0548/2023
Schenkung zweier Elfenbeinreliefs aus süddeutschem Privatbesitz an das Museum Schnütgen
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Beschlussvorlage Rat
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Dezernat, Dienststelle VII/4516 Vorlagen-Nummer 0548/2023 Freigabedatum 27.02.2023 Beschlussvorlage zur Behandlung in öffentlicher Sitzung Betreff Schenkung zweier Elfenbeinreliefs aus süddeutschem Privatbesitz an das Museum Schnütgen Beschlussorgan Rat Gremium Datum Beschluss: Der Rat nimmt die Schenkung eines Elfenbeinreliefs „Tod Mariens“ und eines Perlmuttreliefs „Anbetung der Heiligen Drei Könige“ aus süddeutschem Privatbesitz an das Museum Schnüt- gen an. Ausschuss Kunst und Kultur 14.03.2023 Rat 23.03.2023 2 Haushaltsmäßige Auswirkungen Nein Auswirkungen auf den Klimaschutz Nein Ja, positiv (Erläuterung siehe Begründung) Ja, negativ (Erläuterung siehe Begründung) Begründung: Das Museum Schnütgen verfügt über eine qualitativ hervorragende und international bekannte Sammlung mittelalterlicher Elfenbeinskulpturen vom 7. bis zum 14. Jahr- hundert. Besonders im Bereich der gotischen Elfenbeinreliefs aus Frankreich und dem Rheinland ist ein Zuwachs durch hochrangige Neuerwerbungen, die in der Sammlung noch nicht enthaltene Facetten repräsentieren, hoch willkommen. Aus süddeutschem Privatbesitz wird dem Museum ein vermutlich in Frankreich Mitte des 14. Jahrhunderts entstandenes Elfenbeinrelief des Todes Mariens von vorzügli- cher Qualität angeboten, welches der Abteilung der gotischen Elfenbeine einen neuen Höhepunkt hinzufügt: Tod Mariens, Elfenbein mit Resten farbiger Fassung, 9,8 x 6,7 x 0,5 cm Frankreich, Mitte 14. Jahrhundert, in neuerem Rahmen aus Ebenholz mit Put- ten und Girlanden, 18,4 x 15 cm. Maria auf dem Sterbelager ist umgeben von den Aposteln, unter denen Johannes mit einem Palmzweig hervorgehoben ist. In der Mitte steht Christus, die Verstorbene seg- nend und hält auf dem linken Arm die Personifikation ihrer Seele als kleine nackte Fi- gur. Die Szene wird von einer gotischen Maßwerkarchitektur aus von Konsolen getra- genen Wimpergen überdacht, die jeweils aus einem Dreipass bestehen, der von ei- nem Spitzbogen umfangen und durch einen mit flammenden Krabben besetzten Gie- bel bekrönt wird. Die Komposition ist typisch für französische und auch deutsche El- fenbeintafeln des 14. Jahrhunderts. Der Tod Mariens ist in den kanonischen Evangelien nicht beschrieben. Seine Bilddar- stellungen gehen auf verschiedene Legenden zurück. Ein darin überliefertes Motiv ist die Verkündigung des Todes an Maria drei Tage zuvor durch einen Engel, der ihr ei- nen Palmzweig aus dem Paradies überbringt. Am Vorabend ihres Todes erscheint ihr Johannes, der den Palmzweig von ihr empfängt, sodann alle übrigen Apostel und Christus. Die im kleinen Format und mit geringer Relieftiefe sehr fein ausgeführte Elfenbein- schnitzerei ist vielen anderen Versionen des Themas in der Qualität überlegen. Punk- tuell weist sie stereotype Schematisierungen auf, wie die mit einer Welle über dem Ohr stilisierte Haartracht bei Christus, Johannes und drei weiteren Aposteln oder die Stilisierung der Trauergesten an das Gesicht gelegter Hände. Die Maßwerkformen sind Elfenbeinen vergleichbar, die nach Paris oder Frankreich lokalisiert und in die Mitte des 14. Jahrhunderts datiert werden, wie etwa zwei Dipty- chen