2008/0522
Demografiebericht - Perspektiven für Darmstadt
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1|08
Amt für Wirtschaft und
Stadtentwicklung
Demografiebericht
Perspektiven für Darmstadt
Statistische Mitteilungen 1|2008
Statistische Mitteilungen 1/2008
Wissenschaftsstadt Darmstadt
ISSN 0415-0422
Das Autorenteam alphabetisch:
Günther Bachmann
Tina Gengnagel
Kai Hartmann
Georg Haumann
Michael Kolmer
Michael Schäfer
Annegret Schmidt
Nachdruck – auch auszugsweise –
nur mit Quellenangabe gestattet
Herausgeberin | Kontakt
Wissenschaftsstadt Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
Im Carree 1
64283 Darmstadt
Telefon (0 61 51) 13-32 02
Telefax (0 61 51) 13-34 55
E-Mail statistik @darmstadt.de
Internet www.darmstadt.de
Vorwort
Seit etwas mehr als zehn Jahren ist Darmstadt Wissenschaftsstadt. Seitdem haben sich viele
Trends der Stadtentwicklung deutlich zum Positi ven verändert, so auch die demografische Per-
spektive. Nicht nur der Abzug der US-amerikanischen Streitkräfte wird dieser Stadt neue Möglich-
keiten und Perspektiven der Weiterentwicklung eröffnen, auch die demografischen Grunddaten
der längerfristigen Stadtentwick lung geben berechtigten Anlass zur Hoffnung, dass unsere Stadt
in den nächsten Jahren quantitativ und qualitativ wachsen wird.
In den letzten Jahren hat sich die Attraktivitä t unserer Stadt deutlich erhöht: So gewann Darm-
stadt in den vergangenen fünf Jahren insgesamt knapp 3.000 Bürger, die Zahl der Arbeitsplätze
hat zugenommen und die Forschungs- und Bildungse inrichtungen überzeugen durch ihre europa-
weit anerkannte, hohe Qualität. Die interessant e Mischung aus hochtechno logisch orientierten
Firmen, bestqualifizierten Mitarbeiterinnen und Mi tarbeitern und die unmi ttelbare Nähe zu pra-
xisorientierten Forschungseinrichtungen gibt dieser Stadt ein fast ei nzigartiges Profil in Europa –
das Profil einer in Zeiten der Globalisierung gut aufgestellten Wissenschaftsstadt.
Um die Zukunft unserer Stadt ge meinsam gestalten zu können, müssen wir mehr über die Chan-
cen, Potenziale und Möglichkeiten der Weiterentwicklung Darmstadts wissen. Erst das Wissen um
die Alternativen der weiteren Stadtentwicklung eröffnet den Raum für nachhaltiges Wachstum, für
sozialen Ausgleich und die Chance für alle Bürge rinnen und Bürger an der Teilhabe der gemein-
schaftlichen Aufgabe, die Zukunft zusammen zu gestalten. Das langjährige demografische Monito-
ring als Basis und die Herausar beitung der für die Stadtentwicklung wichtigen zukünftigen Ent-
wicklungstrends sind dafür wichtige Vorausse tzungen. Diese grundlegenden Daten werden die
Kindergartenversorgung und Schulplanung, Bedarfe im Wohnungsbau oder Nahverkehr, die Wirt-
schaftsförderung oder di e Altenhilfeplanung voranbringen und bieten Orientierung in einer kom-
plexer werdenden Welt.
Mit dieser Veröffentlichung wird ein Stück Zukunft für Darmstadt greifbarer und gestaltbarer; viele
Experten aus verschiedenen Bere ichen haben ihren Beitrag dazu geleistet, die vorliegenden
Trends weiter zu denken und mit Daten und Fakten zu begründen. Ich wünsche dieser Publikation
viele interessierte Leserinnen und Leser.
Walter Hoffmann
Oberbürgermeister
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 5
2 Die Wissenschaftsstadt Darmstadt in der Me tropolregion FrankfurtRheinMain –
Entwicklungsperspektiven im nationalen und internationalen Maßstab 7
2.1 Die regionalpolitische Ausgangssituation für Darmstadt 7
2.2 Die historischen Wurzeln von FrankfurtRheinMain 8
2.3 FrankfurtRheinMain als Metropolregion 10
2.4 Die Metropolregionen und der demografische Wandel 12
2.5 FrankfurtRheinMain im internationalen Vergleich 15
3 Zukunft des Wohnens in FrankfurtRheinMain und in Darmstadt 17
4 Potenziale der Stadtentwicklung 21
4.1 Aspekte der Regionalplanung 23
4.2 Entwicklungsperspektiven 23
4.2.1 Gewerbliche Entwicklungsperspektiven 23
4.2.2 Entwicklungsperspek tiven des Wohnungsbaus 26
5 Fachkräftemangel in der Monopolregion Frankf urtRheinMain 29
6 Geburten und Sterbefälle 33
6.1 Geburten in Darmstadt 33
6.2 Sterbefälle in Darmstadt 37
6.3 Geburten- und Sterbesaldo 39
7 Wanderungsbewegungen 40
7.1 Entwicklung der Wanderungsbewegung in Deutschland 41
7.2 Die Gesamtentwicklung der Wanderungsbewegung von 1980 bis 2007 41
7.3 Zu- und Fortzüge nach Nationalität 43
7.4 Zu- und Fortzüge nach Altersgruppen 44
7.5 Wanderungsbewegung zwischen Darmstad t und dem Landkreis Darmstadt-Dieburg 46
7.6 Wanderungsbewegung zwisch en Darmstadt und Hessen 50
7.7 Wanderungsbewegung zwischen Darmstad t, der Bundesrepublik sowie dem Ausland 50
7.8 Motive und Gründe für die Wanderungsbewegung 52
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
1
8 Veränderungen in der Altersstruktur in Darmstadt 53
8.1 Die Grundstruktur der derzeitigen Altersgliederung 53
8.2 Die Alterspyramide der Wi ssenschaftsstadt Darmstadt 55
8.3 Das „Altern“ der Bevölkerung 57
8.4 Kleinräumige Unterschiede in der Altersstruktur 58
9 Die demografische Entwicklung Darmstadts bis 2025 62
9.1 Die Bedeutung der demografischen Entwicklung 62
9.2 Methoden der Bevölkerungsvorausberechnung 62
9.3 Annahmen und Basisdaten für Darmstadt 63
9.4 Ergebnisse: Entwicklung der Gesamtbevölkerung Darmstadts 64
9.5 Entwicklung der Alterspyramide 65
9.6 Entwicklung und Veränderung der Bevölkerung nach Altersgruppen 65
9.6.1 Altersgruppe 0 bis unter 3 Jahre 65
9.6.2 Altersgruppe 3 bis unter 6 Jahre 66
9.6.3 Altersgruppe 6 bis unter 15 Jahre 66
9.6.4 Altersgruppe 15 bis unter 20 Jahre 67
9.6.5 Altersgruppe 20 bis unter 40 Jahre 67
9.6.6 Altersgruppe 40 bis unter 60 Jahre 68
9.6.7 Altersgruppe 60 bis unter 70 Jahre 69
9.6.8 Altersgruppe 70 bis unter 80 Jahre 69
9.6.9 Altersgruppe 80 Jahre und älter 70
9.7 Aussagekraft des vorgestellten demografischen Modells 71
9.8 Ergebnisse weiterer Bevölkerungsprogn osen (HessenAgentur und Hessisches
Statistisches Landesamt) 71
9.9 Demografisches Monitoring 72
10 Zusammenfassung und Ausblick 74
Literatur 77
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2
Statistische Mitteilungen 1 | 2008
Verzeichnis der Tabellen
1 Kennziffern der deutschen Me tropolregionen (Quelle: IKM) 11
2 Darmstädter Konversionsflächen 22
3 Quantitative Realisierungspotenziale im Wohnungsbau 27
4 Geburten in Darmstadt von 1960 bis 2007 34
5 Alter der Mutter in Darmstadt von 1990 bis 2007 35
6 Geburten in Darmstadt nach Geburtenfolge und Stand der Eltern 36
7 Sterbefälle in Darmstadt von 1960 bis 2007 38
8 Sterbefälle in Darmstadt nach Altersgruppen von 1990 bis 2007 38
9 Wanderungen (Zu- und Fortzüge) in Darmstadt seit 1980 nach Geschlecht 42
10 Zu- und Fortzüge nach Nationalität 44
11 Wanderungen (Zu- und Fortzüge) in Da rmstadt seit 1980 nach Altersgruppen 45
12 Wanderungen (Zu- und Fortzüge) mit dem Landkreis Darmstadt-Dieburg
1980-2007 nach Gemeinden 47
13 Wanderungen (Zu- und Fortzüge) in Darm stadt seit 1980 nach Herkunft und Ziel 51
14 Altersstruktur der Bevölkerung in Darmstadt am 31.12.2007 54
15 Bevölkerung nach Altersgruppen und statistischen Bezirken am 31.12.2007 61
16 Einwohnerzahl bis 2007 und Bevö lkerungsvorausberechnung bis 2025 64
17 Entwicklung der Bevölkerung in der Altersgruppe 0 bis unter 3 Jahre 65
18 Entwicklung der Bevölkerung in der Altersgruppe 3 bis unter 6 Jahre 66
19 Entwicklung der Bevölkerung in der Altersgruppe 6 bis unter 15 Jahre 66
20 Entwicklung der Bevölkerung in der Altersgruppe 15 bis unter 20 Jahre 67
21 Entwicklung der Bevölkerung in der Altersgruppe 20 bis unter 40 Jahre 68
22 Entwicklung der Bevölkerung in der Altersgruppe 40 bis unter 60 Jahre 68
23 Entwicklung der Bevölkerung in der Altersgruppe 60 bis unter 70 Jahre 69
24 Entwicklung der Bevölkerung in der Altersgruppe 70 bis unter 80 Jahre 70
25 Entwicklung der Bevölkerung in de r Altersgruppe 80 Jahre und älter 70
26 Bevölkerungsvorausberechnung für die Wissenschaftsstadt Darmstadt bis 2025 71
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Verzeichnis der Abbildungen
1 Eine der frühen kartographischen Darste llungen des Rhein-Main-Gebiets von 1924 9
2 Schematische Darstellung der deutschen Metropolregionen 10
3 Die Metropolregion FrankfurtRheinMain 11
4 Bevölkerungsentwicklung in Deutschland von 2002 bis 2020 13
5 Darmstädter Konversionsflächen 21
6 Veränderung der Zahl der Erwerbspersonen 30
Verzeichnis der Grafiken
1 Bevölkerungsentwicklung in Hessen von 2006 bis 2025 15
2 Geburten- und Sterbesaldo 39
3 Bevölkerungsentwicklung in Darmstadt 40
4 Wanderungsbilanz in Darmstadt von 1980 bis 2007 43
5 Wanderungsbewegung zwischen Darm stadt und Gemeinden/Städten des
Landkreises Darmstadt-Dieburg 48
6 Wanderungsbewegung zwischen Darm stadt und südhessischen Kreisen 50
7 Alterspyramide 1970 55
8 Alterspyramide 1990 56
9 Alterspyramide 2007 56
10 Vergleich der Altersgruppenstärke 1970 zu 2007 57
11 Anteile der 0 bis unter 18-jährigen 58
12 Anteil der 18 bis unter 40-jährigen 59
13 Anteil der 40 bis unter 65-jährigen 59
14 Anteil der 65-jährigen und älter 60
15 Alterspyramide 2025 65
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Statistische Mitteilungen 1 | 2008
1 Einleitung
Der demografische Wandel und seine Auswirkungen sind für die Städte und Gemeinden in
Deutschland heute ein aktuelles Thema: Kommunen müssen sich mit dieser Thematik, ihren Fol-
gen und Möglichkeiten, ihren Pote nzialen und Veränderungen für die städtische Gesellschaft be-
schäftigen. Die wichtigste Erkenntnis – seit knapp einem Jahrzehnt der intensiven Stadtforschung
zu diesem Thema – ist die überraschende Einsicht, dass die Entwicklung in Deutschland regional
sehr unterschiedlich verläuft, und manchmal Entwicklungstrends für Regionen, die nur wenige
Kilometer auseinander liegen, sehr verschieden sind und in Zukunft sein werden.
So sind z.B. in den Prognosen die demografischen Veränderungen für Nordhessen andere als für
den Süden, und auch zwischen der möglichen zu künftigen Entwicklung im Odenwald und im in-
dustrialisierten Südhessen liegen Unterschiede. Zwar werden auf der einen Seite bestimmte de-
mografische Entwicklungen „alle“ treffen, von der Kommune über die Region bis zur gesamten
Bundesrepublik. Dies gilt z.B. für die Veränderun g der Altersstruktur, der sich deutlich erhöhen-
den Zahl so genannter Hochbetagter und der bereits heute feststellbare Anstieg des Durchschnitt-
alters der Gesellschaft. Andererseits aber sind die Auswirkungen des demografischen Wandels
regional sehr unterschiedlich: Bestimmte Regionen in Deutschland sind z.B. für junge Familien
interessanter als andere und sie tragen so durch Umzug in attraktivere Regionen zu einer Verän-
derung der demografischen Situation bei.
Ziel dieser Veröffentlichung ist es daher, die Au farbeitung der neuesten demografischen Entwick-
lungen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt an hand aktueller Bevölkerungsdaten von Ende 2007
vorzunehmen und für Politik, Gesellschaft und Wissenschaft jene Daten und Trends zu erarbeiten,
die über die möglichen demografischen Szenarien differenziert Auskunft geben.
Dies setzt eine tiefer gehende Analyse der zu grunde liegenden strukturellen Entwicklungen, wie
z.B. das Verhältnis von Geburten zu Sterbefällen sowie der Wanderungsbewegung, der Analyse
der derzeitigen und zukünftig absehbaren Potenziale an Wohnbautätigkeit u.a. voraus. Zusammen
ergeben diese umfangreichen Datenerhebungen, ne uen Auswertungen und Analysen eine aktuali-
sierte Bevölkerungsvorausberechnung, die die realistische Möglichkeit der weiteren Bevölkerungs-
entwicklung Darmstadts und ihre Varianten abbildet und prognostizieren kann.
Gerade die Betrachtung der Entwicklung der südh essischen Metropolregion, die besondere Lage
Darmstadts im Rhein-Main-Gebiet und enge Verflechtungen mit dem Landkreis Darmstadt-
Dieburg können durch die nun vorliegende Analyse den Blick auf die zukünftigen, enormen Poten-
ziale für eine nachhaltige Stadtentwicklung schärfen.
Die Aufarbeitung der regionalpolitischen Ausgan gssituation Darmstadts in der Metropolregion
FrankfurtRheinMain steht deshalb am Anfang des ersten großen Themenbereiches, der den Titel
„Potenziale und Ziele“ hat.
Oft schärft der Blick zurück die Sicht auf die Zukunft: Die historischen Wurzeln von Frank-
furtRheinMain werden ebenso au fgearbeitet wie die aktuelle Debatte um den Begriff der deut-
schen Metropolregionen in ihrer Vielfältigkeit. Die besondere Dimension von FrankfurtRheinMain
im europäischen System vernetzter Großstädte und urbaner Regionen wird anhand der demogra-
fischen Entwicklungstrends sehr deutlich; die positiven Entwickl ungschancen der Metropolregion
werden dargestellt.
Kein Einwohnerzuwachs ohne den entsprechenden Wohnraum: Kapitel 3 widmet sich der Zukunft
des Wohnens in der Metropolregion und stellt die Voraussetzungen der Regionalplanung dar, die
in Kapitel 4 am konkreten Beispiel Darmstadts mit seinen ne uen Potenzialen an Wohnbebauung
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
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5
durch die nun zur Verfügung stehenden Konversion sflächen vorgestellt werden. Dabei umfassen
die Aspekte der Regional- und Stadtplanung nicht nur die möglichen neuen Wohnflächen, die nach
dem Abzug der US-amerikanischen Streitkräfte zu r Verfügung stehen, sondern auch die Entwick-
lungsperspektiven für die gewerbliche Nutzung und die hohe Bedeutung Darmstadts als Wirt-
schaftsstandort.
Dem starken Zusammenhang zwischen positiver wirtschaftlicher und demografischer Entwicklung,
dem gegenwärtig erkennbaren Fachkräftemangel sowie der Entwicklung der Erwerbstätigen wer-
den im Kapitel 5 Rechnung getragen.
Der zweite große Themenbereich mit dem Titel „Entwicklungen und Trends“ umfasst die neuesten
Erkenntnisse zu Geburten, Sterbefällen und Wanderungen in Darmstadt. Die absehbaren Verände-
rungen in Darmstadts Altersstruktur, sowie die Un terschiede in Darmstadts Stadtteilen bezüglich
der demografischen Entwicklung zeigt Kapitel 8 auf.
Der dritte und letzte Themenblock „Prognosen und Perspektiven“ verbindet die unterschiedlichen
Stränge der einzelnen Kapitel zu einem Gesamtüberb lick, der sich in die Zukunft richtet: In Kapi-
tel 9 werden nun die Erkenntnisse aus den demogr afischen, planerischen und wirtschaftlichen
Analysen in einer Bevölkerungsvorausberechnung bis zum Jahr 2025 gebündelt und für die ver-
schiedenen, differenzierten Altersgruppen einzeln vorgestellt.
Grundlegende Daten für die weitere städtische Kindergarten- und Schulentwicklungsplanung oder
Altenhilfeplanung z.B. können damit ermittelt we rden; wichtige Optionen der weiteren Stadtent-
wicklung werden überhaupt erst sichtbar und können damit zu einer soliden Grundlage für Ent-
scheidungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft werden.
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
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Statistische Mitteilungen 1 | 2008
Potenziale und Ziele
2 Die Wissenschaftsstadt Darmstadt in der Metropolregion
FrankfurtRheinMain –
Entwicklungsperspektiven im nationalen und internationalen Maßstab
2.1 Die regionalpolitische Ausgangssituation für Darmstadt
Kein
e Stadt ist eine Insel! – Eine selbstverständ liche, fast überflüssige Aussage? Dies hängt vom
Blickwinkel des Betrachters und/oder des Betrachteten ab.
Aus stadtgeografischer und regionalwissenschaftlic her Sicht ist die Existenz intensiver Stadt-
Umland-Verflechtungen und von Beziehungen unterschiedlicher Städte untereinander charakteris-
tisches Merkmal des Stadtbegriffs, ja Voraussetz ung der Gründung von St ädten und der Entwick-
lung eines Städtesystems überhaup t. Abgesehen von historischen Sonderformen, die auf gewisse
Art und Weise auch als Irrwege zu bezeichnen sind, wie (mit Einschrä nkungen) der Ackerbürger-
stadt oder der militärisch geprägten Garnisonss tadt, ist der Handel von Beginn an essentielle
städtische Funktion. Dies findet seinen Ausdru ck im festgeschriebenen Marktrecht der Stadt-
rechtsurkunden. Handel, ob im Nahbereich oder auf den Fernaustausch fokussiert, ist wiederum
Interaktion mit Dritten – keine Stadt ist also eine Insel!
Dies gilt umso mehr, seit in Folge der Industri alisierung und damit des Aufkommens von Pendler-
verflechtungen die Verstädterung von ehemals agrarisch geprägten Dörfern im Umland der Städte
einsetzte und damit alte „Mauern“ obsolet wurd en bzw. „klassische“ Stadtgrenzen verschwam-
men. Suburbanisierung ist hinsichtlich der Siedlungsentwicklung der Megatrend des 20. Jahrhun-
derts. Ob inzwischen eine Reurbanisierung eingesetzt hat oder sich der Prozess der Suburbanisie-
rung in den letzten Jahren nur verlangsamt hat, ist noch Gegenstand hitziger Debatten. Die Frage
wird sich erst über eine Fortschreibung der ak tuellen Trends und eine Verifizierung der Bevölke-
rungsprognosen beantworten lassen.
Stadtregion ist jedenfalls in der funktionalen Betrachtung von Siedlungsstrukturen seit langem
einer der bevorzugten Begriffe. Verdichtungsräume in ihren unterschiedlichen Ausprägungsformen
von monozentrisch (z.B. München) über quasi-polyzentrisch (z.B. Stuttgart/Mittlerer Neckar) bis
polyzentrisch (z.B. Rhein-Ruhr) werden als zentrale Träger von Wirtschaftskraft und Bevölke-
rungsentwicklung allgemein anerkannt 1. Das Verhältnis Arbeitsplätze zu Einwohnern als kombi-
niertes demografisch-ökonomisches Merkmal ist wichtigster Parameter der Abgrenzung von Ver-
dichtungsraum zu ländlich strukturierten Räumen.
Dieser Tatsache steht die individuelle Verfasstheit der Kommune als dritte Säule des Staates ne-
ben Bund und Ländern gegenüber. Mandatsträger werden direkt oder indirekt von der Bürger-
schaft der Einzelkommune gewählt. Ob und wie stark Verflechtungsbeziehungen über deren ad-
ministrative Grenze hinweg bestehen und inwi efern die Kommune in den Zusammenhang eines
Verdichtungsraums eingeflochten is t, spielt dabei zunächst einmal keine Rolle. Lokalpolitik hat
auf das Gemeinwohl der jeweiligen Kommune zu achten. Die Anerkennung einer regionalen Ein-
bindung und das Maß des regionalen Kooperationswillens hängen folgerichtiger Weise von der
Größe des Vorteils ab, den die Gebietskörperschaf t daraus bezieht. Entsprechend herrscht in vie-
len Verdichtungsräumen nach wie vor der Versuc h der Kommunen vor, Vort eile der Verdichtung
auf sich zu ziehen und Kosten zu externalisieren. Dies gilt auch für die „Haben-Seiten“ insbeson-
dere für Unternehmensansiedlungen und intraregionale Wanderungsbeweg ungen, auf der „Soll-
Seite“ für die Aufwendungen z.B. für soziale und kulturelle Infrastruktur.
1 zur Unterscheidung Stadtregion/Verdichtungsraum und zu Verdichtungsraumkategorien vgl. GAEBE 1987
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
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Daraus haben sich vielfach „Spielregeln“ entwickelt, die auf regionale Kooperation auf den kleins-
ten gemeinsamen Nenner hinauslaufen. Der archetypische Konflikt „Kernstädte versus Speckgür-
tel“ ist dafür sinnbildhaft geworden 2. Ein Beispiel für solche Querelen ist die Diskussion um den
Umzug der Deutschen Börse als Symbolunternehmen des Standorts von Frankfurt nach Eschborn.
Dass sich dies langsam, aber doch erkennbar st etig ändert, ist sicherlich auf weitsichtige und
(über die lokale Ebene hinaus) ambitionierte Pe rsönlichkeiten zurückzuführen. Wesentlich ist je-
doch nicht zuletzt der Druck, welcher aus der Gl obalisierung der Wirtschafts- und Lebenszusam-
menhänge erwächst. Dieser nimmt keine Rücksicht auf lokale Befindlichkeiten, sondern erlaubt
letztlich alleine (Groß-)Regionen eine internationale Markenbildung. Außerdem erzwingt die Fi-
nanzkrise der Städte und Gemeinden geradezu ei ne Aufgabenkritik und die Zusammenarbeit mit
dem Ziel, Synergien zu entwickeln.
Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund, der durch zahlreiche weitere Faktoren bestimmt wird, die
hier nicht vertieft werden können und in die Di skussion über Sinn oder Unsinn einer Regionalre-
form münden, hat die Wissenschaftsstadt Darmstadt seit 2005 einen Strategiewechsel ihrer Regi-
onalpolitik vollzogen. Dabei wurde nach dem Au sscheren der Kreise Berg straße und Groß-Gerau
der Zweckverband Starkenburg aufgelöst und die Kooperation mit dem Odenwaldkreis und dem
unmittelbaren Nachbarn Darmstadt-Dieburg auf eine neue Basis gestellt, welche die gemeinsame
Bearbeitung von Sachfragen in den Vordergrund stellt3.
Vor allem aber bringt sich Darmstadt seither in tensiv in die Kooperation innerhalb der Region
FrankfurtRheinMain ein. Zugleich wird die Disk ussion um die Zukunft der Region von Darmstadt
aus mitgeprägt. Kernpunkte der Öffnung „nach Norden“ sind die Aufnahme Darmstadts in den
Kreis der Gesellschafter
• der FrankfurtRheinMain GmbH International Marketing of the Region, die (wie der Name sagt)
die internationale Vermarktung des Wirtschaftsstandorts zum Gegenstand hat
• der Kulturregion FrankfurtRheinMain GmbH.
Die zentralen Politikfelder Wirt schaft und Kultur ebnen somit Wege. Selbstbewusst werden die
Stärken der Stadt eingebracht. Dies ist einersei ts die wissenschaftliche Forschungs- und Entwick-
lungskompetenz Darmstadts, das sich „Gehirn“ von FrankfurtRheinMain nennt. Andererseits sind
dies die kulturellen Leuchttürme, angeführt vom Jugendstilerbe der Mathildenhöhe und gefolgt
von Jazz, neuer Musik, Theater, Sprache/Literatur und Design.
2.2 Die historischen Wurzeln von FrankfurtRheinMain
Regio
nalpolitik und regionalwissenschaftliche Analyse bilden ein Begriffspaar, das nicht notwendi-
ger Weise immer zur Deckungsgleiche geführt wird. Das Beispiel Darmstadts zeigt, dass erst in
jüngerer Zeit die Selbstdefinition der Stadt und ihre Stellung in einem Verdichtungsraum eine
Übereinstimmung gefunden haben, wenngleich anzuerkennen ist, dass z.B. im Bereich des ÖPNV
(Rhein-Main-Verkehrsverbund - RMV) bereits seit langem eine Einbindung besteht. Denn eines
steht fest: Darmstadt ist seit dessen siedlung s- und wirtschaftsgeographischer Herausbildung
integraler Teil des Rhein-Main-Gebietes. Die Benennung des Rhein-Main-Gebietes als solches geht
bis auf die Zeit um 1900 zurück. „Rhein-Maini scher-Lebensraum“ oder „Rhein-Mainischer-
Städtekranz“ (vgl. Abbildung 1) waren frühe Kennzeichnungen der Region4.
2 vgl. Adam, Driessen und Münter, 2008
3 vgl. 21. Sitzung des Magistrats der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2008, Vorlage 2008/0318 Betreff: Regionale Koope-
ration zwischen der Wissenschaftsstadt Darmstadt, dem Odenwaldkreis und dem Landkreis Darmstadt-Dieburg
4 für eine Betrachtung zur Begriffshistorie vgl. SCHELLER 1998.
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
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Statistische Mitteilungen 1 | 2008
Bis heute bleibt eine der wertvollsten wissensc haftlichen Betrachtungen zum „Werden und Gefü-
ge des rhein-mainischen Verstädterungsgebietes “ der gleichnamige Aufsatz von Anneliese Krenz-
lin, in dem die Autorin feststellt: „Das Rhein-Main-Gebiet ist Kulturlandschaft in eminentem Sin-
ne... Wir verstehen daher das Rhein-Main-Gebiet als von den kulturgeogra phischen Phänomenen
her als das Gebiet der starken Bevölkerungsballung und der Häufung von Konzentration von In-
dustrie und Gewerbe am unteren Main... Sein Sc hwergewicht hat dieser Raum in einem Achsen-
kreuz, dessen Ostwestachse vom Main oberhalb Aschaffenburgs bis Bingen verläuft, dessen Nord-
südachse von der Nordgrenze des Neckar-Main-Gebietes südlich Heppenheim bis gegen Friedberg
erstreckt.“
Abbildung 1 Eine der frühen kartographischen Darstellungen des Rhein-Main-Gebietes von 1924 (WIRTSCHAFTSDEPUTATON
FRANKFURT 1924)
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
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Diese Charakterisierung mit „weichen Grenzen“ kann bis heute als aktuell gelten – ebenso wie das
Heranziehen der Pendlerverflechtungen als Kriterium der Gliederung des Verdichtungsraums.
Siedlungsstrukturelles Hauptcharakteristikum des Rhein-Main-Gebietes ist seine Polyzentralität
ohne allüberragendes Zentrum. Frankfurt ist zwar anerkannter Weise die wichtigste Stadt mit der
größten Bevölkerungszahl und den meisten Arbeitsplätzen, insgesamt verfügt die Region aber
über sieben Oberzentren (Aschaffenburg, Darmstadt, Frankfurt, Hanau, Mainz, Offenbach, Wies-
baden). Die fehlende administrative Einheit des Ve rdichtungsraums manifestiert sich z.B. darin,
dass drei Bundesländer (Hessen, Rheinland-Pfalz und Bayern) Anteil an der Region haben.
Historisch ist die polyzentrische Struktur im Wesentlichen auf territoriale Zersplitterung zurückzu-
führen, die zur Entwicklung unterschiedlicher Zentre n und in der Folge zu einer Funktionsteilung
zwischen diesen führte.
Der aktuelle „Naming“ FrankfurtRheinMain wiederum ist der werblichen Schwierigkeit geschuldet,
polyzentrische Regionen international bekannt zu machen. An der Tatsache regionaler Einbettung
ändert es nichts.
2.3 FrankfurtRheinMain als Metropolregion
Die
Ministerkonferenz für Raumordnung (MKRO) definiert vor dem Hintergrund eines Beschlusses
zum raumordnungspolitischen Handlungsrahmen seit 1995 so genannte europäische Metropolre-
gionen. Diese sollen als Motoren der ge-
sellschaftlichen, wirtschaftlichen, sozialen
und kulturellen Entwicklung einen ent-
scheidenden Beitrag zur Leistungs- und
Konkurrenzfähigkeit Deutschlands und
Europas leisten.
In Metropolregionen sollen sich konzent-
rieren:
• politische und unternehmerische Ent-
scheidungs- und Kontrollfunktionen
(beispielsweise Regierungssitze, Un-
ternehmenszentralen),
• technisch-wissenschaftliche und so-
ziokulturelle Innovationen sowie
• der schnelle Zugang zu Märkten, Wis-
sen und Menschen (Gateway-
Funktion)
Die Ausweisung der Metropolregionen
erfolgte zeitlich in drei Schritten. In der
ersten Ausweisung im Jahr 1995 waren
Rhein-Ruhr, Berlin-Brandenburg, Frank-
furtRheinMain, Stuttgart, Hamburg und
München vertreten.
Abbildung 2 Schematische Darstellung der deutschen Metropolregionen
(Quelle: Planungsverband Frankfurt/RheinMain
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
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Statistische Mitteilungen 1 | 2008
1997 folgte das Sachsendreieck. 2005 schließlic h wurden in einer letzten „Welle“ Hannover-
Braunschweig-Göttingen, Nürnberg, Bremen-Olden burg und Rhein-Neckar hinzugenommen. Der
Ausweisung waren jeweils intensive politische Aktivitäten vorausgegangen.
Tabelle 1 Kennziffern der deutsche n Metropolregionen (Quelle: IKM)
Metropolregion Bevölkerung
Bevölkerungs-
dichte
Einwohner/m²
Fläche
km²
Bruttowert-
schöpfung
Milliarden €
Bruttowert-
schöpfung
je Erwerbs-
tätigem €
Fluggäste an
internationalen
Flughäfen in
Tausend
Hamburg 4.300.000 216 19.800 124 61.300 12.800
Bremen-Oldenburg 2.400.000 205 11.600 55 50.000 2.200
Hannover-Braun-
schweig-Göttingen
3.900.000 210 18.600 93 50.800 5.600
Berlin 6.000.000 196 30.400 118 45.600 20.000
Sachsendreieck 3.500.000 290 12.100 64 39.000 3.600
Rhein-Ruhr 8.300.000 1.003 8.300 200 keine Angabe 12.000
FrankfurtRheinMain 5.500.000 374 14.800 168 60.500 54.200
Rhein-Neckar 2.400.000 419 5.600 62 56.700 kein internatio-
naler Flughafen
Stuttgart 5.300.000 343 15.400 164 61.200 10.100
Nürnberg 3.500.000 171 20.500 103 57.800 4.200
München 5.100.000 236 21.500 171 62.200 34.000
Insbesondere die 2005er Ausweisung provozierte in der Fachwelt kritische Äußerungen zur Inflati-
on des Begriffs Metropolregion und zur Wertigkeit einzelner deutscher Metropolregionen in einem
kontinentalen oder globalen Rahmen.
Kritik wird außerdem an mangelnder
Transparenz des räumlichen Zuschnitts
geübt. Die in Einzelfällen hohen Anteile
der ländlichen Raumkategorie an Metro-
polregionen werden als Grund für die
mangelnde Vergleichbarkeit untereinan-
der angeführt. Dies gilt insbesondere in
Bezug auf die Einwohnerzahlen und die
zwischen den einzelnen Regionen stark
unterschiedlichen Bevölkerungsdichten.
Tabelle 1 zeigt dies signifikant anhand
der nach Selbstdefinition „zweitkleins-
ten“ (Flächenzuschnitt) Metropolregion
Rhein-Ruhr, die jedoch die höchste Be-
völkerungszahl aufweist. Ein Vergleich
mit anderen Metropolregionen, welche
sich in der Mehrzahl sehr „generös“ im
selbst gewählten Zuschnitt verhalten, ist
praktisch ausgeschlossen.
Abbildung 3 – Die Metropolregion FrankfurtRheinMain
(Quelle: Planungsverband Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main)
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
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Die Metropolregionen sind in einer Dachorganisation, dem Initiativkreis Europäische Metropolre-
gionen in Deutschland (IKM) verbunden. Frankfur tRheinMain wird derzeit durch den Planungsver-
band Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main vertreten. Gleichzeitig wird ihre Wertigkeit für die nati-
onale Raumordnung häufig in Papieren der MK RO und des Bundesamts für Bauwesen und Raum-
ordnung (BBR) betont5.
