0294/2021
Projektergebnisse „Wirkungsmessung von Digitalisierungsvorhaben – Ein Projekt der Städte Aachen und Köln“
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Pool Beispielindikatoren Indikatoren Mengeneinheit Intern / Extern Vier Felder der Produktwirkung Ressourcen Aufwand der Durchführung einer Leistungseinheit in durchschnittlichem Personalbedarf Stunden Intern Aufwand der Durchführung einer Leistungseinheit in durchschnittlichen Personalkosten € Intern Aufwand der Durchführung einer Leistungseinheit in Kosten laufender IT- Produktkosten € Intern Aufwand der Durchführung einer Leistungseinheit in Sachkosten € Intern Aufwand der Durchführung einer Leistungseinheit in Gesamtkosten € Intern Aufwand der Durchführung einer Leistungseinheit in Büroflächenbedarf m2 Intern Prozess Systemseitige Abbrüche Anzahl Intern Downtime des Systems Stunden Intern Dauer als Zeitunterschied zwischen Bekanntwerden de s Bedarfes und Herstellung Leistungseinheit Nettoarbeitstage Intern Produkt Gesamtzahl der verfügbaren Leistungseinheiten Anzahl, €, m 2 etc. Intern Gesamtzahl der verfügbaren Leistungseinheiten in Da tenmenge bzw. verknüpften Systemen Anzahl, Bit Intern Annahme als Anteil der Verwendung des Online-Prozes ses am Gesamtvolumen der abgerufenen Leistungseinheiten % Extern Annahme als Anzahl des Beginns des Online-Prozesses (z. B. Klick auf einen Button) Anzahl Extern Annahme als Anzahl des Abschlusses des Online-Proze sses (z. B. Abschluss einer Buchung) Anzahl Intern Qualität des Angebots, ermittelt durch eine Nutzerb efragung Bewertungspunkte Extern Qualität des Angebots, ermittelt durch eine Befragu ng der Verwaltungsmitarbeiter Bewertungspunkte Intern Wirkung Wahrnehmung des Angebots in Buchung der verfügbaren Leistungseinheiten % Extern Wahrnehmung des Angebots in Buchung der verfügbaren Leistungseinheiten durch eine bestimmte Zielgruppe % Extern Absprungrate während des Prozesses % Extern Absagerate während des Prozesses % Intern Erfolgsrate in vollständig erstellter Leistungseinh eit an Gesamtheit der angefangenen Prozesse % Intern Zufriedenheit der Personen, die die Leistungseinhei t in Anspruch genommen haben Bewertungspunkte Extern Zufriedenheit der Personen, die die Leistungseinhei t in Anspruch nehmen wollten Bewertungspunkte Extern Zufriedenheit von externen Organisationen, die an d er Leistungserbringung beteiligt sind Bewertungspunkte Extern Zufriedenheit von externen Organisationen, die die Leistungseinheiten in Anspruch genommen haben Bewertungspunkte Extern Zufriedenheit von externen Organisationen, die die Leistungseinheiten in Anspruch nehmen wollten Bewertungspunkte Extern Zufriedenheit von Personen, die die Leistungseinhei t in Anspruch genommen haben im Vergleich zu sonstigen privatwirtschaftlic hen WEB-Angeboten Bewertungspunkte Extern Attraktivität für externe Organisation in Anzahl von Kooperationsanfragen bzw. Nutzungsanfragen (Nutzung der IT-Lösung) Anzahl Extern Attraktivität für interne Verwaltung in Anzahl von Kooperationsanfragen bzw. Nutzungsanfragen (Nutzung der IT-Lösung) Anzahl Intern
Mitteilung Ausschuss
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle II/II Vorlagen-Nummer 29.01.2021 0294/2021 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Finanzausschuss 01.02.2021 Digitalisierungsausschuss 19.04.2021 Projektergebnisse „Wirkungsmessung von Digitalisierungsvorhaben – Ein Projekt der Städte Aachen und Köln„ Digitalisierte Prozesse sind nicht erst seit der COVID-19 Pandemie zu einem Nervensystem der Da- seinsvorsorge und künftigen Entwicklung der Städte geworden. Kommunen arbeiten intensiv daran, ihre Verwaltungsprozesse zu digitalisieren und neue technologische Möglichkeiten nutzerorientiert einzusetzen. Das Dezernat Finanzen informierte den Finanzausschuss am 20. Mai 2019 über die Beauftragung des Projekts zur „Wirkungsmessung von Digitalisierungsvorhaben “ (Vorlage 1688/2019). Inhalt und Ziel des Projekts waren es, ein Hilfsmittel für die Verwaltung und Politik, Stadtspitze, Führungskräfte und Projektleitungen zu entwickeln, das diese dabei unterstützt, erfolgsversprechende Digitalisie- rungsvorhaben auf Bas is von Indikatoren zu identifizieren, in der Umsetzung zu begleiten und hin- sichtlich ihres Nutzens – also ihrer „Wirkung“ – überprüfen zu können. Wirkungsorientierung bedeutet, Vorhaben über eine rein wirtschaftliche Betrachtung hinaus an den Bedürfnissen und der Zufrieden- heit aller jeweils betroffenen Teile der Stadtgesellschaft zu messen – dies können Bürgerinnen und Bürger, die politische Vertretung, Verwaltungsmitarbeitende, die lokale Wirtschaft oder weitere Akteu- re der Stadtgesellschaft sein. Das Projekt folgt damit unmittelbar dem Gedanken des Wirkungsorien- tierten Haushalts der Stadt. Die Verwaltungen der Städte Aachen und Köln haben das Projekt als interkommunales Projekt unter Förderung des Landes NRW gemeinsam durchgeführt. Die Stadt Aachen beauft ragte als externen Berater die Partnerschaft Deutschland – Berater der öffentlichen Hand GmbH (PD) mit der Begleitung der Arbeiten. Vorgehen und Ergebnisse Der Projektbericht wird nun vorgestellt (Anlage 1). Zudem wurde ein konkretes „Steuerungsinstru- ment“ entwickelt und in Excel aufbereitet. Dieses Steuerungsinstrument kann künftig – gewisserma- ßen als standardisierte Vorlage – einen methodisch einheitlichen Überblick über einzelne Vorhaben bereits bei ihrer Initialisierung leisten. Damit trägt es dazu be i, Projektentscheidungen frühzeitig transparent zu unterstützen. Im Projekt arbeiteten Expertinnen und Experten aus den beteiligten Fachdienststellen und aus dem Digitalisierungsbereich zusammen. Anhand von vier bereits bestehenden Vorhaben mit Digitalisi e- rungsbezug der Städte Köln und Aachen – teils in Erstellung, teils fertiggestellt – wurden die Arbeiten an realen Beispielen ausgerichtet. Unter Zuhilfenahme bereits bestehender Reporting-Systeme (wie etwa dem KGSt-Sozialmonitoring) entwickelte PD die Methodik des Steuerungsinstruments. Für jedes der vier Beispielvorhaben wurden so Indikatorensets festgelegt. 2 Einen ersten intuitiven Einstieg in die Methodik ermöglicht der Pool von Beispielindikatoren (Anlage 2), der keine abschließende Liste ist, aber al s erste Orientierung bei der Indikatorenwahl auch für künftige Vorhaben dienen kann. Dabei ist festzuhalten, dass die methodischen Grundlagen des Steu- erungsinstruments ein gewisses Maß an Einarbeitung erfordern. Für Anwender*innen und Interessier- te ist im Ergebnisbericht eine Beschreibung der Methodik enthalten. Außerdem wurde dem Bericht eine detaillierte Handreichung für Projektleitende beigefügt, die die Einarbeitung und Anwendung er- leichtert. Weitere Verwendung Mit dem Projekt verfügt die Verwaltung nun über einen ersten interkommunal erarbeiteten Ansatz für die Entwicklung eines künftigen Steuerungsinstrumentes. Zur Weiterentwicklung sind interkommunal vertiefende Überlegungen zu Indikatoren anzustellen, die Nachhaltigkeit (insbesondere den Klima- schutz), Datensouveränität und Sicherheit auf übergeordneter Ebene berücksichtigen. So wird ermög- licht, die finanziellen und personellen Implikationen künftig frühzeitig, transparent und ganzheitlich darstellen und für Entscheidungsvorlagen nutzen zu können. Das Projekt „Wirkungsmessung von Digitalisierungsvorhaben – Ein Projekt der Städte Aachen und Köln“ wurde durch das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bauen und Gleichstellung NRW (MHKBG) in Höhe von 50.000 Euro gefördert. Die Projektkosten lagen bei in sgesamt 86.000 Euro. Ein Eigenanteil von jeweils 18.000 Euro wurde durch die Stadt Köln sowie die Stadt Aachen getragen. Das Steuerungsinstrument steht künftig nicht allein den Stadtverwaltungen Köln und Aachens zur Verfügung, sondern auch den weiteren Kommunen in Nordrhein-Westfalen, die an der Fortentwick- lung des Instrumentariums mitarbeiten können. Das Projekt wurde bereits in der „Kommune21“ der Fachöffentlichkeit vorgestellt. Anlagen: 1) Ergebnisbericht vom 19. Dezember 2019 2) Pool Beispielindikatoren Gez. Prof Dr. Diemert
