0770/2024
Erfahrungsbericht Pilotprojekt Bodycams bei Kölner Verkehrs-Betrieben AG (KVB)
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Mitteilung Ausschuss
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Dezernat, Dienststelle III/68 Vorlagen-Nummer 08.08.2024 0770/2024 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Verkehrsausschuss 10.09.2024 Ausschuss Allgemeine Verwaltung und Rechtsfragen / Vergabe / In- ternationales 16.09.2024 Erfahrungsbericht Pilotprojekt Bodycams bei Kölner Verkehrs-Betrieben AG (KVB) Entsprechend des am 12. März 2020 beschlossenen Antrags AN/0193/2020, ergänzt durch den Antrag AN/0406/2020, wurde die KVB über die Verwaltung beauft ragt, im Rah- men eines Pilotprojektes den Einsatz von sogenannten Bodycams für Mitarbeitende im KVB-Service und Fahrausweisprüfer/-innen zu erproben und begleitend verstärkt Deeska- lationsschulungen für die Mitarbeitende anzubieten. Zudem sollten weitere gee ignete Maßnahmen gefunden werden, um die Sicherheit subjektiv und objektiv zu erhöhen. Nach Abschluss des Pilotprojektes sollte der Verkehrsausschuss und der Ausschuss für Allgemeine Verwaltung und Rechtsfragen/Vergabe und Internationales über die gewonne- nen Erkenntnisse informiert werden. Neben dem Piloten des Bodycameinsatzes bei der KVB entwickelt sie die bereits seit langem angebotenen Deeskalationstrainings kontinuier- lich fort. Für die Mitarbeitenden im Service sind diese auch obligatorisch. Alleine i n 2023 wurden 91 Mitarbeitende geschult, wobei es neben den obligatorischen Erstschulungen auch Angebote zur Auffrischung gibt. Das Ergebnis des zusätzlichen Auftrags, weitere geeignete Maßnahmen zur Verbesse- rung der subjektiv wahrgenommenen und objektiv messbaren Sicherheit zu definieren, ist vor dem Hintergrund der aktuellen Verlustentwicklung und dem derzeitig diskutierten SWK Ergebnissicherungskonzeptes nochmals zu eruieren. Aufgrund der sehr positiven Erfahrungen mit dem Piloteinsatz von Bodycams pla nt die KVB das Programm dauerhaft einzurichten. Gez. Egerer Anlage: Erfahrungsbericht der KVB
Anlage Evaluation_BodyCam_Pilotprojekt
28606 Zeichen
BodyCam Einsatz bei der KVB AG
Evaluationsbericht zum Pilotprojekt
Berichtszeitraum: Januar 2022 bis Januar 2023
Projektleiter BodyCam
Jürgen Kircher
0221 547-3711
Juergen.Kircher@kvb.koeln
1
Inhalt
Zusammenfassung ........................................................................................................................................... 2
Einleitung ......................................................................................................................................................... 3
1. Einsatzkonzept der BodyCam bei der KVB .................................................................................................... 5
2. Einsatzzahlen der BodyCam während der Projektlaufzeit ............................................................................. 7
3. Wirkung der BodyCam auf die Fahrgäste ...................................................................................................... 8
4. Wirkung der BodyCam auf BodyCam Träger ............................................................................................... 10
5. Analyse der BodyCam Vorgänge ................................................................................................................. 12
6. Ausbildung Schulung / Training und Fortbildung ........................................................................................ 13
7. Erfahrungen mit der Technik ...................................................................................................................... 15
8. Fazit............................................................................................................................................................ 15
Empfehlung .................................................................................................................................................... 17
Anlagen .......................................................................................................................................................... 17
2
Zusammenfassung
Im Zeitraum 01/2022 bis 01/2023 untersuchte die Kölner Verkehrs-Betriebe AG, den Einsatz
von BodyCams im Fachb ereich der Fahrgastsicherheit/ –service in einem Pilotprojekt.
Zusammenfassend konnten folgende Erkenntnisse und Wirkungen aus den Anonymisierten
Fragebögen, Erfahrungsberichten 1 und den regelmäßigen Gesprächen mit den BodyCam
Träger: innen ermittelt werden.
Die BodyCam ist ein geeignetes Einsatzmittel, um Gewalt gegenüber KVB-Beschäftigten und
auch Kunden zu verringern. Der präventive Effekt der Kamera tritt für die eingesetzten
Beschäftigten regelmäßig und auch spürbar ein. Teilweise reicht die Ankündigung eines
„Einschaltens“ der BodyCam aus, um eine Verhaltensveränderung zu erwirken. Darüber
hinaus führt die optische Spiegelbildfunktion
2 in Kombination mit einer deutlichen
Ankündigung, sowie einem Informationsblatt mit Datenschutzhinweisen3 zu einem
Absenken des Aggressionspotentials.