Dies bedeutet jedoch nicht, dass ein nationales Entwicklungsprogramm für die Metropolregionen
oder vergleichbares existiert. Dies wiederum passt sich in den Rahmen europäischer Regionalpoli-
tik ein, der Europa (verkürzt gesprochen) im Sinne der Lissabon-Strategie (wieder) an die Welt-
spitze auf den Feldern Technologie, Wissen und Innovation bringen will.
6
Dabei wird in der konkreten Ausprägung der Kohä sions- und Strukturpolitik jedoch in realiter
nicht über die Stärkung der starken Verdichtungsräume gearbeitet, sondern über den Versuch des
strukturellen Ausgleichs der Benachteiligung peripherer, ländlicher und/oder vom Strukturwandel
betroffener Räume. Der EG-Vertrag gibt dies an verschiedener Stelle vor. Beispielsweise in § 158
und § 160 werden eine „harmonische“ Entwicklung und der Ausgleich regionaler Disparitäten pos-
tuliert.
Der IKM kritisiert nicht, dass der Disparitätenausgleich als Metaziel aufrechterhalten wird. Er
mahnt jedoch verschiedentlich an, das Ziel den veränderten Rahmenbedingungen anzupassen und
die Strukturförderung verstärkt an regionalen Kompetenzen auszurichten, die das gesamtgesell-
schaftliche Wohl fördern
7. Auffällig ist in diesem Kontext, dass die europäischen Metropolregionen
in der vieldiskutierten Charta von Leipzig zur eu ropäischen Stadtentwicklung nur nachrangig Er-
wähnung finden8.
2.4 Die Metropolregionen und der demografische Wandel
Aufgrund i
hrer raumstrukturellen Unterschiedlichkeit (s.o.) fällt ein unmittelbarer Vergleich der
Entwicklungschancen der deutsche n Metropolregionen schwer. Eine Grobbetrachtung ergibt zu-
nächst, dass die demografischen Kennziffern der Metropolregionen in Deutschland in der Ge-
samtheit gegenüber dem restlichen Bundesgebiet deutlich positivere Trends ausweisen.
Abbildung 4 stellt dies dar – wobei die Darstellung von Darmstadt selbst an dieser Stelle vernach-
lässigt werden kann, da die Bevölkerungsprognosen seit Erstellung der Kartengrundlage deutlich
ins Plus verschoben wurden (vgl. Kapitel 9.8). In diesem Zusammenhang sei auch darauf hinge-
wiesen, dass sich neueste Trends, die unter dem Sammelbegriff „Zurück in die Stadt“ erstmals
eine Umkehr der Suburbanisierung als möglich diskutieren
9, bedingt durch das Ausgangsjahr
2002 noch nicht abbilden können. Die Analyse ziel t deshalb überwiegend auf Metropolregionen in
ihrer Gesamtheit ohne innere Differenzierung ab.
In der Raumbeobachtung des Bundesamtes für Ba uwesen und Raumordnung (BBR) ist die räum-
liche Spaltung der Bundesrepublik in Aktiv- und Passivräume der Bevölkerungsentwicklung über-
deutlich. Die Bevölkerungsverluste in weiten Teilen der fünf neuen Bundesländer, die vielfach als
erdrutschartig und kaum reversibel zu bezeichnen sind, stellen inzwischen ein über die Fachöf-
fentlichkeit hinaus bekanntes Faktum dar. Intere ssant ist hierbei jedoch, dass sich die eigentli-
chen Grenzen der ehemaligen DDR in der Karte nicht widerspiegeln. Vielmehr ist ein breiter Über-
gangsraum des „Westens“, überwiegend die früheren Zonenrandgebiete, mit betroffen.
5 vgl. z.B. MKRO 2006, S. 2
6 Wissenschaftsstadt Darmstadt, Statistische Berichte 1/2004, S. 6
7 vgl. BMVBS 2007a
8 vgl. BMVBS 2007b, S. 3
9 vgl. Hesse (2008)
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
12
Statistische Mitteilungen 1 | 2008
Abbildung 4 Bevölkerungsentwicklung in Deutschland von 2002 bis 2020 (Quelle: BBR)
Eine Feinbetrachtung erbringt demgegenüber weitere Differenzierungen. So schiebt sich ein Keil
von Gebietskörperschaften negativer Bevölkerungsentwicklung von Rhein-Ruhr im Westen in süd-
östlicher „Streichrichtung“ über Nordhessen, Südniedersachen und das nördliche Franken bis
zum Bayerischen Wald. Davon zweigt am Dreiländ ereck Hessen/Thüringen/Bayern ein „Ast“ nach
Süden ab, der die verkehrsgeografischen Leelag en zwischen RheinMain/Stuttgart und Nürn-
berg/München zusammenfasst. Als weiterer Passivr aum in Süddeutschland sind Teile der West-
pfalz und des Saarlands zu nennen.
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
13
Konkret auf die Metropolregionen bezogen sind folgende Punkte auffällig:
• Der nördliche Kernbereich von Rhein-Ruhr („altes“ Ruhrgebiet) ist Passivraum. Die Met-
ropolregion ist in einen prosperierenden Süden (Köln/Bonn/Düsseldorf) und einen
problembehafteten Norden gespalten.
• Bremen wird randlich von Zonen negativer Bevölkerungsentwicklung kannibalisiert
• noch stärker gilt dieser Effekt für die Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen.
• Vom Sachsendreieck zu sprechen, ist ein eher perspektivisches Entwicklungsleitbild, in Bezug
auf die aktuelle Bevölkerungsdynamik handelt es sich bei Dresden und Halle/Leipzig um ver-
inselte Wachstumspole, wobei die Stadtregion Chemnitz gänzlich zurückbleibt.
• Damit sind im Norden und Osten der Republik Hamburg und Berlin positiv besetzt. Bei Berlin
mit seinem ausgeprägten Gegensatz Kernstadt – suburbaner Raum handelt es sich aufgrund
der Hauptstadtfunktionen um eine Sonderentwicklung.
Im Süden Deutschlands kann die Region München, respektive Oberbayern, als Hauptgewinner des
demografischen Wandels unter den Metropolregionen gelten. Dem folgen etwa gleichauf Stuttgart
und die Doppelmetropolregion FrankfurtRheinMain / Rhein-Neckar sowie mit gewissen Abstrichen
Nürnberg.
Als Fazit kann plakativ festgehalten werden: Die positive Bevölkerungsdynamik in Deutschland
fokussiert mindestens mittelfristig auf Süddeutschl and. Dort wiederum zä hlt FrankfurtRheinMain
zur kleinen Gruppe der Metropolregionen mit se hr guten Zukunftsaussichten. Das Wachstum die-
ser Spitzengruppe wird zu Ungunsten von Passivr äumen mit sich dramatisch verschlechternden
Entwicklungsbedingungen stattfinden.10
Dies spiegelt sich auch in der 11. koordinier ten Bevölkerungsvorausberechnung des Hessischen
Statistischen Landesamtes (HSL) von 2008 wieder, die für den statistisch gut abgesicherten Teil-
abschnitt von 2006 bis 2025 für den Regierungsbez irk Darmstadt als Kernraum des hessischen
Teils der Metropolregion FrankfurtRheinMain vo n einer nahezu stagnierenden Bevölkerungsent-
wicklung mit einer nur sehr leichten Abna hme von 3.772.906 (2006) auf 3.749.551 Einwohner
(2025) ausgeht.
Vier Oberzentren des hessischen Rhein-Main-Gebietes, nämlich Da rmstadt, Frankfurt, Offenbach
und Wiesbaden, sowie der Main-Taunus-Kreis dü rfen jedoch mit Bevölkerungszunahmen rechnen
(Offenbach mit dem Maximum von 4,4%, Darmstadt um 2,8%).
Zu einer grundsätzlich vergleichbaren Aussage kommt die HessenAgentur (2008) in ihrer parallel
veröffentlichten Bevölkerungsvorausschätzung. Sie geht für den Zeitraum von 2006 bis 2030 im
Regierungsbezirk Darmstadt von einem grad uellen Bevölkerungsanstieg um 20.500 auf
3.793.400 Einwohner aus. Die Studie der HessenAg entur beurteilt dabei die Wachstumschancen
der Kernstädte des Verdichtungsraums noch posi tiver als das HSL. Für die Wissenschaftsstadt
Darmstadt wird von 2006 bis 2030 eine Bevölk erungszunahme um 5,7% auf 149.300 Einwohner
prognostiziert (vgl. Kapitel 9.8).
Wie sehr demografischer Wandel bzw. Prognosen und der Immobilienmarkt bereits in Wechsel-
wirkung stehen, zeigt sich in Fachgesprächen mit Vertretern von Wohnung sbauträgern und ande-
ren Immobilienschaffenden (vgl. Kapitel 3). Dabei häufen sich die Hinweise, dass beispielsweise
10 Siehe dazu die differenzierte Untersuchung zu 338 europäischen Gebietskörperschaften von Enrique Garcilazo (OECD),
Variation in economic performance among OECD regions - A study of the endogenous factors of growth , vorgestellt auf
der Darmstädter SCORUS-Konferenz 2007, veröffentlicht unter
http://www.darmstadt.de/en/scorus/publications/index.htm
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
14
Statistische Mitteilungen 1 | 2008
die Metropolregion FrankfurtRheinMain nicht als Ganzes als sinnvoller Investitionsstandort ange-
sehen wird, sondern eine Fragme ntierung stattfindet. Entsprechend demografischer Prognosen
und Hauptverkehrslinien reduziert
sich das Zielgebiet privatwirt-
schaftlicher Wohnungs- und Haus-
bautätigkeit vieler Unter-
nehmungen auf ein mehr oder
minder schmales „T“ von
Mainz/Wiesbaden im Westen über
den Taunusrand und Frankfurt
wenig über Offenbach im Osten
hinaus, sowie von knapp nördlich
Frankfurt entlang der A5 nach
Darmstadt und von dort an die
Bergstraße. Bereits wenige Kilo-
meter Abweichung von diesen
Linien lässt Interesse und Rendi-
teerwartung sinken.
Damit kommt die Vermutung auf,
dass der demografische Wandel
über seine Rezeption durch die
Immobilienwirtschaft bereits heu-
te Aspekte einer selbst erfüllen-
den Prophezeiung gewinnt – also:
Er wirkt selbst verstärkend.
Grafik 1 Bevölkerungsentwicklung in Hessen
von 2006 bis 2025 Quelle: HSL 2008
2.5 FrankfurtRheinMain im internationalen Vergleich
Internationale Stadtk
ategorisierungen und Ranking s werden ebenso wie auf nationaler Ebene in
den Regionalwissenschaften oft verwendet und genießen auch in populären Veröffentlichungen
Aufmerksamkeit. Gleichwohl ist vielen Untersuc hungen gemeinsam, dass ihre empirische Basis
entweder schwierig nachvollziehbar oder unsicher ist, da z.B. Kenndaten national unterschiedlich
erhoben werden.
Den bis heute meist zitierten Beitrag zur Diskussion dürfte Sassen (1991) geliefert haben, indem
sie den Begriff „Global City“ für die Knotenpunkte und die Steuerungszentren der Weltwirtschaft
zwar nicht „erfunden“, aber doch omnipräsent eingeführt hat.
Einen wichtigen Beitrag zur Zusammenfassung verschiedener Untersuchungen zur globalen Wer-
tigkeit von Großstädten bzw. Metropolregionen haben Beaverstock/Smith/Taylor (1999) geliefert.
Sie bieten einen Überblick von 27 Studien zu gl obalen „Major Cities“, die zwischen 1966 und
1997 veröffentlicht wurden. Die Mehrzahl stam mt aus den 1980er und 1990er Jahren. Von weni-
gen Ausreißern abgesehen, kristallisieren sich dabei New York und London als uneingeschränkte
Zentren des Welthandels und Glob alisierungsgewinner heraus. Mit jeweils geringem Abstand in
der Häufigkeit folgen Tokio und Paris.
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
15
Deutsche Metropolregionen, die als „Major Cities“ identifiziert werden, sind FrankfurtRheinMain
(vier Mal, genannt wird jeweils „Frankfurt“) un d Rhein-Ruhr (drei Mal). Rhein-Ruhr wird 1981
letztmalig genannt. Die Zitationen von FrankfurtRheinMain stammen ausschließlich aus dem Zeit-
raum nach 1992.
Gemeinsam ist den meisten der 27 Untersuchungen, dass sie vorrangig auf die unternehmensori-
entierten Finanz- und Dienstleistungsbranchen ab zielen und deren räumliche Netzwerkstrukturen
analysieren. So soll eine neue, übergeordnete Kategorie im System der zentralen Orte als Folge
der Globalisierung benannt werden. Entsprechend ist klar festzustellen, dass insbesondere die
Bedeutung der Finanzwirtschaft mit ihrer engen Konzentration in Frankfurt anerkannt werden
muss, wenn man die Region im internationalen Wettbewerb prominent positioniert sehen möchte.
Beaverstock/Smith/Taylor (1999) untersuchten für ein eigenes Ranking zudem die Büronetzwerke
der 100 größten globalen Dienstleistungsunternehmen aus den Teilbranchen Banken, Finanzen,
Werbung und Accounting.
Sie nutzen in der Ergebnisbeschreibung die Begriffe „Alpha“, „Beta“ und „Gamma World City“. Als
führende „Alpha World Cities“ werden erwartungsgemäß erneut London, Paris, New York und To-
kio genannt. Weitere „Alpha Städte“ sind Chicago, Hongkong, Los Angeles, Mailand – und Frank-
furtRheinMain als einzige deutsche Metropolregion.11
„Beta World Cities“ existieren in Deutschland ni cht. Als „Gamma Städte“, also dritter Ordnung,
werden schließlich Düsseldorf (Metropolregion Rhein-Ruhr), Berlin, Hamburg und München aufge-
führt. Stuttgart folgt ohne „Rang“ als Stadt, die gewisse Ansätze für eine Weltbedeutung aufweist.
Ohne berechtigte Zweifel an dieser, wie auch an allen anderen vergleichbaren Veröffentlichungen,
vernachlässigen zu wollen, kann festgestellt werden, dass gewisse Überschneidungen zwischen
der Ausweisung „europäischer Metropolregionen“ in Deutschland und Untersuchungen zu „Global
Cities“ oder ähnlich benannten Zentren bestehen. Signifikant ist die Korrelation zwischen positiver
demografischer Prognose (vgl. Kapitel 2.4) und der Benennung als „World City“ bei Bea-
verstock/Smith/Taylor (1999) – wo bei Düsseldorf bzw. Rhein-Ruhr eine Ausnahme darstellt, je-
doch bereits auf die Zweigeteiltheit dieser Metropolregion hingewiesen wurde.
Bezüglich FrankfurtRheinMain kann die Schlussf olgerung gezogen werden, dass die positiven
Entwicklungschancen der Metropol region, welche in den vorherge henden Unterkapiteln für die
nationale Ebene herausgearbeitet wurden, auch für die internationale Ebene gelten. Mahnend
muss angesprochen werden, dass die Funktion als Steuerungszentrum stark von der Finanzwirt-
schaft und anderen Unternehmensdi enstleistern abhängig ist. Wie „flüchtig“ Standortvorteile in
diesen Branchen sein können, zeigt jedoch die Krise des Bankenwesens.
Die starke ökonomische Stellung der Metropolregi on FrankfurtRheinMain zeigt sich in der hohen
Zuwanderungsrate und den positi ven Prognosen für die zukünftige demografische Entwicklung.
Aber bietet die Region auch genügend Wohnraumangebote für die Zuwanderer – wie sieht die Zu-
kunft des Wohnens hier aus? Auf diese Frage vers ucht Kapitel 3 für die Re gion und Kapitel 4 für
Darmstadt eine Antwort zu geben.
11 In ihrer Analyse der Städte mit Weltrang zählt laut Derudder und Taylor die „global urban arena“ FrankfurtRheinMain an
Platz 10 zu den 30 bedeutendsten Weltstädten: siehe Ben Derudder & Peter Taylor, Porous Europe: European Cities in
Global Urban Arenas, Globalization and World Cities study group and network, vorgestellt auf der Darmstädter SCORUS-
Konferenz 2007, veröffentlicht unter http://www.darmstadt.de/en/scorus/publications/index.htm
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
16
Statistische Mitteilungen 1 | 2008
3 Zukunft des Wohnens in FrankfurtRheinMain und in Darmstadt
Die Metropolregion FrankfurtRheinMain ist in Hessen und in Bezug auf die gesamte Bundesrepu-
blik ein Gewinner des demografischen Wandels. Dies zeigen Kapitel 2.4 und noch detailreicher
Kapitel 9.8 klar auf. Im Folgenden wird der Ve rsuch unternommen, thesenartig verschiedene Ver-
öffentlichungen zur Zukunft des Wohnens aufzugreifen. So kann der Diskussionsstand zusam-
mengefasst werden. Dies wiederum ist Grundlage der differenzierten Analyse der Stadtentwick-
lungspotenziale Darmstadts in Kapitel 4.
Trotz dieser Perspektive, wonach FrankfurtRheinMain zunächst keine wesentliche Bevölkerungs-
rückgänge zu erwarten hat, werden die Ausw irkungen von Zuwanderungen und des demografi-
schen Wandels zunehmend auch hier eine Rolle für den Wohnungsmarkt spielen. Die Bevölkerung
wird älter und gerade wegen des hohen Wanderungsüberschusses auch immer bunter, und die
Altersstruktur in der Gesellschaft wird sich verändern.
Neben den bevölkerungsstrukturellen Aspekten wi rd als weitere Konsequenz davon auszugehen
sein, dass die Bevölkerungsentwicklung sich zunehmend räumlich konzentriert auf die verstädter-
ten Bereiche orientieren wird.
Man spricht schon von der Reurbanisierung. Peri phere Standorte verlieren an Bedeutung, Wande-
rungsbewegungen begünstigen und stärken zunehmend die Zentren. Indiz dafür ist, dass neue
Arbeitsplätze vorwiegend in Städten entstehen, die wiederum als Wohnstandort interessant wer-
den. Auch für ältere Menschen werden die Städte wieder attraktiv.
Die sich abzeichnende „Renaissance“ der Stadt ist jedoch nicht selbstverständlich und kein
Selbstläufer, sondern in entscheidendem Maße auch von politischen Weichenstellungen abhängig.
So meint der Präsident des deutschen Städteta ges und Münchens Oberbü rgermeister Christian
Ude: „Zu einer dauerhaften Trendumkehr müssen die Städte mit einer aktiven Stadtentwicklungs-
und Wohnungspolitik beitragen“.
Der starke Zusammenhang von Wirtschafts- und Raumentwicklung zeigt sich verstärkt in der Ana-
lyse des derzeitigen Strukturwandel s. Es ist zwar schon seit jeher festzustellen, dass es erwerbs-
fähige Menschen zu den Arbeitsplätzen zieht, do ch wie oben bereits festgestellt, entstehen Ar-
beitsplätze derzeit vorwiegend in den Städten und Zentren.
Die regional unterschiedliche Wirtschaftsentwickl ung stellt den Auslöser für Wanderungsprozesse
und die damit einhergehende Verf estigung der Ausdifferenzierung in Wachstums-, Stagnations-
und Schrumpfungsregionen dar.12 Dies wird in Kapitel 7 ausführlich analysiert.
Vorteile dieser Entwicklung werden selbstverständlich für die Wachstumsregionen gesehen, wie
für FrankfurtRheinMain. Die wachstumsstarken Me tropolregionen werden die maßgeblichen Trä-
ger der wirtschaftlichen Entwicklung sein (vgl. Kapi tel 2). Aber auch in den prosperierenden Regi-
onen kann Wachstum und Schrumpfung auf allen räumlichen Maßstabsebenen eng beieinander
liegen.
Gleichwohl werden die potenziell erfolgreichen Regionen auch untereinander im Wettbewerb ste-
hen und müssen sich daher entscheiden, ob im Si nne einer zukunftsfähigen Außendarstellung in
der Region Konkurrenz oder Kooperation vorherrschen soll. Für eine dauerhafte positive Entwick-
lung in der Region muss konsequenterweise die Ei nsicht und Bereitschaft entwickelt werden, ad-
ministrative Grenzen zu überschreiten.
12 Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung e.V., Chancen der vor uns liegenden demografischen Ent-
wicklung für die Wohnungs- und Städtepolitik, Berlin 2007
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
17
Es wird daher gefordert, dass wachstumsorientierte Regionen ein eigenständiges Profil (Marken-
zeichen) entwickeln und ein ei genes Selbstverständnis (Kultur der regionalen Zusammenarbeit)
entwickeln müssen. „Unterschiedliche Herausforderungen erfordern maßgeschneiderte Lösungen.
Lösungen müssen zwingend vor Ort entwickelt werden“.13
Der FrankfurtRheinMain fehlt ein regionales Image. Die polyzentrische Struktur ist im Vergleich zu
monozentrischen Metropolregionen durch einen sehr viel stärke ren intraregionalen Konkurrenz-
kampf geprägt. Dies wird durchaus als Schwäche trotz der insgesamt positiven Gesamtsituation
gesehen. So wird u.a. vorgeschlagen, neben der wirtschaftlichen Attraktivität, die vielfältigen wei-
teren Vorzüge, vom reichhaltigen kulturellen Angebot bis zur landschaftlichen Vielfalt, als Ansätze
regionaler Identität und davon abgeleitet besserer Außendarstellung stärker herauszustellen.14
Denn es wird durchaus damit gerechnet, dass es nicht gelingen wird, die Abstimmung von städte-
baulicher Planung und Flächenzuweisung zwischen den weiter sich in Konkurrenz stehenden
Kommunen im Sinne einer übergeordneten Vision zu begreifen.
Die Arbeitsmärkte sind von einer zunehmenden Te rtiärisierung gekennzeichnet, einhergehend mit
deutlich steigenden Anford erungen an die Beschäftigten. Zunehmend wird die Qualifikation über
den Zugang zum Arbeitsmarkt entscheiden. Der Beda rf an hochqualifizierten Personen wird stei-
gen. Oder anders ausgedrückt: Wir sind auf dem Weg in die Wissensgesellschaft. Folglich kommt
den Universitäten eine Schlüsselrolle für Innova tion und Beschäftigung zu. Die wirtschaftliche
Konkurrenzfähigkeit und damit die Zukunftsfähigkeit einer Region wird also in einem hohen Maße
von der Bildungsinfrastruktur abhängig sein.
Aber auch wirtschaftlich bevorzugte und wachse nde Städte und Räume werden vor großen sozia-
len Herausforderungen stehen. So wird vor allem dort bei weiter sich spreizenden Einkommen
auch erschwinglicher Wohnraum zur Verfügung stehen müssen. Die Chancen sollten jedoch über-
wiegen und durch wirtschaftliche Dynamik sollten auch finanzielle Spielräume ermöglicht werden.
Die Zusammenhänge zwischen wirtschaftlichen Perspektiven und Bevölkerungswachstum durch
positive Wanderungsströme wurd e bereits angedeutet. Doch fü r die Wohnungsmärkte der Agglo-
merationsräume ist eine weitere Erkenntnis von großer Bedeutung . Denn Zuwanderung erfolgt
nicht nach dem Kriterium der Stadtgröße. Es gilt die über die letzten Jahre nachgewiesene Fest-
stellung, dass die Kosten für die Lebenshaltung, vor allem durch hohe Mieten mit der Größe der
Stadt zunehmen und die Zuwanderungsquoten ab nehmen. Beispiele – wie Darmstadts Entwick-
lung in den letzten Jahren (vgl. Kapitel 7) – belegen, dass kleine Städte relativ stärkere Zuwande-
rung erfahren haben als große Städte.
Es gilt also, dass der Megatrend nicht heißt, „Wohnen in der möglichst großen Stadt“, sondern in
einer städtischen Atmosphäre. Perspektivische Vorteile liegen damit in der Stadt mittlerer Größe
bzw. eine anhaltende (Re-) Urbanisierung bezieht auch die Verflechtungsgürtel mit ein!
15
Urbanes Wohnen hat Vorteile bei der medizinischen und kulture llen Versorgung und ist damit
auch attraktiv für die infolge des demokratischen Wandels in erster Linie ansteigenden Bevölke-
rungsanteile der Senioren. Die Gr uppe der Rentner und Pensionäre wird zu einer wichtigen Nach-
fragegruppe auf dem Wohnungsmarkt. Statistisch eher weniger relevant wird der Effekt von Senio-
renwanderungen aus den „Speckgürteln“ zurück in die Stadt angesehen. Altersabhängige Mobili-
tätsstrukturen sind bisher noch erstaunlich stabil, d.h., dass Mobilität und Wanderungsneigung
mit zunehmendem Alter abnimmt. Interessant könnte die Entwicklung des Mobilitätsverhaltens
13 Deutsche Bank Research, Wohnen in der Stadt aus immobilienwirtschaftlicher Sicht, Darmstadt 2008
14 IHK-Forum Rhein-Main, Perspektiven für den Wohnungsmarkt in FrankfurtRheinMain 2020, Frankfurt 2008
15 Tobias Just, Deutsche Bank Research, Vortrag vor der IHK, Darmstadt 2008
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
18
Statistische Mitteilungen 1 | 2008
von Teilen der über 50-jährigen werden, die nach aktuellen Umfrageergebnissen zumindest einen
Umzug planen (vgl. Kapitel 7.4).
Ein weiterer Trend, an dem sich Reurbanisierung ableiten lässt, ist das zunehmende Umwelt- und
Klimabewusstsein im Angesicht des Ressourceneinsatzes, der für zersiedeltes Wohnen erforder-
lich ist. Parallel entwickeln sich wirtschaftliche Gründe, die bei steigenden Verkehrs- und Trans-
portkosten das Wohnen in der Stadt attraktiver werden lassen.
Ähnlich wird dies in den „Zukunftsperspektiven für FrankfurtRheinMain“ gesehen16. Es wird erwar-
tet, dass durch steigende Energie- und folglich auch der Transportpreise der Wohnraum entlang
der ÖPNV-Hauptachsen immer interessanter und stärker nachgefragt und damit auch knapper
und teurer wird. Auf der anderen Seite wird in de n schlechter erreichbaren Bereichen der Region
ein Wertverfall bei Immobilien einsetzen, der an den Rändern schon spürbar ist.
Die Lagequalitäten in der Region werden sich in sgesamt verändern. Es wird davon ausgegangen,
dass Investitionen in öffentliche Infrastruktur – vom ÖPNV bis zu kulturellen und sozialen Einrich-
tungen – konzentrierter geleistet und damit eine flächenhafte Au frechterhaltung nicht mehr ge-
währleistet werden kann.
In der Folge von steigenden Leer-
ständen in den Randbereichen und
dem damit einhergehenden Wertver-
lust der Immobilien reduzieren sich
die finanziellen Spielräume für not-
wendige Investitionen in den Be-
stand, wie z.B. für die energetische
Sanierung.
Die Bedeutung des Wohnungsmark-
tes als Standortfaktor nimmt zu.
Trotz des allgemein erwarteten Be-
völkerungsrückganges wird der Met-
ropolregion, im speziellen den Zent-
ren wie Darmstadt, ein weiteres Be-
völkerungswachstum prognostiziert.
Doch so komplex wie der demogra-
fische Wandel wird auch die Ent-
wicklung und der Wandel im Woh-
nungssektor zukünftig erwartet.
Darmstadt-Arheilgen Blütenviertel
Es wird keinen einheitlichen regionalen Wohnungsm arkt geben, die Märkte werden inhomogener.
Im Gesamtbild kann es durchaus sein, dass di e Zahl der Haushalte und der Wohnungen ausgegli-
chen ist, es sich aber große Unterschiede in den einzelnen Segmenten ergeben. 17 Schon heute
steht mancherorts einem Überangebot von teur en Wohnungen eine wachsende Knappheit an
preiswerten, finanzierbaren Wohnungen gegenüber.
16 IHK-Forum Rhein-Main, Perspektiven für den Wohnungsmarkt in FrankfurtRheinMain 2020, Frankfurt 2008
17 Wissenschaftsstadt Darmstadt, Statistische Berichte 2/2006
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
19
Dazu kommen die sich weiter diversifizierenden Ansprüche, die künftig verstärkt an Wohnraum
gestellt werden. Das aktuell verfügbare Wohnrau mangebot kann die Entwicklung von unterschied-
lichen Wohnmodellen für die unterschiedlichen Nachfragergruppen nicht befriedigen.
Die Berücksichtigung sich wandelnder Bedürfniss e wird eine Kernaufgabe werden und entschei-
dend für die Zukunftsfähigkeit des Wohnungsmarktes sein.
Die öffentlichen und privaten Ak teure des Wohnungsmarktes sind aufgefordert, dies als Gemein-
schaftsaufgabe zu erkennen. Die steigende Notw endigkeit integrierten Handelns auch der Ge-
bietskörperschaften untereinander, als wirksame interkommunale und regi onale Kooperation, in
allen infrastrukturellen Bereichen ist elementare Voraussetzung, um den sich abzeichnenden Ent-
wicklungschancen zu entsprechen (vgl. Kapitel 2.1).
Anpassungsprozesse betreffen nicht nur den Wohnungsneubau du rch Flächen-Neuausweisung
oder Flächenrecycling von Brachen, wie z.B. Konv ersion ehemaliger militärischer Liegenschaften,
sondern auch die Wohnungsbestände. Neben der er folgreichen und schon sehr oft beschriebenen
Sanierung von Gründerzeitvierteln (aber: Aufw ertung = Verteuerung des Wohnraums) wird der
kommende Augenmerk den Wohnvierteln und de n Einfamilienhausgebieten der 50er und 60er
Jahre gelten müssen. Dem gestärkten Interesse an Urbanität kann nur dann entsprochen werden,
wenn die Anpassung in allen Quartieren der vers tädterten Bereiche durch geeignetes Handeln
gelingt.
Noch wird gerade in FrankfurtRheinMain durch großzügige Flächenausweisung fast aller Kommu-
nen eine gezielte Zentrenentwick lung verhindert. Höhere Grundstückspreise auf Recyclingflächen
und die nach wie vor herrschende eindimensionale Annahme, dass Wohnraum auf der grünen
Wiese günstiger ist, erschweren die Realisierung von Wohnungsbau im Bestand.
Den Anstrengungen zur Mobilisierung innerstädt ischer Brachen und Flächenreserven zur Ergän-
zung des Wohnungsmarktes werden aber in Anbe tracht von gestärktem Klimabewusstsein und
höherer Mobilitätskosten (s.o.) immer größere Chancen eingeräumt.
So entstanden vor allem in den südlichen Bundesl ändern in den letzten Jahren eine Reihe von
Stadtquartieren – zum Teil auf Konversionsflächen – die qualitativ hochwertige Angebote inner-
halb der Stadtgrenzen bieten. Beispiele sind das französische Viertel in Tübingen und das Quar-
tier Vauban in Freiburg.
Die Tendenz zur Rückkehr der Bevölkerung vom suburbanen in den urbanen Raum ist auch in der
Metropolregion FrankfurtRheinMain zu erkennen und die Tendenz wird sich verstärken. Es ist da-
her wichtig, sich auf innerstädtische Entwicklung spotenziale zu konzentrieren und damit die In-
nenentwicklung der Städte zu förd ern. Kapitel 4 wird dies vertie fen. Neben den at traktiven Zent-
ren wird ein Schwerpunkt auf der Anpassungsfäh igkeit des Wohnraumes an unterschiedliche Nut-
zergruppen liegen.
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
20
Statistische Mitteilungen 1 | 2008
4 Potenziale der Stadtentwicklung
Darmstadts Einwohnerzahl ist im Zeitraum von 2002 bis 2006 gegenüber dem Durchschnitt aller
hessischen Großstädte etwa doppelt so stark gewachsen. 18 Entsprechend den aktuellen Projektio-
nen der Einwohnerentwicklung ist davon auszugehen, dass Darmstadt auch bis über den Zeithori-
zont 2020 weiterhin eine wachsende Stadt sein wird (vgl. Kapitel 9). Demzufolge ist von Zuwäch-
sen sowohl im Bereich des Wohnun gsmarktes als auch im Bereich der gewerblichen Entwicklung
auszugehen.
Die hierfür notwendigen städteba ulichen Entwicklungspotenziale sind in Darmstadt begrenzt. An-
gesichts der Siedlungsbeschränkungszone durch di e Lärmemission des Flughafens Frankfurt im
Norden sowie vielfacher naturräumlicher Restriktio nen im übrigen Stadtgebiet sind praktisch kei-
ne Wachstumsmöglichkeiten im Außenbereich vorhanden, so dass künftige Entwicklungen
zwangsläufig innerhalb der bestehenden Siedlung sfläche stattfinden müss en. Flächenumnutzung
und Stadtumbau sind somit Schwerpunkt und ze ntrale Aufgabe der Stadtentwicklung. Die Wis-
senschaftsstadt Darmstadt ist sich dieser Hera usforderung bewusst und setzt daher auf das Leit-
bild „Wachstum im Bestand“. Entscheidend ist da bei, ob und in welchem Umfang die notwendi-
gen Flächenpotenziale mobilisiert werden können. In diesem Zusammenhang wurde von Seiten
der Stadt bereits angeregt, dass Zuwachsflächen im Innenbereich auch im Rahmen von überge-
ordneten Planungen Ausdruck finden sollten. 19 Hierzu wurde unter anderem bei der städtischen
Stellungnahme zum Regionalplan/Regionaler Fl ächennutzungsplan Südhessen, Vorentwurf 2007,
eine entsprechende Darstellungsform innerhalb bestehender Siedlungsflächen angeregt.
Abbildung 5 Darmstädter Konversionsflächen
Angesichts der hier angeführten Rahmenbedingungen und des gesetzlich geforderten schonenden
Umgangs mit Grund und Boden ist ein solcher Ansa tz auch als Beitrag zu einer nachhaltigen flä-
chen- und umweltschonenden Siedlungsentwicklung zu verstehen. Die Mobilisierung geeigneter
18 Regionalplan/RegFNP Südhessen, Vorentwurf 2007
19 Landesentwicklungsplan/ Regionalplan/ Flächennutzungsplan
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
21
Flächen ist jedoch der ausschlaggebende Faktor für die Initialisierung von Innenentwicklung. Zent-
raler Schwerpunkt der künftigen Flächenmobilisier ung wird die zivile Umnutzung militärischer
Flächen sein.
