Mandari Insight

V/0384/2012

Verzicht auf Umbenennung des Heinrich-Lersch-Wegs

Vorlagen 11.05.2012

KI-Zusammenfassung

Klicken Sie, um eine KI-Zusammenfassung dieses Vorgangs zu erstellen.

KI-Analyse läuft...

vergangen

Was passiert gerade?

  • 📄 Dokumente werden analysiert...
  • 🤔 KI denkt nach (Reasoning-Modell)...
  • ✍️ Zusammenfassung wird geschrieben...
  • ⏳ Das dauert etwas länger bei komplexen Dokumenten...

Dieser Vorgang kann 1-3 Minuten dauern. Bitte lassen Sie die Seite geöffnet.

Nächste Beratung: Bezirksvertretung Münster-Ost, Sitzung am 23.08.2012, TOP 3.4

Anlage-2-Übersichtsplan

· application/pdf

Ansehen

Anlage-1-Bürgerumfrage-Ergebnisse

· application/pdf

Ansehen

Beschlussvorlage

· application/pdf

Ansehen

Anlage-2-Übersichtsplan

20 Zeichen

Anlage 2
V/0384/2012

Anlage-1-Bürgerumfrage-Ergebnisse

4166 Zeichen

Anlage 1    
Anlage 1, Seite 1 
 
Bürgerumfrage 2012 „Ehrung von Personen durch 
Straßenbenennungen“ - Zusammenfassung der Ergebnisse  
 
 
1. Auftragslage und Zielstellung 
- Beschluss des erweiterten Ältestenrates der Stadt  Münster vom 07.07.2011 
- Grundlage: Ergebnisse der Kommission „Straßenname n“ 
- Gewinnung zusätzlicher Informationen mittels eine r repräsentativen Bürgerumfrage 
parallel zur Informations- und Kommunikationsphase (v. a. Ausstellung „Ehre, wem 
Ehre gebührt?!“ vom 26.01. – 16.03.2012) 
- Leitfrage: „Wie soll sich Münster zu Persönlichke iten stellen, die sie durch 
Straßennamen für ihr Lebenswerk in besonderer Weise geehrt hat, wenn sich diese 
Ehrung aufgrund neuer Forschungsergebnisse als fragwürdig erweist?“ 
 
 
2. Methodik 
- Befragungszeitraum: 25.01. – 15.02.2012 
- Zufallsstichprobe: 5.126 Bürgerinnen und Bürger ( über 18 Jahre, Hauptwohnsitz) 
- Rücklauf: 1.937 Fragebögen (37,8 % Rücklaufquote)  
- Ergebnisse lassen sich grundsätzlich auf Münstera ner Bevölkerung übertragen 
 
 
3. „Sind Sie generell dafür, Personen mit besonderer zeitgeschichtlicher 
Bedeutung durch Benennung von Straßen, Wegen und Plätzen in Münster zu 
ehren?“ (Frage 1) 
- Ja, auf jeden Fall: 69,7 % 
- Ja, aber nur für Personen mit Bezug zu Münster: 1 7,5 % 
- Nein: 6,5 % 
- Ist mir egal: 4,4 % 
- Weiß nicht/kann ich nicht beurteilen: 0,8 % 
- Ohne Angabe: 1,1 % 
 
 
4. „Nach neueren quellengestützten Forschungsergebnissen ist der damalige 
Reichspräsident Paul von Hindenburg als Stütze des NS-Regimes anzusehen. 
Besteht heute noch ein Anlass, Hindenburg durch die Namensgebung für den 
größten Platz Münsters zu ehren?“ (Frage 2) 
- Ja: 35,0 % 
- Nein: 48,3 % 
- Ist mir egal: 7,3 % 
- Weiß nicht/kann ich nicht beurteilen: 6,6 % 
- Ohne Angabe: 2,8 %

