratische
Grundhaltung, sondern auch die – z.T. berufliche –
Erfahrung mit ähnlichen Projekten in vielen
Städten wie Budapest, Malmö, Bremen, Thessa -
loniki, Vitoria Gasteiz, Helmond, Jerusalem und
anderen.
Daher war und ist uns der enge Austausch mit der
Nachbarschaft und mit lokalen Politiker*innen
wichtig, um deren Ideen, Anregungen, Bedenken
und Kritik zu hören. Aus diesem Grund organi-
sierten wir bereits 2020 die erwähnte „Klebe-
punkte-Umfrage“ (siehe S. 11). Im März 2022 ging
die Internetseite https://clouth2023.weebly.com
online, die die erste Generation der Planungen
vorstellt. Dort sind u.a. Unterstützungszitate von
über 40 Nachbar*innen und von den meisten in
Abbildung 29: Ergebnis der „Bällchen -Umfrage“ am
LebeVeedel Stand , Clouth Sommerfest (9.9.2023) .
Die Beschriftung der Röhren von links nach rechts:
- Einhaltung der Höchstgeschwindigkeit wäre schön
- Mehr Grün wäre schön
- Mehr Parkplätze wären schön
- Mehr Sitzgelegenheiten wären schön
- Ich habe andere Vorschläge
Abbildung 30: Generische Straßen- bzw. Kreuzungsszene in der Draufsicht. R. Brand
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 46
der BV Nippes vertretenen Parteien40 veröffentlicht; letztere sind das Ergebnis von vielen bilateralen
Online-Gesprächen während des Corona-Lockdowns.
Dreimal wurden Informationen über das LebeVeedel im Newsletter des Nachbarschaft Clouth e.V.
veröffentlicht; seit Dezember 2022 gibt das LebeVeedel-Team auch einen eigenen Newsletter
heraus. Zudem wurde Aktuelles regelmäßig im Schaukasten des „Nehmt Platz!“ Bauwagens in der
Mitte des Quartiers bekannt gemacht. Das LebeVeedel -Team beteiligte sich außerdem aktiv mit
einer Ausstellung am polisCAMP 2022 und 2023, sowie am Straßenland Festival 2022. Außerdem
wurde das LebeVeedel mehrmals im Kölner Stadtanzeiger und anderen Presseorganen41 erwähnt; im
September 2023 sogar sehr ausführlich. Auch das Heft 3 / 2021 des Nippes Magazins
(https://tinyurl.com/bdzeacmr) widmete dem LebeVeedel eine ganze Seite.
Um unsere Bemühungen um ein erstklassiges Beteiligungsverfahren (im Rahmen unseres begrenzten
ehrenamtlichen Zeit- und Finanzbudgets) zu optimieren, nutzen wir das Beratungsangebot des
“Kooperativen Büros für Öffentlichkeitsbeteiligung” am 9. Mai 2023. Dies motivierte uns zu
verstärktem persönlichen Kontakt mit unseren Nachbar*innen; konkret mit einem Stand beim
Clouth Sommerfest am 9. September 2023. Dabei baten wir Standbesucher*innen, ihre Präferenzen
für Veränderungen im Clouth Quartier zum Ausdruck zu bringen, indem sie Bällchen in eine von fünf
Säulen warfen. Das Ergebnis zeigt Abbildung 29.
Die vielen produktiven Gespräche in diesem Rahmen beflügelten uns zur Organisation eines
„Dialogabends“ am 26. Oktober 2023. Dazu luden wir durch über 1000 Flyer ein, die in alle
Briefkästen auf Clouth verteilt wurden. Zudem wurde die Veranstaltung in sozialen Medien und
verschiedenen Newslettern bekannt gemacht. Moderiert wurde sie von Dieter Schöffmann
(“Kooperatives Büros für Öffentlichkeitsbeteiligung”), der sich vom Ausmaß und der Qualität des
Austauschs mit der Nachbarschaft beeindruckt zeigte und von einer „Bürgerbeteiligung von unten“
sprach.