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Ergebnisbericht
Wirkungsmessung von
Digitalisierungsvorhaben – Ein
Projekt der Städte Aachen und Köln
Gefördert durch das Land Nordrhein-Westfalen
Berlin, 18. Dezember 2019
Wirkungsmessung von Digitalisierungsvorhaben – Ein Projekt der Städte Aachen und Köln Berlin, 18. Dezember 2019
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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 1
1 Gründe für die Wirkungsmessung 2
2 Das Steuerungsinstrument 3
2.1 Nutzen des Steuerungsinstrumentes 3
2.2 Grenzen des Steuerungsinstrumentes 4
3 Handreichung zur Nutzung des Steuerungsinstrumentes 5
3.1 Neu-Erstellung durch Nutzung der Vorlage 5
3.2 Verwendung des „Portfolios“ 9
3.3 Übergabe an Entscheiderinnen und Entscheider 9
4 Weitere Ergebnisse des Projektes 10
4.1 Unterscheidung zwischen Arten von Vorhaben 10
4.2 Unterscheidung zwischen Produktwirkung und Prozesswirkung 11
5 Ausblick: Erste Erkenntnisse zum Monitoring 12
6 Ablauf des Projektes 14
6.1 Vorgehen 14
6.2 Verwendete Methoden 15
7 Anhang 16
7.1 Handlungsfelder eines noch zu entwickelnden Digitalisierungsmonitors 16
7.2 Auswahl von digitalisierungsrelevanten Indikatoren aus internationalen Indices 16
7.3 Mögliche weitere Indikatoren 17
8 Ihre Ansprechpartner 20
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1 Gründe für die Wirkungsmessung
Deutschland schneidet im EU-Vergleich, insbesondere bei der „Online-Interaktion zwischen Behörden und
Bürgerinnen und Bürgern“, schlecht ab und belegt nur den 26. Platz der 28. Staaten .1 Allein deshalb kann
davon ausgegangen werden, dass noch viele und große Digitalisierungsinvestitionen vor den deutschen
Kommunen stehen. Auch vor dem Hintergrund der gesetzlichen Verpflichtungen, beispielsweise aus dem
OZG, ist es dringend erforderlich, viele Verwaltungsprozesse zu optimieren und durchgängig zu digitalisieren.
Da den Kommunen nur begrenzte Ressourcen (Finanzen, Personal) zur Verfügung stehen, müssen die In-
vestitionen in Digitalisierungsmaßnahmen wirkungsorientiert priorisiert werden. Dazu wird die Verwaltung
eine Gesamtbetrachtung und –bewertung der möglichen Maßnahmen vorlegen müssen. Die politischen
Vertretungen und die Öffe ntlichkeit erwarten nachvollziehbare Informationen, über die (klassisch-mone-
täre) Wirtschaftlichkeit einzelner Maßnahmen hinaus und die Umsetzung einer wirkungsorientierten Digi-
talisierungsstrategie.
Diese Gesamtsicht muss aus dem Aufwand für und der Wirksamkeit von einzelnen Digitalisierungsinvesti-
tionen zusammengestellt werden. Die klassisch-monetären Wirtschaftlichkeitsberechnungsverfahren grei-
fen zu kurz, wenn der Erfolg der Digitalisierung von Verwaltungsprozessen für die unterschiedlichen Stake-
holder der Kommune gemessen werden soll. Die Digitalisierung von Verwaltungsleistungen soll vor allem zu
einer Verbesserung der Inanspruchnahme, Optimierung der Nutzerorientierung und positiven Außenwahr-
nehmung führen. Ob dies auch eintritt sollte mit einer Wirkungsbetrachtung ermittelt werden, die den ge-
samten Prozess mit einbezieht und nach konkreten Verbesserungen für Beschäftigte und Kunden oder all-
gemeiner Stakeholder führt.
Wie auch in anderen Verwaltungsbereichen hilft für die Priorisierung der digitalen Maßnahmenbündel eine
Planung der vermuteten Wirkungen und ein Abgleich mit messbaren Indikatoren, die diese Vermutung un-
termauern. Wirkungen, so hat das Projekt gezeigt, entstehen dabei auf der Ebene des Produktes oder der
Leistung (klassisch), aber auch auf der Ebene der (digitalisierten) Prozesse. Das bedeutet, dass neben einer
Verbesserung der Wirkung eines Produktes oder einer Leistung durch die Digitalisierung des Prozesses auch
eine unmittelbare Wirkung, unabhängi g vom Produkt, erwartet und festgestellt werden kann (vergleiche
Kapitel 4.2).
Zur Wirkungsmessung eignet sich ein Steuerungsinstrument, wie es in diesem Projekt entwickelt wurde. Es
handelt sich um eine Tabelle, die anhand von Wirkungs-Indikatoren einen Überblick über die Wirkung eines
konkreten Digitalisierungsvorhabens verschafft. Es werden sowohl die „klassischen“ Wirkeffekte, als auch
prozessuale Wirkeffekte eines Einzelvorhabens in einer Vorlage für die Wirkungsmessung gebündelt. Die
Betrachtung der Indikatorenwerte im Zeitreihenverlauf erhöht die Aussagekraft. Durch die zusätzliche Er-
stellung eines „Portfolios“ aus Wirkungsmessungen mehrerer Einzelvorhaben kann eine Gesamtansicht
erstellt werden (vergleiche Kapitel 3.2).
Das Steuerungsinstrument dient der Unterstützung von Entscheidungsfindungen über ein einzelnes Vorha-
ben. Es ist jedoch „nur“ ein Instrument und bedarf der Interpretation. Es ist folglich kein „Allheilmittel“ in
der Abwägung der Frage, ob eine Investition getätigt werden sollte oder nicht.
Das im Projekt mit den Städten Aachen und Köln, mit Förderung durch das Land NRW, erarbeitete Steue-
rungsinstrument ist ein Beitrag zur erforderlichen übergreifenden wirkungsorientierten Steuerung von Digi-
talisierungsvorhaben in Kommunen.
1 Siehe https://ec.europa.eu/digital-single-market/en/scoreboard/germany.
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2 Das Steuerungsinstrument
Das Steuerungsinstrument ist in vier Teile gegliedert. Es besteht aus:
1. einer Vorlage, in der Indikatoren und die Wirkungsmessung für ein Vorhaben eingefügt werden können,
2. einem strukturierten „Indikatoren-Pool“ mit allgemein formulierten Beispielen, die für die Befüllung der
Vorlage genutzt werden können,
3. einer Vorlage zur Erstellung eines „Portfolios“ aus mehreren Einzelvorhaben zur Priorisierung, und
4. den vier im Projekt erstellten Steuerungsinstrumenten der vier Beispielvorhaben.
Die im Steuerungsinstrument verwendete Systematik nutzt die folgenden vier Felder:
Abbildung 1 – Die vier Felder Systematik (eigene Darstellung)
„Ressourcen (Input) sind die Faktoren, die ein Produkt oder eine Dienstleistung entstehen lassen. Klassisch
waren diese Ressourcen Arbeit, Boden und Kapital, später kamen Informationen hinzu.
Prozess (Throughput) ist die Umwandlung von Ressourcen in Leistungen oder Produkte.
Produkte (Output) sind die (gebündelten) Leistungen, die eine Verwaltung erbringt.
Wirkung ist das, was die Produkte der Verwaltung auslösen.“2
2.1 Nutzen des Steuerungsinstrumentes
Das Steuerungsinstrument in der beiliegenden Excel-Datei dient zur Unterstützung von Entscheidungen und
zur wirkungsorientierten Steuerung im Bereich Digitalisierung. Es öffnet den Blick für Wirkungen der Digi-
talisierung durch den Fokus auf Wirkungsindikatoren für einzelne Vorhaben.
Das Ziel der Wirkungsmessung durch das Steuerungsinstrument ist die Bewertung von Digitalisierungsvor-
haben mit Indikatoren und Kennzahlen über die monetäre Betrachtung hinaus. Damit entsteht eine zusätz-
liche Argumentationsebene neben der reinen Wirtschaftlichkeitsbetrachtung.
