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AN/1785/2018

Urbane Landwirtschaft in Köln – nachhaltig und ökologisch orientiert; Nahrung und Erfahrugnsraum für unsere Stadt

Gem. Antrag nach § 3 (SPD) 04.12.2018

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Nächste Beratung: Ausschuss Klima, Umwelt und Grün, Sitzung am 17.12.2018, TOP 2.1

Gem. Antrag nach § 3 (SPD)

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Gem. Antrag nach § 3 (SPD)

10498 Zeichen

SPD-Fraktion im Rat der Stadt Köln 
Fraktion DIE LINKE im Rat der Stadt Köln 
Ratsgruppe BUNT 
 
 
An den  
Vorsitzenden 
des Ausschusses für Umwelt und Grün 
Herrn Rafael Struwe 
 
Frau Oberbürgermeisterin 
Henriette Reker 
 
 
 
 
Eingang beim Büro der Oberbürgermeisterin: 04.12.2018 
 
AN/1785/2018 
 
Antrag gem. § 3 der Geschäftsordnung des Rates 
Gremium Datum der Sitzung 
Ausschuss für Umwelt und Grün 17.12.2018 
 
Urbane Landwirtschaft in Köln – nachhaltig und ökologisch orientiert 
Nahrung und Erfahrungsraum für unsere Stadt 
Sehr geehrter Herr Vorsitzender, 
sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin, 
 
die SPD-Fraktion, die Fraktion DIE LINKE und die Ratsgruppe BUNT bitten Sie, 
folgenden Antrag auf die Tagesordnung der Sitzung des Ausschusses für Umwelt 
und Grün am 17.12.2018 zu nehmen:  
 
Präambel: 
Der folgende Antrag zielt darauf ab, die etwa 2.700 Hektar Agrarflächen im Ei-
gentum der Stadt Köln (40% der gesamten landwirtschaftlichen Fläche in Köln) 
zukünftig für naturverträgliche Lebensmittelerzeugung für die (regionale) Ernäh-
rung und als Naturerfahrungsraum für die Menschen in Köln zu nutzen. Zu die-
sem Zweck sollen die landwirtschaftlichen Flächen qualitativ im Sinne der Bio-
diversität aufgewertet und für Partizipationsmöglichkeiten der Menschen geöffnet 
werden.  
 
Artenarme, großflächige Kulturen wie Weizen und Raps haben kleinräumige und 
abwechslungsreiche Naturräume verdrängt. Auf den Agrarflächen sinkt dadurch 
kontinuierlich die Menge und Häufigkeit von Vogel-, Bienen- und Schmetterlings-
arten. Auch viele Kleinsäuger sind betroffen. So gilt der Feldhase deutschland-
weit bereits als gefährdet und der Feldhamster ist in NRW quasi ausgestorben. 
Darüber hinaus führt der Eintrag von künstlichen Düngern und Pestiziden nicht 
nur zur Artenarmut auf den Äckern, sondern schädigt auch benachbarte Lebens-
räume und belastet das Grundwasser. Aus diesen Gründen sollten die städtischen 
Agrarflächen sukzessive durch naturnahe und ökologische Landwirtschaft zu viel-

- 2 - 
 
fältigen Lebens- und Erfahrungsräumen aufgewertet werden. 
 
Die Agrarlandschaft ist neben Gärten, Parks und Wäldern ein wichtiger stadtna-
her Natur-erfahrungsraum. Durch mehr Strukturreichtum und höhere Artenviel-
falt sowie offene Bauernhöfe lässt sie sich zu einem Freiraum mit hoher Aufent-
haltsqualität und als Ort für Umweltbildung entwickeln. Ein weiterer Beitrag bie-
ten Mitmach-Formate und Initiativen einer alternativen Landwirtschaft (gemein-
sames Gärtnern, solidarische Landwirtschaft, Erntehelfer etc.). 
 
 
Beschluss: 
 
1. Die Bewirtschaftung der Agrarflächen im Eigentum der Stadt Köln soll sich zu-
künftig an folgenden Zielen orientieren:  
- Erhöhung der Biodiversität und der naturnahen ökologischen Landwirt-
schaft; 
- Verringerung bzw. Beendigung des Einsatzes von Kunstdüngern und Pestizi-
den - Verbot von Glyphosat; 
- Direktvermarktung: Förderung lokaler Vermarktungskonzepte  
(Märkte, Hofläden, regionale Belieferung von Kantinen in Schulen, Kitas 
und der Stadtverwaltung sowie stadtnaher Institutionen, Frischezent-
rum); 
- Unterstützung von gemeinschaftlichem Engagement und Initiativen, die Nah-
rungsmittel stadtnah erzeugen wollen; 
- Erlebnis- und Bildungsraum - Förderung von Umweltbildungsangeboten 
in landwirtschaftlichen Betrieben; 
 