Bei stark alkoholisierten oder unter Betäubungsmittel stehenden Betroffenen, größeren
latent aggressiven Personengruppen und / oder Personen, die sich bereits in der
sogenannten Gewaltspirale befinden, zeigt sich jedoch kein präventiver oder
deeskalierender Effekt. In Einzelfällen kann ein progressiver Einsatz der BodyCam bei diesen
Personen(-gruppen) auch eskalierend wirken.
In diesen Fällen dient die BodyCam lediglich als Beweissicherung.
Als Gesamtfazit ist festzustellen, dass der Einsatz der BodyCam dazu beiträgt, in
Konfliktsituationen deeskalierend einzuwirken und beitragen kann Übergriffe zu reduzieren
und den Schutz der Beschäftigten (Fahrausweisprüfung, Fahrgastsicherheit/-service) und
Kunden zu erhöhen.
1 Anlage 2 Mitarbeiter Fragebogen
2 Anlage 3 BodyCam Eskalationsstufenmodell
3 Anlage 1 Datenschutz Information
3
Insbesondere das subjektive Sicherheitsgefühl wird durch die BodyCam gesteigert und der
Dialog mit konfliktfähigen Personen objektiviert. Nicht zuletzt können die Video-
aufzeichnungen im Bedarfsfall als wichtiges Beweismaterial genutzt werden und KVB-
Beschäftigte in ihrer Aufgabenwahrnehmung (z.B. Durchsetzung des Hausrechts)
unterstützen.
Einleitung
Die Kölner Verkehrs-Betriebe AG (KVB) betreibt 384 Stadtbahnen auf zwölf Linien, sowie
über 330 Busse. Mit insgesamt 250 km Stadtbahnliniennetz, 735 km Busliniennetz und
knapp 800 Haltestellen ist die KVB damit das Rückgrat der Mobilität in Köln. In 2022 haben
236,1 Mio. Menschen die KVB auf Ihren Wegen in und um Köln genutzt, dabei haben die
Stadtbahnen und Omnibusse insgesamt 57,6 Mio. Wagenkilometer zurückgelegt. Damit
Fahrgäste mit einem sicheren Gefühl von A nach B gelangen können, arbeiten derzeitig 164
Vollzeitpersonale im Bereich Fahrgastsicherheit & -Service. Zu ihren vielfältigen Aufgaben
gehören u.a. Fahrausweisprüfung, Fahrgastinformation, Haltestellenkontrollen,
Zugbegleitung, Schülerverkehre, Zugabfertigung bei Großveranstaltungen.
Internen Auswertungen zufolge nahm die Anzahl der Ausfalltage durch fremdverschuldete
Übergriffen zu, was ein mehrschichtiges Schutzkonzept erforderlich macht, um sowohl
präventiv Übergriffe zu vermeiden, als auch reaktiv, etwaige Verletzungsrisiken zu
reduzieren.
Im Folgenden wird eine Statistik der betroffenen Berufsgruppen aus 2021/2022 aus dem
Leitstellensystem der KVB vorgestellt. In der Kategorie „Gefährdung durch
Auseinandersetzung mit Mitarbeiter“ zeigte sich folgende Entwicklung:
4
2021 2022
Leitstellenmeldungen (gesamt zur
o.g. Kategorie)
150
170
davon Fahrausweisprüfer: innen 19 26
davon Servicemitarbeitende 11 12
davon Fahrer: innen (Bus/Bahn) 107 121
davon Sonstige (Aufsichten,
Techniker)
12 11
Von einer deutlich höheren Dunkelziffer ist auszugehen, da nicht jeder KVB-Mitarbeitende
einen Vorfall (z.B. verbalen Übergriff) meldet.
Nicht erfasst sind Personalausfälle in der o.g. Statistik: Am Beispiel des Bereichs
Fahrgastsicherheit/-service zeigt sich, dass die insgesamt 38 Übergriffe in der
Fahrausweisprüfung, Fahrgastsicherheit/-service in 2022 zu 419 Ausfalltagen geführt haben.
Darüber hinaus steigen die sicherheitsrelevanten Anforderungen durch Sonderereignisse,
wie Events (Karneval, Fußball, Groß-Konzerte, Messen) und Demonstrationen bei der
KVB AG als auch den Behörden der öffentlichen Sicherheit. Entsprechend wurden die
Konzepte angepasst.