Anlage 1, Seite  2 
2 
5. „Es gibt - neben dem Hindenburgplatz - noch weitere Anträge aus Bürgerschaft 
und Politik zur Umbenennung von Straßen und Wegen: Was würden Sie 
vorschlagen, wenn sich deren Namensgeber/innen nach neueren 
quellengestützten Forschungsergebnissen als Stützen des NS-Regimes erwiesen 
haben?“ (Frage 3) 
- Die Namen der Straßen/Wege sollen so bleiben wie sie sind: 27,6 % 
- Die Namen der Straßen/Wege sollen so bleiben wie sie sind; es soll aber jeweils ein 
Zusatzschild mit Erläuterungen zu den Namensgebern angebracht werden: 30,2 % 
- Die Namen der Straßen/Wege sollen geändert werden ; auf den künftigen 
Straßenschildern soll aber auf die ehemaligen Namen hingewiesen werden: 16,2 % 
- Die Namen der Straßen/Wege sollen geändert werden : 22,6 % 
- Ist mir egal: 0,6 % 
- Weiß nicht/kann ich nicht beurteilen: 1,3 % 
- Ohne Angabe: 1,5 % 
 
 
6. „Fühlen Sie sich zum Thema 'Ehrung von Personen durch 
Straßenbenennungen' ausreichend informiert?“ (Frage 4) 
- Ja: 56,4 % 
- Ja, zum Teil: 30,3 % 
- Nein: 11,4 % 
- Ohne Angabe: 1,9 % 
 
 
7. Fehlt Ihnen etwas an Informationen zu diesem Thema? (Frage 5) 
- Offene Frage: 512 Nennungen von 422 Befragten, d.  h. 21,8 % der 
Umfrageteilnehmerinnen und -teilnehmer haben sich mittels Freitext geäußert 
- Nur ein geringer Teil der Nennungen bezieht sich auf „weitergehenden 
Informationen“: 4,3 % „weitere Informationen fehlen“; 3,1 % „mehr Informationen in 
Medien“ 
- Häufiger wird die Frage der „Kosten“ kritisch angesprochen: 7,6 % „Kosten 
insgesamt“, 7,0 % „Kosten der Umbenennung“  
- Auch machen die Anmerkungen deutlich, dass nicht alle Befragten die neueren 
Forschungen teilen, dass Hindenburg und weitere Namensgeberinnen/-geber als 
Stützen des NS-Regimes anzusehen sind: 8,2 % „Suggestive Fragestellung“,  
5,5 % „Begründung zweifelhaft“ (Hindenburg) bzw. 5,1 % (weitere Namensgeber) 
- Bezogen auf alle Umfrageteilnehmer/innen liegen d iese Antwortanteile bei 2,2 % 
(„Suggestive Fragestellung“), 1,4 % („Begründung Hindenburg zweifelhaft“) und 1,3 
% („Begründung weitere Namensgeber zweifelhaft“) 
- Ebenso werden auch „neue Namensvorschläge“ für de n Hindenburgplatz genannt 
(5,5 % aller Nennungen bzw. 1,4 % bezogen auf alle Umfrageteilnehmerinnen und -
teilnehmer), wobei hier der „Schlossplatz“ (3,7 %) überwiegt; vereinzelt werden 
weitere Namen genannt (z. B. Neuplatz, Friedensplatz)

Beschlussvorlage

19698 Zeichen

DER OBERBÜRGERMEISTER 
Vermessungs- und Katasteramt 
 
 
 
 
 
 
 
 
Betrifft 
 
Verzicht auf Umbenennung des Heinrich-Lersch-Wegs 
 
 
 
Beratungsfolge 
 
 
23.08.2012 Bezirksvertretung Münster-Ost Entscheidung 
 
 
Beschlussvorschlag: 
I. Sachentscheidung: 
Entsprechend der Empfehlung der Kommission Straßennamen wird der Straßenname Hei nrich-
Lersch-Weg nicht aufgehoben, sondern erhält ein neues Erläuterungsschild mit dem Hinweis, dass 
der Name nicht demokratisch beschlossen, sondern im November 1938 festgesetzt wurde. 
II. Finanzielle Auswirkungen: 
Es entstehen Kosten für das neue Erläuterungsschild zu dem Straßennamen. Die Finanzierung ist 
aus laufenden Mitteln des Tiefbauamtes aus dem Budget „1201-Straßenerhaltung“ sichergestellt.  
 
