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V/0071/2013

Projekt Fotoausstellung Wim Wenders

Vorlagen 30.01.2013

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Nächste Beratung: Kulturausschuss, Sitzung am 26.02.2013, TOP 7

Berichtsvorlage

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Berichtsvorlage

4054 Zeichen

V/0071/2013 
DER OBERBÜRGERMEISTER 
Kulturamt 
 
 
 
 
 
 
 
Betrifft 
 
Projekt Fotoausstellung Wim Wenders 
 
 
 
Beratungsfolge 
 
 
26.02.2013 Kulturausschuss Bericht 
 
 
Bericht: 
 
Ein Ausstellungsprojekt mit dem weltrenommierten Filmemacher und Fotografen Wim Wenders 
im öffentlichen Raum der Stadt Münster ist für 2014 geplant. Die Realisierung des Projektes war 
ursprünglich für 2013 vorgesehen. 
 
Organisation, Verantwortung und Trägerschaft: 
Dr. Peter Weiß (Kunsthistoriker aus Münster) hat das Ausstellungsprojekt initiiert und bereits 
Kontakt mit Wim Wenders aufgenommen, der großes Interesse hat, eine Fotoauss tellung im öf-
fentlichen Raum der Stadt Münster zu realisieren. Dr. Peter Weiß ist Kurator des Projektes und 
für die gesamte O rganisation verantwortlich. Alle Absprachen mit dem Künstler führt Dr. Peter 
Weiß. Zurzeit wird noch nach einer Institution oder ei nem Verein in Münster gesucht, die/der die 
Trägerschaft des Projektes übernehmen kann und die finanzielle Abwicklung des Pr ojektes mit 
verantwortet. Mit dem Kulturamt der Stadt Münster ist eine Begleitung des Projektes se itens der 
Stadt in mehreren Gesprächen erörtert worden. Die Trägerschaft des Projektes liegt nicht bei der 
Stadt Münster. Das Kulturamt vermittelt und begleitet alle notwendigen Kontakte zu den Ä mtern 
der Stadt, die Genehmigungen aussprechen müssen und beratende Hilfe für das Projekt leiste n. 
Zurzeit ist eine finanzielle Unterstützung des Projektes seitens der Stadt Münster nicht vorges e-
hen. 
Ursprünglich war vorgesehen, einen Antrag auf Mittel aus der Gewinnausschüttung der Sparka s-
se Münsterland Ost im Jahr 2012 für eine Realisierung des Projektes im Jahr 2013 zu stellen.  
Da die Eröffnung des Projektes nun aber erst für das Jahr 2014 geplant ist, sollte in diesem Jahr 
(2013) ein Antrag auf Finanzierung aus der Gewinnausschüttung der Sparkasse Münsterland Ost 
gestellt werden.  
Eine Antragstellung im Jahr 2013 ist nach dem bisherigen Verfahren allerdings nicht mehr 
möglich (vgl. Vorlage V/0904/2012). 
 
Projektbeschreibung 
Die vorläufige Planung des Projektes sieht vor, etwa 30 großformatige Fotografien auf „Panor a-
magerüsten“ an zentralen, inners tädtischen Orten auszustellen. Das Konzept der Ausstellung 
und die zunächst vorgesehenen Aufstellungsorte sind der Anlage zu entnehmen. 
 
 
Vorlagen-Nr.: 
  
V/0071/2013 
Auskunft erteilt: 
Frau Dr. Kirkpatrick 
Ruf: 
492-4191 
E-Mail: 
Kirkpatrick@stadt-muenster.de 
Datum: 
13.02.2013 
Öffentliche Berichtsvorlage