Das Steuerungsinstrument verwendet Indikatoren und Kennzahlen, die auf ihre Aussagekraft im Fachdialog
hin geprüft wurden, deren Werte in der Verwaltung bereits vorhanden oder mit geringem Aufwand zu
erheben sind. Während der Laufzeit eines Vo rhabens dient die, mittels des Steuerungsinstrumentes er-
stellte, Wirkungsmessung zur Beobachtung des Kosten- / Nutzenverhältnisses.
Die Entwicklung des Steuerungsinstrumentes bezog auch Kolleginnen und Kollegen der Fachbereiche ein
und gab Anstöße dafür, auch aus einer speziellen Fachsicht (z. B. Jugend, Bauen, Finanzen) nach den Wir-
kungen von Digitalisierungsinvestitionen zu fragen.
2 Siehe KGSt M 1/2007, S. 7f.
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Das Steuerungsinstrument kann ebenfalls zu einem Wirkungs-Controlling verwendet werden, wenn neben
den Ist-Zahlen auch Soll-Werte festgelegt werden. Die Messung in regelmäßigen zeitlichen Intervallen durch
das Steuerungsinstrument ermöglicht dann ein Controlling bzw. ermöglicht eine Zielerreichungsanalyse. Bei
unzureichender Zielerreichung kann das Instrument auch als Entscheidungsgrundlage für einen Abbruch des
Vorhabens genutzt werden.
2.2 Grenzen des Steuerungsinstrumentes
Das Steuerungsinstrument dient der Unterstützung von Entscheidungsfindungen über ein einzelnes Vorha-
ben. Es ist jedoch „nur“ ein Instrument und bedarf der Interpretation. Es ist folglich kein „Allheilmittel“ in
der Klärung, ob eine Investition getätigt werden sollte oder nicht.
Die Informationen aus dem Steuerungsinstrument sind in einen Gesamtkontext einzufügen, der nicht oder
nur bedingt im Steuerungsinstrument reflektiert wird. Die Entscheidung kann nicht allein aufgrund der Excel-
Datei getroffen werden. Vielmehr sollten die Informationen in den Entscheidungsprozess und in Entschei-
dungsvorlagen einfließen. Dabei müssen sie in das jeweilige örtliche Format überführt werden (vergleiche
Kapitel 3.2 und 3.3).
Das Steuerungsinstrument enthält keine Kostenrechnungen. Für eine bessere Einschätzung des Vorhabens
enthält es jedoch im Kopf des Datenblattes einerseits die Gesamtkosten der Umsetzung des Vorhabens sowie
die laufenden Kosten im Feld „Ressourcen“.
Dem Steuerungsinstrument wurde eine Bewertungsebene hinzugefügt, um den Beitrag des Vorhabens zu
den strategischen Zielen der Stadt sowie den Digitalisierungszielen zu verdeutlichen. Die Bewertungszahlen
werden jedoch nicht „automatisiert“ aus den Messwerten durch das Steuerungsinstrument „errechnet“. Sie
sind durch Personen einzutragen. Die Feststellung der Plausibilität dieser Einschätzung liegt also außerhalb
der Möglichkeiten des Steuerungsinstrumentes.
Das Steuerungsinstrument, auch in Kombination mit dem vorliegenden Bericht, ist nicht selbsterklärend in
der Weise, dass es für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung ohne Kenntnisse oder Bezug zur
wirkungsorientierten Steuerung einfach umzuse tzen wäre. Die Verbreitung des Steuerungsi nstruments,
seine korrekte Handhabung und Interpretation ist von der Verwaltungsführung sicherzustellen. Führungs-
kräfte sind in der Pflicht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entsprechend anzuleiten.
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3 Handreichung zur Nutzung des Steuerungsinstrumentes
Es folgt eine Schritt-für-Schritt Anleitung zum Bedienen des Excel-basierten Steuerungsinstrumentes.
Voraussetzung zur Bedienung sind fachliche Kenntnisse über das Vorhaben sowie Kenntnisse über die
strategischen Ziele und Digitalisierungsziele der Kommune.
Das Steuerungsinstrument wird aus der Excel-Datei gebildet und zwar aus den Arbeitsblättern:
— „Vorlage für ein Vorhaben“3,
— „Indikatoren-Pool für Vorlage“4
— „Portfolio“ , sowie
— den vier im Projekt entwickelten Indikatoren-Sets (jeweils in einem Arbeitsblatt).
3.1 Neu-Erstellung durch Nutzung der Vorlage
Zur erstmaligen Anwendung des Steuerungsinstrumentes befolgen Sie bitte folgende Schritte.
1. Öffnen Sie das Arbeitsblatt „Vorlage für ein Vorhaben“ und füllen Sie zunächst die Kopfzeilen aus.
a) In der Zeile 3 „Strategische Ziele der Stadt“ tragen Sie dabei aus der Gesamtheit der offiziellen Ziele
Ihrer Kommune n ur diejenigen ein, die für das Vorhaben relevant sind. Diese s sind die Fach-Ziele
(z. B. der Bildung).
b) In der Zeile 4 „ Digitalisierungsziele der Stadt“ tragen Sie aus den Digitalisierungszielen (z . B. „Stär-
kung der digitalen Identität der Stadt“) diejenigen ein, die für das Vorhaben relevant sind. Es ist
möglich, dass Ihre Kommune die Digitalisierungsziele separat von den strategischen Zielen erfasst
oder diese dort integriert.
c) In der Zeile 5 „Mission“ tragen Sie ein, welche Mission Sie mit dem Vorhaben verfolgen. Sie können
dafür folgenden Lückensatz verwenden: „Wir werden unsere Ziele erreichen, indem wir … tun.“
d) In der Zeile 6 „Zielgruppe“ tragen Sie Personen und Personengruppen ein, die Sie mit dem Produkt
oder der Leistung erreichen möchten. Beschreiben Sie diese Personen möglichst gut, da Ihnen dies
im weiteren Verlauf eine Orientierung bietet.
e) In der Zeile 7 tragen Sie die Kosten des Vorhabens ein und berechnen diese aus der Gesamtheit der
Anschaffungskosten, jedoch nicht laufende Betriebskosten oder Abschreibungen5 (z. B. 3 Millionen
Euro).
f) In der Zeile 8 tragen Sie den Zeitraum der Umsetzung des Vorhabens ein (z. B. 18 Monate).
g) In der Zeile 9 können Sie optional eine Versions-Nummer eintragen.
3 Konfiguration: Das Arbeitsblatt enthält auch die Konfiguration (Zeile 11) der Drop-Down Listen der Spalten D-H und K. Durch Ausklappen des Be-
reichs mit Klick in der linken Seitenleiste auf das Plus-Zeichen (+) bzw. auf die Zahl 2 oben links erhalten Sie darauf Zugriff. Sie können die Aus-
wahlmöglichkeiten dann ändern oder neue Möglichkeiten hinzufügen.
4 Disclaimer: Die im „Indikatoren-Pool“ genannten Indikatoren sind Beispiele, die nicht ohne Prüfung ihrer Plausibilität angewendet werden sollten.
Die Einordnung von Indikatoren in die vier Felder der Produktwirkung und die drei Felder der Prozesswirkung beruht nicht auf einer wissenschaft-
lichen Analyse und kann je nach Vorhaben variieren.
5 Die laufenden Kosten bzw. Abschreibungen von langfristigen Wirtschaftsgütern sind in den laufenden Kosten enthalten, das heißt, diese befinden
sich im Feld „Ressourcen“ im unteren Teil des Steuerungsinstrumentes.
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2. Bereiten Sie die Indikatoren-Suche vor, indem Sie eine Leistungseinheit definieren.
a) Es ist zunächst nötig zu definieren, welches die Leistungseinheit des betrachteten Produktes oder
der Leistung ist. Eine Leistungseinheit kann beispielsweise im Vorhaben „Ferienspiele Online“ eine
Buchung der Ferienspiele sein oder auch ein Betreuungstag.
i) Ziel ist es, eine Leistungseinheit zunächst zu benennen, um mit der Suche nach Indikatoren star-
ten zu können. Sie können die Wahl der Leistungseinheit später noch verändern.
ii) Sie können auch mehrere Leistungseinheiten ver wenden. Um die Übersichtlichkeit zu wahren,
sollten Sie sich jedoch auf einige Wenige beschränken und in je einem der vier Felder (z. B. in-
nerhalb des Feldes „Produkt“) eine einheitliche Leistungseinheit festlegen.
3. Füllen Sie nun die Vorlage mit Indikatoren aus.
a) Öffnen Sie das Arbeitsblatt „Indikatoren-Pool für Vorlage“. Hier finden Sie Beispiele für Indikatoren.