 
 
Begründung: 
Diese Beschlussvorlage zum Heinrich-Lersch-Weg steht im Zusammenhang mit de n stadtweiten 
Diskussionen über NS-belastete Straßennamen. 
Ein Ausgangspunkt der Diskussionen war im Mai 2007 der Antrag der SPD-Fraktion der BV-West 
auf Umbenennung des Carl -Diem-Weges. Ebenfalls im Mai 2007 hat die SPD -Fraktion in der BV -
Mitte um Prüfung der Vorwürfe gegen den Name nsgeber des Jöttenweges gebeten sowie einen 
Bericht über die Straßennamen angefordert, deren Namensgeber in die Unrecht staten bzw. 
Kriegsverbrechen des Nationalsozialismus verstrickt waren. Diese Prüfung führte zu einem Auftrag 
an den Historiker Dr. Schmid t, der die Namensgeber der Straßen im Stad tbezirk Mitte a uf deren 
Verstrickung in die Unrechtst aten des NS -Regimes überprüfen sollte. In seinem Gutachten b e-
nannte Dr. Schmidt 29 Personen, die er in 4 Kategorien eingeteilt hatte: 
Kategorie 1: keine Nähe zum NS-Regime 
Kategorie 2: Haltung zum NS-Regime nicht eindeutig 
Kategorie 3: Aktive Stützen des NS-Regimes 
Kategorie 4: Beteiligung an Kriegsverbrechen oder Unrechtstaten 
 
Vorlagen-Nr.: 
  
V/0384/2012 
Auskunft erteilt: 
Herr Zimmermann 
Ruf: 
492 62 42 
E-Mail: 
ZimmermannBernhard@stadt-muenster.de  
Datum: 
14.05.2012 
Öffentliche Beschlussvorlage

- 2 - 
          
Während in der Kategorie 4 keine Namensgeber auf Münsters Straßenschildern vorha nden sind, 
sind es in der Kategorie 3 nach dem Gutachten Schmidt 7 Personen (Franz Ludwig, Ludwig Hum-
borg, Karl Wilh. Jötten, Hans Pfitzner, Alfred Stühmer, Karl Wagenfeld und Agnes Miegel), davon 
liegt die Agnes-Miegel-Straße im Stadtbezirk Ost. Ein weiterer Prüfauftrag des Oberbürgermeisters 
an das Stadtarchiv zu den Straßennamen im übrigen Stadtgebiet ergab drei weitere Namensgeber 
in der Kategorie 3 aus dem Stadtbezirk Münster -Ost (Friedrich Castelle, Heinrich Lersch und He r-
mann Stehr). Darüber hinaus hatte der Ratsantrag der SPD-Fraktion vom Januar 2008 zur Umb e-
nennung des Hindenburgplatzes die Debatte um Straßennamen sehr stark in die Öffentlichkeit 
getragen.  
Nach der Kommunalwahl 2009 hat der erweiterte Ältestenrat des Rates beschlossen, eine Kom-
mission unter der Leitung des Oberbürgermeisters einzusetzen, der alle im Rat vertretenen Partei-
en und die Historiker Prof. Dr. Thamer und Prof. Dr. Kenkmann angehören sollten.  
Diese Kommission sollte über die zehn Personen der Kategorie 3 (dazu Diem und Hinde nburg) 
also über zwölf Namensgeber beraten. Im Vordergrund des Prüfauftrags stand nicht die Bewertung 
der gesamten Lebensleistung dieser Personen, sondern ob und inwieweit die N amensgeber das 
NS-Regime gestützt ha ben. Außer der Beratung über historische Fakten  sollte die Kommission 
den entscheidungsbefugten Gremien (Rat und Bezirksvertretungen) ihre Empfehlung mitteilen, ob 
die Ehrung durch den Straßennamen nach wie vor angemessen sei und eine Umbenennung stat t-
finden solle oder nicht. 
Nach Abschluss der Kommissionsarbeit hat der erweiterte Ältestenrat die Ergebnisse und Empfeh-
lungen der Kommission am 07.07.2011 entgegengenommen und die Verwaltung beauftragt, diese 
Ergebnisse in einer breit angelegten Informations- und Kommunikationsphase zu veröffentlichen. 
Zusätzlich sollte die Verwaltung eine repräsentative Bürgerumfrage zur Frage der „Ehrung“, die mit 
der Benennung einer Straße nach einem Namensgeber verbunden ist, durchführen. Die se Bürge-
rumfrage sollte eine zusätzliche Informationsquelle für die Diskussion in den Gremien bilden, diese 
aber nicht binden. 
Die Informations- und Kommunikationsphase hatte zum Ziel, über die Ergebnisse der Ko mmission 
zu informieren. Insbesondere sollte die auf neuen Erkenntnissen der historischen Forschung b a-
sierende Einschätzung der  Kommission zu den Namensgebern vermittelt werden, da diese E r-
kenntnisse vermutlich in weiten Teilen der Bürgerschaft nicht bekannt sind.  
Im Vordergrund der Information sollte daher nicht die gesamte Lebensleistung der Namen sgeber 
stehen, sondern sollten insbesondere die neuen historischen Fakten stehen, nach denen die N a-
mensgeber nach heutiger Bewertung nicht mehr als Vorbilder dienen können und eine Ehrung 
nicht verdient haben. 
Die Information der Öffentlichkeit erfolgte unter dem Motto „Ehre, wem Ehre gebührt?!“ 
- mit einer neuen Internetseite auf der Homepage der Stadt unter 
www.muenster.de/stadt/strassennamen, freigeschaltet seit 21.12.2011 
- mit der Ausstellung „Widerstände im Münsterland“ in der Bürgerhalle des Rathauses vom 
19.11. - 21.12.2011 
- mit der Ausstellung „Ehre, wem Ehre gebührt ?!“ in der Bürgerhalle des Rathauses vom 
26.01. - 16.03.2012 
- mit einer Eröffnungsveranstaltung zur Ausstellung „Ehre, wem Ehre gebührt?!“ am 
25.01.2012 im Rathaus-Festsaal

