0386/2021
Beantwortung der Anfrage der SPD-Fraktion betr.: "Perspektiven für die Fotostadt Köln sicherstellen!" (AN/0187/2021)
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Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss)
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle VII/41/41/21 Vorlagen-Nummer 01.03.2021 0386/2021 Beantwortung einer Anfrage nach § 4 der Geschäftsordnung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss Kunst und Kultur 27.04.2021 Beantwortung der Anfrage der SPD-Fraktion betr.: "Perspektiven für die Fotostadt Köln sicherstellen!" (AN/0187/2021) Anfrage: Über die pandemiebedingten Einschränkungen für die künstlerische Arbeit hinaus, sieht sich die freie Fotografie-Szene unserer Stadt zusätzlich mit strukturellen Herausforderungen konfrontiert: Im No- vember teilte die Koelnmesse mit, „die Durchführung der photokina am Standort Köln vorerst auszu- setzen“. Die Kölner Fotokünstler*innen waren nicht nur ideell mit der 1984 gegründeten Weltleitmesse verbunden, sondern auch finanziell hat die ‚photokina‘ einen wichtigen Beitrag, insbesondere zur Realisierung der Arbeit der gemeinnützigen Unternehmergesellschaft „Internationale Photoszene Köln“, geleistet. Diese wurde in den 80er Jahren vom Kölner Kulturamt mitbegründet, um die Fotogra- fie in Köln zu stärken und ist zu einem zentralen Pfeiler der Kölner Kreativlandschaft und -wirtschaft geworden. Höhepunkt ihrer Aktivitäten ist das ‚Photoszene-Festival‘, das bisher rund um die ‚photoki- na‘ im gesamten Stadtgebiet Sichtbarkeit für die Szene herstellte und zur (internationalen) Vernet- zung der Kulturschaffenden beitrug. Dies hatte entscheidenden Anteil daran, dass Köln ein internatio- nales Renommée als bedeutende Fotostadt erlangen konnte. Durch das Einstellen der Messe und somit dem Wegfall tragender Sponsorengelder gilt es nun, sich klar zur Fotostadt Köln und zur ‚Pho- toszene‘ zu bekennen und entsprechend der Zielsetzungen des Kulturentwicklungsplans auch durch finanzielle Förderung sicherzustellen. Die SPD-Fraktion bittet vor diesem Hintergrund um folgende Informationen: 1. Wie sieht die Verwaltung die Rolle der Fotografie als Kunstform generell für den Kulturstandort Köln und welche Förderperspektiven und mögliche Strukturen und Kooperationen ergeben sich daraus? Antwort der Verwaltung: Ein fester Bestandteil der Kunststadt Köln ist das Genre der Fotografie, das in größeren Häusern wie der Photographischen Sammlung präsentiert wird, aber auch in den städtischen Museen mit regel- mäßigen Fotografie-Ausstellungen ein selbstverständlicher Bestandteil des Ausstellungsprogramms ist. Auch zahlreiche Strukturen und Projekte der freien Szene werden durch die Stadt bzw. das zu- ständige Kulturamt gefördert wie beispielsweise das Photobook Museum mit seinem Chargesheimer- Projekt, der Fotoraum mit seinem ganzjährigen Ausstellungsprogramm, viele weitere Ausstellungen in den freien Kunsträumen von Köln, die Preisverleihung der DGPh (Deutschen Gesellschaft für Photo- graphie) oder auch das Beyond-Magazin mit Ausstellungs- und Residenzprogramm. Die Stadt hat mit den Kölner Kunstsäulen auch langfristig Flächen im öffentlichen Raum geschaffen bzw. gesichert, auf denen regelmäßig Motive von Kölner Fotografinnen und Fotografen zu sehen sind. Ein Angebot, das stark nachgefragt wird und derzeit auch in Düsseldorf einen Wiederhall findet. Eine