4266/2020
Baumsterben im Stadtbezirk Mülheim
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Beantwortung einer Anfrage (BV)
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle VI/67/671/2 Vorlagen-Nummer 4266/2020 Beantwortung einer Anfrage nach § 4 der Geschäftsordnung öffentlicher Teil Gremium Datum Bezirksvertretung 9 (Mülheim) 27.01.2020 Baumsterben im Stadtbezirk Mülheim Anfrage der FDP in der Bezirksvertretung Mülheim vom 02.09.2019 hier: Baumsterben im Stadtbezirk Mülheim Fragen: 1) Wie hat sich der Baumbestand im Stadtbezirk Mülheim in den letzten 15 Jahren bezüglich seiner Fläche und Zusammensetzung entwickelt (wir bitten um eine getrennte Beantwortung nach Innen- und Außenbereich) 2) Was sind die Hauptgründe für das Baumsterben (wenn möglich Angaben in %) und welche Maß- nahmen werden ergriffen um weiteren Baumerkrankungen und Waldsterben entgegen zu wirken? 3) Inwieweit ist geplant, freiliegende Brachen als Reserveflächen aufzuforsten? 4) Bereits vor über 15 Jahren hat der Umweltausschuss beschlossen, dass der Fichtenbestand am Oberen Mutzbach ökologisch hochwertig umgebaut und das Naturschutzgebiet verbreitert werden solle. Die Fichten scheinen in einem sehr schlechten Zustand zu sein. Wie ist der Stand der Um- setzung dieses Beschlusses? Antworten der Verwaltung: zu Frage 1.) Die Beantwortung der Frage erfolgt für den städtischen Waldbesitz auf der Grundlage der Inventurda- ten der Forsteinrichtung (Stichtag 2014). Die Datenerhebung erfolgt nicht stadtbezirksweise sondern für jedes Forstrevier. Die Grenzen des Forstreviers Dünnwald decken sich weitgehend mit denen des Stadtbezirks Mühlheim. Der Wald liegt im Außenbereich. Entwicklung der Waldfläche (mit Bäumen bestockte Fläche, in Klammern Vergleichszahl 2003): 852,8 ha (850,4 ha) Die Waldfläche hat sich um 2,4 ha vergrößert. Baumartenzusammensetzung: Eiche 163 ha (154 ha) Buche 156 ha (112 ha) Edellaubholz (Ahorn, Esche Hainbuche, Linde, Vogelkirsche u.a.): 164 ha ( 152 ha) 2 anderes Laubholz (Roteiche, Birke, Erle, Robinie, Eberesche u.a.): 96 ha (107 ha) Pappel 9 ha ( 17 ha) Kiefer 217 ha (249 ha) Lärche 4 ha (5 ha) Fichte 37 ha (48 ha) Douglasie 6 ha (6 ha) Die Baumartenzusammensetzung hat sich Zugunsten der heimischen Hauptbaumarten Eiche, Buche und Edellaubhölzer entwickelt. Dies ist auf den Umbau von Kiefern-, Fichten- und Pappelbestände zu standortgerechten Laubmischwäldern zurückzuführen. zu Frage 2.) Hauptgrund für den schlechten Waldzustand ist die Dürre des Jahres 2018 und der trockene Sommer 2019. Im Stadtbezirk sind besonders Fichtenbestände betroffen, die infolge der Trockenheit vom Bor- kenkäfer befallen wurden. Die Borkenkäferkalamität konnte auch durch den Aushieb und die Abfuhr befallener Bäume nicht gestoppt werden, sodass die meisten Fichtenbestände abgestorben sind. Die abgestorbenen Bäume werden zum größten Teil stehen gelassen und nur entlang von Wegen zur Verkehrssicherung gefällt. Die abgestorbenen Fichten haben als Totholz eine wichtige ökologische Funktion. Die Fichtenbestände liegen eingebettet in Laubholzbestände, sodass sich von dort aus Laubholznaturverjüngung auf den Schadensflächen entwickeln kann. Positiv wirken sich jetzt auch die in der Vergangenheit durchgeführten Umbaumaßnahmen in den Fichtenbeständen aus. Dadurch ist eine Verjüngungen vor allem von Buche, Eiche, Hainbuche vorhanden, sodass Pflanzungen zur Wiederaufforstung nur in geringem Maße notwendig sind. Deshalb werden nur dort, wo