- 3 - 
          
- mit zwei Informationsveranstaltungen in den Stadtbezirken Ost und Mitte am 26.01.2012 
und 09.02.2012 
- mit einer Podiumsdiskussion „Ehre, wem Ehre gebührt?! - Geschichte und Verantwortung 
in einer demokratischen Gesellschaft“ mit prominenten Podiumsteilnehmern am 
29.02.2012 im Rathaus-Festsaal 
Ergebnisse der Bürgerumfrage 
Die repräsentative Bürgerumfrage wurde vom Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung, Verkehr s-
planung in der Zeit vom 25.01. - 15.02.2012 durchgeführt. Es wurde unter anderem die Frage g e-
stellt: „Sind Sie generell dafür, Personen mit besonderer zeitgeschichtlicher Bedeutung durch B e-
nennung von Straßen, Wegen und Plätzen in Münster zu ehren?“ Knapp 70 Prozent der Antworten 
lauteten „Ja“.  
Auf die weitere Frage „Es gibt - neben dem Hindenburgplatz - noch weitere Anträge aus Bürge r-
schaft und Politik zur Umbenennung von Straßen und Wegen: Was würden Sie vorschlagen, wenn 
sich deren Namensgeber/innen nach neueren quellengestützten Forschungsergebnissen als Stü t-
zen des NS -Regimes erwiesen haben?“ sprachen sich knapp 40 Prozent der Befragten für eine 
Umbenennung aus.  
Die einzelnen Umfrageergebnisse sind in Anlage 1 beigefügt. 
Heinrich-Lersch-Weg 
Der Straßenname wurde im November 1938 festgesetzt. Er bezieht sich auf Heinrich Lersc h, 
* 12.09.1889 in Mönchengladbach  † 18.06.1936 in Remagen, Handwerker und ab 1924 freier 
Schriftsteller. 
Empfehlung der Kommission Straßennamen 
Die Kommission hat in ihrer abschließenden 4. Sitzung am 15. Juni 2011 zusammengefasst fo l-
gende Empfehlungen abgegeben: 
"Die Kommission empfiehlt mehrheitlich keine Umbenennung des Heinrich-Lersch-Weges, 
sondern die Anbringung einer Erläuterungstafel, auf der auch darauf hingewiesen wird, dass 
der Straßenname nicht demokratisch beschlossen, sondern nach der Entscheidung des dama-
ligen Oberbürgermeisters Albert Hillebrand (NSDAP) durch „Polizeiliche Anordnung“ im No-
vember 1938 festgesetzt wurde. Ausschlaggebend für dieses Votum ist, dass Lersch nicht Par-
teimitglied war und sein Werk nicht zu hoch zu bewerten ist." 
 
