2017/2021
Mitteilung über die Konzepterstellung zur Fachstelle „Hilfen für Kinder und Jugendliche aus mit Sucht und/oder psychisch belasteten Familien“
KI-Zusammenfassung
Klicken Sie, um eine KI-Zusammenfassung dieses Vorgangs zu erstellen.
KI-Analyse läuft...
vergangen
Was passiert gerade?
- 📄 Dokumente werden analysiert...
- 🤔 KI denkt nach (Reasoning-Modell)...
- ✍️ Zusammenfassung wird geschrieben...
- ⏳ Das dauert etwas länger bei komplexen Dokumenten...
Dieser Vorgang kann 1-3 Minuten dauern. Bitte lassen Sie die Seite geöffnet.
Mitteilung Ausschuss
5004 Zeichen
Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle IV/51/512 Vorlagen-Nummer 02.06.2021 2017/2021 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Jugendhilfeausschuss 15.06.2021 Mitteilung über die Konzepterstellung zur Fachstelle „Hilfen für Kinder und Jugendliche aus mit Sucht und/oder psychisch belasteten Familien“ Seitens der Jugendverwaltung wird das anhängende Konzept im Rahmen der strukturellen Anpas- sung der Arbeit im Bereich der Suchtprävention und Gesundheitsförderung für ein neues zielgrup- penspezifisches Beratungsangebot vorgestellt. Im Rahmen der bereits bestehenden und guten Zusammenarbeit zwischen Jugendhilfeträgern, Fach- einrichtungen und dem Jugendamt im Bereich der Suchtprävention wurde –wie auch in angrenzen- den Arbeitsfeldern und aktuellen wissenschaftlichen Berichterstattungen- ein besonderer Bedarf prä- ventiver Unterstützung der vulnerablen Zielgruppe der Kinder aus psychisch und suchtbelasteten Familien festgestellt. Der Handlungsbedarf wird durch Erkenntnisse aktueller Studien bestätigt; laut Aussagen des Kölner Gesundheitswesens leiden derzeit rund 22.000 Kinder und Jugendliche in Köln an seelischen Erkrankungen. Von einer steigenden Tendenz durch die aktuelle Corona Pandemie ist auszugehen. Der Bedarf wird politisch durch den Ausbau von entsprechenden Förderprogrammen aktuell bestätigt. Neben Angeboten aus dem medizinischen Sektor sind pädagogische Maßnahmen notwendig sowie eine Kooperation zwischen den beiden und weiteren Bereichen von Nöten, um für das Thema der seelischen Gesundheit und damit einhergehender Suchtgefährdung zu sensibilisieren. Das Fachcontrolling und die übergeordnete Steuerung der Suchtprävention und Gesundheitsförde- rung liegt im Jugendamt in der Abteilung 512 – Kinderinteressen mit der Aufgabe der Lenkung der Angebote der drei Schwerpunktträger der Suchtprävention: Sozialdienst kath. Frauen (SKF), Sozial- dienst Kath. Männer (SKM), Drogenhilfe e.V. sowie der Kooperation mit dem Gesundheitsamt. Der- zeit findet seitens der Steuerung im Jugendamt (512- Abteilung für Kinderinteressen und Jugendför- derung) die Neugestaltung einer „AG 78 – Suchtprävention und Gesundheitsförderung“ zur Umset- zung des gesetzlichen Kernauftrags §§11-14 zur Strukturverbesserung unter Beachtung der allge- meinen Grundsätze der Prävention statt. In der Kooperation mit den Schwerpunktträgern ist die Zielgruppe der „Kinder psychisch und sucht- kranker Eltern“ in einen besonderen Fokus gerückt und es hat sich ein Zusammenschluss als Unter- Arbeitsgruppe gebildet, aus dem die Planungen zum vorliegenden Konzept seitens SKM und SKF in Abstimmung mit 512 für die Entwicklung der Fachstelle entstanden sind. Ziel ist der Aufbau eines Fachteams, welches in Köln in Kooperation mit dem Jugendamt unter Einbeziehung aller anderen Akteure (im Rahmen der AG 78) die Verzahnung und Steuerung der bestehenden Angebote zur Suchtprävention als Beratungs-und Steuerungszentrale agieren wird. Die Fachstelle wird als Ge- meinschaftsprojekt von SKM und SKF mit dem Jugendamt als Verbund unter einem Dach agieren. Das Projekt zielt darauf ab, mit dem Ansatz der frühzeitigen Erreichbarkeit und des schnellen Austau- sches das Multiplikatoren-Wissen der Fachkräfte zu bündeln, die Zusammenarbeit von Trägern und Fachkräften verbessern, kurzfristig auf aktuelle Bedarfe reagieren zu können und inhaltliche Schwer- punkte adäquat bearbeiten zu können. Aus diesem Grund erfolgt zur Qualitätssicherung eine dreijäh- rige Evaluation durch die Institut für Kinder- und Jugendhilfe gGmbH in Mainz (IKJ) hinsichtlich der- 2 Struktur-, -Prozess- und Ergebnisqualität. Die Finanzierung erfolgt zum einen durch Leistungen der Träger durch die Weiterentwicklung der aktuellen Arbeit im Sinne der pädagogischen Bedarfsorientierung als auch über bewilligte und weiter in Aussicht gestellte Projektmittel. Seitens der Gesamtkoordination wurden über das LVR-Förderprogramm „Unterstützung der Kommu- nen im Rheinland beim Ausbau der Angebots- und Koordinationsstrukturen für Kinder und Jugendli- che mit psychisch und/oder suchterkrankten Eltern“ Projektmittel in Höhe von 20.000 für 2 Jahre ak- quiriert. Die räumliche Verortung der Kooperation findet im Corneliushaus statt. Hier kann auf den bestehenden Bedarf durch eine Weiterstrukturierung von Leistungen/Raumnutzung des Café Mäc up aufgrund gesunkener Nachfrage sowie Verlagerung der Arbeit von Mitarbeitern aus SKM und SKF entgegnet werden. Auch kann die Koordination des Jugendamtes bedarfsorientiert bis zu 2h/Woche für den direkten Austausch vor Ort im Corneliushaus arbeiten. Ziel ist es, die aufzubauende Struktur nach der Implementierung auf Dauer finanziell über vorab zu akquirierende Mittel abzusichern. Hierzu sollen weitere Mittel über das Landesprogramm „KIPS Prä- vention NRW: Kinder psychisch und suchtkranker Eltern – Lotsenproramm“ beantragt werden. Es sind keine zusätzlichen Mittel erforderlich. Anlage: - Konzept Gez. Voigtsberger
