A-M/0004/2026
Historische Einordnung von Straßennamen im Marineviertel - Begehbares Geschichtsbuch
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A-M-0004-2026_Stellungnahme (nicht barrierefrei)
5610 Zeichen
04.06.50 (Ehrungen im öffentlichen Raum) 16.7.2026
Durchwahl:
4700 / 4702
Dr. Peter Worm
Dr. Philipp Erdmann
Bezirksbürgermeistern Tabea Borrmann
über Amt 33
(Herrn Lembeck)
Ergänzende Stellungnahme des Stadtarchivs zu Antrag A-M/0004/2026 - geänderter Beschluss
„Begehbares Geschichtsbuch“
Im Gespräch mit dem Ältestenrat der Bezirksvertretung Münster Mitte am 23. Juli 2026 sind die
inhaltlichen und formalen Beschränkungen von Informationsangeboten im „Marine-Viertel“ erörtert
worden. Im Vorfeld waren Einwände betr. der Übertragbarkeit auf andere zur Debatte stehenden
Straßennamen (konkret Langemarckstraße) angebracht worden. Darüber hinaus ist aus
geschichtsdidaktischer Sicht die begrenzte Funktionalität eines Verweises an den Straßenschildern
vor Ort erörtert worden.
Das Stadtarchiv wurde um Kostenschätzung für die Entwicklung einer Stele und einer didaktischen
Handreichung gebeten. Das Stadtarchiv kann eine solche Broschüre erstellen und veröffentlichen.
Die Errichtung einer Stele muss federführend von anderer Stelle übernommen werden. Hier kann das
Stadtarchiv lediglich inhaltlich mitwirken.
Stele:
Zielgruppe:
Passantinnen und Passanten, die im Viertele auf die problematischen Straßennamen und ihre
Streitgeschichte aufmerksam gemacht werden sollen. Für Schulgruppen oder Menschen, die sich mit
der Geschichte der Straßennamensdebatte beschäftigen, hat ein Verweis vor Ort keinen Mehrwert.
Herstellungskosten:
Die inhaltliche Ausgestaltung übernimmt das Stadtarchiv.
Gestaltung durch externe Designer: Schätzung: 3.000 €.
Produktion und Aufstellung: 7.200 € (Brutto, Stand Ende 2025, evtl.
Kostensteigerungen einkalkulieren).
Summe: 10.200 €
Grundlage der Schätzung sind die Kosten für die Errichtung einer „Standard-Stele“, wie sie aktuell für
Kriegerdenkmäler und Kriegsgräberstätten bzw. andere Lagerorte verwendet wird. Hier würde ein
neues Format notwendig, das sich sichtbar von den bisher errichteten Stelen unterscheidet.
Jährliche Instandhaltungskosten ca. 300-900 Euro pro Jahr:
Kosten für die jährliche Begehung der Stelen durch das Amt für Immobilienmanagement mit Prüfung
von Schäden oder Verschmutzungen: Kosten richten sich nach Art und Stärke der Verschmutzung
(Aufkleber, Graffiti, sonstige Verschmutzungen), ca. 300-400 Euro (Brutto) pro Jahr für die Reinigung
bzw. Instandhaltung. Häufigere Prüfungen und Reinigungen werden entsprechend teurer. Sollte eine
Schriftfolie ausgetauscht werden müssen, ist mit Kosten von ca. 500 € (Brutto) zu rechnen.
Möglicher Fertigstellungszeitpunkt: Ostern 2027
Didaktische Broschüre / Handreichung:
Zielgruppe und Lernziel:
Lerngruppen, insbesondere Schülerinnen und Schüler, die sich über die einzelnen Namensgeber und
den Benennungskontext informieren wollen, oder die Straßennamendebatten allgemein als
Lernanlass nehmen, um geschichtskulturelle Phänomene zu erörtern.
Mit Originalquellen und einordnenden Sachtexten wird das Thema in seiner Kontroversität und
grundsätzlich ergebnisoffen präsentiert. Nutzende werden in die Lage versetzt, sich ein eigenes
Werturteil zu bilden und davon Handlungsoptionen abzuleiten.
Herstellungskosten:
Entwicklung und Erstellung der Inhalte durch das Stadtarchiv: 3.000 €.
Layout und Illustrationen (extern): 3.000 €.
Druck: 2.000 €.
Summe: 8.000 €
Rezeption:
Vgl. Projekt des Stadtarchivs zu „Vergessenen Verfolgten“: www.stadt-muenster.de/vergessene-
verfolgte, downloadlink:
https://www.stadt-muenster.de/fileadmin/user_upload/stadt-
muenster/47_archiv/pics/Archiv_und_Schule/FuL_3_Online_komprimiert.pdf
(184 Downloads seit Veröffentlichung Ende 2024).