Die im Folgenden angeführte Begründu ng für den Beschlussvorschlag  ist dem vom Stadtarchiv 
aufbereiteten Internetangebot „Ehre wem Ehre gebührt!?“ entnommen. 
Heinrich Lersch und der Nationalsozialismus 
Politische Mitgliedschaften 
1934:   Mitglied der Hitlerjugend (HJ) 
01.08.1935: Eintritt in die NSDAP (Mitgliedsnummer 3701750)

- 4 - 
          
Anmerkung: Nach der Empfehlung durch die Kommission erfolgte durch das Stadtarchiv eine 
weitere intensive Quellenrecherche, die eine NSDAP-Mitgliedschaft Lerschs nachweisen konn-
te. 
"Gesäuberte" Dichterakademie 
Im Juni 1933 nahm Lersch die Berufung in die " gesäuberte" Deutsche Akademie der Dichtung an, 
was ein öffentliches Bekenntnis zum Nationalsozialismus bedeutete. (Elbing, S. 123). Er führte den 
Titel "Mitglied der deutschen Dichterakademie" in seinem Briefkopf. Andererseits versuchte Lersch 
aber auch, seine Stellung zu nutzen, um Dichterfreunden zu helfen, die etwa der "Kommunisten-
freundschaft" verdächtigt wurden (Haffke, S. 82). 
Umgedichtete Werke 
Heinrich Lersch schrieb einige seiner früheren Gedichte im Sinne der nationalsozialistischen Ide o-
logie um. Bei den zwei markantesten Fällen handelt es sich zum einen um das Gedicht "Soldaten 
der neuen Armee", das Lersch ursprünglich in den 1920er Jahren als proletarisches Kampflied 
verfasst hatte und 1934 unter dem Titel "Soldaten der braunen Armee" neu herausgab. 
Außerdem veröffentlichte Lersch das Gedicht "Deutsches Lied, deutsches Land zum Verfa s-
sungstag", das der Dichter 1919 anlässlich der Gründung der Weimarer Republik verfasst hatte, 
erneut im Jahr 1934 unter dem Titel "Morgenlied der neuen Arbeiter".  Beide Gedichte erschienen 
in dem Band „Mit Brüderlicher Stimme“, für den Lersch 1935 den Rheinischen Literaturpreis erhielt. 
Dem Band wurde das Motto "Im Sinne des Führers: Der Gefolgschaft !" vorangestellt. Allerdings 
soll Lersch nach einem Bericht von Fritz Hüser dieses Motto aufgedrängt worden sein. (Klein 1965, 
S. 370). 
In dem Band finden sich noch drei weitere Gedichte, in denen Lersch Elemente der nationalsozi a-
listischen Ideologie aufgr eift, vor allem die " Volksgemeinschaft" und die Betonung eines "neuen 
Deutschland", das erstanden sei. Bei diesen Gedichten handelt es sich um den "Marsch zur 
Kampfbahn", das "Marschlied" sowie das "Jungvolklied". 
In seinem Gesamtwerk nehmen diese Gedichte  jedoch nur einen recht kleinen Raum ein. Da 
Lersch in seinen letzten Lebensjahren häufig krank war, veröffentlichte er nur noch wenig. 
Redner bei der HJ, beim BDM und bei Versammlungen 
Lersch engagierte sich in der Hitlerjugend (HJ), wo er als Jungzugführ er Schulungskurse leitete 
und zahlreiche Abendvorträge hielt. Er sah vor allem in den Jugendlichen die Träger der "nationa-
len Revolution", die er befürwortete. So schrieb er in einem Brief an das Ehrpaar Schinzinger im 
August 1934, dass ihn eine kleine Gru ppe vorbeiziehender Jungvolkbuben aus "Zweifel und U n-
glauben" herausgesungen hätte: "Seitdem weiß ich, daß es nicht um Personen und Dogmen, so n-
dern um uns alle geht, und darum kann ich genau wie die Millionen die Hand erheben und frei he r-
aus den Kanzler de s Reiches grüßen!" (Jenssen, Brief Nr. 182)  Lersch hielt diese Vorträge fast 
immer ohne Honorar, obwohl sich die Familie in chronischen Finanznöten befand. (Jenssen, Briefe 
Nr. 214, Nr. 221, Nr. 243). 
Lersch trat als Redner bei Versammlungen und Kundgebungen auf, jedoch sind nur wenige seiner 
Reden überliefert. Eine Ausnahme bildet die "Rede zu Ehren des Führers" , die Lersch 1934 vor 
einer Versammlung von Arbeitern hielt. Mit viel Pathos pries er Hitler als Führer, der die Deutschen 
"aus allen Stämmen, blutverbunden" zusammengeschweißt habe, so dass sie und die "Helden der 
nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei [...] das Gigantenwerk unseres Führers"  feiern