2021-05-25_Konzept Fachstelle-final
33027 Zeichen
1 Fachstelle „Hilfen für Kinder und Jugendliche aus mit Sucht und/oder psychisch belasteten Familien“ Kurzkonzept Einleitung Kinder aus sucht - und psychisch belasteten Familien sind in einem besonderen Maße Entwicklungsrisiken ausgesetzt. Um ein möglichst gesundes Aufwachsen zu ermöglichen und so die Ausbildung von Folgeerkrankungen oder destruktiven Verhaltens - und Bindungsmust ern zu reduzieren, benötigen diese Kinder und deren Familien zum einen spezifische Hilfeleistungen und zum anderen eine gut vernetzte Hilfeerbringung zwischen verschiedenen Angebotsarten und Leistungssystemen. Der dringende Bedarf, die Versorgungssituation in den Kommunen deutschlandweit für die Zielgruppe zu verbessern und vorhandene Kompetenzen stärker zu bündeln, wurde nicht zuletzt durch die auf Bundesebene angesiedelte, interministerielle Arbeitsgruppe Kinder psychisch und suchtkranker Eltern herausgestellt. Um sich diesen Herausforderungen im Kölner Stadtgebiet erfolgreich stellen zu können, wurde von SkF und SKM Köln in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt der Stadt Köln ein Konzept für eine Fachstelle für psychisch und suchtbelastete Familien entworfen, welches darauf ausgelegt ist, die aktuellen fachlichen und fachpolitischen Anforderungen zielgerichtet und umfassend umzusetzen. Die zentrale Zielsetzung der Fachstelle ist es, für betroffene Kinder und ihre Familien in Köln eine zentrale niedrigschwellige Anlaufstelle zu schaffen, von der aus indikationsgestützt und bedarfsorientiert Hilfezugänge in die (vorrangig) Kölner Versorgungslandschaft erfolgen können. Die Präventionsarbeit in Köln wird somit um einen zusätzlichen Baustein erweitert. Mit einem zielgruppenspezifischen Ansatz soll die Arbeit der Fachstelle anhand von sechs Zieldimensionen aufgebaut werden, deren Umsetzung durch die konkreten Leistungsangebote realisiert wird (vgl. Kapitel Geplante Maßnahmen): 1. Adressat:innengerechtigkeit 2. Vernetzung und Koordination 3. Qualifizierung von Fachkräften und Diensten 4. Angebotsentwicklung 5. Wissen bündeln 6. Fachliche Beratung in Kinderschutzfragen 2 Bestehende Angebote für Kinder aus suchtbelasteten und psychisch kranken Familien der Kölner Trägervielfalt sollen in einer zentralen Anlaufstelle koordiniert werden. Durch ein trägerübergreifendes Fach -Team, dessen Gesamtsteuerung durch die Koordinatorin der Suchtprävention des Jugendamtes erfolgt, wird die Kooperation optimiert, Fachwissen gebündelt, der Fachöffentlichkeit zur Verfügung gestellt und werden die Hilfen für die Zielgruppe konzeptionell ausgebaut. Weitere Bedarfe werden ermittelt und passgena ue Hilf eangebote entsprechend perspektivisch weiterentwickelt oder installiert. Die Hilfen werden wissenschaftlich evaluiert. Das Gemeinschaftsprojekt von SkF und SKM gliedert sich als Unterarbeitsgremium in die AG 78 ein. Es erfährt Unterstützung und Beratung durch das Jugendamt; bedarfsorientiert erfolgt die Mitarbeit der Koordinationsfachkraft des Jugendamtes vor Ort. Das Fach-Team stellt damit eine trägerübergreifende Ressource dar , trägt zu einer Bereinigung von Schnittstellen bei und entspricht damit den auf Bundesebene festgestellten Handlungsbedarfen proaktiv. Durch die Möglichkeit, die räumlichen Ressourcen des „Corneliushaus“ in der Gereonstraße als zentrale Anlauf - und Kontaktstelle zu nutzen, wird der Zugang für die Zielgruppen wesentlich erleichtert. Das „Corneliushaus“ liegt zentral in der Kölner Innenstadt unweit vom Kölner Hauptbahnhof entfernt, ist dementsprechend an den öffentlichen Nahverkehr sehr gut angeschlossen und hat darüber hinaus bereits einen relev anten kommunalen Bekanntheitswert. Das Haus bietet sowohl Platz für Beratungsangebote als auch für Gruppenangebote; ein speziell eingerichtetes Therapie- und Spielzimmer ist überdies bereits vorhanden. Die zentrale Anlaufstelle ist als eine räumliche Ergä nzung zu bereits bestehenden und erprobten dezentralen, sozialraumorientierten Hilfeangeboten zu verstehen. Als wesentliche Kooperationspartner an der Fachstelle beteiligt sind die