Seit Mitte des Jahres 2005 ist bekannt, dass die am erikanischen Streitkräfte den Standort Darm-
stadt verlassen werden. Nur zwei kleinere militärische Restnutzungen sollen vorerst in Darmstadt
verbleiben. Es ist geplant, dass langfristig alle Flächen aufgegeben werden. Der angekündigte
Truppenabzug wird derzeit durc hgeführt und soll nach aktuelle m Kenntnisstand bis etwa Mitte
2009 abgeschlossen sein. Bis zu diesem Zeitpunkt sollen die militärischen Konversionsflächen
auch offiziell an den Eigentümer Bund bzw. die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA)
übergeben werden. Am 10.09.2008 wurde als erst e Fläche das 3,3 ha große ehemalige militäri-
sche Wohngebiet der St. Barbara-Siedlung dem Eigentümer überlassen.
Aufgrund des angekündigten Abzuges ergeben sich umfangreiche Perspektiven für die künftige
städtebauliche Entwicklung in Darmstadt: Innerhalb des Darmstädter Stadtgebietes befinden sich
rund 314 ha militärisch genutzte Flächen. Davon werden etwa 122 ha als innerstädtische Konver-
sionsflächen angesehen. Im Unterschied zu den Flächen im Außenbereich befinden sich die inner-
städtischen Konversionsflächen zumeist in städtebaulich integrierten Lagen und weisen eine gute
Erreichbarkeit zur City auf. Eigentümerin der Flächen ist die Bundesrepublik Deutschland. Diese
wird, mit Ausnahme der Starkenburgkaserne, du rch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben
(BIMA) vertreten.
Tabelle 2 Darmstädter Konversionsflächen
Flächengröße in ha
Konversionsfläche Lage
Statisti-
scher
Bezirk Projektgebiet Bruttobauland Nettobau-
land20
Bundeswehr-Kasernen
Starkenburg-Kaserne DA-Weststadt 240 14,8 12,0 9,0
US-Kasernen
Kelly-Barracks DA-Wests tadt 540 47,6 26,3 19,7
Nathan-Hale-Depot DA-Weststadt 540 13,2 13,2 9,9
Cambrai-Fritsch-Kaserne DA-Süd 430 24,8 23,5 17,6
gesamt 85,6 63,0 47,2
US- housing-areas
Lincoln-Siedlung DA-Süd 430 24,3 - -
Jefferson-Siedlung DA-Süd 430 8,5 - -
St. Barbara-Siedlung DA-Eberstadt 730 3,3 - -
gesamt 36,1 - -
sonstige US-Flächen
Griesheim-Airfield DA-West 540 21,9 9,8 7,4
Darmstadt Training Center DA-West 540 157,4 - -
gesamt 179,3 9,8 7,4
insgesamt 315,8 84,8 63,6
20 Nettobauland (NBL) = Summe aller bebauten und zur Bebauung vorgesehenen Flächen innerhalb eines bestimmten
Gebietes
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
22
Statistische Mitteilungen 1 | 2008
Im Vorfeld der anstehenden Entwicklungen wurden für die innerstädtischen Kasernenareale be-
reits entsprechende Aufstellungsbeschlüsse für künftige Bebauungspläne gefasst. Weiterhin wur-
den Satzungen über ein besonderes Vorkaufsrecht der Stadt erlassen. Nach derzeitiger Sachlage
ist nicht geplant, dass die Stadt Flächen erwerben wird. Vielmehr wird eine direkte Eigentums-
übertragung vom Bund an künftige Eigentümer und Entwickler angestrebt.
Ein wichtiges Steuerungsinstrument zur Sicherun g städtebaulicher Ziele besteht durch die kom-
munale Planungshoheit.
4.1 Aspekte der Regionalplanung
Unter Regionalplanung
versteht man die übergeordnete, überörtlich zusammenfassende Planung
für eine Region. Sie trifft Vorsorge für die einzelnen Raumfunktionen und Raumnutzungen und
leistet damit einen Beitrag zur Entwicklung der Region. Für die Kommunen besteht eine Anpas-
sungspflicht an die Vorgaben der Regionalplanung. Die von den Planun gen betroffenen Gebiets-
körperschaften werden im Rahmen des Aufstellungsverfahrens in zwei Beteiligungen angehört.
Wichtigstes Instrument der Regionalplanung ist der Regionalplan.
Träger der Regionalplanung ist die Regionalve rsammlung. Die Wissenschaftsstadt Darmstadt ist
dort durch fünf Stadtverordnete vertreten. Somi t sind Möglichkeiten der politischen Einflussnah-
me gegeben. Geschäftsstelle ist das Regionalpl anungsdezernat des Regierungspräsidiums (Obere
Landesplanungs-Behörde). In der Planungsregio n Südhessen besteht die Besonderheit, dass der
Regionale Flächennutzungsplan de s Planungsverbandes Ballungsrau m Frankfurt/Rhein-Main in
den Regionalplan integriert wird.
An die Regionalplanung werden vielfältige Ansprüche gestellt, so dass es häufig zu Überlagerung
unterschiedlicher Ausweisungen kommt. Nicht immer kann daher geklärt werden, welcher Vorrang
bei teilweise konkurrierenden Ansprüchen mehr Gewicht bekommt. In Darmstadt wird bereits seit
Jahren über die regionalplanerische Festlegung der Siedlungsbeschränkungszone im Norden des
Stadtgebietes diskutiert.
Auf der Ebene der Regionalplanung ist die Ausweisung von Vorranggebieten ausschlaggebend für
die Entwicklungsperspektiven einer Stadt. Hierdu rch wird der städtebauliche Entwicklungsspiel-
raum räumlich festgelegt. Im Regionalplan/R egionaler Flächennutzungsplan Südhessen werden
hierfür die Festlegungen „Vorranggebiet Siedlu ng/Planung“ bzw. „Vorranggebiet Industrie und
Gewerbe/Planung“ verwendet. Diese bilden die Grundlage fü r gewerbliche Entwicklungsperspekti-
ven und die Entwicklungsperspektiven des Wohnungsbaus.
4.2 Entwicklungsperspektiven
4.2.1 Gewerbliche Entwicklungsperspektiven
Darmstadt geh
ört zu den wirtschaftsstärksten Städten Deutschlands. Ge messen am Bruttoin-
landsprodukt je Kopf der Bevölkerung lag die Stadt 2005 an neunter Stelle aller deutschen Groß-
städte mit 100.000 und mehr Einwohnern. In Hesse n hatte nur Frankfurt am Main eine noch hö-
here Wirtschaftskraft.
21 Die überdurchschnittliche Wirtschaftskraft verdankt Darmstadt seiner
wachstumsstarken Wirtschaftsstruktur mit ihrem hohen Anteil an innovativen Produktions- und
Dienstleistungsunternehmen. Deren Herausbildung wurde durch die zentrale Verkehrslage und die
zahlreichen wissenschaftlichen Einrichtungen mit technisch-naturwissenschaftlicher Ausrichtung
begünstigt.
21 Arbeitskreis „Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung der Länder“
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
23
Trotz der günstigen ökonomischen Ausgangssituation hängen gewerbliche Entwicklungsperspekti-
ven unter anderem auch stark von externen ökonom ischen Einflüssen ab. Hierzu zählen z.B. un-
ternehmensinterne Standortentscheidungen, allgemeine Konjunkturschwankungen sowie das lokal
verfügbare Flächenangebot. Im Vergleich zum Wohnungsmarkt la ssen sich gewerbliche Entwick-
lungsperspektiven daher schwer prognostizieren. Beide Segmente unterliegen jedoch einer per-
manenten gegenseitigen Wechselwirkung.
Im Stadtgebiet der Wissenschaftsstadt Darmstadt befinden sich eine Vielzahl gewerblicher Ent-
wicklungsflächen mit unterschiedlichen Nutzungsperspektiven und -horizonten. Das Realisie-
rungspotenzial für gewerbliche Umnutzungen und Neuplanungen beläuft sich innerhalb des
Stadtgebietes auf rund 120 ha
22. Davon entfallen circa 40 ha auf Standorte, die für höherwertige
gewerbliche Nutzungen geeignet sind.
Der Schwerpunkt der gewerblichen En twicklung liegt im Westen des Stadtgebietes. In der so ge-
nannten Weststadt befinden sich rund 80% der Gewerbeflächenpotenziale. Dieser Bereich unter-
liegt einem permanenten Wandlungsprozess und entw ickelt sich weiterhin zu einem attraktiven
Stadtraum für Produktion und Dienstleistungen. Das Zentrum hochwertiger gewerblicher Entwick-
lungen bildet das Europäische Viertel: Hier konnten erfolgreiche Projekte wie das „TZ-Rhein-Main“
und das „TIZ“ (Technologie und Innovationszentrum Darmstadt), sowie perspektivisch die Expan-
sion von ESOC und EUMETSAT realisiert werden.
Im Zusammenhang mit gewerblichen Entwicklungsperspektiven wird der Begriff der Gewerbeflä-
che zumeist unterschiedlich interp retiert. Zur näheren Spezifizierung flächenbezogener gewerbli-
cher Aktivitäten reicht er jedoch nicht aus. Die Bezeichnung „Gewerbefl äche“ ist zunächst als
Sammelbegriff für flächenbezogene gewerbliche Nutzungen aller Art zu verstehen. Angesichts sich
permanent wandelnder Rahmenbedingungen können gewerbliche Nutzungen sehr unterschiedlich
ausgeprägt sein. Demzufolge sind Gewerbeflächen einem breiten Spektrum verschiedenster An-
sprüche ausgesetzt. Die unterschiedlichen Ansprü che an flächenbezogene gewerbliche Entwick-
lungen lassen sich durch folgende Beispiele beschreiben:
Flächen für Produktion
Flächen für Produktion sind für die Ansiedlung produktionsorientierter Unternehmen vorgesehen.
Bestehende Standorte sind überwiegend durch traditionelle Einrichtungen des Verarbeitenden
Gewerbes gekennzeichnet. Die Branche ist jedoch aufgrund betriebliche r Umstrukturierungspro-
zesse und fortschreitender Tert iärisierung einem starken Wandlungsprozess ausgesetzt. Entspre-
chende Standorte finden sich in Darmstadt in der Weststadt im Bereich der Mainzer Stra-
ße/Kirschenallee. Beispielsweise hat das Geländ e der Firma Evonik Röhm den Charakter einer
industriell genutzten Fläche.
Auf aufgegebenen industriellen Standorten sind vielfache Folgenutzungen denkbar. Im günstigsten
Fall können sich neben produktionsorientierten Nutzungen synergetische Dienstleistungen etablie-
ren. Hierbei sind insbesondere Nutzungen der Mechatronik-Branche denkbar. Diese Branche steht
beispielhaft für die Verbindung klassischer Disz iplinen mit hochqualifizierter Forschung und Ent-
wicklung. Sie bildet zudem einen Kernbereich der Wirtschaftsentwicklung in der Wissenschafts-
stadt Darmstadt.
22 Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung, eigene Recherche
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
24
Statistische Mitteilungen 1 | 2008
Logistikflächen
Logistik umfasst alle Aufgaben zur integrierten Planung, Koordination, Durchführung und Kontrol-
le der Güterflüsse sowie der güterbezogenen Informationen von den Entstehungsquellen bis hin zu
den Verbrauchssenken. 23 Häufig findet auch eine andere Definition Anwendung; danach sichert
Logistik die Verfügbarkeit des richtigen Gutes, in der richtigen Menge, im richtigen Zustand, am
richtigen Ort, zur richtigen Zeit, für den richtigen Kunden, zu den richtigen Kosten.
Logistikflächen finden sich zumeist in nicht in tegrierten städtischen Randlagen und benötigen
neben einer notwendigen Flächengröße vor allem optimale Verkehrsanbindungen. Das Erschei-
nungsbild von Logistikflächen wird zumeist durch Verkehrs- un d Lagerflächen oder durch großvo-
lumige Gebäude geprägt.
Bedeutende Logistikflächen in Darmstadt befinden sich im Bereich de s Güterbahnhofes und auf
den Bahnflächen nördlich der Starkenburg-Kaserne. Aufgrund des allgemein hohen Flächenbedar-
fes von Logistikunternehmen finden sich innerhalb des Stadtgebietes nur wenige Standortangebo-
te. Das Flächenmanagement für Logi stikbetriebe sollte vielmehr regional bewertet und gesteuert
werden.
Flächen für kleine und mittlere Unternehmen
Hauptmerkmal dieses Flächentypus sind kundennahe, kleingewerbliche Betriebe oder Hand-
werksbetriebe. Unter Flächen für kleinere und mittlere Unternehmen sind somit überwiegend
Standorte für mittelständische Unternehmen zu verstehen. Zumeist finden sich diese Standorte in
städtischen Randlagen, wie z.B. in den Gewerbegebieten in Wixhausen und Arheilgen. In struktur-
schwachen Gebieten ist dieser Fl ächentypus häufig anzutreffen. Aufgrund der hohen Bedeutung
des Mittelstandes als gesamtökonomischer Arbeit splatzschwerpunkt sollte der Standortsicherung
und Entwicklung dieser Flächen in besonderer Weise Rechnung getragen werden. Die bestehenden
Gewerbeflächen in Darmstadt sollten im Bestand gesichert und entsprechend der Nachfrage er-
gänzt und qualifiziert werden.
Flächen für den Einzelhandel
Unter Einzelhandel ist Absatz von Waren an Endverbraucher durch Unternehmungen zu verstehen.
Funktional lässt sich der Begriff auch als Absa tz von Waren und sonsti gen Leistungen an End-
verbraucher beschreiben, z.B. direkter Vertrieb landwirtschaftlicher Erzeuger, industrieller Her-
steller, Groß- oder Einzelhändle r an Konsumenten. Unter Großha ndel ist der Warenabsatz durch
Großhandelsunternehmungen bzw. der Absatz von Waren und sonstigen Leistungen an Wiederver-
käufer, Weiterverarbeiter, gewerbliche Verwerter zu verstehen.
21
Schwerpunkt des Einzelhandels ist traditionell die City, das Stadtteil- oder Quartierszentrum. Die
meisten Städte streben eine Stärkung ihrer Zent ren an. Auch in Darmstadt ist die Sicherung der
City als Einkaufs-, Erlebnis- und Aufenthaltsschwerpunkt ein übergeordnetes Entwicklungsziel.
Außerhalb von städtischen Zentre n erscheint Einzelhandelsnutzung zumeist als Standortgemein-
schaft großflächiger Einzelhandel sbetriebe, wie z.B. an der Otto-Röhm-Straße. Auf Basis eines
städtischen Einzelhandelskonzeptes wird angestrebt, dass an diesen Standorten nur nichtzentren-
relevante Warensortimente angeboten werden.
23 Gabler Wirtschaftslexikon, 16. Auflage, Wiesbaden 2004
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
25
Büroflächen
Dienstleistungen finden überwiegend in Büro- un d Verwaltungsgebäuden statt. Ausnahmen bilden
z.B. das Gastgewerbe. Als Büroflächen gelten di ejenigen Flächen, auf denen typische Schreib-
tischtätigkeiten durchgeführt werden bzw. durchgeführt werden könnten und die auf dem Büroflä-
chenmarkt gehandelt, das heißt als Bürofläche vermietet werden können. Hierzu zählen auch vom
privaten oder vom öffentlichen Sektor eigengenutzte sowie zu Büros umgewidmete Flächen, ferner
selbständig vermietbare Büroflächen in gemischt genutzten Anlagen, insbesondere in Gewerbe-
parks.24
Der Büroflächenbestand beträgt in Darmstadt insgesamt 1.642.799 m². Die Leerstandsrate be-
trug im Jahre 2005 etwa 3,8%.25
Innerhalb des Stadtgebietes von Darmstadt best ehen weiterhin Entwicklungsmöglichkeiten für
Büroflächen. Stadträumlich sind unter diesen Entwicklungsmöglichkeiten sowohl bestehende
Standorte mit Nachverdichtungspotenzial als auch neue Entwicklungsfläc hen zu verstehen. Die
anstehenden und abgeschlossenen Entwicklungen im Europäischen Viertel (TZ Rhein-Main / ehe-
maliges Boschgelände) sind hierfür beispielgebend. Für die Gesamtstadt wird von einem poten-
ziellen Bauvolumen von über 400.000 m² BGF
26 für Büroflächen ausgegangen.27
Flächen für Forschung und Entwicklung
Forschung und Entwicklung ist Suche nach neue n Erkenntnissen unter Anwendung wissenschaftli-
cher Methoden in geplanter Form. Forschung ist der generelle Erwerb neuer Kenntnisse. Unter
Entwicklung ist deren erstmalige konkretisierende Anwendung und praktische Umsetzung zu ver-
stehen. Die neuen Kenntnisse können sich sowohl auf Produkte als auch auf (Herstellungs-) Ver-
fahren und Produkt- sowie Verfahrensanwendunge n erstrecken. Entbehrt Forschung eines realen
Verwertungsaspekts, so handelt es sich um Grundlagenforschung. 28 Vor dem Hintergrund des
Leitbildes Wissenschaftsstadt findet dieses Segment in Darmstadt besondere Beachtung. Geeig-
nete Standorte sind überwiegend durch bereits vorhandene Einrichtungen aus dem Forschungs-
und Entwicklungsbereich sowie entsprechend ho chwertige Dienstleist ungsnutzungen gekenn-
zeichnet (z.B. TZ Rhein-Main, TU Darmstadt; GSI).
4.2.2 Entwicklungsperspektiven des Wohnungsbaus
Darmstadt
ist aufgrund seines attraktiven Ausb ildungs- und Arbeitsplatzangebotes sowie der ho-
hen Lebensqualität ein begehrte r und nachgefragter Wohnstandort. Neben der Wirtschafts- und
Beschäftigungsentwicklung wirkt sich vor allem die demografische Entwicklung auf die Nachfrage
nach Wohnraum aus. Neben Wohnungsneubau, Gebäudeabriss, Umnutzung oder Zusammenle-
gung von Wohnungen wird das Marktangebot auch durch Wohnungen bestimmt, die in Folge von
Wohnungswechsel freigeworden sind. Aufgrund de r aktuellen Prognosen kann auch künftig mit
einem weiteren Zuwachs der Wohnbevölkerung gerechnet werden.
Aus Sicht der Stadt ist darauf zu achten, dass für wachsende Wohnflächenansprüche und für die
Nachfrage durch Zuwanderungen, das Wohnraumangebot abgedeckt werden kann.
29 Hierfür müs-
sen entsprechende Flächenpotenziale mobilisiert werden. Innerhalb des Stadtgebietes steht ein
quantitatives Realisierungspotenzial für rund 11.700 neue Einwohner zur Verfügung.
24 Gesellschaft für immobilienwirtschaftliche Forschung e.V., Definitionssammlung Büromarkt, September 2004
25 IHK-Forum Rhein-Main, Die Bau- und Immobilienwirtschaft in Frankfurt Rhein Main, 2008
26 BGF = Bruttogeschossfläche bzw. Bruttogrundrissfläche. Sie ist die Summe aller einzelnen Geschossflächen, die aus
den Außenabmessungen der einzelnen Geschosse ermittelt wurde.
27 Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung, eigene Abschätzung 2008
28 Gabler Wirtschaftslexikon, 16. Auflage, Wiesbaden 2004
29 Wissenschaftsstadt Darmstadt, Statistische Berichte 2/2006
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
26
Statistische Mitteilungen 1 | 2008
Bis zum Jahre 2020 wird in Darmstadt ein quan titativer Wohnraumbedarf für rund 9.300 Woh-
nungen gesehen.30 Um diese Nachfrage abzudecken, ist eine nahezu komplette Mobilisierung der
vorhandenen Flächenpotenziale im Stadtgebiet erforderlich. Durch Nachverdichtungen und Baulü-
ckenschließungen im Bestand könnten zusätzlich jährlich rund 150 Wohneinheiten hinzukommen.
Tabelle 3 Quantitative Realis ierungspotenziale im Wohnungsbau31
Im Falle von Mobilisierungshemmnissen besteht die Gefahr, dass in Darmstadt zu wenige Woh-
nungen auf den Markt kommen könnten. Dass bereit s heute ein gewisser Nachfrageüberhang be-
steht, lässt sich möglicherweise dadurch be gründen, dass auf dem Darmstädter Wohnungsmarkt
praktisch kein Wohnungsleerstand bekannt ist. Diese Erkenntnis konnte unter anderem auch
durch die im Jahre 2006 durchgeführte Bürgerumf rage des Amtes für Wirtschaft und Stadtent-
wicklung bestätigt werden. Zudem deutet der ak tuelle Wert der Wohnungsversorgungsquote dar-
auf hin, dass die Lage auf dem Darmstädter Wohnungsmarkt nach wie vor angespannt ist.
33
Die häufig vertretene These, dass die Änderung der Einkommenssteuer/Grunderwerbssteuer und
Veräußerungssteuer, die Mietrechtsreform sowie der Wegfall der Eigenheimzulage die Konjunktur
der Wohnungswirtschaft insgesamt negativ beeinf lusst haben, kann zu mindest für Darmstadt
nicht belegt werden.
Das derzeitige wohnungsbaupolitische Ziel der Wissenschaftsstadt Darmstadt sieht eine jährliche
Realisierung von 500 bis 600 Wohnungen im Stadtg ebiet vor. Schwerpunk t der städtebaulichen
Umgestaltung wird das Gelände der Cambrai-Fritsch-Kaserne sein. Dort soll ein bedarfsgerechtes
neues Wohngebiet entwickelt werden. Entsprechende Planungen sind bereits in der Vorbereitung.
Welche konkreten Wohnformen nachgefragt und marktkonform realisiert werden können, gehört
zu den zentralen Herausforderungen der künfti gen Stadtentwicklung. Der Wandel zur Dienst-
leistungs- und Wissensgesellschaft hat vor allem in den Städten die Le bensformen verändert.
34
Der Anteil kinderloser Haushalte hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. Gleichzeitig ist der
Anspruch an Wohnfläche deutlich gestiegen. Dies e und andere Entwicklun gen erfordern eine ver-
tiefte Betrachtung des Wohnungsmarktes.
30 Berechnungen des IWU auf der Grundlage der Bevölkerungsvorausschätzung der Hessenagentur 2007
31 Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung, eigene Abschätzung 2008
32 Nettobauland (NBL) = Summe aller bebauten und zur Bebauung vorgesehenen Flächen innerhalb eines bestimmten
Gebietes
33 Hessisches Statistisches Landesamt; Berechnungen des IWU 2008
34 Wissenschaftsstadt Darmstadt, Statistische Berichte 1/2008
Projektgebiete
(Fläche in ha)
Nettobauland32
Wohnen
(Fläche in ha)
Wohneinheiten
(Realisierungs-
potenzial)
Einwohner
(Zuwachs-
potenzial)
Wohnungsbauprojekte
… in Realisierung 68,1 41,2 1.300 2.600
… mit mittelfristiger Realisierung 38,0 17,4 850 1.750
… mit langfristiger Realis ierung 118,0 45,0 3.650 7.350
Wohnbauprojekte gesamt 224,1 103,6 5.800 11.700
Blockierte Wohnungsbaupotenziale
… innerhalb Siedlungsbeschränkungszone 31,0 23,6 1.500 3.000
Insgesamt 255,1 127,5 7.300 14.700
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
27
Zur spezifischen Nachfragesituation in Darmstadt liefern die Einschätzungen über wohnungswirt-
schaftliche Entwicklungsperspektiven des Instit uts Wohnen und Umwelt or ientierende Aussagen.
Die potenzielle Nachfrage wird dort nach rele vanten Kerngruppen differenziert betrachtet.35 Diese
lassen sich in vier Hauptgruppen unterteilen:
Immobilien im hochwertigen/hochpreisigen Segment
Immobilien im hochwertigen/hochpreisigen Segment werden überwiegend durch den Typ des
Einfamilienwohnhauses vertreten. Einfamilienwohnhä user dienen einer überschaubaren Gruppe
von Menschen, die einen gemeinsamen Haushalt führen und enthalten zumeist nur eine Wohnein-
heit. Einfamilienhäuser sind meistens, aber nicht zwingend im Eigentum des Nutzers. Sie stellen
eine weit verbreitete und nachgefragte Variante des Wohneigentums dar. Im Segment über
500.000.-€ wird für Darmstadt eine aktuelle Nachfrage von rund 20 Objekten angegeben. Für das
höherwertigere Segment von über 700.000.-€ wird eine ähnliche Größenordnung angenommen.
Familienorientierte Reihenhausbebauung
Das Reihenhaus erfüllt eine vergleichbare Funktion, benötigt jedoch weniger Fläche. Es stellt eine
preisgünstige Alternative zum Einfamilienhaus dar. Im Bauwesen wird unter Reihenhäusern ein
Ensemble von mindestens drei oder mehr anei nander gebauten Wohngeb äuden verstanden. Sto-
ßen nur zwei Gebäude mit ihren Seitenwänden aneinander, spricht man von einem Doppelhaus.
Oftmals handelt es sich bei kleineren Reihenhäus ern um eine Abfolge von annähernd baugleichen
Typenhäusern, die in einer Straßen- oder Blockka nte errichtet wurden oder treppenartig versetzt
angeordnet wurden. Im Segment von 300.000.- bis 400.000.- € wird eine aktuelle Nachfrage von
rund 50 Objekten angegeben, für höherwertigere Objekte von 20 bis 25 Objekten.
Frei finanzierter Geschosswohnungsbau
Gebäude des Geschosswohnungsbaus sind bauliche Anlagen mit mehreren abgeschlossenen
Wohneinheiten auf mehr als einer Etage, die von mindestens einem Treppenhaus erschlossen
werden. Wesentlicher Vorteil de s Geschosswohnungsbaus gegenüber der Einzelhausbebauung ist
die verdichtete Bauweise, die eine höhere Ausnutzung des Grund und Bodens ermöglicht. Zudem
ist der Geschosswohnungsbau die überwiegende i nnerstädtische Wohnform. Die aktuelle Nachfra-
ge für Wohnungen zwischen 100 und 200 m² wird auf 30 bis 40 Objekte geschätzt.
Geförderter Wohnungsbau
Der geförderte Wohnungsbau tritt städtebaulich fast ausschließlich als Geschosswohnungsbau in
Erscheinung. Die gesetzliche Grundlage des II. Wohnungsbaugesetzes formulierte als Ziel, Woh-
nungen zu schaffen, die nach Größe, Ausstattung und Miete oder Belastung für breite Schichten
des Volkes bestimmt und geeignet sind. 36 Neben der Schaffung von preisgünstigem Wohnraum
soll außerdem der Erwerb von selbstgenutztem Immobilieneigentum für einen breiten Bevölke-
rungskreis ermöglicht werden. Selbst bei den guten Rahmenbedingungen in Darmstadt wird es
immer Haushalte geben, die sich aus eigener Kraft, aufgrund zu geringen Einkommens oder sozia-
ler Merkmale und besonderer Bedürfnisse, ni cht angemessen mit Wohnra um versorgen können.
Im Rahmen der sozialen Wohnraumförderung soll ten daher preiswerte Mietwohnungen für Haus-
halte mit Zugangsschwierigkeiten am allgemeinen Wohnungsmarkt bereitgestellt werden.
Die Nachfrage im Wohnbereich hängt natürlich entscheidend von der Entwicklung des Arbeits-
marktes, der Zahl und Struktur der Erwerbstätigen ab. In Kapitel 5 wird dies eingehend analysiert.
35 IWU, Wohnungswirtschaftliche Entwicklungsperspektiven der Konversionsareale in Darmstadt, 2008
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
28
Statistische Mitteilungen 1 | 2008
5 Fachkräftemangel in der Monopolregion FrankfurtRheinMain
Der demografische Wandel und das Phänomen eines aufkommenden oder bereits existenten
Fachkräftemangels werden in der öffentlichen Di skussion häufig vermengt. Statistisch ausrei-
chend abgesicherte Studien liegen dazu jedoch ka um vor, umso weniger für einzelne Regionen
oder Wirtschaftsräume. Vielfach leiden Untersuc hungen, die in diese Lücke stoßen und sich der
Problemstellung über Befragungen von Personalverantwortlichen etc. zu nähern versuchen, unter
geringen Grundgesamtheiten oder dem Subjektivitätsproblem bei der befragten Gruppe.
In Kapitel 2 wurde bereits herausgearbeitet, dass der demografische Wandel trotz aller intraregi-
onaler Differenzierungen die Großregionen, d.h. insbesondere die Metropolregionen untereinander
und diese wiederum mit ländlich strukturierten Räumen, in Konkurrenz setzen.
Arbeitskräfteverfügbarkeit steht in unmittel barem Zusammenhang zur natürlichen Bevölkerungs-
entwicklung und insbesondere zu Wanderungsbewegungen jegliche r geographischer Dimension.
Es ist deshalb sinnvoll, die Thematik eines po tenziellen Fachkräftemangels räumlich zunächst
nicht auf der Ebene der einzelnen Stadt oder Gemeinde – hier also der Wissenschaftsstadt Darm-
stadt – zu diskutieren, sondern auf die Metropolregion FrankfurtRheinMain als Ganzes abzuzielen.
Dies ist auch deshalb sinnvoll, weil hier eine gewisse Basis valider empirischer Untersuchungen
besteht, auf die zurückgegriffen werden kann.
Interessant ist es, die Fragestellung zunächst über das Erwerbspersonenpotenzial anzugehen –
ein Parameter, der unmittelbar mit dem demografischen Wandel in Zusammenhang steht, wobei
auch externe Faktoren wie die die Heraufsetzung des gesetzlichen Rentenalters oder die ge-
wünschte Verkürzung der Ausbildungszeiten eine Rolle spielen.
Untersuchungen des BBR (vgl. Abbildung 6) zeigen von 2002 bis 2020 folgenden Trend: National
bleibt die Zahl der Erwerbspersonen ungefähr gleich. Regional betrachtet steigt die Zahl der Er-
werbspersonen im „Westen“ jedoch um circa 5%, während die Zahl in den neuen Ländern um
circa 16% sinkt. Diese Ost-West-Disparität wird von einem Trend in die Verdichtungsräume bzw.
Metropolregionen, die bereits als Gewinner des demo grafischen Wandels (vgl. Kapitel 2.4) identi-
fiziert wurden, begleitet.
Ähnlich der Gesamtbetrachtung der Bevölkerun gsentwicklung von 2002 bis 2020 ordnet sich die
Metropolregion FrankfurtRheinMain auch hier erneut in den Reigen der chancenreichen Verdich-
tungsräume Süddeutschlands fast nahtlos ein.
Drei regional orientierte Studien zum potenziellen Fachkräftemangel bieten die Möglichkeit, Rück-
schlüsse auf die Metropolregion FrankfurtRheinMain zu ziehen:
• der IAB-Betriebspanel Report des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK 2008 a)
• die regionale Sonderauswertung für FrankfurtRheinMain des gleichen Instituts (IWAK 2008 b)
• die Studie „Kluge Köpfe – Vergeblich gesucht“ der Arbeitsgemeinschaft hessischer Industrie-
und Handelskammern (AHIH 2007).
Demnach können circa ein Drittel a ller hessischen Unternehmen derzeit nicht alle vakanten Stel-
len besetzen
37. Dabei macht insbesondere das IWAK auf die steigende Nachfrage nach qualifizier-
ten gegenüber unqualifizierten Arbeitskräften aufmerksam38. Sinkende Arbeitslosenzahlen verstel-
len hier vielfach den Blick auf die Tatsache, dass der derzeitige Arbeitsmarkt nach wie vor ein
36 § 1 II. WoBauG
37 vgl. AHIH 2007, S. 8 und IWAK 2008 a, S. 13f
38 vgl. IWAK 2008 a, S. 7ff
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
29
nicht zu unterschätzendes Mismatch-Problem kennt. Für FrankfurtRheinMain kommt das IWAK zu
einem deutlich moderateren Wert. 12% der Unternehmen haben dort Proble me, offene Stellen zu
besetzen. Besonders gesucht sind wiederum hochqualifizierte Kräfte.
Den Studien ist die Feststellung gemeinsam, dass die Dienstleister für Unternehmen derzeit die
größten Probleme haben, qualifiziertes Personal zu finden39, wobei die AHIH-Studie insbesondere
auf Ingenieurbüros und IT-Dienstl eister fokussiert – angesichts der Wirtschaftsstruktur in Darm-
stadt mit Schwerpunkten in beiden Teilbranchen bemerkenswert.
Abbildung 6 – Veränderung der Zahl der Erwerbspersonen von 2002 bis 2020 (Quelle: BBR)
39 vgl. IWAK 2008 a, S. 17, AHIH 2007, S. 5, IWAK 2008 b, S. 5
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
30
Statistische Mitteilungen 1 | 2008
Die Rationalisierung und das Outsourcing verlieren für die Unternehmen als Strategie der „Perso-
nalentwicklung“ in Zeiten knapper Fachkräfte an Bedeutung. Zumindest verlangsamen sich die
diesbezüglichen Trends. Während in 2005 noch üb er 40% der hessischen Unternehmen Rationa-
lisierung als Handlungsfeld angaben, liegt der Wert im Jahre 2007 nur noch bei knapp unter ei-
nem Viertel40.
Pointiert kann die Quintessenz der Studien wie fo lgt zusammengefasst werden: Es gibt derzeit
einen Mangel an Fachkräften in Hessen – dies gilt zwar schwächer, der Grundtendenz nach jedoch
in gleicher Weise für die Metropolregion Frankf urtRheinMain als Wirtschaftsmotor des Bundeslan-
des, wie die AHIH-Studien 41 bestätigt. Dort ist für den Beispielraum Südhessen angegeben, dass
34% der Unternehmen über Probleme in der Stellenbesetzung berichten. Hier geht die AHIH also
von einem größeren Fachkräftemangel aus als das IWAK.