2 
V/0071/2013 
 
Dieses Ausstellungsprojekt verspricht ein hohes Niveau und wird Aufmerksamkeit bei den Mün s-
teranern aber auch bei Besuc hern weit über die Stadtgrenzen Münsters hinaus erzeugen. Diese 
Aufmerksamkeit wird nicht zuletzt wegen des großen Bekanntheitsgrades des Filmemachers 
Wim Wenders erzeugt, sondern auch durch seinen besonderen Blick auf seine Umwelt, der sehr 
subjektiv und durch seine eigene Emotionalität geprägt ist. 
Obwohl das Ausstellungsprojekt im öffentlichen Raum stattfinden soll, muss geklärt werden, ob 
eine konzeptionelle Anbindung an die Skulpturprojekte Münster zulässig und passend ist. Das 
Konzept der Skulpturproj ekte Münster ist ein inhaltlich feststehendes Konzept im Kontext eines 
differenzierten kritischen Diskurses über Kunst und Öffentlichkeit - in diesem Sinne eine „Kultu r-
marke“; verantwortet vom LWL -Landesmuseum in Zusammenarbeit mit der Stadt Münster. I n-
wieweit diese „Kulturmarke“ auf das Wenders -Projekt im Sinne einer Assoziierung übertragbar 
ist, muss von den fachlichen Kompetenzen der Verantwortlichen der Skulpturprojekte, hier im 
besonderem beim LWL-Landesmuseum, geklärt werden. 
 
Dr. Peter Weiß hat berei ts Kontakt mit öffentlichen und privaten Förderern aufgenommen u. a. 
mit der Kunststiftung NRW, der Stadtparkasse und mit dem Ministerium für Familie, Kinder, J u-
gend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen (Bezirksregierung Münster). 
 
 
I. V. 
 
gez. 
Dr. Hanke 
 
 
Anlage 
1. Konzept 
2. Vorschläge Ausstellungsorte 
3. Kostenplan

V-0071-2013_Anlage

8968 Zeichen

Anlage 1

Münster, Dezember 2012
Konzept / Arbeitstitel:

"Bilder im öffentlichen Raum: Photographien von Wim Wenders”

Wim Wenders - "Ich möchte das Unsichtbare zeigen"

Eine Fotoinstallation mit Arbeiten Wim Wenders in Münster mag vordergründig
überraschen, ist Wenders doch seit vielen Jahren als einer der renommiertesten
Regisseure: international bekannt. Seine Spielfilme wie "Paris, Texas", "Der Himmel
über Berlin" oder "Don't Come Knocking" sind stets tiefgründig. Seine Dokumenta-
“ tionen wie "Yamamoto", "Buena Vista Social Club" oder zuletzt "Pina" sind immer
ganz dicht an den Menschen. Wim Wenders ist einer der wichtigsten deutschen
Filmemacher, er ist aber auch leidenschaftlicher Fotograf.

In seinen Filmen war und ist Wenders Bildsprache nie laut. In seinen Fotografien ist
es nicht anders. Träumerisch verklärt sind sie, strahlen eine sanfte Ruhe aus. Aufge-
nommen als Notizen bei der Suche nach geeigneten Drehorten, Kameraperspektiven
oder einfach nur ungewöhnlichen Plätzen - überwiegend menschenleere Plätze,
denen Wenders eine neue Bedeutung gibt.

Sein fotografischer Blick auf Landschaften, Menschen, Plätze, auf wenig Beachtetes,
macht die Arbeiten in einem besonderen Maße interessant für Münster. Hier, wo die
Skulptur-Projekte wichtige künstlerische Akzente in den öffentlichen Raum setzten,
wodurch temporäre Veränderungen in der Stadtlandschaft einhergingen, wären
Wenders Bilder, seine fotografischen Fund- und .Erinnerungsstücke, interessante
Impulse über den öffentlichen Raum.

Wim Wenders Fotografien handeln vor allem von Orten, die im Verschwinden
begriffen sind. Sie verweisen aufigine Zivilisation, die man nur noch an ihren Spuren
erkennen oder erahnen kann. Das Verhältnis dieser Orte zu den Menschen, die hier
leben oder gelebt haben, will vom Betrachter erkundet werden. Wenders Beobachten
und Erforschen von Orten gleicht einem kontemplativen Abschreiten, einer anderen
Art von Vermessung: sein Interesse gilt dem In-Vergessenheit-Geraten. Er befragt
die Orte hinsichtlich ihrer kulturellen Erinnerung und macht diese Befragung zu
einem ästhetischen Programm, bei dem er die Fotografie als Instrument gegen den
Erinnerungsverlust einsetzt, denn ihm zufolge tragen »Landschaften und Orte das
Bedürfnis in sich, erzählt, festgehalten und weitergezeigt zu werden.«