Drogenhilfe Köln gGmbH sowie das Kölner Gesundheitsamt. Verlässliche Kooperationen sollen mit den einschlägigen Trägern und Angeboten der Sucht -, Jugend - und Eingliede rungshilfe sowie der medizinischen Versorgung geschlossen werden. Die Arbeit der Fachstelle soll durch das Institut für Kinder- und Jugendhilfe gGmbH in Mainz (IKJ) über einen Zeitraum von drei Jahren hinsichtlich der Struktur -, -Prozess- und Ergebnisqual ität evaluiert werden. Das IKJ verfügt im Themengebiet dabei über herausragende Referenzen auf kommunaler wie auf Bundesebene und steht für die Fachstelle auch als fachlicher Ansprechpartner zur Verfügung. Ausgangslage und Epidemiologie Wie eingangs besch rieben sind in den vergangenen Jahren Kinder von psychisch kranken Eltern, zu denen auch Eltern mit Suchterkrankungen zählen, als Hochrisikogruppe für Entwicklungsgefährdungen immer stärker in den Fokus von Politik und Gesellschaft gerückt. 2017 wurde im A uftrag der Bundesregierung eine interministerielle Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich mit der Situation von Kindern psychisch kranker Eltern beschäftigt hat. 3 Zur Epidemiologie stellen Klein, Moesgen und Dyba fest, dass Zahlen aus Studienergebnissen und Erfassungen hinsichtlich der Anzahl der betroffenen Kinder nur begrenzt verlässlich sind (vgl. 2019, S.11f). Auch die Deutsche Gesellschaft für Kinderschutz in der Medizin kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Sie kommt auf eine prozentuale Häufigkeit von 37% vo n Kindern, die mit mindestens einem Elternteil aufwachsen, der zumindest zeitweise psychisch und suchtkrank ist. Sie stellt fest, dass “auch unter kritischer Betrachtung der aktuellen Datenlage” diese belasteten Familiensysteme “eine quantitativ bedeutende und wichtige Zielgruppe sind, für die früh ansetzende Maßnahmen im Sinne eines präventiven Kinderschutzes notwendig sind” (2020, S.14). Wendet man die aus dem Kölner Zahlenspiegel hervorgehenden Zahlen von insgesamt 176.088 im Jahr 2019 in Köln lebenden Kinder und Jugendliche bis einschließlich 17 Jahren auf diese Schätzung an, so kommt man zu dem Ergebnis, dass in Köln etwa 65.000 von elterlicher Suchterkrankung/-belastung und/oder psychischen Erkrankung/Belastung betroffene Kinder und Jugendliche leben (vgl. Die Oberbürgermeisterin, 2020, S.2). Eine psychische elterliche Erkrankung hat eine Vielzahl unterschiedlicher Auswirkungen, die meist das gesamte Familiensystem betreffen. Viele Eltern finden geeignete Wege , mit der besonderen Herausforderung von s eelischer Erkrankung und Elternschaft umzugehen und Belastungen für die Kinder zu vermeiden. Eine Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit kann aber auch einen Risikofaktor für die kindliche Entwicklung darstellen. Risikofaktoren wie beispielsweise Armu t, unzureichende Wohnverhältnisse, Arbeitslosigkeit, fehlendes soziales Unterstützungssystem, anhaltende Partnerschaftskonflikte ggfs. mit Partnerschaftsgewalt, alleinerziehende Elternteile können sich gegenseitig verstärken (Lenz und Wiegand -Grefe 2017). Nicht selten entwickeln die betroffenen Eltern starke Schuld- und Schamgefühle, ziehen sich sozial zurück und suchen aus Angst vor Stigma, fehlendem Krankheitsbewusstsein, möglichen familienrechtlichen Konsequenzen oder Sorge um die Versorgung der Kinder keine Hilfe auf. Dabei wird ein verleugnender und tabuisierender Umgang mit der eigenen Erkrankung als folgenreicher Risikofaktor für die emotionale Befindlichkeit der Kinder betrachtet (Beardslee at al. 2002). Die Kinder- und Jugendlichen sehen sich der E rkrankung ihrer Eltern hilflos ausgesetzt, fühlen sich allein gelassen, für die Erkrankung verantwortlich (Parentifizierung z.T. mit Rollenumkehr) oder haben Angst, selbst eine psychische Krankheit zu entwickeln (Dunn 1993, Lenz 2005). Aufgrund des Zusammenspiels aus sozialen Komponenten und besonders schwierigen Lebens - und Entwicklungsbedingungen ist bei Kindern suchtkranker oder psychisch kranker Eltern die Wahrscheinlichkeit, selbst eine psychische Störung oder Suchterkrankung zu entwickeln, größer als bei Kindern mit psychisch gesunden Eltern. Ohne passende Unterstützung tragen Kinder und Jugendliche aus Familien mit einem psychisch erkrankten Elternteil ein mindestens dreifaches Risiko, selber psychisch zu erkranken (Wiegand -Grefe et al. 2009). Das Ris iko der Kinder, später selbst eine Suchterkrankung zu entwickeln, ist massiv. Schrappe stellt hierzu fest: „Mehr als 30 % der Kinder aus suchtbelasteten Familien werden selber suchtkrank, und zwar meist bereits als Jugendliche oder junge Erwachsene“ (2018, S.64). Diese Ausführungen stehen in Verbindung mit Auswirkungen auf die schulische und soziale Teilhabe der Kinder und erheblichen gesellschaftlichen Folgekosten (Mattejat und Remschmidt 2008). Auch wenn allgemein bekannt ist, dass