spezifische Ausbildungsstätte für Fotografie gibt es in Köln nicht. Die künstlerische Fotografie ist ein Teilbereich der Medialen Künste an der KHM. Erfahrungen aus dem Bereich Musik zeigen, dass hochkarätige Ausbildungsstätten den entscheidenden Anstoß für eine vielversprechende Entwicklung 2 und v.a. das Herausbilden starker fotografischer Positionen geben können. Die Stadt fördert das Internationale Photoszene Festival seit vielen Jahren. Die monetäre Förderung stieg 2018 von 20.000 Euro auf jährlich 40.000 Euro, dank der Zusetzung aus den Leitprojektmitteln. Durch Zusetzungen im Haushalt 2019 und anschließendem Ratsbeschluss (Vorlagen-Nummer 3248/2018) im Herbst 2018 erhöhte sich der Zuschuss 2019 bis 2021 auf jährlich 110.000 Euro, so dass eine ganzjährige Struktur und ein jährliches Festival finanziert werden können. Diese Summe wurde 2019 nochmals ergänzt um 25.000 Euro aus der Kulturförderabgabe zur Vorbereitung des Fes- tivals 2020, sowie 3.500 Euro aus dem Budget des Büro für Internationales. Einen weiteren finanziel- len Zuschuss in Höhe von etwa 33.000 Euro leisteten 2019 die kooperierenden städtischen Museen und Strukturen, die zudem in personeller Hinsicht beteiligt waren und 2021 wieder sind. Leider musste die Festivalausgabe 2020 Corona-bedingt kurzfristig abgesagt werden und wurde – soweit möglich – in alternative Online-Formate überführt. Das Kulturamt hat den vollen Zuschuss ausgezahlt und bisher keinerlei Rückforderung ausgesprochen. Perspektivisch soll es 2021 zum zweiten Mal Ausstellungen des „Artist meets Archive“ (AMA)- Residenzprojektes in Kooperation mit verschiedenen Fotografie-Sammlungen und städtischen Museen geben, ebenso wie ein Festivalpro- gramm inklusive der selbst kuratierten Ausstellung während des Festivals („You are here“, vorfinan- ziert aus 2020) und dem Ausstellungsprogramm der rund 80 Museen, Galerien, Kulturinstitute und freien Kunsträume und einem Fachsymposium. Durch den Übertrag für die Ausstellung „You are her- e“ erhöht sich der Zuschuss des Kulturamtes im Jahr 2021auf 120.000 Euro. Die Resonanz auf die erste Photoszene-Ausgabe in ihrer neuen jährlichen Form war 2019 sehr posi- tiv. Zwar war 2019 die Absage der Photokina bereits bedauerlich, aber das Photoszene-Festival wur- de trotzdem sehr gut wahrgenommen und hat dank der Kooperation mit den städtischen Museen und Sammlungen eine große Qualitätssteigerung, Professionalisierung und stärkere Sichtbarkeit erhalten. Bezogen auf das Gesamtbudget des Internationale Photoszene-Festivals von rund 218.000€ im Jahr 2021 wird ein Großteil bereits durch städtische und weitere öffentliche Mittel abgedeckt. Der Sponso- ring-Anteil der photokina belief sich auf maximal 25.000 Euro, mit dem selbstverständlich auch eine Sponsoring-Leistung verbunden war. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass das Rheinische Bildarchiv der Stadt Köln plant, die Pho- toszene mit der Bereitstellung von Büroräumen in ihrem Neubau noch weitergehend zu unterstützen. Teil des Neubaus ist auch eine Präsentationsfläche, die in Absprache nutzbar sein soll. Aus Sicht der Verwaltung sollte mit dem dritten Förderjahr der Photoszene eine inhaltliche und finan- zielle Evaluierung vorgenommen werden und mit der freien Szene ein - wie in der Kulturentwick- lungsplanung vorgesehener Reflextionstermin - stattfinden, um Visionen für die Stärkung des vielfach