Die Excel-Ansichten können Sie dabei beliebig mit den Ebenen 1, 2 und 3 am oberen linken Rand
auf- und zuklappen.
b) Das Ziel ist es, zwei bis drei aussagekräftige und steuerungsrelevante Indikatoren in jedem der vier
Felder zu identifizieren. Der „Pool“ hält Beispiele vor, die Ihnen dabei helfen sollen. Sie können auch
eigene Indikatoren formulieren, wenn Sie nichts Passendes finden.
c) Verschaffen Sie sich zunächst einen Überblick. Der Unterschied zwischen der Produktwirkung und
der Prozesswirkung wird im nächsten Schritt verdeutlicht.6
d) Wählen Sie zunächst Indikatoren für die Felder der Produktwirkung (blau) aus.
Information: Die Produktwirkung bezieht sich auf die Wirkung des Produktes oder der Leistung. Sie
entstammt also einem Themengebiet (z. B. Mobilität oder Bildung) und sollte mit den entsprechen-
den Fachabteilungen zusammen geklärt werden.
i) Die Produktwirkung steht im Zusammenhang mit den strategischen Zielen der Stadt, beispiels-
weise Familienfreundlichkeit. Verdeutlichen Sie sich immer wieder diese Ziele und hinterfragen
Sie, ob Sie Indikatoren eingetragen haben, die klären, ob die Kommune ihrem Ziel näher kommt.
ii) Gehen Sie Feld-weise vor: von Ressource über Prozess und Produkt zur Wirkung.
e) Wählen Sie dann Indikatoren für die Felder der Prozesswirkung (grün) aus.
Information: Die Prozesswirkung bezieht sich auf die Wirkung des digitalen Prozesses, beispielsweise
die Reduktion des Aufwands für Bürgerinnen und Bürger, um eine Leistung in Anspruch zu nehmen.
i) Die Prozesswirkung steht im Zusammenhang mit den Digitalisierungszielen der Stadt, denn der
digitale Prozess kann dazu beitragen , beispielsweise das Ziel „Stärkung der digitalen Identität
der Stadt“ zu erreichen.
ii) Gehen Sie wieder Feld-weise vor: von Effect über Outcome zum Impact.
6 Dieser Unterschied wurde in der Bearbeitung der vier Beispielvorhaben nicht gemacht, sondern wurde erst in der Konzeptionsphase aufgenom-
men (siehe Excel-Datei).
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4. Übernehmen Sie relevante Indikatoren-Beispiele aus dem Pool und fügen Sie weitere relevante Indi-
katoren hinzu.
a) Wenn Sie in den letzten Schritten Indikatoren aus dem Pool als aussagekräftig und steuerungsrele-
vant identifiziert haben, übernehmen Sie diese aus dem Pool in die Vorlage.
b) Überprüfen Sie, ob die im Pool aufgeführten „Mengeneinheiten“ für Ihr Vorhaben sinnvoll sind. Pas-
sen Sie die Mengeneinheit gegebenenfalls an. Achtung: Sobald Sie eine neue Mengeneinheit hinzu-
fügen, müssen Sie das Arbeitsblatt konfigurieren. In den Spalten, in die ein hinterlegtes Drop-down-
Menü eingefügt ist, konfigurieren Sie dieses mit Klick auf das Plus-Zeichen (+) oder die Zahl 2 oben
links am Rand.
5. Prüfen Sie das vollständige Indikatoren-Set auf seine Stimmigkeit und sortieren Sie Indikatoren aus.
a) Prüfen Sie noch einmal anhand der definierten Zielgruppe(n), ob Sie im Feld „Wirkung“ diese Ziel-
gruppe(n) erfassen. Wenn diese fehlt bzw. fehlen, fügen Sie Indikatoren hinzu, die die Wirkung auf
diese Zielgruppe(n) erfassen.
b) Nehmen Sie das ausgefüllte Arbeitsblatt in seiner Gesamtheit noch einmal in den Blick. Sind Indika-
toren ähnlich oder redundant? Haben Sie Indikatoren gewählt, die in der Datenerhebung sehr auf-
wendig sind? Enthält ein Feld sehr viele Indikatoren? Entfernen Sie gegebenenfalls Indikatoren.
c) Indikatoren, die eine analoge Messung notwendig machen, sind häufig ressour cenintensiv in der
Datenerhebung und nach der Digitalisierung eines Prozesses nicht mehr steuerungsrelevant. Sollten
Sie rein analoge Indikatoren haben, hinterfragen Sie kritisch, ob diese den Aufwand der Datenerhe-
bung rechtfertigen.
d) Sollten Sie sehr viele Indikatoren gefunden haben und diese alle als steuerungsrelevant einstufen,
sollten Sie noch einmal hinterfragen, ob das Steuerungsinstrument übersichtlich genug ist, um eine
praktische Handhabung zu ermöglichen.
e) Lesen Sie noch einmal das gesamte, nun ausgefüllte, Steuerungsinstrument durch und beantworten
Sie die Frage: Bildet die Gesamtheit der Indikatoren einen guten Überblick über die Wirkung des
Digitalisierungsvorhabens und erlaubt somit eine effektive Steuerung des Produktes bzw. der Leis-
tung? Wenn die Antwort „Nein“ lautet, gehen Sie noch einmal zurück zu Schritt 3, bis Sie die Frage
mit „Ja“ beantworten können.
6. Fügen Sie (optional) eine Bewertung in der Bewertungsebene ein.
a) Die Bewertung ist nur nach der Wirkungsmessung möglich, das heißt, wenn Messwerte im Steue-
rungsinstrument enthalten sind.
b) Die Spalte Q beinhaltet die Möglichkeit, jedem Feld eine Bewertung zu geben. In den blauen Zeilen
bezieht sich diese Bewertung auf die strategischen Ziele der Stadt, während sie in den grünen Zeilen
auf die Digitalisierungsziele der Stadt abzielt. Die Bewertung erfolgt auf einer Skala von 1-5 (bei der
1 sehr schlecht und 5 sehr gut darstellt). Dies wurde analog zu einer „Sterne “-Bewertung gewählt,
wie sie in Umfragen in Internetportalen üblich ist. In das Arbeitsblatt wird jedoch die Bewertung als
Zahl eingetragen.
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Beispiel: die Buchungsplattform der Ferienspiele ist dank des Online-Buchungssystems 24/6 verfüg-
bar (das System ist 24 Stunden an den Tagen Montag-Samstag verfügbar, Wartungsarbeiten finden
sonntags statt) – Prozesswirkung „Effect“ auf den Nutzer. Die Summe der „Effect“-Indikatoren wird
mit „gut“ bewertet und erhält eine Nummer 4. Für ein anderes Vorhaben (z. B. eine Notrufnummer)
wäre diese Verfügbarkeit nicht ausreichend und würde schlecht bewertet.
c) Sie können für die Bewertung eine Expertenrunde verwenden, in der jede Per son eine subjektive
Einschätzung, basierend auf den gemessenen Indikatoren, abgibt. Diese können dann zur Gesamt-
bewertung verrechnet werden (es bietet sich die Verwendung des Medians an). Die Expertenrunde
kann bei unterschiedlichen Vorhaben unterschiedlich besetzt werden.
d) Sind für alle Felder der Produktwirkung und Prozesswirkung Bewertungszahlen eingetragen , sum-
miert das Arbeitsblatt automatisch einen Gesamtwert.
Ein paar allgemeine Hinweise:
— Beachten Sie, dass Messwerte als Median der Grundgesamtheit ausgegeben werden sollten, beispiels-
weise als Median des Personalaufwandes pro Leistungseinheit „ Ferienspiele“. Sollte eine andere Me-
thode gewählt werden, sollten Sie dies kenntlich machen (z. B. in den Anmerkungen).
— Wenn Sie während der Indikatoren -Suche die Leistungseinheit noch einmal verändern, vergessen Sie
nicht, Ihre bisher bereits ausgewählten Indikatoren noch einmal auf ihre Stimmigkeit zu überprüfen.
— Es ist möglich, dass das vorliegende Vorhaben den Prozess digitalisiert, jedoch nicht direkt für alle Pro-
dukte bzw. Leistungen verfügbar ist. Dies ist beispielsweise bei den „Ferienspielen Online“ der Fall, bei
denen die Online-Buchung zunächst nur für Ferienspiele bei städtischen Trägern und nicht für externe
Träger möglich ist. Prüfen Sie also, ob dies bei Ihnen so ist, und unterteilen Sie die Indikatoren unter
Umständen jeweils (z. B. nach Anteil der Online-Buchungen bei städtischen Trägern und Anteil der On-
line-Buchungen bei externen Trägern).
— Sollten Sie sich für Indikatoren entschieden haben, die eine Umfrage beispielsweise unter Nutzern nötig
machen, wählen Sie möglichst die gleiche Bewertungs-Skala für alle Umfragen und orientieren Sie sich
an anderen Umfragen in Ihrer Kommune.