Daraus zu schließen, dass es sich bereits um ei nen Effekt des demografischen Wandels handelt,
greift jedoch zu kurz. Der aktuelle Fachkräftemangel ist vielmehr ein Ergebnis der konjunkturellen
Stärke der letzten Jahre, kombiniert mit differe nzierteren Anforderungsprofilen der Unternehmen
als in früheren Hochkonjunkturzeiten und sicherlic h auch punktuell verfehlten Schwerpunktset-
zungen in Ausbildungs- und Studiengängen bzw. deren Bewerbung am „Markt“ der jugendlichen
Schulabgänger.
Das IWAK
42 kommt zu dem Ergebnis, dass je größer der Betrieb ist, desto eher werden zukünftig
nur bei einzelnen Besetzungsverfa hren Probleme befürchtet. Kleinbetriebe sehen dies eher bei
allen Neueinstellungen als Hindernis. Dies stimmt mit der Beobachtung aus der Praxis der lokalen
Wirtschaftsförderung überein, die zeigt, dass Großunternehmen, welche eine „Marke“ am Ar-
beitsmarkt darstellen und hohe persönliche En twicklungschancen suggerieren, künftig weniger
von Fachkräftemangel betroffen sein werden al s weniger bekannte kleine re und mittlere Unter-
nehmen.
Die Verteilung der Erwerbspersonen entwickelt sich in der Betrachtung des BBR folgendermaßen:
Der aktuelle Mangel an Fachkräften in der Wirtschaft mag zwar kaum demografisch induziert sein,
er ist jedoch ein Vorgeschmack auf die Auswirkungen des demografischen Wandels auf die regio-
nalen Arbeitsmärkte. Je nach regionaler Wirkung stiefe des demografischen Wandels wird dies
spätestens mittelfristig Auswirkungen auf alle Wirtschaftsregionen haben – auch auf Metropolregi-
onen mit an sich positiven Entwicklungsvorzeichen wie FrankfurtRheinMain.
Der Wettbewerb der Regionen wird sich enorm verschärfen. Die Kombination von prosperierenden
Unternehmensclustern als „Trampolin“ des persön lichen Berufswegs jeder einzelnen Fachkraft
und dem Image der Lebensqualität vor Ort wird entscheidend für die ökonomische Regionalent-
wicklung sein. Dies verspüren heute bereits an si ch aufstrebende High-Tech-Zentren in den neuen
Ländern als Problem der Fachkräfteakquise. In Zu kunft wird sie ein entscheidendes Kriterium für
alle Wirtschaftsregionen sein. Dies gilt für die Metropolregion FrankfurtRheinMain ebenso wie für
ihren Teilraum Darmstadt.
Dass die Metropolregion als Ganzes dabei gute Chancen hat, vom demografischen Wandel zu pro-
fitieren, wurde ausreichend beschrieben (vgl. Ka pitel 2). In Bezug auf die Wissenschaftsstadt
Darmstadt muss insbesondere herausgehoben we rden, dass die Wirtschaftsstruktur der Stadt
keinen „Gemischtwarenladen“ darstellt, sonder n über die fünf zentralen Cluster Chemie/Phar-
ma/Biotech, IT, Mechatronik, (Haar-)Kosmetik und Weltraum- und Satellitentechnik sowie über
gute Ansatzpunkte in der Zukunftstechnologie Umwelt- und Energietechnik sinnvoll aufgestellt ist.
40 vgl. AHIH 2007, S. 25
41 vgl. AHIH 2007, S. 12
42 vgl. IWAK 2008 a, S. 18 und IWAK 2008 b, S. 6
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
31
Kulturelle Höhepunkte und räumliche Entwicklungschancen durch den Abzug der US-Army in
2008 komplettieren das Bild eines Standorts, der die Fähigkeit hat, in der Metropolregion nicht
nur „mit zu schwimmen“, sondern einer ihrer Motoren zu sein (vgl. Kapitel 4).
Besonderes Augenmerk sollte in diesem Zusammenhang den perspektivischen Handlungsmög-
lichkeiten gelten, einem Fachkräftemangel entgegen zu steuern 43. Neben innerbet rieblichen Per-
sonalentwicklungsmaßnahmen und dem Pfad einer zu verstärkenden Aus- und Weiterbildung, der
keinesfalls ausschließlich ein lokales Handlungsfel d darstellt, wird für die Städte und Gemeinden
der weiteren Intensivierung der Bemühungen um eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf beson-
dere Wichtigkeit zukommen. Trotz aller Anstreng ungen um ein Gender Mainstreaming bilden ins-
besondere weibliche hochqualifizierte (potenzielle) Berufsrückkehrerinnen nach wie vor ein erheb-
liches ungenutztes Fachkräftereservoir. Lokale Kinderbetreuungsangebote können hier einen
wichtigen Beitrag zur Wirtschaftsentwicklung leisten.
Im Kernbereich der Wirtschaftsförderung wiederum bleibt der Ansatz, Bestandspflege nach Innen
und Standortmarketing nach Außen clusterorientiert zu betreiben, ohne Alternative44. Nur so kann
Fachkräften mit branchenspezifischer Spezialis ierung bei der Arbeits- und Wohnstandortwahl
vermittelt werden, nicht nur das „richtige“ Unternehmen, sondern auch das „richtige“ vernetzte
Unternehmensumfeld gewählt zu haben.
Die Beschäftigtenzahlen und die zukünftige Zahl der Fachkräfte hat erheblichen Einfluss auf die
weitere Bevölkerungsentwicklung. Bevor im Kapitel 9 auf die Bevölkerungsvorausberechnung für
die Wissenschaftsstadt Darmstadt eingegangen wird, umfasst der zweite Themenbereich „Ent-
wicklung und Trends“ die Grundlagen der Bevölkerungsstatistik. Die Geburtenzahlen, die Sterbe-
rate sowie die Zu- und Fortzüge haben erheblichen Einfluss auf die weitere Entwicklung der Darm-
städter Bevölkerung.
43 vgl. AHIH 2008, S. 23ff
44 zum Clusteransatz und zu regional ökonomischen Grundüberlegungen vgl. z.B. Floeting 2008 und Kolmer 2004
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
32
Statistische Mitteilungen 1 | 2008
Entwicklungen und Trends
6 Geburten und Sterbefälle
Eine der wesentlichen Grundlagen der weiteren Darmstädter Bevölk erungsentwicklung ist die so
genannte natürliche Bevölkerungsentwicklung. Di ese besteht aus zwei Komponenten: der Gebur-
tenzahl und der Sterbefälle pro Jahr, immer be zogen auf die räumliche Gliederung (hier das
Stadtgebiet Darmstadts). Die Wanderungsbeweg ung, verursacht durch Zu- und Abwanderung,
verändert ebenfalls die Bevölkerungszahl von Jahr zu Jahr und im langfr istigen Trend deutlich,
wie in Kapitel 7 gezeigt wird. Die Entwicklung der Geburtenzahl und der Sterbefälle wird im Fol-
genden mit den aktuellen Daten von Ende 2007 analysiert 45, die Wanderungsbewegung wird an-
schließend im folgenden Kapitel dargestellt.
Die Entwicklung der Geburtenzahl ist generell von mehreren Faktoren abhängig; wichtigster Faktor
für eine hohe oder niedrige Zahl von Geburten ist die Zahl der potenziellen Mütter in den jeweili-
gen Altersklassen. Die Geburtenzahl in einer Großstadt oder einer Region hängt maßgeblich von
der jeweiligen Altersstruktur der Frauen in der „reproduktiven Lebensphase“ ab; eine Kennziffer
für dieses Verhältnis ist die „zusammengefasste Geburtenziffer“
46. Diese Geburtenziffer kann als
hypothetische durchschnittliche Kinderzahl einer Frauengeneration interpretiert werden, sie liegt
im hessischen Durchschnitt der Jahre 2002 bis 2006 bei 1,35 Kindern je Frau. Für den so ge-
nannten Generationenersatz sind jedoch im Durchschnitt 2,1 Kinder pro Frau erforderlich, um die
Bevölkerungszahl stabil auf gleichem Stand zu ha lten. Derzeit wird dieser Wert in keinem hessi-
schen Landkreis und keiner Kommune erreicht. O ffenbach (1,56 Kinder je Frau), Wiesbaden
(1,41) und Darmstadt (1,37) liegen derzeit über dem hessischen Landesdurchschnitt mit 1,35,
die Städte Frankfurt am Main (1,31), Gießen (1,25) und Kassel (1,24) teilweise deutlich darunter.
Kulturelle, soziale und psychologische Trends in der Gesellschaft und die gesellschaftliche Akzep-
tanz von Kindern können die Geburtenrate nach ob en oder unten verändern, die Begriffe Baby-
Boomer und Pillenknick sind gängige Ausdrücke für diese Entwicklungen. Weitere wichtige Fakto-
ren für die Geburtenzahl sind die wirtschaftliche Entwicklung, aktuelle Arbeitsmarkttendenzen wie
die Möglichkeit von Teilzeitarbeit und die Vereinba rkeit von Familie und Beruf, für Frauen wie für
Männer. Die gesellschaftliche Unterstützung von Familien mit Kindern ist für die künftige Entwick-
lung der Geburtenzahl ebenfalls von nicht unerheblicher Bedeutung.
6.1 Geburten in Darmstadt
Grundlege
nd muss bei der Betrachtung der Geburtenziffer für Darmstadt berücksichtigt werden,
dass die Geburtenzahl in Darmstadt sich immer au f die Geburtenzahl von Kindern, die von orts-
ansässigen Müttern zur Welt gebracht wurden, bezieht. Die z.B. in Darmstadts Kliniken geborenen
Kinder sind für die Analyse der weiteren städ tischen Bevölkerungsentwicklung dann von Bedeu-
tung, wenn die Mütter in Darmstadt wohnen. Durch die Rolle Darmstadts als Oberzentrum für das
südliche Rhein-Main-Gebiet werden hier natürlich mehr Kinder geboren; im folgenden werden für
die Analyse – wie in der Statistik üblich – nur die Mütter bzw. Kinder berücksichtigt, die auch
Darmstädter Einwohner sind.
Bei der Betrachtung der Geburtenzahl seit dem En de des Zweiten Weltkrieges fällt das starke An-
steigen der Geburtenzahlen bis in die Mitte de r sechziger Jahre des ve rgangenen Jahrhunderts
auf. Betrug die Geburtenzahl im Jahr 1964 auf dem Höhepunkt der Entwicklung 2.166 Kinder, fiel
die Zahl der Neugeborenen bis 1977 jedoch auf einen Tiefstand von 1.103 Kindern.
45 die vorhergehende Analyse in den Statistischen Berichten von 1997, Heft 2/1997, Teil I der demografischen Beobach-
tung der Bevölkerungsentwicklung, kann nun mit den neuesten Daten um weitere 10 Jahre fortgeschrieben werden.
46 siehe dazu Hessisches Statistisches Landesamt, Bevölkerung in Hessen 2050, Wiesbaden Januar 2008, S. 2 f. und S. 9
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
33
Die Geburtenzahl in Darmstadt hatte sich innerhalb eines Jahrzehnts fast halbiert, der so genann-
te „Pillenknick“ in sinkenden Kinderzahlen bemerkbar gemacht. In der Folgezeit schwankten die
Geburtenzahlen in einem Korridor zwischen circa 1.100 und knapp unter 1.300 Kindern. Die Kin-
derzahl stieg ab 1988 wieder leicht an und be wegte sich nun in der Größenordnung zwischen
1.320 (in 1988) bis zu 1.400. Im Jahrzehnt von Mitte der achtziger bis Mitte und Ende der neun-
ziger Jahre stieg die Kinderzahl um circa 200 bis 300 Kinder über das Niveau der Geburtenzahlen
des vorhergehenden Jahrzehnts. So betrug z.B. in 1999 die Geburtenzahl 1.433 Neugeborene.
Mit dem neuen Jahrtausend setzte sich der Trend der neunziger Jahre weiter fort; in 2007 wurde
fast die Grenze von 1.500 Geburten (genau: 1.490 Neugeborene) erreicht, ein Wert, der zuletzt
1971 von statistischer Seite zu vermelden war. Während jedoch in 1971 der Trend deutlich nach
unten zeigte, ist der Trend zu einer höheren Ge burtenzahl in Darmstadt seit 1995 unverkennbar.
Durch die geburtenstarken Jahrgänge der Elterngeneration, die selbst in den Sechzigern geboren
wurde, ist der Zuwachs an Neugeborenen in Darmstadt gegen Ende der neunziger Jahre verständ-
lich.
Tabelle 4 Geburten in Darmstadt von 1960 bis 2007
Jahr Geburtenzahl
1960 1.995
1965 2.080
1970 1.577
1975 1.174
1980 1.213
1985 1.133
1990 1.436
1995 1.256
2000 1.337
2005 1.418
2007 1.490
Eine sehr spannende Entwicklung hat sich in den letzten Jahrzehnten vollzogen, wenn man das
durchschnittliche Alter der Mütter betrachtet, die Kinder bekommen. Dabei sagen diese nüchter-
nen Zahlen sehr viel über die Veränderung der Rolle der Frau in der modernen Stadtgesellschaft
und die gesellschaftlichen Bedingungen aus, unter denen heute Kinder geboren werden. Denn der
Anteil der jungen Mütter, die in einem Alter unter 20 Jahren ein Kind bekommen, ist in Darmstadt
seit 1960 immer mehr zurückgegangen. So lag der Anteil junger Mütter unter 20 Jahren in 1960
bei über 8%, im Jahre 1997 bei circa 2,5% und in 2007 bei 1,6% an allen Müttern. Das Haupt-
problem der Eltern von vorangegangenen Generationen, „ungewollt“ schwanger zu werden, haben
moderne Verhütungsmittel sowie Fortschritte de r Medizin deutlich vermindert; Familienplanung
ist seit circa Mitte der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts sehr viel leichter geworden.
Mögliche Folgen dieser Entwicklung sind, dass weniger Kinder geboren werden und dass das
durchschnittliche Alter der Mütter steigt. Wie vi elfältige Untersuchungen und Befragungen zeigen,
ist für moderne Mütter eine bessere schulische und berufliche Qualifikation in den letzten Jahr-
zehnten immer wichtiger geworden. Ein weiterer Grund liegt darin, dass Frauen und Männer heute
später heiraten als in den verg angenen Jahrzehnten und somit auch später Eltern werden. Dieser
Trend zeigt sich bundesweit; wie sieht das in Darmstadt aus?
0
500
1. 0 0 0
1. 5 0 0
2.000
2.500
1 960 1 965 1 970 1 975 1 980 1 985 1 990 1 995 2000 2005
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
34
Statistische Mitteilungen 1 | 2008
Tabelle 5 Alter der Mutter in Darmstadt von 1990 bis 2007
Alter der
Mutter von
… bis unter
… Jahre
1990 1995 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007
unter 16 2 1 - - 2 1 1 - 1 -
16 - 17 4 2 2 6 - 2 3 - 1 -
17 - 18 6 6 10 3 7 6 1 1 5 3
18 - 19 14 11 14 16 14 19 15 12 7 9
19 - 20 29 16 19 22 19 24 21 24 18 12
unter 20 55 36 45 47 42 52 41 37 32 24
20 - 21 45 32 28 25 34 33 22 28 31 19
21 - 22 41 32 44 43 36 38 26 32 30 31
22 - 23 59 33 36 51 44 42 46 30 36 37
23 - 24 62 46 40 44 63 56 53 56 53 48
24 - 25 71 56 61 55 46 38 44 56 49 46
20 - 25 278 199 209 218 223 207 191 202 199 181
25 - 26 111 77 59 60 50 81 57 69 61 61
26 - 27 89 55 62 64 52 76 63 76 68 70
27 - 28 113 100 68 67 56 73 82 72 77 75
28 - 29 110 81 80 70 92 75 82 73 79 79
29 - 30 91 115 84 92 92 82 94 94 84 99
25 - 30 514 428 353 353 342 387 378 384 369 384
30 - 31 121 103 96 97 96 77 81 80 99 90
31 - 32 101 108 100 94 97 85 91 85 94 114
32 - 33 97 77 92 96 101 97 108 110 89 95
33 - 34 70 76 92 87 93 88 99 87 93 84
34 - 35 53 58 80 78 78 92 99 93 75 114
30 - 35 442 422 460 452 465 439 478 455 450 497
35 - 36 32 46 73 75 68 84 84 83 67 71
36 - 37 34 36 54 65 61 59 73 69 61 96
37 - 38 26 32 49 50 62 57 42 45 76 59
38 - 39 19 13 29 43 44 54 39 57 44 51
39 - 40 16 12 26 21 40 35 37 31 28 40
35 - 40 127 139 231 254 275 289 275 285 276 317
40 - 41 10 12 14 18 11 23 26 25 19 35
41 - 42 4 11 13 16 10 12 14 11 20 19
42 - 43 3 2 6 7 7 7 8 8 10 13
43 und älter 3 3 6 4 10 6 15 11 14 20
40 und älter 20 28 39 45 38 48 63 55 63 87
insgesamt 1.436 1.252 1.337 1.369 1.385 1.422 1.426 1.418 1.389 1.490
Durchschnitt 28,2 29,0 29,8 29,8 30,0 30,0 30,4 30,3 30,3 30,9
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
35
Aufschluss gibt die Tabelle zu den Geburten in Darmstadt nach dem Alter der Mutter, die hier
wiedergegeben ist. Zuerst ist auffällig, dass das durchschnittliche Alter der Mütter von 28,2 Jah-
ren in 1990 auf 29,8 in 2000 und 30,3 Jahren in 2005 steigt. Mit dem neuen Wert von 2007 (mit
30,9 Jahren) ist das durchschnittliche Alter der Mütter aus Darmstadt weiter angestiegen. Die
meisten Kinder wurden – so z.B. in 2007 – von Müttern in der Altersgruppe zwischen 30 und
35 Jahren geboren (insgesamt 497 Kinder), gefolgt von den beiden Altersgruppen der Mütter
zwischen 25 bis 30 Jahre (384 Kinder) und 35 bis 40 Jahre (317 Kinder).
Tabelle 6 Geburten in Darmstadt nach Geburtenfolge und Stand der Eltern
Eltern miteinander verheiratet
Jahr
1.Kind 2.Kind 3.Kind 4.Kind
5. Kind
und
weitere
zusam-
men
Eltern
nicht
mitein-
ander
verheiratet
Kinder
insgesamt
darunter
ausländi-
sche
Kinder
1990 633 404 127 36 33 1.233 203 1.436 273
1991 629 416 118 41 29 1.233 192 1.425 331
1992 637 386 114 29 30 1.196 215 1.411 297
1993 578 403 116 41 26 1.164 202 1.366 303
1994 629 392 102 38 17 1.178 213 1.391 319
1995 516 404 99 30 15 1.064 192 1.256 289
1996 549 401 113 36 21 1.120 209 1.329 279
1997 576 412 109 20 20 1.137 260 1.397 275
1998 556 375 121 28 25 1.105 274 1.379 271
1999 566 395 119 30 17 1.127 306 1.433 323
2000 514 384 109 30 13 1.050 287 1.337 196
2001 498 386 114 25 26 1.049 320 1.369 233
2002 538 387 141 31 13 1.110 275 1.385 223
2003 582 390 111 41 17 1.141 281 1.422 203
2004 571 381 95 42 13 1.102 324 1.426 253
2005 549 394 108 40 16 1.107 311 1.418 225
2006 522 385 130 35 13 1.085 304 1.389 212
2007 527 417 134 29 19 1.126 364 1.490 229
Anteil der Kinder von nicht miteinander verheirateten Eltern
11,0%
12,4%
14,1% 15,3%
21,5% 21,9%
24,4%
0%
5%
10 %
15 %
20%
25%
30%
1 980 1 985 1 990 1 995 2000 2005 2007
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
36
Statistische Mitteilungen 1 | 2008
Dies zeigt sich auch in den absoluten Zahlen: Im Jahre 1990 betrug die Zahl der werdenden Müt-
ter, die ein Alter von 40 und mehr Jahren hatten, gerade einmal 20 Frauen, in 2007 sind dies
87 Mütter, mehr als vier mal so viele Frauen wi e im Jahr 1990. Diese deutliche Veränderung im
Alter der Mütter setzt sich in den jüngeren Jahrgäng en auch nach unten fort. So z.B. in der Al-
tersgruppe der Frauen zwischen 20 und 25 Jahren, bei der die Zahl der Mütter von 1990 mit
278 Frauen auf nun 181 Frauen in 2007 gesunken is t. Die Geburtenzahl in der Altersklasse der
Mütter unter 20 Jahren hat sich seit 1990 (55 Kinder) bis 2007 mehr als halbiert (2007:
24 Kinder) und ist damit in dieser Altersklasse auf den niedrigsten Wert seit Jahrzehnten gefallen.
Dies ist auch ein Ergebnis der Fortschritte der Reproduktionsmedizin und dessen gesellschaftliche
Akzeptanz.
Dies bedeutet, dass in der Wissenschaftsstadt Darmstadt, ähnlich wie im bundesdeutschen
Trend, heute Frauen zuerst eine Ausbildung anst reben, bevor die neue Lebensphase mit eigenen
Kindern beginnt. Das Alter des „Mutter-Werdens“ verschiebt sich in eine spätere Phase des weib-
lichen Lebenszyklusses. Für die weitere Stadtentwicklung, insbesondere unter dem Aspekt der
Kinderbetreuung in Kindergarten oder Schule, ist diese Ke nntnis von enormer Bedeutung für wei-
tere Planungsprozesse.
Die Zahl der Kinder von nicht verheirateten Mütt ern lag Anfang der 90er Jahre bei circa 15% und
hat sich seit 2000 bei über 20% stabilisiert; in 2007 lag der Wert bei fast 25%. Dies bedeutet,
dass fast jedes 4. Darmstädter Kind von nicht ve rheirateten Müttern geboren wurde. An dieser
Stelle zeigt sich wiederum, dass bei jungen Eltern moderne Formen des Zusammenlebens – ge-
meinsam Kinder zu haben und nicht verheiratet zu sein – kein Verhalten von unbedeutenden Min-
derheiten mehr ist, sondern sich im letzten Jahr zehnt auch in Darmstadt zu einer gesellschaftli-
chen Normalität entwickelt hat.
6.2 Sterbefälle in Darmstadt
„Imm
er älter werden die Darmstädter…“ – dieser Satz gilt zwar nur im statistischen Durchschnitt,
ist aber nicht von der Hand zu weisen. Erfreuli cherweise hat die Lebenserwartung der Darmstäd-
terinnen und Darmstädter in den letzten Jahr zehnten deutlich zugeno mmen: Verbesserte Ge-
sundheitsfürsorge und medizinischer Fortschritt, die Abwesenheit von Krieg und großen Naturka-
tastrophen sowie die bessere und vielfältigere Ernährung sind die wesentlichen Ursachen für einen
deutlichen Zuwachs in der Lebenserwartung von Frauen und Männern. So beträgt die durch-
schnittliche Lebenserwartung 47 eines in 2006 geborenen Darmstädter Jungen 78,08 Jahre, für
Mädchen liegt der Wert bei 83,5 Jahren.
Differenziert dargestellt und analysiert werden die Statistiken und Daten zur Lebenserwartung im
Kapitel 8 „Altersstruktur“. An dieser Stelle wird vor allem der Trend bei der Zahl der Sterbefälle in
seiner Bedeutung für die Bevölkerungsentwicklung analysiert. Selbstverständlich zählen zu den
Sterbefällen nur Personen, die ihren Hauptwohnsitz in Darmstadt hatten. Auswärtige, die in
Darmstadt zu Tode kommen, gehen ebenso wenig in die Statistik ein wie Personen, die hier mit
Nebenwohnsitz gemeldet waren.
Auffällig ist in der längerfristigen Betrachtung, dass die Zahl der Sterbefälle seit den Achtzigern
des letzten Jahrhunderts bis heute sinkt. Von mehr als 1.600 Sterbefällen zur Mitte der Sechzi-
ger, so z.B. 1.639 in 1965, ist die Zahl der vers torbenen Darmstädterinnen und Darmstädter pro
Jahr bis Anfang der achtziger Jahre relativ konsta nt geblieben. So betrug die Zahl in 1981 insge-
samt 1.749 Personen – dies war bislang zum letzten Mal eine Zahl über 1.700 Personen. Seitdem
ist – innerhalb gewisser Schwankungsbreiten – die Zahl der Sterbefälle rückläufig.
47 Hessisches Statistisches Landesamt, Hessische Kreiszahlen, Band 2/2006, Wiesbaden 2007, S. 26
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
37
So starben z.B. in 2006 insgesamt 1.335 Personen aus Darmstadt. In den letzten 20 Jahren wa-
ren circa 30% der Verstorbenen jünger als 75 Jahr e. Interessant ist, dass diese Quote bis 2007
konstant geblieben ist.
Tabelle 7 Sterbefälle in Darmstadt von 1960 bis 2007
Jahr Sterbefälle
1960 1.506
1965 1.639
1970 1.599
1975 1.739
1980 1.647
1985 1.662
1990 1.626
1995 1.470
2000 1.466
2005 1.399
2007 1.438
Die altersstrukturellen Verschiebungen, die sich aufgrund der durchschnittlichen Erhöhung der
Lebenserwartung für die Darmstädter Bevölkerung insgesamt sowie detailliert für Frauen und
Männer ergeben, werden im Kapitel 8 zur Altersstruktur ausführlich dargestellt und analysiert. Für
die Zukunft ist abzuwarten, ob sich der Anteil an Sterbefällen von Personen im Alter von über
75 Jahren erhöhen wird. Im Folgenden wird die B ilanz aus Geburten und Sterbefällen aufgestellt,
die die Grundlage für die natürliche Bevölkerungsentwicklung darstellt.
Tabelle 8 Sterbefälle in Darmstad t nach Altersgruppen von 1990 bis 2007
Jahr
unter
20
Jahre
20
bis
unter
45
Jahre
45
bis
unter
65
Jahre
65
bis
unter
75
Jahre
75
Jahre
und
älter
insge-
samt
1990 12 70 219 260 1.065 1.626
1995 9 55 210 301 895 1.470
2000 19 48 178 215 1.006 1.466
2001 14 43 200 214 980 1.451
2002 11 40 184 240 1.006 1.481
2003 12 43 223 245 1.071 1.594
2004 10 49 207 225 980 1.471
2005 6 43 179 213 958 1.399
2006 8 40 163 224 900 1.335
2007 13 39 185 220 981 1.438
Sterbefälle nach
Altersgruppen
2007
1. 0 0 0
1. 2 5 0
1. 5 0 0
1. 7 5 0
2.000
1 960 1 965 1 970 1 975 1 980 1 985 1 990 1 995 2000 2005
unter
20 Jahre
0,9%
20 bis
unter
45 Jahre
2,7%
45 bis
unter
65 Jahre
12 , 9 %
65 bis
unter
75 Jahre
15 , 3 %
75 Jahre
und älter
68,2%
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
38
Statistische Mitteilungen 1 | 2008
6.3 Geburten- und Sterbesaldo
Die wes
entliche neue Erkenntnis, auch für die Statistik etwas überraschend, ist die, dass durch
die steigende Geburtenzahl und die zurückgehende Zahl der Sterbefälle als langfristige Trends
insgesamt die Bilanz der natürlichen Darmstädter Bevölkerungsentwicklung seit 2005 positiv ist.
War der Saldo zwischen Geburten und Sterbefä llen in den siebziger Jahren noch mit circa
500 Personen im negativen Bereich, so z.B. in 1975 mit –565 Personen, sank dieser Saldo auf
einen Wert um circa –400 Personen Mitte der Achtziger und circa –200 Personen Mitte der Neun-
ziger. Seit der Jahrtausendwende sank der Saldobetrag auf circa 100 Personen, um dann in 2005
ins Positive zu kippen. Erstmals seit vielen Jahr zehnten liegt die Geburtenzahl in Darmstadt über
der Zahl der Sterbefälle; dies gilt für die Jahre 2005, 2006 und 2007 in Folge.
Grafik 2 Geburten- und Sterbesaldo
Dieser Trend hat sich nun durchgesetzt und zu einem Geburtenüberschuss in Darmstadt beige-
tragen. Dies bedeutet, dass jenseits der positi ven Salden durch die Wanderungsbewegungen (vgl.
Kapitel 7) sich Darmstadts Bevölkerung auch du rch die natürliche Bevölkerungsveränderung sta-
bilisiert und vergrößert, wenn auch im kleinen Maßs tab. Dies ist um so bemerkenswerter, als in
vielen, wenn nicht den meisten Großstädten Deutschlands, die Bevölkerungszuwächse der letzten
Jahre sich nahezu ausschließlich durch die positive Wanderungsbilanz veränderten, in den sel-
tensten Fällen auch durch die natürliche Bevölkerungsentwicklung, wie dies nun in Darmstadt seit
drei Jahren der Fall ist.
Bei der Zahl der Sterbefälle ist für das nächst e Jahrzehnt davon auszugehen, dass deren Zahl
wieder ansteigt: Insbesondere bei den Männern, aber auch bei den Frauen ist die derzeit eher
„niedrige“ Zahl an Sterbefällen durch eine Sonderentwicklung verursacht, die ihren Anlass in den
Folgen des Zweiten Weltkrieges hat. Durch die Kriegstoten und die weit eren Auswirkungen des
Krieges ist die aktuelle Seniorengeneration za hlenmäßig schwächer besetzt; die Zahl der Senio-
rinnen und Senioren und damit auch die Zahl der Sterbefälle werden in Zukunft wieder zunehmen.
Die Entwicklung des Verhältnisses Geburten zu Sterbefällen alleine erlaubt noch keine Aussage
über die zukünftige Bevölkerungsentwicklung. Al s wesentlicher zweiter Aspekt spielt die Wande-
rungsbewegung eine stark mit entscheidende Rolle. Diese wird nun in Kapitel 7 analysiert.
-800
-600
-400
-200
0
200
400
600
800
1. 0 0 0
1 960 1 965 1 970 1 975 1 980 1 985 1 990 1 995 2000 2005
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
39
7 Wanderungsbewegungen
Für die teilweise enormen Veränderungen der Einwohnerzahl Darmstadts im historischen Kontext
lassen sich drei Gründe ausmachen: zum ersten die politisch bedingten Änderungen der Stadtge-
bietsfläche (z.B. die Eingemeindung Wixhause ns und die Ausgemeindung St. Stephans im
Jahr 1977), zweitens das Verhältnis von Geburten zu Sterbefällen, das bereits im vorhergehenden
Kapitel dargestellt wurde, und drittens die Wanderungsbewegung in die Stadt und aus der Stadt.
Zum besseren Verständnis der recht komplexen Wanderungsbewegung von Bevölkerungsgruppen
nach Darmstadt und aus der Stadt heraus werden – vor der Betrachtung der Zu- und Fortzüge –
die allgemeinen Trends der Bevölkerungsentwicklung insgesamt in Kürze dargestellt.
Grafik 3 Bevölkerungsentwicklung in Darmstadt
Die langjährigen Trends der Bevö lkerungsentwicklung Darmstadts lassen sich in einer kurzen Be-
schreibung zusammenfassen: Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges stieg die Einwohnerzahl von
knapp unter 100.000 Einwohnern auf über 141.000 Personen bis Mitte der siebziger Jahre, um
dann abzusinken und Mitte der Achtziger einen vorläufigen Tiefststand mit circa 132.000 Ein-
wohnern zu erreichen. Die politischen Veränd erungen in Europa, die zum Zusammenbruch der
DDR und insbesondere in Osteuropa zum Ausein anderfallen der UdSSR und der Auflösung Jugos-
lawiens führten, lösten erhebliche innerdeutsche Wanderungsbewegungen in Richtung westliche
Bundesländer und aus Osteuropa in Richtung Bundes republik aus. Diese Faktoren führten zu ei-
nem neuen Höchststand der Einwohnerzahl Darm stadts mit circa 140.000 Einwohnern in 1992.
Die Einwohnerzahl Darmstadts sank darauf hin wieder bis 1998 auf circa 135.000 Personen. Seit
1998 ist die Einwohnerzahl Darmstadts wieder lang sam, aber stetig im Steigen, am Ende des
Jahres 2007 wurden 141.058 Einwohner registriert.
Im folgenden wird die Wanderungsbewegung im Zeitraum von 1980 bis Ende 2007 dargestellt
und differenziert betrachtet, um Trends zu erkennen und daraus Schlüsse für die mögliche zu-
künftige Entwicklung ableiten zu können. Dabei wird auf die Zahl und Struktur der Umzüge nicht
eingegangen. Denn Umzüge finden innerhalb Darmstadts statt, von Stadtteil zu Stadtteil, während
die hier untersuchten Zu- und Fortzüge immer über die Stadtgrenze hinausgehen.
1 25.000
1 30.000
1 35.000
1 40.000
1 45.000
1 50.000
1 960 1 965 1 970 1 975 1 980 1 985 1 990 1 995 2000 2005
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
40
Statistische Mitteilungen 1 | 2008
7.1 Entwicklung der Wanderungsbewegung in Deutschland
Bevor
im Detail die einzelnen Aspekte der Wand erungsbewegung in Darmstadt analysiert werden,
sollen die Trends der letzten Jahre für Deutschland kurz zusammengefasst werden. Seit der Wie-
dervereinigung haben insbesondere die innerdeutschen Wanderungsbewegungen zu großen regio-
nalen Unterschieden geführt, die keineswegs be endet sind, wie viele Bürgermeister in ostdeut-
schen Städten, aber auch in an deren, westlichen Bundesländern feststellen müssen. In vielen Fäl-
len verstärken sich durch die Abwanderung von Bevölkerungsteilen die ohnehin schon bestehen-
den Unterschiede in Bevölkerungszahl, Altersstruktur, Geburtenrate, Wirtschaftskraft, Beschäfti-
gung und sozialer Ungleichheit weiter (vgl. Kapitel 2).