in London, Victoria and Albert Museum, die auch im Blick auf die großflächig angelegten weich erscheinenden Tuchflächen der Gewänder den Kreis von Werken bezeichnen, die für den Schnitzer des Marientods vorbildlich gewesen sein könnten 3 (Inv. 235-1867 und 294-186). Für die Maßwerkformen kann als weiteres Vergleichs- beispiel der Flügel eines Diptychons mit der Geburt Christi in Toronto, Art Gallery of Ontario, angeführt werden (Thomson Collection Nr. 29). Dort befindet sich auch ein als aus Paris oder Köln stammend und um 1350-1375 datiertes Dipytchon mit Passi- onsszenen, das im Stil der Figuren dem Marientod nahesteht (Thomson Collection Nr. 24). Das Elfenbein wird von einem plastisch geschnitzten Ebenholzrahmen umfasst, der Girlanden tragende und auf Girlanden sitzende Putten zeigt und offenbar in Zweitver- wendung für seine neue Funktion passend gemacht wurde. Die Girlanden sind mit dicken Blüten besetzt und von angedeuteten Rocaillen hinterlegt. Dieser wohl aus dem späten 18. oder frühen 19. Jahrhundert stammende Rahmen wird nochmals um- fasst von einem aus angenagelten Leisten bestehenden Rahmen, der mit einem mit einer Blütengirlande geprägten Messingblech belegt ist. Die Provenienz des Stückes ist vorzüglich und insbesondere der Zeitraum 1933-45 unproblematisch, da es aus dem alten Besitz der Markgrafen und Großherzöge von Baden stammt. Der älteste Nachweis im Inventarbuch der Sammlung der Großher- zoglichen Kunsthalle Karlsruhe ist von 1854, und es blieb seitdem kontinuierlich im Familienbesitz bis zur umfassenden Auktion desselben 1995 durch Sotheby’s in Ba- den-Baden, seitdem in süddeutschem Privatbesitz. Der Wiederbeschaffungswert ist mit 100.000 Euro anzusetzen. Dazu liegt ein Wert- gutachten von Prof. Henrik R. Hanstein, Kunsthaus Lempertz, vor. Außerdem bekräf- tigen zwei aktuelle Angebote vergleichbarer Elfenbeinarbeiten aus dem Kunsthandel, die im Preis deutlich höher liegen, die Schätzung als angemessen. Zusammen mit diesem einzigartigen Elfenbein wird aus derselben Sammlung als Bei- gabe noch ein schönes kleines Perlmuttrelief mit der Darstellung der Anbetung der Heiligen Drei Könige angeboten, das um 1500 in Süddeutschland entstanden sein dürfte und im Wert auf etwa 10.000 Euro zu schätzen ist. Auch dieses ist wegen seiner besonders feinen und nuancenreichen Ausführung eine besondere Bereicherung der Sammlung. Es gibt im Museum bislang drei vollständige und ein fragmentarisches Rundrelief dieser Art aus der Zeit um 1500 mit anderen Mo- tiven. In der Qualität werden sie alle durch die Schenkung deutlich übertroffen. Anlage: Abbildungen der beiden Objekte
Anlage_1_Schenkung_zweier_Elfenbeinreliefs
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Marientod, Elfenbeinrelief Frankreich, Mitte 14. Jahrhundert, dem Museum Schnütgen als Schenkung aus süddeutschem Privatbesitz angeboten Marientod, Elfenbeinrelief Frankreich, Mitte 14. Jahrhundert, dem Museum Schnütgen als Schenkung aus süddeutschem Privatbesitz angeboten Anbetung der Heiligen Drei Könige, Perlmuttrelief Süddeutschland, um 1500 dem Museum Schnütgen als Schenkung aus süddeutschem Privatbesitz angeboten
Beratungsverlauf (2)
Beschluss: ungeändert beschlossen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 0548/2023
- Typ
- Beschlussvorlage Rat bzw. Hauptausschuss
- Datum
- 27.02.2023
- Erstellt
- 09.02.2023 20:16