— Die Zufriedenheit kann durch eine Umfrage oder Fokus -Gruppe erhoben werden und bietet beispiels-
weise Einblicke in die Nutzerfreundlichkeit eines digitalen Prozesses. Da in der Leistungserbringung häu-
fig auch weitere Schritte nötig sind (neben dem digitalisierten Prozess), wie beispielsweise Telefonan-
rufe, sollten Sie Nebeneffekte beim Aufbau der Umfrage (oder Fokus-Gruppe) beachten.
— Die Zufriedenheit der Nutzer kann zwischen „Zufrie denheit mit dem Prozess“ und „Zufriedenheit mit
dem Produkt bzw. der Leistung“ unterschieden werden. Dabei sind beides mögliche Indikatoren, die Sie
je nach Vorhaben wählen können. (Beispiel: „Zufriedenheit mit der Online-Anwendung der Grundstück-
sinformation Online“ und „Zufriedenheit mit der Rechtssicherheit der Informationen der Grundstücksin-
formation“).
Bitte vermeiden Sie Folgendes:
— Das Ziel ist die Identifikation von Indikatoren, auf die Sie durch Steuerung einen Einfluss haben. Vermei-
den Sie daher Indikatoren, die zwar interessant, aber nicht steuerungsrelevant sind, um das Steuerungs-
instrument schlank und übersichtlich zu halten.
— Vermeiden Sie Indikatoren, die nicht reagibel sind. Im Rahmen des Projektes hat sich gezeigt, dass ins-
besondere bei einem Vergleich zwischen einem analogen Prozess und einem digitalen Prozess fälschli-
cherweise nicht-reagible Indikatoren gewählt werden. Stellen Sie sich nach der Auswahl jedes Indikator
die Frage: Wenn wir den Prozess vollständig von ‚analog‘ auf ‚digital‘ umgestellt haben, wird sich dieser
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Indikator in der Zukunft dann noch verändern? Wenn die Antwort „Nein“ lautet, sollten Sie besser eine
Alternative suchen.
3.2 Verwendung des „Portfolios“
Im Arbeitsblatt „Portfolio“ finden Sie ein Beispiel, wie sich mehrere Vorlagen für Einzelvorhaben in einem
„Portfolio“ zusammen darstellen lassen . Diese „Portfolio“-Ansicht liefert einen Überblick, indem es durch
ein Diagramm den Wirkungsbeitrag in Relation zu den Anschaffungsaufwänden von verschiedenen Einzel-
vorhaben setzt.
Links oben, in Zeile 3, ist die Verlinkung zum Arbeitsblatt „Vorlage für ein Vorhaben“ enthalten. Wenn Sie
eine Excel-Datei erstellen, in die Sie mehrere „Vorlagen“-Arbeitsblätter einfügen, können Sie diese „Portfo-
lio“-Ansicht verwenden.
Ab Zeile 6 ff. ist ein Beispiel eingefügt, inklusive eines Diagramms für vier Vorhaben.
3.3 Übergabe an Entscheiderinnen und Entscheider
Im letzten Schritt sollten die Ergebnisse der Wirkungsmessung entsprechend der Bedürfnisse der zu invol-
vierenden Entscheiderinnen und Entscheider (Verwaltungsleitung, Politik) aufbereitet werden. Die Vorlagen
sollten möglichst kompakt und entscheidungsorien tiert formuliert sein. Als Anhang sollte das Steuerungs-
instrument sowie die darin enthaltene Wirkungsmessung übergeben werden. Wichtig ist jedoch, dass alleine
aufgrund der Wirkungsmessung keine Entscheidung möglich ist. Die Entscheidungsvorlage sollte die Ergeb-
nisse der Wirkungsmessung also in den Gesamtkontext der angedachten Investition stellen.
Um mehrere Vorhaben „auf einen Blick“ einzusehen bietet sich die Zusammenfassung mehrerer Wirkungs-
messungen mittels des in der Excel-Datei enthaltenen „Portfolio“ an. Beachten Sie hier, dass dies nur mög-
lich ist, wenn die Bewertungen in den Feldern eingetragen wurden.
Weitere optionale Betrachtungsebenen7:
Wie beschrieben bildet die aktuelle „Portfolio“ -Ansicht nur die Gesamtwirkung ab. Diese kann, s ollte dies
für Ihre Kommune relevant sein, auch noch einmal in Produktwirkung und Prozesswirkung unterteilt werden.
Die daraus resultierende angepasste „Portfolio“ -Ansicht beinhaltet dann die Kosten, den Beitrag zur Errei-
chung der strategischen Ziele und dem Beitrag zur Erreichung der Digitalisierungsziele von allen im Portfolio
enthaltenen Vorhaben.
Sofern ein noch detaillierteres „Portfolio“ gewünscht ist, können weitere Bewertungsebenen hinzugefügt
werden. Dies kann beispielsweise die explizite Bewertung der Bürgerorientierung, der Mitarbeiterorientie-
rung, der Wirtschaftsorientierung oder einer Kostenbewertung sein. Dies entspricht einer umfangreichen
Weiterentwicklung der „Portfolio“-Ansicht des vorliegenden Steuerungsinstrumentes in Richtung einer‚ Ba-
lanced Score Card‘.
Bevor solche Änderungen vorgenommen werden, sollte geklärt werden, ob diese für alle zukünftigen Inves-
titionsentscheidungen relevant sind. Es ist nicht empfehlenswert viele verschiedene Varianten des „Portfo-
lios“ zu verwenden.
7 Für die folgenden Anpassungen benötigen Sie fortgeschrittene Kenntnisse zur Handhabung von Microsoft Excel.
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4 Weitere Ergebnisse des Projektes
Neben der Erstellung der Steuerungsinstrumente für die Beispielvorhaben (Bewerbermanagement Online,
Ferienspiele Online, Grundstücksinformation Online, Einführung von PayPal) gab es andere Ergebnisse, die
hier kurz zusammengefasst werden.
4.1 Unterscheidung zwischen Arten von Vorhaben
Erstes Ergebnis der Analyse der Beispielvorhaben war, dass sich diese in ihrer „Art“ unterscheiden. Drei Vor-
haben zielen auf die Digitalisierung eines Prozesses ab (z. B. die Einführung der digitalen Buchungsmöglich-
keit der Ferienspiele). Eines der Beispielvorhaben („Grundstücksinformation Online“) bündelt Informationen
verschiedener Quellen in einer digitalen Lösung.
Durch den veränderten Informationszugang (für Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen), die Bünde-
lung von ehemals getrennt vorliegenden Informationen und die starke Veränderung interner Verwaltungs-
prozesse wurde dieses Vorhaben als die „Einführung eines neuen digitalen Produktes“ eingeschätzt.
Daneben wurde der Ausbau der digitalen Infrastru ktur als relevanter „Typ“ mit aufgenommen, da ohne
diese Grundvoraussetzung keine Digitalisierung stattfinden kann . Beispiele sind die Verlegung von Kabeln
für schnelles Internet oder die Installation von Sensoren an Ampeln und Straßenlaternen zur Überwachung
von Klimadaten. Ein solches Vorhaben kam im Projekt allerdings nicht vor.
Beschreibung des Digitalisierungs-Typs8 Einordnung der Beispielvorhaben
im Projekt
Digitalisierung (eines Teils) bestehender Produkte oder Leistun-
gen
Digitalisierung eines bereits existierenden Produktes
— Ferienspiele Online (Aachen)
— Bewerbermanagement Online
(Aachen)
— Einführung PayPal (Köln)
Einführung neuer Produkte
Einführung eines neuen digitalen Produktes oder einer Leistung
(möglich auch als neue Zusammensetzung bisher nicht verknüpf-
ter analoger Produkte oder Leistungen)
— Grundstücksinformation Online
(Köln)
Infrastruktur
Einführung neuer Hardware für den Zugang der Verwaltung oder
der Bürgerinnen und Bürger zu digitalen Produkten (oder Leistun-
gen)
— /
8 Die KGSt verweist auf ähnliche Ergebnisse (Strategiefeld „digitale Infrastruktur“, und Ziele „Effizienz und Effektivität der Verwaltung“, „Bürger-
nahe und offene Verwaltung“ sowie „Erweiterung des Leistungsangebots der Verwaltung“), siehe https://kommunal.de/kommunen-digitalisie-
rungsstrategie-kgst-studie
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4.2 Unterscheidung zwischen Produktwirkung und Prozesswirkung
Das zweite wesentliche Ergebnis des Projekts war die Unterscheidung zwischen Produkt wirkung und Pro-
zesswirkung. Handelte es sich um ein Beispielvorhaben des Typs „Digitalisierung eines bestehenden Produk-
tes oder einer Leistung“ sollte hinterfragt werden, welche Wirkung diese Veränderung erzeugt, beispiels-
weise:
Ferienspiele Online: die Digitalisierung des Auswahl- und Buchungsvorgangs verändert nicht
per se die Wirkung des Ferienspiele-Angebots. Ob Kinder und Elter n mit einer konkreten
Ferienspielmaßnahme zufriedener sind, wird nicht entscheidend davon beeinflusst, dass sie
digital buchen konnten.