- 5 - 
          
könnten. Hitler habe die Arbeiter aus der Sklaverei befreit und "seine Hände weisen uns in d as 
Land des Nationalsozialismus". 
Kundgebungen: "Es war phantastisch, es ist unvergeßlich." 
Ebenso begeistert war Lersch von den Maikundgebungen, zu denen er regelmäßig als offizieller 
Redner eingeladen wurde (Delseit: S. 175, Anm. 12). Er schrieb am 12. M ai 1933 an seinen 
Freund Hans Leifhelm: "Zum 1. Mai war ich in Berlin. Es war die reinste Mobilmachung: come 
1914. Ein unbeschreiblicher Auflauf an Menschen, eine meisterhafte Organisation. Am Abend war 
ich auf dem Tempelhoferfeld, es war phantastisch, es ist unvergeßlich. Ich weiß nicht, ob der Duce 
so geliebt wird wie A.H. Es ist ein merkwürdiges Ereignis, den Führer sprechen zu hören. Jeder 
Satz reizt zum Widerspruch und doch ist solche eine Rede bewundernswert, weil sie aus einem 
Herzen kommt, das voller Liebe ist." 
Noch eindeutiger liest sich ein Brief Lerschs vom 10. Mai 1933 an den Generalintendanten des 
WDR, Heinrich Glasmeier: "Es war sehr notwendig, dass ich das Fest auf dem Feld [in Berlin]  
mitmachte; nie hätte ich solchen Eindruck bekommen, nie h ätte ich die Revolution so durchem p-
finden können. Dieser gewaltige Abend drang nämlich durch die sieben Sinne in den Leib und ins 
Blut ein. Das wird auch wieder lebendig, wenn es nottut." 
"Jetzt darf wieder gedichtet werden!" 
Lersch nahm die Machtergreifun g der Nationalsozialisten 1933 mit Begeisterung auf. Er erhoffte 
sich eine Verbesserung der Möglichkeiten der Kulturschaffenden, die er in der Weimarer Republik 
vermisst hatte: "Wir mußten, mußten vor dem bürokratischen Materialismus der Realitätsschreiber  
zurückstehen. Jetzt darf wieder gedichtet werden!"  (Brief Lerschs an Walther Teich vom 5. Mai 
1933). 
Diese Einstellung verteidigte er auch gegenüber Freunden, die das neue Regime kritischer b e-
trachteten: "Lieber Hein, lass dich von dem Kulturpessimismus n icht niederdrücken. Es hat keinen 
Sinn, sich mit dem Spießergetratsch abzugeben, dass Deutschlands Kunst niedergeht und die 
Partei unduldsam ist – Andere mögen, wenn sie selber nichts zu gestalten haben, über Niede r-
gang quatschen. [...] weil nun einmal die  liberalen und demokratischen Greiner unter Bauchnabe l-
betrachtung die Kraft zum Schaffen und Fruchtbarmachen verloren haben – Glaub das doch nicht, 
dass 'Die Zeit' - schuld ist. 'Zeit' ist blos faule Ausrede für Impotente, die aus Mangel an Leben sich 
der Zeugung entziehn möchten."  (Brief Lerschs an Heinrich Minkenberg vom 29. September 
1933). 
"Wie es kommt, wird es gefressen" 
Aus vielen seiner Briefe geht hervor, wie sehr Lersch es für nötig hielt, sich mit dem neuen Regime 
anzufreunden um die persönliche Existenz zu sichern. So schrieb er am 7. Mai 1933 in einem Brief 
an Heinrich Minkenberg, man müsse die Revolution "mitlieben, mitleben, da helfen alle Millionen 
tränender Seelen nicht, wie es kommt, wird es gefressen. Daran ersticken oder verschlingen."  (NL 
Lersch Fritz-Hüser-Institut Dortmund).  
Und in einem Brief an Walther Teich vom 27. Februar o. November 1934): "Ich habe keine Lust, 
mich noch mal umzublicken und auf die Welt zu starren, die da untergeht. Mag nicht als Salzsäule 
1933 am Rand der Strasse stehn bleiben. Es kommt sich verdammt nicht drauf an, was herüberge-
rettet wird, wenn man selber hinten bleibt." 
In privaten Briefen schrieb er, im Band "Mit brüderlicher Stimme" fänden sich "viele Gedichte, die 
mehr Gebrauchslyrik sind als Kunstwerke"  und begründete dies mit der Sorge um seine eigene