Wim .Wenders Fotografien im Großformat wären wie Reisende in unserer Stadt und
würden einen Anspruch einlösen, den Wenders an sich als Fotograf und an seine
Fotografien stellt. »Es ist wichtig, dass ein Fotograf von seiner Haltung her immer ein
Reisender bleibt. Ein Reisender lässt alles, was sich ihm darbietet, an sich heran:
Landschaften, Objekte, Menschen.«

1

Wenders erzählende Bilder, fixiert von einem neugierigen Blick auf das Unschein-
bare, Nebensächliche, Unsichtbare, vermitteln eine große Ruhe durch ihre ausge-
wogene Komposition und die Reduktion auf bildtragende Elemente. Bildgestaltung
und Bildgehalt verdichten sich so zu einem neuen Schauspiel, dessen Kulissen und
handelnde Figuren sich häufig unspektakulär zeigen und deren Geschichten und
Emotionen im Bild gelesen werden wollen. Beispielhaft inszeniert in Wenders wun-
derbar prosaischer Aufnahme eines Riesenrads mitten auf einer Wiese in Armenien
als Denkmal einer ebenso skurrilen wie verlorenen Moderne mitten im Nichts.

Mit der Eigenständigkeit seiner Bildsprache und Bildwelten schafft der Fotograf
Wenders Momente, von denen er denkt, dass sie auch andere interessieren. »Und
es ist schön, so Wenders, dem Interesse mit Bildern begegnen zu können.«

Auf speziellen Bildträgern werden circa dreißig großformatige Fotografien (- 2x5m)
quasi wie Plakatwände äufgestellt und mit den wendersschen Bildinszenierungen
werden Ausstellungsflächen unter freiem Himmel geschaffen, die sich über die
Innenstadt verteilen. Die Fotografien gehen so einen Dialog, der seit dreißig Jahren
durch die Skulptur-Projekte in Münster zuhause ist, mit dem Umraum ein und stehen
in Abhängigkeit zu den sie umgebenden kulturellen, sozialen. oder topografischen
Bedingungen und werden dadurch zu einem Bestandteil des Ortes.

Wenders Fotografien bieten generell eine direkte Bezugsfähigkeit zum öffentlichen
Raum, da der Außenraum ein möglicher Entstehungsort für die fotografische Gestalt-
ung ist. Dadurch entsteht sogleich eine Verbundenheit zum späteren Ausstellungsort.
Seine Fotografien, die Geschichten erzählen, die wenig Beachtetes ins Zentrum ihrer
Aussage rücken, die in dem unaufhaltsamen Fluss der Zeit die Zeit anhalten und die
gegen die.irritierende Hektik des Alltags den Augenblick fixieren, verändern altbe-
kannte, vertraute Plätze und Orte und führen sie zu einer neuen Wahrnehmung. Die
in den städtischen Raum implementierten Fotografien generieren so eine eigene, un-
mittelbare Rezeptionssituation, die Fotografie, Zeit und Raum neu erfahrbar macht.

Der Ortsbezug, der von Wenders speziell für und in Münster gemachten Fotografien,
kann dazu beitragen, Akzeptanz und Identifikation. der Betrachter mit der Stadt zu
stärken, Aufmerksamkeit herzustellen und Standorten ein zusätzliches Profil zu
geben. Einerseits also Kunst als dialogisches Prinzip im Zusammenklang mit ihrem
Umfeld, an der Nahtstelle zwischen Fotografie und städtischem Raum, andererseits
werden hier ganz selbstverständlich auch eine Indienstnahme und Verwertung
künstlerischer Äußerungen vorgenommen.

Insbesondere durch ihre Qualität, zeitliche Veränderungen aufzuzeigen, kann die
Fotografie regionale und soziale Transformationsprozesse vermitteln.. Hierin liegt
eine Chance, um Wandel des städtischen Raumes dort zu diskutieren, wo er statt-
findet, nämlich unter freiem Himmel. Denn wir hinterfragen die Dinge oft nur dort, wo
wir erstaunt sind, sie anzutreffen und wo die Umwelt mit unseren Erwartungen nieht
mehr übereinstimmt. Solche Situationen stärken unsere Wahrnehmung. Gelingt es
durch die. Inszenierung der Fotografien von Wim Wenders im öffentlichen Raum

2

diese Konfrontation heraufzubeschwören, dann besteht die Möglichkeit, dass sich
der Betrachter verstärkt auch mit dieser Thematik auseinandersetzt.