Die bestehende Sicherheitskooperation zwischen Ordnungsamt, Polizei und KVB wurde
ausgebaut, zudem die Videoüberwachung im Stadtgebiet erweitert und zusätzliche
niederschwellige Angebote in Form „runder Tische“ und Arbeitskreisen etabliert.
Sicherheit ist unlängst ein Kriterium der Betriebsqualität und fester Bestandteil von
Kundenbefragungen im ÖPNV. Eine ausgiebige Studie in Köln hat ergeben, dass
verschiedene Faktoren auf das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste wirken, beispielsweise das
Umfeld der Stationen, die Uhrzeit, Geometrien von Haltestellen, Lichtverhältnisse,
Verunreinigungen, anwesende Personen, individuelle Erfahrungen u.v.m. Aufbauend auf
5
den Studienergebnissen hat die KVB die Wirkung verschiedener Sicherheitsmaßnahmen
und ihrer Akzeptanz bei den Fahrgästen untersucht. Es zeigte sich dabei eindeutig, dass
(Sicherheits-) Personal, das präsent ist und wahrgenommen wird, den größtmöglichen
positiven Einfluss auf das Sicherheitsgefühl hat.4
Neben sinnvollen Maßnahmen wie Deeskalationstrainings und gezielten Fortbildungen, die
bereits durchgeführt werden, kann der Einsatz von Bodycams dazu beitragen die Sicherheit
für das Personal zu erhöhen.
Erfolgreiche Pilotprojekte mit Bodycams gab es bereits beim Sicherheitspersonal der
Deutschen Bahn, den Gefahrenabwehrbehörden und anderen Verkehrsunternehmen. Ein
Testeinsatz der DB mit Kontrollgruppe in Berlin hat gezeigt, dass der Einsatz der
Körperkameras in 50% der Konfliktsituationen deeskalierend wirkt und beitragen kann,
Übergriffe zu reduzieren und den Schutz der Sicherheitskräfte zu erhöhen.5 Hierdurch wird
letztlich auch das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste verbessert. Nicht zuletzt können die
Videoaufzeichnungen im Bedarfsfall wichtiges Beweismaterial liefern. Die Belange des
Datenschutzes sind hierbei zu berücksichtigen und einzubinden.
Ebenfalls positive Erfahrungen wurde in einem Testlauf im Schienenpersonennahverkehr im
Rheinland erprobt. Servicekräfte haben freiwillig an dem probeweise erfolgten Einsatz
teilgenommen. Dies hat zu keinem Anstieg von Vorfällen oder direkten Übergriffen auf die
Bodycam-Träger geführt. Die teilnehmenden Fahrgastbetreuer beurteilen die Kamera als
wirkungsvoll und ziehen ein positives Fazit ihres Einsatzes.6
1. Einsatzkonzept der BodyCam bei der KVB
Jede Form der Videoüberwachung stellt einen Eingriff in das Persönlichkeitsrecht, der davon
betroffenen Personen, dar. Vor ihrem Einsatz ist stets eine sorgfältige Prüfung erforderlich.
4 siehe Brauner, F. (2017) Securing Public Transportation Systems, Springer Fachmedienverlag, Wiesbaden
5 Auszug aus Vortrag Schermann, M., 2. BodyCam Conference 14.Juni 2023, Köln
6 Kluttig, U. & Oberberg, Chr., Wesentliche Ergebnisse der Evaluation des Ei nsatzes von Bodycams im SPNV,
NVR, 2020
6
Die Videoüberwachung ist deshalb nur zulässig, wenn es dafür eine gesetzliche Grundlage
gibt oder die Betroffenen der Videoüberwachung freiwillig zugestimmt haben.
Bei der Abwägung des Einsatzes sind folgende Ziele festgelegt:
• Wahrnehmung des Hausrechts, Verbesserung der Prävention und Strafverfolgung
• Schutz des eigenen Personals und Fahrgäste vor Übergriffen
• nachträgliche Identifikation eines Tatverdächtigen und
• die Sicherung von Beweismitteln für die Verfolgung zivilrechtlicher Ansprüche
Um einen zweckgebundenen und lediglich anlassbezogenen Einsatz nach den oben
genannten Zielen sicherzustellen, wurde für das Pilotprojekt vor der erstmaligen
Inbetriebnahme ein Einsatzkonzept in Verbindung mit einer Dienstanweisung erstellt.