Einige Regionen mit hoher Bevölkerungsdichte – wie FrankfurtRheinMain, München, Rhein-Ruhr
oder Stuttgart – erzielen derz eit Wanderungsgewinne, während Re gionen mit bereits niedriger
Bevölkerungsdichte wie z.B. Gemeinden und Land kreise in Mecklenburg-Vorpommern (vgl. Kapi-
tel 2 Abbildung 4) zusätzlich hohe Wanderungsverluste verkraften müssen 48. Viele Regionen mit
ohnehin hoher Beschäftigte nquote, niedrigerer Arbeitslosigkeit und relativ stabilen Einkommens-
lagen konnten seit etwa 1994 zusätzlich einen Bevölkerungszuwachs durch Zuwanderung und
Wirtschaftswachstum vermelden. Die Auswirkungen der Wanderungsbewegung sind deshalb quan-
titativ weit bedeutsamer als die "natürlichen" Veränderungen der Bevölk erungszahl einer Stadt
durch Geburten oder Sterbefälle. Da sich Zu- und Wegzüge oft nicht ausgleichen, beeinflusst die
Wanderung die Bevölkerungsdichte in den verschiedenen Regionen Deutschlands deutlich.
Durch die Wanderungsbewegung ergeben sich somit auch in der Zukunft erhebliche Auswirkungen
nicht nur für den regionalen Arbeitsmarkt, sondern auch für Unternehmen, Immobilieneigen-
tümer, den Einzelhandel, die sozialen Sicherungssysteme etc. So wird sich nicht nur das regionale
Arbeitsplatzangebot, sondern auch die Nachfrage nach Baugrund, Immobilien und sozialer Infra-
struktur (Kindergärten, Schulsystem etc.) regional unterschiedlich entwickeln. Bereits heute sind
Bevölkerung, Altersstruktur, Einkommen, Bild ungschancen und Arbeitslosigkeit innerhalb
Deutschlands keineswegs gleich verteilt. Bevölkerungszuwachs oder -rückgang ist deshalb spä-
testens seit Mitte der Neunziger Jahre ein wichtige r Indikator für die Zukunftsfähigkeit einer Regi-
on oder Stadt geworden.
7.2 Die Gesamtentwicklung der Wanderungsbewegung von 1980 bis 2007
Die Entwick
lung der Wanderungsbewegung für den Zeitraum von 1980 bis 2007 wird in der Tabel-
le 9 wiedergegeben. Neben der Gesamtentwicklung werden die Zu- und Fortzüge nach Geschlecht
dargestellt. Aus der Tabelle ist ersichtlich, dass jährlich im Umfang von jeweils circa 9.000 bis
10.000 Bürger zu- oder wegziehen. Bei der Tabelle ist zu beachten, dass der letzte angegebene,
summierte Zeitraum von 2005 bis 2007 nicht – wie bei den anderen – fünf Jahre, sondern nur
drei Jahre umfasst. Ein positiver Wert bedeutet einen Einwohnergewinn; ne gative Werte bedeuten
Einwohnerverluste. Dies gilt auch für die folgenden Tabellen.
Bei Betrachtung der Wa nderungsbewegung ist offensichtli ch, dass im Zeitraum von 1980 bis
2007 die Wanderungsgewinne Darmstadts deutlich überwiegen: Dies bedeutet, dass in der Bilanz
mehr Personen in die Stadt zuziehen als Menschen die Stadt als Fortziehende verlassen. In nur
fünf von insgesamt 28 Jahren ist ein Wanderungsve rlust zu vermelden. Am Anfang des Kapitels
wurde gezeigt, dass Darmstadt – wie Deutschland insgesamt – in diesem Zeitraum eine sehr dy-
namische und unstete, nichtlineare Bevölkerungsentwicklung hatte.
48 Die beste Zusammenstellung dieser Daten bietet die CD INKAR vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung. Bun-
desamt für Bauwesen und Raumordnung (Hrg.), CD INKAR “Indikatoren und Karten zur Raumentwicklung”, Ausgabe 2006
(siehe auch www.bbr.bund.de).
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
41
Tabelle 9 Wanderungen (Zu- und Fortzüge) in Darmstadt seit 1980 nach Geschlecht
Zuzüge Fortzüge Wanderungsgewinn/verlust
Jahr männ-
lich weiblich insge-
samt
männ-
lich weiblich insge-
samt
männ-
lich weiblich insge-
samt
1980 5.286 4.185 9.471 6.052 4. 815 10.867 -766 -630 -1.396
1981 5.499 4.122 9.621 4.316 3.349 7.665 1.183 773 1.956
1982 5.124 4.041 9.165 4.225 3.282 7.507 899 759 1.658
1983 5.188 4.052 9.240 4.392 3.430 7.822 796 622 1.418
1984 5.146 3.967 9.113 5.095 4.132 9.227 51 -165 -114
1980 - 1984 26.243 20.367 46.610 24.080 19.008 43.088 2.163 1.359 3.522
1985 4.168 3.606 7.774 3.899 3.230 7.129 269 376 645
1986 4.190 3.487 7.677 3.872 3.419 7.291 318 68 386
1987 4.490 3.716 8.206 3.952 3.228 7.180 538 488 1.026
1988 4.486 3.695 8.181 3.808 3.063 6.871 678 632 1.310
1989 5.196 4.142 9.338 4.374 3.403 7.777 822 739 1.561
1985 - 1989 22.530 18.646 41.176 19.905 16.343 36.248 2.625 2.303 4.928
1990 5.182 3.975 9.157 4.148 3.286 7.434 1.034 689 1.723
1991 5.393 3.987 9.380 4.589 3.479 8.068 804 508 1.312
1992 6.345 4.436 10.781 5.231 3.823 9.054 1.114 613 1.727
1993 5.513 3.923 9.436 6.397 4. 187 10.584 -884 -264 -1.148
1994 5.496 4.275 9.771 5.748 4.391 10.139 -252 -116 -368
1990 - 1994 27.929 20.596 48.525 26.113 19.166 45.279 1.816 1.430 3.246
1995 5.282 4.112 9.394 5.145 3.734 8.879 137 378 515
1996 5.201 4.049 9.250 5.319 3.948 9.267 -118 101 -17
1997 5.241 4.246 9.487 5.614 4.444 10.058 -373 -198 -571
1998 5.518 4.361 9.879 5.531 4.263 9.794 -13 98 85
1999 5.909 4.488 10.397 5.557 4.317 9.874 352 171 523
1995 - 1999 27.151 21.256 48.407 27.166 20.706 47.872 -15 550 535
2000 5.935 4.443 10.378 5.458 3.978 9.436 477 465 942
2001 6.084 4.436 10.520 5.914 4.040 9.954 170 396 566
2002 5.643 4.446 10.089 5.395 3.936 9.331 248 510 758
2003 5.914 4.457 10.371 5.084 3.990 9.074 830 467 1.297
2004 5.796 4.592 10.388 5.495 4.107 9.602 301 485 786
2000 - 2004 29.372 22.374 51.746 27.346 20.051 47.397 2.026 2.323 4.349
2005 5.881 4.592 10.473 5.370 4.151 9.521 511 441 952
2006 5.993 4.751 10.744 5.894 4.251 10.145 99 500 599
2007 6.009 4.781 10.790 5.349 4.221 9.570 660 560 1.220
2005 - 2007 17.883 14.124 32.007 16.613 12.623 29.236 1.270 1.501 2.771
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
42
Statistische Mitteilungen 1 | 2008
In den Jahren 1981 bis 1992 hat Darmstadt fast in jedem Jahr hohe Wanderungsgewinne erzielt,
teilweise sind pro Jahr zwischen 1.000 bis fast 2.000 Personen per Saldo mehr zugezogen. Im
Fünf-Jahreszeitraum von 1995 bis 1999 ist der Wa nderungsgewinn mit insgesamt 535 Personen
am geringsten; in den beiden Jahren 1996 und 1997 wird die Entwicklung mit leichten Bevölke-
rungsverlusten durchschritten, um dann ab 1998 wieder Wanderungsgewinne zu erzielen.
Ab 1999 ist die positive Trendumkehr offensichtlic h geworden, und bis in die jüngste Zeit sind
weiterhin deutliche Wanderungsgewinne festzustellen.
Grafik 4 Wanderungsbilanz in Darmstadt von 1980 bis 2007
Bei der Betrachtung der Zu- und Fortzüge nach Geschlecht ist auffällig, dass bis etwa 1994 höhe-
re Wanderungsgewinne bei Männern, von 1995 bis 1999 bei Frauen zu finden sind. Eine einfache
Erklärung gibt es dafür nicht, bei dieser Auffälligkeit müssen mehrere Faktoren diese Entwicklung
begünstigt haben.
7.3 Zu- und Fortzüge nach Nationalität
Hier ergibt s
ich folgendes Bild: In den achtziger Jahren ist noch ein deutlicher Wanderungsgewinn
bei den Deutschen fe stzustellen, bis Ende der achtziger Ja hre hat sich das Wanderungsverhalten
in der Bilanz den ausländischen Mitbürgern ange glichen. Seit Anfang der neunziger Jahre wan-
dern deutlich mehr ausländische Mitbürger zu und für die Deutschen wird die Bilanz ab et-
wa 1993 zunehmend negativ.
Dieser Trend verstärkt sich noch in den neunz iger Jahren und hält bis etwa 1999 an. Von 1999
bis 2005 stehen jedes Jahr circa 4.500 Zuzügen von Ausländerinnen und Ausländern etwa
3.500 Fortzüge gegenüber, so dass sich ein Wa nderungsgewinn von fast 1.000 Einwohnerinnen
und Einwohnern je Jahr bei dieser Bevölkerungsgruppe ergibt. Damit wird klar, dass von 1993 bis
2005 Darmstadts Bevölkerungszuwächse ursächlic h auf dem Zuzug der nichtdeutschen Bevöl-
kerung beruhten und dass sich dieser Trend se it 1995 deutlich verstärkt hat. Seit 2006 ist durch
die hohen Zuzugsquoten der deutschen Bevölkerung in die Wissenschaftsstadt wiederum ein neu-
er Trend festzustellen: Die deutsche Bevölkerun g wächst durch Zuwanderung wieder stärker. So
beträgt die Wanderungsbilanz für 2006 insgesamt 514 Deutsche und 85 Ausländer, in 2007 sind
es zusätzlich 731 Deutsche sowie 489 Ausländer.
-1.500
-1.000
-500
0
500
1.000
1.500
2.000
2.500
1980 1985 1990 1995 2000 2005
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43
Tabelle 10 Zu- und Fortzüge nach Nationalität
Jahr 1980 - 1984 1985 - 1989 1990 - 1994 1995 - 1999 2000 - 2004 2005 - 2007
Zuzüge
Deutsche 34.835 29.380 30.580 30.222 30.015 19.521
Ausländer 11.775 11.796 17.945 18.185 21.731 12.486
insgesamt 46.610 41.176 48.525 48.407 51.746 32.007
Fortzüge
Deutsche 32.193 26.537 30.638 32.112 30.381 18.303
Ausländer 10.895 9.711 14.641 15.760 17.016 10.933
Insgesamt 43.088 36.248 45.279 47.872 47.397 29.236
Wanderungsbilanz
Deutsche 2.642 2.843 -58 -1.890 -366 1.218
Ausländer 880 2.085 3.304 2.425 4.715 1.553
insgesamt 3.522 4.928 3.246 535 4.349 2.771
Wanderungsbilanz
Welche Nationalitäten sind durch die Zuzüge in den letzten Jahren in Darmstadt stärker gewor-
den? Quantitativ betrachtet sind dies in größerer Zahl Menschen aus der Türkei, aus Asien, insbe-
sondere China, und den nordafrikanischen Ländern wie z.B. Marokko. Nicht vergessen werden
sollte aber, dass durch Darmstadts vielfältige internationale Einrichtungen im Bereich Forschung
und Wissenschaft, durch große nationale und intern ational tätige Unternehmen – z.B. im Bereich
Softwareentwicklung – auch deutliche Zuwächse bei Menschen aus europäischen oder nord-
amerikanischen Ländern49 zu verzeichnen sind. So hat sich die Zahl der französischen Mitbürger
fast verdoppelt, und die Zahl der Menschen aus den westeuropäischen Nationen hat sich fast
durchgängig erhöht. Auch die Zahl der Menschen aus den osteuropäischen Ländern wie z.B. Polen
oder der Russischen Föderation haben sich deutlic h erhöht. Durch das Ende des Bürgerkrieges in
den heutigen Ländern des ehemaligen Jugoslawien sind hingegen die Zahlen der Bevölkerung aus
Bosnien-Herzegowina, Mazedonien, aus dem Kosovo oder Kroatien wieder zurück gegangen, da
viele Bürgerkriegsflüchtlinge wieder in ihre Heimat zurückgekehrt sind.
7.4 Zu- und Fortzüge nach Altersgruppen
Sehr aufschlussreich is
t die Betrachtung der Wanderungsbewegung, wenn man sich die Entwick-
lung über den genannten Zeitraum für unterschied liche Altersgruppen anschaut. In Tabelle 11 ist
zu erkennen, dass die stärksten Wanderungsgewinne in Darmstadt vor allem bei jungen Menschen
49 Für Interessierte ist eine genauere Analyse der Zuwächse bei den einzelnen Nationalitäten aus dem Datenreport
„Darmstadt in Zahlen“ 2007 im Kapitel "Bevölkerung" erkennbar.
-2.000
0
2.000
4.000
6.000
1 980 - 1 984 1 985 - 1 989 1 990 - 1 994 1 995 - 1 999 2000 - 2004 2005 - 2007
Deutsche
Ausländer
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
44
Statistische Mitteilungen 1 | 2008
in der Altersgruppe von 20 bis 25 Jahren erzielt wurden. Hierbei ist offensichtlich, dass die Attrak-
tivität Darmstadts vor allem im Bildungsbereich diese positive Wanderungsentwicklung verur-
sacht: Durch die Aufnahme des Studiums an der TU Darmstadt, der Hochschule Darmstadt und
den Fachhochschulen, aber auch durch die relativ positive Beschäftigungssituation mit einer Viel-
zahl von Dienstleistungsberufen für junge Menschen ist in dieser Altersgr uppe eine deutlich posi-
tive Wanderungsbilanz durchgängig für den gesamten Zeitraum erkennbar.
Verluste entstehen vor allem durch die höhere Abwanderungsrate der über 35-jährigen. Auffällig
ist insbesondere die negative Bilanz bei der Al tersgruppe zwischen 35 und 45 Jahren. Interessan-
te Hinweise gibt die Wanderung sgewinn- und Wanderungsverlust rechnung für die Altersgruppen
der Kleinkinder (Altergruppen 0 bis unter 5 Jahr e): Seit etwa 1990 ist die Wanderungsbilanz ins
Negative gekippt, der Tiefpunkt wurde im Ze itraum von 1990 bis 1994 durchschritten, in den
letzten Jahren jedoch scheint sich hier eine Trendumkehr für Darmstadt deutlich anzudeuten.
Da junge Familien eher aus der Stadt hinaus als in die Stadt ziehen, sinkt auch die Zahl der Klein-
kinder in Darmstadt. Gründe für den Wegzug junger Familien lagen in den letzten Jahrzehnten
auch in der Möglichkeit, z.B. im Landkreis Darmstadt-Dieburg leichter zu günstigen Preisen an
Baugrund oder an Ein- oder Zweifamilienhäuser als in der "teureren" Stadt zu kommen. Unter-
stützt wird dies durch die oben festgestellte Ta tsache, dass Personen in den Altersgruppen zwi-
schen 35 und 45 Jahren, nämlich Eltern mit kleine n Kindern, aus Darmstadt eher weg- als zuzie-
hen. Auffällig ist, dass der Mobilitätswunsch mit zunehmendem Alter der Bürger generell stark
abnimmt, wie die Zahlen für die Personengruppe n ab 45 Jahren zeigen. In den zahlenmäßig in
der Bevölkerung stark ausgeprägten Altersgruppen ab 65 Jahren ist die absolute Anzahl der Zu-
und Fortzüge verschwindend gering.
Tabelle 11 Wanderungen (Zu- und Fortzüge) in Darmstadt seit 1980 nach Altersgruppen
Zu-/Fortzüge
im Alter von...bis
unter ...Jahre
Zuzüge Fortzüge
Wanderungs-
gewinn/verlust
0 - unter 5 Jahre 12.561 14.157 -1.596
5 - unter 15 Jahre 16.406 15.934 472
15 - unter 20 Jahre 16.609 9.954 6.655
20 - unter 25 Jahre 61.646 38.678 22.968
25 - unter 35 Jahre 90.807 91.463 -656
35 - unter 45 Jahre 37.977 42.058 -4.081
45 - unter 55 Jahre 16.810 17.790 -980
55 - unter 65 Jahre 7.470 9.111 -1.641
65 - unter 75 Jahre 3.880 4.526 -646
75 Jahre und älter 4.305 5.449 -1.144
insgesamt 268.471 249.120 19.351
Festzuhalten ist, dass die Stadt Darmstadt insbesondere für junge Leute in der Altersgruppe zwi-
schen 15 und 35 Jahren attraktiv ist und diese Gruppe aufgrund ihres Lebenszyklusses – aus Aus-
bildungs- oder Beschäftigungsgründen – zuzieht. Nach der Lebenszyklus-Phase der Familiengrün-
dung und der beruflichen Etablierung ziehen Familien mit kleinen Kindern wieder aus der Stadt
fort. Hier stellt sich die Frage, wohin diese Menschen ziehen, ob in den Landkreis Darmstadt-Die-
burg, in die Region Starkenburg oder in eine ganz andere Region De utschlands. Aus diesem
Grund wird im Folgenden das Ziel der Wanderungsbewegung der Fortziehenden untersucht.
-5.000 5.000 1 5.000 25.000
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
45
7.5 Wanderungsbewegung zwischen Darmstadt und dem Land kreis Darmstadt-Dieburg
Die Daten der Wanderungsbewegung zwischen de r Wissenschaftsstadt Darmstadt und dem Land-
kreis Darmstadt-Dieburg werden, bezogen auf die jeweiligen Gemeinden des Landkreises, für den
gesamten Zeitraum von 1980 bis 2007 in der Tabe lle 12 wiedergegeben. Durch die Summierung
der Zu- und Fortzüge über den gesamten Zeitraum von 1980 bis heute wird die Struktur der Wan-
derungsbewegung sehr deutlich, di e zeitliche Veränderung der Trends wird jedoch nicht abgebil-
det. Eine Analyse dieser Veränderung ist vonnöt en, um Aussagen über die Trends und die weite-
ren möglichen Bilanzveränderungen der Zu- und Wegzüge zu erhalten.
Generell ist festzuhalten, dass in Darmstadt in dem genannten Zeitraum von 28 Jahren über
67.000 Personen aus dem Landkreis Darmstadt-Di eburg zugezogen, gleichzeitig aber circa
77.000 Personen in den Landkreis Darmstadt-Dieburg fortgezogen sind. Hieraus ergibt sich, dass
Darmstadt über 9.500 Personen an den Landkreis verloren hat, man also durchaus von einem sta-
bilen Abwanderungsverhalten aus Darmstadt in den Landkreis Darmstadt-Dieburg sprechen kann.
Wanderungsgewinne aus dem Landkreis sind insbesondere bei den ausländischen Mitbürgern, mit
etwas über 1.800 Personen, zu verzeichnen.
Im Folgenden werden die Wanderungsbilanz der Wissenschaftsstadt mit den umliegenden Städten
und Gemeinden des Landkreises Darmstadt-Dieburg ausführlicher untersucht und grafisch darge-
stellt. Durch die Zusammenfassung der Wanderungsbil anz in Gruppen zu je fünf Jahren (bzw. zu
drei Jahren für 2005 bis 2007) lassen sich die Veränderungen im Wanderungsverhalten von und
nach Darmstadt gut erkennen. Es wird für den La ndkreis insgesamt offensichtlich, dass zwar wei-
terhin mehr Menschen aus Darmstadt in den Land kreis wandern, diese Zahl in den letzten Jahren
jedoch deutlich gesunken ist. War die Bilanz im Zeitraum von 1990 bis 1994 sowie im Zeitraum
1996 bis 1999 mit jeweils mehr als 2.000 Menschen zu Gunsten des Landkreises Darmstadt-
Dieburg ausgefallen, hat sich dieser Trend seit 2000 deutlich abgeschwächt und ist seit 2005 fast
zum Erliegen gekommen.
Bei der Betrachtung der Wanderungsgewinne un d -verluste von 1980 bis 2007 ist auffällig, dass
die Darmstädter überwiegend aus de r Stadt heraus nach Griesheim, Weiterstadt, Mühltal, Pfung-
stadt, Seeheim-Jugenheim, Roßdorf, Alsbach-Hä hnlein und Ober-Ramstadt ziehen. Dabei sind es
insbesondere die ersten fünf Gemeinden in der Aufzählung, die deutliche Bevölkerungszuwächse
aus Darmstadt im genannten Zeitraum erfahren haben.
Durch Wanderungsgewinne profitierte Darmstadt im genannten Zeitraum von Zuzügen aus den
Gemeinden Babenhausen, Dieburg, Münster, O tzberg und Eppertshausen. Aus Babenhausen,
Münster und Otzberg sind überwiegend Deutsche zugezogen.
Bei der zeitlichen Betrachtung di eser Gemeinden ergeben sich neue Erkenntnisse. Die deutlichen
Wanderungsverluste der Stadt Darmstadt zu den Städten und Gemeinden, die in den neunziger
Jahren auch durch Zuzüge von Darmstadt profitie rt haben, sind entweder stark zurückgegangen
oder haben sich sogar ins Gegenteil verkehrt. Bei den Gemeinden Griesheim, Weiterstadt, Mühltal
und Roßdorf ist der Wanderungsverlust geringer geworden. Bei Dieburg, Ober-Ramstadt, Pfung-
stadt, Reinheim und Groß-Umstadt hat Darmstadt in den letzten Jahren sogar Wanderungsgewin-
ne zu verzeichnen.
Zusammenfassend sei gesagt, dass der Trend, Einwohner an die westlich und südlich liegenden
Gemeinden und Städte zu verlieren, immer noch besteht, sich aber deutlich abschwächt, während
aus den östlichen Gemeinden des Landkreises Darmstadt-Dieburg weiterhin neue Darmstädter
gewonnen werden.
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
46
Statistische Mitteilungen 1 | 2008
Tabelle 12 Wanderungen (Zu- und Fortzüge ) mit dem Landkreis Darmstadt-Dieburg
1980-2007 nach Gemeinden
Zugezogen aus Fortgezogen nach Wanderungsgewinn/verlust
Gemeinde Deut-
sche
Aus-
länder
insge-
samt
Deut-
sche
Aus-
länder
insge-
samt
Deut-
sche
Aus-
länder
insge-
samt
Alsbach-Hähnlein 1.299 296 1.595 1.873 302 2.175 -574 -6 -580
Babenhausen 729 253 982 472 141 613 257 112 369
Bickenbach 845 164 1.009 1.207 204 1.411 -362 -40 -402
Dieburg 1.442 879 2.321 1.589 482 2.071 -147 397 250
Eppertshausen 278 62 340 224 73 297 54 -11 43
Erzhausen 1.444 334 1.778 1.542 289 1.831 -98 45 -53
Fischbachtal 299 60 359 337 18 355 -38 42 4
Griesheim 7.088 3.442 10.530 9.480 3.314 12.794 -2.392 128 -2.264
Groß-Bieberau 362 151 513 396 103 499 -34 48 14
Groß-Umstadt 1.300 384 1.684 1.444 245 1.689 -144 139 -5
Groß-Zimmern 1.728 519 2.247 1.949 416 2.365 -221 103 -118
Messel 1.052 291 1.343 1.228 208 1.436 -176 83 -93
Modautal 613 90 703 862 62 924 -249 28 -221
Mühltal 4.532 908 5.440 6.027 933 6.960 -1.495 -25 -1.520
Münster 976 248 1.224 859 174 1.033 117 74 191
Ober-Ramstadt 3.479 999 4.478 4.040 795 4.835 -561 204 -357
Otzberg 619 88 707 574 96 670 45 -8 37
Pfungstadt 6.217 1.663 7.880 7.565 1.581 9.146 -1.348 82 -1.266
Reinheim 2.744 505 3.249 2.773 436 3.209 -29 69 40
Roßdorf 2.762 696 3.458 3.805 569 4.374 -1.043 127 -916
Schaafheim 172 73 245 130 52 182 42 21 63
Seeheim-Jugenheim 4.873 1.061 5.934 6.112 907 7.019 -1.239 154 -1.085
Weiterstadt 7.074 2.255 9.329 8.824 2.194 11.018 -1.750 61 -1.689
insgesamt 51.927 15.421 67.348 63.312 13.594 76.906 -11.385 1.827 -9.558
Wanderungsbilanz der Stadt Darmstadt mit dem Landkreis Darmstadt-Dieburg 1980 bis 2007
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
47
Grafik 5 Wanderungsbewegung zwischen Darmstadt und Gemeinden/Städten des Landkreises Darmstadt-Dieburg
Maßstab -3.000 bis +500 Maßstab -800 bis +200 Maßstab -500 bis +300
Alsbach-Hähnlein
-126
-182
-150
-67 -59
4
-500
-400
-300
-200
-100
0
100
200
300
1980-
84
1985-
89
1990-
94
1995-
99
2000-
04
2005-
07
Bickenbach
-76
-9
-68
-158
-39 -52
-500
-400
-300
-200
-100
0
100
200
300
1980-
84
1985-
89
1990-
94
1995-
99
2000-
04
2005-
07
Dieburg
-32 -58 -46 -28
225
189
-500
-400
-300
-200
-100
0
100
200
300
1980-
84
1985-
89
1990-
94
1995-
99
2000-
04
2005-
07
Griesheim
-87
-148
-380
-526
-387
-736
-800
-600
-400
-200
0
200
1980-
84
1985-
89
1990-
94
1995-
99
2000-
04
2005-
07
Mühltal
-305
-189
-240
-379
-330
-77
-500
-400
-300
-200
-100
0
100
200
300
1980-
84
1985-
89
1990-
94
1995-
99
2000-
04
2005-
07
Ober-Ramstadt
59
-77
-393
-118
70
102
-500
-400
-300
-200
-100
0
100
200
300
1980-
84
1985-
89
1990-
94
1995-
99
2000-
04
2005-
07
Pfungstadt
-104
-60
-267
-376
3
-462-500
-400
-300
-200
-100
0
100
200
300
1980-
84
1985-
89
1990-
94
1995-
99
2000-
04
2005-
07
Reinheim
-156
45
-129
43
96
141
-500
-400
-300
-200
-100
0
100
200
300
1980-
84
1985-
89
1990-
94
1995-
99
2000-
04
2005-
07
Roßdorf
-20
-94
-243 -269 -249
-41
-500
-400
-300
-200
-100
0
100
200
300
1980-
84
1985-
89
1990-
94
1995-
99
2000-
04
2005-
07
Seeheim-Jugenheim
-425
-244
61 51
-77
-451
-500
-400
-300
-200
-100
0
100
200
300
1980-
84
1985-
89
1990-
94
1995-
99
2000-
04
2005-
07
Weiterstadt
-428 -438
-89
-583
-64 -87
-800
-600
-400
-200
0
200
1980-
84
1985-
89
1990-
94
1995-
99
2000-
04
2005-
07
Landkreis insgesamt
-1.639 -1.617
-2.603
-2.403
-1.163
-133
-3.000
-2.500
-2.000
-1.500
-1.000
-500
0
500
1980-
84
1985-
89
1990-
94
1995-
99
2000-
04
2005-
07
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
48
Statistische Mitteilungen 1 | 2008
Grafik 5 Wanderungsbewegung zwischen Darmstadt und Gemeinden/Städten des Landkreises Darmstadt-Dieburg - Fortsetzung
Maßstab -100 bis +150
Eppertshausen
-13
13
3
27
13
0
-100
-50
0
50
100
150
1980-
84
1985-
89
1990-
94
1995-
99
2000-
04
2005-
07
Erzhausen
-12 -13
41
-1
-48
-20
-100
-50
0
50
100
150
1980-
84
1985-
89
1990-
94
1995-
99
2000-
04
2005-
07
Fischbachtal
16
3
19
-14 -20
0
-100
-50
0
50
100
150
1980-
84
1985-
89
1990-
94
1995-
99
2000-
04
2005-
07
Groß-Bieberau
25
-1
-18
-30
25
13
-100
-50
0
50
100
150
1980-
84
1985-
89
1990-
94
1995-
99
2000-
04
2005-
07
Groß-Umstadt
25
11
-37
14
71
-89-100
-50
0
50
100
150
1980-
84
1985-
89
1990-
94
1995-
99
2000-
04
2005-
07
Groß-Zimmern
30 37
-36
-58
-2
-89-100
-50
0
50
100
150
1980-
84
1985-
89
1990-
94
1995-
99
2000-
04
2005-
07
Modautal
24
-31
-43
-60
-27
-84
-100
-50
0
50
100
150
1980-
84
1985-
89
1990-
94
1995-
99
2000-
04
2005-
07
Münster
1
29
-38
85
70
44
-100
-50
0
50
100
150
1980-
84
1985-
89
1990-
94
1995-
99
2000-
04
2005-
07
Otzberg
-23
4
-11
123
-45
-11
-100
-50
0
50
100
150
1980-
84
1985-
89
1990-
94
1995-
99
2000-
04
2005-
07
Schaafheim
-5 -11
7 15
31 26
-100
-50
0
50
100
150
1980-
84
1985-
89
1990-
94
1995-
99
2000-
04
2005-
07
Babenhausen
56
30
59
95
74
55
-100
-50
0
50
100
150
1980-
84
1985-
89
1990-
94
1995-
99
2000-
04
2005-
07
Messel
-63
-27
-52
7
42
0
-100
-50
0
50
100
150
1980-
84
1985-
89
1990-
94
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2000-
04
2005-
07
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
49
7.6 Wanderungsbewegung zwischen Darmstadt und Hess en
Aus dem vorigen Unterkapitel wissen wir, dass Darmstadt viele Bewohner an die umliegenden
Gemeinden und Städte im Landkrei s Darmstadt-Dieburg verliert, wie aber verhält es sich mit der
Region Starkenburg insgesamt? In der Tabelle 13 sind die Zuzüge aus der Region Starkenburg 50,
aus Hessen, aus anderen Bundesländern und aus de m Ausland zusammengestellt. Gleiches gilt
für die Fortzüge aus Darmstadt und die Wanderungsbilanz.
Grafik 6 Wanderungsbewegung zwisch en Darmstadt und südhessischen Kreisen
Landkreis Bergstraße Odenwaldkreis Landkreis Groß-Gerau
Während Darmstadt durch Fortzüge an die westlichen und süd-
lichen Gemeinden und Städte Bür ger verliert, gewinnt Darm-
stadt Neubürger aus den östlichen Teilen des Landkreises
Darmstadt-Dieburg und aus dem Landkreis Offenbach. Ferner
kommen viele nach Darmstadt Zuziehende aus Nord- und Mit-
telhessen, denn auch mit den nördlichen und östlichen Kreisen
Hessens hat Darmstadt einen positiven Wanderungssaldo. Für
Teile der Bevölkerung in den – wirtschaftlich gesehen – eher
strukturschwachen Kreisen Nord- und Osthessens ist es aus
verschiedenen Gründen attraktiv, in die Wissenschaftsstadt
Darmstadt zu ziehen.
7.7 Wanderungsbewegung zwischen Darmstadt, der Bundesrepubli
k sowie dem Ausland
Erfreulich ist die sehr positive Wanderungsbila nz Darmstadts mit den anderen Bundesländern:
Insgesamt sind im betrachteten Zeitraum üb er 13.000 Bürgerinnen und Bürger aus den umlie-
genden „Alt“-Bundesländern wie Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und aus den neuen
Bundesländern und Berlin mehr zugezogen als in diese weggezogen. Dabei ist auffällig, dass der
Strom an Zuwanderern aus den beiden südlichen Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern
ab 2000 deutlich zurückgegangen ist, weiterhin jedoch die Zuwanderung aus den Bundesländern
Nordrhein-Westfalen sowie Niedersachsen zu einer für Darmstadt positiven Wanderungsbilanz
beiträgt. Der Zustrom an Neub ürgerinnen und Neubürgern aus Berlin und den neuen Bundeslän-
dern hält auch weiterhin ungebrochen an.
Seit etwa 1985 ist die Bevölkerungsbilanz Da rmstadts mit dem Ausland positiv: Mehr als
57.000 Menschen aus aller Welt haben seither in Darmstadt eine neue Heimat gefunden. Dieser
positive Trend hält auch im jüngsten Zeitraum an und scheint sich leicht zu verstärken. Dem ge-
genüber haben sich circa 41.000 Bewohner von Darmstadt ins Ausland abgemeldet.
50 Neben der Wissenschaftsstadt Darmstadt besteht die Region Starkenburg aus den Landkreisen Darmstadt-Dieburg,
Bergstrasse, Groß-Gerau und dem Odenwaldkreis.
