2898/2023
Projekt „Überprüfung der Kölner Straßennamen auf Zusammenhänge mit Kolonialismus oder Nationalsozialismus„
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Gustav Nachtigal - Gutachten Frau Prof. Dr. Bechhaus-Gerst
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1
Gutachten Gustav-Nachtigal-Straße
Prof. Dr. Marianne Bechhaus-Gerst
Benannt nach Gustav Nachtigal
Geboren: * 23. Februar 1834 in Eichstedt (Altmark)
Gestorben: † 20. April 1885 vor der Küste Westafrik as an Bord der „Möwe“
Die Benennung der Straße erfolgte am 9.1.1935
Einführung
Die Gustav-Nachtigal-Straße gehört zum sogenannten Afrika-Viertel in Nippes und ist ein
kolonialer Gedächtnisraum, dessen Namensgebung mit der in Köln während der NS-Zeit
starken kolonialrevisionistischen Bewegung zusammenhängt. Sie gehört zu einem Viertel, das
zwischen 1935 und 1938 auf dem Gelände der ehemalig en Fabrikanlage Krätzer & Wirtgen
entstand. Drei Straßen des Viertels erhielten seine rzeit die Namen von drei vermeintlichen
kolonialen „Helden“: Gustav-Nachtigal-Straße, Carl- Peters-Straße und Lüderitzstraße. Damit
ehrte man jene Männer, die die afrikanischen Koloni en mehr oder weniger gewaltsam für das
Deutsche Reich angeeignet hatten. Die Straßenbenenn ung nach Gustav Nachtigal erfolgte
zudem vermutlich im Kontext seines 100. Geburtstags sowie des 50. Jahrestag seiner
Flaggenhissungen in Westafrika. Zwei Straßen des E nsembles wurden nach den ehemaligen
Kolonien „Kamerun“ und „Togo “ benannt. Mit der „Tangastraße“ wollte man an die aus deut-
scher Sicht „ruhmreiche“ Schlacht des Ersten Weltkr iegs bei Tanga im damaligen Deutsch-
Ostafrika gegen eine englische Übermacht erinnern. Mit diesem Straßenensemble schuf man
einen öffentlichen kolonialrevisionistischen Gedenk raum, der das Interesse der Bevölkerung
am kolonialen Projekt wachhalten sollte.
Zwei der nach Personen benannten Straßen, Carl-Peters-Straße und Lüderitzstraße, wurden
bereits 1990 umbenannt. Gustav Nachtigals Wirken wurde vergleichsweise spät einer kritischen
Betrachtung unterzogen. Im vorherrschenden Diskurs wurde er primär als „Afrikaforscher“
verklärt, dessen wissenschaftliche Forschungen im n ördlichen und westlichen Afrika als sein
eigentliches Verdienst angesehen wurden.
2
Gustav Nachtigal
Gustav Nachtigal wurde 1834 in eine Pfarrersfamilie geboren. Er studierte nach dem Abitur
Medizin, schloss sein Studium 1857 mit der Promotio n ab und war anschließend bis 1861 als
Militärarzt in Köln tätig.
1 Über seine berufliche Tätigkeit hinaus war er Köln eng verbunden,
da er hier einen größeren Kreis an Verwandten hatte. Sein Onkel Johann Dietrich Nachtigal und
seine Tante Henriette, geb. Brügelmann, unterstützt en Nachtigal finanziell und ermöglichten
ihm seine erste Reise auf den afrikanischen Kontinent. 2
Wegen einer Lungenerkrankung reiste Nachtigal 1862 zur Genesung an die algerische
Küste. Von dort kehrte er nicht nach Hause zurück – „die Festigung der bürgerlichen Existenz
will nicht recht gelingen“, schreibt Theodor Heuss in seiner Würdigung von Nachtigals Wirken
als Begründung 3 – sondern reiste nach Tunis, wo er Arabisch lernte und schließlich Leibarzt
des Bey von Tunis wurde. 1869 erhielt er den Auftrag, dem Sultan Omar von Bornu Geschenke
König Wilhelms I. von Preußen als Dank für die frühere Unterstützung deutscher Reisender zu
überbringen. 4 Nachtigals Unternehmung sollte schließlich fünfeinhalb Jahr dauern, die er nicht
zuletzt für geografische, völkerkundliche und naturkundliche Forschungen nutzte. Dabei muss
festgehalten werden, dass Nachtigal keinerlei Vorkenntnisse in diesen Fachgebieten besaß. 5 Er
reiste in dieser Zeit von Libyen über Nigeria, Tschad und Sudan nach Ägypten, machte sich vor
allem mit seinen Forschungen im Tibesti, über den T schadsee, über Darfur und Kordofan
verdient. Die Ergebnisse seiner Forschungen veröffe ntlichte er in zahlreichen Publikationen,
darunter sein Hauptwerk „Sahara und Sudan“, dessen dritter Band erst posthum erschien.