Der Einsatz einer BodyCam ist nur in Situationen erlaubt, bei der eine Person aggressives
Verhalten (körperliche Auseinandersetzung, Drohungen, Beleidigungen, etc.) zeigt oder eine
Situation unmittelbar zu eskalieren droht. Nicht aggressives, passives oder nicht
gewalttätiges Verhalten einer Person, berechtigt dagegen nicht zum Anschalten einer
Körperkamera.
Darüber hinaus ist eine Aufnahme in sensiblen Bereichen strengstens untersagt, wie zum
Beispiel in:
• Toiletten, Sanitärräume, Umkleidebereiche,
• Sozialräume, Pausen- oder Aufenthaltsräume,
• sowie jegliche Dienststellen der Kölner Verkehrs-Betriebe AG,
• im öffentlichen Raum in dem kein Hausrecht der Kölner Verkehrs-Betriebe AG
besteht.
Um Überwachungsdruck in der Öffentlichkeit zu vermeiden, ist der Einsatz der Kameras
beschränkt auf das Liniennetz der KVB, sowie deren Haltestellen indem Mitarbeitende das
Hausrecht ausüben.
7
Jeder Vorfall ist zu dokumentieren; mindestens mit dem jeweiligen Anlass, dem Zeitpunkt
und den beteiligten Personen.
Darüber hinaus gilt aber weiterhin: Der KVB-Mitarbeitende hat sich den
Verkehrsteilnehmern und Kunden gegenüber partnerschaftlich und kundenorientiert zu
verhalten. Im Interesse eines guten Kundendienstes gehört hierzu insbesondere höfliches,
rücksichtsvolles und besonnenes Auftreten gegenüber den Fahrgästen. Sicherheit und
Ordnung sowie Kundendienst bestimmen die Durchführung des Betriebes.
BodyCam-Träger: innen müssen sowohl ein hohes Maß an Zuverlässigkeit und
Verantwortungsbewusstsein haben, als auch die besonderen technischen Fähigkeiten im
Umgang mit der BodyCam besitzen. Dabei sind dienstliche Aufgaben gewissenhaft zu
erfüllen. Mit den Inhalten der Dienstanweisung und deren Ergänzungen sowie der
einschlägigen gesetzlichen Vorschriften, muss sich immer wieder befasst werden.
Aus diesen Gründen wird der Einsatz der BodyCam durch einen Projektleiter regelmäßig
evaluiert. Hierbei soll ebenfalls festgestellt werden, ob und in wie weit der Regeleinsatz dazu
führt, dass z. B. Übergriffe auf entsprechend ausgestattetes Personal rückläufig sind.
2. Einsatzzahlen der BodyCam während der Projektlaufzeit
Seit Einführung der BodyCam wurden diese bei über 2.000 planmäßigen Diensteinsätzen
mitgeführt. Im Durchschnitt (arithmetischer Mittelwert) wurde die BodyCam 166-mal von
bis zu 17 BodyCam-Träger: innen monatlich im KVB-Hausrechtsbereich eingesetzt.
Die BodyCam wurde durchschnittlich 48-mal je Mitarbeiter/Jahr in den Einsatz Status „Pre-
Recording“ gesetzt [2 min Aufnahmeschleife]. Die Aufnahme wurde im Anschluss
automatisch gelöscht, da sich die Situation deeskaliert hat und der Mitarbeitende selbst,
keine Sicherung der Aufnahme auslöste.
Darüber hinaus wurde die BodyCam im Durchschnitt (arithmetischer Mittelwert) 37-mal im
Monat in den Einsatz Status „Aufnahmen aktiviert“ gesetzt. Bei diesem Schritt wurde
anlassbezogen eine Aufnahme erstellt, um für eine mögliche Straftat ein Beweismittel zu
8
sichern. Damit wurde die Videoaufnahme nach Dienstende an das Hintergrundsystem
verschlüsselt übertragen.
Zu lediglich 20 Aufnahmen (im gesamten Projektzeitraum) haben Mitarbeitende und
Polizeidienststellen im Nachgang schriftlich um eine Sicherung gebeten. In den restlichen
Fällen hat sich in dieser zweiten Eskalationsstufe die Situation wieder beruhigt, sodass die
Aufnahmen nach 72 Stunden automatisch im System gelöscht wurden.7 Als Zwischenfazit
zeigen diese Zahlen, dass in den überwiegenden Fällen der BodyCam Einsatz zu einer
Deeskalation geführt hat und BodyCam-Träger: innen nachträglich auf eine Sicherung zu
Beweiszwecken verzichtet haben. Das BodyCam Deeskalationsmodell der KVB in Verbindung
mit den automatischen Löschfristen sorgt dafür, dass nur die Videodaten über 72h gesichert
werden, die im Rahmen einer Ermittlung erforderlich sein könnten.