Landkreis Offenbach
-300
-200
-1 00
0
10 0
200
300
19 8 0 -
84
19 8 5 -
89
19 9 0 -
94
19 9 5 -
99
2000
- 04
2005
- 07
-300
-200
-1 00
0
10 0
200
300
19 8 0 -
84
19 8 5 -
89
19 9 0 -
94
19 9 5 -
99
2000
- 04
2005
- 07
-300
-200
-1 00
0
10 0
200
300
19 8 0 -
84
19 8 5 -
89
19 9 0 -
94
19 9 5 -
99
2000
- 04
2005
- 07
-1 50
0
15 0
300
450
600
750
19 8 0 -
84
19 8 5 -
89
19 9 0 -
94
19 9 5 -
99
2000
- 04
2005
- 07
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
50
Statistische Mitteilungen 1 | 2008
Tabelle 13 Wanderungen (Zu- und Fortzüge) in Darmstadt seit 1980 nach Herkunft und Ziel
Zeitraum 1980 - 2007 Zielort | Herkunftsort
1980 - 84 1985 - 89 1990 - 94 1995 - 99 2000 - 04 2005 - 07 insgesamt
Zuzüge aus
LK Darmstadt-Dieburg 11.740 10.588 11.351 13.321 12.753 7.595 67.348
LK Bergstraße 1.224 894 1.067 1.040 1.021 733 5.979
LK Groß-Gerau 1.939 1.531 1.803 1.785 1.727 1.150 9.935
LK Offenbach 1.544 1. 208 1.235 1.312 1.240 800 7.339
Odenwaldkreis 795 521 681 730 794 492 4.013
Sonstiges Hessen 7.358 5.232 5.971 5.161 5.443 3.746 32.911
Hessen insgesamt 24.600 19.974 22.108 23.349 22.978 14.516 127.525
Baden-Württemberg und Bayern 5.077 4.147 4.378 4. 482 4.248 2.942 25.274
Berlin und Neue Bundesländer 833 1.098 1.988 1.786 2.199 1.321 9.225
Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen 4.039 3.881 3.088 3.027 3.107 1.906 19.048
Rheinland-Pfalz und Saarland 2.843 1.923 1.863 1. 720 1.757 1.148 11.254
Sonstige Alte Bundesländer 885 722 596 474 599 397 3.673
Deutschland insgesamt 38.277 31.745 34.021 34.838 34.888 22.230 195.999
Ausland 7.301 8.025 12.416 10.469 11.961 7.191 57.363
unbekannt 1.032 1.406 2. 088 3.100 4.897 2.586 15.109
Zuzüge insgesamt 46.610 41.176 48.525 48.407 51.746 32.007 268.471
Fortzüge nach
LK Darmstadt-Dieburg 13.379 12.205 13.954 15.724 13.916 7.728 76.906
LK Bergstraße 1.093 993 1.232 1.187 1.017 599 6.121
LK Groß-Gerau 1.684 1.545 1.990 1.847 1.721 958 9.745
LK Offenbach 921 651 874 850 922 646 4.864
Odenwaldkreis 1.011 756 943 900 752 374 4.736
Sonstiges Hessen 4.624 3.179 4.071 4.152 4.561 3.126 23.713
Hessen insgesamt 22.712 19.329 23.064 24.660 22.889 13.431 126.085
Baden-Württemberg und Bayern 4.668 3.603 4.013 4. 246 4.157 2.846 23.533
Berlin und Neue Bundesländer 541 352 1.198 1.339 1.400 853 5.683
Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen 3.071 2.363 2.721 2.457 2.392 1.515 14.519
Rheinland-Pfalz und Saarland 2.061 1.264 1.735 1. 664 1.554 1.033 9.311
Sonstige Alte Bundesländer 897 580 656 583 626 409 3.751
Deutschland insgesamt 33.950 27.491 33.387 34.949 33.018 20.087 182.882
Ausland 7.573 5.234 7. 546 7.304 7.659 5.512 40.828
unbekannt 1.565 3.523 4. 346 5.619 6.720 3.637 25.410
Fortzüge insgesamt 43.088 36.248 45.279 47.872 47.397 29.236 249.120
Wanderungsgewinn/verlust
LK Darmstadt-Dieburg -1.639 -1. 617 -2.603 -2.403 -1.163 -133 -9.558
LK Bergstraße 131 -99 -165 -147 4 134 -142
LK Groß-Gerau 255 -14 -187 -62 6 192 190
LK Offenbach 623 557 361 462 318 154 2.475
Odenwaldkreis -216 -235 -262 -170 42 118 -723
Sonstiges Hessen 2.734 2.053 1.900 1.009 882 620 9.198
Hessen insgesamt 1.888 645 -956 -1.311 89 1.085 1.440
Baden-Württemberg und Bayern 409 544 365 236 91 96 1.741
Berlin und Neue Bundesländer 292 746 790 447 799 468 3.542
Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen 968 1.518 367 570 715 391 4.529
Rheinland-Pfalz und Saarland 782 659 128 56 203 115 1.943
Sonstige Alte Bundesländer -12 142 -60 -109 -27 -12 -78
Deutschland insgesamt 4.327 4.254 634 -111 1.870 2.143 13.117
Ausland -272 2.791 4.870 3.165 4.302 1.679 16.535
unbekannt -533 -2.117 -2.258 -2.519 -1.823 -1.051 -10.301
Wanderungsbilanz insgesamt 3.522 4.928 3.246 535 4.349 2.771 19.351
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
51
Leider müssen in der Bilanz etwa 10.300 Personen als „unbekannt“ ausgewiesen werden: Zur
Vervollständigung werden diese Daten hier angegeben. Die Ursache für die Zahl der nach un-
bekannt ziehenden oder von unbekannt her zieh enden Menschen liegt im hessischen Meldege-
setz51 und in der melderechtlichen An- und Abmeld ung von Personen. So muss die Meldebehörde
aus melderechtlichen Gründen jene Personen, die nicht mehr in Darmstadt wohnen, deren neuer
Zuzugsort aber unbekannt ist, nach vielfach ör tlichen Ermittlungen aus dem Melderegister strei-
chen (=abmelden) und damit den tatsächlichen Ve rhältnissen anpassen. So wird z.B. ein Bürger
aus Asien, der in sein Heimatland zurückkehrt, sich aber in Darmstadt nicht abmeldet, nach „un-
bekannt“ abgemeldet. Die hohe Zahl der Meldun gen mit dem Kennzeichen „unbekannt“ ist also
überwiegend auf ausländische Mitbürger zurückzuführen, die wieder in ihr Heimatland zurückge-
kehrt sind, sich aber nicht abgemeldet haben. Dadurch relativiert sich die äußerst positive Wande-
rungsbilanz Darmstadts mit dem Ausland etwas.
7.8 Motive und Gründe für die Wanderungsbewegung
Bereits h
eute gibt es große Unterschiede bei de n Wanderungsgewinnen und -verlusten in den ver-
schiedenen Regionen und Kreisen Deutschlands. Viele Trends, die sich heute bereits erkennen las-
sen, werden sich in Zukunft fortsetzen und es ist offensichtlich, dass sich auch weiterhin Wohl-
stand und Wachstum in den verschiedenen Region en Deutschlands unterschiedlich verteilen wer-
den.
Welches sind die Motive und Gründe dafür, dass Menschen ihre angestammte Heimat oder ihren
bisherigen Wohnort verlassen und sich in einer anderen Region oder einer Großstadt niederlas-
sen? Wanderung wird ausgelöst, wenn sich Mens chen durch eine Zuwanderung in ein Zielgebiet
einen Arbeits- oder Ausbildungspla tz, höhere Löhne, bess ere öffentliche Infrastruktur oder allge-
mein bessere Lebensbedingungen erhoffen. Die Kosten der Wanderung sind – neben den Umzugs-
kosten – eventuell höhere Lebenshaltungskosten (z.B. höhere Mieten und Nebenkosten in der
Stadt, höhere Ausgaben für den täglichen Bedarf u.a.), ggf. eine andere Lebensqualität durch na-
turfernere städtische Wo hnquartiere und den Verlus t sozialer Netzwerke oder sozialer Beziehun-
gen. Zu beachten bleibt, dass je doch nur eine Befragung der na ch Darmstadt Zuziehenden sowie
der Fortziehenden die Motive der Wanderung klären und tiefere Einblicke in die Wanderungsbewe-
gung geben kann.
51 Für die fachlichen Erläuterungen danken wir Herrn Lothar Trumpfheller, Bürger- und Ordnungsamt, Abteilung Meldewe-
sen.
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
52
Statistische Mitteilungen 1 | 2008
8 Veränderungen in der Altersstruktur in Darmstadt
Die langsame, fast unmerkliche Veränderung der Al tersstruktur in Darmstadt hat in der Zukunft
erhebliche Auswirkungen. Trotz der gegenwärtig positiven Bilanz der Geburten- zu Sterbefällen
und der ebenfalls für Darmstadt positiven Zuwand erungsbilanz ist es dennoch von erheblicher
Bedeutung, die weitere Entwicklung der Altersstru ktur zu beobachten. Di e Veränderung der Al-
tersstruktur hat nicht nur Auswirkungen auf den regionalen Arbeitsmarkt, sondern auch auf Un-
ternehmen und ihre Mitarbeiter/innen, Vermiete r und Immobilieneigentümer, den Einzelhandel,
die sozialen Sicherungs- und Gesundheitssysteme und vieles mehr. So wird sich nicht nur das
Fachkräfte- und Arbeitsplatzangebot, sondern auch die Nachfrage nach seniorengerechten Immo-
bilien, nach einer altengerechten Gesundheitsversorgung und sozialer Infrastruktur (z.B. Einrich-
tungen für Demenzkranke etc.) regional unterschiedlich entwickeln.
Die Entwicklung des Altersaufbaus unserer bundesdeutschen Gesellschaft ist durch die Diskussion
um die Renten und ihre Finanzierung wieder in den Blickpunkt geraten. Bei den in der Demografie
üblicherweise untersuchten Bevölk erungsvorgängen handelt es sich um Prozesse von langsamer
Veränderung, die erst bei der Betr achtung längerer Zeiträume klar zu erkennen und zu prognosti-
zieren sind. Die aktuellen und zukünftigen Trends der Veränderung der Altersstruktur sind jedoch
bereits seit den achtziger Jahren des 20. Jahrh underts in Deutschland durch Analysen und Gut-
achten der Bevölkerungswissenschaften, aber auch durch die Enquete-Kommission „Demografi-
scher Wandel“ des Bundestages bekannt.
Die Altersstruktur der Darmstäd ter Bevölkerung ist für viele Pl anungsbereiche und Untersuchun-
gen von großer Bedeutung, besonders dann, wenn weitere Entwicklungen abgeschätzt oder prog-
nostiziert werden müssen. Grafische Darstellung en der Alters- und Geschlechtsgliederung be-
zeichnet man in der Statistik üblicherweise als Alterspyramide. Doch weist bereits die Altersstruk-
tur der heutigen Darmstädter Bevölkerung nicht mehr jene regelmäßige Pyramidenform auf, wie
sie aus vielen Darstellungen in Lehrbüchern oder der Presse bekannt ist.
Heute ist aus der Alterspyramide ein „Altersbau m“ geworden, der sich nach unten verjüngt und
nach oben eine Krone ausbildet. Extreme Beispiele finden sich bei der Alterspyramide einiger ost-
deutscher Städte, die praktisch auf dem Kopf st ehen: Durch Geburtenrückgang und Fortzug ist
nur noch die Hälfte, manchmal wohnen sogar nur noch ein Drittel der jungen Menschen am Ort.
Die älteren Menschen haben den Wohnort nicht verlassen; die Altersstruktur weist einen hohen
Anteil alter und einen niedrigen Anteil junger Me nschen aus: Daher stellt sich die Pyramide auf
den Kopf. Dies bleibt nicht ohne Folgen für die davon betroffenen Städte, die für ihre Bevölkerung
andere Einrichtungen (Altentreffs statt Jugendzentren z.B.) bereitstellen müssen als Städte mit
höheren Anteilen an Kindern und Jugendlichen. Für die Wissenschaftsstadt ist deshalb eine ge-
nauere Betrachtung der Altersstruktur unserer Bevölkerung geboten, um auch in den Stadtteilen
die sich verändernden Bedarfslagen erkennen zu können.
8.1 Die Grundstruktur der derzeitigen Altersgliederung
Die Be
völkerungen Deutschlands, Hessens und Darmstadts sind durch die geschichtlichen Ereig-
nisse wie zweier Weltkriege, Hungersnöte, „Pillenknick“ und starke Zuwanderung aus dem Aus-
land nach 1960 in ähnlicher Weise beeinflusst worden und weisen daher ähnliche Grundstruktu-
ren auf, die hier kurz zusammengefasst werden.
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
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53
Tabelle 14 Altersstruktur der Bevölk erung in Darmstadt am 31.12.2007
Alter Geburts
jahr Männer Frauen ins-
gesamt in % Alter Geburts-
jahr Männer Frauen ins-
gesamt in %
unter
1 Jahr 2007 724 709 1.433 1,02
50 1957 975 928 1.903 1,35
1 2006 726 642 1.368 0,97 51 1956 973 888 1.861 1,32
2 2005 691 636 1.327 0,94 52 1955 845 841 1.686 1,20
3 2004 634 608 1.242 0,88 53 1954 808 931 1.739 1,23
4 2003 665 645 1.310 0,93 54 1953 791 862 1.653 1,17
5 2002 651 623 1.274 0,90 55 1952 783 855 1.638 1,16
6 2001 623 630 1.253 0,89 56 1951 775 903 1.678 1,19
7 2000 621 616 1.237 0,88 57 1950 805 928 1.733 1,23
8 1999 637 603 1.240 0,88 58 1949 855 901 1.756 1,24
9 1998 648 608 1.256 0,89 59 1948 828 843 1.671 1,18
10 1997 663 578 1.241 0,88 60 1947 745 771 1.516 1,07
11 1996 626 578 1.204 0,85 61 1946 677 666 1.343 0,95
12 1995 563 582 1.145 0,81 62 1945 498 619 1.117 0,79
13 1994 583 591 1.174 0,83 63 1944 722 743 1.465 1,04
14 1993 570 538 1.108 0,79 64 1943 737 795 1.532 1,09
15 1992 639 593 1.232 0,87 65 1942 713 700 1.413 1,00
16 1991 586 603 1.189 0,84 66 1941 809 814 1.623 1,15
17 1990 646 656 1.302 0,92 67 1940 755 909 1.664 1,18
18 1989 622 584 1.206 0,85 68 1939 720 845 1.565 1,11
19 1988 737 706 1.443 1,02 69 1938 693 775 1.468 1,04
20 1987 789 821 1.610 1,14 70 1937 610 719 1.329 0,94
21 1986 905 867 1.772 1,26 71 1936 611 760 1.371 0,97
22 1985 1.041 900 1.941 1,38 72 1935 592 668 1.260 0,89
23 1984 1.128 1.033 2.161 1,53 73 1934 522 631 1.153 0,82
24 1983 1.171 1.056 2.227 1,58 74 1933 412 492 904 0,64
25 1982 1.207 1.148 2.355 1,67 75 1932 351 527 878 0,62
26 1981 1.316 1.240 2.556 1,81 76 1931 378 510 888 0,63
27 1980 1.354 1.174 2.528 1,79 77 1930 403 548 951 0,67
28 1979 1.240 1.142 2.382 1,69 78 1929 364 548 912 0,65
29 1978 1.194 1.108 2.302 1,63 79 1928 375 518 893 0,63
30 1977 1.169 1.071 2.240 1,59 80 1927 313 513 826 0,59
31 1976 1.086 1.039 2.125 1,51 81 1926 294 571 865 0,61
32 1975 1.004 1.062 2.066 1,46 82 1925 240 573 813 0,58
33 1974 996 960 1.956 1,39 83 1924 187 545 732 0,52
34 1973 1.050 978 2.028 1,44 84 1923 216 542 758 0,54
35 1972 1.039 1.012 2.051 1,45 85 1922 161 482 643 0,46
36 1971 1.093 986 2.079 1,47 86 1921 154 450 604 0,43
37 1970 1.147 984 2.131 1,51 87 1920 164 418 582 0,41
38 1969 1.233 1.153 2.386 1,69 88 1919 91 315 406 0,29
39 1968 1.227 1.085 2.312 1,64 89 1918 58 178 236 0,17
40 1967 1.290 1.085 2.375 1,68 90 1917 44 144 188 0,13
41 1966 1.273 1.152 2.425 1,72 91 1916 31 144 175 0,12
42 1965 1.228 1.131 2.359 1,67 92 1915 36 173 209 0,15
43 1964 1.255 1.161 2.416 1,71 93 1914 38 151 189 0,13
44 1963 1.214 1.148 2.362 1,67 94 1913 32 115 147 0,10
45 1962 1.139 1.067 2.206 1,56 95 – 99 56 220 276 0,20
46 1961 1.101 1.042 2.143 1,52 100 und älter 4 25 29 0,02
47 1960 1.050 1.054 2.104 1,49
48 1959 1.041 991 2.032 1,44 insgesamt 69.071 71.987 141.058 100
49 1958 992 1.011 2.003 1,42
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
54
Statistische Mitteilungen 1 | 2008
Einschneidende Ereignisse für die Veränderung der Bevölkerungszusammensetzung waren die
beiden Weltkriege, die insbesondere auf der Seite der Männer viele Kriegstote forderten. Im Ers-
ten Weltkrieg waren vor allem die Geburtsjahrgänge von 1880 bis 1900 betroffen, die jedoch aus
unserer Altersgliederung verschwunden sind. Ferner sind die Geburtsjahrgänge der beiden Ge-
schlechter zwischen 1915 bis etwa 1920 deutlich schwächer vertreten, weil die niedrigere Zahl an
Heiraten und Geburten durch H unger und Mangel hier ihren Ausdruck fand. Durch die Not der
Familien in den Zeiten der Weltwirtschaftskrise zwischen 1930 und 1932 wurde manche Heirat
und mancher Kinderwunsch auf später verschoben. Der Zweite Weltkrieg von 1939 bis 1945 ver-
ursachte vor allem auf Seiten der Männer viele Kriegstote, insbesondere in den Geburtsjahrgängen
von 1915 bis 1925. Ferner führte der Zweite Weltkr ieg und die Not der ersten Nachkriegsjahre zu
einem Geburtenrückgang, der die Jahrgänge 1943 bis 1947 besonders betraf.
Nach Überwindung der unmittelbaren Kriegsfolg en und der ärgsten Woh nungsmisere stiegen die
Heirats- und Geburtenzahlen wied er an und führten zu den am stärksten besetzten Jahrgängen
von 1963 und 1964. Etwa ab 1967 gingen die Geburtenzahlen drastisch zurück, der häufig ver-
antwortlich gemachte „Pillenknick“ war nur ein Mittel für den Wunsch der Paare, eine selbst ge-
wünschte kleinere Zahl von Kindern auf die Welt zu bringen.
Die Alterspyramide wird in der heutigen Zeit du rch neuere Entwicklungen verändert: Dazu zählt
insbesondere die Zuwanderung von Migrantinnen und Migranten und ihren Kindern, die hier eine
neue Heimat finden. Selbstverständlich spielen heute allgemeine Entwicklungen wie Zahl, Qualität
und Sicherheit von Arbeitsplätzen, Infrastruktu rangebote wie Hort oder Kindergarten und die
Quantität und Qualität von Bildungsangeboten fü r den Zu- oder Wegzug von Teilen der Bevölke-
rung eine wichtige Rolle. Die Wanderungsbewegungen durch Zu- oder Fortzug überlagern mittler-
weile die so genannten natürlichen Bevölkerungsvo rgänge wie Zahl der Geburten oder Sterbefälle
und finden ihren Ausdruck auch in der Darmstädter Bevölkerungspyramide.
8.2 Die Alterspyramide der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Auf den wiederg e
gebenen Grafiken sind die Alterspyramiden für die Bevölkerung der Wissen-
schaftsstadt Darmstadt für die Ja hre 1970, 1990 und 2007 dargestellt. Nach rechts sind die ab-
soluten Zahlen der weiblichen Bevölkerung, nach links die der Männer und nach oben ist das Alter
jahrgangsweise abzulesen. Bei der Betrachtung der drei Bevölk erungspyramiden der Darmstädter
Bevölkerung fallen insbesondere folgende Sach-
verhalte auf.
Deutlich ist der tiefe Einschnitt des Geburtenaus-
falls durch den Ersten Weltkrieg zu erkennen, der
sich in der Grafik für 1970 in der Gruppe der Män-
ner und Frauen mit einem Alter von 52 bis
54 Jahren bemerkbar macht. Diese Geburtsjahr-
gänge von 1916 bis 1918 haben teilweise weniger
als die Hälfte der Zahl der Männer der vorherge-
henden Jahrgänge aufzuweisen, für die Frauen
trifft dies ähnlich, aber in etwas anderer Quantität
zu. Bei der Betrachtung der nachfolgenden Grafi-
ken ist das „Wandern“ dieser Kerbe in den Bevöl-
kerungspyramiden bei Männern und Frauen er-
kennbar.
Grafik 7 Alterspyramide 1970
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
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55
In der Grafik für 1990 ist der tiefe Einschnitt um 20 Jahre nach oben gewandert, der Einschnitt ist
in abgeschwächter Form in den Altersgruppen ab circa 72 Jahre er kennbar; in der letzten Grafik
für 2007 kann die Einkerbung nur noch bei den Frauen erkannt werden.
Grafik 8 Alterspyramide 1990
Eine sehr ähnliche „Wanderungsbewegung nach
oben“ von Jahrgängen im zeitlichen Verlauf der
Bevölkerungspyramiden ist auch für die geburten-
starken Jahrgänge leicht nachzuweisen: Wie be-
reits erläutert, waren in der Geschichte der Bun-
desrepublik die geburtenstärksten Jahrgänge die
um die Jahre 1963 und 1964. Diese Kinder waren
in der ersten Grafik für das Jahr 1970 etwa sechs
bis sieben Jahre alt, wie man auf der Seite der
Frauen (und Mädchen) als „Ausbeulung“ der un-
tersten Jahrgänge schön erkennen kann. Bei den
Jungen ist diese Entwicklung auch nachvollzieh-
bar, wenn auch schwächer ausgeprägt.
Die spezifische Ausprägung dieser Altersgruppe
ist auch in den nachfolgenden Pyramiden zu ver-
folgen: Jedoch verbinden sich die starken Darm-
städter Jahrgänge ab einem Alter von etwa 20 Ja hren mit zugezogenen Schülerinnen und Schü-
lern, Studierenden und jungen Auszubildenden sowie Erwerbstätigen. Der Teil der Alterspyramide,
der den Altersbereich von 20 bis 30 Jahre abdeckt, hat in allen drei Pyramiden die stärksten
Jahrgänge.
Grafik 9 Alterspyramide 2007
Besonders deutlich ist der Rückgang der jungen
Generation unterhalb de r genannten Verbreite-
rung geburtsstarker Jahrgänge ersichtlich, so z.B.
in der Alterspyramide für 1990. Während die
Jahrgänge um ein Alter von 25 Jahren herum in
der Alterspyramide von 1990 die stärksten Jahr-
gänge verzeichnen, sind die Zahlen für die Kinder
und Jugendlichen etwa um ein Drittel pro Jahr-
gang niedriger. Im Verlauf der hier dargestellten
Jahre ist dieser Rückgang der Kinderzahlen für
Darmstadt nachweisbar: Ab der Pyramide von
1990 wird deutlich, dass der „Stamm“ des Al-
tersaufbaus dünner wird und sich im weiteren
Verlauf bis 2007 nach oben hin entwickelt. Diese
heute schwach besetzten Jahrgänge bilden in den
kommenden Jahren und Jahrzehnten die Eltern-
generation mit einer noch kleineren Kinderzahl als
heute und entsprechend noch schwächer besetzten Jahrgängen in späterer Zeit.
Aus der neuesten Alterspyramide für 2007 sind wesentliche Strukturen, die uns die nächsten Jah-
re beschäftigen werden, abzulesen: Die Zahl de r Kinder und Jugendlichen, die im unteren Pyra-
midenbereich wiedergegeben sind, beträgt je Jahrgang nur knapp die Hälfte der Erwachsenen im
Alter von circa 40 Jahren. Ferner ist offensichtlich, dass in der Zeitspanne der nächsten dreißig
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
56
Statistische Mitteilungen 1 | 2008
Jahre die Zahl der Rentnerinnen und Rentner fast stetig und deutlich ansteigen wird, da sich die
vorher dargestellte „Ausbeulung“ der starken Ja hrgänge trotz Wanderungsverlusten weiter nach
oben verschieben wird.
Dies ergibt für die zukünftige Bevölkerungsentwicklung in der Wissenschaftsstadt Darmstadt eine
wichtige neue Erkenntnis: Bereits bei den „jungen“ Jahrgängen ab etwa 1963 wird die Alterstruk-
tur und der Altersaufbau der Darmstädterinnen und Darmstädter durch das Wegzugsverhalten
von Familien und das Zuzugsverhalten bildungswilliger junger Menschen deutlich beeinflusst, so
dass von einer „normalen“ Entwicklung für Darmst adt, wie in einem typischen bevölkerungswis-
senschaftlichen Lehrbuch dargestellt, kaum no ch gesprochen werden kann. Die Besonderheit
Darmstadts liegt in dem Gewinn an jungen Mensch en in Ausbildung und Beruf, die die mittlerwei-
le ins Erwachsenenalter aufsteigenden schwächeren Darmstädter Geburtsjahrgänge verstärken
und den „Altersstamm“ stabilisieren (vgl. Kapitel 7).
8.3 Das „Altern“ der Bevölkerung
Die Gruppe
der Seniorinnen und Senioren mit einem Alter von 65 und mehr ist von 1961 bis 1980
stark angewachsen, zwischen 1980 und 2007 liegt der Anteil dieser Altersgruppe an der Gesamt-
bevölkerung einigermaßen konstant um die 18%. In den nächsten Jahren werden die Nachkriegs-
generationen in diese Altersgruppe aufrücken und diese wieder deutlicher ansteigen lassen. Be-
einflusst werden diese Prozesse zudem durch den Zuzug und Fortzug von Seniorinnen und Senio-
ren, die aus Altersgründen (Altersheim), aus familiären Gründen (Wegzug der erwachsenen Kinder
und Enkel) oder anderen Motiven die Stadt verlassen. Bemerkenswert für Darmstadt ist die Beob-
achtung, dass der langfristige Saldo bei Seniorinnen und Senioren, bezogen auf Zu- und Fortzüge,
zumindest ausgeglichen oder sogar positiv ist. Da rmstadt ist für Seniorinnen und Senioren eine
attraktive Stadt, die durch ihr kulturelles und ur banes Angebot viele ältere Menschen in der Stadt
hält oder sie sogar anzieht.
Die Altenhilfeplanung
52 d e r
Wissenschaftsstadt hat diese
Entwicklung der Altersstruk-
tur bereits berücksichtigt.
Die besondere Entwicklung
zeigt ein Vergleich der Alters-
gruppenstärken der Jahre
1970 und 2007, wenn man
die Altersstruktur der Perso-
nen von 70 Jahren und älter
betrachtet. Durch die höhere
Lebenserwartung der Senio-
rinnen im Vergleich zu den
Senioren haben sich in den
letzten Jahren starke Verän-
derungen in den hohen und
höchsten Altersgruppen erge-
ben.
Grafik 10 Vergleich der Altersgruppen-
stärke 1970 zu 2007
52 Wissenschaftsstadt Darmstadt, Der Magistrat, Bericht zur Altenhilfeplanung. Selbstbestimmt Älterwerden in Darmstadt,
Darmstadt 2004
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
57
Bei der Verteilung der Altersstruktur in 1970 gehen ganz klassisch die Zahlen von den Altersklas-
sen ab 70 Jahren für Männer und Frauen mit z unehmendem Alter zurück. Umso älter die Perso-
nen, umso weniger Seniorinnen und Senioren hat der jeweilige Jahrgang. Durch verschiedene Ur-
sachen hat sich seit 1970 die Entwicklung der Zahl der älteren Jahrgänge deutlich verändert: Mitt-
lerweile ist die Zahl der älteren Frauen zwisch en 74 und 86 Jahren pro Jahrgang fast gleich
geblieben, während die Zahl der Männer mit zu nehmendem Alter in den Jahrgangsgruppen wei-
terhin zurückgeht. In den meisten Jahrgängen zwischen 74 und 86 Jahren sind deshalb doppelt
und teilweise dreimal so viele Seniorinnen wie Senioren vorhanden.
Dieses in der Vergangenheit praktisch unbekannt e Phänomen eines sehr hohen Anteils älterer
Mitbürgerinnen muss bei der künftigen Altenhilfeplanung der Wissenschaftsstadt stärker berück-
sichtigt werden. Für die zukünftige städtische Planung ist der Anteil der 80-jährigen und älteren
Menschen – mit dem dargestellten hohen Frauenanteil – von wachsender Bedeutung. Hier gilt
generell, dass für Senioren mit zunehmendem Alter die Wahrscheinlichkeit steigt, Hilfen Dritter in
Anspruch nehmen zu müssen. In den nächsten Ja hren ist mit einem zunehmenden Anteil an so
genannten Hochbetagten (Personen über 80 Jahre) zu rechnen, die spezif isch andere Bedarfsla-
gen haben als jüngere Seniorinne n und Senioren. In einem gemeinsamen Forschungsprojekt der
Wissenschaftsstadt Darmstadt und der Ruprecht-Kar ls-Universität Heidelberg wurden diese be-
sonderen Bedarfslagen jüngerer und älterer Seni orinnen und Senioren, die sich teilweise deutlich
unterscheiden können, am Beispiel des Darmstädter Stadtteils Arheilgen untersucht
53 .
8.4 Kleinräumige Unterschiede in der Altersstruktur
Die Alters
gruppen sind in Darmstadt unterschiedlich verteilt – diese regionale Verteilung verschie-
dener Altersgruppen ist in der Stadtgebietsfläche deutlich nachweisbar; so gibt es Stadtteile, die
z.B. einen höheren Anteil junger Familien, mehr Studierende oder mehr ältere Einwohnerinnen
und Einwohner als andere Stadtteile haben.
In Tabelle 15 sind die absoluten Zahlen sowie
die Bevölkerungsanteile an den Altersgruppen
für die Statistischen Bezirke Darmstadts wie-
dergegeben. Zur besse ren Veranschaulichung
sind die demografischen Daten der Altersgrup-
pen in vier Stadtkarten umgesetzt, die nachfol-
gend erläutert werden.
In der ersten Kartengrafik (blaue Farbe) ist der
Bevölkerungsanteil der Altersgruppe von 0 bis
unter 18 Jahre in seiner Verteilung über das
Stadtgebiet dargestellt. Dunkelblau sind
diejenigen Stadtviertel, die einen Anteil an
Kindern und Jugendlichen an allen Bewohnern
von über 20% im Bezirk haben. Auffällig sind
die Stadtteile Kranichstein, Teile von Arheilgen
und die Kirchtannensiedlung in Eberstadt-Süd,
die einen sehr hohen Anteil an jungen
Menschen haben.
Grafik 11 Anteile der 0 bis unter 18-jährigen
53 Annette Hieber, Frank Oswald, Christoph Rott und Hans-Werner Wahl, Selbstbestimmt Älterwerden in Arheilgen, Dieses
Gemeinschaftsprojekt wurde von der Sozialverwaltung der Wissenschaftsstadt Darmstadt und der Ruprecht-Karls-
Universität Heidelberg mit Unterstützung des Amts für Wirtschaft und Stadtentwicklung durchgeführt
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
58
Statistische Mitteilungen 1 | 2008
Durch das langjährige Bevölkerungsmonitoring sind die beiden Statistischen Bezirke Kranichstein-
Süd (Statistischer Bezirk 910) und die Kirchtannensiedlung (750) als junge Stadtteile bekannt;
einen ebenso hohen Anteil mit über 20% an jung en Menschen hat auch der Statistische Bezirk
920 Kranichstein-Nord. Der in Darmstadts Westen gelegene Bezirk Am Kavalleriesand (540) mit
einem Anteil junger Menschen von über 20% ha t jedoch nur wenige Einwohner (etwas über 700
Personen) in einem überwiegend gewerblich genutzten Stadtviertel.
Grafik 12 Anteil der 18 bis unter 40-jährigen
Der Bevölkerungsanteil der Personen mit ei-
nem Alter zwischen 18 und 40 Jahren ist in
Darmstadt sehr auf die innerstädtischen Berei-
che konzentriert, wie aus der nächsten Grafik
(rote Farbe) hervorgeht. Mehr als die Hälfte
aller Einwohnerinnen und Einwohner der Sta-
tistischen Bezirke Rheintor/ Grafenstraße
(120) und Hochschulviertel (130) sind junge
Menschen im angegebenen Alter, in weiteren
Bezirken um die TU Darmstadt herum wie im
Morneweg- und Pallaswiesenviertel (250 und
260) oder im Bogen um den Rhönring lebt ein
höherer Anteil junger Menschen als im rest-
lichen Stadtgebiet. Große Teile der Darm-
städter Studentinnen und Studenten wohnen in
innenstadtnahen mehrstöckigen Mehrfamilien-
häusern mit älterer Baustruktur, in Wohnge-
meinschaften und kleinen Appartements.
Auch der Bevölkerungsanteil der Altersgruppe
von 40 bis unter 65 Jahre (grüne Farbe) ist
nicht gleichmäßig über das Stadtgebiet ver-
teilt, höhere Anteile von über 37% haben die
Statistischen Bezirke in Eberstadt mit der Vil-
lenkolonie (730) und der Bezirk Am Franken-
stein (740). In Darmstadts Westen, in der
Stadtmitte, im Osten und in Bessungen ist
diese Bevölkerungsgruppe eher unterrepräsen-
tiert; im Darmstädter Süden und im Norden
sind die Stadtteile, in denen diese Alters-
gruppe – statistisch gesehen – häufiger anzu-
treffen ist. Dies sind die Wohnorte der über-
wiegend erwerbstätigen Bevölkerung und der
im Berufsleben stehenden Ehepaare und Fa-
milien, wie es sich auch aus dem Vergleich mit
der Siedlungsstruktur dieser statistischen Be-
zirke erschließt. In den von dieser Altersgruppe
bewohnten Statistischen Bezirken ist der Anteil
an Ein- und Zweifamilienhäusern deutlich hö-
her als im übrigen Stadtgebiet.