Nach seiner Rückkehr nach Deutschland 1875 wurde er als einer der bedeutendsten
„Afrikaforscher“ gefeiert. Er wurde sowohl zum Präs identen der Berliner „Gesellschaft für
Erdkunde“ als auch zum stellvertretenden Vorsitzend en der pro-kolonialen „Afrikanischen
Gesellschaft von Deutschland“ ernannt. 6 Zahlreiche Vortragsreisen machten ihn im ganzen
Land bekannt.
1 Zur Biografie Nachtigals siehe z.B. Berlin, Doroth ea: Erinnerungen an Gustav Nachtigal, Berlin 1887; Wiese,
Josef: Gustav Nachtigal: Ein deutsches Forscherleben im dunklen Erdteil, Berlin 1914.
2 Vgl. Horstmann, Anne-Kathrin: Gustav Nachtigal – „ … ein Held für Deutschlands Ruhm und Größe!“, in:
Marianne Bechhaus-Gerst & Anne-Kathrin Horstmann: Köln und der deutsche Kolonialismus. Eine Spurensuche,
Köln 2013, S. 89-94.
3 Heuss, Theodor: Gustav Nachtigal, in: ders.: Deuts che Gestalten. Studien zum 19. Jahrhundert, Stuttga rt,
Tübingen 1947, S. 222-229, hier. S. 225.
4 Vgl. Tunis, Angelika: Gustav Nachtigal – Gefeierter Afrikaforscher und umstrittener Kolonialpionier, in: Ulrich
van der Heyden & Joachim Zeller: Kolonialmetropole Berlin. Eine Spurensuche, Berlin 2002, S. 97-102.
5 Vgl. Priesner, Claus: Nachtigal, Gustav, in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 682-684, hier S. 683.
6 Ebd. S. 91.
3
1877 berichtete Nachtigal in einem Vortrag auf einer Münchner Naturforscherversammlung
über die praktische Aufgabe der deutschen Afrikafor schung für den Handel und Verkehr im
Sudan. Im darauffolgenden Jahr sicherte er dem sich neu gegründeten „Verein für
Handelsgeografie“ seine Unterstützung zu. Als Mitgl ied der „Commission internationale
d’exploration et de civilisation de l’Afrique centr ale“ beriet er den belgischen König Leopold
II. bezüglich der Erschließung des Kongo. 7 Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird deutlich, dass
koloniale bzw. kolonial-wirtschaftliche Interessen bei Nachtigals Wirken eine Rolle spielten.
Seine Bekanntheit und sein Status als „Afrika-Exper te“ trug ihm 1882 die Ernennung zum
deutschen Generalkonsul in Tunis ein, womit Nachtig al in den auswärtigen Dienst des
Kaiserreichs eintrat. Zwei Jahre später wurde er zum Reichskommissar für Westafrika ernannt
und mit der Aufgabe betraut, „Freundschafts-, Handels- und Protecorats-Verträge“ entlang der
Küste zwischen dem Nigerdelta und Gabun, aber auch in Angra Pequena (Namibia)
abzuschließen. 8 Nicht zuletzt hanseatische Kaufleute hatten in die sen Regionen bereits
Handelsstützpunkte errichtet und Land „erworben“. D iese „Erwerbungen“ sollten nun durch
Nachtigal unter den „Schutz“ durch das Deutsche Reich gestellt, der deutsche Handel gesichert
werden. Mit der Drohkulisse von kaiserlichen Kanonenbooten reiste er im Frühjahr 1884 nach
Westafrika und traf an Bord der „Möwe“ Anfang Juli 1884 in Togo ein. Zur Sicherung der
wirtschaftlichen Interessen des Deutschen Reichs st ellte er das Gebiet bei Baguida und Lome
„unter kaiserlichen Schutz“. Dabei griff Nachtigal offenbar auch zu erpresserischen Methoden.