Allerdings ist die Wahrnehmung von Fotografie im öffentlichen Raum seitens des
Betrachters bisher meist eng mit kommerziellen Erwartungen verknüpft. Deshalb. wird
die Art und Weise des Ausstellens der großformatigen Bilder, ihre spielerische
Inszenierung im Stil der Billboards, und ihre formale Erscheinung zur gewichtigen
Frage und zusätzlich muss sich die Fotografie unbedingt von der kommerziellen
Ästhetik freimachen. Genau diese Kriterien prägen die Fotografien Wim Wenders,
deren Stärke der fotografischen Darstellung es ist, historische und kulturelle Bezüge
herzustellen. Zusätzlich zieht mit seiner Fotografie eine Abbildhaftigkeit in den
Bereich der Kunst im öffentlichen Raum ein. So werden einsame Landschaften in
den Bildern Wenders oft als Verweis auf historische Zusammenhänge dargestellt
oder unscheinbare städtische Kulissen dienen als kulturelle Erinnerungszitate.

Für die geplante Ausstellung wird Wim Wenders einen eineinhalb bis zweistündigen
Ausstellungs-Parcours innerhalb des Promenadenrings entwickeln, der über meh-
rere Stationen zu Orten und Plätzen führt, an denen die großformatigen Fotografien
aufgestellt werden. Alle ausgewählten Standorte besitzen eine besondere Aura und
in der öffentlichen Wahrnehmung gehören sie entweder zu attraktiven innerstädt-
ischen Bereichen oder zu denen, deren Existenz man kaum wahrnimmt und deren
Charme und Bedeutung sich erst auf den zweiten Blick erschließt. Und denen etwas
von dem anhaftet, was Walter Benjamin als "einmalige Erscheinung einer Ferne, so
nah sie sein mag, " treffend beschreibt. j

Ergänzend könnte eine Studioausstellung in der Galerie im Stadthaus eine Auswahl
seiner älteren fotografischen Arbeiten zeigen.

“ Ausstellungszeitraum: Mai, Juni, Juli 2014

Dr. Peter Weiß

Anlage 2

Ausstellungsorte Wenders / Vorschläge

In Abstimmung mit Wim Wenders könnten als mögliche Standorte für die Bildträger
folgende Orte / Plätze infrage kommen:

Stadthaus | Innenhof / Stadthaus Galerie

Horsteberg / Kalvarienberg - Domkammer / Klarissenkonvent
Fürstenberghaus Innenhof

Aegidiikirchplatz

Schloss - Vorplatz

Westerholtsche Wiese / Westerholtsche Wiese - Übergang zur Promenade -
Kriegerdenkmal

Gräfte zum Schloss - LBS / Himmelreich Allee - Brücke
Aasee / Kugeln - Terrasse

Kanonierplatz

Engelenschanze

Servatiikirchplatz

Clemenskirche - Garten

Theaterinnenhof

Apostelkirche

Anlage 3

Kostenplan
Gerechnet für 30 Bildträger

Technischer Aufbau 60 000,00€

Photoherstellungskosten

33000,00 + 18.000,00 51 000,00€

Aufsicht 5 000,00€

Reisekosten

(Wenders, u.a.) 5 000,00€

Öffentlichkeitsarbeit

Einladung, Grafik, Anzeigen ‚5 000,00€

Flyer 2 000,00€

Publikation 15 000,00€

Kurator

Weiß 20 000,00€

Varia 5 000,00€
168 000,00€

+ USt. 19% 31 920,00€

199 920,00€

Sachkosten für 1 Bildträger:

Träger 2000,00
Scankosten 600,00
Printkosten 1100,00
3700,00€
+ USt 5 703,00€

.4403,00€

Beratungsverlauf (1)

26.02.2013 Kulturausschuss
TOP 7 Bericht Entscheidung

Beschluss: zur Kenntnis genommen

Zur Sitzung

Orte (5)

  • Aegidiikirchplatz
  • Servatiikirchplatz
  • Engelenschanze
  • Horsteberg
  • Promenade

Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.

Details

Vorlagen-Nr.
V/0071/2013
Typ
Vorlagen
Datum
30.01.2013
Erstellt
06.10.2020 14:37