Allerdings kann die Digitalisierung des Buchungsprozesses dazu führen, dass bei den Ferienspielen Aachen
andere Zielgruppen von Kindern, beispielsweise die aus benachteiligten Stadtteilen erreicht werden. Und
damit könnte sich die Wirkung verändern.
Die Veränderung des Prozesses (von analog auf digital) entfaltet eine eigene Wirkung, die jedoch nicht
unmittelbar mit der Wirkung des Produktes korreliert.
Während im Rahmen der wirkungsorientierten Steuerung ausschließlich auf die Produktwirkungen abge-
stellt wird, erfordert es die Wirkungsbeurteilung von Digitalisierungsinvestitionen, ebenfalls Prozesswirkun-
gen zu erfassen. Dabei hat sich im Projekt herausgestellt, dass die im angelsächsischen Sprachraum etab-
lierte Aufteilung von Indikatoren auf drei Wirkungsebenen für die Darstellung von Prozesswir kungen
durchaus sinnvoll ist.
Prozesswirkung
Effect
Unmittelbare Wirkung am Kun-
den oder Leistungsempfänger
Outcome
Mittelbare Wirkung in der Ziel-
gruppe
Impact
Wirkung in der Gesellschaft
oder Kommune insgesamt
Beispiel: Ferienspiele Online
— Kunde spart Zeit
— Kunde spart Geld (z. B. für
Porto)
— Kunde erspart sich Ärger und
Frust, weil er beispielsweise
nicht seine Daten zusammen-
suchen muss
— Kunde ist zufrieden, wenn die
Anwendung verfügbar ist und
eine qualitätsvolle Oberflä-
che bietet (auch im Vergleich
zu anderen Online-Anwen-
dungen aus dem gewerbli-
chen Bereich)
— Mehr Zugriffe durch 24/7-
Verfügbarkeit
— Verwaltung wird als moder-
ner Dienstleister wahrge-
nommen
— Die Akzeptanz für Verwal-
tungshandeln steigt
— Andere Zielgruppen werden
erreicht
— Zufriedenheit mit Politik und
Verwaltung in der Zielgruppe
steigt
— Positives Wirtschaftsklima
(Kennzahl Unternehmens-
gründungen, Anzahl von Ar-
beitsplätzen im Dienstleis-
tungssektor usw.)
— Positives Klima in der Stadt-
gesellschaft, Identifikation
mit der Stadt (Kennzahl Mit-
gliedschaft in Vereinen und
Initiativen, Bereitschaft zum
Bürgerengagement)
— Attraktivität der Stadt (Kenn-
zahl Zuzug bzw. Wegzug qua-
lifiziert nach Alter, Bildung,
Familienstand usw.)
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5 Ausblick: Erste Erkenntnisse zum Monitoring
Dem Projektauftrag folgend steht die Entwicklung eines praxistauglichen Steuerungsinstruments zur Beur-
teilung konkreter Digitalisierungsvorhaben im Fokus dieses Berichts. Mit dem vorgestellten Steuerungs-
instrument bekommen die kommunalen Entscheidungsträger in Politik und Verwaltung erstmalig ein Instru-
ment in die Hand, das die Wirkung von konkreten Digitalisierungsvorhaben den dafür notwendigen
Ressourceneinsätzen objektiv gegenüberstellt.
Zur weiteren Steuerung des Digitalisierungsprozesses der Städte und Gemeinden wird es ergänzend not-
wendig sein, ein Monitoring über den „Reifegrad“ der Digitalisierung der jeweiligen Kommune anhand
der im Rahmen der strategischen Zielsetzungen festgelegten Handlungsfelder aufzubauen. Während das
Steuerungsinstrument die Beeinflussung der strategischen Zielsetzungen durch konkrete Vorhaben bewer-
tet, bietet ein Monitoring den Überblick darüber, wie weit die Digitalisierung in den einzelnen Handlungsfel-
dern fortgeschritten ist.
Die Entwicklung dieses Monitorings ist nicht Gegenstand des Projektes. Dennoch sind im Zusammenhang
mit der Entwicklung des Steuerungsinstruments gewonnene Erkenntnisse auftragsgemäß – gewissermaßen
„vorbereitend“ – mit Blick auf die Entwicklung eines Monitorings verwertet und mit einer Best-Practice-Ana-
lyse bestehender Monitoringsysteme angereichert worden, sodass grundsätzliche Überlegungen zur Umset-
zung eines Monitorings nachfolgend dargestellt werden können. Die Entwicklung und insbesondere die Ver-
knüpfung von Monitoring und Steuerungsinstrument sind damit vorbereitet, bleiben aber einer weiteren
Untersuchung / Projektierung vorbehalten.
Ein Monitor bezieht sich nicht auf eine Einzelmaßnahme, sondern ist eine regelmäßige und mehrdimensio-
nale „Beobachtung der Ausprägungen einer begrenzten Anzahl von Indikatoren“ 9. Zur Strukturierung der
Mehrdimensionalität können Handlungsfelder dienen, wie z. B. „Verwaltung und Beteiligungen“, „Mobili-
tät“ und „Wirtschaft“ (weitere siehe Anhang 7.1). Zu jedem Handlungsfeld sind drei bis vier Indikatoren vor-
stellbar. Enthalten sein sollten, neben den Indikatoren, auch eine Bewertung dieser Daten und ein Zeitrei-
henvergleich. Um die Übersichtlichkeit zu gewährleisten sollten möglichst wenige, aussagekräftige
Indikatoren ausgewählt werden. Auch wenn ein unmittelbarer Wirkungszusammenhang zwischen den Di-
gitalisierungsvorhaben und den Ausprägungen im Digitalisierungsmonitor in der Regel nicht auszumachen
sein wird, sollten für die kommunale Steuerung relevante Indikatoren gewählt werden. Die Verfügbarkeit
von robusten und reagiblen Daten ist, wie im Fall des Steuerungsinstruments, essentiell.
Die im Steuerungsinstrument genutzten Indikatoren einzelner Vorhaben können u. U. für die Entwicklung
eines Digitalisierungsmonitors genutzt werden. In welcher Weise Indikatoren zwischen dem Instrument und
dem Monitor deckungsgleich, ähnlich oder unterschiedlich sind, kann durch das vorliegende Projekt nicht
geklärt werden. Eine tiefere Auseinandersetzung scheint hier sinnvoll. Im Zuge der Entwicklung eines inter-
kommunalen Digitalisierungsmonitors wäre es auch denkbar das Steuerungsinstrument interkommunal ab-
zustimmen.
Die Relevanz eines Monitors ergibt sich häufig aus dem interkommunalen Vergleich. Durch die Aufnahme
von bereits verwendeter Indikatoren bestehender Monitoringsysteme, kann eine Kommune feststellen, wie
sie im individuellen, deutschlandweiten, europäischen oder internationalen Vergleich abschneidet. Dies
setzt einen noch zu entwickelnden kommunalen Standard voraus. Um einen interkommunalen Vergleich zu
ermöglichen, sollte der Digitalisierungsmonitor möglichst unter Beteiligung mehrerer Kommunen entwickelt
werden.
9 Siehe KGSt 4/2009, S. 9.
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Um einen Vergleich zu erleichtern, bietet sich die Nutzung bestehender und etablierter Systeme an. In der
Best-Practice-Analyse wurden internationale Indices auf ihre Tauglichkeit für den interkommunalen Ver-
gleich untersucht, sowie ein kommunales System (der Stadt Hamm) auf seine Übereinstimmung mit den
Ergebnissen des vorliegenden Projektes überprüft.
Aus den drei betrachteten internationalen Indices wurden zunächst relevante Indikatoren für die Digitali-
sierung extrahiert (siehe Anhang 7.2). Alle untersuchten Systeme enthalten vordergründig Indikatoren zur
digitalen Infrastruktur (vergleiche hier zu den „Typen von Digitalisierungsvorhaben“ in Kapitel 4.1). Durch
die Analyse wird deutlich, dass ein kommunaler Digitalisierungsmonitor, welcher diese extrahierten Indika-
toren verwendet, für die kommunale Steuerung nur wenig relevant ist. Diese Indikatoren könnten folglich
zwar zu einem kommunalen Digitalisierungsmonitor hinzugefügt werden, würden dessen Volumen jedoch
vergrößern, ohne essenzielle Aussagen beitragen zu können. Die Aufnahme dieser Indikatoren sollte daher
kritisch geprüft werden. Neben Indizes bietet es sich an, weitere nationale oder internationale Ansätze im
Blick zu behalten bzw. auf ihre Tauglichkeit für den kommunalen Digitalisierungsmonitor zu prüfen. Der na-
tionale Normenkontrollrat wird hier als guter potentieller Partner erachtet, da von diesem bereits viele prak-
tische Hinweise erarbeitet wurden10 (vergleiche Anhang 7.3).