So versuchte er in Klein Popo den ersten „Schutzver trag“ vom einheimischen „King“ G.A.
Lawson III. zu erpressen, indem er zwei von der deu tschen Marine nach Berlin entführte
westafrikanische Geiseln Gomez und Wilson länger al s beauftragt an Bord seines
Kriegsschiffes gefangen hielt. 9 Am 11. Juli erreichte Nachtigal die Kamerunbucht, wo der
Hamburger Handelskaufmann Adolf Woermann schon seit 1849 eine Niederlassung besaß und
um „Schutz“ des Deutschen Reichs gebeten hatte. Unt er Druck gesetzt durch Kanonenboote
und unter Zusicherung des Zwischenhandelsmonopols k am es zur Vertragsunterzeichnung
zwischen Nachtigal und den Duala-„Königen“ Bell und Akwa. 10
Im „Westdeutschen Beobachter“ heißt es dazu: „Dr. Nachtigal hatte durch seine
Forschungsexpeditionen in die Sahara und seine Tätigkeit als Generalkonsul in Nordafrika sich
7 Vgl. Ratzel, F.: Nachtigal, Gustav, in: Historische Kommission bei der königlichen Akademie der Wissenschaft
(Hrsg.): Allgemeine Deutsche Biografie. Band 23. Leipzig 1886. S. 193-199, hier S. 196.
8 Wie Anm. 4, hier S. 98.
9 https://eineweltstadt.berlin/publikationen/stadtneulesen/nachtigalplatz/ [01.05.2023].
10 Zu den Vorgängen in Kamerun siehe vor allem: Auste n, Ralph A. & Derrick, Jonathan: Middlemen of the
Cameroons Rivers. The Duala and their Hinterland, c. 1600- c. 1960, Cambridge 1999, S. 93-137.
4
das Zeug erworben, als Reichskommissar in Südwestaf rika Erwerbungen vorzunehmen. Er
führte dabei das bekannte Wettrennen auf einem deutschen Kanonenboot mit Engländern durch,
die ihm kurz auf den Fersen saßen. Am 5. Juli hißte er in Bagida in Togo und am 14. 7. 1884
in Duala in Kamerun die deutsche Flagge.“ 11
Anfang Oktober schließlich erreichte Nachtigal Angra Pequena (Lüderitzbucht) im heutigen
Namibia, um die durch den Bremer Kaufmann Adolf Lüd eritz „erworbenen“ Gebiete unter
„Reichsschutz“ zu stellen. Dabei beglaubigte er ein deutig betrügerisch erworbene
„Landerwerbungen“, obwohl bereits eine offizielle B eschwerde des Nama-Chiefs Josef
Fredericks dagegen vorlag. Fredericks war bei den in den Verträgen genannten Meilenangaben
von der englischen Meile (1,6 km) ausgegangen, Lüde ritz aber rechnete wissentlich mit der
deutschen Meile (7,4 km) und sah sich im Besitz ein es wesentlich größeren Gebietes als von
Fredericks zugestanden. Trotzdem und in dem Wissen um die Problematik beglaubigte
Nachtigal die von Lüderitz betrügerisch „erworbenen“ Landrechte. 12
Insgesamt ließ Nachtigal zwischen Juni 1884 und Feb ruar 1885 mehr als ein Dutzend Mal
in West- und Südwestafrika die Flagge des Deutschen Kaiserreichs hissen.