existierenden Engagements für die Fotografie in Köln zu entwickeln und entsprechende Maßnahmen zu definieren. Die Kulturverwaltung würde sich aus heutiger Sicht bei der Photoszene für die Fortführung des AMA- Projektes in einer jährlichen Kooperation mit den Fotografie-Sammlungen und Museen der Stadt aus- sprechen, ebenso wie für die Fortsetzung des jährlichen Ausstellungs- und Festivalprogramms. Ent- sprechende Koordinationssitzungen mit den städtischen Museen unter Leitung der Kulturdezernentin haben bereits stattgefunden. Gerade im Bereich der Fotografie-Archive hat die Stadt, ähnlich wie Düsseldorf und Essen, viel zu bieten, nicht zuletzt mit dem Chargesheimer-Archiv, den Beständen des Rheinischen Bildarchivs und der Fotoarchive des Museums Ludwig. Mit dem AMA-Projekt wer- den die Kölner Fotografie-Archive regelmäßig durch internationale Künstlerinnen und Künstler gesich- tet, bearbeitet und der Öffentlichkeit präsentiert. Das Kulturamt erachtet es als ebenso wünschenswert, dass die Initiative des Photobook-Museums mit ihrem sehr umfassenden Bestand von Fotobüchern und ihrem Infrastrukturprojekt im Bunker101 die nötige Unterstützung erhält. Auf diese Weise könnte nicht nur das PhotoBookMuseum, sondern auch die sehr wertvolle Fotobuchsammlung von L. Fritz Gruber in Köln gehalten werden. Es wäre für die Stadt gerade in diesem Bereich des zunehmend auch von Museen präsentierten und angekauften Mediums des Fotobuches möglich, an Bedeutung zu gewinnen und aus vorhandenen Potentialen noch stärker zu schöpfen. 3 Dies schließt eine Kooperation mit dem in NRW geplanten und von der Experten-Kommission für die Stadt Essen favorisierten Fotografie-Institut nicht aus, das nach Kenntnisstand der Kölner Kulturver- waltung neben Präsentationsflächen auch Flächen für die Archivierung, Lagerung und Forschung umfassen soll und dezentral und kooperativ gedacht werden könnte. 2. Welche langfristigen Perspektiven gibt es für die Verlängerung der strukturellen Förderung des ‚Photoszene-Festival‘ und welchen Beitrag wird die Stadt und weitere Akteure künftig zur Grundfi- nanzierung des Festivals leisten? Die Kulturverwaltung schlägt den unter 3. skizzierten Weg der Evaluation und Diskussion mit diversen Akteurinnen und Akteuren der freien Szene vor. Da es sich um kein städtisches Festival handelt, bleibt die Drittmittelakquise eine originäre Aufgabe der geförderten Struktur. Das Photoszene-Festival ist die einzige Festivalstruktur der freien Kunstszene von Köln, die Strukturmittel in dieser Höhe von der Stadt Köln erhält, diese Förderung wird flankiert durch städtische Fürsprachen bei Drittmittelge- bern wie dem LVR, der Rhein-Energie-Stiftung und der Sparkasse Köln/Bonn. Nach der in Antwort 1 beschriebenen Evaluation kann dem Ausschuss für Kunst und Kultur eine Beschlussvorlage zur Wei- terführung der städtischen Förderung vorgelegt werden. Auch aus haushaltstechnischen Gründen kann eine Verlängerung der strukturellen Förderung in gleicher Höhe zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht zugesagt werden. 