psychische Erkrankungen mehrerer Familienmitglieder einen Hochrisikofaktor für die seelische Gesundheit aller Beteiligten darstellen, gibt es in Deutschland bislang kaum verfügbare koordinierte, niedrigschwellige Versorgungsnetzwerke (Lenz und Wiegand -Grefe 4 2017). Hinzu kommen a ndere systembedingte erschwerende Zugangsbarrieren (Schnittstellenprobleme mit unterschiedlichen Systemlogiken, fehlender gemeinsamer Sprache, fehlender flächendeckender, verlässlicher Kooperation, unverbundenen Leistungen im SGB II, V, VIII und XII, fehle ndem Case Management, unterschiedlichen Finanzierungsgrundlagen etc.) (Reale und Bonati 2015, Institut für Kinder- und Jugendhilfe 2020). Vor dem skizierten Hintergrund stellte die Arbeitsgruppe „Kinder psychisch - und suchterkrankter Eltern“ einen dringen den Handlungsbedarf fest und legte am 12. März 2018 konsensuale Empfehlungen vor: „Von entscheidender Bedeutung für bessere Bedingungen für die betroffenen jungen Menschen und ihre Familien sind dabei u.a. leichte Zugänge und die Stärkung präventiver Angebote. Es ist wichtig, dass die betroffenen Familien frühzeitig, niedrigschwellig und direkt erreicht werden können.“ (S.3, Abschlussbericht AG -KPKE 2019). Neben dem unmittelbaren und flexiblen Zugang sollen die ambulanten Hilfen auch kontinuierlich und flex ibel für die schwankenden Bedarfslagen der Familien zur Verfügung stehen (Empfehlung Nr. 2). Die Leistungen der Prävention und Gesundheitsförderung soll an den spezifischen Bedarfen der Kinder - und Jugendlichen aus suchtbelasteten oder psychisch belasteten Familien ausgerichtet sein (Empfehlung Nr. 7). Die Kommune wird als besonders geeignete Lebenswelt für Gesundheitsförderung und Prävention angesehen, da sie andere Lebenswelten (Kindertagesstätten, Schulen) mitumfasst und so die Menschen ohne Stigmatisierung in ihren täglichen Lebenszusammenhängen erreichen kann (S.14, AG- KPKE 2019). Für eine zielgenaue Steuerung und wirksame Umsetzung der Hilfen werden interdisziplinäre und systemübergreifende, kommunal verankerte Unterstützungsnetzwerke mit möglichst flächendeckendem Auf- und Ausbau strukturierter, verbindlicher und qualitätsgesicherter Kooperations- und Koordinationsstrukturen angeregt, welche die Lebenssituation der gesamten Familie berücksichtigen (Empfehlungen Nr. 15, 16, 17, 18, 19). Die Bundesdrogenbeauftragte fordert im Weiteren, dass die Empfehlungen möglichst schnell in der Praxis umgesetzt werden, damit die Hilfe dort ankommt, wo sie dringend gebraucht wird (2020, S. 34). Abschließend soll nicht unerwähnt bleiben, dass Kinder aus suchtbelasteten Familien in der Regel auch nicht durch die ambulanten Suchtberatungen erreicht bzw. auch nur gesehen werden. Laut der Landeskoordinierungsstelle Frauen und Sucht NRW, Bella Donna werden rund 90 Prozent der Kinder überhaupt nicht von den Beratern der ambulanten Suchthilfeeinrichtungen gesehen (vgl. S.32). Diese Zahl ist hinsichtlich der möglichen Gefährdungslage der Kinder höchst bedenklich. Lenz stellt fest, dass bei psychisch kranken und suchtkranken Elternteilen oftmals ein hohes Maß an kumulierten Risik en auf der individuellen, familiären und sozialen Ebene vorliegt und dass diese Risiken nicht ausreichend durch Schutzfaktoren kompensiert werden können (vgl. 2019, S.18). Es sollte daher alles darangesetzt werden, um die Kinder, Jugendlichen und die Familien als Gesamtsystem besser zu erreichen, und dies möglichst früh. Zielsetzung Das Konzept der Fachstelle „Hilfen für Kinder und Jugendliche aus mit Sucht und/oder psychisch belasteten Familien“ setzt genau hier an. Mit dem Aufbau der kommunalen Fachstel le wird den Empfehlungen gefolgt und können diese maßgeblich umgesetzt werden. Erfreulicherweise gibt es in Köln bereits eine gute Angebotsstruktur für die Zielgruppe, die durch die Fachstelle perspektivisch koordiniert werden soll und auf die im Weiteren zentral und dezentral aufgebaut werden kann. Durch 5 die Fachstelle wird Kooperation und Netzwerkarbeit auch an den Nahtstellen jeweiliger Kostenträger gestärkt und gefördert. Die Kinder und Familien werden durch einen einfachen, überschaubaren und direkten Zugang durch die zentrale Anlaufstelle besser erreicht und durch den Aufbau von Lotsenfunktionen in bestehende und weiter auszubauende sozialraumorientierte Hilfen direkt, unbürokratisch und fachgerecht vermittelt. Durch den am Bedarf orientierten Ausbau d er Hilfen werden die präventiven Leistungen für die Kinder und Familien in Köln insgesamt verbessert. Wie in der Einleitung dargelegt, wird die Arbeit der Fachstelle auf sechs Säulen errichtet, welchen sich auch die Zielsetzungen zuordnen lassen: 1. Adressat:innengerechtigkeit: - Niedrigschwelligkeit: Leichter und direkter, unbürokratischer Zugang sowie Abbau von Hemmnissen, Hilfe aufzusuchen, für Kinder, Jugendliche und betroffene Familien durch Installierung einer zentralen Anlaufstelle im Corneliushaus. - Partizipation: Maßgabe aller einzelfallbezogenen Entscheidungen, Ausgestaltung von Hilfe- und Beratungsprozessen sowie auch strategischer Entwicklungen ist die Bedürfnislage der Kinder - und Jugendlichen unter Berücksichtigung von Kinderschutzfragestellungen. Voraussetzung dafür ist eine transparente, adressat:innengerechte Kommunikation auf Augenhöhe. - Frühzeitigkeit: Um Folgeerkrankungen zu vermeiden, sollen Familien und deren (ggf. ungeborenen) Kinder so frühzeitig wie möglich erreicht werden. 