Als Teil der Best -Practice Analyse wurde ebenfalls das Steuerungsinstrument der Stadt Hamm untersucht,
welches diese zur Wirkungsmessung von Digitalisierungsvorhaben 2019 in Zusammenarbeit mit der Fach-
hochschule Münster erarbeitete. Die organisatorische Herangehensweise der Stadt Hamm unterscheidet
sich, auch durch die Kooperation mit der Hochschule, zwar signifikant vom vorliegenden Projekt, die Ergeb-
nisse ähneln jedoch vom Aufbau her dem vorliegenden Steuerungsinstrument und Monitoring-Ansatz (Ein-
teilung in Ziele- und Indikatoren-Ebenen, Benennung von Handlungsfeldern). Sollte die weitere Entwicklung
des Digitalisierungsmonitors interkommunal vorangetrieben werden, könnte die Stadt Hamm einen geeig-
neten Partner darstellen. Zumindestens könnten die Instrumente anderer Kommunen wichtige Inspirations-
quellen darstellen und sollten weiter beobachtet werden.
10 Nationaler Normenkontrollrat: Monitor Digitale Verwaltung #3, https://www.normenkontrollrat.bund.de/re-
source/blob/72494/1675854/b0a14cedf388ddb05f2b9b9e3827b32d/2019-09-26-monitor-digitale-verwaltung-3-data.pdf, Oktober 2019.
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6 Ablauf des Projektes
Das Projekt wurde mit und für die Städte Aachen und Köln durchgeführt, um ein praxisnahes Steuerungs-
instrument und einen Monitoring -Ansatz zu entwerfen. Dafür wurden vier Beispielvorhaben, je zwei aus
jeder Stadt, ausgewählt und anhand dieser eine Bestandsaufnahme und Konzeption durchgeführt.
Das Projekt wurde finanziell durch das Land Nordrhein -Westfalen gefördert. Das Steuerungsinstrument
und der Monitoring-Ansatz wurden so konzipiert, dass sie auch für andere Kommunen Erkenntnisse bringen
können.
Die Beispielvorhaben bilden nur einen kleinen Ausschnitt aus der Gesamtheit des Verwaltungshandelns. Da
diese dem Steuerungsinstrument zugrunde liegen, kann die Praktikabilität und Plausibilität nicht für alle Vor-
haben des kommunalen Verwaltungshandelns gewährleistet werden.
Die für das Projekt ausgewählten Beispielvorhaben waren:
6.1 Vorgehen
Das Projekt wurde vom 20.06.2019 (Kick -off-Termin) bis zum 17.12.2019 (Präsentation der Ergebnisse)
durchgeführt und in vier Phasen gegliedert:
In der Bestandsaufnahme wurde ein Workshop mit den stadtinternen Projektbeteiligten durchgeführt, um
geeignete Indikatoren festzulegen. In einer ersten Wirkungsmessung wurden die gewählten Indikatoren va-
lidiert. In zwei anschließenden Workshops der Konzeptionsphase wurden diese Indikatoren ergänzt, aus-
sortiert und das Gesamtbild geschärft.
Die Erkenntnisse aus den zwischen den Workshops vollzogenen Wirkungsmessungen wurden im jeweils
nachfolgenden Workshop berücksichtigt, um ein möglichst praxisnahes und handhabbares Steuerungs-
instrument zu erstellen. Das Ergebnis bilden die vier validierten Indikatoren-Sets der Beispielvorhaben, wie
sie im Excel-basierten Steuerungsinstrument enthalten sind. Die Messdaten sind durch die zuletzt stattge-
fundene Wirkungsmessung dort ebenfalls enthalten.
Die zusätzliche Best-Practice-Analyse betrachtete die Wirkungsmessung von Digitalisierungsvorhaben der
Stadt Hamm sowie von internationalen Indikatoren-Systemen der EU, UN und OECD. Diese wurden auf ihre
Übertragbarkeit hin überprüft.
In der letzten Projektphase – der Ableitung – wurden das Steuerungsinstrument (siehe Excel-Datei) erstellt
und der Monitoring-Ansatz formuliert.
Projektinitialisierung Bestandsaufnahme
und Best Practices Konzeption Ableitung
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6.2 Verwendete Methoden
Es wurden zwei Methoden im Projekt verwendet:
— ein induktiver Ansatz bei der Erstellung des Steuerungsinstrumentes für die vier Beispielvorhaben sowie
— ein deduktiver Ansatz bei der Best-Practice-Analyse und den Ergebnissen der in den Städte n Aachen
und Köln vorhandenen Daten (entweder aus dem Bereich Statistik oder dem wirkungsorientierten Haus-
halt).
Das Steuerungsinstrument basiert auf der Systematik der vier Felder (siehe oben) unter Verwendung der
Begrifflichkeiten aus dem Sozial -Monitoring11. Durch d ie Erstellung der vier Be ispiel-Steuerungsinstru-
mente konnte diese Basis auf das Thema „Digitalisierung“ adaptiert werden.
Zeitlich parallel zur Bestandsaufnahme wurde der Austausch mit der Statistik gesucht. Wie erwartet ver-
fügten die Statistikstellen über relevante Datensammlungen, die für die Identifikation von lokal relevanten
Indikatoren hilfreich sind. Es ist daher zu empfehlen, in der Verwendung des Steuerungsinstrumentes die
Anregungen der lokalen Statistik mit aufzunehmen. Letztendlich sind sie ein wichtiger Partner für die Wir-
kungsorientierte Steuerung.
11 Siehe KGSt 4/2009, S. 9.
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7 Anhang
7.1 Handlungsfelder eines noch zu entwickelnden
Digitalisierungsmonitors
Aus der Perspektive der PD und ihrer Beratungserfahrung in der Entwicklung von Digitalisierungsstrategien
kommen folgende Handlungsfelder für einen noch zu entwickelnden Digitalisierungsmonitor in Betracht12:
Verwaltung und Beteiligungen : Hier wird vor allem die Verzahnung und Verbesserung der Prozesse der
Verwaltung abzubilden sein. Im Fokus stehen zeit- und ortsunabhängige elektronische Verwaltungsdienste,
die effizienter und nutzerfreundlicher durchgeführt werden können, sowie die aktive Mitwirkung von Bür-
gerinnen und Bürgern an öffentlichen Ausschreibungen und Projekten.
Mobilität: Die Planung und Steuerung von Verkehrsflüssen mithilfe von Sensoren und intelligenten Ampeln
zur Verbesserung des Verkehrsflusses, das heißt, die webbasierte Steuerung von Verkehrsteilnehmenden in
der Kombination von ÖPNV, Carsharing usw. ist Bestandteil der sogenannten „Smarten Mobilität“.
Wirtschaft: Die „smarte Wirtscha ft“ vernetzt Akteure auf kommunaler, regionaler und internationaler
Ebene, um die Bereitstellung von Produkten kundenorientierter sowie Verkehrs- und Warenflüsse produkti-
ver und effizienter zu gestalten.
Gesundheit: Die Digitalisierung hat bereits den Gesundheitssektor erheblich verändert (Robotik, Vernetzung
des Patienten, Expertensysteme) und birgt auch für die Gesundheitsversorgung in und außerhalb von Städ-
ten große Potenziale.
Bildung: Die Digitalisierung kann dabei helfen, die Bildung in allen Sektoren (Kitas, Schulen, Universitäten,
berufliche Aus-und Weiterbildung) zu verbessern. Nicht nur die Lernformen verändern sich, sondern auch
die Lerninhalte.
Soziales: Die Digitalisierung kann beispielsweise durch die Nutzung von bereits vorhandenen Daten in vielen
unterschiedlichen Sektoren dabei helfen, bei verschiedenen Trägern die Bereitstellung von Dienstleistungen
im sozialen Bereich wesentlich punktgenauer und effektiver zu gestalten.
Ökologische Nachhaltigkeit: Viele Maßnahmen in den oben angesprochenen Handlungsfeldern führen
dazu, dass der Verbrauch natürlicher Ressourcen, insbesondere fossiler Brennstoffe, erheblich reduziert
werden kann. Auf kommunaler Ebene sind insbesondere das Energiemanagement, die Energieeffizienz und
die Energiegewinnung anzusprechen.
Digitale Infrastruktur: Eine flächendeckende Breitband-Versorgung ist das Fundament für die beispielhafte
Umsetzung von Smart-City-Initiativen und ausschlaggebend für die Zukunftsfähigkeit von Städten.