40 SPD, FDP, Die Linken, Ratsgruppe GUT, Klimafreunde und Die Partei
41 Beispiele: https://tinyurl.com/26s83aw5; https://tinyurl.com/3ey2w8r7; https://tinyurl.com/2r3rhkxb;
https://tinyurl.com/ye268v2u; https://tinyurl.com/yrfc829f
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 47
Die allermeisten Teilnehmenden am Dialogabend reagierten sehr positiv auf das LebeVeedel -
Konzept 42. Lediglich eine Person hatte Bedenken zu einem einzigen Aspekt des Konzeptes (die
Unterbindung der Durchfahrt). Vier Personen hatten weitere Fragen. Alle anderen begrüßten das
LebeVeedel-Konzept uneingeschränkt. Seitdem wurde das Konzept aber nochmal überarbeitet, um
möglichst viele konstruktive Rückmeldungen zu berücksichtigen.
Das LebeVeedel -Team hat alle Rückmeldungen, die auf verschiedene Weise an uns herangetragen
wurden (persönliche Gespräche, Emails, Facebook, Stand am Sommerfest, Dialogabend etc.),
sorgfältig dokumentiert. Diese wurden in einem FAQ-Dokument nach Arguments-Typen geclustert
und jeweils beantwortet , um die Punkte in der vorliegenden finalen Bürgereingabe so transparent
wie möglich zu begründen. Dieses FAQ-Dokument steht unter www.lebeveedel.de zur Verfügung.
Am 21. April 2024 fand bisher das letzte Dialogformat mit der Nachbarschaft im Rahmen einer
dreistündigen „Sprechstunde“ auf dem Luftschiffplatz statt. In diesem Rahmen stand das
LebeVeedel -Team erneut für Fragen und Erklärungen zur Verfügung und warb – im Falle von
Zustimmung – um Unterstützung in Form einer Unterschrift.
42 Sie brachten dies durch eine Aufstellung-im-Raum zum Ausdruck; ein Foto davon wird hier nicht gezeigt, um die
Privatsphäre der Betroffenen zu wahren. Bei Interesse können die Gesichter auf einem entsprechenden Foto aber
unkenntlich gemacht werden.
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 48
Schlussbemerkung
Es mag für die Leser*innen von Interesse sein, dass d as LebeVeedel -Konzept bereits mehrfach
ausgezeichnet wurde :
● Im April 2021 würdigte die Jury des NRW-Landeswettebewerb „Zukunft Stadtraum” die
besondere Professionalität des Konzeptes und sprach der LebeVeedel-Initiative ein Preisgeld von
€500 zu.
● Das LebeVeedel wurde 2022 in der VCÖ-Online-Datenbank für vorbildhafte Mobilitätsprojekte43
aufgenommen.
● Das LebeVeedel war 2022 unter den Gewinnern eines Superblock-Wettbewerb de s Agora Köln
e.V. 44; dadurch kamen wir in den Genuss einer professionellen Beratung durch Stadt- und
Raumplaner*innen des Planungsbüro VIA und büro thiemann-linden, Bonn.
Alle Initiant*innen dieser Bürgereingabe wohnen „auf Clouth”. Uns treibt die Sorge um unser
Wohnumfeld, unseren Stadtteil, unsere Stadt und unseren Planeten um. Gerne nutzen wir dafür
unsere berufliche Expertise als Kommunikationsexperte, Stadtsoziologe, Architektin, Verkehrsplaner,
Veranstaltungsmanagerin, und Ingenieure im Sinne einer interdisziplinären Gesamtstrategie.
Selbstverständlich stehen wir gerne zur Verfügung, um Ihnen die vielen Recherchen, Überlegungen
und unsere fachlichen Kompetenzen, die in die Entwicklung des LebeVeedel Konzeptes eingeflossen
sind, im persönlichen Gespräch vorzustellen. Wir bieten uns auch ausdrücklich an, alle Erfahrungen
weiterzugeben, damit für andere Quartiere das Rad nicht neu erfunden werden muss.
Die Initiative LebeVeedel hat eine Online-Petition gestartet, die sich mit den wesentlichen
Forderungen dieser Bürgereingabe deckt und bei der bis jetzt (Stand 15.04.20024) xxx Personen
unterschrieben haben (siehe www.openpetition.de/!lebeveedel ). Die Liste der Unterstützer*innen
liegt diesem Antrag als separater Anhang 1 bei.