- 6 - 
          
Existenz: "Lieber Hans, so sehr mich das Schicksal der 80 Millionen bewegt, es ist mir mein kle i-
nes Schicksal doch schwerer, schöner härter. [...] Ich bin voriges Jahr um diese Zeit über den A b-
grund gesprungen, der zwei Zeitalter trennte. Jetzt bleibt mir nichts übrig, als mit den ersten gra u-
en Haaren an den Schläfen mitzumarschieren. Hab ich Recht oder Unrecht: Es ist mein Leben!"  
(Brief an Hans Leifhelm vom 6. März 1934). 
"Solange er nicht von der Staatskrippe frisst" 
Andererseits betonte Lersch häufig, wie wichtig es ihm sei, unabhängig zu bleiben und sich nicht 
den Stempel des Regimes aufzwingen zu lassen: "Es ist natürlich viel leichter, nach dem 'Zeichen 
des Bundes' zu sehen und das Kollektiv für den Inhal t verantwortlich zu machen. Ich weiss, wenn 
über meinen Manuskripten der Gummistempel einer Behörde stände, wär die Arbeit viel einfacher. 
Nun muss ich solche Leistungen schaffen, die meinen Namen zu einem Signet gestalten."  (Brief 
an Hermann Unger vom 1. April 1933). Ein Beleg für seine Unabhängigkeit sah Lersch stets in der 
Armut der Familie, die sich auch nach 1933 nicht gebessert hatte. 
Wahrnehmung 
Nach seinem Tod bekam der Dichter ein Ehrenbegräbnis der Stadt Mönchengladbach und sogar 
Joseph Goebbels schickte einen Lorbeer-Kranz. Lersch wurde also durchaus nach seinem Tod als 
nationalsozialistischer Dichter anerkannt (Elbing, S. 129). Zweifelsohne vereinnahmten die Nati o-
nalsozialisten Heinrich Lersch für ihre Zwecke – auch nach seinem Tod. Ältere Gedich te von ihm, 
auch aus der Zeit des Ersten Weltkriegs, den Lersch anfangs begeistert unterstützt hatte, wurden 
zusammenhanglos für die Gegenwart zitiert. 
Aus einem Protokoll des Rates der Stadt Mönchengladbach vom 9. Oktober 1936 geht hervor, 
dass sich die R atsherren bei der Frage, ob die Hinterbliebenen des Verstorbenen eine Unterstü t-
zung durch die Stadt erhalten sollten, keineswegs einig waren. Einige betonten, Lersch habe "bei 
diesem dichterischen Schaffen im Geiste des Nationalsozialismus gearbeitet". Andere waren über-
zeugt, dass man bei Lersch vor allem in der "Kampfzeit" eine "gegnerische Einstellung" zum Nati-
onalsozialismus habe beobachten können. Die Mehrheit der Ratsherren stimmte schließlich für 
eine Beteiligung der Stadt an der Unterstützung des Dic hters unter der Voraussetzung, dass der 
Nachlass des Dichters in Mönchengladbach verbliebe. 
Aus dem Protokoll des Rates der Stadt Mönchengladbach vom 09.10.1936 
"Der Ratsherr Krechel gibt die Erklärung ab, dass er wegen der gegnerischen Einstellung des ve r-
storbenen Dichters Heinrich Lersch zum Nationalsozialismus in der Kampfzeit sich grundsätzlich 
gegen die Gewährung einer Unterstützung an die Hinterbliebenen aussprechen müsse." 
"Der Ratsherr Hergrüter bringt demgegenüber zum Ausdruck, dass [...] der Dichter Heinrich Lersch 
in seinem Wirken das Arbeitertum verherrlicht und den inneren Regungen der Arbeiterseele den 
rechten Ausdruck verliehen habe, sodass er bei diesem dichterischen Schaffen im Geiste des N a-
tionalsozialismus gearbeitet habe." 
Zur Person Heinrich Lersch 
Lebenslauf 
 