2. Vernetzung und Koordination - Durch den Aufbau einer Lotsenfunktion werden Familien bei der Orientierung im Hilfesystem maßgeblich unterstützt. - Indikationsgestützte Hilfezuweisung: Die Hilfezuweisung/-vermittlung soll sich am Bedarf der einzelnen Familienmit glieder orientieren. Die Bedarfe werden systematisch erfasst und bewertet, sodass die Vermittlung auf Grundlage nachvollziehbarer Kriterien erfolgt. Maßgebliches Entscheidungskriterium für die Auswahl der Hilfen bildet aber immer die Bedürfnislage der Klient:innen. - Kooperation und Vernetzung werden insgesamt gestärkt. - Die Fachstelle fungiert als politisches Gremium und Interessenvertretung der Zielgruppe. 3. Qualifizierung von Fachkräften und Diensten - Durch die zentrale Fachstelle wird ein direkter Zugang für Fachkräfte und neben Fachberatung auch ein fachspezifisches Qualifikationsangebot geboten. - Dienste und Angebote, die in besonderem Maße in der täglichen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen aus belasteten Familien konfrontiert sind, sollen hier vorrangig Angebote zur Qualifizierung erhalten (z.B. ASD, GSD, Streetwork etc.) - Außerdem sollen hier perspektivisch Qualifizierungsangebote entwickelt werden, die Akteur:innen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, der Schulsozialarbeit sowie 6 Lehrkräfte und KiTa-Personal in Sozialräumen mit hohen Bedürfnislagen für die Problematik sensibilisieren. 4. Angebotsentwicklung - Durch passgenaue und am Bedarf orientierte zentrale und dezentrale Angebote sollen insgesamt quantitativ mehr Kölner Kinder, Jugendliche und Familien erreicht werden. - Durch eine Bedarfsanalyse können am Bedarf gemessene Angebote in Köln installiert, ausgebaut und evaluiert werden. - Durch den Ausbau von „Frühzeitigen Hilfen“ sollen Familien früher und Schwangere besser erreicht werden sowie spezifische Hilfen angeboten werden. 5. Wissen bündeln - Bündelung: Die Fachstelle ist stets informiert über den aktuellen Stand der Forschung und politischen Entwicklungen und Handlungsoptionen und stellt diese transparent den kooperierenden Trägern, der kommunalen Steuerungs ebene sowie der interessierten Kölner Öffentlichkeit zur Verfügung. - Die Öffentlichkeit und Fachöffentlichkeit soll für die Problematik weiter sensibilisiert werden. 6. Fachliche Beratung in Kinderschutzfragen - Der Schutz der Kinder und Jugendlichen soll weiter verbessert werden. Dafür soll die Fachstelle als zentrale fachliche Ansprechpartnerin in allen Kinderschutzfragen den Fachkräften und Trägern der Kinder- und Jugendhilfe sowie Fachkräften aus Schule und Kita zur Verfügung stehen. Geplante Maßnahmen 1. Lotsenfunktion für Kinder und Familien und direkte Akut-Versorgung Hilfesuchende Familien haben häufig komplexe Bedarfslagen und sehen sich gleichzeitig mit einer schwer überschaubaren Vielzahl von unterschiedlichen Angeboten konfrontiert. In der Regel ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich, welche Hilfen passgenau sind; dies gilt im besonderen Maße für spezifische Zielgruppen wie auch die von Sucht und psychischer Erkrankung betroffenen Familien. Unterschiedliche Finanzierungen und eine Vielzahl von Tr ägern erschweren die Übersichtlichkeit zusätzlich. Durch die Lotsenfunktion soll der Zugang maßgeblich erleichtert und geeignete Hilfen schnell und unkompliziert gefunden werden. Die Ausführung der Lotsenfunktion sowie die Kontaktaufnahme zu den Lotsen kann erfolgen durch: - persönliches und telefonisches Beratungsangebot für Betroffene, offene Sprechstunde - ggfs. durch niedrigschwellige Angebote für Betroffene, z.B. offenes Familienfrühstück oder offene Mutter-Kind-Gruppe 7 Bei der Vermittlung in individuelle Unterstützungsangebote kann auf ein breites Netz bereits bestehender Angebote in Köln zurückgegriffen werden, u.a.: o Ambulante Hilfen zur Erziehung (SPFH, AFT, MDFT, Tandem, BiSS Begleitung) o Clearingwohnen für suchtkranke Schwangere und Mütter mit ihren Kindern o Ambulantes Sucht(mittel)clearing o Ambulant betreutes Wohnen o Gruppenangebote für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene (MIKADO/ StandUp/ Mobilé) o Entlastungsangebote (Kurberatung, Familienpaten, etc.) Im Rahmen der Evaluation des Modellprojekts Ch ance for