3. Wirkung der BodyCam auf die Fahrgäste
Zusammenfassend können durch die kontinuierliche und flexible Befragungen der letzten 12
Monate durch unsere Mitarbeitenden8 folgende Ergebnisse über die Wirkung der BodyCam
auf unsere Fahrgäste/ Kunden festgehalten werden:
1. Die Kunden der KVB haben die BodyCam akzeptiert, sie gehört bereits nach einem
Jahr zum Erscheinungsbild in unseren Fahrzeugen dazu und stärkt das
Sicherheitsgefühl.
In der Tabelle Resonanz und Verhalten der Fahrgäste /Kunden wird das Tragen einer
BodyCam von den Fahrgästen mit 39% „1 = trifft voll zu“ und 44% „2 = trifft zu“
positiv bewertet. Die Gesprächsinhalte mit den Fahrgästen werden sachlicher obwohl
weiterhin Erklärungsbedarf festzustellen ist.
2. Der vorbeugende, damit auch wirksame und rasche präventive Effekt der BodyCam,
tritt für die Beschäftigten in einem überwiegenden Teil regelmäßig ein. Bereits bei
7 siehe Anlage 3 BodyCam Eskalationsstufenmodell
8 siehe Anlage 2 Mitarbeitenden Fragebogen Pilotprojekt
9
einer Ankündigung die BodyCam einzusetzen, ist eine Verhaltensveränderung im
Gegenüber zu erkennen.
2a. Bei Einsätzen mit einer BodyCam, ist das besondere sowie nach deutlicher
Ankündigung, dass …
• eine wahrnehmbare positive Verhaltensänderung festzustellen ist, es kommt
zu sachlichen Gesprächen. („trifft voll zu“ in 30% und „trifft zu“ über 41%)
• die Kooperationsbereitschaft der Fahrgäste/Kunden durch das Tragen der
BodyCam gesteigert wird. („trifft voll zu“ in 27% und „trifft zu“ über 44%)
• das Tragen der BodyCam mit über 80 % positiv von den Fahrgästen/Kunden
bewertet wurde. („trifft voll zu“ in 39% und „trifft zu“ über 44%)
• das Aggressive Verhalten weniger wird („trifft voll zu“ in 27% und „trifft zu“
über 33%)
2b. Aggressives Verhalten verändert sich überwiegend nicht, wenn…
Schulnoten-System (1 = trifft voll zu, 2 = trifft zu, 3 = neutral, 4 = eher nicht, 5 = trifft gar nicht
10
• bereits stark aggressive Einzelpersonen bzw. aggressive Personengruppen
angetroffen werden. Ein gewünschter präventiver oder deeskalierender Effekt
bleibt aus. Das trifft (mit Vorbehalt) auch auf Fahrgäste zu, die stark
alkoholisiert und/oder Medikamente (Betäubungsmittel) nicht sinnvoll
eingesetzt haben. Drogen wie Alkohol, Koffein oder berauschende Substanzen
als weitere Faktoren beeinflussen ebenfalls die Frustration oder Provokation.
„Durch den Einfluss von Drogen reagiert die Person verstärkt bei Konflikten
mit Aggression.“9
In den Einzelauswertungen konnte ebenfalls festgestellt werden, dass mit Hilfe der BodyCam
in einigen Fällen, ein Solidarisierungseffekt zwischen Fahrgästen und Betroffenen verhindert
werden konnte.
Kritisch in der Auswertung ist anzumerken, dass es in den Sommermonaten 2022 durch die
enormen Hitzebelastungen zu einer Tragepause der BodyCam kam, da die zusätzlichen
Videowesten durch Mitarbeitende, als zu warm empfunden wurden. In dieser Phase liegen
nur Teildaten vor.
4. Wirkung der BodyCam auf BodyCam Träger
Um eine ständige Nutzung der BodyCam im Dienst zu gewährleisten, wurden 19 freiwillige
Mitarbeitenden des Bereichs Fahrgastsicherheit/-service ausgebildet. Es zeigte sich direkt
am Anfang des Projekts, dass sich zwei Mitarbeitenden mit der Verantwortung unwohl
fühlten, sodass sich die Anzahl der ausgebildeten BodyCam-Träger: innen im Laufe des
Jahres auf 17 verringerte.