Grafik 13 Anteil der 40 bis unter 65-jährigen
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
59
Seniorinnen und Senioren leben vorwiegend im Darmstädter Osten, aber auch in Eberstadt und in
Arheilgen; besonders auffällig (gelbe Farbe) sind auch jene statistischen Bezirke, in denen sich
Seniorenheime54 befinden. Zu beachten ist,
dass in Arheilgen-Süd das DRK-Senioren-
zentrum „Fiedlersee“ liegt (620), am Südbahn-
hof (510) das Altenheim Darmstadt in der Rü-
desheimer Straße und im Statistischen Bezirk
„Am Oberfeld“ das Altenzentrum an der Ro-
senhöhe (310). Der Bezirk „Am Lämmches-
berg“ (720) verfügt zwar über keine stationäre
Einrichtung für Seniorinnen und Senioren, ist
aber ein mit der dort lebenden Bevölkerung
„gealterter“ Wohnbezirk geworden, wie auch
die Siedlungsstruktur belegt. Sozusagen „ver-
jüngt“ hat sich die Heimstättensiedlung durch
die neuen Wohnmöglichkeiten im Ernst-Lud-
wig-Park; mit dem Einzug vieler junger Fami-
lien dort ist auch der Anteil der Personen über
65 Jahre in der Heimstättensiedlung unter die
20-Prozent-Marke gefallen und deshalb nicht
mehr „im gelben Bereich“ der Stadtkarte.
Grafik 14 Anteil der 65-jährigen und älter
Die Stadtteile mit einem derzeit bereits hohen Anteil an Seniorinnen und Senioren werden auch
künftig einen weiteren Zuwachs verzeichnen. Die Stadtteile mit derzeit viel en "jungen Alten" und
Personen zwischen 40 und 65 Jahren in Darmstadts Norden und Süden werden sich zu Stadttei-
len mit überdurchschnittlich vielen Älteren entwickeln. Hier erscheint es wichtig, dass dem damit
einhergehenden erhöhten Bedarf an Infrastruktur zur Erhaltung eines selbst bestimmten Lebens
Rechnung getragen wird. Als Infr astrukturelemente sind wohnortnahe Einkaufsmöglichkeiten für
den täglichen Bedarf und ein gu t ausgebautes Nahverkehrsnetz un verzichtbar. Vor dem Hinter-
grund, dass Altern oft auch mit einem höherem Hilf e- und Pflegebedarf einhergeht, ist der Aufbau
von niederschwelligen Hilfen (Begleitdienste bei Einkäufen, Arztbesuchen, Veranstaltungen) hilf-
reich, um ein längstmögliches Verbleiben in der häuslichen Umgebung zu garantieren, wie unter
anderem die Befragung der Seniorinnen und Senioren im Stadtteil Arheilgen ergab55.
Die Untersuchung der Altersstruktur der aktuellen Darmstädter Bevölkerung ergibt, dass die Stadt
– im bundesweiten Vergleich zu anderen Städte n – einen hohen Anteil an jungen Menschen als
Bewohner hat. Dies ist ein wichti ges Potenzial für die zukünftige Entwicklung der Stadt. Die älter
werdende Bevölkerung, und hierbei besonders di e Altersgruppe zwischen 40 und 65, die auch
quantitativ weiter an Bedeutung gewinnen wird, darf jedoch keinesfalls vernachlässigt werden.
Wie stark werden die Anteile der Seniorinnen und Senioren in den nächsten Jahren in Darmstadt
zunehmen? Wie viele Kinder werden in den nächst en Jahren geboren und was bedeutet dies z.B.
für die Darmstädter Krippen-, Hort - und Kindergartenplanung? Diese wichtigen, für die zukünftige
Entwicklung dieser Stadt wesentlichen Fragen werden im Kapitel 9 mit einer detaillierten Bevölke-
rungsvorausberechnung für Darmstadt bis 2025 beantwortet.
54 siehe dazu Altenhilfeplan der Wissenschaftsstadt Darmstadt
55 siehe dazu ausführlich Annette Hieber, Frank Oswald, Christoph Rott und Hans-Werner Wahl, Selbstbestimmt Älterwer-
den in Arheilgen, Abschlussbericht, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Heidelberg 2006
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
60
Statistische Mitteilungen 1 | 2008
Tabelle 15 Bevölkerung nach Altersgruppen und statistischen Bezirken am 31.12.2007
Alter von ... bis unter ... Jahre
Statistische Bezirke/ 0 - 18 18 - 40 40 - 65 65 und älter
Stadtteile absolut in % absolut in % absolut in % absolut in %
insgesamt
110 Stadtzentrum 151 10,9 676 49,0 388 28,1 166 12,0 1.381
120 Rheintor/Grafenstraße 281 7,8 1.899 52,8 919 25,6 496 13,8 3.595
130 Hochschulviertel 79 13,4 309 52,4 166 28,1 36 6,1 590
140 Kapellplatzviertel 687 13,0 1.935 36,7 1.654 31,4 992 18,8 5.268
150 St. Ludwig mit Eichbergviertel 735 11,6 2.525 40,0 1.900 30,1 1.154 18,3 6.314
100 DA-MITTE 1.933 11,3 7.344 42,8 5.027 29,3 2.844 16,6 17.148
210 Johannesviertel 709 15,0 1.920 40,7 1.621 34,3 470 10,0 4.720
220 Martinsviertel-West 802 14,3 2.301 41,1 1.789 31,9 708 12,6 5.600
230 Martinsviertel-Ost 825 15,4 2.183 40,8 1.705 31,8 643 12,0 5.356
240 Waldkolonie 805 19,3 1.252 30,0 1.403 33,6 715 17,1 4.175
250 Bahnhofsviertel 89 13,2 316 46,7 197 29,1 74 10,9 676
260 Industrieviertel 382 14,6 1.076 41,2 815 31,2 340 13,0 2.613
270 Am Ziegelbusch 596 12,5 2.030 42,5 1.240 26,0 911 19,1 4.777
200 DA-NORD 4.208 15,1 11.078 39,7 8.770 31,4 3.861 13,8 27.917
310 Am Oberfeld 500 14,6 723 21,2 1.190 34,8 1.002 29,3 3.415
320 Mathildenhöhe 299 11,5 990 38,2 813 31,4 490 18,9 2.592
330 Woogsviertel 606 12,8 1.737 36,7 1.538 32,5 852 18,0 4.733
340 An den Lichtwiesen 366 16,9 585 27,1 751 34,8 459 21,2 2.161
300 DA-OST 1.771 13,7 4.035 31,3 4.292 33,3 2.803 21,7 12.901
410 Paulusviertel 824 15,6 1.682 31,8 1.755 33,2 1.025 19,4 5.286
420 Alt-Bessungen 887 14,9 2.055 34,5 2.082 34,9 934 15,7 5.958
430 An der Ludwigshöhe 277 17,6 373 23,7 551 35,1 371 23,6 1.572
400 DA-BESSUNGEN 1.988 15,5 4.110 32,1 4.388 34,2 2.330 18,2 12.816
510 Am Südbahnhof 431 14,4 860 28,7 922 30,8 783 26,1 2.996
520 Heimstättensiedlung 1.188 17,8 1.850 27,7 2.369 35,4 1.276 19,1 6.683
530 Verlegerviertel 672 14,4 1.755 37,7 1.536 33,0 688 14,8 4.651
540 Am Kavalleriesand 160 22,2 222 30,8 219 30,4 120 16,6 721
500 DA-WEST 2.451 16,3 4.687 31,1 5.046 33,5 2.867 19,0 15.051
Darmstadt-Innenstadt 12.351 14,4 31.254 36,4 27.523 32,1 14.705 17,1 85.833
610 Alt-Arheilgen 722 17,4 1.226 29,5 1.461 35,1 751 18,1 4.160
620 Arheilgen-Süd 649 16,1 934 23,1 1.283 31,7 1.175 29,1 4.041
630 Arheilgen-West 1.424 20,4 2.025 29,0 2.350 33,6 1.191 17,0 6.990
640 Arheilgen-Ost 266 16,5 412 25,6 581 36,1 351 21,8 1.610
600 DA-ARHEILGEN 3.061 18,2 4.597 27,4 5.675 33,8 3.468 20,6 16.801
710 Alt-Eberstadt 821 16,2 1.399 27,6 1.846 36,4 1.008 19,9 5.074
720 Am Lämmchesberg 538 15,9 791 23,3 1.188 35,0 875 25,8 3.392
730 Villenkolonie 596 15,4 814 21,1 1.469 38,1 979 25,4 3.858
740 Am Frankenstein 465 14,2 721 22,1 1.278 39,1 802 24,6 3.266
750 Kirchtannensiedlung 1.300 21,3 1.755 28,8 1.951 32,0 1.091 17,9 6.097
700 DA-EBERSTADT 3.720 17,2 5.480 25,3 7.732 35,7 4.755 21,9 21.687
810 Wixhausen-West 373 16,7 606 27,1 807 36,0 454 20,3 2.240
820 Wixhausen-Ost 540 15,3 1.004 28,4 1.300 36,8 692 19,6 3.536
800 DA-WIXHAUSEN 913 15,8 1.610 27,9 2.107 36,5 1.146 19,8 5.776
910 Kranichstein-Süd 1.802 23,7 2.045 26,9 2.460 32,3 1.303 17,1 7.610
920 Kranichstein-Nord 688 20,5 871 26,0 1.219 36,4 573 17,1 3.351
900 DA-KRANICHSTEIN 2.490 22,7 2.916 26,6 3.679 33,6 1.876 17,1 10.961
Darmstadt-Außenbezirke 10.184 18,4 14.603 26,4 19.193 34,8 11.245 20,4 55.225
Stadtgebiet insgesamt 22.535 16,0 45.857 32,5 46.716 33,1 25.950 18,4 141.058
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
61
Prognosen und Perspektiven
9 Die demografische Entwicklung Darmstadts bis 2025
9.1 Die Bedeutung der demografischen Entwicklung
Die F
olgen des demografischen Wandels und die künftige Bevölkerungsentwicklung haben teilwei-
se enorme Auswirkungen auf die Infrastruktur der Städte, wie z.B. die Zahl und Größe der Kinder-
tagesstätten, Schulen, Jugend- und Alteneinrich tungen, Sport- und Frei zeiteinrichtungen aber
auch die Ver- und Entsorgung. Ferner sind die Entwicklung des Immobilienmarktes und der Wohn-
raumversorgung, Straßenbau und Verkehrsplanung, der kommunale Haushalt und die öffentlichen
Finanzen strukturell an die Bevölkerungsentwicklung gekoppelt. Ohne qualifizierte Fachkräfte sto-
ßen auch Unternehmen an Grenzen des Wachstums, wenn Aufträge wegen Personalmangel abge-
lehnt oder Qualitätsstandards aus Expertenmangel nicht garantiert werden können.
Von großer Bedeutung sind dahe r verlässliche Aussagen über die demografische Entwicklung
Darmstadts in den kommenden Jahren. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Veränderung des Al-
tersaufbaus und der „Stärke“ der Altersgruppen, weil diese in direktem Zusammenhang mit der
städtischen Infrastrukturplanung, der Stadtentwicklung und der wirtschaftlichen und sozialen
Entwicklung insgesamt stehen.
Neben den derzeit aktuellen Bevölkerungsvor ausberechnungen des Stat istischen Bundesamtes
56
sind eine größere Anzahl von neueren Studien über die zukünftige demografische Entwicklung der
Bundesrepublik insgesamt und des Landes Hessen erschienen. Insbesondere dem Hessischen
Statistischen Landesamt57 und der HessenAgentur 58 ist es zu verdanken, dass nun auch für Hes-
sen auf der Ebene der Kreise und kreisfreien Städte aktuelle und differenzierte Daten zur demo-
grafischen Entwicklung vorliegen. Je nach Datengrundlage, Erkenntnis und Erscheinungszeitpunkt
der jeweiligen Untersuchung erge ben sich etwas unterschiedliche Sichtweisen auf die demografi-
sche Zukunft Darmstadts (vgl. Kapitel 9.8).
Im Mittelpunkt dieses Kapitels steht jedoch die eigene Bevölkerungsvorausberechnung der Wis-
senschaftsstadt Darmstadt, die auf der Basis aktu eller Daten, moderner demografischer Theorien
und zeitgemäßer statistischer Methodik beruht. Vor allem die weitere quantitative Entwicklung der
Altersgruppen bis zum Jahr 2025 ist für die städti sche Entwicklung von höchstem Interesse. Fer-
ner werden Instrumente und Methoden des demografischen „Monitorings“ vorgestellt, die für die
vorliegenden Analysen bereits eingesetzt wurden, und die auch in Zukunft helfen sollen, die weite-
re Entwicklung des demografischen Wandels zu beobachten und gegebene nfalls positiv im ge-
samtstädtischen Sinne zu beeinflussen.
9.2 Methoden der Bevölkerungsvorausberechnung
Bevöl
kerungsvorausberechnungen sind keine Prognos en, denn das Ziel ist nicht die exakte, prin-
zipiell nicht mögliche Vorhersage der zukünftigen Bevölkerungszahl von Darmstadt. Die aufwändi-
ge Berechnung zeigt vielmehr, welche Bevölkerun gsentwicklung unter Berücksichtigung verschie-
dener, wahrscheinlich eintretender Annahmen realistisch erwartet werden kann. Sie berücksichtigt
56 Statistisches Bundesamt, Bevölkerung Deutschlands bis 2050, 11. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, Wies-
baden 2007
57 Hessisches Statistisches Landesamt, Bevölkerung in Hessen 2050. Ergebnisse der regionalisierten Bevölkerungsvoraus-
berechnung bis 2025 auf der Basis 01.01.2007, Wiesbaden 2008. Die 10. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung
findet sich unter Hessisches Statistisches Landesamt, Bevölkerung in Hessen 2050. Die demografische Entwicklung in
Hessen bis 2050, Präsentation in der Enquete-Kommission „Demografischer Wandel“, Wiesbaden 2004
58 Uwe van den Busch, Bevölkerungsvorausschätzung für die hessischen Landkreise und kreisfreien Städte. Eine Projektion
fü den Zeitraum von 2007 bis 2030 und eine Trendfortschreibung bis 2050, HessenAgentur GmbH, Report Nr. 720, Wies-
baden 2007
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
62
Statistische Mitteilungen 1 | 2008
daher nur Faktoren, die in die Modelle eingegangen sind und zeigt die Richtung und das erwartba-
re ungefähre Ausmaß der weiteren Entwicklun g an. Professionelle Bevölkerungsvorausberechnun-
gen sind deshalb realistische „Szenarien“ mögl icher Entwicklungen unter definierten Modellan-
nahmen. Die Annahmen beziehen sich in der Re gel auf die weitere Entwicklung der Geburtenzah-
len, der Sterblichkeit und der Wanderungen (Zu- und Fortzüge aus Darmstadt).
Bekanntlich können sich durch politische, wirtsc haftliche und gesellschaftliche Rahmenbedingun-
gen maßgebliche Einflussgrößen wie Wanderungen oder Geburtenrate ändern. Das vorrangige Ziel
ist deshalb, die Veränderung vo n Bevölkerungsdaten und -strukturen unter bestimmten, aus den
derzeit gültigen Rahmenbedingungen abgeleiteten Annahmen zu berechnen. Die hier angewandte
Methode ist in der Städtestatistik üblich, erprob t und beruht – methodisch gesehen – auf einer
Komponentenfortschreibung mit Annahmen.
9.3 Annahmen und Basisdaten für Darmstadt
Von entsch eidend
er Bedeutung für die realisti sche Modellbildung einer Bevölkerungsvorausbe-
rechnung sind gute Annahmen und möglichst aktu elle Basisdaten. In den vorangegangenen Kapi-
teln wurden die statistischen Basisdaten zur En twicklung der Geburten, der Sterberate und der
Wanderungsbewegungen für die hier folgende Bevölkerungsvorausberechnung bereits vorgestellt.
Als Basis wird der Bevölkerungsbestand aus de r städtischen Fortschreibung zum 31.12.2007
nach Geschlecht und Alter zugrunde gelegt, ferner die Geburtenziffern für Frauen im Alter von 15
bis 45 Jahre und die aktuelle Sterbetafel des Statistischen Bundesamtes. Vorrangiges Ziel ist es
nun, die absolute Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner mit Hauptwohnung in Darmstadt bis
zum Jahr 2025 und besonders die Verteilung der Altersstruktur nach Altersgruppen zu ermitteln.
Wie aus den bisherigen Analysen (vgl. Kapitel 6–8) hervorgeht, ist die Bedeutung der Wande-
rungsbewegung für die zukünftige Darmstädter Entwicklung entscheidend. Um Annahmen über
die Wanderungen der nächsten 15 Jahre zu treffen, wurde das Wanderungsverhalten der letzten
15 Jahre differenziert analysiert und eingearbeitet. Darmstadt hatte in der Zeit von 1993 bis 2007
einen durchschnittlichen jährlichen Wanderungsgewinn von 409 Personen. Dies ist eine außeror-
dentlich hohe durchschnittliche Zu wanderung in die Wissenschaftsst adt; in den letzten fünf Jah-
ren lag dieser Wert sogar noch höher. Für die weitere Betrachtung werden die Wanderungen ana-
log der Entwicklung der Jahre 1993 – 2007 nach Gesc hlecht und Altersstruktur zugrunde gelegt:
Es wird somit angenommen, dass z.B. starke Zuzüge bzw. Fortzüge in den gleichen Altersgruppen
erfolgen, die auch in den letzten 15 Jahren dominant waren.
Für eine realistische Modellbildung werden 3 Varianten der Wanderungsbewegung angenommen:
Variante 1: Der jährliche Wanderungsgewinn beträgt 200 Personen und ist in den folgenden
Diagrammen als grüne Linie dargestellt.
Variante 2: Jährlich werden 400 Zuzüge mehr als Fortzüge angenommen, Darmstadts Wande-
rungsgewinn beträgt jährlich 400 Personen und ist durch die rote Farbe erkennbar.
Variante 3: Jährlich werden 600 Zuzüge mehr als Fortzüge angenommen, der Wanderungsge-
winn ist jährlich gleich 600 Personen und wird in den Diagrammen in blauer Farbe
wiedergegeben
Die Variante 2 ergibt für die weitere Entwickl ung Darmstadts bis 2025 di e realistischsten Ergeb-
nisse, die Varianten 1 und 3 sind die Alternativrechnungen für eine stärkere Zuwanderung (Varian-
te 3) oder eine schwächere Zuwanderung (Variante 1). Innerhalb dieser „Bandbreite“ wird sich
nach derzeitigem Wissensstand die weitere Entwicklung Darmstadts vollziehen. Die jährliche
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
63
Weiterberechnung der Altersgruppen und der Gesamteinwohnerzah l beruht auf den jeweiligen
Ergebnissen des Vorjahres unter Einbeziehung der Geburten, der Sterbefälle und der Wande-
rungsbewegung.
9.4 Ergebnisse: Entwicklung der Gesamtbevölkerung Darmstadts
Bei den drei Annahme
n wird in der Variante 1 im Jahr 2025 die Bevölkerungszahl Darmstadts
141.131 Personen betragen. Dies bedeutet, dass selbst bei einer Abschwächung der positiven
Wanderungsbewegung die gegenwärtige Bevölker ungszahl Darmstadts mehr oder weniger kon-
stant bleiben wird. Die Variante 1 wurde mit einem Ansatz von 200 Personen durch Zuwande-
rungsgewinn pro Jahr berechnet, und trotzdem wird die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner
in dieser Variante bis 2025 stabil bleiben. Be i Variante 2 ergibt sich für 2025 bereits 145.197
Personen und bei Variante 3 eine kontinuierliche Erhöhung auf 149.262 Personen.
Der zeitliche Verlauf der Bevölk erungsvorausberechnung – unter di esen vorsichtig gewählten An-
nahmen – ist im Schaubild für die drei verschiede nen Varianten dargestellt. In der Grafik ist er-
kennbar, dass bei Variante 3 ein sehr deutlicher Bevölkerungszuwachs in Darmstadt zu verzeich-
nen ist, bei Variante 2 ein leichter, stetiger Zuwachs bis zum Jahr 2025. Nur bei Variante 1 ist mit
einer gleich bleibend stabilen Bevölkerungsentwicklung in Darmstadt zu rechnen.
Insgesamt ist davon auszugehen, dass nach einer Fortschreibung der Trends der letzten Jahre die
Bevölkerungszahl Darmstadts in den nächsten Jahren bis 2025 sogar deutlich höher als zum ge-
genwärtigen Zeitpunkt liegen wird. Der höchste Stand der Bevölkerungszahl in Darmstadt lag als
bisheriger „Rekord“ im Jahre 1972 bei 142.133 Ei nwohnern; es ist davon auszugehen, dass bei
Variante 3 dieser Rekord noch vor dem Jahr 2010 übertroffen wird, bei Variante 2 kurz danach.
Tabelle 16 Einwohnerzahl bis 2007 und Bevölkerungsvorausberechnung bis 2025
2007 2010 2015 2020 2025
+ 200 141.058 141.314 141.519 141.462 141.131
+ 400 141.058 141.923 143.213 144.319 145.197
+ 600 141.058 142.533 144.907 147.175 149.262
130.000
132.000
134.000
136.000
138.000
140.000
142.000
144.000
146.000
148.000
150.000
1993 1995 1997 1999 2001 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019 2021 2023 2025
Einwohnerzahl Jährlicher Wanderungsfaktor:
200 400 600
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
64
Statistische Mitteilungen 1 | 2008
9.5 Entwicklung der Alterspyramide
Wie sich der Al
tersaufbau der Darmstädter Bevölkerung bis 2025 ändern wird, ist an der Alterspy-
ramide ablesbar. Alle drei Varianten unterscheiden sich bei der weiteren Entwicklung der Alters-
pyramide wenig, deshalb ist hier die mittlere Variante 2 dargestellt. Die so genannten starken
Jahrgänge der 1960-er Jahre wachsen weiter nach oben auf der Altersskala, so sind in 2007 die
sehr stark besetzten Alters gruppen etwa um die 40
Jahre alt und in 2025 bei circa 60 Jahren, nicht
mehr weit vom Rentenalter entfernt (vgl. Kapitel 8).
Die jüngsten Generationen (Altersgruppe von 0 bis
unter 10 Jahre) sind, bei Jungen wie bei Mädchen,
nur etwa halb so stark besetzt wie die stärksten
Jahrgänge. Erfreulich ist jedoch, dass in Darmstadt
die jüngsten Jahrgänge wieder etwas mehr Kinder
ausweisen als noch vor 5 oder 10 Jahren. Bei den
Personen über 80 Jahren wird die höhere Anzahl
von Frauen im jeweiligen Altersjahrgang gegenüber
der Anzahl der Männer deutlich.
Grafik 15 Alterspyramide 2025
9.6 Entwicklung und Veränderung der Bevöl kerung nach Altersgruppen
Neben der weiteren Entwicklung der Gesamtzahl der Darmstädter Bevölkerung bis 2025 ist für
städtische und andere Planungen die Entwicklun g spezifischer Altersgruppen von größter Bedeu-
tung. Darin liegt auch die Besonderheit der hier vorgestellten Bevölkerungsvorausberechnung, da
andere Studien zwar die zukünftige Gesamtbevö lkerung vorausberechnen, die Aussagen zu den
Altersgruppen aber häufig mangels differenzierter Daten fehlen.
9.6.1 Altersgruppe 0 bis unter 3 Jahre
Bei der Entwickl
ung der Bevölkerung in der Altersgruppe 0 bis unter 3 Jahre fällt die unterschied-
liche Entwicklung in den drei Vari anten deutlich auf. Die Variante 2 zeigt eine sehr stabile Phase
bis 2025. In der Variante 1 sinkt die Kinderzahl sehr langsam, um erst gegen 2025 in eine etwas
stabilere Phase mit etwa 200 Kindern weniger als heute zu kommen.
Tabelle 17 Entwicklung der Bevölkerung in der Altersgruppe 0 bis unter 3 Jahre
Jährlicher
Wanderungsfaktor
Jahr
+ 200 + 400 + 600
2007 4.128 4.128 4.128
2010 4.085 4.107 4.128
2015 4.053 4.134 4.216
2020 3.979 4.115 4.250
2025 3.935 4.105 4.276
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
65
In der Variante 3 ist die Kinderzahl in dieser Altersgruppe stets leicht steigend, bis 2025 erhöht
sich die Zahl der Kinder um etwa 150. Hier wi rd deutlich, welch große Bedeutung die Wanderung
– in erster Linie der Zuzug von jungen Frauen – hat.
9.6.2 Altersgruppe 3 bis unter 6 Jahre
Bei der Entwick
lung der Bevölkerung in der Altersgruppe 3 bis unter 6 Jahre ist bei allen drei Va-
rianten die Entwicklung relativ ähnlich wie bei der soeben vorgestellten Altersklasse. In der „Stan-
dard“-Variante 2 stabilisiert sich die Zahl der Kinder bis 2025 auf leicht hö herem Niveau; in Vari-
ante 1 ist ein fast vernachlässigbarer Rückgang der Kinder in dieser Altersgruppe bis 2025 mög-
lich. In Variante 3 wird die Zahl der Kinder in der Altersgruppe 3 bis unter 6 Jahre bis 2025 um
etwa 250 Kinder zunehmen.
Tabelle 18 Entwicklung der Bevölkerung in der Altersgruppe 3 bis unter 6 Jahre
Jährlicher
Wanderungsfaktor
Jahr
+ 200 + 400 + 600
2007 3.826 3.826 3.826
2010 3.934 3.950 3.967
2015 3.881 3.942 4.003
2020 3.833 3.953 4.074
2025 3.760 3.928 4.096
9.6.3 Altersgruppe 6 bis unter 15 Jahre
Eine
völlig andere Entwicklung als in den beiden soeben dargestellten Altersgruppen der Vor-
schulkinder ergibt sich bei der weiteren Entwic klung der Bevölkerung in der Altersgruppe 6 bis
unter 15 Jahre: Hier ist in allen drei Varianten, wenn auch unterschiedlich ausgeprägt, vorerst mit
einem weiteren Zuwachs zu rechnen.
Tabelle 19 Entwicklung der Bevölkerung in der Altersgruppe 6 bis unter 15 Jahre
Jährlicher
Wanderungsfaktor
Jahr
+ 200 + 400 + 600
2007 10.858 10.858 10.858
2010 11.172 11.202 11.233
2015 11.344 11.442 11.541
2020 11.409 11.629 11.848
2025 11.236 11.624 12.012
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
66
Statistische Mitteilungen 1 | 2008
Die Schülerzahlen werden auch in den kommenden Ja hren weiter ansteigen; einzig in der Varian-
te 1 wird nach dem Höhepunkt im Jahr 2020 sich die Zahl langsam bis 2025 vermindern. In Vari-
ante 2 werden die Schülerzahlen bis 2025 um circa 700 Kinder zunehmen, in Variante 3 um mehr
als 1.000 Kinder. Die Entwicklung ist generell se hr stark von der Wanderungsbewegung geprägt,
wobei in allen drei Varianten bis 2020 mit teilwei se stark steigenden Sc hülerinnen- und Schüler-
zahlen zu rechnen ist. Insbesondere die Entwic klung der Kinder und Jugendlichen in dieser Al-
tersgruppe muss in den kommenden Jahren per statistischem Monitoring genau beobachtet wer-
den, um zu einer verlässlichen Schulentwicklungsplanung beizutragen.
9.6.4 Altersgruppe 15 bis unter 20 Jahre
Recht stabil
ist die Entwicklung der Bevölkerung in der Altersgruppe von 15 bis unter 20 Jahre bis
etwa zum Jahr 2012; danach wird sich in allen dr ei Varianten eine Steigerung der Bevölkerungs-
zahl dieser Altersgruppe ergeben. Hierbei spielt die Wanderungsbewegung keine so bedeutsame
Rolle mehr, da in dieser Altersgruppe (bzw. bei den Eltern) die Zu- bzw. Fortzüge nicht so domi-
nierend sind. Die Veränderungen, die ab circa 2013 einen Zuwachs in diesen Jahrgängen erwarten
lassen, beruhen hauptsächlich auf dem Nachrück en der unterschiedlich starken Geburtsjahrgän-
ge. So wird die Anzahl der Jugendlichen in de r Altersgruppe 15 bis unter 20 Jahre von derzeit
6.372 in 2007 voraussichtlich um 400 bis 600 Personen bis 2025 steigen. Bis 2025 werden in
der ersten Variante 6.798, in der zweiten Variante 6.927 und in der dritten 7.056 Jugendliche
errechnet. Diese Daten sind für die weitere Berufsschulplanung wichtig, aber auch für die Zahl der
Ausbildungsplätze in Darmstadt.
Tabelle 20 Entwicklung der Bevölkerung in der Altersgruppe 15 bis unter 20 Jahre
Jährlicher
Wanderungsfaktor
Jahr
+ 200 + 400 + 600
2007 6.372 6.372 6.372
2010 6.208 6.231 6.254
2015 6.622 6.671 6.719
2020 6.656 6.736 6.815
2025 6.798 6.927 7.056
9.6.5 Altersgruppe 20 bis unter 40 Jahre
Eine
große Dynamik weist die Entwicklung der Be völkerung in der Altersgruppe von 20 bis unter
40 Jahre auf: Hier ist in den Varianten 1 und 2 mit einem Rückgang der Bevölkerungszahl zu
rechnen, in Variante 3 mit einem Zuwachs. In de r mittleren Variante 2 wi rd die Bevölkerungszahl
um etwa 1.000 Personen bis 2025 zurückgehen, in Variante 3 wird diese Altersgruppe um circa
800 Personen bis 2025 anwachsen: Nur in der Variante 3 wird die Zahl höher liegen als in 2007.
Durch einen starken Zuzug von Personen dieser Altersgruppe (blaue obere Linie) könnte ein
Rückgang in dieser auch quantitativ bedeutenden Gruppe bis zum Jahr 2025 abgemildert werden.
Es ist für die Wissenschaftsstadt Darmstadt von großer Bedeutung, gerade diese – in der Regel
mit hohen Anteilen berufstätige – Altersgruppe in Darmstadt zu halten, da sich negative Verände-
rungen in vielerlei Aspekten bemerkbar machen würden.
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
67
Die enormen Zukunftspotenziale der Wissenschaftsstadt im Be reich Ausbildung, Studium und
Arbeitsplätze können dazu führen, dass junge Leute auch weiterhin in hohem Maße zuziehen und
sich hier niederlassen. Offenkundig ist, dass nur durch eine Kombination familienpolitischer Maß-
nahmen, interessanter Wohnangebote für diese Al tersgruppe und attraktiver Arbeitsplätze ein
Rückgang vermieden oder abgemildert werden kann. Für diese Altersgruppe ist deshalb die weite-
re Arbeitsmarktentwicklung in Darmstadt und Rhei n-Main von fast entscheidender Bedeutung für
Gewinn oder Verlust an Einwohnerinnen und Einw ohnern. Auch die Zahl der jungen Studierenden
ist für die zahlenmäßige Entwicklung der Personen zwischen 20 und 40 Jahren von großer Bedeu-
tung. Das demografische Monitoring wird deshalb in Zukunft die quantitative Entwicklung dieser
Altersgruppe besonders beobachten.
Tabelle 21 Entwicklung der Bevölkerung in der Altersgruppe 20 bis unter 40 Jahre
Jährlicher
Wanderungsfaktor
Jahr
+ 200 + 400 + 600
2007 43.208 43.208 43.208
2010 41.866 42.261 42.657
2015 41.459 42.466 43.473
2020 41.114 42.610 44.106
2025 40.417 42.226 44.034
9.6.6 Altersgruppe 40 bis unter 60 Jahre
Ganz anders wi
ederum stellt sich die Entwicklung der Bevölkerung in der Altersgruppe von 40 bis
unter 60 Jahre in Zukunft dar: Bei allen drei Vari anten wird die Zahl der Bevölkerung dieser Al-
tersgruppe in 2025 leicht unter der in 2007 liegen. Aus der bereits vorgestellten Alterspyramide
ist ersichtlich, dass es sich hierbei um die Altersgruppen mit den am stärksten besetzten Jahr-
gängen handelt. Etwa bis 2012 wird diese Altersgruppe auf jeden Fall quantitativ anwachsen, erst
danach wird sich – je nach Variante – die Anzahl der Personen bis 2025 in allen drei Varianten
wieder leicht vermindern.
Tabelle 22 Entwicklung der Bevölkerung in der Altersgruppe 40 bis unter 60 Jahre
Jährlicher
Wanderungsfaktor
Jahr
+ 200 + 400 + 600
2007 39.743 39.743 39.743
2010 40.468 40.565 40.662
2015 40.165 40.487 40.809
2020 39.072 39.734 40.396
2025 37.191 38.354 39.517
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
68
Statistische Mitteilungen 1 | 2008
So wird voraussichtlich diese Altersgruppe in Va riante 1 – nach kurzer Wachstumsphase – bis auf
37.191 Personen in 2025 zurückgehen; dies sind etwa 2.600 Personen weniger als zum Stand
von 2007. In Variante 2 erfolgt ebenfalls ein kurzfristiger Zuwachs bis etwa 2013, um dann bis
2025 ebenfalls abzusinken. Bei Variante 3 wird nach kräftigem Wachstum der Bevölkerungszahl
(+1.000 Personen bis 2015) in 2025 in etwa wieder der Stand von 2007 erreicht. Von Bedeutung
ist, dass bis 2025 die stark besetzten Jahrgänge aus dieser Altersgruppe der Vierzig- bis Sechzig-
jährigen in die nächst höhere Altersgruppe übergehen und damit viele Personen das Rentenalter
erreichen werden.