Die Unterzeichnenden stellen die Kerngruppe der Bürger*innen-Initiative dar und bitten um eine
gründliche und wohlwollende Prüfung dieser Eingabe.
43 https://mobilitaetsprojekte.vcoe.at/lebeveedel-2021
44 https://www.agorakoeln.de/2022/09/superblocks-fuer-koeln-initiativen-ausgewaehlt/
LebeVeedel Bürgereingabe nach §24 GO NRW – April 2024 Seite 49
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Anlage 1 Öffentlichkeitsbeteiligung
1904 Zeichen
Anlage Öffentlichkeitsbeteiligung Die Anlage Öffentlichkeitsbeteiligung ist allen Beschlussvorlagen der Verwaltung für Gremien, auf die die Leitlinien Öffentlichkeitsbeteiligung Anwendung finden, beizufügen. Kreuzen Sie bitte eine der folgenden drei Varianten an und machen Sie entsprechende Angaben dazu. Eine freiwillige Öffentlichkeitsbeteiligung wird vorgeschlagen. Gemäß der Leitlinien für Öffentlichkeitsbeteiligung wird die Planung eines Beteiligungsverfahrens in einem Beteiligungskonzept beschrieben. Bei kleineren ggf. auch standardisierten Verfahren, ist das Beteiligungskonzept möglichst knapp aber aussagekräftig zu verfassen. Bitte wählen Sie aus: - Das Beteiligungskonzept wird in der nächsten Sitzung zur Entscheidung vorgelegt. Erläutern Sie bitte in maximal zwei Sätzen: Was soll mit der Öffentlichkeitsbeteiligung erreicht werden (ggf. mit Informationen zu Zielgruppen(n) und geplantem Vorgehen)? Vor allem Anwohnende in dem Quartier werden von dem Vorhaben betroffen sein, da dieses verkehrliche sowie städtebauliche Auswirkungen hat. Sie stellen damit eine wichtige Zielgruppe für das Gelingen der und die Akzeptanz zur Planung dar, weshalb deren Perspektiven darin einbezogen wird. Weitere Zielgruppen sind Gewerbetreibende in dem Quartier sowie andere an dem Vorhaben interessierte und davon betroffene Akteure. Diese werden im Rahmen einer Zielgruppenanalyse erörtert und dazu passgenaue Beteiligungs- und Kommunikationsformate erarbeitet, die in einem Beteiligungskonzept beschrieben werden. Dieses wird zu einem späteren Zeitpunkt erarbeitet, wenn die Bearbeitung des Beschlusses absehbar ist. Kontakt OB/1 Büro der Oberbürgermeisterin OB/12 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung Brückenstraße 5-11 50667 Köln Telefon: 0221 – 221 25044 E-M ail: oeffentlichkeitsbeteiligung@stadt-koeln.de Intranetauftritt: Systematische Öffentlichkeitsbeteiligung
Beschlussvorlage Bezirksvertretung
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Dezernat, Dienststelle III/68/681/2 Vorlagen-Nummer 1903/2025 Freigabedatum Beschlussvorlage zur Behandlung in öffentlicher Sitzung Betreff Bürgereingaben gem. §24 GO, Umsetzung eines Superblock-Konzepts für das Nippeser Clouth-Quartier („LebeVeedel„-Konzept) Beschlussorgan Bezirksvertretung 5 (Nippes) Gremium Datum Beschluss: Die Bezirksvertretung Nippes dankt den Petent*innen für ihre Eingaben und beauftragt die Verwaltung, die Konzeption der Fahrradzone fortzuführen und die weiteren Module aus dem Konzept „LebeVeedel“ in das Arbeitsprogramm der Verwaltung für Superblocks und ähnliche Projekte aufzunehmen. Bezirksvertretung 5 (Nippes) 26.06.2025 2 Haushaltsmäßige Auswirkungen Nein Auswirkungen auf den Klimaschutz Nein Ja, positiv (Erläuterung siehe Begründung) Ja, negativ (Erläuterung siehe Begründung) Begründung: Problemstellung des Beschlussvorschlages, Begründung, ggf. Auswirkungen Die Petent*innen beantragen die Umsetzung eines umfassenden Konzepts für das Nippeser Clouth-Quartier. Das