Noch während Nachtigal in Angra Pequena war, kam es in Kamerun zu ersten militärischen
Auseinandersetzungen mit Widerstand leistenden Dual a-Chiefs. Nachtigal schiffte sich
daraufhin wieder ein und eilte kurzzeitig nach Kamerun zurück. Dort traf er den pro-kolonialen
Redakteur der Kölnischen Zeitung, Hugo Zöller, und beauftragte diesen, weitere
„Schutzverträge“ abzuschließen. „Die in der Folge b etriebene Kanonenbootpolitik der
Deutschen markierte den Anfang einer rücksichtslos betriebenen Politik der Unterdrückung und
Gewalt.“ 13
Nachtigal selbst musste im April 1885 aufgrund seines schlechten Gesundheitszustands die
Heimreise antreten. Wenige Tage später, am 20. Apri l 1885, starb Nachtigal vor der
Guineaküste an Bord der „Möwe“ an Malariafieber. Er wurde zunächst auf Kap Palmas
(Liberia) beerdigt, 1888 ließ das Auswärtige Amt ih n nach Duala überführen, wo er neben
seinem Denkmal – gestiftet von der in Westafrika tä tigen deutschen Kaufmannschaft –
begraben wurde.
11 Kölner Straßen mit kolonialen Namen, Westdeutscher Beobachter vom 8. Juni 1936.
12 Vgl. Anm. 2, hier S. 93; Anm. 4, hier S. 99.
13 Wie Anm. 2, hier S. 93.
5
Bewertung und Zusammenfassung gemäß Kriterienkatalog:
Nach seinem Tod wurde Nachtigal als „kolonialer Hel d“ konstruiert und gefeiert, dem das
Deutsche Reich drei Kolonien auf dem afrikanischen Kontinent (mit) zu verdanken habe und
der den „Märtyrertod“ für das koloniale Projekt ges torben sei. In der NS-Zeit erlebte die
„Heldenverehrung“ einen neuen Aufschwung und in ver schiedenen Städten wurden Straßen
nach Nachtigal benannt (neben Köln z.B. in Halle und Mannheim).
„Nachtigal hat als Reichskommissar in Togo, Südwest, Kamerun die Verhandlungen geführt
und die deutsche Flagge gehißt. In seinem Namen ver sinnbildlicht sich der Weg von der
wissenschaftlichen Hingabe des Einzelmenschen zu dem politischen Willen der Staatsführung
und einer wenn auch zunächst noch zögernden Nation“, würdigte der spätere Bundespräsident
Theodor Heuss Nachtigals Wirken in einem bereits während des Zweiten Weltkriegs verfassten
Beitrag.14
In den letzten zwanzig Jahren wurden Person und Wirken Gustav Nachtigals einer kritischen
Neubewertung unterzogen. Noch relativierend resümie rt Tunis in Anlehnung an Christoph
Marx, dass Nachtigal wohl unter den Afrikaforschern zu den menschlichsten gehörte, trotz
seiner kolonialen Tätigkeit. 15 Ähnliche Bewertungen sowie die lange vorherrschend e
Betrachtung Nachtigals als verdienter „Afrikaforsch er“ dürften dazu beigetragen haben, dass
die „Gustav-Nachtigal-Straße“ nicht in die Umbenenn ungsdiskussion zum Ende der 1980er
Jahre einbezogen wurde.
Für Essner 16 und Horstmann 17 dagegen trugen frühe Reisende wie Nachtigal berets
entscheidend zu der in den 1870er Jahre im Deutsche n Reich entstehenden
Kolonialbegeisterung bei und schufen ein „politisches Meinungsklima“ 18 , das den Weg für die
spätere Aneignung von Kolonien ebnete. Nachtigal sah sich selber zweifellos schon bei seinen
Forschungen als Wegbereiter eines zukünftigen deutschen Kolonialreichs.
Nachtigals Flaggenhissungen in West- und Südwestafrika in den Jahren 1884/1885 müssen
darüber hinaus als grundlegende erste Schritte zur Aneignung eines bedeutenden Teils des
deutschen Kolonialreichs gewertet werden. Dabei schreckte Nachtigal zu keinem Zeitpunkt vor
der Androhung von Gewalt, Geiselhaft und Unterdrucksetzung der Vertragspartner zurück.
14 Wie Anm. 3, hier S. 225.
15 Wie Anm. 4, hier S. 102; vgl. Christoph Marx: Völker ohne Schrift und Geschichte: Zur historischen Erfassung
des vorkolonialen Schwarzafrika in der deutschen Forschung des 19. Und 20. Jahrhunderts, Beiträge zur Kolonial-
und Überseegeschichte, Bd. 4, Stuttgart 1988, S. 40-61, hier S. 61.