9 Freisburger, P., 2023, Bodycams und ihre Auswirkungen das Konfliktverhalten von Kunden der Kölner
Verkehrs-Betriebe AG, Hochschule Fresenius, Köln
11
Aus der oben aufgeführten Tabelle in Kombination mit den stattgefundenen Gesprächen ist
zu entnehmen, dass…
• die Handhabung der BodyCam mit 66% „sehr gut und gut“ bewertet wurde.
• die Aufnahmefunktion am Beginn des Piloten eher ausreichend bewertet wurde. Dies
änderte sich bereits nach kurzer Zeit in einen positiven Wert von über 70% „sehr gut
und gut“.
• die Akkuladung- und Akkuladezeiten bei einzelnen Geräten zu Problemen führte. Dies
konnte im engen Austausch mit dem Hersteller be hoben werden, sodass die
Zufriedenheitswerte über 60% „sehr gut und gut“ gestiegen sind.
• die Befestigung der BodyCam, bei der Winterweste, sowohl als auch bei der
Sommerweste ist mit über 88% „sehr gut und gut“ bewertet worden.
12
• der Tragekomfort mit über 75% „sehr gut und gut“ und die Ausstattung mit über 77%
„sehr gut und gut“ bewertet worden.
Das Konzept zum Pilotprojekt hat auch bei den Beschäftigten Zuspruch gefunden.
5. Analyse der BodyCam Vorgänge
Die BodyCam-Träger: innen wurden in der Regel
einem Team zugeordnet, somit konnte der Einsatz
der BodyCam auf das gesamte Stadtgebiet in allen
Dienstlagen ermöglicht werden.
Eine Analyse der BodyCam-Einsatzzahlen zeigt, dass
die BodyCam nach der Schulung der BodyCam-
Träger: innen im Januar/Februar 2022 sehr schnell
in den Einsatz gebracht werden konnte.
Anhand der Aktivierung (siehe in der nachfolgenden
Tabelle in „blau“ gekennzeichnet) zeigt sich eine
hohe Akzeptanz der BodyCams im Dienst.
In der Regel wurde in weniger als die Hälfte der Dienste der Pre-Recording Modus
(Spiegelbildmodus) genutzt. In knapp 60% der oben genannten Fälle, ist die nächste
Eskalationsstufe „Aufnahme gesichert“ von dem BodyCam Träger:in aktiviert worden, um
zunächst die Aufnahme im Hintergrundsystem verschlüsselt zu sichern.
Insgesamt kam es in weniger als 1% der Dienste zu einer Aufnahme, die länger als
72 Stunden gesichert werden musste. Eine Auswertung einzelner Aufnahmen hat bisher
nicht stattgefunden, da seitens der KVB kein berechtigtes Interesse zur Auswertung bestand,
zudem auch kein Ersuchen durch eine Ermittlungsbehörde vorlag. Eine Auswertung kann
frühestens nach erfolgter Datenübertragung aus einem Smart Hub zum Upload-PC
stattfinden.
13
Die Aufnahmen werden nur bei berechtigten Interessen betrachtet. Sofern in einem
Zeitfenster von 72 Stunden kein Vorfall gemeldet wird, der eine Auswertung zulässt, werden
die Aufnahmen ohne Einsichtnahme automatisiert im Hintergrundsystem gelöscht.
Eine Erfahrung im Projekt ist jedoch auch, dass behördliche Anforderungen teilweise erst
nach 72 Stunden die KVB erreichen, was dazu führt, dass eine Aufnahme automatisiert
bereits gelöscht wurde.
6. Ausbildung Schulung / Training und Fortbildung
Eine Erfahrung aus dem Pilotprojekt „BodyCam“ ist die gute Ausbildung der Träger: innen.
Neben den rechtlichen Belangen rund um den Einsatz von Körperkameras im öffentlichen
Raum, ist auch die Handhabung zu üben und wie die Kamera in die Abläufe eingebaut
werden kann.
84
198
182 179
188
94
79
206 202
208
194
188
56
79 85 88
72
21 28
58
50
97 95
85
26 42
65
42
26
5
14
29 27
63
48
61
3 5 2 0 0 0 1 0 3 2 4
0
50
100
150
200
250
BodyCam Träger eingeloggt Pre-Recording on Aufnahme aktiviert Aufnahme gesichert
Hitzewelle
in Köln
Januar 2022: Ausgabe Westen, Kameras und Unterweisung
14
Die Anforderungen an die zu schulenden sowie Beschäftigten für den Einsatz, mit einer
BodyCam können wie folgt zusammengefasst werden:
• Die zu schulenden Personen verfügen über ein ausreichendes Maß an
Einsatzerfahrung im Dienst der Fahrausweisprüfung und/oder Fahrgastsicherheit
und/oder Fahrgastservice und Information.