Quartier wird im Norden durch die Xantener Straße, im Westen durch die Niehler Straße und im Osten durch den Johannes-Giesberts-Park umschlossen. Die Seekabel- straße ist die südlichste Straße, die Teil des Quartiers ist. Das umfassende, interdisziplinäre Konzept besteht aus mehreren Modulen. Für Details wird auf das Konzept verwiesen, welches in Anlage 2 der Beschlussvorlage beigefügt ist. Verkürzt um- fassen die Module die Begrünung des Luftschiffplatzes, die Unterbindung des Durchgangsverkehrs, die Einführung von Bewohnerparken, die Aufwertung des öffentlichen Raums, die Erhöhung der Attraktivität des Umweltverbundes. Dabei soll der Prozess durch eine Kommunikations- und Dialogstrategie flankiert, evaluiert und wissenschaftlich begleitet werden. Darüber hinaus gibt es eine weitere Bürgereingabe, welche eine Durchfahrsperre für Kraftfahr- zeuge in der Straße Auf dem Stahlseil (in Ost-West-Richtung verlaufendes Teilstück) vorsieht. Die Straße liegt im zuvor genannten Gebiet. Diese Bürgereingabe ist in Anlage 3 beigefügt. Stellungnahme der Verwaltung: Das vorgestellte Konzept fällt thematisch in das städtische Projekt „Mobil im lebenswerten Quartier“. Der Verkehrsausschuss hat in seiner Sitzung vom 28.01.2025 beschlossen, eine stadtweite Konzeption "Mobil im lebenswerten Quartier" unter Erprobung des Formats "Bür- gerrat" zu entwickeln (Vorlage Nr. 3979/2024). Der Bürgerrat, welcher von März bis Mai 2025 stattgefunden hat, stellt dabei den Auftakt des Projekts dar. Die Empfehlungen des Bürgerra- tes sind eine wichtige Grundlage für die zu erstellende stadtweite Konzeption „Mobil im le- benswerten Quartier“. Die Verwaltung wird die Stellungnahme des Bürgerrates fachlich ein- ordnen und im Anschluss das genaue Leistungsbild für die stadtweite Konzeption definieren und den politischen Gremien zum Beschluss vorlegen. Über die Empfehlungen des Bürgerrats wird die Verwaltung vrs. zur Sitzung des Verkehrsausschusses am 24.06.2025 eine Mitteilung geben. 3 Darüber hinaus bearbeitet die Verwaltung das Projekt „Superblock Winzerveedel“, welches als Pilotprojekt im Kontext des städtischen Projekts „Mobil im lebenswerten Quartier“ betrachtet wird (Vorlage Nr. 2370/2024). Im hier betrachteten Clouth-Quartier wird derzeit der Beschluss (Vorlage Nr. AN/1803/2020) zur Einrichtung einer Fahrradzone, welche nur für den Anlieger Kfz-Verkehr freigegeben wer- den soll, bearbeitet. Die Verwaltung nimmt derzeit hierfür notwendige Planungen und Abstim- mungen vor. Die Ziele der Bürgereingabe „LebeVeedel“ stehen im Einklang mit dem Leitbild „Besser durch Köln“, den Zielen des Projekts „Mobil im lebenswerten Quartier“ sowie wesentlichen Empfeh- lungen des Bürgerrats. Damit kann sie sinnvoll in das Arbeitsprogramm der Verwaltung aufge- nommen werden. Die Umsetzung eines solchen umfangreichen Konzepts erfordert eine inter- disziplinäre Zusammenarbeit mehrerer Dienststellen der Verwaltung sowie eine übergeord- nete Projektsteuerung. Insbesondere die verkehrlichen Maßnahmen bedürfen im ersten Schritt umfassender Datenerhebungen als Grundlage für die Planung und auch für eine rechtssichere Anordnung. Das Projekt muss im Hinblick auf eine Vielzahl von Beschlüssen aus diesem Themenbereich priorisiert werden. Diese Priorisierung soll Teil der stadtweiten Konzeption „Mobil im lebens- werten Quartier“ sein. Hier werden die Kriterien, welche aus dem Bürgerrat heraus empfohlen worden sind, weiter konkretisiert