Kids hat sich herausgestellt, dass Angebote, die interdisziplinär an der Schnittstelle zwischen Jugend - und Suchthilfe agieren, besonders hohe Hilfequalität erreichen konnten (vgl. Arnold und Förster 2020). Entscheidend für die erfolgreiche Arbei t im Sinne der Lotsenfunktion ist dabei, dass die Kontaktaufnahme zu den weiterführenden Hilfen fachgerecht begleitet wird, um Hemmschwellen und Vermittlungshemmnisse abzubauen und eine durchgängige Beratung und weitere Begleitung der betroffenen Kinder und Familien bis zum erfolgreichen Ankommen in den spezifischen Hilfen angeboten wird. Die Beratung und Begleitung sollen ebenfalls als Akut -Versorgung und Krisenintervention fungieren. Familien in Krisen werden nicht allein gelassen oder lediglich an andere Hilfen verwiesen, sondern sollen ein kurzfristiges Angebot der Beratung und Begleitung erhalten, bis die Installation weiterführender Hilfen erfolgreich geleistet werden konnte. 2. Weiterentwicklung und Initiierung frühzeitig einsetzender individueller Hilfeangebote Besonderer Fokus wird daraufgelegt, die Familien und Kinder der Zielgruppe möglichst früh zu erreichen und präventive Leistungen zu verbessern. Da bekanntermaßen die frühzeitige n Hilfen besonders effektiv darin sind, negative Auswirkungen auf di e Kinder zu vermeiden oder abzumildern, sollen entsprechende Hilfeangebote weiterentwickelt werden. Durch die spezifische Ausrichtung auf die Zielgruppe mit Sucht und psychischer Erkrankung belastete Familien können vorhandene Hemmschwellen bestmöglich abgebaut werden. Explizit hingewiesen werden soll an dieser Stelle auch auf die möglichen pränatalen Auswirkungen auf den Fötus und auf die Folgen für das spätere Kind durch Suchtmittelkonsum während der Schwangerschaft. Die schädigenden und insbesondere teratogenen Auswirkungen von Alkohol auf den Fötus sind seit langem bekannt und gut untersucht. Die Folgen für das Kind sind mannigfaltig, zum Teil massiv und finden sich spezifisch im ICD -10 Q 86.0 als Alkohol Embryopathie wieder. Nagel und Siedentopf liste n darüber hinaus vielfältige Risiken für den Fötus und das Kind bezogen auf unterschiedlichen Substanzkonsum auf (vgl. 2006, Umschlagseite hinten). Exemplarisch genannt werden sollen hier Wachstumsstörungen, Früh - und Fehlgeburten, Entzugssymptome, Anpassungsstörungen sowie Entwicklungs-, Verhaltens- und Lernstörungen. Noch nicht berücksichtigt bei diesen Betrachtungsweisen sind die Risiken für den Fötus und das Kind durch den Lebensstil der Mutter sowie durch die sich aus den Risiken ergebenden möglichen s ekundären Folgen, wie 8 beispielsweise ein erschwerter Bindungsaufbau durch Frühgeburt und/ oder durch Entwicklung einer Entzugssymptomatik. Daher soll insbesondere auch die Zielgruppe der Schwangeren mit besonderen Belastungen mitberücksichtigt werden. Sch wangere mit einer Suchterkrankung oder psychische n Erkrankung sind in besonders starken und akuten Maßen von Schamgefühl und Ängsten betroffen. Es gilt hier, Hemmschwellen bestmöglich entgegenzusteuern und individuelle Hilfen unkompliziert, schnell und direkt anzubieten. Der präventive Charakter bezogen a uf die Folgen für das Ungeborene ist hier als besonders hoch zu werten. Als konkrete Maßnahmen sind angedacht: - Angebot von Bindungsunterstützender Beratung für die Zielgruppe (z.B. Entwicklungspsychologische Beratung, Marte Meo, SAFE®) - Auf- bzw. Ausbau von Gruppenangeboten (z.B. Schwangere/ Mütter in Aktion, MUT – Mutter-Unterstützungs-Trainings, andere Elterngruppen oder Gruppenprogramme wie “Ressourcen psychisch kranker und suchtkranker Eltern stärken” (nach Lenz) oder “SHIFT - Elterntraining für drogenabhängige Mütter und Väter von Kindern zwischen 0 und 8 Jahren” (nach Klein u.a.)) - Kooperation mit und ggfs. Ausbau der Präventionsangebote “Alkohol -, Tabak - und anderem Suchtmittelkonsum in der Schwangerschaft und Stillzeit” der Schwangerschaftsberatungsstelle Esperanza - Ggfs. offene persönliche und telefonische Schwerpunkt -Sprechstunde „Sucht & Schwangerschaft“ für betroffene Schwangere, Angehörige und ratsuchende Fachkräfte - Begleitung und Betreuung von Schwangeren im Rahmen der Lotsenfunktion/ Akut - Versorgung - Entwicklung weiterer Angebote, um die Zielgruppe Schwangere besser zu erreichen Die enge Vernetzung mit bereits bestehenden Angeboten wie dem Clearingwohnen für suchtkranke Schwangere und Mütter mit Kindern (SkF e.V.), dem F rau-und-Kind-Haus (KÖLN-RING gGmbH), den Schwangerschaftsberatungsstellen oder Angeboten in der Entwicklungsphase (Mutter -Kind- Einrichtung für psychisch belastete Eltern, SkF e.V.) sowie den Einrichtungen der Gesundheitsdienste ist dabei obligat. 