7.2 Auswahl von digitalisierungsrelevanten Indikatoren aus
internationalen Indices
Der EU Index für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft (DESI) enthält die Dimensionen13:
— „Konnektivität“,
— „Humankapital“,
— „Internetnutzung“,
— „Integration der Digitaltechnik“ und
12 Siehe Digitalisierungsstrategie der Stadt Duisburg, 2018.
13 Siehe https://ec.europa.eu/digital-single-market/en/desi.
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— „Digitale öffentliche Dienste“.
Letztere beinhalten (neben den Indikatoren des Gesundheitswesens) folgende Indikatoren:
Indikatoren der Dimension „Digitale öffentliche Dienste“ Maßeinheit
E-Government-Nutzende in % der Internetnutzenden, die Formulare einreichen müssen %
Vorausgefüllte Formulare in Wert (0 bis 100) Wert
Online-Abwicklung von Dienstleistungen in Wert (0 bis 100) Wert
Digitale öffentliche Dienste für Unternehmen in Wert (0 bis 100) – inländisch und grenzüber-
schreitend
Wert
Offene Daten in % der Höchstpunktzahl %
Die UN Nachhaltigkeitsziele (SDG)14 enthalten beispielsweise folgende Indikatoren (Auswahl):
Global Indicator (Short Name) Maßeinheit
4.a.1 Schulen mit Zugang zu:
Elektrizität
Internet für pädagogische Zwecke
Computer für pädagogische Zwecke
%
%
%
5.b.1 Anzahl an Mobiltelefonbesitzern in:
Penetrationsrate Mobilfunk (bezogen auf die Bevölkerung) und
Privathaushalte mit mindestens einem Mobiltelefon
%
%
9.c.1 Bevölkerung, die durch ein Mobilfunknetz abgedeckt ist, in „Haushalte,
die mit 3G abgedeckt sind,
LTE abgedeckt sind“
%
%
17.6.1
a) Wissenschafts- und/oder
b) Technologie-Kooperationen zwischen Staaten
-
-
17.6.2 Internet-Breitband-Verträge in „Internet-Breitband-Zugänge“:
über 144 kbit/s bis unter 2 Mbit/s
2 Mbit/s bis unter 10 Mbit/s
10 Mbit/s bis unter 30 Mbit/s
30 Mbit/s bis unter 100 Mbit/s
100 Mbit/s und mehr
Anzahl je 100
Einwohner
17.8.1 Internetnutzer in „Bevölkerung, die das Internet in den letzten drei Monaten genutzt hat“ %
Die OECD „Going Digital Toolkit“ enthält eine große Anzahl weiterer Indikatoren, die die Nutzung und das
Vorhandensein von digitaler Infrastruktur messen. Teilweise sind diese Deckungsgleich mit den
SDG-Indikatoren (z. B. Anzahl von Breitband-Verträgen pro 100 Einwohner).
7.3 Mögliche weitere Indikatoren
Im Monitor Digitale Verwaltung #3 (Nationaler Normenkontrollrat) genannte Bereiche und mögliche Indikato-
ren15
Bereich Indikatoren
Organisation, Finanzierung und
Personalressourcen bereitstellen
— Stellenbesetzungsquote der im Bundesministerium des Innern, für Bau
und Heimat (BMI) zuständigen OZG-Gesamtkoordination
— Zeit bis zur Besetzung von IT-Stellen (getrennt nach Koordination und
Umsetzung)
14 Siehe https://www.destatis.de › indikatoren-un-nachhaltigkeitziele-2018-pdf.
15 Die Zuordnung „Indikatoren zu Bereichen“ wurde für diesen Bericht vorgenommen, da der Monitor anders aufgebaut ist und keine expliziten
„Indikatoren“ enthält.
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Im Monitor Digitale Verwaltung #3 (Nationaler Normenkontrollrat) genannte Bereiche und mögliche Indikato-
ren15
Bereich Indikatoren
— Bereitgestellte Finanzmittel in Euro pro Jahr (geteilt in B, L, K) gemessen
am geschätzten Aufwand
— Abgerufene Finanzmittel in Euro pro Jahr (geteilt in B, L, K)
Innovationskompetenz schaffen — Anzahl an Personen aus der Privatwirtschaft, gemessen an den Fellows
der Initiative des Kanzleramts „Tech4Germany“ und „Digital Innovation
Team (DIT)“ des BMI
Kulturveränderung befördern — Einrichtung einer Instanz analog zur dänischen Digitalisierungsagentur
bzw. dem britischen Government Digital Service (Indikator noch unklar)
Stärkung des Standortfaktors — Abwanderung als Anzahl der Unternehmensgründungen in europäi-
schen Wettbewerberländern durch deutsche Gründer
— Verfügbarkeit des Unternehmenskontos als Anzahl der Kommunen, die
ein Unternehmenskonto anbieten
— Nutzung als Anteil der Unternehmen in Deutschland, die Zugang zu ei-
nem Unternehmenskonto hätten
— Nutzung als Anteil der Unternehmen in Deutschland mit potenziellem
Zugang zum Unternehmenskonto, die dafür registriert sind
— Verfügbarkeit eines „einheitlichen Unternehmenskontos“ (Indikator un-
klar), das bundesweit einheitlich vorliegt
Nutzerfreundliche Leistungen — Nutzerquote
— Nutzerzufriedenheit
— Grad der Medienbruchfreiheit
Flächendeckende Verfügbarkeit — (Indikator unklar)
Interoperabilität — Anzahl an IT-Modulen, die mit anderen IT-Modulen kombinierbar sind
— Dezentrale Nutzbarkeit (Indikator unklar)
— Flexibilität der Nutzbarkeit (Indikator unklar)
Nachnutzbarkeit — Anzahl der IT-Module, die wiederverwendbar sind (z. B. als Open
Source)
Wettbewerbsfreundlichkeit und
Innovationsfreundlichkeit
— Anteil der IT-Lösungen, die modular und kombinierbar aufgebaut sind
Arbeitsweise ist interdisziplinär,
designorientiert und agil
— Anteil der Entwicklungen mit nutzerorientierter Anforderungserhebung
— Anteil der Entwicklungen in agiler Arbeitsweise
Verwaltungsinterne Weiterbildung — Anteil der Führungskräfte, die an dem ADA-Fellowship-Programm des
Kanzleramts teilgenommen haben
Einfache und praktikable Lösungen
für Bürgerinnen und Bürger
— Anzahl der Leistungen und Produkte, die digital nun antragslos vorlie-
gen (Beispiel: Antragsloses Kindergeld)
Schnelle Umsetzung — Zeitbedarf bis zur Entwicklung eines MVP (Minimal Viable Product) ei-
ner Leistung oder eines Produktes
Standardisierung — Anteil von solchen Leistungen und Produkten „Vor Ort“, die innerhalb
von maximal drei Klicks vom Bundesportal anwählbar sind, verglichen
mit der Gesamtanzahl von Leistungen und Produkten
— Davon: Leistungen für Unternehmen, die Kommunen- und Länder-
übergreifend oder bundesweit aktiv sind
— Grad der Integration von Spezialportalen (z. B. familienportal.de)
— Anteil des einheitlich vorliegenden Bürgerkonten bzw. Unternehmens-
konten (je nach Umsetzung, gemessen an Bundesländern oder Kommu-
nen)
Architekturmanagement — Daten können zwischen den Behörden ausgetauscht werden, gemessen
an dem Grad der Registermodernisierung und der Klärung des Daten-
schutzes (Indikator unklar)
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Im Monitor Digitale Verwaltung #3 (Nationaler Normenkontrollrat) genannte Bereiche und mögliche Indikato-
ren15
Bereich Indikatoren
Infrastruktur — (Keine Indikatoren benannt)
Sicherheit — Verbreitungsgrad der Nutzung einer standardisierten Lösung für die
eindeutige digitale Identifizierung und Authentifizierung
— Einführung einer Personenkennziffer (Indikator unklar)
— Verbreitungsgrad von ePA als Standard-eID-Lösung gemessen an:
– der Anzahl von Nutzern von ePA,
– an den Besitzern von ePA sowie
– der Nutzeranzahl von ePA
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8 Ihre Ansprechpartner
Dr. Alfred Reichwein
Senior-Experte
Telefon +49 30 257679-156
Alfred.Reichwein@pd-g.de
Katharina Schlüter
Managerin
Telefon +49 30 257679-367
Katharina.Schlueter@pd-g.de
Laura Kromminga
Consultant
Telefon +49 30 257679-169
Laura.Kromminga@pd-g.de
PD – Berater der öffentlichen Hand GmbH
Friedrichstraße 149
10117 Berlin
https://www.pd-g.de
Beratungsverlauf (2)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 0294/2021
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 08.04.2021
- Erstellt
- 27.01.2021 09:17