2. Zu diesem Zweck wird die Verwaltung beauftragt, bis Ende 2019 ein Kon-
zept für die zukünftige Verpachtung und Bewirtschaftung der städtischen 
Agrarflächen zu erstellen. Hierbei sollen die verschiedenen regionalen Inte-
ressensgruppen bspw. durch einen Runden Tisch oder einen Workshop in 
die Konzepterstellung mit einbezogen werden (Landwirte, Landwirtschafts-
kammer, gemeinschaftliche Initiativen und gemeinnützige Vereine wie 
bspw. Ernährungsrat, „Essbare Stadt“, Solidarische Landwirtschaft, ökolo-
gisch zertifizierte Landwirte aus der Region und Naturschutzverbände).  
Als ein Ergebnis des Konzeptes werden die zukünftigen Pachtverträge so 
gestaltet, dass konkrete Vorgaben zur Einhaltung und Förderung der oben 
genannten Ziele festgeschrieben sind. Die Verwaltung soll dabei die beste-
henden Möglichkeiten, Pachtverträge neu abzuschließen bzw. zu ändern, 
nutzen, um schnellstmöglich eine Umsetzung der Vorgaben zu realisieren. 
 
3. Bis 2028 sollen ca. 30 % der stadteigenen Agrarflächen nach diesem Konzept 
verpachtet sein.  
Außerdem sollte in jedem Stadtbezirk mit landwirtschaftlichen Flächen mindes-
tens ein ökologisch zertifizierter Landwirt und/oder eine gemeinschaftliche Initia-
tive zur alternativen und partizipativen Landwirtschaft ansässig sein. 
 
4. Sofortprogramm:

- 3 - 
 
Bis Ende des ersten Quartals 2019 ist ein Sofortprogramm zu entwickeln, 
mit dem Pächtern und Eigentümern von Agrarflächen auf Kölner Stadtge-
biet finanzielle Anreize aus Haushaltsmitteln geboten werden, um Arten-
schutzmaßnahmen durchzuführen und Strukturelemente in der Agrarland-
schaft zu schaffen.  
Geförderte Maßnahmen können z.B. sein: 
 
● Anlage von einjährigen oder mehrjährigen Blühstreifen; 
● Anlage von Artenschutzäckern; 
● Maßnahmen zum Schutz von bodenbrütenden Feldvögeln (Lerchen-
fenster, Schutz von Kiebitzgelegen etc.); 
● Anlage von Gehölzstreifen (Feldhecken) und Einzelgehölzen; 
● Teiche und Tümpel in der Feldflur (Artenschutzmaßnahmen für Am-
phibien). 
 
Werden bis zur Vorlage des Konzeptes zu 2. neue Pachtverträge abgeschlos-
sen, sind Maßnahmen zum Artenschutz verbindlich zu vereinbaren.  
 
Die Einhaltung der bestehenden rechtlichen Vorgaben zu Ackerrandstreifen 
und Wegrainen auf stadteigenen Agrarflächen ist zeitnah zu überprüfen und 
sicherzustellen. Geprüft werden soll auch, ob die unter Äckern vorhandenen 
kanalisierten Bäche renaturiert werden können. 
  
 
Begründung:  
 
Die Flächenkonkurrenz zwischen Freiflächen (Natur- Grün- Agrarflächen), Aus-
gleichsflächen und Bauland wird durch das Wachsen der Stadt und der dadurch 
dringend benötigten Wohnbebauung weiter zunehmen. Aus diesem Grund ist die 
ökologische Aufwertung der zur Verfügung stehenden Flächen dringend geboten. 
Freiflächen dienen als Frischluftschneisen und kühle Flächen, die der Erwärmung 
der Stadt entgegenwirken. 
 
Ökologisch orientierte und struktur- und artenreiche Landwirtschaft 
 
Dass die Landwirtschaft erheblichen Einfluss auf die Artenvielfalt von Vögeln, In-
sekten, Pflanzen, Säugetieren etc. hat, kann kaum bestritten werden. Das gilt im 
positiven, wie im negativen Sinne: Nur das beständige Bearbeiten unserer natür-
lichen Ressourcen durch den Menschen schafft für viele Lebewesen - wie Hasen 
und Feldhamster, die Acker- und Wiesenblumen, viele Insektenarten oder Feld- 
und Wiesenvögel - die Lebensräume, die sie brauchen. Umgekehrt hat der erheb-
liche Strukturwandel in der Landwirtschaft den Strukturreichtum unserer Kultur-
landschaft stark beeinträchtigt. Feldhecken sind vielerorts um 60% und mehr 
zurückgegangen, auf industriell bewirtschafteten Äckern finden Kornblume und 
Kiebitz keinen Platz mehr, und wie stark die Insektenwelt direkt oder indirekt 
unter Pestiziden leidet, lässt sich an ihrem erheblichen Rückgang um 80% allein 
seit den 1990er Jahren ablesen. 
  