Vor einem Einsatz mit einer BodyCam werden die einzelnen Seminar-Bausteine wie unten
aufgeführt durchlaufen:
• Handlungskompetent in Konfliktsituationen
• Deeskalationstraining 1 (2*8 Std.)
• Deeskalationstraining 2 (2*8 Std.)
• BodyCam Training (Unterweisung + Einsatztraining) (2*8 Std.)
• Erste Hilfe Ausbildung (betriebliche Ersthelfer)
Damit die Schulungen einen Echtbetrieb simulieren können, wurden vier Teststellungen
eingerichtet. Bei einer 2-tägigen Schulung wird in Stadtbahnen ein Einsatz mit BodyCam
nachgespielt.
Dabei werden folgende u.a. Schwerpunktthemen für den Einsatz der BodyCam vermittelt:
• Verhaltensoptimierung und Mentalstrategie
• Stresskompensation in Hochstresssituationen
• Professionelle und deeskalierende Kommunikation
• Selbstschutz- Fremdschutztechnik, Krisenmanagement, Juristische Aspekte
• Hilfe leisten und organisieren, Notfallkommunikation
• Früherkennung von Gefährdungssituationen
• Einsatz der BodyCam als Arbeitsmittel in Konfliktsituationen
Die Schulungen sind positiv von den BodyCam-Trägern: innen aufgenommen worden. Es hat
sich jedoch gezeigt, dass trotz Schulungen der Einsatz des neuen Arbeitsmittels BodyCam
trainiert werden muss. Als Rückmeldung in den Gesprächen mit BodyCam Trägern: innen
wurde häufiger angemerkt, dass ein „Aktivieren der BodyCam“ in der Stresssituation
15
vergessen wurde. Dies deckt sich auch mit Erfahrungsberichten anderer Unternehmen,
die BodyCams im Einsatz haben. Hierzu bedarf es Möglichkeiten zu üben und
Evaluationsgespräche zu führen. Im Rahmen des Pilotprojekts wurden regelmäßig
Unterweisungen in kleinen Teams durchgeführt und mit BodyCam Trägern: innen über den
Einsatz gesprochen.
7. Erfahrungen mit der Technik
Im Laufe von zwölf Monaten mussten zwei Kameras aufgrund eines Defekts am Gehäuse
wiederinstandgesetzt werden. Um die Ausfälle zumindest teilweise zu kompensieren,
wurden Ersatz Bodycams vom Hersteller zügig und unkompliziert zur Verfügung gestellt.
In einigen Fällen gab es Akkuprobleme und ein unbeabsichtigtes Runterfahren (reset). Dies
ist in unterschiedlichen Einsatzlagen aufgetreten und konnte behoben werden.
In wenigen Fällen konnte der Datenaustausch der Kamera im Smart Hub nicht erfolgreich
abgeschlossen werden. Dies hat zur Folge, wenn beispielsweise Videos erst nach 72 Stunden
erfolgreich in das Hintergrundsystem geladen werden können, so werden diese aufgrund der
Systemeinstellung sofort gelöscht.
Eine Smart-Hub Auslesestation musste ausgetauscht werden. Dort war zu beobachten, dass
einzelne Kontakte nach innen verbogen und damit keinen Kontakt zum System hergestellt
werden konnte. Der Austausch wurde von dem Hersteller zügig und unkompliziert
herbeigeführt.
8. Fazit
Die Rückmeldungen der BodyCam-Träger: innen zeigt, dass die BodyCam in vielen
Situationen ihren primären Schutzzweck erfüllt, der in der Verhinderung von Übergriffen
(Prävention) liegt. Nachgelagerte Ziele, wie die Dokumentation von Übergriffen sind
ebenfalls wichtig und stärken das Gefühl der Mitarbeitenden, in die Rechtstaatlichkeit.
Insbesondere der Mini-Monitor im Spiegelbildmodus wirkt überwiegend deeskalierend.
16
Diese Aussage ist jedoch immer individuell in Abhängigkeit der jeweiligen Einsatzsituation
und der Art und Weise des Aggressors zu bewerten. Es zeigte sich nämlich auch, dass
insbesondere bei „nicht-rational-denkenden Konfliktgruppen“ (beispielsweise unter Einfluss
von Drogen oder Medikamenten) ein progressiver Einsatz der BodyCam eskalierend wirken
kann.
Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch Pia Freisburger in ihrer wissenschaftlichen
Auswertung
10:
„In Bezug auf die Forschungsfrage, Inwiefern hat sich das Verhalten der Kunden aus Sicht der
Mitarbeitenden der Kölner Verkehrs-Betriebe geändert, seit dem Bodycams im Einsatz sind?,
lässt sich schließen, dass sich in der Mehrheit das Verhalten der Kunden positive verändert
hat, allerdings nur, sobald eine Bodycam tatsächlich eingeschaltet wird. Da jeder Fahrgast
individuell ist und damit auch seine Handlungen unvorhersehbar sind, ist es jedoch nicht
möglich, ein allgemeingültiges Fazit zu ziehen. Der Einsatz der Bodycam zeigt im bisherigen
Einsatzzeitraum positive Auswirkungen, die sich im Verhalten der Fahrgäste widerspiegeln,
aber auch eine weitere Entwicklung der Persönlichkeit der Mitarbeitenden darstellt. Ihre
Wahrnehmung, ihr Auftreten und ihr Konfliktverhalten haben sich in vielen Fällen verändert.
Entscheidungen in Konfliktsituationen werden bewusster getroffen. Im Aufnahmefall
werden beide Seiten bei der Konfliktanalyse betrachtet. Dies ist im Handeln ein wichtiger
Faktor. Ein erhöhtes Sicherheitsgefühl wird als positive Auswirkung von beiden Seiten
bestätigt. Vermehrt auf Seiten der Fahrgäste von älteren Personen. Die Bodycam ist damit
ein gutes Hilfsmittel, um eskalierende Situationen unter Kontrolle zu bekommen, sollte
jedoch nicht als die Wunderwaffe angesehen werden. Es kann unter Umständen zu Angriffen
auf Mitarbeitende kommen. Daher ist es wichtig, die Mitarbeitenden durch Schulungen mit
der Handhabung und dem Umgang der Bodycam vertraut zu machen, um bestmöglich
vorbereitet zu sein. Mein Fazit ist, dass auch nach dem Pilotprojekt die Bodycam Bestandteil
der Ausrüstung bleiben soll und auch weitere Mitarbeitende in der Fahrscheinkontrolle und
im Service diese nutzen können.“
10 Freisburger, P., 2023, Bodycams und ihre Auswirkungen auf das Konfliktverhalten von Kunden der Kölner
Verkehrs-Betriebe AG, Hochschule Fresenius, Köln. S. 49f
17
Empfehlung
Der Einsatz der BodyCam bei Beschäftigen in der Fahrausweisprüfung, Service und Sicherheit
des ÖPNV ist empfehlenswert. Über die Alltagslage hinaus, wie zum Beispiel bei
Großveranstaltungen, Sondereinsätze am Stadion, Karneval usw. ist der Einsatz besonders zu
empfehlen, da insbesondere in diesen Tagen ein erhöhtes Konfliktpotenzial besteht. Die
überwiegend präventive Wirkung und die Möglichkeit der Beweissicherung im Schadensfall
unterstreichen den Wert dieses neuen Arbeitsmittels.
Die BodyCam steigert das Sicherheitsgefühl von Beschäftigten und reduziert die Anzahl der
Ausfalltage durch Übergriffe. Ein wirtschaftlicher Nutzen ist aufgrund der kleinen Gruppe
nicht quantifizierbar, es wird jedoch angenommen, dass sich die beobachteten Effekte
positiv auswirken.
Abschließend ist anzumerken, dass die Schulungen und Unterweisungen eine besondere
Bedeutung im Hinblick auf den rechtskonformen Einsatz von Bodycams im öffentlichen
Raum / Hausrechtsbereich der KVB haben.
Die Erfahrungen der KVB zeigen, dass Schulungen und Unterweisungen verpflichtend vor
dem Einsatz durchzuführen sind und regelmäßig (einmal jährlich) in reduzierter Form
wiederholt werden müssen. Entsprechende Planungen sind im Dienstplan der BodyCam
Träger: innen aufzunehmen.
Anlagen
• Anlage 1 Datenschutz Information
• Anlage 2 Mitarbeitenden Fragebogen
• Anlage 3 BodyCam Eskalationsstufenmodell
18
Anlage 1 Datenschutz Information
19
20
Anlage 2 Mitarbeitenden Fragebogen Pilotprojekt
Anlage 3 BodyCam Eskalationsstufenmodell
Beratungsverlauf (2)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 0770/2024
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 08.08.2024
- Erstellt
- 26.02.2024 16:32