3. Entwicklung eines chat-basierten Angebotes - Online-Portal Um die Kontaktaufnahme zu erleichtern und zu erweitern, wird der Zugang nicht nur telefonisch und persönlich, sondern auch über ein Online -Portal möglich sein. Gerade für Zielgruppen mit Hemmschwellen, Hilfen aufzusuchen, können digitale Medien besonders förderlich sein. 9 Das Online-Portal der Fachstelle ist als eine sinnvolle, kommunale Ergänzung zu sehen zu dem bereits vorhandenem Online-Angebot für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene „KidKit.“ Das Portal soll insbesondere auch kommunale Gegebenheiten berücksichtigen. Es soll sowohl für die Zielgruppe der betroffenen Kinder, Jugendlichen, Familien und deren Angehörigen als auch für die Fachöffentlichkeit nutzbar gemacht werden. 4. Expertenpool als Angebot für Fachkräfte Kinder und Jugendliche mit spezifischen Belastungen tauchen in einer Vielzahl von unterschiedlichen Einrichtungen auf. Beispielhaft genannt werden sollen hier Kindertageseinrichtungen, Familienberatungsstellen, Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, der Bereich Offener Ganztagsschule (OGTS), Schulen und die Einrichtungen der Gesundheitsdienste. Die vor Ort arbeitenden Fachkräfte sind häufig nur marginal vertraut mit den Thematiken Sucht und psychische Erkrankung sowie der sp ezifischen Angebotsstruktur für die Zielgruppe in Köln. Die Fachstelle bietet daher einen direkten Zugang für Fachkräfte an. Die konkrete Ausgestaltung erfolgt durch: - Fach- und Fallberatung zu Sprechzeiten, persönlich in der Fachstelle, telefonisch und digital - „supervidierende“ bzw. prozessbegleitende Beratung für Fachkräfte - §8a Fachberatung (für Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe - Informationsbündelung und Informationsweitergabe über die entsprechenden Kölner Hilfeangebote - Multiplikatoren-Arbeit, am Be darf orientierte Schulungen und Fortbildungen für Fachkräfte 5. Vernetzung der Angebote für die Zielgruppe Neben den oben beschriebenen Hilfeangeboten, die die zentrale Fachstelle teilweise selbstständig anbietet, vernetzt die Fachstelle in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt und unterstützt durch dieses die bereits vorhandenen dezentralen Angebote und unterstützt den weiteren Ausbau dieser z.B. in Familienhäusern, Familienzentren, Jugendzentren, Schulen etc. Durch die Vernetzung wird die trägerübergreifende Kooperation gefördert, können Hilfen optimal aufeinander abgestimmt und Fachexpertisen gegenseitig nutzbar gemacht werden. 6. Kontinuierliche Weiterentwicklung der Fachstelle Der Aufbau der Fachstelle und die inhaltliche Ausgestaltung ist prozesshaft zu vers tehen. Das Angebot soll entsprechend der Bedarfsermittlung und der Evaluation der Angebote angepasst werden. Konkret bedeutet dies u.a.: - Kontinuierliche Weiterentwicklung und Konzeptarbeit - Aufbau eines Qualitätsmanagements 10 - Akquise von Mitteln für ergänzend e Hilfeangebote z.B. nach dem Präventionsgesetz, Förderung durch GKV, Landesprogramm KIPS Prävention NRW etc. 7. Netzwerkarbeit Durch die Anbindung an die AG 78 orientiert sich die Steuerung am Kinder- und Jugendförderplan der Stadt Köln. Dies gilt auch für die Netzwerkarbeit. Diese stellt eine zentrale Aufgabe der trägerübergreifenden Fachstelle dar; es gilt insbesondere, unterschiedliche Hilfe- sowie Kostenträger zusammen zu bringen, interdisziplinäres Zusammenwirken zu fördern und insgesamt einen Beitrag zu Verständigung und Zusammenarbeit zu leisten. Hier zu erwähnen ist u.a.: - Kooperation mit dem Jugendamt, Gesundheitsamt, JobCenter, Erziehungsberatung, Eingliederungshilfe, Kliniken, Ärzte, Substitutionsambulanzen, Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uniklinik Köln etc. - Intensive Zusammenarbeit mit der Stelle „Koordination Suchtprävention und Gesundheitsförderung“ der Stadt Köln zur Vernetzung und Koordination von Präventionsangeboten - Zusammenarbeit mit dem Projekt „Kommunale Präventionsketten“ - Mitwirkung in Arbeitskreisen (Steuer ungskreis Suchtprävention, Beirat „Kinder von drogenabhängigen und substituierten Eltern“, Beirat “Kooperationsvereinbarung zur Unterstützung von Kindern psychisch kranker Mütter/Väter/Eltern”, etc.) Evaluation Die wissenschaftliche Evaluation der Arbeit der Fachstelle übernimmt das „Institut für Kinder - und Jugendhilfe gGmbH“, kurz IKJ, in Mainz. Das IKJ kann bereits einen federführenden Stellenwert und Expertise im Fachbereich aufweisen. Zu erwähnen sind hier insbesondere die „Evaluation der ersten Förderphase des Modellprojektes Chance for Kids“ und das aktuell laufende Forschungsprojekt mit Förderung des Bundeministerium s für Gesundheit (BMG) „ Steuerungswissen und Handlungsorientierung für den Aufbau effektiver interdisziplinärer Versorgungsnetzwerke für suchtbelastete Familien“ sowie die wissenschaftliche Begleitung des Dialogprozesses „Mitreden -Mitgestalten“ zur SGB VIII -Reform im Auf trag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Durch die fachgerechte Evaluation k ann eine bestmögliche Entwicklung und Weiterentwicklung der Angebote für den Kölner Raum erreicht werden. 