und auf die Quartiere in Köln angewendet. Kurzfristig besteht, neben dem Projekt zur Einrichtung der Fahrradzone, lediglich die Möglich- keit kleiner punktueller Maßnahmen im Rahmen der laufenden Geschäfte der Verwaltung. So wurden in gemeinsamer Abstimmung mit der Bürgerinitiative „LebeVeedel“ bereits zwei Standorte für sogenannte Mobilstationen besprochen. Diese befinden sich über das Quartier verteilt im Südwesten an der Ecke Seekabelstr. / Josefine-Clouth-Str. und im Nordosten an der Ecke Am Walzwerk / Josefine-Clouth-Straße. Neben den Abstellmöglichkeiten für Lasten- räder sollen gemäß Raumbuch Mobilstationen außerdem Flächen für Shared Mobility, das heißt E-Scooter und Leihräder, eingerichtet werden. Diese ermöglichen das geordnete Abstel- len der Leihfahrzeuge auf umgewandelten Pkw-Stellplätzen. Darüber hinaus soll ebenfalls im Zuge des laufenden Geschäfts der Verwaltung in der nächs- ten Pflanzperiode die Pflanzung von 4-6 Bäumen auf den Vegetationsflächen des Luftschiff- platzes erfolgen. Kurz- bis mittelfristig soll in Absprache mit den Architekt*innen des Luftschiff- platzes geprüft werden, ob die vorhandenen Strauchpflanzungen im Bereich der befestigten Platzfläche gegen Baumstandorte erster bis zweiter Ordnung sinnvoll getauscht werden kön- nen. Im Zuge der Bearbeitung des Masterplans Parken (siehe Vorlage AN/2635/2021) wird eine Einführung von Parkraumbewirtschaftung für das gesamte Stadtgebiet geprüft und entspre- chend ausgeweitet und angepasst, so auch im Clouth-Quartier. Weitere durch Vereine und Initiativen angestoßene Maßnahmen werden durch die Verwaltung nach Möglichkeit unterstützt. Die losgelöste Betrachtung der Bürgereingabe zur Einrichtung einer Durchfahrsperre in der Straße Auf dem Stahlseil kann ebenfalls nicht erfolgen. Eine derartige Änderung der Ver- kehrsführung lässt sich nur als Teil eines städtebaulichen Konzepts anordnen, das eine Be- trachtung wie im Sinne der Bürgereingabe „LebeVeedel“ erfordert. Seitens der Verwaltung abgelehnt werden muss der Vorschlag, durch ein ergänzendes Hin- weisschild die geltenden Regeln in einem Verkehrsberuhigten Bereich (VZ 325.1 StVO) zu er- 4 läutern. Eine zusätzliche Ausweisung von Verhaltensregeln unter offiziellen und bundesein- heitlichen Verkehrszeichen nach der Straßenverkehrsordnung ist nicht notwendig und gesetz- lich nicht vorgesehen. Die Verwaltung wird die Bezirksvertretung Nippes im Zusammenhang mit der stadtweiten Konzeption „Mobil im lebenswerten Quartier“ beteiligen und auf diesem Weg einen Sachstand zur Priorisierung der Projekte erhalten. Erläuterungen zum Klimaschutz Die Verwaltung verfolgt das Ziel, die sektorspezifischen Beiträge zum Klimaschutz zu erfüllen. Die hier dargestellte Maßnahme trägt dazu bei die Attraktivität des motorisierten Individualver- kehrs zu reduzieren. Im Umkehrschluss wird dadurch die Nutzung alternativer Mobilitätsange- bote des Umweltverbundes attraktiver. Somit trägt dies indirekt zu einer Reduktion des Treib- hausgasausstoßes bei. Insgesamt kann die hier dargestellte Maßnahme als positiver Beitrag zum Klimaschutz bewer- tet werden. Anlagen Öffentlichkeitsbeteiligung Bürgereingabe „LebeVeedel“ Bürgereingabe Auf dem Stahlseil
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: geändert beschlossen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 1903/2025
- Typ
- Beschlussvorlage Bezirksvertretung
- Datum
- 16.06.2025
- Erstellt
- 11.06.2025 07:11