3. Welche Maßnahmen sieht das Kulturamt vor dem Hintergrund des Einstellens der „photokina“ zur künftigen Stärkung der freien Fotoszene in Köln vor? Das Kulturamt plant seine Förderung der freien Szene auf der Grundlage von Projektanträgen und deren Qualität (wie oben beschrieben) fortzusetzen und sieht im Weggang der „photokina“, so be- dauerlich es für den Wirtschafts- und Kreativwirtschaftsstandort Köln ist, keine Krise für die freie Sze- ne. Erfahrungsgemäß hat in den letzten Jahren nur ein kleiner Teil der Messebesucher auch Ausstel- lungen in der Stadt besucht. Wichtig ist hingegen und dies auch für die diversen Akteure der freien Szene, dass der internationale Austausch durch das jährliche Festival, Fachsymposium und das A- MA-Residenzprogramm beibehalten wird. Denn das Photoszene-Festival macht nicht zuletzt auch die Aktivitäten der vielen freien Räume, Galerien und Stiftungen mittels ihrer Öffentlichkeitsarbeit stärker sichtbar. 4. Hamburg plant eine neue Fotomesse mit Kulturprogramm, Berlin hat damit bereits 2019 begon- nen. Kommt die Aufnahme solch einer Planung für Köln nun ebenfalls in Frage und welche Über- legungen bestehen hierzu? Vielversprechender als den Anschluss an eine kommerzielle Messe (als dessen Rahmenprogramm), dürfte diese Bündelung von hochkarätigen und auf Fotografie spezialisierten Museen, Sammlungen, Archiven, freien Ausstellungsorten, Galerien und Orten der Lehre und Wissenschaft in Köln, Düssel- dorf und Essen sein, die zahlreich sind und seinesgleichen suchen. Die Städte Mannheim, Ludwigs- burg und Heidelberg sind diesen Weg bereits gegangen und bilden heute das größte deutsche Foto- grafie-Festival. Seitens der Koelnmesse gibt es jedenfalls eine solche Planung nicht. Die unternehmerische Ent- scheidung, die photokina auszusetzen, gilt – laut Informationen der Koelnmesse – bis auf weiteres, solange die wesentlichen Gründe, die in den massiven Rückläufen des Markts für Imaging-Produkte liegen, Bestand haben. Daran werde sich in den kommenden Jahren voraussichtlich nichts ändern. „Die Internationale Photoszene Köln war eine Bereicherung, die die photokina als Event abgerundet und für öffentliche Strahlkraft gesorgt hat. Insofern war auch das finanzielle Engagement der Koeln- messe im Sinne eines attraktiven Gesamterlebnisses zu beiderseitigem Nutzen gerechtfertigt“. (Koelnmesse) Ein Engagement in ein eigenständiges, rein kulturell motiviertes Event sei aber – nach Aussage der Kölnmesse – für die Koelnmesse wirtschaftlich nicht darstellbar. Es sei davon auszugehen, dass die genannten Projekte in Berlin und Hamburg seitens des jeweiligen Senats umfassend subventioniert 4 werden. Die Koelnmesse müsse sich gerade in Pandemiezeiten auf den Aufbau nachhaltig wirtschaft- lich erfolgreicher Formate konzentrieren. 5. Welche Anstrengungen unternimmt die Verwaltung um Mittel des Landes NRW und des Bundes für die um die Perspektiven für die Fotostadt Köln zu akquirieren und wie bringt sie sich in das in NRW geplante Photographie-Institut ein? Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach hat bereits vor einiger Zeit mit dem Düsseldorfer Kul- turdezernenten Herrn Hans-Georg Lohe darüber gesprochen. Es wurde vereinbart, die inhaltliche Einrichtung des Fotoinstituts mit Kooperationen zu begleiten, ggf. auch einen Kooperationsvertrag zwischen Köln und Düsseldorf abzuschließen. Gelder werden akquiriert, wenn feststeht, wie sich die zeitliche Schiene des Fotoinstituts darstellt. Gespräche mit dem Land NRW sind avisiert. Gez. Laugwitz-Aulbach
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 0386/2021
- Typ
- Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss)
- Datum
- 24.03.2021
- Erstellt
- 03.02.2021 11:17