16 Essner, Cornelia: Deutsche Afrikareisende im neunz ehnten Jahrhundert. Zur Sozialgeschichte des Reisen s,
Stuttgart 1985, S. 121.
17 Siehe Anm. 2, hier S. 91.
18 Wie Anm. 6.
6
Das vorliegende Gutachten schließt sich deshalb ver gleichbaren Bewertungen in Berlin
(2016) und Mannheim (2022) an und empfiehlt ebenfal ls die Umbenennung der Gustav-
Nachtigal-Straße.
1) Nachtigal hat sowohl wissenschaftlich (durch seine Forschungsreisen und
Publikationen) als auch politisch (durch Übernahme des Amtes Reichskommissar,
Flaggenhissungen, etc.), das „koloniale Projekt“ de s Deutschen Reichs unterstützt
und vorangetrieben.
2) Verträge und Flaggenhissungen erfolgten in Zusammenhang mit Gewaltandrohungen
(Kanonenboote) und sogar Geiselnahmen. Noch zu Nachtigals Lebenszeit kam es zu
gewaltsamem Widerstand und kriegerischen Auseinande rsetzungen in Kamerun.
Nachtigal legitimierte Lüderitz‘ betrügerische Verträge, die später zur antikolonialen
Auflehnung der Nama führte, die von 1904 bis 1908 brutal niedergeschlagen wurde.
5) Die Benennung der Gustav-Nachtigal-Straße steht für den Zusammenhang von
Kolonialrevisionismus und Nationalsozialismus.
Kategorie: schwer belastet/nicht haltbar
(Mai 2023)
Mitteilung BV
2051 Zeichen
Dezernat, Dienststelle VIII/23/235/1 Vorlagen-Nummer 2898/2023 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Bezirksvertretung 5 (Nippes) 19.10.2023 Projekt „Überprüfung der Kölner Straßennamen auf Zusammenhänge mit Kolonialismus oder Nationalsozialismus" Hier: Handlungsempfehlung für die Gustav-Nachtigal-Straße in Köln-Nippes Wie in der Mitteilung mit der Vorlagennummer 0862/2023 berichtet wurde, hat der Verwaltungsvorstand 2021 das Projekt „Umgang mit dem (post)kolonialen Erbe Kölns“ im Amt für Integration und Vielfalt initiiert. In einem Teilprojekt „Straßennamen“ wurde eine Untersuchung aller Kölner Straßennamen mit kolonialem und nationalsozialistischem Hintergrund veranlasst. Diese Prüfung wird von einem Historiker*innenteam mit nachgewiesener Fach- und Sachkompetenz, dem sogenannten „Historischen Beirat“, durchgeführt. In ihrem Gutachten zu Gustav Nachtigal aus Mai 2023 empfiehlt Frau Prof. Dr. Bechhaus- Gerst, Mitglied im Historischen Beirat, die Gustav-Nachtigal-Straße in Köln-Nippes umzube- nennen. Grund hierfür ist die von Nachtigal sowohl wissenschaftliche als auch politische Un- terstützung des „kolonialen Projektes“ des Deutschen Reichs. Der Empfehlung stimmen auch alle anderen Gremiumsteilnehmer*innen zu. Das Gutachten von Prof. Dr. Bechhaus-Gerst ist als Anlage beigefügt. Der Historische Beirat schlägt der Bezirksvertretung Nippes vor, die Verwaltung mit dem Um- benennungsverfahren zu beauftragen. Gemäß den Richtlinien des Rates für die Neu- und Umbenennung von Straßen und Plätzen muss nach Punkt 4.4 bei einem Umbenennungsan- liegen in jedem Fall eine Anwohner*innenbefragung erfolgen. Expert*innen-Gutachten und -Empfehlung sowie das Ergebnis der Anwohner*innenbefragung und der Öffentlichkeitsbeteili- gung werden der Bezirksvertretung anschließend zur Entscheidung vorgelegt. Die politische Entscheidung über die Umbenennung oder Beibehaltung der Straßenbezeichnung trifft an- schließend die Bezirksvertretung. Anlage: Gutachten Gustav Nachtigal vom Historischen Beirat
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 2898/2023
- Typ
- Mitteilung BV
- Datum
- 12.10.2023
- Erstellt
- 06.09.2023 11:46