es erforder- lich ist Initialpflanzungen mit heimischen trockenheitsertragenden Baumarten (v.a. Eiche, Linde, Vo- gelkirsche) durchgeführt, die dann zusammen mit der Naturverjüngung zu Laubmischwäldern heran- wachsen können. Beim Bergahorn führt die Trockenheit zu einem Schub der Rußrindenkrankheit, die durch einen Pilz verursacht wird. Befallen wird Bergahorn vor allem auf trockenen Standorten und an sonnenexponier- ten Waldrändern. Die Bäume sterben sehr schnell ab und müssen an den Waldrändern entlang von Straßen /Bebauung etc. zur Verkehrssicherung gefällt werden. Eine Bekämpfung des Pilzes ist nicht möglich. Die Buche hat unter der Trockenheit ebenfalls gelitten. Es sind aber bisher kaum Buchen abgestor- ben. Die Eichen haben unter der Trockenheit weniger gelitten. Allerdings wurde Befall von Eichenprozes- sionsspinner festgestellt. Zum Schutz der Bevölkerung wurden Raupennester abgesaugt. Der Wald im Stadtbezirk besteht überwiegend aus Mischbeständen, dadurch ist er widerstandsfähiger gegen über Witterungsextremen und Schädlingsbefall, da beigemischte Baumarten, die abgestorbe- nen Bäume ersetzen können. In den meisten Beständen ist natürliche Verjüngung vorhanden, so- dass Lücken durch nachwachsende Bäume geschlossen werden. Zur Verbesserung der Vitalität des Waldes sind im Winter hohe Niederschläge notwendig, damit die Bodenwasservorräte wieder aufgefüllt werden. Am Straßenbaumbestand ist kein klimabedingtes Baumsterben zu verzeichnen. Trockenstress ist in Bezug auf Baumpflanzungen ein Charakteristikum des Straßenstandortes, weshalb der Baumbestand entsprechend adaptiert ist. Jedoch kommt es infolge zwei extrem trockener Jahre zu Vitalitätseinbu- ßen und somit zu einem erhöhten Aufwand in der Baumpflege. In den Grünanlagen von Mülheim sind wie im Forst auch geschwächte Buchen zu beobachten. Eben- so hat es der Bergahorn schwer, sich der Rußrindenkrankheit zu erwehren. Untersuchungen zufolge ist der Pilz an ca. 30 % der Ahorne vorhanden, ohne dass Symptome auftreten. Erst durch eine zu- sätzliche Schwächung wie den vorherrschenden Trockenstress erkranken die Bäume und sterben rasch ab. 3 zu Frage 3.) Generell versucht die Verwaltung den Waldanteil im Stadtgebiet zu erhöhen. Dazu wurde das Projekt „Ein Wald für Köln“ zusammen mit der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Köln e.V. gegründet. Im Rahmen des Projektes wurden bereit 8 ha neuer Wald aufgeforstet. Außerdem werden Ausgleichsmaßnahmen in Form von Aufforstungen durchgeführt. Insgesamt hat sich dadurch die Waldfläche im gesamten Stadtgebiet in den letzten 15 Jahren um 62 ha vergrößert. Vorrausetzung für weitere Aufforstungen ist die Bereitstellung geeigneter städtischer Flächen. Da die städtischen Grundstücke landwirtschaftlich genutzt werden oder für andere Zwecke verplant sind, stehen keine ungenutzten Flächen (Brachen) für die Aufforstung zur Verfügung. Zu Frage 4.) Die Überprüfung einer möglichen Naturschutzgebietserweiterung am Mutzbach ist Gegenstand der Vorarbeiten zur Einleitung eines Landschaftsplanänderungsverfahrens, welches sich ausschließlich mit den gebietsspezifischen Festsetzungen sämtlicher Kölner Naturschutzgebiete befassen wird. Der Aufstellungsbeschluss zu dieser Landschaftsplanänderung soll in 2020 der Politik zur Entscheidung vorgelegt werden.
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 4266/2020
- Typ
- Beantwortung einer Anfrage (BV)
- Datum
- 13.12.2019
- Erstellt
- 05.12.2019 16:42