11 Fazit/Schlusswort Durch das intensive Engagement und die gute Zusammenarbeit der beteiligten Träger konnte dieses Konzept für die Fachstelle unter enger Beteiligung des Jugendamtes entwickelt werden. Die Verfasser verstehen dieses Konzept aber nicht als abgeschlossenes, sondern als ständi g weiterzuentwickelndes Arbeitskonzept. Auf Basis von fachlicher Supervision und Evaluation durch das IKJ Mainz bedarf das Konzept der ständigen Weiterentwicklung im Sinne des „work in progress“. In diesem Prozess werden auch die Empfehlungen des Abschluss berichtes der Arbeitsgruppe „Kinder psychisch und suchterkrankter Eltern“ vertieft aufgegriffen und operationalisiert. Alle Beteiligten einzubinden bzw. anzusprechen ist Leitgedanke des Konzeptes; dieses sind vor allem die Kinder und Jugendlichen, deren Eltern, aber auch Hilfelandschaft sowie die Öffentlichkeit und die Politik. Dabei ist die Fachstelle gerne zur Einbindung in die bereits bestehende städtische Gremienstruktur bereit, ggf. im Sinne einer neuen AG § 78 SGB VIII. Der Grundgedanke der zentrale n wie dezentralen Orientierung ermöglicht sowohl die Gesamtsteuerung durch die Koordination der Suchtprävention des Kölner Jugendamtes als auch die konkrete und bedarfsorientierte Ausgestaltung in den Sozialräumen , die auf der Jugendhilfeplanung basiert und mit den Bezirksjugendämtern sowie den Netzwerken „vor Ort“ abgestimmt ist. Durch frühzeitige erfolgreiche Präventionsarbeit spart die Stadt Köln Folgekosten bei den Kindern ein und kann teurere Hilfen durch Ausfall der Eltern verhindern. Über die evaluierte Phase der ersten 3 Jahre hinaus wird eine verlässliche Regelfinanzierung im Sinne einer kommunalen Pflichtaufgabe angestrebt. 25.5.2021 12 Quellennachweise AFET- Bundesverband für Erziehungshilfen e.V. (Hg.): Abschlussbericht der Arbeitsgruppe “Kinder psychisch und suchterkrankter Eltern”, Hannover, 2020. Arnold, J. & Förster, B.: Wenn Eltern psychisch krank sind, werden die Kinder oft vergessen. Das Projekt "Chance for Kids" ermöglicht passgenaue und hochwirksame Hilfen für Kinder psychisch kranker und suchtbelasteter Eltern. neue caritas (1), 20–23, 2020. Beardslee, W. R.: Out of the darkened room: when a parent is depressed. Protecting the children and strengthen the family. Boston, MA: Little, Brown and Company, 2020. Deutsche Gesellschaft für Kinderschutz in der Medizin e.V. (Hg.): Präventiver Kinderschutz bei Kindern psychisch kranker und suchtkranker Eltern, Leitfaden für Fachkräfte im Gesundheitswesen, Version 1.0 - 12/2020. Die Drogenbeauftrage der Bundesregierung (Hg): Kinder aus suchtbelasteten Familien, 2017. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung: Jahresbericht 2020. https://www.drogenbeauftragte.de/presse/detail/neuer-bericht-der-drogenbeauftragten-ludwig Die Oberbürgermeisterin, Stadt Köln: Kölner Zahlenspiegel, 2020. Dunn, B.: Growing up with a psychiatric mother: A retrospective study. American Journal of Orthopsychiatry, 63, 177-189, 1993. Institut für Kinder - für Kinder und Jugendhilfe (Hg.): Steuerungswissen und Handlungsorientierung für den Aufbau effektiver interdisziplinärer Versorgungsnetzwerke für suchtbelastete Familien – Zwischenbericht zum Stand der Auswertung der Fokusgruppen, 2020 Klein, M., Thomasius, R., Moesgen, D.: Grundsatzpapier zu Fakten und Forschungslage. In: Kinder aus suchtbelasteten Familien, 2017. Klein, M., Moesgen, D., Dyba, J.: SHIFT – Ein Elterntraining für drogenabhängige Mütter und Väter von Kindern zwischen 0 und 8 Jahren, Göttingen, 2019. Landeskoordinierungsstelle Frauen und Sucht NRW, BELLA DONNA: Modellprojekt: Dokumentation der Kinder der ambulant betreuten Klientinnen und Klienten – NRWKIDS-Modul – Projekt des Aktionsplans Sucht NRW – Abschlussbericht, Lenz, Albert: Ressourcen psychisch kranker und suchtkranker Eltern stärken, Göttingen, 2019. Lenz, A.: Kinder psychisch kranker Eltern, Göttingen, 2005. Lenz, A., & Wiegand-Grefe, S.: Kinder psychisch kranker Eltern. Göttingen, 2017. Nagel, M., Siedentopf, J.-P.: Schwangerschaft, Sucht, Hilfe. Ein Leitfaden zum Casemanagement, Berlin 2006. Schrappe, A.: Kinder und ihre psychisch erkrankten Eltern – Kompetent beraten, sicher kooperieren, Weinheim, 2018. 13 Wiegand-Grefe, S., Geers, P., Plass, A., Petermann, F., & Riedesser, P.: Children of mentally ill parents: Associations between subjective parental impairment and psychological problems of the children. Kindheit und Entwicklung, 18 (2), 111-121, 2009.
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungOrte (1)
- Gereonstraße
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Aktenzeichen
- 2017/2021
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 02.06.2021
- Erstellt
- 26.05.2021 15:48