Eine qualitative Aufwertung unserer Agrarlandschaft hin zu einer für alle Sinne

- 4 - 
 
erlebbaren, strukturreichen und ökologisch bewirtschafteten Kulturlandschaft ist 
daher ein wichtiger Beitrag sowohl für den dringend notwendigen Schutz der Bio-
diversität, als auch für eine gesunde Ernährung, sauberes Trinkwasser, Naherho-
lung.  
 
Förderung von gemeinschaftlichem Engagement und Naturerfahrung 
 
Alltägliche Naturerfahrung lebt nicht nur von der Vielfalt des Raumes, sondern 
auch von der Vielfalt der Zugänge zu diesem. Die niedrigschwelligen Angebote 
des “Grillens und Chillens” in Kölner Parks decken nur einen kleinen Teil dieser 
Vielfalt ab. Entdecken, Beobachten und Kennenlernen des Artenreichtums in der 
Natur sind weitere Naturerfahrungen, die mindestens positiv auf uns Menschen 
und unser Zusammenleben wirken, wenn nicht sogar langfristig unabdingbar 
sind. Die Bewegung “Essbare Stadt” mit den Initiativen zu Gemeinschaftsgärten 
und Solidarischer Landwirtschaft zeigt aber auch ein großes Interesse an noch 
komplexeren Naturerfahrungen: Das tätige Wirken mit und in der Natur. Hier 
werden Kognition und Emotion ganzheitlich angesprochen, der Mensch erlebt sich 
als mitgestaltend und gleichzeitig integriert in den natürlichen Jahresrhythmus. 
In einer Großstadt wie Köln sind das Erfahrungen, welche gerade für Kinder, jun-
ge Erwachsene und weniger privilegierte Bevölkerungsschichten nicht alltäglich 
sind. 
 
Die Stadt Köln kann mit ihren 2.700 Hektar Agrarflächen eine wesentliche Berei-
cherung der Naturerfahrung für Städter bieten. Solidarische oder kommerzielle 
partizipative Landwirtschaft (wie das Modell “meine Ernte”) und offene Biobau-
ernhöfe können in beinahe jedem Bezirk realisiert und so für jeden Menschen 
erreichbar werden. Darüber hinaus sollten Landwirte, welche Umweltbildungsan-
gebote anbieten (wie nach dem Modell des “Kölner Biobauer” in Köln-Vingst), 
gezielt bei der Verpachtung von Flächen bevorzugt werden, um das Naturerfah-
rungsangebot innerhalb der Stadtgrenzen zu erweitern. 
 
Die Erzeugung von biologisch wertvollen Nahrungsmitteln ist auch ein Beitrag zur 
nachhaltigen, gesunden Ernährung. Durch Direktversorgung von Kitas und Schu-
len sowie städtischen Kantinen mit naturnahen Lebensmitteln. Ein Ziel, dass 
auch der Ernährungsrat in Köln verfolgt. 
 
Der Bau von neuen Bauernhöfen sollte im Rahmen einer Biolandwirtschaft er-
möglicht werden. 
 
Sofortprogramm 
 
Aufgrund der mehrere Jahre laufenden Pachtverträge ist es sinnvoll, bestimmte 
Maßnahmen bereits jetzt mit einem Sofortprogramm zu unterstützen. Hierzu ge-
hören vor allem Artenschutzmaßnahmen, welche die Artenvielfalt von Tieren und 
Pflanzen der Agrarlandschaft fördern. Viele dieser Arten sind auf dem Rückzug 
befindlich bzw. bereits vom Aussterben bedroht. Ihr Verlust für Mensch und Na-
tur ist immens, da das Ökoystem insgesamt geschwächt wird und eine artenar-
me Agrarlandschaft keinen Wert als Naturerfahrungsraum mehr hat. Mit ver-
gleichsweise einfachen Mitteln, für deren Umsetzung die Pächter allerdings auch 
(monetäre) Anreize erhalten sollten, kann hier einiges schnell bewirkt werden.

- 5 - 
 
 
Mit freundlichen Grüßen 
gez. Dr. Barbara Lübbecke   gez. Michael Weisenstein 
SPD-Fraktionsgeschäftsführerin  Fraktionsgeschäftsführer DIE LINKE 
 
gez. Thomas Hegenbarth 
Sprecher Ratsgruppe BUNT

Beratungsverlauf (1)

17.12.2018 Ausschuss Klima, Umwelt und Grün
TOP 2.1 Antrag / Anfrage Entscheidung

Beschluss: zurückgestellt

Zur Sitzung

Details

Aktenzeichen
AN/1785/2018
Typ
Gem. Antrag nach § 3 (SPD)
Datum
04.12.2018
Erstellt
04.12.2018 12:17