Printversion wird kostenlos allen weiterführenden Schulen zur Verfügung gestellt und auf Anfrage an
sonstige Bildungsträger, darüber hinaus Abgabe von Druckexemplaren gegen Schutzgebühr,
Rezensionen und Rückmeldungen sind hier durchwegs positiv.
Möglicher Fertigstellungszeitpunkt: Ende 2027
Ergänzende Hinweise zur Wirksamkeit von QR-Codes auf Stelen oder anderen Verweissystemen:
QR-Codes erfahren eine sehr begrenzte Nutzung, eine Analyse der bereits vorhandenen QR-Codes im
öffentlichen Raum zeigt: Ein Mehrwert ist im Nutzungsverhalten nicht erkennbar.
Dazu kommen praktische Einschränkungen durch Vandalismus (einfaches Überkleben mit anderen
QR-Codes) und die Begrenztheit von kleinen Legendenschildern unter Straßennamen, die vor allem
durch die Abmaße der Schilder und die notwendige Schriftgröße üblicherweise auf 100, höchstens
160 Zeichen begrenzt sind. Zudem werden Legendenschilder von der Stadt Münster seit 2015 nicht
mehr verwendet.
Im Internet verfügbare Informationen werden kontinuierlich in einer hohen Zahl abgerufen. In den
Nutzungszahlen spiegeln sich geschichtspolitische Debatten. Das zeigen die städtischen
Internetseiten zu Kriegerdenkmälern oder Straßennamen:
Seitenaufrufe www.stadt-muenster.de/strassen:
Jahr Seitenaufrufe
2024 94.220
2025 38.867
2026 60.667 (bis Juni diesen Jahres)
Die Zugriffe erfolgen größtenteils über PCs, nur zu einem Drittel über Mobilgeräte.
Es lassen sich keine Unterschiede im Nutzungsverhalten feststellen zwischen den Seiten, auf die mit
QR-Code am Denkmal vor Ort verwiesen wird und denen, die keinen QR-Code aufweisen, Beispiele:
Denkmal Seitenansichten Davon direkte Zugriffe
Traindenkmal (mit QR-Code) 285 70
Dreizehner (mit QR-Code) 176 40
Stehender Soldat (ohne QR-Code) 201 34
Ketteler-Denkmal (ohne QR-Code) 181 47
Auch die direkten Aufrufe der Informationen in englischer Sprache bewegen sich durchgängig im
einstelligen Bereich.
Antrag A-M-0004-2026
1927 Zeichen
CDU-Fraktion in der BV-Mitte Historische Einordnung von Straßennamen im Marineviertel - Begeh bares Gesch ichtsbuch Die Bezirksvertretung Mü nster-M itte beschließt: 1. Das Stadtarchiv und das Vermessungs- und Katasteramt werden beauftragt, im sog. Marineviertel ein ,,begehbares Geschichtsbuch" mit dem Ziel einer historischen Ein- ordnung der Straßennamen zu erarbeiten und für die zu errichtende lnformationenta- feln oder Stelen in geeigneter Form darzustellen. 2. Bei ihren Überlegungen werden die bereits vorliegenden Vorschläge und Modelle der ,,Bü rgeri n itiative für Mü nsters Straßen" berücksichtigt. 3. Die voraussichtlichen Kosten für die Planung, Herstellung und Errichtung für die lnfor- mationstafel werden ermittelt und der Bezirksvertretung zur Entscheidung vorgelegt, Begründung: Der Umgang mit schwierigem Erbe und die Auseinandersetzung mit den heute noch sichtba- ren Zeichen und Symbolen der Vergangenheit sind notwendig. Straßennamen sind dabei im Kontext der historischen Dynamik von Jahrhunderten zu sehen. Straßennamen sind nicht nur ein Stück der Erinnerungskultur, sondern veruyeisen auch auf die politische Kultur zur Zeit ihrer Verleihung. Sie sind damit ein sichtbarer Ausdruck des Geschichtsbewusstseins einer Stadt. Durch die Vermittlung von Wissen und Anstößen zum Nachdenken soll im Marineviertel ein ,,Lernort" im öffentlichen Raum geschaffen werden. Notwendig für diesen Prozess ist eine weitmöglichste Einbeziehung von Geschichtswissenschaftlern und Berücksichtigung der Bür- gerinnen und Bürger. Da nicht alle Straßennamen für sich selbst sprechen, sind kritische Kontextualisierungen vor Ort - als ,,begehbares Gesichtsbuch" -, beispielsweise mittels Tafeln oder Stelen und digita- len Angeboten, in Betracht zuziehen, um ein breites und interdisziplinäres Potential als Ort h istorischer Bewusstseinsbild u n g aufrechtzuerhalten. Gez. Christian Meier und Fraktion Antrag A-M/0004/2026
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: einstimmig geändert beschlossen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- A-M/0004/2026
- Typ
- Antrag an die BV Mitte
- Datum
- 20.02.2026
- Erstellt
- 20.02.2026 13:14