904–1909: Lehre als Kesselschmied im väterlichen Betrieb 
1909–1910:  Fabrikarbeiter

- 7 - 
          
1913:  Veröffentlichung des ersten Gedichtbandes "Abglanz des Lebens" 
1913:  Wanderschaft in Italien mit Hans Leifhelm 
1914–1917:  Kriegsfreiwilliger (Reserve-Infanterie Regiment 65 in Köln) 
1917–1925:  Arbeit als Kesselschmied und Bergmann 
1918:  Heirat mit Erika, geb. Köchlin 
Ab 1924:  Freier Schriftsteller 
1932:  Umzug nach Bad Bodendorf  
1933:  Berufung in die deutsche Akademie der Dichtung 
1934:  Erscheinen des Gedichtbandes "Mit brüderlicher Stimme" 
Ehrungen 
1916:  Kleist-Preis 
1935:  Rheinischer Literaturpreis für die Veröffentlichung "Mit brüderlicher Stim-
me" 
19.11.1938:  Straßenbenennung auf polizeiliche Anordnung 
 
Weitergehende Informationen 
Weitere Dokumente, Quellen - und Publikationsangaben finden sich auf der Internetse ite  
www.muenster.de/stadt/strassennamen/ 
Fazit 
Aufgrund der mehrheitlichen Empfehlung der K ommission Straßennamen schlägt die Verwa ltung 
keine Umbenennung des Heinrich -Lersch-Wegs vor, sondern plädiert für die Anbringung einer 
Erläuterungstafel, auf der auch darauf hingewiesen wird, dass der Straßenname nicht demokr a-
tisch beschlossen, sondern nach der Entscheidung d es damaligen Oberbürgermeisters Albert Hi l-
lebrand (NSDAP) durch „Polizeiliche Anordnung“ im November 1938 festgesetzt wurde. 
Anträge oder Anregungen nach § 24 Gemeindeordnung zur Umbene nnung des Heinrich -Lersch-
Wegs liegen nicht vor. 
 
In Vertretung 
 
 
Schultheiß 
Stadtdirektor 
 
 
Anlagen: 
1  Ergebnis der Bürgerumfrage 
2  Übersichtsplan

Beratungsverlauf (1)

23.08.2012 Bezirksvertretung Münster-Ost
TOP 3.4 Entscheidung Entscheidung

Beschluss: mehrheitlich abgelehnt

Zur Sitzung

Orte (3)

  • Agnes-Miegel-Straße
  • Schlossplatz
  • Heinrich-Lersch-Weg

Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.

Details

Vorlagen-Nr.
V/0384/2012
Typ
Vorlagen
Datum
11.05.2012
Erstellt
06.10.2020 14:37