9.6.7 Altersgruppe 60 bis unter 70 Jahre
Die weitere Entwick
lung der Bevö lkerung in der Altersgruppe vo n 60 bis unter 70 Jahre verläuft
dynamisch: Nach anfänglichen minimalen Rückgängen wird in allen drei Varianten bis 2025 – mit
geringfügigen Unterschieden – die Bevölkerungszahl von 2007 sehr deutlich überschritten. Insbe-
sondere ab dem Jahr 2014 ist das deutliche Anwach sen dieser Altersgruppe erkennbar, das sich
auch nach 2025 fortsetzen wird. Offensichtlich ist, dass hierbei die Wanderungsbewegung prak-
tisch keine Rolle mehr spielt, da sich alle dr ei Varianten mit nur unwesentlichen Unterschieden
gleich entwickeln: Die Tendenz weist in Richtung deutliche Zunahme dies er Altersgruppe nach
2014. Anders als in den bisher dargestellten Entwicklungen, die besonders durch die Wande-
rungsbewegung geprägt waren, wird sich diese Altersgruppe mit ihren stark besetzten Jahrgängen
demografisch besonders bemerkbar machen und im wesentlichen durch die so genannte natürli-
che Bevölkerungsentwicklung anwachsen.
Tabelle 23 Entwicklung der Bevölkerung in der Altersgruppe 60 bis unter 70 Jahre
Jährlicher
Wanderungsfaktor
Jahr
+ 200 + 400 + 600
2007 14.706 14.706 14.706
2010 14.479 14.492 14.505
2015 14.711 14.753 14.794
2020 15.749 15.832 15.914
2025 17.949 18.094 18.239
9.6.8 Altersgruppe 70 bis unter 80 Jahre
Bei der Entwickl
ung der Bevölkerung in der Altersgruppe von 70 bis unter 80 Jahre wird es zuerst
zu einem deutlichen Anstieg um circa 25% dieser Gruppe bis zum Jahr 2014 kommen, erst dann
wird die Zahl der Personen in dieser Altersklasse fallen und sich auf etwas niedrigerem Niveau
stabilisieren, um nach 2024 wieder anzuwachse n. Dennoch muss mit einer Zunahme um circa
12% gegenüber dem heutigen Stand bis zum Jahr 2025 gerechnet werden.
Bei allen drei Varianten ist mit einer voraussichtlichen Einwohnerzahl von knapp 12.000 Personen
im Alter von 70 bis unter 80 Jahren für das Jahr 2025 zu rechnen. Die Verteilung Frauen zu Män-
nern wird, wie bereits in Kapitel 8.3 dargelegt, voraussichtlich sehr unterschiedlich aussehen.
Wie auch aus der Grafik ersichtlich, ist das Wa nderungsverhalten dieser Altersgruppe ebenfalls
nicht sehr stark ausgeprägt, da sich in allen dr ei Varianten sehr ähnliche Muster der weiteren
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
69
Entwicklung abbilden. Auslöser für den Anstieg ist in erster Linie wiederum das „Nachrücken“ der
geburtenstarken Jahrgänge (siehe Alterspyramide), die dann auch die weitere Entwicklung dieser
Altersklasse nach 2025 prägen werden.
Tabelle 24 Entwicklung der Bevölkerung in der Altersgruppe 70 bis unter 80 Jahre
Jährlicher
Wanderungsfaktor
Jahr
+ 200 + 400 + 600
2007 10.539 10.539 10.539
2010 11.513 11.519 11.525
2015 12.050 12.069 12.087
2020 11.613 11.649 11.685
2025 11.842 11.901 11.960
9.6.9 Altersgruppe 80 Jahre und älter
Die Entwickl
ung der Bevölkerung in der Altersgruppe von 80 Jahren und älter zeigt im untersuch-
ten Zeitraum bis 2020 noch nicht die dramatischen Änderungen, wie sie derzeit teilweise die öf-
fentliche Diskussion bestimmen. Hierbei spielt die Wanderungsbewegung praktisch keine Rolle
mehr, die Stärke der jeweiligen Jahrgänge dominiert das Bild der weiteren Entwicklung. Hierbei
kommen die Kriegsjahrgänge zum Tragen. Wie bereits in Kapitel 8 Veränderungen der Altersstruk-
turen dargelegt, sind die Geburtsjahrgänge der 30er Jahre durch Kriegstote und die der 40er Jah-
re durch mangelnde Geburten nicht so stark besetzt.
Tabelle 25 Entwicklung der Bevölkerung in der Altersgruppe 80 Jahre und älter
Jährlicher
Wanderungsfaktor
Jahr
+ 200 + 400 + 600
2007 7.678 7.678 7.678
2010 7.589 7.595 7.602
2015 7.234 7.250 7.266
2020 8.038 8.062 8.087
2025 8.005 8.038 8.072
Bis circa 2013 geht die Anzahl der Personen um etwa 7,5% zurück, um dann bis 2024 wieder
stark anzuwachsen und das Niveau von 2007 deutlich zu überschreiten. Es ist jedoch ab 2020 bis
mindestens 2024 mit einem weiteren Ansteigen der Zahl der Hochbetagten zu rechnen, nicht zu-
letzt, weil durch starke Jahrgänge, eine bessere Gesundheitsvorsorge und ein weiteres Ansteigen
der Lebenserwartung diese Gruppe zahlenmäßig anwachsen wird. Insbesondere für die weitere
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
70
Statistische Mitteilungen 1 | 2008
Planung der städtischen Maßnahmen ist die Entwicklung der Bevölkerung in den Altersgruppen ab
70 Jahre und älter von besonderer Bedeutung, so z.B. bei der Fo rtschreibung des städtischen
Altenhilfeplans.
9.7 Aussagekraft des vorgestellten demografischen Modells
Die enorme
Aussagefähigkeit der hier vorgestellt en Bevölkerungsvorausberechnung ist erst durch
die differenzierte Darstellung de r Bevölkerungsentwicklung in de n verschiedenen Altersgruppen
deutlich geworden. Selbstverständlich wird sich die weitere Entwicklung der Darmstädter Bevölke-
rung insgesamt und in den Alte rsgruppen in der Wirklichkeit et was anders vollziehen, denn für
eine exakte Prognose der tatsächlichen demograf ischen Entwicklung sind zu viele „Parameter“
unbekannt, schwer oder gar nicht voraussagbar. Insbesondere das Wanderungsverhalten ist – wie
aus den Varianten der dargestellten unterschiedlichen Entwicklung der Altersgruppen erkennbar –
für die weitere Zukunft von erheblicher Bedeutung.
Um die Aussagefähigkeit und Güte des vorgestellten Modells abzuschätzen, ist der Vergleich mit
vorliegenden anderen Bevölkerungsvorausberechnungen unabdingbar . Im Überblick sind in der
Tabelle 26 die beiden wichtigen anderen Bevölkerungsvorausberechnungen mit Bezug zu Darm-
stadt, die des Hessischen Statistischen Landesamtes und der HessenAgentur, zusammengestellt.
9.8 Ergebnisse weiterer Bevölkerungsprognosen
(HessenAgentur und Hessi
sches Statistisches Landesamt)
Im Vergleich der Darmstädter stadteigenen Bevölkerungsvorausberechnung mit anderen Berech-
nungen zeigt sich generell, dass die verschiede nen Ansätze und Szenarien bis 2025 recht ähnli-
che Werte ergeben. „Demnach ist in den südh essischen Metropolen, de n kreisfreien Städten
Frankfurt am Main, Offenbach am Main, Wiesba den und Darmstadt sowie im Main-Taunus-Kreis
noch mit Bevölkerungszuwächsen zu rechnen“ (vgl. Kapitel 2.4).59
Tabelle 26 Bevölkerungsvorausberechnung fü r die Wissenschaftsstadt Darmstadt bis 2025
Berechnung durch … 2010 2015 2020 2025
Wissenschaftsstadt Darmstadt, Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung | Statistik und Stadtforschung
Varianten mit einem jährlichen Wanderungsfaktor von …
Variante 1 mit + 200 141.314 141.519 141.462 141.131
Variante 2 mit + 400 141.923 143.213 144.319 145.197
Variante 3 mit + 600 142.533 144.907 147.175 149.262
Hessisches Statistisches Landesamt
HSL-1 142.596 143.796 144.392 145.163
HSL-2 142.973 145.242 146.946 148.937
HessenAgentur
142.700 146.400
Das Hessische Statistische Landesamt (HSL) ni mmt als Grundlage der Berechnung den Bevölke-
rungsbestand der hessischen kreisfreien Städte und Kreise zum 31.12.2006, die bundesweit ab-
gestimmte Entwicklung der Geburten und Sterbefälle sowie die Zu- und Fortzüge auf Landesebe-
ne. Die Weiterberechnung der Be völkerungsentwicklung erfolgt dann entsprechend der Kompo-
nentenmethode für alle Kreise und kreisfreien Städte in Hessen mit den bundesweit koordinierten
59 Hessisches Statistisches Landesamt, Bevölkerung in Hessen 2050, Wiesbaden 2008, S. 2
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
71
Datengrundlagen. Das HSL rechnet zwei verschie dene Varianten: mit ni edriger Zuwanderung ins
Land Hessen als Variante HSL-1 und einer Variante HSL-2 mit einer hö heren Zuwanderungsrate
ins Bundesland.
Nach der vom HSL als die realistischere Variante HSL-1 eingeschätzten Entwicklung liegt die Be-
völkerungszahl Darmstadts in 2025 bei 145.163 Person en; die städtische Berechnung ergibt für
2025 eine Einwohnerzahl von 145.197 Personen bei einem angenommenen Wanderungsplus von
400 Personen pro Jahr (siehe Variante 2). Auffällig ist, dass sich die beiden Ergebnisse, die Vari-
ante der Wissenschaftsstadt und die des Hessischen Statistischen Landesamtes
60, praktisch nicht
unterscheiden.
Die mit höherer Zuwanderung gerechnete Varian te des HSL (HSL-2) für das Jahr 2025 ergibt
148.937 Personen für Darmstadt, die städtische Variante – bei einem angenommenen Wande-
rungsplus von 600 Personen pro Jahr – 149.262 Einwohnerinnen und Einwohner.
Einen methodisch etwas anderen Ansatz wählt die HessenAgentur in ihrer aktuellen Analyse für
die vorgenommene Bevölkerungsprojektion Hessens sowie der Kreise und kreisfreien Städte bis
zum Jahr 2050. Die „regionsspezifischen demogr afischen Entwicklungsmuster aus der Vergan-
genheit…“ bezüglich Geburten, Sterbefällen und Wanderungsverhalten wurden herangezogen, um
die Fortschreibung sogar bis zum Jahr 2050 durchzuführen. Als Referenzzeitraum wurden die
Daten für 2000 bis 2004 bzw. bis 2006 er mittelt und zur Tr endfortschreibung
61 der hessischen
Bevölkerungsentwicklung bis 2050 genutzt. Die Er gebnisse der Berechnungen der HessenAgentur
sind ebenfalls in Tabelle 26 wiedergegeben.
Beim Vergleich der Ergebnisse zeigt sich, dass sowohl das HSL als auch die HessenAgentur für
2010 über der Standardvariante der Wissenschaft sstadt liegen; beide Bevölkerungsvorausberech-
nungen liegen sogar oberhalb der „optimistischen“ Variante 3 der Stadt mit 142.533 Einwohnern
(HSL: 142.596; HessenAgentur: 142.700). Dies ist ve rständlich, da beide Verfahren methodisch
„nur“ die letzten Jahre der Wanderungsbewegung zugrunde legen; wegen der besonders positiven
Zuwanderungsstatistik in die Stadt in den letzte n Jahren ergeben sich fü r beide Modelle höhere
Einwohnerzahlen. Für das Jahr 2020 liegen die st ädtische mittlere Variante (+400) und das HSL
praktisch gleichauf (Stadtvariante: 144.319, HSL: 144.392) und die HessenAgentur mit
146.400 Einwohnern – um mehr als 2.000 Einwohner – deutlich über den beiden anderen Voraus-
berechnungen.
9.9 Demografisches Monitoring
Interessanterwei
se haben in 2004 sowohl das Hessische Statistische Landesamt als auch die
HessenAgentur (Vorgänger: Forschungs- und Entwic klungsgesellschaft Hessen, FEH) bei der vor-
hergehenden Analyse der weiteren Bevölkerungsentwicklung für Darmstadt einen deutlichen
Rückgang der Bevölkerungszahl vorausgesagt 62. Diese von HSL und HessenAgentur prognosti-
zierte Entwicklung ist nicht nur nicht eingetreten, sondern wurde durch die positive Geburtenrate
in Darmstadt und die enorm hohen Zuwanderungen in die Wissenschaftsstadt im positiven Sinne
konterkariert. Die nur wenige Monate später vorgelegte städtische Bevölkerungsvorausberechnung
hatte demgegenüber einen Bevölkerungszuwachs für die nächsten Jahre vorausgesagt.
60 Hessisches Statistisches Landesamt, Bevölkerung in Hessen 2050. Ergebnisse der regionalisierten Bevölkerungsvoraus-
berechnung bis 2025 auf der Basis 01.01.2007, Wiesbaden 2008
61 Uwe van den Busch, Bevölkerungsvorausschätzung für die hessischen Landkreise und kreisfreien Städte. Eine Projektion
für den Zeitraum von 2007 bis 2030 und eine Trendfortschreibung bis 2050, HessenAgentur GmbH, Report Nr. 720, Wies-
baden 2007, S. 2 ff.
62 Magistrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt, Statistische Berichte 2/2004
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
72
Statistische Mitteilungen 1 | 2008
Für die weitere Stadtentwicklung und Stadtplan ung ist die intensive Beobachtung der Bevölke-
rungsentwicklung insgesamt, sowie nach einzelne n Altersgruppen dringend geboten. Dazu gehö-
ren unter anderem folgende Untersuchungsbereiche:
• Die Zahl der Kinder bis 3 Jahre ist von entscheidender Bedeutung für das städtische
Krippenangebot und andere Familieneinrichtungen
• Die Zahlen der Schulkinder sind von großer Bedeutung für die weitere Schulentwicklungspla-
nung, die Schulbausanierung und z.B. die Mittagessensversorgung der Schulkinder angesichts
neuer Schulkonzepte
• Die Zahl der älteren Kinder und jungen Erwachsenen ist für die Berufsschul- und Ausbildungs-
statistik notwendig
• Die steigende Zahl der jungen Erwachsenen sucht eigenen Wohnraum, Studien- und Arbeits-
plätze, nutzt aber auch Freizeitmöglichkeiten, Sportstätten u.v.m.
• Die Zahl der Fachkräfte für den Arbeitsmarkt und der mögliche, prognostizierte Fachkräfte-
mangel muss weiter beobachtet werden
• Die Seniorenpolitik muss sich auf städtische Prognosen verlassen können.
Dies ist nur eine Auswahl der Entwicklungstrends, die durch ein Monitoring zur demografischen
Stadtentwicklung beobachtet werden und in die weitere Stadtentwicklung und Stadtplanung ein-
gehen können. Die Potenziale der Stadtentwicklung im Bereich der durch den Abzug der amerika-
nischen Truppen freiwerdenden Fl ächen müssen ebenfalls durch ein ausgefeiltes Monitoring be-
gleitet werden.
Deshalb wäre auch eine räumlich höhere Auflösung, z.B. nach Stadtteilen oder Statistischen Be-
zirken63 von Interesse; dazu liegen der Städtestatis tik teils langjährige Erfahrungen aus anderen
Städten vor. Problematisch ist bei der kleinr äumigen Bevölkerungsvorausberechnung aber die
jeweilige Umsetzung der Stadtplanung: Wird ein vorgesehenes Baugebiet nicht erschlossen und
bebaut wie geplant, ist die kleinräumige Vorausberechnung der Bevölkerungsentwicklung hinfällig.
Beste Beispiele für solch möglic herweise problematische kleinräumige Vorausberechnungen sind
die Auswirkungen der Flughafenplanung für Da rmstadts nördliche Stadtteile Wixhausen und
Arheilgen oder der Abzug amerikanischer Streitkräfte aus Darmstadt. Diese Entwicklungen kön-
nen per Monitoring beglei tet, jedoch nur schwer prognostizie rt werden. In eine neue Bevölke-
rungsvorausberechnung in wenigen Jahren werden jedoch diese Daten als Grundlage eingehen
und damit wiederum ein realisti sches Bild der demografischen Entwicklung der Wissenschafts-
stadt ermöglichen.
Darmstadt ist jedoch keine Insel: Die demografis chen Trends bezüglich der weiteren Entwicklung
zwischen Darmstadt und dem Landkreis Darmstad t-Dieburg aus z.B. schulpolitischer und ver-
kehrspolitischer Sichtweise sind von großer Bedeutung für eine nachhaltige Strukturentwicklung
im Agglomerationsraum Darmstadt/Darmstadt-Dieburg (vgl. Kapitel 2) und in der Metropolregion
FrankfurtRheinMain. Das moderne demografische Monitoring für die Wissenschaftsstadt wird
deshalb auch die Entwicklung in den Nachbarkre isen und in der Region beobachten und diese
Trends berücksichtigen.
63 siehe dazu z.B. Christa Ruten, Pro und Contra kleinräumige Bevölkerungsprognose, in: Stadtforschung und Statistik,
Heft 1/2005, Zeitschrift des Verbandes Deutscher Städtestatistiker, Schibri-Verlag Uckerland 2005, S. 36 f.
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
73
10 Zusammenfassung und Ausblick
„Wo Tauben sind, fliegen Tauben hin“, stellt ein Sprichwort zu recht fest. Im Gegensatz zu Tau-
ben, die in Städten in aller Regel weniger erwüns cht sind, wird die Bürgerin bzw. der Bürger in
Zukunft im verschärften Wettbewerb der Wohn- und Wirtschaftsstandorte aber immer stärker um-
worben sein.
Menschen und Vögeln ist dabei jedoch gemeinsam, dass sie sich nur dort niederlassen, wo aus-
reichend „Nistgelegenheiten“, „Sitzplätze“ und „Futterhäuschen“ aufgestellt sind – nicht zu ver-
gessen, wo artspezifische Biotope, will heißen hohe Lebensqualität, vorzufinden ist.
Wirtschaftsunternehmen reihen sich nahtlos in unseren (vielleicht mehr oder minder hinkenden)
Vergleich ein. Auch sie „fliegen“ dorthin, wo „ihresgleichen“, möglichst stringent entlang der
Wertschöpfungskette aufgereiht, vorzufinden sind. Traditionell wurde dieser Effekt mit Agglomera-
tions- oder Fühlungsvorteilen begr ündet. Inzwischen ist die Clusterbildung ein wirtschaftspoliti-
sches und regionalökonomisches Paradigma, welches in der Praxis der lokalen Wirtschaftsförde-
rung ohne Alternative bleibt.
Kapitel 2 hat herausgearbeitet, dass die regionale Selbstdefinition einer kleinen bis mittleren
Großstadt wie Darmstadt künftig mehr noch als bereits heute auf einer „Doppelstrategie“ basieren
muss. Determinanten sind hier sowohl die räumlic he Reichweite, welche eine Stadt in ihrer Aus-
strahlung als Wirtschafts-, Wohn-, Kultur- und Eink aufsstadt erreicht, als auch die Einbettung in
regionale Zusammenhänge. Dass „die Stadt keine Insel ist“, wird dabei mehr denn je augenfällig.
Die Wissenschaftsstadt Darmstadt ist südlic hes Oberzentrum der Metropolregion Frank-
furtRheinMain. Ihr politisches Handeln auf verschiedenen Feldern, zunächst vorrangig in der Wirt-
schafts- und Kulturpolitik, ist selbstverständlich vorrangig lokal, zunehmend aber auch regional
ausgerichtet. Internationale Sichtbarkeit und Ve rmarktung einerseits sowie Lösung von Verflech-
tungsproblemstellungen andererseits sind nur über eine räum lich doppelt ausgerichtete Strategie
zu verwirklichen. Eine aktive Regionalpolitik, di e mitgestaltet, muss integraler Bestandteil städti-
schen Handelns im polyzentrischen Verdichtungsraum sein.
Die Chancen der Wissenschaftsstadt innerhalb de r Metropolregion sind exzellent. Darmstadt
bringt als hochtechnologiegeprägter Wirtschaft s- und ausgewiesener Wissenschaftsstandort das
wichtigste „Produktionsmittel“ moderner Ökonomien in das regionale Vermarktungskonzert ein –
nämlich Wissen, Knowhow, Forschungs- und Entwicklungskompetenz.
Die Metropolregion als Ganzes wiederum ist ab sehbar ein Gewinner des demografischen Wandels
in Deutschland und zählt international zu den wenigen europäischen Standorten, denen (zumin-
dest in Teilbereichen) Weltbedeutung zugerechnet wird. FrankfurtRheinMain ist im wörtlichen und
übertragenen Sinn ein Alphastandort.
Zugleich deutet sich bereits heute an, dass de r demografische Wandel immobilienwirtschaftlich
eine „selbsterfüllende Prophezeiung“ werden kö nnte. Auch die Metropolregion FrankfurtRhein-
Main erlebt u.U. recht kleinräu mig eine Fragmentierung in gesu chte und abseitig liegende Wohn-
und Gewerbestandorte.
Der Zukunft des Wohnens, d.h. der Wohnformen und den Bedarfsgruppen, muss deshalb ein be-
sonderes Augenmerk gelten. Detailanalysen sind unverzichtbar. Kapitel 4 leistet dies für die räum-
lichen Stadtentwicklungspotenziale Darmstadts. I nnenentwicklung ist in der Wissenschaftsstadt
nicht nur zwingend räumlich vorgegeben, sondern es ist ein nachhaltiges Planungsparadigma. Der
sorgsame, gut vorbereitete Umgang mit den Konversionsflächen ist dabei zentral.
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
74
Statistische Mitteilungen 1 | 2008
Vor diesem Hintergrund ist es nicht ausreichend, eine lokale Strategie zum demografischen Wan-
del für die Wissenschaftsstadt alleine zu erarbeiten, ohne die Eingebundenheit demografischer
Veränderungen in die weitere Entwicklung von Wi rtschaft, Kultur und der Zivilgesellschaft in
FrankfurtRheinMain zu berücksichtigen. Die regionale Entwicklung in Südhessen wurde insbeson-
dere in Kapitel 2 dargestellt; der enge Zusamme nhang mit der regionalen Entwicklung zeigt sich
in der für Darmstadt positiven Wanderungsbew egung zwischen Darmstadt und dem Landkreis
Darmstadt-Dieburg in den letzten Jahren.
Der „Trend zurück in die Stadt“ ist für Darmstadt keine rhetorische oder wissenschaftliche Frage
mehr, sondern Ausdruck realer Veränderungen im suburbanen Gürtel um die Stadt: Drastisch
erhöhte Mobilitätskosten, gestiegene Grundstücks preise, aktuelle Zinsentwicklungen und das Be-
dürfnis nach guter und ggf. exzellenter Schulbild ung für die eigenen Kinder führt zu einer Wande-
rungsbewegung in die Stadt. Auch der Zugewinn an Lebensqualität und „freier Zeit“ dank verrin-
gerter Arbeitswege schlägt in ei ne positive Orientierung zug unsten des urbanen, städtischen
Raums um.
Die Beobachtung der Veränderungen in den urba nen und suburbanen Räumen führt zu klaren
Konsequenzen für eine neue Stra tegie der Stadtentwicklung, auch in demografischer Sichtweise.
Eine gute Abschätzung der weiteren demografischen Entwicklung Darmstadts ist deshalb für viele
Planungsbereiche von großer Bedeutung. Viele städtische Planungen im Bereich Kindergärten und
Horte, Schulen, Infrastruktur wie Straßen und Verkehrswege, Ver- und Entsorgung, Jugendzentren
und Altentreffs sind in hohem Ma ße von guten Vorausberechnungen abhängig, aber auch weitere
Bereiche wie die Wohnungswirtschaft können bei guter Vorausschau Fehlinvestitionen und Fehl-
allokationen vermeiden. Durch vorausschauendes Handeln städtischer Akteure können in gewis-
sem Maße demografische Trends verändert werden.
Aufgabe städtischer Polit ik und verschiedenster Akteure ist es nun, durch Maßnahmen zielorien-
tiert die gewünschte demografische Entwicklung der Stadt zu „beeinflussen“. Dafür steht prinzi-
piell aufgrund der vergangenen Erfahrungen mit demografischen Trends, der aktuellen Analysen
zum demografischen Wandel und der Erfahrung aus anderen Städten und Regionen ein reiches
Handlungsrepertoire zur Verfügung.
Nur durch gezielte, altersspezifische Angebote kann städtische Politik auf demografische Entwick-
lungen Einfluss nehmen. Dazu gehören gezielte familienpolitische Maßnahmen und Angebote für
eine kinderfreundliche Stadt wie z.B. eine Verbes serung der Kinderbetreuung für berufstätige El-
tern durch ganztägige Kindergarten- und Hortange bote sowie flexible un d schnelle Hilfsangebote
bei familiären Problemlagen durch soziale Netzw erke („Familien willkommen“ u.a.). Für die Al-
tersgruppen der Kinder bis 3 Jahre und der Alters gruppe 3 bis unter 6 Ja hre wurde gezeigt, dass
bis 2020 mit einer langsamen Zunahme der Kinderza hlen unter 6 Jahren zu rechnen ist. Stabili-
sierung des vorhandenen Angebots, Erweiterung des Zeitbudgets der Öff nungszeiten und weitere
qualitative Verbesserungen der Angebote im Kindergarten- und Hortbereich sind hier Möglichkei-
ten städtischer Politik.
Der teilweise starke Anstieg der Zahlen der Schülerinnen und Schüler erfordert auf mehreren Ebe-
nen moderne Ansätze städtischer Politik: Ausbau vorhandener Schulen, eine Erweiterung der Öff-
nungszeiten der Schulen mit Mittagessens- und Fr eizeitangeboten und bessere Integration schuli-
scher und gesellschaftlicher Aufgaben im Stadtte il sind gefordert. Gerade der zunehmende Anteil
von Schulkindern mit Migrationshintergrund – nicht nur in den Stadtteilen Kranichstein und Eber-
stadt – erfordert ein „Denken und Handeln über den Tellerrand“ hinaus.
Bislang erstreckte sich in vielen Städten Deut schlands die Anforderung an demografische Stadt-
entwicklung auf die Bereitstellung von günstigem Wohnraum und Baugrund für junge Paare und
Demografiebericht | Perspektiven für Darmstadt
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Familien. Durch die Veränderung moderner Arbeit sstrukturen, durch Arbeitszeitflexibilisierung
und die schnelle Wiedereingliederung junger Mü tter ins Berufsleben sind die Anforderungen an
Stadtpolitik jedoch größer geworden, junge Familien zu unterstützen.
An der steigenden, sich stabilisierenden oder falle nden Zahl der Berufstätigen wird sich auch die
demografische Zukunft Darmstadts mit entscheide n: Ein Halten der gegenwärtig hohen Zahl an
Erwerbstätigen wäre ein sehr großer Erfolg moderner Stadtpolitik. Nach den Hochrechnungen zur
weiteren Bevölkerungsentwicklung wird die Zahl der potentiell erwerbsfähigen Bevölkerung in
Darmstadt bis zum Jahr 2020 relativ stabil bleiben; dies bedeutet jedoch erhebliche Anstrengun-
gen von verschiedenen Akteuren in den Bereichen Arbeitsmarkt, Wirtschaftspolitik, Bildungs- und
Forschungseinrichtungen sowie Infrastruktur in Da rmstadt, diese weiterhin so attraktiv wie mög-
lich zu gestalten, um die hohe Attraktivität der Wissenschaftsstadt – nicht nur für junge Fachkräfte
– aufrecht zu erhalten. Eine große Bedeutung für die künftige Einwohnerzahl hat auch die weitere
Entwicklung des Arbeitsmarktes, die Zahl der Ar beitsplatzangebote sowie die Attraktivität der
Technischen Universität und der Fachhochschulen auf Studierende aus Deutschland und der Welt.
Das enorme Anwachsen der Teile der Bevölkerung, die das 60. Lebensjahr überschritten haben,
ist bis 2025 und darüber hinaus deutlich absehbar. Die Anpassung städtischer Infrastruktur an
die Bedürfnisse älterer Menschen muss aus stadtentwicklerischer Sicht innerhalb des nächsten
Jahrzehnts erfolgen, um differenziert auf die Lebenslagen von Seniorinnen und Senioren reagieren
zu können. Durch die Spezialuntersuchung zur Lebenssituation älterer Menschen in Arheilgen von
2007 konnten wichtige Ziele städtischer Politik be reits erarbeitet werden: Anpassungen der Ver-
kehrs- und Einkaufswege durch moderne Einzelhandelskonzepte, Seviceleistungen und gesund-
heitspolitische Maßnahmen können schrittweise die Lebensqualität einer wachsenden Zahl älterer
Mitbürgerinnen und Mitbürger stab ilisieren und ggf. verbessern. Die konsequente Fortschreibung
des städtischen Altenhilfeplans und die Berücksichtigung der wissenschaftlichen Erkenntnisse aus
der Arheilgen-Untersuchung sind wichtige Voraussetzungen für ein würdevolles Leben im Alter.
Zu den wichtigen Aufgaben des demografischen Monitorings zählt insbesondere die fortgesetzte
Beobachtung der Struktur der Zu- und Fortzüge nach Altersgruppen und Ge schlecht, um die erar-
beiteten Daten auch bei zukünftigen Berechnungen weiter aktualisieren zu können. Die Bevölke-
rungsstatistik ist eine der wichtigen Standardaufg aben der Statistik und in Zukunft von noch grö-
ßerer Bedeutung. Bei Veränderung der Trends, z.B. bei der Wanderungsbewegung, können die
vorliegenden Varianten der weiteren Bevölkerungsentwicklung aktualisiert, mit der realen Entwick-
lung verglichen und damit in der Vorhersagekraft noch weiter verbessert werden. Viele Effekte
sind auch durch noch bessere Bevölkerungsvor ausberechnungen in ihrer langfristigen Wirkung
kaum voraussehbar, können aber bei einer stet en Beobachtung aktueller Trends der Bevölke-
rungsentwicklung („demografisches Monitoring “) die planerischen Grundlagen der Stadtent-
wicklung entscheidend verbessern und aktualisieren.
Der „Informations-Mehrwert“ besteht häufig nicht mehr in der reinen Übermittlung demografi-
scher oder statistischer Daten, sondern in der ge zielten Analyse demografischer Trends für viele
Bereiche städtischen Handelns auf Grundlage mo derner Software-Werkzeuge, neuer empirischer
Methoden und aktueller Statistiken.
Mit den in dieser Veröffentlichung vorgestellten Daten und Analysen zur Wanderungsbewegung,
Altersstruktur, zur Geburtenentwicklung und zur Sterberate der Darmstädter Bevölkerung sind
wesentliche Grundlagen für ein modernes demografisches Monitoring in Darmstadt geschaffen.
Auch in dieser Hinsicht ist die Wissenschaftsstad t Darmstadt als eine der kleineren Großstädte in
Europa auf die demografischen Herausforderungen des neuen Jahrtausends gut vorbereitet.
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Herausgeberin | Kontakt
Wissenschaftsstadt Darmstadt
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Magistratsvorlage Eingang Magistrats- geschäftsstelle: 19.11.2008 an den Magistrat zur Kenntnis zur Beschlussfassung Beteiligt vor Magistratsbeschlussfassung: Dezernat I an die Stadtverordnetenversammlung OBW zur Befassung zur Kenntnis zur Beschlussfassung zur abschließenden Beschluss- fassung Fachausschuss Amt: Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung Behandlung in öffentl. Sitzung Ja Nein OBW bei abschl. Beschlussfassung Magistrat Ja Nein Internetfähig Verteiler: Vorlage-Nr. 2008/0522 Magistratsbeschluss-Nr. Betreff: Demografiebericht - Perspektiven für Darmstadt Vorlage vom: 18.11.2008 Beschlussvorschlag: Der Bericht wird zur Kenntnis genommen. Anlagen: Datenschutzrelevante Anlage: Beschluss des Magistrats vom 2 ... Begründung: Der demografische Wandel ist national ein vielbeachtetes Thema. Seine Auswirkungen spielen für die zukünftige Entwicklung insbesondere der Städte und Gemeinden eine große Rolle. Praktisch kein Feld der städtischen Politik ist vom demografischen Wandel unbeeinflusst. Dies gilt von der Bereitstellung von Wohnbauflächen z. B. im Rahmen der Konversion bis hin zu den Betreuungsangeboten für Kinder- und Jugendliche und von der Schulentwicklung über Fragen der Sozialpolitik bis hin zur Altenhilfeplanung oder der Verkehrsentwicklung. Vor diesem Hintergrund hat sich ein Team aus den Abteilungen Statistik und Stadtforschung, Stadt- und Regionalentwicklung und Wirtschaftsförderung aus dem Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt und legt hiermit den Demografiebericht – Perspektiven für Darmstadt, Statistische Mitteilungen 1/2008 vor. Daraus geht hervor, dass die Chancen des demografischen Wandels für die Wissenschaftsstadt Darmstadt größer sind als die Risiken. Wichtige Punkte der weiteren Stadtentwicklung werden sichtbar und können damit zur Grundlage politischer Entscheidungen werden. Dezernat I Dezernat II Dezernat III Walter Hoffmann Wolfgang Glenz Klaus Feuchtinger Dezernat IV Dezernat V Dezernat VI Dr. Dierk Molter Jochen Partsch Dieter Wenzel
Beratungsverlauf (2)
Orte (8)
- Otto-Röhm-Straße
- Grafenstraße 281
- Rhönring
- Am Kavalleriesand 160
- Am Oberfeld 500
- Am Lämmchesberg 538
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- Im Carree 1
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Details
- Vorlagen-Nr.
- 2008/0522
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 18.11.2008
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00